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	<title>ZonsWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-08-12T09:13:38Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=ZonsWiki:Allgemeiner_Geschichte-%C3%9Cberblick&amp;diff=4389</id>
		<title>ZonsWiki:Allgemeiner Geschichte-Überblick</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=ZonsWiki:Allgemeiner_Geschichte-%C3%9Cberblick&amp;diff=4389"/>
		<updated>2026-08-11T21:15:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Chronologie wichtiger Ereignisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Es folgt ein &#039;&#039;&#039;allgemeiner Überblick über die Geschichte von Zons&#039;&#039;&#039;: zuerst als tabellarische Chronologie wichtiger Ereignisse, anschließend in Textform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Chronologie wichtiger Ereignisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Zeit                 !! Ereignisse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1. Hälfte 1. Jahrhundert&#039;&#039;&#039; ||Für zwei Generationen besteht eine [[Römer|römische (militärische) Niederlassung]] nördlich der späteren Stadt. Dies belegt ein Urnengräberfeld an der heutigen [[Deichstraße]], der früheren römischen [[Steinstraße]]. Die genaue Lage des Lagers bzw. der Siedlung ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Um 300&#039;&#039;&#039; ||Die Römer legen in [[Bürgel]], zu diesem Zeitpunkt noch linksrheinisch, ein Kastell (Hilfslager) an.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;5. Jahrhundert&#039;&#039;&#039; ||Römer werden von Franken abgelöst. Die dem hl. Maternus geweihte Kapelle in [[Bürgel]] wird errichtet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Um 650&#039;&#039;&#039; ||Im sogenannten Testament des Kölner [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunibert_von_K%C3%B6ln Bischofs Kunibert], das um 650 datiert, aber erst in einer Abschrift aus dem späten 11. Jh. überliefert ist, wird das bischöfliche Hofgut in &amp;quot;Zuonizo&amp;quot; bzw. &amp;quot;Zuonice&amp;quot; erwähnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Ca. 775/800&#039;&#039;&#039; ||Im späteren [[Schloss Friedestrom|Schlossareal]] wird eine erste kleine Holzkapelle errichtet. Bis zum 14. Jh. gibt es vier Nachfolgebauten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1020&#039;&#039;&#039; ||Das von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_K%C3%B6ln Erzbischof Heribert] gestiftete [http://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Kloster Deutz] erhält von ihm das Patronatsrecht über die Pfarrkirche in [[Bürgel]] und damit auch die von dieser abhängige Kapelle in Zons geschenkt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1057&#039;&#039;&#039; ||Die [http://de.wikipedia.org/wiki/Richeza_%28Polen%29 polnischen Königin Richeza] erhält von [http://de.wikipedia.org/wiki/Anno_II. Bischof Anno] in einem Tauschvertrag das Hofgut Zons (&amp;quot;villa dominicatus nostri Zuonozo&amp;quot;) auf Lebenszeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Um 1164&#039;&#039;&#039; ||Im Dienstrecht der Kölner [http://de.wikipedia.org/wiki/Ministeriale Ministerialen] wird der Hof in Zons als eines der 12 [http://de.wikipedia.org/wiki/Kammergut Tafelgüter] der Erzbischöfe genannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1251&#039;&#039;&#039; ||Das Neusser [http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Gnadental_%28Neuss%29 Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal] erhält von Erzbischof [http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_von_Hochstaden Konrad von Hochstaden] den Zonser [[Zehnt]]en als Geschenk.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1288&#039;&#039;&#039; ||Nach der [[Schlacht bei Worringen]] wird das &amp;quot;castrum Zunce&amp;quot; geschleift. Es ist mangels Kenntnissen über dessen Lage bzw. archäologischer Belege unklar, ob dies ein festes Haus oder eine Burg war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1368&#039;&#039;&#039; ||Durch Tausch erhält die [[Brauweiler (Kloster)|Abtei Brauweiler]] vom [http://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Kloster Deutz] den Hof in [[Bürgel]] mit allem Zubehör und das Patronatsrecht über die dortige Pfarrkirche und die davon abhängige Kapelle in Zons.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1372&#039;&#039;&#039; ||Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden|Friedrich III. von Saarwerden]] verlegt den [[Rheinzoll]] von Neuss nach Zons. Es wird mit dem Bau der planmäßig befestigten Stadtanlage begonnen, die wahrscheinlich im 15. Jh. abgeschlossen wird.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1373&#039;&#039;&#039; ||Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden|Friedrich III.]] verleiht Zons [[Stadtrecht]]e und diverse Privilegien.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1374&#039;&#039;&#039; ||Sehr wahrscheinlicher Zeitpunkt des Rheindurchbruchs zwischen Zons und [[Bürgel]] infolge eines schweren [[Hochwasser]]s. Die Mutterkirche St. Maternus lag nun rechtsrheinisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1388&#039;&#039;&#039; ||Vollendung des [[Rheinturm|Rhein-, Peters- oder Zollturmes]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;Um 1408&#039;&#039;&#039; ||Bau der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Zonser Kirche St. Martinus]]. Mutterkirche bleibt St. Maternus in [[Bürgel]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1460&#039;&#039;&#039; ||Ersterwähnung der Zonser [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]]. Sie besteht bis kurz nach 1800.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1463&#039;&#039;&#039; ||Verpfändung von Stadt, [[Zoll]] und [[Amt Zons]] durch Erzbischof [[Dietrich von Moers|Dietrich II. von Moers]] an das [[Domkapitel|Kölner Domkapitel]], das bis 1794 in dessen Besitz bleibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1464&#039;&#039;&#039; ||Erster großer [[Stadtbrand 1464|Stadtbrand]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1475&#039;&#039;&#039; ||Im &amp;quot;[[Neusser Krieg]]&amp;quot; (1474/75) lagert ein Reichsheer unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._%28HRR%29 Kaiser Friedrich III.] zur Befreiung der belagerten [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Stadt Neuss] bei Zons.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1502&#039;&#039;&#039; ||Errichtung einer [[Münzstätte]] in Zons durch Erzbischof [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Hessen_%281450%E2%80%931508%29 Hermann]. Sie besteht nur wenige Jahre (mindestens bis 1505).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1547&#039;&#039;&#039; ||Zweiter großer [[Stadtbrand 1547|Stadtbrand]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1593&#039;&#039;&#039; ||Die Zonser [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Kirche St. Martinus]] erhält Pfarrrechte. Bindungen zur Maternus-Kapelle in [[Bürgel]] bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1620&#039;&#039;&#039; ||Dritter schwerer [[Stadtbrand 1620|Stadtbrand]] (17. Mai).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1623&#039;&#039;&#039; ||[[Pest]]epidemie in Zons.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1635&#039;&#039;&#039; ||[[Pest]]epidemie in Zons.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1646&#039;&#039;&#039; ||In der Endphase des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] belagern Hessische Truppen unter Oberst [[Rabenhaupt]] erfolglos die Stadt. Die Zonser Besatzung unter Oberst [[Goltstein]] leistet tapferen Widerstand. Zahlreiche Gebäude werden durch heftigen Kanonenbeschuss schwer beschädigt. Ein kaiserliches Entsatzheer zwingt die Belagerer nach zwei Wochen zum Rückzug.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1654-1658&#039;&#039;&#039; ||Bau des [[Franziskanerkloster]]s auf dem Platz neben dem [[Juddeturm]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1666&#039;&#039;&#039; ||[[Pest]]epidemie. In dem Jahr sterben 255 Personen in der Pfarrgemeinde. Die 1661 begonnene [[Franziskanerkirche|Klosterkirche]] wird geweiht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1739&#039;&#039;&#039; ||Kurfürst [[Clemens August]] wird Schützenkönig der Zonser [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1741&#039;&#039;&#039; ||Kurfürst [[Clemens August]] nimmt unrechtmäßig Zons in Besitz. Erst 1743 erfolgt die Rückgabe an das [[Domkapitel]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1744&#039;&#039;&#039; ||Ein Anwohner der [[Rheinstraße]], [[Zollbeamte]]r, bricht mit Genehmigung des [[Domkapitel]]s die mittlere der drei [[Pfefferbüchsen]] auf der Ostmauer ab.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1744&#039;&#039;&#039; ||Kurfürst [[Clemens August]] wird zum zweiten und letzten Mal Schützenkönig der [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1759/60&#039;&#039;&#039; ||Das [[Domkapitel]] lässt das alte marode Zollhaus abbrechen und den noch heute bestehenden Neubau errichten. In diesem Zuge wird ein Großteil des äußeren [[Rheintor]]s abgebrochen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1761&#039;&#039;&#039; ||Für den Bau einer neuen Wachtstube am [[Rheintor]] (noch heute existierender Übergang) lässt das [[Domkapitel]] das Falltor entfernen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1770&#039;&#039;&#039; ||Abbruch des alten und Bau des neuen, heutigen [[Pfarrhaus]]es.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1784&#039;&#039;&#039; ||Extremes [[Rheinhochwasser]]. Teile der Stadtmauer stürzen ein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1794&#039;&#039;&#039; ||Mit der Herrschaft der [[Franzosen]] bis 1814 endet die Zeit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kurköln Kurfürstentums Köln].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1802&#039;&#039;&#039; ||Die Dominialgüter ([[Schloss Friedestrom|Schloss]], [[Rheinturm|Zollturm]] und [[Mühle]]) werden beschlagnahmt (Versteigerung 1803) und das [[Franziskanerkloster]] aufgehoben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1805&#039;&#039;&#039; ||Der Ersteigerer des [[Franziskanerkloster]]s, Notar Josef Steinberger aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], lässt die [[Franziskanerkirche|Klosterkirche]] abbrechen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1815&#039;&#039;&#039; ||Das Rheinland wird preußisch, die Bürgermeisterei Zons Teil des Landkreises Neuss.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1822&#039;&#039;&#039; ||Aufgrund wundersamer Lichterscheinungen an einer [[Wundermadonna|Madonna]] in der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirche]] strömen zunehmend Gläubige aus dem Umland nach Zons. Nachdem die Madonna noch im selben Jahr auf Anordnung des Generalvikars entfernt wird, endet die Bewegung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1829&#039;&#039;&#039; ||Die Gemeinde erwirbt das ehemalige [[Franziskanerkloster|Klostergebäude]] und richtet darin nach Um- bzw. Erweiterungsbau bis 1832 [[Rathaus]] und [[Volksschule|Schule]] ein. Die [[Volksschule|Schule]] befindet sich bis 1951 in dem Gebäude.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1840&#039;&#039;&#039; ||Der neue [[Friedhof|Begräbnisplatz]] außerhalb der Stadtmauern wird geweiht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1841&#039;&#039;&#039; ||Das [[Feldtor]] wird abgerissen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1849-1861&#039;&#039;&#039; ||Im ehemaligen [[Franziskanerkloster]] besteht eine [[höhere Knabenschule]] unter kirchlicher Leitung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1855&#039;&#039;&#039; ||[[Franziskanerinnen]] gründen eine Niederlassung ([[Franziskanerinnen|Kloster &amp;quot;Zur heiligen Dreifaltigkeit&amp;quot;]]) in Zons, die bis 1882 am [[Rheintor]] besteht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1860&#039;&#039;&#039; ||Bau der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;]] der [[Franziskanerinnen]] am [[Rheintor]]. Hierzu wird ein Teil des Tores abgerissen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1867&#039;&#039;&#039; ||Einrichtung einer ersten &amp;quot;[[Post]]anstalt&amp;quot; in der [[Rheinstraße]] (Haus Rheinstr. 20).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1874-1893&#039;&#039;&#039; ||Im ehemaligen [[Franziskanerkloster]] bzw. dessen 1875 entstandenen Erweiterungsbau besteht eine [[höhere Knabenschule]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1876-1878&#039;&#039;&#039; ||Abriss der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|alten]] und Neubau der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|heutigen Pfarrkirche St. Martinus]] nach den Plänen von [[Vincenz Statz]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1896&#039;&#039;&#039; ||[[Vinzentinerinnen]] gründen eine Niederlassung in Zons. Sie nutzen das [[Franziskanerinnen|Rheintorkloster]]. 1959/60 verlassen sie den Ort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1898&#039;&#039;&#039; ||Die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft]] wird gegründet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1904&#039;&#039;&#039; ||Zons erhält die Genehmigung zur Führung eines [[Stadtwappen]]s. Es wird ein [[Stadtfest 1904|Stadtfest]] gefeiert und der [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Heimat- und Verkehrsverein]] gegründet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1907&#039;&#039;&#039; ||Einstellung des [[Windmühle]]nbetriebes.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1909&#039;&#039;&#039; ||Bei einem schweren Sturm verliert die [[Windmühle]] ihr Flügelkreuz. Erst 1965/66 wird die [[Mühle]] wieder instand gesetzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1910&#039;&#039;&#039; ||In den Monaten September und Oktober wird in Zons die elektrische Beleuchtung angelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1918&#039;&#039;&#039; ||Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wird Zons abwechselnd von britischen, französischen und belgischen Soldaten besetzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1920&#039;&#039;&#039; ||Ein schweres [[Hochwasser]] überflutet die Stadt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1926&#039;&#039;&#039; ||Ein noch größeres [[Hochwasser]] überflutet Zons.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1928-1930/31&#039;&#039;&#039; ||Der [[Rheindeich]] wird gebaut.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1929&#039;&#039;&#039; ||Zons feiert mit einem großen [[Stadtfest 1929|Stadtfest]] 25 Jahre [[Stadtwappen]] und (um ein Jahr verspätet) 555 Jahre [[Stadtrecht|Stadterhebung]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1931&#039;&#039;&#039; ||Einrichtung eines [[Heimatmuseum]]s im [[Rheinturm]]. Es besteht bis 1958.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1935&#039;&#039;&#039; ||Die [[Freilichtbühne]] wird eröffnet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1935&#039;&#039;&#039; ||Zons erhält eine Wasserleitung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1945&#039;&#039;&#039; ||Am 6. März besetzen Amerikaner Zons.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1954&#039;&#039;&#039; ||Am 15./16. Mai findet ein [[Stadtfest 1954|Stadtfest]] anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Verleihung des Stadtwappens statt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1957-1959&#039;&#039;&#039; ||Zons erhält eine [[Kanalisation]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1959&#039;&#039;&#039; ||Der [[Schweinebrunnen]] vor dem ehemaligen [[Feldtor]] wird errichtet, später (1987) durch mehrere Bronzeschweine ergänzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1962&#039;&#039;&#039; ||Die Stadt erwirbt das [[Schloss Friedestrom|Schlossgelände]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1967&#039;&#039;&#039; ||[[Rathaus]] und [[Volksschule|Schule]] (das ehemalige [[Franziskanerkloster]]) neben dem [[Juddeturm]] werden abgebrochen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1972&#039;&#039;&#039; ||Eröffnung des [[Kreismuseum]]s im ehemaligen &amp;quot;[[Herrenhaus]]&amp;quot;, dem [[Vorburg]]gebäude.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1973&#039;&#039;&#039; ||Großes [[Stadtfest 1973|Stadtfest]] anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der [[Stadtrecht|Stadterhebung]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1974&#039;&#039;&#039; ||Fertigstellung des [[Bürgerhaus]]es. 2015 wird es abgerissen (s.u.).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1975&#039;&#039;&#039; ||[[Kommunale Neugliederung|Zons verliert seine Selbstständigkeit und wird Stadtteil von Dormagen]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1990&#039;&#039;&#039; ||Das [[Kreisarchiv]] und das [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationale Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;]] ziehen in das [[Kreiskulturzentrum|Schlossgelände]].&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;1992&#039;&#039;&#039; ||Zons erhält aufgrund seiner Geschichte wieder den Namen &amp;quot;Stadt&amp;quot;, jedoch rechtlich weiterhin als Stadtteil von Dormagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;2009&#039;&#039;&#039; ||Die katholische Kirchengemeinde St. Martinus Zons wird zum 31. Dezember 2008 aufgelöst. Rechtsnachfolgerin ab dem 1. Januar 2009 ist die Kirchengemeinde St. Michael Dormagen (Urkunde durch Erzbischof [http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Meisner Joachim Kardinal Meisner] vom 16.01.2009). &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;2013&#039;&#039;&#039; ||Unterschutzstellung der gesamten Zonser Altstadt durch Ausweisung als Denkmalbereich (nach den §§ 5 und 6 [https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmalschutzgesetz_(Nordrhein-Westfalen) DSchG NRW]). &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;2015&#039;&#039;&#039; ||Das [[Bürgerhaus]] wird für einen Neubau des [[Archiv im Rhein-Kreis Neuss|Archivs im Rhein-Kreis Neuss]] (Bezug 2022) abgerissen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&#039;&#039;&#039;2023&#039;&#039;&#039; ||Großes [[Stadtfest 2023|Stadtfest]] anlässlich des 650-jährigen Jubiläums der [[Stadtrecht|Stadterhebung]].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überblicksdarstellung zur Zonser Geschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ursprünge und erste urkundliche Erwähnung ===&lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts hat in der Umgebung des späteren Zons für etwa zwei Generationen eine [[Römer|militärische Niederlassung der Römer]] bestanden, von deren Existenz ein in großen Teilen ergrabenes Gräberfeld an der heutigen [[Deichstraße]], der früheren römischen Steinstraße (nördlich der heutigen Festung gelegen) zeugt. Unbekannt sind bis heute der genaue Standort der Siedlung bzw. des Lagers und der Grund der Aufgabe nach wenigen Jahrzehnten. Die militärische Vorortfunktion ging zunächst auf das [http://de.wikipedia.org/wiki/Durnomagus Reiterlager Dormagen (Durnomagus)]] über, das im 4. Jahrhundert durch ein Hilfslager in [[Bürgel]] abgelöst wurde. Die dem [http://de.wikipedia.org/wiki/Maternus hl. Maternus] geweihte Kirche in [[Bürgel]], die als eines der frühesten christlichen Bauwerke des Raumes bereits seit der Spätantike bestand, war bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert die Zonser Pfarrkirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zons ist erstmals urkundlich belegt über das sogenannte Testament des Kölner [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunibert_von_K%C3%B6ln Bischofs Kunibert], das um die Mitte des 7. Jahrhunderts niedergeschrieben wurde, aber erst in einer Fassung des späten 11. Jahrhunderts überliefert ist. Der Bischof bestimmt hierin, dass der Kölner Lupusbruderschaft jährlich 13 Lachse und eine bestimmte Geldsumme zugunsten der Armen aus dem bischöflichen Hof in Zons (Ausgangspunkt der Landesherrschaft der Kölner Erzbischöfe über Zons) zugehen sollten. In dieser Urkunde ist die älteste Namensform &amp;quot;Zuonizo&amp;quot; bzw. &amp;quot;Zuonice&amp;quot; überliefert, deren [[Zons (Namensentstehung)|Herkunft]] nicht geklärt ist. Die Forschung geht heute von einem vorrömischen Ursprung aus. Archäologische Funde deuten auf eine merowingerzeitliche Siedlung in Zons hin, über deren Lage derzeit noch keine Aussagen möglich sind. In den 1980er Jahren deckten [[Schloss Friedestrom|archäologische Untersuchungen im Zonser Schlossbereich]] Baufundamente auf, die als Überreste der Eigenkirche des Grundherrn und damit als Teil des [[Fronhof|Fronhofkomplexes]] interpretiert werden. Über die genaue Lage und Ausdehnung dieses Komplexes ist nichts bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse im Hoch- bis Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
1020 geriet Zons kirchlich in den Einflussbereich des [http://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Klosters Deutz], indem [http://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_K%C3%B6ln Bischof Heribert] diesem Kloster die Burg in [[Bürgel]] und das [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sentation_%28Ernennung%29 Präsentationsrecht] über die [[Bürgel]]er Kirche übertrug. Unmittelbar betroffen von dieser Maßnahme war die von [[Bürgel]] abhängige Kapelle in Zons. 37 Jahre später, 1057, überließ [http://de.wikipedia.org/wiki/Anno_II. Bischof Anno] in einem Tauschvertrag der [http://de.wikipedia.org/wiki/Richeza_%28Polen%29 polnischen Königin Richeza] die &amp;quot;villa dominicatus nostri Zuonizo&amp;quot;, also das große Herrengut in Zons, auf Lebenszeit. Nachweislich war der Hof in Zons in der Mitte des 12. Jahrhunderts einer der Hauptversorger des Bischofs und seines Gefolges, denn er taucht in dieser Zeit im Dienstrecht der Kölner [http://de.wikipedia.org/wiki/Ministeriale Ministerialen] unter den 12 [http://de.wikipedia.org/wiki/Kammergut Tafelgütern] der Kölner Bischöfe auf. Ein hier existierendes [[Schöffengericht|Hofgericht]] unter Vorsitz eines [[Schultheiß]]en war Ausgangspunkt für das spätere allgemeine Landgericht. Das Kollegium urteilte auch in Fällen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutgerichtsbarkeit Blutgerichtsbarkeit], wie zwei für die Frühneuzeit belegte [[Galgen|Hochgerichte (Galgen)]] auf Zonser Amtsgebiet belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das &amp;quot;castrum Zunce&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Nach der [[Schlacht bei Worringen]] 1288, in der Erzbischof [http://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_von_Westerburg Siegfried von Westerburg] mit seinen Verbündeten vernichtend unterlegen war, wurden verschiedene seiner Befestigungen niedergelegt, so auch das &amp;quot;castrum Zunce&amp;quot;. Leider lässt der uneindeutige Begriff &amp;quot;castrum&amp;quot; nicht erkennen, ob hiermit eine Burg oder ein festes Haus gemeint sein könnte. Auffälligerweise konnten bislang keine Überreste dieser Anlage archäologisch nachgewiesen werden, so dass wohl eher von einem bescheideneren Bau auszugehen ist. Auch über die Lage der älteren dörflichen Zonser Siedlung sind derzeit nur Mutmaßungen aufgrund von Flurnamen und der Geländesituation möglich. Der Flurname [[Hofstädtchen|&amp;quot;Im Hofstädtchen&amp;quot;]] an der heutigen [[Aldenhovenstraße]] westlich der Altstadt könnte sich auf diese Siedlung beziehen, wobei auch die sich an dieser Stelle kreuzenden Wege als mögliches Indiz anzusehen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zoll, Stadtrecht und Bau der Festung ===&lt;br /&gt;
1372 verlegte der Kölner Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]] den [[Zoll|Rheinzoll]] von [http://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons, zu dessen Schutz eine Befestigung durch Mauern und Gräben erfolgte sowie die [[Stadtrecht|Stadterhebung durch Urkunde vom 20. Dezember 1373]]. Der [[Zoll]]verlegung vorausgegangen waren Auseinandersetzungen mit der Stadt [http://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], die eine Ausweitung ihrer Rechte anstrebte. Zudem war dort die [[Zoll|Zollerhebung]] zunehmend schwieriger geworden, da sich der Rhein dort immer mehr von der Stadt entfernte. Mit der [[Stadtrecht|Stadterhebungsurkunde]] räumte [[Friedrich von Saarwerden]] den Bürgern verschiedene Privilegien ein wie die freie [[Bürgermeister]]wahl, die Abhaltung eines [[Matthäusmarkt|siebentägigen Marktes um den 11. September (Matthäus)]] sowie eines Marktes am Mittwoch jeder Woche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Kern der neu erbauten Festung bildete das durch [[Stadttore|Tore]], [[Türme]], Grabenanlagen und einen daneben befindlichen [[Zwinger]] stark umwehrte [[Schloss Friedestrom|Schloss]] in der südöstlichen Ecke, dessen Fläche etwa 20% des Gesamtareals ausmacht und das der Verwaltung und Sicherung des [[Zoll]]s und der Verwaltung des neu geschaffenen [[Amt Zons|Amtes Zons]] diente. Hier waren jeden Abend die Schlüssel der [[Stadttore|Tore]] abzugeben. [[Friedrich von Saarwerden]] nannte dieses [[Schloss Friedestrom|Schloss &amp;quot;Friedestrom&amp;quot;]], ein Wortgebilde aus &amp;quot;Friedrich&amp;quot; und &amp;quot;(Rhein-)Strom&amp;quot;. Friedrich versuchte in der Folge vergeblich, den Namen auch für die gesamte Siedlung einzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der offensichtlich planmäßige Bau der Zollfestung mit Stadtmauer wurde möglicherweise noch im 14. Jahrhundert vollendet. Die rechteckig bis trapezförmig angelegte Stadt umgibt eine basaltverstärkte Mauer von rund 1.100 m Länge, die sich ca. 300 m in Nord-Süd-Richtung und 250 m in West-Ost-Richtung erstreckt. An den Eckpunkten befinden sich verschieden ausgeführte [[Türme]]: nordöstlich der rechteckige [[Rheinturm|Rhein-, Zoll- oder Petersturm]] (nach der erhalten gebliebenen Inschrift 1388 vollendet), nordwestlich der runde [[Krötschenturm]], südwestlich der runde [[Mühle]]nturm (vermutlich bereits als Mühlenturm konzipiert), südöstlich der rechteckige [[Schlossturm]] sowie innerstädtisch an der Schlossmauer der runde [[Juddeturm]]. Zwei öffentliche Tore führten in die Stadt: im Norden das [[Rheintor]], im Westen das [[Feldtor]]. Ersteres wurde im 19. Jahrhundert zum Teil, Letzteres nahezu vollständig abgetragen. Ein drittes Außentor (&amp;quot;[[Schlosstor]]&amp;quot;), das am besten erhalten ist, bildete den Zugang vom [[Zwinger]] in die [[Schloss Friedestrom|Vorburg]]. Den Schnittpunkt der beiden großen Toreinfallsstraßen [[Feldstraße]] (heute [[Schloßstraße]]) und [[Rheinstraße]] bildet der [[Marktplatz]] (heute [[Schlossplatz]]) mit dem [[Rathaus]] (bis um 1830).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stadt und Amt Zons, kirchliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Die kleine Stadt umfasste nur 124 Hausplätze. Zum [[Amt Zons]] gehörten auch das Dorf [[Stürzelberg]], ein Teil des Dorfes [[Horrem]] und das heute rechtsrheinische Haus [[Bürgel]]. Haus [[Bürgel]] und Zons waren ursprünglich kirchlich und gerichtlich verbunden. [[Bürgel]] gelangte wahrscheinlich bereits 1374 durch eine Rheinverlagerung infolge eines schweren [[Hochwasser]]s von der linken auf die rechte Rheinseite. Dennoch blieb die Kirche in [[Bürgel]] noch bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert Zonser Pfarrkirche, die nun, seit 1368 durch einen Gütertausch mit der zugehörigen Kapelle in Zons dem [[Brauweiler (Kloster)|Kloster Brauweiler]] inkorporiert, für die Bevölkerung unter deutlich erschwerten Bedingungen zu erreichen war. Seit dieser Zeit bis zu den Umbrüchen der Franzosenzeit wurden ausschließlich Kanoniker aus [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] als [[Pfarrer]] in Zons eingesetzt. 1408 wurde ein neues, dem [http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours hl. Martin] (Nebenpatron [http://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich Hubertus]) geweihtes [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Gotteshaus]] auf dem Standort der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|heutigen Kirche]] geweiht. Aufgrund der ungünstigen Lage der Pfarrkirche in [[Bürgel]] fanden in diesem Neubau seit 1423 Taufen statt. 1593 erfolgte die Erhebung zur Pfarrkirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Territoriale Verhältnisse, Demografie und Wirtschaft ===&lt;br /&gt;
Bis zum Einmarsch der [[Franzosen]] 1794 gehörte das [[Amt Zons]] zu [http://de.wikipedia.org/wiki/Kurk%C3%B6ln Kurköln]. Seit der Verpfändung 1463 durch den Erzbischof [[Dietrich von Moers]] an das [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Domkapitel Kölner Domkapitel] bis 1796 waren Stadt und [[Amt Zons]] eine Art Unterherrschaft des Kapitels. Räumlich und [[Bevölkerungsentwicklung|demografisch]] entwickelte sich Zons seit dem 14. Jahrhundert nur wenig, was wohl in erster Linie an der recht ungünstigen Lage im Straßenverkehr lag. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Stadt dreimal von schweren [[Stadtbrände]]n heimgesucht, die jeweils nahezu die gesamte Wohnbebauung vernichteten: [[Stadtbrand 1464|1464]], [[Stadtbrand 1547|1547]] und [[Stadtbrand 1620|1620]]. Während vor dem letzten Stadtbrand von einer gewissen wirtschaftlichen Blüte vor allem durch [[Handel]] berichtet wird, erlebte die Stadt im 17. Jahrhundert aufgrund dieses Brandes, einer (erfolglosen) Belagerung und eines schweren Beschusses gegen Ende des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] durch den auf hessisch-französischer Seite kämpfenden [[Rabenhaupt|Oberst Rabenhaupt]], mehrerer verheerender [[Pest]]epidemien (1623, 1635 und 1666) und häufiger Besatzungen durch kölnische und französische Truppen einen wirtschaftlichen und demografischen Niedergang. 1648 lebten in Zons nur noch 172 Personen. Große Teile des [[Schloss Friedestrom|Schlosses]] waren seit der Mitte des 17. Jahrhunderts dauerhaft ruinös und dienten seit dieser Zeit zusammen mit Teilen der Stadtmauer auch als Abbruch- und Baumaterial, wie Schriftquellen und neu errichtete Bauwerke ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert belegen. Doch es kam in diesem Zeitraum auch zu wichtigen Neubauten: 1646 wurde ein [[Franziskaner]]konvent gestiftet, der nach einer provisorischen Niederlassung nach 12 Jahren (1658) einen [[Franziskanerkloster|Klosterneubau]] neben dem [[Juddeturm]] beziehen konnte. Die Weihe der zugehörigen [[Franziskanerkirche|Kirche]] daneben fand 1666 statt. 1803 wurden [[Franziskanerkloster|Kloster]] und [[Franziskanerkirche|Kirche]] im Zuge der französischen [[Säkularisation]] versteigert. Der neue Eigentümer, ein Notar aus Dormagen namens Steinberger, ließ bereits zwei Jahre später die [[Franziskanerkirche|Kirche]] abbrechen. Das ebenfalls versteigerte [[Schloss Friedestrom|Schlossareal]] ging an den Zonser [[Bürgermeister]] (Maire) [[Matthias Aldenhoven]], der hier einen landwirtschaftlichen Betrieb eröffnete. Die ehemalige Vorburg diente der Familie als Herrenhaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zonser Bevölkerung war im 18. Jahrhundert fast rein katholisch. In diesem Zeitraum lebten hier nur einzelne [[Jüdische Gemeinde|jüdische Familien]], deren Zahl bis 1806 auf fast 50 Personen anwuchs. Die Haupterwerbszweige der Bevölkerung waren bis in das 20. Jahrhundert die [[Landwirtschaft|Land-]] und die [[Viehwirtschaft]]. Daneben hatten der [[Bier]]- und [[Wein]]handel und verschiedene Handwerke wie das [[Ziegeleien|Zieglergewerbe]] teilweise überlokale Bedeutung. Eine besonders herausgehobene Bevölkerungsgruppe nach Vermögen und sozialer Herkunft waren bis Ende der 1790er Jahre die [[Zollbeamte]]n, die nicht das [[Bürgerrecht]] besaßen und dementsprechend keine bürgerlichen Pflichten zu leisten hatten. Die Verwaltung des [[Rheinzoll]]s ging 1798/99 von den bisherigen Beamten des [[Domkapitel]]s an französische Zollbeamte über. Noch in der französischen Zeit wurde die Zollerhebung gänzlich eingestellt, mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft und Sozialstruktur der Bürgermeisterei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wohnbebauung der eigentlichen Stadt Zons wuchs erst relativ spät über ihre Stadtmauern hinaus. Erste Wohnhäuser &amp;quot;extra muros&amp;quot; entstanden erst in preußischer Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts, geschlossenere Siedlungszonen sind erst für das ausgehende 19. Jahrhundert festzustellen. Zunächst konzentrierte sich die Bebauung auf die Wege in unmittelbarer Nähe der Festung und dehnte sich später, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, in nördlicher und westlicher Richtung aus. Im 19. Jahrhundert wurden bedeutende Teile der Festungsanlage abgebrochen, so 1841 das [[Feldtor]] und 1860 ein Teil des [[Rheintor]]es für den Bau der [[Rheintorkapelle]] für die seit 1855 in Zons tätigen [[Franziskanerinnen]] (sie blieben bis 1882 und wurden 1896 durch [[Vinzentinerinnen]] abgelöst, die bis 1959/60 blieben). Wenig früher war sogar der gesamte Abbruch von [[Rheinturm]] und [[Rheintor|-tor]] geplant gewesen, jedoch an Geldmangel gescheitert. 1876 wurde die [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|alte Pfarrkirche]] abgerissen und an ihrer Stelle der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|heutige größere neugotische Neubau]] nach den Plänen von [[August Carl Lange]] (nach Vorplanungen von [[Vincenz Statz]]) bis 1878 errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entwicklung des Fremdenverkehrs seit dem 19. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Eine stärkere Beachtung erfuhren die historischen Bauwerke durch die Tätigkeit von Künstlern der [[Düsseldorfer Malerschule]] etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, die sie in zahlreichen Werken festhielten, und insbesondere auch durch den sehr engagierten Einsatz des ersten rheinischen Provinzialkonservators [[Paul Clemen]] seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, der auch den Beinamen &amp;quot;[[rheinisches Rothenburg]]&amp;quot; prägte. Seit um 1900 ist Zons ein beliebter Ausflugsort. In dieser Zeit lassen sich auch verstärkt Bemühungen zur historischen Aufarbeitung und Erhaltung feststellen: 1903 und 1904 erschienen die ersten stadtgeschichtlichen Monografien, seit 1904 führt Zons ein eigenes [[Stadtwappen]] und nannte sich fortan auch wieder &amp;quot;Stadt&amp;quot;, wenn es auch verwaltungsrechtlich weiterhin eine Landgemeinde war. In diesem Jahr wurde auch der heutige [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Heimat- und Verkehrsverein]] gegründet. Erste bedeutende [[Denkmalschutz|Instandsetzungsarbeiten an den Festungswerken]] setzten kurz vor 1910 ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Fremdenverkehr]] seit um 1900 wurde sehr bedeutend für die Zonser Wirtschaft. Die örtliche [[Gaststätten|Gastronomie]] entwickelte sich seitdem rapide. [[Stadtfest 1904|1904]], [[Stadtfest 1929|1929]] und [[Stadtfest 1973|1973]] organisierte man große Stadtfeste: 1904 anlässlich der Verleihung des [[Stadtwappen]]s und der Wiedererlangung des Stadttitels (zuvor hatte Zons die Bezeichnung &amp;quot;[[Flecken]]&amp;quot; geführt), 1929 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums dieser Ereignisse sowie der (um ein Jahr verspäteten) 555-Jahrfeier der [[Stadtrecht|Stadterhebung]] im Jahr 1373 und schließlich 1973 das entsprechende 600-jährige Jubiläum. Von historischem Bewusstsein zeugen auch die Eröffnung eines [[Heimatmuseum]]s im [[Rheinturm]] 1931 (es bestand bis zum Jahr 1958) und die Eröffnung der [[Freilichtbühne]] im [[Zwinger]] des [[Schloss Friedestrom|Schlosses Friedestrom]] 1935, auf der in den ersten Jahren ausschließlich historische Stücke zur Orts- und Lokalgeschichte aufgeführt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Entwicklung ab dem Zweiten Weltkrieg ===&lt;br /&gt;
Der Zweite Weltkrieg hinterließ an der Zonser Bausubstanz keine bedeutenden Schäden. 1962 erwarb die Stadt Zons das ehemalige [[Schloss Friedestrom]], die in Erbpacht an den Kreis Grevenbroich (heutiger Rhein-Kreis Neuss) ging. Dieser baute in der folgenden Zeit das Gelände nach und nach zum [[Kreiskulturzentrum]] aus und ließ die Gebäude wieder herrichten. 1972 fand die Eröffnung des [[Kreismuseum]]s im [[Herrenhaus]] statt, 1990 die Eröffnung des [[Kreisarchiv]]s, des [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationalen Mundartarchivs &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;]] sowie einer Veranstaltungshalle im ehemaligen Hochschloss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1832 befanden sich im ehemaligen [[Franziskanerkloster]] am [[Juddeturm]] [[Rathaus]] und [[Volksschule|Schule]] des Ortes. 1967 beschloss der [[Stadtrat]] den Abriss des historischen Gebäudekomplexes und den Bau des neuen [[Bürgerhaus|Rathauses]] (seit 1975: [[Bürgerhaus]]) mit Tiefgarage an seiner Stelle, das leider in Farbe und Form einen sehr unglücklichen Kontrast zum historischen Umfeld bildete. Es wurde 2015 für den 2022 bezogenen Neubau des [[Archiv im Rhein-Kreis Neuss|Archivs im Rhein-Kreis Neuss]], der dem ehemaligen [[Franziskanerkloster|Klostergebäude]] nachempfunden ist, abgerissen. Die [[Kommunale Neugliederung]] 1975 brachte den Verlust der Selbstständigkeit mit der Eingliederung zur Stadt Dormagen. Seitdem trug Zons die Bezeichnung &amp;quot;[[Feste]]&amp;quot;, die 17 Jahre später (1992) aufgrund der Ortsgeschichte wieder durch den Namen &amp;quot;Stadt&amp;quot; ersetzt wurde, wobei dieser Name jedoch ein bloßer Titel ohne rechtliche Bedeutung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2013 wurde die Zonser Altstadt inklusive umliegender Flächen als Denkmalbereich nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmalschutzgesetz_(Nordrhein-Westfalen) Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen], §§ 5 und 6, ausgewiesen und unter Schutz gestellt (Denkmalbereichssatzung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Stadt Dormagen]). Das Gesamtareal umfasst den historischen Ortskern von Zons einschließlich der Befestigungsanlagen und Wallgräben, im Süden und im Osten jeweils das angrenzende alte Rheinbett, im Osten die Aue bis zum Rheindeich sowie im Süden die Schleuse mit ihren Flutgräben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur-Empfehlungen ==&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach|Emsbach, Karl]]: &#039;&#039;Zons - Portrait einer alten Stadt&#039;&#039;. Hrsg. vom Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V., Dormagen 2000.&lt;br /&gt;
* [[Aenne Hansmann|Hansmann, Aenne]]: &#039;&#039;Geschichte von Stadt und Amt Zons&#039;&#039;. Mit einem Beitrag von [[Artur Elicker]], [[Jakob Justenhoven]] und [[Herbert Milz]]. Düsseldorf 1973.&lt;br /&gt;
* [[Aenne Hansmann|Hansmann, Aenne]]/ Wensky, Margret: &#039;&#039;Rheinischer Städteatlas Zons&#039;&#039;, Lieferung IV, Nr. 25, 1978, 2. verb. und erg. Aufl. Köln 1990.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Karl_Kress&amp;diff=4388</id>
		<title>Karl Kress</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Weitere Vereinsgründungen und Engagement */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Karl Kress&#039;&#039;&#039; (* 19. März 1945 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]) ist ein Politiker der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands CDU] und ein lokaler Ehrenamtsträger. Er war von 2000 bis 2010 Abgeordneter im [https://de.wikipedia.org/wiki/Landtag_Nordrhein-Westfalen Landtag von Nordrhein-Westfalen]. Darüber hinaus prägt er seit Jahrzehnten das politische und kulturelle Leben der Stadt Dormagen, insbesondere des Stadtteils Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben und Beruf ==&lt;br /&gt;
Karl Kress wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] geboren, wohnt seither in Zons und gilt dort als stark verwurzelt. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine Ausbildung im chemisch-technischen Bereich, die unter anderem die Abschlüsse als Chemielaborjungwerker und Chemielaborant umfasste. Im Anschluss folgten eine Weiterbildung am Institut für [https://de.wikipedia.org/wiki/Polymerphysik Polymerphysik] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gutenberg-Universität_Mainz Universität Mainz] sowie der Besuch der Chemotechnikerfachschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beruflich war Kress seit den 1960er Jahren bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG Bayer AG] in Dormagen tätig. Er arbeitete dort zunächst als Chemielaborant, später als Chemotechniker. Zwar wurde er zum Pharmareferenten ernannt, trat die entsprechende Stelle jedoch nicht an und übernahm stattdessen die Leitung eines physikalischen Labors.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Kress ist mit Irmgard Kress verheiratet und Vater von zwei Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Laufbahn ==&lt;br /&gt;
Seine politische Arbeit begann im Jahr 1972 mit dem Eintritt in die CDU Dormagen-Zons. Innerhalb der Partei übernahm er früh Führungsaufgaben: Von 1972 bis 1975 war er Vorsitzender der Jungen Union Zons und von 1974 bis 1977 Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Zons. Insgesamt gehörte er dem Vorstand des Ortsverbandes über 50 Jahre lang kontinuierlich an; im April 2013 übernahm er dessen Vorsitz erneut von Wiljo Wimmer. Gleichermaßen war er über 50 Jahre lang im Vorstand des CDU-Stadtverbandes aktiv, den er zudem 14 Jahre lang als Vorsitzender leitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommunalpolitik ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1975 wurde Kress in den Rat der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Stadt Dormagen] gewählt, dem er zunächst bis 1988 und später erneut von 2014 bis 2020 angehörte. Ab 1988 war er Mitglied im Kreistag des [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Kreis_Neuss Kreises Neuss (heute Rhein-Kreis Neuss)], wo er bis 2009 verblieb und zudem als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion fungierte. Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag kehrte er verstärkt in die lokalen Gremien zurück, übernahm den Vorsitz des städtischen Kulturausschusses Dormagen und engagiert sich weiterhin als sachkundiger Bürger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen seiner Kreistagstätigkeit war Kress unter anderem in folgenden Gremien vertreten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Neuss&lt;br /&gt;
* Mitglied im Beirat der Sparkasse Neuss&lt;br /&gt;
* Mitglied im Kuratorium der Sparkassenstiftung &amp;quot;Kulturpflege und Kulturförderung&amp;quot;&lt;br /&gt;
* Mitglied im Aufsichtsrat der Kreiswerke Grevenbroich GmbH — in dieser Funktion setzte er sich erfolgreich für die Entkarbonisierung des Trinkwassers in Zons durch&lt;br /&gt;
* Mitglied im Aufsichtsrat und Verwaltungsrat der Kreiskrankenhäuser&lt;br /&gt;
* 8 Jahre Vorsitzender des Polizeibeirates in der Kreispolizeibehörde Neuss&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Landtag ==&lt;br /&gt;
Bei der Landtagswahl im Jahr 2000 zog Kress für den Wahlkreis Neuss II (später Rhein-Kreis Neuss II) als direkt gewählter Abgeordneter in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Landtag_Nordrhein-Westfalen Landtag von Nordrhein-Westfalen] ein. Er gehörte dem Landesparlament über zwei Legislaturperioden vom 2. Juni 2000 bis zum 8. Juni 2010 an. Bei der Landtagswahl 2010 trat er nicht mehr an; sein Nachfolger im Wahlkreis wurde Wiljo Wimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Landtagstätigkeit engagierte sich Kress in verschiedenen überregionalen Gremien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 11 Jahre Mitglied im Landesvorstand der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzgemeinschaft_Deutscher_Wald Schutzgemeinschaft Deutscher Wald]&lt;br /&gt;
* 10 Jahre Mitglied im Immissions- und Emissionsbeirat des Umweltministeriums NRW&lt;br /&gt;
* 9 Jahre Mitglied im Polizeibeirat beim Regierungspräsidium Düsseldorf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politisches Wirken und Positionen ==&lt;br /&gt;
Karl Kress vertrat über Jahrzehnte hinweg die Interessen der Region Dormagen und Zons auf verschiedenen politischen Ebenen. Neben seiner Arbeit als Fachmann für Umweltpolitik, bei der er im Beirat für Immissionsschutz mitwirkte und sich mit Themen wie Feinstaubanalytik und Hygienestandards befasste, setzte er mehrere lokale Initiativen um:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Trinkwasserqualität: Er setzte sich als Kreistagsabgeordneter für die Entkarbonisierung des Trinkwassers für Zons ein. Nach langjährigen Verhandlungen beschloss der Aufsichtsrat der Kreiswerke Grevenbroich im Jahr 1997 die Umsetzung.&lt;br /&gt;
* Verkehrsplanung: Im Rahmen des &amp;quot;11. Forum Zons&amp;quot; schlug er den Bau einer Umgehungsstraße vor, um den historischen Ortskern vom innerörtlichen Verkehr zu entlasten und gleichzeitig neue Baugebiete im Norden und Westen der Stadt zu erschließen.&lt;br /&gt;
* Innere Sicherheit: Kress forderte erfolgreich die dauerhafte Wiederbesetzung des zuvor vakanten Zonser Polizeipostens mit einem Bezirksdienstbeamten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In städtebaulichen und gestalterischen Fragen bezog Kress ebenfalls Stellung. Er kritisierte die moderne Architektur des [[Theo-Blum-Haus]]es auf dem [[Burg Friedestrom|Schlossgelände]] als wenig akzeptabel für das historische Gesamtensemble, setzte sich jedoch gleichzeitig nachdrücklich für die Bewahrung des künstlerischen Nachlasses des Malers [[Theo Blum]] ein. Zudem moderierte er öffentliche und sensible Debatten, wie etwa den Ausbau von Parkflächen vor dem [[Rheintor]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Heimatpflege ==&lt;br /&gt;
Neben seiner politischen Laufbahn bildet die regionale Kultur- und Heimatpflege einen Schwerpunkt von Kress’ Tätigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur- und Heimatfreunde Stadt Zons e.V. ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 gehörte Kress zu den Gründungsmitgliedern des Vereins [[Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V.]], dessen Vorsitz er über viele Jahre ununterbrochen innehatte. Unter seiner Leitung trieb der Verein zahlreiche Projekte zur Vermittlung der Ortsgeschichte voran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1999: Anbringung einer Bronzeplakette für den Stadtgründer Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]] am [[Rheintor]].&lt;br /&gt;
* 2010: Aufstellung einer lebensgroßen Bronzestatue ([[Saarwerden-Denkmal]]) auf dem Rheintor-Vorplatz.&lt;br /&gt;
* Geschichtsvermittlung: Er initiierte die &amp;quot;Zons-Comix&amp;quot;, eine populärwissenschaftliche Heftserie zur Stadtgeschichte (von der ein Heft erschien), die in Zusammenarbeit mit dem Historiker und Archivar Dr. [[Karl Emsbach]] herausgegeben wurde. Zudem gehen Veranstaltungen wie die &amp;quot;Lebende Krippe&amp;quot; in Zons auf seine Initiative zurück.&lt;br /&gt;
* Ausstellungen: Organisation historischer Fotoausstellungen und Exkursionen, beispielsweise zur rheinischen Flussbettverlagerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Vereinsgründungen und Engagement ===&lt;br /&gt;
Kress entwickelte die Idee zur Gründung des Vereins &amp;quot;[[Förderverein Denkmalschutz Stadt Zons e.V.]]&amp;quot; mit, unter dessen Federführung unter anderem die Überdachung des südlichen Wehrgangs umgesetzt wurde. Er gründete zudem einen Verein zur Förderung der regionalen Mundart im Rhein-Kreis Neuss und zählt zu den Mitgründern des [[TTV Zons 1972 e.V.|Tischtennisvereins Zons (TTV Zons 1972 e.V.)]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Betätigungsfeld ist die internationale Verständigung, insbesondere die Pflege der Städtepartnerschaft mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Powiat_Mikołowski polnischen Kreis Mikołów]. Hier initiierte er einen deutsch-polnischen Literaturpfad und förderte den kulturellen Austausch durch Gemeinschaftsprojekte wie Kochbücher und Fotoausstellungen. Er nutzte er seine Kontakte, um Förderer und Schirmherren für lokale Vorhaben zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auszeichnungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 2001: [https://de.wikipedia.org/wiki/Verdienstorden_der_Bundesrepublik_Deutschland Bundesverdienstkreuz am Bande] (verliehen durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Rau Bundespräsident Johannes Rau] für sein langjähriges politisches und ehrenamtliches Engagement)&lt;br /&gt;
* Silberne Ehrennadel der Stadt Dormagen&lt;br /&gt;
* 2021: Goldener Ehrenring der Stadt Dormagen (die zweithöchste Auszeichnung der Stadt) für sein Lebenswerk in Politik und Ehrenamt&lt;br /&gt;
* Partnerschafts-Ehrungen: Mehrfache Auszeichnungen für den Einsatz im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit durch den Landrat des Rhein-Kreises Neuss sowie durch die polnischen Partner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Kress, Karl}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politiker]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforscher]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<title>Bürgel</title>
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		<updated>2026-08-11T14:49:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;&#039; ist eine denkmalgeschützte Hofanlage in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Kämpe Urdenbacher Kämpe] am rechten Niederrhein, die auf ein spätrömisches Grenzkastell des frühen 4. Jahrhunderts zurückgeht. Ursprünglich linksrheinisch gelegen und über eine direkte Landverbindung eng mit Zons verknüpft, wurde die Anlage durch einen Rheindurchbruch im Jahr 1374 physisch von Zons getrennt, blieb kirchenrechtlich aber bis 1593 deren Mutterkirche. Über das Mittelalter hinweg war Bürgel Lehen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abteien Deutz] und [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] sowie mehrerer Adelsfamilien, ehe es 1837 zum klassizistischen Herrenhaus umgebaut wurde. Seit den 1990er Jahren im Besitz der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nordrhein-Westfalen-Stiftung_Naturschutz,_Heimat-_und_Kulturpflege Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW], beherbergt Haus Bürgel heute die Biologische Station Urdenbacher Kämpe und das Römermuseum Haus Bürgel und gehört seit 2021 als Teil des [https://de.wikipedia.org/wiki/Niedergermanischer_Limes Niedergermanischen Limes] zum [https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Welterbe UNESCO-Weltkulturerbe].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lage in der Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Haus Bürgel liegt heute als solitäre, ununterkellerte Hofanlage inmitten einer weiten, flachen Triebebene, der sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Kämpe Urdenbacher Kämpe], nördlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheimer] Ortsteils [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und südlich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Düsseldorf-Urdenbach]. Naturräumlich ist dieser Bereich als hochwassergefährdete Fluss- und Auenlandschaft der Dormagener Rheinaue ausgeprägt. Da das Areal bei Rheinhochwassern regelmäßig überschwemmt wird, ist die Hofanlage in solchen Zeiten zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Der Gutshof selbst ruht auf einem tragfähigen, kiesigen Sandrücken inmitten einer Niederung, die fast kreisförmig von einem verlandeten Sumpfstreifen – dem ehemaligen Flussbett des &amp;quot;Alten Rheins&amp;quot; – umgeben ist. Durch die jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung und die weitläufigen Weideflächen ist die Umgebung durch fruchtbare Auenböden charakterisiert, die historisch oft von schädigendem Hochwasser und Sandmassen überflutet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die ursprüngliche linksrheinische Lage ===&lt;br /&gt;
In der Antike und während des gesamten frühen Mittelalters befand sich Haus Bürgel auf der linken Rheinseite. Geografisch gehörte das Areal zur linksrheinischen Uferterrasse und stand in direktem, ununterbrochenem Zusammenhang mit dem linksrheinischen Zonser Feld. Die römische Limesstraße (die heutige Bundesstraße 9) verlief linksrheinisch, und eine linksrheinische Wegverbindung (unmittelbar südlich parallel zur heutigen [[Aldenhovenstraße]]) führte von der Fernstraße geradlinig und barrierefrei direkt auf das spätrömische Kastell zu. Diese physische Landverbindung begründete auch die jahrhundertelange, enge rechtliche, gerichtliche und kirchliche Zugehörigkeit Bürgels zu Zons und dem kurkölnischen Amt Zons: Bis zu deren kirchenrechtlicher Verselbstständigung im Jahr 1593 fungierte Haus Bürgel als offizielle Mutterkirche für Zons (siehe Abschnitt &amp;quot;Hoch- und Spätmittelalter&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rheindurchbruch von 1374 und seine Folgen ===&lt;br /&gt;
Die dynamischen Veränderungen des Flusslaufes im Talabschnitt zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen], Zons und [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] sind maßgeblich durch das Durchbrechen zweier großer Flussmäander geprägt: des Dormagener und des Bürgeler Rheinmäanders. Der Rhein, der im frühen Mittelalter noch unmittelbar an der Neusser Stadtmauer vorbeigeflossen war, verlagerte sein Bett im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich nach Osten. Während der Durchbruch der Dormagener Rheinschlinge bereits im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. erfolgte, verengte sich der Wurzelbereich des Bürgeler Mäanders im Laufe des Spätmittelalters immer weiter, wodurch sich der Hauptstrom immer tiefer in die rechtsrheinische Niederterrasse zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach] einschnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser fortlaufende Prozess gipfelte in einer verheerenden Naturkatastrophe: Zwischen Weihnachten 1373 und Mai 1374 führten extreme Niederschläge und die einsetzende Schneeschmelze zu einem fast drei Monate anhaltenden Rheinhochwasser, das die [https://de.wikipedia.org/wiki/Koelhoffsche_Chronik Koelhoffsche Chronik] als Jahrtausendflut beschreibt und dessen Pegelhöhe heute auf rund 12,30 Meter am Kölner Pegel geschätzt wird. In dieser Frühjahrshochflut von 1374 durchbrach der Rhein die schmale Landzunge im Bereich des Mäanderhalses nordöstlich von Zons. Durch diesen Durchbruch verlagerte sich der Hauptstrom des Rheins dauerhaft nach Westen. Haus Bürgel mitsamt seiner [[Maternuskapelle]] und den umliegenden Ländereien geriet dadurch auf die rechte, östliche Flussseite und wurde physisch vollständig von Zons getrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schriftliche Zeugnisse belegen den Zeitpunkt dieses Ereignisses eindrücklich: Während im Jahr 1368 beim Hofaustausch zwischen den [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abteien Deutz] und [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] die linksrheinische Lage Bürgels noch als &amp;quot;bequem und nah&amp;quot; beschrieben wurde, umschreibt eine Zehnturkunde vom 1. Dezember 1375 den Pfarrbezirk erstmals ausdrücklich als &amp;quot;auf beiden Seiten des Rheins&amp;quot; liegend, wobei Bürgel nun als auf einer vom Wasser umschlossenen &amp;quot;Insel&amp;quot; (&#039;&#039;Burgelre werde&#039;&#039;) bezeichnet wird. Das alte, verlandende Strombett, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Altrhein &amp;quot;Alte Rhein&amp;quot;], blieb jedoch noch lange Zeit wasserführend und wurde nachweislich noch im 15. Jahrhundert (belegt für 1437) von einem Monheimer Fischmeister befischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologie und Spätantike: Das römische Kastell ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erbauung und historischer Kontext ===&lt;br /&gt;
Das römische Kastell Haus Bürgel wurde im frühen 4. Jahrhundert nach Christus, in der konstantinischen Epoche (um 315–330 n. Chr.), als wehrhaftes Kleinkastell zur Grenzsicherung errichtet. Seine Entstehung war Teil des großangelegten Festungsprogramms unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Große Kaiser Konstantin dem Großen], das die rheinische Limeslinie gegen die beständigen Einfälle der vordringenden germanischen Stämme – insbesondere der [https://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Volk) Franken] – militärisch abriegeln sollte. Mit einer inneren quadratischen Grundfläche von 64 x 64 Metern (ca. 0,42 Hektar) stellt Bürgel einen charakteristischen spätrömischen Festungstypus dar, der in seiner Größe und Geometrie eine enge Parallele zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Kastell_Deutz Kastell Divitia in Köln-Deutz] aufweist. Das Lager lag zu dieser Zeit strategisch auf der linken Rheinseite und sicherte an diesem exponierten Grenzabschnitt die Überwachung des Flusses sowie des rechtsrheinischen Umlandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Architektonischer Aufbau der Festung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fundamentierung und Mauertechnik:&#039;&#039;&#039; Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die mächtige Festungsmauer auf einem tragfähigen kiesigen Sandrücken auf einem einheitlichen Holzpfostenrost gegründet wurde. Hierzu trieb man Pfosten aus Eichenholz mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern in einem lichten Abstand von rund 30 Zentimetern tief in den Boden. Die darauf errichteten Fundamente wiesen im Bodenbereich eine gewaltige Stärke von bis zu 2,30 Metern auf. Die Wehrmauer selbst bestand im Kern aus extrem widerstandsfähigem Gussbeton (&#039;&#039;opus caementicium&#039;&#039;), gefügt aus Tuffbruchsteinen und Mörtelkies, und war an den Außen- und Innenseiten mit sorgfältig behauenen Tuffsteinquadern verblendet. Zur statischen Stabilisierung und optischen Gliederung war das aufgehende Mauerwerk durch horizontal durchgehende rote Ziegelbänder unterbrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wehranlagen und Türme:&#039;&#039;&#039; Die Festungsarchitektur war streng wehrhaft konzipiert und besaß insgesamt zwölf Türme: vier runde Ecktürme mit einem Außendurchmesser von etwa 7,80 Metern sowie acht halbrunde, aus der Mauerflucht nach außen vorspringende Zwischentürme mit einem Durchmesser von 5,60 Metern, die das Entstehen toter Winkel bei der Verteidigung konsequent verhinderten. Das Kastell verfügte über zwei gegenüberliegende Tortürme an der West- und Ostseite (6,80 x 4,80 Meter), von denen das Westtor archäologisch freigelegt werden konnte. Dem Schutz der Festung diente nach spätrömischem Vorbild ein der Wehrmauer vorgelagerter Doppelgraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die römische Kaimauer/Hafenanlage:&#039;&#039;&#039; Da das Kastell in der Antike direkt am Rheinstrom lag, ist für die Sicherung der römischen Rheinflotte sowie für den logistischen Nachschub die Existenz einer Hafenanlage beziehungsweise einer massiven Kaimauer anzunehmen. Auch wenn archäologische Reste einer solchen Hafenmole in Bürgel aufgrund der jahrhundertelangen Rheinerosion bislang nicht obertägig fassbar sind, wird davon ausgegangen, dass sie analog zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Gelduba Kastell von Gelduba (Krefeld-Gellep)] aus senkrechten Eichenpfählen bestand, die durch mächtige lose Schüttungen aus schwerem Säulenbasalt und Deckplatten aus hellem Trachyt stabilisiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärische Funktion und Besatzung ===&lt;br /&gt;
Als Grenzfestung der Spätantike diente Haus Bürgel primär der Stationierung von germanischen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kelten keltischen] Auxiliartruppen (Hilfstruppen), die im Dienste der römischen Armee den Limes bewachten. In der Blütezeit des Kastells (ca. 330 bis 440 n. Chr.) lebten hier schätzungsweise bis zu 150 reguläre Infanteristen und ihre Familien, die unter anderem aus dem Elbe-Weser-Mündungsgebiet und aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Böhmen Böhmen] stammten. Neben dieser stationären Grenztruppe (&#039;&#039;limitanei&#039;&#039;) fungierte Bürgel wahrscheinlich auch als Operationsbasis für mobile Heeresverbände (&#039;&#039;comitatenses&#039;&#039;), die bei plötzlichen Durchbrüchen flexibel im Hinterland eingesetzt werden konnten. Ein spektakulärer Beleg für die logistische Organisation und die spätere Materialbeschaffung ist ein im Fundament einer Bürgeler Kaserne entdeckter römischer Weihestein, der von Soldaten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ala_I_Noricorum Ala Noricorum] gestiftet worden war. Da diese 500 Mann starke, berittene Einheit im 2. Jahrhundert nach Christus im linksrheinischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Durnomagus Militärlager &#039;&#039;Durnomagus&#039;&#039; (Dormagen)] stationiert war, belegt diese Altar-Spolie eindrücklich, dass beim spätrömischen Festungsbau Baumaterialien (wie große Tuffquader und Grabmäler) aus dem verfallenen Dormagener Lager abgetragen und nach Bürgel geschafft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Ende der römischen Epoche ===&lt;br /&gt;
Das Ende der römischen Kontrolle über das Kastell Bürgel ist eng mit den unruhigen Ereignissen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderungszeit Völkerwanderung] und den fränkischen Vorstößen im 5. Jahrhundert verknüpft. Münzfunde, darunter eine wertvolle Goldmünze des [https://de.wikipedia.org/wiki/Flavius_Honorius Kaisers Honorius (395–423 n. Chr.)], belegen, dass das Kastell bis zum vorübergehenden Zusammenbruch der römischen Rheingrenze im Winter 406/407 aktiv besetzt blieb. In den darauffolgenden Jahrzehnten spitzten sich die kriegerischen Konflikte dramatisch zu. Die archäologischen Befunde deuten auf mindestens zwei schwerwiegende Belagerungen hin: eine am Ende des 4. Jahrhunderts und eine weitere im ersten Viertel des 5. Jahrhunderts, worauf die überstürzte Verbergung von Münzhorten im Kastellbereich hindeutet. Um 430 nach Christus (nach neueren Forschungen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Fischer_(Archäologe) Thomas Fischer]) beziehungsweise um 450 nach Christus wurde das Kastell schließlich von fränkischen Kriegern erstürmt, weitgehend zerstört und dauerhaft erobert. Damit endete nach fast anderthalb Jahrhunderten die römische Herrschaft in Bürgel, und die einstige Grenzbefestigung ging als herrschaftliches Gut in das Eigentum der fränkischen Könige über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschungs- und Grabungsgeschichte ===&lt;br /&gt;
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den verborgenen antiken Ruinen von Haus Bürgel reicht weit zurück. Als erster schriftlicher Bericht gilt die lateinische Abhandlung von Brosius (1731), der das Kastell noch mit zwölf obertägig sichtbaren Türmen beschrieb. Im Jahr 1855 veröffentlichte der Krefelder Schuldirektor Anton Rein eine erste detaillierte Monografie, in der er das Kastell fälschlicherweise mit der im römischen Straßenverzeichnis genannten Station [https://de.wikipedia.org/wiki/Buruncum &#039;&#039;Burungum&#039;&#039; (Worringen)] gleichsetzte. Die moderne, systematische Erforschung begann in den Jahren 1953 und 1959, als das [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Landesmuseum_Bonn Rheinische Landesmuseum Bonn] unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Waldemar_Haberey Waldemar Haberey (1901–1985)] den Baubestand präzise vermaß und erste Sondierungsschnitte anlegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen wissenschaftlichen Meilenstein markieren die ab 1993/1994 durchgeführten interdisziplinären Grabungskampagnen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_zu_Köln Universität zu Köln] unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Fischer_(Archäologe) Thomas Fischer] in Kooperation mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_Warschau Universität Warschau] unter Tomasz Mikocki. Diese Grabungen erbrachten reiches Fundmaterial aus den spätantiken Kasernenbauten und dokumentierten den Alltag der germanischen Soldatenfamilien. Unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Gechter Michael Gechter (1946–2018, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege)] wurden im Rahmen der Bauwerkssanierungen bis 2002 weitere Kasernenbauten freigelegt, die direkt in das Westtor einbanden. Dabei wurden spektakuläre Funde gesichert, wie ein Hort aus 139 Bronzemünzen aus der Zeit [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Große Konstantins] unter dem Boden einer Badeanlage sowie ein monumentaler Münzhort von über 800 Münzen (ca. 375–408 n. Chr.), der in einer Kaserne deponiert, jedoch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger karolingischer Zeit] durch die Anlage einer Grabgrube gestört und im Kastellbereich zerstreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frühmittelalter: Fränkische Epoche und die Entstehung von St. Maternus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übergang zum fränkischen Königsgut ===&lt;br /&gt;
Nach dem Abzug der Römer und dem Ende der [https://de.wikipedia.org/wiki/Germania_inferior römischen Provinz Germania Inferior] im frühen 5. Jahrhundert übernahmen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfranken ripuarischen Franken] die Herrschaft am [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederrhein_(Region) Niederrhein]. Dabei gingen die römischen Befestigungsanlagen, so auch das spätere Haus Bürgel, in das königliche Krongut der fränkischen Herrscher über. Über die darauffolgenden Jahrhunderte liegen für Haus Bürgel kaum verwendbare schriftliche Quellen vor. Dass das Areal dennoch kontinuierlich besiedelt blieb, lässt sich unter anderem an dem Deckel eines fränkischen Kindersarges ablesen, den die Forschung als Beleg für eine fränkische Besiedlung anführt. Erst gegen Ende des ersten Jahrtausends verdichten sich die konkreten Hinweise wieder: Zu dieser Zeit war das ehemalige Kastell vermutlich ein herrschaftlicher Stützpunkt (Krongut) der [https://de.wikipedia.org/wiki/Liudolfinger ottonischen Herrscher]. Bereits für das Jahr 980 ist überliefert, dass Kirche und Herrenhof Bürgel dem Kölner Ursulastift übertragen worden sein sollen, bevor das Gut im Jahr 1002 von [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_III._(HRR) Kaiser Otto III.] an den [https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_Köln Kölner Erzbischof Heribert] übergeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erzbischöflicher Besitz und die Deutzer Ära ===&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_Köln Erzbischof Heribert von Köln] gründete auf Grundlage einer Vereinbarung mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_III._(HRR) Kaiser Otto III.] im Jahre 1003 das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Benediktinerkloster in Deutz]. Zur wirtschaftlichen Ausstattung dieser Neugründung schenkte Heribert dem Kloster am 3. Mai 1019 (in manchen Quellen auch auf 1020 datiert) bei der Einweihung der Abteikirche das &#039;&#039;Castrum etiam in Burgela&#039;&#039; mitsamt dem dazugehörigen Hof sowie die Kapelle in Zons mit ihrem Zehnten. Die Schenkungsurkunde, deren Original im 12. Jahrhundert durch Deutzer Chronisten wie Theodoricus Aedituus redigiert bzw. verunechtet wurde, belegt somit erstmals schriftlich eine Kirche in Zons. Diese Schenkung wurde im Jahr 1147 durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_III. Papst Eugen III.] bestätigt, in dessen Urkunde das Gut als &amp;quot;Schloss Bürgel mit dem Hofe und Kirche&amp;quot; bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Schenkung erhielt das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Kloster Deutz] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenpatronat Patronatsrecht] über die [[Maternuskapelle|Pfarrkirche St. Maternus]] in Bürgel und damit auch über die ihr kirchenrechtlich unterstellte Martinskapelle in Zons. Damit verbunden war das Recht zur Einweisung eines neuen Pfarrers (Investiturrecht). Im 12. Jahrhundert war das Gut an herrschaftliche Dienstmannen verlehnt – darunter die Familie der Ministerialen von Bürgel, die über Generationen die Lehnshoheit hielten und zeitweise auch das Amt des Pfarrers (&#039;&#039;plebanus&#039;&#039;) in Zons besetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gründung der Maternuskapelle ===&lt;br /&gt;
Der genaue Erbauungszeitraum der dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] geweihten Kapelle im Zentrum des ehemaligen spätrömischen Kastells Haus Bürgel lässt sich quellenmäßig nicht exakt beziffern. Während ältere Vermutungen teilweise eine Entstehung bereits im 6. Jahrhundert annehmen, existieren auch Thesen, dass bereits in spätrömischer Zeit eine christliche Kapelle innerhalb der Kastellmauern bestanden haben könnte, wofür Funde aus anderen spätrömischen Lagern sprechen. Da am Niederrhein im Frühmittelalter Kirchenbauten häufig gezielt in spätrömische Kastellruinen gesetzt wurden, um die dort reichlich vorhandenen antiken Baumaterialien direkt als Spolien zu nutzen, ist ein solches Vorgehen auch für Bürgel anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patronat des [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] liefert hierbei einen wichtigen chronologischen Anhaltspunkt: Da der Maternuskult im [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Köln Erzbistum Köln] erst ab dem 9. Jahrhundert historisch nachweisbar ist, gilt eine Weihe bzw. Umwidmung der Kapelle in dieser Epoche als am wahrscheinlichsten. Bis weit in das Spätmittelalter hinein bildete dieses kleine, mitten im ehemaligen Kastellhof errichtete Gotteshaus den geistlichen Mittelpunkt und die offizielle Mutter- und Pfarrkirche für die gesamte linksrheinische Zonser Flur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hoch- und Spätmittelalter: Bürgel als Mutterkirche von Zons ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das ritterliche Lehen unter den Herren von Bürgel ===&lt;br /&gt;
Die kirchen- und besitzrechtliche Verflechtung der Regionen Bürgel und Zons lässt sich im Hochmittelalter vor allem an der ritterlichen Familie der Herren von Bürgel ablesen, die das Gut Bürgel als Lehen von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Benediktinerabtei Deutz] erhalten hatten. Urkundlich treten verschiedene Familienmitglieder dieser Ministerialen des Kölner Erzbischofs ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Zeugen in Erscheinung. So ist für die Jahre 1166, 1183 und 1218 ein Konrad von Bürgel (&#039;&#039;Conradus de Burgela&#039;&#039;) nachweisbar, während für das Jahr 1218 zusätzlich ein Hermann von Bürgel (&#039;&#039;Herimannus de Burgle&#039;&#039;) genannt wird. Die enge Verknüpfung der Familie mit den kirchlichen Pfründen belegt das Jahr 1257, in dem derselbe Konrad von Bürgel als &#039;&#039;plebanus de Zunce&#039;&#039; (Pfarrer von Zons) in den Quellen aufgeführt ist. Im Jahr 1326 veräußerte schließlich Winrich von Bürgel (&#039;&#039;Winricus de Burghile&#039;&#039;) mit ausdrücklicher Zustimmung seines Bruders Andreas, welcher der amtierende Pfarrer in Bürgel (&#039;&#039;pastor in Burghile&#039;&#039;) war, das Schloss, die Hälfte der Ländereien sowie das daran gekoppelte Patronatsrecht der Pfarrkirche für 1.400 kölnische Mark an die Abtei Deutz. Winrich erhielt das herrschaftliche Gut im Anschluss als Erbpacht für einen jährlichen Zins von 120 (bzw. 150) Mark zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Inkorporation in die Abtei Brauweiler (1368) ===&lt;br /&gt;
Nachdem in den 1350er Jahren die Familie Zobbe von Ingendorf – namentlich der Pächter Reinhard Zobbe und sein Bruder Hermann Zobbe, ein Brauweiler Benediktinermönch und Pfarrer in Bürgel – die Seelsorge und Verwaltung innehatten, begann die feste Bindung an die Abtei Brauweiler, da Hermann Zobbe 1361 zum dortigen Abt gewählt wurde. Nach kriegerischen Streitigkeiten um das Patronatsrecht in Bürgel inkorporierte der Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep am 11. Juni 1361 die Pfarrkirche in Bürgel mitsamt der Kapelle in Zons in die Abtei Brauweiler, um zur finanziellen Gesundung des verarmten Klosters beizutragen. Um die Rechtsverhältnisse endgültig abzusichern, kam es am 20. Juli 1368 zu einem folgenschweren Tauschgeschäft zwischen den Abteien Deutz und Brauweiler: Brauweiler tauschte seinen Hof in Bilk (Düsseldorf-Bilk) mitsamt dessen Patronatsrechten gegen den Hof in Bürgel und das Patronat über die dortige Maternuskirche mitsamt ihrer Tochterkapelle in Zons (&#039;&#039;capella in villa dicta Zontze&#039;&#039;) ein. Als Begründung wurde im lateinischen Tauschvertrag angeführt, dass Bilk für Deutz und Bürgel/Zons für Brauweiler jeweils &amp;quot;näher, nützlicher und bequemer&amp;quot; gelegen seien. Zum Ausgleich des höheren Ertrags von Bürgel verpflichtete sich Brauweiler zur Lieferung von jährlich 8 Malter Gerste an Deutz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Brauweiler das Gut aus wirtschaftlichen Gründen bereits 1375 weiterverkaufte (siehe Abschnitt &amp;quot;Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter&amp;quot;), behielt sich das Kloster das Patronatsrecht über die Pfarrkirche Bürgel und die Kapelle in Zons sowie die großen und kleinen Zehnten beiderseits des Rheins (&#039;&#039;Burgelrewerde und Zoynzeruelde&#039;&#039;) dauerhaft vor, sodass die Seelsorge bis 1802 ununterbrochen durch Mönche aus Brauweiler geleistet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das pfarrliche Kuriosum und der Loslösungsprozess von Zons ===&lt;br /&gt;
Nach dem Rheindurchbruch von 1374 (siehe Abschnitt &amp;quot;Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik&amp;quot;) blieb die kirchenrechtliche Struktur trotz der natürlichen Trennung durch den Fluss zunächst unverändert bestehen, was zu einer kuriosen und für die Bevölkerung äußerst beschwerlichen Situation führte, da St. Maternus in Bürgel weiterhin die alleinige Pfarr- und Taufkirche blieb. Neugeborene Kinder mussten für das Sakrament der Taufe unter Lebensgefahr mit Ruderbooten über den reißenden Strom nach Bürgel gebracht werden. Um dieser Gefahr bei ungünstigem Wetter entgegenzuwirken, ordnete Erzbischof Dietrich von Moers schließlich im Jahr 1423 die Errichtung eines eigenen Taufbeckens (Baptisteriums) in der 1408 geweihten neuen Zonser Kirche St. Martinus an. Dennoch blieb der pfarrliche Ehrenvorrang Bürgels bestehen: So waren die Zonser Christen bis ins 19. Jahrhundert hinein verpflichtet, alljährlich am Karsamstag in einer feierlichen Prozession über den Rhein nach Bürgel zu pilgern, um dort das Taufwasser für die Zonser Kirche segnen zu lassen und abzuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand änderte sich erst am 17. Dezember 1593 durch eine historische Urkunde des Kölner Generalvikars Peter Gropper. Gropper trennte die Martinskirche in Zons offiziell von der Mutterkirche ab und verlieh ihr die vollen Pfarrrechte, was er explizit mit der Unwegsamkeit der Rheinüberquerung und der gewachsenen Bedeutung von Zons als Stadt begründete. Fast alle Pfarreinkünfte wurden nach Zons übertragen; Bürgel behielt lediglich den nominellen Ehrentitel der &amp;quot;Mutterkirche&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das kirchenrechtliche Ende ===&lt;br /&gt;
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verfiel der gottesdienstliche Ritus in der Maternuskapelle zunehmend, da die jeweiligen Pächter (Halfen) des Gutes Bürgel Calvinisten waren, die in der reformierten Gemeinde im rechtsrheinischen Urdenbach eine führende Rolle spielten und kein Interesse am Erhalt des katholischen Gotteshauses zeigten. Der Kirchhof wurde zeitweise als Misthaufen (&#039;&#039;Koet Mistpoel&#039;&#039;) zweckentfremdet, und die Pächter verweigerten dem Zonser Pfarrer sogar zeitweise den Schlüssel zur Kirche. Um eine protestantische Okkupation der Kapelle zu verhindern, ordnete das Domkapitel an, dass der Kaplan bei seinen Fahrten zur Messe in Bürgel stets von zwei bis drei Personen begleitet werden müsse. Ab dem Jahr 1750 taucht Bürgel in den kirchlichen Registern nicht mehr als eigenständige Pfarrkirche auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den vollständigen Abbruch und den anschließenden Neubau der Kapelle in den Jahren 1774 bis 1776 existieren detaillierte Überlieferungen in den [[Schwieren-Chroniken|chronikalischen Aufzeichnungen]] des Zonser [[Küster]]s [[Johannes Hermann Schwieren]] sowie in den zugehörigen historischen Abhandlungen. Im Jahr 1774 wurde die alte, baufällige Kapelle in Bürgel demnach bis auf den Grund abgebrochen. Da der Neubau zu Ostern am 7. April 1776 noch nicht fertiggestellt war, kam es zu einer bemerkenswerten Ausnahme der jahrhundertealten Tradition: Das Taufwasser konnte nicht wie üblich in Bürgel geweiht werden, sondern musste in Zons durch den Kaplan Gallus Peffgen gesegnet werden.  Am 15. Juli 1776 wurde die fertiggestellte neue Kapelle schließlich feierlich geweiht. Die im 18. Jahrhundert neu errichtete Kapelle wies bis zu ihrem endgültigen Abriss im Jahr 1916 typische bauliche Merkmale dieser Epoche auf. Es handelte sich um einen kleinen, einschiffigen und flachgedeckten Saalbau von etwa 7 x 10 Metern Größe mit einem kleinen, eingezogenen dreiseitigen beziehungsweise polygonalen Chor. Während die Tür und die mit flachen Bögen geschlossenen Fenster aus diesem barocken Neubau stammten, blieb ein einziges spitzbogiges, vermauertes Fenster an der Südseite als Überrest des mittelalterlichen Vorgängerbaus erhalten. Ein niedriger Triumphbogen führte in den Chorraum, vor dem sich der Altar befand, und im Ostgiebel direkt über dem Chor war ein geheimnisvoller, roh behauener menschlicher Kopf aus Stein eingelassen, den der Volksglaube lange Zeit als heidnisches Überbleibsel deutete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Herbst 1794 und der anschließenden Neuordnung der linksrheinischen Territorien wurde im Jahr 1806 unter dem Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet eine radikale Neugliederung der Pfarreien vorgenommen. Zons wurde als Sukkursalkirche im Kanton Dormagen eingerichtet, während das nunmehr im Ausland (Großherzogtum Berg) liegende Bürgel kirchenrechtlich endgültig abgetrennt wurde. Den endgültigen Schlussstrich zog der Kölner Erzbischof-Koadjutor Johannes von Geissel am 16. November 1843, indem er die Pfarrei Bürgel aufgrund von Mittellosigkeit förmlich aufhob und das Areal der rechtsrheinischen Pfarrei Monheim (bzw. Baumberg) einpfarrte. Die geschichtsträchtige Maternuskapelle im Burghof wurde schließlich im Jahr 1916 vollständig abgebrochen (zum baulichen Zustand vor dem Abbruch siehe Abschnitt &amp;quot;Baugeschichte und architektonische Entwicklung&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter (Ritter- und Allodialgut) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verkauf an Gerhard von Kniprode und Lehensauftragung (1375/1378) ===&lt;br /&gt;
Nachdem das Benediktinerkloster Brauweiler im Jahr 1368 Haus Bürgel im Zuge des mit der Abtei Deutz geschlossenen Tauschgeschäfts erworben hatte, zwangen drückende Schulden und wirtschaftliche Notlagen die Mönche schon bald zu drastischen Maßnahmen. Obwohl testamentarische Bestimmungen des vorherigen Eigentümers Reinhard Besendriesch einen Verkauf des Hofes ausdrücklich untersagten, veräußerte die Abtei unter Abt Hermann II. Zobbe das Gut im Dezember 1375 für 4.000 Gulden an den Ritter Gerhard von Kniprode. Gerhard von Kniprode, dessen Familie im Monheimer Raum einflussreich war, vollzog im Jahr 1378 einen politisch folgenschweren Schritt: Er trug Haus Bürgel mit fünf Hufen Ackerland und zweieinhalb Hufen Weiden dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden als kurkölnisches Mannlehen auf. Damit war das zuvor von bergischen Ansprüchen umgebene Gut kirchen- und lehensrechtlich fest an Kurköln gebunden, was der erzbischöflichen Macht einen strategischen rechtsrheinischen Brückenkopf verschaffte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der territoriale Grenzstreit ===&lt;br /&gt;
Die lehensrechtliche Bindung an Kurköln legte den Grundstein für jahrhundertelange, oft erbitterte Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem kurkölnischen Amt Zons und dem bergischen Amt Monheim. Die Gerichtshoheit über das Gut und das umgebende Bürgeler Werth blieb bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 ein ständiger Zankapfel. Während die Zonser Schöffen bereits in einem Protokoll von 1443 postulierten, dass die Bewohner Bürgels als Nachbarn zu allen Diensten und Abgaben an das Zonser Gericht verpflichtet seien, beharrte die bergische Seite auf ihrer territorialen Souveränität. So protestierte Herzog Wilhelm von Jülich-Berg im Jahr 1504 scharf beim Kölner Erzbischof Hermann IV. und betonte, Bürgel gehöre seit alters zum bergischen Amt Monheim. Die Positionen blieben unversöhnlich, doch im alltäglichen Vollzug verlor Kurköln im Laufe der Jahrhunderte immer mehr an Boden: Eine kölnische Untersuchungskommission stellte 1698 ernüchtert fest, dass Berg im tatsächlichen Besitz der Jurisdiktion über Bürgel sei und die dortigen Eigentümer sich je nach eigenem Nutzen mal an Köln, mal an Berg anlehnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Exkurs: Der Kriminalfall von 1739 ===&lt;br /&gt;
Wie tief die Gräben dieses Jurisdiktionsstreits waren, zeigte sich am 9. Januar 1739 bei einem tragischen Kriminalfall im Hausflur des Gutes. An diesem Tag wurde der erst 16-jährige Schweinehirt Wilhelm Heinrich Burbach (gebürtig aus Baumberg) um die Mittagszeit auf den Stufen des Bürgeler Hausflurs durch einen namentlich bekannten Baumberger mit einem Messer mitten ins Herz erstochen. Die Tragödie weitete sich sofort zu einer handgreiflichen Konfrontation aus: Um zu verhindern, dass das Zonser Gericht die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau vornahm, besetzten bergische Schützen aus Baumberg auf Befehl des Monheimer Vogts das Gut mit Waffengewalt. Die Monheimer Schöffen nahmen den Toten in Augenschein, ließen ihn im &amp;quot;Milchstübgen&amp;quot; sezieren und anschließend eilig auf dem Bürgeler Kirchhof begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kölner Domkapitel meldete diesen schweren Übergriff auf seine Gerichtshoheit der kurfürstlichen Regierung. Auf Anordnung des Kapitels setzten die Zonser Gerichtsbeamten daraufhin entschlossen über den Rhein nach Bürgel über. Sie gruben den bereits bestatteten Leichnam des Jünglings kurzerhand wieder aus, vollzogen im Namen Kurkölns eine eigene, rechtmäßige Leichenschau und ließen ihn danach wieder beisetzen. Dieser spektakuläre Vorfall diente beiden Seiten als demonstrativer Akt zur Wahrung ihrer territorialen Ansprüche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Besitzerfamilien ===&lt;br /&gt;
Die Besitzgeschichte von Haus Bürgel nach der Ära der Kniprodes spiegelt den Wandel regionaler Machtverhältnisse wider. Durch die Ehe von Gerhards Tochter gelangte das Gut im Jahr 1413 an den Ritter Heinrich van Boemelbergh. In der nachfolgenden Generation ging Bürgel im Erbgang an die Grafen von Limburg über (darunter an die Linie Limburg, Herren zu Broich). Da die Familie im späten 17. Jahrhundert im Mannesstamm erlosch und eine Belehnung weiblicher Nachkommen nach kurkölnischem Lehensrecht ausgeschlossen war, verkauften die Erbinnen Bürgel im Jahr 1698 an den Freiherrn Franz von Nesselrode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit begann die dauerhafte Ära der Familie Droste von Vischering-Nesselrode-Reichenstein (mit Sitz auf Schloss Herten), in deren Besitz das Gut bis in das 20. Jahrhundert verbleiben sollte. Nach dem Tod von Franz von Nesselrode im Jahr 1707 übernahm sein Sohn, der Reichsgraf Bertram Carl von Nesselrode und Reichenstein († 1744), die Lehnsherrschaft. Da die gräflichen Besitzer als bergische Untertanen und teils als Amtsleute von Monheim agierten, begünstigte diese Familienkonstellation langfristig den Übergang der tatsächlichen Landeshoheit an das Herzogtum Berg, obwohl das Gut formal bis zur Säkularisation ein Kölner Lehen blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte und architektonische Entwicklung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Untergang der Bürgeler Auenhöfe ===&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Bürgel war weder ein geschlossenes Dorf noch ein einfacher Einzelhof, sondern eine aus mindestens drei bis vier Höfen bestehende, lockere Gruppensiedlung (Weiler). Zu diesem historischen Siedlungskomplex gehörten der Große Hof zu Bürgel, der Hof auf dem Driesch (Driesch-Hof), der Hof auf der Scheuern (Scheuern-Hof) sowie der herrschaftliche Bauhof. Davon lagen der Große Hof und der Driesch-Hof nachweislich innerhalb der hochwassergefährdeten Rheinschlinge. Letzterer befand sich im Jahr 1418 &amp;quot;zwischen dem Hof zu Bürgel und dem alten Rhein&amp;quot;, wurde jedoch in der Folgezeit direkt zum Hof Bürgel gezogen. In unmittelbarer Nachbarschaft muss auch der Bauhof gestanden haben, den Winrich von Bürgel (Winricus de Burgele) im Jahr 1326 mitsamt seinem Wohnhaus, Wirtschaftsgebäuden und einem Baumgarten innerhalb der alten Kastellmauern an die Abtei Deutz verkaufte. Die genaue Lage des Hofes auf der Scheuern lässt sich heute nicht mehr exakt lokalisieren; sein spurloses Verschwinden deutet jedoch zwingend darauf hin, dass auch er innerhalb der Rheinschlinge lag und – ebenso wie die benachbarten historischen Siedlungen Blee, Quinheim und Niel – im Laufe der Jahrhunderte von den ungebändigten, erodierenden Fluten des Rheins weggespült und zerstört wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die historische Bildüberlieferung ===&lt;br /&gt;
Eine unschätzbare Quelle für die Rekonstruktion des historischen Baubestandes stellen die topografisch präzisen Zeichnungen des flämischen Malers Renier Roidkin aus der Zeit um 1735 dar. Seine detailreichen, lavierten Tuschezeichnungen zeigen das Anwesen Haus Bürgel aus einer nord-nordwestlichen Perspektive. Das Landgut ist darin als allseitig geschlossene, rechtwinklige Hofanlage im Zentrum des Bildes dargestellt. Roidkins Arbeiten dokumentieren mit hoher Zuverlässigkeit das damalige herrschaftliche Herrenhaus sowie den mächtigen, im Nordosten aufragenden Turm, welche die landwirtschaftlich genutzten Ställe, Scheunen und Remisen deutlich überragten. Mitten im inneren Wirtschaftshof ist zudem der Turm der alten Maternuskapelle exakt skizziert. Eingebettet ist das herrschaftliche Gut bei Roidkin in eine weitläufige, parzellierte Acker- und Auenlandschaft, die im Bildvordergrund durch zeittypische allegorische Figuren staffiert wird. Roidkins präzise Skizzen gelten in der Forschung als die wichtigste und realitätsnahe Bildüberlieferung des baulichen Zustands Bürgels in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Maternuskapelle vor ihrem Abbruch ===&lt;br /&gt;
Die dem heiligen Maternus geweihte Hof- und Pfarrkapelle wurde im Jahr 1892 bzw. 1894 durch den rheinischen Provinzialkonservator Paul Clemen umfassend bauhistorisch dokumentiert. Clemen beschrieb die Kapelle als einen einschiffigen, flachgedeckten Saalbau von rund 7 x 10 Metern, der regelmäßig aus Tuffsteinquadern errichtet worden war, während seine Giebel aus Backsteinen bestanden. An der Südseite wies der Tuffsteinbau ein rundbogiges Fenster auf und schloss im Osten mit einem kleinen, bescheidenen fünfseitigen Chorschluss ab. Aus der Frühzeit der Kirche hatte sich ein wertvoller romanischer Taufstein des 12. oder 13. Jahrhunderts aus Namurer Blaustein erhalten, welcher nach dem Abbruch der Kapelle gerettet wurde und sich heute im Privatbesitz auf Schloss Herrnstein an der Sieg befindet. In der späten Barockzeit war die Kapelle im Inneren schlicht und ohne architektonische Gliederung gestaltet. Sie besaß eine flache Decke und ein kleines, hölzernes Glockentürmchen auf der Westseite des Schieferdaches. Ein besonderes Mysterium bildete ein in der Giebelwand eingemauerter Steinkopf, den der Volksglaube über Generationen hinweg als heidnisches Überbleibsel deutete. Um das Jahr 1903 war die Kapelle bereits vollständig zur Ruine verfallen und wurde 1916 im Zuge des fortschreitenden Verfalls endgültig niedergelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entstehung des neuzeitlichen Gutshofs ===&lt;br /&gt;
Nach der Säkularisation und dem Übergang der Anlage in Privatbesitz wurde der mittelalterliche Wehrcharakter von Haus Bürgel schrittweise zurückgebaut, um Platz für einen modernen Gutsbetrieb zu schaffen. Bereits im Jahr 1765 wurden an der Westseite der Anlage neue, großzügige Stallungen errichtet. Der tiefgreifendste architektonische Einschnitt erfolgte im Jahr 1837: Unter dem Eigentümer Graf Felix Droste zu Vischering wurden die baufälligen Reste des alten Schlosses abgebrochen und an deren Stelle das heute noch erhaltene, zweigeschossige klassizistische Herrenhaus erbaut. Da die Wirtschaftsgebäude und Umfassungsmauern in der Folgezeit für den landwirtschaftlichen Betrieb fortlaufend repariert, verändert und modernisiert wurden, präsentiert sich das Anwesen heute als neuzeitlicher Großhof. Dennoch blieben bedeutende Reste der mittelalterlichen Bausubstanz im heutigen Bestand erhalten, darunter der quadratische, mit wehrhaften Kragsteinen für einen hölzernen Wehrgang ausgestattete Nordostturm sowie ein Teil der abgeschrägten Umfassungsmauer in der Südwestecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heutige Nutzung, Naturschutz und Denkmalpflege ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rettung und Restaurierung ===&lt;br /&gt;
Die systematische Instandsetzung der historischen Hofanlage begann in den 1990er Jahren, nachdem die &amp;quot;Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW&amp;quot; das geschichtsträchtige Gut erworben hatte. Die Stiftung finanzierte das anspruchsvolle Sanierungsprojekt, um die Gebäude schrittweise und etappenweise zu renovieren. Ziel dieser hohen Investitionen war es, einen zukunftsträchtigen Mix aus Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege zu etablieren, welcher die Kernbotschaft der NRW-Stiftung ideal widerspiegelt. Verwaltet und betrieben wird das Projekt heute von der &amp;quot;Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe/Haus Bürgel&amp;quot;. Die Geschäftsführung ist optimistisch bezüglich der langfristigen Wirtschaftlichkeit des Betriebs, da die anfallenden Kosten durch Pachteinnahmen sowie den Verkauf von Heu und Obst auf den umliegenden Flächen gedeckt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biologische Station Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Einen zentralen Pfeiler des Standortes bildet die Biologische Station, die als eingetragener Verein seit dem Jahr 1996 ihren festen Sitz auf Haus Bürgel hat. Sie zeichnet für die Betreuung von Naturschutzgebieten in Düsseldorf und im Kreis Mettmann sowie für die Umsetzung zahlreicher Naturschutzmaßnahmen vor Ort verantwortlich. Hierzu gehört unter anderem die Pflanzung und Pflege von Obstbäumen in der Urdenbacher Kämpe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzt wird dieses Naturschutzengagement durch die Pflege des historischen Nutzgartens auf Haus Bürgel, in dem Kräuter- und Gemüsepflanzen aus der Römerzeit und späteren Epochen gezeigt werden, sowie durch ganzjährige Exkursionen. Zudem fischen Biologen der Station seltene Molche aus den umliegenden Gewässern. Neben der ökologischen Arbeit wird auf den Weiden die Jahrhunderte alte Tradition der Kaltblutpferdezucht aktiv fortgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Römermuseum Haus Bürgel ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 2003 eröffnete ein archäologisches Römermuseum im Herrenhaus und im historischen Eckturm von Haus Bürgel. In den folgenden Jahren wurde die Ausstellung schrittweise durch zusätzliche Ausstellungsräume im Südwesten der Anlage erweitert. Ein besonderer Anziehungspunkt im Innenhof der Anlage ist der Nachbau eines römischen Steinbackofens, der mithilfe von Fördermitteln des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) realisiert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem führt ein archäologischer Außenpfad die Besucher entlang der ehemaligen Kastellmauern zu den dezentralen Ausstellungsbereichen. Dieser Pfad macht die Struktur der antiken Anlage erlebbar und zeichnet mithilfe einer speziellen Pflasterung im Boden die Lage des spätrömischen Osttores sowie einiger der zwölf Rundtürme für die Öffentlichkeit nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Welterbe-Status ===&lt;br /&gt;
Den bedeutendsten Meilenstein für die internationale Anerkennung der Anlage markiert der Sommer 2021. Bereits im Januar 2020 stellten die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unter der Federführung der Niederlande den offiziellen Antrag, den Niedergermanischen Limes als UNESCO-Weltkulturerbe auszuzeichnen. Am 27. Juli 2021 wurde der Limes auf der UNESCO-Komitee-Sitzung im chinesischen Fuzhou offiziell in die Welterbeliste aufgenommen. Haus Bürgel gehört seither als einer von insgesamt 44 archäologischen Fundplätzen des Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe &amp;quot;Niedergermanischer Limes&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Archäologisches Museum Haus Bürgel – Betrachtungen zur Situation des Raumes Dormagen in der Römerzeit&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2006 (2005), S. 8–15.&lt;br /&gt;
* Beyer, Brigitte: &#039;&#039;Fortuna te adiuvet&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 83–84.&lt;br /&gt;
* Bürschel, Peter/ Gechter, Michael: &#039;&#039;Ausgrabungen in Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993, S. 94–96.&lt;br /&gt;
* Cramer, Franz: &#039;&#039;Buruncum – Worringen, nicht Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 107 (1901), S. 190–202.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Neue Forschungen im spätrömischen Kastell &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, Stadt Monheim, Kreis Mettmann&#039;&#039;, in: Nicolae Gudae (Hg.): Roman Frontier Studies – Proceedings of the XVIIth International Congress of Roman Frontier Studies, Zalau 1999, S. 337–347.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Zur Herstellung militärischer Bronzen im spätrömischen Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: H. Friesinger/ K. Pieta/ J. Rajtár (Hgg.): Metallgewinnung und –verarbeitung in der Antike (Schwerpunkt Eisen), Nitra 2000, S. 113–116.&lt;br /&gt;
* Freudenberg, Johannes: &#039;&#039;Rezension zu: Anton Rein: Haus Bürgel – das Römische Burungum&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 23 (1856), S. 141–153.&lt;br /&gt;
* Gechter, Michael: &#039;&#039;Neufunde aus Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 81–83.&lt;br /&gt;
* Haberey, Waldemar: &#039;&#039;Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 157 (1957), S. 294–304 und Taf. 38–44.&lt;br /&gt;
* [[Aenne Hansmann|Hansmann, Aenne]]: &#039;&#039;Geschichte von Stadt und Amt Zons&#039;&#039;. Mit einem Beitrag von [[Artur Elicker]], [[Jakob Justenhoven]] und [[Herbert Milz]]. Düsseldorf 1973, S. 75–77, 150–153.&lt;br /&gt;
* Herchenbach, Wilhelm: &#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Monatsschrift des Vereins für die Geschichts- und Alterthumskunde von Düsseldorf und Umgegend (1881), Nr. 4, S. 31–34; Nr. 5, S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Koenen, Constantin: &#039;&#039;Miscelle &amp;quot;Zum Verständnis von Haus Bürgel&amp;quot;&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande LXXXIX (1890), S. 213–218.&lt;br /&gt;
* Ohligschläger: &#039;&#039;Über Niederlassungen der Römer im Bergischen&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande V/ VI (1844), S. 235–251.&lt;br /&gt;
* Rein, Anton: &#039;&#039;Haus Bürgel, das Römische Burungum, nach Lage, Namen und Alterthümern&#039;&#039;. Krefeld 1855.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Hier Zons – hier Haus Bürgel – Zur Frage des gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisses der Kirchen von Zons und Bürgel im Mittelalter&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 283–290.&lt;br /&gt;
* Stein, Simone: &#039;&#039;Viehhaltung, Jagd und Fischfang im &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, einem spätantiken Kastell am Niederrhein&#039;&#039;, Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2000.&lt;br /&gt;
* Tegtmeier, Ursula: &#039;&#039;Verkohlte Hainbuchenhölzer aus römischen Gräbern bei Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2005, S. 74–76.&lt;br /&gt;
* Tutlies, Petra: &#039;&#039;Das römische Haus Bürgel und sein Weiterbestehen bis in unsere Zeit&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 76–86.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<title>Bürgel</title>
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		<updated>2026-08-11T14:35:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Die Inkorporation in die Abtei Brauweiler (1368) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;&#039; ist eine denkmalgeschützte Hofanlage in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Kämpe Urdenbacher Kämpe] am rechten Niederrhein, die auf ein spätrömisches Grenzkastell des frühen 4. Jahrhunderts zurückgeht. Ursprünglich linksrheinisch gelegen und über eine direkte Landverbindung eng mit Zons verknüpft, wurde die Anlage durch einen Rheindurchbruch im Jahr 1374 physisch von Zons getrennt, blieb kirchenrechtlich aber bis 1593 deren Mutterkirche. Über das Mittelalter hinweg war Bürgel Lehen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abteien Deutz] und [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] sowie mehrerer Adelsfamilien, ehe es 1837 zum klassizistischen Herrenhaus umgebaut wurde. Seit den 1990er Jahren im Besitz der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nordrhein-Westfalen-Stiftung_Naturschutz,_Heimat-_und_Kulturpflege Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW], beherbergt Haus Bürgel heute die Biologische Station Urdenbacher Kämpe und das Römermuseum Haus Bürgel und gehört seit 2021 als Teil des [https://de.wikipedia.org/wiki/Niedergermanischer_Limes Niedergermanischen Limes] zum [https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Welterbe UNESCO-Weltkulturerbe].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lage in der Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Haus Bürgel liegt heute als solitäre, ununterkellerte Hofanlage inmitten einer weiten, flachen Triebebene, der sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Kämpe Urdenbacher Kämpe], nördlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheimer] Ortsteils [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und südlich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Düsseldorf-Urdenbach]. Naturräumlich ist dieser Bereich als hochwassergefährdete Fluss- und Auenlandschaft der Dormagener Rheinaue ausgeprägt. Da das Areal bei Rheinhochwassern regelmäßig überschwemmt wird, ist die Hofanlage in solchen Zeiten zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Der Gutshof selbst ruht auf einem tragfähigen, kiesigen Sandrücken inmitten einer Niederung, die fast kreisförmig von einem verlandeten Sumpfstreifen – dem ehemaligen Flussbett des &amp;quot;Alten Rheins&amp;quot; – umgeben ist. Durch die jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung und die weitläufigen Weideflächen ist die Umgebung durch fruchtbare Auenböden charakterisiert, die historisch oft von schädigendem Hochwasser und Sandmassen überflutet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die ursprüngliche linksrheinische Lage ===&lt;br /&gt;
In der Antike und während des gesamten frühen Mittelalters befand sich Haus Bürgel auf der linken Rheinseite. Geografisch gehörte das Areal zur linksrheinischen Uferterrasse und stand in direktem, ununterbrochenem Zusammenhang mit dem linksrheinischen Zonser Feld. Die römische Limesstraße (die heutige Bundesstraße 9) verlief linksrheinisch, und eine linksrheinische Wegverbindung (unmittelbar südlich parallel zur heutigen [[Aldenhovenstraße]]) führte von der Fernstraße geradlinig und barrierefrei direkt auf das spätrömische Kastell zu. Diese physische Landverbindung begründete auch die jahrhundertelange, enge rechtliche, gerichtliche und kirchliche Zugehörigkeit Bürgels zu Zons und dem kurkölnischen Amt Zons: Bis zu deren kirchenrechtlicher Verselbstständigung im Jahr 1593 fungierte Haus Bürgel als offizielle Mutterkirche für Zons (siehe Abschnitt &amp;quot;Hoch- und Spätmittelalter&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rheindurchbruch von 1374 und seine Folgen ===&lt;br /&gt;
Die dynamischen Veränderungen des Flusslaufes im Talabschnitt zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen], Zons und [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] sind maßgeblich durch das Durchbrechen zweier großer Flussmäander geprägt: des Dormagener und des Bürgeler Rheinmäanders. Der Rhein, der im frühen Mittelalter noch unmittelbar an der Neusser Stadtmauer vorbeigeflossen war, verlagerte sein Bett im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich nach Osten. Während der Durchbruch der Dormagener Rheinschlinge bereits im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. erfolgte, verengte sich der Wurzelbereich des Bürgeler Mäanders im Laufe des Spätmittelalters immer weiter, wodurch sich der Hauptstrom immer tiefer in die rechtsrheinische Niederterrasse zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach] einschnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser fortlaufende Prozess gipfelte in einer verheerenden Naturkatastrophe: Zwischen Weihnachten 1373 und Mai 1374 führten extreme Niederschläge und die einsetzende Schneeschmelze zu einem fast drei Monate anhaltenden Rheinhochwasser, das die [https://de.wikipedia.org/wiki/Koelhoffsche_Chronik Koelhoffsche Chronik] als Jahrtausendflut beschreibt und dessen Pegelhöhe heute auf rund 12,30 Meter am Kölner Pegel geschätzt wird. In dieser Frühjahrshochflut von 1374 durchbrach der Rhein die schmale Landzunge im Bereich des Mäanderhalses nordöstlich von Zons. Durch diesen Durchbruch verlagerte sich der Hauptstrom des Rheins dauerhaft nach Westen. Haus Bürgel mitsamt seiner [[Maternuskapelle]] und den umliegenden Ländereien geriet dadurch auf die rechte, östliche Flussseite und wurde physisch vollständig von Zons getrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schriftliche Zeugnisse belegen den Zeitpunkt dieses Ereignisses eindrücklich: Während im Jahr 1368 beim Hofaustausch zwischen den [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abteien Deutz] und [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] die linksrheinische Lage Bürgels noch als &amp;quot;bequem und nah&amp;quot; beschrieben wurde, umschreibt eine Zehnturkunde vom 1. Dezember 1375 den Pfarrbezirk erstmals ausdrücklich als &amp;quot;auf beiden Seiten des Rheins&amp;quot; liegend, wobei Bürgel nun als auf einer vom Wasser umschlossenen &amp;quot;Insel&amp;quot; (&#039;&#039;Burgelre werde&#039;&#039;) bezeichnet wird. Das alte, verlandende Strombett, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Altrhein &amp;quot;Alte Rhein&amp;quot;], blieb jedoch noch lange Zeit wasserführend und wurde nachweislich noch im 15. Jahrhundert (belegt für 1437) von einem Monheimer Fischmeister befischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologie und Spätantike: Das römische Kastell ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erbauung und historischer Kontext ===&lt;br /&gt;
Das römische Kastell Haus Bürgel wurde im frühen 4. Jahrhundert nach Christus, in der konstantinischen Epoche (um 315–330 n. Chr.), als wehrhaftes Kleinkastell zur Grenzsicherung errichtet. Seine Entstehung war Teil des großangelegten Festungsprogramms unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Große Kaiser Konstantin dem Großen], das die rheinische Limeslinie gegen die beständigen Einfälle der vordringenden germanischen Stämme – insbesondere der [https://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Volk) Franken] – militärisch abriegeln sollte. Mit einer inneren quadratischen Grundfläche von 64 x 64 Metern (ca. 0,42 Hektar) stellt Bürgel einen charakteristischen spätrömischen Festungstypus dar, der in seiner Größe und Geometrie eine enge Parallele zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Kastell_Deutz Kastell Divitia in Köln-Deutz] aufweist. Das Lager lag zu dieser Zeit strategisch auf der linken Rheinseite und sicherte an diesem exponierten Grenzabschnitt die Überwachung des Flusses sowie des rechtsrheinischen Umlandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Architektonischer Aufbau der Festung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fundamentierung und Mauertechnik:&#039;&#039;&#039; Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die mächtige Festungsmauer auf einem tragfähigen kiesigen Sandrücken auf einem einheitlichen Holzpfostenrost gegründet wurde. Hierzu trieb man Pfosten aus Eichenholz mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern in einem lichten Abstand von rund 30 Zentimetern tief in den Boden. Die darauf errichteten Fundamente wiesen im Bodenbereich eine gewaltige Stärke von bis zu 2,30 Metern auf. Die Wehrmauer selbst bestand im Kern aus extrem widerstandsfähigem Gussbeton (&#039;&#039;opus caementicium&#039;&#039;), gefügt aus Tuffbruchsteinen und Mörtelkies, und war an den Außen- und Innenseiten mit sorgfältig behauenen Tuffsteinquadern verblendet. Zur statischen Stabilisierung und optischen Gliederung war das aufgehende Mauerwerk durch horizontal durchgehende rote Ziegelbänder unterbrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wehranlagen und Türme:&#039;&#039;&#039; Die Festungsarchitektur war streng wehrhaft konzipiert und besaß insgesamt zwölf Türme: vier runde Ecktürme mit einem Außendurchmesser von etwa 7,80 Metern sowie acht halbrunde, aus der Mauerflucht nach außen vorspringende Zwischentürme mit einem Durchmesser von 5,60 Metern, die das Entstehen toter Winkel bei der Verteidigung konsequent verhinderten. Das Kastell verfügte über zwei gegenüberliegende Tortürme an der West- und Ostseite (6,80 x 4,80 Meter), von denen das Westtor archäologisch freigelegt werden konnte. Dem Schutz der Festung diente nach spätrömischem Vorbild ein der Wehrmauer vorgelagerter Doppelgraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die römische Kaimauer/Hafenanlage:&#039;&#039;&#039; Da das Kastell in der Antike direkt am Rheinstrom lag, ist für die Sicherung der römischen Rheinflotte sowie für den logistischen Nachschub die Existenz einer Hafenanlage beziehungsweise einer massiven Kaimauer anzunehmen. Auch wenn archäologische Reste einer solchen Hafenmole in Bürgel aufgrund der jahrhundertelangen Rheinerosion bislang nicht obertägig fassbar sind, wird davon ausgegangen, dass sie analog zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Gelduba Kastell von Gelduba (Krefeld-Gellep)] aus senkrechten Eichenpfählen bestand, die durch mächtige lose Schüttungen aus schwerem Säulenbasalt und Deckplatten aus hellem Trachyt stabilisiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärische Funktion und Besatzung ===&lt;br /&gt;
Als Grenzfestung der Spätantike diente Haus Bürgel primär der Stationierung von germanischen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kelten keltischen] Auxiliartruppen (Hilfstruppen), die im Dienste der römischen Armee den Limes bewachten. In der Blütezeit des Kastells (ca. 330 bis 440 n. Chr.) lebten hier schätzungsweise bis zu 150 reguläre Infanteristen und ihre Familien, die unter anderem aus dem Elbe-Weser-Mündungsgebiet und aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Böhmen Böhmen] stammten. Neben dieser stationären Grenztruppe (&#039;&#039;limitanei&#039;&#039;) fungierte Bürgel wahrscheinlich auch als Operationsbasis für mobile Heeresverbände (&#039;&#039;comitatenses&#039;&#039;), die bei plötzlichen Durchbrüchen flexibel im Hinterland eingesetzt werden konnten. Ein spektakulärer Beleg für die logistische Organisation und die spätere Materialbeschaffung ist ein im Fundament einer Bürgeler Kaserne entdeckter römischer Weihestein, der von Soldaten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ala_I_Noricorum Ala Noricorum] gestiftet worden war. Da diese 500 Mann starke, berittene Einheit im 2. Jahrhundert nach Christus im linksrheinischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Durnomagus Militärlager &#039;&#039;Durnomagus&#039;&#039; (Dormagen)] stationiert war, belegt diese Altar-Spolie eindrücklich, dass beim spätrömischen Festungsbau Baumaterialien (wie große Tuffquader und Grabmäler) aus dem verfallenen Dormagener Lager abgetragen und nach Bürgel geschafft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Ende der römischen Epoche ===&lt;br /&gt;
Das Ende der römischen Kontrolle über das Kastell Bürgel ist eng mit den unruhigen Ereignissen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderungszeit Völkerwanderung] und den fränkischen Vorstößen im 5. Jahrhundert verknüpft. Münzfunde, darunter eine wertvolle Goldmünze des [https://de.wikipedia.org/wiki/Flavius_Honorius Kaisers Honorius (395–423 n. Chr.)], belegen, dass das Kastell bis zum vorübergehenden Zusammenbruch der römischen Rheingrenze im Winter 406/407 aktiv besetzt blieb. In den darauffolgenden Jahrzehnten spitzten sich die kriegerischen Konflikte dramatisch zu. Die archäologischen Befunde deuten auf mindestens zwei schwerwiegende Belagerungen hin: eine am Ende des 4. Jahrhunderts und eine weitere im ersten Viertel des 5. Jahrhunderts, worauf die überstürzte Verbergung von Münzhorten im Kastellbereich hindeutet. Um 430 nach Christus (nach neueren Forschungen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Fischer_(Archäologe) Thomas Fischer]) beziehungsweise um 450 nach Christus wurde das Kastell schließlich von fränkischen Kriegern erstürmt, weitgehend zerstört und dauerhaft erobert. Damit endete nach fast anderthalb Jahrhunderten die römische Herrschaft in Bürgel, und die einstige Grenzbefestigung ging als herrschaftliches Gut in das Eigentum der fränkischen Könige über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschungs- und Grabungsgeschichte ===&lt;br /&gt;
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den verborgenen antiken Ruinen von Haus Bürgel reicht weit zurück. Als erster schriftlicher Bericht gilt die lateinische Abhandlung von Brosius (1731), der das Kastell noch mit zwölf obertägig sichtbaren Türmen beschrieb. Im Jahr 1855 veröffentlichte der Krefelder Schuldirektor Anton Rein eine erste detaillierte Monografie, in der er das Kastell fälschlicherweise mit der im römischen Straßenverzeichnis genannten Station [https://de.wikipedia.org/wiki/Buruncum &#039;&#039;Burungum&#039;&#039; (Worringen)] gleichsetzte. Die moderne, systematische Erforschung begann in den Jahren 1953 und 1959, als das [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Landesmuseum_Bonn Rheinische Landesmuseum Bonn] unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Waldemar_Haberey Waldemar Haberey (1901–1985)] den Baubestand präzise vermaß und erste Sondierungsschnitte anlegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen wissenschaftlichen Meilenstein markieren die ab 1993/1994 durchgeführten interdisziplinären Grabungskampagnen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_zu_Köln Universität zu Köln] unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Fischer_(Archäologe) Thomas Fischer] in Kooperation mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_Warschau Universität Warschau] unter Tomasz Mikocki. Diese Grabungen erbrachten reiches Fundmaterial aus den spätantiken Kasernenbauten und dokumentierten den Alltag der germanischen Soldatenfamilien. Unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Gechter Michael Gechter (1946–2018, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege)] wurden im Rahmen der Bauwerkssanierungen bis 2002 weitere Kasernenbauten freigelegt, die direkt in das Westtor einbanden. Dabei wurden spektakuläre Funde gesichert, wie ein Hort aus 139 Bronzemünzen aus der Zeit [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Große Konstantins] unter dem Boden einer Badeanlage sowie ein monumentaler Münzhort von über 800 Münzen (ca. 375–408 n. Chr.), der in einer Kaserne deponiert, jedoch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger karolingischer Zeit] durch die Anlage einer Grabgrube gestört und im Kastellbereich zerstreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frühmittelalter: Fränkische Epoche und die Entstehung von St. Maternus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übergang zum fränkischen Königsgut ===&lt;br /&gt;
Nach dem Abzug der Römer und dem Ende der [https://de.wikipedia.org/wiki/Germania_inferior römischen Provinz Germania Inferior] im frühen 5. Jahrhundert übernahmen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfranken ripuarischen Franken] die Herrschaft am [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederrhein_(Region) Niederrhein]. Dabei gingen die römischen Befestigungsanlagen, so auch das spätere Haus Bürgel, in das königliche Krongut der fränkischen Herrscher über. Über die darauffolgenden Jahrhunderte liegen für Haus Bürgel kaum verwendbare schriftliche Quellen vor. Dass das Areal dennoch kontinuierlich besiedelt blieb, lässt sich unter anderem an dem Deckel eines fränkischen Kindersarges ablesen, den die Forschung als Beleg für eine fränkische Besiedlung anführt. Erst gegen Ende des ersten Jahrtausends verdichten sich die konkreten Hinweise wieder: Zu dieser Zeit war das ehemalige Kastell vermutlich ein herrschaftlicher Stützpunkt (Krongut) der [https://de.wikipedia.org/wiki/Liudolfinger ottonischen Herrscher]. Bereits für das Jahr 980 ist überliefert, dass Kirche und Herrenhof Bürgel dem Kölner Ursulastift übertragen worden sein sollen, bevor das Gut im Jahr 1002 von [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_III._(HRR) Kaiser Otto III.] an den [https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_Köln Kölner Erzbischof Heribert] übergeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erzbischöflicher Besitz und die Deutzer Ära ===&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_Köln Erzbischof Heribert von Köln] gründete auf Grundlage einer Vereinbarung mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_III._(HRR) Kaiser Otto III.] im Jahre 1003 das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Benediktinerkloster in Deutz]. Zur wirtschaftlichen Ausstattung dieser Neugründung schenkte Heribert dem Kloster am 3. Mai 1019 (in manchen Quellen auch auf 1020 datiert) bei der Einweihung der Abteikirche das &#039;&#039;Castrum etiam in Burgela&#039;&#039; mitsamt dem dazugehörigen Hof sowie die Kapelle in Zons mit ihrem Zehnten. Die Schenkungsurkunde, deren Original im 12. Jahrhundert durch Deutzer Chronisten wie Theodoricus Aedituus redigiert bzw. verunechtet wurde, belegt somit erstmals schriftlich eine Kirche in Zons. Diese Schenkung wurde im Jahr 1147 durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_III. Papst Eugen III.] bestätigt, in dessen Urkunde das Gut als &amp;quot;Schloss Bürgel mit dem Hofe und Kirche&amp;quot; bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Schenkung erhielt das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Kloster Deutz] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenpatronat Patronatsrecht] über die [[Maternuskapelle|Pfarrkirche St. Maternus]] in Bürgel und damit auch über die ihr kirchenrechtlich unterstellte Martinskapelle in Zons. Damit verbunden war das Recht zur Einweisung eines neuen Pfarrers (Investiturrecht). Im 12. Jahrhundert war das Gut an herrschaftliche Dienstmannen verlehnt – darunter die Familie der Ministerialen von Bürgel, die über Generationen die Lehnshoheit hielten und zeitweise auch das Amt des Pfarrers (&#039;&#039;plebanus&#039;&#039;) in Zons besetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gründung der Maternuskapelle ===&lt;br /&gt;
Der genaue Erbauungszeitraum der dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] geweihten Kapelle im Zentrum des ehemaligen spätrömischen Kastells Haus Bürgel lässt sich quellenmäßig nicht exakt beziffern. Während ältere Vermutungen teilweise eine Entstehung bereits im 6. Jahrhundert annehmen, existieren auch Thesen, dass bereits in spätrömischer Zeit eine christliche Kapelle innerhalb der Kastellmauern bestanden haben könnte, wofür Funde aus anderen spätrömischen Lagern sprechen. Da am Niederrhein im Frühmittelalter Kirchenbauten häufig gezielt in spätrömische Kastellruinen gesetzt wurden, um die dort reichlich vorhandenen antiken Baumaterialien direkt als Spolien zu nutzen, ist ein solches Vorgehen auch für Bürgel anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patronat des [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] liefert hierbei einen wichtigen chronologischen Anhaltspunkt: Da der Maternuskult im [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Köln Erzbistum Köln] erst ab dem 9. Jahrhundert historisch nachweisbar ist, gilt eine Weihe bzw. Umwidmung der Kapelle in dieser Epoche als am wahrscheinlichsten. Bis weit in das Spätmittelalter hinein bildete dieses kleine, mitten im ehemaligen Kastellhof errichtete Gotteshaus den geistlichen Mittelpunkt und die offizielle Mutter- und Pfarrkirche für die gesamte linksrheinische Zonser Flur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hoch- und Spätmittelalter: Bürgel als Mutterkirche von Zons ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das ritterliche Lehen unter den Herren von Bürgel ===&lt;br /&gt;
Die kirchen- und besitzrechtliche Verflechtung der Regionen Bürgel und Zons lässt sich im Hochmittelalter vor allem an der ritterlichen Familie der Herren von Bürgel ablesen, die das Gut Bürgel als Lehen von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Benediktinerabtei Deutz] erhalten hatten. Urkundlich treten verschiedene Familienmitglieder dieser Ministerialen des Kölner Erzbischofs ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Zeugen in Erscheinung. So ist für die Jahre 1166, 1183 und 1218 ein Konrad von Bürgel (&#039;&#039;Conradus de Burgela&#039;&#039;) nachweisbar, während für das Jahr 1218 zusätzlich ein Hermann von Bürgel (&#039;&#039;Herimannus de Burgle&#039;&#039;) genannt wird. Die enge Verknüpfung der Familie mit den kirchlichen Pfründen belegt das Jahr 1257, in dem derselbe Konrad von Bürgel als &#039;&#039;plebanus de Zunce&#039;&#039; (Pfarrer von Zons) in den Quellen aufgeführt ist. Im Jahr 1326 veräußerte schließlich Winrich von Bürgel (&#039;&#039;Winricus de Burghile&#039;&#039;) mit ausdrücklicher Zustimmung seines Bruders Andreas, welcher der amtierende Pfarrer in Bürgel (&#039;&#039;pastor in Burghile&#039;&#039;) war, das Schloss, die Hälfte der Ländereien sowie das daran gekoppelte Patronatsrecht der Pfarrkirche für 1.400 kölnische Mark an die Abtei Deutz. Winrich erhielt das herrschaftliche Gut im Anschluss als Erbpacht für einen jährlichen Zins von 120 (bzw. 150) Mark zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Inkorporation in die Abtei Brauweiler (1368) ===&lt;br /&gt;
Nachdem in den 1350er Jahren die Familie Zobbe von Ingendorf – namentlich der Pächter Reinhard Zobbe und sein Bruder Hermann Zobbe, ein Brauweiler Benediktinermönch und Pfarrer in Bürgel – die Seelsorge und Verwaltung innehatten, begann die feste Bindung an die Abtei Brauweiler, da Hermann Zobbe 1361 zum dortigen Abt gewählt wurde. Nach kriegerischen Streitigkeiten um das Patronatsrecht in Bürgel inkorporierte der Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep am 11. Juni 1361 die Pfarrkirche in Bürgel mitsamt der Kapelle in Zons in die Abtei Brauweiler, um zur finanziellen Gesundung des verarmten Klosters beizutragen. Um die Rechtsverhältnisse endgültig abzusichern, kam es am 20. Juli 1368 zu einem folgenschweren Tauschgeschäft zwischen den Abteien Deutz und Brauweiler: Brauweiler tauschte seinen Hof in Bilk (Düsseldorf-Bilk) mitsamt dessen Patronatsrechten gegen den Hof in Bürgel und das Patronat über die dortige Maternuskirche mitsamt ihrer Tochterkapelle in Zons (&#039;&#039;capella in villa dicta Zontze&#039;&#039;) ein. Als Begründung wurde im lateinischen Tauschvertrag angeführt, dass Bilk für Deutz und Bürgel/Zons für Brauweiler jeweils &amp;quot;näher, nützlicher und bequemer&amp;quot; gelegen seien. Zum Ausgleich des höheren Ertrags von Bürgel verpflichtete sich Brauweiler zur Lieferung von jährlich 8 Malter Gerste an Deutz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Brauweiler das Gut aus wirtschaftlichen Gründen bereits 1375 weiterverkaufte (siehe Abschnitt &amp;quot;Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter&amp;quot;), behielt sich das Kloster das Patronatsrecht über die Pfarrkirche Bürgel und die Kapelle in Zons sowie die großen und kleinen Zehnten beiderseits des Rheins (&#039;&#039;Burgelrewerde und Zoynzeruelde&#039;&#039;) dauerhaft vor, sodass die Seelsorge bis 1802 ununterbrochen durch Mönche aus Brauweiler geleistet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das pfarrliche Kuriosum und der Loslösungsprozess von Zons ===&lt;br /&gt;
