Details Rheintorkapelle "Maria von den Engeln" (erbaut 1860)

Am 11.08.1860 genehmigte der Zonser Gemeinderat auf Antrag der Vorsteherin des Franziskanerklosters den Bau der Kapelle "Maria von den Engeln" auf dem Grund des Klosters. Noch in diesem Jahr wurde die Kapelle errichtet und vollendet.


Die Kapelle von Westen.

Für den Bau der Kapelle nach den Plänen des Franziskanerbruders Paschalis alias Theodor Gratze aus Linz wurden Teile des Rheintores, das als Doppeltor angelegt ist, abgebrochen. Über der Rheintor-Einfahrt baute man einen neuen Übergang vom ehemaligen Zollhaus, das den Franziskanerinnen bzw. später Vinzentinerinnen als Klostergebäude diente, zur Kapelle. Gleichzeitig wurde das Schutzengelbild, ebenfalls von Paschalis entworfen, angebracht (s.u.). Die Baukosten trugen die Franziskanerinnen aus Spenden zusammen. Am Schutzengelfest zu Ehren der allerseligsten Jungfrau (2. Oktober) fand die Einweihung der Kapelle unter dem Titel "Maria von den Engeln" statt. Das gesamte Kloster hatte den Namen "Zur heiligen Dreifaltigkeit".
In der Zeit des Neubaus der Zonser Pfarrkirche 1876-1878 wurden in der Kapelle vorübergehend die Gottesdienste der Pfarrgemeinde abgehalten, wofür man eigens einen hölzernen Erweiterungsbau errichtete. Die Oberin des Klosters, Schwester Hulgoline, erhielt für die Benutzung 180 Mark aus der Kirchenkasse.

Am 10.07.1891 beschloss der Kirchenvorstand die Neudeckung der Kapelle. Sie wurde durch die Firma Ad. Sprenger's Söhne zu Düsseldorf ausgeführt. Auch beschloss der Kirchenvorstand die Erneuerung des Türmchens auf der Kapelle, denn das alte war "in einem schlechten Zustande, die Pfosten waren wurmstichig und angefault und drohte dasselbe bei geringem Sturme herunterzustürzen". Das neue Türmchen fertigte der Zimmermeister C. Kollenbroich aus Nievenheim.

Die Oberin der Vinzenzschwestern, Schwester Lamberta, erhielt 1897 in Himmelgeist die Kreuzwegbilder für die Kapelle aus Geschenk. Nach Genehmigung der geistlichen Behörde vom 09.07.1897 erfolgte am folgenden Tag mit Zustimmung des Zonser Pfarrers Adam Otten die Einsegnung durch Pater Theodorus O.S.F. aus Düsseldorf. Die Kreuzwegbilder befinden sich heute nicht mehr in der Kapelle.


Eines der Westfenster.


Fenster im Turm (Nordseite).


Baudetail Nordseite.


Die mit dem Bau der Kapelle über dem Rheintor
aufgestellte Schutzengelfigur von Paschalis.


Inneres der Kapelle (Gesamtansicht). Die Kapelle wurde 1978-1981 umfassend renoviert.


Der Kapellen-Altar


Der Altarraum der Kapelle ca. 1915/25. Die Kapelle wurde 1905 innen durch die Zonser Maler Johann Bedbur und Josef Lessenich bemalt.
[Fotosammlung Thomas Schwabach]


Marienstatue aus Wachs. Sie ist 106 cm hoch. In der Rechten hält die Madonna ein Zepter, auf dem linken Arm das Jesuskind mit kreuzgekrönter Erdkugel in seiner linken Hand, die rechte segend erhoben. Gesicht und Hände sind von Wachs.
1822 kam es angeblich in der Krone der Madonna zu wundersamen Lichterscheinungen, was eine gewaltige Wallfahrtsbewegung aus der nahen und weiteren Umgebung nach Zons auslöste. Noch im selben Jahr wurde die Bewegung von Seiten des Generalvikars in Aachen gestoppt, indem er die Figur auf den Pfarrhausspeicher verbringen ließ (s. Chronologie).

[Quellen: Pfarrarchiv St. Martinus Zons, Nr. 6 (Pfarrchronik), S. 5 (Bemalung 1905); S. 84 (Gottesdienst in Kapelle 1876-78); S. 112 (Neubedachung 1891); S. 128 (Kreuzwegbilder 1897); Stadtarchiv Dormagen (im "Archiv im Rhein-Kreis Neuss"), Bestand Zons, Nr. 98 (Genehmigung Gemeinderat 1860); Adam Otten, Zons am Rhein, Düsseldorf 1903, S. 138-139; Karl Emsbach/Max Tauch: Kirchen, Klöster und Kapellen im Kreis Neuss (= Schriftenreihe des Kreises Neuss, Nr. 13), Köln 1986, S. 32-34]