Nach dem Rheindurchbruch von 1374 (siehe Abschnitt &amp;quot;Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik&amp;quot;) blieb die kirchenrechtliche Struktur trotz der natürlichen Trennung durch den Fluss zunächst unverändert bestehen, was zu einer kuriosen und für die Bevölkerung äußerst beschwerlichen Situation führte, da St. Maternus in Bürgel weiterhin die alleinige Pfarr- und Taufkirche blieb. Neugeborene Kinder mussten für das Sakrament der Taufe unter Lebensgefahr mit Ruderbooten über den reißenden Strom nach Bürgel gebracht werden. Um dieser Gefahr bei ungünstigem Wetter entgegenzuwirken, ordnete Erzbischof Dietrich von Moers schließlich im Jahr 1423 die Errichtung eines eigenen Taufbeckens (Baptisteriums) in der 1408 geweihten neuen Zonser Kirche St. Martinus an. Dennoch blieb der pfarrliche Ehrenvorrang Bürgels bestehen: So waren die Zonser Christen bis ins 19. Jahrhundert hinein verpflichtet, alljährlich am Karsamstag in einer feierlichen Prozession über den Rhein nach Bürgel zu pilgern, um dort das Taufwasser für die Zonser Kirche segnen zu lassen und abzuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand änderte sich erst am 17. Dezember 1593 durch eine historische Urkunde des Kölner Generalvikars Peter Gropper. Gropper trennte die Martinskirche in Zons offiziell von der Mutterkirche ab und verlieh ihr die vollen Pfarrrechte, was er explizit mit der Unwegsamkeit der Rheinüberquerung und der gewachsenen Bedeutung von Zons als Stadt begründete. Fast alle Pfarreinkünfte wurden nach Zons übertragen; Bürgel behielt lediglich den nominellen Ehrentitel der &amp;quot;Mutterkirche&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das kirchenrechtliche Ende ===&lt;br /&gt;
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verfiel der gottesdienstliche Ritus in der Maternuskapelle zunehmend, da die jeweiligen Pächter (Halfen) des Gutes Bürgel Calvinisten waren, die in der reformierten Gemeinde im rechtsrheinischen Urdenbach eine führende Rolle spielten und kein Interesse am Erhalt des katholischen Gotteshauses zeigten. Der Kirchhof wurde zeitweise als Misthaufen (&#039;&#039;Koet Mistpoel&#039;&#039;) zweckentfremdet, und die Pächter verweigerten dem Zonser Pfarrer sogar zeitweise den Schlüssel zur Kirche. Um eine protestantische Okkupation der Kapelle zu verhindern, ordnete das Domkapitel an, dass der Kaplan bei seinen Fahrten zur Messe in Bürgel stets von zwei bis drei Personen begleitet werden müsse. Ab dem Jahr 1750 taucht Bürgel in den kirchlichen Registern nicht mehr als eigenständige Pfarrkirche auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den vollständigen Abbruch und den anschließenden Neubau der Kapelle in den Jahren 1774 bis 1776 existieren detaillierte Überlieferungen in den [[Schwieren-Chroniken|chronikalischen Aufzeichnungen]] des Zonser [[Küster]]s [[Johannes Hermann Schwieren]] sowie in den zugehörigen historischen Abhandlungen. Im Jahr 1774 wurde die alte, baufällige Kapelle in Bürgel demnach bis auf den Grund abgebrochen. Da der Neubau zu Ostern am 7. April 1776 noch nicht fertiggestellt war, kam es zu einer bemerkenswerten Ausnahme der jahrhundertealten Tradition: Das Taufwasser konnte nicht wie üblich in Bürgel geweiht werden, sondern musste in Zons durch den Kaplan Gallus Peffgen gesegnet werden.  Am 15. Juli 1776 wurde die fertiggestellte neue Kapelle schließlich feierlich geweiht. Die im 18. Jahrhundert neu errichtete Kapelle wies bis zu ihrem endgültigen Abriss im Jahr 1916 typische bauliche Merkmale dieser Epoche auf. Es handelte sich um einen kleinen, einschiffigen und flachgedeckten Saalbau von etwa 7 x 10 Metern Größe mit einem kleinen, eingezogenen dreiseitigen beziehungsweise polygonalen Chor. Während die Tür und die mit flachen Bögen geschlossenen Fenster aus diesem barocken Neubau stammten, blieb ein einziges spitzbogiges, vermauertes Fenster an der Südseite als Überrest des mittelalterlichen Vorgängerbaus erhalten. Ein niedriger Triumphbogen führte in den Chorraum, vor dem sich der Altar befand, und im Ostgiebel direkt über dem Chor war ein geheimnisvoller, roh behauener menschlicher Kopf aus Stein eingelassen, den der Volksglaube lange Zeit als heidnisches Überbleibsel deutete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Herbst 1794 und der anschließenden Neuordnung der linksrheinischen Territorien wurde im Jahr 1806 unter dem Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet eine radikale Neugliederung der Pfarreien vorgenommen. Zons wurde als Sukkursalkirche im Kanton Dormagen eingerichtet, während das nunmehr im Ausland (Großherzogtum Berg) liegende Bürgel kirchenrechtlich endgültig abgetrennt wurde. Den endgültigen Schlussstrich zog der Kölner Erzbischof-Koadjutor Johannes von Geissel am 16. November 1843, indem er die Pfarrei Bürgel aufgrund von Mittellosigkeit förmlich aufhob und das Areal der rechtsrheinischen Pfarrei Monheim (bzw. Baumberg) einpfarrte. Die geschichtsträchtige Maternuskapelle im Burghof wurde schließlich im Jahr 1916 vollständig abgebrochen (zum baulichen Zustand vor dem Abbruch siehe Abschnitt &amp;quot;Baugeschichte und architektonische Entwicklung&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter (Ritter- und Allodialgut) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verkauf an Gerhard von Kniprode und Lehensauftragung (1375/1378) ===&lt;br /&gt;
Nachdem das Benediktinerkloster Brauweiler im Jahr 1368 Haus Bürgel im Zuge des mit der Abtei Deutz geschlossenen Tauschgeschäfts erworben hatte, zwangen drückende Schulden und wirtschaftliche Notlagen die Mönche schon bald zu drastischen Maßnahmen. Obwohl testamentarische Bestimmungen des vorherigen Eigentümers Reinhard Besendriesch einen Verkauf des Hofes ausdrücklich untersagten, veräußerte die Abtei unter Abt Hermann II. Zobbe das Gut im Dezember 1375 für 4.000 Gulden an den Ritter Gerhard von Kniprode. Gerhard von Kniprode, dessen Familie im Monheimer Raum einflussreich war, vollzog im Jahr 1378 einen politisch folgenschweren Schritt: Er trug Haus Bürgel mit fünf Hufen Ackerland und zweieinhalb Hufen Weiden dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden als kurkölnisches Mannlehen auf. Damit war das zuvor von bergischen Ansprüchen umgebene Gut kirchen- und lehensrechtlich fest an Kurköln gebunden, was der erzbischöflichen Macht einen strategischen rechtsrheinischen Brückenkopf verschaffte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der territoriale Grenzstreit ===&lt;br /&gt;
Die lehensrechtliche Bindung an Kurköln legte den Grundstein für jahrhundertelange, oft erbitterte Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem kurkölnischen Amt Zons und dem bergischen Amt Monheim. Die Gerichtshoheit über das Gut und das umgebende Bürgeler Werth blieb bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 ein ständiger Zankapfel. Während die Zonser Schöffen bereits in einem Protokoll von 1443 postulierten, dass die Bewohner Bürgels als Nachbarn zu allen Diensten und Abgaben an das Zonser Gericht verpflichtet seien, beharrte die bergische Seite auf ihrer territorialen Souveränität. So protestierte Herzog Wilhelm von Jülich-Berg im Jahr 1504 scharf beim Kölner Erzbischof Hermann IV. und betonte, Bürgel gehöre seit alters zum bergischen Amt Monheim. Die Positionen blieben unversöhnlich, doch im alltäglichen Vollzug verlor Kurköln im Laufe der Jahrhunderte immer mehr an Boden: Eine kölnische Untersuchungskommission stellte 1698 ernüchtert fest, dass Berg im tatsächlichen Besitz der Jurisdiktion über Bürgel sei und die dortigen Eigentümer sich je nach eigenem Nutzen mal an Köln, mal an Berg anlehnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Exkurs: Der Kriminalfall von 1739 ===&lt;br /&gt;
Wie tief die Gräben dieses Jurisdiktionsstreits waren, zeigte sich am 9. Januar 1739 bei einem tragischen Kriminalfall im Hausflur des Gutes. An diesem Tag wurde der erst 16-jährige Schweinehirt Wilhelm Heinrich Burbach (gebürtig aus Baumberg) um die Mittagszeit auf den Stufen des Bürgeler Hausflurs durch einen namentlich bekannten Baumberger mit einem Messer mitten ins Herz erstochen. Die Tragödie weitete sich sofort zu einer handgreiflichen Konfrontation aus: Um zu verhindern, dass das Zonser Gericht die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau vornahm, besetzten bergische Schützen aus Baumberg auf Befehl des Monheimer Vogts das Gut mit Waffengewalt. Die Monheimer Schöffen nahmen den Toten in Augenschein, ließen ihn im &amp;quot;Milchstübgen&amp;quot; sezieren und anschließend eilig auf dem Bürgeler Kirchhof begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kölner Domkapitel meldete diesen schweren Übergriff auf seine Gerichtshoheit der kurfürstlichen Regierung. Auf Anordnung des Kapitels setzten die Zonser Gerichtsbeamten daraufhin entschlossen über den Rhein nach Bürgel über. Sie gruben den bereits bestatteten Leichnam des Jünglings kurzerhand wieder aus, vollzogen im Namen Kurkölns eine eigene, rechtmäßige Leichenschau und ließen ihn danach wieder beisetzen. Dieser spektakuläre Vorfall diente beiden Seiten als demonstrativer Akt zur Wahrung ihrer territorialen Ansprüche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Besitzerfamilien ===&lt;br /&gt;
Die Besitzgeschichte von Haus Bürgel nach der Ära der Kniprodes spiegelt den Wandel regionaler Machtverhältnisse wider. Durch die Ehe von Gerhards Tochter gelangte das Gut im Jahr 1413 an den Ritter Heinrich van Boemelbergh. In der nachfolgenden Generation ging Bürgel im Erbgang an die Grafen von Limburg über (darunter an die Linie Limburg, Herren zu Broich). Da die Familie im späten 17. Jahrhundert im Mannesstamm erlosch und eine Belehnung weiblicher Nachkommen nach kurkölnischem Lehensrecht ausgeschlossen war, verkauften die Erbinnen Bürgel im Jahr 1698 an den Freiherrn Franz von Nesselrode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit begann die dauerhafte Ära der Familie Droste von Vischering-Nesselrode-Reichenstein (mit Sitz auf Schloss Herten), in deren Besitz das Gut bis in das 20. Jahrhundert verbleiben sollte. Nach dem Tod von Franz von Nesselrode im Jahr 1707 übernahm sein Sohn, der Reichsgraf Bertram Carl von Nesselrode und Reichenstein († 1744), die Lehnsherrschaft. Da die gräflichen Besitzer als bergische Untertanen und teils als Amtsleute von Monheim agierten, begünstigte diese Familienkonstellation langfristig den Übergang der tatsächlichen Landeshoheit an das Herzogtum Berg, obwohl das Gut formal bis zur Säkularisation ein Kölner Lehen blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte und architektonische Entwicklung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Untergang der Bürgeler Auenhöfe ===&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Bürgel war weder ein geschlossenes Dorf noch ein einfacher Einzelhof, sondern eine aus mindestens drei bis vier Höfen bestehende, lockere Gruppensiedlung (Weiler). Zu diesem historischen Siedlungskomplex gehörten der Große Hof zu Bürgel, der Hof auf dem Driesch (Driesch-Hof), der Hof auf der Scheuern (Scheuern-Hof) sowie der herrschaftliche Bauhof. Davon lagen der Große Hof und der Driesch-Hof nachweislich innerhalb der hochwassergefährdeten Rheinschlinge. Letzterer befand sich im Jahr 1418 &amp;quot;zwischen dem Hof zu Bürgel und dem alten Rhein&amp;quot;, wurde jedoch in der Folgezeit direkt zum Hof Bürgel gezogen. In unmittelbarer Nachbarschaft muss auch der Bauhof gestanden haben, den Winrich von Bürgel (Winricus de Burgele) im Jahr 1326 mitsamt seinem Wohnhaus, Wirtschaftsgebäuden und einem Baumgarten innerhalb der alten Kastellmauern an die Abtei Deutz verkaufte. Die genaue Lage des Hofes auf der Scheuern lässt sich heute nicht mehr exakt lokalisieren; sein spurloses Verschwinden deutet jedoch zwingend darauf hin, dass auch er innerhalb der Rheinschlinge lag und – ebenso wie die benachbarten historischen Siedlungen Blee, Quinheim und Niel – im Laufe der Jahrhunderte von den ungebändigten, erodierenden Fluten des Rheins weggespült und zerstört wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die historische Bildüberlieferung ===&lt;br /&gt;
Eine unschätzbare Quelle für die Rekonstruktion des historischen Baubestandes stellen die topografisch präzisen Zeichnungen des flämischen Malers Renier Roidkin aus der Zeit um 1735 dar. Seine detailreichen, lavierten Tuschezeichnungen zeigen das Anwesen Haus Bürgel aus einer nord-nordwestlichen Perspektive. Das Landgut ist darin als allseitig geschlossene, rechtwinklige Hofanlage im Zentrum des Bildes dargestellt. Roidkins Arbeiten dokumentieren mit hoher Zuverlässigkeit das damalige herrschaftliche Herrenhaus sowie den mächtigen, im Nordosten aufragenden Turm, welche die landwirtschaftlich genutzten Ställe, Scheunen und Remisen deutlich überragten. Mitten im inneren Wirtschaftshof ist zudem der Turm der alten Maternuskapelle exakt skizziert. Eingebettet ist das herrschaftliche Gut bei Roidkin in eine weitläufige, parzellierte Acker- und Auenlandschaft, die im Bildvordergrund durch zeittypische allegorische Figuren staffiert wird. Roidkins präzise Skizzen gelten in der Forschung als die wichtigste und realitätsnahe Bildüberlieferung des baulichen Zustands Bürgels in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Maternuskapelle vor ihrem Abbruch ===&lt;br /&gt;
Die dem heiligen Maternus geweihte Hof- und Pfarrkapelle wurde im Jahr 1892 bzw. 1894 durch den rheinischen Provinzialkonservator Paul Clemen umfassend bauhistorisch dokumentiert. Clemen beschrieb die Kapelle als einen einschiffigen, flachgedeckten Saalbau von rund 7 x 10 Metern, der regelmäßig aus Tuffsteinquadern errichtet worden war, während seine Giebel aus Backsteinen bestanden. An der Südseite wies der Tuffsteinbau ein rundbogiges Fenster auf und schloss im Osten mit einem kleinen, bescheidenen fünfseitigen Chorschluss ab. Aus der Frühzeit der Kirche hatte sich ein wertvoller romanischer Taufstein des 12. oder 13. Jahrhunderts aus Namurer Blaustein erhalten, welcher nach dem Abbruch der Kapelle gerettet wurde und sich heute im Privatbesitz auf Schloss Herrnstein an der Sieg befindet. In der späten Barockzeit war die Kapelle im Inneren schlicht und ohne architektonische Gliederung gestaltet. Sie besaß eine flache Decke und ein kleines, hölzernes Glockentürmchen auf der Westseite des Schieferdaches. Ein besonderes Mysterium bildete ein in der Giebelwand eingemauerter Steinkopf, den der Volksglaube über Generationen hinweg als heidnisches Überbleibsel deutete. Um das Jahr 1903 war die Kapelle bereits vollständig zur Ruine verfallen und wurde 1916 im Zuge des fortschreitenden Verfalls endgültig niedergelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entstehung des neuzeitlichen Gutshofs ===&lt;br /&gt;
Nach der Säkularisation und dem Übergang der Anlage in Privatbesitz wurde der mittelalterliche Wehrcharakter von Haus Bürgel schrittweise zurückgebaut, um Platz für einen modernen Gutsbetrieb zu schaffen. Bereits im Jahr 1765 wurden an der Westseite der Anlage neue, großzügige Stallungen errichtet. Der tiefgreifendste architektonische Einschnitt erfolgte im Jahr 1837: Unter dem Eigentümer Graf Felix Droste zu Vischering wurden die baufälligen Reste des alten Schlosses abgebrochen und an deren Stelle das heute noch erhaltene, zweigeschossige klassizistische Herrenhaus erbaut. Da die Wirtschaftsgebäude und Umfassungsmauern in der Folgezeit für den landwirtschaftlichen Betrieb fortlaufend repariert, verändert und modernisiert wurden, präsentiert sich das Anwesen heute als neuzeitlicher Großhof. Dennoch blieben bedeutende Reste der mittelalterlichen Bausubstanz im heutigen Bestand erhalten, darunter der quadratische, mit wehrhaften Kragsteinen für einen hölzernen Wehrgang ausgestattete Nordostturm sowie ein Teil der abgeschrägten Umfassungsmauer in der Südwestecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heutige Nutzung, Naturschutz und Denkmalpflege ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rettung und Restaurierung ===&lt;br /&gt;
Die systematische Instandsetzung der historischen Hofanlage begann in den 1990er Jahren, nachdem die &amp;quot;Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW&amp;quot; das geschichtsträchtige Gut erworben hatte. Die Stiftung finanzierte das anspruchsvolle Sanierungsprojekt, um die Gebäude schrittweise und etappenweise zu renovieren. Ziel dieser hohen Investitionen war es, einen zukunftsträchtigen Mix aus Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege zu etablieren, welcher die Kernbotschaft der NRW-Stiftung ideal widerspiegelt. Verwaltet und betrieben wird das Projekt heute von der &amp;quot;Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe/Haus Bürgel&amp;quot;. Die Geschäftsführung ist optimistisch bezüglich der langfristigen Wirtschaftlichkeit des Betriebs, da die anfallenden Kosten durch Pachteinnahmen sowie den Verkauf von Heu und Obst auf den umliegenden Flächen gedeckt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biologische Station Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Einen zentralen Pfeiler des Standortes bildet die Biologische Station, die als eingetragener Verein seit dem Jahr 1996 ihren festen Sitz auf Haus Bürgel hat. Sie zeichnet für die Betreuung von Naturschutzgebieten in Düsseldorf und im Kreis Mettmann sowie für die Umsetzung zahlreicher Naturschutzmaßnahmen vor Ort verantwortlich. Hierzu gehört unter anderem die Pflanzung und Pflege von Obstbäumen in der Urdenbacher Kämpe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzt wird dieses Naturschutzengagement durch die Pflege des historischen Nutzgartens auf Haus Bürgel, in dem Kräuter- und Gemüsepflanzen aus der Römerzeit und späteren Epochen gezeigt werden, sowie durch ganzjährige Exkursionen. Zudem fischen Biologen der Station seltene Molche aus den umliegenden Gewässern. Neben der ökologischen Arbeit wird auf den Weiden die Jahrhunderte alte Tradition der Kaltblutpferdezucht aktiv fortgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Römermuseum Haus Bürgel ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 2003 eröffnete ein archäologisches Römermuseum im Herrenhaus und im historischen Eckturm von Haus Bürgel. In den folgenden Jahren wurde die Ausstellung schrittweise durch zusätzliche Ausstellungsräume im Südwesten der Anlage erweitert. Ein besonderer Anziehungspunkt im Innenhof der Anlage ist der Nachbau eines römischen Steinbackofens, der mithilfe von Fördermitteln des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) realisiert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem führt ein archäologischer Außenpfad die Besucher entlang der ehemaligen Kastellmauern zu den dezentralen Ausstellungsbereichen. Dieser Pfad macht die Struktur der antiken Anlage erlebbar und zeichnet mithilfe einer speziellen Pflasterung im Boden die Lage des spätrömischen Osttores sowie einiger der zwölf Rundtürme für die Öffentlichkeit nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Welterbe-Status ===&lt;br /&gt;
Den bedeutendsten Meilenstein für die internationale Anerkennung der Anlage markiert der Sommer 2021. Bereits im Januar 2020 stellten die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unter der Federführung der Niederlande den offiziellen Antrag, den Niedergermanischen Limes als UNESCO-Weltkulturerbe auszuzeichnen. Am 27. Juli 2021 wurde der Limes auf der UNESCO-Komitee-Sitzung im chinesischen Fuzhou offiziell in die Welterbeliste aufgenommen. Haus Bürgel gehört seither als einer von insgesamt 44 archäologischen Fundplätzen des Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe &amp;quot;Niedergermanischer Limes&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Archäologisches Museum Haus Bürgel – Betrachtungen zur Situation des Raumes Dormagen in der Römerzeit&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2006 (2005), S. 8–15.&lt;br /&gt;
* Beyer, Brigitte: &#039;&#039;Fortuna te adiuvet&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 83–84.&lt;br /&gt;
* Bürschel, Peter/ Gechter, Michael: &#039;&#039;Ausgrabungen in Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993, S. 94–96.&lt;br /&gt;
* Cramer, Franz: &#039;&#039;Buruncum – Worringen, nicht Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 107 (1901), S. 190–202.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Neue Forschungen im spätrömischen Kastell &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, Stadt Monheim, Kreis Mettmann&#039;&#039;, in: Nicolae Gudae (Hg.): Roman Frontier Studies – Proceedings of the XVIIth International Congress of Roman Frontier Studies, Zalau 1999, S. 337–347.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Zur Herstellung militärischer Bronzen im spätrömischen Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: H. Friesinger/ K. Pieta/ J. Rajtár (Hgg.): Metallgewinnung und –verarbeitung in der Antike (Schwerpunkt Eisen), Nitra 2000, S. 113–116.&lt;br /&gt;
* Freudenberg, Johannes: &#039;&#039;Rezension zu: Anton Rein: Haus Bürgel – das Römische Burungum&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 23 (1856), S. 141–153.&lt;br /&gt;
* Gechter, Michael: &#039;&#039;Neufunde aus Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 81–83.&lt;br /&gt;
* Haberey, Waldemar: &#039;&#039;Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 157 (1957), S. 294–304 und Taf. 38–44.&lt;br /&gt;
* Herchenbach, Wilhelm: &#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Monatsschrift des Vereins für die Geschichts- und Alterthumskunde von Düsseldorf und Umgegend (1881), Nr. 4, S. 31–34; Nr. 5, S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Koenen, Constantin: &#039;&#039;Miscelle &amp;quot;Zum Verständnis von Haus Bürgel&amp;quot;&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande LXXXIX (1890), S. 213–218.&lt;br /&gt;
* Ohligschläger: &#039;&#039;Über Niederlassungen der Römer im Bergischen&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande V/ VI (1844), S. 235–251.&lt;br /&gt;
* Rein, Anton: &#039;&#039;Haus Bürgel, das Römische Burungum, nach Lage, Namen und Alterthümern&#039;&#039;. Krefeld 1855.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Hier Zons – hier Haus Bürgel – Zur Frage des gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisses der Kirchen von Zons und Bürgel im Mittelalter&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 283–290.&lt;br /&gt;
* Stein, Simone: &#039;&#039;Viehhaltung, Jagd und Fischfang im &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, einem spätantiken Kastell am Niederrhein&#039;&#039;, Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2000.&lt;br /&gt;
* Tegtmeier, Ursula: &#039;&#039;Verkohlte Hainbuchenhölzer aus römischen Gräbern bei Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2005, S. 74–76.&lt;br /&gt;
* Tutlies, Petra: &#039;&#039;Das römische Haus Bürgel und sein Weiterbestehen bis in unsere Zeit&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 76–86.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=B%C3%BCrgel&amp;diff=4385</id>
		<title>Bürgel</title>
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		<updated>2026-08-11T11:00:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;&#039; ist eine denkmalgeschützte Hofanlage in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Kämpe Urdenbacher Kämpe] am rechten Niederrhein, die auf ein spätrömisches Grenzkastell des frühen 4. Jahrhunderts zurückgeht. Ursprünglich linksrheinisch gelegen und über eine direkte Landverbindung eng mit Zons verknüpft, wurde die Anlage durch einen Rheindurchbruch im Jahr 1374 physisch von Zons getrennt, blieb kirchenrechtlich aber bis 1593 deren Mutterkirche. Über das Mittelalter hinweg war Bürgel Lehen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abteien Deutz] und [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] sowie mehrerer Adelsfamilien, ehe es 1837 zum klassizistischen Herrenhaus umgebaut wurde. Seit den 1990er Jahren im Besitz der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nordrhein-Westfalen-Stiftung_Naturschutz,_Heimat-_und_Kulturpflege Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW], beherbergt Haus Bürgel heute die Biologische Station Urdenbacher Kämpe und das Römermuseum Haus Bürgel und gehört seit 2021 als Teil des [https://de.wikipedia.org/wiki/Niedergermanischer_Limes Niedergermanischen Limes] zum [https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Welterbe UNESCO-Weltkulturerbe].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lage in der Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Haus Bürgel liegt heute als solitäre, ununterkellerte Hofanlage inmitten einer weiten, flachen Triebebene, der sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Kämpe Urdenbacher Kämpe], nördlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheimer] Ortsteils [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und südlich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Düsseldorf-Urdenbach]. Naturräumlich ist dieser Bereich als hochwassergefährdete Fluss- und Auenlandschaft der Dormagener Rheinaue ausgeprägt. Da das Areal bei Rheinhochwassern regelmäßig überschwemmt wird, ist die Hofanlage in solchen Zeiten zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Der Gutshof selbst ruht auf einem tragfähigen, kiesigen Sandrücken inmitten einer Niederung, die fast kreisförmig von einem verlandeten Sumpfstreifen – dem ehemaligen Flussbett des &amp;quot;Alten Rheins&amp;quot; – umgeben ist. Durch die jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung und die weitläufigen Weideflächen ist die Umgebung durch fruchtbare Auenböden charakterisiert, die historisch oft von schädigendem Hochwasser und Sandmassen überflutet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die ursprüngliche linksrheinische Lage ===&lt;br /&gt;
In der Antike und während des gesamten frühen Mittelalters befand sich Haus Bürgel auf der linken Rheinseite. Geografisch gehörte das Areal zur linksrheinischen Uferterrasse und stand in direktem, ununterbrochenem Zusammenhang mit dem linksrheinischen Zonser Feld. Die römische Limesstraße (die heutige Bundesstraße 9) verlief linksrheinisch, und eine linksrheinische Wegverbindung (unmittelbar südlich parallel zur heutigen [[Aldenhovenstraße]]) führte von der Fernstraße geradlinig und barrierefrei direkt auf das spätrömische Kastell zu. Diese physische Landverbindung begründete auch die jahrhundertelange, enge rechtliche, gerichtliche und kirchliche Zugehörigkeit Bürgels zu Zons und dem kurkölnischen Amt Zons: Bis zu deren kirchenrechtlicher Verselbstständigung im Jahr 1593 fungierte Haus Bürgel als offizielle Mutterkirche für Zons (siehe Abschnitt &amp;quot;Hoch- und Spätmittelalter&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rheindurchbruch von 1374 und seine Folgen ===&lt;br /&gt;
Die dynamischen Veränderungen des Flusslaufes im Talabschnitt zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen], Zons und [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] sind maßgeblich durch das Durchbrechen zweier großer Flussmäander geprägt: des Dormagener und des Bürgeler Rheinmäanders. Der Rhein, der im frühen Mittelalter noch unmittelbar an der Neusser Stadtmauer vorbeigeflossen war, verlagerte sein Bett im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich nach Osten. Während der Durchbruch der Dormagener Rheinschlinge bereits im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. erfolgte, verengte sich der Wurzelbereich des Bürgeler Mäanders im Laufe des Spätmittelalters immer weiter, wodurch sich der Hauptstrom immer tiefer in die rechtsrheinische Niederterrasse zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach] einschnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser fortlaufende Prozess gipfelte in einer verheerenden Naturkatastrophe: Zwischen Weihnachten 1373 und Mai 1374 führten extreme Niederschläge und die einsetzende Schneeschmelze zu einem fast drei Monate anhaltenden Rheinhochwasser, das die [https://de.wikipedia.org/wiki/Koelhoffsche_Chronik Koelhoffsche Chronik] als Jahrtausendflut beschreibt und dessen Pegelhöhe heute auf rund 12,30 Meter am Kölner Pegel geschätzt wird. In dieser Frühjahrshochflut von 1374 durchbrach der Rhein die schmale Landzunge im Bereich des Mäanderhalses nordöstlich von Zons. Durch diesen Durchbruch verlagerte sich der Hauptstrom des Rheins dauerhaft nach Westen. Haus Bürgel mitsamt seiner [[Maternuskapelle]] und den umliegenden Ländereien geriet dadurch auf die rechte, östliche Flussseite und wurde physisch vollständig von Zons getrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schriftliche Zeugnisse belegen den Zeitpunkt dieses Ereignisses eindrücklich: Während im Jahr 1368 beim Hofaustausch zwischen den [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abteien Deutz] und [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] die linksrheinische Lage Bürgels noch als &amp;quot;bequem und nah&amp;quot; beschrieben wurde, umschreibt eine Zehnturkunde vom 1. Dezember 1375 den Pfarrbezirk erstmals ausdrücklich als &amp;quot;auf beiden Seiten des Rheins&amp;quot; liegend, wobei Bürgel nun als auf einer vom Wasser umschlossenen &amp;quot;Insel&amp;quot; (&#039;&#039;Burgelre werde&#039;&#039;) bezeichnet wird. Das alte, verlandende Strombett, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Altrhein &amp;quot;Alte Rhein&amp;quot;], blieb jedoch noch lange Zeit wasserführend und wurde nachweislich noch im 15. Jahrhundert (belegt für 1437) von einem Monheimer Fischmeister befischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologie und Spätantike: Das römische Kastell ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erbauung und historischer Kontext ===&lt;br /&gt;
Das römische Kastell Haus Bürgel wurde im frühen 4. Jahrhundert nach Christus, in der konstantinischen Epoche (um 315–330 n. Chr.), als wehrhaftes Kleinkastell zur Grenzsicherung errichtet. Seine Entstehung war Teil des großangelegten Festungsprogramms unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Große Kaiser Konstantin dem Großen], das die rheinische Limeslinie gegen die beständigen Einfälle der vordringenden germanischen Stämme – insbesondere der [https://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Volk) Franken] – militärisch abriegeln sollte. Mit einer inneren quadratischen Grundfläche von 64 x 64 Metern (ca. 0,42 Hektar) stellt Bürgel einen charakteristischen spätrömischen Festungstypus dar, der in seiner Größe und Geometrie eine enge Parallele zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Kastell_Deutz Kastell Divitia in Köln-Deutz] aufweist. Das Lager lag zu dieser Zeit strategisch auf der linken Rheinseite und sicherte an diesem exponierten Grenzabschnitt die Überwachung des Flusses sowie des rechtsrheinischen Umlandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Architektonischer Aufbau der Festung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fundamentierung und Mauertechnik:&#039;&#039;&#039; Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die mächtige Festungsmauer auf einem tragfähigen kiesigen Sandrücken auf einem einheitlichen Holzpfostenrost gegründet wurde. Hierzu trieb man Pfosten aus Eichenholz mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern in einem lichten Abstand von rund 30 Zentimetern tief in den Boden. Die darauf errichteten Fundamente wiesen im Bodenbereich eine gewaltige Stärke von bis zu 2,30 Metern auf. Die Wehrmauer selbst bestand im Kern aus extrem widerstandsfähigem Gussbeton (&#039;&#039;opus caementicium&#039;&#039;), gefügt aus Tuffbruchsteinen und Mörtelkies, und war an den Außen- und Innenseiten mit sorgfältig behauenen Tuffsteinquadern verblendet. Zur statischen Stabilisierung und optischen Gliederung war das aufgehende Mauerwerk durch horizontal durchgehende rote Ziegelbänder unterbrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wehranlagen und Türme:&#039;&#039;&#039; Die Festungsarchitektur war streng wehrhaft konzipiert und besaß insgesamt zwölf Türme: vier runde Ecktürme mit einem Außendurchmesser von etwa 7,80 Metern sowie acht halbrunde, aus der Mauerflucht nach außen vorspringende Zwischentürme mit einem Durchmesser von 5,60 Metern, die das Entstehen toter Winkel bei der Verteidigung konsequent verhinderten. Das Kastell verfügte über zwei gegenüberliegende Tortürme an der West- und Ostseite (6,80 x 4,80 Meter), von denen das Westtor archäologisch freigelegt werden konnte. Dem Schutz der Festung diente nach spätrömischem Vorbild ein der Wehrmauer vorgelagerter Doppelgraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die römische Kaimauer/Hafenanlage:&#039;&#039;&#039; Da das Kastell in der Antike direkt am Rheinstrom lag, ist für die Sicherung der römischen Rheinflotte sowie für den logistischen Nachschub die Existenz einer Hafenanlage beziehungsweise einer massiven Kaimauer anzunehmen. Auch wenn archäologische Reste einer solchen Hafenmole in Bürgel aufgrund der jahrhundertelangen Rheinerosion bislang nicht obertägig fassbar sind, wird davon ausgegangen, dass sie analog zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Gelduba Kastell von Gelduba (Krefeld-Gellep)] aus senkrechten Eichenpfählen bestand, die durch mächtige lose Schüttungen aus schwerem Säulenbasalt und Deckplatten aus hellem Trachyt stabilisiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärische Funktion und Besatzung ===&lt;br /&gt;
Als Grenzfestung der Spätantike diente Haus Bürgel primär der Stationierung von germanischen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kelten keltischen] Auxiliartruppen (Hilfstruppen), die im Dienste der römischen Armee den Limes bewachten. In der Blütezeit des Kastells (ca. 330 bis 440 n. Chr.) lebten hier schätzungsweise bis zu 150 reguläre Infanteristen und ihre Familien, die unter anderem aus dem Elbe-Weser-Mündungsgebiet und aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Böhmen Böhmen] stammten. Neben dieser stationären Grenztruppe (&#039;&#039;limitanei&#039;&#039;) fungierte Bürgel wahrscheinlich auch als Operationsbasis für mobile Heeresverbände (&#039;&#039;comitatenses&#039;&#039;), die bei plötzlichen Durchbrüchen flexibel im Hinterland eingesetzt werden konnten. Ein spektakulärer Beleg für die logistische Organisation und die spätere Materialbeschaffung ist ein im Fundament einer Bürgeler Kaserne entdeckter römischer Weihestein, der von Soldaten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ala_I_Noricorum Ala Noricorum] gestiftet worden war. Da diese 500 Mann starke, berittene Einheit im 2. Jahrhundert nach Christus im linksrheinischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Durnomagus Militärlager &#039;&#039;Durnomagus&#039;&#039; (Dormagen)] stationiert war, belegt diese Altar-Spolie eindrücklich, dass beim spätrömischen Festungsbau Baumaterialien (wie große Tuffquader und Grabmäler) aus dem verfallenen Dormagener Lager abgetragen und nach Bürgel geschafft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Ende der römischen Epoche ===&lt;br /&gt;
Das Ende der römischen Kontrolle über das Kastell Bürgel ist eng mit den unruhigen Ereignissen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderungszeit Völkerwanderung] und den fränkischen Vorstößen im 5. Jahrhundert verknüpft. Münzfunde, darunter eine wertvolle Goldmünze des [https://de.wikipedia.org/wiki/Flavius_Honorius Kaisers Honorius (395–423 n. Chr.)], belegen, dass das Kastell bis zum vorübergehenden Zusammenbruch der römischen Rheingrenze im Winter 406/407 aktiv besetzt blieb. In den darauffolgenden Jahrzehnten spitzten sich die kriegerischen Konflikte dramatisch zu. Die archäologischen Befunde deuten auf mindestens zwei schwerwiegende Belagerungen hin: eine am Ende des 4. Jahrhunderts und eine weitere im ersten Viertel des 5. Jahrhunderts, worauf die überstürzte Verbergung von Münzhorten im Kastellbereich hindeutet. Um 430 nach Christus (nach neueren Forschungen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Fischer_(Archäologe) Thomas Fischer]) beziehungsweise um 450 nach Christus wurde das Kastell schließlich von fränkischen Kriegern erstürmt, weitgehend zerstört und dauerhaft erobert. Damit endete nach fast anderthalb Jahrhunderten die römische Herrschaft in Bürgel, und die einstige Grenzbefestigung ging als herrschaftliches Gut in das Eigentum der fränkischen Könige über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschungs- und Grabungsgeschichte ===&lt;br /&gt;
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den verborgenen antiken Ruinen von Haus Bürgel reicht weit zurück. Als erster schriftlicher Bericht gilt die lateinische Abhandlung von Brosius (1731), der das Kastell noch mit zwölf obertägig sichtbaren Türmen beschrieb. Im Jahr 1855 veröffentlichte der Krefelder Schuldirektor Anton Rein eine erste detaillierte Monografie, in der er das Kastell fälschlicherweise mit der im römischen Straßenverzeichnis genannten Station [https://de.wikipedia.org/wiki/Buruncum &#039;&#039;Burungum&#039;&#039; (Worringen)] gleichsetzte. Die moderne, systematische Erforschung begann in den Jahren 1953 und 1959, als das [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Landesmuseum_Bonn Rheinische Landesmuseum Bonn] unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Waldemar_Haberey Waldemar Haberey (1901–1985)] den Baubestand präzise vermaß und erste Sondierungsschnitte anlegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen wissenschaftlichen Meilenstein markieren die ab 1993/1994 durchgeführten interdisziplinären Grabungskampagnen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_zu_Köln Universität zu Köln] unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Fischer_(Archäologe) Thomas Fischer] in Kooperation mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_Warschau Universität Warschau] unter Tomasz Mikocki. Diese Grabungen erbrachten reiches Fundmaterial aus den spätantiken Kasernenbauten und dokumentierten den Alltag der germanischen Soldatenfamilien. Unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Gechter Michael Gechter (1946–2018, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege)] wurden im Rahmen der Bauwerkssanierungen bis 2002 weitere Kasernenbauten freigelegt, die direkt in das Westtor einbanden. Dabei wurden spektakuläre Funde gesichert, wie ein Hort aus 139 Bronzemünzen aus der Zeit [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Große Konstantins] unter dem Boden einer Badeanlage sowie ein monumentaler Münzhort von über 800 Münzen (ca. 375–408 n. Chr.), der in einer Kaserne deponiert, jedoch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger karolingischer Zeit] durch die Anlage einer Grabgrube gestört und im Kastellbereich zerstreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frühmittelalter: Fränkische Epoche und die Entstehung von St. Maternus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übergang zum fränkischen Königsgut ===&lt;br /&gt;
Nach dem Abzug der Römer und dem Ende der [https://de.wikipedia.org/wiki/Germania_inferior römischen Provinz Germania Inferior] im frühen 5. Jahrhundert übernahmen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfranken ripuarischen Franken] die Herrschaft am [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederrhein_(Region) Niederrhein]. Dabei gingen die römischen Befestigungsanlagen, so auch das spätere Haus Bürgel, in das königliche Krongut der fränkischen Herrscher über. Über die darauffolgenden Jahrhunderte liegen für Haus Bürgel kaum verwendbare schriftliche Quellen vor. Dass das Areal dennoch kontinuierlich besiedelt blieb, lässt sich unter anderem an dem Deckel eines fränkischen Kindersarges ablesen, den die Forschung als Beleg für eine fränkische Besiedlung anführt. Erst gegen Ende des ersten Jahrtausends verdichten sich die konkreten Hinweise wieder: Zu dieser Zeit war das ehemalige Kastell vermutlich ein herrschaftlicher Stützpunkt (Krongut) der [https://de.wikipedia.org/wiki/Liudolfinger ottonischen Herrscher]. Bereits für das Jahr 980 ist überliefert, dass Kirche und Herrenhof Bürgel dem Kölner Ursulastift übertragen worden sein sollen, bevor das Gut im Jahr 1002 von [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_III._(HRR) Kaiser Otto III.] an den [https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_Köln Kölner Erzbischof Heribert] übergeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erzbischöflicher Besitz und die Deutzer Ära ===&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_Köln Erzbischof Heribert von Köln] gründete auf Grundlage einer Vereinbarung mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_III._(HRR) Kaiser Otto III.] im Jahre 1003 das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Benediktinerkloster in Deutz]. Zur wirtschaftlichen Ausstattung dieser Neugründung schenkte Heribert dem Kloster am 3. Mai 1019 (in manchen Quellen auch auf 1020 datiert) bei der Einweihung der Abteikirche das &#039;&#039;Castrum etiam in Burgela&#039;&#039; mitsamt dem dazugehörigen Hof sowie die Kapelle in Zons mit ihrem Zehnten. Die Schenkungsurkunde, deren Original im 12. Jahrhundert durch Deutzer Chronisten wie Theodoricus Aedituus redigiert bzw. verunechtet wurde, belegt somit erstmals schriftlich eine Kirche in Zons. Diese Schenkung wurde im Jahr 1147 durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_III. Papst Eugen III.] bestätigt, in dessen Urkunde das Gut als &amp;quot;Schloss Bürgel mit dem Hofe und Kirche&amp;quot; bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Schenkung erhielt das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Kloster Deutz] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenpatronat Patronatsrecht] über die [[Maternuskapelle|Pfarrkirche St. Maternus]] in Bürgel und damit auch über die ihr kirchenrechtlich unterstellte Martinskapelle in Zons. Damit verbunden war das Recht zur Einweisung eines neuen Pfarrers (Investiturrecht). Im 12. Jahrhundert war das Gut an herrschaftliche Dienstmannen verlehnt – darunter die Familie der Ministerialen von Bürgel, die über Generationen die Lehnshoheit hielten und zeitweise auch das Amt des Pfarrers (&#039;&#039;plebanus&#039;&#039;) in Zons besetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gründung der Maternuskapelle ===&lt;br /&gt;
Der genaue Erbauungszeitraum der dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] geweihten Kapelle im Zentrum des ehemaligen spätrömischen Kastells Haus Bürgel lässt sich quellenmäßig nicht exakt beziffern. Während ältere Vermutungen teilweise eine Entstehung bereits im 6. Jahrhundert annehmen, existieren auch Thesen, dass bereits in spätrömischer Zeit eine christliche Kapelle innerhalb der Kastellmauern bestanden haben könnte, wofür Funde aus anderen spätrömischen Lagern sprechen. Da am Niederrhein im Frühmittelalter Kirchenbauten häufig gezielt in spätrömische Kastellruinen gesetzt wurden, um die dort reichlich vorhandenen antiken Baumaterialien direkt als Spolien zu nutzen, ist ein solches Vorgehen auch für Bürgel anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patronat des [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] liefert hierbei einen wichtigen chronologischen Anhaltspunkt: Da der Maternuskult im [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Köln Erzbistum Köln] erst ab dem 9. Jahrhundert historisch nachweisbar ist, gilt eine Weihe bzw. Umwidmung der Kapelle in dieser Epoche als am wahrscheinlichsten. Bis weit in das Spätmittelalter hinein bildete dieses kleine, mitten im ehemaligen Kastellhof errichtete Gotteshaus den geistlichen Mittelpunkt und die offizielle Mutter- und Pfarrkirche für die gesamte linksrheinische Zonser Flur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hoch- und Spätmittelalter: Bürgel als Mutterkirche von Zons ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das ritterliche Lehen unter den Herren von Bürgel ===&lt;br /&gt;
Die kirchen- und besitzrechtliche Verflechtung der Regionen Bürgel und Zons lässt sich im Hochmittelalter vor allem an der ritterlichen Familie der Herren von Bürgel ablesen, die das Gut Bürgel als Lehen von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Benediktinerabtei Deutz] erhalten hatten. Urkundlich treten verschiedene Familienmitglieder dieser Ministerialen des Kölner Erzbischofs ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Zeugen in Erscheinung. So ist für die Jahre 1166, 1183 und 1218 ein Konrad von Bürgel (&#039;&#039;Conradus de Burgela&#039;&#039;) nachweisbar, während für das Jahr 1218 zusätzlich ein Hermann von Bürgel (&#039;&#039;Herimannus de Burgle&#039;&#039;) genannt wird. Die enge Verknüpfung der Familie mit den kirchlichen Pfründen belegt das Jahr 1257, in dem derselbe Konrad von Bürgel als &#039;&#039;plebanus de Zunce&#039;&#039; (Pfarrer von Zons) in den Quellen aufgeführt ist. Im Jahr 1326 veräußerte schließlich Winrich von Bürgel (&#039;&#039;Winricus de Burghile&#039;&#039;) mit ausdrücklicher Zustimmung seines Bruders Andreas, welcher der amtierende Pfarrer in Bürgel (&#039;&#039;pastor in Burghile&#039;&#039;) war, das Schloss, die Hälfte der Ländereien sowie das daran gekoppelte Patronatsrecht der Pfarrkirche für 1.400 kölnische Mark an die Abtei Deutz. Winrich erhielt das herrschaftliche Gut im Anschluss als Erbpacht für einen jährlichen Zins von 120 (bzw. 150) Mark zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Inkorporation in die Abtei Brauweiler (1368) ===&lt;br /&gt;
Nachdem in den 1350er Jahren die Familie Zobbe von Ingendorf – namentlich der Pächter Reinhard Zobbe und sein Bruder Hermann Zobbe, ein Brauweiler Benediktinermönch und Pfarrer in Bürgel – die Seelsorge und Verwaltung innehatten, begann die feste Bindung an die Abtei Brauweiler, da Hermann Zobbe 1361 zum dortigen Abt gewählt wurde. Nach kriegerischen Streitigkeiten um das Patronatsrecht in Bürgel inkorporierte der Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep am 11. Juni 1361 die Pfarrkirche in Bürgel mitsamt der Kapelle in Zons in die Abtei Brauweiler, um zur finanziellen Gesundung des verarmten Klosters beizutragen. Um die Rechtsverhältnisse endgültig abzusichern, kam es am 20. Juli 1368 zu einem folgenschweren Tauschgeschäft zwischen den Abteien Deutz und Brauweiler: Brauweiler tauschte seinen Hof in Bilk (Düsseldorf-Bilk) mitsamt dessen Patronatsrechten gegen den Hof in Bürgel und das Patronat über die dortige Maternuskirche mitsamt ihrer Tochterkapelle in Zons (&#039;&#039;capella in villa dicta Zontze&#039;&#039;) ein. Als Begründung wurde im lateinischen Tauschvertrag angeführt, dass Bilk für Deutz und Bürgel/Zons für Brauweiler jeweils &amp;quot;näher, nützlicher und bequemer&amp;quot; gelegen seien. Zum Ausgleich des höheren Ertrags von Bürgel verpflichtete sich Brauweiler zur Lieferung von jährlich 8 Malter Gerste an Deutz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Brauweiler das Gut aus wirtschaftlichen Gründen bereits 1375 weiterverkaufte (siehe Abschnitt &amp;quot;Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter&amp;quot;), behielt sich das Kloster das Patronatsrecht über die Pfarrkirche Bürgel und die Kapelle in Zons sowie die großen und kleinen Zehnten beiderseits des Rheins (Burgelrewerde und Zoynzeruelde) dauerhaft vor, sodass die Seelsorge bis 1802 ununterbrochen durch Mönche aus Brauweiler geleistet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das pfarrliche Kuriosum und der Loslösungsprozess von Zons ===&lt;br /&gt;
Nach dem Rheindurchbruch von 1374 (siehe Abschnitt &amp;quot;Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik&amp;quot;) blieb die kirchenrechtliche Struktur trotz der natürlichen Trennung durch den Fluss zunächst unverändert bestehen, was zu einer kuriosen und für die Bevölkerung äußerst beschwerlichen Situation führte, da St. Maternus in Bürgel weiterhin die alleinige Pfarr- und Taufkirche blieb. Neugeborene Kinder mussten für das Sakrament der Taufe unter Lebensgefahr mit Ruderbooten über den reißenden Strom nach Bürgel gebracht werden. Um dieser Gefahr bei ungünstigem Wetter entgegenzuwirken, ordnete Erzbischof Dietrich von Moers schließlich im Jahr 1423 die Errichtung eines eigenen Taufbeckens (Baptisteriums) in der 1408 geweihten neuen Zonser Kirche St. Martinus an. Dennoch blieb der pfarrliche Ehrenvorrang Bürgels bestehen: So waren die Zonser Christen bis ins 19. Jahrhundert hinein verpflichtet, alljährlich am Karsamstag in einer feierlichen Prozession über den Rhein nach Bürgel zu pilgern, um dort das Taufwasser für die Zonser Kirche segnen zu lassen und abzuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand änderte sich erst am 17. Dezember 1593 durch eine historische Urkunde des Kölner Generalvikars Peter Gropper. Gropper trennte die Martinskirche in Zons offiziell von der Mutterkirche ab und verlieh ihr die vollen Pfarrrechte, was er explizit mit der Unwegsamkeit der Rheinüberquerung und der gewachsenen Bedeutung von Zons als Stadt begründete. Fast alle Pfarreinkünfte wurden nach Zons übertragen; Bürgel behielt lediglich den nominellen Ehrentitel der &amp;quot;Mutterkirche&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das kirchenrechtliche Ende ===&lt;br /&gt;
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verfiel der gottesdienstliche Ritus in der Maternuskapelle zunehmend, da die jeweiligen Pächter (Halfen) des Gutes Bürgel Calvinisten waren, die in der reformierten Gemeinde im rechtsrheinischen Urdenbach eine führende Rolle spielten und kein Interesse am Erhalt des katholischen Gotteshauses zeigten. Der Kirchhof wurde zeitweise als Misthaufen (&#039;&#039;Koet Mistpoel&#039;&#039;) zweckentfremdet, und die Pächter verweigerten dem Zonser Pfarrer sogar zeitweise den Schlüssel zur Kirche. Um eine protestantische Okkupation der Kapelle zu verhindern, ordnete das Domkapitel an, dass der Kaplan bei seinen Fahrten zur Messe in Bürgel stets von zwei bis drei Personen begleitet werden müsse. Ab dem Jahr 1750 taucht Bürgel in den kirchlichen Registern nicht mehr als eigenständige Pfarrkirche auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den vollständigen Abbruch und den anschließenden Neubau der Kapelle in den Jahren 1774 bis 1776 existieren detaillierte Überlieferungen in den [[Schwieren-Chroniken|chronikalischen Aufzeichnungen]] des Zonser [[Küster]]s [[Johannes Hermann Schwieren]] sowie in den zugehörigen historischen Abhandlungen. Im Jahr 1774 wurde die alte, baufällige Kapelle in Bürgel demnach bis auf den Grund abgebrochen. Da der Neubau zu Ostern am 7. April 1776 noch nicht fertiggestellt war, kam es zu einer bemerkenswerten Ausnahme der jahrhundertealten Tradition: Das Taufwasser konnte nicht wie üblich in Bürgel geweiht werden, sondern musste in Zons durch den Kaplan Gallus Peffgen gesegnet werden.  Am 15. Juli 1776 wurde die fertiggestellte neue Kapelle schließlich feierlich geweiht. Die im 18. Jahrhundert neu errichtete Kapelle wies bis zu ihrem endgültigen Abriss im Jahr 1916 typische bauliche Merkmale dieser Epoche auf. Es handelte sich um einen kleinen, einschiffigen und flachgedeckten Saalbau von etwa 7 x 10 Metern Größe mit einem kleinen, eingezogenen dreiseitigen beziehungsweise polygonalen Chor. Während die Tür und die mit flachen Bögen geschlossenen Fenster aus diesem barocken Neubau stammten, blieb ein einziges spitzbogiges, vermauertes Fenster an der Südseite als Überrest des mittelalterlichen Vorgängerbaus erhalten. Ein niedriger Triumphbogen führte in den Chorraum, vor dem sich der Altar befand, und im Ostgiebel direkt über dem Chor war ein geheimnisvoller, roh behauener menschlicher Kopf aus Stein eingelassen, den der Volksglaube lange Zeit als heidnisches Überbleibsel deutete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Herbst 1794 und der anschließenden Neuordnung der linksrheinischen Territorien wurde im Jahr 1806 unter dem Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet eine radikale Neugliederung der Pfarreien vorgenommen. Zons wurde als Sukkursalkirche im Kanton Dormagen eingerichtet, während das nunmehr im Ausland (Großherzogtum Berg) liegende Bürgel kirchenrechtlich endgültig abgetrennt wurde. Den endgültigen Schlussstrich zog der Kölner Erzbischof-Koadjutor Johannes von Geissel am 16. November 1843, indem er die Pfarrei Bürgel aufgrund von Mittellosigkeit förmlich aufhob und das Areal der rechtsrheinischen Pfarrei Monheim (bzw. Baumberg) einpfarrte. Die geschichtsträchtige Maternuskapelle im Burghof wurde schließlich im Jahr 1916 vollständig abgebrochen (zum baulichen Zustand vor dem Abbruch siehe Abschnitt &amp;quot;Baugeschichte und architektonische Entwicklung&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter (Ritter- und Allodialgut) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verkauf an Gerhard von Kniprode und Lehensauftragung (1375/1378) ===&lt;br /&gt;
Nachdem das Benediktinerkloster Brauweiler im Jahr 1368 Haus Bürgel im Zuge des mit der Abtei Deutz geschlossenen Tauschgeschäfts erworben hatte, zwangen drückende Schulden und wirtschaftliche Notlagen die Mönche schon bald zu drastischen Maßnahmen. Obwohl testamentarische Bestimmungen des vorherigen Eigentümers Reinhard Besendriesch einen Verkauf des Hofes ausdrücklich untersagten, veräußerte die Abtei unter Abt Hermann II. Zobbe das Gut im Dezember 1375 für 4.000 Gulden an den Ritter Gerhard von Kniprode. Gerhard von Kniprode, dessen Familie im Monheimer Raum einflussreich war, vollzog im Jahr 1378 einen politisch folgenschweren Schritt: Er trug Haus Bürgel mit fünf Hufen Ackerland und zweieinhalb Hufen Weiden dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden als kurkölnisches Mannlehen auf. Damit war das zuvor von bergischen Ansprüchen umgebene Gut kirchen- und lehensrechtlich fest an Kurköln gebunden, was der erzbischöflichen Macht einen strategischen rechtsrheinischen Brückenkopf verschaffte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der territoriale Grenzstreit ===&lt;br /&gt;
Die lehensrechtliche Bindung an Kurköln legte den Grundstein für jahrhundertelange, oft erbitterte Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem kurkölnischen Amt Zons und dem bergischen Amt Monheim. Die Gerichtshoheit über das Gut und das umgebende Bürgeler Werth blieb bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 ein ständiger Zankapfel. Während die Zonser Schöffen bereits in einem Protokoll von 1443 postulierten, dass die Bewohner Bürgels als Nachbarn zu allen Diensten und Abgaben an das Zonser Gericht verpflichtet seien, beharrte die bergische Seite auf ihrer territorialen Souveränität. So protestierte Herzog Wilhelm von Jülich-Berg im Jahr 1504 scharf beim Kölner Erzbischof Hermann IV. und betonte, Bürgel gehöre seit alters zum bergischen Amt Monheim. Die Positionen blieben unversöhnlich, doch im alltäglichen Vollzug verlor Kurköln im Laufe der Jahrhunderte immer mehr an Boden: Eine kölnische Untersuchungskommission stellte 1698 ernüchtert fest, dass Berg im tatsächlichen Besitz der Jurisdiktion über Bürgel sei und die dortigen Eigentümer sich je nach eigenem Nutzen mal an Köln, mal an Berg anlehnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Exkurs: Der Kriminalfall von 1739 ===&lt;br /&gt;
Wie tief die Gräben dieses Jurisdiktionsstreits waren, zeigte sich am 9. Januar 1739 bei einem tragischen Kriminalfall im Hausflur des Gutes. An diesem Tag wurde der erst 16-jährige Schweinehirt Wilhelm Heinrich Burbach (gebürtig aus Baumberg) um die Mittagszeit auf den Stufen des Bürgeler Hausflurs durch einen namentlich bekannten Baumberger mit einem Messer mitten ins Herz erstochen. Die Tragödie weitete sich sofort zu einer handgreiflichen Konfrontation aus: Um zu verhindern, dass das Zonser Gericht die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau vornahm, besetzten bergische Schützen aus Baumberg auf Befehl des Monheimer Vogts das Gut mit Waffengewalt. Die Monheimer Schöffen nahmen den Toten in Augenschein, ließen ihn im &amp;quot;Milchstübgen&amp;quot; sezieren und anschließend eilig auf dem Bürgeler Kirchhof begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kölner Domkapitel meldete diesen schweren Übergriff auf seine Gerichtshoheit der kurfürstlichen Regierung. Auf Anordnung des Kapitels setzten die Zonser Gerichtsbeamten daraufhin entschlossen über den Rhein nach Bürgel über. Sie gruben den bereits bestatteten Leichnam des Jünglings kurzerhand wieder aus, vollzogen im Namen Kurkölns eine eigene, rechtmäßige Leichenschau und ließen ihn danach wieder beisetzen. Dieser spektakuläre Vorfall diente beiden Seiten als demonstrativer Akt zur Wahrung ihrer territorialen Ansprüche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Besitzerfamilien ===&lt;br /&gt;
Die Besitzgeschichte von Haus Bürgel nach der Ära der Kniprodes spiegelt den Wandel regionaler Machtverhältnisse wider. Durch die Ehe von Gerhards Tochter gelangte das Gut im Jahr 1413 an den Ritter Heinrich van Boemelbergh. In der nachfolgenden Generation ging Bürgel im Erbgang an die Grafen von Limburg über (darunter an die Linie Limburg, Herren zu Broich). Da die Familie im späten 17. Jahrhundert im Mannesstamm erlosch und eine Belehnung weiblicher Nachkommen nach kurkölnischem Lehensrecht ausgeschlossen war, verkauften die Erbinnen Bürgel im Jahr 1698 an den Freiherrn Franz von Nesselrode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit begann die dauerhafte Ära der Familie Droste von Vischering-Nesselrode-Reichenstein (mit Sitz auf Schloss Herten), in deren Besitz das Gut bis in das 20. Jahrhundert verbleiben sollte. Nach dem Tod von Franz von Nesselrode im Jahr 1707 übernahm sein Sohn, der Reichsgraf Bertram Carl von Nesselrode und Reichenstein († 1744), die Lehnsherrschaft. Da die gräflichen Besitzer als bergische Untertanen und teils als Amtsleute von Monheim agierten, begünstigte diese Familienkonstellation langfristig den Übergang der tatsächlichen Landeshoheit an das Herzogtum Berg, obwohl das Gut formal bis zur Säkularisation ein Kölner Lehen blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte und architektonische Entwicklung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Untergang der Bürgeler Auenhöfe ===&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Bürgel war weder ein geschlossenes Dorf noch ein einfacher Einzelhof, sondern eine aus mindestens drei bis vier Höfen bestehende, lockere Gruppensiedlung (Weiler). Zu diesem historischen Siedlungskomplex gehörten der Große Hof zu Bürgel, der Hof auf dem Driesch (Driesch-Hof), der Hof auf der Scheuern (Scheuern-Hof) sowie der herrschaftliche Bauhof. Davon lagen der Große Hof und der Driesch-Hof nachweislich innerhalb der hochwassergefährdeten Rheinschlinge. Letzterer befand sich im Jahr 1418 &amp;quot;zwischen dem Hof zu Bürgel und dem alten Rhein&amp;quot;, wurde jedoch in der Folgezeit direkt zum Hof Bürgel gezogen. In unmittelbarer Nachbarschaft muss auch der Bauhof gestanden haben, den Winrich von Bürgel (Winricus de Burgele) im Jahr 1326 mitsamt seinem Wohnhaus, Wirtschaftsgebäuden und einem Baumgarten innerhalb der alten Kastellmauern an die Abtei Deutz verkaufte. Die genaue Lage des Hofes auf der Scheuern lässt sich heute nicht mehr exakt lokalisieren; sein spurloses Verschwinden deutet jedoch zwingend darauf hin, dass auch er innerhalb der Rheinschlinge lag und – ebenso wie die benachbarten historischen Siedlungen Blee, Quinheim und Niel – im Laufe der Jahrhunderte von den ungebändigten, erodierenden Fluten des Rheins weggespült und zerstört wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die historische Bildüberlieferung ===&lt;br /&gt;
Eine unschätzbare Quelle für die Rekonstruktion des historischen Baubestandes stellen die topografisch präzisen Zeichnungen des flämischen Malers Renier Roidkin aus der Zeit um 1735 dar. Seine detailreichen, lavierten Tuschezeichnungen zeigen das Anwesen Haus Bürgel aus einer nord-nordwestlichen Perspektive. Das Landgut ist darin als allseitig geschlossene, rechtwinklige Hofanlage im Zentrum des Bildes dargestellt. Roidkins Arbeiten dokumentieren mit hoher Zuverlässigkeit das damalige herrschaftliche Herrenhaus sowie den mächtigen, im Nordosten aufragenden Turm, welche die landwirtschaftlich genutzten Ställe, Scheunen und Remisen deutlich überragten. Mitten im inneren Wirtschaftshof ist zudem der Turm der alten Maternuskapelle exakt skizziert. Eingebettet ist das herrschaftliche Gut bei Roidkin in eine weitläufige, parzellierte Acker- und Auenlandschaft, die im Bildvordergrund durch zeittypische allegorische Figuren staffiert wird. Roidkins präzise Skizzen gelten in der Forschung als die wichtigste und realitätsnahe Bildüberlieferung des baulichen Zustands Bürgels in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Maternuskapelle vor ihrem Abbruch ===&lt;br /&gt;
Die dem heiligen Maternus geweihte Hof- und Pfarrkapelle wurde im Jahr 1892 bzw. 1894 durch den rheinischen Provinzialkonservator Paul Clemen umfassend bauhistorisch dokumentiert. Clemen beschrieb die Kapelle als einen einschiffigen, flachgedeckten Saalbau von rund 7 x 10 Metern, der regelmäßig aus Tuffsteinquadern errichtet worden war, während seine Giebel aus Backsteinen bestanden. An der Südseite wies der Tuffsteinbau ein rundbogiges Fenster auf und schloss im Osten mit einem kleinen, bescheidenen fünfseitigen Chorschluss ab. Aus der Frühzeit der Kirche hatte sich ein wertvoller romanischer Taufstein des 12. oder 13. Jahrhunderts aus Namurer Blaustein erhalten, welcher nach dem Abbruch der Kapelle gerettet wurde und sich heute im Privatbesitz auf Schloss Herrnstein an der Sieg befindet. In der späten Barockzeit war die Kapelle im Inneren schlicht und ohne architektonische Gliederung gestaltet. Sie besaß eine flache Decke und ein kleines, hölzernes Glockentürmchen auf der Westseite des Schieferdaches. Ein besonderes Mysterium bildete ein in der Giebelwand eingemauerter Steinkopf, den der Volksglaube über Generationen hinweg als heidnisches Überbleibsel deutete. Um das Jahr 1903 war die Kapelle bereits vollständig zur Ruine verfallen und wurde 1916 im Zuge des fortschreitenden Verfalls endgültig niedergelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entstehung des neuzeitlichen Gutshofs ===&lt;br /&gt;
Nach der Säkularisation und dem Übergang der Anlage in Privatbesitz wurde der mittelalterliche Wehrcharakter von Haus Bürgel schrittweise zurückgebaut, um Platz für einen modernen Gutsbetrieb zu schaffen. Bereits im Jahr 1765 wurden an der Westseite der Anlage neue, großzügige Stallungen errichtet. Der tiefgreifendste architektonische Einschnitt erfolgte im Jahr 1837: Unter dem Eigentümer Graf Felix Droste zu Vischering wurden die baufälligen Reste des alten Schlosses abgebrochen und an deren Stelle das heute noch erhaltene, zweigeschossige klassizistische Herrenhaus erbaut. Da die Wirtschaftsgebäude und Umfassungsmauern in der Folgezeit für den landwirtschaftlichen Betrieb fortlaufend repariert, verändert und modernisiert wurden, präsentiert sich das Anwesen heute als neuzeitlicher Großhof. Dennoch blieben bedeutende Reste der mittelalterlichen Bausubstanz im heutigen Bestand erhalten, darunter der quadratische, mit wehrhaften Kragsteinen für einen hölzernen Wehrgang ausgestattete Nordostturm sowie ein Teil der abgeschrägten Umfassungsmauer in der Südwestecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heutige Nutzung, Naturschutz und Denkmalpflege ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rettung und Restaurierung ===&lt;br /&gt;
Die systematische Instandsetzung der historischen Hofanlage begann in den 1990er Jahren, nachdem die &amp;quot;Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW&amp;quot; das geschichtsträchtige Gut erworben hatte. Die Stiftung finanzierte das anspruchsvolle Sanierungsprojekt, um die Gebäude schrittweise und etappenweise zu renovieren. Ziel dieser hohen Investitionen war es, einen zukunftsträchtigen Mix aus Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege zu etablieren, welcher die Kernbotschaft der NRW-Stiftung ideal widerspiegelt. Verwaltet und betrieben wird das Projekt heute von der &amp;quot;Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe/Haus Bürgel&amp;quot;. Die Geschäftsführung ist optimistisch bezüglich der langfristigen Wirtschaftlichkeit des Betriebs, da die anfallenden Kosten durch Pachteinnahmen sowie den Verkauf von Heu und Obst auf den umliegenden Flächen gedeckt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biologische Station Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Einen zentralen Pfeiler des Standortes bildet die Biologische Station, die als eingetragener Verein seit dem Jahr 1996 ihren festen Sitz auf Haus Bürgel hat. Sie zeichnet für die Betreuung von Naturschutzgebieten in Düsseldorf und im Kreis Mettmann sowie für die Umsetzung zahlreicher Naturschutzmaßnahmen vor Ort verantwortlich. Hierzu gehört unter anderem die Pflanzung und Pflege von Obstbäumen in der Urdenbacher Kämpe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzt wird dieses Naturschutzengagement durch die Pflege des historischen Nutzgartens auf Haus Bürgel, in dem Kräuter- und Gemüsepflanzen aus der Römerzeit und späteren Epochen gezeigt werden, sowie durch ganzjährige Exkursionen. Zudem fischen Biologen der Station seltene Molche aus den umliegenden Gewässern. Neben der ökologischen Arbeit wird auf den Weiden die Jahrhunderte alte Tradition der Kaltblutpferdezucht aktiv fortgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Römermuseum Haus Bürgel ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 2003 eröffnete ein archäologisches Römermuseum im Herrenhaus und im historischen Eckturm von Haus Bürgel. In den folgenden Jahren wurde die Ausstellung schrittweise durch zusätzliche Ausstellungsräume im Südwesten der Anlage erweitert. Ein besonderer Anziehungspunkt im Innenhof der Anlage ist der Nachbau eines römischen Steinbackofens, der mithilfe von Fördermitteln des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) realisiert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem führt ein archäologischer Außenpfad die Besucher entlang der ehemaligen Kastellmauern zu den dezentralen Ausstellungsbereichen. Dieser Pfad macht die Struktur der antiken Anlage erlebbar und zeichnet mithilfe einer speziellen Pflasterung im Boden die Lage des spätrömischen Osttores sowie einiger der zwölf Rundtürme für die Öffentlichkeit nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Welterbe-Status ===&lt;br /&gt;
Den bedeutendsten Meilenstein für die internationale Anerkennung der Anlage markiert der Sommer 2021. Bereits im Januar 2020 stellten die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unter der Federführung der Niederlande den offiziellen Antrag, den Niedergermanischen Limes als UNESCO-Weltkulturerbe auszuzeichnen. Am 27. Juli 2021 wurde der Limes auf der UNESCO-Komitee-Sitzung im chinesischen Fuzhou offiziell in die Welterbeliste aufgenommen. Haus Bürgel gehört seither als einer von insgesamt 44 archäologischen Fundplätzen des Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe &amp;quot;Niedergermanischer Limes&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Archäologisches Museum Haus Bürgel – Betrachtungen zur Situation des Raumes Dormagen in der Römerzeit&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2006 (2005), S. 8–15.&lt;br /&gt;
* Beyer, Brigitte: &#039;&#039;Fortuna te adiuvet&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 83–84.&lt;br /&gt;
* Bürschel, Peter/ Gechter, Michael: &#039;&#039;Ausgrabungen in Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993, S. 94–96.&lt;br /&gt;
* Cramer, Franz: &#039;&#039;Buruncum – Worringen, nicht Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 107 (1901), S. 190–202.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Neue Forschungen im spätrömischen Kastell &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, Stadt Monheim, Kreis Mettmann&#039;&#039;, in: Nicolae Gudae (Hg.): Roman Frontier Studies – Proceedings of the XVIIth International Congress of Roman Frontier Studies, Zalau 1999, S. 337–347.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Zur Herstellung militärischer Bronzen im spätrömischen Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: H. Friesinger/ K. Pieta/ J. Rajtár (Hgg.): Metallgewinnung und –verarbeitung in der Antike (Schwerpunkt Eisen), Nitra 2000, S. 113–116.&lt;br /&gt;
* Freudenberg, Johannes: &#039;&#039;Rezension zu: Anton Rein: Haus Bürgel – das Römische Burungum&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 23 (1856), S. 141–153.&lt;br /&gt;
* Gechter, Michael: &#039;&#039;Neufunde aus Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 81–83.&lt;br /&gt;
* Haberey, Waldemar: &#039;&#039;Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 157 (1957), S. 294–304 und Taf. 38–44.&lt;br /&gt;
* Herchenbach, Wilhelm: &#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Monatsschrift des Vereins für die Geschichts- und Alterthumskunde von Düsseldorf und Umgegend (1881), Nr. 4, S. 31–34; Nr. 5, S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Koenen, Constantin: &#039;&#039;Miscelle &amp;quot;Zum Verständnis von Haus Bürgel&amp;quot;&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande LXXXIX (1890), S. 213–218.&lt;br /&gt;
* Ohligschläger: &#039;&#039;Über Niederlassungen der Römer im Bergischen&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande V/ VI (1844), S. 235–251.&lt;br /&gt;
* Rein, Anton: &#039;&#039;Haus Bürgel, das Römische Burungum, nach Lage, Namen und Alterthümern&#039;&#039;. Krefeld 1855.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Hier Zons – hier Haus Bürgel – Zur Frage des gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisses der Kirchen von Zons und Bürgel im Mittelalter&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 283–290.&lt;br /&gt;
* Stein, Simone: &#039;&#039;Viehhaltung, Jagd und Fischfang im &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, einem spätantiken Kastell am Niederrhein&#039;&#039;, Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2000.&lt;br /&gt;
* Tegtmeier, Ursula: &#039;&#039;Verkohlte Hainbuchenhölzer aus römischen Gräbern bei Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2005, S. 74–76.&lt;br /&gt;
* Tutlies, Petra: &#039;&#039;Das römische Haus Bürgel und sein Weiterbestehen bis in unsere Zeit&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 76–86.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=B%C3%BCrgel&amp;diff=4384</id>
		<title>Bürgel</title>
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		<updated>2026-08-11T10:48:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;&#039; ist eine denkmalgeschützte Hofanlage in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Kämpe Urdenbacher Kämpe] am rechten Niederrhein, die auf ein spätrömisches Grenzkastell des frühen 4. Jahrhunderts zurückgeht. Ursprünglich linksrheinisch gelegen und über eine direkte Landverbindung eng mit Zons verknüpft, wurde die Anlage durch einen Rheindurchbruch im Jahr 1374 physisch von Zons getrennt, blieb kirchenrechtlich aber bis 1593 deren Mutterkirche. Über das Mittelalter hinweg war Bürgel Lehen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abteien Deutz] und [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] sowie mehrerer Adelsfamilien, ehe es 1837 zum klassizistischen Herrenhaus umgebaut wurde. Seit den 1990er Jahren im Besitz der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nordrhein-Westfalen-Stiftung_Naturschutz,_Heimat-_und_Kulturpflege Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW], beherbergt Haus Bürgel heute die Biologische Station Urdenbacher Kämpe und das Römermuseum Haus Bürgel und gehört seit 2021 als Teil des [https://de.wikipedia.org/wiki/Niedergermanischer_Limes Niedergermanischen Limes] zum [https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Welterbe UNESCO-Weltkulturerbe].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lage in der Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Haus Bürgel liegt heute als solitäre, ununterkellerte Hofanlage inmitten einer weiten, flachen Triebebene, der sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Kämpe Urdenbacher Kämpe], nördlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheimer] Ortsteils [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und südlich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Düsseldorf-Urdenbach]. Naturräumlich ist dieser Bereich als hochwassergefährdete Fluss- und Auenlandschaft der Dormagener Rheinaue ausgeprägt. Da das Areal bei Rheinhochwassern regelmäßig überschwemmt wird, ist die Hofanlage in solchen Zeiten zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Der Gutshof selbst ruht auf einem tragfähigen, kiesigen Sandrücken inmitten einer Niederung, die fast kreisförmig von einem verlandeten Sumpfstreifen – dem ehemaligen Flussbett des &amp;quot;Alten Rheins&amp;quot; – umgeben ist. Durch die jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung und die weitläufigen Weideflächen ist die Umgebung durch fruchtbare Auenböden charakterisiert, die historisch oft von schädigendem Hochwasser und Sandmassen überflutet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die ursprüngliche linksrheinische Lage ===&lt;br /&gt;
In der Antike und während des gesamten frühen Mittelalters befand sich Haus Bürgel auf der linken Rheinseite. Geografisch gehörte das Areal zur linksrheinischen Uferterrasse und stand in direktem, ununterbrochenem Zusammenhang mit dem linksrheinischen Zonser Feld. Die römische Limesstraße (die heutige Bundesstraße 9) verlief linksrheinisch, und eine linksrheinische Wegverbindung (unmittelbar südlich parallel zur heutigen [[Aldenhovenstraße]]) führte von der Fernstraße geradlinig und barrierefrei direkt auf das spätrömische Kastell zu. Diese physische Landverbindung begründete auch die jahrhundertelange, enge rechtliche, gerichtliche und kirchliche Zugehörigkeit Bürgels zu Zons und dem kurkölnischen Amt Zons: Bis zu deren kirchenrechtlicher Verselbstständigung im Jahr 1593 fungierte Haus Bürgel als offizielle Mutterkirche für Zons (siehe Abschnitt &amp;quot;Hoch- und Spätmittelalter&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rheindurchbruch von 1374 und seine Folgen ===&lt;br /&gt;
Die dynamischen Veränderungen des Flusslaufes im Talabschnitt zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen], Zons und [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] sind maßgeblich durch das Durchbrechen zweier großer Flussmäander geprägt: des Dormagener und des Bürgeler Rheinmäanders. Der Rhein, der im frühen Mittelalter noch unmittelbar an der Neusser Stadtmauer vorbeigeflossen war, verlagerte sein Bett im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich nach Osten. Während der Durchbruch der Dormagener Rheinschlinge bereits im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. erfolgte, verengte sich der Wurzelbereich des Bürgeler Mäanders im Laufe des Spätmittelalters immer weiter, wodurch sich der Hauptstrom immer tiefer in die rechtsrheinische Niederterrasse zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach] einschnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser fortlaufende Prozess gipfelte in einer verheerenden Naturkatastrophe: Zwischen Weihnachten 1373 und Mai 1374 führten extreme Niederschläge und die einsetzende Schneeschmelze zu einem fast drei Monate anhaltenden Rheinhochwasser, das die [https://de.wikipedia.org/wiki/Koelhoffsche_Chronik Koelhoffsche Chronik] als Jahrtausendflut beschreibt und dessen Pegelhöhe heute auf rund 12,30 Meter am Kölner Pegel geschätzt wird. In dieser Frühjahrshochflut von 1374 durchbrach der Rhein die schmale Landzunge im Bereich des Mäanderhalses nordöstlich von Zons. Durch diesen Durchbruch verlagerte sich der Hauptstrom des Rheins dauerhaft nach Westen. Haus Bürgel mitsamt seiner [[Maternuskapelle]] und den umliegenden Ländereien geriet dadurch auf die rechte, östliche Flussseite und wurde physisch vollständig von Zons getrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schriftliche Zeugnisse belegen den Zeitpunkt dieses Ereignisses eindrücklich: Während im Jahr 1368 beim Hofaustausch zwischen den [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abteien Deutz] und [[Brauweiler (Kloster)|Brauweiler]] die linksrheinische Lage Bürgels noch als &amp;quot;bequem und nah&amp;quot; beschrieben wurde, umschreibt eine Zehnturkunde vom 1. Dezember 1375 den Pfarrbezirk erstmals ausdrücklich als &amp;quot;auf beiden Seiten des Rheins&amp;quot; liegend, wobei Bürgel nun als auf einer vom Wasser umschlossenen &amp;quot;Insel&amp;quot; (&#039;&#039;Burgelre werde&#039;&#039;) bezeichnet wird. Das alte, verlandende Strombett, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_Altrhein &amp;quot;Alte Rhein&amp;quot;], blieb jedoch noch lange Zeit wasserführend und wurde nachweislich noch im 15. Jahrhundert (belegt für 1437) von einem Monheimer Fischmeister befischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologie und Spätantike: Das römische Kastell ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erbauung und historischer Kontext ===&lt;br /&gt;
Das römische Kastell Haus Bürgel wurde im frühen 4. Jahrhundert nach Christus, in der konstantinischen Epoche (um 315–330 n. Chr.), als wehrhaftes Kleinkastell zur Grenzsicherung errichtet. Seine Entstehung war Teil des großangelegten Festungsprogramms unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Große Kaiser Konstantin dem Großen], das die rheinische Limeslinie gegen die beständigen Einfälle der vordringenden germanischen Stämme – insbesondere der [https://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Volk) Franken] – militärisch abriegeln sollte. Mit einer inneren quadratischen Grundfläche von 64 x 64 Metern (ca. 0,42 Hektar) stellt Bürgel einen charakteristischen spätrömischen Festungstypus dar, der in seiner Größe und Geometrie eine enge Parallele zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Kastell_Deutz Kastell Divitia in Köln-Deutz] aufweist. Das Lager lag zu dieser Zeit strategisch auf der linken Rheinseite und sicherte an diesem exponierten Grenzabschnitt die Überwachung des Flusses sowie des rechtsrheinischen Umlandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Architektonischer Aufbau der Festung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fundamentierung und Mauertechnik:&#039;&#039;&#039; Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die mächtige Festungsmauer auf einem tragfähigen kiesigen Sandrücken auf einem einheitlichen Holzpfostenrost gegründet wurde. Hierzu trieb man Pfosten aus Eichenholz mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern in einem lichten Abstand von rund 30 Zentimetern tief in den Boden. Die darauf errichteten Fundamente wiesen im Bodenbereich eine gewaltige Stärke von bis zu 2,30 Metern auf. Die Wehrmauer selbst bestand im Kern aus extrem widerstandsfähigem Gussbeton (&#039;&#039;opus caementicium&#039;&#039;), gefügt aus Tuffbruchsteinen und Mörtelkies, und war an den Außen- und Innenseiten mit sorgfältig behauenen Tuffsteinquadern verblendet. Zur statischen Stabilisierung und optischen Gliederung war das aufgehende Mauerwerk durch horizontal durchgehende rote Ziegelbänder unterbrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wehranlagen und Türme:&#039;&#039;&#039; Die Festungsarchitektur war streng wehrhaft konzipiert und besaß insgesamt zwölf Türme: vier runde Ecktürme mit einem Außendurchmesser von etwa 7,80 Metern sowie acht halbrunde, aus der Mauerflucht nach außen vorspringende Zwischentürme mit einem Durchmesser von 5,60 Metern, die das Entstehen toter Winkel bei der Verteidigung konsequent verhinderten. Das Kastell verfügte über zwei gegenüberliegende Tortürme an der West- und Ostseite (6,80 x 4,80 Meter), von denen das Westtor archäologisch freigelegt werden konnte. Dem Schutz der Festung diente nach spätrömischem Vorbild ein der Wehrmauer vorgelagerter Doppelgraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die römische Kaimauer/Hafenanlage:&#039;&#039;&#039; Da das Kastell in der Antike direkt am Rheinstrom lag, ist für die Sicherung der römischen Rheinflotte sowie für den logistischen Nachschub die Existenz einer Hafenanlage beziehungsweise einer massiven Kaimauer anzunehmen. Auch wenn archäologische Reste einer solchen Hafenmole in Bürgel aufgrund der jahrhundertelangen Rheinerosion bislang nicht obertägig fassbar sind, wird davon ausgegangen, dass sie analog zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Gelduba Kastell von Gelduba (Krefeld-Gellep)] aus senkrechten Eichenpfählen bestand, die durch mächtige lose Schüttungen aus schwerem Säulenbasalt und Deckplatten aus hellem Trachyt stabilisiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärische Funktion und Besatzung ===&lt;br /&gt;
Als Grenzfestung der Spätantike diente Haus Bürgel primär der Stationierung von germanischen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kelten keltischen] Auxiliartruppen (Hilfstruppen), die im Dienste der römischen Armee den Limes bewachten. In der Blütezeit des Kastells (ca. 330 bis 440 n. Chr.) lebten hier schätzungsweise bis zu 150 reguläre Infanteristen und ihre Familien, die unter anderem aus dem Elbe-Weser-Mündungsgebiet und aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Böhmen Böhmen] stammten. Neben dieser stationären Grenztruppe (&#039;&#039;limitanei&#039;&#039;) fungierte Bürgel wahrscheinlich auch als Operationsbasis für mobile Heeresverbände (&#039;&#039;comitatenses&#039;&#039;), die bei plötzlichen Durchbrüchen flexibel im Hinterland eingesetzt werden konnten. Ein spektakulärer Beleg für die logistische Organisation und die spätere Materialbeschaffung ist ein im Fundament einer Bürgeler Kaserne entdeckter römischer Weihestein, der von Soldaten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ala_I_Noricorum Ala Noricorum] gestiftet worden war. Da diese 500 Mann starke, berittene Einheit im 2. Jahrhundert nach Christus im linksrheinischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Durnomagus Militärlager &#039;&#039;Durnomagus&#039;&#039; (Dormagen)] stationiert war, belegt diese Altar-Spolie eindrücklich, dass beim spätrömischen Festungsbau Baumaterialien (wie große Tuffquader und Grabmäler) aus dem verfallenen Dormagener Lager abgetragen und nach Bürgel geschafft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Ende der römischen Epoche ===&lt;br /&gt;
Das Ende der römischen Kontrolle über das Kastell Bürgel ist eng mit den unruhigen Ereignissen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Völkerwanderungszeit Völkerwanderung] und den fränkischen Vorstößen im 5. Jahrhundert verknüpft. Münzfunde, darunter eine wertvolle Goldmünze des [https://de.wikipedia.org/wiki/Flavius_Honorius Kaisers Honorius (395–423 n. Chr.)], belegen, dass das Kastell bis zum vorübergehenden Zusammenbruch der römischen Rheingrenze im Winter 406/407 aktiv besetzt blieb. In den darauffolgenden Jahrzehnten spitzten sich die kriegerischen Konflikte dramatisch zu. Die archäologischen Befunde deuten auf mindestens zwei schwerwiegende Belagerungen hin: eine am Ende des 4. Jahrhunderts und eine weitere im ersten Viertel des 5. Jahrhunderts, worauf die überstürzte Verbergung von Münzhorten im Kastellbereich hindeutet. Um 430 nach Christus (nach neueren Forschungen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Fischer_(Archäologe) Thomas Fischer]) beziehungsweise um 450 nach Christus wurde das Kastell schließlich von fränkischen Kriegern erstürmt, weitgehend zerstört und dauerhaft erobert. Damit endete nach fast anderthalb Jahrhunderten die römische Herrschaft in Bürgel, und die einstige Grenzbefestigung ging als herrschaftliches Gut in das Eigentum der fränkischen Könige über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschungs- und Grabungsgeschichte ===&lt;br /&gt;
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den verborgenen antiken Ruinen von Haus Bürgel reicht weit zurück. Als erster schriftlicher Bericht gilt die lateinische Abhandlung von Brosius (1731), der das Kastell noch mit zwölf obertägig sichtbaren Türmen beschrieb. Im Jahr 1855 veröffentlichte der Krefelder Schuldirektor Anton Rein eine erste detaillierte Monografie, in der er das Kastell fälschlicherweise mit der im römischen Straßenverzeichnis genannten Station [https://de.wikipedia.org/wiki/Buruncum &#039;&#039;Burungum&#039;&#039; (Worringen)] gleichsetzte. Die moderne, systematische Erforschung begann in den Jahren 1953 und 1959, als das [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Landesmuseum_Bonn Rheinische Landesmuseum Bonn] unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Waldemar_Haberey Waldemar Haberey (1901–1985)] den Baubestand präzise vermaß und erste Sondierungsschnitte anlegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen wissenschaftlichen Meilenstein markieren die ab 1993/1994 durchgeführten interdisziplinären Grabungskampagnen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_zu_Köln Universität zu Köln] unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Fischer_(Archäologe) Thomas Fischer] in Kooperation mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universität_Warschau Universität Warschau] unter Tomasz Mikocki. Diese Grabungen erbrachten reiches Fundmaterial aus den spätantiken Kasernenbauten und dokumentierten den Alltag der germanischen Soldatenfamilien. Unter der Leitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Gechter Michael Gechter (1946–2018, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege)] wurden im Rahmen der Bauwerkssanierungen bis 2002 weitere Kasernenbauten freigelegt, die direkt in das Westtor einbanden. Dabei wurden spektakuläre Funde gesichert, wie ein Hort aus 139 Bronzemünzen aus der Zeit [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Große Konstantins] unter dem Boden einer Badeanlage sowie ein monumentaler Münzhort von über 800 Münzen (ca. 375–408 n. Chr.), der in einer Kaserne deponiert, jedoch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger karolingischer Zeit] durch die Anlage einer Grabgrube gestört und im Kastellbereich zerstreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frühmittelalter: Fränkische Epoche und die Entstehung von St. Maternus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übergang zum fränkischen Königsgut ===&lt;br /&gt;
Nach dem Abzug der Römer und dem Ende der [https://de.wikipedia.org/wiki/Germania_inferior römischen Provinz Germania Inferior] im frühen 5. Jahrhundert übernahmen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfranken ripuarischen Franken] die Herrschaft am [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederrhein_(Region) Niederrhein]. Dabei gingen die römischen Befestigungsanlagen, so auch das spätere Haus Bürgel, in das königliche Krongut der fränkischen Herrscher über. Über die darauffolgenden Jahrhunderte liegen für Haus Bürgel kaum verwendbare schriftliche Quellen vor. Dass das Areal dennoch kontinuierlich besiedelt blieb, lässt sich unter anderem an dem Deckel eines fränkischen Kindersarges ablesen, den die Forschung als Beleg für eine fränkische Besiedlung anführt. Erst gegen Ende des ersten Jahrtausends verdichten sich die konkreten Hinweise wieder: Zu dieser Zeit war das ehemalige Kastell vermutlich ein herrschaftlicher Stützpunkt (Krongut) der [https://de.wikipedia.org/wiki/Liudolfinger ottonischen Herrscher]. Bereits für das Jahr 980 ist überliefert, dass Kirche und Herrenhof Bürgel dem Kölner Ursulastift übertragen worden sein sollen, bevor das Gut im Jahr 1002 von [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_III._(HRR) Kaiser Otto III.] an den [https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_Köln Kölner Erzbischof Heribert] übergeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erzbischöflicher Besitz und die Deutzer Ära ===&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_von_Köln Erzbischof Heribert von Köln] gründete auf Grundlage einer Vereinbarung mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_III._(HRR) Kaiser Otto III.] im Jahre 1003 das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Benediktinerkloster in Deutz]. Zur wirtschaftlichen Ausstattung dieser Neugründung schenkte Heribert dem Kloster am 3. Mai 1019 (in manchen Quellen auch auf 1020 datiert) bei der Einweihung der Abteikirche das &#039;&#039;Castrum etiam in Burgela&#039;&#039; mitsamt dem dazugehörigen Hof sowie die Kapelle in Zons mit ihrem Zehnten. Die Schenkungsurkunde, deren Original im 12. Jahrhundert durch Deutzer Chronisten wie Theodoricus Aedituus redigiert bzw. verunechtet wurde, belegt somit erstmals schriftlich eine Kirche in Zons. Diese Schenkung wurde im Jahr 1147 durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_III. Papst Eugen III.] bestätigt, in dessen Urkunde das Gut als &amp;quot;Schloss Bürgel mit dem Hofe und Kirche&amp;quot; bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Schenkung erhielt das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Kloster Deutz] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenpatronat Patronatsrecht] über die [[Maternus-Kapelle|Pfarrkirche St. Maternus]] in Bürgel und damit auch über die ihr kirchenrechtlich unterstellte Martinskapelle in Zons. Damit verbunden war das Recht zur Einweisung eines neuen Pfarrers (Investiturrecht). Im 12. Jahrhundert war das Gut an herrschaftliche Dienstmannen verlehnt – darunter die Familie der Ministerialen von Bürgel, die über Generationen die Lehnshoheit hielten und zeitweise auch das Amt des Pfarrers (&#039;&#039;plebanus&#039;&#039;) in Zons besetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gründung der Maternuskapelle ===&lt;br /&gt;
Der genaue Erbauungszeitraum der dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] geweihten Kapelle im Zentrum des ehemaligen spätrömischen Kastells Haus Bürgel lässt sich quellenmäßig nicht exakt beziffern. Während ältere Vermutungen teilweise eine Entstehung bereits im 6. Jahrhundert annehmen, existieren auch Thesen, dass bereits in spätrömischer Zeit eine christliche Kapelle innerhalb der Kastellmauern bestanden haben könnte, wofür Funde aus anderen spätrömischen Lagern sprechen. Da am Niederrhein im Frühmittelalter Kirchenbauten häufig gezielt in spätrömische Kastellruinen gesetzt wurden, um die dort reichlich vorhandenen antiken Baumaterialien direkt als Spolien zu nutzen, ist ein solches Vorgehen auch für Bürgel anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patronat des [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] liefert hierbei einen wichtigen chronologischen Anhaltspunkt: Da der Maternuskult im [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Köln Erzbistum Köln] erst ab dem 9. Jahrhundert historisch nachweisbar ist, gilt eine Weihe bzw. Umwidmung der Kapelle in dieser Epoche als am wahrscheinlichsten. Bis weit in das Spätmittelalter hinein bildete dieses kleine, mitten im ehemaligen Kastellhof errichtete Gotteshaus den geistlichen Mittelpunkt und die offizielle Mutter- und Pfarrkirche für die gesamte linksrheinische Zonser Flur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hoch- und Spätmittelalter: Bürgel als Mutterkirche von Zons ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das ritterliche Lehen unter den Herren von Bürgel ===&lt;br /&gt;
Die kirchen- und besitzrechtliche Verflechtung der Regionen Bürgel und Zons lässt sich im Hochmittelalter vor allem an der ritterlichen Familie der Herren von Bürgel ablesen, die das Gut Bürgel als Lehen von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Benediktinerabtei Deutz] erhalten hatten. Urkundlich treten verschiedene Familienmitglieder dieser Ministerialen des Kölner Erzbischofs ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Zeugen in Erscheinung. So ist für die Jahre 1166, 1183 und 1218 ein Konrad von Bürgel (&#039;&#039;Conradus de Burgela&#039;&#039;) nachweisbar, während für das Jahr 1218 zusätzlich ein Hermann von Bürgel (&#039;&#039;Herimannus de Burgle&#039;&#039;) genannt wird. Die enge Verknüpfung der Familie mit den kirchlichen Pfründen belegt das Jahr 1257, in dem derselbe Konrad von Bürgel als &#039;&#039;plebanus de Zunce&#039;&#039; (Pfarrer von Zons) in den Quellen aufgeführt ist. Im Jahr 1326 veräußerte schließlich Winrich von Bürgel (&#039;&#039;Winricus de Burghile&#039;&#039;) mit ausdrücklicher Zustimmung seines Bruders Andreas, welcher der amtierende Pfarrer in Bürgel (&#039;&#039;pastor in Burghile&#039;&#039;) war, das Schloss, die Hälfte der Ländereien sowie das daran gekoppelte Patronatsrecht der Pfarrkirche für 1.400 kölnische Mark an die Abtei Deutz. Winrich erhielt das herrschaftliche Gut im Anschluss als Erbpacht für einen jährlichen Zins von 120 (bzw. 150) Mark zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Inkorporation in die Abtei Brauweiler (1368) ===&lt;br /&gt;
Nachdem in den 1350er Jahren die Familie Zobbe von Ingendorf – namentlich der Pächter Reinhard Zobbe und sein Bruder Hermann Zobbe, ein Brauweiler Benediktinermönch und Pfarrer in Bürgel – die Seelsorge und Verwaltung innehatten, begann die feste Bindung an die Abtei Brauweiler, da Hermann Zobbe 1361 zum dortigen Abt gewählt wurde. Nach kriegerischen Streitigkeiten um das Patronatsrecht in Bürgel inkorporierte der Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep am 11. Juni 1361 die Pfarrkirche in Bürgel mitsamt der Kapelle in Zons in die Abtei Brauweiler, um zur finanziellen Gesundung des verarmten Klosters beizutragen. Um die Rechtsverhältnisse endgültig abzusichern, kam es am 20. Juli 1368 zu einem folgenschweren Tauschgeschäft zwischen den Abteien Deutz und Brauweiler: Brauweiler tauschte seinen Hof in Bilk (Düsseldorf-Bilk) mitsamt dessen Patronatsrechten gegen den Hof in Bürgel und das Patronat über die dortige Maternuskirche mitsamt ihrer Tochterkapelle in Zons (&#039;&#039;capella in villa dicta Zontze&#039;&#039;) ein. Als Begründung wurde im lateinischen Tauschvertrag angeführt, dass Bilk für Deutz und Bürgel/Zons für Brauweiler jeweils &amp;quot;näher, nützlicher und bequemer&amp;quot; gelegen seien. Zum Ausgleich des höheren Ertrags von Bürgel verpflichtete sich Brauweiler zur Lieferung von jährlich 8 Malter Gerste an Deutz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Brauweiler das Gut aus wirtschaftlichen Gründen bereits 1375 weiterverkaufte (siehe Abschnitt &amp;quot;Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter&amp;quot;), behielt sich das Kloster das Patronatsrecht über die Pfarrkirche Bürgel und die Kapelle in Zons sowie die großen und kleinen Zehnten beiderseits des Rheins (Burgelrewerde und Zoynzeruelde) dauerhaft vor, sodass die Seelsorge bis 1802 ununterbrochen durch Mönche aus Brauweiler geleistet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das pfarrliche Kuriosum und der Loslösungsprozess von Zons ===&lt;br /&gt;
Nach dem Rheindurchbruch von 1374 (siehe Abschnitt &amp;quot;Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik&amp;quot;) blieb die kirchenrechtliche Struktur trotz der natürlichen Trennung durch den Fluss zunächst unverändert bestehen, was zu einer kuriosen und für die Bevölkerung äußerst beschwerlichen Situation führte, da St. Maternus in Bürgel weiterhin die alleinige Pfarr- und Taufkirche blieb. Neugeborene Kinder mussten für das Sakrament der Taufe unter Lebensgefahr mit Ruderbooten über den reißenden Strom nach Bürgel gebracht werden. Um dieser Gefahr bei ungünstigem Wetter entgegenzuwirken, ordnete Erzbischof Dietrich von Moers schließlich im Jahr 1423 die Errichtung eines eigenen Taufbeckens (Baptisteriums) in der 1408 geweihten neuen Zonser Kirche St. Martinus an. Dennoch blieb der pfarrliche Ehrenvorrang Bürgels bestehen: So waren die Zonser Christen bis ins 19. Jahrhundert hinein verpflichtet, alljährlich am Karsamstag in einer feierlichen Prozession über den Rhein nach Bürgel zu pilgern, um dort das Taufwasser für die Zonser Kirche segnen zu lassen und abzuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand änderte sich erst am 17. Dezember 1593 durch eine historische Urkunde des Kölner Generalvikars Peter Gropper. Gropper trennte die Martinskirche in Zons offiziell von der Mutterkirche ab und verlieh ihr die vollen Pfarrrechte, was er explizit mit der Unwegsamkeit der Rheinüberquerung und der gewachsenen Bedeutung von Zons als Stadt begründete. Fast alle Pfarreinkünfte wurden nach Zons übertragen; Bürgel behielt lediglich den nominellen Ehrentitel der &amp;quot;Mutterkirche&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das kirchenrechtliche Ende ===&lt;br /&gt;
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verfiel der gottesdienstliche Ritus in der Maternuskapelle zunehmend, da die jeweiligen Pächter (Halfen) des Gutes Bürgel Calvinisten waren, die in der reformierten Gemeinde im rechtsrheinischen Urdenbach eine führende Rolle spielten und kein Interesse am Erhalt des katholischen Gotteshauses zeigten. Der Kirchhof wurde zeitweise als Misthaufen (&#039;&#039;Koet Mistpoel&#039;&#039;) zweckentfremdet, und die Pächter verweigerten dem Zonser Pfarrer sogar zeitweise den Schlüssel zur Kirche. Um eine protestantische Okkupation der Kapelle zu verhindern, ordnete das Domkapitel an, dass der Kaplan bei seinen Fahrten zur Messe in Bürgel stets von zwei bis drei Personen begleitet werden müsse. Ab dem Jahr 1750 taucht Bürgel in den kirchlichen Registern nicht mehr als eigenständige Pfarrkirche auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den vollständigen Abbruch und den anschließenden Neubau der Kapelle in den Jahren 1774 bis 1776 existieren detaillierte Überlieferungen in den [[Schwieren-Chroniken|chronikalischen Aufzeichnungen]] des Zonser [[Küster]]s [[Johannes Hermann Schwieren]] sowie in den zugehörigen historischen Abhandlungen. Im Jahr 1774 wurde die alte, baufällige Kapelle in Bürgel demnach bis auf den Grund abgebrochen. Da der Neubau zu Ostern am 7. April 1776 noch nicht fertiggestellt war, kam es zu einer bemerkenswerten Ausnahme der jahrhundertealten Tradition: Das Taufwasser konnte nicht wie üblich in Bürgel geweiht werden, sondern musste in Zons durch den Kaplan Gallus Peffgen gesegnet werden.  Am 15. Juli 1776 wurde die fertiggestellte neue Kapelle schließlich feierlich geweiht. Die im 18. Jahrhundert neu errichtete Kapelle wies bis zu ihrem endgültigen Abriss im Jahr 1916 typische bauliche Merkmale dieser Epoche auf. Es handelte sich um einen kleinen, einschiffigen und flachgedeckten Saalbau von etwa 7 x 10 Metern Größe mit einem kleinen, eingezogenen dreiseitigen beziehungsweise polygonalen Chor. Während die Tür und die mit flachen Bögen geschlossenen Fenster aus diesem barocken Neubau stammten, blieb ein einziges spitzbogiges, vermauertes Fenster an der Südseite als Überrest des mittelalterlichen Vorgängerbaus erhalten. Ein niedriger Triumphbogen führte in den Chorraum, vor dem sich der Altar befand, und im Ostgiebel direkt über dem Chor war ein geheimnisvoller, roh behauener menschlicher Kopf aus Stein eingelassen, den der Volksglaube lange Zeit als heidnisches Überbleibsel deutete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Herbst 1794 und der anschließenden Neuordnung der linksrheinischen Territorien wurde im Jahr 1806 unter dem Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet eine radikale Neugliederung der Pfarreien vorgenommen. Zons wurde als Sukkursalkirche im Kanton Dormagen eingerichtet, während das nunmehr im Ausland (Großherzogtum Berg) liegende Bürgel kirchenrechtlich endgültig abgetrennt wurde. Den endgültigen Schlussstrich zog der Kölner Erzbischof-Koadjutor Johannes von Geissel am 16. November 1843, indem er die Pfarrei Bürgel aufgrund von Mittellosigkeit förmlich aufhob und das Areal der rechtsrheinischen Pfarrei Monheim (bzw. Baumberg) einpfarrte. Die geschichtsträchtige Maternuskapelle im Burghof wurde schließlich im Jahr 1916 vollständig abgebrochen (zum baulichen Zustand vor dem Abbruch siehe Abschnitt &amp;quot;Baugeschichte und architektonische Entwicklung&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter (Ritter- und Allodialgut) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verkauf an Gerhard von Kniprode und Lehensauftragung (1375/1378) ===&lt;br /&gt;
Nachdem das Benediktinerkloster Brauweiler im Jahr 1368 Haus Bürgel im Zuge des mit der Abtei Deutz geschlossenen Tauschgeschäfts erworben hatte, zwangen drückende Schulden und wirtschaftliche Notlagen die Mönche schon bald zu drastischen Maßnahmen. Obwohl testamentarische Bestimmungen des vorherigen Eigentümers Reinhard Besendriesch einen Verkauf des Hofes ausdrücklich untersagten, veräußerte die Abtei unter Abt Hermann II. Zobbe das Gut im Dezember 1375 für 4.000 Gulden an den Ritter Gerhard von Kniprode. Gerhard von Kniprode, dessen Familie im Monheimer Raum einflussreich war, vollzog im Jahr 1378 einen politisch folgenschweren Schritt: Er trug Haus Bürgel mit fünf Hufen Ackerland und zweieinhalb Hufen Weiden dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden als kurkölnisches Mannlehen auf. Damit war das zuvor von bergischen Ansprüchen umgebene Gut kirchen- und lehensrechtlich fest an Kurköln gebunden, was der erzbischöflichen Macht einen strategischen rechtsrheinischen Brückenkopf verschaffte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der territoriale Grenzstreit ===&lt;br /&gt;
Die lehensrechtliche Bindung an Kurköln legte den Grundstein für jahrhundertelange, oft erbitterte Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem kurkölnischen Amt Zons und dem bergischen Amt Monheim. Die Gerichtshoheit über das Gut und das umgebende Bürgeler Werth blieb bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 ein ständiger Zankapfel. Während die Zonser Schöffen bereits in einem Protokoll von 1443 postulierten, dass die Bewohner Bürgels als Nachbarn zu allen Diensten und Abgaben an das Zonser Gericht verpflichtet seien, beharrte die bergische Seite auf ihrer territorialen Souveränität. So protestierte Herzog Wilhelm von Jülich-Berg im Jahr 1504 scharf beim Kölner Erzbischof Hermann IV. und betonte, Bürgel gehöre seit alters zum bergischen Amt Monheim. Die Positionen blieben unversöhnlich, doch im alltäglichen Vollzug verlor Kurköln im Laufe der Jahrhunderte immer mehr an Boden: Eine kölnische Untersuchungskommission stellte 1698 ernüchtert fest, dass Berg im tatsächlichen Besitz der Jurisdiktion über Bürgel sei und die dortigen Eigentümer sich je nach eigenem Nutzen mal an Köln, mal an Berg anlehnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Exkurs: Der Kriminalfall von 1739 ===&lt;br /&gt;
Wie tief die Gräben dieses Jurisdiktionsstreits waren, zeigte sich am 9. Januar 1739 bei einem tragischen Kriminalfall im Hausflur des Gutes. An diesem Tag wurde der erst 16-jährige Schweinehirt Wilhelm Heinrich Burbach (gebürtig aus Baumberg) um die Mittagszeit auf den Stufen des Bürgeler Hausflurs durch einen namentlich bekannten Baumberger mit einem Messer mitten ins Herz erstochen. Die Tragödie weitete sich sofort zu einer handgreiflichen Konfrontation aus: Um zu verhindern, dass das Zonser Gericht die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau vornahm, besetzten bergische Schützen aus Baumberg auf Befehl des Monheimer Vogts das Gut mit Waffengewalt. Die Monheimer Schöffen nahmen den Toten in Augenschein, ließen ihn im &amp;quot;Milchstübgen&amp;quot; sezieren und anschließend eilig auf dem Bürgeler Kirchhof begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kölner Domkapitel meldete diesen schweren Übergriff auf seine Gerichtshoheit der kurfürstlichen Regierung. Auf Anordnung des Kapitels setzten die Zonser Gerichtsbeamten daraufhin entschlossen über den Rhein nach Bürgel über. Sie gruben den bereits bestatteten Leichnam des Jünglings kurzerhand wieder aus, vollzogen im Namen Kurkölns eine eigene, rechtmäßige Leichenschau und ließen ihn danach wieder beisetzen. Dieser spektakuläre Vorfall diente beiden Seiten als demonstrativer Akt zur Wahrung ihrer territorialen Ansprüche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Besitzerfamilien ===&lt;br /&gt;
Die Besitzgeschichte von Haus Bürgel nach der Ära der Kniprodes spiegelt den Wandel regionaler Machtverhältnisse wider. Durch die Ehe von Gerhards Tochter gelangte das Gut im Jahr 1413 an den Ritter Heinrich van Boemelbergh. In der nachfolgenden Generation ging Bürgel im Erbgang an die Grafen von Limburg über (darunter an die Linie Limburg, Herren zu Broich). Da die Familie im späten 17. Jahrhundert im Mannesstamm erlosch und eine Belehnung weiblicher Nachkommen nach kurkölnischem Lehensrecht ausgeschlossen war, verkauften die Erbinnen Bürgel im Jahr 1698 an den Freiherrn Franz von Nesselrode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit begann die dauerhafte Ära der Familie Droste von Vischering-Nesselrode-Reichenstein (mit Sitz auf Schloss Herten), in deren Besitz das Gut bis in das 20. Jahrhundert verbleiben sollte. Nach dem Tod von Franz von Nesselrode im Jahr 1707 übernahm sein Sohn, der Reichsgraf Bertram Carl von Nesselrode und Reichenstein († 1744), die Lehnsherrschaft. Da die gräflichen Besitzer als bergische Untertanen und teils als Amtsleute von Monheim agierten, begünstigte diese Familienkonstellation langfristig den Übergang der tatsächlichen Landeshoheit an das Herzogtum Berg, obwohl das Gut formal bis zur Säkularisation ein Kölner Lehen blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte und architektonische Entwicklung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Untergang der Bürgeler Auenhöfe ===&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Bürgel war weder ein geschlossenes Dorf noch ein einfacher Einzelhof, sondern eine aus mindestens drei bis vier Höfen bestehende, lockere Gruppensiedlung (Weiler). Zu diesem historischen Siedlungskomplex gehörten der Große Hof zu Bürgel, der Hof auf dem Driesch (Driesch-Hof), der Hof auf der Scheuern (Scheuern-Hof) sowie der herrschaftliche Bauhof. Davon lagen der Große Hof und der Driesch-Hof nachweislich innerhalb der hochwassergefährdeten Rheinschlinge. Letzterer befand sich im Jahr 1418 &amp;quot;zwischen dem Hof zu Bürgel und dem alten Rhein&amp;quot;, wurde jedoch in der Folgezeit direkt zum Hof Bürgel gezogen. In unmittelbarer Nachbarschaft muss auch der Bauhof gestanden haben, den Winrich von Bürgel (Winricus de Burgele) im Jahr 1326 mitsamt seinem Wohnhaus, Wirtschaftsgebäuden und einem Baumgarten innerhalb der alten Kastellmauern an die Abtei Deutz verkaufte. Die genaue Lage des Hofes auf der Scheuern lässt sich heute nicht mehr exakt lokalisieren; sein spurloses Verschwinden deutet jedoch zwingend darauf hin, dass auch er innerhalb der Rheinschlinge lag und – ebenso wie die benachbarten historischen Siedlungen Blee, Quinheim und Niel – im Laufe der Jahrhunderte von den ungebändigten, erodierenden Fluten des Rheins weggespült und zerstört wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die historische Bildüberlieferung ===&lt;br /&gt;
Eine unschätzbare Quelle für die Rekonstruktion des historischen Baubestandes stellen die topografisch präzisen Zeichnungen des flämischen Malers Renier Roidkin aus der Zeit um 1735 dar. Seine detailreichen, lavierten Tuschezeichnungen zeigen das Anwesen Haus Bürgel aus einer nord-nordwestlichen Perspektive. Das Landgut ist darin als allseitig geschlossene, rechtwinklige Hofanlage im Zentrum des Bildes dargestellt. Roidkins Arbeiten dokumentieren mit hoher Zuverlässigkeit das damalige herrschaftliche Herrenhaus sowie den mächtigen, im Nordosten aufragenden Turm, welche die landwirtschaftlich genutzten Ställe, Scheunen und Remisen deutlich überragten. Mitten im inneren Wirtschaftshof ist zudem der Turm der alten Maternuskapelle exakt skizziert. Eingebettet ist das herrschaftliche Gut bei Roidkin in eine weitläufige, parzellierte Acker- und Auenlandschaft, die im Bildvordergrund durch zeittypische allegorische Figuren staffiert wird. Roidkins präzise Skizzen gelten in der Forschung als die wichtigste und realitätsnahe Bildüberlieferung des baulichen Zustands Bürgels in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Maternuskapelle vor ihrem Abbruch ===&lt;br /&gt;
Die dem heiligen Maternus geweihte Hof- und Pfarrkapelle wurde im Jahr 1892 bzw. 1894 durch den rheinischen Provinzialkonservator Paul Clemen umfassend bauhistorisch dokumentiert. Clemen beschrieb die Kapelle als einen einschiffigen, flachgedeckten Saalbau von rund 7 x 10 Metern, der regelmäßig aus Tuffsteinquadern errichtet worden war, während seine Giebel aus Backsteinen bestanden. An der Südseite wies der Tuffsteinbau ein rundbogiges Fenster auf und schloss im Osten mit einem kleinen, bescheidenen fünfseitigen Chorschluss ab. Aus der Frühzeit der Kirche hatte sich ein wertvoller romanischer Taufstein des 12. oder 13. Jahrhunderts aus Namurer Blaustein erhalten, welcher nach dem Abbruch der Kapelle gerettet wurde und sich heute im Privatbesitz auf Schloss Herrnstein an der Sieg befindet. In der späten Barockzeit war die Kapelle im Inneren schlicht und ohne architektonische Gliederung gestaltet. Sie besaß eine flache Decke und ein kleines, hölzernes Glockentürmchen auf der Westseite des Schieferdaches. Ein besonderes Mysterium bildete ein in der Giebelwand eingemauerter Steinkopf, den der Volksglaube über Generationen hinweg als heidnisches Überbleibsel deutete. Um das Jahr 1903 war die Kapelle bereits vollständig zur Ruine verfallen und wurde 1916 im Zuge des fortschreitenden Verfalls endgültig niedergelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entstehung des neuzeitlichen Gutshofs ===&lt;br /&gt;
Nach der Säkularisation und dem Übergang der Anlage in Privatbesitz wurde der mittelalterliche Wehrcharakter von Haus Bürgel schrittweise zurückgebaut, um Platz für einen modernen Gutsbetrieb zu schaffen. Bereits im Jahr 1765 wurden an der Westseite der Anlage neue, großzügige Stallungen errichtet. Der tiefgreifendste architektonische Einschnitt erfolgte im Jahr 1837: Unter dem Eigentümer Graf Felix Droste zu Vischering wurden die baufälligen Reste des alten Schlosses abgebrochen und an deren Stelle das heute noch erhaltene, zweigeschossige klassizistische Herrenhaus erbaut. Da die Wirtschaftsgebäude und Umfassungsmauern in der Folgezeit für den landwirtschaftlichen Betrieb fortlaufend repariert, verändert und modernisiert wurden, präsentiert sich das Anwesen heute als neuzeitlicher Großhof. Dennoch blieben bedeutende Reste der mittelalterlichen Bausubstanz im heutigen Bestand erhalten, darunter der quadratische, mit wehrhaften Kragsteinen für einen hölzernen Wehrgang ausgestattete Nordostturm sowie ein Teil der abgeschrägten Umfassungsmauer in der Südwestecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heutige Nutzung, Naturschutz und Denkmalpflege ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rettung und Restaurierung ===&lt;br /&gt;
Die systematische Instandsetzung der historischen Hofanlage begann in den 1990er Jahren, nachdem die &amp;quot;Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW&amp;quot; das geschichtsträchtige Gut erworben hatte. Die Stiftung finanzierte das anspruchsvolle Sanierungsprojekt, um die Gebäude schrittweise und etappenweise zu renovieren. Ziel dieser hohen Investitionen war es, einen zukunftsträchtigen Mix aus Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege zu etablieren, welcher die Kernbotschaft der NRW-Stiftung ideal widerspiegelt. Verwaltet und betrieben wird das Projekt heute von der &amp;quot;Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe/Haus Bürgel&amp;quot;. Die Geschäftsführung ist optimistisch bezüglich der langfristigen Wirtschaftlichkeit des Betriebs, da die anfallenden Kosten durch Pachteinnahmen sowie den Verkauf von Heu und Obst auf den umliegenden Flächen gedeckt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biologische Station Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Einen zentralen Pfeiler des Standortes bildet die Biologische Station, die als eingetragener Verein seit dem Jahr 1996 ihren festen Sitz auf Haus Bürgel hat. Sie zeichnet für die Betreuung von Naturschutzgebieten in Düsseldorf und im Kreis Mettmann sowie für die Umsetzung zahlreicher Naturschutzmaßnahmen vor Ort verantwortlich. Hierzu gehört unter anderem die Pflanzung und Pflege von Obstbäumen in der Urdenbacher Kämpe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzt wird dieses Naturschutzengagement durch die Pflege des historischen Nutzgartens auf Haus Bürgel, in dem Kräuter- und Gemüsepflanzen aus der Römerzeit und späteren Epochen gezeigt werden, sowie durch ganzjährige Exkursionen. Zudem fischen Biologen der Station seltene Molche aus den umliegenden Gewässern. Neben der ökologischen Arbeit wird auf den Weiden die Jahrhunderte alte Tradition der Kaltblutpferdezucht aktiv fortgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Römermuseum Haus Bürgel ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 2003 eröffnete ein archäologisches Römermuseum im Herrenhaus und im historischen Eckturm von Haus Bürgel. In den folgenden Jahren wurde die Ausstellung schrittweise durch zusätzliche Ausstellungsräume im Südwesten der Anlage erweitert. Ein besonderer Anziehungspunkt im Innenhof der Anlage ist der Nachbau eines römischen Steinbackofens, der mithilfe von Fördermitteln des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) realisiert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem führt ein archäologischer Außenpfad die Besucher entlang der ehemaligen Kastellmauern zu den dezentralen Ausstellungsbereichen. Dieser Pfad macht die Struktur der antiken Anlage erlebbar und zeichnet mithilfe einer speziellen Pflasterung im Boden die Lage des spätrömischen Osttores sowie einiger der zwölf Rundtürme für die Öffentlichkeit nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Welterbe-Status ===&lt;br /&gt;
Den bedeutendsten Meilenstein für die internationale Anerkennung der Anlage markiert der Sommer 2021. Bereits im Januar 2020 stellten die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unter der Federführung der Niederlande den offiziellen Antrag, den Niedergermanischen Limes als UNESCO-Weltkulturerbe auszuzeichnen. Am 27. Juli 2021 wurde der Limes auf der UNESCO-Komitee-Sitzung im chinesischen Fuzhou offiziell in die Welterbeliste aufgenommen. Haus Bürgel gehört seither als einer von insgesamt 44 archäologischen Fundplätzen des Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe &amp;quot;Niedergermanischer Limes&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Archäologisches Museum Haus Bürgel – Betrachtungen zur Situation des Raumes Dormagen in der Römerzeit&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2006 (2005), S. 8–15.&lt;br /&gt;
* Beyer, Brigitte: &#039;&#039;Fortuna te adiuvet&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 83–84.&lt;br /&gt;
* Bürschel, Peter/ Gechter, Michael: &#039;&#039;Ausgrabungen in Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993, S. 94–96.&lt;br /&gt;
* Cramer, Franz: &#039;&#039;Buruncum – Worringen, nicht Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 107 (1901), S. 190–202.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Neue Forschungen im spätrömischen Kastell &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, Stadt Monheim, Kreis Mettmann&#039;&#039;, in: Nicolae Gudae (Hg.): Roman Frontier Studies – Proceedings of the XVIIth International Congress of Roman Frontier Studies, Zalau 1999, S. 337–347.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Zur Herstellung militärischer Bronzen im spätrömischen Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: H. Friesinger/ K. Pieta/ J. Rajtár (Hgg.): Metallgewinnung und –verarbeitung in der Antike (Schwerpunkt Eisen), Nitra 2000, S. 113–116.&lt;br /&gt;
* Freudenberg, Johannes: &#039;&#039;Rezension zu: Anton Rein: Haus Bürgel – das Römische Burungum&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 23 (1856), S. 141–153.&lt;br /&gt;
* Gechter, Michael: &#039;&#039;Neufunde aus Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 81–83.&lt;br /&gt;
* Haberey, Waldemar: &#039;&#039;Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 157 (1957), S. 294–304 und Taf. 38–44.&lt;br /&gt;
* Herchenbach, Wilhelm: &#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Monatsschrift des Vereins für die Geschichts- und Alterthumskunde von Düsseldorf und Umgegend (1881), Nr. 4, S. 31–34; Nr. 5, S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Koenen, Constantin: &#039;&#039;Miscelle &amp;quot;Zum Verständnis von Haus Bürgel&amp;quot;&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande LXXXIX (1890), S. 213–218.&lt;br /&gt;
* Ohligschläger: &#039;&#039;Über Niederlassungen der Römer im Bergischen&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande V/ VI (1844), S. 235–251.&lt;br /&gt;
* Rein, Anton: &#039;&#039;Haus Bürgel, das Römische Burungum, nach Lage, Namen und Alterthümern&#039;&#039;. Krefeld 1855.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Hier Zons – hier Haus Bürgel – Zur Frage des gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisses der Kirchen von Zons und Bürgel im Mittelalter&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 283–290.&lt;br /&gt;
* Stein, Simone: &#039;&#039;Viehhaltung, Jagd und Fischfang im &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, einem spätantiken Kastell am Niederrhein&#039;&#039;, Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2000.&lt;br /&gt;
* Tegtmeier, Ursula: &#039;&#039;Verkohlte Hainbuchenhölzer aus römischen Gräbern bei Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2005, S. 74–76.&lt;br /&gt;
* Tutlies, Petra: &#039;&#039;Das römische Haus Bürgel und sein Weiterbestehen bis in unsere Zeit&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 76–86.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<title>Bürgel</title>
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		<updated>2026-08-11T08:25:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;&#039; ist eine denkmalgeschützte Hofanlage in der Urdenbacher Kämpe am rechten Niederrhein, die auf ein spätrömisches Grenzkastell des frühen 4. Jahrhunderts zurückgeht. Ursprünglich linksrheinisch gelegen und über eine direkte Landverbindung eng mit Zons verknüpft, wurde die Anlage durch einen Rheindurchbruch im Jahr 1374 physisch von Zons getrennt, blieb kirchenrechtlich aber bis 1593 deren Mutterkirche. Über das Mittelalter hinweg war Bürgel Lehen der Abteien Deutz und Brauweiler sowie mehrerer Adelsfamilien, ehe es 1837 zum klassizistischen Herrenhaus umgebaut wurde. Seit den 1990er Jahren im Besitz der Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW, beherbergt Haus Bürgel heute die Biologische Station Urdenbacher Kämpe und das Römermuseum Haus Bürgel und gehört seit 2021 als Teil des Niedergermanischen Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Lage in der Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Haus Bürgel liegt heute als solitäre, ununterkellerte Hofanlage inmitten einer weiten, flachen Triebebene, der sogenannten Urdenbacher Kämpe, nördlich des Monheimer Ortsteils Baumberg und südlich von Düsseldorf-Urdenbach. Naturräumlich ist dieser Bereich als hochwassergefährdete Fluss- und Auenlandschaft der Dormagener Rheinaue ausgeprägt. Da das Areal bei Rheinhochwassern regelmäßig überschwemmt wird, ist die Hofanlage in solchen Zeiten zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Der Gutshof selbst ruht auf einem tragfähigen, kiesigen Sandrücken inmitten einer Niederung, die fast kreisförmig von einem verlandeten Sumpfstreifen – dem ehemaligen Flussbett des &amp;quot;Alten Rheins&amp;quot; – umgeben ist. Durch die jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung und die weitläufigen Weideflächen ist die Umgebung durch fruchtbare Auenböden charakterisiert, die historisch oft von schädigendem Hochwasser und Sandmassen überflutet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die ursprüngliche linksrheinische Lage ===&lt;br /&gt;
In der Antike und während des gesamten frühen Mittelalters befand sich Haus Bürgel auf der linken Rheinseite. Geografisch gehörte das Areal zur linksrheinischen Uferterrasse und stand in direktem, ununterbrochenem Zusammenhang mit dem linksrheinischen Zonser Feld. Die römische Limesstraße (die heutige Bundesstraße 9) verlief linksrheinisch, und eine linksrheinische Wegverbindung (die heutige Aldenhovenstraße) führte von der Fernstraße geradlinig und barrierefrei direkt auf das spätrömische Kastell zu. Diese physische Landverbindung begründete auch die jahrhundertelange, enge rechtliche, gerichtliche und kirchliche Zugehörigkeit Bürgels zu Zons und dem kurkölnischen Amt Zons: Bis zu deren kirchenrechtlicher Verselbstständigung im Jahr 1593 fungierte Haus Bürgel als offizielle Mutterkirche für Zons (siehe Abschnitt &amp;quot;Hoch- und Spätmittelalter&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rheindurchbruch von 1374 und seine Folgen ===&lt;br /&gt;
Die dynamischen Veränderungen des Flusslaufes im Talabschnitt zwischen Worringen, Zons und Baumberg sind maßgeblich durch das Durchbrechen zweier großer Flussmäander geprägt: des Dormagener und des Bürgeler Rheinmäanders. Der Rhein, der im frühen Mittelalter noch unmittelbar an der Neusser Stadtmauer vorbeigeflossen war, verlagerte sein Bett im Laufe der Jahrhunderte kontinuierlich nach Osten. Während der Durchbruch der Dormagener Rheinschlinge bereits im 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. erfolgte, verengte sich der Wurzelbereich des Bürgeler Mäanders im Laufe des Spätmittelalters immer weiter, wodurch sich der Hauptstrom immer tiefer in die rechtsrheinische Niederterrasse zwischen Baumberg und Urdenbach einschnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser fortlaufende Prozess gipfelte in einer verheerenden Naturkatastrophe: Zwischen Weihnachten 1373 und Mai 1374 führten extreme Niederschläge und die einsetzende Schneeschmelze zu einem fast drei Monate anhaltenden Rheinhochwasser, das die Koelhoffsche Chronik als Jahrtausendflut beschreibt und dessen Pegelhöhe heute auf rund 12,30 Meter am Kölner Pegel geschätzt wird. In dieser Frühjahrshochflut von 1374 durchbrach der Rhein die schmale Landzunge im Bereich des Mäanderhalses nordöstlich von Zons. Durch diesen Durchbruch verlagerte sich der Hauptstrom des Rheins dauerhaft nach Westen. Haus Bürgel mitsamt seiner Maternuskapelle und den umliegenden Ländereien geriet dadurch auf die rechte, östliche Flussseite und wurde physisch vollständig von Zons getrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schriftliche Zeugnisse belegen den Zeitpunkt dieses Ereignisses eindrücklich: Während im Jahr 1368 beim Hofaustausch zwischen den Abteien Deutz und Brauweiler die linksrheinische Lage Bürgels noch als &amp;quot;bequem und nah&amp;quot; beschrieben wurde, umschreibt eine Zehnturkunde vom 1. Dezember 1375 den Pfarrbezirk erstmals ausdrücklich als &amp;quot;auf beiden Seiten des Rheins&amp;quot; liegend, wobei Bürgel nun als auf einer vom Wasser umschlossenen &amp;quot;Insel&amp;quot; (&#039;&#039;Burgelre werde&#039;&#039;) bezeichnet wird. Das alte, verlandende Strombett, der &amp;quot;Alte Rhein&amp;quot;, blieb jedoch noch lange Zeit wasserführend und wurde nachweislich noch im 15. Jahrhundert (belegt für 1437) von einem Monheimer Fischmeister befischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologie und Spätantike: Das römische Kastell ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erbauung und historischer Kontext ===&lt;br /&gt;
Das römische Kastell Haus Bürgel wurde im frühen 4. Jahrhundert nach Christus, in der konstantinischen Epoche (um 315–330 n. Chr.), als wehrhaftes Kleinkastell zur Grenzsicherung errichtet. Seine Entstehung war Teil des großangelegten Festungsprogramms unter Kaiser Konstantin dem Großen, das die rheinische Limeslinie gegen die beständigen Einfälle der vordringenden germanischen Stämme – insbesondere der Franken – militärisch abriegeln sollte. Mit einer inneren quadratischen Grundfläche von 64 x 64 Metern (ca. 0,42 Hektar) stellt Bürgel einen charakteristischen spätrömischen Festungstypus dar, der in seiner Größe und Geometrie eine enge Parallele zum Kastell Divitia in Köln-Deutz aufweist. Das Lager lag zu dieser Zeit strategisch auf der linken Rheinseite und sicherte an diesem exponierten Grenzabschnitt die Überwachung des Flusses sowie des rechtsrheinischen Umlandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Architektonischer Aufbau der Festung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fundamentierung und Mauertechnik:&#039;&#039;&#039; Neue archäologische Untersuchungen zeigen, dass die mächtige Festungsmauer auf einem tragfähigen kiesigen Sandrücken auf einem einheitlichen Holzpfostenrost gegründet wurde. Hierzu trieb man Pfosten aus Eichenholz mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern in einem lichten Abstand von rund 30 Zentimetern tief in den Boden. Die darauf errichteten Fundamente wiesen im Bodenbereich eine gewaltige Stärke von bis zu 2,30 Metern auf. Die Wehrmauer selbst bestand im Kern aus extrem widerstandsfähigem Gussbeton (&#039;&#039;opus caementicium&#039;&#039;), gefügt aus Tuffbruchsteinen und Mörtelkies, und war an den Außen- und Innenseiten mit sorgfältig behauenen Tuffsteinquadern verblendet. Zur statischen Stabilisierung und optischen Gliederung war das aufgehende Mauerwerk durch horizontal durchgehende rote Ziegelbänder unterbrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wehranlagen und Türme:&#039;&#039;&#039; Die Festungsarchitektur war streng wehrhaft konzipiert und besaß insgesamt zwölf Türme: vier runde Ecktürme mit einem Außendurchmesser von etwa 7,80 Metern sowie acht halbrunde, aus der Mauerflucht nach außen vorspringende Zwischentürme mit einem Durchmesser von 5,60 Metern, die das Entstehen toter Winkel bei der Verteidigung konsequent verhinderten. Das Kastell verfügte über zwei gegenüberliegende Tortürme an der West- und Ostseite (6,80 x 4,80 Meter), von denen das Westtor archäologisch freigelegt werden konnte. Dem Schutz der Festung diente nach spätrömischem Vorbild ein der Wehrmauer vorgelagerter Doppelgraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die römische Kaimauer/Hafenanlage:&#039;&#039;&#039; Da das Kastell in der Antike direkt am Rheinstrom lag, ist für die Sicherung der römischen Rheinflotte sowie für den logistischen Nachschub die Existenz einer Hafenanlage beziehungsweise einer massiven Kaimauer anzunehmen. Auch wenn archäologische Reste einer solchen Hafenmole in Bürgel aufgrund der jahrhundertelangen Rheinerosion bislang nicht obertägig fassbar sind, wird davon ausgegangen, dass sie analog zum Kastell von Gelduba (Krefeld-Gellep) aus senkrechten Eichenpfählen bestand, die durch mächtige lose Schüttungen aus schwerem Säulenbasalt und Deckplatten aus hellem Trachyt stabilisiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärische Funktion und Besatzung ===&lt;br /&gt;
Als Grenzfestung der Spätantike diente Haus Bürgel primär der Stationierung von germanischen und keltischen Auxiliartruppen (Hilfstruppen), die im Dienste der römischen Armee den Limes bewachten. In der Blütezeit des Kastells (ca. 330 bis 440 n. Chr.) lebten hier schätzungsweise bis zu 150 reguläre Infanteristen und ihre Familien, die unter anderem aus dem Elbe-Weser-Mündungsgebiet und aus Böhmen stammten. Neben dieser stationären Grenztruppe (&#039;&#039;limitanei&#039;&#039;) fungierte Bürgel wahrscheinlich auch als Operationsbasis für mobile Heeresverbände (&#039;&#039;comitatenses&#039;&#039;), die bei plötzlichen Durchbrüchen flexibel im Hinterland eingesetzt werden konnten. Ein spektakulärer Beleg für die logistische Organisation und die spätere Materialbeschaffung ist ein im Fundament einer Bürgeler Kaserne entdeckter römischer Weihestein, der von Soldaten der ala Noricorum gestiftet worden war. Da diese 500 Mann starke, berittene Einheit im 2. Jahrhundert nach Christus im linksrheinischen Militärlager &#039;&#039;Durnomagus&#039;&#039; (Dormagen) stationiert war, belegt diese Altar-Spolie eindrücklich, dass beim spätrömischen Festungsbau Baumaterialien (wie große Tuffquader und Grabmäler) aus dem verfallenen Dormagener Lager abgetragen und nach Bürgel geschafft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Ende der römischen Epoche ===&lt;br /&gt;
Das Ende der römischen Kontrolle über das Kastell Bürgel ist eng mit den unruhigen Ereignissen der Völkerwanderung und den fränkischen Vorstößen im 5. Jahrhundert verknüpft. Münzfunde, darunter eine wertvolle Goldmünze des Kaisers Honorius (395–423 n. Chr.), belegen, dass das Kastell bis zum vorübergehenden Zusammenbruch der römischen Rheingrenze im Winter 406/407 aktiv besetzt blieb. In den darauffolgenden Jahrzehnten spitzten sich die kriegerischen Konflikte dramatisch zu. Die archäologischen Befunde deuten auf mindestens zwei schwerwiegende Belagerungen hin: eine am Ende des 4. Jahrhunderts und eine weitere im ersten Viertel des 5. Jahrhunderts, worauf die überstürzte Verbergung von Münzhorten im Kastellbereich hindeutet. Um 430 nach Christus (nach neueren Forschungen von Thomas Fischer) beziehungsweise um 450 nach Christus wurde das Kastell schließlich von fränkischen Kriegern erstürmt, weitgehend zerstört und dauerhaft erobert. Damit endete nach fast anderthalb Jahrhunderten die römische Herrschaft in Bürgel, und die einstige Grenzbefestigung ging als herrschaftliches Gut in das Eigentum der fränkischen Könige über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Forschungs- und Grabungsgeschichte ===&lt;br /&gt;
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den verborgenen antiken Ruinen von Haus Bürgel reicht weit zurück. Als erster schriftlicher Bericht gilt die lateinische Abhandlung von Brosius (1731), der das Kastell noch mit zwölf obertägig sichtbaren Türmen beschrieb. Im Jahr 1855 veröffentlichte der Krefelder Schuldirektor Anton Rein eine erste detaillierte Monografie, in der er das Kastell fälschlicherweise mit der im römischen Straßenverzeichnis genannten Station &#039;&#039;Burungum&#039;&#039; (Worringen) gleichsetzte. Die moderne, systematische Erforschung begann in den Jahren 1953 und 1959, als das Rheinische Landesmuseum Bonn unter der Leitung von Waldemar Haberey den Baubestand präzise vermaß und erste Sondierungsschnitte anlegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen wissenschaftlichen Meilenstein markieren die ab 1993/1994 durchgeführten interdisziplinären Grabungskampagnen der Universität Köln unter der Leitung von Thomas Fischer in Kooperation mit der Universität Warschau unter Thomas Mikocki. Diese Grabungen erbrachten reiches Fundmaterial aus den spätantiken Kasernenbauten und dokumentierten den Alltag der germanischen Soldatenfamilien. Unter der Leitung von Michael Gechter (Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege) wurden im Rahmen der Bauwerkssanierungen bis 2002 weitere Kasernenbauten freigelegt, die direkt in das Westtor einbanden. Dabei wurden spektakuläre Funde gesichert, wie ein Hort aus 139 Bronzemünzen aus der Zeit Konstantins unter dem Boden einer Badeanlage sowie ein monumentaler Münzhort von über 800 Münzen (ca. 375–408 n. Chr.), der in einer Kaserne deponiert, jedoch in karolingischer Zeit durch die Anlage einer Grabgrube gestört und im Kastellbereich zerstreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Frühmittelalter: Fränkische Epoche und die Entstehung von St. Maternus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übergang zum fränkischen Königsgut ===&lt;br /&gt;
Nach dem Abzug der Römer und dem Ende der römischen Provinz Germania Inferior im frühen 5. Jahrhundert übernahmen die ripuarischen Franken die Herrschaft am Niederrhein. Dabei gingen die römischen Befestigungsanlagen, so auch das spätere Haus Bürgel, in das königliche Krongut der fränkischen Herrscher über. Über die darauffolgenden Jahrhunderte liegen für Haus Bürgel kaum verwendbare schriftliche Quellen vor. Dass das Areal dennoch kontinuierlich besiedelt blieb, lässt sich unter anderem an dem Deckel eines fränkischen Kindersarges ablesen, den die Forschung als Beleg für eine fränkische Besiedlung anführt. Erst gegen Ende des ersten Jahrtausends verdichten sich die konkreten Hinweise wieder: Zu dieser Zeit war das ehemalige Kastell vermutlich ein herrschaftlicher Stützpunkt (Krongut) der ottonischen Herrscher. Bereits für das Jahr 980 ist überliefert, dass Kirche und Herrenhof Bürgel dem Kölner Ursulastift übertragen worden sein sollen, bevor das Gut im Jahr 1002 von Kaiser Otto III. an den Kölner Erzbischof Heribert übergeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erzbischöflicher Besitz und die Deutzer Ära ===&lt;br /&gt;
Erzbischof Heribert von Köln gründete auf Grundlage einer Vereinbarung mit Kaiser Otto III. im Jahre 1003 das Benediktinerkloster in Deutz. Zur wirtschaftlichen Ausstattung dieser Neugründung schenkte Heribert dem Kloster am 3. Mai 1019 (in manchen Quellen auch auf 1020 datiert) bei der Einweihung der Abteikirche das &amp;quot;Castrum etiam in Burgela&amp;quot; mitsamt dem dazugehörigen Hof sowie die Kapelle in Zons mit ihrem Zehnten. Die Schenkungsurkunde, deren Original im 12. Jahrhundert durch Deutzer Chronisten wie Theodoricus Aedituus redigiert bzw. verunechtet wurde, belegt somit erstmals schriftlich eine Kirche in Zons. Diese Schenkung wurde im Jahr 1147 durch Papst Eugen III. bestätigt, in dessen Urkunde das Gut als &amp;quot;Schloss Bürgel mit dem Hofe und Kirche&amp;quot; bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Schenkung erhielt das Kloster Deutz das Patronatsrecht über die Pfarrkirche St. Maternus in Bürgel und damit auch über die ihr kirchenrechtlich unterstellte Martinskapelle in Zons. Damit verbunden war das Recht zur Einweisung eines neuen Pfarrers (Investiturrecht). Im 12. Jahrhundert war das Gut an herrschaftliche Dienstmannen verlehnt – darunter die Familie der Ministerialen von Bürgel, die über Generationen die Lehnshoheit hielten und zeitweise auch das Amt des Pfarrers (plebanus) in Zons besetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gründung der Maternuskapelle ===&lt;br /&gt;
Der genaue Erbauungszeitraum der dem heiligen Maternus geweihten Kapelle im Zentrum des ehemaligen spätrömischen Kastells Haus Bürgel lässt sich quellenmäßig nicht exakt beziffern. Während ältere Vermutungen teilweise eine Entstehung bereits im 6. Jahrhundert annehmen, existieren auch Thesen, dass bereits in spätrömischer Zeit eine christliche Kapelle innerhalb der Kastellmauern bestanden haben könnte, wofür Funde aus anderen spätrömischen Lagern sprechen. Da am Niederrhein im Frühmittelalter Kirchenbauten häufig gezielt in spätrömische Kastellruinen gesetzt wurden, um die dort reichlich vorhandenen antiken Baumaterialien direkt als Spolien zu nutzen, ist ein solches Vorgehen auch für Bürgel anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patronat des heiligen Maternus liefert hierbei einen wichtigen chronologischen Anhaltspunkt: Da der Maternuskult im Erzbistum Köln erst ab dem 9. Jahrhundert historisch nachweisbar ist, gilt eine Weihe bzw. Umwidmung der Kapelle in dieser Epoche als am wahrscheinlichsten. Bis weit in das Spätmittelalter hinein bildete dieses kleine, mitten im ehemaligen Kastellhof errichtete Gotteshaus den geistlichen Mittelpunkt und die offizielle Mutter- und Pfarrkirche für die gesamte linksrheinische Zonser Flur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hoch- und Spätmittelalter: Bürgel als Mutterkirche von Zons ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das ritterliche Lehen unter den Herren von Bürgel ===&lt;br /&gt;
Die kirchen- und besitzrechtliche Verflechtung der Regionen Bürgel und Zons lässt sich im Hochmittelalter vor allem an der ritterlichen Familie der Herren von Bürgel ablesen, die das Gut Bürgel als Lehen von der Benediktinerabtei Deutz erhalten hatten. Urkundlich treten verschiedene Familienmitglieder dieser Ministerialen des Kölner Erzbischofs ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Zeugen in Erscheinung. So ist für die Jahre 1166, 1183 und 1218 ein Konrad von Bürgel (Conradus de Burgela) nachweisbar, während für das Jahr 1218 zusätzlich ein Hermann von Bürgel (Herimannus de Burgle) genannt wird. Die enge Verknüpfung der Familie mit den kirchlichen Pfründen belegt das Jahr 1257, in dem derselbe Konrad von Bürgel als &#039;&#039;plebanus de Zunce&#039;&#039; (Pfarrer von Zons) in den Quellen aufgeführt ist. Im Jahr 1326 veräußerte schließlich Winrich von Bürgel (Winricus de Burghile) mit ausdrücklicher Zustimmung seines Bruders Andreas, welcher der amtierende Pfarrer in Bürgel (pastor in Burghile) war, das Schloss, die Hälfte der Ländereien sowie das daran gekoppelte Patronatsrecht der Pfarrkirche für 1.400 kölnische Mark an die Abtei Deutz. Winrich erhielt das herrschaftliche Gut im Anschluss als Erbpacht für einen jährlichen Zins von 120 (bzw. 150) Mark zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Inkorporation in die Abtei Brauweiler (1368) ===&lt;br /&gt;
Nachdem in den 1350er Jahren die Familie Zobbe von Ingendorf – namentlich der Pächter Reinhard Zobbe und sein Bruder Hermann Zobbe, ein Brauweiler Benediktinermönch und Pfarrer in Bürgel – die Seelsorge und Verwaltung innehatten, begann die feste Bindung an die Abtei Brauweiler, da Hermann Zobbe 1361 zum dortigen Abt gewählt wurde. Nach kriegerischen Streitigkeiten um das Patronatsrecht in Bürgel inkorporierte der Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep am 11. Juni 1361 die Pfarrkirche in Bürgel mitsamt der Kapelle in Zons in die Abtei Brauweiler, um zur finanziellen Gesundung des verarmten Klosters beizutragen. Um die Rechtsverhältnisse endgültig abzusichern, kam es am 20. Juli 1368 zu einem folgenschweren Tauschgeschäft zwischen den Abteien Deutz und Brauweiler: Brauweiler tauschte seinen Hof in Bilk (Düsseldorf-Bilk) mitsamt dessen Patronatsrechten gegen den Hof in Bürgel und das Patronat über die dortige Maternuskirche mitsamt ihrer Tochterkapelle in Zons (&#039;&#039;capella in villa dicta Zontze&#039;&#039;) ein. Als Begründung wurde im lateinischen Tauschvertrag angeführt, dass Bilk für Deutz und Bürgel/Zons für Brauweiler jeweils &amp;quot;näher, nützlicher und bequemer&amp;quot; gelegen seien. Zum Ausgleich des höheren Ertrags von Bürgel verpflichtete sich Brauweiler zur Lieferung von jährlich 8 Malter Gerste an Deutz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Brauweiler das Gut aus wirtschaftlichen Gründen bereits 1375 weiterverkaufte (siehe Abschnitt &amp;quot;Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter&amp;quot;), behielt sich das Kloster das Patronatsrecht über die Pfarrkirche Bürgel und die Kapelle in Zons sowie die großen und kleinen Zehnten beiderseits des Rheins (Burgelrewerde und Zoynzeruelde) dauerhaft vor, sodass die Seelsorge bis 1802 ununterbrochen durch Mönche aus Brauweiler geleistet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das pfarrliche Kuriosum und der Loslösungsprozess von Zons ===&lt;br /&gt;
Nach dem Rheindurchbruch von 1374 (siehe Abschnitt &amp;quot;Geografische Lage, Naturraum und Flussdynamik&amp;quot;) blieb die kirchenrechtliche Struktur trotz der natürlichen Trennung durch den Fluss zunächst unverändert bestehen, was zu einer kuriosen und für die Bevölkerung äußerst beschwerlichen Situation führte, da St. Maternus in Bürgel weiterhin die alleinige Pfarr- und Taufkirche blieb. Neugeborene Kinder mussten für das Sakrament der Taufe unter Lebensgefahr mit Ruderbooten über den reißenden Strom nach Bürgel gebracht werden. Um dieser Gefahr bei ungünstigem Wetter entgegenzuwirken, ordnete Erzbischof Dietrich von Moers schließlich im Jahr 1423 die Errichtung eines eigenen Taufbeckens (Baptisteriums) in der 1408 geweihten neuen Zonser Kirche St. Martinus an. Dennoch blieb der pfarrliche Ehrenvorrang Bürgels bestehen: So waren die Zonser Christen bis ins 19. Jahrhundert hinein verpflichtet, alljährlich am Karsamstag in einer feierlichen Prozession über den Rhein nach Bürgel zu pilgern, um dort das Taufwasser für die Zonser Kirche segnen zu lassen und abzuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand änderte sich erst am 17. Dezember 1593 durch eine historische Urkunde des Kölner Generalvikars Peter Gropper. Gropper trennte die Martinskirche in Zons offiziell von der Mutterkirche ab und verlieh ihr die vollen Pfarrrechte, was er explizit mit der Unwegsamkeit der Rheinüberquerung und der gewachsenen Bedeutung von Zons als Stadt begründete. Fast alle Pfarreinkünfte wurden nach Zons übertragen; Bürgel behielt lediglich den nominellen Ehrentitel der &amp;quot;Mutterkirche&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das kirchenrechtliche Ende ===&lt;br /&gt;
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verfiel der gottesdienstliche Ritus in der Maternuskapelle zunehmend, da die jeweiligen Pächter (Halfen) des Gutes Bürgel Calvinisten waren, die in der reformierten Gemeinde im rechtsrheinischen Urdenbach eine führende Rolle spielten und kein Interesse am Erhalt des katholischen Gotteshauses zeigten. Der Kirchhof wurde zeitweise als Misthaufen (Koet Mistpoel) zweckentfremdet, und die Pächter verweigerten dem Zonser Pfarrer sogar zeitweise den Schlüssel zur Kirche. Um eine protestantische Okkupation der Kapelle zu verhindern, ordnete das Domkapitel an, dass der Kaplan bei seinen Fahrten zur Messe in Bürgel stets von zwei bis drei Personen begleitet werden müsse. Ab dem Jahr 1750 taucht Bürgel in den kirchlichen Registern nicht mehr als eigenständige Pfarrkirche auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Herbst 1794 und der anschließenden Neuordnung der linksrheinischen Territorien wurde im Jahr 1806 unter dem Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet eine radikale Neugliederung der Pfarreien vorgenommen. Zons wurde als Sukkursalkirche im Kanton Dormagen eingerichtet, während das nunmehr im Ausland (Großherzogtum Berg) liegende Bürgel kirchenrechtlich endgültig abgetrennt wurde. Den endgültigen Schlussstrich zog der Kölner Erzbischof-Koadjutor Johannes von Geissel am 16. November 1843, indem er die Pfarrei Bürgel aufgrund von Mittellosigkeit förmlich aufhob und das Areal der rechtsrheinischen Pfarrei Monheim (bzw. Baumberg) einpfarrte. Die geschichtsträchtige Maternuskapelle im Burghof wurde schließlich im Jahr 1916 vollständig abgebrochen (zum baulichen Zustand vor dem Abbruch siehe Abschnitt &amp;quot;Baugeschichte und architektonische Entwicklung&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Besitzgeschichte ab dem Spätmittelalter (Ritter- und Allodialgut) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verkauf an Gerhard von Kniprode und Lehensauftragung (1375/1378) ===&lt;br /&gt;
Nachdem das Benediktinerkloster Brauweiler im Jahr 1368 Haus Bürgel im Zuge des mit der Abtei Deutz geschlossenen Tauschgeschäfts erworben hatte, zwangen drückende Schulden und wirtschaftliche Notlagen die Mönche schon bald zu drastischen Maßnahmen. Obwohl testamentarische Bestimmungen des vorherigen Eigentümers Reinhard Besendriesch einen Verkauf des Hofes ausdrücklich untersagten, veräußerte die Abtei unter Abt Hermann II. Zobbe das Gut im Dezember 1375 für 4.000 Gulden an den Ritter Gerhard von Kniprode. Gerhard von Kniprode, dessen Familie im Monheimer Raum einflussreich war, vollzog im Jahr 1378 einen politisch folgenschweren Schritt: Er trug Haus Bürgel mit fünf Hufen Ackerland und zweieinhalb Hufen Weiden dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden als kurkölnisches Mannlehen auf. Damit war das zuvor von bergischen Ansprüchen umgebene Gut kirchen- und lehensrechtlich fest an Kurköln gebunden, was der erzbischöflichen Macht einen strategischen rechtsrheinischen Brückenkopf verschaffte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der territoriale Grenzstreit ===&lt;br /&gt;
Die lehensrechtliche Bindung an Kurköln legte den Grundstein für jahrhundertelange, oft erbitterte Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem kurkölnischen Amt Zons und dem bergischen Amt Monheim. Die Gerichtshoheit über das Gut und das umgebende Bürgeler Werth blieb bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 ein ständiger Zankapfel. Während die Zonser Schöffen bereits in einem Protokoll von 1443 postulierten, dass die Bewohner Bürgels als Nachbarn zu allen Diensten und Abgaben an das Zonser Gericht verpflichtet seien, beharrte die bergische Seite auf ihrer territorialen Souveränität. So protestierte Herzog Wilhelm von Jülich-Berg im Jahr 1504 scharf beim Kölner Erzbischof Hermann IV. und betonte, Bürgel gehöre seit alters zum bergischen Amt Monheim. Die Positionen blieben unversöhnlich, doch im alltäglichen Vollzug verlor Kurköln im Laufe der Jahrhunderte immer mehr an Boden: Eine kölnische Untersuchungskommission stellte 1698 ernüchtert fest, dass Berg im tatsächlichen Besitz der Jurisdiktion über Bürgel sei und die dortigen Eigentümer sich je nach eigenem Nutzen mal an Köln, mal an Berg anlehnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Exkurs: Der Kriminalfall von 1739 ===&lt;br /&gt;
Wie tief die Gräben dieses Jurisdiktionsstreits waren, zeigte sich am 9. Januar 1739 bei einem tragischen Kriminalfall im Hausflur des Gutes. An diesem Tag wurde der erst 16-jährige Schweinehirt Wilhelm Heinrich Burbach (gebürtig aus Baumberg) um die Mittagszeit auf den Stufen des Bürgeler Hausflurs durch einen namentlich bekannten Baumberger mit einem Messer mitten ins Herz erstochen. Die Tragödie weitete sich sofort zu einer handgreiflichen Konfrontation aus: Um zu verhindern, dass das Zonser Gericht die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau vornahm, besetzten bergische Schützen aus Baumberg auf Befehl des Monheimer Vogts das Gut mit Waffengewalt. Die Monheimer Schöffen nahmen den Toten in Augenschein, ließen ihn im &amp;quot;Milchstübgen&amp;quot; sezieren und anschließend eilig auf dem Bürgeler Kirchhof begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kölner Domkapitel meldete diesen schweren Übergriff auf seine Gerichtshoheit der kurfürstlichen Regierung. Auf Anordnung des Kapitels setzten die Zonser Gerichtsbeamten daraufhin entschlossen über den Rhein nach Bürgel über. Sie gruben den bereits bestatteten Leichnam des Jünglings kurzerhand wieder aus, vollzogen im Namen Kurkölns eine eigene, rechtmäßige Leichenschau und ließen ihn danach wieder beisetzen. Dieser spektakuläre Vorfall diente beiden Seiten als demonstrativer Akt zur Wahrung ihrer territorialen Ansprüche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Besitzerfamilien ===&lt;br /&gt;
Die Besitzgeschichte von Haus Bürgel nach der Ära der Kniprodes spiegelt den Wandel regionaler Machtverhältnisse wider. Durch die Ehe von Gerhards Tochter gelangte das Gut im Jahr 1413 an den Ritter Heinrich van Boemelbergh. In der nachfolgenden Generation ging Bürgel im Erbgang an die Grafen von Limburg über (darunter an die Linie Limburg, Herren zu Broich). Da die Familie im späten 17. Jahrhundert im Mannesstamm erlosch und eine Belehnung weiblicher Nachkommen nach kurkölnischem Lehensrecht ausgeschlossen war, verkauften die Erbinnen Bürgel im Jahr 1698 an den Freiherrn Franz von Nesselrode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit begann die dauerhafte Ära der Familie Droste von Vischering-Nesselrode-Reichenstein (mit Sitz auf Schloss Herten), in deren Besitz das Gut bis in das 20. Jahrhundert verbleiben sollte. Nach dem Tod von Franz von Nesselrode im Jahr 1707 übernahm sein Sohn, der Reichsgraf Bertram Carl von Nesselrode und Reichenstein († 1744), die Lehnsherrschaft. Da die gräflichen Besitzer als bergische Untertanen und teils als Amtsleute von Monheim agierten, begünstigte diese Familienkonstellation langfristig den Übergang der tatsächlichen Landeshoheit an das Herzogtum Berg, obwohl das Gut formal bis zur Säkularisation ein Kölner Lehen blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte und architektonische Entwicklung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Untergang der Bürgeler Auenhöfe ===&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Bürgel war weder ein geschlossenes Dorf noch ein einfacher Einzelhof, sondern eine aus mindestens drei bis vier Höfen bestehende, lockere Gruppensiedlung (Weiler). Zu diesem historischen Siedlungskomplex gehörten der Große Hof zu Bürgel, der Hof auf dem Driesch (Driesch-Hof), der Hof auf der Scheuern (Scheuern-Hof) sowie der herrschaftliche Bauhof. Davon lagen der Große Hof und der Driesch-Hof nachweislich innerhalb der hochwassergefährdeten Rheinschlinge. Letzterer befand sich im Jahr 1418 &amp;quot;zwischen dem Hof zu Bürgel und dem alten Rhein&amp;quot;, wurde jedoch in der Folgezeit direkt zum Hof Bürgel gezogen. In unmittelbarer Nachbarschaft muss auch der Bauhof gestanden haben, den Winrich von Bürgel (Winricus de Burgele) im Jahr 1326 mitsamt seinem Wohnhaus, Wirtschaftsgebäuden und einem Baumgarten innerhalb der alten Kastellmauern an die Abtei Deutz verkaufte. Die genaue Lage des Hofes auf der Scheuern lässt sich heute nicht mehr exakt lokalisieren; sein spurloses Verschwinden deutet jedoch zwingend darauf hin, dass auch er innerhalb der Rheinschlinge lag und – ebenso wie die benachbarten historischen Siedlungen Blee, Quinheim und Niel – im Laufe der Jahrhunderte von den ungebändigten, erodierenden Fluten des Rheins weggespült und zerstört wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die historische Bildüberlieferung ===&lt;br /&gt;
Eine unschätzbare Quelle für die Rekonstruktion des historischen Baubestandes stellen die topografisch präzisen Zeichnungen des flämischen Malers Renier Roidkin aus der Zeit um 1735 dar. Seine detailreichen, lavierten Tuschezeichnungen zeigen das Anwesen Haus Bürgel aus einer nord-nordwestlichen Perspektive. Das Landgut ist darin als allseitig geschlossene, rechtwinklige Hofanlage im Zentrum des Bildes dargestellt. Roidkins Arbeiten dokumentieren mit hoher Zuverlässigkeit das damalige herrschaftliche Herrenhaus sowie den mächtigen, im Nordosten aufragenden Turm, welche die landwirtschaftlich genutzten Ställe, Scheunen und Remisen deutlich überragten. Mitten im inneren Wirtschaftshof ist zudem der Turm der alten Maternuskapelle exakt skizziert. Eingebettet ist das herrschaftliche Gut bei Roidkin in eine weitläufige, parzellierte Acker- und Auenlandschaft, die im Bildvordergrund durch zeittypische allegorische Figuren staffiert wird. Roidkins präzise Skizzen gelten in der Forschung als die wichtigste und realitätsnahe Bildüberlieferung des baulichen Zustands Bürgels in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Maternuskapelle vor ihrem Abbruch ===&lt;br /&gt;
Die dem heiligen Maternus geweihte Hof- und Pfarrkapelle wurde im Jahr 1892 bzw. 1894 durch den rheinischen Provinzialkonservator Paul Clemen umfassend bauhistorisch dokumentiert. Clemen beschrieb die Kapelle als einen einschiffigen, flachgedeckten Saalbau von rund 7 x 10 Metern, der regelmäßig aus Tuffsteinquadern errichtet worden war, während seine Giebel aus Backsteinen bestanden. An der Südseite wies der Tuffsteinbau ein rundbogiges Fenster auf und schloss im Osten mit einem kleinen, bescheidenen fünfseitigen Chorschluss ab. Aus der Frühzeit der Kirche hatte sich ein wertvoller romanischer Taufstein des 12. oder 13. Jahrhunderts aus Namurer Blaustein erhalten, welcher nach dem Abbruch der Kapelle gerettet wurde und sich heute im Privatbesitz auf Schloss Herrnstein an der Sieg befindet. In der späten Barockzeit war die Kapelle im Inneren schlicht und ohne architektonische Gliederung gestaltet. Sie besaß eine flache Decke und ein kleines, hölzernes Glockentürmchen auf der Westseite des Schieferdaches. Ein besonderes Mysterium bildete ein in der Giebelwand eingemauerter Steinkopf, den der Volksglaube über Generationen hinweg als heidnisches Überbleibsel deutete. Um das Jahr 1903 war die Kapelle bereits vollständig zur Ruine verfallen und wurde 1916 im Zuge des fortschreitenden Verfalls endgültig niedergelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entstehung des neuzeitlichen Gutshofs ===&lt;br /&gt;
Nach der Säkularisation und dem Übergang der Anlage in Privatbesitz wurde der mittelalterliche Wehrcharakter von Haus Bürgel schrittweise zurückgebaut, um Platz für einen modernen Gutsbetrieb zu schaffen. Bereits im Jahr 1765 wurden an der Westseite der Anlage neue, großzügige Stallungen errichtet. Der tiefgreifendste architektonische Einschnitt erfolgte im Jahr 1837: Unter dem Eigentümer Graf Felix Droste zu Vischering wurden die baufälligen Reste des alten Schlosses abgebrochen und an deren Stelle das heute noch erhaltene, zweigeschossige klassizistische Herrenhaus erbaut. Da die Wirtschaftsgebäude und Umfassungsmauern in der Folgezeit für den landwirtschaftlichen Betrieb fortlaufend repariert, verändert und modernisiert wurden, präsentiert sich das Anwesen heute als neuzeitlicher Großhof. Dennoch blieben bedeutende Reste der mittelalterlichen Bausubstanz im heutigen Bestand erhalten, darunter der quadratische, mit wehrhaften Kragsteinen für einen hölzernen Wehrgang ausgestattete Nordostturm sowie ein Teil der abgeschrägten Umfassungsmauer in der Südwestecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heutige Nutzung, Naturschutz und Denkmalpflege ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rettung und Restaurierung ===&lt;br /&gt;
Die systematische Instandsetzung der historischen Hofanlage begann in den 1990er Jahren, nachdem die &amp;quot;Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege NRW&amp;quot; das geschichtsträchtige Gut erworben hatte. Die Stiftung finanzierte das anspruchsvolle Sanierungsprojekt, um die Gebäude schrittweise und etappenweise zu renovieren. Ziel dieser hohen Investitionen war es, einen zukunftsträchtigen Mix aus Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege zu etablieren, welcher die Kernbotschaft der NRW-Stiftung ideal widerspiegelt. Verwaltet und betrieben wird das Projekt heute von der &amp;quot;Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe/Haus Bürgel&amp;quot;. Der Geschäftsführer der Stiftung, Hartmut Schulz, zeigte sich optimistisch bezüglich der langfristigen Wirtschaftlichkeit des Betriebs, da die anfallenden Kosten durch Pachteinnahmen sowie den Verkauf von Heu und Obst auf den umliegenden Flächen gedeckt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Biologische Station Urdenbacher Kämpe ===&lt;br /&gt;
Einen zentralen Pfeiler des Standortes bildet die Biologische Station, die als eingetragener Verein seit dem Jahr 1996 ihren festen Sitz auf Haus Bürgel hat. Sie zeichnet für die Betreuung von Naturschutzgebieten in Düsseldorf und im Kreis Mettmann sowie für die Umsetzung zahlreicher Naturschutzmaßnahmen vor Ort verantwortlich. Hierzu gehört unter anderem die Pflanzung und Pflege von Obstbäumen in der Urdenbacher Kämpe. Unter der Aufsicht des Agraringenieurs Thomas Zimmermann, des Gärtners Horst Windolf sowie zweier Zivildienstleistender (Martin Grund und Sebastian Koch) wird eine beachtliche Anzahl von rund 850 Birnen-, 400 Apfel- und 50 Pflaumenbäumen auf den umliegenden Streuobstwiesen betreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzt wird dieses Naturschutzengagement durch die Pflege des historischen Nutzgartens auf Haus Bürgel, in dem Kräuter- und Gemüsepflanzen aus der Römerzeit und späteren Epochen gezeigt werden, sowie durch ganzjährige Exkursionen. Zudem fischen Biologen der Station seltene Molche aus den umliegenden Gewässern. Neben der ökologischen Arbeit wird auf den Weiden die Jahrhunderte alte Tradition der Kaltblutpferdezucht aktiv fortgeführt, die heute unter anderem durch die Kaltblutstute Tora und ihr Fohlen repräsentiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Römermuseum Haus Bürgel ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 2003 eröffnete ein archäologisches Römermuseum im Herrenhaus und im historischen Eckturm von Haus Bürgel. In den folgenden Jahren wurde die Ausstellung schrittweise durch zusätzliche Ausstellungsräume im Südwesten der Anlage erweitert. Ein besonderer Anziehungspunkt im Innenhof der Anlage ist der Nachbau eines römischen Steinbackofens, der mithilfe von Fördermitteln des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) realisiert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem führt ein archäologischer Außenpfad die Besucher entlang der ehemaligen Kastellmauern zu den dezentralen Ausstellungsbereichen. Dieser Pfad macht die Struktur der antiken Anlage erlebbar und zeichnet mithilfe einer speziellen Pflasterung im Boden die Lage des spätrömischen Osttores sowie einiger der zwölf Rundtürme für die Öffentlichkeit nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Welterbe-Status ===&lt;br /&gt;
Den bedeutendsten Meilenstein für die internationale Anerkennung der Anlage markiert der Sommer 2021. Bereits im Januar 2020 stellten die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unter der Federführung der Niederlande den offiziellen Antrag, den Niedergermanischen Limes als UNESCO-Weltkulturerbe auszuzeichnen. Am 27. Juli 2021 wurde der Limes auf der UNESCO-Komitee-Sitzung im chinesischen Fuzhou offiziell in die Welterbeliste aufgenommen. Haus Bürgel gehört seither als einer von insgesamt 44 archäologischen Fundplätzen des Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe &amp;quot;Niedergermanischer Limes&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Archäologisches Museum Haus Bürgel – Betrachtungen zur Situation des Raumes Dormagen in der Römerzeit&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2006 (2005), S. 8–15.&lt;br /&gt;
* Beyer, Brigitte: &#039;&#039;Fortuna te adiuvet&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 83–84.&lt;br /&gt;
* Bürschel, Peter/ Gechter, Michael: &#039;&#039;Ausgrabungen in Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993, S. 94–96.&lt;br /&gt;
* Cramer, Franz: &#039;&#039;Buruncum – Worringen, nicht Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 107 (1901), S. 190–202.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Neue Forschungen im spätrömischen Kastell &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, Stadt Monheim, Kreis Mettmann&#039;&#039;, in: Nicolae Gudae (Hg.): Roman Frontier Studies – Proceedings of the XVIIth International Congress of Roman Frontier Studies, Zalau 1999, S. 337–347.&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Zur Herstellung militärischer Bronzen im spätrömischen Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: H. Friesinger/ K. Pieta/ J. Rajtár (Hgg.): Metallgewinnung und –verarbeitung in der Antike (Schwerpunkt Eisen), Nitra 2000, S. 113–116.&lt;br /&gt;
* Freudenberg, Johannes: &#039;&#039;Rezension zu: Anton Rein: Haus Bürgel – das Römische Burungum&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 23 (1856), S. 141–153.&lt;br /&gt;
* Gechter, Michael: &#039;&#039;Neufunde aus Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 81–83.&lt;br /&gt;
* Haberey, Waldemar: &#039;&#039;Kastell Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 157 (1957), S. 294–304 und Taf. 38–44.&lt;br /&gt;
* Herchenbach, Wilhelm: &#039;&#039;Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Monatsschrift des Vereins für die Geschichts- und Alterthumskunde von Düsseldorf und Umgegend (1881), Nr. 4, S. 31–34; Nr. 5, S. 35–38.&lt;br /&gt;
* Koenen, Constantin: &#039;&#039;Miscelle &amp;quot;Zum Verständnis von Haus Bürgel&amp;quot;&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande LXXXIX (1890), S. 213–218.&lt;br /&gt;
* Ohligschläger: &#039;&#039;Über Niederlassungen der Römer im Bergischen&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande V/ VI (1844), S. 235–251.&lt;br /&gt;
* Rein, Anton: &#039;&#039;Haus Bürgel, das Römische Burungum, nach Lage, Namen und Alterthümern&#039;&#039;. Krefeld 1855.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Hier Zons – hier Haus Bürgel – Zur Frage des gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisses der Kirchen von Zons und Bürgel im Mittelalter&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 283–290.&lt;br /&gt;
* Stein, Simone: &#039;&#039;Viehhaltung, Jagd und Fischfang im &amp;quot;Haus Bürgel&amp;quot;, einem spätantiken Kastell am Niederrhein&#039;&#039;, Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2000.&lt;br /&gt;
* Tegtmeier, Ursula: &#039;&#039;Verkohlte Hainbuchenhölzer aus römischen Gräbern bei Haus Bürgel&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2005, S. 74–76.&lt;br /&gt;
* Tutlies, Petra: &#039;&#039;Das römische Haus Bürgel und sein Weiterbestehen bis in unsere Zeit&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 76–86.&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Kategorie:Höfe</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Heckhof</title>
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		<updated>2026-08-10T19:03:55Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der &#039;&#039;&#039;Heckhof&#039;&#039;&#039; ist ein historisches [https://de.wikipedia.org/wiki/Rittergut Rittergut] im Gebiet des Dormagener Stadtteils [[Stürzelberg]], das historisch eng mit dem Stadtteil verbunden ist. Das erstmals 1389 urkundlich erwähnte Anwesen blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte als Lehen, adliger Sitz und landwirtschaftliches Gut zurück. Das heutige, im Kern auf das Jahr 1694 zurückgehende und unter Denkmalschutz stehende Gebäudegehöft liegt direkt am Rheindamm (Oberstraße).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lage und Geografie ==&lt;br /&gt;
Der Heckhof liegt an der Oberstraße zwischen den Dormagener Ortsteilen Zons und [[Stürzelberg]]. Diese Straße, die den äußeren Deich des Rheines bildet, wird von den Einwohnern oft auch als &amp;quot;Damm&amp;quot; bezeichnet. Vom Ortsausgang des Dorfes Stürzelberg liegt das Anwesen knapp 700 Meter entfernt, während die Distanz bis nach Zons etwa 2000 Meter beträgt. Aufgrund dieser räumlichen Nähe und der Tatsache, dass Stürzelberg und der Heckhof von der Stadt Zons historisch oft stiefmütterlich behandelt wurden, entwickelte sich eine sehr enge Bindung des Hofes an Stürzelberg. Der Hof fungierte über die Jahrhunderte hinweg als ein wichtiges geografisches und historisches Bindeglied zwischen den beiden Ortschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologische Vorgeschichte ==&lt;br /&gt;
Die Besiedlung des heutigen Hofareals lässt sich weit zurückverfolgen. Auf dem unmittelbar angrenzenden [[Taubenacker (Flurname)|&amp;quot;Taubenacker&amp;quot;]] weisen archäologische Befunde auf einen römischen Gutshof (eine villa rustica) aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert hin. Zudem wurden spätmittelalterliche Keramikscherben gesichert, die der Siegburger Produktion des 15. und 16. Jahrhunderts mit dem typischen gekniffenen Wellenfuß zuzuordnen sind. Ob der Heckhof früher direkt auf dem Taubenacker stand oder ob die Funde aus später herbeigeschafftem Bauschutt zur Verfüllung von Bombentrichtern stammen, bleibt in der Forschung ungeklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mittelalter und die Ära der Nesselroder (1389–1554) ==&lt;br /&gt;
Im Jahre 1389 wurde das Gut erstmals urkundlich als Lehen beziehungsweise &amp;quot;Manngut&amp;quot; der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Deutz Abtei Deutz] erwähnt. Zu dieser Zeit befand sich der Hof im Besitz des Ritters Heinrich von Varresbeck und seiner Gemahlin Christina von Kniprode. Der Heckhof gehörte zu den wenigen Liegenschaften der Zonser Flur, auf die der Erzbischof von Köln keinerlei Besitzrechte geltend machen konnte. Aufgrund finanzieller Nöte verkauften die Varresbecks eine jährliche Erbrente aus dem Hof an den Bischof Wichbold von Culm, die später an das [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Kunibert_(K%C3%B6ln) Kölner Stift St. Kunibert] ging. Durch Erbteilung und Pfandschaften gelangte der Rittersitz im Jahre 1422 in die Verwaltung und später in den erblichen Besitz von Heinrich von Nesselrode. Dessen Sohn Wilhelm von Nesselrode besaß das Gut im Jahre 1457 und stieg Ende des Jahres 1463 zum [[Amtmann]] für Zons auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Rittergut unter den Reuschenbergern (1554–1752) ==&lt;br /&gt;
Um 1554 gelangte der Heckhof vermutlich im Erbgang an die Brüder Johann und Wilhelm von Reuschenberg zu Setterich, in deren Händen das Gut über zwei Jahrhunderte verblieb. Der Hofbesitzer war im Kriegsfall verpflichtet, dem Erzstift mit Pferd und Harnisch zu dienen. Seit 1669 gehörte der Heckhof zu den auf dem Landtag aufgeschworenen Rittersitzen. Obwohl das Gut zeitweise Abgaben an die Stadt Zons leisten musste, war es ab dem späten 17. Jahrhundert von allen bürgerlichen Lasten befreit, besaß aber auch keinen Anteil an der Gemeinde. Im Jahr 1694 wurde der Heckhof umfassend neu erbaut oder erneuert, worauf die noch heute sichtbare Inschrift „Anno 1694“ über dem großen Torbogen der Hofeinfahrt hinweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Besitz des Kölner Domkapitels (1752–1794) ==&lt;br /&gt;
Nachdem erste Kaufversuche des Domkapitels im Jahr 1720 scheiterten, erwarb das Kapitel den Hof am 1. August 1752 käuflich von den Reuschenberg-Erben. Der Heckhof wurde fortan als freiadeliges Allodialgut geführt, das von nahezu allen Kriegslasten, Zehnten, Diensten und bürgerlichen Abgaben befreit war. Lediglich an die Zonser [[Kellner]]ei musste jährlich eine geringe Getreideabgabe von zweieinhalb Vierteln Roggen geleistet werden. Das Domkapitel verpachtete den Hof an Pächter, sogenannte Halfen oder Halfwinner, wie Johann Falckenberg und dessen Sohn Heinrich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Säkularisation und Privatisierung im 19. und 20. Jahrhundert ==&lt;br /&gt;
Mit dem Einzug der französischen Revolutionstruppen im Herbst 1794 endete die domkapitularische Ära. Das Gut wurde im Jahr 1802 im Zuge der Säkularisation enteignet. Bei der öffentlichen Versteigerung im Oktober 1803 erwarb der Zonser Gutsbesitzer [[Matthias Aldenhoven]] das Anwesen. Später wurde das Gut an die Familie [[Anton Baaden]] verkauft, wobei die Witwe Baaden noch im Jahr 1861 als wohlhabende Gutsbesitzerin mit einer jährlichen Steuer von 168 Talern gelistet ist. Im Jahr 1846 erlosch die offizielle Rittergutszugehörigkeit des Heckhofes.&lt;br /&gt;
Um die Jahrhundertwende ging der Hof an Rudolf Knaben über, der eine Feldscheune südwestlich des Hofes zum Schutz des Großviehs vor Hochwasser errichtete. Nach einem kurzen, ruinösen Zwischenspiel unter einem Käufer namens Kappeler erwarb Josef Kohtes im Jahr 1905 den Hof. Pächter wurde Johann Peter Döhlings, dessen Familie die Landwirtschaft über zwei Generationen und insgesamt 53 Jahre lang führte. Im Jahr 1958 übernahm Hans-Josef Kohtes, ein Enkel des Besitzers, die Bewirtschaftung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krieg und Naturkatastrophen ==&lt;br /&gt;
Wegen seiner ufernahen Lage litt der Hof regelmäßig unter verheerenden Rheinhochwassern. Besonders schwere Fluten sind für die Jahre 1784, 1882, 1920 und 1926 belegt, bei denen die Ställe evakuiert werden mussten. Zum Schutz wurde später der Heckhofer Flügeldeichpolder errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zweiten Weltkrieg errichtete die Wehrmacht im Dezember 1941 in unmittelbarer Nähe im Grind ein großes militärisches Scheinwerk mit Benzinkesseln, um feindliche Bomber von den Industrieanlagen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Holthausen_(D%C3%BCsseldorf) Düsseldorf-Holthausen] abzulenken. Die Bewohner mussten den Hof daher abends ab 22:00 Uhr räumen und in Stürzelberg schlafen. Im März 1945 diente der Hof erst als deutsches Hauptquartier, bevor ihn die einrückenden Amerikaner besetzten und als Mörserstellung nutzten. In der Nachkriegszeit kam es Ende 1945 zu bewaffneten Überfällen ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter, weshalb amerikanische Soldaten zum Schutz abgestellt werden mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Architektur ==&lt;br /&gt;
Der Heckhof ist als einteilige Hofesfeste angelegt, bei der sich die Wohn- und Wirtschaftsgebäude um einen rechteckigen Innenhof gruppieren. Die Bauart erinnert an den fränkischen Hofbaustil und wurde wurtartig auf einer natürlichen Erhöhung errichtet. Ein Wassergraben existierte wegen der Wurtlage nie. Zum Schutz gegen Angreifer wies das Gehöft kleine, vergitterte Außenfenster und ein starkes Hoftor auf. Das ehemals weiß gekalkte Herrenhaus wurde im Jahr 1970 durch eine rote Verklinkerung stark verändert. Im Herbst 1983 wurde durch den Abriss von Teilen des alten Rinderstalls und den Anbau eines Fertigteil-Stalls das geschichtsträchtige Erscheinungsbild der denkmalgeschützten Gesamtanlage irreparabel beeinträchtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Der Heckhof – Die Geschichte eines Niederrheinischen Rittergutes im Wandel der Zeiten&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. I (1983), 35 S.&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Einige neue Erkenntnisse zum Rittergut Heckhof, Teil 1&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 1/1988, S. 14–19.&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Einige neue Erkenntnisse zum Rittergut Heckhof, Teil 2&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 1–9.&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Einige neue Erkenntnisse zum Rittergut Heckhof, Teil 3&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 10–11.&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Vom Rotten und Rösten der Leinpflanze. Das Rittergut Heckhof im Amt Zons und seine Flachskaulen&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2026 (2025), S. 76–87.&lt;br /&gt;
* [[Aenne Hansmann|Hansmann, Aenne]]: &#039;&#039;Geschichte von Stadt und Amt Zons&#039;&#039;. Mit einem Beitrag von [[Artur Elicker]], [[Jakob Justenhoven]] und [[Herbert Milz]]. Düsseldorf 1973, S. 19, 78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmalpflege]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Schloss_Friedestrom&amp;diff=4380</id>
		<title>Schloss Friedestrom</title>
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		<updated>2026-08-10T17:09:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Der erzbischöfliche Fronhof */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das &#039;&#039;&#039;Schloss Friedestrom&#039;&#039;&#039; ist eine ehemalige kurkölnische Landesburg und Zollfeste in der Südostecke der Altstadt von Zons. Sie wurde ab 1373 von [[Friedrich von Saarwerden|Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] errichtet, nachdem dieser 1372 den erzstiftischen [[Rheinzoll]] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons verlegt hatte, und ersetzte ein 1288 nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Worringen Schlacht bei Worringen] geschleiftes Vorgängercastrum. Von 1463 bis zur Säkularisation 1802 war sie als Pfand an das Kölner [[Domkapitel]] verschrieben und bildete den Verwaltungssitz des [[Amt Zons|Amtes Zons]]. Sie überstand mehrere Belagerungen, wurde jedoch 1646 im [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] durch hessische Truppen schwer beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Säkularisation diente die Burg von 1803 bis 1962 als privater landwirtschaftlicher Gutshof (Familien [[Aldenhoven (Familie)|Aldenhoven]], [[Diergardt]], [[Meller (Familie)|Meller]]), bevor sie in den Besitz der Stadt Zons überging und zum [[Kreiskulturzentrum]] ausgebaut wurde. Seit 1972 beherbergt sie das [[Kreismuseum|KreisMuseum Zons]], seit 1990 zudem das [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationale Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;]]. Archäologische Grabungen in den 1980er Jahren legten im Burghof die Fundamente von fünf aufeinanderfolgenden Kirchenbauten sowie ein Gräberfeld mit über 200 Bestattungen frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Lage und historische Bedeutung&lt;br /&gt;
Die Burg Friedestrom liegt in der Südostecke der mauerumwehrten Altstadt von Zons. Als ehemalige kurkölnische Landesburg und strategisch bedeutende Zollfeste repräsentiert die Anlage eines der wichtigsten historischen Zentren im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Kreis_Neuss Rhein-Kreis Neuss]. Ihre Errichtung steht in direktem Zusammenhang mit der folgenschweren Verlegung des erzbischöflichen [[Rheinzoll]]s von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons im Jahr 1372. Um diese äußerst einträgliche Geldquelle des Erzstifts militärisch zu sichern und gleichzeitig einen wirksamen Riegel gegen die expansionsbestrebten [https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_J%C3%BClich Herzöge von Jülich] vorzuschieben, ließ der [[Friedrich von Saarwerden|Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] ab 1373 die wehrhafte Burganlage und die planmäßige, rechtwinklige Stadtbefestigung errichten. Die Burg bildete fortan den administrativen Kern der Festung, den Sitz des [[Schultheißen]] sowie den Mittelpunkt des neu geschaffenen [[Amt Zons|Amtes Zons]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Namensgebung und Ursprung ===&lt;br /&gt;
Der Name &amp;quot;Friedestrom&amp;quot; (historisch auch &#039;&#039;Vredestrom&#039;&#039; oder &#039;&#039;Fredestroym&#039;&#039; genannt) ist eine bewusste und kunstvolle Wortschöpfung des Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Der Name verbindet harmonisch die Bestandteile seines eigenen Vornamens &amp;quot;Friedrich&amp;quot; und das Wort &amp;quot;(Rhein-)Strom&amp;quot;. Zugleich schwingt in dieser Bezeichnung die programmatische Bedeutung &amp;quot;Friede am Strom&amp;quot; beziehungsweise &amp;quot;Friede dem Strom&amp;quot; mit. Obwohl der ambitionierte Landesherr nach der Stadterhebung im Jahr 1373 versuchte, diesen repräsentativen Namen auf die gesamte neu gegründete Siedlung zu übertragen, konnte sich die Bezeichnung auf Dauer nicht gegen den historisch verwurzelten Namen Zons durchsetzen und blieb letztlich auf das eigentliche Burgareal beschränkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Namensdebatte: &amp;quot;Burg&amp;quot; versus &amp;quot;Schloss&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Um die korrekte Bezeichnung der Anlage gab es in Zons in den Jahren um 1990 eine mitunter leidenschaftlich geführte Debatte zwischen der wissenschaftlich-behördlichen Sichtweise und der lokalen Tradition. Die offizielle Sprachregelung des Rhein-Kreises Neuss und moderner Historiker favorisiert strikt den Begriff &amp;quot;Burg&amp;quot; (bzw. Landesburg oder Zollburg), da dieser den primär wehrhaften, fortifikatorischen Charakter sowie die mittelalterliche Verteidigungsfunktion der Anlage zur Sicherung des Rheinzolls zutreffend unterstreicht. Demgegenüber ist im Zonser Volksmund und in der bürgerschaftlichen Tradition die Bezeichnung &amp;quot;Schloss&amp;quot; tief verankert, was sich nicht zuletzt in lokalen Straßennamen wie der [[Schloßstraße]] oder dem [[Schloßplatz]] widerspiegelt. Diese Sichtweise betont die historische Bedeutung der Anlage als zeitweilige repräsentative Residenz der Kölner Erzbischöfe. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive sind jedoch beide Begriffe legitim, da sie bereits seit dem Spätmittelalter parallel und synonym verwendet wurden. Während [[Friedrich von Saarwerden]] selbst in einer Belehnungsurkunde von 1381 von &amp;quot;unser burg&amp;quot; schrieb, bezeichnete eine Chronik den markanten [[Juddeturm]] bereits im Jahr 1469 als Zufluchtsort für &amp;quot;statt und schloß&amp;quot;, und auch spätere Landesherren sowie der [[Johann Peter Delhoven|Dormagener Chronist Delhoven]] nutzten im 17. und 18. Jahrhundert ganz selbstverständlich das Wort &amp;quot;Schloss&amp;quot;. Als pragmatischen Kompromiss führt die Kreisverwaltung die Anlage heute offiziell unter dem neutralen Namen &amp;quot;Kulturzentrum des Rhein-Kreises Neuss in Zons&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorgeschichte und frühe Besiedlung (8. Jahrhundert – 1288) ==&lt;br /&gt;
=== Archäologische Befunde im Schlosshof ===&lt;br /&gt;
Die Ursprünge einer kontinuierlichen Besiedlung und sakralen Nutzung des heutigen Schlossgeländes reichen weit vor die eigentliche Stadtgründung zurück. Durch systematische archäologische Ausgrabungen im inneren Burghof in den 1980er Jahren konnten die Fundamente von insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Kirchenbauten freigelegt werden. Den Beginn dieser Kette bildet eine kleine, pfostenbasierte Holzkirche aus dem späten 8. Jahrhundert mit einer Länge von etwa 6,3 Metern und einer Breite von 4,7 Metern im Innenmaß. Ein bemerkenswerter Befund im Inneren dieser ersten Holzkapelle war ein unter dem Altar deponiertes Waffendepot aus dem 7. Jahrhundert, bestehend aus einem fränkischen Schwert, einem Sax und einer Gürtelgarnitur. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um aus einem älteren fränkischen Grab entnommene Objekte handelt, die möglicherweise als Martinus-Reliquien (dem Kirchenpatron) niedergelegt wurden, um die Bedeutung der Eigenkirche zu heben. Nach der Zerstörung dieser Holzkirche durch einen Brand zu Beginn des 10. Jahrhunderts entstand an gleicher Stelle eine kurzlebige Schwellbalkenkirche. Noch in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde diese durch eine steinerne Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor ersetzt, die im Innenraum nachweislich farbig ausgemalt war. Um 1200 wurde dieses Gebäude ebenfalls durch ein Feuer zerstört, woraufhin eine deutlich größere, dreischiffige spätromanische Basilika mit einem im frühen 14. Jahrhundert angefügten Westturm errichtet wurde. Diese letzte Steinkirche wurde schließlich zwischen 1373 und 1408 sorgfältig abgetragen, um Platz für den Bau der erzbischöflichen Zollburg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die systematischen archäologischen Grabungen der 1980er Jahre im Innenhof der Burg erbrachten eine Vielzahl menschlicher Skelettreste aus den ehemaligen Kirchbaufriedhöfen, die insgesamt 261 Individuen zugeordnet werden konnten. In ihrer anthropologischen Auswertung teilten Barbara Hollack und [https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Kunter Manfred Kunter (1940–2025)] das Fundgut in zwei chronologische Belegungsphasen: die Saalkirchenperiode (9. bis 13. Jahrhundert) und die spätromanische Kirchenperiode (13. bis 14. Jahrhundert). Trotz eines deutlichen Männerüberschusses (85 Männer gegenüber 57 Frauen) wiesen die Skelette Merkmale einer sozial herausgehobenen, wirtschaftlich privilegierten Oberschicht auf – vermutlich der Bewohner des erzbischöflichen Fronhofs. Die Bestatteten zeigten eine beachtliche durchschnittliche Körpergröße von ca. 1,71 Metern bei Männern und 1,61 Metern bei Frauen, eine grazile Konstitution sowie ein für das Mittelalter ungewöhnlich hohes Sterbealter – die Hälfte der Männer überlebte das 60. Lebensjahr. Schwere, arbeitsbedingte Skelettdeformationen oder Knochenbrüche waren selten, und Anzeichen von tödlicher Gewaltanwendung fehlten fast völlig. Zudem konnten eng begrenzte Familienbestattungen nachgewiesen werden, die durch seltene, vererbbare Skelettmerkmale wie das Os lambdae eine generationenübergreifende biologische Kontinuität und eine direkte Abstammung von frühmittelalterlichen fränkischen Gruppen nahelegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzt und vertieft wurden diese Befunde durch die zahnmedizinische Dissertation von Peter Conrad Schneider (1994), der die Zähne und Kiefer der Zonser Skelettserie detailliert untersuchte. Schneider stellte fest, dass sich die Lebensweise, Ernährungsart und Nahrungszubereitung über den gesamten Zeitraum vom 8. bis zum 14. Jahrhundert hinweg kaum verändert hatten. Rund 20 Prozent der untersuchten Individuen besaßen ein vollständig kariesfreies Gebiss. Die Kariesfrequenz der Gesamtpopulation lag bei 80 Prozent, wobei der Anteil erkrankter Zähne in der jüngeren Phase (Gruppe 2: 19,4 Prozent) höher ausfiel als in der älteren Phase (Gruppe 1: 11,3 Prozent), was primär auf die unterschiedliche Altersstruktur der Gruppe zurückzuführen sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für die Zonser Population war ein starker, mit dem Alter zunehmender Abrieb der Kauflächen. Dieser entstand vermutlich durch faserreiche Nahrung oder Verunreinigungen im Essen (etwa Mühlsteinabrieb im Mehl). Dieser starke Abrieb hatte zwei Seiten: Einerseits schliff er die anfälligen Vertiefungen der Kauflächen ab und wirkte so wie ein natürlicher Schutz vor Karies auf der Beißfläche; andererseits führte er im höheren Alter dazu, dass das Zahninnere freigelegt wurde, was oft zu Entzündungen an den Zahnwurzeln führte. Weil die Kauflächen durch den Abrieb tiefer lagen, traten Karieslöcher vor allem in den Zahnzwischenräumen auf. Begünstigt wurde dies durch einen altersbedingten Rückgang des Kieferknochens und des Zahnfleischs, der an fast 80 Prozent der untersuchten Zahnfächer nachgewiesen werden konnte. Bestimmte angeborene Zahnmerkmale – wie kleine zusätzliche Grübchen oder Höcker auf den Backen- und Schneidezähnen – stützten zudem die Annahme einer genetisch homogenen und eng verwandten Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein spektakulärer archäologischer Befund im westlichen Hauptburgbereich war die Entdeckung einer monumentalen, kreisrunden Latrinenanlage aus der frühen Festungszeit. Diese wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts zeitgleich mit dem Wohnpalas (Westflügel) errichtet, indem man das ältere quadratische Schatz- beziehungsweise Zollhaus der Gründungsphase zu einer rund gemauerten, etwa 6 Meter tiefen Fäkaliengrube umfunktionierte. Die Latrine besaß ursprünglich einen Auslass in den westlichen Zwingergraben, wurde jedoch um die Mitte des 16. Jahrhunderts aufgegeben und durch einen hölzernen Abtritterker ersetzt, als der Bereich durch eine Trennmauer östlich davon überbaut wurde. Die naturwissenschaftliche Untersuchung der Latrinenfüllung durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kn%C3%B6rzer Botaniker Dr. Karl-Heinz Knörzer (1920–2009)] lieferte anhand zahlreicher pflanzlicher Großreste (darunter Feigen und andere importierte Früchte) faszinierende Einblicke in den herrschaftlichen Speiseplan und die anspruchsvolle Tafelkultur des erzbischöflichen Hofes. Beim Neubau des Westtraktes im Jahr 1990, der heute das Internationale Mundartarchiv beherbergt, wurde die historische Latrinenanlage denkmalgerecht saniert und im Originalzustand in den Keller integriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der erzbischöfliche Fronhof ===&lt;br /&gt;
Die Existenz dieser wiederholt erneuerten und erweiterten Kirchenbauten lässt sich nur dadurch erklären, dass das Areal der späteren Burg Friedestrom die Keimzelle des erzbischöflichen Besitzes in Zons bildete. Es handelte sich dabei um den herrschaftlichen [[Fronhof]] (Herrenhof) des Kölner Erzbischofs, der in den schriftlichen Quellen mindestens seit dem 11. Jahrhundert sicher belegt ist. Das sogenannte Testament des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunibert_von_K%C3%B6ln Kölner Bischofs Kunibert], welches in einer Fassung aus dem späten 11. Jahrhundert überliefert ist, bezeugt bereits für diese frühe Zeit eine dem Hof zugehörige erzbischöfliche Fischerei, aus der jährlich 13 Lachse für die Armenpflege der Kölner Lupusbruderschaft geliefert werden mussten. Im Jahre 1057 überließ [https://de.wikipedia.org/wiki/Anno_II. Erzbischof Anno II.] die &#039;&#039;villa dominicatus nostri Zuonozo&#039;&#039;, also dieses bedeutende Herrengut, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Richeza_(Polen) polnischen Königin Richeza] auf Lebenszeit. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts (um 1164) entwickelte sich der Zonser Hof zu einem der zwölf erzbischöflichen Tafelgüter, die direkt der Versorgung der erzbischöflichen Hofhaltung mit Lebensmitteln, wie etwa den begehrten Rheinfischen, dienten. Dem Hof stand ein [[Schultheiß]] vor, dessen Hofesgericht als Ausgangspunkt für die spätere Gerichtsbarkeit und das Landgericht in Zons fungierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das &amp;quot;Castrum Zunce&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Die fortschreitenden territorialen Auseinandersetzungen im 13. Jahrhundert zwischen den Kölner Erzbischöfen und den nach Unabhängigkeit strebenden rheinischen Dynastien sowie den [https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_J%C3%BClich Grafen von Jülich], welche die Vogteirechte in Zons beanspruchten, zwangen die Erzbischöfe zur militärischen Sicherung ihrer Rechte. Vermutlich unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_von_Hochstaden Erzbischof Konrad von Hochstaden] erfolgte um die Mitte des 13. Jahrhunderts der wehrhafte Ausbau des [[Fronhof]]es zu einer ersten Burg, dem &amp;quot;Castrum Zunce&amp;quot;. Da von dieser ersten Befestigung bislang keine eindeutigen baulichen Überreste archäologisch nachgewiesen werden konnten, ist davon auszugehen, dass es sich um eine im Vergleich zur späteren Festung bescheidenere Anlage, möglicherweise eine verstärkte Umwehrung des Hofareals, handelte. Dieses erste Castrum wurde jedoch bald Opfer der großen Machtkämpfe im Rheinland: Nach der verheerenden Niederlage des [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_von_Westerburg Erzbischofs Siegfried von Westerburg] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Worringen Schlacht bei Worringen] im Juni 1288 nutzten die siegreichen Kölner Bürger die Gunst der Stunde. Sie schleiften die verhasste Zwingfeste in Zons vollständig, machten sie dem Erdboden gleich und transportierten die Steine nach Köln, um sie dort zur Verstärkung ihrer eigenen Stadtmauer zu verbauen. Zudem musste sich der geschlagene Erzbischof vertraglich dazu verpflichten, linksrheinisch im weiten Umkreis von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] keine neuen Befestigungen mehr zu errichten. Erst fast ein Jahrhundert später sollte dieser herbe Rückschlag durch die großangelegte Neuplanung [[Friedrich von Saarwerden|Friedrichs von Saarwerden]] überwunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Neugründung unter Friedrich von Saarwerden (1372–1414) ==&lt;br /&gt;
=== Zollverlegung und Baubeginn (1372) ===&lt;br /&gt;
Die tiefgreifende Umgestaltung von Zons von einem ehemals landwirtschaftlich geprägten [[Fronhof]] zu einer wehrhaften Festungs- und Zollstadt wurde durch einen einschneidenden finanz- und territorialpolitischen Akt initiiert: Im August 1372 verlegte der junge [[Friedrich von Saarwerden|Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] den erzstiftischen [[Rheinzoll]] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] stromaufwärts nach Zons. Dieser Verlegung gingen langjährige machtpolitische Spannungen mit der nach Unabhängigkeit strebenden Neusser Bürgerschaft voraus, welche die erzbischöfliche Gerichtsherrschaft bestritt und die Zollerhebung zunehmend blockierte. Zudem hatte sich das Bett des Rheins im Laufe der Zeit von der Neusser Stadtmauer entfernt, was das Anlanden der Schiffe erheblich erschwerte. Als herber Reizpunkt kam hinzu, dass die Neusser ein städtisches &amp;quot;Bestättergeld&amp;quot; auf den Warentransport erhoben, was der Erzbischof als illegalen Eingriff in seine herrschaftlichen Zollrechte ansah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Rhein just in dieser Epoche seinen Lauf veränderte und sich bei Zons ein gerades, stabiles Bett suchte, bot das dortige Ufer einen idealen, hochwassersicheren Sporn mit tragfähigem Kiesuntergrund für eine neue Zollstelle. Um Platz für den Bau der geplanten Wehranlage zu schaffen, wurde noch im Jahr 1372 die alte, dem hl. Martin geweihte spätromanische Kirche auf dem Gelände des bischöflichen Fronhofs bis auf ihren Westturm sorgfältig abgetragen. Die Steinquader des Sakralbaus wurden beim Bau der Festung als Spolien wiederverwendet. Auf dem einplanierten ehemaligen Friedhof wurde im Herbst 1372 zunächst ein provisorisches Holzhaus mit einem Estrich aus Kalkmörtel auf Schwellbalken als erste Bauhütte und sichere Sammelstelle für die Zollgelder errichtet. Sehr kurz darauf entstand nördlich davon ein festes Steinhaus auf einem Basaltfundament mit Schieferdach, das als neue, winterfeste Bauhütte und Werkstatt diente, in der Steinmetze Trachytblöcke für architektonische Details zurichteten, wie dichte Lagen von Trachytkleinschlag im Boden belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bauphasen der Festung (1372–1377) ===&lt;br /&gt;
Die architektonische Konzeption der Zonser Wehranlagen folgte dem bewährten kurkölnischen Schema einer befestigten Stadt, in deren Ecke die landesherrliche Kernburg als stark gesicherte Zitadelle integriert und durch eine eigene innere Wehrmauer sowie einen Graben von der Bürgerstadt getrennt war. Der eigentliche Burgbau vollzog sich ab 1373 in mehreren, rasch aufeinanderfolgenden Schritten. Zunächst wurde der erhaltene romanische Kirchturm durch den Anbau eines neuen Ostabschlusses zu einem Wohn- und Wehrturm umgerüstet. Zeitgleich wurden die innere Wehrmauer errichtet und das Hochschloss (Kernburg) durch einen massiven, dreigeschossigen [[Torturm]] aus Basalt, Tuff und Trachytquadern mit einer gewölbten Durchfahrt über einer quadratischen Grundfläche von etwa 10 Metern Seitenlänge gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer unmittelbar anschließenden zweiten Burgbauphase wurde die Anlage fortifikatorisch massiv verstärkt und modernisiert. Dem [[Torturm]] wurde eine äußere Wehrmauer vorgelegt, für die der Turm selbst nach Norden um 0,95 Meter erweitert wurde. Die südliche Wehrmauer wurde im Fundamentbereich zu einem 3,80 Meter starken Bollwerk ausgebaut, auf dessen Krone ein breiter Wehrgang verlief. Dieser war über einen Treppenturm an der Westseite mit einer sorgfältig ausgeführten Wendeltreppe aus Trachytblöcken zugänglich. Als innovatives und wehrhaftes Element wurde ein runder Verteidigungsturm (der Südturm, im Volksmund auch &amp;quot;stumpe Toon&amp;quot; genannt) in die äußere Wehrmauer integriert. Um die Kernburg zog sich zur Vorburg hin ein tiefer, beiderseits ausgemauerter Burggraben. Im Burghof entstanden der Nordflügel sowie der repräsentative Westflügel, der als eigentlicher Wohnpalas (Hofhaltung) des Erzbischofs diente und mit Kaminanlagen, glasierten Kachelöfen und einer Latrine im Kellerbereich komfortabel ausgestattet war. Mit dem Abschluss dieser Arbeiten im Jahr 1377 war die Kernburg vollständig wehrfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Integration in die Stadt (bis 1388) ===&lt;br /&gt;
Parallel zum Festungsbau wurde ab 1373 das Stadtgebiet nördlich der Burg nach einem regelmäßigen, schachbrettartigen Straßenraster mit einem konsequenten Parzellensystem angelegt. Am 20. Dezember 1373 stellte [[Friedrich von Saarwerden|Erzbischof Friedrich III.]] auf der Burg die [[Stadtrecht|Stadterhebungsurkunde]] aus, die den Bürgern die weitreichenden Rechte und Privilegien der [https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChl_(Rheinland) Stadt Brühl] gewahrte. Die Stadtfläche (ca. 250 m x 310 m) wurde von einer rund 1100 Meter langen, basaltverstärkten Stadtmauer umschlossen, in welche die Burg in der Südostecke als integraler Eckpfeiler der Gesamtbefestigung einbezogen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bau der Stadtmauer spiegelte das Baumaterial den technologischen und ökonomischen Wandel der Epoche wider: Während anfangs nach Kölner Vorbild schwerer Säulenbasalt, Tuffeinschübe und Trachytquader für repräsentative Kanten dominierten, wurde im weiteren Verlauf zunehmend der pragmatischere und billigere, vor Ort gebrannte Backstein (Feldbrandstein) für das Aufgehende der Mauern eingesetzt, was die Baugeschwindigkeit erheblich steigerte. Als Schlusspunkt und weithin sichtbares Wahrzeichen der Zollfeste wurde im Jahr 1388 an der Nordostecke der Stadt der monumentale, sechsstöckige [[Rheinturm|Peters-, Zoll- oder Rheinturm]] vollendet, der fortan als sichere Hebestelle des Rheinzolls diente. Seine lateinische Bauinschrift an der Südseite nennt stolz das Fertigstellungsjahr und den Erbauer [[Friedrich von Saarwerden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1388) gelang dem Erzbischof ein entscheidender territorialpolitischer Durchbruch: Er bewegte [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_(J%C3%BClich-Geldern) Herzog Wilhelm von Jülich-Geldern] dazu, in einem Tauschgeschäft auf seine historisch verbliebenen Vogteirechte über Zons zu verzichten, wodurch Stadt, Burg und der einträgliche Zoll endgültig und uneingeschränkt der kurkölnischen Landesherrschaft eingegliedert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Residenzfunktion und Hofhaltung ===&lt;br /&gt;
Die neu errichtete Burg Friedestrom diente ihrem Erbauer [[Friedrich von Saarwerden]] als einer seiner bevorzugten zeitweiligen Aufenthaltsorte. Seit seinem ersten dokumentierten Aufenthalt im Juni 1373, während dessen er drei Urkunden in der Burg ausstellte, hielt er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1414 nachweislich über 70 Mal in Zons auf. Die Burg war so ausgestattet, dass sie dem Erzbischof und seinem Gefolge bei seinen Reisen im nördlichen Erzstift eine standesgemäße Unterkunft bot. Auch Friedrichs Neffe und Nachfolger im Amt, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Erzbischof Dietrich von Moers (1414–1463)], nutzte die Feste ausgiebig als Residenz für feierliche Hofhaltungen und verstarb schließlich im Jahr 1463 auf der Burg Friedestrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ära des Domkapitels (1463–1794) ==&lt;br /&gt;
=== Die dauerhafte Verpfändung ===&lt;br /&gt;
Mit dem Tod von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Erzbischof Dietrich von Moers] im Jahre 1463 endete die Phase der direkten landesherrlichen Verwaltung unter erzbischöflicher Aufsicht. Dietrich von Moers, ein Neffe des Stadtgründers, hatte das Erzstift durch seine prunkvolle Hofhaltung und kostspielige Fehden in den finanziellen Ruin getrieben. Da das [[Domkapitel|Kölner Domkapitel]] als größter Gläubiger für die immensen Schulden bürgte, ließ es sich im Jahr 1463 Stadt, Burg und den erträglichen Rheinzoll von Zons dauerhaft als Pfand verschreiben. Da die hohen Schulden der Erzbischöfe in den darauffolgenden Jahrhunderten nie zurückgezahlt werden konnten, verblieb Zons bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 faktisch als eine Unterherrschaft des Domkapitels. Dieses übte fortan die uneingeschränkte Grund-, Pfand- und Gerichtsherrschaft über das kleine [[Amt Zons]] aus, das neben der befestigten Stadt auch das Dorf [[Stürzelberg]], einen Teil von [[Horrem]], den [[Heckhof]] und das rechtsrheinische [[Haus Bürgel]] umfasste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Verwaltungssitz auf der Burg ===&lt;br /&gt;
Unter der Herrschaft des [[Domkapitel]]s entwickelte sich die Burg Friedestrom zum zentralen administrativen und gerichtlichen Mittelpunkt des kleinen Amtes. Da sich die [[Amtmann|Amtmänner]] ab der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht mehr ständig in Zons aufhalten mussten, residierten stattdessen meist vom Amtmann eingesetzte Amtsverwalter auf der Burg, um die kurkölnischen und domkapitularischen Interessen vor Ort zu vertreten. Der Amtmann war für die militärische Sicherung der Feste und das lokale Wehrwesen verantwortlich. Zugleich war die Burg der Sitz des [[Schultheißen]], der das [[Schöffengericht]] leitete, sowie des [[Gerichtsschreiber]]s. Auch der [[Kellner]], dem die Verwaltung und der Empfang der domanialen Einkünfte aus dem Amt oblagen, hatte hier seine Amtsräume. Obwohl die eigentliche Zollerhebung ab 1388 in den nordöstlichen [[Rheinturm]] verlegt worden war, blieb die Burg eng mit dem [[Zöllner]] und den [[Zollschreiber]]n verbunden, die das lukrative Zollwesen organisierten. Auf dem Burgareal wurde zudem regelmäßig das [[Herrengeding]] abgehalten, eine gerichtliche Versammlung aller Bürger zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärische Ereignisse und Bewährungsproben ===&lt;br /&gt;
Ihre strategische Konzeption als uneingeschränkt wehrhafte Festung musste die Anlage in den folgenden Jahrhunderten in mehreren großen kriegerischen Konflikten unter Beweis stellen. Die erste große Bewährungsprobe ergab sich während der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Stiftsfehde Kölner Stiftsfehde] (auch Burgundischer Krieg genannt, 1474–1475), als [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_von_der_Pfalz_(K%C3%B6ln) Erzbischof Ruprecht von der Pfalz] mit Unterstützung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_K%C3%BChne burgundischen Herzogs Karl des Kühnen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Neuss Neuss belagerte], um seine Herrschaftsrechte gewaltsam durchzusetzen. Während des Krieges diente Zons als wichtiger Stützpunkt für die Verteidiger und als Operationsbasis zur Kaperung feindlicher Transportschiffe auf dem Rhein. Im Mai 1475 bezog das kaiserliche Entsatzheer unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._(HRR) Friedrich III.] ein befestigtes Lager vor den Toren der Feste. Der Kaiser selbst nahm für 14 Tage Quartier auf Burg Friedestrom, um von dort aus die entscheidenden Verhandlungen zur Aufhebung der Belagerung von Neuss zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Jahrhundert später geriet Zons im [https://de.wikipedia.org/wiki/Truchsessischer_Krieg Truchsessischen oder Kölnischen Krieg (1582–1589)] erneut in den Fokus der Religionskriege. Nachdem der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebhard_I._von_Waldburg Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg] zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Protestantismus Protestantismus] konvertiert war, aber sich weigerte, seine Ämter niederzulegen, wurde die Stadt zum stärksten Bollwerk des altgläubigen [[Domkapitel]]s im Niederstift. Unter dem entschlossenen Kommando des dortigen [[Amtmann]]s, des [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Sachsen-Lauenburg Chorbischofs Friedrich von Sachsen-Lauenburg], trotzte die Burg Friedestrom allen militärischen Anschlägen und Belagerungsversuchen der truchsessischen Truppen und sicherte damit dauerhaft die altgläubige Position am Niederrhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre härteste militärische Prüfung erlitt die Zollfeste jedoch in der Endphase des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]]. Im Herbst 1646 schloss der auf französisch-protestantischer Seite kämpfende hessische Oberst [[Rabenhaupt|Carl von Rabenhaupt]] einen festen Belagerungsring um die Stadt. Trotz eines verheerenden Bombardements – bei dem an einem einzigen Tag 671 Kanonenschüsse auf die Stadt gefeuert und 300 Feuerballen hineingeworfen wurden – verweigerte die tapfere Besatzung unter dem [[Goltstein|kaiserlichen Oberst Johann Wilhelm von Goltstein]] die Übergabe. Unterstützt durch die Zonser Bürgerinnen und Bürger, die glühendes Material von den Zinnen schleuderten und Breschen in den Mauern schlossen, hielt die Feste stand, bis ein kaiserliches Entsatzheer unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Melander_von_Holzappel General Melander] die Hessen zum Rückzug zwang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heftige Beschießung hinterließ gravierende Spuren an der Hauptburg: Vor allem der im direkten Visier der hessischen Kanonen liegende Westflügel der Kernburg wurde so schwer zerstört, dass er praktisch zur Ruine wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang, Instandhaltung und Umwidmung (17. Jahrhundert – 1802) ==&lt;br /&gt;
=== Militärischer Verfall und die Verlagerung in die Vorburg ===&lt;br /&gt;
Der fortifikatorische Niedergang der Burg Friedestrom setzte in den unruhigen Zeiten des 17. Jahrhunderts ein. Zwar trotzte die Festung unter dem kaiserlichen Obersten [[Goltstein]] 1646 der heftigen Belagerung durch [[Rabenhaupt]], doch nahmen die Gebäude der Hauptburg durch den massiven Kanonenbeschuss schweren Schaden. Insbesondere der mittelalterliche Westflügel (Palas) der Kernburg wurde derart zerstört, dass er dauerhaft unbewohnbar blieb. In der Folgezeit wurde das tägliche administrative Leben aus den Ruinen des Hochschlosses in den Bereich der Vorburg verlegt. Zur größeren Bequemlichkeit der herrschaftlichen Verwaltung errichtete man an der nördlichen Vorburgmauer ein neues, zur Stadt hin geöffnetes Wohngebäude. Dieses heute als &amp;quot;[[Herrenhaus]]&amp;quot; bekannte Gebäude (der heutige Sitz des [[Kreismuseum]]s) wurde 1658/59 errichtet und diente fortan dem kurkölnischen [[Amtmann]] als Wohn- und Amtssitz. Mehrere nicht mehr benötigte, baufällige Gebäude des Oberschlosses, darunter der alte, zum Wohnturm umgerüstete Kirchturm der einstigen Vorgängerkapelle sowie dessen östlicher Anbau, wurden zwischen 1650 und der Mitte des 18. Jahrhunderts abgebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kontinuierliche Instandhaltung im 18. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Entgegen der älteren Annahme, das Kölner Domkapitel habe die gesamte Anlage nach dem 17. Jahrhundert mehr und mehr verfallen lassen, belegen die Domkapitelsprotokolle kontinuierliche und erhebliche Investitionen in den Erhalt und die Modernisierung der gesamten Burganlage. Da das [[Domkapitel]] seit der Pfandverschreibung von 1463 als Grund- und Pfandherr über das [[Amt Zons]] waltete, finanzierte es diese Arbeiten pragmatisch aus den laufenden Zonser Zollgeldern (Zollgefälle). So investierte das Kapitel im Winter 1730/31 massiv in das Unterschloss, indem der Zimmermeister Joan Schmitz für 70 Reichstaler (bzw. 10 Louisdor) einen komplett neuen, großen Dachstuhl aufrichtete und die Speicher neu mit Bretterböden versah. Die Dächer des Ober- und Unterschlosses wurden auch in der Folgezeit (belegt für 1744, 1774 und 1781) regelmäßig durch Schieferdecker begangen und ausgebessert. Auch die Wehrtürme blieben im Fokus der Baupflege: Der als Gefängnis für &amp;quot;malefiz Personen&amp;quot; genutzte [[Juddeturm]], der nach dem schweren [[Stadtbrand 1620]] bis 1625 ein neues Dach im vorherigen Stil erhalten hatte, wurde mehrfach instand gesetzt; unter anderem kaufte das Kapitel 1717 Kalk für Ausbesserungen, ließ 1777 seinen verfaulten hölzernen Dachstuhl für 95 Reichstaler komplett erneuern und das Schieferdach 1783 flicken. Die Wasserinfrastruktur wurde ebenfalls gepflegt: Unter dem Amtmann Graf von Fugger wurden 1733 die Schlossgräben aufwendig mit Ziegelsteinen neu ausgemauert und Entwässerungskanäle angelegt. Im Jahr 1749 wurden zudem die vier Schleusen hinter dem Schloss durch den Bürgermeister Lambert Braun komplett neu aufgebaut, wofür man Steine von abgebrochenen, baufälligen Schlossflügelmauern wiederverwendete. Die hölzernen Schlossbrücken über den Gräben wurden in den Jahren 1717, 1726 und 1754 repariert oder neu errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Repräsentative Umbauten und Umnutzung der Kernburg ===&lt;br /&gt;
Ein besonderer Impuls für bauliche Veränderungen ging von den Besuchen des [[Clemens August|Kölner Kurfürsten Clemens August]] aus, der Zons und das Umland ab 1732 regelmäßig zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Falknerei Falkenjagd (Reiherbeize)] aufsuchte. Um den herrschaftlichen Gast standesgemäß unterzubringen, wurden 1732 die Küchen im Ober- und Unterschloss erweitert, Kamine versetzt und im Oberschloss neue Glasfenster sowie große Brettertüren eingebaut. In den Jahren 1737 und 1738 wurden zudem die ehemals kleinen, mittelalterlichen Fenster des Schlosses großzügig ausgebrochen und durch moderne, große Glasfenster mit neuen Rahmen ersetzt. Doch auch abseits kurfürstlicher Prachtentfaltung behielt die Kernburg eine elementare wirtschaftliche Funktion: Sie diente dem [[Domkapitel]] als zentraler Lehns- und Fruchtspeicher zur Einlagerung der domanialen Getreidepachten. Um tonnenweise Getreide aufschütten zu können, wurden die Speicherböden kontinuierlich ertüchtigt; im Jahr 1772 wurde der Speicher über dem Brauhaus des Oberschlosses für 65 Reichstaler vollständig mit Platten belegt, um Platz für 600 bis 700 Malter Korn zu schaffen. Noch im Jahr 1791, kurz vor dem Ende der kurkölnischen Herrschaft, ließ das Kapitel einen baufälligen Anbau neben der großen Küche des Oberschlosses abreißen und die betroffene Giebelwand in solider Ziegelbauweise neu aufmauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Ende der kurkölnischen Ära und Säkularisation ===&lt;br /&gt;
Dieses über Jahrhunderte gewachsene System der domkapitularischen Verwaltung fand mit dem Übergang in die französische Zeit ein jähes Ende. Im Zuge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Koalitionskriege Revolutionskriege] stießen die französischen Truppen im Herbst 1794 bis an den Rhein vor. Am 5. Oktober 1794 erreichte eine Vorhut der französischen Revolutionstruppen die [[Hannepützheide|Zonser Heide]] und ritt plündernd in das Rheinstädtchen ein. Mit dieser Besetzung endete die Zeit der kurkölnischen Landesherrlichkeit sowie die autonome Unterherrschaft des Kölner [[Domkapitel]]s über das [[Amt Zons]] endgültig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den französischen Gesetzen folgte im Jahr 1802 die [[Säkularisation]], in deren Zuge die zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend verfallene Hauptburg Friedestrom durch ein Konsulardekret als staatliches Domänengut eingezogen wurde. Bis zu dieser Enteignung war das Anwesen von Johann Esser vom Kölner Domkapitel gepachtet gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Burg als Gutshof (1803–1962) ==&lt;br /&gt;
=== Säkularisation und Privatisierung ===&lt;br /&gt;
Am 3. Oktober 1803 (dem 10. Vendémiaire XII nach dem französischen Revolutionskalender) erwarb der Zonser Gutsbesitzer und spätere Bürgermeister [[Matthias Aldenhoven|Matthias Melchior Aldenhoven]] (1758–1821) die Burganlage für 4.275 Francs bei einer öffentlichen Versteigerung. Der damalige Kaufvertrag beschrieb das inmitten der Stadtbefestigung gelegene Schlossareal als Wohngebäude mit fünf Räumen im Erdgeschoss und einem Keller, im ersten Stock sechs Räume, Kornspeicher, Pferdeställen, Hühnerstall, Schweineställen, Remisen, zwei Höfen – darunter einem mit den sichtbaren Überresten der mittelalterlichen Kernburg – sowie einem kleinen Obstgarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitgleich erwarb Aldenhoven auch den ehemals der [[Abtei Brauweiler]] gehörigen [[Zehnthof]], womit die lange Epoche der landwirtschaftlichen Nutzung der Burg als privater Gutshof begann und sich die Familie eine bedeutende wirtschaftliche Vormachtstellung im Ort sicherte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Landwirtschaftliche Nutzung und Gutsbetrieb ===&lt;br /&gt;
Unter der Ägide der [[Aldenhoven (Familie)|Familie Aldenhoven]] wurde das einstige militärische Bollwerk umfassend umgestaltet und in einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb umgewandelt. Nach dem Tod des Vaters übernahm dessen Sohn, der liberale Abgeordnete [[Franz Aldenhoven]] (1803–1872), den Betrieb und baute ihn zu einem weithin bekannten Mustergut aus. Ab dem Jahr 1837 experimentierte Franz Aldenhoven als einer der Pioniere im Rheinland mit dem Zuckerrübenanbau und richtete auf dem Schlossgelände eine [[Zuckerfabriken|Rübenzucker- und Rübenkrautproduktion]] im landwirtschaftlichen Nebenbetrieb ein. Die Verarbeitung zu Rübenzucker wurde jedoch wegen mangelnder Rentabilität im Jahr 1844 wieder eingestellt, während die Rüberkrautfabrikation noch bis 1906 fortbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1875 verkaufte die Familie Aldenhoven die ehemalige Landesburg mitsamt den zugehörigen, rund 190 Hektar umfassenden Ländereien, Gärten und Wäldern an den [[Diergardt|Freiherrn von Diergardt]]. Während Franz’ Sohn [[August Aldenhoven]] den Betrieb zunächst noch als Pächter weiterführte, wurde das Schlossgut nach dessen Tod im Jahr 1899 an die [[Meller (Familie)|Pächterfamilie Meller]] übergeben. [[Heinrich Meller]] und seine Familie bezogen das im Bereich der Vorburg liegende Herrenhaus (das heutige [[Kreismuseum]]) als Wohnsitz. Unter seinem Sohn [[Wilhelm Meller]] entwickelte sich das Gut zu einem der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Region, der in Spitzenzeiten während der Ernte bis zu 50 Arbeitskräfte beschäftigte und für seine erfolgreiche Kaltblutpferdezucht bekannt war. Nach Wilhelms Tod im Jahr 1951 übernahm Hans-Heinrich Meller die Führung und leitete die tiefgreifende Modernisierung und den Übergang zum Traktorenbetrieb ein. Im Jahr 1962 erwarb die Stadt Zons das Schlossgelände von der Familie von Diergardt, woraufhin die Familie Meller im Jahr 1964 den traditionsreichen Betrieb auf den neu errichteten [[Diergardthof]] vor den Toren der Stadt verlagerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erhaltungsbemühungen um 1900 ===&lt;br /&gt;
Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung und die jahrzehntelange Vernachlässigung der wehrhaften Strukturen befand sich die historische Bausubstanz am Ende des 19. Jahrhunderts in einem besorgniserregenden, stark verfallenen Zustand. Den entscheidenden Impuls für die Rettung der Feste gab der 1893 berufene erste Landeskonservator der Rheinprovinz, [[Paul Clemen|Professor Dr. Paul Clemen]]. Nach einer Besichtigung adelte er Zons 1895 in einer vielbeachteten Publikation als &amp;quot;rheinisches Rothenburg&amp;quot; und forderte nachdrücklich den dauerhaften Erhalt dieses unschätzbaren Denkmals. Clemen gelang es, erhebliche staatliche, provinzielle und kreisbezogene Finanzmittel für die Rettung der Stadtbefestigung zu mobilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seiner fachlichen Aufsicht und der tatkräftigen Initiative des Zonser [[Bürgermeister]]s [[Claus Kohl]] begannen ab dem Herbst 1901 die ersten großangelegten Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten an den verwitterten Mauern und Türmen. Im Zuge dieser umfassenden Erneuerungen wurde auch die Bebauung des Schlossgeländes nachhaltig verändert: Im Jahr 1904 ließ der Gutsbetrieb im westlichen Burgbereich eine große neue Scheune errichten, welche die Fundamente des mittelalterlichen Westflügels und des alten Kirchturms überlagerte. Während diese landwirtschaftlichen Zweckbauten das Areal bis zur Übergabe an die Stadt prägten, bildete die durch [[Paul Clemen]] initiierte Rettungskampagne den Grundstein für die heutige Erhaltung der gesamten Burganlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entwicklung zum Kreiskulturzentrum (seit 1962) ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1962 erwarb die Stadt Zons das ehemalige Schlossgelände Friedestrom von der Familie von Diergardt, nachdem der dort seit Beginn des 19. Jahrhunderts über 150 Jahre lang betriebene landwirtschaftliche Gutsbetrieb ausgelagert worden war. Das geschichtsträchtige Areal wurde daraufhin im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags an den damaligen Kreis Grevenbroich (heute Rhein-Kreis Neuss) übertragen, welcher in der Folgezeit eine systematische Restaurierung und den schrittweisen Ausbau zum Kreiskulturzentrum betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erster Meilenstein dieser kulturellen Neuausrichtung wurde am 24. Mai 1972 das [[Kreismuseum|KreisMuseum Zons]] im gründlich restaurierten [[Herrenhaus]] der ehemaligen Vorburg feierlich eröffnet. Unter der jahrzehntelangen Leitung von [[Helene Blum-Spicker]] entwickelte sich das Museum durch wechselnde Ausstellungen zur Kunst und Kulturgeschichte sowie durch die Etablierung bedeutender Spezialsammlungen – wie der europaweit einzigartigen Jugendstil-Zinnsammlung – rasch zu einem weit überregionalen Anziehungspunkt. Die bauliche und funktionale Erweiterung der Anlage setzte sich in den Folgejahren kontinuierlich fort: Im Jahr 1990 bezogen schließlich das [[Kreisarchiv]] sowie das [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationale Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;]] neue Räumlichkeiten im wiederaufgebauten und modern ergänzten Hochschlossbereich. Während das Kreisarchiv als Gedächtnis der Region fungiert, widmet sich das nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Soumagne Norfer Mundartdichter Ludwig Soumagne (1927–2003)] benannte Mundartarchiv der wissenschaftlichen Dokumentation und Pflege deutschsprachiger Dialektliteratur. Ergänzt wird dieses Ensemble durch eine zentrale Veranstaltungshalle im ehemaligen Nordflügel der Kernburg. Das [[Kreisarchiv]], heute Archiv im Rhein-Kreis Neuss, bezog 2022 einen Neubau an der [[Schloßstraße]] neben dem [[Juddeturm]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfassenden Sanierung der Anlage ging eine intensive wissenschaftliche Erforschung des Areals voraus. In drei großen Grabungskampagnen des [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Amt_f%C3%BCr_Bodendenkmalpflege_im_Rheinland Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege] – durchgeführt in den Jahren 1980/81, 1986/87 sowie 1988 unter der Leitung der Archäologen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_M%C3%BCller_(Arch%C3%A4ologe) Dr. Gustav Müller (1921–1988)], [https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Kunow Dr. Jürgen Kunow (* 1953)] und Dr. Jeanne-Nora Andrikopoulou-Strack – wurde der Schlossinnenhof systematisch untersucht. Diese Forschungen brachten bahnbrechende Ergebnisse zur bis dahin weitgehend unbekannten Frühgeschichte des Platzes zutage: Neben dem fränkischen Waffendepot des 7. Jahrhunderts wurden die Fundamente der insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Kirchen und ein weitläufiges Gräberfeld mit Skelettresten von über 200 Individuen freigelegt. Die mühsame, zehnjährige wissenschaftliche Auswertung von rund 70.000 Keramikscherben durch die [[Marion Roehmer|Archäologin Dr. Marion Roehmer]] ermöglichte eine präzise zeitliche Einordnung der einzelnen Bauphasen und legte die Grundlagen für das heutige Verständnis der Zonser Bau- und Kirchengeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Architektur und Baubeschreibung ==&lt;br /&gt;
=== Die Hauptburg (Hochschloss) ===&lt;br /&gt;
Den baulichen Kern der Anlage Friedestrom bildet das dreiflügelige Hochschloss in der südöstlichen Ecke des Burgareals, welches einen gepflasterten Innenhof umschließt. Im Pflaster dieses Innenhofs machen farbige Pflasterungen die Grundrisse der bei Ausgrabungen in den 1980er Jahren entdeckten romanischen Vorgängerkirchen sichtbar – eine rötliche Pflasterung markiert eine kleine Saalkirche um das Jahr 1000, während graue Pflastersteine eine spätere, um 1200 errichtete dreischiffige Steinkirche kennzeichnen. Beherrscht wird die Kernburg von dem massiven, viergeschossigen [[Torturm]] an der Westseite, der sich über einer quadratischen Grundfläche mit einer Seitenlänge von rund 8,40 bis 8,50 Metern erhebt. Seine unteren Partien bestehen aus schwerem Säulenbasalt, der mittlere Teil des bis zu 1,70 Meter starken Wehrmauerwerks ist aus Tuff gefügt, und das Obergeschoss besteht aus Ziegelmauerwerk. An der feldseitigen Außenfront zeigt der Turm das spitzbogige Tor, umrahmt von der Blendnische der einstigen Zugbrücke samt den noch sichtbaren Kettenlöchern im Trachytmauerwerk. Über der tonnenüberwölbten Durchfahrt befinden sich zwei übereinanderliegende Wachtkammern mit Kaminresten, während das oberste Stockwerk aus einem vorkragenden Wehrgang mit kleinen achtseitigen Eckwarten besteht, der auf einem umlaufenden spätgotischen Spitzbogenfries aus Tuff mit Gussöffnungen an der Außenseite ruht. Vom Torturm aus erstreckte sich an der Westseite der innere Palas (Wohnpalas) des Erzbischofs mit einer ursprünglichen Länge von knapp 18 Metern und einer Tiefe von 6 Metern. Dieser Hauptwohnbau wurde jedoch während der hessischen Belagerungen im Dreißigjährigen Krieg (1646) durch Geschütze so schwer beschädigt, dass er verfiel und zur Ruine wurde. An seiner Stelle wurde im Jahr 1990 ein moderner Bau in zeitgenössischer Formensprache über den freigelegten mittelalterlichen Fundamenten errichtet. Der weitgehend im spätmittelalterlichen Bestand erhaltene Südflügel der Hauptburg beherbergt heute unter anderem Atelierräume, während der nördliche, am besten erhaltene Flügel über einem spätmittelalterlichen Gewölbekeller eine durchgehende, heute für kulturelle Veranstaltungen genutzte Halle besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Vorburg ===&lt;br /&gt;
Die Kernburg wird im Norden und Westen von einem hakenförmigen, ca. 11.000 Quadratmeter großen Vorburgbereich umschlossen, der sich wie ein Schutzring zwischen die Hauptburg und die eigentliche Bürgerstadt legt. Da die Kernburg infolge der Kriegszerstörungen des 17. Jahrhunderts unbewohnbar geworden war, verlegte der kurkölnische Amtmann seinen Wohn- und Amtssitz in das an der nördlichen Vorburgmauer 1658/59 auf dem Standort eines Vorgängergebäudes errichtete [[Herrenhaus]]. Dieses Gebäude präsentiert sich als ein langgestreckter, zweigeschossiger und neunachsiger Bau mit einem Satteldach, gelbem Putz und rot-weißen Fensterläden. In seinem historischen Gewölbekeller haben sich zwei gemauerte Hausbrunnen erhalten. Westlich schließt sich an das Herrenhaus der ehemalige Pferdestall (Marstall) an, bei dem es sich weitgehend um einen Backstein-Neubau aus dem Jahr 1974 handelt, sowie eine moderne Glashalle aus dem Jahr 1994. Der stadtseitige Zugang zur Vorburg erfolgte historisch durch ein heute vermauertes Tor in der Nähe des [[Juddeturm]]s. An der Nahtstelle von West- und Nordmauer der Vorburg erhebt sich als markanter stadtseitiger Eckpfeiler der schlanke, ca. 35,95 Meter hohe [[Juddeturm]]. Der Rundturm besitzt im Erdgeschoss eine enorme Wandstärke von 2,10 bis 2,50 Metern, die nach oben hin abnimmt, und weist bis zum Wehrgang einen wehrhaften Verbund aus Basaltquadern und Backsteinschichten auf. Eine barocke, geschweifte Schieferhaube mit einer achtseitigen Laterne krönt das Gebäude seit der Zeit um 1600 und ersetzte ein stumpfes Kegeldach. Im Inneren des Turms befindet sich im Erdgeschoss ein achteckiges, gewölbtes Gefängnis, von dem aus Gefangene durch eine Bodenluke in ein bis zu 7 bis 11 Meter tiefes, fensterloses Verlies hinabgelassen werden konnten. Die darüber liegenden, zu Wohnzwecken genutzten Obergeschosse weisen Kamine auf und sind über eine enge Wendeltreppe in einem fünfseitigen Treppentürmchen auf der Ostseite erschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Befestigungselemente ===&lt;br /&gt;
Zum Schutz gegen Angriffe war die Kernburg von der Vorburg durch eine gewaltige, heute trockengelegte Grabenanlage von 14 Metern Breite und ca. 6,5 Metern Tiefe abgeriegelt. Während die äußere Grabenmauer ausschließlich aus Basalt besteht, ist die innere Grabenfangmauer der Kernburg repräsentativ aus 18 Lagen Trachytquadern aufgemauert. Ein weiteres wesentliches Wehrelement ist der im Mittel 28 Meter breite Zwinger, der der gesamten Südseite der Stadt- und Burganlage vorgelagert ist. Dieser Zwinger, in den ehemals der ca. 12 bis 15 Meter breite, wasserführende Stadtgraben integriert war, bot eine zusätzliche wehrhafte Barriere und umschließt heute im östlichen Teil die seit 1935 etablierte Zonser [[Freilichtbühne]]. An der südöstlichen Ecke des Zwingers steht der markante, zweigeschossige [[Eisbrecher]]-Turm. Dieser als wehrhafter Dreiviertelturm aus Basalt errichtete Eckturm besitzt an seinem Trachytsockel deutliche waagerechte Einkerbungen. Diese Rillen entstanden im Laufe der Jahrhunderte durch die Treidelseile, mit denen herannahende Schiffe um die Ecke in den ehemals südlich des [[Zwinger]]s gelegenen Schloss- und Zollhafen gezogen wurden. Zugleich diente das massiv gefügte Bauwerk als Eisbrecher, um die weniger widerstandsfähigen Stadt- und Burgmauern vor den im Winter rheinabwärts treibenden Eisschollen zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg Friedestrom in Zons. Archäologische Untersuchungen in einer mittelalterlichen Festung&#039;&#039;, in: Fund und Deutung – Neuere archäologische Forschungen im Kreis Neuss (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes, Nr. 5), Neuss 1994, S. 100–107.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Die Kirchenbauten im Bereich der späteren Zollfestung Burg Friedestrom&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993 (1994), S. 149–151.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg Friedestrom in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung&#039;&#039;. Mit Beitr. v. Barbara Hollack, Manfred Kunter und Frank Siegmund (= Rheinische Ausgrabungen, Bd. 42), Köln 1998.&lt;br /&gt;
* Schneider, Peter Conrad: &#039;&#039;Zahn- und Kieferbefunde an menschlichen Skelettresten aus der mittelalterlichen Burg Friedestrom in Dormagen-Zons (Kreis Neuss)&#039;&#039;. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Zahnheilkunde des Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Gießen 1994.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 70–123.&lt;br /&gt;
* Andrikopoulou-Strack, Nora/ Kunow, Jürgen/ Lichtenthal, Leo/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Archäologische Untersuchungen im Burggelände Friedestrom in Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 135–138.&lt;br /&gt;
* Kunow, Jürgen/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Die Kirchengrabung in Zons. Dokumentation&#039;&#039;, Dormagen 1982.&lt;br /&gt;
* Knörzer, Karl-Heinz: &#039;&#039;Pflanzenfunde in einer spätmittelalterlichen Latrine in Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 138–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kultur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmalpflege]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Schloss Friedestrom</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das &#039;&#039;&#039;Schloss Friedestrom&#039;&#039;&#039; ist eine ehemalige kurkölnische Landesburg und Zollfeste in der Südostecke der Altstadt von Zons. Sie wurde ab 1373 von [[Friedrich von Saarwerden|Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] errichtet, nachdem dieser 1372 den erzstiftischen [[Rheinzoll]] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons verlegt hatte, und ersetzte ein 1288 nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Worringen Schlacht bei Worringen] geschleiftes Vorgängercastrum. Von 1463 bis zur Säkularisation 1802 war sie als Pfand an das Kölner [[Domkapitel]] verschrieben und bildete den Verwaltungssitz des [[Amt Zons|Amtes Zons]]. Sie überstand mehrere Belagerungen, wurde jedoch 1646 im [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] durch hessische Truppen schwer beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Säkularisation diente die Burg von 1803 bis 1962 als privater landwirtschaftlicher Gutshof (Familien [[Aldenhoven (Familie)|Aldenhoven]], [[Diergardt]], [[Meller (Familie)|Meller]]), bevor sie in den Besitz der Stadt Zons überging und zum [[Kreiskulturzentrum]] ausgebaut wurde. Seit 1972 beherbergt sie das [[Kreismuseum|KreisMuseum Zons]], seit 1990 zudem das [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationale Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;]]. Archäologische Grabungen in den 1980er Jahren legten im Burghof die Fundamente von fünf aufeinanderfolgenden Kirchenbauten sowie ein Gräberfeld mit über 200 Bestattungen frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Lage und historische Bedeutung&lt;br /&gt;
Die Burg Friedestrom liegt in der Südostecke der mauerumwehrten Altstadt von Zons. Als ehemalige kurkölnische Landesburg und strategisch bedeutende Zollfeste repräsentiert die Anlage eines der wichtigsten historischen Zentren im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Kreis_Neuss Rhein-Kreis Neuss]. Ihre Errichtung steht in direktem Zusammenhang mit der folgenschweren Verlegung des erzbischöflichen [[Rheinzoll]]s von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons im Jahr 1372. Um diese äußerst einträgliche Geldquelle des Erzstifts militärisch zu sichern und gleichzeitig einen wirksamen Riegel gegen die expansionsbestrebten [https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_J%C3%BClich Herzöge von Jülich] vorzuschieben, ließ der [[Friedrich von Saarwerden|Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] ab 1373 die wehrhafte Burganlage und die planmäßige, rechtwinklige Stadtbefestigung errichten. Die Burg bildete fortan den administrativen Kern der Festung, den Sitz des [[Schultheißen]] sowie den Mittelpunkt des neu geschaffenen [[Amt Zons|Amtes Zons]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Namensgebung und Ursprung ===&lt;br /&gt;
Der Name &amp;quot;Friedestrom&amp;quot; (historisch auch &#039;&#039;Vredestrom&#039;&#039; oder &#039;&#039;Fredestroym&#039;&#039; genannt) ist eine bewusste und kunstvolle Wortschöpfung des Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Der Name verbindet harmonisch die Bestandteile seines eigenen Vornamens &amp;quot;Friedrich&amp;quot; und das Wort &amp;quot;(Rhein-)Strom&amp;quot;. Zugleich schwingt in dieser Bezeichnung die programmatische Bedeutung &amp;quot;Friede am Strom&amp;quot; beziehungsweise &amp;quot;Friede dem Strom&amp;quot; mit. Obwohl der ambitionierte Landesherr nach der Stadterhebung im Jahr 1373 versuchte, diesen repräsentativen Namen auf die gesamte neu gegründete Siedlung zu übertragen, konnte sich die Bezeichnung auf Dauer nicht gegen den historisch verwurzelten Namen Zons durchsetzen und blieb letztlich auf das eigentliche Burgareal beschränkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Namensdebatte: &amp;quot;Burg&amp;quot; versus &amp;quot;Schloss&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Um die korrekte Bezeichnung der Anlage gab es in Zons in den Jahren um 1990 eine mitunter leidenschaftlich geführte Debatte zwischen der wissenschaftlich-behördlichen Sichtweise und der lokalen Tradition. Die offizielle Sprachregelung des Rhein-Kreises Neuss und moderner Historiker favorisiert strikt den Begriff &amp;quot;Burg&amp;quot; (bzw. Landesburg oder Zollburg), da dieser den primär wehrhaften, fortifikatorischen Charakter sowie die mittelalterliche Verteidigungsfunktion der Anlage zur Sicherung des Rheinzolls zutreffend unterstreicht. Demgegenüber ist im Zonser Volksmund und in der bürgerschaftlichen Tradition die Bezeichnung &amp;quot;Schloss&amp;quot; tief verankert, was sich nicht zuletzt in lokalen Straßennamen wie der [[Schloßstraße]] oder dem [[Schloßplatz]] widerspiegelt. Diese Sichtweise betont die historische Bedeutung der Anlage als zeitweilige repräsentative Residenz der Kölner Erzbischöfe. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive sind jedoch beide Begriffe legitim, da sie bereits seit dem Spätmittelalter parallel und synonym verwendet wurden. Während [[Friedrich von Saarwerden]] selbst in einer Belehnungsurkunde von 1381 von &amp;quot;unser burg&amp;quot; schrieb, bezeichnete eine Chronik den markanten [[Juddeturm]] bereits im Jahr 1469 als Zufluchtsort für &amp;quot;statt und schloß&amp;quot;, und auch spätere Landesherren sowie der [[Johann Peter Delhoven|Dormagener Chronist Delhoven]] nutzten im 17. und 18. Jahrhundert ganz selbstverständlich das Wort &amp;quot;Schloss&amp;quot;. Als pragmatischen Kompromiss führt die Kreisverwaltung die Anlage heute offiziell unter dem neutralen Namen &amp;quot;Kulturzentrum des Rhein-Kreises Neuss in Zons&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorgeschichte und frühe Besiedlung (8. Jahrhundert – 1288) ==&lt;br /&gt;
=== Archäologische Befunde im Schlosshof ===&lt;br /&gt;
Die Ursprünge einer kontinuierlichen Besiedlung und sakralen Nutzung des heutigen Schlossgeländes reichen weit vor die eigentliche Stadtgründung zurück. Durch systematische archäologische Ausgrabungen im inneren Burghof in den 1980er Jahren konnten die Fundamente von insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Kirchenbauten freigelegt werden. Den Beginn dieser Kette bildet eine kleine, pfostenbasierte Holzkirche aus dem späten 8. Jahrhundert mit einer Länge von etwa 6,3 Metern und einer Breite von 4,7 Metern im Innenmaß. Ein bemerkenswerter Befund im Inneren dieser ersten Holzkapelle war ein unter dem Altar deponiertes Waffendepot aus dem 7. Jahrhundert, bestehend aus einem fränkischen Schwert, einem Sax und einer Gürtelgarnitur. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um aus einem älteren fränkischen Grab entnommene Objekte handelt, die möglicherweise als Martinus-Reliquien (dem Kirchenpatron) niedergelegt wurden, um die Bedeutung der Eigenkirche zu heben. Nach der Zerstörung dieser Holzkirche durch einen Brand zu Beginn des 10. Jahrhunderts entstand an gleicher Stelle eine kurzlebige Schwellbalkenkirche. Noch in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde diese durch eine steinerne Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor ersetzt, die im Innenraum nachweislich farbig ausgemalt war. Um 1200 wurde dieses Gebäude ebenfalls durch ein Feuer zerstört, woraufhin eine deutlich größere, dreischiffige spätromanische Basilika mit einem im frühen 14. Jahrhundert angefügten Westturm errichtet wurde. Diese letzte Steinkirche wurde schließlich zwischen 1373 und 1408 sorgfältig abgetragen, um Platz für den Bau der erzbischöflichen Zollburg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die systematischen archäologischen Grabungen der 1980er Jahre im Innenhof der Burg erbrachten eine Vielzahl menschlicher Skelettreste aus den ehemaligen Kirchbaufriedhöfen, die insgesamt 261 Individuen zugeordnet werden konnten. In ihrer anthropologischen Auswertung teilten Barbara Hollack und [https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Kunter Manfred Kunter (1940–2025)] das Fundgut in zwei chronologische Belegungsphasen: die Saalkirchenperiode (9. bis 13. Jahrhundert) und die spätromanische Kirchenperiode (13. bis 14. Jahrhundert). Trotz eines deutlichen Männerüberschusses (85 Männer gegenüber 57 Frauen) wiesen die Skelette Merkmale einer sozial herausgehobenen, wirtschaftlich privilegierten Oberschicht auf – vermutlich der Bewohner des erzbischöflichen Fronhofs. Die Bestatteten zeigten eine beachtliche durchschnittliche Körpergröße von ca. 1,71 Metern bei Männern und 1,61 Metern bei Frauen, eine grazile Konstitution sowie ein für das Mittelalter ungewöhnlich hohes Sterbealter – die Hälfte der Männer überlebte das 60. Lebensjahr. Schwere, arbeitsbedingte Skelettdeformationen oder Knochenbrüche waren selten, und Anzeichen von tödlicher Gewaltanwendung fehlten fast völlig. Zudem konnten eng begrenzte Familienbestattungen nachgewiesen werden, die durch seltene, vererbbare Skelettmerkmale wie das Os lambdae eine generationenübergreifende biologische Kontinuität und eine direkte Abstammung von frühmittelalterlichen fränkischen Gruppen nahelegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzt und vertieft wurden diese Befunde durch die zahnmedizinische Dissertation von Peter Conrad Schneider (1994), der die Zähne und Kiefer der Zonser Skelettserie detailliert untersuchte. Schneider stellte fest, dass sich die Lebensweise, Ernährungsart und Nahrungszubereitung über den gesamten Zeitraum vom 8. bis zum 14. Jahrhundert hinweg kaum verändert hatten. Rund 20 Prozent der untersuchten Individuen besaßen ein vollständig kariesfreies Gebiss. Die Kariesfrequenz der Gesamtpopulation lag bei 80 Prozent, wobei der Anteil erkrankter Zähne in der jüngeren Phase (Gruppe 2: 19,4 Prozent) höher ausfiel als in der älteren Phase (Gruppe 1: 11,3 Prozent), was primär auf die unterschiedliche Altersstruktur der Gruppe zurückzuführen sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für die Zonser Population war ein starker, mit dem Alter zunehmender Abrieb der Kauflächen. Dieser entstand vermutlich durch faserreiche Nahrung oder Verunreinigungen im Essen (etwa Mühlsteinabrieb im Mehl). Dieser starke Abrieb hatte zwei Seiten: Einerseits schliff er die anfälligen Vertiefungen der Kauflächen ab und wirkte so wie ein natürlicher Schutz vor Karies auf der Beißfläche; andererseits führte er im höheren Alter dazu, dass das Zahninnere freigelegt wurde, was oft zu Entzündungen an den Zahnwurzeln führte. Weil die Kauflächen durch den Abrieb tiefer lagen, traten Karieslöcher vor allem in den Zahnzwischenräumen auf. Begünstigt wurde dies durch einen altersbedingten Rückgang des Kieferknochens und des Zahnfleischs, der an fast 80 Prozent der untersuchten Zahnfächer nachgewiesen werden konnte. Bestimmte angeborene Zahnmerkmale – wie kleine zusätzliche Grübchen oder Höcker auf den Backen- und Schneidezähnen – stützten zudem die Annahme einer genetisch homogenen und eng verwandten Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein spektakulärer archäologischer Befund im westlichen Hauptburgbereich war die Entdeckung einer monumentalen, kreisrunden Latrinenanlage aus der frühen Festungszeit. Diese wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts zeitgleich mit dem Wohnpalas (Westflügel) errichtet, indem man das ältere quadratische Schatz- beziehungsweise Zollhaus der Gründungsphase zu einer rund gemauerten, etwa 6 Meter tiefen Fäkaliengrube umfunktionierte. Die Latrine besaß ursprünglich einen Auslass in den westlichen Zwingergraben, wurde jedoch um die Mitte des 16. Jahrhunderts aufgegeben und durch einen hölzernen Abtritterker ersetzt, als der Bereich durch eine Trennmauer östlich davon überbaut wurde. Die naturwissenschaftliche Untersuchung der Latrinenfüllung durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kn%C3%B6rzer Botaniker Dr. Karl-Heinz Knörzer (1920–2009)] lieferte anhand zahlreicher pflanzlicher Großreste (darunter Feigen und andere importierte Früchte) faszinierende Einblicke in den herrschaftlichen Speiseplan und die anspruchsvolle Tafelkultur des erzbischöflichen Hofes. Beim Neubau des Westtraktes im Jahr 1990, der heute das Internationale Mundartarchiv beherbergt, wurde die historische Latrinenanlage denkmalgerecht saniert und im Originalzustand in den Keller integriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der erzbischöfliche Fronhof ===&lt;br /&gt;
Die Existenz dieser wiederholt erneuerten und erweiterten Kirchenbauten lässt sich nur dadurch erklären, dass das Areal der späteren Burg Friedestrom die Keimzelle des erzbischöflichen Besitzes in Zons bildete. Es handelte sich dabei um den herrschaftlichen [[Fronhof]] (Herrenhof) des Kölner Erzbischofs, der in den schriftlichen Quellen mindestens seit dem 11. Jahrhundert sicher belegt ist. Das sogenannte Testament des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunibert_von_K%C3%B6ln Kölner Bischofs Kunibert], welches in einer Fassung aus dem späten 11. Jahrhundert überliefert ist, bezeugt bereits für diese frühe Zeit eine dem Hof zugehörige erzbischöfliche Fischerei, aus der jährlich 13 Lachse für die Armenpflege der Kölner Lupusbruderschaft geliefert werden mussten. Im Jahre 1057 überließ [https://de.wikipedia.org/wiki/Anno_II. Erzbischof Anno II.] die &amp;quot;villa dominicatus nostri Zuonozo&amp;quot;, also dieses bedeutende Herrengut, der polnischen Königin Richeza auf Lebenszeit. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts (um 1164) entwickelte sich der Zonser Hof zu einem der zwölf erzbischöflichen Tafelgüter, die direkt der Versorgung der erzbischöflichen Hofhaltung mit Lebensmitteln, wie etwa den begehrten Rheinfischen, dienten. Dem Hof stand ein [[Schultheiß]] vor, dessen Hofesgericht als Ausgangspunkt für die spätere Gerichtsbarkeit und das Landgericht in Zons fungierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das &amp;quot;Castrum Zunce&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Die fortschreitenden territorialen Auseinandersetzungen im 13. Jahrhundert zwischen den Kölner Erzbischöfen und den nach Unabhängigkeit strebenden rheinischen Dynastien sowie den [https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_J%C3%BClich Grafen von Jülich], welche die Vogteirechte in Zons beanspruchten, zwangen die Erzbischöfe zur militärischen Sicherung ihrer Rechte. Vermutlich unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_von_Hochstaden Erzbischof Konrad von Hochstaden] erfolgte um die Mitte des 13. Jahrhunderts der wehrhafte Ausbau des [[Fronhof]]es zu einer ersten Burg, dem &amp;quot;Castrum Zunce&amp;quot;. Da von dieser ersten Befestigung bislang keine eindeutigen baulichen Überreste archäologisch nachgewiesen werden konnten, ist davon auszugehen, dass es sich um eine im Vergleich zur späteren Festung bescheidenere Anlage, möglicherweise eine verstärkte Umwehrung des Hofareals, handelte. Dieses erste Castrum wurde jedoch bald Opfer der großen Machtkämpfe im Rheinland: Nach der verheerenden Niederlage des [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_von_Westerburg Erzbischofs Siegfried von Westerburg] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Worringen Schlacht bei Worringen] im Juni 1288 nutzten die siegreichen Kölner Bürger die Gunst der Stunde. Sie schleiften die verhasste Zwingfeste in Zons vollständig, machten sie dem Erdboden gleich und transportierten die Steine nach Köln, um sie dort zur Verstärkung ihrer eigenen Stadtmauer zu verbauen. Zudem musste sich der geschlagene Erzbischof vertraglich dazu verpflichten, linksrheinisch im weiten Umkreis von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] keine neuen Befestigungen mehr zu errichten. Erst fast ein Jahrhundert später sollte dieser herbe Rückschlag durch die großangelegte Neuplanung [[Friedrich von Saarwerden|Friedrichs von Saarwerden]] überwunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Neugründung unter Friedrich von Saarwerden (1372–1414) ==&lt;br /&gt;
=== Zollverlegung und Baubeginn (1372) ===&lt;br /&gt;
Die tiefgreifende Umgestaltung von Zons von einem ehemals landwirtschaftlich geprägten [[Fronhof]] zu einer wehrhaften Festungs- und Zollstadt wurde durch einen einschneidenden finanz- und territorialpolitischen Akt initiiert: Im August 1372 verlegte der junge [[Friedrich von Saarwerden|Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] den erzstiftischen [[Rheinzoll]] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] stromaufwärts nach Zons. Dieser Verlegung gingen langjährige machtpolitische Spannungen mit der nach Unabhängigkeit strebenden Neusser Bürgerschaft voraus, welche die erzbischöfliche Gerichtsherrschaft bestritt und die Zollerhebung zunehmend blockierte. Zudem hatte sich das Bett des Rheins im Laufe der Zeit von der Neusser Stadtmauer entfernt, was das Anlanden der Schiffe erheblich erschwerte. Als herber Reizpunkt kam hinzu, dass die Neusser ein städtisches &amp;quot;Bestättergeld&amp;quot; auf den Warentransport erhoben, was der Erzbischof als illegalen Eingriff in seine herrschaftlichen Zollrechte ansah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Rhein just in dieser Epoche seinen Lauf veränderte und sich bei Zons ein gerades, stabiles Bett suchte, bot das dortige Ufer einen idealen, hochwassersicheren Sporn mit tragfähigem Kiesuntergrund für eine neue Zollstelle. Um Platz für den Bau der geplanten Wehranlage zu schaffen, wurde noch im Jahr 1372 die alte, dem hl. Martin geweihte spätromanische Kirche auf dem Gelände des bischöflichen Fronhofs bis auf ihren Westturm sorgfältig abgetragen. Die Steinquader des Sakralbaus wurden beim Bau der Festung als Spolien wiederverwendet. Auf dem einplanierten ehemaligen Friedhof wurde im Herbst 1372 zunächst ein provisorisches Holzhaus mit einem Estrich aus Kalkmörtel auf Schwellbalken als erste Bauhütte und sichere Sammelstelle für die Zollgelder errichtet. Sehr kurz darauf entstand nördlich davon ein festes Steinhaus auf einem Basaltfundament mit Schieferdach, das als neue, winterfeste Bauhütte und Werkstatt diente, in der Steinmetze Trachytblöcke für architektonische Details zurichteten, wie dichte Lagen von Trachytkleinschlag im Boden belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bauphasen der Festung (1372–1377) ===&lt;br /&gt;
Die architektonische Konzeption der Zonser Wehranlagen folgte dem bewährten kurkölnischen Schema einer befestigten Stadt, in deren Ecke die landesherrliche Kernburg als stark gesicherte Zitadelle integriert und durch eine eigene innere Wehrmauer sowie einen Graben von der Bürgerstadt getrennt war. Der eigentliche Burgbau vollzog sich ab 1373 in mehreren, rasch aufeinanderfolgenden Schritten. Zunächst wurde der erhaltene romanische Kirchturm durch den Anbau eines neuen Ostabschlusses zu einem Wohn- und Wehrturm umgerüstet. Zeitgleich wurden die innere Wehrmauer errichtet und das Hochschloss (Kernburg) durch einen massiven, dreigeschossigen [[Torturm]] aus Basalt, Tuff und Trachytquadern mit einer gewölbten Durchfahrt über einer quadratischen Grundfläche von etwa 10 Metern Seitenlänge gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer unmittelbar anschließenden zweiten Burgbauphase wurde die Anlage fortifikatorisch massiv verstärkt und modernisiert. Dem [[Torturm]] wurde eine äußere Wehrmauer vorgelegt, für die der Turm selbst nach Norden um 0,95 Meter erweitert wurde. Die südliche Wehrmauer wurde im Fundamentbereich zu einem 3,80 Meter starken Bollwerk ausgebaut, auf dessen Krone ein breiter Wehrgang verlief. Dieser war über einen Treppenturm an der Westseite mit einer sorgfältig ausgeführten Wendeltreppe aus Trachytblöcken zugänglich. Als innovatives und wehrhaftes Element wurde ein runder Verteidigungsturm (der Südturm, im Volksmund auch &amp;quot;stumpe Toon&amp;quot; genannt) in die äußere Wehrmauer integriert. Um die Kernburg zog sich zur Vorburg hin ein tiefer, beiderseits ausgemauerter Burggraben. Im Burghof entstanden der Nordflügel sowie der repräsentative Westflügel, der als eigentlicher Wohnpalas (Hofhaltung) des Erzbischofs diente und mit Kaminanlagen, glasierten Kachelöfen und einer Latrine im Kellerbereich komfortabel ausgestattet war. Mit dem Abschluss dieser Arbeiten im Jahr 1377 war die Kernburg vollständig wehrfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Integration in die Stadt (bis 1388) ===&lt;br /&gt;
Parallel zum Festungsbau wurde ab 1373 das Stadtgebiet nördlich der Burg nach einem regelmäßigen, schachbrettartigen Straßenraster mit einem konsequenten Parzellensystem angelegt. Am 20. Dezember 1373 stellte [[Friedrich von Saarwerden|Erzbischof Friedrich III.]] auf der Burg die [[Stadtrecht|Stadterhebungsurkunde]] aus, die den Bürgern die weitreichenden Rechte und Privilegien der [https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChl_(Rheinland) Stadt Brühl] gewahrte. Die Stadtfläche (ca. 250 m x 310 m) wurde von einer rund 1100 Meter langen, basaltverstärkten Stadtmauer umschlossen, in welche die Burg in der Südostecke als integraler Eckpfeiler der Gesamtbefestigung einbezogen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bau der Stadtmauer spiegelte das Baumaterial den technologischen und ökonomischen Wandel der Epoche wider: Während anfangs nach Kölner Vorbild schwerer Säulenbasalt, Tuffeinschübe und Trachytquader für repräsentative Kanten dominierten, wurde im weiteren Verlauf zunehmend der pragmatischere und billigere, vor Ort gebrannte Backstein (Feldbrandstein) für das Aufgehende der Mauern eingesetzt, was die Baugeschwindigkeit erheblich steigerte. Als Schlusspunkt und weithin sichtbares Wahrzeichen der Zollfeste wurde im Jahr 1388 an der Nordostecke der Stadt der monumentale, sechsstöckige [[Rheinturm|Peters-, Zoll- oder Rheinturm]] vollendet, der fortan als sichere Hebestelle des Rheinzolls diente. Seine lateinische Bauinschrift an der Südseite nennt stolz das Fertigstellungsjahr und den Erbauer [[Friedrich von Saarwerden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1388) gelang dem Erzbischof ein entscheidender territorialpolitischer Durchbruch: Er bewegte [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_(J%C3%BClich-Geldern) Herzog Wilhelm von Jülich-Geldern] dazu, in einem Tauschgeschäft auf seine historisch verbliebenen Vogteirechte über Zons zu verzichten, wodurch Stadt, Burg und der einträgliche Zoll endgültig und uneingeschränkt der kurkölnischen Landesherrschaft eingegliedert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Residenzfunktion und Hofhaltung ===&lt;br /&gt;
Die neu errichtete Burg Friedestrom diente ihrem Erbauer [[Friedrich von Saarwerden]] als einer seiner bevorzugten zeitweiligen Aufenthaltsorte. Seit seinem ersten dokumentierten Aufenthalt im Juni 1373, während dessen er drei Urkunden in der Burg ausstellte, hielt er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1414 nachweislich über 70 Mal in Zons auf. Die Burg war so ausgestattet, dass sie dem Erzbischof und seinem Gefolge bei seinen Reisen im nördlichen Erzstift eine standesgemäße Unterkunft bot. Auch Friedrichs Neffe und Nachfolger im Amt, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Erzbischof Dietrich von Moers (1414–1463)], nutzte die Feste ausgiebig als Residenz für feierliche Hofhaltungen und verstarb schließlich im Jahr 1463 auf der Burg Friedestrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ära des Domkapitels (1463–1794) ==&lt;br /&gt;
=== Die dauerhafte Verpfändung ===&lt;br /&gt;
Mit dem Tod von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Erzbischof Dietrich von Moers] im Jahre 1463 endete die Phase der direkten landesherrlichen Verwaltung unter erzbischöflicher Aufsicht. Dietrich von Moers, ein Neffe des Stadtgründers, hatte das Erzstift durch seine prunkvolle Hofhaltung und kostspielige Fehden in den finanziellen Ruin getrieben. Da das [[Domkapitel|Kölner Domkapitel]] als größter Gläubiger für die immensen Schulden bürgte, ließ es sich im Jahr 1463 Stadt, Burg und den erträglichen Rheinzoll von Zons dauerhaft als Pfand verschreiben. Da die hohen Schulden der Erzbischöfe in den darauffolgenden Jahrhunderten nie zurückgezahlt werden konnten, verblieb Zons bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 faktisch als eine Unterherrschaft des Domkapitels. Dieses übte fortan die uneingeschränkte Grund-, Pfand- und Gerichtsherrschaft über das kleine [[Amt Zons]] aus, das neben der befestigten Stadt auch das Dorf [[Stürzelberg]], einen Teil von [[Horrem]], den [[Heckhof]] und das rechtsrheinische [[Haus Bürgel]] umfasste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Verwaltungssitz auf der Burg ===&lt;br /&gt;
Unter der Herrschaft des [[Domkapitel]]s entwickelte sich die Burg Friedestrom zum zentralen administrativen und gerichtlichen Mittelpunkt des kleinen Amtes. Da sich die [[Amtmann|Amtmänner]] ab der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht mehr ständig in Zons aufhalten mussten, residierten stattdessen meist vom Amtmann eingesetzte Amtsverwalter auf der Burg, um die kurkölnischen und domkapitularischen Interessen vor Ort zu vertreten. Der Amtmann war für die militärische Sicherung der Feste und das lokale Wehrwesen verantwortlich. Zugleich war die Burg der Sitz des [[Schultheißen]], der das [[Schöffengericht]] leitete, sowie des [[Gerichtsschreiber]]s. Auch der [[Kellner]], dem die Verwaltung und der Empfang der domanialen Einkünfte aus dem Amt oblagen, hatte hier seine Amtsräume. Obwohl die eigentliche Zollerhebung ab 1388 in den nordöstlichen [[Rheinturm]] verlegt worden war, blieb die Burg eng mit dem [[Zöllner]] und den [[Zollschreiber]]n verbunden, die das lukrative Zollwesen organisierten. Auf dem Burgareal wurde zudem regelmäßig das [[Herrengeding]] abgehalten, eine gerichtliche Versammlung aller Bürger zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärische Ereignisse und Bewährungsproben ===&lt;br /&gt;
Ihre strategische Konzeption als uneingeschränkt wehrhafte Festung musste die Anlage in den folgenden Jahrhunderten in mehreren großen kriegerischen Konflikten unter Beweis stellen. Die erste große Bewährungsprobe ergab sich während der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Stiftsfehde Kölner Stiftsfehde] (auch Burgundischer Krieg genannt, 1474–1475), als [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_von_der_Pfalz_(K%C3%B6ln) Erzbischof Ruprecht von der Pfalz] mit Unterstützung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_K%C3%BChne burgundischen Herzogs Karl des Kühnen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Neuss Neuss belagerte], um seine Herrschaftsrechte gewaltsam durchzusetzen. Während des Krieges diente Zons als wichtiger Stützpunkt für die Verteidiger und als Operationsbasis zur Kaperung feindlicher Transportschiffe auf dem Rhein. Im Mai 1475 bezog das kaiserliche Entsatzheer unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._(HRR) Friedrich III.] ein befestigtes Lager vor den Toren der Feste. Der Kaiser selbst nahm für 14 Tage Quartier auf Burg Friedestrom, um von dort aus die entscheidenden Verhandlungen zur Aufhebung der Belagerung von Neuss zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Jahrhundert später geriet Zons im [https://de.wikipedia.org/wiki/Truchsessischer_Krieg Truchsessischen oder Kölnischen Krieg (1582–1589)] erneut in den Fokus der Religionskriege. Nachdem der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebhard_I._von_Waldburg Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg] zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Protestantismus Protestantismus] konvertiert war, aber sich weigerte, seine Ämter niederzulegen, wurde die Stadt zum stärksten Bollwerk des altgläubigen [[Domkapitel]]s im Niederstift. Unter dem entschlossenen Kommando des dortigen [[Amtmann]]s, des [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Sachsen-Lauenburg Chorbischofs Friedrich von Sachsen-Lauenburg], trotzte die Burg Friedestrom allen militärischen Anschlägen und Belagerungsversuchen der truchsessischen Truppen und sicherte damit dauerhaft die altgläubige Position am Niederrhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre härteste militärische Prüfung erlitt die Zollfeste jedoch in der Endphase des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]]. Im Herbst 1646 schloss der auf französisch-protestantischer Seite kämpfende hessische Oberst [[Rabenhaupt|Carl von Rabenhaupt]] einen festen Belagerungsring um die Stadt. Trotz eines verheerenden Bombardements – bei dem an einem einzigen Tag 671 Kanonenschüsse auf die Stadt gefeuert und 300 Feuerballen hineingeworfen wurden – verweigerte die tapfere Besatzung unter dem [[Goltstein|kaiserlichen Oberst Johann Wilhelm von Goltstein]] die Übergabe. Unterstützt durch die Zonser Bürgerinnen und Bürger, die glühendes Material von den Zinnen schleuderten und Breschen in den Mauern schlossen, hielt die Feste stand, bis ein kaiserliches Entsatzheer unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Melander_von_Holzappel General Melander] die Hessen zum Rückzug zwang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heftige Beschießung hinterließ gravierende Spuren an der Hauptburg: Vor allem der im direkten Visier der hessischen Kanonen liegende Westflügel der Kernburg wurde so schwer zerstört, dass er praktisch zur Ruine wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang, Instandhaltung und Umwidmung (17. Jahrhundert – 1802) ==&lt;br /&gt;
=== Militärischer Verfall und die Verlagerung in die Vorburg ===&lt;br /&gt;
Der fortifikatorische Niedergang der Burg Friedestrom setzte in den unruhigen Zeiten des 17. Jahrhunderts ein. Zwar trotzte die Festung unter dem kaiserlichen Obersten [[Goltstein]] 1646 der heftigen Belagerung durch [[Rabenhaupt]], doch nahmen die Gebäude der Hauptburg durch den massiven Kanonenbeschuss schweren Schaden. Insbesondere der mittelalterliche Westflügel (Palas) der Kernburg wurde derart zerstört, dass er dauerhaft unbewohnbar blieb. In der Folgezeit wurde das tägliche administrative Leben aus den Ruinen des Hochschlosses in den Bereich der Vorburg verlegt. Zur größeren Bequemlichkeit der herrschaftlichen Verwaltung errichtete man an der nördlichen Vorburgmauer ein neues, zur Stadt hin geöffnetes Wohngebäude. Dieses heute als &amp;quot;[[Herrenhaus]]&amp;quot; bekannte Gebäude (der heutige Sitz des [[Kreismuseum]]s) wurde 1658/59 errichtet und diente fortan dem kurkölnischen [[Amtmann]] als Wohn- und Amtssitz. Mehrere nicht mehr benötigte, baufällige Gebäude des Oberschlosses, darunter der alte, zum Wohnturm umgerüstete Kirchturm der einstigen Vorgängerkapelle sowie dessen östlicher Anbau, wurden zwischen 1650 und der Mitte des 18. Jahrhunderts abgebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kontinuierliche Instandhaltung im 18. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Entgegen der älteren Annahme, das Kölner Domkapitel habe die gesamte Anlage nach dem 17. Jahrhundert mehr und mehr verfallen lassen, belegen die Domkapitelsprotokolle kontinuierliche und erhebliche Investitionen in den Erhalt und die Modernisierung der gesamten Burganlage. Da das [[Domkapitel]] seit der Pfandverschreibung von 1463 als Grund- und Pfandherr über das [[Amt Zons]] waltete, finanzierte es diese Arbeiten pragmatisch aus den laufenden Zonser Zollgeldern (Zollgefälle). So investierte das Kapitel im Winter 1730/31 massiv in das Unterschloss, indem der Zimmermeister Joan Schmitz für 70 Reichstaler (bzw. 10 Louisdor) einen komplett neuen, großen Dachstuhl aufrichtete und die Speicher neu mit Bretterböden versah. Die Dächer des Ober- und Unterschlosses wurden auch in der Folgezeit (belegt für 1744, 1774 und 1781) regelmäßig durch Schieferdecker begangen und ausgebessert. Auch die Wehrtürme blieben im Fokus der Baupflege: Der als Gefängnis für &amp;quot;malefiz Personen&amp;quot; genutzte [[Juddeturm]], der nach dem schweren [[Stadtbrand 1620]] bis 1625 ein neues Dach im vorherigen Stil erhalten hatte, wurde mehrfach instand gesetzt; unter anderem kaufte das Kapitel 1717 Kalk für Ausbesserungen, ließ 1777 seinen verfaulten hölzernen Dachstuhl für 95 Reichstaler komplett erneuern und das Schieferdach 1783 flicken. Die Wasserinfrastruktur wurde ebenfalls gepflegt: Unter dem Amtmann Graf von Fugger wurden 1733 die Schlossgräben aufwendig mit Ziegelsteinen neu ausgemauert und Entwässerungskanäle angelegt. Im Jahr 1749 wurden zudem die vier Schleusen hinter dem Schloss durch den Bürgermeister Lambert Braun komplett neu aufgebaut, wofür man Steine von abgebrochenen, baufälligen Schlossflügelmauern wiederverwendete. Die hölzernen Schlossbrücken über den Gräben wurden in den Jahren 1717, 1726 und 1754 repariert oder neu errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Repräsentative Umbauten und Umnutzung der Kernburg ===&lt;br /&gt;
Ein besonderer Impuls für bauliche Veränderungen ging von den Besuchen des [[Clemens August|Kölner Kurfürsten Clemens August]] aus, der Zons und das Umland ab 1732 regelmäßig zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Falknerei Falkenjagd (Reiherbeize)] aufsuchte. Um den herrschaftlichen Gast standesgemäß unterzubringen, wurden 1732 die Küchen im Ober- und Unterschloss erweitert, Kamine versetzt und im Oberschloss neue Glasfenster sowie große Brettertüren eingebaut. In den Jahren 1737 und 1738 wurden zudem die ehemals kleinen, mittelalterlichen Fenster des Schlosses großzügig ausgebrochen und durch moderne, große Glasfenster mit neuen Rahmen ersetzt. Doch auch abseits kurfürstlicher Prachtentfaltung behielt die Kernburg eine elementare wirtschaftliche Funktion: Sie diente dem [[Domkapitel]] als zentraler Lehns- und Fruchtspeicher zur Einlagerung der domanialen Getreidepachten. Um tonnenweise Getreide aufschütten zu können, wurden die Speicherböden kontinuierlich ertüchtigt; im Jahr 1772 wurde der Speicher über dem Brauhaus des Oberschlosses für 65 Reichstaler vollständig mit Platten belegt, um Platz für 600 bis 700 Malter Korn zu schaffen. Noch im Jahr 1791, kurz vor dem Ende der kurkölnischen Herrschaft, ließ das Kapitel einen baufälligen Anbau neben der großen Küche des Oberschlosses abreißen und die betroffene Giebelwand in solider Ziegelbauweise neu aufmauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Ende der kurkölnischen Ära und Säkularisation ===&lt;br /&gt;
Dieses über Jahrhunderte gewachsene System der domkapitularischen Verwaltung fand mit dem Übergang in die französische Zeit ein jähes Ende. Im Zuge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Koalitionskriege Revolutionskriege] stießen die französischen Truppen im Herbst 1794 bis an den Rhein vor. Am 5. Oktober 1794 erreichte eine Vorhut der französischen Revolutionstruppen die [[Hannepützheide|Zonser Heide]] und ritt plündernd in das Rheinstädtchen ein. Mit dieser Besetzung endete die Zeit der kurkölnischen Landesherrlichkeit sowie die autonome Unterherrschaft des Kölner [[Domkapitel]]s über das [[Amt Zons]] endgültig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den französischen Gesetzen folgte im Jahr 1802 die [[Säkularisation]], in deren Zuge die zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend verfallene Hauptburg Friedestrom durch ein Konsulardekret als staatliches Domänengut eingezogen wurde. Bis zu dieser Enteignung war das Anwesen von Johann Esser vom Kölner Domkapitel gepachtet gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Burg als Gutshof (1803–1962) ==&lt;br /&gt;
=== Säkularisation und Privatisierung ===&lt;br /&gt;
Am 3. Oktober 1803 (dem 10. Vendémiaire XII nach dem französischen Revolutionskalender) erwarb der Zonser Gutsbesitzer und spätere Bürgermeister [[Matthias Aldenhoven|Matthias Melchior Aldenhoven]] (1758–1821) die Burganlage für 4.275 Francs bei einer öffentlichen Versteigerung. Der damalige Kaufvertrag beschrieb das inmitten der Stadtbefestigung gelegene Schlossareal als Wohngebäude mit fünf Räumen im Erdgeschoss und einem Keller, im ersten Stock sechs Räume, Kornspeicher, Pferdeställen, Hühnerstall, Schweineställen, Remisen, zwei Höfen – darunter einem mit den sichtbaren Überresten der mittelalterlichen Kernburg – sowie einem kleinen Obstgarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitgleich erwarb Aldenhoven auch den ehemals der [[Abtei Brauweiler]] gehörigen [[Zehnthof]], womit die lange Epoche der landwirtschaftlichen Nutzung der Burg als privater Gutshof begann und sich die Familie eine bedeutende wirtschaftliche Vormachtstellung im Ort sicherte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Landwirtschaftliche Nutzung und Gutsbetrieb ===&lt;br /&gt;
Unter der Ägide der [[Aldenhoven (Familie)|Familie Aldenhoven]] wurde das einstige militärische Bollwerk umfassend umgestaltet und in einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb umgewandelt. Nach dem Tod des Vaters übernahm dessen Sohn, der liberale Abgeordnete [[Franz Aldenhoven]] (1803–1872), den Betrieb und baute ihn zu einem weithin bekannten Mustergut aus. Ab dem Jahr 1837 experimentierte Franz Aldenhoven als einer der Pioniere im Rheinland mit dem Zuckerrübenanbau und richtete auf dem Schlossgelände eine [[Zuckerfabriken|Rübenzucker- und Rübenkrautproduktion]] im landwirtschaftlichen Nebenbetrieb ein. Die Verarbeitung zu Rübenzucker wurde jedoch wegen mangelnder Rentabilität im Jahr 1844 wieder eingestellt, während die Rüberkrautfabrikation noch bis 1906 fortbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1875 verkaufte die Familie Aldenhoven die ehemalige Landesburg mitsamt den zugehörigen, rund 190 Hektar umfassenden Ländereien, Gärten und Wäldern an den [[Diergardt|Freiherrn von Diergardt]]. Während Franz’ Sohn [[August Aldenhoven]] den Betrieb zunächst noch als Pächter weiterführte, wurde das Schlossgut nach dessen Tod im Jahr 1899 an die [[Meller (Familie)|Pächterfamilie Meller]] übergeben. [[Heinrich Meller]] und seine Familie bezogen das im Bereich der Vorburg liegende Herrenhaus (das heutige [[Kreismuseum]]) als Wohnsitz. Unter seinem Sohn [[Wilhelm Meller]] entwickelte sich das Gut zu einem der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Region, der in Spitzenzeiten während der Ernte bis zu 50 Arbeitskräfte beschäftigte und für seine erfolgreiche Kaltblutpferdezucht bekannt war. Nach Wilhelms Tod im Jahr 1951 übernahm Hans-Heinrich Meller die Führung und leitete die tiefgreifende Modernisierung und den Übergang zum Traktorenbetrieb ein. Im Jahr 1962 erwarb die Stadt Zons das Schlossgelände von der Familie von Diergardt, woraufhin die Familie Meller im Jahr 1964 den traditionsreichen Betrieb auf den neu errichteten [[Diergardthof]] vor den Toren der Stadt verlagerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erhaltungsbemühungen um 1900 ===&lt;br /&gt;
Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung und die jahrzehntelange Vernachlässigung der wehrhaften Strukturen befand sich die historische Bausubstanz am Ende des 19. Jahrhunderts in einem besorgniserregenden, stark verfallenen Zustand. Den entscheidenden Impuls für die Rettung der Feste gab der 1893 berufene erste Landeskonservator der Rheinprovinz, [[Paul Clemen|Professor Dr. Paul Clemen]]. Nach einer Besichtigung adelte er Zons 1895 in einer vielbeachteten Publikation als &amp;quot;rheinisches Rothenburg&amp;quot; und forderte nachdrücklich den dauerhaften Erhalt dieses unschätzbaren Denkmals. Clemen gelang es, erhebliche staatliche, provinzielle und kreisbezogene Finanzmittel für die Rettung der Stadtbefestigung zu mobilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seiner fachlichen Aufsicht und der tatkräftigen Initiative des Zonser [[Bürgermeister]]s [[Claus Kohl]] begannen ab dem Herbst 1901 die ersten großangelegten Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten an den verwitterten Mauern und Türmen. Im Zuge dieser umfassenden Erneuerungen wurde auch die Bebauung des Schlossgeländes nachhaltig verändert: Im Jahr 1904 ließ der Gutsbetrieb im westlichen Burgbereich eine große neue Scheune errichten, welche die Fundamente des mittelalterlichen Westflügels und des alten Kirchturms überlagerte. Während diese landwirtschaftlichen Zweckbauten das Areal bis zur Übergabe an die Stadt prägten, bildete die durch [[Paul Clemen]] initiierte Rettungskampagne den Grundstein für die heutige Erhaltung der gesamten Burganlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entwicklung zum Kreiskulturzentrum (seit 1962) ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1962 erwarb die Stadt Zons das ehemalige Schlossgelände Friedestrom von der Familie von Diergardt, nachdem der dort seit Beginn des 19. Jahrhunderts über 150 Jahre lang betriebene landwirtschaftliche Gutsbetrieb ausgelagert worden war. Das geschichtsträchtige Areal wurde daraufhin im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags an den damaligen Kreis Grevenbroich (heute Rhein-Kreis Neuss) übertragen, welcher in der Folgezeit eine systematische Restaurierung und den schrittweisen Ausbau zum Kreiskulturzentrum betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erster Meilenstein dieser kulturellen Neuausrichtung wurde am 24. Mai 1972 das [[Kreismuseum|KreisMuseum Zons]] im gründlich restaurierten [[Herrenhaus]] der ehemaligen Vorburg feierlich eröffnet. Unter der jahrzehntelangen Leitung von [[Helene Blum-Spicker]] entwickelte sich das Museum durch wechselnde Ausstellungen zur Kunst und Kulturgeschichte sowie durch die Etablierung bedeutender Spezialsammlungen – wie der europaweit einzigartigen Jugendstil-Zinnsammlung – rasch zu einem weit überregionalen Anziehungspunkt. Die bauliche und funktionale Erweiterung der Anlage setzte sich in den Folgejahren kontinuierlich fort: Im Jahr 1990 bezogen schließlich das [[Kreisarchiv]] sowie das [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationale Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;]] neue Räumlichkeiten im wiederaufgebauten und modern ergänzten Hochschlossbereich. Während das Kreisarchiv als Gedächtnis der Region fungiert, widmet sich das nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Soumagne Norfer Mundartdichter Ludwig Soumagne (1927–2003)] benannte Mundartarchiv der wissenschaftlichen Dokumentation und Pflege deutschsprachiger Dialektliteratur. Ergänzt wird dieses Ensemble durch eine zentrale Veranstaltungshalle im ehemaligen Nordflügel der Kernburg. Das [[Kreisarchiv]], heute Archiv im Rhein-Kreis Neuss, bezog 2022 einen Neubau an der [[Schloßstraße]] neben dem [[Juddeturm]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfassenden Sanierung der Anlage ging eine intensive wissenschaftliche Erforschung des Areals voraus. In drei großen Grabungskampagnen des [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Amt_f%C3%BCr_Bodendenkmalpflege_im_Rheinland Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege] – durchgeführt in den Jahren 1980/81, 1986/87 sowie 1988 unter der Leitung der Archäologen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_M%C3%BCller_(Arch%C3%A4ologe) Dr. Gustav Müller (1921–1988)], [https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Kunow Dr. Jürgen Kunow (* 1953)] und Dr. Jeanne-Nora Andrikopoulou-Strack – wurde der Schlossinnenhof systematisch untersucht. Diese Forschungen brachten bahnbrechende Ergebnisse zur bis dahin weitgehend unbekannten Frühgeschichte des Platzes zutage: Neben dem fränkischen Waffendepot des 7. Jahrhunderts wurden die Fundamente der insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Kirchen und ein weitläufiges Gräberfeld mit Skelettresten von über 200 Individuen freigelegt. Die mühsame, zehnjährige wissenschaftliche Auswertung von rund 70.000 Keramikscherben durch die [[Marion Roehmer|Archäologin Dr. Marion Roehmer]] ermöglichte eine präzise zeitliche Einordnung der einzelnen Bauphasen und legte die Grundlagen für das heutige Verständnis der Zonser Bau- und Kirchengeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Architektur und Baubeschreibung ==&lt;br /&gt;
=== Die Hauptburg (Hochschloss) ===&lt;br /&gt;
Den baulichen Kern der Anlage Friedestrom bildet das dreiflügelige Hochschloss in der südöstlichen Ecke des Burgareals, welches einen gepflasterten Innenhof umschließt. Im Pflaster dieses Innenhofs machen farbige Pflasterungen die Grundrisse der bei Ausgrabungen in den 1980er Jahren entdeckten romanischen Vorgängerkirchen sichtbar – eine rötliche Pflasterung markiert eine kleine Saalkirche um das Jahr 1000, während graue Pflastersteine eine spätere, um 1200 errichtete dreischiffige Steinkirche kennzeichnen. Beherrscht wird die Kernburg von dem massiven, viergeschossigen [[Torturm]] an der Westseite, der sich über einer quadratischen Grundfläche mit einer Seitenlänge von rund 8,40 bis 8,50 Metern erhebt. Seine unteren Partien bestehen aus schwerem Säulenbasalt, der mittlere Teil des bis zu 1,70 Meter starken Wehrmauerwerks ist aus Tuff gefügt, und das Obergeschoss besteht aus Ziegelmauerwerk. An der feldseitigen Außenfront zeigt der Turm das spitzbogige Tor, umrahmt von der Blendnische der einstigen Zugbrücke samt den noch sichtbaren Kettenlöchern im Trachytmauerwerk. Über der tonnenüberwölbten Durchfahrt befinden sich zwei übereinanderliegende Wachtkammern mit Kaminresten, während das oberste Stockwerk aus einem vorkragenden Wehrgang mit kleinen achtseitigen Eckwarten besteht, der auf einem umlaufenden spätgotischen Spitzbogenfries aus Tuff mit Gussöffnungen an der Außenseite ruht. Vom Torturm aus erstreckte sich an der Westseite der innere Palas (Wohnpalas) des Erzbischofs mit einer ursprünglichen Länge von knapp 18 Metern und einer Tiefe von 6 Metern. Dieser Hauptwohnbau wurde jedoch während der hessischen Belagerungen im Dreißigjährigen Krieg (1646) durch Geschütze so schwer beschädigt, dass er verfiel und zur Ruine wurde. An seiner Stelle wurde im Jahr 1990 ein moderner Bau in zeitgenössischer Formensprache über den freigelegten mittelalterlichen Fundamenten errichtet. Der weitgehend im spätmittelalterlichen Bestand erhaltene Südflügel der Hauptburg beherbergt heute unter anderem Atelierräume, während der nördliche, am besten erhaltene Flügel über einem spätmittelalterlichen Gewölbekeller eine durchgehende, heute für kulturelle Veranstaltungen genutzte Halle besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Vorburg ===&lt;br /&gt;
Die Kernburg wird im Norden und Westen von einem hakenförmigen, ca. 11.000 Quadratmeter großen Vorburgbereich umschlossen, der sich wie ein Schutzring zwischen die Hauptburg und die eigentliche Bürgerstadt legt. Da die Kernburg infolge der Kriegszerstörungen des 17. Jahrhunderts unbewohnbar geworden war, verlegte der kurkölnische Amtmann seinen Wohn- und Amtssitz in das an der nördlichen Vorburgmauer 1658/59 auf dem Standort eines Vorgängergebäudes errichtete [[Herrenhaus]]. Dieses Gebäude präsentiert sich als ein langgestreckter, zweigeschossiger und neunachsiger Bau mit einem Satteldach, gelbem Putz und rot-weißen Fensterläden. In seinem historischen Gewölbekeller haben sich zwei gemauerte Hausbrunnen erhalten. Westlich schließt sich an das Herrenhaus der ehemalige Pferdestall (Marstall) an, bei dem es sich weitgehend um einen Backstein-Neubau aus dem Jahr 1974 handelt, sowie eine moderne Glashalle aus dem Jahr 1994. Der stadtseitige Zugang zur Vorburg erfolgte historisch durch ein heute vermauertes Tor in der Nähe des [[Juddeturm]]s. An der Nahtstelle von West- und Nordmauer der Vorburg erhebt sich als markanter stadtseitiger Eckpfeiler der schlanke, ca. 35,95 Meter hohe [[Juddeturm]]. Der Rundturm besitzt im Erdgeschoss eine enorme Wandstärke von 2,10 bis 2,50 Metern, die nach oben hin abnimmt, und weist bis zum Wehrgang einen wehrhaften Verbund aus Basaltquadern und Backsteinschichten auf. Eine barocke, geschweifte Schieferhaube mit einer achtseitigen Laterne krönt das Gebäude seit der Zeit um 1600 und ersetzte ein stumpfes Kegeldach. Im Inneren des Turms befindet sich im Erdgeschoss ein achteckiges, gewölbtes Gefängnis, von dem aus Gefangene durch eine Bodenluke in ein bis zu 7 bis 11 Meter tiefes, fensterloses Verlies hinabgelassen werden konnten. Die darüber liegenden, zu Wohnzwecken genutzten Obergeschosse weisen Kamine auf und sind über eine enge Wendeltreppe in einem fünfseitigen Treppentürmchen auf der Ostseite erschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Befestigungselemente ===&lt;br /&gt;
Zum Schutz gegen Angriffe war die Kernburg von der Vorburg durch eine gewaltige, heute trockengelegte Grabenanlage von 14 Metern Breite und ca. 6,5 Metern Tiefe abgeriegelt. Während die äußere Grabenmauer ausschließlich aus Basalt besteht, ist die innere Grabenfangmauer der Kernburg repräsentativ aus 18 Lagen Trachytquadern aufgemauert. Ein weiteres wesentliches Wehrelement ist der im Mittel 28 Meter breite Zwinger, der der gesamten Südseite der Stadt- und Burganlage vorgelagert ist. Dieser Zwinger, in den ehemals der ca. 12 bis 15 Meter breite, wasserführende Stadtgraben integriert war, bot eine zusätzliche wehrhafte Barriere und umschließt heute im östlichen Teil die seit 1935 etablierte Zonser [[Freilichtbühne]]. An der südöstlichen Ecke des Zwingers steht der markante, zweigeschossige [[Eisbrecher]]-Turm. Dieser als wehrhafter Dreiviertelturm aus Basalt errichtete Eckturm besitzt an seinem Trachytsockel deutliche waagerechte Einkerbungen. Diese Rillen entstanden im Laufe der Jahrhunderte durch die Treidelseile, mit denen herannahende Schiffe um die Ecke in den ehemals südlich des [[Zwinger]]s gelegenen Schloss- und Zollhafen gezogen wurden. Zugleich diente das massiv gefügte Bauwerk als Eisbrecher, um die weniger widerstandsfähigen Stadt- und Burgmauern vor den im Winter rheinabwärts treibenden Eisschollen zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg Friedestrom in Zons. Archäologische Untersuchungen in einer mittelalterlichen Festung&#039;&#039;, in: Fund und Deutung – Neuere archäologische Forschungen im Kreis Neuss (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes, Nr. 5), Neuss 1994, S. 100–107.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Die Kirchenbauten im Bereich der späteren Zollfestung Burg Friedestrom&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993 (1994), S. 149–151.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg Friedestrom in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung&#039;&#039;. Mit Beitr. v. Barbara Hollack, Manfred Kunter und Frank Siegmund (= Rheinische Ausgrabungen, Bd. 42), Köln 1998.&lt;br /&gt;
* Schneider, Peter Conrad: &#039;&#039;Zahn- und Kieferbefunde an menschlichen Skelettresten aus der mittelalterlichen Burg Friedestrom in Dormagen-Zons (Kreis Neuss)&#039;&#039;. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Zahnheilkunde des Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Gießen 1994.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 70–123.&lt;br /&gt;
* Andrikopoulou-Strack, Nora/ Kunow, Jürgen/ Lichtenthal, Leo/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Archäologische Untersuchungen im Burggelände Friedestrom in Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 135–138.&lt;br /&gt;
* Kunow, Jürgen/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Die Kirchengrabung in Zons. Dokumentation&#039;&#039;, Dormagen 1982.&lt;br /&gt;
* Knörzer, Karl-Heinz: &#039;&#039;Pflanzenfunde in einer spätmittelalterlichen Latrine in Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 138–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kultur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmalpflege]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Diergardthof</title>
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		<title>Schloss Friedestrom</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die &#039;&#039;&#039;Burg Friedestrom&#039;&#039;&#039; ist eine ehemalige kurkölnische Landesburg und Zollfeste in der Südostecke der Altstadt von Zons. Sie wurde ab 1373 von [[Friedrich von Saarwerden|Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] errichtet, nachdem dieser 1372 den erzstiftischen [[Rheinzoll]] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons verlegt hatte, und ersetzte ein 1288 nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Worringen Schlacht bei Worringen] geschleiftes Vorgängercastrum. Von 1463 bis zur Säkularisation 1802 war sie als Pfand an das Kölner [[Domkapitel]] verschrieben und bildete den Verwaltungssitz des [[Amt Zons|Amtes Zons]]. Sie überstand mehrere Belagerungen, wurde jedoch 1646 im [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] durch hessische Truppen schwer beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Säkularisation diente die Burg von 1803 bis 1962 als privater landwirtschaftlicher Gutshof (Familien [[Aldenhoven (Familie)|Aldenhoven]], [[Diergardt]], [[Meller (Familie)|Meller]]), bevor sie in den Besitz der Stadt Zons überging und zum [[Kreiskulturzentrum]] ausgebaut wurde. Seit 1972 beherbergt sie das [[Kreismuseum|KreisMuseum Zons]], seit 1990 zudem das [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationale Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;]]. Archäologische Grabungen in den 1980er Jahren legten im Burghof die Fundamente von fünf aufeinanderfolgenden Kirchenbauten sowie ein Gräberfeld mit über 200 Bestattungen frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einleitung ==&lt;br /&gt;
Lage und historische Bedeutung&lt;br /&gt;
Die Burg Friedestrom liegt in der Südostecke der mauerumwehrten Altstadt von Zons. Als ehemalige kurkölnische Landesburg und strategisch bedeutende Zollfeste repräsentiert die Anlage eines der wichtigsten historischen Zentren im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Kreis_Neuss Rhein-Kreis Neuss]. Ihre Errichtung steht in direktem Zusammenhang mit der folgenschweren Verlegung des erzbischöflichen [[Rheinzoll]]s von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons im Jahr 1372. Um diese äußerst einträgliche Geldquelle des Erzstifts militärisch zu sichern und gleichzeitig einen wirksamen Riegel gegen die expansionsbestrebten [https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_J%C3%BClich Herzöge von Jülich] vorzuschieben, ließ der [[Friedrich von Saarwerden|Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] ab 1373 die wehrhafte Burganlage und die planmäßige, rechtwinklige Stadtbefestigung errichten. Die Burg bildete fortan den administrativen Kern der Festung, den Sitz des [[Schultheißen]] sowie den Mittelpunkt des neu geschaffenen [[Amt Zons|Amtes Zons]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Namensgebung und Ursprung ===&lt;br /&gt;
Der Name &amp;quot;Friedestrom&amp;quot; (historisch auch &#039;&#039;Vredestrom&#039;&#039; oder &#039;&#039;Fredestroym&#039;&#039; genannt) ist eine bewusste und kunstvolle Wortschöpfung des Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Der Name verbindet harmonisch die Bestandteile seines eigenen Vornamens &amp;quot;Friedrich&amp;quot; und das Wort &amp;quot;(Rhein-)Strom&amp;quot;. Zugleich schwingt in dieser Bezeichnung die programmatische Bedeutung &amp;quot;Friede am Strom&amp;quot; beziehungsweise &amp;quot;Friede dem Strom&amp;quot; mit. Obwohl der ambitionierte Landesherr nach der Stadterhebung im Jahr 1373 versuchte, diesen repräsentativen Namen auf die gesamte neu gegründete Siedlung zu übertragen, konnte sich die Bezeichnung auf Dauer nicht gegen den historisch verwurzelten Namen Zons durchsetzen und blieb letztlich auf das eigentliche Burgareal beschränkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Namensdebatte: &amp;quot;Burg&amp;quot; versus &amp;quot;Schloss&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Um die korrekte Bezeichnung der Anlage gab es in Zons in den Jahren um 1990 eine mitunter leidenschaftlich geführte Debatte zwischen der wissenschaftlich-behördlichen Sichtweise und der lokalen Tradition. Die offizielle Sprachregelung des Rhein-Kreises Neuss und moderner Historiker favorisiert strikt den Begriff &amp;quot;Burg&amp;quot; (bzw. Landesburg oder Zollburg), da dieser den primär wehrhaften, fortifikatorischen Charakter sowie die mittelalterliche Verteidigungsfunktion der Anlage zur Sicherung des Rheinzolls zutreffend unterstreicht. Demgegenüber ist im Zonser Volksmund und in der bürgerschaftlichen Tradition die Bezeichnung &amp;quot;Schloss&amp;quot; tief verankert, was sich nicht zuletzt in lokalen Straßennamen wie der [[Schloßstraße]] oder dem [[Schloßplatz]] widerspiegelt. Diese Sichtweise betont die historische Bedeutung der Anlage als zeitweilige repräsentative Residenz der Kölner Erzbischöfe. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive sind jedoch beide Begriffe legitim, da sie bereits seit dem Spätmittelalter parallel und synonym verwendet wurden. Während [[Friedrich von Saarwerden]] selbst in einer Belehnungsurkunde von 1381 von &amp;quot;unser burg&amp;quot; schrieb, bezeichnete eine Chronik den markanten [[Juddeturm]] bereits im Jahr 1469 als Zufluchtsort für &amp;quot;statt und schloß&amp;quot;, und auch spätere Landesherren sowie der [[Johann Peter Delhoven|Dormagener Chronist Delhoven]] nutzten im 17. und 18. Jahrhundert ganz selbstverständlich das Wort &amp;quot;Schloss&amp;quot;. Als pragmatischen Kompromiss führt die Kreisverwaltung die Anlage heute offiziell unter dem neutralen Namen &amp;quot;Kulturzentrum des Rhein-Kreises Neuss in Zons&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorgeschichte und frühe Besiedlung (8. Jahrhundert – 1288) ==&lt;br /&gt;
=== Archäologische Befunde im Schlosshof ===&lt;br /&gt;
Die Ursprünge einer kontinuierlichen Besiedlung und sakralen Nutzung des heutigen Schlossgeländes reichen weit vor die eigentliche Stadtgründung zurück. Durch systematische archäologische Ausgrabungen im inneren Burghof in den 1980er Jahren konnten die Fundamente von insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Kirchenbauten freigelegt werden. Den Beginn dieser Kette bildet eine kleine, pfostenbasierte Holzkirche aus dem späten 8. Jahrhundert mit einer Länge von etwa 6,3 Metern und einer Breite von 4,7 Metern im Innenmaß. Ein bemerkenswerter Befund im Inneren dieser ersten Holzkapelle war ein unter dem Altar deponiertes Waffendepot aus dem 7. Jahrhundert, bestehend aus einem fränkischen Schwert, einem Sax und einer Gürtelgarnitur. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um aus einem älteren fränkischen Grab entnommene Objekte handelt, die möglicherweise als Martinus-Reliquien (dem Kirchenpatron) niedergelegt wurden, um die Bedeutung der Eigenkirche zu heben. Nach der Zerstörung dieser Holzkirche durch einen Brand zu Beginn des 10. Jahrhunderts entstand an gleicher Stelle eine kurzlebige Schwellbalkenkirche. Noch in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde diese durch eine steinerne Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor ersetzt, die im Innenraum nachweislich farbig ausgemalt war. Um 1200 wurde dieses Gebäude ebenfalls durch ein Feuer zerstört, woraufhin eine deutlich größere, dreischiffige spätromanische Basilika mit einem im frühen 14. Jahrhundert angefügten Westturm errichtet wurde. Diese letzte Steinkirche wurde schließlich zwischen 1373 und 1408 sorgfältig abgetragen, um Platz für den Bau der erzbischöflichen Zollburg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die systematischen archäologischen Grabungen der 1980er Jahre im Innenhof der Burg erbrachten eine Vielzahl menschlicher Skelettreste aus den ehemaligen Kirchbaufriedhöfen, die insgesamt 261 Individuen zugeordnet werden konnten. In ihrer anthropologischen Auswertung teilten Barbara Hollack und [https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Kunter Manfred Kunter (1940–2025)] das Fundgut in zwei chronologische Belegungsphasen: die Saalkirchenperiode (9. bis 13. Jahrhundert) und die spätromanische Kirchenperiode (13. bis 14. Jahrhundert). Trotz eines deutlichen Männerüberschusses (85 Männer gegenüber 57 Frauen) wiesen die Skelette Merkmale einer sozial herausgehobenen, wirtschaftlich privilegierten Oberschicht auf – vermutlich der Bewohner des erzbischöflichen Fronhofs. Die Bestatteten zeigten eine beachtliche durchschnittliche Körpergröße von ca. 1,71 Metern bei Männern und 1,61 Metern bei Frauen, eine grazile Konstitution sowie ein für das Mittelalter ungewöhnlich hohes Sterbealter – die Hälfte der Männer überlebte das 60. Lebensjahr. Schwere, arbeitsbedingte Skelettdeformationen oder Knochenbrüche waren selten, und Anzeichen von tödlicher Gewaltanwendung fehlten fast völlig. Zudem konnten eng begrenzte Familienbestattungen nachgewiesen werden, die durch seltene, vererbbare Skelettmerkmale wie das Os lambdae eine generationenübergreifende biologische Kontinuität und eine direkte Abstammung von frühmittelalterlichen fränkischen Gruppen nahelegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ergänzt und vertieft wurden diese Befunde durch die zahnmedizinische Dissertation von Peter Conrad Schneider (1994), der die Zähne und Kiefer der Zonser Skelettserie detailliert untersuchte. Schneider stellte fest, dass sich die Lebensweise, Ernährungsart und Nahrungszubereitung über den gesamten Zeitraum vom 8. bis zum 14. Jahrhundert hinweg kaum verändert hatten. Rund 20 Prozent der untersuchten Individuen besaßen ein vollständig kariesfreies Gebiss. Die Kariesfrequenz der Gesamtpopulation lag bei 80 Prozent, wobei der Anteil erkrankter Zähne in der jüngeren Phase (Gruppe 2: 19,4 Prozent) höher ausfiel als in der älteren Phase (Gruppe 1: 11,3 Prozent), was primär auf die unterschiedliche Altersstruktur der Gruppe zurückzuführen sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für die Zonser Population war ein starker, mit dem Alter zunehmender Abrieb der Kauflächen. Dieser entstand vermutlich durch faserreiche Nahrung oder Verunreinigungen im Essen (etwa Mühlsteinabrieb im Mehl). Dieser starke Abrieb hatte zwei Seiten: Einerseits schliff er die anfälligen Vertiefungen der Kauflächen ab und wirkte so wie ein natürlicher Schutz vor Karies auf der Beißfläche; andererseits führte er im höheren Alter dazu, dass das Zahninnere freigelegt wurde, was oft zu Entzündungen an den Zahnwurzeln führte. Weil die Kauflächen durch den Abrieb tiefer lagen, traten Karieslöcher vor allem in den Zahnzwischenräumen auf. Begünstigt wurde dies durch einen altersbedingten Rückgang des Kieferknochens und des Zahnfleischs, der an fast 80 Prozent der untersuchten Zahnfächer nachgewiesen werden konnte. Bestimmte angeborene Zahnmerkmale – wie kleine zusätzliche Grübchen oder Höcker auf den Backen- und Schneidezähnen – stützten zudem die Annahme einer genetisch homogenen und eng verwandten Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein spektakulärer archäologischer Befund im westlichen Hauptburgbereich war die Entdeckung einer monumentalen, kreisrunden Latrinenanlage aus der frühen Festungszeit. Diese wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts zeitgleich mit dem Wohnpalas (Westflügel) errichtet, indem man das ältere quadratische Schatz- beziehungsweise Zollhaus der Gründungsphase zu einer rund gemauerten, etwa 6 Meter tiefen Fäkaliengrube umfunktionierte. Die Latrine besaß ursprünglich einen Auslass in den westlichen Zwingergraben, wurde jedoch um die Mitte des 16. Jahrhunderts aufgegeben und durch einen hölzernen Abtritterker ersetzt, als der Bereich durch eine Trennmauer östlich davon überbaut wurde. Die naturwissenschaftliche Untersuchung der Latrinenfüllung durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kn%C3%B6rzer Botaniker Dr. Karl-Heinz Knörzer (1920–2009)] lieferte anhand zahlreicher pflanzlicher Großreste (darunter Feigen und andere importierte Früchte) faszinierende Einblicke in den herrschaftlichen Speiseplan und die anspruchsvolle Tafelkultur des erzbischöflichen Hofes. Beim Neubau des Westtraktes im Jahr 1990, der heute das Internationale Mundartarchiv beherbergt, wurde die historische Latrinenanlage denkmalgerecht saniert und im Originalzustand in den Keller integriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der erzbischöfliche Fronhof ===&lt;br /&gt;
Die Existenz dieser wiederholt erneuerten und erweiterten Kirchenbauten lässt sich nur dadurch erklären, dass das Areal der späteren Burg Friedestrom die Keimzelle des erzbischöflichen Besitzes in Zons bildete. Es handelte sich dabei um den herrschaftlichen [[Fronhof]] (Herrenhof) des Kölner Erzbischofs, der in den schriftlichen Quellen mindestens seit dem 11. Jahrhundert sicher belegt ist. Das sogenannte Testament des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunibert_von_K%C3%B6ln Kölner Bischofs Kunibert], welches in einer Fassung aus dem späten 11. Jahrhundert überliefert ist, bezeugt bereits für diese frühe Zeit eine dem Hof zugehörige erzbischöfliche Fischerei, aus der jährlich 13 Lachse für die Armenpflege der Kölner Lupusbruderschaft geliefert werden mussten. Im Jahre 1057 überließ [https://de.wikipedia.org/wiki/Anno_II. Erzbischof Anno II.] die &amp;quot;villa dominicatus nostri Zuonozo&amp;quot;, also dieses bedeutende Herrengut, der polnischen Königin Richeza auf Lebenszeit. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts (um 1164) entwickelte sich der Zonser Hof zu einem der zwölf erzbischöflichen Tafelgüter, die direkt der Versorgung der erzbischöflichen Hofhaltung mit Lebensmitteln, wie etwa den begehrten Rheinfischen, dienten. Dem Hof stand ein [[Schultheiß]] vor, dessen Hofesgericht als Ausgangspunkt für die spätere Gerichtsbarkeit und das Landgericht in Zons fungierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das &amp;quot;Castrum Zunce&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Die fortschreitenden territorialen Auseinandersetzungen im 13. Jahrhundert zwischen den Kölner Erzbischöfen und den nach Unabhängigkeit strebenden rheinischen Dynastien sowie den [https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_J%C3%BClich Grafen von Jülich], welche die Vogteirechte in Zons beanspruchten, zwangen die Erzbischöfe zur militärischen Sicherung ihrer Rechte. Vermutlich unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_von_Hochstaden Erzbischof Konrad von Hochstaden] erfolgte um die Mitte des 13. Jahrhunderts der wehrhafte Ausbau des [[Fronhof]]es zu einer ersten Burg, dem &amp;quot;Castrum Zunce&amp;quot;. Da von dieser ersten Befestigung bislang keine eindeutigen baulichen Überreste archäologisch nachgewiesen werden konnten, ist davon auszugehen, dass es sich um eine im Vergleich zur späteren Festung bescheidenere Anlage, möglicherweise eine verstärkte Umwehrung des Hofareals, handelte. Dieses erste Castrum wurde jedoch bald Opfer der großen Machtkämpfe im Rheinland: Nach der verheerenden Niederlage des [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_von_Westerburg Erzbischofs Siegfried von Westerburg] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Worringen Schlacht bei Worringen] im Juni 1288 nutzten die siegreichen Kölner Bürger die Gunst der Stunde. Sie schleiften die verhasste Zwingfeste in Zons vollständig, machten sie dem Erdboden gleich und transportierten die Steine nach Köln, um sie dort zur Verstärkung ihrer eigenen Stadtmauer zu verbauen. Zudem musste sich der geschlagene Erzbischof vertraglich dazu verpflichten, linksrheinisch im weiten Umkreis von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] keine neuen Befestigungen mehr zu errichten. Erst fast ein Jahrhundert später sollte dieser herbe Rückschlag durch die großangelegte Neuplanung [[Friedrich von Saarwerden|Friedrichs von Saarwerden]] überwunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Neugründung unter Friedrich von Saarwerden (1372–1414) ==&lt;br /&gt;
=== Zollverlegung und Baubeginn (1372) ===&lt;br /&gt;
Die tiefgreifende Umgestaltung von Zons von einem ehemals landwirtschaftlich geprägten [[Fronhof]] zu einer wehrhaften Festungs- und Zollstadt wurde durch einen einschneidenden finanz- und territorialpolitischen Akt initiiert: Im August 1372 verlegte der junge [[Friedrich von Saarwerden|Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] den erzstiftischen [[Rheinzoll]] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] stromaufwärts nach Zons. Dieser Verlegung gingen langjährige machtpolitische Spannungen mit der nach Unabhängigkeit strebenden Neusser Bürgerschaft voraus, welche die erzbischöfliche Gerichtsherrschaft bestritt und die Zollerhebung zunehmend blockierte. Zudem hatte sich das Bett des Rheins im Laufe der Zeit von der Neusser Stadtmauer entfernt, was das Anlanden der Schiffe erheblich erschwerte. Als herber Reizpunkt kam hinzu, dass die Neusser ein städtisches &amp;quot;Bestättergeld&amp;quot; auf den Warentransport erhoben, was der Erzbischof als illegalen Eingriff in seine herrschaftlichen Zollrechte ansah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Rhein just in dieser Epoche seinen Lauf veränderte und sich bei Zons ein gerades, stabiles Bett suchte, bot das dortige Ufer einen idealen, hochwassersicheren Sporn mit tragfähigem Kiesuntergrund für eine neue Zollstelle. Um Platz für den Bau der geplanten Wehranlage zu schaffen, wurde noch im Jahr 1372 die alte, dem hl. Martin geweihte spätromanische Kirche auf dem Gelände des bischöflichen Fronhofs bis auf ihren Westturm sorgfältig abgetragen. Die Steinquader des Sakralbaus wurden beim Bau der Festung als Spolien wiederverwendet. Auf dem einplanierten ehemaligen Friedhof wurde im Herbst 1372 zunächst ein provisorisches Holzhaus mit einem Estrich aus Kalkmörtel auf Schwellbalken als erste Bauhütte und sichere Sammelstelle für die Zollgelder errichtet. Sehr kurz darauf entstand nördlich davon ein festes Steinhaus auf einem Basaltfundament mit Schieferdach, das als neue, winterfeste Bauhütte und Werkstatt diente, in der Steinmetze Trachytblöcke für architektonische Details zurichteten, wie dichte Lagen von Trachytkleinschlag im Boden belegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bauphasen der Festung (1372–1377) ===&lt;br /&gt;
Die architektonische Konzeption der Zonser Wehranlagen folgte dem bewährten kurkölnischen Schema einer befestigten Stadt, in deren Ecke die landesherrliche Kernburg als stark gesicherte Zitadelle integriert und durch eine eigene innere Wehrmauer sowie einen Graben von der Bürgerstadt getrennt war. Der eigentliche Burgbau vollzog sich ab 1373 in mehreren, rasch aufeinanderfolgenden Schritten. Zunächst wurde der erhaltene romanische Kirchturm durch den Anbau eines neuen Ostabschlusses zu einem Wohn- und Wehrturm umgerüstet. Zeitgleich wurden die innere Wehrmauer errichtet und das Hochschloss (Kernburg) durch einen massiven, dreigeschossigen [[Torturm]] aus Basalt, Tuff und Trachytquadern mit einer gewölbten Durchfahrt über einer quadratischen Grundfläche von etwa 10 Metern Seitenlänge gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer unmittelbar anschließenden zweiten Burgbauphase wurde die Anlage fortifikatorisch massiv verstärkt und modernisiert. Dem [[Torturm]] wurde eine äußere Wehrmauer vorgelegt, für die der Turm selbst nach Norden um 0,95 Meter erweitert wurde. Die südliche Wehrmauer wurde im Fundamentbereich zu einem 3,80 Meter starken Bollwerk ausgebaut, auf dessen Krone ein breiter Wehrgang verlief. Dieser war über einen Treppenturm an der Westseite mit einer sorgfältig ausgeführten Wendeltreppe aus Trachytblöcken zugänglich. Als innovatives und wehrhaftes Element wurde ein runder Verteidigungsturm (der Südturm, im Volksmund auch &amp;quot;stumpe Toon&amp;quot; genannt) in die äußere Wehrmauer integriert. Um die Kernburg zog sich zur Vorburg hin ein tiefer, beiderseits ausgemauerter Burggraben. Im Burghof entstanden der Nordflügel sowie der repräsentative Westflügel, der als eigentlicher Wohnpalas (Hofhaltung) des Erzbischofs diente und mit Kaminanlagen, glasierten Kachelöfen und einer Latrine im Kellerbereich komfortabel ausgestattet war. Mit dem Abschluss dieser Arbeiten im Jahr 1377 war die Kernburg vollständig wehrfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Integration in die Stadt (bis 1388) ===&lt;br /&gt;
Parallel zum Festungsbau wurde ab 1373 das Stadtgebiet nördlich der Burg nach einem regelmäßigen, schachbrettartigen Straßenraster mit einem konsequenten Parzellensystem angelegt. Am 20. Dezember 1373 stellte [[Friedrich von Saarwerden|Erzbischof Friedrich III.]] auf der Burg die [[Stadtrecht|Stadterhebungsurkunde]] aus, die den Bürgern die weitreichenden Rechte und Privilegien der [https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChl_(Rheinland) Stadt Brühl] gewahrte. Die Stadtfläche (ca. 250 m x 310 m) wurde von einer rund 1100 Meter langen, basaltverstärkten Stadtmauer umschlossen, in welche die Burg in der Südostecke als integraler Eckpfeiler der Gesamtbefestigung einbezogen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Bau der Stadtmauer spiegelte das Baumaterial den technologischen und ökonomischen Wandel der Epoche wider: Während anfangs nach Kölner Vorbild schwerer Säulenbasalt, Tuffeinschübe und Trachytquader für repräsentative Kanten dominierten, wurde im weiteren Verlauf zunehmend der pragmatischere und billigere, vor Ort gebrannte Backstein (Feldbrandstein) für das Aufgehende der Mauern eingesetzt, was die Baugeschwindigkeit erheblich steigerte. Als Schlusspunkt und weithin sichtbares Wahrzeichen der Zollfeste wurde im Jahr 1388 an der Nordostecke der Stadt der monumentale, sechsstöckige [[Rheinturm|Peters-, Zoll- oder Rheinturm]] vollendet, der fortan als sichere Hebestelle des Rheinzolls diente. Seine lateinische Bauinschrift an der Südseite nennt stolz das Fertigstellungsjahr und den Erbauer [[Friedrich von Saarwerden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1388) gelang dem Erzbischof ein entscheidender territorialpolitischer Durchbruch: Er bewegte [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_(J%C3%BClich-Geldern) Herzog Wilhelm von Jülich-Geldern] dazu, in einem Tauschgeschäft auf seine historisch verbliebenen Vogteirechte über Zons zu verzichten, wodurch Stadt, Burg und der einträgliche Zoll endgültig und uneingeschränkt der kurkölnischen Landesherrschaft eingegliedert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Residenzfunktion und Hofhaltung ===&lt;br /&gt;
Die neu errichtete Burg Friedestrom diente ihrem Erbauer [[Friedrich von Saarwerden]] als einer seiner bevorzugten zeitweiligen Aufenthaltsorte. Seit seinem ersten dokumentierten Aufenthalt im Juni 1373, während dessen er drei Urkunden in der Burg ausstellte, hielt er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1414 nachweislich über 70 Mal in Zons auf. Die Burg war so ausgestattet, dass sie dem Erzbischof und seinem Gefolge bei seinen Reisen im nördlichen Erzstift eine standesgemäße Unterkunft bot. Auch Friedrichs Neffe und Nachfolger im Amt, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Erzbischof Dietrich von Moers (1414–1463)], nutzte die Feste ausgiebig als Residenz für feierliche Hofhaltungen und verstarb schließlich im Jahr 1463 auf der Burg Friedestrom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ära des Domkapitels (1463–1794) ==&lt;br /&gt;
=== Die dauerhafte Verpfändung ===&lt;br /&gt;
Mit dem Tod von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Erzbischof Dietrich von Moers] im Jahre 1463 endete die Phase der direkten landesherrlichen Verwaltung unter erzbischöflicher Aufsicht. Dietrich von Moers, ein Neffe des Stadtgründers, hatte das Erzstift durch seine prunkvolle Hofhaltung und kostspielige Fehden in den finanziellen Ruin getrieben. Da das [[Domkapitel|Kölner Domkapitel]] als größter Gläubiger für die immensen Schulden bürgte, ließ es sich im Jahr 1463 Stadt, Burg und den erträglichen Rheinzoll von Zons dauerhaft als Pfand verschreiben. Da die hohen Schulden der Erzbischöfe in den darauffolgenden Jahrhunderten nie zurückgezahlt werden konnten, verblieb Zons bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 faktisch als eine Unterherrschaft des Domkapitels. Dieses übte fortan die uneingeschränkte Grund-, Pfand- und Gerichtsherrschaft über das kleine [[Amt Zons]] aus, das neben der befestigten Stadt auch das Dorf [[Stürzelberg]], einen Teil von [[Horrem]], den [[Heckhof]] und das rechtsrheinische [[Haus Bürgel]] umfasste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Verwaltungssitz auf der Burg ===&lt;br /&gt;
Unter der Herrschaft des [[Domkapitel]]s entwickelte sich die Burg Friedestrom zum zentralen administrativen und gerichtlichen Mittelpunkt des kleinen Amtes. Da sich die [[Amtmann|Amtmänner]] ab der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht mehr ständig in Zons aufhalten mussten, residierten stattdessen meist vom Amtmann eingesetzte Amtsverwalter auf der Burg, um die kurkölnischen und domkapitularischen Interessen vor Ort zu vertreten. Der Amtmann war für die militärische Sicherung der Feste und das lokale Wehrwesen verantwortlich. Zugleich war die Burg der Sitz des [[Schultheißen]], der das [[Schöffengericht]] leitete, sowie des [[Gerichtsschreiber]]s. Auch der [[Kellner]], dem die Verwaltung und der Empfang der domanialen Einkünfte aus dem Amt oblagen, hatte hier seine Amtsräume. Obwohl die eigentliche Zollerhebung ab 1388 in den nordöstlichen [[Rheinturm]] verlegt worden war, blieb die Burg eng mit dem [[Zöllner]] und den [[Zollschreiber]]n verbunden, die das lukrative Zollwesen organisierten. Auf dem Burgareal wurde zudem regelmäßig das [[Herrengeding]] abgehalten, eine gerichtliche Versammlung aller Bürger zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärische Ereignisse und Bewährungsproben ===&lt;br /&gt;
Ihre strategische Konzeption als uneingeschränkt wehrhafte Festung musste die Anlage in den folgenden Jahrhunderten in mehreren großen kriegerischen Konflikten unter Beweis stellen. Die erste große Bewährungsprobe ergab sich während der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Stiftsfehde Kölner Stiftsfehde] (auch Burgundischer Krieg genannt, 1474–1475), als [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_von_der_Pfalz_(K%C3%B6ln) Erzbischof Ruprecht von der Pfalz] mit Unterstützung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_K%C3%BChne burgundischen Herzogs Karl des Kühnen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Neuss Neuss belagerte], um seine Herrschaftsrechte gewaltsam durchzusetzen. Während des Krieges diente Zons als wichtiger Stützpunkt für die Verteidiger und als Operationsbasis zur Kaperung feindlicher Transportschiffe auf dem Rhein. Im Mai 1475 bezog das kaiserliche Entsatzheer unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._(HRR) Friedrich III.] ein befestigtes Lager vor den Toren der Feste. Der Kaiser selbst nahm für 14 Tage Quartier auf Burg Friedestrom, um von dort aus die entscheidenden Verhandlungen zur Aufhebung der Belagerung von Neuss zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Jahrhundert später geriet Zons im [https://de.wikipedia.org/wiki/Truchsessischer_Krieg Truchsessischen oder Kölnischen Krieg (1582–1589)] erneut in den Fokus der Religionskriege. Nachdem der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebhard_I._von_Waldburg Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg] zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Protestantismus Protestantismus] konvertiert war, aber sich weigerte, seine Ämter niederzulegen, wurde die Stadt zum stärksten Bollwerk des altgläubigen [[Domkapitel]]s im Niederstift. Unter dem entschlossenen Kommando des dortigen [[Amtmann]]s, des [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Sachsen-Lauenburg Chorbischofs Friedrich von Sachsen-Lauenburg], trotzte die Burg Friedestrom allen militärischen Anschlägen und Belagerungsversuchen der truchsessischen Truppen und sicherte damit dauerhaft die altgläubige Position am Niederrhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre härteste militärische Prüfung erlitt die Zollfeste jedoch in der Endphase des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]]. Im Herbst 1646 schloss der auf französisch-protestantischer Seite kämpfende hessische Oberst [[Rabenhaupt|Carl von Rabenhaupt]] einen festen Belagerungsring um die Stadt. Trotz eines verheerenden Bombardements – bei dem an einem einzigen Tag 671 Kanonenschüsse auf die Stadt gefeuert und 300 Feuerballen hineingeworfen wurden – verweigerte die tapfere Besatzung unter dem [[Goltstein|kaiserlichen Oberst Johann Wilhelm von Goltstein]] die Übergabe. Unterstützt durch die Zonser Bürgerinnen und Bürger, die glühendes Material von den Zinnen schleuderten und Breschen in den Mauern schlossen, hielt die Feste stand, bis ein kaiserliches Entsatzheer unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Melander_von_Holzappel General Melander] die Hessen zum Rückzug zwang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heftige Beschießung hinterließ gravierende Spuren an der Hauptburg: Vor allem der im direkten Visier der hessischen Kanonen liegende Westflügel der Kernburg wurde so schwer zerstört, dass er praktisch zur Ruine wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niedergang, Instandhaltung und Umwidmung (17. Jahrhundert – 1802) ==&lt;br /&gt;
=== Militärischer Verfall und die Verlagerung in die Vorburg ===&lt;br /&gt;
Der fortifikatorische Niedergang der Burg Friedestrom setzte in den unruhigen Zeiten des 17. Jahrhunderts ein. Zwar trotzte die Festung unter dem kaiserlichen Obersten [[Goltstein]] 1646 der heftigen Belagerung durch [[Rabenhaupt]], doch nahmen die Gebäude der Hauptburg durch den massiven Kanonenbeschuss schweren Schaden. Insbesondere der mittelalterliche Westflügel (Palas) der Kernburg wurde derart zerstört, dass er dauerhaft unbewohnbar blieb. In der Folgezeit wurde das tägliche administrative Leben aus den Ruinen des Hochschlosses in den Bereich der Vorburg verlegt. Zur größeren Bequemlichkeit der herrschaftlichen Verwaltung errichtete man an der nördlichen Vorburgmauer ein neues, zur Stadt hin geöffnetes Wohngebäude. Dieses heute als &amp;quot;[[Herrenhaus]]&amp;quot; bekannte Gebäude (der heutige Sitz des [[Kreismuseum]]s) wurde 1658/59 errichtet und diente fortan dem kurkölnischen [[Amtmann]] als Wohn- und Amtssitz. Mehrere nicht mehr benötigte, baufällige Gebäude des Oberschlosses, darunter der alte, zum Wohnturm umgerüstete Kirchturm der einstigen Vorgängerkapelle sowie dessen östlicher Anbau, wurden zwischen 1650 und der Mitte des 18. Jahrhunderts abgebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kontinuierliche Instandhaltung im 18. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Entgegen der älteren Annahme, das Kölner Domkapitel habe die gesamte Anlage nach dem 17. Jahrhundert mehr und mehr verfallen lassen, belegen die Domkapitelsprotokolle kontinuierliche und erhebliche Investitionen in den Erhalt und die Modernisierung der gesamten Burganlage. Da das [[Domkapitel]] seit der Pfandverschreibung von 1463 als Grund- und Pfandherr über das [[Amt Zons]] waltete, finanzierte es diese Arbeiten pragmatisch aus den laufenden Zonser Zollgeldern (Zollgefälle). So investierte das Kapitel im Winter 1730/31 massiv in das Unterschloss, indem der Zimmermeister Joan Schmitz für 70 Reichstaler (bzw. 10 Louisdor) einen komplett neuen, großen Dachstuhl aufrichtete und die Speicher neu mit Bretterböden versah. Die Dächer des Ober- und Unterschlosses wurden auch in der Folgezeit (belegt für 1744, 1774 und 1781) regelmäßig durch Schieferdecker begangen und ausgebessert. Auch die Wehrtürme blieben im Fokus der Baupflege: Der als Gefängnis für &amp;quot;malefiz Personen&amp;quot; genutzte [[Juddeturm]], der nach dem schweren [[Stadtbrand 1620]] bis 1625 ein neues Dach im vorherigen Stil erhalten hatte, wurde mehrfach instand gesetzt; unter anderem kaufte das Kapitel 1717 Kalk für Ausbesserungen, ließ 1777 seinen verfaulten hölzernen Dachstuhl für 95 Reichstaler komplett erneuern und das Schieferdach 1783 flicken. Die Wasserinfrastruktur wurde ebenfalls gepflegt: Unter dem Amtmann Graf von Fugger wurden 1733 die Schlossgräben aufwendig mit Ziegelsteinen neu ausgemauert und Entwässerungskanäle angelegt. Im Jahr 1749 wurden zudem die vier Schleusen hinter dem Schloss durch den Bürgermeister Lambert Braun komplett neu aufgebaut, wofür man Steine von abgebrochenen, baufälligen Schlossflügelmauern wiederverwendete. Die hölzernen Schlossbrücken über den Gräben wurden in den Jahren 1717, 1726 und 1754 repariert oder neu errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Repräsentative Umbauten und Umnutzung der Kernburg ===&lt;br /&gt;
Ein besonderer Impuls für bauliche Veränderungen ging von den Besuchen des [[Clemens August|Kölner Kurfürsten Clemens August]] aus, der Zons und das Umland ab 1732 regelmäßig zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Falknerei Falkenjagd (Reiherbeize)] aufsuchte. Um den herrschaftlichen Gast standesgemäß unterzubringen, wurden 1732 die Küchen im Ober- und Unterschloss erweitert, Kamine versetzt und im Oberschloss neue Glasfenster sowie große Brettertüren eingebaut. In den Jahren 1737 und 1738 wurden zudem die ehemals kleinen, mittelalterlichen Fenster des Schlosses großzügig ausgebrochen und durch moderne, große Glasfenster mit neuen Rahmen ersetzt. Doch auch abseits kurfürstlicher Prachtentfaltung behielt die Kernburg eine elementare wirtschaftliche Funktion: Sie diente dem [[Domkapitel]] als zentraler Lehns- und Fruchtspeicher zur Einlagerung der domanialen Getreidepachten. Um tonnenweise Getreide aufschütten zu können, wurden die Speicherböden kontinuierlich ertüchtigt; im Jahr 1772 wurde der Speicher über dem Brauhaus des Oberschlosses für 65 Reichstaler vollständig mit Platten belegt, um Platz für 600 bis 700 Malter Korn zu schaffen. Noch im Jahr 1791, kurz vor dem Ende der kurkölnischen Herrschaft, ließ das Kapitel einen baufälligen Anbau neben der großen Küche des Oberschlosses abreißen und die betroffene Giebelwand in solider Ziegelbauweise neu aufmauern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Ende der kurkölnischen Ära und Säkularisation ===&lt;br /&gt;
Dieses über Jahrhunderte gewachsene System der domkapitularischen Verwaltung fand mit dem Übergang in die französische Zeit ein jähes Ende. Im Zuge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Koalitionskriege Revolutionskriege] stießen die französischen Truppen im Herbst 1794 bis an den Rhein vor. Am 5. Oktober 1794 erreichte eine Vorhut der französischen Revolutionstruppen die [[Hannepützheide|Zonser Heide]] und ritt plündernd in das Rheinstädtchen ein. Mit dieser Besetzung endete die Zeit der kurkölnischen Landesherrlichkeit sowie die autonome Unterherrschaft des Kölner [[Domkapitel]]s über das [[Amt Zons]] endgültig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den französischen Gesetzen folgte im Jahr 1802 die [[Säkularisation]], in deren Zuge die zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend verfallene Hauptburg Friedestrom durch ein Konsulardekret als staatliches Domänengut eingezogen wurde. Bis zu dieser Enteignung war das Anwesen von Johann Esser vom Kölner Domkapitel gepachtet gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Burg als Gutshof (1803–1962) ==&lt;br /&gt;
=== Säkularisation und Privatisierung ===&lt;br /&gt;
Am 3. Oktober 1803 (dem 10. Vendémiaire XII nach dem französischen Revolutionskalender) erwarb der Zonser Gutsbesitzer und spätere Bürgermeister [[Matthias Aldenhoven|Matthias Melchior Aldenhoven]] (1758–1821) die Burganlage für 4.275 Francs bei einer öffentlichen Versteigerung. Der damalige Kaufvertrag beschrieb das inmitten der Stadtbefestigung gelegene Schlossareal als Wohngebäude mit fünf Räumen im Erdgeschoss und einem Keller, im ersten Stock sechs Räume, Kornspeicher, Pferdeställen, Hühnerstall, Schweineställen, Remisen, zwei Höfen – darunter einem mit den sichtbaren Überresten der mittelalterlichen Kernburg – sowie einem kleinen Obstgarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitgleich erwarb Aldenhoven auch den ehemals der [[Abtei Brauweiler]] gehörigen [[Zehnthof]], womit die lange Epoche der landwirtschaftlichen Nutzung der Burg als privater Gutshof begann und sich die Familie eine bedeutende wirtschaftliche Vormachtstellung im Ort sicherte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Landwirtschaftliche Nutzung und Gutsbetrieb ===&lt;br /&gt;
Unter der Ägide der [[Aldenhoven (Familie)|Familie Aldenhoven]] wurde das einstige militärische Bollwerk umfassend umgestaltet und in einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb umgewandelt. Nach dem Tod des Vaters übernahm dessen Sohn, der liberale Abgeordnete [[Franz Aldenhoven]] (1803–1872), den Betrieb und baute ihn zu einem weithin bekannten Mustergut aus. Ab dem Jahr 1837 experimentierte Franz Aldenhoven als einer der Pioniere im Rheinland mit dem Zuckerrübenanbau und richtete auf dem Schlossgelände eine [[Zuckerfabriken|Rübenzucker- und Rübenkrautproduktion]] im landwirtschaftlichen Nebenbetrieb ein. Die Verarbeitung zu Rübenzucker wurde jedoch wegen mangelnder Rentabilität im Jahr 1844 wieder eingestellt, während die Rüberkrautfabrikation noch bis 1906 fortbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1875 verkaufte die Familie Aldenhoven die ehemalige Landesburg mitsamt den zugehörigen, rund 190 Hektar umfassenden Ländereien, Gärten und Wäldern an den [[Diergardt|Freiherrn von Diergardt]]. Während Franz’ Sohn [[August Aldenhoven]] den Betrieb zunächst noch als Pächter weiterführte, wurde das Schlossgut nach dessen Tod im Jahr 1899 an die [[Meller (Familie)|Pächterfamilie Meller]] übergeben. [[Heinrich Meller]] und seine Familie bezogen das im Bereich der Vorburg liegende Herrenhaus (das heutige [[Kreismuseum]]) als Wohnsitz. Unter seinem Sohn [[Wilhelm Meller]] entwickelte sich das Gut zu einem der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Region, der in Spitzenzeiten während der Ernte bis zu 50 Arbeitskräfte beschäftigte und für seine erfolgreiche Kaltblutpferdezucht bekannt war. Nach Wilhelms Tod im Jahr 1951 übernahm Hans-Heinrich Meller die Führung und leitete die tiefgreifende Modernisierung und den Übergang zum Traktorenbetrieb ein. Im Jahr 1962 erwarb die Stadt Zons das Schlossgelände von der Familie von Diergardt, woraufhin die Familie Meller im Jahr 1964 den traditionsreichen Betrieb auf den neu errichteten [[Diergardthof]] vor den Toren der Stadt verlagerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erhaltungsbemühungen um 1900 ===&lt;br /&gt;
Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung und die jahrzehntelange Vernachlässigung der wehrhaften Strukturen befand sich die historische Bausubstanz am Ende des 19. Jahrhunderts in einem besorgniserregenden, stark verfallenen Zustand. Den entscheidenden Impuls für die Rettung der Feste gab der 1893 berufene erste Landeskonservator der Rheinprovinz, [[Paul Clemen|Professor Dr. Paul Clemen]]. Nach einer Besichtigung adelte er Zons 1895 in einer vielbeachteten Publikation als &amp;quot;rheinisches Rothenburg&amp;quot; und forderte nachdrücklich den dauerhaften Erhalt dieses unschätzbaren Denkmals. Clemen gelang es, erhebliche staatliche, provinzielle und kreisbezogene Finanzmittel für die Rettung der Stadtbefestigung zu mobilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seiner fachlichen Aufsicht und der tatkräftigen Initiative des Zonser [[Bürgermeister]]s [[Claus Kohl]] begannen ab dem Herbst 1901 die ersten großangelegten Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten an den verwitterten Mauern und Türmen. Im Zuge dieser umfassenden Erneuerungen wurde auch die Bebauung des Schlossgeländes nachhaltig verändert: Im Jahr 1904 ließ der Gutsbetrieb im westlichen Burgbereich eine große neue Scheune errichten, welche die Fundamente des mittelalterlichen Westflügels und des alten Kirchturms überlagerte. Während diese landwirtschaftlichen Zweckbauten das Areal bis zur Übergabe an die Stadt prägten, bildete die durch [[Paul Clemen]] initiierte Rettungskampagne den Grundstein für die heutige Erhaltung der gesamten Burganlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entwicklung zum Kreiskulturzentrum (seit 1962) ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1962 erwarb die Stadt Zons das ehemalige Schlossgelände Friedestrom von der Familie von Diergardt, nachdem der dort seit Beginn des 19. Jahrhunderts über 150 Jahre lang betriebene landwirtschaftliche Gutsbetrieb ausgelagert worden war. Das geschichtsträchtige Areal wurde daraufhin im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags an den damaligen Kreis Grevenbroich (heute Rhein-Kreis Neuss) übertragen, welcher in der Folgezeit eine systematische Restaurierung und den schrittweisen Ausbau zum Kreiskulturzentrum betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als erster Meilenstein dieser kulturellen Neuausrichtung wurde am 24. Mai 1972 das [[Kreismuseum|KreisMuseum Zons]] im gründlich restaurierten [[Herrenhaus]] der ehemaligen Vorburg feierlich eröffnet. Unter der jahrzehntelangen Leitung von [[Helene Blum-Spicker]] entwickelte sich das Museum durch wechselnde Ausstellungen zur Kunst und Kulturgeschichte sowie durch die Etablierung bedeutender Spezialsammlungen – wie der europaweit einzigartigen Jugendstil-Zinnsammlung – rasch zu einem weit überregionalen Anziehungspunkt. Die bauliche und funktionale Erweiterung der Anlage setzte sich in den Folgejahren kontinuierlich fort: Im Jahr 1990 bezogen schließlich das [[Kreisarchiv]] sowie das [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationale Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;]] neue Räumlichkeiten im wiederaufgebauten und modern ergänzten Hochschlossbereich. Während das Kreisarchiv als Gedächtnis der Region fungiert, widmet sich das nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Soumagne Norfer Mundartdichter Ludwig Soumagne (1927–2003)] benannte Mundartarchiv der wissenschaftlichen Dokumentation und Pflege deutschsprachiger Dialektliteratur. Ergänzt wird dieses Ensemble durch eine zentrale Veranstaltungshalle im ehemaligen Nordflügel der Kernburg. Das [[Kreisarchiv]], heute Archiv im Rhein-Kreis Neuss, bezog 2022 einen Neubau an der [[Schloßstraße]] neben dem [[Juddeturm]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der umfassenden Sanierung der Anlage ging eine intensive wissenschaftliche Erforschung des Areals voraus. In drei großen Grabungskampagnen des [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Amt_f%C3%BCr_Bodendenkmalpflege_im_Rheinland Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege] – durchgeführt in den Jahren 1980/81, 1986/87 sowie 1988 unter der Leitung der Archäologen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_M%C3%BCller_(Arch%C3%A4ologe) Dr. Gustav Müller (1921–1988)], [https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Kunow Dr. Jürgen Kunow (* 1953)] und Dr. Jeanne-Nora Andrikopoulou-Strack – wurde der Schlossinnenhof systematisch untersucht. Diese Forschungen brachten bahnbrechende Ergebnisse zur bis dahin weitgehend unbekannten Frühgeschichte des Platzes zutage: Neben dem fränkischen Waffendepot des 7. Jahrhunderts wurden die Fundamente der insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Kirchen und ein weitläufiges Gräberfeld mit Skelettresten von über 200 Individuen freigelegt. Die mühsame, zehnjährige wissenschaftliche Auswertung von rund 70.000 Keramikscherben durch die [[Marion Roehmer|Archäologin Dr. Marion Roehmer]] ermöglichte eine präzise zeitliche Einordnung der einzelnen Bauphasen und legte die Grundlagen für das heutige Verständnis der Zonser Bau- und Kirchengeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Architektur und Baubeschreibung ==&lt;br /&gt;
=== Die Hauptburg (Hochschloss) ===&lt;br /&gt;
Den baulichen Kern der Anlage Friedestrom bildet das dreiflügelige Hochschloss in der südöstlichen Ecke des Burgareals, welches einen gepflasterten Innenhof umschließt. Im Pflaster dieses Innenhofs machen farbige Pflasterungen die Grundrisse der bei Ausgrabungen in den 1980er Jahren entdeckten romanischen Vorgängerkirchen sichtbar – eine rötliche Pflasterung markiert eine kleine Saalkirche um das Jahr 1000, während graue Pflastersteine eine spätere, um 1200 errichtete dreischiffige Steinkirche kennzeichnen. Beherrscht wird die Kernburg von dem massiven, viergeschossigen [[Torturm]] an der Westseite, der sich über einer quadratischen Grundfläche mit einer Seitenlänge von rund 8,40 bis 8,50 Metern erhebt. Seine unteren Partien bestehen aus schwerem Säulenbasalt, der mittlere Teil des bis zu 1,70 Meter starken Wehrmauerwerks ist aus Tuff gefügt, und das Obergeschoss besteht aus Ziegelmauerwerk. An der feldseitigen Außenfront zeigt der Turm das spitzbogige Tor, umrahmt von der Blendnische der einstigen Zugbrücke samt den noch sichtbaren Kettenlöchern im Trachytmauerwerk. Über der tonnenüberwölbten Durchfahrt befinden sich zwei übereinanderliegende Wachtkammern mit Kaminresten, während das oberste Stockwerk aus einem vorkragenden Wehrgang mit kleinen achtseitigen Eckwarten besteht, der auf einem umlaufenden spätgotischen Spitzbogenfries aus Tuff mit Gussöffnungen an der Außenseite ruht. Vom Torturm aus erstreckte sich an der Westseite der innere Palas (Wohnpalas) des Erzbischofs mit einer ursprünglichen Länge von knapp 18 Metern und einer Tiefe von 6 Metern. Dieser Hauptwohnbau wurde jedoch während der hessischen Belagerungen im Dreißigjährigen Krieg (1646) durch Geschütze so schwer beschädigt, dass er verfiel und zur Ruine wurde. An seiner Stelle wurde im Jahr 1990 ein moderner Bau in zeitgenössischer Formensprache über den freigelegten mittelalterlichen Fundamenten errichtet. Der weitgehend im spätmittelalterlichen Bestand erhaltene Südflügel der Hauptburg beherbergt heute unter anderem Atelierräume, während der nördliche, am besten erhaltene Flügel über einem spätmittelalterlichen Gewölbekeller eine durchgehende, heute für kulturelle Veranstaltungen genutzte Halle besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Vorburg ===&lt;br /&gt;
Die Kernburg wird im Norden und Westen von einem hakenförmigen, ca. 11.000 Quadratmeter großen Vorburgbereich umschlossen, der sich wie ein Schutzring zwischen die Hauptburg und die eigentliche Bürgerstadt legt. Da die Kernburg infolge der Kriegszerstörungen des 17. Jahrhunderts unbewohnbar geworden war, verlegte der kurkölnische Amtmann seinen Wohn- und Amtssitz in das an der nördlichen Vorburgmauer 1658/59 auf dem Standort eines Vorgängergebäudes errichtete [[Herrenhaus]]. Dieses Gebäude präsentiert sich als ein langgestreckter, zweigeschossiger und neunachsiger Bau mit einem Satteldach, gelbem Putz und rot-weißen Fensterläden. In seinem historischen Gewölbekeller haben sich zwei gemauerte Hausbrunnen erhalten. Westlich schließt sich an das Herrenhaus der ehemalige Pferdestall (Marstall) an, bei dem es sich weitgehend um einen Backstein-Neubau aus dem Jahr 1974 handelt, sowie eine moderne Glashalle aus dem Jahr 1994. Der stadtseitige Zugang zur Vorburg erfolgte historisch durch ein heute vermauertes Tor in der Nähe des [[Juddeturm]]s. An der Nahtstelle von West- und Nordmauer der Vorburg erhebt sich als markanter stadtseitiger Eckpfeiler der schlanke, ca. 35,95 Meter hohe [[Juddeturm]]. Der Rundturm besitzt im Erdgeschoss eine enorme Wandstärke von 2,10 bis 2,50 Metern, die nach oben hin abnimmt, und weist bis zum Wehrgang einen wehrhaften Verbund aus Basaltquadern und Backsteinschichten auf. Eine barocke, geschweifte Schieferhaube mit einer achtseitigen Laterne krönt das Gebäude seit der Zeit um 1600 und ersetzte ein stumpfes Kegeldach. Im Inneren des Turms befindet sich im Erdgeschoss ein achteckiges, gewölbtes Gefängnis, von dem aus Gefangene durch eine Bodenluke in ein bis zu 7 bis 11 Meter tiefes, fensterloses Verlies hinabgelassen werden konnten. Die darüber liegenden, zu Wohnzwecken genutzten Obergeschosse weisen Kamine auf und sind über eine enge Wendeltreppe in einem fünfseitigen Treppentürmchen auf der Ostseite erschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Befestigungselemente ===&lt;br /&gt;
Zum Schutz gegen Angriffe war die Kernburg von der Vorburg durch eine gewaltige, heute trockengelegte Grabenanlage von 14 Metern Breite und ca. 6,5 Metern Tiefe abgeriegelt. Während die äußere Grabenmauer ausschließlich aus Basalt besteht, ist die innere Grabenfangmauer der Kernburg repräsentativ aus 18 Lagen Trachytquadern aufgemauert. Ein weiteres wesentliches Wehrelement ist der im Mittel 28 Meter breite Zwinger, der der gesamten Südseite der Stadt- und Burganlage vorgelagert ist. Dieser Zwinger, in den ehemals der ca. 12 bis 15 Meter breite, wasserführende Stadtgraben integriert war, bot eine zusätzliche wehrhafte Barriere und umschließt heute im östlichen Teil die seit 1935 etablierte Zonser [[Freilichtbühne]]. An der südöstlichen Ecke des Zwingers steht der markante, zweigeschossige [[Eisbrecher]]-Turm. Dieser als wehrhafter Dreiviertelturm aus Basalt errichtete Eckturm besitzt an seinem Trachytsockel deutliche waagerechte Einkerbungen. Diese Rillen entstanden im Laufe der Jahrhunderte durch die Treidelseile, mit denen herannahende Schiffe um die Ecke in den ehemals südlich des [[Zwinger]]s gelegenen Schloss- und Zollhafen gezogen wurden. Zugleich diente das massiv gefügte Bauwerk als Eisbrecher, um die weniger widerstandsfähigen Stadt- und Burgmauern vor den im Winter rheinabwärts treibenden Eisschollen zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg Friedestrom in Zons. Archäologische Untersuchungen in einer mittelalterlichen Festung&#039;&#039;, in: Fund und Deutung – Neuere archäologische Forschungen im Kreis Neuss (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes, Nr. 5), Neuss 1994, S. 100–107.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Die Kirchenbauten im Bereich der späteren Zollfestung Burg Friedestrom&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993 (1994), S. 149–151.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg Friedestrom in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung&#039;&#039;. Mit Beitr. v. Barbara Hollack, Manfred Kunter und Frank Siegmund (= Rheinische Ausgrabungen, Bd. 42), Köln 1998.&lt;br /&gt;
* Schneider, Peter Conrad: &#039;&#039;Zahn- und Kieferbefunde an menschlichen Skelettresten aus der mittelalterlichen Burg Friedestrom in Dormagen-Zons (Kreis Neuss)&#039;&#039;. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Zahnheilkunde des Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Gießen 1994.&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 70–123.&lt;br /&gt;
* Andrikopoulou-Strack, Nora/ Kunow, Jürgen/ Lichtenthal, Leo/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Archäologische Untersuchungen im Burggelände Friedestrom in Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 135–138.&lt;br /&gt;
* Kunow, Jürgen/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Die Kirchengrabung in Zons. Dokumentation&#039;&#039;, Dormagen 1982.&lt;br /&gt;
* Knörzer, Karl-Heinz: &#039;&#039;Pflanzenfunde in einer spätmittelalterlichen Latrine in Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 138–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kultur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmalpflege]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Archiv_im_Rhein-Kreis_Neuss&amp;diff=4375</id>
		<title>Archiv im Rhein-Kreis Neuss</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Archiv_im_Rhein-Kreis_Neuss&amp;diff=4375"/>
		<updated>2026-08-10T13:18:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:ARKN.jpg|400px|thumb|right|Der 2022 bezogene Neubau des Archivs im Rhein-Kreis Neuss, Schloßstr. 39, von Süden. Foto: Andreas Baum.]]&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;Archiv im Rhein-Kreis Neuss&#039;&#039;&#039; ist ein kommunales Archiv in Trägerschaft des Rhein-Kreises Neuss. Es dient als zentrale Sammelstelle für die historische Überlieferung des Kreisgebietes und hat seinen Hauptsitz in der Altstadt von Zons. Die Einrichtung bildet zusammen mit dem [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationalen Mundartarchiv Ludwig Soumagne]] und dem [[Kreismuseum]] ein regionales Kulturzentrum. Neben den Kreisbeständen verwaltet das Archiv auch die historischen Unterlagen der Städte Dormagen und Jüchen sowie der Gemeinde Rommerskirchen und unterhält die Außenstelle Stadtarchiv Grevenbroich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte == &lt;br /&gt;
Das Archiv wurde im Jahr 1982 als Kreisarchiv Neuss gegründet. Zu diesem Zeitpunkt existierten noch keine geeigneten Magazinräume oder nennenswerte Sammlungen. Die Verwaltung war zunächst im Kreisständehaus in Grevenbroich untergebracht. Nach einem Zwischenaufenthalt in einem Provisorium in einer ehemaligen Dienstvilla wurde der Sitz der Institution im Jahr 1990 dauerhaft nach Zons verlegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leitung des Hauses lag von der Gründung bis zum Jahr 2011 bei [[Karl Emsbach]], der den systematischen Aufbau der Bestände und Sammlungen verantwortete. Am 1. Januar 2012 übernahm [[Stephen Schröder]] die Leitung des Hauses. Seit der Vereinigung mit dem Dormagener Stadtarchiv im Jahr 2007 werden unter anderem die historischen Bestände der Ämter Dormagen und Nievenheim sowie von Stadt und Amt Zons gemeinsam verwaltet und nutzbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gebäude und Standorte == &lt;br /&gt;
Die Archiveinrichtung nutzt verschiedene bauliche Komplexe innerhalb der historischen Zonser Altstadt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Westtrakt der Hochburg:&#039;&#039;&#039; Das im Jahr 1990 bezogene Gebäude ist ein Neubau, der auf historischen Fundamenten errichtet wurde. In die moderne Architektur wurden ein sieben Meter hoher Turmstumpf sowie eine spätmittelalterliche Latrine integriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Neubau an der Schloßstraße 39:&#039;&#039;&#039; Im Jahr 2022 bezog das Archiv ein neu errichtetes Gebäude an der [[Schloßstraße]]. Dieser Neubau entstand an der Stelle des 1974 errichteten und 2015 abgerissenen [[Bürgerhaus]]es. In seiner äußeren Gestalt orientiert sich die Architektur an dem historischen [[Franziskanerkloster]], das dort bis zu seinem Abbruch im Jahr 1967 gestanden hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus unterhält das Archiv eine Außenstelle als Stadtarchiv Grevenbroich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestände und Bibliothek == &lt;br /&gt;
Das Archiv verwahrt rund 1,8 Kilometer laufende Akten, Urkunden und historische Zeugnisse aus einem Zeitraum von etwa einem halben Jahrtausend kreisweiter und lokaler Geschichte. Die Sammlungen umfassen zudem über 40.000 Fotografien, Karten, Grafiken und Pläne. Für die historische und genealogische Forschung bildet die bis in das Jahr 1832 zurückreichende Zeitungsüberlieferung einen wesentlichen Bestandteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Haus ist eine wissenschaftliche Fachbibliothek mit dem Schwerpunkt Landesgeschichte und allgemeine Kulturgeschichte angegliedert, die etwa 25.000 Bände umfasst. Überregionale Bedeutung besitzt dabei die Sammlung älterer Werke des 16. und 17. Jahrhunderts, die zu einem großen Teil aus der ehemaligen fürstlichen Bibliothek von Schloss Dyck stammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufgaben und Veröffentlichungen == &lt;br /&gt;
Das Archiv erfüllt die ihm durch das Archivgesetz NRW und das Kulturgesetzbuch NRW übertragenen Aufgaben der Sicherung, Erschließung, Bereitstellung und Veröffentlichung von Archivgut. Darüber hinaus leistet es historische Bildungsarbeit durch regelmäßige Ausstellungen sowie die Herausgabe und Redaktion wissenschaftlicher Publikationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Veranstaltungsprogramm gehören unter anderem die Reihen &#039;&#039;Geschichte im Gewölbekeller&#039;&#039; und &#039;&#039;Geschichte vor Ort&#039;&#039;. Für Schülerinnen und Schüler bietet das Archiv archivpädagogische Angebote an, die einen lebendigen Zugang zur regionalen Geschichte ermöglichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv zeichnet für die Redaktion des &#039;&#039;Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss&#039;&#039; sowie der Schriftenreihe des Kreisheimatbund Neuss verantwortlich. In der eigenen Reihe &amp;quot;Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss&amp;quot; erschien unter anderem im Jahr 2023 ein umfangreicher Sammelband mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur 650-jährigen Geschichte der Stadt Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach]]: &#039;&#039;Der Neubau des Kreisarchivs Neuss in Zons.&#039;&#039; In: &amp;quot;Archivhefte&amp;quot;, Heft 26, Köln 1993&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach]]: &#039;&#039;Zons. Portrait einer alten Stadt&#039;&#039;, Dormagen 2000&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer]]: &#039;&#039;Burg Friedestrom in Zons. Vom rheinischen Zollschloss zur Festung&#039;&#039;. Köln 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Angelika Riemann]]: &#039;&#039;Zum Titelbild: Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons&#039;&#039;. In: &amp;quot;Der Niederrhein&amp;quot;, Heft 1/2011&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stephen Schröder]]/[[Thomas Schwabach]] (Red.): &#039;&#039;Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt&#039;&#039; (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss, Band 3), Sankt Augustin 2023&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kultur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Hubert_Ross&amp;diff=4374</id>
		<title>Hubert Ross</title>
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		<updated>2026-08-07T21:50:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Lehrtätigkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Johann Hubert Ross&#039;&#039;&#039; (* 26. März 1813 in Zons; † 1. Februar 1897 in Zons) war ab mindestens 1843 (wahrscheinlich 1842) bis 1844 Unterlehrer an der [[Schulwesen|Elementarschule]] in Zons, als Vorgänger von [[Hermann Heller]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft ==&lt;br /&gt;
Hubert Ross wurde am 26. März 1813 in Zons als ältestes Kind der Eheleute Heinrich Ross (* 10. Dezember 1785 in [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BClchrath Hülchrath]; † 3. Juli 1848 in Zons), Bäcker, und Anna Catharina Lingen (~ 26. Juni 1784 in Zons; † 3. Januar 1849 in Zons) geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 612.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lehrtätigkeit ==&lt;br /&gt;
Seit Ende der 1830er Jahre war die Unterlehrerstelle nicht dauerhaft durch einen Lehrer besetzt. So kam es in den Jahren 1837–1842 immer wieder zu öffentlichen Ausschreibungen der Stelle.&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 68 vom 25. Juli 1837, Mitteilung Nr. 734; Öffentlicher Anzeiger Nr. 34 vom 18. April 1839, Mitteilung Nr. 421; Öffentlicher Anzeiger Nr. 18 vom 22. Februar 1841, Mitteilung Nr. 176; Öffentlicher Anzeiger Nr. 27 vom 14. März 1842, Mitteilung Nr. 283.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einem Eintrag im Zonser Zivilstandsregister 1843 unterrichtete in diesem Jahr der [[Lehrer|Unterlehrer]] Hubert Ross an der Elementarschule&amp;lt;ref&amp;gt;Er trat mit dieser Angabe als Trauzeuge bei der Eheschließung seines Bruders Johann Wilhelm Ross mit Maria Elisabeth Fleischhauer in Zons am 31. Juli 1843 auf: &#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 613.&amp;lt;/ref&amp;gt;, und er wird in der Funktion auch noch in einem Adressbuch von 1844 aufgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Adreßbuch des Kreises Neuß&#039;&#039;, Neuss (1844), S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist anzunehmen, dass er seit 1842 unterrichtet hatte. 1844 erfolgte eine längerfristige Besetzung der Unterlehrerstelle mit [[Hermann Heller]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_(Kerpen) Horrem bei Kerpen].&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 43 vom 22. Juli 1844, Mitteilung Nr. 738.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leider unklar, womit Hubert Ross ab 1844 den Lebensunterhalt verdiente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Hubert Ross heiratete am 6. (kirchlich am 11.) Oktober 1836 in Zons die ebenfalls aus dem Ort gebürtige Clara Lucas (* 23. Oktober 1812 in Zons; † 8. April 1844 in Zons), Tochter des Gärtners Johann Lucas (~ 13. November 1772 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich]; † 10. Oktober 1836 in Zons) und der Anna Catharina Natrath (~ 11. Januar 1773 in Zons; † 17. Dezember 1839 in Zons).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 436.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 612-613.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johannes Heinrich (* 6. Mai 1837 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef (* 7. Januar 1839 in Zons; † 7. Februar 1846 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Antonia (* 8. Dezember 1840 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Franz Anton (* 30. November 1842 in Zons; † 14. Juli 1843 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod seiner ersten Frau (8. April 1844) heiratete Hubert Ross ein zweites Mal in Zons, und zwar am 10. (kirchlich am 11.) November 1855 Anna Sybille Wassong (* 12. Oktober 1825 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Frixheim Frixheim]; † 10. Januar 1900 in Zons). Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 613.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gottfried Josef (* 21. September 1856 in Zons; † 2. Dezember 1864 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Franz Hubert (* 14. Februar 1858 in Zons; † 20. Dezember 1863 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sybille Hubertine (* 15. April 1859 in Zons), die am 13. Februar 1885 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] Gottfried Rottscheidt heiratete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Christine (* 17. Februar 1861 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Peter Josef (* 7. Juli 1863 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wilhelm (* 23. Mai 1867 in Zons/[[Nachtigall (Weiler)]]), der vor Juni 1898 auswärts Maria Schier heiratete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gottfried (* 24. April 1871 in Zons/[[Nachtigall (Weiler)]]); † 9. Mai 1871 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit 1839 wohnte die Familie in einem Haus an der heutigen Straße &amp;quot;[[Hohes Örtchen]]&amp;quot; (heute Hohes Örtchen Nr. 5), das in diesem Jahr durch Erbschaft und notariellen Akt von den verstorbenen Schwiegereltern an Hubert Ross ging.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Kataster B 5738 (Mutation eingetragen im Jahr 1843).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch einen Tauschakt vom 22. September 1864 ging dieses Haus 1864 an Gottfried Heinrichs. Wahrscheinlich ist die Familie Ross in diesem Jahr in ein neu errichtetes Wohnhaus in [[Nachtigall (Weiler)|Nachtigall]] an der Landstraße, der heutigen Bundesstraße 9 gezogen. Dementsprechend sind die nach diesem Jahr geborenen Kinder des Ehepaars Ross gemäß dem Geburtenregister dort zur Welt gekommen. Nachkommen der Familie Ross wohnten noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts dort.&amp;lt;ref&amp;gt; So der Sohn Wilhelm im Jahr 1910. Das Haus hatte 1910 die Adresse &amp;quot;Landstraße 244&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Ross, Hubert}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungswesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Hubert_Ross&amp;diff=4373</id>
		<title>Hubert Ross</title>
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		<updated>2026-08-07T21:49:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Lehrtätigkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Johann Hubert Ross&#039;&#039;&#039; (* 26. März 1813 in Zons; † 1. Februar 1897 in Zons) war ab mindestens 1843 (wahrscheinlich 1842) bis 1844 Unterlehrer an der [[Schulwesen|Elementarschule]] in Zons, als Vorgänger von [[Hermann Heller]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft ==&lt;br /&gt;
Hubert Ross wurde am 26. März 1813 in Zons als ältestes Kind der Eheleute Heinrich Ross (* 10. Dezember 1785 in [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BClchrath Hülchrath]; † 3. Juli 1848 in Zons), Bäcker, und Anna Catharina Lingen (~ 26. Juni 1784 in Zons; † 3. Januar 1849 in Zons) geboren.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 612.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lehrtätigkeit ==&lt;br /&gt;
Seit Ende der 1830er Jahre war die Unterlehrerstelle nicht dauerhaft durch einen Lehrer besetzt. So kam es in den Jahren 1837–1842 immer wieder zu öffentlichen Ausschreibungen der Stelle..&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 68 vom 25. Juli 1837, Mitteilung Nr. 734; Öffentlicher Anzeiger Nr. 34 vom 18. April 1839, Mitteilung Nr. 421; Öffentlicher Anzeiger Nr. 18 vom 22. Februar 1841, Mitteilung Nr. 176; Öffentlicher Anzeiger Nr. 27 vom 14. März 1842, Mitteilung Nr. 283.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach einem Eintrag im Zonser Zivilstandsregister 1843 unterrichtete in diesem Jahr der [[Lehrer|Unterlehrer]] Hubert Ross an der Elementarschule&amp;lt;ref&amp;gt;Er trat mit dieser Angabe als Trauzeuge bei der Eheschließung seines Bruders Johann Wilhelm Ross mit Maria Elisabeth Fleischhauer in Zons am 31. Juli 1843 auf: &#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 613.&amp;lt;/ref&amp;gt;, und er wird in der Funktion auch noch in einem Adressbuch von 1844 aufgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Adreßbuch des Kreises Neuß&#039;&#039;, Neuss (1844), S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist anzunehmen, dass er seit 1842 unterrichtet hatte. 1844 erfolgte eine längerfristige Besetzung der Unterlehrerstelle mit [[Hermann Heller]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_(Kerpen) Horrem bei Kerpen].&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 43 vom 22. Juli 1844, Mitteilung Nr. 738.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leider unklar, womit Hubert Ross ab 1844 den Lebensunterhalt verdiente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Hubert Ross heiratete am 6. (kirchlich am 11.) Oktober 1836 in Zons die ebenfalls aus dem Ort gebürtige Clara Lucas (* 23. Oktober 1812 in Zons; † 8. April 1844 in Zons), Tochter des Gärtners Johann Lucas (~ 13. November 1772 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich]; † 10. Oktober 1836 in Zons) und der Anna Catharina Natrath (~ 11. Januar 1773 in Zons; † 17. Dezember 1839 in Zons).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 436.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 612-613.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johannes Heinrich (* 6. Mai 1837 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef (* 7. Januar 1839 in Zons; † 7. Februar 1846 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Antonia (* 8. Dezember 1840 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Franz Anton (* 30. November 1842 in Zons; † 14. Juli 1843 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod seiner ersten Frau (8. April 1844) heiratete Hubert Ross ein zweites Mal in Zons, und zwar am 10. (kirchlich am 11.) November 1855 Anna Sybille Wassong (* 12. Oktober 1825 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Frixheim Frixheim]; † 10. Januar 1900 in Zons). Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 613.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gottfried Josef (* 21. September 1856 in Zons; † 2. Dezember 1864 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Franz Hubert (* 14. Februar 1858 in Zons; † 20. Dezember 1863 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sybille Hubertine (* 15. April 1859 in Zons), die am 13. Februar 1885 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] Gottfried Rottscheidt heiratete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Christine (* 17. Februar 1861 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Peter Josef (* 7. Juli 1863 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wilhelm (* 23. Mai 1867 in Zons/[[Nachtigall (Weiler)]]), der vor Juni 1898 auswärts Maria Schier heiratete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gottfried (* 24. April 1871 in Zons/[[Nachtigall (Weiler)]]); † 9. Mai 1871 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit 1839 wohnte die Familie in einem Haus an der heutigen Straße &amp;quot;[[Hohes Örtchen]]&amp;quot; (heute Hohes Örtchen Nr. 5), das in diesem Jahr durch Erbschaft und notariellen Akt von den verstorbenen Schwiegereltern an Hubert Ross ging.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Kataster B 5738 (Mutation eingetragen im Jahr 1843).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch einen Tauschakt vom 22. September 1864 ging dieses Haus 1864 an Gottfried Heinrichs. Wahrscheinlich ist die Familie Ross in diesem Jahr in ein neu errichtetes Wohnhaus in [[Nachtigall (Weiler)|Nachtigall]] an der Landstraße, der heutigen Bundesstraße 9 gezogen. Dementsprechend sind die nach diesem Jahr geborenen Kinder des Ehepaars Ross gemäß dem Geburtenregister dort zur Welt gekommen. Nachkommen der Familie Ross wohnten noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts dort.&amp;lt;ref&amp;gt; So der Sohn Wilhelm im Jahr 1910. Das Haus hatte 1910 die Adresse &amp;quot;Landstraße 244&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Ross, Hubert}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungswesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Josef_Hugo&amp;diff=4372</id>
		<title>Josef Hugo</title>
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		<updated>2026-08-07T21:36:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:hugo1.jpg|300px|thumb|right|Unterschrift von Josef Hugo.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Johannes Josef Hugo&#039;&#039;&#039; (~ 23. März 1739 in Zons; † 28. Juni 1823 in Zons) war ein Zonser Gastwirt, Schöffe, Ratsherr, Mitglied des [[Kirchenvorstand|Kirchenrats]] ([[Kirchmeister]]), Kampmeister, Assessor am Friedensgericht Dormagen und Chronist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elternhaus ==&lt;br /&gt;
Josef Hugo wurde am 23. März 1739 in Zons als ältestes Kind des Ehepaars [[Hermann Hugo]] († 16. November 1756 in Zons), [[Schöffen|Schöffe]] und Betreiber der [[Gaststätte &amp;quot;Im Grönenwald&amp;quot;|Schankwirtschaft &amp;quot;Im Grönenwald&amp;quot;]], und Anna Sybille Kreggers (Krieger, Krechgen) (* ca. 1703; † 4. Mai 1773 in Zons) getauft. Die Eltern hatten am 26. November 1738 in [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Kunibert_(K%C3%B6ln) Köln-St. Kunibert] geheiratet.&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.koelnerbuerger.de mit Verweis auf LAV_NRW_R, PA 1106, LK81.&amp;lt;/ref&amp;gt; In Zons wurden mehrere Geschwister getauft&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 309.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johannes Christian (~ 26. April 1742 in Zons; † 24. November 1742 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Theodor (~ 13. März 1744 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Peter (~ 28. Oktober 1748 in Zons), der in erster Ehe mit Agnes Jansen und in zweiter mit Anna Sophia Pesch (Eheschließung am 12. Dezember 1828 in [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]) verheiratet war&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das elterliche Haus war das [[Gaststätte &amp;quot;Im Grönenwald&amp;quot;|Haus &amp;quot;Im Grönenwald&amp;quot;]], das sich auf dem Standort des heutigen Hauses [[Grünwaldstraße]] 6 befand und namengebend für die Straße war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erwerbstätigkeit und weiteres Engagement ==&lt;br /&gt;
Josef Hugo hat den elterlichen Gaststättenbetrieb in der heutigen [[Grünwaldstraße]] übernommen. Später ging dieser an den Schwiegersohn [[Jacob Haller]] über, der bereits seit mindestens 1803 als Arbeiter (ouvrier) mit im Haus wohnte.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, Roer-Dep. 1635, fol. 12v.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hugo war daneben Landwirt (belegt 1803–1815&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, Roer-Dep. 1635, fol. 12v; Lisken-FBZ, S. 264.&amp;lt;/ref&amp;gt;), zusammen mit seinem Sohn Theodor Branntweinhersteller (belegt 1801–1802&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, Roer-Dep. 1722 II, fol. 196r; Lisken-FBZ, S. 116.&amp;lt;/ref&amp;gt;) und Wiederverkäufer (belegt 1809&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 264.&amp;lt;/ref&amp;gt;).&lt;br /&gt;
Mindestens seit 1781 war Josef Hugo Mitglied des [[Stadtrat]]s&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 191.&amp;lt;/ref&amp;gt; und mindestens seit 1786 Mitglied des örtlichen [[Schöffen|Schöffenkollegiums]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 1. Mai 1798 trat er das Amt des Assessors (Beisitzers) des kantonalen Friedensgerichts in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] an.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufzeichnung des [[Chronisten]] [[Johann Peter Delhoven]] zum 1. Mai 1798.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mindestens ab 1813 bis zu seinem Tod war Josef Hugo Mitglied des [[Kirchenrat|Kirchenrats]] von St. Martinus Zons, in der Funktion als [[Kirchmeister]].&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 138.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1780 wird er erstmals als Zonser &amp;quot;Kampmeister&amp;quot; erwähnt. Als solcher bat er in dem Jahr mit seinem Kollegen Franz Nolten beim [[Domkapitel]] um die Erlaubnis zur Errichtung eines Meilers auf der [[Lämmerweide]].&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Domstift, Akten 300, Kapitelsprot., p. 374 bzw. 392.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1805 lieferte Hugo 725 Feldbrandsteine für die Zonser Kirchenmauer; er wird dieses Amt also noch gehabt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 1022.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Josef Hugo heiratete am 1. April 1767 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf] Maria Elisabeth Elsen (* ca. 1738/39 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf]; † 3. Januar 1799 in Zons). Noch vor der Eheschließung kam ein Kind des Paares außerhalb Zons zur Welt (* ca. Januar 1767). Die Eheschließung fand nach den Generalvikariatsprotokollen mit Dispens vom Aufgebot sowie des Verbots der Eheschließung in der Fastenzeit statt. Der Zonser [[Pfarrer]] [[Ferdinand Bodifé]] wurde bevollmächtigt, die Ehe zu &amp;quot;sanieren&amp;quot; (26. März 1767), denn Maria Elisabeth Elsen war zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem zweiten Kind schwanger. Das Paar hatte sechs Kinder&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 309.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Catharina (* ca. Januar 1767 auswärts; † 12. Januar 1774 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maria Josephine (~ 21. November 1767 in Zons), die am 7. Februar 1792 in [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] ([https://de.wikipedia.org/wiki/St._Lambertus_(D%C3%BCsseldorf) St. Lambertus]) Peter Josef Pohl aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kaster Kaster] heiratete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johannes Wilhelm Michael (~ 18. Juni 1770 in Zons; † 18. November 1773 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Theodor (~ 1. November 1772 in Zons), der am 6. November 1803 in Zons Anna Elisabeth Flocks heiratete und mit ihr unmittelbar darauf nach [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] ([https://de.wikipedia.org/wiki/St._Lambertus_(D%C3%BCsseldorf) Pfarre St. Lambertus]) zog&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Agnes (~ 27. Dezember 1774 in Zons; † 31. Dezember 1847 in Zons), die am 24. (kirchlich 25.) Januar 1807 in Zons [[Jacob Haller]] (~ 25. September 1777 in Zons; † 31. März 1860 in Zons) heiratete,&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 264.&amp;lt;/ref&amp;gt; der die [[Gaststätte &amp;quot;Im Grönenwald&amp;quot;]] weiter betrieb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Maria (~ 11. November 1776 in Zons; † 6. August 1779 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Familie wohnte im elterlichen Haus des Josef Hugo, dem [[Gaststätte &amp;quot;Im Grönenwald&amp;quot;|Haus &amp;quot;Im Grönenwald&amp;quot;]] in der heutigen [[Grünwaldstraße]]. 1801 bewohnte Josef Hugo das Haus mit seinen Kindern Theodor und Agnes.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, Roer-Dep. 1722 II, fol. 196r.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ehepaar Hugo trat in Zons mehrfach als Taufpaten oder Trauzeugen in Erscheinung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Patenkinder von Maria Elisabeth Hugo&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johannes Caspar Fischer (~ 28. April 1760), Sohn von Peter Fischer und Maria Christina geborene Richrath&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 199.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Catharina Coenen (~ 10. April 1785), Tochter von Georg Coenen und Gertrud geborene Kratz&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 372.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Patenkinder von Josef Hugo&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Cordula Weber (~ 31. Mai 1764), Tochter von Peter Weber und Anna Maria geborene Mens&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 814.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Michael Lehnen (~ 27. Februar 1772), Sohn von Wilhelm Gerhard Lehnen und Margarethe geborene Schmitz&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 407.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wilhelm Josef Jansen (~ 15. Februar 1772), Sohn von Cornelius Jansen und Clara geborene Lemaire&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 317.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maria Catharina Flatten (~ 20. Januar 1773), Tochter von Peter Flatten und Anna Margarethe geborene Embgenbroich&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 201.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maria Agnes Falkenberg (~ 30. Juli 1779), Tochter von Johannes Theodor Falkenberg und Anna Gertrud geborene Föhnen&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 191.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Maria Havermann (~ 10. Oktober 1781), Tochter von Johannes Havermann und Anna Catharina geborene Engelsdorf&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 273.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Catharina Falkenberg (~ 8. November 1781), Tochter von Johannes Theodor Falkenberg und Anna Gertrud geborene Föhnen&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 191.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Flatten (~ 4. September 1788), Sohn von Peter Flatten und Anna Margarethee geborene Embgenbroich&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 201.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maria Sybille Loths (~ 2. November 1788), Tochter von Josef Loths und Anna Sophia geborene Bock&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 434.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johannes Peter Burbach (~ 24. Juli 1789), Sohn von Peter Burbach und Anna Catharina geborene Wimmer&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 119.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Peter Josef Pohl (~ 7. April 1792), Sohn von Peter Josef Pohl und Maria Josephine geborene Hugo&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 564.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Wolters (* 9. Juli 1799), Sohn von Johannes Wolters und Sybille geborene Peters&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 848.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Catharina Lucas (* 10. November 1803), Tochter von Andreas Lucas und Christina geborene Burbach&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 435.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Catharina Haller (* 16. April 1807), Tochter von [[Jacob Haller]] und Agnes geborene Hugo&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 264.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Schmitz (* 23. April 1807), Sohn von Heinrich Schmitz und Maria Gertrud geborene Trimborn&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 671.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Clara Haller (* 25. September 1809), Tochter von [[Jacob Haller]] und Agnes geborene Hugo&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 264.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Cordula Lucas (* 21. März 1810), Tochter von Andreas Lucas und Christina geborene Burbach&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 435.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Blömacher (* 10. Juni 1812), Sohn von Vinzens Blömacher und Christina geborene Wimmer&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 80.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Haller (* 13. Mai 1815), Sohn von [[Jacob Haller]] und Agnes geborene Hugo&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 264.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Hubert Schmitz (* 25. Dezember 1815), Sohn von Johannes Schmitz und Gertrud geborene Küppers&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 677.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Josef Hugo als Trauzeuge&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hochzeit von Cornelius Jansen mit Clara Lemaire am 29. Oktober 1765&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 317.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hochzeit von Daniel Leusch mit Anna Sophia Krücken am 22. Februar 1767&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 414.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hochzeit von Johannes Jussenhoven mit Anna Maria Fuss am 26. August 1801&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 330.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:hugo2.jpg|400px|thumb|right|Erste Seite der Chronik von Josef Hugo.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Orts- und regionalgeschichtliches Interesse und Ortschronik ==&lt;br /&gt;
Josef Hugo war besonders orts- und regionalgeschichtlich interessiert: Als er am 18. November 1815 mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagener] [[Chronisten]] [[Johann Peter Delhoven]] zusammentraf, berichtete er diesem einige ortgeschichtliche Begebenheiten, die Delhoven daraufhin in seinem Tagebuch notierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die Aufzeichnungen zum 18. November 1815.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hinterließ Hugo ein 16 Seiten (17 x 21 cm)  umfassendes, mit dem Titel &amp;quot;Zoonser Ursprunck&amp;quot; überschriebenes Manuskript, das heute im Pfarrarchiv von St. Martinus Zons unter der Signatur Nr. 5 aufbewahrt wird. In diesem Heft, das er zwischen 1821 und 1823, sicherlich im Bewusstsein seines nahenden Todes, also für die Nachwelt, angelegt hat, reflektiert er über herausragende geschichtliche Ereignisse in Zons, die er der Literatur entnommen, durch Erzählungen von Zeitgenossen oder durch eigene Beobachtungen erfahren hat. Der Berichtszeitraum reicht von der römischen Antike bis ca. 1820/21. Die Niederschrift wird, dem äußeren Eindruck nach zu urteilen, in ein oder zwei Zügen abgefasst worden sein. Dass das Manuskript heute im Pfarrarchiv aufbewahrt wird, dürfte auf das [[Kirchmeister]]amt des Chronisten bzw. seine Mitgliedschaft im [[Kirchenvorstand]] zurückzuführen sein. In dieser Funktion wird er wohl auch Zugang zum Pfarrarchiv gehabt haben, wo er also in den weit zurückreichenden Schriftquellen der Pfarre forschen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik von Josef Hugo ist in der Ortsgeschichtsforschung nicht unbekannt. Sie wurde bereits 1903 durch den Zonser [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] für seine Zons-Monografie&amp;lt;ref&amp;gt;[[Adam Otten]], Zons am Rhein, Düsseldorf 1903.&amp;lt;/ref&amp;gt; benutzt. Die spätere Forschung stützte sich durchweg auf die wenigen kurzen Zitate und Kommentare bei Otten, die bedauerlicherweise den Inhalt nicht immer exakt wiedergeben. Einige Passagen waren Grundlage für die Erzählungen von [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle]].&amp;lt;ref&amp;gt;[[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle]]/[[Hans Georg Kirchhoff]]: Zons – Werden und Schicksal einer alten Stadt, Düsseldorf o.J. [1960], S. 65 ff. Überarbeitete Neuauflage unter dem Titel Zons – Geschichte und Geschichten (= HSStD Nr. 11), Dormagen 1993, S. 55 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vollständig wurde der Text erstmals 2005 ediert.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Thomas Schwabach]], &amp;quot;Zoonser Ursprunck&amp;quot;: Die Chronik-Notizen von Josef Hugo (1739–1823), in: BlGZSt, Bd. X (2005), S. 51–60.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hugo war ein offenbar recht ungeübter Schreiber, worauf neben seiner schwerfälligen Ausdrucksweise und Syntax auch die teils ungewöhnliche Rechtschreibung und das ungelenke Schriftbild hinweisen. Glücklicherweise ist der Text insgesamt gut erhalten. Nur die letzte Seite ist aufgrund von Papierbeschädigungen nicht vollständig zu transkribieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurecht sind derartige Chroniken, die aus großer zeitlicher Distanz niedergeschrieben wurden und zudem zu erheblichen Teilen auf unsicheren Quellen beruhen, in ihrem wissenschaftlichen Wert höchst umstritten. Sie sind daher mit äußerster Vorsicht zu nutzen. Doch ist unstrittig, dass viele dieser Geschichten bei allem dichterischen Beiwerk auch einen wahren Kern haben. Diesen herauszuschälen, ist gerade die große Herausforderung einer kritischen Ortsgeschichtsforschung. Und schließlich bestehen hier auch graduell große Unterschiede: Wenn der Chronist beispielsweise als Zeitzeuge über besondere Ereignisse berichtet, deren Zeitzeuge er war, oder bestimmte Inschriften zitiert, die heute nicht mehr vorhanden sind, er selbst aber noch lesen konnte, besteht hier weniger Anlass zur Vorsicht, als bei Berichten über Ereignisse aus größerer zeitlicher Distanz. Doch jenseits der Frage der historischen Authentizität spiegelt die Chronik etwas nicht minder Interessantes wider: Den ortsgeschichtlichen Erfahrungshorizont und das Geschichtsbild eines Zonser Bürgers zu Beginn des 19. Jahrhunderts sowie einen kleinen Querschnitt der damals im Ort noch verbreiteten historischen Erzählungen und Legenden, die bis in unsere Zeit verloren gegangen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription der Zonser Ortschronik ==&lt;br /&gt;
:[1r] Zoonser Ursprunck&amp;lt;ref&amp;gt;Titel unterstrichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;, beschrieben von [[Schöffen|Scheffen]] Hugo in Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Chronik!&amp;lt;ref&amp;gt;Das Wort ist ein deutlich jüngerer Zusatz von anderer Hand, wahrscheinlich von [[Adam Otten]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ein Römischer Felt-Herr nahmens Suntium, der in der Gegent bemelter Statt Zoons ein Lager oder Castrum gesetz, baute an den damahls von Dormagen langs die oder über die [[Herrenbenden|Herren-Benden]] der Reihn flosse, außweiß der alten Reihnufern, baute neckst beym Reihn ein Casteel und nehnte dasselbe Suuns oder in seiner latanischer Roemer-Muttersprach Suntinum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nach langen verflossene Jahrhundert, da die Deü[t]sche die Romer überwunden, geriethe diß Casteel in Untergang. Nach und vor verfile es in Trümmer. Nach eingen verstrichene Seculis&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Seculis&amp;quot; = Jahrhunderte.&amp;lt;/ref&amp;gt; zoge [https://de.wikipedia.org/wiki/Dagobert_I. Dagobertus der Erste] als Konig in Franc gegen die Sachsen an, überwunde dieselbe und schenckte dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunibert_von_K%C3%B6ln heilgen Lamberto]&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist Kunibert von Köln.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Statt und Kolnische Länd. [1v] Dieser [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunibert_von_K%C3%B6ln heilige Lambert] ware der Intractor in seiner Jugent und geheimer Capinets-Rath, in dem Alter gemelten [https://de.wikipedia.org/wiki/Dagobert_I.  Dagoberto dem Ersten], deßwegen offerte diß Geschenckt als ein Beutpfennig demselben. Dies erklärt die geschetzte Teatrum Ubiorum.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Angaben über den römischen und frühmittelalterlichen Ursprung von Zons sind dem Bereich der Legendenbildung zuzuordnen. So ist ein römischer Feldherr namens &amp;quot;Sunti[n]um&amp;quot;, von dem sich der Name &amp;quot;Zons&amp;quot; demnach ableiten soll (bis heute ist die Namensherkunft nicht gesichert), nicht nachzuweisen. Auf eine römische Niederlassung bzw. ein Lager in der ersten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts deutet ein mehrfach angegrabenes Urnengräberfeld an der heutigen [[Deichstraße]] hin. Der genaue Standort konnte jedoch bis heute nicht lokalisiert werden. Mit Sicherheit befand sich diese jedoch nicht, wie der Text weiter ausführt, im Bereich von [[Schloss Friedestrom]]. Ob Zons bereits durch eine Schenkung des Merowingerkönigs Dagobert I. (623–639) an Bischof Kunibert (623–663) zum Bistum (ab 795 Erzbistum) Köln kam, ist nicht gesichert. Die ältesten urkundlichen Belege, die Zons (und seine Zugehörigkeit zum Erzbistum Köln) erwähnen, entstanden erst im 11./12. Jahrhundert; hierunter bezieht sich eine Urkunde auf das sogenannte Testament des Bischofs Kunibert (um 650), dessen Authentizität fragwürdig ist. Die angegebene Quelle &amp;quot;T[h]eatrum Ubiorum&amp;quot; kann nicht eindeutig zugeordnet werden. Möglicherweise bezieht er sich auf Aegidius Gelenus: De admiranda, sacra, et civili Magnitudine Coloniae Claudiae Aggripinensis Augustae Ubiorum Urbis Libri IV, Köln 1645.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:torschl1.jpg|300px|thumb|right|Das ehemalige Tor in das Areal von Schloss Friedestrom.]]&lt;br /&gt;
:Da nun das Casteel des Suntium, nach langen Jahren in Verfall gerathten, baute auf die Trümren der Ertzbischoff von Collen [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_von_Westerburg Friderich von Vesterburg]&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist Siegfried von Westerburg.&amp;lt;/ref&amp;gt; das itzge Oberschloß als eine Festung am Reihn und die Maur sambt dem [[Mühle|Müllenthurm]] zur Schützwehr des [[Schloss Friedestrom|Schloß]], und den [[Juddeturm|Goten-Thurn]] als ein Wachtthurn des [[Schloss Friedestrom|Schloß]], hatte gegen Osten den Reihn-Strom, gegen Norden den Graben oder Weyer mit zwey auffziehenden Brücken, so mich noch gedenckt, das dieselbe abgebrochen worden&amp;lt;ref&amp;gt;Sowohl das innere Rheintor (in städtischer Zuständigkeit), als auch das äußere Zolltor (in Zuständigkeit des Domkapitels) hatten jeweils ein Falltor.&amp;lt;/ref&amp;gt;, umgabe den Schloß-Hoff mit einer [2r] Maur vom Reihnufer biß zum [[Juddeturm|Goten‑Thurn]]&amp;lt;ref&amp;gt;Hierzu Ergänzung am Rand: &amp;quot;N.B.: Die Goten kommen von Javets Söhn her.&amp;quot; Die Interpretation, dass sich der Name &amp;quot;Juddeturm&amp;quot; mit &amp;quot;Judenturm&amp;quot; übersetzen ließe, worauf Hugo hier mit &amp;quot;Jahwes Söhne&amp;quot; und &amp;quot;Goten&amp;quot; (= Juden) anspielt, findet sich häufig. Der Name ist zwar nicht eindeutig geklärt, doch scheint ein Zusammenhang mit der Kölner Patrizierfamilie [[Judde (Familie)|Judde]], die auch in Zons begütert war, am wahrscheinlichsten.&amp;lt;/ref&amp;gt; und vom [[Juddeturm|Goten‑Thurn]] biß auff die Maur, so ein Brustwehr langs den danachs lauffenden Reihn‑Strom auff den [[Mühle|Müllen‑Thurn]] geth, versahe den Vorhoff mit drey Pforten, eine Pfort, so noch brauchbar&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist die Pforte zwischen dem heutigen [[Kreismuseum]] und der rheinseitigen Stadtmauer.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die zweyt eine so zugemaurth hinter der Scheur des Henrichen Schmitz, in dessen Hoff noch die alte Pavey&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Pavey&amp;quot; = Steinpflaster.&amp;lt;/ref&amp;gt; licht, deßen Hauß die Wachtstuben gewesen, von welchem Hauß&amp;lt;ref&amp;gt;An der Stelle, wo sich das beschriebene Haus des Hufschmieds Heinrich Schmitz befand (es brannte 1859 ab), steht heute das Haus Schloßstraße 25 (LAV_NRW_R, Katasterbücher). Das zugemauerte Tor ist noch heute in der Schlossmauer gut zu erkennen.&amp;lt;/ref&amp;gt; an biß auf die noch brauchbare Pforte alle Häuser haben ans Capitull in Collen biß zur Ankunft der Franzosen Abgaben zahlen müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Es handelt sich um die Bebauung im Bereich des ehemaligen Vorburggrabens, der bereits im 17. Jahrhundert zugeschüttet worden ist (RhStAZ, S. 3).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Schtor01.jpg|300px|thumb|right|Das Liebfrauentor mit dem &amp;quot;Bildchen&amp;quot; in den 1910er Jahren.]]&lt;br /&gt;
:Die dreyte Pfort ware vom Schloß‑Hoff biß auff den Reihn, so noch steth, aber zugemaurth, genenth [[Liebfrauentor|Unser Lieben Frauen‑Pforth]], so im [[Dreißigjähriger Krieg|Hessenkrig]] von den Hessen beschossen worden, aber das Mariabilt, so noch oben der [[Liebfrauentor|Pforte]] steth, wunderbar nicht verletz worden, wodurch die Andacht zu diesem Gnadenbilt zu [2v] und biß hie hin wehret&amp;lt;ref&amp;gt;Die besondere Verehrung der Schlosstor-Madonna hielt bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs an.&amp;lt;/ref&amp;gt;, um so villmehr, da die Kuglen zurück geprelt und den Feind selbst verletz. Die Beschädung konnte man noch an den Zigelsteinen sehn, ehe und bevor die Pfort überweist worden. Diß ertzehlt die damahls wohnende Halbwinnerin aufm Reihnfelder Hoff, so von Dochter auff Kinds Kinder ford erzehlt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Altkirche2.jpg|300px|thumb|right|Die alte Pfarrkirche St. Martinus. Lithografie aus dem Jahr 1857.]]&lt;br /&gt;
:1388, da der [[Friedrich von Saarwerden|Ertzbischoff Friderich de Sarwerden]] von dem damahlgen [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Keyser Friderch Barbarossa] den Zoll von Neus verschenckt worden&amp;lt;ref&amp;gt;Hier vermischen sich wieder Wahres mit Fiktivem: Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1155–1190) spielte im Zusammenhang mit der Rheinzollverlegung von Neuss nach Zons 1372 durch [[Friedrich von Saarwerden]] selbstverständlich unmittelbar keine Rolle.&amp;lt;/ref&amp;gt;, baute derselben den [[Rheinturm|Reihnturn]] oder S. Peters‑Turm außweiß der Inschrift &amp;quot;Anno millesimo trigentesimo octoagesimo octo Friderich de Sarwerden Archiepiscopus Coloniensi&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Bau (bzw. die Fertigstellung) des [[Rheinturm]]s unter [[Friedrich von Saarwerden]] wird hier korrekt in das Jahr 1388 datiert. Die Inschrift lautet allerdings richtig: &amp;quot;Fridericus de sarwerden ar[c]hiep(isco)p(u)s colonien(sis) me fecit Anno a nativitate d(o)m(ini) mille(simo) trecente(si)mo octuagesimo octavo&amp;quot; (= Friedrich von Saarwerden, Kölner Erzbischof, errichtete mich im Jahr 1388 nach der Geburt des Herrn).&amp;lt;/ref&amp;gt;, die [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfahrkirch]], das [[Rathaus|Rathhaus]] und die Mauren um die Statt, das Hauß oder itzie [[Schloss Friedestrom|Schloß]] vor die Beambte und Pfertstelle, wo zu selber Zeit der Reihn so klein ware, das die Schiffe‑Pfert mitten durch den Reihn gehen konten, die Schiffe zu ziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Angabe basiert auf einem Eintrag in der Kölner Stadtchronik: &amp;quot;In den jaren uns heren 1388 up sent Katharinen dach [25.11.], do was der Rin also cleine, dat de pert de schif midden in deme Rine up trecken, dat in mans gedenken nie eingeschach, und de putze waren verdruget, dat man rinwasser veil hatte up den gassen&amp;quot;. [Hist. Commission bei der Königl. Akademie der Wissenschaften (Hg.): Die Chroniken der niederrheinischen Städte. Cölner Jahrbücher des 14. und 15. Jahrhunderts, Bd. 2, Leipzig 1876, S. 46]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[3r] Damahls flosse der Reihn annoch von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] langs das Schloß auff [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] durch das Eulenloch um [[Bürgel]]&amp;lt;ref&amp;gt;Es ist korrekt, dass Bürgel zu diesem Zeitpunkt noch auf der linken Rheinseite lag. Allerdings floss der Rhein bereits in einiger Entfernung vom Altrheinbogen, der sich entlang der heutigen [[Aldenhovenstraße]] erstreckt. [Vgl. Rudolf Strasser: Die Veränderungen des Rheinstromes in historischer Zeit. Bd. 1: Zwischen Wupper- und der Düsselmündung (= Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 68), Düsseldorf 1992, Karte 4]&amp;lt;/ref&amp;gt;, welches ein Dorff mit einer Maur umgeben und in sich die Pfahrkirch hatte, wo biß in dem französischen 1794ger Krig alle Jahr um Pfingsten und Osteren die heilge Tauff&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist das Taufwasser.&amp;lt;/ref&amp;gt; benediciertz wurde, wo ich selbst mit dem Herrn [[Vikare|Sacellano]] als Custos in meiner Jugent habe hin gehen müßen. Auch so jemand zu [[Bürgel]] oder am Auslager sturbe, kame die Zonser Geistlichkeit und führte den Toden biß an oben benehntes Eulenloch, wo dan die Leichen eingesegnet wurden und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberger] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheymer] diese biß dahin gebrachte Leiche wieder einsegnete und zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] nach den Besegnußen und Ambt beerdigten, wobey ich Augenzeuge bin gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oben gemelter [[Friedrich von Saarwerden|Bischof de Sarwerden]], [3v] da nun die Mauren der neuen Statt sambt Pforten auffgebaut waren, ladete derselbe Bischof und Churfürst die langs das Reihnufer biß [[Bürgel]] wohnende Ackersleuth ein und schribe auf die Pforten und [[Rathaus|Rathhauß]], derjenige, der zo uns bautt als in die neu angelegte Statt [[Friedestrom|Fridstrom]], sollte ein Stim bey uns auffm Landtag ewig haben. Den [[Stüttger Busch|Stütger Walt]] ihre Viehe weyden, da nun die damahl um Suns Wohnende, so ihre Häuser von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] langs den Reihn gebauth, welche Plätz noch die [[Hofstädtchen|Hoffstättger]] den Nahmen führen, doch waren sie noch gewohnt an Suns, konten sie sich an den Nahmen [[Friedestrom|Fridstrom]] nicht gewohnen, sonder sagten schottweiß [?]: &amp;quot;Laß und Zoons bauen!&amp;quot;, wodurch entlich den Nahmen Zons entstanden.&lt;br /&gt;
[[Datei:raths1.jpg|300px|thumb|right|Das ehemalige Rathaus (Mitte) am Schloßplatz.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aufm [[Rathaus|Rathhauß]] stunde in güldenen Buchstaben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;quot;Hec domus odit, amat, punit, conservat, honorat&lt;br /&gt;
:Nequitiam, pacem, odium, crimina, jura, probos.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung: Dieses Haus hasst die Bosheit, liebt den Frieden, bestraft Hass und Verbrechen, schützt das Recht und ehrt die Rechtschaffenen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[4r] An einer Seyten des [[Rathaus|Rathhauß]] stund oben dem Pranger in schwartzen Buchstaben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;quot;Oderund peccari male formidine poenae.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung: Sie mögen verabscheuen, übel (grob) zu sündigen aus Furcht vor der Strafe.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Inmitten des alten [[Marktplatz|Marck[t]s]], so ist von der [[Stadtrat|Majestrat]] derselben mit Häuser bebaut, stunde das Rollhauß,&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist das in Zons aus Holz gefertigte Drehhäuschen (auch &amp;quot;Triller&amp;quot; genannt), in dem Delinquenten bei leichten Vergehen zur Schau gestellt und gedreht wurden. Hiervon leitet sich die mundartliche Bezeichnung &amp;quot;raderkastedoll&amp;quot; ab.&amp;lt;/ref&amp;gt; vor welchem [[Rathaus|Rathhauß]] alle Jahr oder sonsten, so [[Bürgergeding|Burgergeding]] gehalten nach gezogener Burger- oder Sturmklock, wurde dasselbe mit einem gestelten Disch und Stüllen vor [[Stadtrat|Maistrath]] selben unter blauen Himmel gehalten und das Bürgerrecht vorgehalten, die Hierten zeigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Nach langen verstrichene Jahren, da die Frantzosen unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIV. Ludwig dem 14ten] das gantze Land überschwemt unter dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_de_La_Tour_d’Auvergne,_vicomte_de_Turenne General Turenne] 1646 und eine Festung nach der ander eingenohmen hatte, wollte der französische&amp;lt;ref&amp;gt;Eigentlich: hessische.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Rabenhaupt|General Rabenhaubt]] auch Zons angriffen und so in die Enge getriben durch eine eiserne Falpfort durchgetrungen, also das die Franzosen zwischen zweyen Pforten alle sich versamlet hatten, da retorriten&amp;lt;ref&amp;gt;Retirieren = sich zurückziehen.&amp;lt;/ref&amp;gt; sich die Weiber auff den [[Rheinturm|S. Peters‑Turren]], erhitzten etwelche [4v] Binenstück&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Binenstück&amp;quot; = Bienenstöcke&amp;lt;/ref&amp;gt;, wurffen dieselbe am [[Zollhaus|Zolhauß]]&amp;lt;ref&amp;gt;Das [[Zollhaus]] war ein Vorgängerbau des heutigen Zoll- oder St. Vinzenz-Hauses neben dem [[Rheinturm]].&amp;lt;/ref&amp;gt; unter die versamlete Franzosen. Eine von diesen Amazonen wurffe oder fasste vom Gang des [[Rheinturm|Reihnturn]] einen Haustein&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Haustein war ein großer, behauener Baustein.&amp;lt;/ref&amp;gt; herunter und zerpfüntzte dem [[Rabenhaupt|Rabenhaubt]] den Kopf.&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist eine Legende. Rabenhaupt wurde nicht am Kopf getroffen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die andere Schildwacht schosse oben von der [[Feldtor|Feltpfort]] und erlegte seinen Obrigsten, wodurch auff das [[Rathaus|Rathhauß]] das Annagramm stunde:&lt;br /&gt;
:&amp;quot;[[Rabenhaupt|Rabenhaubt]] me obpungnavit, [[Goltstein|Goldstein]] me propungnavit, adjuvant populo Zontinensi&amp;quot;; worin sich auch befind 1646.&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung: Rabenhaubt griff mich an, Goldstein verteidigte mich mit Hilfe der Zonser Bevölkerung. Ein enthaltenes Chronogramm ergab die Jahreszahl 1646.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:mschule1.jpg|300px|thumb|right|Die ehemalige Mädchenschule, Hospitalplatz 1.]]&lt;br /&gt;
:[[Friedrich von Saarwerden|Fridrich de Sarwerden]] hatte auch ein reiches [[Hospital]] angelegt vor Krancke, Alte und Reisende, wo jetz das Schulhauß des Weiblenn‑Geschlechts steth.&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist das noch heute dort stehende Haus [[Hospitalplatz]] 1.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Stadtbrand 1620|1620]] ist gantz Zons abgebrent, außgenohmen der itzge Ancker&amp;lt;ref&amp;gt;Das Haus [[Gaststätte &amp;quot;Zum Anker&amp;quot;|&amp;quot;Zum Anker&amp;quot;]] stand bis 1832 auf dem Standort des heutigen Hauses [[Rheinstraße]] 4.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Auff dem Hauß des Andreas Lucas am Gibel aufm Kirchhof&amp;lt;ref&amp;gt;Das Haus des Tagelöhners Andreas Lucas existiert nicht mehr. Es befand sich gegenüber dem heutigen Haus [[Grünwaldstraße]] 6 und fiel in den 1870er Jahren dem vergrößerten Neubau der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|katholischen Pfarrkirche]] zum Opfer.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist ein Hawstein eingemaurth mit der Inschrift: &amp;quot;1620 ist Zon[s] den 21. Merz abgebrent, verbum Domini manet in aeternum&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung: Das Wort Gottes bleibt für immer.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[5r] 1666 hatt die [[Pest]] ville hundert Menschen weggerafft, das Zoll‑Cantor&amp;lt;ref&amp;gt;Cantor oder Contor = Geschäftszimmer.&amp;lt;/ref&amp;gt; ging mit den Beambten auff [[Stürzelberg|Sturzenberg]], das Cantor ware in der Capell am Feltende.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Angabe ist falsch. Die Kapelle in Stürzelberg wurde laut den protokollen des Domkapitels erst 1686 errichtet. Das &amp;quot;Kantor&amp;quot; der Zollbeamten wurde nach den Domkapitelsprotokollen in der Pestzeit in einem &amp;quot;Sommerhaus&amp;quot; in Stürzelberg betrieben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter andern hatt sich diese Geschichte zugetragen: Der letzte Meister von der Wüllenweber‑Fabrice&amp;lt;ref&amp;gt;Wollweberei&amp;lt;/ref&amp;gt; namens N. Becker&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist der Wollweber Heinrich Becker († 8. März 1694 in Zons), der am 3. September 1669 (den folgenden Angaben nach wohl in zweiter Ehe) in Zons Catharina Bocks († 2. Mai 1729 in Zons) heiratete (Lisken-FBZ, S. 51).&amp;lt;/ref&amp;gt;, dessen Sohn ich wohl gekent nahmens Georg Becker&amp;lt;ref&amp;gt;Der Sohn Johannes Georg Becker (~ 1. Mai 1686 in Zons; † 29. November 1771 in Zons) heiratete am 7. Februar 1723 in Zons Catharina Münchrath († 3. Juni 1723 in Zons) und am 13. Juni 1728 in Zons Catharina Freyenberg (Lisken-FBZ, S. 53).&amp;lt;/ref&amp;gt;, flohe vor Zons in einen Baumgarten, baute sich eine Tente&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Tente&amp;quot; = Zelt.&amp;lt;/ref&amp;gt;, unter anderen bekombt er eine Pest‑Beule an eine Wade, greift sein Scheer‑Messer, schundete selbe auß und ist glücklich darvon kommen, die Frau stirbt, und man zieth dieselbe auß, legt sie aufs Strohe, nach gezognem Geleuthe steth dieselbe wieder auf. Die Wüllen‑Fabrick ware ein Fabrice zwischen Zons und Lenip&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Lenip&amp;quot; = wahrscheinlich Piwipp (Fährhaus an der Rheinkrümmung gegenüber der [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Stadt Monheim].&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In dem Jahre 1690 biß [16]94 hatt der General Lacrix&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist der Partisan La Croix.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf hiesger Heyden mit hunderttausent Man gestanden. Da derselbe genöthig wurde, abzuziehen, lisse er das Garnisaun um Zons ligen. [5v] Dan ebenso hatt auch der damahlger [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._%28HRR%29 Keyser], welcher [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neus] entsetz hatt, mit seiner Armee auff der [[Hannepützheide|Zonser Heiden]] mit so grosser Arme gestanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist der &amp;quot;Neusser Krieg&amp;quot; 1474/75.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wie derselbe uber den [https://de.wikipedia.org/wiki/Erft Erftstrom] gezogen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Kühne Carl von Burgund] zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Grimlinghausen_(Neuss) Grimmendalshausen] geschlagen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neus] befreyd, wordurch die Haufge Laufgraben und Patryen&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Patryen&amp;quot; = Batterien.&amp;lt;/ref&amp;gt; noch zu sehn&amp;lt;ref&amp;gt;Die Franzosen hatten im März 1699 mit der Befestigung von Zons begonnen (GStAZ, S. 68).&amp;lt;/ref&amp;gt;, die doch Zeit meines Lebens verschwunden, wovon die beyde Felder das Heerfelt&amp;lt;ref&amp;gt;Flur &amp;quot;Im Herfeld&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Heerschleye&amp;lt;ref&amp;gt;Flur &amp;quot;In der Herschlei&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; noch in unsren alten Catastris den Nehmen füren.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Interpretation ist sicher falsch, da die beiden Flurnamen deutlich älter sind.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nun wieder auf die seckshundertneunger Jahre zurück zu gehen, kame der damahlge [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(Preußen) Churfürst von Brandenburg] desen Truppen und suchten auch Zons zu entsetzen. Die Preussen ladeten bey [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] auffem Wellhof&amp;lt;ref&amp;gt;Ehemaliger &amp;quot;Wallhover Hof&amp;quot; bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&amp;lt;/ref&amp;gt; einen Wagen mit Schantzen&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Schanzen&amp;quot; = Reisig- oder Holzbündel.&amp;lt;/ref&amp;gt;, fülten denselben mit Soldaten an. Ein Granadier, so den Wagen in einen weissen Küttel&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Küttel&amp;quot; = Kittel.&amp;lt;/ref&amp;gt; führte, nahme den Schwens‑Jung&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist der Sohn des Schweinehirten.&amp;lt;/ref&amp;gt;, [6r] dieser muste das vordere Pfert leiten. Dieser Jung als ein alter Man hatt diese Geschichte auch seiner zweyter Frau erzehlt, die welche diß mir, da ich dem Herren Fridensrichter Meyer&amp;lt;ref&amp;gt;Hugo war ja Assessor am Friedensgericht bei Richter Johannes Jacob Meyer (s.o.).&amp;lt;/ref&amp;gt;, erzehlt. Diese Frau sagte, dieser Mensch, der damahlen der Jung gewesen, ist meinen Man gewesen. Sie wäre von [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven] zu Hauß. Wie nun den Wagen zur [[Rheintor|Reihnpfort]] gekommen und die Statt verschloß[en], rife die Schildwarst&amp;lt;ref&amp;gt;Schildwache.&amp;lt;/ref&amp;gt;: &amp;quot;Wohin mit dem Wagen Schantzen?&amp;quot;. Anwort: &amp;quot;In die Statt, welche der Man im Doplen Esel soll haben&amp;quot;, so steth auf der Stelle der [[Gaststätte &amp;quot;Im Grönenwald&amp;quot;|Grüne Walt]]. Die Pfort wird eroffnet, der Preus führt den Wagen und setz denselben zwerch unter die Pfort, die Soldaten halten auß und machen die Garnesun&amp;lt;ref&amp;gt;Garnison.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu Krigsgefangene.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Ereignisse um 1700 sind nicht alle richtig wiedergegeben (vgl. GStAZ, S. 68–69).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nun ware der [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Clemens_von_Bayern Churfürst Joseph Clemens] in Franckreich geflücht, das Land den Frantzosen übergeben. [6v] Da nun die Sache auffm Reichstag beendigt war, kombt besagter Kurfürst obrück, kombt in Zons an, die Forten waren ihme verschlossen. Also sasse derselbe vor der Pfort auf einem Unckelstein, lisse durch seine Granadier die Pfort zusammenhauen, kehrte ins [[Zollhaus|Zollhauß]] ein, schribe mit Rothstein&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Rothstein&amp;quot; = Rötel, ein tonig-eisenhaltiger Malstein.&amp;lt;/ref&amp;gt; auff die Wand: &amp;quot;Er kame in seinen Eigenthum und die seinen nahmen ihn nicht auf.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Dieses Ereignis lässt sich Mitte März 1689 datieren (GStAZ, S. 333).&amp;lt;/ref&amp;gt; Diß war noch in dem vorgen Jahrhundert noch zu lesen.&amp;lt;ref&amp;gt; Diese Aufschrift war also im 18., nicht mehr im 19. Jahrhundert zu sehen, wie [[Adam Otten]], Zons am Rhein, S. 134, fälschlicherweise schreibt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er lisse sich mit einer Senft aufs [[Schloss Friedestrom|Schloß]] thragen, machte die Soldaten zu Gefangen und schickte dieselbe nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserswerth Keyserswert].&amp;lt;ref&amp;gt;In Kaiserswerth war das &amp;quot;Stockhaus&amp;quot; (Gefängnis).&amp;lt;/ref&amp;gt; In dem Jahr 1742 losete [[Clemens August|Clemens]] die Statt Zons wieder ein und besasse diese Statt zwey Jahr, legte zwey Companien Soldaten ein, frequentierte zwey ad 3 Monath die Jagt und [https://de.wikipedia.org/wiki/Beizjagd Riegerbeitz] und stunde diese Statt wieder ans [[Domkapitel|Capitull]] ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[7r] Zu Anfang des 1700 Jahrhundert sollen die Holländer die Wäll um Zons und Bollwercker mit Palisaden besetz gemacht haben, wo itz villes von geschligt&amp;lt;ref&amp;gt;geschleift, niedergelegt&amp;lt;/ref&amp;gt; worden.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine undatierte Altkarte zu Zons zeigt Schanzwerke um die Zonser Stadtmauer (LAV_NRW_R, Karten 2312). Die Karte dürfte demnach in das beginnende 18. Jahrhundert zu datieren sein.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im der vorletzre Jahrhundert die Pest in Collen grassierte&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist die Pestepidemie 1665/66.&amp;lt;/ref&amp;gt;, hatt das gantze [[Domkapitel|Thum‑Capitull]] in Zons gewohnt und auf [[Schloss Friedestrom|alten Schloß]] auf der Leehnleefen [?] ihr Cohr und Messe gehalten. In meinen Schull‑Jahren stunde daselbst noch den Altar. 1757 sturtz einen Gibel an der Feltpforten, zerquetzte 3 Kinder.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe Artikel zum [[Feldtor]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1762 residierte der neu erwehlte [https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_Friedrich_von_Königsegg-Rothenfels Churfürst] 6 Wochen in Zons biß zur Consecration.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Wahl von Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels, Zonser [[Amtmann]] 1756–1761, zum Erzbischof fand am 6. April 1761 statt, seine Bischofsweihe am 16. August des Jahres. Folglich hat er sich nicht 1762, sondern 1761 6 Wochen in Zons aufgehalten. Über seinen feierlichen Empfang anlässich des Antrittsbesuchs in Zons im April 1761 berichtet [[Johannes Peter Schwieren]] ausführlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1770 ware in Zons eine algemeine Revolution gegen die Bürgermeister und Rath und wurde eine capitularische Commission von Collen nach Zons gesant. Die Bürger klagten, das [[Stadtrat|Magistrat]] ihren gemeinen Wall, wo die Fogelstang&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist die Vogelstange, an der die Zonser [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]] ihr Königsschießen veranstaltete. Sie befand sich unmittelbar vor dem [[Rheintor]] am Wallgraben.&amp;lt;/ref&amp;gt; stunde, Herren Ambtverwalter [[Franz Bernhard Mappius|Mappius]] erblich verpfacht hätte. [7v] Die Commission bestunde auß dem Herrn Bischof und Dechanten Königseck‑Aulendorf&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Aloys_von_Königsegg-Aulendorf Karl Aloys Graf zu Königsegg-Aulendorf], Kölner Domdechant.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Thumheren von Schampa&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_von_Scampar Friedrich Ludwig von Scampar], Kölner Domdechant.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Cap. Sindico Bollig&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Heinrich Bollich, Domsekretär, Schöffe und Hofrat.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Anword des [[Bürgermeister]] [[Johannes Eberle|Eberle]] ware, diß wäre zum Vortheil der Gemeinde geschen, weil diß ein gemeiner Platz wäre. Der Bischof sagte: &amp;quot;Was sagstu? Pforten, Wäll und Mauren sind unß übergeben. Man hatt der Gemeinden zu ihrer Kostenbestreitung geben das Reihnfehr, Accis&amp;lt;ref&amp;gt;Akzise&amp;lt;/ref&amp;gt; und Weggelt, sonst ist Grund und Boden unser und unß übergeben.&amp;quot; [[Franz Bernhard Mappius|Mappius]] muste den Wall abstehn. Hievon bin ich Augenzeuge.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu die [[Schwieren-Chroniken|Niederschrift]] [[Johannes Peter Schwieren]]s.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:fklost04.jpg|300px|thumb|right|Das ehemalige Franziskanerkloster (rechtwinkliges Gebäude oben links) von der Mühle aus gesehen ca. 1934/38.]]&lt;br /&gt;
:1630 sind die Herr [[Franziskaner|Franciscaner]] in Zons gekommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Korrekt: 1646.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der erste Guardian ware der Vicarus von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Bethlehem_(Bergheim) Betlem].&amp;lt;ref&amp;gt; Es handelte sich um den Pater [[Wilhelm Sinzich]] ([[Adam Otten]]: Zons am Rhein, S. 110).&amp;lt;/ref&amp;gt; 1662 erbaute der [[Georg von Eyschen|Thumher von Esch]] ihre [[Franziskanerkirche|Kirch]]&amp;lt;ref&amp;gt;Das ist nicht korrekt: Das [[Franziskanerkloster|Kloster]] am [[Juddeturm]] wurde 1654–58 erbaut, die 1661 begonnene [[Franziskanerkirche|Kirche]] erst 1666 geweiht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und das Hauß, so noch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] steth, den Hasen genehn[t], ihnen zum ersten Kloster.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Haus in Dormagen ist erst 1682 durch Tausch gegen das Haus der ersten Niederlassung der Franziskaner in Zons in den Besitz der Brüder gelangt. Wahrscheinlich unterhielten sie hierin ab 1682 eine Terminei.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachher baute er diß stehende Kloster von Stein, erbauth 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1784, da der Reihn durch die Eissfarth so angewacksen, das das Waßer schier dem Altarstein gleich gestanden [8r] und die Statt gantz überschwembt gewesen, außgenohmen am [[Krötschenturm|Kreusch‑Turren]] ein Häussgen, wo der Gerichtsdiener noch wohnt&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist das noch vorhandene, an den Krötschenturm gebaute Wohnhaus (Mauerstr. 48).&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sontags wurde die h. Messe auf der Schloß‑Capell gehalten, es verdruncken 21 Stück Hornviehe. Der Abt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtstett] schickte den armen Bürgen einen Nachen angefüllt mit Broth und hollandischen Käß für die Noth leydende Bürgen. Ein hollandisches Schiff fuhre den alten Strom ein langs den Wellhoff von Dormagen auf Zons langs das Schloß und Stattmauer, konte aber wegen Eiß und starcker Drift nicht angehalten und gereth werden biß am Scheckermünster Werd unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorff].&amp;lt;ref&amp;gt;Vergleiche hierzu die Schilderung des [[Chronisten]] [[Johann Peter Delhoven]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794 biß 1795 erhube sich wieder diese Eißfarth, und zwar ein halben Fuß kleiner, wo ville Wachten der Franzosen, vom Reihnwaßer umgeben, sich nicht retten konten und jamerlich verdruncken.&amp;lt;ref&amp;gt;Vergleiche die Notizen hierzu von [[Johann Peter Delhoven]].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1799 erhube sich wieder eine Eißfart, also das von dem neue angelegten Kirchhof schier die Toden auß der Erden vor der [[Feldtor|Feltpford]] getrieben worden&amp;lt;ref&amp;gt;Der [[Friedhof|Begräbnisplatz]] vor dem [[Feldtor]] wurde 1798 angelegt und geweiht (Schwieren-Chr., &amp;lt;1065&amp;gt;). Der heutige [[Friedhof|Begräbnisplatz]] wurde dann nach der Rückverlegung erst 1841 angelegt und geweiht.&amp;lt;/ref&amp;gt;, [8v] wo dan der alte [[Friedhof|Kirchhof]] wieder zu Begräbnis der Toden in der Statt eingenohmen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:herrhs1.jpg|300px|thumb|right|Das ehemalige &amp;quot;Herrenhaus&amp;quot; von Schloss Friedestrom (heutiges Kreismuseum).]]&lt;br /&gt;
:Zuletz im Jahr 1820 erhube sich wieder ein Streit zwischen den Bürger und dem Eyenthumer Her [[Matthias Aldenhoven|Mattias Aldenhoven]], weme den Herren‑Platz nahmens der [[Marktplatz|Marck]] vor dem [[Herrenhaus|Schloß]]&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint ist das Gebäude des heutigen [[Kreismuseum|Kreismuseums]].&amp;lt;/ref&amp;gt; eigenthümlich seye. Die Bürge[r] begerthten denselben als ein gemeiner Platz. [Um?] nun die Wahrheit zu sagen: Das unter […] Bürger bey der damahliger [[Stadtrat|Majistrat]] […] ein Hauß zu bauen angestanden worden, zum [[Domkapitel|Capitul]] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Collen] verwisen. Peter Müller stunde bey dem Capitul darauf an und erhilte dreyzehn Fuß breith, die welche Joseph Hugo&amp;lt;ref&amp;gt;Der Verfasser des Textes.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Jacob Füngeling|Jacob Fongeling]] auß vorgezeigtes Concluniem dem Gericht darzu beordet wurden und must von der Majestrat doch 15 Fuß von der Schloßmaur wegen dem Pakulgengang [?]&amp;lt;ref&amp;gt;Es ist die &amp;quot;[[Wronesgasse]]&amp;quot; gemeint.&amp;lt;/ref&amp;gt; rund um die Statt, wo vor alten Zeiten dies nun von jedem auf der Stattmaur geb[…] […] herum angerufen wurde. Der [[Marktplatz|Marck]], den die junge Burger vor einen Gemeinheits‑Platz außschreien, dorften wir zu meiner Zeit nicht bebauen lassen, weilen er damahls Capitularis Grund ware und zum [[Schloss Friedestrom|Schloß]] gehörte.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Platz vor dem [[Herrenhaus]] wurde durch notariellen Akt vom 5. November 1829 durch den [[Bürgermeister]] [[Franz Michael Fischer]] an den Sohn [[Matthias Aldenhoven|Matthias Aldenhovens]], [[Franz Aldenhoven|Franz]] (1803–1872) verkauft (LAV_NRW_R, Not.-Rep. 428, Nr. 7375).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen und Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Hugo, Josef}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schöffen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kirchenräte]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Chronisten]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Quellen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<title>Matthias Nolden</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:nolden1.jpg|300px|thumb|right|Unterschrift von Matthias Nolden.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Matthias Nolden&#039;&#039;&#039; (* 1608/09 wahrscheinlich in [https://de.wikipedia.org/wiki/Geseke Geseke]; † 27. Juni 1695 in Zons), gelegentlich auch &amp;quot;Nolten&amp;quot; geschrieben, war von 1649 bis 1662 [[Stadtschreiber|Stadt-]] und [[Gerichtsschreiber]] sowie Verwalter der Kellnerei von 1649 bis 1664 und 1662 bis 1679 [[Schultheiß]] von Zons. 1649 bis 1679 hatte er ferner das Amt des [[Nachgänger|Zoll-Nachgängers]] inne, und ab 1657 bis mindestens 1662 war er [[Kirchmeister]] der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Zonser Kirche]]. Als &amp;quot;Pater spiritualis&amp;quot; (geistlicher Vater) des Zonser [[Franziskanerkloster|Franziskanerkonvents]] stand er der Ordensgemeinschaft sehr nahe und unterstützte diese tatkräftig. Die von ihm persönlich abgefassten Niederschriften zu historischen Ereignissen, Privilegien und Gewohnheiten des Ortes sind heute eine wichtige Quelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft ==&lt;br /&gt;
Matthias Nolden wurde 1608/09 wahrscheinlich im westfälischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Geseke Geseke] geboren&amp;lt;ref&amp;gt;Nach den Annalen der Franziskaner (PfAZ, Nr. 492) starb er am 27. Juni 1695 im Alter von 86 Jahren.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Vater verstarb dort Anfang Juni 1662.&amp;lt;ref&amp;gt;Matthias Nolden wurden aus diesem Grund vom [[Domkapitel]] ca. drei Wochen Urlaub gestattet, sich dort um die Nachlassangelegenheiten zu kümmern (HAStK, Best. 210, A 191, p. 440). Bereits am 4. Mai 1661 gestattete das [[Domkapitel]] ihm ca. 5 Wochen, dass er in Geseke &amp;quot;Promotorialschreiben&amp;quot; an Richter und Rat übergeben konnte (HAStK, Best. 210, A 191, p. 98).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erwerbstätigkeit, Hausbau ==&lt;br /&gt;
Matthias Nolden wurde nach seinen eigenen Aufzeichnungen (s.u.) 1649 vom Zonser [[Kellner]] [[Georg de St. Georgio]] ([[Kellner]] 1649-1672) als Kellnereiverwalter sowie [[Stadtschreiber|Stadt-]] und [[Gerichtsschreiber]] nach Zons berufen. Das [[Stadtschreiber|Stadt-]] und [[Gerichtsschreiber]]amt hatte er bis 1662 inne, das des Kellnereiverwalters bis 1664. 1662 übernahm er das [[Schultheiß|Schultheißenamt]] von [[Johann Hermann Bourwinkel]], das er bis 1695 innehatte. 1649 bis 1695 war er zudem [[Nachgänger]] des [[Zoll|Zolls]]. Für dieses Amt, das mit ihm erstmals eingerichtet wurde, erhielt er allerdings keine Extravergütung: Am 20. Dezember 1662 lehnte das [[Domkapitel]] seine diesbezügliche Bitte ab, mit dem Hinweis, er möchte sich stattdessen vom [[Zöllner]] [[Heinrich de St. Georgio]] eine Vergütung für dessen Amtsvertretung auszahlen lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 191, p. 606.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1657 bis mindestens 1662 war Nolden [[Kirchmeister]] an St. Martinus Zons.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 189, p. 103-104 (Dezember 1657); PfAZ, Nr. 574.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März 1664 berichtete der [[Zollschreiber]] [[Swibert Jansen]] dem [[Domkapitel]], dass sich die anderen Zollbeamten nicht an die letzte Verordnung hielten. Das [[Domkapitel|Kapitel]] lud daraufhin Matthias Nolden vor.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 192, p. 383, 390.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ende September 1664 beauftragte das [[Domkapitel]] Nolden mit der Erstellung des Güterverzeichnisses aus dem Nachlass des Domherrn [[Georg von Eyschen]].&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 192, p. 505.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als [[Heinrich de St. Georgio]] Anfang Januar 1664 aufgrund seines hohen Alters und Noldens bisheriger Erfahrung und gezeigten Einsatzes in den verschiedenen Verwaltungsaufgaben das [[Domkapitel|Kapitel]] bat, Nolden bereits als Adjunkt mit der Zusicherung der Nachfolge als [[Zöllner]] zu vereidigen, hielt das [[Domkapitel]] dagegen, dass das Amt des [[Zöllner]]s bereits dem Hofmeister und [[Zöllner|Zoll-Verwalter]] [[Johann Sebastian Martini]] schriftlich zugesichert worden sei.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 192, p. 314-317.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im April 1665 gewährte das [[Domkapitel]] Nolden eine Sondervergütung von 12 Goldgulden aus der Zollkasse.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 193, p. 73.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und im Juni des folgenden Jahres, als die Pest im Ort grassierte, erhielt er die Aufgabe, als [[Schultheiß]] streng auf die Einhaltung der [[Pestordnung]] zu achten.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 193, p. 291.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf seinen Bericht, dass sich der [[Schöffen|Schöffe]] [[Wilhelm Westhoven]] nicht an die Anweisungen gehalten und die Einwohnerschaft dadurch in Gefahr gebracht habe, bestrafte das [[Domkapitel|Kapitel]] jenen mit einer Geldstrafe von 10 Goldgulden.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 10, A 193, p. 258-259.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im September 1668 erstattete das [[Domkapitel]] dem [[Schultheiß]]en 14 Taler und 26 Albus, die er während der Epidemie für die Armen ausgelegt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 194, p. 164.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit Mai 1667 kassierte Nolden angesichts der friedlichen Zeiten zusätzlich das Soldatengehalt, das bisher der verstorbene [[Burggraf]] [[Johann Hilden]] bezogen hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 193, p. 459.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Februar 1669 wurde es ihm mit dem Hinweis, dass er durch die vielen Aufgaben ein ausreichendes Einkommen habe, wieder entzogen.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 194, p. 289.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seine später darauf, im Februar 1672, vorgebrachte Bitte um Gehaltserhöhung beschied das [[Domkapitel]] negativ&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 196, p. 34.&amp;lt;/ref&amp;gt;, wie auch seinen nochmaligen Versuch im Januar 1673.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 196, p. 237.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwei Monate darauf wurde ihm dann wieder die Hälfte des früher empfangenen Soldatengehaltes gewährt, das er ab dem Oktober des Jahres wieder vollständig beziehen durfte.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 196, p. 278, 398.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:rhstr10.jpg|300px|thumb|right|Das 1671 von Schultheiß Matthias Nolden errichtete Haus in der Rheinstraße (heute Rheinstr. 10). Es wurde in die Umfassungsmauern eines beim Stadtbrand 1620 abgebrannten Hauses hineingebaut. Bezeichnenderweise trug das Haus Anfang des 20. Jahrhunderts den Namen &amp;quot;Zum alten Schultheiss&amp;quot; (s. Detail Hausschild). Die Aufnahme entstand 1922.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:rhstr10(hogenbg).jpg|300px|thumb|right|Das wesentlich höhere Vorgänger-Gebäude, dessen Umfassungsmauern als Brandschutzmauern erhalten geblieben sind, auf dem Hogenberg-Stich aus dem Jahr 1575.]]&lt;br /&gt;
Matthias Nolden errichtete 1671 für seine Familie in den Umfassungsmauern eines beim [[Stadtbrand 1620]] abgebrannten Hauses an der nördlichen Rheinstraße ein neues Wohnhaus, das noch heute existiert ([[Rheinstraße]] 10).&amp;lt;ref&amp;gt;Am 12. Juni 1671 bewilligte das Domkapitel auf seine Bitte Holz aus dem &amp;quot;Brocher Busch&amp;quot; für den Hausbau auf dem wüst liegenden Hausplatz (HAStK, Best. 210, A 195, p. 344).&amp;lt;/ref&amp;gt; Später übernahm der Sohn [[Georg Matthias Nolden]] das Haus, das bezeichnenderweise noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Namen &amp;quot;Zum alten Schultheiss&amp;quot; trug.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 575, p. 64: &amp;quot;Jacob Horn von seinem Hauß zu St. Peter genant, auff der Rheinstraßen gelegen, nach Neuß H. Georg Matthias Nolten, Schulteß&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters bat Matthias Nolden im April 1679, dass sein Sohn [[Georg Matthias Nolden]] als Adjunkt im [[Schultheiß|Schultheißen-]] und [[Nachgänger|Nachgänger-Amt]] vereidigt werde, mit Zusicherung der Nachfolge. Das [[Domkapitel]] stimmte dem zu.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 200, fol. 48v (26.04.1679) und fol. 51r (28.04.1679). Nach dem Tod des Vasters erhielt der Sohn jedoch nur das Amt des Schultheißen definitiv übertragen, während Gerhard Wolters das Nachgänger-Amt erhielt (HAStK, Best. 210, A 216, p. 459-460, 468). In GStAZ, S. 318-319, 324, werden die Daten teils falsch wiedergegeben (irrtümlich Heinrich statt Matthias Nolden als Kellnereiverwalter, Schultheiß irrtümlich ab 1649).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Matthias Nolden hat vor dem April 1664&amp;lt;ref&amp;gt;Da die Matrikeln der Pfarre St. Martinus Zons erst 1664 beginnen, sind nähere Angaben zu Zeitpunkt und Ort nicht möglich.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gertrud geborene Habersack geheiratet, die am 25. Juli 1669 in Zons starb. In den Zonser Matrikeln sind zwei Kinder des Ehepaars verzeichnet&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 517.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Georg Matthias Nolden|Georg Matthias]], Zonser [[Schultheiß]]- und [[Nachgänger]]-Adjunkt ab 1679&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maria Barbara (~ 15. April 1664); Taufpaten waren Maria Barbara Lang (Ehefrau des Johann Lang), die Ehefrau des Melchior Lang und der [[Zollschreiber]] [[Swibert Jansen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine namentlich nicht bekannte Tochter wurde im Säuglingsalter (filiola) am 5. Juli 1668 in Zons beerdigt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein älterer Sohn des Matthias Nolden, Johannes Heinrich Nolden, wurde 1671 an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universitas_Studii_Coloniensis Universität Köln] immatrikuliert.&amp;lt;ref&amp;gt;Manfred Groten/Manfred Huiskes, Die Matrikel der Universität Köln, 7. Band (Register 1559-1797 I-Z), Düsseldorf 1981, S. 1413.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er heiratete am 24. November 1674 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Geseke Geseke] Maria Catharina Kalen von dort.&amp;lt;ref&amp;gt;Lisken-FBZ, S. 517.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 6. August 1688 bewilligte das [[Domkapitel]] auf Bitten des Vaters, dass er das vakante Richteramt in [https://de.wikipedia.org/wiki/Geseke Geseke] erhält.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 209, p. 249.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wenige Monate nach dem Tod seiner Frau im Juli 1669, im November des Jahres, heiratete Nolden mit kirchlicher Dispens vom Aufgebot sowie Erlaubnis zur Haustrauung Helene von Dungen († 9. Januar 1681 in Zons). Von dem Paar sind keine Kinder in den Taufmatrikeln verzeichnet. Und nach dem Tod der zweiten Frau heiratete Matthias Nolden noch ein drittes Mal: Catharina Clausen († 18. November 1694 in Zons). Diese dritte Heirat muss spätestens 1692 erfolgt sein, denn laut der Zonser [[Kopfsteuerliste 1692|Kopfsteuerliste von 1692]] lebte er zu diesem Zeitpunkt mit der Ehefrau, einer Tochter und einer Magd in einer gemeinsamen Haushaltung. Während er mit seiner Frau zusammen 2 Reichstaler zu entrichten hatte, waren für die Tochter 30 und für die Magd 20 Albus festgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, KK II, 1206, fol. 45v.&amp;lt;/ref&amp;gt; Catharina Clausen wurde kurz nach ihrem Tod (18. November 1694) in der [[Franziskaner]]kirche beigesetzt, wie auch ihr Mann im folgenden Jahr (s.u.).&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 492, unpagin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Tochter von Matthias Nolden, wohl aus erster Ehe, namens Helene, starb als Jungfrau am 31. Juli 1695 in Zons. Da sich die ursprüngliche Absicht ihres Bruders, sie bei ihren Eltern in der [[Franziskaner|Franziskanerkirche]] beisetzen zu lassen, nicht umsetzen ließ, wurde sie am 1. August in der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirche]] beigesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 492, unpagin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 1674 gestattete das [[Domkapitel]] Matthias Nolden, zur Beerdigung seines Bruders nach Westfalen zu reisen.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 197, p. 106.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Tod und Beisetzung ==&lt;br /&gt;
Matthias Nolden starb am Morgen des 27. Juni 1695 zwischen 4 und 5 Uhr. Am 30. Juni war seine Beisetzung in der [[Franziskanerkirche]]. Die Exequien in derselben Kirche hielt der Concionator (Prediger) des Konvents zusammen mit dem Diakon und Subdiakon. Am 20. Juli 1695 wurde der Gedenkgottesdienst (dies trigesimus) abgehalten.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 492, unpagin.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Bitten der Erben hatte der Kapitelssekretär zusammen mit dem [[Zöllner|Zoll-Verwalter]] [[Johann Heinrich Christ]] am 11. Juli im Sterbehaus die hinterlassenen und versiegelten Schriftstücke durchgesehen und dabei die die Stadt und das [[Schultheiß|Schultheißenamt]] betreffenden Dokumente für den Sohn herausgelegt und andere Dokumente (Kellnerei-Rechnungen der Jahre 1599, 1630, 1643, 1649-1656 und Zollrechnungen der Jahre 1652-1656) zur Domkapitels-Kammer überführt.&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 216, p. 277-278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiteres Engagement in Zons, Niederschriften ==&lt;br /&gt;
Matthias Nolden war den Zonser [[Franziskaner]]n sehr eng verbunden und unterstützte die Gemeinschaft in besonderer Weise. Die Klosterannalen bezeichnen ihn 1675 als &amp;quot;parens noster spiritualis&amp;quot; (unser geistlicher Vater), und der Eintrag zu seiner Beisetzung 1695 hebt seinen engagierten Einsatz für die Gemeinschaft hervor (&amp;quot;multa beneficia nobis praestitit et singularem ac constantem affectum semper ad finem acta ostendit&amp;quot;).&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 492.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er vermachte dem Kloster eine Stiftung, die mit dessen Aufhebung 1802 auf die [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirche]] transferiert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 857.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nolden hat sich auch für andere Ordensgemeinschaften eingesetzt: Als die Mönche des nahe gelegenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Klosters Knechtsteden] im April 1675 vor den herannahenden holländischen Soldaten flohen, nahm er mehrere in sein Haus in der [[Rheinstraße]] auf.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 492.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Nolden in Sorge war, dass alte Zonser Rechte, Privilegien und Gewohnheiten zunehmend verloren gehen, hat er diese zwischen 1684 und 1695 schriftlich festgehalten und dabei auch einige Erkenntnisse zur Geschichte des Ortes mit einfließen lassen. Diese Niederschriften liegen heute im [https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_Archiv_der_Stadt_Köln Historischen Archiv der Stadt Köln] unter der Signatur &amp;quot;Auswärtiges 376a&amp;quot;. Es folgt die kommentierte Transkription des Textes, der von großer Bedeutung für die Ortsgeschichtsforschung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription der Niederschrift Noldens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Schltrm01.jpg|300px|thumb|right|Von Nolden erwähnte sogenannte Schall-Löcher (eingemauerte Krüge aus Siegburger Steinzeug) in der Schildmauer neben dem Weißen Turm. Ihre Funktion ist unklar.]]&lt;br /&gt;
:[p. 1] Alldeweilen ich unterschriebener ab anno 1662 bis hiehin der Statt Zonß ohne Raum zu melden alß [[Schultheiß]]en, vorhin aber benentlich ab anno 1649 als [[Gerichtsschreiber|Gerichts-]] undt [[Stadtschreiber|Stattschreiber]], wie dan als Kellerie-Verwalter mit Rhat und That getrewlich beygestanden, bey meiner Ankunfft aber wegen dessen vielle Sachen in groser Confusion befunden, daß bey damahligem passirten [https://de.wikipedia.org/wiki/Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg heßischen Krieg], absonderlich dahe die Statt zweymahl durch damahligen Commendanten in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neus], [[Rabenhaupt|Ravenhaubt]] mit Nahmen, formaliter belagert geweßen, aber Gott Lob nicht impatronirt worden, alles uber und uber gangen, undt deßwegen mich befleißen müssen, so viel moglich, der Statt uhralte Privilegia undt gute Gewohnheiten nicht allen wieder auffzusuchen, sonderen auch ins Werck zu bringen, forth schrifftlich zu hinterlassen, weil gespurt, daß verschiedenen dan diß, dan jenes, so denselben wohlmeinendt proponirt, allerdings nicht gefällig, die liebe Wahrheit aber aus leicht zu bringen, wegen dessen so viel demehr hochnohtig, damit die alte Privilegia wieder ans Liücht kommen, die eingeschleichene böße Gewohnheiten aber gleichsahm begraben werden mögten, hierumb so dienet anfänglich zu lassen, wie daß das Schloß Zons für diesem ein Tempelherren-Wohnung [p. 2] geweßen seye, inmassen ahm [[Weißer Turm|grosen Thurn]] daselbsten die Schallöcher ein solches ausweisen thuen, ich auch anno 1650, alß die durch das Heeßische Lager annis 1646 undt 1647 geschossene Preß ahn der Schloßmauren rheinwarts wieder aufferbawet worden, ich die Fundamenta des geweßenen Chors mit Verwunderen angesehen, dabeneben vielle Todtenbeine allernegst dem Thurn, als daselbsten eine grose Kalckkule gemacht worden, sich gefunden, undt außgeworffen worden, wie dan auch noch verschiedene Landerey im Zonßer Feldt vorhanden, so das Tempellandt genandt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das Schloß ist anno 1293 von denen Colnischer Burgeren undt dero Adhaerenten, als gegen damahligen [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_von_Westerburg Ertzbischoffen Sigfridum] sich auffgeworffen gehabt, mit Gewalt eingenohmmen undt ruiniret worden, wie auß der anno 1659 in Druck außgangener Apologie&amp;lt;ref&amp;gt;Der Passus findet sich in: Johann Christian Lünig, Des Teutschen Reichs-Archivs Spicilegii Ecclesiastici, Fortsetzung des I. Theils: Von Ertz-Stifftern, Auch Teutschem und Johanniter-Orden, Leipzig 1716, S. 391.&amp;lt;/ref&amp;gt;folio Beylagen 74 mit mehreren zu ersehen, undt zwar in specie, wie undt was gestalt wohlgedachter Ertzbischoffen tractirt, als denselben gefangen gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Extract aus der Beylag sub Numero 25, so datirt anno 1293.&lt;br /&gt;
:Ipsum etiam archiepiscopum ausu sacrilego capientes et carcer[al]ibus vinculis non absque gravibus iniuriis et afflictionibus contumeliosis [p. 3] damnabiliter mancipatum vinculis Adolphum Comitem de monte longo tempore detineri procurarunt, et his non contenti iniuria iniuriis&amp;lt;ref&amp;gt;Druck: &amp;quot;iniuriae&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; accumulantes, cum ipsa ecclesia Coloniensis sic virtute et viribus esset destituta in possessionibus, rebus, et hominibus suis laedere et turbare ipsam non cessarunt&amp;lt;ref&amp;gt;Druck: &amp;quot;cessaverunt&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, ac praedictum Castrum Woringen&amp;lt;ref&amp;gt;Druck: &amp;quot;Woring&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; et Castrum Zons et Newburg nequiter expugnarunt&amp;lt;ref&amp;gt;Druck: &amp;quot;expugnaverunt&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, et funditis destruxerunt etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Altkirche2.jpg|300px|thumb|right|Die alte Pfarrkirche St. Martinus. Lithografie aus dem Jahr 1857.]]&lt;br /&gt;
:Daß dieses Schloß schon vor 400 Jahren den Nahmen Zons gefuhret habe, ist auß einem anno 1225 durch damahligen [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._von_K%C3%B6ln Ertzbischoffen Henricum] dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Kamp Closter Camp] mitgetheiltem Privilegio sub tituli negstfolgendt mit mehrerem zu ersehen. Zwischen diesem Schloß undt dem Pfannenschop hatt ein Dorff fur diesem gelegen, Fridtstrom mit Nahmen, woraus folgendes die Statt gebawet worden&amp;lt;ref&amp;gt;Hierüber Ergänzung: &amp;quot;undt ist der [[Zoll]] in alsolchem Dorff damahlen erhoben worden&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, in der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarkirchen]] vorhandenem Kelch zu ersehen, so einer, Reinardt Scheifferscheidt&amp;lt;ref&amp;gt;Reifferscheidt&amp;lt;/ref&amp;gt; genandt, [[Zöllner|Zollner]] auffm Fridtstrom anno 1534, der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Kirchen]] verehrt gehabt, undt hatt unter anderen [[Friedrich von Saarwerden|Fridericus de Sarwerden, Ertzbischoff zu Collen]] 1348, selbige mit einigen Thurn undt Maurwerckeren umbzingelt, daß [[Schloss Friedestrom|Schloß]] auch, wie auß dessen Walffen zu ersehen, mit der uberaus grosen K…hen&amp;lt;ref&amp;gt;Wort unklar.&amp;lt;/ref&amp;gt; forth dicken Mauren geziert, will geschweigen, daß die [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirch]] ebenfals auffrichten lassen, wie aus folgendem [p. 4] mit mehrerem abzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[Friedrich von Saarwerden|Fridericus 3., ein Graff von Sarwerden]], der 62. – 49. Ertzbischoff undt 33. Churfurst zu Collen, undt Verwanter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kuno_II._von_Falkenstein Ertzbischoffen Cunonis], ist im Jahr Christi 1370 erwehlet, bey Lebzeiten [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_IV._(HRR) Kayers Caroli des 4.], hatt neben den anderen Churfursten drey Kayser nacheinaner erwehlet undt zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Achen] gekrönet, [https://de.wikipedia.org/wiki/Wenzel_(HRR) Wenceslarum] nemblich, [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_(HRR) Rubertum] undt [https://de.wikipedia.org/wiki/Sigismund_(HRR) Sigismundum], auch noch einen erwählen helffen, nemblich [https://de.wikipedia.org/wiki/Jobst_von_M%C3%A4hren Jodocum Marggrafen von Brandenburg], welchen er, nach Absetzung [https://de.wikipedia.org/wiki/Wenzel_(HRR) Kayser Wenzels] erkieset, der aber nur einen 6-monatliche Regierung undt die Kayserliche Krone erlangent. Bey dieses Ertzbischoffens Zeiten ist die [https://de.wikipedia.org/wiki/Universitas_Studii_Coloniensis hohe Schule zu Cöllen] gestiftet im Jahr 1388, deren Anfang zuvor von deren trefflichen Leuthen [https://de.wikipedia.org/wiki/Albertus_Magnus Alberto Magno], [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thoma Aquinate] undt [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Duns_Scotus Joanne Scoto], so alle zu [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Collen] gelebt undt gelehrt, gemacht ware. Dieser Ertzbischoff besserte Zoonß, starb zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn] im Jahr Christi 1414, regierte 44 Jahr, ist im [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Thumb] begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Deme succedirte ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Graff von Moers, Theodorus] mit Nahmen, so 48 Jahr regieret hatt, ist zu Zoonß gestorben undt im [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Thumb] begraben worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 5] Daß aber vorgemeltes Dorff, wie gemelt, ohnweidt dem [[Schloss Friedestrom|Schloß]] gelegen, bezeugen die Kempe, so anoch Hoffstede&amp;lt;ref&amp;gt;Flur &amp;quot;[[Hofstädtchen]]&amp;quot;, unmittelbar südlich der heutigen Aldenhovenstraße.&amp;lt;/ref&amp;gt; genant werden, wie ich dan auch anno 1660 allernegst diesen Kempen noch ein alt groß steinerns Grab im Ackerlandt daselbst gefunden undt außgraben lassen, worinnen noch einige Todten-Bein vorhanden geweßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Statt ist annis [[Stadtbrand 1547|1547]] gantz, ausserhalb das Hauß zum Ancker&amp;lt;ref&amp;gt;Das Haus [[Gaststätte &amp;quot;Zum Anker&amp;quot;|&amp;quot;Zum Anker&amp;quot;]] stand bis 1832 auf dem Standort des heutigen Hauses Rheinstraße 4.&amp;lt;/ref&amp;gt; genant, so ahn der [[Rheintor|Rheinporten]] gelegen, wie dan [[Stadtbrand 1620|1620]] ebenfals gantz ausserhalb dreyen Haußer ahn der [[Rheintor|Rheinpforten]] in Asch gerathen undt abgebrandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bestehet de facto in hundertzwantzigacht Haußplatzen, groß undt klein, deren doch verschiedene woist liegen thuen, so durch die Hessische Belagerungen theils eingeäschert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Under die Statt gehoren zwey Dorffer, benentlich [[Stürzelberg|Sturtzelberg]] undt [[Horrem|Horm]], die Einwohner dieses Dorffs gehoren lebendig nach Zonß, thodt aber nacher [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], dessentwegen Nachbahren genent werden, seindt schuldig, Galgen undt Rader auffzurichten, forth mit Hacken undt Schuppen zu erschienen, fals jemandt gerichtet werden soll. Jene aber werden Mitburger genant, dahero auch schuldig, gleich den Burgeren Statt-Diensten zu thuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 6] Vor Zonß befinden sich verschiedene Graßblecher, undt zware in specie auffm [[Grind|Grindt]], so unter der Statt gelegen, 62 Lehen, deren einige 6 und andere 3 ½, etlich 3 Morgen halten thuen, geben jahrlichs in die Kellerey 84 Malder ein Faß Korn, undt eilff Gulden Colnisch Pfennigsgeldt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Item befinden sich daselbst 28 Grafen, so allodiall, deren jede neun Morgen halten thut, forth zwischen den Heckweiden 22 ¼ Morgen, so Zonßer Benden genant werden. In den Benden aber oberhalb der Statt befinden sich 32 ½ Juchenmorgen Benden. Item 67 ¼ Morgen Benden, so grobe Morgen genandt werden, wie dan 33 ¼ Morgen Hoffsteede, machen zusammen 133 Morgen. Darab jeder Morgen, so nur 3 ½ Fiertel Bleys halten thut, in die Kellerie jahrlichs unter sich gibt drey Fiertel Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weiters befinden sich daselbsten 22 folle Morgen, so allodial Graß-Gewachs, geben Herren [[Pfarrer|Pastoren]] jahrlichs ahn Platz Zehntens-Gelt pro Morgen 20 Albus.&amp;lt;ref&amp;gt;Passage &amp;quot;pro Morgen 20 Albus&amp;quot; nachträglich ergänzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jede Graf, davon zuvor Meldung geschehen, gibt Herrn Praelaten ahn Zehndten 2 Gulden, machet jeden [p. 7] Morgen 6 Albus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oberhalb dem [[Schloss Friedestrom|Schloß]] befinden sich 42 Morgen ohngefehr ahn Mehebenden, so ebenfals allodial, undt wirdt das Cranenorth&amp;lt;ref&amp;gt;Flur &amp;quot;Krahnen-Ort&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; genandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Langs den Rhein oberhalb der Statt liegen unserer gnädigsten gnadiger Herren Graßblecher, die Weeter&amp;lt;ref&amp;gt;Werther&amp;lt;/ref&amp;gt; undt Locher-Morgen genandt, fort die Miltz, Wasserkamp undt Herren-Dieck, wie dan negst dem Pfannenschop deren Herren-Benden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weiters schiessen auff den Rhein die Zonßer Spicher in der Anzahl 124, deren jedes in die Kellerei zu Collen jahrlichs 2 Gulden unter sich gibt. Diese Stucker haben vor diesem die Bürger alleinig genossen, undt wan von zweyen Eheleuthen eine abliebig worden, so hatt die letztlebende alsolchen Spich, so zusammen genossen gehabt, einen weg, wie den anderen ad dies vita behalten, jetzo aber, wan eins oder das andere vacant wirdt, beginn[t] unser gnädigst gnädiger Herren sich dere zu bedienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zeitlicher Herr Burg[erme]ister [in] Zonß hatt uber Lauff u[ndt Gr]aß [zu] befehlen, kann aber uber[haupt] [p. 8] niemandt bestraffen, hatt jahrlichs ahn Gehalt 4 Malder Haber, wie dan alle 4 Hochzeiten neben [[Schöffen|Scheffen]] undt [[Ratsherren|Rhat]] 4 Fiertel Weins zum Besten, deren drey aus der Statt Mittelen genohmen werden, eins aber zeitlicher [[Müller|Windtmuller]] hergeben muß, so auch selbe mit geniesset.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es wirdt zu behuef der Statt jahrlichs ein Schatz colligirt, woraus die Kellerie geniesset annue 28 Gulden 8 Albus, das [https://de.wikipedia.org/wiki/Breite_Straße_(Köln) Closter im Lambgen auff der Breiter Strassen] 17 Reichstahler 19 Albus ahn Interesse, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gymnasium_Laurentianum_Köln Gymnasium Laurentianorum] sicher Fundation halber 31 ½ Goldgulden, jeden ad funff Richsort verrechnet, undt ist jedes Hauß bey meiner Zeit angeschlagen worden ad funff Marck, dahe vorhin nur 1 Gulden gethan. Eß seint aber Herrn [[Schultheiß|Schultheißen]], Herrn [[Bürgermeister|Burgermeisters]], forth [[Schöffen|Scheffen]] undt [[Ratsherren|Rhats]], wie dan des [[Gerichtsschreiber|Gerichtschreibers]] Hauser darinnen frey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:So muß auch jeder Morgen Landts b[…] zwey Fetmenger, […] Grafen funff Albus, […] Graß, so nicht lehenruhrig. [p. 9] Ein Garten nach Advenant, die Lehenstücker in genere, seindt darab frey, als Juchen, grobe Morgen undt dergleichen Benden, fort Juchen, so Ardtlandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eß stehet denen Burgeren frey, mit dem Peil im Rhein zu fischen, wie dan mit Aelskorffen undt dergleichen klein Gezeig, fort mit Angelschnur, diejenigen aber, so Salmkorb legen, geben jahrlichs in die Kellerie acht Albus Colnisch. So hatt auch zeitlicher Herr [[Bürgermeister]] jahrlichs plus offerenti zu behuef der Statt zu verpfachten die Fischerey langs den Herren-Dieck, forth die so genante [[Leimkuhl|Leimkuhle]], undt haben zware die Burger sich allsolchen Grabens, so langs das Statt-Werff, bis ahn die Schleuße negst dem [[Rathaus|Rathauß]] meo tempore gangen, mit Fischen sich bedienet, wie aber anno 1684&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;anno 1684&amp;quot; unterstrichen.&amp;lt;/ref&amp;gt;, als der Rhein bis [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Collen] starck zugefroren geweßen, undt dadurch das Wasser unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinkassel Rheincassel] durchbrechendt langs [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] auff das [[Schloss Friedestrom|Schloß]] mit solcher Force ankommen, daß dadurch die auff gedachten Stattgraben schiessende Wehrter-Morgen zur Halbscheidt capot undt zum Rheinhafen worden, ist alsolche Fischerie dergestalt ruinirt, daß folgendes mehrentheils nicht mehr capabel [zum] Fischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 10] Die halbe Schlußel zu den Stattpforten muß der Gefreiter zeitlichem Herren [[Bürgermeister]]n alle Abendts zubringen, die ubrige Halbscheidt hatt der [[Burggraf|Burggref]] zu beobachten, undt wan es die Noth erfordert, müssen die [[Stürzelberg|Sturtzelberger]] als Mitburger das [[Schloss Friedestrom|Schloß]] bewachen helffen, inmassen selbiges jederzeit mit funff ad sechs Soldaten zum wenigsten besetzt geweßen, so Herrn [[Schultheiß|Schultheißen]] so wohl als denen [[Zollbeamte|Zollbeambten]] im Nothfall jederzeit ad requisitionem assistiren müßen, haben sonsten tempore Belli Hassiaci, als ich nach Zoonß kommen, uber die 70 Man auffm [[Schloss Friedestrom|Schloß]] sich befunden, so damahliger Herr General-Einnehmer Romer ex communi cassa zum Theil mit abbezahlt, bis das endtlich nach Absterben damahligen [[Amtmann|Ambtherrens]] [[Franz von Lothringen|Ihrer hochfürstlichen Durchlaucht zu Lothringen etc.]] mehrentheils abgedancket worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Herr Praelat zu Brauweiler hatt den grosen Zehendten zu Zoonß, fort von denen 28 Grafen auffm [[Grind|Grindt]] den Graßzehendten, benentlich von einer gantzer Grafen, so ohngefehr 9 Morgen halten thuet, 2 Gulden Colnisch, macht jeden [Morgen ¾] Albus ohngefehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 11] Weil ein zeitlicher Herr [[Pfarrer|Pastor]] von denen 22 follen Morgen, so zwischen den Juchen undt Weetermorgen-Benden gelegen, ebenfals Graß-Zehndten, undt zware von jedem Morgen 16 Albus, praetendiren wolle, als ist die Frag, ob Herrn [[Pfarrer|Pastoren]] ein mehrers dan Herrn Praelaten gebuhret credo quod nun, meiner Seiths, weil darunter drey Morgen besitze, habe mich zware eingelassen, demselben von jedem Morgen acht Albus jahrlichs herzugeben, anderen aber nit zum Praejuditz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zoonß muß wohl vor diesem ein gutes Orth geweßen seyn, inmassen als ich anno 1648 durch [[Georg de St. Georgio|Herren Commissarium de St. George]] dahin postulirt worden, selbiges noch in zimlicher Flor befunden, folgendes aber auß Anstifftung einiger unrauiger Kopf dergestalt in Confusion gerathen, daß schwerlich, weilen meinen Consilia als eines Außwendigens nicht allerdings acceptirt werden wollen, in guten Standt wieder kommen wirdt, undt wan meine gnädigst gnädige Herren sich bey Zeiten nicht interponiren werden, absonderlich des [[Stüttger Busch|Stutgerwandts]] halber, so mögte wohl destructio Hyerusalem darauff endtlich erfolgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:M[atthias] [Nolden]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen und Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Nolden, Matthias}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtschreiber]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gerichtsschreiber]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schultheißen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Chronisten]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tagebücher und Chroniken]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zollbeamte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nachgänger]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kirchmeister]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kirchenräte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quellen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Johann_Peter_Delhoven_2&amp;diff=4370</id>
		<title>Johann Peter Delhoven 2</title>
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		<updated>2026-08-07T21:23:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Fortsetzung der &amp;quot;Rheinischen Dorfchronik&amp;quot; [[Johann Peter Delhoven]]s für die Jahre ab 1801&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 1801–1810 ===&lt;br /&gt;
==== 1801 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[322]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januarius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Das neue Jahr bringt uns friedliche Nachrichten. Gemäß der lezten Frankfurter Zeitung ist&#039;s Waffenruhe, bis ein von Wien nach Paris geeilter Kourier zurückkömmt, der das Ultimatum des Wiener Hofes überbringt. Die Franzosen stehn zu Linz an der Donau, beynahe 40 Stund von Wien. In Italien ist noch nicht hauptsächlich geschlagen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Vor 6 Tagen war der Rhein ausgetreten, doch nur so weit, daß man vom Welferhof durch die Benden mit Stiefel durchkommen konnte. Hier oben am Steinbüchel, wo wir vorigen Herbst in den zerbrochenen Damm einen Sommerdeich gemacht hatten, kame kein Wasser durch. Am Monheimer Weeg und auf Rheinfeld zu triebe das Wasser an Welfen hin. Es ist nun wieder am fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Wir hatten ausser dem achttägigen neulichen Frösten noch keinen Frost. Zwar wehet seit einiger Zeit beständig der Wind vom Nöthstein, dennoch friert es sehr wenig. – Der Kayser hat nun mit den Franzosen einen neuen Waffenstillstand getroffen. Die Franzosen stehn auf 15 Stund nach vor Wien. Man hat die gegründeste Hofnung, daß es nun Friede wird. Tirol wird von den Kayserlichen geräumt und von keinen Truppen besezt. Die Vestungen Würzburg, Braunau, Kufstein und alle Zugänge und Verschanzungen zu Tirol werden den Franzosen eingeräumt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Heut fienge es etwas an zu frieren. – Es werden wieder Früchte zu Wasser nach Holland geführt. Deswegen gillt das Korn pro Malder 3 Kronthaler französisch hier zu Dormagen, und das Weitz 8 Reichstahler 30 Stüber. Am 26ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Seit einigen Tagen hatten wir solch ungestümes Wetter, daß der Rhein wieder heute Morgen den Welferhof abgeschnitten hat. – Gestern um den Mittag ward die Frau des Caspar Odendahl von Straberg auf dem Anxeler Broich durch einen Messerstich am Halse getödtet. Ihr Mann hatte sich schon seit einiger Zeit von ihr getrennet. Er ließ ein falsches Attestat mit der Unterschrift des Pastoren von Nivenheim verfertigen und gienge damit ins Preussische, wo er sich mit einem jungen Mädchen, ebenfals von Straberg, trauen ließ. Er kame zurück, der Friedensrichter beredete ihn, daß er die erste, rechtmässige Frau wieder zu sich nehmen sollte. Er nahm sie wieder zu sich und schlief einige Nächte zwischen den zwey Frauen. Dann juge er die eine wieder fort, welche sich zu Vanicum aufhielt und in der Abdey Knechsteden Brodt bettelte. Gestern schliche er, Odendahl, sich um den Mittag in die Gesträuche, und als seine erste Frau von Knechsteden kam, ergriff und warf er sie in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[323]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:eine nahe Torfgrube. Sie arbeitete sich zweymahl wieder heraus, und da sie groß und stark war, wehrete sie sich lange, biß endlich ein Messerstich durch den Hals ihr Leben endigte. Eine Frau von Anxel stand mit einem Mägdchen in der Nähe und sahe der Geschichte zu. Und als der Mörder sich entfernte, eilte die Anxeler Frau dahin, der Unglücklichen beyzustehn. Sie zohe sie aus dem Wasser, aber es ware schon alles Leben von ihr gewichen. Da kame der Mörder nochmahl aus dem Gebüsch hervor und drohete mit dem Messer in der Hand der Frau, daß er sie gleichfals ermorden werde, wofern sie nicht fortgienge oder etwas sagte. Sogleich ward die Geschichte in der Nachbarschaft kund. Der Maire von Nettesheim fertigte heute Früh den Bericht an den Friedensrichter, welcher sogleich Verdacht auf den Odendahl hatte und die Gensdarmen nach Straberg beorderten, um den Odendahl einzuladen, mit zum Friedensrichter zu gehn, oder, dafern sie nur vernähmen, daß er, Odendahl, um die Zeit des Factums abwesend gewesen seye, so sollten sie ihn gleich arettiren. Dies geschah, und er blieb in Gewahrsam von 10 Bauern die Nacht in Straberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Zwischen der Predigt bracht ein Gensdarm den Odendahl wohl geschlossen an einer Kette herein. Der Friedensrichter ließ ihn im Verhör einen blauen Kittel anlegen, und sogleich erklärten die Frau und das Mädchen, daß er der Mörder sey. Dennoch läugnete der Mörder immerfort, obschon er auf die Fragen sehr zweydeutig antwortete. Den 3ten und 4ten dauerte das Verhör fort, am 5ten ward er nach Kölln ins Correctionel gebracht. Kornpreis 5 Reichstahler 45 Stüber, Weitz 9 Reichstahler hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Heute fienge es stark zu frieren an. – Auch kame der Director des Jury den Commissair vom Zuchtgericht mit einem Friedensrichter und Huissier von Kölln hieher, um die Odendahlische Geschichte näher in Straberg selbst zu untersuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten wurde die Kapelle zu Straberg vom Pastor (Dechant) in Gohr eingeweiht und die erste Messe darin gehalten. Die Gemeinde hat Erlaubniß, auf 3 Jahr an Werktagen darin Meß zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Vom 11ten bis hieher hatten wir ein artiges Frostbähnchen. Es thauet nun aber wieder auf. Der Weitzen gillt hier 10 Reichstahler, Korn 6 pro Malder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Der Frühling rückt an. Lerchen und Buchfinken trillern ihre Lieder. Friede lachet unsern Fluren, und wir bleiben Republikaner. Es wird hier am Rhein so viel Geld verdient, daß unsere künftige Verfassung immer mehr Anhänger findet. Die Früchten stehn noch im hohen Preise. Das Paar Korn und Weitzen wird hier im Dorf zu 16 Reichstahler bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[324]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1801&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Es ist schon alles am Wachsen. Wenn nur späthe kalte Nächte es nicht verderben! – Gestern Abend 9 Uhr fuhren 3 Mann vom Sturzelberg mit einem Nachen Haber und Gerst auf die andere Seythe. Als sie in der Mitte des Rheines waren, bekame der Nachen von hinten ein Loch. Der Eigenthümer ertrank gleich, der sogenannte &amp;lt;u&amp;gt;Kart-Gerard&amp;lt;/u&amp;gt; rief noch lange um Hilf. Derjenige, so ruderte, 20 Jahr alt, ergrif einen Sack mit 3 Faß Haber, worauf er mit dem Kinn ruhte. Auch war der Ruderriemen von hinten unter seinem Kopf. Unter entsetzlichem Hülfrufen triebe er von Stürzelberg bis gegen die Kirch von Himmelgeist, wo vier Nachen, dies und jenseits, ihn retteten. Es ware stockfinster. Die Leuthe waren mit bloßen Hemden aus den Betten in die Nachen gefallen. Die zwey andern aber sind ertrunken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Gemäß dem 6ten Articel des Friedens von Lüneville werden die darin benannte Vestungen auf dem rechten Rheinufer geschleift den deutschen Fürsten zurückgegeben. Es sind deshalben zu Düsseldorf 3.000 Mann aus dem Bergischen beschäftigt, die Batterien und Werken zu zerstöhren. Die Mauren der Citadelle werden gesprengt durch Pulver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Täglich fällt etwas Regen, ohne daß es warm dabey ist. – Das Paar Korn und Weitzen gillt dermahlen in Monheim 16 Reichstahler. Vor drey Wochen ward das Paar noch dafür hier in Dormagen verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Einige Tage war es wüst und windiges Wetter. Gestern wuchs der Rhein so sehr, daß schon heut Morgen die Gemeinschaft mit Welfen und Rheinfeld abgeschnitten war. Es schwoll so hoch an, daß man es mit Mühe durch ein aufgeworfenes Dämmchen wehrete, daß es nicht über die Landstraße ins Bixem kam. Am 26. und 27ten waren es sehr feine Frühlingstage. Am 28ten konnte man noch nicht anders als mit einem Nachen nach Welven kommen. Das Malder Korn gilt zu Monheim 6 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 11 ½ Reichstahler Kölnisches Maas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Angenehme Frühlingstage. – Die Franzosen verlassen allmählich die Kayserliche Staaten. Hingegen rüsten sich die Russen, Schweden, Dänen und Franzosen gemeinschaftlich gegen England, um auch diese zum Frieden geneigt zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Die Schweden, Dänen und Russen sind ein Bündniß eingegangen, um die Herrschaft der Engländer zu Wasser zu beschränken. Deshalb sind die Engländer mit einer Flotte den Sund passirt, um friedlich gegen jene Mächte zu agiren. – Die Engländer haben während diesem Krieg folgende Insulen weggenommen: 1793 Tabago, Miquelon, Pondycheri, einen Theil von St. Domingo und die Touloner Flotte; 1794 Martinique, Guadalupe, St. Lucie, Maria Galante und Corsica; 1795 Trinquemale und das Cap der guten Hofnung; 1796 Amboina, Berbice und Demerara; 1797 Trinidad; 1798 Minorca; 1799 Surinam; 1800 Gorea, Maltha und Curaçao.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[325]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bisher trocken-kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Heute kame die Reserv-Artillerie der holländischen Armee. Es blieben 40 Pferd und 160 Mann hier, die übrige wurden auf Nivenheim, Zons, Worringen, Hakenbroich und Delven verlegt. – Die Früchten sinken wieder. Man verkauft hier das Paar zu 15 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten kame die holländische reitende Artillerie, der Stab mit 40 Pferden blieb hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten folgte ein Regiment batavische Husaren, wovon nur der Stab hier logirte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Es ist seit anfangs Aprill sehr trocken und nordwindig kalt mit Frost und Reif. Der Commendant von Kölln foderte 18 Carolin von den Maierien Dormagen, Worringen, Zons und Nivenheim. Es kame für Dormagen und Horm 10 Kronthaler, Nivenheim wollte nichts zahlen. Dagegen verbindet sich gemellter Commendant, die noch folgende holländische Armee über die Gillbach zu schicken. Es sind auch wirklich mehrere Züge über die Gillbach passirt. – Der König von Preussen ist der Nord-Coalition (siehe 9ten April) beygetreten. Dagegen ist Kayser Paul von Rusland den 26ten Merz plötzlich gestorben, wahrscheinlich durch eine Vergiftung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Heute musten in hiesigem Canton die öffentliche Beamten das Fest des Friedens und der Vereinigung der vier Departemente mit der Französischen Republick feyern. Diesen Morgen ward gebeyert, um den Mittag die Gemeinde-Klocke gezogen, und vom Mayer Neesen die Friedensartikel und zwey Proclamationen von Bonnaparte und dem Präfect vorgelesen, wobey zwey Gensdarmes mit blanken Säbeln paradirten. Die Commisen machten verschiedene Salven aus kleinem Gewehr, und der hiesige Barrier-Empfänger bliese vermittels einer Trompette Tusch dazu. Am 21ten abends 7 Uhr ward in der Kirche die Complet mit einem &amp;quot;Te Deum&amp;quot; abgesungen, wobey der Pfarrer eine kurze Rede hielt, zur Danksagung des wohlthätigen Friedens. Nachdem hielten die öffentliche Beamten eine Zeche bey Steinberger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten kame ein Escadron Chasseur vom 23ten Regiment. Sie giengen heute von Kölln bis Neus hierdurch. Bey der Bagage hatten sich viele Chasseur zugesellt. Diese stürmten zu Fühlingen ein Haus und beuteten eine Schunke. Die Inhaberin kame hieher, und der Friedensrichter ließ die Wägen visitiren, worauf man die Schunke fand und selbe der Frau wiedergab. Der Friedensrichter berichtete sogleich den Vorfall an den General nach Kölln. – Es ziehn anhaltend Truppen hinab. Die stärksten Züge gehn über die Gillbach. Hingegen kömmt doch alle zwey bis drey Tage ein Zug gallo-batavischer Auxiliar-Truppen hierdurch, wovon dann jedesmahl etwas hier behalten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten, &amp;lt;u&amp;gt;Jubilate&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern, heut und morgen wird das 40-stündige Gebeth gehalten. Vor dem Hochamt hielten wir die Stationen: die erste vor der hinteren Kirchenthür an der Mauer und die 3 andern an den Altären. Abends nach der Complet fängt der Tanz an, bey Pannes, Heinrich Meuser, Arnold Nusbaum und bey Cremerius im Grünenwalde. – Es friert und reift noch alle Nächte. Im Tage ist&#039;s trocken und warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[326]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Heute fiel der so sehnlichst erwartete Regen. Inzwischen ist das Bitzkorn mager aufgeschossen. Weitzen 10 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Verflossene Nacht wurden verschiedene Meyen aufgesezt. Gegen der Nettergaß errichtete man deren einen auf ein sechster Tannenstrich. Es sind oben Kronen von Palm gewunden, mit Eyerschahlen vergoldet, angebracht, und nebst verschiedenen kleineren paradirt auch an jedem Meybaume eine 3-farbigte große Nationalfahne. Oben am Lämbchen steht der schönste. Eine Parthie Dorfjungen hielten Musick im Pflug, wo sie diesen Nachmittag tanzend um den Mey spielten, während die Gensdarmen Salve schossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Der Wind hällt wieder im Norden. Diese Nacht war es gereift und gefroren. Heut kame das 4te Dragoner-Regiment und 3 Bataillon Holländer, welche auf der Gillbach logirt wurden, so daß wir hier nichts bekamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Vorige Woche hatten wir verschiedene Donner mit Regen. – Seit dem Tode des Kaysers Paul von Rußland hat dessen Sohn, der Kayser Alexander der Erste, sich wieder sehr freundschaftlich gegen England gezeigt. Die Franzosen sind zwar aus Düsseldorf, doch sind noch 30 Mann als Sauvegarde da in einem Wirthshause logirt, bis die Pfälzer ankommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Es regnet zu viel. Der Rhein ist am Anschwellen. – Diesen Morgen, als die hiesige Händler um 4 Uhr anfiengen Früchten zum Rheine tragen zu lassen und schon 25 Malder in einem Nachen waren, sprangen die Soldaten von Zons am Steinbüchel aus dem Korne hervor. Der Eygenthum Peter Schüllgen riefe dem Fährman zu, er sollte mit dem Nachen abfahren, die Soldaten hätten die Gewehre nicht geladen. In dem schoß ein Soldat den Schiffman durch den Kopf, daß das Hirn heraustriebe. Gleich ware er todt. Die Monheimer hohlten den Verunglückten auf Monheim, und die Soldaten fuhren mit der Frucht nach Zons. Der Gebliebene nennt sich Fitgen und ist verheyrathet. – Kornpreis hier 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juni&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Diese 14 Täge war es meistens kalt und naß, verschiedenmahl fiel Hagel, ohne zu schaden. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Seit 3 Tagen ist es heisses Wetter. Man hoffet auf Regen. &amp;lt;s&amp;gt;Es liegt jetz in Kölln das&amp;lt;/s&amp;gt; Kornpreis 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Seit dem 1ten haben wir stets Donner mit viel Regen, so daß wir nun wieder gut Wetter bedürfen. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten starb allhier die Elisabeth Cremerius, unverheyrathet zwar, dennoch hatte sie 3 Kinder zur Welt gebohren, wovon eins noch lebt. Ihr ausschweifender Lebenswandel machte sie ganz gichtrisch und elend, so daß sie einige Jahre von den Almosen lebte. Da nun ihr Schwager Henrich Nusbaum sich durch den Früchtenhandel einiges Vermögen erworben hat, so gab der den Todtenläuten einen Zech, worauf diese ein Stück aus der alten Klocke läuteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[327]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Erst heute fieng das Wetter an, sich aufzuhellen, nachdem es bisher alle Tage geregnet hat. Viel Heu hat darunter gelitten. Auch hat man seit 6 Tagen fleissig Korn gemähet. Der Preiß vom alten ist hier 6 Reichstahler, Weitzen in Monheim 12 Reichstahler 30 Stüber. Am 20ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Der hiesige Bürger Anton Schmitz, ehmals Schweinhirt, hatte sich vor geraumer Zeit durch verschiedene kleine Diebstähle in Wäsche etz. berühmt gemacht. Die vormalige Scheffenregierung sahe ihm dieses jedesmahl durch. Vor beyläufig 6 Wochen entwendete er von Neuem der Witwe Küpper einige Hemder von der Bleiche, worüber man ihn erwischte. Er warf die Hemde dahin und floh. Die Gensdarmen suchten ihn auf, allein, er entkam ins Bergische. So, wie der Vogel da am liebsten ist, wo er geheckt wurde, so schliche er sich vor 14 Tägen des sontags Nachmittags zwischen der Piwitte an mir vorüber, und heute brachten ihn die Gensdarmen gefänglich ein, um ihn morgen auf Kölln zu führen. – Bis 28ten anhaltender Regen. Kornpreiß 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 12 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Schön Wetter. Man fährt fleissig Korn ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Donner mit Regen. Das Korn gibt sehr schlecht, doch ist viel Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Seit sechs Tagen hatten wir große Hitze. Der meiste Weitzen ist eingescheuert, doch steht dessen und Korn noch ein Theil draussen. Es gibt viel Stroh, aber der beste Drescher trägt nur ein halb Malder Korn auf. Sommerfrucht geräth auch die Menge, und man findet allenthalben Fruchtbäume gesezt. – Gestern brachte uns ein Gewitter starken Regen. – Vor 8 Tägen ward der Weitzen vor 13 Reichstahler hier verkauft, jetz ist er bis auf 10 herunter gekommen. Korn 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Der August ist sehr heiß, doch gibt es alle 8 Täge einen heilsamen Regen. Die Sommerfrüchten sind treflich gerathen und Gemüse ohne gleichen. Alle Scheuren sind voll und viele Bärme gesezt. Obschon die Frucht nur sehr mittelmässig aufs Denn gibt, so thut doch das viele Stroh und die hohe Preisen viel dazu, daß dieses dem vorigen guten Jahre gleich kommen wird. Das neue Korn gillt beynahe 6 Reichstahler, und der Weitzen 10 und ein halben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Diese Zeit hindurch hatten wir immer heiße Tage mit nothdürftigem Regen. – Die Schifarth auf dem Rhein ist auch im Preußischen seit 3 Wochen gesperrt. Deswegen ist jetz keine Nachfrage und kein Preiß von Korn und Weitzen. Auch sind unser Commisen alle suspendirt und durch neue ersezt, so daß seit 18 Tagen fast keine Frucht über den Rhein gegangen ist. Der Odendahl von Straberg ist zu Trier guillottinirt worden (siehe am 1ten Februar 1801).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[328]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Michaelis&amp;lt;/u&amp;gt; – Da durch den starken Handel viel Geld unter alle Stände geflossen ist, so sieht man vorher, daß die Kirmes sehr lustig seyn wird, so wie das heutige Patronsfest stattlich. – Allein, mit Tagesanbruch ward der Jacob Steinberger, Peter Pannes und Jacob Küpper theils durch Köllnische, theils hiesige Gensdarmen mit ihren Briefschaften arrettirt, und zwar auf Befehl des französischen Gouvernements, weil sie beschuldigt sind, Früchten und englische Waaren aus- und eingeführt zu haben. Die Ordre waren grade gegen die französischen Gesetze, denn die Gensdarmen nahmen sie in Arrest ohne Maier, vor Sonnenaufgang etz. Sie wurden einsweilen in das Wirthshaus &amp;quot;Zum weissen Pferd&amp;quot; (vormals Cremerius-Haus) gesezt. Bis gen 8 Uhr brachten die Gensdarmen von Üdesheim den Sohn aus dem Hof-Besitz Baaden, den Röttgen, Esser, Witges und Kucks von Grimlinghausen und den Mattheisen vom Illkhauser Hof. Um 11 Uhr wurden sie alle auf Kölln ins allgemeine Arresthaus gesezt. Joseph Küpper sollte auch mit fort geführet werden, allein, der ware im Bergischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Der öfentliche Ankläger Keihl in Kölln untersuchte die Papiere der Staatsgefangenen. Diejenige, so schuldig befunden und aus deren Briefschaften sich ergiebt, daß sie geschmuckelt haben, werden nach dem Schloß Hamm in der Picardie geführet. Dies trafe schon den Röttgen von Grimmlinghausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Heut erhielte ich die ganz unvermuthete, sehr willkomme Nachricht, daß der Friede zwischen Frankreich und England unterzeichnet ist. Die Engländer geben alle Eroberungen ausser die Insel Zeylan und St. Trinitas zurück. Dagegen behält Frankreich den Rhein zur Gränze. Dieser Friede kann bald das Schicksal der Staatsgefangenen beendigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Jacob Steinberger und Witges sind auch nach Hamm abgeführt. Unter des ersten seinen Papieren befindet sich ein Brief von seinem Schwager Colpin von Oberaussem an Steinberger, wo derselbe anfrägt, ob der gesendete Weitzen alle über dem Rheine ist. – Der Früchtenhandel liegt ganz darnieder. Jeder Schmuckler ist bang, daß auch er solle gehohlt werden. Desfals zirkulieren oft Gerüchte, welche die Veranlassung sind, daß fast alle Händler die Nacht ins Bergische schlafen gehn. – Zu Kölln bezahlen die Staatsgefangene täglich 1 Reichstahler für Kost und Bettung. Dan haben sie auch die Freyheit, in dem Köllnischen Hof frey umher zu gehen. Die diesjährige Kirmes ware wegen der Geschichte sehr einfach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[329]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Das Wetter ist noch immer naß, zuweilen sehr stürmisch, und Würmer verderben viel von der früh gesäheten Frucht, doch hat das zum zweytenmal Gesähete gut gehalten. – Als der Pannes auf Kölln geführet war, da ware des Stehlens von seinen Erdäpfel und Mohrenäckern kein gleichen. Er hatte einen Ziegelofen fertig, wo noch die Geräthschaften umher lagen. Des Hilger Gärtners Frau und die Sophie Bükendorf machten sich auf und trugen des Abends einige Bord nach Hause. Des andern Morgens hielt der hiesige Mayer Haus-Visite und fand die Bord. Sogleich wurden die beyden Menscher zum Friedensrichter und von da auf Kölln geführt. Dem Pannes begegneten sie im Arresthaus, wo er zum grösten Erstaunen ihr Dahinkommen vernahm. Sie sind auf ein Monath Gefängnißstraf verurtheilt. – Im Schloß Hamm, schreibt Jacob Steinberger, ist es nicht so schlimm, als das Gerücht ausgestreuet hatte. Der Commendant ist ein gefälliger Mann. Sie dürfen frey herum gehen, auch mit einer Schildwache durch die Stadt sich alles Nöthige kaufen gehen. Essen und Trinken wird ihnen für Geld auf die Vestung gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Der Küster in Nivenheim, Wimmar Schneider, welcher seit der Municipalitäts-Zeit Agent und izt Maier ist, hat sich dadurch, weil er etwas zu stark von der republikanischen Parthie war, mit dem Pastor und dessen Familie verfeindet. Unter diesen befindet sich der Witgenshalfen Schmitz, der sonst die Gemeinde verwaltet und nun seit lange nur dahin trachtete, den Schneider zu stürzen. Als nun die französische Regierung gegen die Fruchtschmuckler so ausserordentlich strenge verfuhr, so ergrif Schmitz die Gelegenheit, um den Schneider darein zu ziehen. Schneider hatte nicht gehandelt, aber er hatte Certificate gegeben, Früchten von Kölln auf Nivenheim zu führen, ohne mit den Leuthen zu sprechen, für welche die Früchten gefodert wurden. Schmitz lies sich von diesen bescheinigen, daß sie kein Certificat genommen hatten, und nun war Schneider überzeugt. Es erfolgte also vorerst die Absetzung als Maier, mit dem Zusatz, das er, Schneider, gerichtlich verfolgt werden soll. – Unglücklicherweise hatte Schneider, in einer Nacht, als er von unser Kirmes nach Hause gieng, einen Arm zerbrochen und einen Fuß verrenkt, so daß er seit dieser Zeit das Bett hüten muste. Demungeachtet kame der Befehl an ihn auf Kölln und von da nach Schloß Hamm in die Picardie zu transportiren. Allein, als man ihn nach Kölln brachte, fand es sich, daß dieses unmöglich war. Seitdem sitzt er noch bey Pannes, Küpper, Matheisen, Baaden und Kucks im Arresthause zu Kölln. – Das Malder Korn gilt hier [...]&amp;lt;ref&amp;gt;Durch einen Papierschaden nicht mehr zu entziffern.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[330]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Unser Damm ist durch den Präfecten zu Aachen vergantet worden. Einer von Achen, ein Köllner und Durener haben selbigen zu machen angenohmen, womit sie heute den Anfang machten. Sie zahlen an Taglohn für ein Pferd und Karrig ein Reichstahler, für einen Schüppenman 15 Stüber. Morgens 7 Uhr bis 11, dann von 1 bis Sonnenuntergang wird gearbeitet. Sie wollen in zwey Monath damit fertig seyn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Gestern und heut wüthete ein solcher Sturm, Regen, Schnee, Frost und wieder Regen, daß am Damm gar nicht gearbeithet werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Diesen ganzen Monath ware es sehr naß mit immerwährendem Sturm begleitet, so daß der Rhein schon wieder unseren Damm ausgetreten war. Wir machten doch gestern einen Damm von dem unsrigen quer auf den Rhein. Da dieses aber über des Gerhard Strack sein Stück Land gienge, so wollte dieser solches nicht zulassen. Die Arbeit unterblieb also. Die Arbeit am Damm wird mit 17 Karren im lezten Loch am Bodenkreutzer Weg fortgesezt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Der Rhein brach durch den Monheimer Weg und dehnte sich diesseits dem Damme aus, doch fällt es im Strome wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Das stürmische Wetter hat den Rhein so stark an das Wachsen gebracht, daß Walhoven und Rheinfeld abgeschnitten sind. Die Arbeit am Damme hört seit heute auf. Kornpreis hier 6 Reichstahler, Weitzen 9 Reichstahler. Zu Amiens werden sich dieser Tage die Gesandten der wechselseitigen Höfe versammeln, um den allgemeinen Frieden zu schliessen. Wahrscheinlich werden erst nachher die hiesige Staatsgefangene in Freyheit gesezt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Seit gestern erst scheint der Sturm sich zu legen, doch wächst der Rhein so sehr, daß der Bixem schon voll stehet. Auch liefe es gestern Abend durch das erste Loch im Damm neben der Landstraße, worin vor 2 Jahren und jüngst durch die Damm-Enteprenneurs ein Sommerdämmchen gemacht worden war, welches sehr stark rauschte. Auch schrieb mir gestern mein Freund Jacob Steinberger aus dem Schloß Hamm, daß ihr Schicksal sehr erträglich seye, daß sie in die Stadt gehen dürften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Das Wetter ist wieder so unbändig, als es seit zwey Monathen ohne Unterlaß gewesen ist. Der Rhein ist so hoch angeschwollen, daß unten im Feld nur zwey kleine Fleckchen trocken sind. Inzwischen werden die Früchten aus unserm Ort fleissig fortgeschift. Man gibt vom Malder 40 Stüber, dann übernehmen es die Schmuckler auf ihre Gefahr frey nach Monheim zu transportiren. Korn wird noch hier verkauft zu 6 Reichstahler 15 Stüber und der Weitzen zu 9 Reichstahler 15 Stüber, kleine Bohnen zu 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Heute kame Peter Pannes, Jacob Küpper und der Baaden von Uedesheim von Kölln zurück, wo sie frey gesprochen worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[331]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1801&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Sturmwind mit Schnee, am 13ten Schnee, etwas Frost und Sturm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Frost mit Schnee. – Der Rhein ist noch sehr hoch. Am 17ten starker Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Regen, Schnee und Frost wechseln auf den andern Tag. Der Rhein ist wieder in seine Ufer zurückgetreten. Am 26ten: Der Rhein ist wieder so hoch, daß man mit Nachen unten in die Gärten fahren kan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 31ten – Abwechselnd mit Regen. Diesen Abend fängt es an zu frieren. – Dieses abgeflossene Jahr ware nicht unter die fruchtbahrsten, aber auch nicht zur Klasse der Mißwachsenen zu rechnen. Stroh gab es sehr viel, aber nach Verhältniß weniger Frucht. Von der Sath im Rheinfelde werden wir uns nicht viel versprechen können, da der Rhein so oft wächst und fällt. Er ist jetz wieder in seinen Ufern eingeschlossen. Allein, die aus der Schweitz eingegangene Nachrichten von übervielem Schnee lassen eine abermalige Ueberschwemmung vorhersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1802 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1802&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Starker Frost, am 2ten Frost und Schnee. Heut fienge der Rhein wieder stark zu wachsen an, ohnerachtet des Frostes, so daß man am 3ten schon wieder mit Nachen in die Gärten anfahren konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Frost. Der Rhein ist wieder so viel weggefallen, daß man mit Stiefel nach der Piwitt gehen konnte. – Die englische und französische Gesandte sind izt zu Amiens, um den Definitiv-Frieden zu schließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Anhaltender Frost und Schnee. – Ich ware am 7ten und 8ten Jury am Tribunal-Criminel in Kölln, wo der berüchtigte Joan Albert Platt, ehmals Gerichtscheffen zu Gohr und nachher wegen der Goldmacher-Geschichte zu Delven bekannte Mörder des Leonard Martio (siehe das Registers zwey lezten Decaden vorigen Jahrhunderts), zu achtjähriger Kettenstrafe verurtheilt wurde. Diesesmahl hatte er eine falsche Obligation gemacht und beym Kaufmann Herstadt in Kölln wirklich 1.000 Reichstahler aufgenommen. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 8 Reichstahler 15, Haber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten fienge es an zu isselen, am 18ten und 19ten Thauwetter. Der Rhein würde sich bey länger anhaltenem Frost in zwey Tägen gesezt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Diese Nacht fienge es wieder etwas zu frieren an. Wir glaubten zuverlässig bey diesem Aufthanen, daß der Rhein unsere Felder nochmal überschwemmen würde, aber schon ist das Obereis fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Es wintert noch sehr leidlich. Im Tage ist es angenehm. Die Früchten schlagen auf. Alles wird nach Frankreich geführt, wo im Inneren Mangel ist. Deswegen sind die Preisen diesseits am niedrigsten in der Nähe vom Rhein. In Nivenheim wird der Weitz mit 9 Reichstahler und das Korn zu 6 Reichstahler 50 Stüber verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 9ten abwechselnd bald Regen, bald angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Es friert ein paar Tage. – Die Gefangenen in Hamm haben nun gute Hofnung, bald erlöset zu werden. Wirklich ist der Kaufman Basellar in Maynz in Freyheit gesezt. Der Illkhauser Halfen Matheisen ist in Ham aus Melankolie gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[332]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1802&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Anhaltender Frost. – Voriges Jahr hatte der hiesige Müller Pannes bey dem Domeinen-Empfänger supplicirt, daß die Scheffenlehner verpfachtet werden sollten. Der Maier nahm dieses Geschäft in Beyseyn der Munizipalräthe vor, und die Besitzer sowie Herman Hambloch, der das Lehn des Schefen Fix unter dem Pflug hatte, pfachteten den Morgen zu 3 Faß Korn. Nun wurde vor 14 Tagen dieser Pfacht auf den Meistbiethenden versteigert, und das Malder wurde zu 7 Reichstahler 18 Stüber zugeschlagen. Nun hatten wieder Einige angestanden, daß die Schefenlehnen öffentlich auf den Meistbiethenden ausgestellt wurden. Dies geschahe am 6ten dieses. Engel Kranz pfachtete das Lehn vom seehligen Scheffen Schmitz, Jacob Küpper eins vom Scheffen Steinberger, so er bisher nebst seinem Lehn von der Gemeinde in Pfacht hatte. Die Übrige behielten zwar ihre Lehner, aber der Pfacht wurde greulich aufgetrieben, so daß Theodor Bremer 17 Reichsthaler pro Morgen jährlichs zahlen muß. Mithin beträügt der Pfacht in toto ungefähr 800 Reichstahler, die Pfachtzeit dauret 9 Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Der Frost hält noch sehr schwach an, im Tage ist&#039;s dann schönes Wetter. Das Korn schlägt so sehr auf, daß man schon auf dieser Seythe 8 Reichstahler für das Malder bezahlt. Der Weitzen wird zu 10 Reichstahler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Regen. – Auch des Gerichtsbothen Länderey 5 Morgen werden dem Meistboethenden ausverpfachtet. – Der hiesige Früchtenschmukler Engel Kranz, der die Tochter des Theodor Schüllgen geheyrathet hatte und von seiner Seythe ohne Vermögen war, hat so viel durch den Fruchtenhandel gewonnen, daß er die Leuf neben der Kirche, wo ehmals der Scheffen Fix und nachher der Jud Mendel wohnte, um 1.300 Reichstahler an sich gekauft, von den Erben Sturm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Seit einigen Tagen haben wir Frühlingswetter. Der Rhein fängt wieder an zu fallen, da seit 8 Tagen das ganze Feld überschwemmet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Heut kamen die ersten Merzerstürme, da man bey dem schönen Wetter diese Woche dicke Bohnen und Salat unter die Erde gebracht hat. Vor 3 Tagen wurde auch die Länderey unseres Gerichtsbothen 5 ½ Morgen auf den Meistbiethenden verpfachtet. Der Sohn des Gerichtsbothen both zu lezt auf das Ganze 31 Liver pro Jahr. – Da bey der neulichen Verpfachtung auf das Lehn des Jacob Sturm nach dem Zuschlage noch geothen wurde, so supplicirte der Maire, daß diese Länderey von Neuem ausgestellt wurde. Diese 11 ½ Morgen wurden nun dem Posthalter 50 Reichstahler gringer zugeschlagen als jüngst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Heut wurde hier die Domainen-Länderey des Cantons ausgepfachtet. Es waren meistens kleine Pfachtungen, welche fast alle für den Tax zugeschlagen wurden. Da der Fremden sehr viele waren und kein Zimmer im Ort großgenug war, so geschahe es in der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[333]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1802&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Angenehme Frühlingstage, mitunter Merzerstürme. Die Staatsgefangene auf dem Schloß Ham sehen mit jedem Tage ihrer Befreyung entgegen. Wirklich schrieben sie an ihre Familien, daß sie ihnen keine Beriefe mehr nach Ham schicken sollen, weil sie glauben, daß selbige sie nicht mehr dort finden werden. Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Die Nächte sind noch kalt mit Frost und Reif. – Kornpreis 8 Reichstahler, Weitzen 10 Reichstahler. Heute 11 Uhr kündigte das Geläute aller Klocken der Stadt Kölln die Nachricht an, daß der Definitiv-Friede mit England geschlossen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 8ten – Schöne Tage und kalte Nächte. Am 9ten etwas Regen. Die Damm-Enteprenneurs haben das lezte Loch auf Rheinfeld zu bereits fertig. Sie fahren mit Pferdskarren und zahlen pro Tag für jedes Pferd und Karrig 1 Reichstahler. Indessen muß der Knecht mit laden. Jeder Arbeitsmann bekömmt 15 Reichstahler. Sie haben bisher noch nichts als Sand in den Damm gefahren. Deswegen werden die Meistbeerbte sich beschweren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Seit einigen Tagen gab es anhaltende Merzerstürme, heut aber fienge es warm zu regnen an. – So sehr man sich geschmeichelt hatte, daß die Gefangene vom Schloß Ham in den ersten Tagen ihre Freyheit erhalten würden, so still ist jetz wieder diese Geschichte geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Das Concordat zwischen dem Pabst und der französischen Regierung wird uns merkliche Veränderungen in der Religion hervorbringen. Der öffentliche Gottesdienst ist erlaubt. Weil aber das Gesetz noch nicht an die Beamten geschickt worden ist, so haben wir diese Ostern noch keine Prozession um die Kirch gehalten, obschon die benachbarte Ortschaften alle dies gethan haben. – Kornpreis 8 Reichstahler hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Weil das Concordat noch nicht officiel publiziert ist, so hielten wir die Gottestracht in der Kirche. Das Hochwürdige wurde um 6 Uhr ausgesezt und bliebe bis nach dem Hochamt stehen. Nach der Elevation wurde das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; gesungen, und diesen Nachmittag ware Bruderschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten wurde der Hagelfeyer wie gestern gehalten, nur war diesen Nachmittag keine Andacht in der Kirche. – Da wir seit lange keinen durchtringenden Regen hatten, so ist es entsetzlich trocken und hart. Die späthe Haber liegt unverwesen in der Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Heut kame Jacob Steinberger und alle Gefangene vom Schloß Hamm zurück. Des Ersteren Aussehen ist sehr gut. Das Hinführen ware für sie sehr unangenehm, indem sie die Gendarmen durch Geld und kostspielige Gelage dahin bringen musten, daß sie nicht geschlossen wurden. Übrigens durften sie im Schloß frey herum gehen und konnten für ihr Geld alles haben, was sie begehrten. Dem Staatsrath Rigal von Crefeld und dem Expresidenten Pape von Kölln, welche beyde in Paris sind, haben sie vorzüglich ihre Freylaßung zu verdanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Es ist noch immer der Wind aus Norden, Merzerstürme im Tage und des Nachts Reif und Frost, welcher alle Erdäpfel und Bohnen sind alle über der Erd erfroren, Kirschen und Trauben sind ebenfalls dahin. Das Korn hat viel gelitten. Deswegen steigt solches im Preise und wird schon hier im Dorf zu 8 Reichstahler 30 Stüber bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[334]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1802&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Mey&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Das Wetter bleibt noch immer trocken, nur sind die Nächte nicht mehr so kalt. Viel Korn ist erfroren. Im Bergischen an den Wäldern wird solches schon vor das Vieh abgemähet. Deswegen steigen die Früchtenpreise enorm. Man gibt schon gern hier im Dorf 10 Reichstahler für das Malder Korn. Heu stieg auch seit 8 Tagen von 40 Stüber auf ein Reichstahler das 100 Pfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Alles vertrocknet. Menschen und Vieh stehn in Gefahr, Mangel zu leiden. In Zons werden 14 Pfund Brodt zu 40 Stüber verkauft. Im Bergischen ist der Mangel noch größer. Man verkaufte schon in Monheim das Malder Korn zu 16 Reichstahler. In den Bergen hat auch der Frost ungeheuren Schaden angerichtet. Der einzige Frohnhalfen in Monheim muß 40 Morgen Korn desfals abmähen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Die Nacht und heut hatten wir etwas Regen. Auch fiengen wir heute an, um 5 Uhr eine Benedictions-Messe in der Kirch zu halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Diese Täge waren heiß mit Regen. – Das Malder Korn wird hier zu 10 ad 11 Reichstahler verkauft, Gerst 8 ad 9 Reichstahler, Buchweitz 10, auch 12 Reichstahler. In Monheim gillt das Kölnische Malder Korn 16 Reichstahler, Buchweitz 18 Reichstahler. Der Weitzen ist dies- und jenseits beynah ein Reichstahler wohlfeiler als das Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingsten&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut giengen wir zuerst mit dem Hochwürdigen um die Kirche. Es giengen so viele Leuthe mit, daß sich der Zirkel an der hintersten Kirchthüre schloß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – 13ten: Es trocknet wieder sehr stark, und wir hoffen Regen. Die Früchten stehn noch im nähmlichen Preiß. Hier werden 14 Pfund Brodt um 36 Stüber verkauft, in Zons aber zu 40. – Kaffebohnen das Pfund 26 Stüber. Es wird jetz mit 16 Pferdskarren am Damm gearbeithet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Aller Regen, der seit dem Frühjahr gefallen ist, drang nicht über 2 Zoll in die Erde. Nun ist wieder der Wind so falsch aus Norden, daß alles vertrocknen muß. Das Malder Korn gillt noch 10 Reichstahler, der Weitzen aber 11 hier in Dormagen. Jenseit des Rheins wird das Malder Korn zu 14 Reichstahler verkauft. Es ist izt nicht mehr möglich, etwas hinüber zu schmuckeln, da izt Tag und Nacht zwey Commisen an der Piwitte sind, welche jeden hinüberkommenden Nachen visitiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. – Diese Nacht hat es weis gereift, so daß viele Strauchbohnen, Erdäpfel und Buchweitz entweder ganz verdorben oder doch sehr viel gelitten haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Diese Nacht halb zwölf starb mein geliebter Vater an den Folgen der Entkräftung im 77ten Jahre seines Alters. Er war 56 Jahre Küster und Organist allhier: Herman Delhoven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Zu der erledigten Küsterstelle hatte die gesammte Gemeinde mich ausersehen; theils, weil ich meinem Vater in seinem Alter beygestanden, theils auch, weil ich seit zwanzig Jahren die Küsterey wohl versehen hatte. Weil ich aber noch ungeheyrathet bin und das Zutrauen der ersten Kaufleuthe der Gegend habe, womit ich in solcher Verbindung stehe, daß ich auf verschiedene Art mein Brodt gewinnen kann, mein Bruder hingegen schon 7 Kinder hat, so entschloß ich mich aus Liebe zu ihm, meine Ansprüche auf den Dienst an ihn abzutreten. Wir giengen also heut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[335]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1802&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:durch die Pfarr von Haus zu Haus um die Stimmen um. Alle ohne Unterschied unterzeichneten, so daß keiner eine unwillige Miene machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Heut ward hier von verschiedenen mit dem Kornhauen angefangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag, den 4ten&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern Abend kame ein Commissair extraordinair von Kölln hier an, der den Auftrag hatte, alIe Effecten der Klöster und Kirchen zu versiegeln. Er ritte mit dem Mair Neesen und 3 Gensdarmen auf Knechstein. Der Friedensrichter gienge desfals auf Zons und der hiesige Secretair Adolf Verhagen ward für Hackenbroich und unsere Kirche beauftraget. Gemäß dem Aretté müssen alle Klostergeistliche in Zeit von zehn Tagen die Klöster räumen und weltgeistliche Kleidung anziehen. Was sie eigenthümlich auf ihren Zellen haben, das dörfen sie mitnehmen. Auch ward in den Pfarrkirchen nur das nöthige Meßgewand, so alle Tage gebraucht wird, nicht versiegelt. Alle Canonici und Geistliche, wes Ordens sie sind, müssen ihre von einer Fundation herrührende Wohnungen räumen. Sie, die Bischöfe, Nonnen und Bettelmönche sollen von der Nation ohne Unterschied salarisirt werden; das ist: Alle, so 60 Jahre alt sind, bekommen 600 Frank jährlich, alle anderen 500 Frank. In zehn Tagen Zeit nach der nun bald erfolgenden Publication müssen sie alle weltgeistliche Kleider anziehen und ihre Klöster verlassen. – Kornpreis 10 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber. Es ist noch anhaltend nordwindig kalt. Sogar hat es in der Nacht auf den 26ten dieses, Juni, noch gereift. Dabey ist es so trocken und dürr seit dem Frühjahr, als es wahrscheinlich bey Menschen Gedenken nicht gewesen ist. Der Weitzen ist alle nur zwey Fuß hoch geworden, doch hat er vom Frost nichts gelitten. Der Kappus ist so voller Milben, daß auch davon nicht viel zu hoffen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:July&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Erst gestern Abend fienge es kräftig zu regnen an, das den Erdäpfeln vorzüglich gut zu statten kömmt. Es ist nur weniges Korn eingefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Vermischtes Regenwetter, doch sähet man das Korn in trockenen Stunden ein. Auch wird fleissig am Weitzen gemähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten August – Dieser Tage ware es grausam heiß. Die Milben, die den Kappus beynahe ganz verdorben haben, lassen darin nun nach und sind so stark in den Buchweitzen gefallen, daß derselbe nur ein Drittel von der zu erwartenden Saath beybringen wird. Das neue Korn wird dermahlen hier zu 8 Reichstahler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute nach dem Hohenamte geschah die Wahl eines neuen Küsters. Der Maier, Pastor und Vicarius saßen auf dem Kohr an einem Tisch, und die Nachbarn erklärten einer nach dem andern, so wie sie um den hohen Altar giengen, daß sie dem Thomas Delhoven ihre Stimme gäben. Keiner bliebe zurück oder erinnerte etwas, obschon Einige Einwendung machen wollten, daß 14 Pfund Brodt zu viel seye. Demnach erklärte der Maier, daß Thomas Delhoven einstimmig zum Küster erwählt seye, fragte dann diesen, ob er bereit wäre, den Eid zu schwören, worauf derselbe schwur, den Dienst nach altem Herkommen oder nach den vom Bischof neu zu erwartenden Statuten zu verrichten und die ihm anvertraute Güter so wie seine eigene zu bewahren. Dann gienge der Maier mit ihm an der hinteren Kirchenthür heraus, gab ihm den Kirchenschlüssel, worauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[336]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1802&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:er die vordere Kirchenthür öfnete, demnächst die Sacristey, läutete dann mit einer Klocke, gienge ins Kohr, stimmte das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; an und begleitete selbiges mit der Orgel, worauf dann der Maier, Friedensrichter, Pastor und Vicarius beym neu erwählten Küster speiseten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Gleich nach 11 Uhr fuhre ein Gewitter aus Westen herauf. Es schien abwärts zu ziehn. Man hörte ein Rauschen in der Luft, desgleichen sich kein Mensch erinnert, und in einem Nun brach unter entsetzlichem Wind und Regen ein dichter Hagel aus. Die Steine waren von ausserordentlicher Dicke, alle Glaßfenster wurden zerschmettert. Der Buchweitzen, Haber und alles Gemüse sind total zusammengeschlagen. Der Strich ist grade so breit als das Dorf. Es gieng von hier über Monheim. Unter dem Dorf und auf dem Höhenberg ist alles verschont geblieben. Das Laub an den Erdäpfeln ist auch sehr zerhackt. Man hoft aber noch, daß es ihnen nicht viel schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Anhaltend heisse Tage. Obschon bey dem neulichen Gewitter ein entsetzlicher Regen fiel, so ist doch das Erdreich durch diese äusserst heisse Tage so trocken geworden, daß wir sehr nach Regen hoffen. Das Malder Korn gillt hier 7 Reichstahler, in Monheim 11 Reichstahler 30 Stüber. Die Commisen sind in Betref der Frucht so strenge, daß selbst der Wirth auf der Piwitte seine Frucht nicht nach Monheim bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Das Wetter ist noch vortreflich. Seit einigen Tägen hatten wir Donner mit heilsamen Regen. – Die Regierung läst in den aufgehobenen Klöstern alles, was frist und gefressen kann werden, verpfachten und verkaufen. Einige Knechsteder haben das Kloster mit der Länderey um 2.100 Franc für 3 Jahre verpfachtet. Auch die Zonser gehn jetz in weltgeistlicher Tracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Bisher waren zwar die Nächte kalt mit Reif, doch ware es im Tage warm und trocken, so daß die gesähete Frucht nicht alle heraus kommen kann, bis es regnet. Wegen dem schönen Wetter haben sich die Bitzen vortreflich gerüstet, und die Saath ist beynahe vollends bestellt. Das Malder Korn und Weitzen wird hier zu 9 Reichstahler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dieser Monath ware hell, warm und trocken. Am Ende bekamen wir etwas Regen, und die Saath steht vortreflich. Der Rhein ist kleiner als jemalen. Man geht trockenes Fußes auf das Worringer Werth. Auch ist die Mauer dort im Rheine von Weitem sichtbar. Sie kann 40 Fuß lang und 24 Fuß in der Breite haben. Die Worringer brechen viele Steine dort aus. Es sind meistens Unkelsteine. Auch ist anno 1795 auf dem Werth zu Worringen ein Oberländisch Schif gelandet, welches zu der Zeit nicht konnte gelandet werden, wegen den jenseits stehenden Kayserlichen Schildwachen. Nun ist besagtes Schif so sehr mit Sand beschossen, daß man nur die oberste Bord herausbringen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Heut wurde des Morgens und Nachmittags die gewöhnliche Prozession um die Kirche gehalten. – Unser Damm ist schon ein Monath fertig. Die Republik läst nun die Landstraße von Kölln bis Neus per Enteprise prächtig herstellen. Auch wird die hiesige Nettergaß dienstweis durch die Nachbahren vorsichtig gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[337]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Eingeklebter Totenzettel von Friedrich Steinberger:]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seele des Wohlachtbaren Friedrich Steinberger in Dormagen&lt;br /&gt;
::Welcher nach einer, mit ausgezeichneter Geduld ausgestandenen Abnehmungs-Krankheit, vorab mit den Sakramenten der krist-katholischen Kirche versehen, den 26ten Frimär J. II, (17ten Dezember 1802) Nachts ein Viertel vor zwölf Uhr, verschieden ist.&lt;br /&gt;
::Er ward geboren 1736 den 8ten April, vereheligte sich 1761 den 29ten Junius, ward Wittwer den 17ten Julius 1800.&lt;br /&gt;
::Seine Seele ruhe im Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[338]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Rückseite des Totenzettels mit Abbildung und religiösem Text]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[339]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1802&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Das Wetter ist noch immer angenehm und trocken. Nur ein paar Nächte hat es etwas gefroren. Der Rhein bleibt noch immer klein, so daß keine holländischen Waaren heraufkommen, als mit kleinen Schiffen. Der schwarze Brand wird rar, indem die Kohlnachen nicht aus der Ruhr gehen können. – Korn und Weitzen wird noch immer hier um 9 Reichstahler verkauft, das Malder Haaber 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Es regnet zuweilen, doch ist es mitunter angenehm Wetter. Der Rhein bleibt noch immer sehr klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Gestern wurden in Kölln 6 vom Specialgericht zum Todt verurtheilte Diebe durch die Guilottine hingerichtet. Ein Frauenzimmer wurde zuerst, nach ihm 3 Juden und dann Mommeskamp und Jungbluth hingerichtet. Der eine Jude, Nathan Hirz, wollte sich nicht bekehren, unerachtet ein Rabiner ihm herzlich zusprach. Er begehrte, seine junge Frau von 21 Jahren zu sprechen. Als die Henkersknechten ihn an das Brett schnallten, schrie er mit lauter Stimme: &amp;quot;O mein&amp;quot;. Nichtsdestoweniger schoben sie ihn auf das Brett. Und als er schon den Kopf durch die Guilottine hatte, schrie er nochmal sehr laut und sahe aufwärts. Da fiel das Messer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Heut fienge es zuerst an, kalt zu werden. In einzelnen Nächten hat es zwar etwas gefroren, dann änderte sich&#039;s aber auch gleich wieder. Nunmehr aber scheint es weiter zu wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Gemäß dem Gesetz müssen nun auch aus den hiesigen neu vereinigten Departementen Recruten ausgehoben werden. Das Roer-Departement stellt deren 150 für die Armee und 150 für die Reserve. Die Maierien Dormagen und Worringen stellen 2 Mann für die Armée und 2 für die Reserve. Die erste gehen gleich auf Maynz, die 2 lezten bleiben hier und müssen alle Sonntage im Exerciren hier zu Dormagen sich üben, wohin auch alle gezogene Conscribirten sich einfinden müssen, um von einem hier schon anwesenden Sergeanten das Exerciren zu lernen. Hier wurden die 4 Recruten für Geld gekauft: Mathias Schmitz, Deuster, einer von Delven und einer von Thienhoven gehen für die zwey hiesige Meyerien und bekommen jeder 134 Reichstahler. Weil die Ziehung hier zu Dormagen war, so kamen die Worringer Jungen mit Musick hieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Der Frost hällt noch an. – Der Sandhalfen Joan Dick, der vor einigen Jahren seiner ersten Frauen Schwester Kind geheyrathet, hat nun der lezteren Schwester heut zur Frau bekommen. Es muste deswegen eine Dispens vom Legaten Caprara und vom Bischof zu Aachen nachgesucht werden. Die ganze Geschichte mit Copulationsgebühren etz. beträgt an Unkosten beynahe 50 Reichstahler. – Korn und Weitzen hier 9 Reichstahler [...]&amp;lt;ref&amp;gt;Betrag durch Papierschaden nicht mehr komplett zu entziffern.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Der Frost hört wieder auf, und der Rhein fällt stark. – Das scheidende Jahre war eins mit der schlechtesten für den Ackersman. Der Rhein hat das untere Feld hart verdorben. Demnach kame der Frost und verheerte das blühende Korn, die Dürre die Sommerfrucht, der noch zulezt der Hagel so wie den Gemüsen den lezten Stoß gabe. Nur einzig der Weitzen war, häufig gesähet, sehr ergiebig und, so wie das Korn, im Preise zu 8 Reichstahler das Malder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1803 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[340]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1803&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Es ist noch nicht Winter gewesen. Auch zeigt es sich noch nicht zum Werden. Die Früchtenpreisen erhalten sich noch wie jüngst. Das Korn und der Weitzen hier 9 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler das Malder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Diese Nacht fienge es etwas zu frieren an, den 11ten stärker, und am 12ten ware schon ein Viertheil vom Rhein mit Eiß bedeckt. Am 12. und 13ten starker Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Der Frost hällt immerfort an. Einige 14 Täge ware es zwar sehr leidlich, dafür waren die lezte fünf auch desto bitterer. Der Rhein sezt sich schon bis diesseits Grimlinghausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten fiel etwas Schnee, am 2ten etwas Regen mit Thauwetter, am 3ten wenig Frost. Der Rhein steht bis an Uedesheim, von unten auf, von Stürzelberg bis Zons steht er wieder. Hieher ist ausser den Säumen kein Eiß im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten fror es die Nacht wieder hart. – Am 5ten morgens 2 Uhr sezte sich der Rhein bis an das Werthhaus zu Monheim. Um 6 ½ Uhr schob er sich wieder und sezte sich um 9 Uhr an der Piwitte vest. Vom Plathalse bis auf Worringen zu ware nur wenig Eiß im Rhein, das sich allgemein an die stehende Eißdecke anschloß. Es ware diese Nacht stärker gefroren als noch diesen Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Gestern am Abend schob sich der Rhein wieder bis unten Monheim, und heute kamen schon diesseits Baumberg ein paar Bergische herüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Heut Nachmittag gienge ich, von einem Knecht mit einem langen Hacken begleitet, zuerst über den Rhein an der Piwitte. Demnach folgten mehrere den nähmlichen Weg ein. Der Rhein hat sich mit schifbahrem Wasser gesetzt. Deswegen befürchtet man den Aufbruch. Unser frisch fertig gewordene Damm ist noch nicht stark genug und auch etwas zu niedrig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten und 10ten ware es entsetzlich kalt. Die Commisen haben viel aufzupassen. Deswegen ist die ganze zweite Linie an den Rhein verlegt. &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; zeigte sich ein Meerschif, am 14ten fienge es an zu thauen. Heut Nachmittag ward der Peter Reil, Leinweber von Rheinfeld, zwischen der Piwit und Rheinfeld todt gefunden. Als ich gestern Abend von Monheim zurückkame, saß er noch auf der Piwitt berauscht am Kartentisch und sang bis 10 Uhr lustige Lieder. Er liebte Zeit seines Lebens das Trinken und machte in der Gesellschaft den Hanswurst. Er gieng allein von der Piwitt, und da viel Schnee fiel, so hat er wahrscheinlich den Weg verlohren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Es regnet fast anhaltend. Dennoch kamen heute viele Bergische herüber und hohlten hier Brodt, wovon in Dormagen das 14 Pfund zu 30 Stüber und jenseits 12 Pfund 36 Stüber verkauft werden. Die Commisen lassen die Bergische mit Brodt passiren, Frucht aber geht izt keine hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Es ist entsetzlich stürmisches Wetter, doch ware heut noch ein Monheimer über den Rhein gekommen. Peter Reil ward heute begraben. Wie der Zug in der Au war, da donnerte es unter gräßlichem Schaan und Hagel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[341]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1803]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Morgens mit Tagesanbruch ware der Rhein ungefehr zwey Fuß gewachsen. Zwischen 8 und 9 Uhr triebe schon das Eiß schnell fort. Der Aufbruch ward von keinem bemerkt, weil eben die Meß in der Kirche gelesen wurde. Dann stremmte sich das Eiß an der Piwitte, und das Wasser schwoll augenscheinlich. Am Abend war das Wasser bey 4 Schuh gefallen und nur wenig Eiß im Rhein. Um 10 Uhr in der Nacht hörte man zu Düsseldorf sieben Kanonenschüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten, &amp;lt;u&amp;gt;samstags&amp;lt;/u&amp;gt;, triebe von morgens bis in die Nacht der Rhein dicht mit Eiß. Das Wasser schwoll an, stand am Abend jenseits wieder dem Dam und von Zons herauf bis an das Herren-Bendchen. Zu Grimlinghausen steht der Rhein noch vest. Die Brücke über die Erft ist fortgerissen und die Neusser Weide mit Eiß bedeckt. Hier geht indessen das Eiß noch alle dem Strome nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Der Rhein geht noch anhaltend mit Eiß. In der Gegend von Ürdingen steht derselbe noch maurenvest. Das Wasser ist hier wieder alles im Stroom. – Am 24ten ware noch viel Eiß im Rhein. – Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten, &amp;lt;u&amp;gt;1ter Sonntag in der Fasten&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut wurde hier eine in Kölln gedruckte Fastenverordnung verkündigt, vermög welcher alle Mitwoch, Frey- und Samstäge in der Fasten, dann auch ausser dem Palmsontag die ganze Kahrwoche das Fleischessen verbothen ist. Auch sind alle Feyertäge, ausser den Sontägen, Kristmeß, Kristihimmelfarth, Mariä-Himmelfahrth und Alerheiligen abgesetzt. Drey Königen, Fronleichnam und der Kirchenpatronstag sind auf den Sontag, der darauf folgt, gestellt, und die Kirchweihe wird den Sontag nach Allerheiligen gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 4ten – Sehr stürmische Tage mit viel Regen, am 5ten Frost. Der Rhein war so hoch angeschwollen, daß er jenseits neben dem Damm über den Monheimer Weg und diesseits von Zons her in die Kühbenden lief. Die Früchten fangen an, etwas aufzuschlagen. Korn und Weitzen gillt hier das Malder 9 Reichstahler 15 Stüber, zu Monheim aber 13 Reichstahler 30 bis 40 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Verflossene Nacht starb hiesiger Posthalter Jacob Sturm, der im Jahr 1796 die Frau seines Vettern Adolf Sturm heyrathete. Am 6ten dieses kame er abends von Kölln, legte sich schlafen und ward um 10 Uhr vom Schlage gerührt, der ihm die rechte Seythe lähmte und den gänzlichen Gebrauch der Sinnen versagte. Er schlief anhaltend, nur durch halbstündiges Schütteln konnte man ihn nur soviel munter machen, daß er Brechmittel einnahm, um ihn dadurch wach zu erhalten. Vorgestern ware er so weit, daß ihm die heiligen Sacramenten gereicht wurden. Drauf überfiel ihn wieder die Schlafsucht so sehr, die ihn beinahe bis ans Ende seines Lebens nicht verließ. – Er war der wohlgebildeste Mann im Dorf und besaß geschärften Verstand. Vor dem Kriege ware er mit Beystimmung des seehligen Scheffen Steinberger Dictator der Gemeinde und Gerichtsscheffen, und da bis jetz der Mayer Neesen bey ihm ißt, so geschahe auch da alles unter seiner Leitung. Seine Frau scheint untröstlich und liegt vor Schmerz darnieder. Sie hat von ihm vier Kinder und vom Adolf einen Sohn. – Der Frost hält mit Schnee an. Die Fourage ist nie so rar gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[342]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1803&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Merz&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sontags, am 13ten um 5 Uhr nach Mittag wurde die Leiche des Posthalters von 6 Nachbarn zu Grabe getragen. Vorauf giengen die Schuhl- und andere Kinder, dann die Kohrsänger und nach diesen die Geistlichen ohne Ornat (doch hatte der Pastor einen schwarzen Talar an), welcher über die Straße einen lateinischen Psalmen bethete. Die Leiche ward auf dem Kirchhof niedergesezt, dan gienge die begleitende Menge Trauerleuthe in die Kirch, wo die Todtenvesper gesungen wurde. Demnach wurde der Sarg auf dem Kirchhof begraben, weil der Friedensrichter es nicht zugeben wollte, dieselbe in die Kirche zu begraben. – Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Heute erst fienge es an aufzuthauen. – Frühlingstage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten, &amp;lt;u&amp;gt;Josephi&amp;lt;/u&amp;gt; – Da von der Regierung alle Feyertäge ausser den benennten vieren abgesezt sind, so wollte der Pastor heute kein Hochamt halten, auch sogar nicht einmal für Geld, auf Begehren meines Bruders Jacob Delhoven. Da er aber vernahm, daß die benachbarte Pastoren alle den Gottesdienst wie vorher halten wollten, so verkündigte er gestern Abend in der Miserere, daß heute der Gottesdienst wie am Sontage gehalten werde. Deswegen konnte man den heutigen Feyertag unter die erste zählen, &amp;lt;s&amp;gt;da&amp;lt;/s&amp;gt; und niemand arbeitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Freytag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diese 3 Tage wird das 40-stündige Gebeth gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Seit dem 13ten ist es anhaltend warm und trocken. Korn und Weitzen wird hier um 9 Reichstahler 30 Stüber verkauft. Die Fourage ist rarer als jemahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag in albis&amp;lt;/u&amp;gt; – Diese Woche war unser Pfarrer mit dem Maier Neesen in Aachen, um eine Petition einzugeben, daß zu Dormagen die Hauptkirche vom Canton etablirt werde. Sie brachten auch zugleich die Erlaubniß mit, daß wir durch das Dorf Procession und öfentlich zum Krancken-Gehn dürfen. Deswegen giengen wir heute mit dem Venerabel um die Kirche. – Es ist noch anhaltend trocken. Das Korn schießt mager auf, und der Weitzen sieht schlecht sich an. Der Sahmen wird so sehr von kleinen schwarzen Thierchen zerfressen, daß man in Betrachtung zieht, ob man selbigen auskrauten soll. Korn- und Weitzenpreis hier 8 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Endlich fällt etwas Regen, der doch vielem Korne oben im Feld zu späth kömt. Käfern und Raupen, die in Menge auf den Bäumen hausen, hofet man, werden durch den Regen in den Ruhestand versezt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Diese Täge hat es stark geregnet, so daß man wieder gutes Wetter hoft. Korn wird schon von Stommeln das Malder hieher geliefert zu 7 Reichstahler 3 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wetter ware nicht sehr angenehm. Schon früh drohte es zu regnen, und es war kalt. Zwischen dem hohen Amt machten 5 Musikanten mit der Orgel Musick, demnächst gienge die Prozession aus. 5 Soldaten begleiteten das Venerabel, und 5 Commisen giengen mit ihren Gewehren vor dem Kohr. Diese machten Feuer an jeder Station.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[343]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Auch ward beym Ein- und Ausgehen und zwischen dem hohen Amt aus schweren Böllern geschossen, die wir von der Burg zu Hakenbroich hatten kommen lassen. Weil wir nicht ausser unserer Gemeinheitsbahn mit der Procession gehen dürfen, so giengen wir von Horm dem Dielrather Wege nach bis gegen die alte Mühle, von da über eine Brach durch die Benden, dem Zehendwege nach bis auf den Zonser Damm und dann über Rheinfeld nach Hauß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten ward der Hagelfeyer mit Umtragung des Hochwürdigsten gehalten. Am Sasser Hof ward mehr dann 30mal vom Halfen geschossen. Von da gienge der Zug auf Horm. An Statt bey der Linde diesseit des Dorfes war die Station an dem Theisen-Kreutz gehalten, weil wir dem Dielrather Wege nach unten auf das Dorf zugiengen. Da nunmehr der Mühlenpfad zu der alten Mühle ganz vergänglich ist, so nahmen wir jenen Weg, um die Früchten nicht zu verderben. Die beyden Nächte ward unten an Küppers getanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Die drey verflossene Tage war es schön Wetter. Heute aber Regnen. Die Früchten fangen an, hier wieder etwas aufzuschlagen, Korn und Weitzen das Malder 8 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Der Mey ist noch immer kühl und naß. Die Saath im Felde sieht sich so vortreflich an, als noch nicht an langen Jahren. Weitzenpreis 8 ½. Vom Bischof ist der Befehl gekommen, daß man an allen Freytägen kein Fleisch essen darf. Heut war der erste. Kornpreiß 8 ½. – Der Krieg mit England ist von Neuem beschlossen. Die Engländer können es nicht leiden, daß Bonnaparte in Europa über die andere Potentaten so Herrscher ist. Deswegen wollen sie jetz Krieg, obschon Bonnapart sich alle Mühe gab, Frieden zu haben. Nun ziehen die Franzosen auf Hanover durch das Holländische, weswegen wir dieser Tage ein paar Durchmärsche hatten. – Anhaltend kühl und naß. Indessen sehn die Winterfrüchten sich so treflich an, als sie&#039;s bey Menschengedenken noch nie thaten. Auf schlechten Gründen stehn gesegnete Korn- und Weitzenäcker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Diesen Morgen arretirte ein hiesiger Gendarm einen jungen Menschen ohne Paß. Er ward dem Friedensrichter vorgeführt und erklärte, daß er ein Schweitzer von Geburt und Faßbinder von Profession, daß er in einem Wahnsinn seine Heymath verlassen, in holländische Dienste getreten, krank geworden, desertirt seye und, glücklich durch die französische Armee in Holland durchgegangen, hier endlich arrettirt worden. Er bath, der Richter möchte ihn doch loslassen, weil er todtgeschossen würde, wenn er wieder in Holland käme. Jener versprach ihm ein Empfehlungsschreiben an den General in Kölln mitzugeben, der ihm einen Paß ertheilen würde, womit er ungehindert nach seiner Heymath zurückkehren könne. Er bezeigte, einen Anfall von Melankolie zu haben. Man führte ihn ins Arresthaus zurück. Der Concierg Gerhard Rauschen fragte ihn nach Mittag, ob ihm das Essen nicht geschmeckt. Er klagte, daß er krank wäre. Nach einer Stunde besuchte er ihn wieder. Da hatte er sich an sein Halstuch an den Thürn der Thüre aufgehenkt. Er saß beynah auf den Knien, weil der Thürn nur 3 ½ Fuß von der Erde war. Man begrub ihn diesen Abend heimlich in die oberste Ecke des Kirchhofs. Er war 19 Jahre alt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[344]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1803&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Da von der Regierung der heutige Fronleichnamstag auf den folgenden Sontag versezt ist, so ward heute um 6 Uhr die Frühmeß und um 9 Uhr ein hohes Amt gehalten, welches mein Bruder Jacob bezahlte. Keiner arbeitete anheut. Um halb 7 ward eine Abendsandacht gehalten. – Korn und Weitzen 9 Reichstahler pro Malder hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Das Regenwetter hällt noch immer mit Wärme an, welches man für das frisch ausgeblühte Korn nicht zuträglich hällt. Die Franzosen haben Hanover besezt, doch ziehn zuweilen Truppen hiedurch, ohne hier zu logiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Am Johannistag, den 24ten dieses, klärte sich das Wetter auf. Seitdem haben wir heisse Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Da das Petri- und Paulifest den Sontag, der darauf folgt, gehalten wird, so ward selbiges heute gefeyert. Und weil es seit dem Fronleichnamstag nicht schicklich wegen der Nivenheimer Andacht war, die wegen dem Regenwetter zurückgestellte Procession zu halten, so hielten wir selbige heut. Vom Prefecten ist zwar verbothen, Processionen ausser dem Dorf zu halten. Da unser Pastor als Pfarrer der Hauptkirche dieses Cantons vor einigen Tagen zu Aachen den Eyd schwören muste, so befragte er sich beym Bischof, welcher ihm rieth, mit den Processionen so viel wie möglich die Hauptlandstraße zu meiden. Deswegen giengen wir heute am Lämchen hinaus, dem Dorfe vorbey, hielten an der Nettergaß die Hormer Station, am Welverhof die zweyte, giengen dann dem Welfer Kirchweg hinauf, bis wo der Weg auf das Boden-Kreutz geht. An diesem Kreutz hielten wir Station.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Heiß mit Donner und Regen. Man hat ein wenig angefangen, Korn zu hauen; morgen aber wird allgemein damit fortgefahren. Sommer- und Winterfrüchten stehn so schön, als man sie noch nie sah. Auch die Gemüse sehn sich vortreflich an. – Korn und Weitzen 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sontag, den 7ten – Heut wurde hier die Cantonal-Versammlung gehalten, wo die Meirie Worringen und Dormagen ihre Stimmen abgeben musten, als 2 Candidaten für den Friedensrichter. Hiezu wurden die Bürger Meyer, bisheriger Friedensrichter, und Schmitz, Witgeshalfen von Nivenheim, hier einstimmig gewählt. Die Maierie Zons stimmte mit Nivenheim und Straberg zu Zons. Einige 50 stimmten auf den Aldenhoven. Der Notaire Steinberger ist General-President des Cantons. Es waren hier viele Fremde von Langel, Merkenich und der Gegend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Wir verlangten sehnlich auf Regen. Da zohe heut ein Gewitter vorüber, welches sehr ersprieslich den Gemüsen und dem Buchweitzen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Da die Mairen der Dörfer Rommerskirchen, Nettesheim, Gohr etz. es abgelehnt hatten, bey den Sextionsversammlungen zu presidieren, so kamen heute auch bey 700 Bürger aus jener Gegend hieher, um auf ihre Stimmen abzugeben. Die Frühmes wurde wie heut 8 Täg um 5 Uhr, das Hoheamt um 8 Uhr und keine Nachmittagsandacht gehalten, weil die Versammlung in der Kirche statt hatte. – Die Kornpreise sind verschieden, zwischen 5 ad 6 Reichstahler das Malder, Weitzen beynahe 7 Reichstahler hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[345]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Gestern Nachmittag verkündigten das Beyern auf dem Kirchenthurm und des Abends das Geläute der Klocken, das Losbrennen der Böller die heutige Installation unseres Pfarrers Lambert Josef Dahmen als Cantons-Pastor. Diesen Morgen 4 Uhr wurden wieder bey dem Klockengeläute und um 9 bey der Ankunft des Dechanten aus dem Dom zu Aachen die Böller gelöset. Demnach hohlten die eingeladene Pastores aus der Conferenz den Dechant an der Pastorat ab, deren Eingang mit Blumenkränzen gezieret war. Die Kohrsänger sangen abwechselnd &amp;quot;Veni Creator&amp;quot; etz. Kreutz und Fahnen wurden vorgetragen. Nun begann ein feyerliches Hochamt, wobey der Pastor von Hakenbroich nebst Diacon und Subdiacon mit der Kohrkappe Ceremoniarius war. Beym Hochamt und zum Gesundheit-Trinken an der Taffel wurden die Böller gelöset, und abends acht Uhr ward die Pastorat illuminiret. Bis in die oberen Fenster brannten Lichter, colorirte Glaßkugeln strahlten in hier nie gesehener Pracht. Der Abend war heiß und windstill. Bis Mitternacht wanderten die Einwohner auf der hellen Straße. In Monheim und Hakenbroich konnte man die Illumination an der Luft sehen. – Thomas Delhoven, Expresident, ist zum Maire für die hiesige Maierie ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Es ist eine zeither immer heiß und trocken gewesen, so daß alles anfängt zu verdorren. – Man kann die Früchtenpreise nicht bestimmen. Es ist gar keine Nachfrage. In Kölln wird das Malder Korn zu 2 Kronthaler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Diese Nacht ware es weis gereift und gefroren. Erdäpfellaub und Bohnen sind verdorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Einige Täge fror es so stark, daß die Erdäpfel denjenigen verdorben sind, welche selbige noch nicht ausgemacht haben. Auch werden bey diesem sehr kleinen Wasser oben neben der Landstraße drey Krippen gelegt. – Kornpreis 4 Reichstahler 20 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Ein vor einiger Zeit hier angekommener Gensdarm logirt bey dem hiesigen Düppenbecker Anton Loeven. Der Gensdarm ist noch unverheirathet und amusirte sich mit der jungen Frau des Loeven. Dieser merkte das und ließ sich gestern Abend früh Essen geben, um nachher im Wirthshause zu gehen. Er ließ eine hintere Fenster offen und schloß die Thüre ab, riefe drey Nachbar-Männer und stieg mit ihnen zu dem Fenster hinein, wo er schon den Gensdarm mit seiner Frau in einer höchst verbothenen Lage fand. Sie drangen in die Stube und prügelten Gensdarm und Frau tüchtig. Heut ist die Geschichte rund umher kund. Der Gensdarm hat sich ein anderes Logis gesucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 20ten – Stürmisch mit Regen. Der Rhein fängt an zu wachsen, der einige Zeit so klein war, daß die meiste Brunnen im Dorf kein Wasser hatten. Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber. Das Pfund Caffé in Düsseldorf 44 Stüber, in Kölln 52 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[346]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1803&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Das Wetter hält noch immer mit Regen und Wind und zuweilen mit einem nächtlichen Frost und etwas Schnee an, doch so, daß wir bis jetz nur Herbstwetter hatten. – Da jetz in Kölln und auf dem Lande die Klostergebäude, Kirchen, Orgeln, Altäre und sonstige Effecten verkauft werden, so supplicirte der hiesige Maier, daß wir für 600 Franc die Orgel aus Sanct Margrethen und aus St. Laurenz binnen Kölln einen Altar, Communion-Bank und Kantzel bekommen haben. Diese Gegenstände haben die hiesige Meistbeerbte mit Karren und Wagen unentgeldlich hierher gefahren. Nun wird projectirt, eine neue Kirche zu bauen oder die alte zu vergrößern. – Das Franziskanerkloster in Zons hat hiesige Notair Steinberger für die Summe von 5.000 Frank und die 3 Altäre für 60 Frank gekauft. Das ehmalige Antonius-Bild und die Muttergottes mit den übrigen Bildern wurden auch verkauft. Bevor sie ausgestellt wurden, vereinigten wir Dormager uns mit den Zonser, daß wir das Antonius-Bild nach Dormagen und die Zonser die übrige Bilder haben sollten. Nun werden wir sorgen, daß eine Dienstags-Messe hier fundirt wird, und daß wir den Ablaß hieher bekommen, der sonst so viele zum Wahlfarten an Dienstägen nach Zons bewog. – Die Früchtenpreise stehn hier das Malder Korn 4 Reichstahler 30 Stüber, in Monheim 6 Reichstahler 30 Stüber. Unerachtet die Commisen zum Theil alle hier sehr scharf bey Tag und Nacht wachen, so gehn doch von Zeit zu Zeit schwere Transporte bey Nacht über den Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Die abgesezte Feyertage, als Conceptionis- und Stephanus-Tag, werden allgemein gefeyert. Am ersten Tage wurde des Nachmittags um 3 Uhr Complet gehalten und am Stephanus-Tag die halbjährige Versammlung von der Jesus-Maria-Josef-Bruderschaft. – So neigt sich das Jahr seinem Ende, ohne daß die gedrohte Landung der Franzosen in England ausgeführt wurde. Alle Anstalten werden mit gröster Thätigkeit betrieben. Auch scheint ein matter Friedensstrahl die Kriegsvorkehrungen zu vereiteln. – Die Arbeiten am Rhein hören seit einem Monath auf, weil seit dieser Zeit immer das Wasser zu hoch war. Auch heute fängt der Rhein an, die Ufer zu übersteigen und sich von Zons herauf in die Kühebenden zu ergiessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1804 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[347]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1804&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Der Rhein schwillt so hoch an, daß man nicht mehr mit Stiefel über die Landstraße gehen kann. Indessen stellt sich Frost ein. Die Früchten werden nicht gesucht. Hier verkauft man das Malder Korn zu 4 Reichstahler 15 Stüber und den Weitzen zu 6 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Da wir das Antonius-Bild von Zons gekauft haben, so erhielten wir auch vom päbstlichen Legaten die Abläße für die Hauptkirche zu Dormagen, welche sonst den Patres Franciscanern in Zons verliehen waren. Der Pastor ließ Zetteln drucken und solche durch den ganzen Canton verkündigen. Gestern wurde zur Mittagszeit mit allen Klocken geläutet und den Nachmittag gebeyert. Am Abend wurde von drey Geistlichen Beicht gehöret, wo sich eine Menge Einwohner einstellten. Diesen Morgen wurde Beicht gesessen. Der Communicanten waren bey 400. Weil es aber sehr kalt war, so wurde die Kirche nur von wenig Auswendigen besucht. Der Pastor von Worringen hielt zwischen dem Leviten-Hochamt eine passende Rede, wobey verschiedenmahl die Böller gelöset wurden. Auch wurde vor dem Hohenamt das Hochwürdige um die Kirche getragen. Nachmittags ware Vesper mit &amp;quot;Te Deum&amp;quot;. Dieser Tag wurde von allen Einwohnern so gefeyert, als wenn es Ostertag oder eins der höchsten Festen wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Seit 4ten fror es stark. Heut stellte sich Thauwetter ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Seit 14 Tagen hat es nicht gefroren, noch gereift. Alles fängt an zu Grünen. Einen so gelinden Winter haben wir seit lange nicht erlebt. Korn gillt hier 4 Reichstahler und der Weitzen 6 Reichstahler. Jenseits ist es um 2 Reichstahler 30 Stüber theurer. Es geht nicht viel Frucht über den Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Bisher hatten wir immer angenehmes Wetter, nur erst heute stellte sich Frost ein. – Die Antonius-Andacht an allen Dienstägen des Jahres wird fleissig von Auswendigen besucht. Auch viele Einwohner beichten, und es ist allzeit ein dritter Geistlicher hier, entweder der Deservent Streiter von Straberg oder der Excapuciner Trimborn von &amp;lt;s&amp;gt;Nivenheim&amp;lt;/s&amp;gt; Worringen. Meine Schwester Anna Margaretha Delhoven hat ein Capital von 800 bis 1.000 Reichstahler vermacht, wofür an Dienstägen Frühmeß, Hochamt und Complet gehalten werden soll. – Am 17ten ware schon viel Eiß im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Abwechselnd mit Sturmwind, Schnee und Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Bisher hielte der Frost an. In diesen Tägen ware viel Schnee gefallen, der doch beym hellen Sonnenschein sich alle verlohren hat. Der Rhein ist sehr klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – 17ten angenehme Frühlingstage. Erst gestern und heute hat man in den Gärten angefangen zu graben. Kornpreis hier 4 Reichstahler 30 Stüber, Malder Weitzen 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[348]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1804&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten, &amp;lt;u&amp;gt;Karfreytag&amp;lt;/u&amp;gt; – Die vorige Woche ware der Maier Thomas Delhoven mit dem Pastor und Notair Steinberger von Haus zu Haus durch die Pfarre umgegangen, wo ein jeder sich unterschrieb, wie viel er zum Bau einer neuen oder halb neuen Kirche beytrage wollte. Ich werde zur Zeit die Liste davon nachtragen. Nun waren gestern die Nachbarn wieder in der Kirche versammelt, um ihre Meinung zu sagen, was sie an dem Plane auszusetzen hätten. Pannes glaubte, man sollte auf Kosten der Gemeinde erst einen Ziegelofen bauen, die meisten aber stimmen für eine ganz neue Kirche. – Diese Woche wurden die gewöhnliche Römerfahrten mit der grösten Feyerlichkeit und sehr zahlreich gehalten. Das Wetter ist angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Nordwindig-kalt, Hagel und noch Merzerschauren. Da noch immer sehr wenig Früchten über den Rhein gehen, so steht hier der Kornpreis auf 4 Reichstahler 15 bis 30 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22., &amp;lt;u&amp;gt;Jubilate&amp;lt;/u&amp;gt; – Wegen dem anhaltenden Regen konnte die Prozession heute nicht ausgeführt werden, obschon wir 5 Musikanten von Düsseldorf mit Paucken hier hatten, welche ein musikalisches Hochamt hielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23., &amp;lt;u&amp;gt;Hagelfeyer&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Wind wehete stark, so daß wir mit der Prozession nicht vor das Dorf gehen konnten. Deswegen zohen wir nach dem Hohenammt das Dorf hinauf, hielten am Schwanen die erste Station, giengen dann das Dorf hinunter, hielten unten vor dem Dorf die zwote und an meinem Haus die dritte Station, die vierte in der Kirch. Die beyden Nächte ward im Posthaus getanzt. – Bis Ende Aprill kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 6ten – Sehr heisse Tage. Früchten und Klee sind in diesen Tagen sehr gewachsen. Heut musten alle Succursal-Pfarrer dieses Cantons hier in der Kirche dem Maier von Dormagen den Eyd der Treue schwören. Schon morgens 3 Uhr ward gebeyert, um 10 Uhr kamen die Municipalräthe, Gensdarmen und Secretair mit dem Adjuncten, Maier und Friedensrichter vom Hause des Maiers zur Kirche. Maier und Adjunct waren im Costüm gekleidet. Wie der Zug an den Kirchhof kam, da wurden die Böller gelöset, und die 14 Pastores schlossen sich dem Zuge an. Vor dem hohen Amt gieng die Procession um die Kirche, alle Geistliche in Röckleinen, die Beamten und Räthe trugen Fackeln. Zwischen der Meß, nach dem Credo ward vor den hohen Altar ein Tisch mit 2 Kerzen, Crucifix und Evangelien-Buch gesezt. Der Maier hielt eine Rede an die Pastores, nach diesem unser Cantonal-Pastor eine lateinische. Demnach überreichten die Pastores dem Maier den Eyd, auf Stempelpapier geschrieben. Zwischen dem Amt und &amp;quot;Te Deum&amp;quot; ward verschiedenemahle mit den Böllern geschossen und bey Steinberger von allen Pastoren und Beamten zu Mittag gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[349]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut wurde das Antoniusfest mit vollkommenem Ablaß gefeyert. Es waren viele Fremde hier. Der Pastor von Worringen hielt eine passende Rede. Nach dem Hochamt giengen wir Procession: oben am Lämbchen hinaus, um die Gärten an der Hellbüchelsgasse hinein. Beym Wilhelm Fitgen ware die erste Station, die zweyte war beym Maier Thomas Delhoven, die dritte hier an meinem Hause, die vierte beym Nicolaus Eller, wo die Procession um die Leufe wieder zur Kirche gieng. Abwechselnd wurden die Böller gelöset.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Seit dem 23ten Aprill hatten wir anhaltend trockenes Wetter, zuweilen sehr heisse Tage, so daß schon alle Gartengemüse leiden. Auch wird seit einigen Tagen an den Krippen im Rhein oben an der Landstraße gearbeitet. – Vorgestern hohlte der Pastor und Maier die Kirchenparamenten in Kölln ab, die der Bischof aus den aufgehobenen Klöstern und Kirchen unter die Pfarreyen vertheilet. Wir bekamen eine vollständige mit Gold und Silber besezte schwarz-sammetene Kapelle sammt Vorhang, ein weisse Kapelle mit Gold besezt, eine grüne Kohrkappe, zwey Missalen und 2 Antiphonalen, Weyrauchfaß, Weihkessel und Pollen, sammt zwey Gestühlen vors Kohr. – Auch ist Bonapart zum Kayser der Franzosen erwählt. Deswegen musten vorige Woche alle Commisen, Receveurs, Munizipalräthe, Adjuncten, Wohlthätigkeitsbeamten und Forstbeamten des Cantons hier den Eyd der Treue schwören. Die erste wohlthätige Verordnung des neuen Kaysers ist die Erlaubniß, daß die Früchten ins Ausland geführt werden dürfen. Vom Köllnischen Malder Korn wird ungefähr 20 Stüber und vom Malder Weitzen 40 Stüber zahlt, doch darf die Frucht nur durch die Häfen von Maynz, Coblenz und Kölln ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Seit einiger Zeit hatten wir entsetzlich heisse Tage. Heut am Abend erhielten wir einen Platzregen, desgleichen an langen Jahren auf einmahl nicht soviel gefallen ist. – Kornpreiß 2 Brabäntische Kronthaler, Weitzen 3 Brabäntische Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Der Julius ware vorzüglich heiß. Vorgestern und gestern zohn heftige Gewitter aus Norden herauf. Gestern am Abend regnete es stark. Der Rhein, der ohnedem ziemlich hoch war, schwoll die Nacht 3 Fuß an. Diesen Morgen ware die Oberfläche des Rheins mit Bäumen, Bauholz, Fenstern, Kesseln und allmöglichem Hausgeräth bedeckt. Das Wasser ware im Rheine so stark gemühlt, daß die Fische wie toll umhersprangen. Nach dem Mittag bis an den Abend ware der Rhein 3 Fuß gefallen. Und am 23ten morgens ware solcher wieder 5 Fuß gewachsen. Alle Einwohner wurden aufgebothen theils oben am Leinufer, theils unten an Zons, Dämme zu machen. – Korn ist noch wenig eingefahren und nur die Halbschied gemähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Der Regen hällt an. Da alle Gemeinschaft durch einen Wolkenbruch abgeschnitten ist, so kann man noch nicht wissen, wo eigentlich der Schade geschehen ist; nur hört man, daß es an der Aar gewesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[350]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1804&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, &amp;lt;u&amp;gt;donnerstags&amp;lt;/u&amp;gt; wurde das Portiuncula-Fest hier mit vollkommenem Ablaß gefeyert, den der hiesige Pastor für heute sowohl als für das Franziskusfest hat erhalten. Beyern, Klockengeläute mit Böllern-Schiessen wechselten ab, unerachtet wegen dem Regenwetter noch sehr wenig Korn eingefahren und heute Morgen schön Wetter war, so feyerten doch die meisten Einwohner. 5 Geistliche saßen in der Kirche und auf dem Kirchhofe Beicht. Der Poenitenten waren über 500. Auch waren viele Fremden aus dem Grießberg und der Worringer Pfarre hier. Die Pastores von Nivenheim, Gohr, Sinnersdorf und Monheim, in allem 9 Geistliche, waren gegenwärtig. Bey End der Meß regnete es so stark, daß wir die Procession um die Kirche nicht halten konnten. Abends 7 Uhr war Complet, der alle Geistliche noch beywohnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Alle Tage regnet es mit Donner, so daß man das Korn nicht anhaltend hereinbringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis Ends August hielt das Regenwetter an, so daß wenig Korn und Weitzen trocken eingebracht wurde. Vor einigen Tagen ist die Ausfuhr der Früchten wieder aufgehoben worden. Man konnte annehmen, daß alle Tage tausend Malder zu Kölln über den Rhein giengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Der Kayser Napoleon ist zu Aachen. Er wird über Neus auf Crefeld und von da an den Eugenianischen Kanal bey Rheinberg und dann über Dormagen nach Kölln gehn. Deswegen fuhr ich diese Nacht auf Kölln, um Tapetenpapier zu kaufen, für zwey Triumpfbögen zu verziehren. Und wurde vom Mayer befohlen, daß alle Pföste von der Straße gemacht und die Straßen gekehrt, besprengt und bey der Ankunft des Kaysers mit Blumen bestreuet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten, Donnerstag – Morgens 6 Uhr kame der Kurier, welcher die Nachricht brachte, daß der Kayser um den Mittag eintreffen würde. Es folgten viele Abtheilungen der Garde und Gensdarmen, Generäle in Wägen mit 6 Pferden. Die 2 Triumpfbögen waren gestern errichtet, auch von den Hakenbroichern viele Karren mit grünen Meyen aus dem Knechsteder Busch dienstweise hieher gebracht, welche sogleich vertheilt und an alle Häuser aufgesteckt wurden, wodurch die Straße eine Allee bildete. Oben gegen der Kirche stand ein 36 Fuß hoher Triumpfbogen, der andere stand unten, auf diesseit des Hellbüchels. Zahllose Schaaren von Auswendigen und aus dem Bergischen strömmten herbey. Couriere folgten schnell aufeinander. Und da noch wenige Postpferde angekommen waren, so ließ der hiesige Meier aus dem Canton 150 Pferde hieher beorderen, welche auch gleich ankamen. Um 4 Uhr kame eine Bande Musikanten von Düsseldorf, welche vor dem Posthaus auf einem erhabenen Gestell jedesmahl bey Ankunft eines Generals sowohl als des Prefecten ein Stück machten. Von dem Herzog von Bayern, welcher zu Benrath residirt, hatten wir 5 kleine Kanonen und 3 Mörser gelehnt, welche unten vor dem Dorf aufgestellt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[351]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1804&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Tochter des Maier, Anna Margaretha Delhoven, die Tochter des Welfer Halfen, Maria Sibilla Coenen, die Christina Pannes und Anna Margaretha Eller waren weis gekleidet und überreichten dem um 6 Uhr ankommenden Kayser einen Blumenstraus, präsentirten den Ehrenwein und übergaben eine Bittschrift, welche vom Maier, Pastor und den Kirchenmeistern unterschrieben war und worin um eine Beysteuer zur Erbauung einer neuen Kirche angestanden wurde. Der Kayser durchlaß die Petition bis zu Ende, neigte sich dann lächelnd gegen die Kinder, während ein unzähliges „Vivat der Kayser“ erschallte. Maier, Adjunct, Munizipalräthe in Begleitung der Vornehmsten des Orts ritten dem Kayser bis auf die Gränze der Maierie entgegen und begleiteten Seine Kayserliche Majestät bis auf Worringen hin. Als der Kayser am Rhein die Krippen-Arbeit sahen, stieg er aus dem Wagen, schickte einen Mameluk, der den Maier von Dormagen, der schon vorauf war, zurück rief, mit dem der Kayser sich lange unterhielt. Er fragte, wo das Holz hergenohmen würde, ob die Enteprenneurs ihre Schuldigkeit thäten, ob die Arbeit gut wäre und lange dauren könnte, welche Arten von Frucht hier gezogen würden etz. – Auch stand beym Vorbeifahren der Pfarrer mit 2 Vicarien am Eingange des Kirchhofes und reichten unter dem Geläute der Klocken und Lösung der Böller dem Kayser das Weihwasser. – Des Abends und die folgende Nacht ware Ball im Posthause. Das Wetter ware heiß und sehr schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Gestern, als am Samstage, ward morgens Hochamt und nachmittags Vesper gehalten. Heute, Sontag, aber eigentlich das Michaelsfest gefeyert. Das Wetter ware sehr schön. 800 beichteten, und eine solche Anzahl Fremden ware nie hier versammelt. Die Prozession zohe erst nach dem hohen Amte aus, und erst um 2 Uhr zohe selbe herein. Der berühmte Prediger Asterius, Excapuciner, jetz Succursal-Pfarrer in Sinnersdorf, hielt eine sehr rührende Rede. Kornpreis 2 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Bisher hatten wir trefliches Wetter. Nun, da es bald Kirmes wird, fängt es an zu regnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Die ganze Kirmes hindurch war es unangenehm Wetter. Die Jungen im Dorf hatten eine Herrschaft zu Pferd eingerichtet, welche durch Kampf-Streiche die Zuschauer erlustigten. Im Posthauß und im Schwanen ware Musick. Montags und dienstags ward von 22 Musikanten das Hoheamt gespielt, worunter die vorzüglichste Liebhaber von Kölln und Düsseldorf waren. Seit einigen Tagen ist die Ausfuhr des Korns und der Sommerfrucht ins Ausland erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[352]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1804&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Bisher hatten wir abwechselnd Frost mit Sturm und Regen, so daß der Rhein auszutreten drohte, doch jedesmahl durch ein sich einstellendes Fröstchen sich wieder in sein Ufer zurückzog. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber hiesige Maaß, nach Worringen zu liefern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Auf die am 13ten September dem Kayser übergebene Supplik zur Beysteuer unserer Kirche erhielt der hiesige Maier von Staats-Secretair Hugo Maret aus Maynz einen Brief, worin ihm angezeigt wird, daß die übergebene Supplik an den Minister Portalis abgeschickt seye. Dieser foderte durch den Unterprefecten einen Rapport, worauf der Unterprefeckt dem Maier hieselbst ersuchte, ihm eine Abschrift des Nachlasses einzuschicken, den unser ehmaliger Souverein uns anno 1784 in Betref des verursachten Wasserschadens verlieh. Weil wir in der Supplic sagten, daß wir durch die erlittene Kriegslasten erschöpft, außerstand wäre, unsere Kirche selbst zu bauen, welche jetz um eine Halbscheid zu klein seye, da unsere Gemeinde so sehr an Seelenzahl zugenommen. Uns wäre auch von unserem ehemaligen Souverein im Jahr 1784 ein Nachlaß von 25 Jahren verliehen worden, der ungefähr jährlich 2.000 Reichstahler betrüge, davon wir aber seit 1794 nichts genossen hätten. – Wir haben also jetz gegründete Hofnung, daß wir eine Beysteuer erhalten werden. – Der Frost und Schnee halten seit dem 25ten November an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut wird zu Paris der Kayser Napoleon vom Pabste selbst gekrönet. Zu dieser Feyerlichkeit sind aus allen Departementen Deputirte dahin berufen. Es werden dort Feste gehalten, wie solche noch nie gehalten wurden. Auch hier wurde &amp;quot;Te Deum&amp;quot; gesungen. Die öfentlichen Beamte, Gensdarmen und Commisen hohlten den Maier unter Abfeurung der Böller zur Kirche ab. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber. Seit einigen Tagen friert es mit etwas Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Der Frost hällt an. Gestern Abend halb 9 verkündigte das kleine Klockenschlagen, daß es zu Zons brenne. Die Brandspritzen wurden herausgeführt, und als die Leuthe unter die Gärten kamen, sahe man nur das Lämpchen vor dem Muttergottesbild am Schloß und links etwas Lichtschimmern. Ich gienge doch mit Johan Steinberger dahin, wo nur die Scheuer und Stallung des Küsters an der Kirche niedergebrannt war. Die Brandspritzen und die meisten Einwohner aber kehrten um, ehe sie dahin kamen. – Der Rhein geht dicht mit Eis. Kornpreis 6 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler. In Kölln, Neus und Clev geht noch täglich Korn und Gersten ins Bergische gegen Abgabe von 20 Stüber pro Malder. Weitz darf nicht hinaus gehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1805 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[353]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1805&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Abends 6 Uhr brach in der Scheure des Heinrich Cremer Feuer aus. Der Wind ware nicht stark aus Osten. Gleich wurde auf die Klocke geschlagen, die Brandspritze hier oben aus dem Dorf wurde im Hof des Adolf Schmitz gestellt, wodurch dessen Haus und die Scheuer des Henrich Bochem gerettet wurden. Die unterste Brandspritze wurde in den Hof des Maier Delhoven gesezt. Da aber die kupferne Pfeife sehr lange blieb, so musten wir die Scheuer meines Bruders, des Maier, den Flammen Preis geben, wodurch die Scheuer des Herman Hambloch, dessen Ställe und die Ställe meines Bruders, das Haus des Henrich Cremer und die Scheuer des Adolf Schmitz ein Raub der Flammen wurden. Zwey Brandspritzen von Worringen und eine von Zons verhinderten, daß die dicht angebauete Ställe und Scheuer des Johann Hambloch sich nicht entzündeten. Die Bewohner von Worringen und Zons thaten viel Arbeit. Um 11 Uhr ware der Brand gelöscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Heute fieng es an aufzuthauen, da es seit dem 25ten November gefroren hat. Zwar thauete es oft ein paar Tage, da fror es doch gleich wieder. Der Rhein trieb die meiste Zeit hindurch mit Eiß. Oben Maynz hat das Eiß sich gesezt, und von Rees hinabwärts ebenfals. – Das Malder Weitz Neusmaas gillt 8 Reichstahler 20 Stüber. Korn idem 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Das Eiß vom Oberrhein ist passirt, doch hat es dieser Tage noch anhaltend gefroren, so daß noch kein Pferd zu Acker hat gehen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Heut versammelte der Maier die Nachbarn in der Kirche, wo jeder eine Leuchte vorzeigen muste, worauf ihm das Nummero seines Hauses mit Oelfarb gezeichnet wurde. Dann ward die Ernennung des Caspar Esch als Policei-Sergeant und Nachtwächter bekannt gemacht, dessen Gehalt aus der Gemeinde-Cassa bestritten wird. Und der Engel Ferver verrichtet die Feldschütz-Diensten. Dafür erhällt er von jedem Pferdsmann pro Pferd ein Viertel Korn, und von den übrigen, welche Länderey haben, eine Garbe. Auch ward der Vorschlag des Maier genehmigt, daß jedesmahl, wenn jemand krank ist und mit den heiligen Sacramenten versehen werden soll, die zwey nächste Nachbarn den Pastor und Küster bestellen und 2 Stangenleuchten mit zum Kranken hintragen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Vom Pabste ist ein Jubiläum ausgeschrieben worden, welches am 1sten Merz anfängt und sich mit dem 30ten schliesset. Am ersten Merz soll in allen Pfarr- und Succursalkirchen eine heilige Geist-Messe gesungen werden. Es kann eine Procession gehalten werden. Ein jeder muß zweymahl die Pfarr-Kirche besuchen. – Wir giengen heut Nachmittags 2 Uhr mit einer 700 Seelen starken Procession nach Worringen. Der Pfarrer von Worringen empfienge uns mit Kreutz und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[354]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1805&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fahne vor Worringen. Der Polizei-Sergeant stand an der Kirchthüre, und es durfte kein Einwohner von Worringen in die Kirche gehen. Es ware kalt, doch ohne Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Dienstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute, morgens 10 Uhr kame die Procession von Worringen hieher. Die Kirche war beynahe voll von Worringer. Nach dem hohen Amt kehrten sie auf Worringen zurück. Es hatte stark geregnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten, Samstag – Morgens 8 Uhr giengen wir auf Worringen mit der Procession. Es ware die Nacht etwas gefroren und sehr kalt. Der Rhein hat unsere Felder überschwemmt. Deswegen musten wir über den Höhenberg gehen, so wie am vorigen Sontag, wo wir dann über den Worringer Damm und die Lieverchesberg giengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sonntag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Nachmittag ward die Bruderschaft um halberzwey gehen. Nach dieser kamen die Worringer mit einer sehr zahlreichen Procession hieher. Als sie fortgiengen, regnete es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten, &amp;lt;u&amp;gt;Dienstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern Abend sassen der Pastor von Sinnersdorf, der Excapuziner von Worringen und unser Pastor bis in die Nacht Beicht. Diesen Morgen früh kamen schon Auswärtige von Worringen, Langel, Hakenbroich schaarenweise hieher. Ich war um 7 Uhr im Garten. Bey dem schönen Frühlingswetter hörte man das laute Bethen weit und nahe. Obschon noch ein Knechsteder Geistlicher zu den oben genannten 3 Beichtvätern gekommen war, so hatten sie doch bis 10 Uhr im Beichtstuhl zu thun. Da fienge das solemne hohe Amt an, zwischen welchem der Pastor von Sinnersdorf (Excapuziner Pater Asterius) eine imposante rührende Predigt hielt. Die Kirche war geproft voll, mehr dann 300 Fremde waren hier. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler 30 Stüber hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute Nachmittag ware die Procession von Hakenbroich hier, und vorgestren, als am Freytag, waren wir mit einer 600 Seelen starken Procession vormittags in Nivenheim. Wir hatten Frühlingswetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten, &amp;lt;u&amp;gt;Dienstag&amp;lt;/u&amp;gt;, &amp;lt;u&amp;gt;Josefstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Schon vor 6 Uhr diesen Morgen waren Fremde hier, die ihre Andacht halten wollen. Obschon 3 Beichtväter sassen, so ware es doch ein Gedränge, so, als es noch nie hier in der Kirche war. Späther saßen 2 Beichtväter auf dem Kirchhofe, um der um 10 Uhr ankommenden Procession von Hakenbroich in der Kirche Platz zu machen. Nach 12 Uhr ward noch die Communion ausgetheilt. Nachmittags 3 Uhr kamen die Nivenheimer mit einer sehr großen Procession hieher. 2 Knechsteiner Geistliche in Levitten begleiteten den Nivenheimer Pastor im Pluviale. Von hieraus giengen 4 Geistliche mit Kohrkappen und 5 Choral-Jungen den Nivenheimer bis auf den Hellbüchel entgegen. In der Kirche ward nach gegebenem Seegen der Ablaß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[355]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1805&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:gebethen, worauf der Pfarrer verkündigte, daß die Procession eine halbe Stunde aufhalte. Während dem hielt der Excapuziner Trimborn eine Predigt, welcher doch sehr wenige beywohnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Heute wurden die Conscribirte in Posthalters großem Zimmer gemessen und gemustert. Der Sousprefect ware da. Von 151 wurden soviele wegen körperlichen Gebrechen verworfen. Unter diesen befand sich der hiesige Sohn des Thomas Delhoven, namens Hermann Josef, ferner der Sohn des Isak namens Josef.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Diesen Morgen geschahe die Ziehung in der Kirche. Von 109 Jungen musten 10 zur activen Armee und 9 zur Reserve. Von Dormagen fiel des Johann Brand Sohn an die active Armee und des seeligen Pletsch-Johann Steingass sein Sohn an die Reserve. Mein Bruder, der Maier, hatte einen jungen Menschen von Thienhoven gekauft, der für seinen Sohn Herman Josef marschieren wollte. Er bekam 1 Kronthaler und 25 Reichstahler gleich, wenn er nicht daran fiel. Muste er aber für ihn marschieren, so bekame er 25 Reichstahler Reißgeld und 200 Reichstahler, welche auf Intressen gethan wurden, wovon er die Intressen bekam, das Kapital aber erst nach erhaltenem Abschied. Er sowohl als meines Bruders Sohn zohen sich frey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Es ist noch immer nordwindig, und des Nachts friert es anhaltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten, &amp;lt;u&amp;gt;Samstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut Nachmittag hielten wir zum Beschluß des Jubiläums eine Prozession um das Dorf. Vornehmlich waren die Kinder eingeladen, welche auch zwey Fähncher trugen, doch ware die Procession sehr stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Heut Abend 9 Uhr brach zu Delven im oberen End des Dorfs Feuer aus. Es wurde hier auf die kleine Klocke geschlagen. Sogleich eilte der Maier zu Pferde mit 2 Brandspritzen dahin, denen viele Einwohner folgten. Wie wir hinkamen, standen schon 7 Häuser in Flammen. Da wegen dem trockenen Wetter das Wasser im Broich gehohlt werden muste, so ware Geschier zum Schöpfen zu wenig. Um 10 Uhr ware der Brand gelöscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten April, &amp;lt;u&amp;gt;Ostermontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut wurde die Emaus-Prozession gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Gestern und heute fienge es an zu regnen, nachdem es seit dem 10ten Merz nicht geregnet hatte. Kornpreis 7 Reichstahler 3 Schilling, Weitzen 8 Reichstahler 30 Stüber hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Es gab noch anhaltend kalte Nächte, zuweilen fror es Eiß auf&#039;s Wasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – 6ten – Gestern und heute hielten wir unsere Gottestracht. 8 Musikanten mit Paucken und Trompeten begleiteten den Zug. Vorzüglich spielten sie gestern an Zons, wo wir dem alten Wege nach dicht an den Mauern vorbey zohen. Das Wetter war prächtig. Die beyden Nächte ward im Posthause getanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Der Notar Steinberger läst die Franciskaner-Kirche in Zons abbrechen. Der dortige Leydecker Schüller fiel heut vom Kirchendach herunter und blieb auf der Stelle tod. Der Kramp des Dachstuhls riß ein Stück aus dem Bord, worin er eingekrämpft war. – Kornpreis 8 Reichstahler, Weitz 5 französische Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[356]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1805&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Nur höchstens drey angenehme Tage hatten wir im Mey. Man hat nur noch selten Kornblühe gesehen. Viele Nächte waren von Reif und Frost begleitet, fast alle Täge der Wind aus Norden. Es ist so kalt und trocken, daß der zweite Schnitt vom Klee nicht gedeihen kann. Weil von Stommeln bis hinten Gülich, von Erkelenz bis ins Vorgebirg die Mäuse alle Winterfrucht und Klee aufgefressen haben, so ist das 1.000 Pfund Heu zu 10 Reichstahler 30 Stüber gestiegen. Korn gillt in Neus 8 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 10 Reichstahler 30 Stüber und Sommergerste 6 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Noch immer ist es trocken und nordwindig-kalt, daß sogar in den Köllnischen Zeitungen darüber raisonnirt wird, daß wir dieses Jahr keinen Frühling haben, sondern aus dem Winter in den Sommer treten. Dennoch sieht die Winterfrucht sich treflich an. – Die nun beendigte Nivenheimer Andacht ward zahlreich von Fremden besucht. Das Antoniusfest, das auf den Fronleichnams-Donnerstag fiel, ward hier sehr festlich gehalten. Die Fronleichnams-Procession hielten wir des Sontags drauf, wie das Gesetz befiehlt. – Kornpreis hier 9 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 6 Kronthaler, Haaber 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Der Wind war die ganze Zeit hindurch aus Norden und kalt. Nur in einzelen Nachmittagsstunden hatten wir Hitze. Hier und da hat man etwas noch unreifes Korn gehauen, aus Mangel an Brodt, da man das Korn eine Zeither zu 10 Reichstahler und den Weitzen zu 11 Reichstahler 30 Stüber verkauft hat. Der meiste Mangel besteht in Gemüß und Fourage. Der zweite Schnitt vom Klee kann wegen Trockenheit nicht gedeihen. Die dicke Bohnen sind von den Milben verdorben, und die Sommerfrüchten verdienen allgemein umgebauet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten fienge es etwas zu regnen an. Am 23ten erst folgte eine durchtringende Schauer. Man fängt jetz allenthalben an, Korn zu hauen. – Der neue Sahmen gillt 12 Reichstahler, das 1.000 Pfund Heu 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor dem Portiunculafeste lud der Pastor in der Sontags-kristlichen Lehre die Jungen und Mädcher ein, nach derselben zu ihm in die Pastorat zu kommen und eine Beysteuer zu Ehren des heiligen Franciscus zu bringen. Es kamen ungefähr 30 Reichstahler zusammen. Des folgenden Tages fuhr der Mayer Thomas Delhoven auf Kölln und kaufte ein paar silberne Pollen und Teller, 72 ¾ Loth schwer, für 72 Reichstahler 45 Stüber, ein Weyhrauchfaß mit Schifchen 3 Pfund 22 ½ Loth schwer, pro Loth 57 Stüber. Die übrige Gelder hat der Herr Pastor, theils auch mein Bruder Jacob Delhoven, vorgeschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Anhaltend nasse Witterung. Das Korn fängt an zu wachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[357]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1805&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Ein so späthes Jahr weis man sich nicht zu erinnern. Noch steht viel Korn und fast aller Weitzen im Feld. Alle Früchten sind feucht eingefahren worden. Das neue Korn wird zu 6 Reichstahler 30 Stüber verkauft, Weitzen 9 Reichstahler, Rabsahmen 11 Reichstahler, das 1.000 Pfund Heu 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Bisher hatten wir immer abwechselnd nasses Wetter. So wie die Winterfrucht muste auch die Sommerfrucht in seltenen guten Stunden halb trocken eingefahren werden, doch scheint die Witterung sich nun zur Trockenheit zu neigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Die Franzosen hatten durch platte Transportschiffe ihre Seemacht so vergrößert, daß sie bereit waren, eine Landung in England zu wagen. Die Engländer, bange für den guten Erfolg, suchten die Russen, Österreicher und Türken dahin zu vermögen, daß sie sich gegen Frankreich rüsten, um selbes zu einem annehmlichen Frieden mit England zu zwingen. Es stehn 200 tausend Kayserliche und eine starke Anzahl Russen im Felde, um gegen Frankreich zu kämpfen. Nun gehn die Kouriere noch immer, und die wechselseitige Gesandten sind noch immer zu Wien und Paris. Indessen läßt der französische Kayser beträchtliche Armeen von den Küsten gegen die Kayserliche Gränze ziehen. So kömmt nun auch die französich-holländische Armee herauf an den Oberrhein. Heut kame die erste Division nach Neus, 7.000 Mann stark. Die Neusser schickten ein Bataillon Infanterie hieher, wovon 2 Compagnien nach Worringen verlegt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Am 14ten passirte morgens die Division hiedurch auf Kölln, und mittags kame wieder ein Bataillon hieher, wovon 1 Compagnie auf Horm und vier nach Delven und Hakenbroich detachirt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Sontags Nachts am 15ten um 1 Uhr kame ein Ordonanz vom Colonell Hinüber aus Osteraths, welcher ankündigte, daß um den Mittag ein Regiment holländische Husaren hier logieren würde. Der Maier schickte den Conrad Sand zu Pferd nach Osteraths, um dem Commendanten anzudeuten, daß er besser mit seinem Regiment in Rommerskirchen, Nettesheim und Stommeln logirt wäre, weil auch hier ein Bataillon Infanterie angesagt wäre. Morgens 6 Uhr fienge die Division an, hiedurchzuziehen. Um halb acht ward die Frühmeß und um halb 10 eine Leßmeß an Statt des hohen Ammt gehalten. Da kamen die Quartiermacher von den Husaren an, und der Conrad Sand brachte die Ordre mit, daß das Regiment über die Gillbach ziehen werde. Wir bekamen also heute nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Dieser Tage zohen täglich einige hundert Franzosen und Holländer mit Bagage hiedurch, ohne zu logiren. Die Maierie Dormagen muß einen Wagen mit vier Pferden zu der Armee stellen. Dieses wurde gekauft, und 2 Knechte von Monheim sind damit auf Maynz abgegangen. Die Kosten wurden auf den Steuerfuß repartirt und gleich bezahlt. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 9 Reichstahler, 100 Bauschen Stroh 6 Reichstahler. Das Korn gibt vortreflich. – Es ist anhaltend trocken Wetter, etwas kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[358]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1805&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Das heutige Michaelsfest ware sehr glänzend. 10 Geistliche begleiteten die Prozession, welche bey dem schönen Wetter durch die vielen Fremde ausserordentlich zahlreich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmesabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Diese Nacht hat es stark gereift und dickes Eis gefroren. Bisher ware es immer kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Die zwey erste Kirmes-Tage war es des Nachts gefroren und im Tage schön Wetter, drauf fienge es anhaltend zu regnen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 12ten bis 15ten November – Kalt mit Frost und Reif. Kornpreis 7 Reichstahler. – Die französische Armee unter Anführung des Kaysers Napoleon hat die österreichische Armee unter Anführung des General Mack vernichtet. 50 bis 60 tausend Mann sind als Gefangene in Frankreich gefangen, in Ulm capitulirte der General Mack, 24 Generäle und 33 tausend Man. Drauf ist der Kayser Napoleon am 13ten November in Wien eingezogen und verfolgt die Russen bis Olmütz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten December – Kornpreis 7 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Bisher ware es anhaltend offenes Wetter, doch ohne viel Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten fienge es herzlich zu frieren an. Das Malder Geriß kostet 1 Reichstahler 24 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Der Frost war diese Tage so stark, daß der Rhein dicht mit Eiß triebe, heut aber ist es Thauwetter. – Die Franzosen verfolgen ihre Siege gegen die österreichische und russische Armee von mehr als 100 tausend Mann, zohe der Kayser Napoleon zwischen Brünn und Olmütz mit seiner Armee. Am 2ten December ware die große Schlacht, welche die Schlacht von Austerlitz genannt wird: 45 tausend Österreicher und Russen wurden getödtet oder gefangen. Drauf ist mit dem deutschen Kayser ein Waffenstillstand geschlossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Angenehm Wetter. – Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Am 26ten dieses ist der Friede zwischen Frankreich und Österreich geschlossen worden. Die Kuhrfürsten von Würtemberg und Bayern sind zu Königen erklärt worden und erhalten ansehnliche Vergrößerungen. Die Russen gehn nach Hause. – Durch das eine Zeither so starke Regenwetter schwillt der Rhein an. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber. – Die Erndte des verflossenen Jahrs ware sehr ergiebig. – Der Jussenhover Hof ist an den ehmaligen Zollbeseher in Zons, Herrn Fischer, um 6.000 Reichstahler verkauft. – Der Welferhalfen hat ebenfals seinen Hof gegen 8 tausend Reichstahler gekauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1806 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[359]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1806&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Der Rhein, der zu Anfang dieses Jahres an die Landstraße ausgetreten und wieder etwas gewichen war, hat durch das seit vorigem Kristag ununterbrochene, durch heftigen Wind und Regen wüste Wetter wieder neuen Wuchs erhalten. Der meiste Theil vom untersten Feld ist unter Wasser. Der nun aufhörende starke Wind verdirbt am meisten die Frucht durch das Pletschen der Wellen. Und da die Früchten durch den gelinden Winter schon am Wachsen waren, so befürchtet man, daß die Überschwemmung selbigen sehr nachtheilig seyn wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis Anfangs Merz – Meist nasses Wetter ohne Frost. Alles wächst. Korn wird nach Kölln zu 6 Reichstahler 15 Stüber verkauft. Die Früchten haben dennoch durch die Rhein-Überschwemmung nicht so viel gelitten, als man glaubte. Nur in den Gründen, wo das Wasser versinken muste, und auf den Bergen, wo der Wind spühlte, ist&#039;s verdorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 8ten – Frost. – Vom 10ten bis 20ten Regen mit Sturm. Deswegen ist seit ein paar Tagen der Rhein ausgetreten und sich fast durch das ganze Feld ausgedehnet hat. – Die holländische Truppen, welche den lezten Feldzug mitmachten, sind dieser Tage hiedurch gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten logirte der Stab und die Grenadiere von einem Bataillon hier, sonst giengen sie alle in einem Tage auf Neus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten giengen 600 Franzosen hiedurch über Grimmlinghausen nach Düsseldorf, wo gestern ein Kourier ankame, mit der Ordre, daß alle pfälzische Regierungsglieder im Bergischen abgesezt und das Land dem Kayser von Frankreich abgetreten seye. Drauf zohen die pfälzische Soldaten aus nach Ratingen, von wo sie nach Bayern gehen. – Kornpreis 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Seit einem Monath ist es anhaltend kalt-nordwindig-trocken. Der im Merz ausgetretene Rhein hat alles Korn verdorben, welches unten im Felde überschwemmt war. Auch das obere Feld sieht erbärmlich aus. Der Schwager des französischen Kaysers Napoleon, der Prinz Murat, hat Besitz von dem Bergischen und jenseitigen Klevischen Lande genommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten, &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht, und am 28ten, Hagelfeyer&amp;lt;/u&amp;gt; – Zwey nordwindig regnerische Tage. Die Dusseldorfer Musicanten, welche im Posthause zum Tanz spielen, machten im Hohenamte Musick. Gestern giengen wir mit der Prozession im Regen das Dorf hinab, hielten an einem Hause, bey meinem Bruder (Maier), bey Wilhelm Fitgen und am Posthause Station. Hagelfeyer ward erst den Sontag hernach bey schönem Wetter gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Mey&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten, &amp;lt;u&amp;gt;Samstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Verflossene Nacht, als eine Parthie Jungen mit einem Mey aus dem Busch kamen, sahen sie um halber drey in Zons Feuer ausbrechen. Sie liefen hieher und machten Lärm. Sogleich eilte eine Brandspritze mit vielen Bewohnern dahin. Des Wilhelm Fleischhauers Haus und ein Theil eines Juden-Hauses giengen verlohren. Ersterer hatte Holzasche auf den Speicher getragen, die noch glühend ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[360]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1806&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten, &amp;lt;u&amp;gt;Himmelfahrt&amp;lt;/u&amp;gt; – Seit ein paar Tagen hatten wir Regen, so wie heute. Sonst ware es seit dem 1ten Mey trocken und warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Anhaltend trocken und heiße Tage. Man hoffet auf Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fronleichnam&amp;lt;/u&amp;gt; – Da dieses Jahr in Nivenheim das Jubelfest gefeyert wird und heute in den umliegenden Pfarren zwar gefeyert, aber kein öffentlicher Gottesdienst gehalten wird, so ware es in Nivenheim entsetzlich voller Menschen. Auf Horm zu, auf die Weye und am Witgenshof waren 3 Triumpfbögen errichtet, der ganze Ort mit Meyen bepflanzt und in der Kirche an allen Pilaren und auf dem Hohenaltar Tafeln mit Inschriften aufgehängt. Des Nachmittags wurde die Prozession gehalten und die Salvators-Bildniß von vier Geistlichen umgetragen. 36 Jungen trugen Gewehre und begleiteten die Bildniß und das Hochwürdigste. Die Prozession ware so zahlreich, daß sie den ganzen Umweg einnahme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil heute in allen Gemeinden Prozession gehalten wird, so wurde in Nivenheim nicht Procession gegangen. Kornpreis 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Freytag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute ward hier das Antonius-Fest gefeyert. Keiner arbeitete, und es waren viel Fremden hier. Der Tag war bey dem schönen Wetter so festlich wie Ostertag. J. W. Fitgen und Nicolaus Eller schenkten jeder bey seiner Station ein Pfenning an das Venerabel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Heute ward in Nivenheim die Salvators-Andacht beschlossen. Es ware so voller Menschen in der Kirch, auf den Straßen und in den Häusern, daß man sich nicht weichen konnte. Des Nachmittags wurde wieder die Bildniß des St. Salvators von vier Geistlichen umgetragen. – Der vor 2 Monath verstorbene Pastor Dahmen hatte voriges Jahr durch gedruckte Zettel ankündigen lassen, daß dieses Jahr die Andacht 30 Täge dauren werde. Allein, der neue Pastor Asterius hatte es anders beschlossen. Dennoch kamen heut Nachmittag die Processionen von Brühl und Niederziehr dahin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten, &amp;lt;u&amp;gt;Joannis&amp;lt;/u&amp;gt; – Seit einem Monath verlangten wir auf Regen. Frühe Haber, Erbsen und Sommergerst sind fast ganz verdorben, und in den Gärten sieht es traurig aus. Der zweite Schnitt vom Klee ist vertrocknet, da fienge es heut zu regnen an. – Seit 8 Tagen ist es wieder erlaubt, Früchten in Kölln und Neus gegen Erlegung von 20 Stüber pro Malder ins Bergische gehen zu laßen. Deswegen wird das Malder Korn hier wieder zu 5 Reichstahler 30 Stüber verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Diese Nacht zwischen zwey und 3 Uhr brannte zu Hackenbroich ein Haus nieder. Es war nächst bey der Pastorat. Der Mann, der das Vieh retten wollte, vergaß, seine Frau, Kinder und Mutter herauszubringen. Erst als die Dormager dahin kamen, ward man Gewahr, daß sie noch in der Kammer waren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[361]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:welche schon rundum in Flammen stand. Man konnte wegen dem Rauch und Flammen nicht zu der Kammer kommen. Deswegen reichte man ein Holz an der Fenster hinein und zohe sie halbverbrennt heraus. Sie hatten sich in einer Ecke zusammen auf einen Haufen gelegt und erwarteten den Todt, da man wegen dem Lärm sie Rufen nicht hören konnte. Viele Dormager waren da mit unsern zwey Brandspritzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Seit einigen Tagen hatten wir heilsamen Regen, doch ist es noch nicht an die Wurzel gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Die ganze Erndte hindurch ware es meistens regnerisch, so daß man mit Mühe die Früchten einscheuren konnte. Korn und Weitzen ist ergiebig, aber wenig Stroh. Die Sommerfrüchten hingegen sehen sich gut an. Man bezahlt hier aufm Platz das Malder Korn um 6 Reichstahler. – Heut ware gebothen, in allen Kirchen das Fest des heiligen Napoleon als Namenstag des Kaysers und die Gedächtniß des Concordats zu feyern. Es muste Procession gehalten werden, doch durfte aus Befehl des Bischofs das Venerabel nicht mitumgetragen werden, wohl aber die Bildniß der Muttergottes. Alle öffentliche Beamte musten mitgehen. Der Vicar von Nettesheim hielte das hohe Amt und ein junger Geistlicher namens Frizdorf aus dem Bergischen die Predigt. Nach der Messe giengen wir das Dorf hinauf um Lämmches Heiligen-Häuschen, dann wieder das Dorf hinab und kehrten am Grünwald um und zohen in die Kirche. Des Nachmittags ware kein Gottesdienst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Das Wetter ist vierzehn Tage heiß und schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dieser Monath ware anhaltend trocken und heiß. Nur mit dem Ende und der Anfang des Octobers waren regnerisch, so auch der 5te October, wo am Zonser Kirmessontage das Michaelsfest hier gefeyert ward. Kaum konnten wir wegen dem Regen die gewöhnliche Procession halten. – Alle französische Truppen ziehen wieder auf Strasburg und Maynz, um mit der noch in Schwaben seit vorig Jahr cantonirenden großen Armee gegen Preußen zu ziehn, der in Sachsen eingefallen ist, um den neu errichteten Rheinischen Bund zu bekriegen, der vom Kayser von Frankreich in Schutz genommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten bis 18ten – Die Kirmes ware glänzend. Bey dem schönsten Wetter waren viele Fremde hinzugeströmet, an allen Enden des Dorfes ward getanzt. Der Rhein ist seit dem 24ten October wieder gesperrt. Bisher ward das Korn hier zu 4 Brabäntische Kronthaler verkauft, es schlägt aber nun wieder ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten November – Das Wetter ist noch ausserordentlich schön. Die Straße ist so trocken. Alle Tage ist&#039;s warm und hell, ohne Frost. – Am 14ten October hat Kayser Napoleon die Preußen bey Jena geschlagen, mit Verlust von 20 Generälen, 300 Kanonen und 30 tausend Gefangenen. Die Preußische Armee ist gesprengt, und am 23ten October zohen die Franzosen siegreich in Berlin ein. – Hier ist diese Woche von den Hormer, Dormager und Rheinfelder der Kirchhof dienstweise gleich gemacht worden. Man fängt nun an einem Ende mit Begraben an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[362]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1806&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Jetz wird hier die Auffahrt dies- und jenseits dem Damm gemacht, wo der Monheimer Weg hinübergeht. Fuhren und Schüppenarbeit geschehen durch Dienstfuhren. Kornpreis 6 Reichstahler. – Abwechselnd Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Durch das anhaltende Regenwetter ist der Rhein ausgetreten und hat sich bis in den Bixem ausgebreitet. – Kornpreis 5 Reichstahler. – Die Frenzosen haben Posen und einen Theil von Pohlen besezt. Jetz ziehen sie gegen die Rußen, die in Warschau sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – So einen gelinden Herbst hatten wir seit langen Jahren nicht. Weil es noch nicht gefroren hat, so ist alles am Wachsen. Viele Frühlings-Blumen blühen, und der heutige Krist-Tag ware ordentlich warm. Wir haben jetz einen ehemaligen Carmelit namens Streiter hier. Er hällt Schuhle und ist Gehülf in der Kirche. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Es ist noch immer angenehm, oft mit Sturm und Regen gemischtes Wetter. Das verflossene war ein gesegnetes Jahr, nur daß das Rheinfeld durch das im Merz erfolgte Austreten des Stromes viel an der Wintersath verlohren hat. – Das emalige kuhrfürstliche Speich, bestehend aus 78 Morgen, theils Bauland, theils Wiesen, ist am 23ten Dezember zu Kölln am Tribunal für die ungefähre Summe von 8.400 und etliche Reichsthaler meistbiethend an Speculanten von Lüttich verkauft worden. Die ehemalige Pfächter Josef Sturm, Steinberger und Posthalter bothen bis 6.000 Reichstahler. – Nun hat Josef Sturm solches der Lütticher Compagnie gegen geringes Aufgeld wiedergekauft. &amp;lt;s&amp;gt;Ein Tabakshändler namens Dorf aus Hittorf hat ihnen das Geld gegen 4 pro Cent vorgeschossen&amp;lt;/s&amp;gt; – Diesen Abend beym Sonnenscheiden ward in der Kirche Complet und dann eine kurze Dankrede gehalten und das alte Jahr mit dem &amp;quot;Te Deum&amp;quot; beschlossen. Demnach begehrte der Caplan noch 5 &amp;quot;Vater unser&amp;quot; als Danksagung zur Ehre der heiligen Agatha, als Danksagung, daß unsere Pfarr dieses Jahr von Feuer und Brandt beschützt geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1807 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[363]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1807&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Das Neujahr-Schiessen ware streng verbothen. Gleich nach 6 Uhr diesen Morgen hörte ich in der Nachbarschaft einen Schuß fallen. Gleich darauf hörte ich auf der Straße Schreyen. Anfangs glaubte ich, die Gensdarmen wären hinter dem Thäter her. Da aber das Schreyen in lautes Hülfrufen ausartete, da sahe ich, daß es beym Pannes ein Brandt ware. Es ware angenehm stilles Wetter, der Wind triebe die Funken aufwärts, häufig auf die Scheuer des Vicarius. Gleich waren die Brandspritzen da. Eine ward unerachtet des Feuer und Dampf doch in den Nebenhof des Pannes gebracht, wodurch die nur durch 2 Tritte von dem Brande entfernte Scheuer des Johann Geyr gerettet wurde, die doch nur in Stroh gedeckt war. – Der Brand ware oben auf dem Brennhaus des Pannes auf dem ersten Stock ausgebrochen; entweder durch einen Riß im Schornstein oder durch die Malzeste. Obschon der Pannes erklärte, daß die Magd mit der Leuchte den Brandt im Kühestall veranlast habe, welches deswegen nicht seyn könnte, weil die Douanier wirklich um 2 Uhr nachts den Brandt gerochen hatten. – Die Kühe waren versengt. Einer musten sie gleich den Hals abschneiden und ein Schwein todt stechen. – Ausser unsern 2 Brandtspritzen kamen die Hormer mit einer und die Worringer mit 2 Brandspritzen hieher. Ein Knecht, der die Worringer Brandspritze hieherführen wollte, fiel an der Worringer Drenke vom Pferd und ware gleich todt. Man vermuthet, er habe ein Schlagfluß bekommen. – Um 8 Uhr morgens ware schon alles gelöscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Ein paar Tage hat es etwas gefroren. Nun folgte bis den 20ten wieder Herbstwetter. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Haber 1 Brabäntischer Kronthaler. – Die Franzosen haben hinter Warschau die Russen geschlagen. Der gelinde Winter und die schlechte Wege aber hindern sie im Verfolgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Der Monath Jänner ist unter stetem Herbstwetter hingeflossen. Die Franzosen haben die Russen und Preußen am Fluße Bug in Pohlen geschlagen. Wegen dem schlechten Wetter und den schlechten Wegen aber können Erstere nicht weiter vordringen. Sie haben also Winterquartier machen müssen. Und das französische Hauptquartier ist in Warschau. Die mit den Franzosen alliirte Bayern und Würtemberger haben die Stadt Breslau in Schlesien eingenohmen. – Kornpreis 5 Reichstahler, Haaber 1 Brabäntischer Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[364]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1807&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Nacht vom 9ten auf den 10ten nach 12 Uhr stürmte es entsetzlich. Regen und Hagel strömten wild hernieder, und es ward wieder ruhig. Da zohe um 2 Uhr ein gräßliches Wetter herauf, Flammenblitze strömmten durch die schwarze Nacht unter Donner und einem Wind hernieder, den viele vor ein Erdbeben hielten. Viele Dächer im Dorf wurden sehr beschädigt. Allein, was jeder für unglaublich hielt, ist: Die zweyhundert und fünfzig Fuß lange und beynahe 60 Fuß breite, von Ziegelstein stark gebaute Scheuer des Welferhalfen stürzte zusammen. Die starke Tannenbalken rissen den oberen Giebel und die lange beyden Seythen-Mauren nieder, so daß nur der Giebel auf Zons zu stehen blieb. Die Seythen-Mauren sind auf etlichen Platzen mit den Fundamenten herausgerissen. – Was noch den Schaden des Welferhalfen vermehret, ist, daß er die Schaise, Wagen und Karren auf die Scheuren-Tenner gesezt hatte, welche nun insgesammt zertrümmert sind. Nun kömmt noch der Umstand, daß der Rhein ausgetreten ist und rund um den Hof treibet, wodurch wahrscheinlich die Wintersath verdorben wird, da die Frucht noch stets am Wachsen ist, weil es diesen Winter noch nichts gefroren hat. Der Maier hat die Nachbarn eingeladen, die Trümmer auf Seythe machen zu helfen, welche sich auch fleissig einstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Das Wetter ist abwechselnd regnerisch, den ganzen Winter ohne Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Der Rhein, der sich wieder in seine Ufer zurückgezogen hatte, tritt wieder aus und hat heute, den 1ten Merz, von Neuem das ganze Rheinfeld höher überschwemmet als seit 10 Jahren. Kornpreis 5 Reichstahler, Weitzen 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Der Rhein ist wieder im Stroom. Allein, die Früchten im Rheinfeld haben viel gelitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Seit halben Merz hat es alle Nächte gefroren, wodurch das Korn unten im Felde viel gelitten hat. Der Weitzen aber sieht noch gut aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;April&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Bisher war es noch alle Morgen gefroren und gereift. – Die französische Armee hat in Preussisch Pohlen die Winterquartiere bezogen. Die Russen und der Rest der Preußen stehn bey Königsberg. Kornpreis 5 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – 20ten – Diese beyde Tage ward die Gottestracht und Hagelfeyer gehalten. Das Wetter ware schön, nur am Hagelfeyerstage etwas zu kalt. Vier Musicanten, welche im Schwanen zum Tanz spielten, begleiteten die Prozession. An Zons waren sehr viele Bewohner herausgekommen, denen zu verschiedenenmahlen der Segen gegeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 22ten an fienge es an, warm zu werden. Korn 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 6 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[365]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1807&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 6ten – Sehr heisse Tage. – Die Franzosen, verbündet mit Bayern, Würtenberg, Sachsen, Italien, Holland etz., stehen noch in Pohlen um Warschau und belagern die Vestungen Dantzig und Kolberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 8ten bis 13ten – Viel Regen. – Kornpreis 5 Reichstahler, Weitzen 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heiß und schönes Wetter. Diesen Morgen that die Frau des Johann Peter Fuss aus Rheinfeld Glaubensbekenntniß. Sie ware reformirter Religion, aus dem Bergischen gebürtig. Nach der Frühmeß wurde sie unter dem Geläute der Klocken mit Kreutz und Fahnen oben an der Drenkgasse von 3 Geistlichen und einer Menge Menschen abgehohlt. Vier Mädchen begleiteten sie, die ein weisses Kleid truge. Auf dem Kohr war ein Tisch mit einem Kreutz und 2 Kerzen errichtet. Wie die Prozession unter dem Gesang &amp;quot;Veni Creator&amp;quot; in die Kirche kam, kniete sie da, und als der Pastor in der zweiten Messe das Evangelium gesungen hatte, hielt er eine Rede, und sie sagte ihm ein langes Glaubensbekentniß nach. Nachdem wurde das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; gesungen. In dieser und in der hohen Messe ward mit dem Klingelbeutel umgegangen, und die Neubekehrte erhielt ungefähr 10 Reichstahler. Am 23ten wurden die Küh in die Benden. Voriges Jahr wurden um die Drenk und längs dem Mühlenberg 212 Bilsen-Plänzlinge gesezt. Da derselben verschiedene dorr wurden, so wurden solche dieses Jahr ausgebessert und neben dem Ackerland Rothweiden gepflanzt. Man hat einige Morgen Graß verkauft, um die Kosten zu bestreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dieser Monath ware trocken und nordwindig. Das Korn fängt an zu reifen, und da die Erndte sich treflich ansieht, so werden die Früchte spottwohlfeil werden, wenn die Ausfuhr nicht erlaubt wird. Es liegt noch entsetzlich viel altes Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Die Dürre ware ausserordentlich. Gemüß und Fourage waren rar geworden, da fienge es heut Morgen zu regnen an. – Die Franzosen hatten am 14ten Junius die Russen bey Friedland in Pohlen total geschlagen. Darauf begehrten Leztere Waffenstillstand. Es wurde bewilligt. Der Kayser von Rußland und der Kayser der Franzosen, so wie der König von Preußen, wohnten 20 Tage in Tilsit am Niemen zusammen, wo der Endfriede geschlossen und ratificirt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Seit der Habersath hat es nicht beträchtlich geregnet. Wohl zohen Donner rechts und links vorüber, welche auch zuweilen eine Schauer Regen mitbrachten. Allein, die darauf folgende mehr als gewöhnliche Hitze trocknete selbigen gleich wieder auf. Seit dem Jahr 1783 ist es nicht so anhaltend und entsetzlich heiß gewesen. Die Gemüse sind sehr rar, die Erdäpfel haben noch nichts an, und die Bohnen sind alle reif. Grüne Fourage vor’s Vieh gibt es keine mehr. Das Heu, welches vor einem Monath um 4 Reichstahler verkauft wurde, gillt izt eine Louisdior. Da brachte uns heut Nachmittag ein Gewitter aus Westen einen starken, mit etwas Hagel vermischten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[366]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1807&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 25ten ware es heiß und trocken. Da hat es anhaltend geregnet bis 1ten October, so daß viele Saath schlecht in die Erde gebracht worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten bis 19ten – Die Kirmes ware glänzend, den Dienstag ausgenohmen, sonst ware es schön Wetter und voller Fremden. – Schon seit ungefähr zwey Monathen ist die Ausfuhr von Korn, Gerst und Weitz, mit Korn vermischt, erlaubt, doch steht hier das Korn auf 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Zwey Nächte hat es ein wenig gefroren. Sonst ist es den verflossenen Monath abwechselnd Regenwetter gewesen. Das Korn wird jetz fleißig eingeladen. Hiesige Maas gillt 3 Brabäntische Kronthaler, auch 3 französische Kronthaler. – Der Pastor hat seit einem Jahr einen ehmaligen Carmeliten namens Josef Streiter als Caplan hier. Dieser ward vor einiger Zeit am faulen Fieber krank und starb diesen Abend 6 Uhr im 36ten Jahre seines Alters. Er hielt französische und lateinische Schuhle und ware im Dorf gut gelitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Am Abend ward er begraben. Die Schuhlen so wie die Kinder des Dorfs eröfneten den Zug. Vier Laternen wurden um die Bahre getragen, und der Pastor von Worringen ware Ceremoniarius, weil unser Pfarrer am Podagra krank liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Das Jahr schliesset sich, ohne daß es noch einmal recht gefroren hat. Die Erndte war mittelmässig, viel Stroh, ohne ergiebig zu seyn. Das Malder Korn gillt 5 Reichstahler 30 Stüber. Hier an der Piwitt wird wochentlich eingeladen und den Rhein bis gegen Neus herabgeführt, wo die ausgehende Rechte bezahlt werden. – Das Jahr war wegen der Hitze und schönem Wetter merkwürdig: von anfangs Mey bis in den späthen Herbst heiß und angenehm. Die Erdäpfel, welche am 24ten August nur so dick als Erbsen waren, haben noch reichlich beygebracht, aber sie sind nicht reif geworden. Viele sind wässericht und wenige von gutem Geschmack. – Diesen Herbst zeigte sich ein Comet. Er ware des Abends sichtbar und stand westlich zwischen Straberg und Nivenheim. Der Schweif stand aufwärts, doch ware er nicht sehr hell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1808 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[367]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1808&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Bisher ware es noch ein fauler Winter. Erst heute fieng es zu frieren an. Am 14ten ware schon der Rhein dicht voll Eiß. Am 28ten: Seit 3 Tagen hat es tief geschneet. Heute fienge es an zu regnen. Kornpreis 5 Reichstahler. – Vor 8 Tagen ist auch die Erlaubniß eingetroffen, daß der Weitzen ins Ausland geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten, &amp;lt;u&amp;gt;Dienstag Lichtmeß&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute ware es ausserordentlich voller Fremden hier, so daß bis halb 11 Beicht gesessen wurde. Vor dem Hohenamt wurde mit den Lichtmeßkerzen um die Kirch gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Der Rhein ist so stark gewachsen, daß er dem Dorf vorbey bis hinter Pflugs-Garten gelauffen ist, doch fiel das Wasser gleich wieder weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten bis 14. hat es auf die offene Erde sehr stark geschneet, so daß derselbe wohl 3 Fuß hoch gelegen hätte, wenn er nicht mitunter geschmolzen wäre. Indessen sind doch die Weege so verschneet, daß noch viele Dienstbothen aus den hintern Gegenden ihren neuen Dienst nicht bezogen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Die Nächte friert es etwas, und im Tage schmilzt der Schnee von der Sonnenwärme, so daß wir Hofnung haben, daß der Rhein nicht austreten wird. Da die Franzosen und Engländer noch nicht zu Frieden kommen können und keine Colonial-Waaren in Frankreich, Holland etz. kommen dürfen, so steigt der Caffé ausserordentlich im Preise. Jenseits wird das Pfund Caffé zu 1 Reichstahler 8 Stüber verkauft, da er doch vor einem Monath noch um 44 Stüber zu haben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Es friert so stark, daß das Eiß überträgt. Der Rhein ist sehr klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten thauete es auf – 28ten, Fastnacht. Das Loth Caffé kostet hier 3 Stüber, auf der Gillbach 3 ½ Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Es friert noch alle Nächte. Man kann in den Gärten noch nichts graben. Der Wind ist im Tage stets Nord und sehr kalt. – Das Korn gillt hier 6 Reichstahler, das 1.000 Pfund Heu 10 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler. Die Halbwimner vom Rheinfelder und Welferhof haben dieser Tage bey 60 Morgen Land meistbiethend verkauft. Auf dem Werth wurde der Morgen zu 70, auch zu 100 Reichstahler verkauft. Die alte 2 Morgen große Leimkaul wurde zu 180 Reichstahler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Diese Nacht ware ein halber Fuß tief Schnee gefallen. Dabey ware es gefroren. Zu Grimmlinghausen wird ein Canal gegraben, um den Rhein mit der Maas zu verbinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Alle Nächte friert es so hart, daß die Knechte des Morgens nicht bauen können. In den Gärten ist noch sehr wenig gethan. – Heute, als am Sontag Judica, hielten wir die sonst am Mitwoch in der Karwoch gewöhnliche Römerfahrt, weil an diesem Mitwoch die Prozession nicht zahlreich zu seyn pflegte. Es ware eine Prozession, so groß, wie sonst bey schönem Wetter am Palmsontag zu seyn pflegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Diese Nacht hat es nicht gefroren. Der Wind ist aus dem Süden. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler 15 bis 30 Stüber Neusmaaß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[368]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1808&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Die Nächte sind noch immer kalt. Es wächst nichts, doch regnet es heute aus Norden. – Die 1.000 Pfund Heu kosten 10 Reichstahler, das Malder Haber 2 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Mey ware schön und trocken, doch hofet man am Ende auf Regen. Unser Feld sieht sich gut an. Das Worringerfeld hat viel von den Mäusen gelitten und sieht sehr elend aus. Dies ganze Frühjahr haben die Worringer mit Schürchkarren hier im Felde Quichen gehohlt, und einige haben auf dem Spich Klee gekauft pro Morgen 24 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten bis 3ten – Donner mit etwas Regen. Kornpreis 6 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Das trockene Wetter läst uns nicht viel von der Haber hoffen. Auch die Gemüse fangen an, rar zu werden. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, 26ten und 27ten – Regen, doch ist es noch nicht an die Wurzel gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Die ganze Zeit hindurch trocken und nordwindig-kühl, am 10., 11. und 12ten waren sehr heiße Tage. Der Buchweitz, der sich besonders treflich ansahe, hat viel in diesen 3 Tagen gelitten. Kornpreis 7 Reichstahler, neues Heu 7 Reichstahler die tausend Pfund, Rabsahmen 14 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Die Trockenheit verdirbt alles. Früh gepflanzte Erdäpfel sind schon reif. Die Hitze ist fast unausstehlich. Am 25. und 27ten etwas Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Diesen Morgen hatten wir bis Mittag einen so starken Regen, der beynahe an die Wurzel gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Unerachtet man in voller Erndte begriffen ist, so waren doch diesen Morgen viele Fremde hier. Auch 10 Gestliche lasen Meß. Diesen Nachmittag 3 Uhr zohe ein Gewitter vorbey, daß uns einen äusserst starken Regen hinterließ. Rabsahmen gillt 16 Reichstahler hiesiges Malder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten, 5ten und 6ten – Sehr heiße Tage. Fleissige Ackersleuthe haben Korn und Weitzen diese Tage herein, doch steht noch eine Menge Winterfrucht im Felde. Diesen Nachmittag zohe ein Gewitter herauf, das von Widdersdorf zwischen Fühlingen und Merheim auf Wisdorf durch den Hagel alle Sommerfrüchten total zerschlagen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten, 8ten – Donner mit viel Regen. – Am 9ten zohe ein Gewitter vorbey, welches durch den Hagel alle Sommerfrüchten zwischen Worringen und Fühlingen gänzlich zerschlagen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dieser Monath brachte meistens schönes Wetter. Der Weitzen ist besser als Korn gerathen und gibt vortreflich aufs Tenn. Buchweitz aber hat sich so erhohlt, das ein Morgen 8 Malder beybringt. Man verkauft das Malder zu 3 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 7 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Des Freytags vor der Kirmes fienge es zu regnen und stürmen an, welches bis nahe am End October währte. Der Kirmes-Montag ware etwas trocken, sonst ware es durchaus unangenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 12ten – Sehr schöne Tage. – Kornpreis 5 Reichstahler, Weitz 7 Reichstahler höchstens. Die Erdäpfel, die dieses Jahr sehr gut gerathen sind, wurden fast alle ends October und anfangs November ausgemacht, waren aber wassericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[369]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1808&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Um den Mittag fienge es an zu frieren, und am 10ten giengen schon Karren und Wagen drüber. Am 11ten Schnee. – Der Kayser von Frankreich ist jetz mit zweymahl hundert tausend Mann nach Spanien, um die dort ausgebrochene Rebellion zu stillen und seinen Bruder Josef auf den Thron von Spanien zu setzen. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Regen. – Am 12ten fienge es an zu frieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Der Frost ist anhaltend. Vor ein paar Tagen hatte der Rhein sich schon zu Düsseldorf gesezt. Da aber das Wasser noch mittelmässig groß ist, so brach die Eißdecke wieder loß. – Das Jahr schliesset sich anhaltend mit Frost. Als diesen Abend die Andacht beendiget war, da sahe man am Roth der Luft, daß im Westen ein Brand ausgebrochen war. Hinter der Kirch konnte man die helle Flammen lodern sehen, und man vermuthete, daß es zu Stommeln war, welches auch richtig eintraf, da es die Scheune des Henrich Henk, noch zwey andere Scheuren und 2 Häuser waren. – Das eben verflossene war ein mittelmässiges Jahr. Stroh ware genug gerathen, aber nicht viel Korn. Der Weitzen hingegen ware sehr ergiebig. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 3 Brabänter Kronthaler, Haaber 2 Reichstahler 7 ½ Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1809 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[370]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1809&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Der Winter ist nicht hart. Indessen friert es alle Nächte auf die trockene Erde. Am 4ten fiele ein Fuß tief Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten fienge es an aufzuthauen. Am 10ten kame schon das Obereis. In der Gegend von Rees hat der Rhein gestanden. Am Abend wuchs der Rhein, daß er hinter dem Damm von der Landstraße an bis an das Piwitten-Pättchen die Gegend überschwemmte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten ware der Rhein schon um das Dorf bis in den Bixem ausgetreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Nachmittags fienge es wieder an zu frieren. Am 15ten truge schon das Eis über. Am 18ten ware schon wieder der Rhein in den Stroom weggefallen und triebe stark mit Eis. Von St. Goar hinauf stand jüngst der Rhein, und von der holländischen Gränze bis Wesel. Am 12ten brach bey Ossenberg ein Damm. Der Rhein hat vielen Schaden angerichtet. Die Eisdecke ist am 12ten dieses zu Wesel aufgebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Diese Tage wechselten Frost und Schnee ab. Am 24ten lage ¾ Fuß Schnee. Des Abends fienge es mit Regen an aufzuthauen. Am 25ten morgens ware schon der Schnee alle geschmolzen, abends 10 Uhr konnte man noch directe auf Zons gehen, und am 26ten morgens 8 Uhr triebe das Wasser schon dem Dorf vorbey in den Bixem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Der Rhein wächst fürchterlich. Auf einigen Plätzen, besonders gegen dem Platthals, kann der Damm nur noch stark einen Fuß hoch das Wachsen vertragen, sonst geht es drüber. Es ist deshalben Tag und Nacht 6 Mann Wacht auf dem Damm. – Zu Worringen am Dorf und an den drey Kaulen wird schon heut den dritten Tag und Nacht mit 40 Karren und vieler Mannschaft der Damm erhöht. Vorzüglich nimmt man Mist dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Heut um den Mittag fienge der Rhein an still zu stehen. Im ganzen Feld ist keine Handbreit mehr trocken. Die Rheinfelder und Walhover haben ihr Vieh hiehergebracht. – Das geschmolzene Schneewasser hat in der Nacht vom 24ten auf den 25ten Januar auf der Gillbach vielen Schaden angerichtet. Pulheim ware so vom Wasser umzingelt, daß man nicht hinzukommen konnte. Zu Stommeln standen viele Häuser bis 7 Fuß im Wasser. Der Kreutzhalfen allda hat über 1.000 Reichstahler in der Scheuer an den Früchten Schaden gelitten. Viele Schweine sind ersoffen: dem Imelshalfen zu Ingendorf 29 Schweine, dem Nothauser Halfen über 100 Schafe etz. An der neuen Brücke bey Wevelinghoven ertrank der Meisterknecht vom Aldenbrükerhof: Er fiele aus dem Nachen, klammerte sich an einen jungen Weidenbaum, der bis der Krone gleich in der Erft stand, hienge 4 Stunde bis an den Mund im Wasser, ware von den treibenden Eisschollen zerschunden und wurde endlich von einer großen Eisscholle fortgerissen, nachdem der in der Nähe stehende Capellan von Capellen ihm die General-Absolution in Beyseyn vieler 100 Menschen ertheilt hatte. Alle Rettungsmittel waren vergebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[371]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1809&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Der Rhein fällt, aber langsam; in 24 Stunden 1 Fuß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Herr Lamark, Astrolog in München, hat mit dem neuen Jahr eine Wettervorhersagung in die öfentliche Zeitungen einrücken lassen, die bisher nur halb und halb eingetroffen ist. Indessen bemerkte er auf den 31ten &amp;lt;u&amp;gt;einen drohenden Umstand wegen dem Zusammentreffen zweyer Planeten&amp;lt;/u&amp;gt; Auch hörte man seit einigen Tagen aus Kölln, daß am 31ten ein starker Wind wüthen werde. Der Peter Pannes lies daher zur Vorsicht seine Delver Mühle mit Seilen an Pfähle anbinden. Gestern Abend hob sich schon der Wind, der zwischen 2 und 3 Uhr zum Morgen so stark wurde, daß unten im Dorf zwey Scheuren umgeworfen, verschiedene Bäume entwurzelt und fast alle Dächer beschädiget wurden. Es ware einem Erdbeben ähnlich. Die heutige Zeitung von Kölln meldet, daß man in Kölln am 30ten des Abends rührenden Abschied voneinander genommen, in der Meinung, die Welt würde vergehen. Und als endlich der Wind sich so sehr hob, das Kamine einstürzten und die meiste Dächer beschädigt wurden, da glaubte man zuverlässig ans nahe Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Es ist Frühlingswetter. Der Wind hat viel Schaden gethan. Da auch der Rhein wegen dem langsamen Fallen noch fast das ganze unterste Feld überschwemmt hatte, so sind die Früchten durch das Wellenschlagen losgeschwemmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Es ware eine zeither abwechselnd Frühlingswetter mit Nachtfrösten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 8ten – Nachtfröste und im Tage schön Wetter. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag Judaica&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Nachmittag wurde die Römerfahrt sehr zahlreich bey schönem Wetter gehalten. Bis den 24ten schön Wetter mit Nachtfrösten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am ten&amp;lt;ref&amp;gt;Der Schreiber hat den Tag nicht eingetragen.&amp;lt;/ref&amp;gt;, &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diese 3 Täge ward das 40-stündige Gebeth gehalten. Am Ostermorgen um 4 Uhr ward das Hochwürdigste ausgesezt, dann die Prozeßion mit dem Kreutz um die Kirche gehalten. – Die Gottestracht und Hagelfeyer wurden wie gewöhnlich gehalten, doch ohne Umtragung des hochwürdigsten Gutes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Die Nächte sind noch kalt mit Reif und zuweilen Frost. Der Wind hällt im Norden. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten Juny – Der Mey war trocken und warm. Dieser Tage und besonders heut gabe es mit Donner heilsamen Regen. – Der deutsche Keyser hatte mit diesem Frühjahr nochmal den Krieg gegen Frankreich begonnen. Im Merz fielen sie in Bayern ein und besezten München, worauf die Franzosen, vereint mit den Bayern, anrückten, die Kayserliche schlugen, verfolgten und am 12ten Mey in Wien einrückten. Am 18. Mey gienge der größte Theil der französischen Armee bey Wien über die Donau. Der österreichische Generallissimus Prinz Karl, Bruder des Kaysers Franz II., stand Wien gegenüber. Beym Anrücken der Franzosen wichen die Kayserliche. Man schluge sich am 21ten und 22ten. Allein, in der Nacht vom 22ten auf den 23ten Mey liessen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[372]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1809&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Österreicher durch Schiffe und Holz, welche sie oberhalb den Brücken die Donau herabtreiben liessen, die französische Brücken zerstöhren, wodurch der französischen Armee die Zufuhr von Pulver und Kugeln abgeschnitten wurde. Die Kayserlichen griffen nun mit 200.000 Man die französische Armee an und beschossen sie von morgens 9 bis abends 7 Uhr mit 40 tausend Schüssen aus 200 Kanonen, worauf der Kayser Napoleon mit der Armee auf das rechte Donau-Ufer zurück gienge. Dies ist die erste Schlacht, die Kayser Napoleon verlohren, während er als General commandirt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Es ist des Nachts kalt. – Die Früchten im Feld sehen sich so gut an, als man nur wünschen kann. Kein Theil, sowohl Sommer- als Winterfrucht, ist unvollkommen. Klee ist ausserordentlich viel, und man erinnert sich nie, daß sie so treflich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Der Wind ist diese Tage aus dem Norden stark und kalt, so daß in mehreren Stuben eingeheizt wird. Kornpreis 5 Reichstahler. – Es ist wieder erlaubt, daß die Colonialwaaren gegen Abgaben herein kommen dürfen. Der Caffé hat schon jenseits 94 Stüber und hier 108 Stüber pro [Pfund] gestanden. Hier verkaufte man das Loth zu 4 ½ Stüber. Jetz wird jenseits das Pfund zu 50 Stüber verkauft. Man verkaufte schon das Loth zu 5 Stüber im Lande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:July&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten fienge es an zu regnen, da es bisher immer trocken war. Am 3ten und 4ten Regen. – Die Franzosen stehn noch seit dem 22ten Mey in und um Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten July – Seit 8 Tagen haben wir Regen, welcher viel Heu verdorben hat. Inzwischen ist es dennoch nicht tief ins Erdreich gedrungen, obschon man wegen dem Heu- und dem schon angefangenen Kornhauen auf heisses Wetter hoft. – Kornpreis 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten August – Immer trocken. Die Winterfrüchten sind gut eingekommen, viel Stroh und viel Frucht. Die Franzosen hatten am Anfang July die Kayserliche bey Wagram jenseits Wien geschlagen, drauf wurde Waffenstillstand gemacht. Die Franzosen besetzen bis zum Frieden Brünn, Presburg etz. Die Fourage vor&#039;s Vieh verdorret, Erdepfel werden schlecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Die Engländer sind auf der Insel Walchern in Zeeland gelandet. Sie bombardieren Fliessingen. Die Gendarmen aus dem ganzen Departement sind dahin, und weil die Truppen alle bey Wien und in Spanien sind, so sind Nationalgarden ausgehoben worden, welche dahin in die Gegend von Antwerpen marschiert sind. Es befinden sich izt zwey Douaniers von Stommel hier, welche den Dienst der Gensdarmen versehen. Zudem sind 30 der Reichsten als Nationalgarden ernannt aus der Mayerie, welche den Gensdarmen behülflich sein müssen. Man hat hier 3 Mann accordirt, welche den Dienst versehen und welche durch die Vornehmsten bezahlt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 12ten – Meistens Regen. Der Rhein ist so stark gewachsen, daß vom 10ten bis 12ten in den Kempen die Gründe und hinter dem Damm die Länderey bis über das Waschpättchen überschwemmt sind. Die Leuthe haben den Buchweitz aus der Gegend auf den Damm getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[373]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1809&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Seit dem 17ten, als dem Tage, wo man hier anfängt zu sähen, hat es ohne Aufhören geregnet, so daß noch fast nichts gesähet ist. Der Rhein ware bis bald an die mittelste Drenk ausgetretten. Hinter dem Damm stand das Wasser bis über das Piwitten-Pättchen. Viele Gemüse sind in der Gegend überschwemmt gewesen. Die Erdäpfel werden faul; wahrscheinlich, weil es warmes Wetter ist. Heut heiterte sich der Himmel etwas, und man hat angefangen zu sähen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Noch regnet es alle Tage. Die Saath ist noch nicht zum vierten Theil bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;October&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Diese Woche ist es anhaltend ausserordentlich schön Wetter gewesen. Die Saath ist meistens vollendet. Nur Wenige haben an den Erdäpfeln gearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Die Kirmes ware nicht so sehr besucht wie die vorige Jahre und wie sie gemäß dem prächtigen Wetter muste geworden seyn. Da ware nun das Zusammentreffen der Zonser Kirmes Schuld. Nachts friert es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Der October ist so warm und heiter, als er je seyn kann. Seit 10 Tagen thauet es des Nachts. Kornpreis 3 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 7 Reichstahler 15 Stüber, Heu 6 Reichstahler 40 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Es ist so warm, als man es sich nie erinnert, um diese Jahreszeit gewesen zu seyn. Die Kinder spielen bis in die Nacht barfuß auf der Straße. Abend find man häufig die leuchtende Johanniswürmchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Friedens-Tracktat&lt;br /&gt;
::zwischen Kayser Napoleon und Kayser Franz dem 2ten&lt;br /&gt;
::Articel 1: Es soll vom Tage der Auswechslung dieses Tracktates Friede seyn.&lt;br /&gt;
::2. Gegenwärtiger Friede ist gleichfals mit den Königen von Spanien, Holland, Neapel, Bayern, Würtemberg, Sachsen, Westpfahlen, Fürst Primas, den Großherzogen von Baden, Berg, Hessen-Darmstadt, Wirzburg und allen Alliirten des Rheinischen Bundes gemeinschaftlich.&lt;br /&gt;
:3. Der Kayser von verzichtet auf folgende Besitzungen:&lt;br /&gt;
::1) Er tritt ab an den Kayser der Franzosen, um einen Theil des Rheinischen Bundes zu machen und um zu Gunsten dieser Souveraine zu verfügen: das Land von Salzburg und Berchtolsgaden, den Theil von Oberösterreich jenseits der Linie gelegen, die von der Donau bey dem Orte Stass abgeht, und Weissenkirch, Widersdorf, Michelbach, Greist, Minkenhoven, Heff, Jeding, Beginn von da die Straße hin bis Schwanstadt, die Stadt Schwanstad an der Alter und diesen Fluß hinauf und den See, bis dort, wo dieser See an die Gränze von Salzburg stöst. Der Kayser von Österreich wird die Wälder vom Salzkammergut, welche einen Theil des Landes Mondsee ausmachen, nebst dem Recht, da Schläge auszuführen, ohne Souveränitäts-Recht behalten.&lt;br /&gt;
::2) Österreich tritt ebenfals ab: die Grafschaft Görz, Montsfalcone, die Stadt und Gouvernement Triest, Krain, den Kreis von Villach in Kärnthen und alles Land an der Sau rechts von da an, wo dieser Fluß aus Krain tritt, bis an Bosnien, nemlich im Theil des Provinzial-Kroatiens, 6 Districte des Militair Kroatiens, Fiume und das ungarische Littorale, das österreichische Istria oder Castua, die abhängende Insuln, die Herschaft Radzuns, die im Graubünder Lande eingeschlossen ist. Der Thalweg der Sau macht die Gränze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[374]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::3) Er trit ab an Sachsen: das umschlossene Land, welches von Böhmen abhängt und in Sachsen liegt, nemlich die Pfarreien Guntersdorf, Traubentrank, Gerlachsheim, Lenkersdorf, Schirgeswalde, Winkel.&lt;br /&gt;
::4) Er tritt ab an Sachsen, um mit dem Herzogthum Warchau vereinigt zu werden: das ganze Ost- oder Neugallizien, einen Bezirk um Cracau am rechten Weichselufer vor Podgorze. Die Demarcations-Linie geht durch Wieliczka und lehnt sich westlich an die Scawina an und östlich an den Fluß, der sich zu Bizdegy in die Weichsel ergiest. Wieliczka und das Gebieth der Salzmienen gehört gemeinschaftlich Österreich und Sachsen. Es kann eine Grenzbestimmung gemacht werden, so daß die San von da, wo er den Kreis von Zamosk berührt, bis zum Einfluß in die Weichsel zur Grenze dient.&lt;br /&gt;
::5) Er tritt an Rußland ab: in dem Theil von Alt-Galizien ein Gebiet von 400.000 Seele, worin die Stadt Brody nicht begriffen ist.&lt;br /&gt;
::Articel 4: Der Kayser von Österreich verzichtet auf den Teuschen Orden in seinen Staaten.&lt;br /&gt;
::5) Die Schulden folgen den abgetretenen Provinzen.&lt;br /&gt;
::6) Die an Österreich zurückgegeben Provizen werden auf seine Rechnung vom Tage der Ratification an und die Domainen vom 1ten November verwaltet. Die Archive werden ausgeliefert. Frankreich verspricht den Tyrolern, welche im Aufstande waren, Pardon. Mähren soll in 15 Tagen, Hungarn, Wien etz. in einem Monath, Niederösterreich in 2 Monathen und die andre an Österreich zurückgegebene Provinzen in 2 ½ Monath Zeit von den Franzosen geräumt werden. Die Gefangene werden ausgewechselt. Frankreich garantirt die Besitzungen Österreichs, wie sie sich nach gegenwärtigem Tractat befinden, der in 6 Tagen ausgewechselt werden soll.&lt;br /&gt;
::Gegeben Wien, den 14ten October 1809, Champagny, Fürst Lichtenstein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 15ten – Angenehm schöne Tage. Kornpreis 4 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten December – Ein paar Tage hat es im December gefroren, übrigens ist das Wetter ausser einigen stürmischen Tagen sehr warm und angenehm gewesen. Die Nachbarn fahren anhaltend Sand durch&#039;s Dorf auf die Fußwege längs den Häusern, erst oben aus der Grindskaul und jetz von Merzkirchen aus der dasigen Grindkaul. – Dieses Jahr ware fruchtbar. Die Früchte sind alle wohlgerathen und sehr ergiebig. Weitzen gillt das Malder 7 Reichstahler 30 Stüber, Korn 4 Reichstahler. – Der Kayser Napoleon ist von der Kayserin geschieden, weil sie keine Erben haben. Er wird von Neuem heyrathen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1810 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[375]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1810&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bisher ware der Winter beynahe ohne Frost. In der Nacht vom 5ten auf den 6ten fienge es an zu frieren. Am 16ten sezte sich der Rhein zu Düsseldorf, am 17ten bis Grimmlinghausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten sezte sich nachmittags der Rhein an Zons. Am 21ten, sontags Morgens 9 Uhr schloß sich die Eisdecke ober der Piwip. Es kame wenig Eiß von oben. Nach dem Mittag ware es heiter und angenehm. Eine Menge Menschen hatten sich auf dem Ufer versamelt. Der Rhein ware wieder am Treiben, sezte sich und triebe wieder. Erst am Abend sezte er sich im Platthalse vest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Der Rhein steht bis Hittorf. Diesen Abend ward es milde und&lt;br /&gt;
:23ten – diese Nacht hat es sehr wenig gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Es ist gelinde ohne Frost. Das Wasser im Rhein ist gewachsen, so daß man nicht mehr auf das Eiß kommen kann. Der künftige Pächter der Piwip, Engel Kranz, hat einen Weg gebahnet. Sehr wenige sind noch hinüber gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Am 27ten fror es wieder stärker. – Vorgestern ward dem Jacob Bükendorf, Sohn der Sophia Bükendorf von hier, ein Bein oben dem Knie abgenohmen. Er ist ungefähr 18 Jahr alt, wohnte bey Richarz in Horm und fiel mit einem Sack Haber die Treppe hinab. Der Chirurg Lindgens von Zons heilte schon seit mehr als einen Monath den Beinbruch. Da aber die Würmer Überhand nahmen, so ward der Prosector Klöcker von Kölln befördert, welcher die schmerzhafte Operation übernahm. Er brachte das Bein im Wagen mit hieher, wo es einstweilen in das Beinhaus niedergelegt wurde, bis man in die Erde kommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Ein paar Tage ware es ein wenig zum Thauen geneigt. Deswegen stand heute schon Wasser auf dem Rhein. Demungeachtet passirten doch viele Einwohner den Rhein an der Piwitte, wo der künftige Pfächter Engel Kranz einen Weg gehauen hat, welcher das Passagegeld von dieser Seythe, und die Monheimer von der andern Seythe empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – &amp;lt;u&amp;gt;Frost&amp;lt;/u&amp;gt;. Diese Nacht starb der Jacob Bükendorf, dem das Bein abgenohmen worden ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Diese Tage waren abwechselnd bald gelinde zum Thauen geneigt, gestern aber wieder sehr kalt. Diesen Morgen fienge es wieder alles Vermuthen zu regnen an. Der Rhein steht von Düsseldorf bis Hittorf. Höher hinauf und eben unten Düsseldorf fährt man mit Nachen hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Regen. Es giengen noch verschiedene Leuthe an der Piwip über den Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Das Eis von Hittorf bis oben der Piwip ist fort. Es ist unter der Eisdeke fortgetrieben. Von dem Werth-Hause bis Grimlinghausen steht das Eis noch vest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Am 15ten: Verflossene Nacht um 12 Uhr ist der Rhein auch an der Piwip losgebrochen. Die Rheinfelder waren fast alle an der Piwip. Zu gleicher Zeit hörte man am Stürzelberg Läuten, als Signal, daß auch der Rhein dort am treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[376]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1810&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Die Nacht hatte es wieder stark gefroren. Der Rhein ist heute sehr klein. Im Strom ist er seit verflossener Nacht 3 Fuß gefallen. Es ist kein Wasser, noch Eis aus dem Ufer gekommen, so klein ist der Rhein, auch beym Aufbruch geblieben. Um 2 Uhr die Nacht ist zu Kölln der Oberrhein gekommen, und heute trieb den ganzen Tag der Rhein hier mit Eiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Gestern Abend sahen wir einen starken Brand hier in der Gegend von Rommerskirchen. Heut vernimt man, daß der Blöchershof mit Scheuer und Stallung der Erde gleich niedergebrannt. Ausser 4 Pferden ist alles Vieh und Mobilien ein Raub der Flammen geworden. Von dem gegenüber liegenden Sonshof ist eine Scheuer und eine Reihe Ställe mit einem Rindchen verbrand. Eine Reihe Ställe, eine Scheuer und das Haus, welche mit Pfannen gedeckt waren, sind verschont geblieben. Der Brand ist in der Scheune des Blöchers-Halfen ausgebrochen. Der Wind ware stark und triebe grade auf&#039;s Haus. Der ganze Hof ware mit Stroh gedeckt und im Viereck kurz zusammen gebauet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Sehr kalt mit stürmischen Schnee. Es ist wieder viel Eis im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22.–23ten – Sehr kalt. – Am 24ten verflossene Nacht stellte sich Thauwetter ein. Der Rhein, welcher sehr klein ist, triebe diese Tage sehr dicht mit Eis, so daß er sich vorgestern zu Düsseldorf sezte, und nachdem er eine Stunde lang gestanden, fienge er wieder zu treiben an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Der Rhein ist bis 12 Fuß gewachsen, da kame heut das Obereis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten Merz – Das Wasser ist heute ausgetreten bis gegen die Mitte des Dorfs, doch fienge es im Strome im Mittag an zu fallen. Es ist angenehm Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 18ten – Nordwindig-kalt. – Am 31ten: Seit dem 26ten ware es schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten Merz, nachmittags 4 Uhr brach im Brennhaus der Wittib Dahmen zu Rheinfelderhof Feuer aus. Der Schornstein ware gebarsten und das Dach mit Stroh gedeckt. Man schluge hier auf die alte Klock, und da der Wind aus Norden die Flamme von den übrigen Gebäuden hinwegtriebe, so ward es noch zeitig gelöscht. Nur ein Theil des Dachs ist abgebrennt. Man legte nasse Bettücher über das anschiessende Dach, wovon noch 2 Paar Laacken verbrennten. Kornpreis 4 Reichstahler, Weitz 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten April, 1er &amp;lt;u&amp;gt;Sontag nach Ostern&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Aprill ware trocken und kalte Nächte mit Reif. – Der Bischof von Aachen ist todt. Nun hat der General-Vicarius ein Rundschreiben an die Pastores erlassen, worin er befiehlt, daß die abgesezte Festtage in den Kirchen nicht gefeyert und keine Prozession, ausser 3 in der Kreutzwoch, die Fronleichnamsprozession und am Patronstage, mehr gehalten werden sollen. Zu Neus und Köln hatte man die Römerfahrten gehalten, und da von der weltlichen Obrigkeit hierüber kein Verboth existirt, haben wir auch die Ostertage das 40-stündige Gebeth gehalten. So beschlosse der Maier, daß heute nach der Frühmeß die Emausprozession gehalten werde. Wir waren jenseit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[377]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nettergasse hinter Posthalters Garten gekommen, als wir zu Hakenbroich einen Brand aufsteigen sahen. Circa 50 Mansleuthe verliessen die Prozession, welche ¼ Stund still stand und dann ihren Weg wie gewöhnlich fortsezte. Die hiesige oberste Brandspritze, welche von 2 Pferden des Posthalters gezogen wurde, ware in Zeit 8 Minuten zu Hakenbroich, wo eben die Leuthe bey deren Ankunft aus der Frühmeß kamen, und wo man eben erst auf die Klocke schlug. Der Brand ware gräßlicher anzusehen, als man noch nie gesehen hatte. Der Wind ware beynahe still. In Zeit einem Viertel-Stund waren 9 Häuser und 8 Scheuren zugleich in Flammen. Es ist bey dem Henrich Jennenger angegangen. Bekers, Gruben, Schneider etz. haben dabey am meisten verlohren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Kayser Napoleon hat am 22ten April, als am Ostertage, des Kaysers Franz von Österreich Tochter Lou[i]se geheyrathet. Zugleich sollen 6.000 Soldaten, welche wegen Blessuren Gnadengehalt bekommen, in ganz Frankreich heyrathen, so daß in jedem Kanton eine Hochzeit seyn wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13., &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt; – Ein Conscribirter von Delven namens Worringen hat in einer Bataillie im lezten Krieg gegen die Kayserliche einen Finger verlohren. Dieser ward heute mit Maria Catharina Coenen aus Zons hier zur Gedächtniß der kayserlichen Hochzeit copuliert. Die Braut bekömmt 100 Kronthaler als Geschenk. Gestern Abend und heute Früh wurde mit Böllern und mit kleinen Kanöncher von Benrath kanonirt. Um 5 Uhr war die erste Meß, um 7 die zweite, und nach dieser gienge die Prozession aus, von hier auf Grünwalds-Kreutz, von da auf Horm und dan dem Dielrather Wege nach unten am Dorf herein. Am Hause des Maiere waren die öffentliche Beamte, verschiedene Maiern des Cantons und nebst der Prozession eine ungeheure Menge Fremde versammelt. Das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; wurde angestimmt, und die Brautleuthe nebst den Autoritäten folgten unter Vorhergehung einer Bande Düsseldorfer Musikanten den Mädcher in der Mitte der Prozession. Trompeten und Paucken gaben das Signal zum Zug, dann wurden unter dem &amp;quot;Te Deum&amp;quot; abwechselnd Märsche geblasen. – Am Kirchhof wartete der Pastor mit dem Hochwürdigen und trat in den Zug, der nun unter Abfeurung der Böller zur Kirche eintrat. Das hohe Amt begann, und nach dem geschahe die Einsegnung, der eine passende Predigt vorhergieng. Das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; beschloß die kirchliche Feyerlichkeit. Im Posthause bey Herrn Adolf Verhagen ward Tafel gehalten, wobey circa 50 Persohnen assen. Es waren die Brautleuthe, die Geistliche, öffentliche Beamte, die Angesehensten des Orts und mehrere Fremde. Beym Gesundheit-Trinken des Kaysers und der Kayserin stand die ganze Gesellschaft auf, hob die Gläser in die Höhe, und es erschallte ein herzliches &amp;quot;Vivat&amp;quot;. Trompeten, Paucken und der Donner des Geschützes stimmte alles zur enthusiastischen Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[378]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1810&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Nach aufgehobenen Tafel fienge das Tanzen an, welches bis an den Morgen dauerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Hagelfeyer&amp;lt;/u&amp;gt; – Nach der zweyten Meß um 7 Uhr gienge die Prozession dem alten gewöhnlichen Wege nach aus. Sie ware sehr zahlreich, doch ohne Geistliche. Um 3 Uhr nachmittags versammelte sich eine Menge Fremde und fast alle Bewohner des Dorfs ausserhalb an den Kühbenden. Es ware ein seltener Anblick, die Hügel des Judenberges mit so vielen Menschen pyramidenformig gezieret zu sehen. 4 Halstücher wurden zum Preis ausgesezt, und 24 Mädchen liefen 200 Tritte. Wer zum ersten am Ziel war, erhielt einen. 6 und 6 liefen zusammen. Nachdem folgten die vier Mädcher tanzend der Bande Musikanten, nach diesen der Friedensrichter, der Mayer, die Vornehmste des Dorfs und eine ungeheure Menge Volks. – Nun wurde auf der Straße unter der Kirche die Gans aufgehangen, und die Jungesellen zohen solcher reitend den Kopf ab. Die Nacht wurde bis an den Morgen getanzt. Die Jungen hatten freie Musick und eine Ahm Bier. Es ware heut wieder entsetzlich voller Menschen, das Wetter schön, und alles nahm herzlichen Antheil an dem Feste. Den Armen wurde Brodt und Geld gegeben. Die Hausarmen bekamen jeder 1 Reichstahler &amp;lt;s&amp;gt;und alle Arme erhielten Brodt.&amp;lt;/s&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 18ten Mey bis 8ten Juny ware es trocken und kalt, so daß in der Nacht vom 29ten auf 30ten die Erdäpfel und alle Bohnen erfrohren sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern und heute ware es heiß. Heut Nachmittag nach der Vesper hatten wir ein Donnerwetter mit köstlichem Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten Juny – Vom 10ten bisher ware es entsetzlich heiß, so daß die Sommerfrüchte und Gemüse darunter leiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:July&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten, als am Maria Heimsuchungstage, hatten wir einen kleinen Regen. Das Korn darf nicht mehr ins Ausland gehen. Der Weitzen bezahlt doppelte ausgehende Rechte. Kornpreis 4 Reichstahler, Weitzen 11 Reichstahler hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Alle Tage ziehen Gewitter vorüber, und wir verlangen nach Regen. In andern Gegenden hat man dessen zu viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Das Korn ist alle gehauen, aber sehr wenig eingefahren, weil es alle Tage regnet, doch ziehn die schwere Schauren und Gewitter alle oben und unten uns vorbey, so daß es hier noch nicht einmal durchgegangen hat. In den Gegenden, wo die Gewitter hinziehen, ist es so naß, daß sie dort kein Pferd auf den Acker bringen können. – Das alte Korn gillt 4 Reichstahler 21 Stüber. – Am Portiunkule-Tage war es voll Menschen hier, mehr denn 500 communicirten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[379]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die ganze Nacht vom 10ten auf den 11ten regnete es ausserordentlich, und die folgende Tage kamen noch so starke Schauren, daß es durchgeregnet hat. – Am 15ten, als am Maria Himmelfahrtstage, konnten wir wegen dem Regen die Prozession nicht halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20. bis 24ten – Sehr heis. – Dormagen hat ein so ohne Ausnahm gesegnetes Frühjahr, daß man sich desgleichen nicht erinnert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten September – Die Tage bisher waren entsetzlich heiß, und man hofte sehnlichst auf Regen. Heute morgens fienge es zu regnen an, der den Erdäpfeln, dem Grummet und den Weiden sehr zu statten kömmt. Das Malder neu Korn gillt 3 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 7 Reichstahler, Heu 7 Reichstahler die 1.000 Pfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Gestern hatten wir Regen, sonst ware der September heiß und trocken. Heut, Samstag, als am Michaelstag, arbeiteten Jacob Steinberger, Johann Langel, Josef Sturm und der Welferhalfen. Die übrige Gemeinde feyerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut wurde die Procession gehalten. Unerachtet des schönen Wetter, waren doch nicht viel Fremde hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;October&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt;, bis 21ten trocken und des Nachts kalt. Man wandelt trocken durch die Mitte des Dorfs. Einen so schönen Herbst hatten wir seit langen Jahren nicht. Weil jetz Holland mit Frankreich vereinigt ist, so gehn die Früchten ohne Abgaben dahin. Deswegen ist das Korn auf 5 Reichstahler und der Weitz auf 9 Reichstahler gestiegen. – Dormagen hat ein äusserst gutes Jahr; es stehn mehr dann 20 große Fruchtbärme um das Dorf, und alle Scheuren sind vollgestopft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 30ten abwechselnd Herbst-Wetter, zuweilen stürmisch, zuweilen noch recht angenehme Her[b]st-Tage. Seit Ends October ward die Ausfuhr der Früchten nach Holland und ins Ausland verbothen. Nun ist solche vor drey Tagen wieder nach Holland erlaubt. Das Korn, welches auf 3 Reichstahler 54 Stüber heruntergekommen ware, steht nun wieder zu 4 Reichstahler 30 Stüber, eben so der Weitz, welcher von 6 Reichstahler 30 Stüber jetz auf 7 Reichstahler 30 gestiegen ist. Da man auch im Bergischen so wie in ganz Deutschland 40 pro Cent von den Colonial-Waaren bezahlen läst, so steht jetz der Caffé beynahe hier wie im Ausland gleich im Preise. Es sind so strenge Maaßregeln gegen das Schmuklen genommen, daß solches jetz ganz aufhört. Diesseits kostet der Café 80 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Es ist noch immer offen Wetter. Nur ein paar Nächte hat es etwas gefroren. – Es werden noch 3 neue Departemente zu Frankreich genohmen, worin die Städte Hamburg, Bremen und Lübeck gehören. Von Hamburg wird ein Canal in den Rhein gegraben, um aus dem Baltischen Meere nach Paris zu Wasser zu fahren. Der französische General Bernadotte ist zum Kronprinz von Schweden ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Gestern fienge es an zu frieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 1811–1823 ===&lt;br /&gt;
==== 1811 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[380]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1811&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Es hat stark gefroren und ist heute sehr kalt. – Neuerdings ist es wieder verbothen, daß die Früchten den Rhein hinunter nach Holland gehn. Deswegen steht hier das Malder Korn Neusmaas 3 Reichstahler 45 Stüber, der Weitzen 7 Reichstahler. – Seit etlichen Jahren ist durch das Überschwemmen des Rheins neben dem Damm unter dem Piwittenpättchen der Grund ausgetrieben. Deswegen hat die Regierung diesen Herbst angefangen, gemelltes Loch mit Erdholz zu bepflanzen. Den Eygenthümern soll der Grund bezahlt werden. Auch ist diesen Herbst von der Feldpforten zu Zons bis durch die Schindskaule ein Damm angelegt worden. – Der Krieg in Spanien geht noch immer fort. Die Engländer helfen den rebellirenden Spanier, die Franzosen belagern Cadise. – Vor Kristmeß ware der Rhein so stark angeschwollen, daß er in die oberste Drenk liefe. Dieses Wasser, welches jetz zugefroren ist, dienet zur Schlittenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen waren zwey Wölfe aus dem Pulheimer in den Stommeler Busch gekommen. Beynahe 50 Treiber und Jäger von Hakenbroich und Stommeln hielten Klopfjagd. Erst am Abend schoß der Her Franz Joseph Püllen von der Burg zu Hakenbroich die Wölfin davon an Brüngerrath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Morgens setzte sich der Rhein hier am Platthalse. Am Abend fienge er wieder an zu treiben, und in der Nacht auf den 10ten setzte er sich vest. Das Eiß steht höher als das Ufer, und das Wasser ist so hoch angeschwollen, daß es bald in die mittelste Drenk läuft. Es friert ein wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Abends schob sich der Rhein von Neuem und triebe wohl eine Stunde. An der Piwitt blieb die Eisdecke unverrückt stehen. Es isselt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Mittags 1 Uhr trieb der Rhein wieder, doch nur bis an die Piwitt. Um 2 Uhr sezte er sich wieder. Der Rhein steht nur bis an Langel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Mittags 2 Uhr gienge der Rhein stark durch. Das Wasser fiel im Strome bey 2 Fuß. Es ware sonderbahr, daß seit 3 Tagen das Wasser hinter dem Damm 4 bis 5 Fuß höher ware als es diesseits hätte seyn müssen. Das kame daher, weil das Eis an der Piwitt so stark untereinander getrieben ware, daß das Wasser nicht durchkommen konnte. Als nun diesen Mittag das Eis auch im Kolk bis unter Zons losbrach, da kame das Wasser so schnell von Zons herauf, als wenn man eine Schleuse aufgemacht hätte. Kein Mensch erinnerte sich, ein Gleiches je gesehen zu haben. Sogleich lief der Bixem voll Wasser. Das Eis hat unter Zons ausgebrochen, und das Grund steht voll Eis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[381]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ter &amp;lt;u&amp;gt;Januar, Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern am Abend setzte sich der Rhein wieder und steht auch heute den ganzen Tag. Früh regnete es etwas. Da es hernach schön Wetter ware, so giengen viele Bewohner über den Damm. Es wurden mehrere Hasen todtgeschlagen. Im Abend brachten noch die Rheinfelder ihr Vieh hieher. Jenes von Wallhoven ware schon seit gestern hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Das Eiß ist alle fort, nur steht die Decke noch von Sturzelberg herauf bis oben der Piwip an das Werthaus. – Viele Kinder von 10 bis 14 Jahren gehen von hier nach Zons in die Schuhle, um Französisch zu lernen. Die Benden stehen voll Wasser, und an den Enden liegen große Eisschollen. Einer von den Studenten, der Johan Lang, Sohn des Schreiners Johan Lang, gieng auf einer Scholle, stieß mit einem Stock vom Lande, und der Wind triebe ihn mehr dann einen Flintenschuß weit vom Lande. Es ware Ends den Kühbenden, wo der Limittenstein steht. Es konnte halbe 4 nachmittags seyn. Zonser Heukarren, welche von Kölln kamen, sahen das Elend und das Jammer der übrigen am Wasser stehenden Studenten. Einer ritt zu Pferde ins Wasser. Allein, als das Pferd zu schwimmen begann, da kehrte er um. Eine Menge Menschen liefe heraus. Man machte Anstalt zur Rettung, hohlte eine Backmolde etz. Indessen faßte ein Douanier von der hiesigen Brigade, Franz Husser, aus Kölln gebürtig, den Entschluß und stürzte sich ins Wasser und hohlte den Jungen schwimmend heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Gestern Abend ist das Eiß alle fort und der Rhein im Strome diese Nacht 11 Fuß gefallen. Regen. Kornpreis 3 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Am Abend fienge es an, stark zu schneen. Am 18ten morgens ware es etwas gefroren. Morgens 10 Uhr kame das oberländische Eis, worin eine Mühle eingefroren mit getreiben kame.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten und 21ten – Starker Frost. – Am 26ten treibt der Rhein dicht mit Eis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Es ist heute Thau-Wetter. Kornpreis zu Neus 4 Reichstahler, Weitz 7 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Es ist hell und hat nur ein wenig gefroren. – Der Maier berichtete den Vorfall vom 15ten dieses an den Douanen-Directeur in Kölln, worauf dieser den Douanier Franz Husser zum Unterleutnant ernannte und ein sehr verbindliches Schreiben an den Mayer erlies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Der Frost hört auf, der Rhein ist bis ins Bixem ausgetreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Es ist wieder eine Frostbahne. Das ganze Aufschwellen des Rheins hat alles Saumnis mit fortgenohmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten, &amp;lt;u&amp;gt;Aschermitwoch&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Karnevalstage ware es Frühlingswetter, doch ware es sehr still im Dorf. – Kornpreis in Neus 4 Reichstahler 20 Stüber, Buchweitz 7 Reichstahler 20 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Anfangs kalt, hernach etwas naß, doch sehr wenige Schauren. Kornpreis zu Kölln 11 ½&amp;lt;ref&amp;gt;Währung durch Papierbeschädigung nicht lesbar.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 20ten – Sehr warme Frühlingstage. Es gibt schon Kornähren. Zu Stommeln haben gestern Nacht die Wölfe ein Pferd zerrissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[382]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1811&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten bis 26ten – Nordwindig-kalt. – Am Palmsontage, als der Kaplan des Morgens die Bruderschaft für den Nachmittag publizirt hatte, versammelten sich die Bewohner um 2 Uhr auf dem Kirchhofe und giengen die gewöhnliche Römerfahrt, welche Prozession sehr zahlreich ware, und in der Kirche ware nichts zu thun. Wie wir wiederkamen, betheten wir die lezte Station am Missionskreutz. Kornpreis 3 Reichstahler 28 Stüber, in Neus 3 Reichstahler 45 Stüber. Am Kahrfreytag hielten wir ebenfals die Römerfahrt und die Emaus-Prozession des Sontags nach Ostern nach der Frühmeß, weil an dem Ostermontag das Gebeth ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 1ten Mey heiter, trocken-kalt. Kornpreis in Neus 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil die Geistliche nicht mit der Prozession gehen dörfen, so hielten wir die erste Benediction um 9 Uhr am hohen Altar, giengen dann um die Kirche, wo die erste Station am Missions-Kreutz gehalten wurde. Dann giengen wir in die Kirche, hielten die zweite Station am hohen Altar, und das hohe Amt begann. Nach dessen Ende ward die dritte Station ebenfals am hohen Altar gehalten, nach deren Beendigung fienge das Kohr das &amp;quot;Veni Creator&amp;quot; an. Die Prozession gienge das Dorf hinunter durch die Mähebenden bis wo der Limittenstein auf dem Zonser Damm steht, von da auf Rheinfeld, oben am Dorf herein. Wie wir wieder in die Kirch kamen, wurde die vierte Station gehalten. Die Prozession ware sehr zahlreich; nur schade, daß zwischen Zons bald an Rheinfeld es zu regnen anfienge!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten, &amp;lt;u&amp;gt;Montag Hagelfeyer&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil es die Nacht geregnet hatte, so ward um 8 Uhr eine Messe zu Ehren der heiligen Agatha und keine Prozession gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten, &amp;lt;u&amp;gt;Dienstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Unser Friedensrichter, Herr Johann Jacob Meyer, von Ratingen gebürtig, ward heute um 8 Uhr auf seinem Zimmer todt gefunden. Er ist, weil er sehr dick ware, am Schlagfluß gestorben. Um 12 Uhr gestern Abend gienge er erst zu Bette, bevor er mit dem Maier noch wie alle Abend sehr aufgeräumt die Zeit hinbrachte. Er lag rücklings auf dem Bett, ein Fuß auf der Erde, das Nachtgeschier neben ihm zerbrochen auf dem Boden, und ware schon kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Am Abend ward der seelige Friedensrichter begraben. Die ganze Pfarre, die Pastores von Worringen, Hakenbroich, Straberg, Nivenheim und Zons mit seinem Caplan wohnten dem Trauergefolge bey. Auch waren die Herren Maier von Worringen, Nivenheim und Zons mit unter den Begleitenden. Er wohnte an Steinbergers, und weil nun der Zug sehr lang ware, so giengen wir das Dorf hinauf bis bald am Schwanen, dann über den Fuhrweg diese Seythe hinaus über den Kirchhof in die Kirche, wo die Todten-Vesper gesungen und dann die Leiche vor dem Missionskreutz versenkt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[383]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das Grab ware mit Lille- oder Meyenblumen bestreut und das Tuch über der Bahre mit Frühlingsblumen geschmackvoll geziert. 3 Pastores trugen Kohrkappen, 2 Levittenröcke und 4 Röchlinen. – Am 12ten &amp;lt;u&amp;gt;Kornblühe&amp;lt;/u&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten und 16ten wurden die Seelenmessen für den seeligen Friedensrichter gehalten. Die Pastores waren aus dem ganzen Canton eingeladen, welche auch alle ausser dem Pastor von Stommel gegenwärtig waren. Der Altar ware ganz schwarz behangen, nur waren hier und da Schwerdlilien und weisse Blumen angebracht. Die Pastores speiseten mit den Freunden, den Herren Maieren von Zons und Nivenheim und den Trägern bey Steinberger. Der Selige hatte kein Testament gemacht, sonst würde er wahrscheinlich alles dem Jacob Steinberger, seinem Wirthen, bey welchem er circa 13 Jahr logirte, vermacht haben. Jetz erbt seiner Schwester Tochter, welche es nothwendig hat. Er hat verschiedene ausstehende Capitalien, welche sich mit seinen Mobilien zwischen 2.500 bis dreytausend Reichstahler belaufen werden. – 18. und 19. entsetzlich heis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20., 21. und 22ten – Diese 3 Täge und Nächte hatten wir anhaltende Donnerwetter mit vielem Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristi Himmelfahrt&amp;lt;/u&amp;gt; – Um 9 Uhr fienge das hohe Amt an, nach dessen Beendigung giengen wir die gewöhnliche Procession, doch ohne die Geistliche. Um halber eins waren wir wieder in der Kirche, wo wir das &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Der Engel des Herren&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot; betheten und ohne Benediction nach Hause giengen. Da fienge es an zu regnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten Merz hat die Kayserin von Frankreich einen Sohn gebohren, dem die Namen Franz Josef Karl Napoleon beigelegt wurden. Die zeremonielle Taufe ist auf heute festgesezt, als am Dreyfaltigkeitstage, am 2ten Juni. Es wurde verordnet, daß in allen Gemeinden von ganz Frankreich dieser Tag so froh als möglich gefeyert werden solle. Es wurde demnach gestern Abend eine Stunde geläutet, die Böller gelöset und heut Morgen um 4 Uhr wieder geläutet und um 4 geschossen. Der frühe Morgen weissagte einen schönen Tag. Allein, um 10 Uhr fienge es so stark zu regnen an, daß die Leuthe nur mit Mühe in die Kirche kommen konnten. Beym Hochamte war keine Predigt, nach dessen Beendigung ward das hohe Amt gesungen. – Um 2 Uhr hohlten die Jungen den Maier mit Musick und einer großen Fahne an ihrer Spitze ab. Die meisten hatten Gewehr, weil unten vor dem Dorf zum Vogel geschossen werden sollte. Wie der Zug dahin kame, wurde von 25 Mädcher um vier Halstücher um die Wette gelaufen. Drey erhielten die erste Preise, welche auch voriges Jahr Tücher erhalten hatten, das vierte war von Hakenbroich und wohnte zu Horm. Den Mädcher wurde an dem Wirthshaus unten am End, &amp;quot;Zur Willmuth&amp;quot; genannt, Wein gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[384]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1811&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juni&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Da tanzten sie und wurden von den Musikanten durchs Dorf geführt bis an die Maierie, wo sie nochmal tanzten. Nun fienge das Vogelschiessen an. Als der Maier den ersten Schuß im Namen des Kaysers that, erscholl ein lautes &amp;quot;Vivat der Kayser&amp;quot;. Der Einsatz von jedem Schuß ware 12 Stüber, und es waren zwischen 80 und 90 Loosen. Um den Ertrag wurde geschossen. Da aber der Vogel sehr stark war, so blieb ein Theil vom Rumpf und die Platte stehen, wornach also am Donnerstag, als am Fronleichnamstag, geschossen wird. – Um 8 Uhr ward im Posthause von circa 25 Personen soupirt. Vier Köllnische Musikanten spielten über Tisch. Um 10 Uhr war das Posthaus illuminirt. In der Mitte waren transparente Figuren und in allen Fenstern Piramiden von 150 Kerzen. Bey Steinberger brennten 33 Lichter. Das Missions-Kreutz ware rundum mit Leuchteren geziert, und oben an dem Fenster oben den Schallöchern am Kirchenthurm hieng eine große Leuchte. Das Douanenbureau, das alte Posthaus und die Fenster des Grefier waren beleuchtet. Der Maier hatte ausser vielen Lampen 2 transparente Figuren mit der Innschrift unter dem Adler &amp;quot;optimo principi Napoleoni&amp;quot;. An meinem Hause hieng oben ein großer Spiegel mit dem Namenszuge des Kaysers, von vielen Lichtern umgeben. In zwei transparenten Seythen-Figuren glänzte &amp;quot;Austria foelix&amp;quot; und am Posthaus &amp;quot;Renascens Roma&amp;quot;. Vor dem Posthaus hatten sich um 10 Uhr mehr dann 300 Menschen versammelt. Da erhob sich die Gesellschaft auf die Straße, es war 10 Uhr, und machten einen Zug durch das Dorf bis an die Maierie. Die Musikanten spielten vorauf, dann der Maier mit dem Adjunct, ihren Frauen und den Frauenzimmern der Gesellschaft. Dann folgte eine unzählige Volksmenge. Unter die Musick mischte sich ein Jauchzen, so froh, als es noch nie gehört wurde. Vor dem Hause des Maiers wurde das beliebte Lied &amp;quot;Es kann ja nicht immer so bleiben&amp;quot; gesungen. Und so wie der Zug im Posthause zurückkame, fieng der Ball an, der sich erst mit dem Morgen endigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fronleichnamstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Des Nachmittag wurde der Rest vom Vogel durch den Metzger Christian Schmitz abgeschossen. Sie hielten einen Zug durchs Dorf mit Musick und tanzten die Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Bisher hatten wir trocken Wetter. Kornpreis 3 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[385]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten dieses kamen circa 12 Husaren und Gensdarmen mit 1 Oficier und 21 Voltigeur auf Execution hieher, um die Deserteurs und Refracteurs beyzuschaffen. Sie wurden am 25ten in den Canton vertheilt, und man arretirte die Eltern, Schwester, Brüder, Oheime, Vettern der Deserteurs etz. und setzte solche oben in das Haus des Jacob Delhoven. Sie bekamen nur Wasser und Brodt, bis sie anzeigten, wo die Deserteurs sind. Viele schaften solche bey, und die Arrestanten kamen gleich loß. Dormagen muß alle 5 Tage 235 Francs Execution bezahlen und die Soldaten beköstigen, so auch die andere Maierien nach Verhältniß. Am 3ten Julius zohen sie ab nach Aachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Es ist sehr heiß, doch hatten wir mitunter Regen, besonders am 28ten vorigen Monaths, wo es einem Wolkenbruch ähnlich ware. – Das Korn ist alle ab und schon ein großer Theil eingescheuert. Man hauet Weitzen. Man erinnert sich, nie ein so frühes Jahr erlebt zu haben. Auch der Weinstock ist so sehr vorgerückt, am Johannistag ist schon neuer Wein getrunken worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten, &amp;lt;u&amp;gt;Samstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Nachmittag machten zwey Kinder in der Küche des Johann Hambloch Feuer am Herd mit Roggenstroh. Das Feuer ergrif eine Bausche Stroh und einen in der Nähe stehenden Korb, welches einen starken Rauch verursachte. Man riefe Hülf und schluge auf die Klock. Zwey Worringer Fischer kamen just mit einer Zing Wasser, um in der Nähe des Hauses die Erde zu besprengen, damit sie dort die folgende Nacht Würmer lesen können, denn es war sehr heiß und trocken. Die Fischer liefen sogleich mit dem Wasser herein und löschten glücklich das Feuer, das um so verderblicher gewesen wäre, da sich eben in dem Augenblick ein heftiger Wirbelwind erhob, der den Staub auf der Straße thurmhoch erhob und die herbeyeilenden Menge Menschen in Ungewißheit sezte, wo der Brand seye.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – In dem Hohenamte ward beym Evangelio geläutet. Das Seil packte die hölzerne Büchse von der kleinen Klocke, welche im Gewölbe bevestiget war, und es fielen einige Scherben und Staub herunter. Es enstand ein Gemurmel. Die ganze Volksmenge erhob sich und stürzten meistens auf die kleine Kirchthüre hin, wo es natürlich ein solches Gedränge wurde, daß der eine über den anderen hergienge. Ein alter Taglöhner von Delven wurde so zugerichtet, daß er mit den Sterbsakramenten versehen werden muste. Einige glaubten, der Thurm wolle einstürzen; andere vermutheten Brand. Ferner sprach man von einem rasenden Hunde, von einem rasenden Menschen etz. In der Halle und zwischen den Thüren lagen Menschen übereinander auf der Erde, worüber sich die Menge der Fliehenden fortmachte. Viele Frauenzimmer standen mit blosem Kopf und hatten die Treckmützen verlohren, mehrere waren ohne Schuhe, und anderen sind die Kleyder so zerrissen, daß sie nicht mehr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[386]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1811&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:gemacht werden können. Der Kaplan hatte das Meßgewand ausgethan, und kein Mensch wuste, was zu thuen war. Auch waren schon einige an den Fenstern herausgesprungen, bis man endlich gewahr wurde, daß nichts zu thun ware, und die Messe wurde ausgelesen. – Kornpreis zu Neus 3 Reichstahler 50 Stüber, Sahmen 10 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Entsetzlich heis. – Der Augustus ware sehr trocken und entsetzlich heis. Nur am Bartholomai-Tag regnete es etwas. Alles ware früh zeitig. Im August hat man zum Andenken einigen Wein gekeltert. Man verspricht einen so guten Wein, wie er seit 1540 nicht gewesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der ganze Monath ware so trocken und heiß, als es bey Menschengedenk nie ware. Die Erdäpfel sind reif, allein, man kan sie nicht ausmachen, es müste dann mit Schüppen geschehen. Die Saath kann nicht heraus kommen, doch hat es ein paar Tage etwas wenig geregnet. Kornpreis zu Neus 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber, das Pfund Rabsahmen 14 Reichstahler, das Pfund Butter 14 Stüber, frisch Schweinefleisch 7 ½ Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten fienge es abends mit Donner und Blitz zu regnen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Kein Mensch gedenkt einen so schönen Herbst, selbst die Nächte sind warm. Die kleine Regenschauern oder vielmehr die Donnerwetter haben die Saath prächtig herausgetrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Einen so großen Zusammenfluß von Menschen hatten wir nie. Selbst die lezten Tage, Mitwoch und Donnerstag, ware es voller Fremden hier. Die vornehme Musick ware in der sogenannten Willmuth bey Peter Strak. Das Dorf ist so trocken, daß man eben so gut durch den Fuhrweg als neben den Häusern passirt. Die Nacht vom Donnerstag auf den Freytag ward noch bey vollen Sählen getanzt bis an den Morgen. – Der bisherige Grefier Blasius ist Friedensrichter geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Das Wetter ware bisher sehr warm und schön. Weitz zu Neus 10 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 25 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Gestern bekame der hiesige Maier Ordre, aus dem Canton 230 Pferde zur Verstärkung der Post aus dem Canton aufzubiethen, welche morgen hier seyn sollen, um bey der Durchreise des Kaysers als Vorspann zu dienen. Zugleich musten Anstalten getrofen werden zu Ehrenbezeugungen. Die Hormer errichteten einen Triumpfbogen vor dem Dorf gegen den Kühbenden, wir einen vor der Maierie und einen am Lämbchen. Zudem wurden 2.000 Meyen und 12 schwere Meyen durch die Einwohner von Hakenbroich aus dem Gohrbusch gehauen und hiehergefahren, womit alle Häuser garnirt werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten kamen die mehrste Pferd aus dem Canton an. Es ware ein sehr schöner Nachmittag. Der Posthalter probirte 8 Pferde an einem Wagen und fuhr in die Benden, wo alle Pferde versammelt waren und gemustert wurden. Es ware eine Menge Fremder und Einheimische versammelt, welche wegen dem heitern Wetter dem Schauspiele zusahen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[387]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am &amp;lt;u&amp;gt;3ten, Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Es ward diesen Morgen nur eine Lesemesse an statt dem hohen Amte gehalten. Die Passage geht sehr stark. Gestern ist die Kayserin und heute der Kayser in Düsseldorf angekommen. Um 11 Uhr abends kame der Prefect von Aachen hiedurch. Ich sprach mit ihm über die Anstalten des Festes, nähmlich, daß wir durch Kinder 18 silberne römische Münzen der Kayserin als Geschenk für den König von Rom ihren Sohn presentiren wollen. Der Prefect kame am 4ten mittags zurück, besahe die Münzen und fand solche ihrer Bestimmung würdig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten fuhre der Kayser und die Kayserin von Düsseldorf über Mühlheim durch das Bergische nach Kölln. Die Zonser, welche das Kanonieren hörten, strömten in Menge hieher, im Glauben, die Passage würde hiedurch gehen. Es kamen aber nur einige Wagen und Kouriere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten sahe ich die junge Kayserin in Kölln. Der Kayser ware auf Bonn, welche Stadt zu einer Vestung umgeschaffen werden soll. Den 7ten fuhren sie über Aachen auf Paris. – Die Berliner Zeitung sagt, daß am 16ten October auf einem Platz der Stadt Magdeburg ein Kastanienbaum Blüthe getragen. Es scheint, schreibt man aus Paris, daß die Hitze in Deutschland wie in Frankreich im October eben groß ware. – Wir hatten hier zu Dormagen des Sontags nach der Kirmes ein Sträuschen Violen, und an den Hecken konnte man ganze Hände voll Käfern sammeln. Des Abends summten sie über die Straße, und die Jungen fiengen solche mit den Hüthen. – Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Heut rückte hier das erste Carabinier-Curassier-Regiment ein. Sie wurden zwar vertheilt, weil aber der Stab hier blieb, so ware doch fast in jedem Hause ein Mann und Pferd, wo nur ein Scheuren-Tenn oder ein Plätzchen vor ein Pferd war. Am 11ten brachen sie auf Neus und Creveld auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten kame das 10te Regiment Curassier hier an. Sie wurden wohl in 80 Dörfer vertheilt und sollen einsweilen cantonniren. Hier blieben 20 Mann und 3 Oficier. Im alten Posthause wurden Ställe zurecht gemacht, wo die Pferd alle beyeinander gesezt werden. Wir müssen 11 Pfund Heu, 11 Pfund Stroh und ein Viertel Haaber pro Ration bey den Vicarius ins Magacin liefern. Dafür wird 16 Stüber zahlt. – Kornpreis zu Neus 5 Reichstahler 40 Stüber, Weitz 9 Reichstahler 50 Stüber, Haber 2 Reichstahler 25 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Morgens musten die Truppen aufbrechen. Sie gehn ins Bergische. Der Prefect hat in die Departements-Zeitung Folgendes einrücken lassen:&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Aus Eschweiler, Stollberg, Neus, Dormagen schreibt man, daß große Zurüstungen daselbst gemacht worden sind, in der Hofnung, daß Ihre Majestäten durch diese Gemeinden ziehen würden. Der Maire von Dormagen nahm sich vor, höchstdenselben silberne Münzen mit dem Brustbilde von vielen römischen Kaysern, welche in seinem Bezirk gefunden worden, zu überreichen, in der Zuversicht, daß der erstaunenswürdige Mann, vor welchem aller Ruhm verschwindet, dieses Schärflein der Wittwee nicht verschmähen würde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
:22ten, 23ten, 24ten starker Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[388]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1811&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Wir haben jetz Curassiere vom 1ten Regiment hier. Sie sind so dünne auseinander gelegt, daß wir deren nur 10 hier haben. Die 80 Centimes für die Ration wird den Leuthen, welche liefern, richtig ausgezahlt. – Kornpreis 6 Reichstahler, Weitz 10 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber in Neus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristtag&amp;lt;/u&amp;gt; – Nie ware bey meinem Gedenck der heutige Tag so angenehm Wetter ohne Frost. Die Frucht im Feld ist zu mächtig. Vieles Korn wird faul. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 10 Reichstahler 30, Haber 22 Schilling in Neus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten fiel etwas Schnee. Am 27ten Frost und Schnee, am 30ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Es friert noch immer, aber nicht stark. Rabsahmen 12 Reichstahler das Malder. – Dieses Jahr ware nicht viel Frucht und Stroh gewachsen, zum Glück, daß die Preisen ordentlich sind. – Der Welferhof wurde vor einigen Jahren um 9.000 Reichstahler an einen Franzosen namens Boismar verkauft. Dieser Boismar verkaufte den Hof um 13.000 Reichstahler an den Pächter Christian Coenen, wenn er die Kaufschilling in Zeit von 5 Jahren erlegte, sonsten sollte er schwere Intressen von den 13 tausend Reichstahlern zahlen. Der Welferhalfen fienge einen Process an mit dem Boismar und bewiese, daß der Hof nur um 9 tausend Reichstahler. Dem Boismar ward durch ein Urtheil 9.000 Reichstahler zuerkant, welche Coenen ihm schuldig ist. Der Hof wurde am Tribunal von Neuem verkauft, mit der Saath und mit allem Eygenthum für 36 tausend Franc an Boismar. Nun muß der Welferhaifen abziehen. Er hat kein Handbreit Land mehr, was seyn Eygen ist, und weis nicht, wohin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1812 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1812&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 18ten meistens Frost mit etwas Schnee. Zuweilen macht es Miene zum Aufthauen. Kornpreis in Neus 6 Reichstahler 25 Stüber, Heu 1.000 Pfund 14 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Frost mit etwas Schnee. Im Hakenbroicher und Stommelerbusch sind diesen Winter schon sieben Wölfe geschossen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Gelinder Frost mit Schnee. – Gestern Abend mit dem Dunkel zeigte sich ein Brand. Man schäzte solchen auf Fliesten oder Büsdorf. Heut vernimmt man, daß es die Scheuer und Ställe des Maier Esser von Stommeln, am Heiligen-Häuschen, war. Mann ist einstimmig der Meinung, daß daß&amp;lt;ref&amp;gt;Wort offenbar versehentlich wiederholt.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Brand angestochen ist, weil der Maier einen Proces mit der kleinen Gemeinde wegen der Theilung des Gemeinde-Holzes hat. – Das Korn ist gestiegen bis auf 9 Reichstahler 15 Stüber in Neus. So eben wurde mir vor Dormager Maas hier auf der Platz 9 Reichstahler gebothen. – Es ist in Frankreich Mangel, und die meiste Frucht geht auf Aachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Thauwetter. Heute am Abend sahe der Johan Haas, Adolf Schmitz, Jacob und Johann Henrich Coenen, welche sich auf dem Weg zwischen Zons und Welfen befanden, Feuer auf den Rheinfelderhofs-Ställen. Sie liefen nach Rheinfeld und sahen nichts. Die Bewohner des Hofes, welche an Vorgeschäfte glauben, sind sehr in Schrecken gesezt. Ich glaube aber, daß die untergehende Sonne den Glanz in den Scheiben des Dachfensters gemacht hat, welches oft wie Brand aussieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten Februar – Thauwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[389]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1812&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Angenehm Wetter mit etwas Wind und Sonnenschein. – Die Alten hielten darauf, wenn es am Lichtmeßtag hell und klar ist, so gibt es viel Heu und Stroh. Wenn der Bär seinen Schatten sieht, so kriecht er noch 40 Tag in sein Loch. Wind an diesem Tag bedeutet Krieg. Dunkel Wetter deutet auf Sterben. – Gestern ward in Kölln das Pfund Korn zu 10 Reichstahler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Frost. Das Korn ist wieder bis auf 8 Reichstahler Neusser Maas abgeschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Bis heut hat es gefroren, drauf regnete es. Diesen Abend Sturmwind. Kornpreis hier Neussermaas 10 Reichstahler 30 Stüber, Haber Kölnische Maas hier 3 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Abwechselnd mit Frost, Schnee und Regen. Kornpreis in Kölln 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Merzenstürme. Man hat in den Gärten noch nichts gegraben. – Kornpreis in Kölln 7 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler hier aufm Platz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostern&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Merz und besonders die Kahrwoche waren sehr stürmisch. Es sind noch wenige Kleedrieschen gebauet. Auch diese 3 Ostertage hat es ohne Unterlaß gestürmt. Kornpreis in Neus 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sontag, den 5ten fienge der Rhein so stark an aufzuschwellen, daß er am Abend schon dem Dorf vorbey triebe. Am 6ten stand schon der Bixem voll. Es ist wenig trocken Land mehr unten im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten fienge der Rhein an zu fallen. Am 8ten konnte man schon mit Stiefeln am Kirchgäschen in die Aue gehen. Weil es windstill war, so steht das Korn recht frisch, welches aus dem Wasser kömt. Am 9ten, 10ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten Regen aus Norden, am 17ten und 18ten starker Frost mit Schnee. Kornpreis in Kölln 7 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 14 Reichstahler, Sahmen 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Trocken und kalte Nächte. Am Gottestags-Tage hielte der Pastor morgens 5 Uhr die erste Meß. Das Venerabel wurde ausgesezt, und es wurde gebetten bis an das hohe Amt. Nach demselben giengen wir 3 mahl um die Kirche, wo an einer am Missions-Kreutz errichteten Station die gewöhnliche Evangelien etz. gesungen wurden. Die lezte Station ware in der Kirche. Des Nachmittags ware Vesper. Am Hagelfeyerstage wollte der Pastor ein Anniversarium halten. Er entschloß sich doch, für Geld des Morgens 5 Uhr eine Leßmeß und um 9 Uhr das hohe Amt. Obschon das Hochwürdige nicht ausgesezt wurde, so betheten doch die Leuthe stundenweis vom Morgen 5 Uhr bis an das hohe Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Meistens trocken und kalt. Dieses Jahr ist zum erstenmahl nicht in den Mey geläutet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 15ten trocken. Am Ende des Monaths hat es fast immer geregnet, so daß noch fast kein Heu gemacht worden. Kornpreis hier 6 Reichstahler 15 Stüber. Am Johannistag wurden die Ländereyen des Josef Sturm verkauft. Die Bedingnisse sind 8 Jahr darüber zu bezahlen. Es waren circa 140 Morgen, und der Morgen wurde im Durchschnitt zu 100, 120, sogar 165 Reichstahler ohne Saht verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[390]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1812&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Nordwindig-kalt mit Regen. Heut wurde Rabsahmen gehauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Erst halben July wurde mit dem Kornhauen. Das Wetter ware bisher so unbeständig, daß man gleichfals das Korn hereinstehlen muste. Indessen ist der öftere Regen der Sommerfrucht sehr ersprieslich. – &amp;lt;u&amp;gt;Krieg&amp;lt;/u&amp;gt;. Weil der Kayser von Rußland den Friedenstraktat von Tilsit nicht gehalten und die Einfuhr der englischen Waaren in seine Staaten erlaubt, so hat Frankreich an Rußland den Krieg erklärt. Der Kayser Napoleon ist mit seiner ganzen Macht in Pohlen eingerückt und hat fast ganz Lithauen, welches der russische Antheil Pohlens ist, besezt. Die Russen sind zurückgezogen und stehen an der Düna. Der Kayser von Österreich, Preußen, Bayern, Westphalen und der ganze Rheinbund haben ihr Contingent zur französischen Armee geliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;2ten August, Sonntag Portiuncula&amp;lt;/u&amp;gt; – Dieses Fest zohe heute eine Menge Fremde herbey, besonders von Zons, wo heut keine Frühmeß ware, weil der dasige Capellan nach Widdersdorf versezt ist. Unser Capellan hielt eine gute Rede über den Ablaß. Abends 5 Uhr ware Complet mit &amp;quot;Te Deum&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Wenn es einen Tag gut Wetter ist, so regnet es den andern wieder. Est steht noch viel Korn auf Gästen. Der Weitz ist alle ab und schon Haaber gemähet. Das neue Korn gillt 6 Reichstahler 24 Stüber, Weitz 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Heut erst ist es ein heisser Tag. Es steht noch Korn und viel Weitz im Feld. 16ten-19ten sehr heisse Tage. Kornpreis 6 Reichstahler in Neus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Bisher sehr heisse Tage. Sahmpreis in Neus 9 Reichstahler, Korn 6 Reichstahler 15 Stüber, Sommergerst 5 Reichstahler, Weitzen 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 22ten – Kalte Nächte, im Tage warm und sehr trocken. – Kornpreis 6 Reichstahler 15 Stüber in Neus, Sahmen 10 Reichstahler, Weitzen 10 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler. – Die Armee hat eine Schlacht gewonnen bey Schmolensko und geht vorwärts auf Moscau. Die Russen wehren sich entsetzlich. In bemelter Schlacht wurden 12 Generäle getödtet oder verwundet von französischer Seythe. Auch von den Russen wurden bis 20 Generäle getödtet oder verwundet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Regen. 25ten schön Wetter. Der gestrige Regen hat der Trockenheit ein End gemacht. Es ist izt recht gut eggen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;11ten, Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Des Nachts regnet es, und im Tage ist es schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Diese Tage ware es voller Fremden im Dorf. Unten bey Müller und in der Willmuth bey Deutz ware die vornehme Musick. Kornpreis in Neus 6 Reichstahler 30 Stüber, Sahmen 11 Reichstahler, Weitz 10 Reichstahler 50 Stüber, Buchweitz 5 Reichstahler das Pfund, Haaber in Kölln 3 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[391]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Die Franzosen sind in Moscau. Als sie 2 Tage darin waren, so steckten die Russen die Stadt an 500 Enden in Brand. Der Kayser ware mit 80 tausend Mann im Kremlin; das ist die mittelste Stadt. Am 17ten ware hier die Ziehung der Conscribirten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Viel Regen. – Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler 45 Stüber, Haaber dorten 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten fienge es an zu frieren. Am 22ten gienge schon alles drüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Starker Frost. Korn in Kölln 7 Reichstahler, Haaber 12 Gülden, Weitz 10 Reichstahler. Die Franzosen verlassen Moscau und ziehen zurück in Pohlen, wo sie wahrscheinlich Winterquartier machen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Gelind ohne Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten und 4ten – Frost. Heute, am 4ten, als am Barbara-Tag, abends halb 6 Uhr gienge in der Scheuer des Hufschmidt Christian Schmitz Feuer auf. Es ware etwas gefroren. Der stille, kaum merkbahre Wind kame von Nivenheim. Die Flamme stieg himmelan, Funken flohen in die Gärten. Der Brand schien sehr groß zu seyn. In dem Augenblick ware eine unserer Spritzen und so viel Menschen da, daß man eine und gleich nachher zwey doppelte Reihen formierte, um mit Eymern aus dem Mistpfuhle des Hern Vicarius Wasser herbeyzuschaffen. Eine Spritze, welche Adolf Coenen dirigirte, that in dem Hof des Gerhard Strak trefliche Wirkung. Die Scheuer des Schmitz, welche an die Scheuer des Adam Otto dicht angebauet ware, brennte schon nieder, ehe jene des Adam Otto zu lodern anfienge. Diese wäre ganz gerettet worden, wenn die andere Spritze dabey gewesen wäre. Allein, der Spritzenmeister Jacob Steinberger hatte solche in dem Hof des Herman Schmitz aufgestellt, wo sie nichts nützen konnte. Er hatte die Absicht, wenn der Brand weiter um sich greifen sollte, das oberste End zu schützen, wo seine Wohnung war. Da nun bey dem stillen ohnehin günstigen Winde gar nichts zu befürchten ware, so ließ der Maier Thomas Delhoven diese Spritze von hinten an die Scheuer des Adam Otto aufstellen, wodurch nicht allein die Scheuer des Gerhard Strak ganz gerettet, sondern auch noch der beträchtlichste Theil von der Scheuer des Otto gerettet wurde. In einer guten halben Stunde ware schon der Brand ganz gelöscht. Indessen thaten die Einwohner alle mögliche Anstrengung, so daß bey Ankunft der Hormer mit ihrer Spritze schon alles gestillet ware. Auch die Hakenbroicher kamen mit ihrer Spritze hieher, sonst keine. Wahrscheinlieh ist der Brand durch das Abfüttern der Kühe, entweder mit einer Leuchte oder durch einen Pott, entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten December – Es ist seit 14 Tagen anhaltende Kälte. Vier Täge fiel etwas Schnee. In viele Keller ist es gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[392]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1812&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Seit 8 Tägen ware es dunkel und fror wenig, heut aber ware es wieder sehr kalt. Zu Wesel stand schon der Rhein am 19ten und zu St. Goar früher. Hier ware gestern äusserst wenig Eiß im Rhein. – Korn gillt hier Neussermaas 6 Reichstahler, Haber idem 3 Reichstahler 30 Stüber, Heu 9 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 9 Reichstahler 50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Frost. Diesen Abend 5 Uhr kame der Wilhelm Hovel und zeigte dem eben bey mir gegenwärtigen Maier an, daß es gefährlich wär, daß der Thomas Rensing in seinem alten Brauhaus braue. Indem der Sergeant gerufen wurde, um dahin zu gehen, da hörte man schon Hülfe-Schreye. Sogleich versammelte sich eine Menge Menschen. Es wurde, weil es schon finster war, mit der großen Klocke geläutet. Der Nachtwächter bliese Sturm. Eine Brandspritze wurde hingebracht. Die Funken flohen in die Straße. Nun ware es aber weiter nichts, als daß ein kleiner Balken, woran der Hielhog ehmals gehangen, Feuer fieng. Das Ganze ware im Kamin. Der Maier stellte doch zur Beruhigung der Nachbarn 6 Mann Wache bey Rensing.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Diesen Morgen regnete es, und es thauet mit dem Ausgang des Jahres vollends auf. – Die französische, kayserlich-österreichische, preußische, sächsische, bayrische, würtembergische etz. etz. Armee ist noch immer am Retirieren. Das 29. Bülletin sagt selbst, daß sie in Zeit von etlichen Tagen an Kanonen, Bagage etz. etz. 30 tausend Pferde verlohren haben, selbst, daß ihre Cavallerie auf einmahl zu Fuß gewesen war. Das Elend muß auf&#039;s äusserste gestiegen seyn. Der Kayser Napoleon selbst ware 24 Stund in Gefahr und gleichsam gefangen. 600 Ofiziere, welche noch Pferde hatten, bildeten die Garde und schlugen sich mit dem Kayser durch. Der Kayser ist am 18ten December in Paris angekommen. Man schäzte die vereinte französische Armee vor dem Einmarsch in Rußland auf 6 oder achtmahl hundertausend Mann. – Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1813 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[393]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 4ten – Angenehm Wetter. Es thauet gelinde auf. Der Rhein steht noch vest von Rotterdam bis nahe bey Rheinberg, von St. Goar bis hinauf steht die Eisdecke ebenfals noch. Am 5ten und 6ten etwas Frost.&lt;br /&gt;
:7ten – Regen. Am 10ten kame das Mosel-Eis. Am 11ten etwas Frost. Heut kame das Mosel-Eis. Das Wasser blieb so klein, daß es noch wohl 8 Fuß hätte wachsen müssen, ehe es über das Ufer gegangen wäre. Der Rhein triebe den ganzen Tag so dicht, daß eine Katze drüber hätte laufen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Der Frost fängt an stärker zu werden. – Bey der fünfjährigen Wechselung ist hier mein Bruder Thomas Delhoven wieder als Maier bestättigt worden. In Zons ist Her Aldenhoven ab- und der Heckhalfen Anton Baden eingestellt. Der hiesige Posthalter Adolf Verhagen ist als Adjunct ab- und der Her Püllen auf der Burg zu Hakenbroich für die hiesige Maierie angestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten und 16ten – Thauwetter. Am 17ten, 18ten, 19ten stärkerer Frost. Am 20ten ist viel Eiß im Rhein. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler, Weitz idem 9 Reichstahler 40, Haaber 4 Reichstahler 6 Stüber, 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Der Frost hällt an. Auch fällt etwas Schnee. Der Rhein, welcher sehr klein ist, treibt schon seit etlichen Tägen dicht mit Eiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Der Krieg gegen Rußland hat noch immer sehr üble Folgen. Der Kayser von Frankreich übertrug bey seiner Abreise von der Armee das Kommando dem König von Neapel, seinem Schwager Murat. Auch dieser wird noch anhaltend geschlagen. Als Königsberg verlohren war, lieferte er eine Bataillie bey Mehlsak. Auch diese war unglücklich, so daß die französische Armee sich izt in Preußen befindet. – Indessen hat der Kayser von Frankreich die vor 3 Monathen ausgehobene 100 tausend Nationalgarden zur Armee beordert. Zugleich sollen 100 tausend Mann aus den Jahren 1809, [18]10, [18]11 und [18]12 ausgehoben werden, ferner 150.000 Mann aus dem Jahr 1814 gezogen werden. – Auch im Bergischen wurde eine neue Ziehung befohlen. Man zohe in Düsseldorf ruhig. Allein, in Sohlingen wurde gleich die Urne, worin die Nummern waren, zertrümmert. Man zohe die Sturmklocke, und augenblicklich versammelten sich einige tausend Consribirte, brodlose Fabricanten-Purschen, Gesindel etz. Der Prefect mit den Meieren musten sich flüchten. Nun zohe dieser Schwarm von Orth zu Orth. Auch kamen ihrer gestern 700 nach Langenfeld. Sie werfen überall die Schilde, wo Tabak und Salz verkauft wird, in Stücke, zerstöhren den Tabak, welcher aus den kayserlichen Fabriken kömmt, und suchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[394]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Recruten anzuwerben. Viele haben doppelte, andere einfache Gewehre, Pistolen oder große Messer. Plündern thun sie nicht, aber Essen und Trinken lassen sie sich geben. – Düsseldorf ist von Soldaten leer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Nun sind gestern einige hundert Mann von Gülich dahingekommen, und heute Abend 6 Uhr hörten wir von oben herab Trommeln. Wir wusten nicht, ob es die bergische Rebellen (welche auch Trommeln und Pfeifen haben) oder ob es Franzosen waren. Bald vernahmen wir, daß es 160 Mann von der lezten Conscription waren, welche von dem Köllnischen Depot nach Düsseldorf beordert wurden. Sie schliefen hier und zohen am 29ten über Düsseldorf nach Wald, wo sie übernachteten. Ihrer waren nun 800 mit 2 Canonen. – Gemäß Nachricht aus Kölln ware der Rhein am 24ten Januar dort am Maasstabe 2 Fuß 6 Zoll, also kleiner, als er bey Menschen-Gedenken gewesen ist. – Die Rebellen sind auf Elberfeld gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Kalt. Am 1ten Februar erhielt ich per Expressen folgenden Brief:&lt;br /&gt;
::Elberfeld, den 31ten Januar 1813&lt;br /&gt;
::Wir haben hier die verflossene 3 Tage in solcher Angst und Schrecken erlebt, das nicht zu beschreiben ist. Am Donnerstag kame die erste von den sogenannten Sohlinger Russen hier ins Quartier, die Bürger blieben alle die Nacht auf. Die Rebellen foderten alle Gewehre, den Stadtfahnen, die Conscriptionsliste, 6.000 Reichstahler Geld etz. Alles wurde ihnen abgeschlagen. Freytags bekamen wir noch mehrere von Ronsdorf, Lüttringhausen, Lennep und Schwelm. Es konnten ihrer wohl zweytausend sein.&lt;br /&gt;
::Samstags um 9 Uhr kamen wieder etliche hundert, gegen 12 Uhr folgte ein zweiter Zug. Sie wollten dem Maier das Haus stürmen, allein, dafür ware gesorgt: Dieses ware von Bürgern so gut besezt, daß es unmöglich war. Endlich gieng der Zug nach dem neuen Markt. Sie stellten sich in Ordnung. Auf einmahl kame Befehl vom Maier, daß alle Weiber und Kinder sich von der Straße entfernen sollten, und die Bürger schlossen die Fensterläden. Es blieb noch eine Viertelstunde ruhig. Auf einmahl sprengte eine Truppe Kavallerie mit geladenen Pistolen in der Hand auf den Markt. Sie gaben Feuer. In Zeit von einer Viertelstunde ware die Geschichte vorbey. Sie warfen ihre Gewehre weg. Es wurden erobert: 2 Fahnen, 2 Trommeln, 2 Commendanten-Pferde, mehrere Gewehre, einige tödlich und mehr dan hundert verwundet, 50 Gefangene, und selbiger werden noch immer eingebracht. Die Cavallerirten sprengten mit bloßem Säbel durch alle Straßen. Gleich wurde ausgetrommelt, daß keiner sich auf der Straße sollte sehen lassen, und mehrere 100 Bürger machten Patroullen. Damit hatte die Revolution ein Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[395]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Der Winter ist sehr hart. Seit dem 19ten November hällt der Frost an. Der Rhein ist so klein, daß an der Kölnischen-Casselbergischen Wassermaas die Höhe am 22ten Januar 1 Fuß 7 Zoll war. – Die französische Armee zieht sich noch immer zurück. Die Russen sind in Königsberg, Elbing und Marienwerder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Thauwetter. 9ten idem. Am 10ten angenehm windig. Der Canton muß 8 Pferd liefern, welche mit 300–400 und die besten mit 450 Francs bezahlt werden. Nebstdem muß jede Maierie freywillig einen Chasseur mit Pferd und Geschirr samt Montour als freywilliges Geschenk liefern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Heute um 8 Uhr wehete ein äusserst starker Wind aus Westen. Als die Donnerstags-Messe aus war und die Leuthe aus der Kirche giengen, ware es ein wahres Spectakel anzusehen: Viele Weiber, welche noch jung und stark waren, wurden umgeworfen, rollten vom Wind fortgeweht in ihrer Blöse über den Kirch-Hof. Auch Männer und Kinder trafe ein ähnliches Schicksal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Man arbeitet in den Gärten, und die schöne Jahrzszeit nehet heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Die Merzerstürme kommen. Fast alle Nachbarn haben dicke Bohnen gesetzt. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler 12 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 45 Stüber, das 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Heute ward die Conscribtion für das Jahr 1814 gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Bisher ware es etwas kalt, doch ohne Frost. Man arbeitet fleissig im Feld und in den Gärten. Dies Jahr ist der Rhein noch nicht aus dem Ufer gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Die Nacht hat es stark gefroren, drauf fiel den ganzen Tag viel Schnee. Heut zohe ein Bataillon Truppen hiedurch. Sie gehen auf Hamburg. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber in Kölln. Am 12ten angenehm naß Wetter. – Die französische Armee steht diesseit der Elb. In Hamburg ware ein Auflauf gegen die Douanen, doch sind noch keine Russen, aber auch keine Franzosen da. Es versammelt sich eine starke Armee bey Leipzig. Französische Garnisone sind in Danzig, Kolberg, Glogau, Zamozk, Stettin, Küstrin etz. von den Russen eingeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten April – Der Merz ware kühl und naß. Das Feld sieht sich so prächtig an, als noch je ein Mensch sich erinnert. Die 4 Tage im April waren falsch. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler, Heu 11 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 6 Stüber. Man ware eine Zeitlang besorgt, die Russen möchten über den Rhein kommen. Es kamen viele Flüchtlinge von Hamburg etz. hiedurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[396]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Acht Tage ware es sehr warm. Heut ist der Wind im Norden. Kornpreis 6 Reichstahler 12 Stüber in Kölln, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Es ist nordwindig eine Zeither. Auch kommen noch Merzerschauren. Vorgestern hatten wir die erste Kornähren. – Die Russen sind in Leipzig bis Lüneburg, und der König von Preußen, der dem französischen Kayser meineydig worden, hat sich mit den Russen vereinigt. Nun ist Kayser Napoleon seit dem 17ten in Maynz. Kouriere, Stafetten, Generäle etz. passiren hiedurch und machen die Straße sehr lebhaft. Auch kamen am 20ten bey 100 zweyspännige Karren aus dem Canton Neus hiedurch, welche jede 6 Kanoniere geladen hatten. Sie musten in zwey Stund von Neus bis hieher fahren. Das Hauptquartier von der Reserv-Armee des General von Damm ist in Wesel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Seit einigen Tagen ist es schön Wetter, mit Donner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 8ten trocken. Man hoft Regen. Korn in Kölln 5 Reichstahler 40 Stüber, Haaber 4 Reichstahler 6 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten, Gottestracht – Um 6 Uhr ware Frühmeß mit Benediction. Es wurden Bettstunden gehalten, Levitten-Meß und Predigt. Nach dem Hohenamt giengen wir mit dem Hochwürdigen 3mahl um die Kirch, am Missions-Kreutz wurden die 3 erste Stationen gehalten, die lezte in der Kirch. Um halber drey ware Vesper mit Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten, &amp;lt;u&amp;gt;Montag&amp;lt;/u&amp;gt; Um 6 Uhr ware Frühmeß, keine Bettstunde und um 9 Uhr hohes Amt ohne Benediction, zur Beschützung unserer Felder für Hagelschlag. Diese Messe habe ich halten lassen. – Im Posthause wurde getanzt. – Regenwetter. – Die französische Armee ware seit der Räumung von Rusland bis über die Elb und Saale retirirt. Nun ist der Kayser selbst bey der Armee, das Hauptquartier in Erfurt. Die Russen sind in Leipzig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Die erste Kornblühe. Bis 15. alle Tage Donnerwetter mit Hagel und Regen. Weil aber kein Wind dabey ist, so hat es der Frucht nicht geschadet, nur daß sich vieles Korn gelegt hat. Kornpreis in Kölln 19 Gülden. – Am 2ten Mey ware eine Schlacht bey Leipzig, zu Lützen. Von beyden Seythen ist viel Volks gemordet worden. Die Franzosen haben aber das Feld erhalten, und die Russen retiriren mit den Preussen auf Dresden. Die Franzosen geben selbst ihren Verlust auf 10 tausend Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Es regnet alle Tage, so daß wir befürchten, der Rhein werde austreten. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler, Haaber 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 8 Reichstahler 36 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. – Vom 24ten bis heute Donner mit Regen und Hitze. Heut Nachmittag regnet es ungewöhnlich stark bey Donner. Zu Reyd auf der Gillbach, Büsdorf, Kerpen etz. hat der Hagel viel Schaden gethan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[397]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 5ten – Kalt mit Regen. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler 21 Stüber, Weitz 9 Reichstahler. Die französische Armee geht noch immer vorwärts; sie gehn auf Schlesien. Ganz Sachsen ist von den Russen und Preussen befreyt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Heiß mit Donner und Regen. Das Malder Haber kostet hier 5 Reichstahler Köllnisches Maas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 14ten bis 24. – Sehr trocken, nordwindig-kalt. Am 25ten sehr heiß. Wir hofen sehr auf Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten, &amp;lt;u&amp;gt;Petri und Paul&amp;lt;/u&amp;gt; – Es ware sehr heiß, da regnete es eine Schauer, drauf erfolgte ein angenehmer Abend. Kornpreis hier Köllnisch Malder 6 Reichstahler 12 Stüber, Haber 5 Reichstahler idem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:July&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Es ist wieder nordwindig-trocken, obschon es alle Tage etwas weniges regnet. – Am 4. Juny ist zwischen den Franzosen ein Waffenstillstand bis zum 20. July geschlossen worden. Die Franzosen haben Hamburg, Magdeburg, Dresden etz. besezt. Die Russen und Preußen stehn an der Oder. Oesterreich rüstet sich indessen zum Krieg, und man fürchtet, daß diese Macht auf dem Fall, daß es nicht zum Frieden kommen sollte, sich gegen Frankreich erklären werde. Haber das Malder in Köln 5 Reichstahler 18 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Sehr heiß und trocken. Am 10ten Regen. – Am 8ten wurde von vielen Korn gehauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Durchtringender Regen. Am 13ten sehr heiß. Am 14. ein Gewitter aus dem Bergischen mit starkem Regen. Am 15ten Vormittag eine äusserst starke Regenschauer, welcher mehr als an die Wurzel gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten, 17. bis 18ten – Heiß. Man fährt Korn ein. Der starke Regen am 15ten hat vieles Heu verdorben. Es hat in Tausende von Hausten bis in die Mitte durchgeregnet, und weil der Regen anhielt, so ward schon vieles faul. Am 20ten viel Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten und 23ten – Heiß und schön. Heut ist viel Korn eingefahren worden. Am 25ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Es ist schönes Beuwetter, jedoch ist man noch lange nicht mit dem Korn fertig. Es ist aber auch entsetzlich viel Stroh, so daß jederman es nicht unterzubringen weis. Das neue Korn gillt in Kölln 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten August – Es ware sehr heiß, als ich heute um den Mittag die Kayserin von Frankreich zu Kölln in den Wagen steigen sahe. Sie hatte in Maynz eine Zusammenkunft mit dem Kayser Napoleon gehabt, worauf dieser wieder nach Dresden und sie nach Paris giengen. Der Waffenstillstand ist bis zum 15ten August verlängert. Korn in Kölln 19 Gülden, Weitzen 7 Reichstahler. – Der Wafenstillstand ist bis 15. August verlängert worden. – Am 8ten und 9ten Regen, bis 15ten schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Nordwindig-trocken. Kornpreis in Kölln 4 Reichstahler 20 Stüber, in Neus 5 Reichstahler. Die Sommergerst gillt in Kölln 2 Reichstahler 42 Stüber. Es heist, die Stadt Kölln soll zur Festung umgeschaffen werden. Heu das 1.000 Pfund 6 Reichstahler 50 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Der Wind ist noch immer aus Norden. Haaber wird eingefahren. Heute wurde von dem Sousprefect in Kölln die hiesige Gemeinde-Länderey verkauft. Der Posthalter kaufte die oberste Drenk mit 2 anschiessenden Stückern. Auch wurden noch einige Kleinigkeiten verkauft. Das Meiste aber wurde untengestochen, weil niemand darauf bothe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[398]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Heut morgens 8 Uhr brennten auf dem Lieverges-Berge zu Worringen zwey Häuschen ab. Es war Staubregen. Deswegen konnte man nur etwas Rauch sehen, und wir glaubten, es wäre der Worringer Ziegelofen am brennen. Späther schickten wir eine Btrandspritze hin, welche halbweg umkehrte. Die Leuthe hatten einen neuen Backofen gemacht, denselbigen mit Stroh gedeckt und diese Nacht ausgebrennt, um die Kirmesweck darin zu backen, wodurch das Stroh sich entzündete, welches an’s Haus angebauet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 6ten – Warme, trockne Tage. Alles wird dürre, man hoft auf Regen. Seit dem 17ten August hört der Waffenstillstand auf. Die Franzosen haben Dresden bevestigen lassen. Der Kayser schluge die Russen, Preußen und Österreicher über Görlitz nach Schlesien zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten September – Dieser Monath ware meistens trocken und schön, erst am Ende erhielten wir etwas Regen. Die verbündete Mächte haben einigemahle bald den rechten, bald den linken Flügel der französischen Armee geschlagen. Der Kayser Napoleon steht schon seit einem Monath mit seiner ganzen Armee bey Pyrna und hauptsächlich in Dresden. Kornpreis in Kölln 4 Reichstahler 36 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Diese Täge waren meistens naß, und heute stürmt es bey starkem Westwinde, obschon es morgen Kirmes ist. Das Malder Haber gillt 2 Reichstahler. Kosacken-Korps haben sich hinter die französische Armee verbreitet. In Hessen-Kassel hatten sie beynah den König von Westpfahlen, Hieronimus Napoleon, aufgehoben. Deswegen kommen seit dem 5ten ausserordentlich viele Flüchtlinge über Düsseldorf und Wesel hierdurch, so daß alle Wägen hier am Posthause wenigstens 24 Stunden auf Pferde warten müssen. In Benrath und Düsseldorf ist schon alles eingepackt. – Runkelrüben der Centner am Rhein 24 ½ Stüber, die weisse und rothe zu 20 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Der erste und dritte Kirmestag waren mittelmässig Wetter. Des Montags ware so ein Wind und Regen, daß kein Mensch vor die Thür gehen konte. Überhaupt ware die Kirmes sehr schlecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Vier Tage ware es sehr schönes Wetter. Heute ist’s nordwindig-kalt. Korn in Neus 5 Reichstahler, Weitz 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Die verflossene Nacht hat es Eis gefroren. Am 28ten hat es den ganzen Tag geschneit. Die Rüben sind gut gerathen, sind aber noch fast alle im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Heut Mittag kamen 400 Mann Leibgarden vom König von Westfalen von Düsseldorf hier an. Der Stab und 100 Husaren blieben hier, der Rest gieng auf Worringen, Delven und Hakenbroich. Am 5ten morgens 8 Uhr verzohen sie auf Kölln. Der Kayser ist vom 15. bis 19. bey Leipzig und an der Saale hart geschlagen worden, so daß die Armee sich über den Rhein ziehen wird. Kornpreis 4 Reichstahler 40 Stüber in Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[399]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Es ist schönes Wetter. Indessen ware es seit lange nicht so unruhig als jetz: Flüchtlinge von jenseits füllen die Landstraße, tausend und abermahl tausend Blessirte kommen in Kölln an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Es herscht eine dumpfe Stille. Flüchtlinge eilen auf und ab, so daß man nicht weis, wo der Drang am stärksten ist. Gerüchte durchkreutzen sich und verschlingen eins das andere, ohne daß man eygentlich weis, woran man ist und wie die Sachen stehen. Bald heißt es, die Russen wären in Düsseldorf, bald der französische General Davoust (Prinz von Eckmühl) seye zu den Russen übergegangen, bald, der Kayser seye eingeschlossen oder in Maynz, oder man erwarte ihn in Kölln. Gestern ware ich noch in Monheim, wo man in banger Erwartung der Zukunft entgegen sieht. Man hatte schon einige Tage die Kosacken erwartet, und nun hieß es, es kämen noch 30 tausend Franzosen über Elberfeld auf Düsseldorf. Indessen stehen wieder heut zum erstenmahl französische Militaire als Vorposten auf dem diesseitigen Rheinufer; ein Zeichen, daß der Feind nahe ist. Worringen und Zons ist mit einigen Compagnien besezt, welche die Wachen am Rheine versehen. Dormagen ist davon noch frey. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten hatten wir über 100 Mann Kavallerie, von Düsseldorf kommend, logirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten und 9ten hatten wir jedesmal eine 100 Cavalleristen und soviel Infanterie, daß alle Häuser besezt waren. Wir haben jetz 130 Mann Infanterie für am Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten logirte das 24te Chasseur-Regiment hier. Es waren 180 Chasseur und sehr viele Ofiziere. Der General ware bey Herman Hambloch eingezogen; weil es ihm aber nicht gefiel, so gienge er auf Zons. Der Posthalter ist frey vom Logiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Ausser einigen Passanten und 150 Man für die Rheinwache wurde heute nichts logirt. Nur kamen 5 Chasseur zu Pferd für die Correspondenz hiehin. Gegen Köln, zu Deutz und Mühlheim, stehen fremde Truppen Schildwach. Auch wurden heut zu der auf der Piwip stationirten Infanterie-Wacht noch 5 Cavalleristen directe vom General geschickt, welche da verbleiben sollen. Korn in Kölln 5 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 40 Stüber, das Pfund Café 68 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Heut 11 Uhr sahe ich einen russischen Kosacken an der Kapelle zu Monheim zu Pferd. Nach dem Mittag ware ich lange mit der Perspective an der Piwitt. Man sahe aber keine feindliche Truppen. – Die Hakenbroicher und Delver müssen Holz aus dem Busch für die hiesige Rheinwachen im Busch abhauen und hiehinfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Wir haben 60 Mann für die Rheinwachen und 8 Chasseur für die Correspondenz hier logirt. Es zieht nichts mehr die Strassen, jedoch sind gestern 6.000 Man von oben herab nach Kölln gekommen. Am 13ten wagten sich 45 Russen und Kayserliche im hellen Nachmittag am Mühlheimer Häuschen in 3 Nachen auf diesseit des Rheins. Die französische Wache, welche daselbst aufgestelt war, nahm die Flucht. Die Kosacken nahmen 4 daselbst wandelnde Bürger mit nach der andern Seithe. – Der Kayser ist nach Paris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[400]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Daß Wetter ist entsezlich stürmisch. Schnee und Regen wechseln ab, und die Wege sind äusserst schmutzig. Gestern und heute zohe viel Volk auf und ab. Wir bekamen ein ganzes Bataillon hieher, daß aber nur aus 130 Mann bestunde, so sehr hat das Regiment bey Dresden und Leipzig gelitten. Jenseit des Rheins sieht man selten einen feindlichen Soldaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Gestern Abend 5 Uhr kamen die Quartiermacher von einem Bataillon, 600 Mann stark, hier an. Die Truppen kamen erst um halb eilf. Da es den ganzen Tag gräßlich gestürmt hatte und viel Regen gefallen war, so musten wir die Truppen alle hier behalten. Sie betrugen sich doch gut, obschon alle Häuser besezt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten, &amp;lt;u&amp;gt;Samstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Am Abend kamen 3 Bataillon von Kölln hieher, nach Horm kamen wohl 200 Artillerie-Pferde und nach Hakenbroich noch späth ein Bataillon. Es wurden hier ungefähr 2.200 Man logirt. Der General Marie blieb im Posthaus. Da wir die Truppen mit Fleisch und Brodt beköstigen musten, so gabe es in einigen Häusern Disput. Korn in Köln 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten zohe alles fort, nur blieben 2 Compagnien für die Rheinwacht hier. Den ganzen Tag muste ein Soldat auf dem Kirchthurm oben im Thurm in dem Dachfenster Wache halten, und des Abends waren 40 Mann unten im lezten Hause bey Dütz auf dem Tanzsaal schlafen, um bey einem Ueberfall beysammen zu seyn. – An der Piwip sind 20 Husaren logirt. Der Bewohner Engel Kranz hatte sie einige Tage beköstiget, da brachte der Maier von Worringen es dahin, daß der Maier von Dormagen die Piwip fournieren solle. Es bestand in 20 Rationen Fleisch, Brodt, Brandwein, Fouragen, Salz, Holz und Wein für den Oficier. Der hiesige Maier supplicirte aber an den General, und nun muß Worringen wieder die Piwip fournieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Am Abend bekamen die hiesige 2 Compagnien Ordre, gleich auf Neus zu marchieren. Die Nacht hatten wir keine Soldaten im Dorf, nur die Douanen und 20 Husaren an der Piwip thaten die Wachen am Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten und 24ten musten des Nachts 20 Mann am Rheine auf die Wache ziehen. Ich visitierte gestern Abend späth noch die Posten. Man sahe jenseits kein einziges Wachtfeuer, die hiesigen hingegen loderten hoch auf. – Gestern passirte der Herzog von Tarent (General Macdonald) hiedurch aur Clev. Ihm folgte viel Kavallerie. Korn in Kölln 5 Reichstahler 12 Stüber, Haber 11 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. und 26ten – Angenehm Wetter. Es passirt noch viel Volk herab. Indessen haben wir noch keine stete Einquartierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten hatten wir ein Regiment Cavallerie mit dem Stab logirt. Obschon das Regiment nur aus 130 Mann bestand, so machte doch die Menge Ofizir, daß alle Häuser voll wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sontag, den 29ten logirte ein General am Posthause und 1 Regiment im Dorf, Hakenbroich 1 Regiment, Straberg und Delven mit Knechstein 1 Regiment, Nivenheim ein Kanonenpark. Es hat recht gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[401]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten kamen 7 Regimenter hieher. Allein, einige waren 50, andere nur 6 Mann stark mit den Ofizieren. Es ist unglaublich, wie die Armee zusammengeschmolzen ist. Man sollte glauben, es müste Friede werden. – Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1., Mitwoch – Heut wurden ungefähr 30 Dragoner als Garnison hier einlogirt, in Zons und Worringen bekamen sie nebstdem noch Fußvolk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten, &amp;lt;u&amp;gt;donnerstags&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen 10 Uhr kame ein Ofizier von unten auf und begehrte eine Karrig auf Kölln. Er sagte, die Preußen sind zu Grimlinghausen über den Rhein. In dem Augenblick kame der Bruder des Herrn Gerichtschreibers Busch von Zons und sagte das Nähmliche. Wie ein Blitz verbreitete sich diese Nachricht durch’s Dorf. Alle Bewohner standen auf einmahl auf der Straße. Es herschte dabey eine Todte-Stille. Die Nachbahrn liefen zusammen und staunten sich ängstlich an. Ich stieg auf den Kirchthurm und sahe französische Reiter und Fußvolk auf dem Judenberge zwischen Zons und dem Stüttchens-Busche. Es kame Infanterie von unten auf, welche in Nivenheim etz. geschlafen hatten. Drauf kame ein General von Zons gesprengt, welcher sagte, daß schon zu Grimlinghausen 3.000 Mann herüber wären. Um 11 Uhr kamen unsere Gensdarmen von einer Recognoscirung zurück und sagten, daß alles nur ein blinder Lärm gewesen, das zwar 2 Nachen Kosaken zu Walscheid gewesen, daß sie aber wieder auf die andere Rheinseithe zurückgegangen. Nun wurde alles wieder ruhig, und man lachte über die Geschichte. Um halb zwölf kamen aber blessirte Dragoner, welche aussagten, daß die Stadt Neus schon von Preußen besezt seye. Es kamen einige blessirte Franzosen. Da musten die hiesige Dragoner alle aufsitzen. Es kame ein General de Division hier von Kölln an. Einige 100 Infanteristen wollten nach Neus. Der General gabe Ordre, daß sie hier Biletter bekamen. Ehe sie aber in ihren Quartieren waren, da musten sie auf Kölln, weil sie keine Patronen hatten. Unsere und die Worringer Dragoner musten auf die Heyde. Da kame am Abend ein Bataillon von oben herunter, welche hier logirt wurden. Abends 10 Uhr wurde Kavallerie von Merkenich, Niehl etz. einlogirt. Alle Bewohner des Dorfs wurden auf die Wacht gebothen: ein Drittel in den Pflug, ⅓tel beym Maiere und ⅓tel an Küppers. Bürger und Soldaten patrollierten die ganze Nacht, und alles blieb ruhig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freytag, den 4ten – Früh kamen verschiedene Generäle an, doch blieb alles in Cantonierung bis Mittag. Es kamen 2 Bataillons von Kölln, welchen nebst den hiesigen 30 Maaß Brandwein ausgetheilt. Auch kamen 5 Kanonen, ein Bomben-Mörser und verschiedene Kavalleristen, unter andern ein starkes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[402]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1813&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Detachement Kürassier an. Da sezte sich um 1 Uhr alles in Marsch. Man bekame Nachricht, daß die preußischen Vorposten zu Grimlinghausen auf der Erft-Brücke ständen. Man vernahm von Neus, daß der ganze Betrag der ausgeschiften Preußen sich an 1.500 Mann Fußvolk und 120 Pferde ohne Kanonen beliefe. Am Abend hörten wir einige Kanonenschüsse. Es kamen noch 250 Mann Fußvolk, welche sich oben und unten dem Dorfe lagerten. Ihnen wurde jedem 1 Schoppen Bier und eine Butteramme gebracht. Späth erhielten wir die Nachricht, daß beyde Armeen sich am Thor zu Neus geschlagen hätten, daß die Franzosen nach Grimmlinghausen und die Preußen sich in Neus zurückgezogen hätten. Die Nacht wurde wieder patrouillirt, doch waren nur 36 Mann aufgebothen. Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten, &amp;lt;u&amp;gt;Samstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Es wurde 10 Uhr, ehe wir etwas von der Armee vernahmen: Da sprengte ein Chef de Bataillon hiedurch, welcher aussagte, daß Neus eingenohmen und die Preußen sich die Nacht wieder über den Rhein gemacht hätten. Um den Mittag kamen die Dragoner wieder zurück und nahmen ihre alte Quartiere ein. – Henrich Fasbender, der Eydam des Herman Burbach, hatte vor 9 Wochen und vier Tagen einen Schäfershund aufgefangen. Er wollte selbigen seinem Vater in Monheim bringen, welcher Schäfer ist. Unterwegs riß der Hund sich loß, biß seinen Führer und nahm die Flucht. Dieser suchte die gewöhnliche Mittel nach, welche die katholische Religion vorschreibt, welche er genau erfüllte. Indessen hatte er Zweifel an der Ächtheit und nahm als Gegenmittel medicinische Pulver von einem reformirten Prediger aus dem Bergischen. Darauf ward er vor vier Tagen rasend und starb gestern Abend. – Es ware gut, daß wir trocken Wetter und des Abends bis späth in die Nacht Mondlicht hatten. – Heut stellt sich Thauwetter ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten und 6ten – Es sind circa 50 Dragoner im Dorf logirt. Sie betragen sich sehr gut, und der Commendant ist ein kreuzbraver Mann: Er weiset alles ab, was keine Ordre, hier zu logiren, hat. Es ist schönes Wetter mit etwas Nachtfrost, welches besonders gut ist, weil man die so häufig gerathene Rüben noch nicht alle herein hat. Korn in Kölln 18 Gülden, Weitz 6 Reichstahler 40 Stüber, Haaber 11 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Seit 2 Tagen friert es stark. Es ist jetz ziemlich ruhig auf der Straße. Die Franzosen stehn bis Nimwegen. In Holland machen die alliirte Armeen Fortschritte auf Antwerpen&amp;lt;ref&amp;gt;Es folgt ein unklares Kürzel.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Gestern thauete es auf. Der General Macdonald steht noch in Clev, hingegen rücken die Alliirte in Brabant, und man ware von jener Seythe in Aachen für einen Überfall bange. 1.000 Pfund Heu kosten hier 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[403]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten December – Es ist dunkel ohne Frost und Regen. – Die alliierte rußisch-österreich und schwedische Armee steht von Holland aus über das rechte Rheinufer durch Italien bis Venedig. In Italien und in Holland scheint ihre Hauptstärke zu seyn. – Haber 11 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Seit 3 Tagen hat es stark gefroren. Korn in Kölln 5 Reichstahler 24 Stüber, Weitz 6 Reichstahler 40 Stüber. – Das scheidende Jahr hat an Fruchtbarkeiten wenige seines gleichen: Mehr wie 30 große Fruchtbärme standen vor dem Dorf, welche noch nicht alle hereingebracht sind wegen Mangel an Platz in den Scheuren. Wir haben circa 50 Dragoner hier logirt, welche die Wachen am Rheine versehen. Sie betragen sich äusserst gut. Die Delver und Hakenbroicher müssen für sie Holz aus dem National-Busch hiehinbringen. – Der Kayser von Frankreich hat 300.000 Mann von 22 bis 32 Jahren auszuheben beschlossen. Hiervon sind aber die 4 Departemente am Rhein ausgenohmen. Indessen meldet heute Abend die Zeitung, daß 160 tausend Österreicher und Bayern durch die Schweitz in Frankreich eingetrungen sind. Die alliirte Nordarmee steht bey Breda und die Franzosen in Nimwegen. – Nie war die Polizei so scharf. Der Engel Kranz, welcher auf der Piwippe wohnt, wurde am Kristtag arettirt und ins Innere von Frankreich geführt, weil er über den Rhein mit dasigen Bürgern gesprochen hat. – Die Contribution ist erhöhet, und wir haben schon über 4.000 Rationen Heu, Haber, Fleisch und Brod an die Truppen gegeben. Auch müssen wieder Pferde geliefert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1814 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[404]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die Gegenwart geht mit der Zukunft schwanger, und die Zeit der Entbindung kann nicht fern seyn. Große Dinge werden gebohren werden, und man schaudert voll Erwartung der Dinge, die da kommen sollen, wenn nicht das Sehnen so vieler Milionen erfüllet wird. – Friede, süssester unter allen denkbahren Gedanken, ist die einzige Hofnung, die uns die Gegenward erträglich macht. Der Kayser von Frankreich biethet alles an, was zu diesem Zweck einigermassen führen kan; er will Opfer bringen, die kein Mensch früher zu denken wagte. Vielleicht ist die Zeit nahe, wo ein allgemeiner Friede die Welt beglückt. – Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Der Senat und das Gesetzgebungs-Korps haben Landsturm beschlossen. Auch sollen Kohorten von Nazional-Garden in allen Bezirken errichtet werden. Senatoren werden mit ausgedehnten Vollmachten in die Departemente geschickt, um alle Mittel anzuwenden, das Vaterland zu retten. Alles steht ihnen zu Geboth; selbst die Militär-Macht muß ihre Decrete ausführen helfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Diesen Mittag kamen einige 100 Preußen bey Kölln am Mühlheimer Häuschen in Nachen herüber, um die dortige Batterien zu zerstöhren, woran viele Bauern arbeiteten. Sogleich strömten beynahe 1.000 Franzosen am Eygelsteins-Thor heraus, und die Preussen flüchteten in die Nachen. Der Commendant und viele ertranken, 30 oder 60 wurden zu Gefangenen gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Nachmittags 4 Uhr starb meine Schwester Anna Margaretha Delhoven im 61ten Jahre unverheyrathet. Sie hat tausend Reichstahler zur Stiftung der Antonianischen Andacht vermacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten, 7ten – Dunkel und naß. 8ten starker Frost. – In der Nacht vom 6ten auf den 7ten blies um 12 Uhr der Trompetter. Die Dragoner musten die Pferde satteln und eine Wache am üntersten Ende des Dorfs aufstellen, weil ein Douanen-Capitain gesagt hatte, daß die Russen in Neus wären. Dieser Capitain kame späth von Dormagen. Nächst bey Neus begegnete ihm ein Bauer mit einer Kuh. Auf die Frage &amp;quot;Wohin für Dich?&amp;quot; antwortete der Bauer in gebrochenem Französisch, daß er eine Kuhe dem Metzcher Rüssgen auf dem Markt in Neus verkauft habe, und da er nun an das Thor komme, habe man ihn nicht hereingelassen, da doch der Metzcher Rüssgen die Kuhe morgen schlachten müsse. Der Capitain verstand aus dem &amp;quot;Rüsgen in Neus&amp;quot;, die Russen wären in Neus, galloppirte hieher und machte den Lärm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[405]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Diesen Mittag hörten wir stark Kanonieren, von oben her. Es ware nicht möglich, daß es von einem Übergang der alliirten Truppen herkame, weil der Rhein dicht mit Eiß trieb. In Zeit von einer halben Stunde vernahmen wir, daß die Franzosen auf die jenseits dem Kasselberg liegende Nachen schossen, um solche zu zernichten. Diesen Abend kamen noch 260 Man Fußvolk hier ins Logis. Sie gehn auf Neus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Man vernahm, daß die Alliirte in Rheinberg seyen. Diesen Abend wurden die hier liegende 15 Dragoner mit Kranken und allem nach Kölln berufen. Auch die Gendarmen musten die Nacht noch fort, und der Douanen-Receveur erklärte, daß von nun an der Maier die Pasavants gebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Die verflossene Nacht giengen die Douanen und alles fort. Als der Tag anbrach, da ware kein Franzos mehr im Dorf. Um 8 Uhr passirten noch die Dragoner, welche in Zons und Sturzelberg gelegen hatten. Obschon der Rhein dicht mit Eis triebe, so hatten sich doch mehrere tausend Kosacken zu Düsseldorf eingeschift, welche zu Neus landeten. Die Franzosen in Neus, Crefeld etz. giengen auf Gülich. Die Kosacken betragen sich sehr gut. Viele musten schon von Neus aufbrechen und die Gülicher Straße einschlagen. Auch wurden Patroullen geschickt nach Zons, Stürzelberg etz., doch kamen keine hieher. Am Abend kame der Jacob Cremer und ein Knecht des Herrn Fischer zu Goussenhoven von Neus zurück und beruhigten uns für die Ankunft der alliirten Truppen. – Sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Am Abend kamen 12 Kosacken von Worringen herab hierdurch. Sie giengen auf Neus, ohne hier still zu halten, waren aber doch sehr freundlich und küsten junge Weiber und Mädcher auf der Straße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Um die Mitternachtsstunde kamen die Kosacken wieder von Neus zuruck. Sie tranken Brandwein beym Maier. Auch hatten sich ihrer 10 mit einem Capitein unten im Dorf bey Haas gelagert. Um 4 Uhr diesen Morgen brachen sie auf nach Kölln. – Am Abend kamen wieder 11 Kosacken mit einem Ofizier von Neus unten bey Müller. Sie foderten eine Chaise mit 2 Pferden. Ich gienge als Bruder des Maier zu ihnen, lies ihnen Wein, Brandwein und Fleisch geben. Sie waren sehr artig und ritten um 8 Uhr auf Kölln. Rebellische Bauern mishandelten den Gerichtschreiber und Huissier. Unter diesen waren an der Spitze: Michael Kranz, Christian Schmitz (der Metzcher), Wilhelm Bremer Sohn, Adolf Koenen, Wilhelm Nusbaum etz. Sie hohlten dem Friedensrichter zu Delven auf seinem Gut Pferd, Karre, einige Säcke Haber etz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[406]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Etwas Frost und Schnee. – Zu Neus und Kölln passiren viele Kosacken. Es geht alles über Bergheim und von Neus auf Elsen, um Gülich abzuschneiden. Wir wohnen einstweilen sehr gut allhier, weil wir keine Einquartirung haben. – Heut hielten sich die hiesige Rebellen still, doch ward in den Wirthshäusern Tag und Nacht gesofen. Die Zonser hatten dem Friedensrichter die Schaafe gehohlt, welche er zu Delven auf der Zonserfuhrt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Schnee und Thauwetter. – Heut Abend erhielt der Maier eine Ordre vom General-Gouvernement, welche er noch am nähmlichen Abend in allen Wirthshäusern publizieren lassen muste, des Inhalts, daß jeder sich ruhig verhalten und daß die Stöhrer und Frevler von National-Waldungen ihrer gerechten Strafe nicht werden entgehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Am Abend kamen 7 Kosacken mit einem Ofizier und 2 Karren. Sie hatten Pulver geladen und wurden hier einlogirt. Der Posthalter bekame den Ofizier mit einem Kosacken. Sie betrugen sich doch sehr gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Heut passirte ein Kosack, dem zwey Pferde gegeben werden musten. Am Abend wurde einer einlogirt. Am Abend fiel Schnee. – Die 100 Pfund Heu kosten hier 10 Reichstahler, das Korn in Köln 5 Reichstahler 24 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Die Nacht hat es gefroren. Der Rhein passirte gestern dicht mit Obereis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Am Abend trieb der Rhein schon unserm Dorf vorbey bis an die Landstraße, obschon es die Nacht kernhaft gefroren hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Starker Frost. Die Franzosen halten sich noch in Gülich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Der Rhein treibt dicht mit neuem Eis. Es ist keine Nachfrage nach Früchten, weil der Rhein noch durch die Blokade von Wesel gesperrt ist. Eine österreichische Armee zieht über Dion, Langres etz. auf Paris. 26. und 27. Schnee und Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Thauwetter. Das Korn steigt. Hier kostet das Malder Neusmaas, nach Zons geliefert 6 Reichstahler 18 Stüber, Haber in Neus 3 Reichstahler 7 ½ Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Eine Nacht friert es etwas, und dan thauet es wieder. – Die alliirte Armee steht zu Nancy und Langres, die brabantische in Lüttich. Gülich hällt sich noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten, &amp;lt;u&amp;gt;als am Lichtmeßtage&amp;lt;/u&amp;gt; – Der gichtrische Herr Pastor hielt zur Noth die Frühmeß. Der Kaplan Herr Breuer ist schon seit 3 Wochen krank. Nun liegt auch unser Herr Vicar Peter Josef Schmitz seit gestern Abend zu Bett. Mithin hatten wir heute keine zweite Messe. Der Pastor, welcher um 10 Uhr die Lichtmeßkerzen segnen wollte, muste um diese Stunde nach Horm sich zu den Kranken fahren lassen. Kalt und viel Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[407]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Der Christian Schmitz, Michel Kranz, Henrich Nusbaum und Johann Annas hatten am 16ten des vorigen Monaths dem Friedensrichter auf der ihm zugehörigen Zonser Furth zu Delven fast alle Meublen gehohlt. Währender Zeit formirte sich ein Klub in der Gemeinde, der aus den Vornehmsten bestand. Sie beschuldigten den Friedensrichter allerhand Sachen, unter andern, daß er bey den Franzosen den Spion gegen die Alliirte gemacht etz. Zugleich wollten sie auch den Maier absetzen. Indessen hatte der Friedensrichter seine Klage am Tribunal in Kölln eingebracht. Der Commendant von Klemmert in Kölln gab vorgestern dem Friedensrichter 4 Kosacken mit, um die oben benennte Thäter zu arretiren. Kranz und Schmitz nahmen die Flucht, Nusbaum und Annas wurden heute auf Kölln geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Es regnet ein Tag, dan folgt wieder Schnee und Frost. Täglich ziehen jetz russische und schwedische Truppen zu Kölln und Xanten über den Rhein. Die Armee in Brabant dringt auf Brüssel, die Österreicher, welche durch die Schweitz gekommen sind, ziehn über Chalons auf Paris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. und 11ten – Angenehme Tage. Es sangen die ersten Lerchen. Am 10ten abends kame der schwedische Kronprinz (ehemals der französische General Bernadotte) in Kölln an. Die Stadt ware illuminirt, das Rheinufer mit Pechkränzen erleuchtet, und zahlreiche Kanonensalven zu Deutz und Kölln unter dem Vivatrufen mehrerer tausend Menschen und einer köllnischen, russischen und schwedischen Musick schaften einen sonderbahren imposanten Anblick. Es waren so viele Truppen jenseits, daß die ganze Nacht übergefahren werden muste. – Am 12ten und 13ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Gestern schrieb der Maier von Neus an den hiesigen Maier, daß er 60 doppelspännige Karren vor heute bereit halten soll, um schwedische Truppen fortzubringen. Der hiesige Maier antwortete, daß die Karren durchfahren müsten. Am dunkeln Abend kamen die Truppen an. Die hiesige Pferde waren alle versteckt. Die Bauren wollten nicht weiter fahren und waren sehr frech. Die schwedische Soldaten betrugen sich ausserordentlich gut. Starker Frost. Kornpreis 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Es friert anhaltend so stark, daß der Rhein dicht mit Eise geht. Der Kronprinz von Schweden ist noch immer in Kölln. Deswegen sind schon seit seiner Ankunft daselbst aus allen Gemeinden viele Dienstpferde zu dessen Abfahrt in Kölln aufgestellt. Auch unser Posthalter hat seit dem 10ten dieses 12 Postpferde zu Kölln stehen, welche nichts verdienen und viel verzehren. – Die alliirte Armee hat die Franzosen bey Brienne in Frankreich geschlagen und rückt über Sens auf Paris. – Haaber 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[408]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Es friert noch immer anhaltend und so stark, daß noch immer Eis im Rheine ist. Der Mangel an Kohl und Geriß ist bey Arm und Reich äusserst drückend. – Täglich passiren zu Düsseldorf und Kölln viele Truppen, jetz meistens Schweden, die sehr gesittet sind. Die Armeen schlagen sich bey Troyes täglich, Napoleon hat die Armee aus Spenien an sich gezogen und wehret sich hartnäckig. – Kornpreis hier Neusmaas 6 Reichstahler 15 Stüber, Heu 11 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Heut Nachmittag 4 Uhr kamen 10 russische Cosaken von Köllen bey den Maier und fragten nach Neus. Sie tranken und assen. Überdem kamen noch 600 zu Pferd an, sprachen mit den ersten und begehrten Logement. Der Maier brachte es doch soweit, daß nur 200 hier blieben, die übrigen wurden nach Zons, Hakenbroich und Delven verlegt. Sie hatten sich verritten und musten wieder hinauf über Düren nach Aachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Es ist noch eben kalt, und dieser Monath könnte für dem December bestehen. Kornpreis hier Neusmaas 6 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler 50 Stüber. – Vorgestern ist Michael Kranz (siehe 5ten Februar 1814) zu Kölln verhaftet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Es ist noch über 2 Fuß tief in die Erde gefroren. So anhaltend und stark für diese Jahrszeit that es das seit meinem Gedenken nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Diesen Abend ward es gelinder. Am 22. und 23ten warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Der Frost geht aus der Erde, ohne daß es einen Tropfen geregnet hat. In den Gärten ist noch nichts gegraben, und heute gienge der erste Pflug zu Felde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten, samstags Nachmittag wurden Billetter gemacht für 400 Mann Landwehr aus dem Nieder-Bergischen. Es kame doch nur eine Compagnie von 150 Mann. Sie waren ziemlich insolent und kostspielig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten, &amp;lt;u&amp;gt;sontags&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut 5 Uhr fienge das zu Erhaltung des Friedens und Wieder-Einsetzen des Pabstes ausgeschriebene 40-stündige Gebeth an. Es ware kaum halber sechs, als in der Scheure des Herrn Vicarius Feuer ausbrach. Der Anton Schmitz rief die Leuthe aus der Kirche, die Soldaten kamen herbey, und augenblicklich waren eine Menge Menschen versammelt. Der Wind ware still und trieb auf Nivenheim. Da aber die Scheuer des Vicar sehr hoch und voller Stroh war, so fiengen die Ställe und das bis an die Straße mit Stroh gedeckte Backhaus an zu brennen. Zugleich fiengen die diesseits auf die Kirche hin liegende Scheuren des Reiner Mick, des Wilhelm Langenfeld und abwärts die Scheuren des Josef Schmitz und jene der Erben Reiner Zander Feuer und wurden der Erde gleich gemacht. Es ist kein Vieh verbrennt. Und als die 6 aus der Nachbarschaft ankommende Brandspritzen hier waren, da ware schon dem weiteren Einreissen der Flamme Einhalt gethan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[409]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten April – Diesen Abend 8 Uhr hörten wir abwärts in Neus und Düsseldorf Kanonieren. Etwas späther läuteten zu Zons alle Klocken. Der Bürgermeister schickte eine Ordonanz nach Zons, welche die Antwort mitbrachte, daß Paris von den Alliirten eingenohmen seye. Sogleich wurden hier die Böller gelöset. Darauf läuteten alle Klocken. Der Vicarius gab um halb 11 die Benediction und stimmte das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; an. Das Klockengeläute, Schiessen und Beyeren dauerte bis des Morgens 4 Uhr. – Warm Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten, Gründonnerstag, bekamen wir 40 Kosaken mit 50 Pferden blos für &amp;lt;u&amp;gt;Dormagen&amp;lt;/u&amp;gt; in Kantonirung; alle benachbarte Gemeinden bekamen deren ebenfals, welche liegen bleiben. Kornpreis 6 Reichstahler 18 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostermontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Verflossene Nacht um 12 Uhr kame ein Kourier mit der Nachricht, daß Napoleon gefangen, die französische Armee die Waffen abgelegt und daß der Friede unterzeichnet ist. Sogleich wurden die Klocken geläutet und mit den Böllern geschossen. Auch giengen gleich in der Nacht Expressen nach allen Gemeinden des Kantons, welche diese Nachricht kund thaten. Der Pastor von Zons gienge mit dem Hochwürdigen Prozession durch alle Gassen der Stadt, alle Bürger begleiteten den Zug mit Kerzen, so daß kein Pfund mehr in der Stadt zu haben war. An dem Kreutz vor dem Rheinthor wurde Station gehalten, und erst als der Tag anbrach, kehrten sie zur Kirche zurück. – Kornpreis hier 6 Reichstahler 10 Stüber Neusmaas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Dominica in albis&amp;lt;/u&amp;gt; – Gemäß Befehl des Herrn Kreisdirektoren muß heute allenthalben das Fest der Einnahme von Paris gefeyert werden. Wir hielten Hochamt mit Paucken und Trompetten und nachdem &amp;quot;Te Deum&amp;quot;. Des Abends war Ball in Panneshaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Es ist anhaltend schönes Wetter. Die am 7ten hier in den Kanton gequartierte Kosacken sind den 16ten nach Hülchrath, Evinghoven etz. verlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Einige Tage ware es kühl und naß, welches man für das Feld zuträglich hällt, da bey den warmen Tagen das Korn spitz aufschoß. Verfloßenen Sonntag hielten die Zonser ihre Gottestracht wie vor Alters sehr feyerlich. Des Abends waren alle Häuser in der Stadt illuminirt, und vor dem Feldthor wurde ein Feuerwerk abgebrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Die Kirchmeistere fragten vor einigen Tagen beym Herrn Pastor an, ob er erlauben wolle, daß am heutigen Tage Prozession gehalten werde, weil der Bürgermeister zur Feyer der Einnahme von Paris ein Fest halten wolle. Der Pastor erklärte, daß er selbst das Hochwürdigen austragen wolle. Es wurden Anstalten gemacht, Herr Rekinger von Knechsteden bestellt, Musicanten accordirt und alles angewendet, um dieses religiöse Fest mit unserer alten Gottestracht zugleich zu feyern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten Mey, &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt; – Allein, gestern Nachmittag, als der Hülfsgeistliche ankam, läugnete der Pastor die den Kirchmeistern und mehreren andern gethane Erklärung; und weil die General-Vicarien von Aachen noch vor 14 Tagen das Processionen-Gehen verbothen hätten, so protestierte er gegen die zu haltende Gottestracht. – Die ganze Gemeinde war unwillig. Man beschloß dennoch, die Procession zu gehen. Nach dem hohen Amt zohen wir ohne Geistliche aus, an der Lämbchens-Station beteten wir 5 &amp;quot;Vater unser&amp;quot;, von da gienge der Zug um das Dorf, auf Horm, neben der Windmühle vorbey. – 8 zurückgekommene Soldaten begleiteten die Procession unter Anführung des Commendanten Lützenrath. Jacob Cremer trug eine eigends verfertigte große dreyfarbigt alliirte Fahne. Die Soldaten feuerten bey jeder Station. Das Wetter ware sehr schön und die Procession zahlreich. Hier ward mit Böllern gefeuert. Die Hormer hatten solche ebenfals gleich nach dem Auszug der Procession dahin bringen lassen, wobey auch 7 Hormer Jungen aus Flinten feuerten. Düsseldorfer Musikanten spielten bey der Procession, die in schönster Ordnung unten am Dorf einzohe. Wie wir auf den Kirch-Hof kamen, da empfieng uns der Pastor mit dem Venerabel. – Abends waren fast alle Häuser erleuchtet; besonders zeichnete sich jenes vom Maier, Steinberger und das Posthaus aus, wo die Nacht und ein Theil des 2ten Mey bis 7 Uhr getanzt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten, &amp;lt;u&amp;gt;Hagelfeyer&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Procession wurde nicht gehalten. Diesen Nachmittag kamen die Zonser mit einer transparenten Fahne, worauf eine Chicane gegen Napoleon angebracht war, hieher. Die hiesige Bürgerwache mit Gewehr und Fahnen, von der Musick und einer Menge begleitet, hohlten sie zwischen Walhoven ab. Am Abend wurde die transparente Fahne am Hause des Wirthen Rensing aufgestellt und rückwärts illuminirt. Um 8 Uhr, wie im Posthause alles am tanzen war, da hörte man Hülfe-Rufen. Die Fahne brannte fürchterlich und hatte mehrere Puppen am Dach gezündet, doch ward in Zeit von ein paar Minuten alles vorüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten bis 6ten – Nachtfröste. 7ten Regen. Kornpreis in Kölln 5 Reichstahler 7 ½ Stüber, Weitz 6 Reichstahler 20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Es ist kalt und nordwindig. Klee kann noch nicht wachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristi Himmelfahrt&amp;lt;/u&amp;gt; – Wir bekamen heut in die Maierie 150 Baskiren, eine Art von Kosaken. Sie wurden nach Hakenbroich und Delven verlegt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[411]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:so daß hier nur 150 Mann blieben. Den 20ten mittags kame die Ordre, daß sie fort musten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut kamen 130 Kosaken hieher. Die Halbscheid gienge nach Hakenbroich und Delven, und die Halbscheid bliebe hier. Im Posthaus, wo der Obriste logirte, gienge es toll zu. Der Obrist hat selbst einen Koch, welcher die Küche versieht. Die Gemeinde muß alle Tage 2 Masen Wein liefern. Sie bekommen 10 Pfund Heu und ein Viertel Haaber. Nach Horm ist durch ein Versehen nichts gekommen; dafür liefert Horm alle Tag 30 Rationen Heu und 30 Faß Haaber hieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Kalter Regen. Korn hier das Neusser Malder 5 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Die Kosaken kosten das Dorf entsetzlich viel: alle Tage 10 Malder Haber und 160 Rationen Heu zu 10 Pfund, wovon das 1.000 Pfund zu 10 Reichstahler 30 Stüber bezahlt wird. In allen anderen Gemeinden, als Zons, Worringen, Hakenbroich etz., müssen sie 15 Pfund Heu und 1 ½ Reichstahler, theils ein Faß Haber auf das Pferd, geben. Gemüß essen die Kosaken keins, ausser sauren Kappus, hingegen destomehr Fleisch. Brandwein trinken sie ohne Maas. Indessen ist hier im Dorf noch keiner von ihnen geschlagen worden, welches rund um her doch häufig geschieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten [Junius] – Heut Morgen 7 Uhr musten die Kosaken aus der ganzen Gegend fort. Seit lange ware es trocken und kalt. Fienge es auch zuweilen aus Norden zu regnen an, so nahme der schraffe Wind doch gleich wieder alles dürre. Erst heut Nachmittag fängt es aus Süden warm zu regnen an. Kornpreis hier 5 Reichstahler 30 Stüber, Haber 28 Schilling, 1.000 Pfund Heu 14 Reichstahler. 4ten warm und trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Acht Tage hindurch hatten wir die in Magdeburg eingeschlossene französische Garnison in verschiedenen Abtheilungen logirt. Sie gehn auf Metz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten logirten hier und in der Gegend 3.000 Sachsen. Sie waren kostspielig für den Bürger. – Zu Wien wird ein Congress eröfnet, wo die Angelegenheiten Deutschlands ins Reine gebracht werden sollen. Einstweilen besezt Preussen die hiesige Lande, und alle Abgaben fliessen in die Königliche Kasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten, 19ten, 20. und 21ten hatten wir Regen, doch ist solcher noch nicht an die Wurzel kommen. Kornpreis 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Überflüssiger Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten Julius – Der Kayser von Rußland soll morgen hier passiren. Dewegen sind 105 Pferde aus dem Kanton hier, worunter 8 Postpferde von Bergheim und 8 von Langenfeld mit einbegriffen. Am 3ten-4ten sehr heisse Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Heut um 1 Uhr passirte der Kayser von Rußland hierdurch. Schon seit dem 2ten ware es alle Tage voller Fremde hier, welche dieselbe sehen wollten. Alle Häuser waren mit Meyen gezirt und die ganze Strasse mit Laub und Blumen bestreut. Am Posthause presentirten 4 Kinder seiner Majestät einen Blumenstraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[412]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es waren die 2 Töchter des Bürgermeisters, Jacobina und Helena Delhoven, dann die zwey Töchter aus dem Posthaus, Catharina und Gertrud Sturm. Auch wurden 5 oberländische reisende Musikanten angehalten, welche während dem Pferdewechseln aufspielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten-14ten – Heisse Tage. Kornpreis 5 Reichstahler 50 Stüber, das 1.000 Pfund neue Heu in Kölln 11 Reichstahler 36 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Die ganze Zeit über ware es trocken, die 3 lezte Tage aber übermässige Hitze. Man hat, weil die Erndte späth gekommen, erst vorgestern angefangen, Korn einzufahren. Das meiste steht aber noch vest. Klee ware wenig und diese sehr schlecht. Die ausserordentliche Hitze hat vollends alles Futter verbrennt, so daß fast jederman Stroh für die Kühe füttert. Das alte Korn gillt kaum 4 Reichstahler 30 Stüber, neues ist noch kein gedroschen. Heut Mittag brachte ein Donnerwetter uns Regen, den wir so nöthig hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Das Korn ist noch nicht alle ab. Dieser Täge ware es schön Wetter, zuweilen ein wenig Regen. Seit 14 Tägen haben wir preussische Infanterie hier logirt; es sind bey 60 Mann. Sie betragen sich sehr gut. Das neue Korn gillt 5 Reichstahler 7 ½ Stüber, neuer Weitz 9 Reichstahler 20 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Donner mit Regen. – Der Kayser Napoleon, der auf der Insel Elba als souverainer Kayser regiert, hällt sich ruhig. Frankreich ist von alliirten Truppen verlassen, Holland durch den Prinz von Oranien, Brabant durch die Engländer und die nieder-rheinische Lande durch Preußen besezt. Es soll zu Wien ein Kongreß gehalten werden, welcher anfangs October von den alliirten Monarchen selbst besucht werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Plötzlich schluge das Malder Weitzen auf bis 10 Reichstahler 15 Stüber hier in loco. Korn hat sich auch bis 6 Reichstahler gehoben. Wir hatten eine Zeither nothdürftigen Regen mit schönem warmem Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten September – Nöthige Regen und kühl. – Weitz ist bis 8 Reichstahler 30 Stüber gefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. bis 17. – Sehr schöne Sonnentage. Kornpreis 6 Reichstahler 15 Stüber, welches rein ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten October – Es ist anhaltend trocken Wetter. Die Fourage ist so rahr, daß kein Mensch sich dessen erinnert. Das 1.000 Pfund Heu gillt 15 Reichstahler, in Kölln das Pfund Butter 29 Stüber. Das gesähete Korn kan nicht heraus kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Bis 14ten kälterich-trocken. Die Kirmes ware schön, aber doch nicht viel von Fremden besucht. Seit Anfangs August haben wir preussische Einquartirung. Die Ofizier waren viel bey der Musick im Posthaus und bey Perea in Panneshaus, die gemeine Soldaten aber durften nicht dahin kommen. – Weitzen-Preis 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[413]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Vor vierzehn Tägen hatten wir soviel Regen, daß die Saath heraus kommen kan. Seitdem ist es immer warm. Auch fängt das Rübkraut etwas an zu wachsen, welches bisher noch so klein war, das es ungebunden in Körbe gekrautet oder mit Säcken heimgetragen wurde. In Kölln gillt das Pfund Butter 30 Stüber. Die meiste Halfen müssen selbst die Butter kaufen, weil die Kühe Stroh fressen und weil jederman noch Einquartirung hat. – Kornpreis 6 Reichstzahler 15 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 28 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten, &amp;lt;u&amp;gt;Freytag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut Abend 6 Uhr, als wir bey Perea in Pannes-Haus im Zirkel unserer Abendgesellschaft sassen, hörten wir auf einmal draussen Lärm. So wie wir die Thüre öfneten, sahen wir, daß es die Scheure des Pannes war, welche in lichten Flammen stand. Der Wind kame vom Nöthstein und ware günstig, jedoch ergrif die Flamme sogleich die Scheuer des alten Posthauses, worin der Wilhelm Coenen und Wolter Schülgen mehr dan für tausend Reichstahler Frucht liegen hatten. In der Pannes-Scheuer hatte Peter Strak, Wilhelm Hövel, Johan Görges und Joan Boeser Frucht liegen und Letzterer mit Wilhelm Hövel heut bis 4 Uhr gedroschen. Vermuthlich ist eine Tabackspfeife liegen geblieben, denn angestochen ist es nicht. – Weil es noch anhaltend trocken ist, so ware das Wasser rahr. Zweymahl verstopften sich unsere Brandspritzen, weil wir aus Mistpfühlen schöpfen musten und viele Pumpen und Brunnen trocken waren. Der Rhein ist äusserst klein. Es komt kein Geriß, weil der Roerfluß ausgetrocknet ist. – Seit Ends September sind der Kayser von Rußland, der König von Preußen, Bayern, Würtemberg, Dännemark nebst vielen Fürsten und Großen in Wien, halten täglich Bälle und Lustbarkeiten, ohne noch den Congress eröfnet zu haben. Der französische Gesandte hat eine Note übergeben, und man fürchtet wieder neuen Krieg. Wir haben jetz den Obristen mit 14 Musicanten und etwa 20 Mann nebst 2 Ofizieren hier und in Horm und Rheinfeld, die sich gut betragen. Das 1.000 Pfund Heu gilt 13 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 30 hier, Weitz 8 Reichstahler 20 Stüber, Haaber 26 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Noch immer ohne Frost mit wenig Regen. Indessen ist der Rhein gewachsen, das jetz erst schwarzer Brand herauskommen kann, woran bisher drückender Mangel ware. Viele Ackerleuthe haben bey dem trockenen Herbst ihre Consumption zu Eschweiler gehohlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[414]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1814&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Die Tochter des ehmaligen Scheffen Küpper hatte früher den Herman Müller von Mühlheim an der Ruhr geheyrathet, welcher Protestant ware. Dieser starb und wurde am Sontag Nachmittag auf dem Kirchhof in der Hütte am Beinhaus begraben. Die Nachbarn geleiteten die Leiche, doch ohne sich wie sonst zu bethen. Indessen liefen eine Menge jauchzende Kinder vorher und lärmten, als wenn sonst ein Jude begraben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Diese Nacht fienge es zuerst an zu frieren, da es bisher stets warmes Wetter war. Wir hatten einige Regentage, welche den Rhein den Ufern gleich anschwellten, der doch dies Jahr kleiner als Menschengedenken war. Auch wehete vorige Woche ein entsetzlicher Wind. Am 15ten abends giengen 6 Häuser zu Blie gegen Worringen in Brand. Da der Wind so sehr stark war, so ware an kein Löschen zu denken. Nur die Scheuer vom Blierhof wurde mit vieler Müh gerettet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Starker Frost. Am 28ten Regen. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber hier Neusmaas. – 31ten – Das verflossene ware ein merkwürdiges Jahr: Die Regierungs-Abwechslung und der Abzug der Franzosen, so wie die Ankunft der Alliirten und Kosaken giengen glücklich vorüber. Indessen sind seit deren Ankunft der Auflagen und Lieferungen sehr viele geworden, so daß, wenn nicht so viele Früchten gerathen und diese nicht so gut im Preise gestanden, so würden viele Bewohner ruinirt worden seyn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1815 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[415]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1815&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Unser Land wird noch provisorisch verwaltet, und daß wir von der französischen Despotie erlößt sind, werden wir im Bezahlen der Abgaben noch gar nicht gewahr. Nur, daß viele junge Leuthe aus dem französischen Dienst und aus der Gefangenschaft zurück kommen, erleichtert den Ackersman, dem Arbeiter fehlen, welche durch die Conscription ihm genommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Heut wurden die Rebellen vom vorigen Jahre (Michel Kranz, Christian Schmitz, Wilhelm Nusbaum und Johann Annas) zu Köln verurtheilt: Christian Schmitz, auf flüchtigem Fuß, wurde zu 3 Jahr Prison, Michel Kranz zu 6 Monath und die beyde andere zu 3 Monath verurtheilt. Es waren 23 Zeugen von hieraus nach Kölln citirt, welche von der Regierung jeder mit 4 Francs bezahlt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Bisher hatten wir anhaltenden Frost, diesen Morgen Regen. Kornpreis hier 5 Reichstahler 33 Stüber Neusmaas, Weitz 8 Reichstahler, Haaber 25 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Es stürmte zwischen Regen und Schnee bis gestern, heut Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Vom 15ten hat es gefroren bis heut. Auch fiel alle Tage etwas Schnee. Die 1.000 Pfund Heu werden in Kölln mit 16 à 17 Reichstahler bezahlt. – Vorige Woche, am 18ten, hielten von den hierumher kantonierenden Preußen 800 ihr Abendmahl hier in der Kirche. Erst war eine Predigt über das Thema: &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Gib mir Herr ein reines Herz&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;. Dann wurden Lieder gesungen und communicirt. Der reformirte Prediger theilte Hostien wie die unsrige an einer Seythe des Altars aus, und an der andern reichte der luthrische aus einem zinnernen Kelch den Wein. Sie wurden nicht einlogirt, ausser die 2 Predicanten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Thauwetter. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 8 Reichstahler 20 Stüber, Haber 26 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Anhaltend offenes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten Merz – Der Februar ware sehr gut. Fast in allen Gärten ist schon gepflanzt und gesähet. Kornpreis 5 Reichstahler 25 Stüber. – Noch dauert der Congress in Wien fort, ohne daß man weis, was verhandelt wird. Wir haben noch stets 50 Mann Preußen hier, 5 Gensdarmen und 5 Reuter für die Correspondenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Die Merzerstürmen sind im Anzuge. Alles fängt an zu wachsen. – Bey dem Pariser Frieden wurde Napoleon mit dem Titul Kayser nach der Insel Elba transportirt, wo er als Souverain regiert. Die Kayserin mit ihrem Sohn gienge zu ihrem Vater, dem römischen Kayser, nach Wien. Sie regiert zu Parma und Pinzenze als Kayserin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[416]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1815&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der König von Neapel, Joachim Murat, Schwager von Napoleon, blieb König von Neapel. Er organisirte diesen Winter seine Armee, die aus achtzigtausend Mann besteht. – Nun ist Napoleon am 26ten Februar von der Insel Elba fort und am 1ten Merz zu Frejus mit 1.100 Man gelandet. Er marschieret auf Lion zu. – Kornpreis hier 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Haber 3 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu in Kölln 11 Reichstahler, kostete vor 1 Monath 17 Reichstahler. Wir haben seit 8 Tägen anhaltend stürmisches Wetter, so daß der Rhein auszutreten drohet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmsontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut ware es kalt, doch trocken. Der jetzige Kaplan, Herr Lützler, hielt heut Nachmittag die vor Alters gewöhnliche Römerfahrt. Die Prozession ware sehr zahlreich. – Napoleon ist in Lion, die französische Truppen laufen ihm zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten und 22ten – Sehr angenehme Tage. Der Rest der Kahrwoche war stürmisch, doch giengen wir am Karfreytag Prozeßion, musten aber wegen dem Regen an der Hellbüchels-Gasse hereingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Osterabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Napoleon ist am 19ten in Paris eingezogen, der König ist fort, und die Monarchen sind noch zu Wien auf dem Kongreß versammelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Heut musten die hier den ganzen Winter gelegene Preussen fort. Sie ziehen auf die französische Gränze. Auch kommen viele Preussen von der andern Rheinseite zu Wesel, Kölln und Düsseldorf herüber. Zu Kölln werden zwey Brücken geschlagen. Kornpreis Neusmaas 5 Reichstahler 50 Stüber. Am 8ten Kornähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten, &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt; – Um fünf Uhr war die erste und um 7 die hohe Messe. Der Kaplan, der die Prozession mit dem Venerabel begleiten wollte, bekam gestern Abend Nachricht vom Pastor von Nivenheim, daß, wenn der Kaplan mit Procession gienge, so würde er verklagt werden. Wir giengen also alleine, und zwar den alten Weg. Hinter dem Kohr giengen die Kinder, welche zum ersten communicirt hatten, 40 an der Zahl, unter Vortragung zweyer gezierten Kerzen, jede von 3 Pfund, und 1 Fähnlein. Die Prozession ware sehr groß und nahme sich vorzüglich schön aus an Zons, wo die gesammte Bürgerschaft Zuschauer ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17., &amp;lt;u&amp;gt;Hagelfeyer&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute wurde die Prozession wieder dem alten Weg nach an Sassen vorbey gehalten. Am 19ten und 20ten Nachtfrost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Der Aprill ware fast anhaltend nordwindig-trocken. Nur sontags, den lezten April hatten wir nachmittags einen durchdringenden Regen. Kornpreis hier auf der Platz 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[417]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Stadt Kölln soll bevestigt werden. Zu dem Ende arbeiten 7.000 Bauern daran. Unsere Maierie muß täglich 14 Mann stellen. Sie bekommen von der Regierung 12 Stüber. Auch ist es auf dem Congress zu Wien beschlossen, daß wir nun preussisch sind. Napoleon sizt zu Paris, und die preussische Truppen stehn auf der französischen Gränze. Allen Anschein nach wird es Krieg. – Wir müssen jetz stark ins Magasin zu Kölln liefern, die Maierie Dormagen 130 Malder Korn, 400 Malder Haber, 10 Kühe etz. Es sind 8 Milionen extra ausgeschlagen. Daraus soll diese Lieferung bezahlt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Kornblüh, gestern Regen, heut schön Wetter. Sieben Täge muß die Maierie nacheinander jedesmahl 17 doppelspännige Karren nach Kölln in den Park stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Verflossene Nacht starb unser Pastor Lambert Josef Dahmen, von Spiel bey Jülich gebürtig. Seit 1795 lebte er hier. Er ware ein Mann von eingeschränktem Verstand, karg wie fast alle Geistliche. Übrigens hat die Geschichte sehr weniges von ihm aufzuzeichnen, was merkwürdig ist. – Heute musten aus jedem Canton der Oberbürgermeister und ein von den übrigen Bürgermeistern gewählter Deputirter zu Aachen erscheinen, um der Eydesleistung dem Königs von [Preußen] beyzuwohnen. Sie musten alle in schwarzen Röcken, seidenen schwarzen Unterkleidern und Degen erscheinen. Von hier ist mein Bruder Thomas Delhoven und als Deputirter der reiche Bürgermeister Cremerius von Worringen dahin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten, &amp;lt;u&amp;gt;Dreyfaltigkeit&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut leistete hier die Bürgermilitz den Eyd. In Posthalters Bongart stellte sich nachmittags 2 Uhr das Bataillion auf, gienge dan im Zug in die Kühbenden, von da wieder nach der Bürgermeisterey, wo der Adler aufgepflanzt wurde. Demnach ward im Posthause an einer Tafel von 50 Gedecken gespeiset und bis an den Morgen getanzt. – Schön Wetter. Kornpreis hier 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Es ist seither so trocken gewesen, daß Klee und Gemüse verdorren. Weitzen 8 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler, ein Pfund Café 19 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten hielten wir um 7 Uhr eine Segens-Messe zur Erhaltung eines fruchtbaren Regens. Um 11 Uhr brachte ein vorbeyziehendes Donnerwetter auch wirklich eine stundenlange Schauer, welche beynah an die Wurzel drang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Es regnet alle Tage. Wir hoffen auf gutes Wetter. – Zu Kölln ist ein großes Magazin angelegt, wozu von allen Gemeinden bis in die Gegend von Nimmegen geliefert werden muste. Kornpreis 6 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[418]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1815&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Am 15ten dieses haben die Feindseligkeiten zwischen den Franzosen und Preussen angefangen, wo mit lezteren die Engländer vereiniget waren. Der erste Angriff geschahe auf Charleroi und Namur. Am 18ten wurden die Franzosen wieder zurückgeschlagen, nachdem sie in die Gegend von Brüssel und Lüttich vorgedrungen waren. – Am 23ten musten die hiesige junge Leuthe von 17 bis 40 Jahren zu Kölln ziehen. Die Geheyrathete blieben fast alle hier, wofür der hiesige Bürgermeister zohe, doch wurden die Männer ins Depot gesezt. Die Meyerey Dormagen, das heißt Dormagen, Hakenbroich, Delven, Horm und Rheinfeld, müssen 52 Conscribirte stellen. – Zu Kölln ist seit April eine stehende Brücke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dieser Monath ware meistens naß, so daß bis Ende des Monaths noch wenig Korn eingefahren ware. Die Preußen und Engländer sind nach der gewonnenen Schlacht vom 18ten Junius wieder in Paris eingerückt. Nachdem sind auch die Österreicher und Russen in Paris eingezogen. Napoleon hat sich eingeschift und den Engländern ergeben. Er wird auf die Insel St. Helena gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Das alte Korn gillt 7 Reichstahler, das neue ein Schilling weniger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Bey Gelegenheit des heutigen Portiunculafestes wurde der bisherige Pastor von Pulm, Herr Kessel, als Kantons-Pfarrer hier eingeführt. Er wurde mit der Prozession bis an der Pastorat abgehohlt, dann das Dorf hinauf bis um Lämbgens Heiligenhäuschen geführt. Als wir bald an den Kirchhof kamen, überraschte uns eine Regenschauer, so daß die Procession auseinander lief. Nun nahme er Possession und hielte dann das Hohe Amt. Zehn Geistliche waren im Ornat. Im Posthaus wurde das Tractement gehalten, worauf der Friedensrichter, Bürgermeister und President vom Kirchenrath eingeladen waren, und wo der Pastor für jeden Mitessenden ¾ Kronthaler, einschlieslich 1 Boutollin Wein pro Tete, bezahlen muste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Anhaltend Regen. Es ist einer von den nassesten Sommern seit 50 Jahren. Korn und Weitz wird halb trocken eingefahren. Das 1.000 Pfund Heu gillt in Kölln 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Heut erst fienge es an, trocken zu werden. Die Brach im Feld sieht übel aus. Es gibt Stücker im Feld, wo man mit der Sense das Unkraut abhauen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Diese Täge waren trocken und entsetzlich heiß. Das neue Korn gibt erbärmlich schlecht. Das Neusser Malder kostet an 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[419]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1815&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten September – Das Wetter ist anhaltend trocken und heiß, welches der wüsten Brache sehr gut zu statten kömmt. – Daß das Korn so schlecht gibt, schreibt man den kalten Nächten Ends April zu, wo die Ähren erfrohren sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Diese Nacht hat es Eis gefroren und ware weis gereift. Alles Bohnen- und Erdäpfellaub ist erfrohren. Das neue Korn gillt 8 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 9 Reichstahler, die 1.000 Pfund Heu in Kölln 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Die Russen ziehen gröstentheils aus Frankreich, doch ist der Friede noch nicht abgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten, &amp;lt;u&amp;gt;Montag&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern wurde das Michaels-Fest bey schönem Wetter gefeyert. Erst um halber zwey zohe die Prozession ein. Der neue Pfarrer hatte einige Meistbeerbte zum Abendessen geladen. Da ich mich auch dabey befand und etwas späth schlafen gegangen war, so schreckte mich das Rufen auf unserer Treppe von einer Magd (&amp;quot;Hülf, es brennt!&amp;quot;) aus dem Schlaf. Es ware diesen Morgen bald 5 Uhr. Ich glaubte, es wäre in unserm Hause. So wie ich auf die Straße kam, sahe ich den Brand unten im Dorf. Es ware der Stall des Winand Gussenhoven und das Dachwerk des Henrich Brinkempen seines Hauses, welches in Zeit von einem kleinen halben Stündchen ganz gelöschet war. Nie in meinem Leben habe ich den Rauch so pfeilgrade in die Luft steigen sehen. Es ware so windstill, daß kein Blättchen sich an einem Baume bewegte. Man vermuthet, daß es angestochen ist, denn acht Tage vorher klagte der Winand Gussenhoven mir, daß der Heinrich Klütsch i[h]m damit gedrohet. – Der Brand ware so geschwind gelöscht, daß keine Fremde hiehin kamen. Kornpreis 7 Reichstahler 10 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Die am 8ten angefangene Kirmes währte bis der Tag anbrach am Freytag Morgen. Das Wetter ware so schön, als man wünschen konnte. Im Posthaus, bey Perea im Panneshaus und bey Jacob Witges neben der Kirche war Musick. Das Malder Haber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Das Wetter ist anhaltend und lieblich. Kornpreis in Neus 7 Reichstahler 36 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 4ten – Frost. 7ten, 8ten Regen. Am 11ten Kornpreis in Neus 8 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – &amp;lt;u&amp;gt;Herbstwetter&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut hatte ich Gelegenheit, durch Schefen Hugo von Zons alte Nachrichten von diesem Städtchen zu erhalten. – Als der Kayser Neus entsezte und ihm zu Ehren sein Bildniß auf dem Markt zu Neus auf dem Markt errichtet wurde, welche von den Franzosen bey ihrer Ankunft zerstöhret wurde, schenkte er dem Kuhrfürsten von Kölln den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[420]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1815&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Neusser Rheinzoll, weil der Rhein, der damals an der Stadt Neus vorbey triebe, sein Bett verändert und nun Neus zu weit vom Strome entlegen war, mit dem Beding, daß der Kuhrfürst ein Schloß am Rhein bauen soll. Darauf bauete der Kuhrfürst das alte Schloß zu Zons und die Ringmauern, sezte auf das Feldthor diese Innschrift: &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Wer will zo uns bauen, soll Sitz und Stimme auf dem Lande haben&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;. Damals triebe der Rhein dicht an Dormagen und Zons vorbey, in den Jahren von 1300 und späther. – Demnach brach der Rhein oben Worringen durch, und das jetzige Rheinfeld ward zur Insel. Das Dorf Rheinfeld oder vielmehr der leere Platz hiesse damals das Rheinort. Ein gewisser Junker von Rheinfeld bauete den Rheinfelderhof, der damals neben dem Sandthof muß gestanden haben und &amp;quot;die Burg&amp;quot; hiesse. Da, wo Wallhoven steht, ware noch ein tiefes Loch, wo bey starkem Winde das Wasser große Wellen schluge. Es hatte deswegen den Namen &amp;lt;u&amp;gt;Welloch&amp;lt;/u&amp;gt;. Ein Bruder des Junker von Rheinfeld bauete den Wellverhof, gienge späther in das Stift St. Andreas, dem er den Wellhof so wie sein Bruder sein Rheinfeld den Antonitern in Kölln schenkte, wo er sich ins Kloser aufnehmen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Kalt. Die Rüben sind bey Menschengedenk nicht so gut gerathen. Indessen sind deren noch sehr viel im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Es ist so hart gefroren, daß man das Rübkraut nicht mehr loskriegen kann. Korn in Neus 7 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Harter Frost und sehr kalt. Wir hatten lange keine Einquartierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Gestern Abend fienge es an zu regnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten hatten wir 400 Münstrische Landwehr für 1 Nacht logirt. Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Morgens 8 Uhr fienge es nach einem nächtlichen Regen streng zu frieren an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Harter Frost und am 9ten sehr kalt. Am 13ten Regen. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitz 8 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu hier 8 Reichstahler, Malder Haber hier 2 Reichstahler 30 Stüber. 16ten viel Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten kamen 180 Pferde und 130 Kanoniere in die hiesige Mayerie. Auch kamen gestern Abend noch die Quartiermacher von 800 Mann Fußvolk. Um 10 Uhr fuhr der Her Posthalter mit dem Jacob Cremer auf Kölln und brachten eine Ordre vom Etappen-Commendanten, daß das Bataillon Fußvolk auf Zons gehen sollte. Sie thaten&#039;s aber nicht, und es ward sehr voll. Das Fußvolk hatte Rastag und gienge am 20ten fort. – Regen. Am 23ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[421]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1815&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Abends 10 Uhr kamen 26 Mann mit Wagen, woran 56 Pferde waren, hier ins Quartier. Sie hatten heut Rasttag und giengen am 24ten auf Düsseldorf. Jetz passirt viel preussische Cavallerie über Kölln nach Hause, so daß wir ohne die gewöhnliche 6 Park-Karren gestern noch 15 Karren in der Nacht nach Kölln stellen musten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Abwechselnd Wetter, 2 Täge Frost und wieder einige Regentage. Das verflossene Jahr ware besonders rauh an Fourage. Den ganzen Sommer hindurch bis späth in den Herbst konnte man den Klee nicht meisteren. Viel wurde davon zu Heu gemacht, der gröste Theil aber verdarb durch das immerwährende nasse Wetter. Rüben gab es so viel, daß noch für einen ordentlichen Winter genug davon im Felde steht. Die Frühen sowohl als die Späthen wurden gut. Die Winterfrüchten sind äusserst wenig ergiebig. Es ware Stroh genug gewachsen, aber Korn oder Weitzen drischt keiner mehr als ein halbes Malder, Haaber hingegen ist sehr ergiebig. – Das Malder Korn wird zu 7 Reichstahler 15 Stüber verkauft, Weitzen 8 Reichstahler 30, Haber 21 Schilling, das Pfund Butter 12 Stüber, 1 Pfund Café 20 Stüber, frisches Schweinfleisch 9 Stüber, Rind- und Schaaf-Fleisch 7 Stüber, 100 Bauschen Stroh 4 Reichstahler 30 Stüber. – Nach dem im Herbst zu Paris geschlossenen Frieden bleiben Russen, Preussen, Engländer und Österreicher in Frankreich. Es können wohl zweymahl hundert-tausend Mann seyn. Sie besetzen mehrere Gränzvestungen 5 Jahre lang, und in dieser Zeit bezahlt Frankreich 700 Milionen. – Die Truppenmärsche sind nun beynahe als beendigt anzusehen. In vielen hiesigen Gegenden haben die Preussen in den Quartieren übel gehauset, so daß der König desfals eine strenge Ordre hat ergehen lassen. Man verspricht sich im künftigen Jahre süssen &amp;lt;u&amp;gt;Frieden&amp;lt;/u&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1816 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[422]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1816&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Frost. Heut kamen in hiesige Bürgermeisterey 800 Münstersche Landwehr vor ein Nacht ins Quartier. Sie betrugen sich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten logirten wir nur 90 Mann, weil der Rest auf Nettesheim muste. Sie hatten Rastag. Am 4ten Regen, abwechselnd Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Das stürmische Wetter hatte den Rhein so angeschwellt, daß die Leimkaule vollgeloffen war. Drauf fienge es heut an zu fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten kame unsere Landwehr mehrentheils in ihre Heymath auf Urlaub. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Haber 2 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Der Winter wechselt mit 8 Tagen ab, dan Frost, dan Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Auch bis heute hat das Wetter alle 3 Tage abgewechselt. Vom 17ten bis 20ten fror es herzlich, und der Rhein triebe dicht mit Eis. Die Früchten stehen noch still. Korn in Neus 7 Reichstahler 20 Stüber, Weitzen 8 Reichstahler 20 Stüber, Haber 2 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten Februar – Merzerschauren folgen aufeinander. Dabey friert es seit 3 Tagen für diese Jahrzeit stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten Merz trat der Rhein aus bis an die Landstraß, oben dem Pflug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 10ten – Merzerstürme. Heut, am 11ten, hatte man eben angefangen, in den Gärten etwas zu graben, da fienge es am 12ten wieder an zu regnen. Am 15ten konnte man etwas graben. Kornpreis 7 Reichstahler 30 Stüber in Neus, Weitz 8 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Alle Tage Regen, so daß in den meisten Gärten noch nichts gegraben und viele Pflüge noch nicht zu Felde gegangen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Mit der Tag- und Nachtgleiche ist der Wind in Norden gegangen, und es friert seit dem 21ten bis heute, den 2ten April&amp;lt;ref&amp;gt;Am linken Rand: &amp;quot;April&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, alle Nächte sehr stark, so daß man diesen Morgen mit dem Anspannen noch nicht bauen konnte. Die Frucht im Feld verliert sich, besonders auf leichten Gründen. Der Weitzen ware am 25ten Merz in Neus auf 10 Reichstahler 30 Stüber gegangen, steht aber nun wieder zu 9 Reichstahler 30 Stüber, das Korn 8 Reichstahler und die Haber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmtag&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil das Wetter gar zu unfreundlich war, so ward eine Andacht in der Kirche gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten, &amp;lt;u&amp;gt;Karfreytag&amp;lt;/u&amp;gt; – Um fünf Uhr hielten wir die Prozession sehr zahlreich. Weil aber an der Hellbüchelsgasse eine Hagelschauer heranzohe, so giengen wir da herein und hielten die übrige Stazionen in der Kirche. Der Pastor gienge nicht mit, weil es den Geistlichen vom General-Vicariat in Aachen untersagt ist. – Graf Solms-Laubach ist in Kölln angekommen, um als Ober-President zu regieren und das Land nach preussischem Muster ganz von Neuem zu organisiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; – 15. und 16ten kalt mit Frost, Schnee, Hagel und Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[423]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Eingebundener gedruckter Totenzettel von Thomas Delhoven:]&lt;br /&gt;
::Jesus, Maria, Joseph, Michael&lt;br /&gt;
::Ehrwürdige Priester! Fromme Christen!&lt;br /&gt;
::opfert und bethet&lt;br /&gt;
::für die Seele&lt;br /&gt;
::des Hochedelgebohrnen Herrn&lt;br /&gt;
::Thomas Delhoven,&lt;br /&gt;
::Seit 22 Jahr gewesener Vorsteher, Präsident der Municipalität, Maire, und Bürgermeister des Hauptortes des Canton Dormagen, und Küster dasiger Pfarrkirche.&lt;br /&gt;
::Welcher den 25ten April 1816. zwischen 7 und 8 Uhr Abends von einem Schlagfluße getroffen, vorhin durch die österliche Kommunion vorbereitet, im 61ten Jahre seines Alters, und im 34ten seines friedlich geführten Ehestandes, plötzlich dahin starb.&lt;br /&gt;
::Sein thätiges christliches Leben, sein anhaltendes uneigennütziges Bestreben zum Wohl seiner Verwalteten bey so manchen kritischen Stürmen des nun glücklich geendigten langwierigen Krieges, sein leutseliger Umgang mit jedermann machte ihn bey Großen und Gringen beliebt und achtungswerth.&lt;br /&gt;
::Heil seinem Andenken!&lt;br /&gt;
::Friede seiner Seele!&lt;br /&gt;
::Köln, gedruckt bey Christian Everaerts unter Goldschmidt N. 19 (2040.)&lt;br /&gt;
[Rückseite mit christlichem Motiv]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[425]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Eingebundener gedruckter Totenzettel von Nicolaus Eller:]&lt;br /&gt;
::Jesus, Maria, Joseph, Michael&lt;br /&gt;
::Ehrwürdige Priester! Fromme Christen!&lt;br /&gt;
::opfert und bethet&lt;br /&gt;
::für die Seele&lt;br /&gt;
::des Hochedelgebohrnen Herrn&lt;br /&gt;
::Nicolaus Eller,&lt;br /&gt;
::Doktor der Heilkunde zu Dormagen.&lt;br /&gt;
::Welcher den 28ten April 1816. Nachmittags 4 Uhr, mit den Hh. Sakramenten der Sterbenden mehrmalen und heilsam versehen, gänzlich in den Willen Gottes ergeben, an den Folgen einer langwierigen Abnehmungs-Krankeit, im 60ten Jahre seines Alters und im 29ten seines friedlich geführten Ehestandes sanft und gottselig in dem Herrn entschlief.&lt;br /&gt;
::Unverbrüchliche Treue seiner Standespflichten, rastloses uneigennütziges Bestreben den leidenden Menschen bey Tag und Nacht zu Hülf zu eilen, ächt religiöser Sinn für alles heilige zeichneten ihn im Leben und im Sterben aus.&lt;br /&gt;
::Wohl den Dieneren, die der Herr bey seiner Ankunft wachend findet. Luc. 12. V. 37&lt;br /&gt;
::Er ruhe sanft im Frieden.&lt;br /&gt;
::Köln, gedruckt bey Christian Everaerts unter Goldschmidt N. 19. (2040.)&lt;br /&gt;
[Rückseite mit christlichem Motiv]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[427]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1816&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Anhaltend trocken-schraffes Wetter. Das Korn verliehrt sich alle Tage im Feld. Deswegen kostet das Malder schon 10 Reichstahler, Weitzen 11, Haber 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Abends 7 Uhr bekame mein Bruder Thomas Delhoven einen Schlagfluß und ware in Zeit von einigen Minuten todt. Er hinterläst eine Wittib mit 6 Kindern, wovon die älteste nur noch mit dem Gerichtschreiber Busch verheyrathet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Am Abend wurde der Bürgermeister begraben. Die ganze Pfarrei gieng mit. – Die Gottestracht, so am 5ten Mey einfiel, ward dieses Jahr nicht mit einer Procession gefeyert. Bis Mittag wurde Gebeth gehalten und des Nachmittags Vesper. Des Montags wurden die Exequien für den seeligen Bürgermeister gehalten. Kornpreis 10 Reichstahler, Weitz 11 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Regen, anhaltend. Am 18ten nordwindig und trocken. – Der Posthalter Adolf Verhagen ist zum Bürgermeister ernannt. Das Land wird jetz organisirt, wir stehen künftig unter dem Landtrath von Neus, und die Hauptregierung ist zu Düsseldorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey meist naß und kalt. Kornpreis 10 Reichstahler, Weitz 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten Juny – Sehr heiß mit Donner und Regen. Kornpreis 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten Juny – Anhaltend naß. Die Witterung während der ganzen Kornblüh ware naß und kalt, woraus man nichts Gutes schließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:July&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Regen läst noch nicht nach. Der Rhein will austreten. Deswegen wurde am 2ten, 3ten und heut, am 4ten, zu Zons mit 30 Mann und mehreren Karren gearbeitet. Der erste Sommerdamm ware am Rhein zu Zons, der 2te auf dem kleinen Schleuschen am Schloß daselbst, ein dritter wurde über den Rheinfelder Damm gemacht. Jener am Rhein brach in der Nacht vom 3ten auf den 4ten, wo auch ein unbedeutendes Dämmchen am Plathalse brach, wodurch die ganze Hütte hinter unserm Damm vollgelaufen ist. Da diese Strecke alle mit Gemüß und Frucht treflich besezt war, so kan man den Schaden gerne auf tausend Reichstahler ansetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Der Rhein wächst noch immer, und das Regnen hört nicht auf. Heut waren wieder 40 Mann und 10 Karren an dem Sommerdamm zu Zons in Arbeit. Die Zonser aber sind in solchen Notfällen ein träges Völklein, meist Schuster, Schneider und kleine Krämer, denen es gleich viel gillt, ob Heu und Weitzen verdirbt oder gedeihet. Die Brach im Feld liegt wüst, Erdäpfel können nicht gegraben werden, das Unkraut wächst drüber her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[428]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1816&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Heut um die Mittagsstunde kame ein Expressen von Zons mit der Nachricht, daß der Zonser Damm gegen dem Schloß durchgebrochen seye. Der Sergeant liefe mit der Schelle durchs Dorf und verkündete im Laufen, was vorgegangen war. Ohne zu essen, liefe alles mit Schüppen zu dem Zonser Damm, das heist dem Weg, der von Rheinfeld nach Zons führt. Wie wir hinkamen, da liefe der Rhein schon an mehreren Stellen quer durch. Auch sahen wir vor, daß wir in Zeit von einigen Stunden noch 4 Fuß Wasser mehr haben würden. Dies brachte uns anfangs auf den Entschluß, umzukehren und in den Kühbenden einen Damm zu machen. Indessen, da unserer so viele waren, fast alle Manspersonen aus dem Dorf, voll Kraft und Muth, so versuchten wir, einen Damm anzufangen. Man foderte einige Karren und Mann von Zons, allein, diese wurden abgeschlagen. Von Rheinfeld kamen doch gleich zwey Karren, und ein von hier geschickter Expressen zu Pferd brachte gleich von Delven und Hakenbroich eine Menge Karren und Arbeiter dahin. – Muth und Fleis liessen uns an dem Erfolg nicht zweifeln. Indessen, da die Leuthe nichts gegessen hatten, so liessen wir von Zons und Rheinfeld einige 20 Maaß Brandwein und mehrere in Stücke geschnittene Brode austheilen, entliessen am Abend 40 Mann, welche um 9 Uhr wiederkommen und die gesammte Mannschaft ablösen muste, theils, um die Nacht zu wachen, daß der Damm nicht durchbreche, theils auch, damit die Zonser unsern Damm nicht durchbrechen, denn diese beneideten uns, daß wir in so kurzer Zeit dasjenige fertig brachten, was sie aus Mangel an Gemeingeist vernachlässigt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Rhein blieb schwach am wachsen, den ganzen Tag wurde mit Karren und Mann an dem Damm gearbeitet. Das Malder Korn gillt in Kölln 13 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Der Rhein fällt, doch wird noch Tag und Nacht am Damm bey Zons gewacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Heut fienge der Rhein wieder ½ Fuß an zu wachsen. Das Grundwasser diesseit des Dammes läuft von oben aus der Grundkaule dem Dorf vorbey bis nah an die Leimkaule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[429]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Seit dem 14ten Juny hat es alle Tage geregnet. Das Korn ist noch grün, Erdäpfel und dicke Bohnen wegen dem vielen Regen noch zu jung. Korn ist keines mehr als in Kölln. Deswegen war einige Tage kein Brodt im Dorf zu haben. Nur Witges backte die 14 Pfund zu 45 Stüber. Jetz aber hat der Müller Bremer angefangen zu backen, zu 39 Stüber das Brodt. Viele brave Leuthe kommen am Abend und sprechen in wohlhabenden Häusern um Brodt an. Die Noth ist sehr dringend, weil das alte Gemüß alle aufgezehret ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Das Wasser fällt schwach, und das Grundwasser thut diesseits den Damm mehr Schaden als der Rhein. Noch immer Regen. Der Bürgermeister Cremerius zu Worringen verkauft das Malder Korn zu 14 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Heut hat es nicht geregnet. Einige Leuthe hatten Korn nach Hause getragen, die Ähren davon im Backofen getrocknet und dan gedroschen. Im Feld ist noch keins gehauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Sehr heis. Das Heu in den Kempen-Gründen wird alle faul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Seit dem 20ten hat es alle Tage geregnet. Der Brodtmangel ist groß. Der Bürgermeister zu Worringen verkauft das Malder Korn zu 13 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten, &amp;lt;u&amp;gt;Portiuncula&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Pastor hielt das heutige Fest sehr feyerlich. Noch ist kein Korn eingefahren. Fast die Halbscheid steht noch auf dem Halme. Heut ware es gut Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Gestern und vorgestern ist einiges Korn eingefahren worden, da kame heut morgens 8 Uhr ein Donnerwetter mit viel Regen. Korn neues 10 Reichstahler 20 Stüber. Alle Tage Regen. 1.000 Pfund Heu hier 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Eben ware es gut Korn einfahren, da regnete es wieder. Korn 11 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Alle Tage Regen. Heut gillt neues Korn 10 Reichstahler Köllnisch Maas, Weitz 16 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Regen. Seit 10 Wochen wird noch alle Sontage abends 6 Uhr in der Kirche Rosenkranz mit Benediction gehalten, um gutes Wetter von Gott zu erbitten. Wenn es einen Tag etwas trocknet, so wird Korn und Weitzen halb naß eingefahren. Die Haber ist reif, kann aber noch nicht eingefahren werden. Deswegen wird das Malder alte Haber zu 8 Reichstahler verkauft. Korn gillt 13 Reichstahler. Auch hat der Kranz auf der Piwip reines Sahmkorn das Malder zu 18 Reichstahler verkauft. Der neue Weitz 14 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu in Kölln 15 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Am 12ten fienge es an, gut Wetter zu werden. Man fuhr Weitzen ein. Haber ist aber noch alle draussen und wird jetz fleissig gehauen. Sie ist treflich gerathen. Buchweitz ist hingegen im ganzen Lande so erbärmlich schlecht, daß das Malder zu 25 Reichstahler verkauft wird. Am 16ten wieder Regen. Es bleibt kaum 2 Tage gut. Das Malder Haber verkauft Steinberger zu 6 Reichstahler, in Kölln 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[430]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1816&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Michaeli&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil die Wege wegen dem vielen Regen schlecht waren, so gienge die Prozession durch&#039;s Dorf hinab und hinauf. Kornpreis 12 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 13 Reichstahler 30 Stüber. Abwechselnd Regenwetter. Deswegen ist noch wenig und dies wenige schlecht zur Saath bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Die Haber fängt alle an, sogar auf den Gästen grün zu wachsen. In Kölln kostet das Malder neue Haber 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmesabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Ich ware diese Nacht gleich vor 2 Uhr aufgestanden, weil mein Hund bellte. Ich sahe hinaus auf die Straße und hörte, daß die meiste Bewohner noch wach und mit Putzen, Mehlsieben und Backen beschäftigt waren. Als ich mich eben niedergelegt hatte, bließe der Nachtwächter zwey Uhr, und in Zeit von einer halben Minute bließ er zweymahl hintereinander und riefe Hülf. In der Scheure des Wilhelm Fix loderte die Flamme hoch auf, wodurch die Scheure des Gerhard Gyla im Adler ebenfals Feuer fienge, denn es ware eigentlich nur eine Scheuer, welche unterschlagen worden. Die Brandspritzen waren gleich dabey. Der Wind spielte leise von Zons, und die örtliche Hilfe verhinderte, daß die dicht nebenstehende Ställe des Gerhard Gyla unversehrt blieben. Zudem hatte es gestern Abend noch stark geregnet, wodurch die angränzende Strohdächer nicht zündeten. Es waren keine Fremde hier, denn der Brand ware schwind verzehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Sehr schönes Wetter. 14ten und 15ten, Kirmesdienstag, wurde viel Haber eingefahren. Die vornehme Musick ist unten am Ende in der Willmuth. Den 16ten, des Mitwochs, durfte im Tag keine Musick seyn, nur des Abends ward es zum Schluß erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Anhaltend schönes Wetter. Die Haaber ist noch nicht alle gehauen, vielweniger herein. Diese ist allein dieses Jahr gut gerathen. Es ist verkauft worden, ohne das Stroh zu 50 Reichstahler pro Morgen. – Kornpreis 12 Reichstahler, Weitzen 13 ½, Haber 4 Reichstahler, 1.000 Pfund Stroh 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Das vortreflichste Wetter seit der Kirmes. Es wird noch immer gesähet und vieles ausgebauet, was die Schnecken und der Schlich verdorben haben. Das Malder Korn in Kölln 15 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten fienge es an zu frieren. Es fiel Schnee und wechselte ab mit Regen. Man macht noch fleissig Erdäpfel aus. Kornpreis in Kölln 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Es hat diese Nacht so stark gefroren, daß es allenthalben drüber geht. – 24ten starker Frost. Verschiedene Leuthe haben die Erdäpfel nicht aus. Rübkraut ist noch fast alle im Felde, weil solches späth gesähet wurde. Haaber 4 Reichstahler, schöner Weitzen 20 Reichstahler, Korn 12 Reichstahler 30 Stüber, Gerst 8 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 13 Reichstahler hier, Erbsen 18 Reichstahler 14 ½ Stüber, Brod 50 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[431]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1816&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten &amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Frost hällt an und vermehrt noch die Beklemmung, denn wo man sonst bis Weynachten das Vieh aus dem Felde ernährt, fängt man diesmahl früh am Winterfutter an. Es ist ein Jahr, das vielleicht nie ein ähnliches so merkwürdig war. Das Malder Korn habe ich gestern noch in Kölln zu 14 Reichstahler 15 Stüber verkauft, Weitzen 17 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber, 1.000 Pfund Heu 15 Reichstahler 30 Stüber. – Es ist nicht möglich, daß die arme Leuthe am Essen bleiben, da auch die Gemüße alle misrathen sind und viel Kappus und Erdäpfel vom Rhein und Grundwasser ganz verdorben sind. Seit 3 Tagen ist schon viel Eis im Rheine. Die Aussichten für die künftige Erndte sind auch sehr schlimm, denn hier wie in allen Gegenden dieses Landes sieht die Saath schlecht aus. Bey dem nassen Wetter haben Schnecken und Schlich Vieles verdorben. In allen Gemeinden am Rhein, auf der Gillbach, im Jülicher Lande bis ans Vorgebirg liegen hunderte Morgen, so wegen dem nassen Wetter nicht besähet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Bisher hatten wir zwey oder 3 Tage Frost und dan wieder Regen. Gestern thauete es vollends auf. Kornpreis Reichstahler 14, Weitzen 15 Reichstahler, Haber 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten fienge es stark an zu frieren. Nach anhaltendem Regen ware der Rhein längs dem Dorf bis an die Landstraße ausgetreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Der starke Frost machte das Eis übertragen und brachte den Rhein im Strome ausfallen. Es ware heut Nachmittag eine unzählige Menge Jung und Alt auf dem Eise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Das in Hinsicht des vielen Regen und der äussersten Theurung so sehr merkwürdige Jahr schliesset sich mit Nässe. Der Rhein, wieder in seinen Ufern, trägt wieder Schiffe, welche Frucht aus Danzig und aus Rußland bringen, deren noch eine große Menge unterwegen ist, die allein eine allgemeine Hungersnoth hemmen kann. Jene Frucht ist sehr gut und wird deswegen in Kölln um 2 Reichstahler theurer verkauft als die innländische. Das hiesige Korn gillt in Kölln 14 Reichstahler, Weitz 15 Reichstahler, Haaber 4 ¼ Reichstahler, Gersten 9 Reichstahler. Die Köllnische Zeitung macht die Bemerkung:&lt;br /&gt;
::{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|Der Januar brachte&lt;br /&gt;
|13 &amp;lt;u&amp;gt;gute&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
|18 &amp;lt;u&amp;gt;Regentage&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Februar&lt;br /&gt;
|15&lt;br /&gt;
|14&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Merz&lt;br /&gt;
|28&lt;br /&gt;
|3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|April&lt;br /&gt;
|27&lt;br /&gt;
|3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Mey&lt;br /&gt;
|5&lt;br /&gt;
|26&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Juny&lt;br /&gt;
|7&lt;br /&gt;
|23&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|July&lt;br /&gt;
|10&lt;br /&gt;
|21&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|August&lt;br /&gt;
|18&lt;br /&gt;
|13&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|September&lt;br /&gt;
|14&lt;br /&gt;
|16&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|October&lt;br /&gt;
|16&lt;br /&gt;
|15&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|November&lt;br /&gt;
|18&lt;br /&gt;
|17&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|December&lt;br /&gt;
|16&lt;br /&gt;
|15&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
::also 182 gute und 184 Regentage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1817 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[432]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1817&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hunger und Kummer stehen am Eingang ins neue Jahr. Der Taglöhner geht müssig, weil wenig Frucht zu dreschen war. Öffentliche Arbeiten am Rhein und auf den Landstrassen gibt es keine. Die Noth kann einen sehr hohen Grad erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Nacht ware äusserst windig, so daß die meiste Bewohner schon frühe auf gestanden waren. Drey Scheuren, ein paar Ställe und verschiedene Bäume wurden umgeworfen, auch an vielen Dächern großer Schaden angerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Frost. Kornpreis 13 Reichstahler 30 Stüber, Haber 5 Reichstahler 30 Stüber Kölnisches Maas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Abwechselnd, vom 14ten bis 27ten angenehme Frühlingstage. Haber 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Fast den ganzen Monath Januar und bis heute waren alle Pflüge im Feld am Bauen, wodurch die Stoppeln jetz erst alle aus dem Ganzen sind. Auch kamen täglich Schife den Rhein hinauf, deren verschiedene russisches Korn bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Meist stürmisches Wetter ohne Frost. Kornpreis 13 Reichstahler 30 Stüber, Haber 5 Reichstahler 45, guter Weitzen 17 à 18 Reichstahler, 1.000 Pfund Stroh 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Anhaltend Sturm und Regen, Donner, Hagel und Merzerschauren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Heute wurden die Exequien für Arnold Nusbaum gehalten. Als Schneider von Profession heyrathete er die Wittib des Franz Engels mit 3 Kindern, Catharina, Gudula und Andreas. Er ware Wirth, pfachtete die Delver Mühle und konnte recht gut leben. Allein, er ergab sich dem Trunck und ward Säufer. – Frau und Kinder accordirten mit ihm, daß er täglich 30 Stüber verzehren sollte. Das hielte er nicht lange, mißhandelte Frau und Kinder, und drohete mehreremahle, selbige todzuschiessen. Die älteste Tochter ist mit Franz Daniel verheyrathet. Eines Abends, vor circa 2 Jahren, ware er wieder im Wirthshaus, wüthete wild umher und drohete wieder, zu Haus alles todt zu schiessen. Man benachrichtete die Frau davon, und der Eydam that den Pulver von der Pfanne. Es währte nicht lange, da stürmte Nusbaum herein, wollte mehr Geld haben, und da man es ihm nicht gab, ergrif er die Flinte und drückte auf seine Frau ab. Das Gewehr gienge nicht los. Da ergrif er den Eydam und biß ihm einen Finger ab. – Nusbaum wurde verurtheilt zu 5 Jahr Arrest in Aachen, wo er am 11ten Merz vorigen Jahres starb, welches die Seinigen erst vor 14 Tägen gewahr wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[433]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Mehr Wind als Regen. Gestern Nacht stürmte es wieder gräßlich, so daß viele tausend Pfannen zertrümmerten und einer armen Frau das Dach gleich den Mauern ganz einstürzte. Die meiste Bewohner unten im Dorf giengen nicht schlaffen, und mehrere verliessen ihre Häuser. – In Kölln gillt das Malder Korn 16 Reichstahler, Weitz 18, Haber hier 7 Reichstahler, das Malder Erbsen 20 Reichstahler, Schwein in Kölln 12 Stüber pro Pfund. – Der Rhein steht hinter dem Damm bis auf die Landstraße. Die Dormager haben an Zons die Schleuse verstopft und den Damm vom vorigen von der Schleuse auf Rheinfeld ausgebessert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Anhaltend Regen und Sturm. Der Rhein treibt dem Dorf vorbey ins Bixem. – Das Malder Gerst 11 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Das Wasser ist so hoch, als es seit kurzen Jahren nicht gewesen ist. Unten im Feld ist wenig trockenes Land mehr. Korn kostet in Kölln 17 Reichstahler, Weitzen 20, Erbsen 20 Reichstahler. Hier gillt das Malder Haber 7 Reichstahler. – Regen. – Das Malder Erdäpfel 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Das Wetter bessert sich. Heut ware es trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten und 17ten – Starke Nachtfröste und schöne Tage. Man fängt an, in den Gärten zu arbeiten, welches wegen dem langen Regen nicht geschehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Starke Nachtfröste, daß man des Morgens nicht bauen kann. Die Frucht ist abgeschlagen, weil in Holland Vorräthe aus Rusland angekommen sind. Korn gillt in Kölln 14 Reichstahler, Weitz 17 Reichstahler, Haber 6 Reichstahler. Hier werden 12 Pfund Brodt zu 56 Stüber verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Regen. Bis lezten Merz Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Sehr schönes Wetter. Am 4ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kahrfreytag&amp;lt;/u&amp;gt;: Es wurde statt der Procession Miserere gehalten. &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; anhaltend schönes Wetter. Die Nächte sind etwas kalt mit Reif. Der Wind ist stets Nord. Die angefangene Festungsarbeiten um die Stadt Kölln werden fortgesezt. Und um den Taglöhnern Arbeit zu verschaffen, wurde in allen Gemeinden verkündiget, daß ein Arbeiter bey 10 Stund Arbeit 6 gute Groschen, 11 Stund Arbeit 7 gute Groschen, 12 Stund Arbeit 8 gute Groschen verdienen. Maurer und Zimmerleuth verdienen bey 10 Stund Arbeit 10 gute Groschen und so weiter. – Die Noth ist anhaltend groß. Nächtlich wird auf dem Sasser Hof und anderwärts Brodt gefodert und gegeben. Des Bettlens ist kein Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[434]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1817&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Es friert des Nachts, besonders am 11ten, so stark, daß man des Morgens gleich nicht bauen oder eggen konnte. Späther hat es gestern,&lt;br /&gt;
:am 10ten bis 12ten sehr gestürmt mit Hagel und Schnee, bis 19ten anhaltend. Es kömmt russisches Korn. In Neus wird das Malder zu 15 Reichstahler 30 Stüber und das innländische zu 14 Reichstahler verkauft, Haaber 6 Reichstahler, Weitz 18 Reichstahler, das Pfund Butter hier 24 Stüber. Am 15ten am Abend kamen mehrere Oberländische Schiffe mit 15 hundert Schweitzer aus Basel hier am Platthalse an. Sie strömten zu Hunderten zum Dorf und suchten Quartier. Fast in allen Häusern wurden sie aufgenohmen, bezahlten gut und blieben bis den 18ten, des stürmischen Wetters wegen, hier. Sie verzehrten viel Geld an Wein, Zucker, Weisbrodt etz. Sie wandern nach America aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Trocken, bis 26ten schraf nordwindig mit etwas Schnee und Hagel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Gestern Mittag gienge der Wind in Süden. Am Abend fiel ein warmer Frühlingsregen. Heute angenehm mit etwas Regen. Das Malder russisch Korn gillt noch in Kölln 16 Reichstahler 30 Stüber, der Weitzen 20 Reichstahler, Haaber 6 Reichstahler, Gerst 10 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu 16 Reichstahler. Ich sahe heut selbst in Kölln das Pfund Butter zu 40 Stüber verkaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Kühl mit Schauren. – Dormagen hat 5 Malder 6 Faß preußisches Korn bekommen, welches in Düsseldorf empfangen und zu 11 Reichstahler bezahlt werden muß. Der König hat dieses für die Rheinprovinzen geschickt. Dieses soll zu Brodt gebacken und die Kosten mit dem Kaufpreis berechnet, alsdann dieses wohlfeile Brodt an die Dürftige verkauft werden. – Von den General-Vicarien zu Aachen ist eine 3-stündige Andacht mit Aussetzung des Hochwürdigen auf einen Tag in jeder Woche bis Ends September ausgeschrieben. Der hiesige Pastor hat hiezu den Dienstag bestimmt. Morgens 5 Uhr wird das Hochwürdige ausgesezt, ein Rosenkranz gebethen, dann lase der Vicarius seine Messe, um 7 Uhr fienge des Dienstags Hochamt an. Am 30ten April ware die erste Andacht mit viel Zulauf. Der Zweck ist zu Erhaltung einer gesegneten Erndte und um Abwendung der Hungersnoth. Bis 9ten trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten, 11ten und 12ten – Heilsamer Regen. Das Malder Korn gillt 18 Reichstahler in Kölln, Weitz 22 Reichstahler, Haber 6 Reichstahler, das Malder Erbsen 20 Reichstahler. – In Düsseldorf werden ganze Körbe mit Krähefuß, Disteln und dergleichen Kräuter, so in den Hecken wachsen, auf dem Markt gebracht und an statt Spinat zu Muß gegessen. Mehrere aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[435]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:hiesigem Dorf sind schon polizeilich bestraft worden, weil sie anderer Leuthe Sahmen geblättert und die Blätter schaarenweise nach Kölln auf den Markt getragen. – Es sterben viele Leuthe. Man kann zwar nicht sagen vor Hunger, aber schlechte Kost, und halb satt bringt sie beym geringsten Anstoß von Krankheit ins Grab. Es gibt Leuthe, welche 3 Pferd zu Acker gehen haben, die an 8 Tagen kein Gemüß als Disteln und Brennesseln und an 3 Tagen kein Brod assen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Anhaltend gutes Wetter. Am 28ten Regen. – Zu all&#039; dem Elend kömmt nun noch ein Umstand, der das Maas voll macht: Es muß im Oberland ein Wolkenbruch gewesen seyn, so sehr schwillt der Rhein an. Von Zons schickte man hieher um Beystand, einen am Rhein über den Jägersberg angefangenen Damm zu vollenden. Da aber der morastige Boden keine Aussicht gab, daß da der Zweck erreicht würde, so fiengen die Dormager mit Pferd und Karren gleich an, den im vorigen Jahr angefangenen Damm gegen dem Schloß auszubessern. Auch wurde ein Dämchen hier am Platthalse angelegt, um die Hütte hinterm Damm zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Gestern Abend brach der von den Zonser angefangene Damm am Rhein. Es wurde also vereint mit den Zonser am Schloßdamm gearbeithet und hier am Platthalse bis den 30ten am Abend der Damm gehalten, der aber um 8 Uhr brach und die ganze Strecke bis an das Piwitten-Pättchen unter Wasser sezte, welche mit Gemüsen und Sommerfrucht bepflanzt war. Der Rhein wächst regelmässig alle Stunde ein Zoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Zu Zons wurde heut wieder gearbeithet. Am Abend hörte das Wachsen auf und am 1ten&amp;lt;ref&amp;gt;Am Rand: &amp;quot;Junius&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; war der Rhein 1 ½ Zoll gefallen. Durch den gegen dem Schloß errichteten Damm sind alle unsere Grasereyen in den Kempen, das Kranenort, Werth und die Kühbenden gerettet; ein großer Vortheil für unser Heu, da alle niedrige Grasereyen am Rheine verdorben sind. – In Kölln ware Mangel an Korn. Es ware gestern verbothen, Brodt aus der Stadt bringen. Am Stürzelberg lage ein Schif mit russischer Frucht. Da hatte man gestern zwey kleine Oberländer mit 400 Malder beladen. Bey jedem waren 20 Mann, welche dieselbe heraufzohen, und wenn sie kamen, wo der Rhein ausgetreten war, da fuhren sie die Leine mit einem kleinen Nachen eine Strecke vorwärts, bevestigten solche mit einem Pfahl auf&#039;s Land, und die 12 Mann zohen auf dem Schif sich höher. Vom Stürzelberg bis Zons bekame der Mann 40 Stüber, von Zons bis Worringen 40 und so weiter. Die Leuthe wurden requirirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[436]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1817&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Bürgermeisterey Dormagen bekame 500 Francs ehmalige Einquartirungs- und Fourage-Gelder. Die Meistbeerbte unterschrieben sich, daß sie diese Summe den Dürftigen schenken. Dafür wurden zu Hittorf Erdäpfel gekauft, die 100 Pfund zu 2 Reichstahler 40 Stüber, und denjenigen Taglöhnern etz. vertheilt, welche Land bereit haben, um solche darauf zu setzen. – Bis 6ten trocken, am 7ten sehr heis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen 4 Uhr hatten wir starken Regen mit Donner. Deswegen konnten wir heut die gewöhnliche Fronleichnams-Procession nicht halten, welche bis Sontag verschoben ist. Kornpreis 21 Reichstahler halb russisch, halb einländisch, Haber 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Schön trocken Wetter. 15ten, Sontag: Heut wurde die Procession gehalten. Weil aber viele Leuthe auf Nivenheim waren, so ware dieselbe sehr klein. Wir sahen unterwegs im Korn Raderblumen, welche anzeigen, daß wir in Zeit von 4 Wochen reif Korn haben. Am 20ten Mey blühete der erste Schlehdorn; alsdan muß nach Aussage der Alten am 20ten July reifes Korn seyn. – Russisch Korn gillt 22 Reichstahler, Haber 8 Reichstahler, Weitz 27 Reichstahler hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Sehr heisse Tage. Bis Ends Juny warm mit etwas Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 9ten hatten wir den dritten Tag Regen. Es ist schon Korn geschnitten, nur ist es nicht allgemein. Indessen ist das Korn von 22 Reichstahler auf 14 Reichstahler abgeschlagen. Das Brodt, welches an geringe Leuthe zu 6 Stüber pro einzelnes Pfund von Verkäufern verkauft wurde, gillt jetz 4 Stüber, Haber 6 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Am Abend zohe ein Gewitter vorüber ins Norden. Um 10 Uhr kehrte solches um und brachte uns unter fürchterlichem Donner sehr starken Regen. Die Halbschied von Sahmen ist eingescheuret; der noch draussen ist, hat viel von dem harten Regen gelitten. – Es komt eine ungeheure Masse von Korn aus der Ostsee; dieses hat den Kornpreis auf 13 Reichstahler vom besten gerösteten russischen Korn heruntergedrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten bis 16ten – Viel Regen. Es ist einiges Korn gehauen, doch noch hier kein neues Brodt gebacken. 1.000 Pfund Heu in Kölln 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 19ten – Alle Tage Regen. Man hällt mit dem Kornhauen noch ein, obschon es reif ist, weil wegen dem nassen Wetter und der Wärm selbiges leicht ans Wachsen komt. Es ist sehr vieles Heu in Arbeit, das dem Verderben nahe ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[437]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es ist nicht zu begreifen, wie die Leuthe noch alle dies harte Jahr am Essen geblieben sind. Indessen haben viele ihre Kühe verkauft, andere haben Geld gegen Hypothek aufgenohmen, und circa 40 haben ihre Kinder längs die Thüren betteln geschickt. Auch ist sehr Vieles an Hausarmen gegeben worden. Besonders zeichnete sich der hiesige Müller Theodor Bremer aus, der eine Zeither alle arme Kinder wochentlich 2- bis 3-mahl des Mittags mit einer Suppe von Haabergrütze und Erdäpfel speisete. Es waren deren gemeinlich an der Zahl 40 bis 50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Schön Wetter. Man hauet allenthalben Korn. Allein, dessen ist sehr wenig, weil man voriges Jahr wegen dem nassen Wetter das Land nicht ackeren konnte. Es kommen noch immer Schife mit russischem Korn, welches zu 13 Reichstahler verkauft wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten, 29ten – Schön Wetter. Man fährt fleissig ein und backet neues Brodt. Indessen gibt das Korn schlecht; man kann rechnen, der Gast ein Faß. Am 31ten: Vor vier Tagen wurde das Korn zu 10 Reichstahler 30 Stüber bezahlt, jetz gillt es schon wieder 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 7. – Schön heiß, im Nachmittag Donner mit Regen. Bis 15ten schön. 18ten: Korn 13 Reichstahler, Weitz 16, Haber 6 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu in Kölln 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten bis 28ten – Regen. Am 29ten heis. Korn in Neus 12 Reichstahler 9 Stüber, neue Haber 5 Reichstahler 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 10ten September – Sehr heis und trocken. Korn 11 Reichstahler, Haber 4 Reichstahler, Sommer-Gerst 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Abends Donner mit viel Regen. 15ten bis 25ten schön Wetter, am 30ten und&lt;br /&gt;
:1ten Octobris Regen, bis 10ten schön Wetter für die Saath mit Reif und etwas Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmesabend&amp;lt;/u&amp;gt; fienge es des Nachmittags an zu regnen. – Kornpreis in Kölln 11 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 13 Reichstahler, Haber 4 Reichstahler, Sommergerst 7 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Anhaltend schön Wetter. Bey Perca in Pannes-Haus spielten die Duisburger Juden, in der Willmuth unten am Ende, welches Haus jetz unbewohnt ist, hatte Rensing den Saal und die obere Zimmer gemiethet und lies Neusser Musikanten spielen, bey Witges neben der Kirch ware der Rey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten November – Anhaltend trocken-schönes Wetter. Das Malder Weitz gillt in Neus 16 Reichstahler, Korn 12 Reichstahler 30 Stüber, Haber 4 Reichstahler 45, Gerst 8 Reichstahler 15 Stüber, das Pfunf Erdäpfel 2 Reichstahler 15 Stüber, 1.000 Pfund Heu hier 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. – Schön Wetter ohne Frost, zuweilen etwas Regen. Korn in Kölln 12 Reichstahler 9 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Frost. Korn in Kölln 11 Reichstahler 30 Stüber, Haber 4 Reichstahler, Gerst 7 Reichstahler 30 Stüber. 8ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. – Frost. Am 14ten geht es drüber. Weitz in Neus 15 Reichstahler 30 Stüber, Buchweitz und Sommergerst 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Abends Regen, welcher bis 21ten anhällt. – Die Gendarmen und das Prison wurden gestern an die Willmuth verlegt. Seit die Alliierten hier sind, waren sie bey den Bürgern. Die vornehmste Einwohner der Bürgermeisterey musten die Meublen liefern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[438]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1817&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Frost. Am 26. Regen. Am 27ten bis zum Schluß Frost und Schnee. – Kornpreis in Kölln 11 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 10 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler 30 Stüber, Gerst und Buchweitz 7 Reichstahler. – Korn ist hier wenig zu verkaufen, Sommergerst, Buchweitz und Haber ist sehr wohlgerathen. Fast jederman backt Gerst unter das Brodt, selbst die Reichesten. – Nie ware ein Jahr so merkwürdig wie dieses! Von Hunger ist zwar niemand gestorben, aber aus der gringern Klasse sind verschiedene zum Kirch-Hof gewandert, weil anhaltender Mangel sie nicht einmahl satt essen liesse. Auch waren die Gemüse rar und nicht zeitig, folglich nicht nahrhaft geworden. Jetz hingegen ist dieses Jahr alles von vorzüglicher Güte. Die gringen Leuthe essen jetz statt des Brodes Erdäpfelskuchen. Überhaupt hört man bey den noch bestehenden hohen Früchtenpreisen keine Klagen über theures Brodt; das thut aber: Jederman hat Erdäpfel genug, und es gibt viele Taglöhner, welche deren 40 Malder haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1818 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[439]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1818&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 5ten – Anhaltender Frost. 6ten Regen. Das Korn schlägt etwas ab, in Kölln 10 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten Februar – Abwechselnd nasses Wetter mit etwas Frost. Heut Schnee und Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Vom 5ten bis heut ist es eine starke Frostbahn. Über Feld liegt etwas Schnee. Korn in Kölln 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Bis gestern hielt der Frost gelinde an, heut aber ist der erste Frühlingsmorgen. Korn in Kölln 9 Reichstahler 30 Stüber, Haber 3 Reichstahler, Heu 10 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag oculi&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern Abend fienge es an zu regnen und hielte mehr als 24 Stunden an. – Bis 26ten Sturm und Regen. 27ten Schnee und etwas Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten Merz bis 10ten – Sturmwind mit Regen, zulezt Schnee. Kornpreis 9 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler, Weitzen 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten, &amp;lt;u&amp;gt;Gründonnerstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Der heut einfallende Josephs-Tag ward nur von sehr wenigen gefeyert. In und um Kölln ward derselbe von vielen des Samstags&amp;lt;ref&amp;gt;Am Rand: &amp;quot;Merz&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; vor Palmsonntag gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten, &amp;lt;u&amp;gt;Karfreytag&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Pastor willigte ein, daß wir Prozession gehen mögten. Er selbst durfte aber nicht mitgehen. Den ganzen Nachmittag regnete es, um halber fünf hörte es etwas auf. Da begaben wir uns auf den Weg. Da es aber wieder zu regnen anfieng, so hielten wir nur 2 Stationen und kehrten an der Hellbüchelsgasse herein und hielten noch 2 Stationen in der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Heut fienge man bey schönem Wetter in den Gärten an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten [Merz] bis 6ten April – Kalt und trocken mit Nachtfrösten. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber in Neus, Weitz 12 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten April – Etwas Regen. Vom 8ten bis 16ten trocken mit Nordwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten bis 25ten – Warm und trocken, man hoft etwas Regen. Kornpreis in Neus 9 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 13 Reichstahler 15 Stüber, Haber 3 Reichstahler, Sommergerst 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Nacht hatte es schön geregnet, der Tag ware heis und schön. Bey Rensing wurde zum Vogel geschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 30ten – Heiß mit etwas Regen. Korn in Neus 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten bis 6ten – Alle Tage Regen mit Wärme, bis 16ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Heut wurden die Kühe eingetrieben. Alle Beerbte, welche nicht bey der Ablesung an den Benden waren, musten eine Teute Bier mit 18 Stüber als Strafe bezahlen. Der Johan Lorbach ließ sagen, er könnte nicht gehen. Sogleich wurde der Sohn der Wittib Meuser beordert, ihn mit seinem Ochsen dahin zu fahren. Lorbach flüchtete sich und wurde hinter dem Kamin auf dem Speicher im Hecksel gefunden und durch den Gendarmen-Wachtmeister und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[440]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1818&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:durch den Unterofizier Jacob Cremer von der Militz ins Wirthshaus bey Adolf Schmitz geführt, wo er eine Kuhweide als Straf mit 4 Reichstahler bezahlen muste. Es ward bis 11 Uhr daselbst gezecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Regen. Korn in Kölln 8 Reichstahler, Weitz 11 ½, Haber 3 Reichstahler, Heu 9 Reichstahler die 1.000 Pfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten bis Ends Mey – Trocken-nordwindig-kalt mit Nachtfrösten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 7ten – Sehr heis. Man hoffet auf Regen. 18ten – Die Trockenheit hällt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:July&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten hatten wir etwas Staubregen. Allein, die am 13ten und die folgende Täge eingetretene Dürre läst keine Spur davon übrig. Das Heu wird alle frisch fertig, das Malder Haber kostet in Kölln 5 Reichstahler, Weitzen in Neus 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Die Hitze hällt an. Man weis nicht mehr das Vieh zu erhalten. Das neue Korn ward heute in Kölln zu 9 Reichstahler verkauft, Heu in Kölln 9 Reichstahler, Rabsahmen Neusmas hier 16 Reichstahler. Die Erdäpfel verdorren; viele haben solche nicht graben lassen, damit sie Fruchtigkeit halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Die Hitz ware diese Tage unausstehlich, da brachte uns ein Gewitter eine prächtige Schauer Regen. Am 26ten Donner mit etwas Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten-28ten – Auch an diesen Tagen erhielten wir bey einigem Donner warmen Regen. Es sind die Rübweiden fast alle gesähet, aber noch keine heraus. – Die lange Dürre hat hier das Heu auf 5 Reichstahler steigen gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 12ten – Sehr heiß und trocken. Korn in Kölln 7 Reichstahler 10 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Regen bis 28ten, 29ten schön Wetter. Kornpreis in Kölln 8 Reichstahler, Weitz 12 Reichstahler 46.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 29ten bis 1ten September – Schön Wetter. Am 1ten und 2ten Regen. Weitz in Neus 13 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Schön Wetter. 13ten viel Regen. 14ten schön. Am 15ten fangt man zu sähen an. Korn in Neus 8 Reichstahler, Weitz 12, Haber 4, Buchweitz 8 Reichstahler, Heu hier 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. – Bis heute schön Wetter. Der Grummet ist alle frisch aus der Spreite aufgesezt worden und die Saath vollendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. – Vom 1. bis heute Regen. Am 8ten, 9ten treflich Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Nachmittag 2 Uhr sahen wir einen starken Brand zu Nettesheim. Im Commerzhofe fienge es an, und in einigen Minuten zündete das vom Wind fortgetragene Strohe in der Mitte des Dorfs, wodurch sogleich circa 20 Häuser, die Pastorat und der Frohnhof in Brand geriethen. Der Commerzhof und Frohnhof loderten in hellen Flammen. Man sollte geglaubt haben, es brennten zwey Dörfer. Der Wind ware stark. Im Commerzhofe sind 2 Stiere und 6 Schwein verbrant. Abends 12 Uhr sahe man noch die beyden Höfe in Flammen lodern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[441]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1818&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten October, Freytag – Diesen Morgen 5 Uhr wurde die Kirmes begraben. Das Wetter ware seit 20 Jahren nicht so warm und schön. Das Dorf ist ganz trocken, und sehr viele Fremde kamen hieher. Bey Weyer im ehemaligen Pannes-Haus waren die vornehme Musik, bey Rensing in der Zelte der Rey, und Kranz zapfte neben der Kirche Apfeltrank. – Korn in Kölln 8 Reichstahler, Weitz 10 Reichstahler, Haber 4, Gersten 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Es ist noch immer schön Wetter. Das Dorf ist ganz trocken. Man hoffet etwas Regen vor die Saath. So ein Herbst gedenkt kein Mensch. – Die Erdäpfel sind ausserordentlich gut gerathen; man kann annehmen, daß in Dormagen zehntausend Säcke eingethan worden sind. Korn in Neus 8 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 11 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Seit dem 7ten October fiel heute Morgen der erste Regen, welcher bey dem warmen Wetter alles erfrischt. Korn in Kölln 8 Reichstahler 32 Stüber. Am 11ten und 12ten Frost. Am 15ten Regen. Korn in Kölln 8 Reichstahler 39 Stüber. – Die drey Monarchen, Österreich, Preußen und Rußland, welche seit 1. October in Aachen auf dem Kongreß versammelt sind, haben beschlossen, daß die alliirte Truppen, welche seit der Ent-Trohnung Napoleons verschiedene Vestungen in Frankreich besezt hatten, nach Hause ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Anhaltend schön Wetter. Zuweilen friert es ein paar Nächte, dan wechselt etwas Regen mit angenehmen Herbsttagen. Korn in Kölln 7 Reichstahler 51 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten [December] – Zuweilen friert es ein paar Nächte, dan wechselt wieder gelindes Wetter ab. Der Rhein ist sehr klein, und verschiedene Brunnen haben kein Wasser. Wir haben von den russischen Durchzügen nichts erfahren, als daß in der Gegend von Neus und Kölln die Bürger kostspielige, höchst unangenehme Gäste an ihnen hatten. Bey Düsseldorf schluge ein Wirth sich mit ihnen, ein russischer Dragoner blieb auf der Stelle todt, und der andere starb im Spital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Starker Frost. 16ten anhaltend mit Raureif. 1.000 Pfund Heu hier 9 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Es friert fortwährend und heute besonders stark. Noch ist kein Schnee gefallen. Der Rhein ist ausserordentlich klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Regen. Das Jahr ware sehr ergiebig, besonders ist viel Wein gewachsen, der sehr gut ist. – Korn in Neus 7 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, Buchweiz 6 ½ Reichstahler, 1.000 Pfund Heu hier 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1819 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[442]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1819&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 3ten bis 8ten – Starker Frost, am 9ten-12ten Thauwetter. Der Rhein ist ausserordentlich klein, die meiste Brunnen haben kein Wasser. Die Gemeinde Rheinfeld hat dieses Jahr statt einem verfallenen nun zwey Nachbar-Brunnen neu gemacht. – Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler 45, Weitzen 8 Reichstahler 30 Stüber, Heu 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Regenwetter. Weil der Rhein sich der Schiffarth wieder öfnet, fangen die Früchten an zu steigen. Korn in Kölln 7 Reichstahler 10 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Angenehmes Wetter. Korn in Kölln 7 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 9 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler 50 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Zuweilen etliche Nachtfröste, meist abwechselnd Wetter. Es sind diesen Winter circa 900 Karren in der Grindkaul durchgeworfenen Kiesel hier ins Dorf gefahren worden. Es wurde pro Karre 7 ½ Stüber fern und nahe Fuhrlohn und 5 Stüber pro Karre für durchzuwerfen bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Anhaltend nasses Wetter. Korn in Neus 7 Reichstahler 40 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21., &amp;lt;u&amp;gt;Fastnacht&amp;lt;/u&amp;gt; – Diese Tage waren äusserst stürmisch. Am 25. und 26ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Nachtfröste und Nordwind. Korn in Neus 7 Reichstahler 40, Weitz 9 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Angenehme, doch kühle Tage. Bis 29. viel Regen mit Wind. Korn in Neus 7 Reichstahler. Es sterben viele Kinder von 8 oder 9 Jahr am Husten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Die Nächte sind kühl, im Tage trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostern&amp;lt;/u&amp;gt; – Diese Tage waren so warm und schön, als wir noch je Ostertage hatten. Am 13ten die erste Kornähren. Weitz in Neus 8 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Einige Nächte hat es gereift und gefroren. Korn in Neus 7 Reichstahler 10 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten, &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt;. 3ten: Heut hielten wir die Hagelfeyerprozession, die circa 600 Seelen stark ware. Da der Pastor um 9 Uhr ein Seelenamt hielte, so giengen wir späth aus, verkürzten also den Weg und giengen längst Sasserhof über die Heerstraße den Holzweeg herab auf die Hellbüchelsgasse, dan um das Dorf unten herein. Um 1 Uhr ware alles geschehen. Das Wetter war schöner als je, die beyden Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten und 5ten – Warmer Regen. Am 7ten und 8ten heiß und trocken. Am 7ten ware die erste Kornblühe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten, &amp;lt;u&amp;gt;Trinitas&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Mey ware so wie der Anfang des Junius ohne Regen, heiß und trocken, so daß dicke Bohnen und Salath gänzlich versagen. Es ist wenig Klee, und der Mangel an Futter vors Vieh ist äusserst drückend. Das Heu wurde dieser Tage mit 18 Reichstahler pro 1.000 Pfund hier bezahlt und ist gar nicht mehr zu haben. Da senkte sich bey Anfang der Frühmesse heut ein wohlthätiger Regen hernieder, der zwar nicht an die Wurzel kömmt, aber doch erfrischet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[443]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1819&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Es ist wieder trocken. Das Vieh leidet Mangel. Haber gillt 5 Reichstahler 15 Stüber, Korn in Kölln 7 Reichstahler 15 Stüber, hier das Paar Korn und Weitz 18 Reichstahler Neusmaas. Die Bendtrenke wird ausgemuttet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten Juni – Der Monath blieb trocken und heiß. Man hauet Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der 5te und 6te waren heiß, als man gedenkt. Diese beyde Tage wurde der Rest der Domainen-Ländereyen hier im Posthaus durch die Regierungsräthe Klinge und Hatzfeld verkauft. Unter denselben ware auch der Nusbaums-Hof zu Horm, herkommend vom Seminarium zu Kölln. Dieser wurde dem bisherigen Pächter Gerhard Bollig für 6.360 Berliner Thaler zugeschlagen; es sind etwas mehr als 100 Morgen. – Das Heu gillt 14 Reichstahler die 1.000 Pfund auf den Stückern. Der Morgen Graß auf den Zonser und Dormager Spicher wurde zu 36 bis 42 Reichstahler verkauft. Es ist sehr wenig Heu auf den Stückern, meistens kann man die Halbscheid rechnen gegen sonstige Jahren. Das thut aber, weil es seit dem Frühjahr nicht einmahl bis an die Wurzel geregnet hat. – Das neue Korn gillt 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Gestern und heute hat es etwas geregnet. – Seit Anfang dieses Monaths sieht man alle Abend einen Kometen auf Norden über Zons. Er hat einen sehr lang und hellen Schweif; dieser aber steht aufwärts. Neues Korn 7 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Anhaltende Dürre. Korn in Neus 7 Reichstahler, Haaber hier 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten hatten wir einen ordentlichen Regen. 2., 3., 4. und 25ten heiß. Der Weitzen ist fast alle herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten August – Heiß. Korn in Kölln 4 Reichstahler 50 Stüber, Weitz 7 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten August – Um 2 Uhr Nachmittag hatten wir einen Schauer Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Verflossene Nacht hatten wir nach 2 sehr heissen Tagen eine tüchtige Schauer Regen. Das Korn schlägt auf. Hier wird das Neusser Malder mit 5 Reichstahler 45 Stüber bezahlt. Die 1.000 Pfund Heu auf den Stückern, frisch gemacht und gebunden, 14 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Alles verdorrt. Die Hitze ist unausstehlich und verbrennt die Rübweiden, die sich so treflich ansehen. Die Haaber ist alle herein; das Malder gillt 3 Reichstahler 30 Stüber. In Kölln in den Wirthshäusern ist der Preis vom Heu und Brodt gleich, beydes das Pfund 1 ¼ Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Der Mangel unter dem Vieh ist äusserst drückend. Die Mäuse nehmen überhand und fressen die Stoppelklee vollends hinweg. Bäume verdorren, und im Felde und Gärten verbrennt alles, was grün ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[444]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1819&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dieser ganze Monath ware dem August vollkommen gleich. Nur sehr selten hatten wir ein kleines Schäuerchen Regen, daß nur ein Finger tief in die Erde drang. Die Saath kömmt gut heraus, aber die Mäuse vermehren sich ausserordentlich. Rüben gibt es keine, und die Erdäpfel kann man nur zur halben Saath rechnen. Einige haben nur pro Morgen 12 Malder. Hingegen ist der Wein vortreflich gerathen, sowohl an Güte als Vielheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heute, am 3ten October, ist es noch so warm wie im August. Korn gillt hier das Neusser Malter 5 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 7 Reichstahler 30, Haber 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Diese Nacht hatten wir eine ordentliche Schauer Regen, so 3 Finger tief in die Erde gedrungen ist. Im Tage war es wieder schön Wetter. Am 5ten, 6ten und 7ten anhaltender Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten, Freytag vor der Kirmes – Hell und schön. – Heut wird angefangen, durch den Entreprenneur Schée von Neus, das Dorf zu machen: Oben und unten der Hellbüchelsgasse wird die Straß anderthalben Fuß losgehackt und der Grund in die Vertiefung an der Hellbüchelsgasse gefahren, wo ein Kanal hindurch gemauert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wetter ist prächtig, viele Fremde sind im Dorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten, Kirmesdienstag – Nach Mittag giengen die Jungen mit Musick durchs Dorf um die Kirmesweck. Am Abend vermißte der Maurer Stofel Bloemer eins von seinen Kindern, Marie Catharina, sieben Jahre 6 Monath alt. Das Kind hatte mit andern Kindern zu Walhoven die Küh gehütet, kame wieder und sagte seiner Mutter: &amp;quot;Ich will mein bestes Kleidchen anthun und mich etwas lustig machen&amp;quot;, folgte also der Musick ins Dorf hinauf, ward gegen der Kirche noch gesehen und war fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Das Kind ist noch nicht ausfindig gemacht, so viele Mühe auch darauf verwendet wird. Die Meinungen sind tausendfach. Die allgemeine herschende ist, daß Juden dieses Kind aufgefangen haben, weil sie zu Zeiten, einer alten Sage nach, Kristen-Blut haben müssen. Und da nun das Verschwinden des Kindes mit dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[445]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Lauberhüttenfest-Ende zusammen traf, so finden sich allerhand Zeugen, welche bald den Juden Sekel mit einem Sack, bald den Juden Schimel um Mitternacht an Häusern laurend gesehen haben wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten und 16ten – Viel Regen. Heute, am 16ten, wurden alle Häuser visitirt. Man klom in alle Brunnen, Mistpfühle waren gar keine, weil es den ganzen Sommer nicht geregnet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Schön Wetter. – Der Conrad Sandt geht täglich an den Rhein, also auch heute Nachmittag. Am Plathalse werden neue Krippen angelegt. Da lagen einige Bürden junge Weiden zum Binden. Er glaubte also, man würde diese in dem nahen Holze des Mathias Heck abgeschnitten haben, gieng hinein, und das Kinde lag in den 5 Fuß hohen Schnitweiden an einem Weidenbaum. Ein Schuh stand unten und der andere mehr oben, die Strümpfe waren halb hinuntergestreift und nicht ausgezogen. Es schien, als wenn das Kind so todt hingetragen worden wäre. Der Conrad lief hieher und begegnete eben den aus der Bruderschaft kommenden Kirchenleuthen, die auch sogleich schaarenweise dahinliefen. Das Kind ware mit einer dünnen Bandweide zweymal um den Hals lose gebunden und die noch in der Erde festgewachsene Weide durchgestochen. Der Doctor Kauhlen ware nicht zu Hause, und der erst beym Dunkel ankommende Chyrurg Lindgens von Zons gab beym Licht sein Visum Repertum, daß das Kind genothzüchtigt worden. Man trug das Kind bey den Schwager des Christofel Bloemer in die Nettergasse, damit die Mutter sich nicht erschrecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Weil es zu Worringen Kirmes und schön Wetter war, so strömmten Hunderte von da hieher, um das Kind zu sehen. Es wurde nach Kölln und Neus berichtet und am&lt;br /&gt;
:19ten kame der Staatsprokurator Berghaus mit dem Richter Verkenius hieher. Das Kind wurde auf den Hof des Engel Weyer getragen, die Zugänge mit 20 Militz-Männern besezt, und der Doctor Kauhlen und Lindgens fiengen die Untersuchung um Mittag an. Die allgemein verbreitete Sage, dem Kind wäre von Juden das Blut ausgesogen worden, hatte Tausende hieher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[446]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1819&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:gezogen. Viele waren drey Stunden weit gekommen, von Straberg, Nivenheim, Worringen hatten sich kleine Prozessionen gebildet, welche laut betheten. Da es eben Dienstag war, so ward die Kirche geproft voll. – Allenthalben hatte sich die Sage verbreitet, dem Kinde wäre das Blut ausgesogen, und es hätte an 700 Wunden geblutet. Ich selbst sahe das Kind, die Bein und Arme voll rother Flecken, und ich selbst glaubte, daß Juden die Thäter seyen. Um 11 Uhr hatte sich eine Menge Worringer vor dem Hause des Juden Isak versammelt. Sie riefen &amp;quot;Hep! Hep!&amp;quot;, welches die Zerstöhrung Jerusalems bedeutet, und drohten das Hauß zu stürmen. Die Anwesenheit aber des Bürgermeisters und der übrigen Gerichts-Herren von Kölln und hier benahm ihnen den Muth. – Die Ärzte sägeten zu erst die Hirnschale ab. Da fand sich eine Menge Blut, so auch an der Lunge. Kaulen erklärte, daß das Kind genothzüchtigt und ihm die Schaam ausgerissen seye. Die rothe Flecken an Arm und Bein wären durch das Wiederstreben in Stoppeln und das Aufritzen der Finger auf hartem Boden durch Krabelen entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Um 10 Uhr morgens wurde das Kind vorn auf dem Kirchhof begraben. So wie der Pastor in der Kirche war, kamen noch einige Wagen von Kölln und Crefeld so wie viele Fremde aus der Ründe, um das Kind zu sehen. Der Todtengräber öfnete den Sarg. Man stellte eine Wache hinzu, und erst am Abend wurde das Grab geschlossen. – Aus den abgehörten Zeugen geht nichts hervor, was unsern Juden zur Last fällt, und die That kan eben sogut von einem Kristen als Juden, der besoffen war, verübt worden seyn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Das Wetter ist anhaltend, ohne Frost, angenehm. Die Früchten schlagen ab: Korn 5 Reichstahler, Weitz beynahe 7, Buchweitzen 5, Haaber 3 Reichstahler 38 Stüber, alles Köllnisches Maas hier; Heu 14 Reichstahler die 1.000 Pfund. – Die Inquisition wegen dem ermordeten Kinde geht noch immer fort. Man scheint auf der Spur zu seyn. Kinder, die mit dem Unglücklichen des Nachmittags wandelten, sollen etwas deponirt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 7ten – Abwechselnd Wetter. Korn hier Neusmaas 4 Reichstahler 45 Stüber, Haber 3 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Es hat die Nacht so stark gefroren, daß die schwersten Wagen über den Dreck fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[447]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1819&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Etwas Frost, den Abend Schnee, die Nacht viel Regen. Dieses Wetter muß die Mäuse wahrscheinlich vertilgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten bis 21ten – Sturm und viel Regen. Der Rhein tritt aus und läuft diesen Abend durch die Schleuse zu Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Heut um 10 Uhr vormittags liefe der Rhein schon über die Landstraße in den Bixem. Kornpreis in Neus 4 Reichstahler 5 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Heut Vormittag habe ich den Damm abgewogen, und es fand sich, daß gegen der Grindkaul der Dam noch 1 Fuß 8 Zoll hielt, ehe es drüber geht. Am Monheimer Weg trägt es noch 2 Fuß. Es regnet, der Rhein bleibt am Wachsen. Tag und Nacht sind Wachen auf dem Damm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristag&amp;lt;/u&amp;gt; – Um den Mittag ließ der Bürgermeister ausschellen, daß jeder sich bereit halte, um auf den ersten Wink am Damme behülflich zu seyn. Um 2 Uhr liefe es am Monheimer Weg durch ein Maulwurfsloch. Gleich liefen die Leuthe mit Stroh dahin. Sie stopften diesseits des Dammes, aber je mehr Stroh sie hinein stiessen, desto größer wurde das Loch. Ich kame mit Jacob Steinberger dahin. Dieser erinnerte sich, daß in den 1770ger Jahren auch einmal ein ähnlicher Fall war. Man schluge auf die Klock, und der eben anwesende Rheinaufseher, Schefen Breuer von Worringen, grube oben auf dem Damm in der Mitte einen 2 Fuss breiten Graben, bis man die Öfnung fand, dann wurde dieser Graben mit Stroh und Erde zugestampft, da dieses damals den Damm gegen Rheinfeld gerettet hatte. So verfuhren wir auch heute auf die nähmliche Art, und in Zeit von 6 Minuten ware das Loch verschwunden. Der Damm hatte am Abend an den niedrigsten Stellen noch 8 Zoll Höhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26., &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Gleich nach dem Mittag wurden circa 30 Karren und aus jedem Hause ein Mann beordert, um in der Schindskaule Rasen auf den Damm zu fahren. Daß Pferd der Wittib Delhoven gienge am Monheimer Weg den Damm hinab und schwamm einen Flintenschuß weit dem Dorfe zu, wo es mit den Vorderfüssen auf einem Hügel Grund faßte und nur der Kopf über dem Wasser hatte. Es währte beynah 2 Stunden, ehe man das Pferd mit einem Nachen von Rheinfeld gerettet hatte. Am 27ten fiel das Wasser. Am 29ten bis 31ten Frost. Es spühlte an niedrigen Örten über unsern Damm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1820 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[448]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1820&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Starker Frost. Das ganze Rheinfeld ist zugefroren und das Wasser stark drunter hinweggefallen. – Unten im Dorf, wo der neue Kanal gemauert ist, wird jetz grober Sand drüber gefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Der Frost ist stark, die Kälte sehr hart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Heut ware es etwas gelinder, doch ohne aufzuthauen. Am 18ten steht der Rhein schon von Düsseldorf bis an den Walscheiderhof. Heut fienge es mit viel Regen stark an aufzuthauen. Weitz 6 Reichstahler 40 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Diese Nacht hat es ausserordentlich geregnet. Korn 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Heut ware schon das ganze Feld überschwemmt. Die Rheinfelder sind mit ihrem Vieh hier. Die Geringeren haben Biletter bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Frost; uneracht dessen wächst der Rhein noch immer und ist auf einen halben Fuss nah so groß wie am Kristag. Das Obereis ist fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Stark gefroren. Heut Morgen erst fienge der Rhein an zu fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Frühlingswetter. – Korn in Neus 5 Reichstahler, Weitz 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten-5ten – Frost. Die Perschen hinter dem Damm sind sehr verdorben, Löcher ausgetrieben, ganze Strecken mit Sand beschossen und viele Besserey aus dem Land getrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten, 11ten, 12ten – Frühlingstage. 13. bis 18ten Frost und kalt. Korn 5 Reichstahler, Weitz 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Kalte Nächte. Es friert so stark, daß morgens alles drüber geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Schauren. Am 2ten sehr stürmischer Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Der Schnee ware in der Nettergasse den Hecken gleich aufeinander gejagt. Deswegen musten heute 10 Pferdsmänner denselben mit Schupen aufwerfen, weil diese Mist und zur Mühle dahinfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Anhaltend starker Frost. 15ten bis 25. Merzerstürme, so daß in den meisten Gärten noch nichts gegraben ist. Korn 5 Reichstahler 30, Weitz 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Angenehm Wetter. Es sind keine Römerfahrten gehalten worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 13. – Schöne Tage. Bey der Verpfachtung der Gemeinde-Ländereyen ward ausbedungen, daß hinter der Kirche künftig ein Fahrweg neben den Hecken gelitten werden muß, und daß der quer auf das Bildstöckchen laufende Fußpfad verbothen werde; dieses ist jetz eingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 8ten – Reif und Nachtfröste. Korn in Neus 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, Haber 4 Reichstahler 30 Stüber, Erdäpfel das Malder hier am Rhein 2 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu in Kölln 20 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten bis 30ten – Sehr heiß und trocken. 14., 15. und 16ten etwas Regen. Das Vieh leidet Mangel; das Graß in den Kühbenden ist kaum einen halben Finger lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Die Trockene ist ausserordentlich. Vorgestern sind die Kühe eingetrieben worden. Die Rheinfelder, der Sandhalfen, die Speymans und Boismars haben sich ihre Kühbenden an der Seythe von der Irmerhütte abnehmen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[449]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27., 28. und 29ten – Köstlicher Regen. 1.000 Pfund Heu gelten hier 20 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 9ten regnet es alle Tage. – Die Fourage fürs Vieh ist so rar, daß man zu Delven Strau, das ist saures Graß aus den Brüchen, hieher bringt und die Bürde um 6 Stüber verkauft. Klee ist sehr wenig, und die noch ist, blieb wegen der langen Trockenheit so klein, daß sie kaum drey Finger lang ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis den 21ten – Alle Tage Regen. Am 22ten schön Wetter. Am 23. und 24ten sehr heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 12ten – Nordwindig, kühl und sehr trocken. Den 13. bis 17. sehr heisse Tage. Am Abend brachte uns ein schweres Gewitter ein klein wenig Regen, dessen wir sehr bedürftig sind. Am 15. fienge man an, Korn zu hauen. Kornpreis 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. bis 20ten – Regen bis an die Wurzel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Heut nach Mittag hatten wir einen so starken Regen, als man sich nie erinnert. Viel Heu auf Hausten wird zur Halbscheid faul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Alle Tagen Regen. Das Korn fängt an zu wachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Sehr heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 5ten – Heiß. Es ist sehr viel Korn eingefahren worden. 5ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten und 7ten – Viel Regen, bis Ends August schön Wetter, doch alle 8 Tage einen dringenden Regen. Korn 5 Reichstahler 15 Stüber, Haber 2 Reichstahler 30 Stüber, Heu 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die 2 lezte Tage im August und die 3 erste Tage im September hat es anhaltend und stark geregnet, so daß der Haber, deren dies Jahr wegen dem Wasserschaden und Mausbiß sehr viel und schön ist, dem Verderben drohet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. – Heut ware ein schöner Tag. Viel Haber, die gebunden war, muß wieder auseinander gethan werden. Korn Neusmaas 5 Reichstahler, Haber in Kölln 2 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Bis heute und heute noch ist es hell und heiß, so das viel Haber herein ist. Auch heute haben viele gearbeitet, obschon es abgesezter Feyertag ware. Gestern ware eine totale Sonnenfinsterniß um 2 Uhr Nachmittags. Es ware eine höchst seltene Erscheinung: Man konnte links neben der Sonne einen Stern sehen. Als die Finsterniß am stärksten war, da blieb nur ein Ring von der Sonne übrig. Und wenn man mit dem blosen Auge dieselbe ansah, so ware die Sonne wunderschön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Der September lieferte uns trefliches Saath-Wetter. Die Preisen der Früchten sind flau: Korn 5 Reichstahler, Weitz 7, Haber 2 Reichstahler, Buchweitz 5 Reichstahler, Heu die 1.000 Pfund 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis die Kirmes vorüber war, hielt sich das Wetter schön, da fienge es an zu regnen, der bis den 28ten anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. – Schön Wetter. Der Rhein, der auszutreten drohte, fällt wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[450]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1820&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Seit 8 Tagen hatten wir Nachtfröste. Vorgestern thauete es. Gestern fiel bis Mittag viel Schnee, drauf kame am 17ten Frost. – Das Malder Haber 2 Reichstahler in Kölln, Korn 4 Reichstahler 56 Stüber, Weitz 7 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten bis 25ten – Frost. Die Erde ware mit Schnee bedeckt. Deswegen sind die viele Rüben vor dem Erfrieren sicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Thauwetter. Am 4ten und 5ten December Sturm und Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 13ten – Thauwetter. Am 14ten, 15ten, 16ten starker Frost. Das Malder Korn stand einige Zeit in Neus 4 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler 30 Stüber. Jetz wird daselbst das Korn wieder zu 5 Reichstahler und der Weitzen zu 7 Reichstahler bezahlt. Haber gillt hier 2 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Regen bis 23ten. Den 24ten hatte es so stark gefroren, daß alle Wägen drüber gehen. Gestern Abend regnete es noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Sehr kalt. Die hiesige Orgel wird renovirt und unter andern kleinen Veränderungen in das obere Manual statt der bisherigen Cornetregister eine Flaut travers eingesezt, auch die Clavitur um 6 Tangenten vermehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Der Frost hällt seit dem 24ten bis heute an, und zwar so stark, daß heute Mittag zu Zons der Rhein sich sezte. Die verflossene Nacht ware an der Piwip das Wasser 2 ½ Fuß gewachsen. – Das verflossene Jahr ist ein sehr merkwürdiges, bloß wegen dem Geldmangel. Dieser ist ausserordentlich und sezte viele Ackersleuthe, die mit dem Lezten auf Terminen gekauft haben, in große Verlegenheit. Das untere Feld ware fast alles, was Winterfrucht war, verdorben. Das, was man stehen ließ, ist nichts geworden als Unkraut; hingegen alles, was mit Haber besähet wurde, selbst magere Brach, gab schöne Haber, so groß und so viel Stroh, als im Jahre 1784, nur nicht ergiebig. – Im Späth-Herbst sind durch das ganze Dorf Gräben langs den Häusern aufgeworfen worden; sie sind 2 ½ Fuß breit und 1 ½ Fuß tief, gewöhnlich 3 Fuß von den Häusern ab, welche 3 Fuß zum Fußpfad dienen. Jeder macht sich gegen der Haußthür eine Brücke hinüber, und gegen der Einfahrt wird der Graben mit Schanzen oder Mist gestopft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1821 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[451]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1821&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Diesen Morgen 8 Uhr sezte sich der Rhein am Platthalse mit mittelm Wasser. Er schob sich ganz eben zusammen. Den Nachmittag giengen schon viele an der Piwitt drüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Gelinder Frost. Am 4ten: Der Rhein hatte sich bis bey Niel gesezt. Es friert nicht stark. An der Worringer Drenk und etwas höher, wo seit einigen Jahren zwey Wirthshäuser erbaut worden, fienge man diesen Morgen an, einen Weg zu hauen. Sie waren bis bald auf der Halbschied, da sezte sich die Eißdecke in Bewegung und schob sich bis an die 3 Kaulen zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten fienge es am Abend an zu regnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Thauwetter. Der Rhein steht bis Niel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Gleich nach 12 Uhr Mittags ließ der Bürgermeister bey mir 3 Böller lehnen, um den Zonser das Signal zu geben, daß der Rhein hier loßgebrochen seye. So wie wir hinkamen, hatte das Eiß haushohe Berge am Leinufer und Platthalse sich aufgethürmt. Das Wasser wuchs, die Eißberge vergrösserten sich, dann sezte er sich auf einige Minuten und trieb dan wieder. Um 4 Uhr sezte sich die Eisdecke wieder und bliebe unverrückt bis in die Nacht. Am Abend erhielten wir von Neus eine 3-Pfündner-Kanone, um damit beym Losbrechen das Signal zu geben. Thauwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Gestern Abend kündigten uns 6 Kanonenschüsse am Posthaus an, daß der Rhein am Treiben seye. Diesen Morgen stand er wieder. Um 8 Uhr brach er loß. Das Wasser ware ein paar Stunde ausgetreten. Die Gegend am Damm von der Landstraße bis bald gegen Rheinfeld ware überschwemmt. Um den Mittag ware das Wasser wieder binnen Bord.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Der Rhein ist 10 Fuß gefallen. Heut kam viel Obereis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. – Anhaltender Regen. Korn in Neus 4 Reichstahler 45 Stüber, Weitz 7 Reichstahler, Haber 19 Schilling. Bis 27ten Thauwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. und 30ten – Starker Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[452]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1821&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Hell und klar. Korn in Düsseldorf 5 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler, Haber 17 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten, &amp;lt;u&amp;gt;Samstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen gleich nach 6 Uhr hörte ich einen Schuß fallen. Ich öfnete ein Fenster, sahe, daß noch alles auf der Straße ruhig war, und schloß wieder zu. Gleich darauf hörte ich Weinen und Jammern. Da ware der Johann Steinberger aus einem oberen Fenster heraus auf den Steinweg gefallen. Es ist der Sohn vom seeligen Scheffen Friedrich Steinberger, beynahe 58 Jahre alt. Da er groß und einer der dickesten Personen im Dorf war, so konnte der Fall wohl nicht anders als tödlich seyn. Man trug ihn herein. Die Haut vom Hirnschädel ware ganz abgestreift. Der Pastor gabe ihm die lezte Oelung. Da kamen die Doctoren Kauhlen und Lindgens von Zons und verbanden ihn. Drauf wurde er wieder so vernünftig, daß er beichten und kommunizieren konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten, &amp;lt;u&amp;gt;sonntags&amp;lt;/u&amp;gt;, kamen seine beyden Brüder von Kölln, und als diese ihn am Abend verlassen hatten, da starb er um 5 Uhr und ward&lt;br /&gt;
:am 6ten morgens 10 Uhr versenkt. Er litte lange Jahre schon am Nervenziehen, das der fallenden Krankheit glich. Bey jedem neuen Mondlicht trat dieses ein, und wenn er nicht genau bewacht wurde, so fiel er zur Erde, und manches Mal wurde er mit blutendem Kopf hereingetragen. Er schlief oben auf und ware die Nacht von einem Zimmer ins andere gewandert, fand 6 geladene Gewehre und schoß eins ab, oben durch die Decke des Zimmers. Dann öfnete er ein Fenster und fiel herunter. Er hatte die Jagdtasche noch umhängen. Der Kopf ware ausser der Haut nicht verletzt, aber Brust und Lunge brachten im zum Tod. Früher ware er Steuerempfänger, und bis ans End seines Lebens gab er viel den Armen. Er ware mein Jugendfreund, und bis ins dreysigste Jahr meines Alters waren wir täglich und alle Abend bis zum Schlafengehn beysammen. – Mit 1ten Februar hat das Barrier hier angefangen. Der Barrierbaum ist am Posthaus aufgeschlagen, dessen Stief-Sohn Christian Sturm Empfänger ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Seit dem 3ten dieses fror es alle Nächte, doch nicht sehr stark. Der Johann Wilhelm Verhagen im Pflug hat von den Zonser Pfannenbäker übernommen, 3.000 Schanzen aus dem Busch nach Zons zu fahren. Er verdient die dritte Schanz als Fuhrlohn. Dafür ist diese Frostbahn äusserst gut. Die Früchten sind so flau, daß man nicht einmahl den Preiß angeben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[453]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1821&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. – Heut fienge es an aufzuthauen. – Haber in Kölln 7 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Abends Regen. Am 26ten morgens ware es so hart gefroren, daß es drüber geht. Gerst hatte schon früher stark vom Frost gelitten. Es werden am Platthals neue Krippen angelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 14ten – Regentage. Dieses Wetter hat den Rhein aus seinen Ufern gebracht. Die Hütte hinter dem Damm ist überschwemt, und in den Kuhbenden wird gedeicht. – Es werden hier im Dorf auf jede Minute 160 Karren Kieß, der erst durchgeworfen wird, gefahren. – In den Gärten ist noch nichts gegraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Der Rhein ist am Fallen. Bis 21ten Merzerschauren, bis 30ten abwechselnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 12ten – Trocken ohne Nachtfröste. Korn hier Köllnisches Maas 4 Reichstahler 10 Stüber, Weitz Neusmaas 6 Reichstahler 32 Stüber, Haaber idem 15 Schilling. Der Rabsamen ist voll von den kleinen schwarzen Käfercher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Regen bis 17ten. Am 19. fängt man an, Haber zu sähen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostern&amp;lt;/u&amp;gt; – Bis 28ten so heiß, als man es nie um diese Jahrszeit sich erinnerte. Am 29ten, Sontag Nachmittag viel Regen. 30. feucht und warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 8ten – Schön Wetter. Korn in Neus 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler, Haber 15 Schilling. Der Hagdorn oder Holzapfel blüht. Am 11ten Mispelblüthe. Bis 13ten kühl und naß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. – Kornblüh. Am 14ten nachmittags Hagel, der am Rabsahmen, am Salath und Klee Schaden gethan. Bis 26ten nordwindig mit abwechselndem Regen. Am 21. und 22ten starker Reif.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Trocken-nordwindig. Kornpreis 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Straf und kühl. Am 16ten bis 21ten sehr heiß. Am 22ten etwas Regen. Das Korn ist kaum reif. Vor 4 Tägen fienge man erst an zu hauen. Heu ist mehr als je gerathen und bey dem trockenen Wetter fast alle fertig. Die 1.000 Pfund kosten hier 4 Reichstahler. In den Kühbenden wird längst dem Mühlenberg ein Graben gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Weil das Korn so späth reif wurde, so kame in den lezten Tagen sehr viel Korn herein, gestern wohl das meiste. Drauf folgte die Nacht viel Regen. Das neue Korn gillt 4 Reichstahler 15 Stüber, Haber 2 Reichstahler 1 Schilling, 1.000 Pfund Heu hier 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 30 Stüber, Rabsahm 10 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Schön Wetter. Gestern wurde viel Haber eingefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Viel Regen bis 19ten. Es steht noch viel Buchweitz und Haber dem Verderben nah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[454]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1821&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Man muß die Saath in die Erde stehlen. Es regnet alle Tage. Der Buchweitz wird halb naß hereingefahren. Der Weitzen ist auf einen Posttag bis 8 Reichstahler gestiegen, weil die Erndte in England durch den anfallenden Regen mißrathen ist. Korn gillt noch 4 Reichstahler, Haber 2 Reichstahler, Buchweitz 3 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Seit dem ersten hat sich das Wetter zum Guten geneigt. Die späthe Saath ist gut, die frühe schlecht in die Erde gekommen. Das Korn schlägt auf und steht 4 Reichstahler 30 Stüber, Buchweitz 3 Reichstahler 45&amp;lt;ref&amp;gt;Der Schreiber hat versehentlich vor die &amp;quot;45&amp;quot; eine &amp;quot;4&amp;quot; gesetzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Das Wetter anhaltend gut. Ein paar Nächte hat es etwas gefroren, dan folgt Regen mitunter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Acht Tage im Beginn dieses Monaths hatten wir Sturm mit Regen, übrigens ist das Wetter angenehm. Korn gillt an der Worringer Drenk das Neusser Malder 4 Reichstahler 13 Stüber, Weitz 6 Reichstahler 30 Stüber, Haber 2 Reichstahler, Heu allhier 5 Reichstahler, Stroh die 100 Bauschen à 11 Pfund 4 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Seit dem 18ten hatten wir viel Regen mit anhaltendem Sturm. Ausser ein paar frühern Nachtfrösten hällt der Pflug sich noch immer am Bauen. – Die Früchten sind gut gerathen und ergiebig. Ein Mann drischt von gutem Korn ein Malder. Heu ist die Menge und ward bisher so theuer wie Stroh verkauft, jetz ist es bis 4 Reichstahler 30 Stüber in die Höhe gegangen. Korn steht zu 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 2 Reichstahler. – Wegen der Vielheit, so gerathen ist, könnte der Ackersman noch wohl bestehen; allein, die Abgaben sind so hoch, und der vorrigjährige Wasserschaden haben ihn zurück gesezt. Der Rhein drohete am Ende oft auszutretten, hat es aber nicht gethan. Die späthe oder vielmehr die mittlere Saath scheint die beste zu seyn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1822 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[455]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1822&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Griechen in Morea haben sich gegen die Türken aufgelehnt. Die Türken morden nun in allen Städten, was Grieche ist. Der Kayser von Rusland hat eine zahlreiche Armee an den Pruth marschieren lassen, und es scheint, daß sie das Frühjahr die Türken angreifen werden, um ihren Glaubensgenossen, den Griechen, beyzustehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Bisher hatten wir noch keinen Winter. Diesen Nachmittag fiel etwas Schnee, und am 6ten, 7ten und 8ten fror es gelinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Es folgt noch kein Frost, und die Früchten wollen nicht aufschlagen. Korn steht wieder 4 Reichstahler, das Heu ist bis 5 Reichstahler die 1.000 Pfund gestiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Das am Sontag eingefallene Sebastianus-Fest wurde heut gefeyert. Heut Nachmittag kame ein Mensch von circa 23 Jahren von Jussenhoven herab bis an das Lämbchen, gienge über den Höhenberg dem Damme nach auf Rheinfeld, foderte bey dem Mathias Broich eine Butteramme. Als dieser ihm solche gegeben hatte, gieng der Broich heraus, um Holz zu hohlen. Zwey Mädchen aus der Nachbarschaft, deren eins 14 Jahr alt ist, sassen bey ihm in der Stube. Wie er am essen war, nahm er das auf dem Tisch liegende Brodtmesser und schnitte sich den Hals ab. Sogleich strömten Hunderte von hier dahin. Er hatte eine Militärhose und -Weste an, circa ein Berliner Thaler Geld, und aus einem Brief von seiner Mutter geht hervor, daß er, aus Halteren gebürtig, zu Kölln unter der Artillerie dient. Seine Mutter schreibt ihm, er möchte doch etwas von seiner Löhnung für sie ersparen, denn sie habe von seinem Bruder nur 3 Stüber bekommen. Wahrscheinlich ist er desertirt. – Er wurde am 24ten nachmittags in eine Lade gelegt, hiehin gefahren und neben dem Beinhaus in die Hütte begraben, wo der verstorbene Müller reformirter Religion begraben liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Wenn es auch eine Nacht etwas zu frieren scheint, so stürmt es wieder acht Tage. Heut wüthete ein schrecklicher Sturmwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Man pflanzt in den Gärten. Zuweilen reift es mit wenig Frost. Korn, an die Drenk geliefert, Neusmaas, 4 Reichstahler, bester Weitzen 6 Reichstahler 30 Stüber, Haber 14 Schilling, 1.000 Pfund Heu hier 5 Reichstahler 15 bis 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[456]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1822&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 5ten – Schöne Frühlingstage. 6ten Sturm und viel Regen. – Einen so gelinden Winter gedenkt keiner. Alle Tage ohne Ausnahme konnte man graben, im Rabsahmen zeigt sich vielfach Blühe, die Violen blühen, und alles grünet. Das Korn steht noch zu 3 Reichstahler 54 Stüber. – Die Mäuse wollen noch nicht vergehen. Was sie früh abgefressen haben, ist wieder schön beygewachsen. Am Klee haben sie den meisten Schaden gethan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Diese Tage waren entsetzlich stürmisch, harte Donnerschläge mit dem Erdbeben ähnlichen Wind waren fürchterlich. Ganze Nächte hat es geregnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten bis 16ten – Meywetter. 17ten Regen, am 18. Sturm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Der Merz ware bis zu 23ten angenehm, da stellte sich der Wind ins Nordwesten mit Nachtfrösten und kalten Merzerschauren bis den 6ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Man hat schon vor 8 Tagen in Zons Kornähren gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Der April ware vom 6ten bis zu Ende mehr trocken als naß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 7ten – Sehr heiß mit Donner. Am 8ten starker Regen. Die erste Kornblühe ware am 5ten Mey. – Die Mäuse thun oben im Feld noch viel Schaden. Kornpreis 3 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler, Haber 15 Schilling, Heu 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Sehr heiße Tage. Man hoft Regen. Es wird schon Korn, Weitz und Gersten für Vieh abgeschnitten, weil die Mäuse so stark darin gehauset. – Am 8ten Mey blühte im Weinland der Weinstock. Heut, am 24ten, wurde der erste kleine Sahm gemähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingstabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Donner und starker Regen. Auf Anordnung des Bürgermeisters müssen in 8 Tagen von jedem Morgen Land oben im Feld 10 Mäuse und von jedem Morgen unten im Feld 5 Mäuse geliefert werden. Um sie zu fangen, werden Löcher gebohrt. Die Hufschmiede verfertigen solche aus einer alten Schüppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Vom 26ten bis heute sehr heiß. Kornpreis Neußmaaß hier 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 14ten entsetzlich heiß. Alles verdorret. Am 15ten Donner mit Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. bis 20ten – Trocken mit Nordwind. Korn 4 Reichstahler 30 Stüber hier. Am 15ten ware schon reifes Korn gemähet. Bis 28ten sehr heiß. Wegen Mangel an Fourage wird das 1.000 Pfund neue Heu in den Kempen mit 8 Reichstahler aufm Stück bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten und 30ten – Starker Regen, doch nicht an die Wurzel. So wie das Korn abgemähet ist, wird es auch eingefahren. Die Mäuse thun jetz mehr Schaden und vermehren sich stärker als je. Es geht jetz an die Sommerfrucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten musten wir den Mausschaden angeben, ob es vielleicht möglich würde, daß wir etwas Nachlaß in den Steuern erhielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[457]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1822&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Das Wetter ist anhaltend trocken. Zuweilen bringt ein vorüberziehendes Gewitter etwas Regen. Allein, die lange Dürre ist Schuld, daß nach ein paar Tagen alles wieder welket. Die Mäuse thun noch entsetzlichen Schaden. Viele Haaber wird abgefüttert, andere hauen sie halb reif ab und setzen sie auf Gäste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Indessen hat sich ein ganz sonderbahrer Zufall in Zons ereignet: Weil die Mäuse auch das Gemüse, z.B. Kappus, Mohren etz. angreifen, so hielte der hiesige Pastor einige Sonntage abends 6 Uhr Rosenkranz, auch seit dem 22ten nachmittags 1 Uhr Rosenkranz mit Benediction. Die Zonser hatten ebenfals den 16ten angefangen, um 1 Uhr Nachmittag eine ähnliche Andacht zu halten. Der vorige Caplan in Zons, Herr Ankenbrand, hatte vielleicht vor 10 Jahren ein Muttergottesbild der Kirche geschenkt. Gesicht und Hände sind von Wachs, den Kopf zirt eine silberne Krone, worauf oben 8 vergoldete Kreutzcher angebracht sind. Diese Kreutzcher geben einen Schein, besonders, wenn die Lichter angezündet sind. Sogleich ergrif der fanatische Pöbel diesen Schein und machte ein Miracul daraus. Nun strömmt täglich eine Menge Menschen dem neuen Gnadenorte zu, von Worringen, Hittorf etz. prozessionsweise, von Bedburg, Düsseldorf, Neus etz. in kleineren Truppen. – Der Landrath von Neus hat 2 Unterofiziere von der Landwehr nebst einem Gensdarm in Zons gelegt, welche wachen sollen, daß keine ungesetzmässige Processionen nach Zons einkehren. Auch machte bemelter Landrath einen Bericht an den General-Vicar in Aachen, worauf der Pastor in Zons Befehl bekame, daß der Gottesdienst (am Sonntag ausgenohmen) in den Wochentagen um 8 Uhr beendigt und die Kirche geschlossen seyn solle. – Der Zufluß nahm täglich mehr und mehr zu. Abends wurde Prozession von den Bürgern veranstaltet. Man gieng mehreremale um die Kirche, dann am Feldthor heraus an das Muttergottesbildchen am Schloß. Hunderte von Dormagen, Rheinfeld etz. giengen dahin und beteten zur Abwendung der Mäusstrafe bis Mitternacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Wir hatten einige Tage Regen. Kornpreis 6 Reichstahler, Weitz 7 Reichstahler 30, Haber 3 Reichstahler. Auch hier fiengen die Bewohner des unteren Dorfes an, prozessionsweise auf den Kirchhof zu ziehen. Sie gehen siebenmal um die Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Des Abends versammelt sich das ganze Dorf bey der Prozession. Sie gehen von unten auf durchs Dorf, den Römerfahrtsweg ums Dorf bis an Gussenhoven, oben heraus über den Damm etz. Hunderte Lichter werden dabey umgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[458]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1822&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Das Wetter ist anhaltend trocken. Oben im Feld sind fast keine Rübweiden. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 7 Reichstahler 30 Stüber, Haber 3 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 10 Reichstahler. – Der Landrath hat durch den Bürgermeister die Abendsprozession verbiethen lassen und dagegen mittags von 1 bis 2 oder abends von 6 bis 7 Uhr vorgeschlagen. Demungeachtet kamen heut Abend beym Dunkel die Unterste aus dem Dorf gebethen. Der Bürgermeister lies durch den Sergeanten verschiedene angeben und entboth solche zu sich aufs Bureau. Da sich aber kein Gesätz vorfindet, welches dergleichen Bethen verbiethet, so gehn die Leuthe in großer Zahl abends Prozession, doch ohne Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Der Landrath besuchte unsern Pastor und bath denselben, die Pfarrgenossen zu ermahnen, von den Abendsprozessionen abzustehen. Darauf ersuchte der Pfarrer die Leuthe, daß sie doch im Tage gehen möchten, und wenn sie an Sonntagen um 6 Uhr abends wiederkämen, so wollte er eine Litanie und Rosenkranz in der Kirche bethen und auch die Benediction geben. Den ersten Sonntag geschahe das. Weil aber in der Woche wieder späth gegangen wurde, so befahl am folgenden Sonntag der Pastor dem Küster, die Kirche nicht zu öfnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – &amp;lt;u&amp;gt;Trocken&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Prozessioniren abends hällt an, und die Muttergottes in Zons bekömmt täglich mehr Zulauf. Es wird Silber und Gold daran geschenkt, so daß dem Küster sein großer Sohn des Nachts in der Kirche schlaffen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Sehr trocken und heisse Tage. Die Mäuse vergehen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Man bringt die Saath trocken in die Erde und befürchtet, daß sie nicht werde herauskommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Vor ein paar Tagen hatten wir eine ordentliche Schauer Regen. Die Frucht kömmt gut heraus, auch scheinen die Mäuse oben im Feld zu vergehen. Korn 6 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler 30, Sahm 11 Reichstahler 30, Haber 3 Reichstahler, Heu 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Verflossene Nacht hatten wir ein schweres Gewitter mit Regen. Die Mäuse haben an den Erdäpfeln wenig Schaden gethan, sie sind ausserordentlich gerathen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Schön Wetter, abwechselnd mit Regen. Die Kirmes ware sehr besucht. Bey Johann Cremer oben der Kirche war zu erst Musick. Eine zahlreich ausgesuchte Gesellschaft hatte sich dort vereinigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[459]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten October – Anhaltend schön Wetter, zuweilen etwas Regen. – Die Mäuse thun in der neuen Saath viel Schaden. Von der Regierung ist das Fütteren mit Arsenic verbothen im Kreise Neus, hingegen ist es im Regierungs-Bezirk Kölln erlaubt. Man sucht sich also Futter vom Köllnischen zu verschaffen, und jeder füttert. – Die Andacht zu Zons ist am Ende. Der Landrath von Neus hat nicht geruhet, bis der General-Vicarius den Pastor aus St. Peter und Gereon von Kölln nach Zons sandte, um das Bild zu untersuchen. Sie kamen am Zonser Kirmesmontag hieher, nahmen unsern Pastor mit, liessen das Bild auskleiden, fuhren nach dem Heckhofe bey den Bürgermeister zu Kirmes und kamen am Abend wieder, in einem Zustand, wo man deutlich abnehmen konnte, daß sie keinen Durst gelitten hatten. – Darauf ist vom General-Vicar die Ordre gekommen, das Bild aus der Kirche in die Pastorat zu bringen und der sich um die Andacht viel bemühte Vicar Brings nach der Weiden bey Aachen zu versetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. – Sonderbahr! Der Pastor von Nivenheim, der stark gegen die Andacht zu Zons gepredigt hatte, wurde lezten Sonntag toll, der Bürgermeister von Zons stürzte gefährlich am Sonntag aus der Schaise. Der Chirurg Lindgens fiel bis über die Ohren in den Rhein und der Concionator in eine Erdäpfelgrube und wurde unter Gespött heimgeleitet. Alle vier Contradictoren der Andacht, alle am nähmlichen Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Das Wetter ist wie im Frühjahr, warm und so trocken, daß es auf den Kleedrieschen zum Bauen zu trocken ist. Korn steht in Hittorf das Köllnische Malder zu 6 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Seit dem 10ten ware es Frühlings-Wetter. Die Saath ist so rauh, daß man die Kühe aufs Korn treibt und abweiden läst. Auch viele schneiden das zu rauhe Korn ab zum Kuhfutter. Es ist so trocken in der Erde, daß man kaum die Kleedrieschen bauen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 26ten bis 8ten November&amp;lt;ref&amp;gt;Irrtümlich November statt Dezember.&amp;lt;/ref&amp;gt; – Stürmisch-naß. Am 9ten, 10ten, 11ten und 12ten starker Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Der Frost hällt seit dem 9ten December an. Der Rhein ist sehr klein. Die Säume sind so weit mit Eiß bedeckt, daß nur in der Mitte ein starker Steinwurf breit das Eiß noch durchtreibt. Korn in Kölln 6 Reichstahler 20 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Das Jahr schliesset sich mit anhaltendem Frost. Zu Düsseldorf steht der Rhein schon einige Tage und landet langsam an. Das Wasser ist grundklein im Rhein, zu Kölln an der Wassermaas wie am Kasselberg 1 Fuß 1 Zoll. Es ist nicht viel Eis im Rhein. Das eben verflossene Jahr war ein betrübtes Jahr: Die Mäuse haben erst im Feld und nachdem in den Scheuren entsetzlich viel Schaden gethan. Fast alle haben nichts mehr zu dreschen. Die Sath im Feld sieht sich gut an, obschon auch die Mäuse vieles abgeweidet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1823 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[460]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1823&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 11ten – Starker Frost. Schon vor 14 Tagen hatte sich der Rhein zu St. Goar gesezt, späther auch zu Düsseldorf und landete von da aus schon am 5ten dieses bis Stürzelberg. An eben dem 5ten rückte der Rhein wieder durch bis unten Uedesheim, blieb also stehen bis Stürzelberg. Am 6ten sezte sich der Rhein am Grend unten Zons; es blieb also eine Lücke offen vom Grend bis Stürzelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Heut stand der Rhein im Kolk, schob sich aber am 10ten wieder und sezte sich den&lt;br /&gt;
:11ten an der Piwip. Es wurde schon vor Abend ein Weg gehauen und&lt;br /&gt;
:12., &amp;lt;u&amp;gt;sontags&amp;lt;/u&amp;gt;, giengen schon Hunderte über den Rhein. Korn 6 Reichstahler 20 Stüber, Weitz 6 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler 15 Stüber, Heu allhier 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten ist 2 Finger tief Schnee gefallen. – Der Bürgermeister hatte 50 Mann dienstweis aufbiethen lassen, um mit Achsen, Beil oder Hammer die Mäuselöcher im Feld zuzuschlagen. Dieses konnte wegen dem Schnee nicht geschehen. – 14ten, 15ten Schnee, 16ten etwas gelind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Diese Nacht fror es ziemlich stark, sonst ist das Wetter leidlich. Täglich fällt etwas Schnee. Der Rhein fängt heut zu Kölln an, sich zu setzen. Aus dieser Ursach kame auch heut der Schnellwagen hiedurch. – Am 24ten entsezlich kalte Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Es fiel den ganzen Tag noch etwas Schnee. Mit dem Abend verwandelte sich solcher in Regen, so daß der Frost grade sieben Wochen dauerte. Die Meistbeerbte haben beschlossen, 24 Karren Torf-Knabben bey Frechen unentgeltlich für die Armen zu hohlen und zu bezahlen. Die Karre kostet circa 24 Stüber. Demnach zahlen die Gewerbleuthe und Begüterte auch 24 Karren, welche die Pferdsleuthe ohne Frachtzahlung hohlen. In der ganzen Gegend ist kein Geriß, weil im Herbst die Ruhr nicht schifbar war. Es kamen viele Karren mit Kohl und Geriß von Bardenberg auf den Kauf hieher. Sie erliessen die Karre zu 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Anhaltend Thauwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Abends 8 Uhr hörten wir bey Südwind an dem starken Rauschen, daß der Rhein am Treiben war. Wir hatten eine Kanone von Neus erhalten. Dieselbe ward nun 3-mal gelöset. Das Eis triebe im Ufer, das Wasser wuchs und fiel, oft in einer Minute 3 Fuß. Am Platthals schoben sich hohe Berge aufs Land. Um 9 Uhr sezte sich der Rhein, fienge aber gleich wieder an zu treiben. Da kamen die vom Rheinfelderhof mit ihrem Vieh hieher. Fast alle Bewohner waren mit unzähligen Leuchten am Rhein, so wie zu Monheim, Worringen und Hittorf. Erst nach 10 Uhr gienge der Mond auf. Zwischen 11 und 12 Uhr wurde wieder zu dreyenmalen mit der Kanone geschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Es thauet fortwährend auf. Am Abend schien das Obereis zu kommen. Es wurden also 3 Kanonenschüsse um 8 Uhr gelöset, doch kame nicht viel Eiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Schnee. Am 6ten Frost und Schnee. Das Obereiß geht fort, ohne daß man es gewahr wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[461]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1823&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Regen. Am 13ten trat der Rhein aus dem Ufer bis hinter dem Damm und bis in die ünterste Drenk. Angenehm Wetter. Haber 3 Reichstahler 45 Stüber, Heu 13 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten-3ten – Sturm und Regen. 4ten-5ten Sturm und wüstes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten fienge man zu erst an, in den Gärten etwas zu graben. Am 11ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Merzerwetter mit Schnee und Frost. Korn 8 Reichstahler, Weitz 8 Reichstahler 20 Stüber, Sahm Haber 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Nasses Wetter. Am 25ten bis 28ten sehr schöne Frühlingstage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Warmer Regen. – Korn und Weitz in Kölln 9 Reichstahler, beide Theile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Schön Wetter und nicht zu warm, welches für das Feld erwünscht ist. Die Frucht steht sehr schön. Viele haben Korn in Kornstoppeln gesähet, was von den Mäusen gelitten hatte, und dieses Korn steht prächtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Frost und Reif, hällt an bis den 16ten. Am 17ten Regen. Kornpreis in Neus 9 Reichstahler 40 Stüber. Die Fourage ist so rar, daß vieles Vieh crepirt. Dem Posthalter sind schon 5 Stück Kuhvieh gefallen. Auch Leuthen, die zu füttern haben, denen gehen Küh caput. Man will es der Kälte, andere der Trockenheit im verflossenen Sommer zuschreiben. Stroh gillt 9 Reichstahler, Haber circa 5 Reichstahler, Weitz 9 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 15 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten bis Ends April – Nachtfröste mit Reif, unangenehme Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 5ten – Nordwindig-trocken. Am 6ten und 7ten entsetzlich heiß. Die Nacht auf den 8ten Donner und Regen. Am 9ten starker Wind, welcher viel Korn zerknickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten wurde Land verkauft, in 3 Terminen zu zahlen. Der erste ist Anfangs October 1823, der &amp;lt;u&amp;gt;2&amp;lt;/u&amp;gt;te October 1824, der &amp;lt;u&amp;gt;3&amp;lt;/u&amp;gt;te 1825. Davon kamen 3 Viertel hinten Grünenwalds-Garten zu 127 Reichsthaler, 3 Viertel am obersten Sasserweg zu circa 100 Reichstahler, anderthalb Viertel im Kirchfeld zu 64 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Schön Wetter, zuweilen Regen. 23ten Regen. 24. bis 31ten sehr heiß und schön. Das Malder Korn gillt in Kölln 7 Reichstahler 20 Stüber. Es wird viel Korn aus der Stadt aufs Land gehohlt, weil sogar die meiste Halfen seit lange das Brodkorn haben kaufen müssen. Heu ist fast keines mehr. Es wird noch zu 15 Reichstahler verkauft. Es ist entsetzlich viel Korn frisch abgefüttert worden, für Küh und Pferd. Jetzt muß der Weitzen dran. Gussenhoven, Rheinfeld, Sandhof und fast alle Einspänner haben zur grünen Frucht ihre Zuflucht nehmen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten bis 5ten – Sehr heiß. Gleich nach Mittag Regen bis an die Wurzel. Frucht und Gemüse haben seit Menschengedenken nicht so schön gestanden. Indessen wird sehr viel von dem schönen Weitzen grün abgefüttert. Korn verkauft der Bürgermeister von Worringen zu 7 Reichstahler 30 Stüber, mit dem Beding, künftigen Martini zu zahlen. Haber 4 Reichstahler 20 Stüber, Heu 15 Reichstahler. Bey allem dem fehlt es an Geld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[462]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1823&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dieser Monath ware meistens naß. Das hällt die Erndte auf, da man doch so sehr auf Brodt harret. Stroh ist fast keins mehr, und es wird noch grüner Weitzen abgemähet für die Pferde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Man fängt an, Korn zu hauen. Das Wetter ist meistens naß, mit einzelnen heissen Tagen vermischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Ein Tag schön Wetter und dann wieder drey Regentage. Es wird nun so viel Korn eingefahren, daß die Leuthe etwas Stroh und eine Gebinde&amp;lt;ref&amp;gt;Unsichere Lesung des Worts.&amp;lt;/ref&amp;gt; Korn bekommen. Das Malder alt Korn gillt noch 6 Reichstahler. Neues ist noch keins zum Verkauf gedroschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Abwechselnd Wetter. Die Winterfrucht wird kaum trocken eingefahren. Vorgestern ware es sehr heiß, drauf rollten die ganze Nacht fürchterliche Donner mit Regen, so daß der meiste Weitz noch draussen ist. Neues Korn in Kölln 3 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Heut fienge es an, sehr heiß zu werden. Bisher, wenn es 2 Tage gut war, so regnete es wieder. Korn hier 3 Reichstahler 20 Stüber, neue Haber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten anhaltend schön Wetter. Korn hier Neusmaas 3 Reichstahler 15 Stüber, neue Haber 100 Stüber. Man hat viel Brach, wo vorig Jahr die Mäuse alles weggefressen, mit Haber besähet, und diese ist unvergleichlich gerathen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Anhaltend gut Wetter. Am 27ten bis 1ten October meistens Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten bis 11ten October – Schön Wetter. Am 12ten &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; mit Regen. Korn 3 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten October bis 26ten – Sehr schöne Tage. Ends October Regen. Haber 90 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November hielt inständig an mit gutem Wetter. In diesem Monath sind wohl halbtausend Karren Rüben eingethan worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten November bis 7ten December – Entsetzlich stürmisch.&amp;lt;ref&amp;gt;Hier enden die Tagebuchaufzeichnungen. Auf der Rückseite finden sich Tagebuchnotizen des Sohnes Johann Jakob Delhoven für den Zeitraum Januar bis März 1824.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege und Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Delhoven, Johann Peter}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tagebücher und Chroniken]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quellen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<title>Johann Peter Delhoven</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Delh01.jpg|300px|thumb|right|Johann Peter Delhoven.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Johann Peter Delhoven&#039;&#039;&#039; (* 5. Februar 1766 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 1. Januar 1824 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]) war ein Dormagener Landwirt, Kaufmann, Küster und Gutsbesitzer. Aufgrund seines ausgeprägten historischen Interesses hat er archäologische Funde der Gegend gesammelt und ein sehr umfangreiches Tagebuch über lokale und regionale Ereignisse und Entwicklungen 1783–1823 hinterlassen, das auch von herausragender Bedeutung für die Erforschung der Zonser Geschichte ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft und Schulbesuch ==&lt;br /&gt;
Johann Peter Delhoven kam am 5. Februar 1766 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] als Sohn der wohlhabenden Eheleute Landwirt, Küster und Organist Hermann Delhoven (~ 5. Dezember 1725 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 27. Juni 1802 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]) und Anna Elisabeth geborene Sturm (~ 23. April 1726 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 11. September 1769 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]) zur Welt.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Daten zu den Eltern, Geschwistern und Kindern des Johann Peter Delhoven basieren auf: Hermann Cardauns/ Reiner Müller: Die Rheinische Dorfchronik des Joan Peter Delhoven aus Dormagen, Dormagen 1967, S. 7, S. 252–254; AiRKN, Zivilstandsregister Dormagen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das elterliche Haus war das Haus &amp;quot;Im Lämmchen&amp;quot;. Johann Peter hatte neun Geschwister:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maria Margarethe (~ 4. März 1752 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Margarethe (~ 1. März 1753 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 3. Januar 1814 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]), Rentnerin, die ledig blieb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anna Helene (~ 29. September 1754 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 1800 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]), die ledig blieb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Thomas (~ 1. März 1756 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 25. April 1816 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]), der ab 1796 Gemeindevorsteher und ab 1803 Bürgermeister von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] sowie ab 1802 Küster war; er war verheiratet mit Anna Sophia Coenen, und Nachkommen des Paares wohnten in Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jakob (~ 20. April 1759 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 11. September 1823 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]), Privatier, der ledig blieb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maria Margarethe (~ 28. Januar 1761 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Cäcilia (~ 26. September 1762 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johannes (~ 29. März 1764 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johann Heinrich (~ 21. September 1767 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Peter Delhoven hat sicherlich eine höhere Schulbildung genossen. Wo er die Schule besucht hat, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Johann Peter Delhoven heiratete am 26. Mai 1803 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] Anna Catharina Henrichs (~ 9. Oktober 1778 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim]; † 28. Juli 1816 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]). Mit ihr hatte er drei Kinder, von denen zwei das Erwachsenenalter erreichten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Thomas (* 1. Dezember 1803 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 5. Mai 1810 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johann &#039;&#039;&#039;Jakob&#039;&#039;&#039; (* 27. März 1806 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 11. März 1884 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]), Landwirt, der ledig blieb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Margarethe &#039;&#039;&#039;Jakobine&#039;&#039;&#039; (* 18. September 1808 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]; † 30. November 1885 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]), die mit dem Landwirt Adolf Sturm verheiratet war&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erwerbstätigkeit ==&lt;br /&gt;
Über mehrere Generationen, fast 200 Jahre lang, hat die Familie Delhoven das Küster- und Organistenamt an der Pfarrkirche St. Michael in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] versehen. Noch zu Lebzeiten des Vaters Hermann Delhoven versah auch Johann Peter Delhoven stellvertretend den Küster- und Organistendienst. Nach dem Tod des Vaters im Juni 1802 bot man ihm daher die Küsterstelle an. Er verzichtete jedoch zugunsten seines Bruders Thomas, da er im Gegensatz zu diesem keine Familie zu versorgen und als Kaufmann (Handel mit Getreide) bereits ein hinreichendes Einkommen hatte. In Quellen des beginnenden 19. Jahrhunderts wird Johann Peter Delhoven auch als Landwirt bzw. später Rentner (Privatier) geführt. Nach dem Tod seiner Gattin (1816) hat er den Kaufhandel aufgegeben und sich fast gänzlich seinen historisch-archäologischen Interessen gewidmet, die sich auf den Sohn Johann Jakob übertrugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Thomas Schwabach: Zum Nachlass und zur Sammlung der Dormagener &amp;quot;Altertumssammler&amp;quot; Johann Peter und Jakob Delhoven, in: JBKN 2001, S. 60–77; hier: S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch Thomas Delhoven, der Bruder Johann Peters, sammelte archäologische Funde, und seine Sammlung ist höchstwahrscheinlich nach dessen Tod (1816) in die Johann Peter Delhovens übergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Peter Delhoven wohnte Zeit seines Lebens im elterlichen Haus &amp;quot;Im Lämmchen&amp;quot; (zuletzt Kölner Str. 31; Anfang der 1990er Jahre abgerissen). 1807 ersteigerte er den &amp;quot;Sasserhof&amp;quot; nahe [https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich] nebst zugehörigen 250 Morgen (ca. 80 ha) Ackerland, Tannenbusch und Fischerei. Er wohnte jedoch weiter im elterlichen Haus in Dormagen und überließ die Bewirtschaftung als Gutsherr einem Pächter.&amp;lt;ref&amp;gt;Thomas Schwabach: Zum Nachlass und zur Sammlung der Dormagener &amp;quot;Altertumssammler&amp;quot; Johann Peter und Jakob Delhoven, in: JBKN 2001, S. 60–77; hier: S. 67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Delh02.jpg|300px|thumb|right|Titelseite der Edition 1926.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überlieferungsgeschichte des Tagebuchs und Editionen 1926 und 1967 ==&lt;br /&gt;
Das Tagebuch, das für die ersten Monate des Jahres 1824 und dann wieder für den Zeitraum 1845–1875 vom Sohn [[Johann Jakob Delhoven]] fortgesetzt wurde, gelangte nach dessen Tod (1884) in das Eigentum der Nichte [[Johann Jakob Delhoven|Johann Jakob Delhovens]], Gertrud Sturm, die die Aufzeichnungen beim Dormagener Notar Bremer hinterlegte. Nach ihrem Tod (2. Februar 1916) gingen diese in das Eigentum der Gemeinde Dormagen über. Der Rechtsnachfolger der Gemeinde, die heutige Stadt Dormagen, verwahrte sie im städtischen Archiv, das heute Teil des [[Archiv im Rhein-Kreis Neuss|Archivs im Rhein-Kreis-Neuss]] ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1906 machte eine Urenkelin Johann Peter Delhovens, Agnes Kuehner, den jungen Historiker Reiner Müller erstmals auf die Aufzeichnungen Johann Peter Delhovens aufmerksam. Einige Jahre später, 1919, konnte er diese dank der Vermittlung des Rentmeisters Wilhelm Heinen für einige Monate ausleihen, um eine maschinenschriftliche Abschrift (312 Seiten zu etwa 65 Zeilen) zu machen. Diese Abschrift ist heute verschollen. 1921 konnte Reiner Müller den Experten Hermann Cardauns für eine gemeinsame Herausgabe gewinnen, die sich jedoch durch die Inflation noch verzögerte. 1926 erschienen so große Auszüge des Tagebuchs als Edition unter dem Titel &amp;quot;Die rheinische Dorfchronik des Joan Peter Delhoven aus Dormagen (1783–1823)&amp;quot; im Verlag der &amp;quot;Gesellschaft für Buchdruckerei&amp;quot; in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]. 1967 ließ die Gemeinde Dormagen eine Neuauflage des längst vergriffenen Buches drucken, wobei der Haupttext der Erstauflage unverändert übernommen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Pankalla: Joan Peter Delhoven (1766 – 1824), in: Lebensbilder aus dem Kreis Neuss, Band 4 (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes Neuss e.V., Nr. 12), Neuss 1999, S. 44–57, hier: S. 44–46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkription ==&lt;br /&gt;
=== Transkriptionshinweise ===&lt;br /&gt;
Das Tagebuch des Johann Peter Delhoven liegt heute im [[Archiv im Rhein-Kreis Neuss]] unter der Signatur S068/1. Es folgt die vollständige Transkription des Textes (erheblich umfangreicher als die bekannte Edition von Cardauns/Müller), wobei folgende Transkriptionsgrundsätze gelten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Groß- und Kleinschreibung wird dem heutigen Gebrauch angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Interpunktion wird zum besseren Verständnis angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kürzel, auch Namenskürzel (sofern bekannt), werden entsprechend der Schreibweise der Zeit ohne besondere Kennzeichnung aufgelöst (insbesondere Währungs- und Gewichtsangaben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Der Buchstabenbestand bleibt wie im Originaltext bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* In einem Wort niedergeschriebene Worte werden entsprechend der Vorlage wiedergegeben, auch wenn die Zusammenschreibung befremdlich wirkt (z.B. &amp;quot;Wallhoverhalfen&amp;quot;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die von anderer Hand nachträglich vorgenommene Paginierung wird in eckigen Klammern wiedergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Absätze werden wiedergegeben. Unterteilungen innerhalb eines Absatzes werden durch &amp;quot;–&amp;quot; wiedergegeben. Solche Textunterteilungen hat Delhoven entweder durch längere Striche oder den Beginn einer neuen Zeile markiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Absätze beginnen im Autografen für gewöhnlich mit der herausgestellten Datierung als Beginn der ersten Zeile, die folgenden Zeilen des Absatzes sind eingerückt. Um diese Struktur wiederzugeben, wird hinter der Datierung grundsätzlich ein &amp;quot;–&amp;quot; gesetzt, es sei denn, die Datierung ist eindeutig Bestandteil des folgenden Satzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Abgeschriebene oder eingebundene Fremdtexte werden eingerückt wiedergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Durchgestrichene Textpassagen werden in Anmerkungen wiedergegeben, wenn sie von inhaltlichem Interesse sind (also keine bloßen Schreibfehler).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Unterstreichungen Delhovens im Text (nicht solche jüngeren Datums von dritter Hand) werden entsprechend wiedergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Transkription hat das Ziel, den Tagebuchtext erstmals vollständig frei zugänglich zu machen. Die Absicht ist somit keine wissenschaftliche Edition. Dementsprechend werden Personen, Ereignisse, Orte und unklare Begriffe in dieser ersten Textvorlage nicht in Anmerkungen erläutert oder kommentiert. Eine solche Bearbeitung ist jedoch an dieser Stelle möglich und wünschenswert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 1783–1790 ===&lt;br /&gt;
==== Vorbemerkungen (Januar 1800), 1783 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[1]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kronick meines Geburthsorthes Dormagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der gänzliche Abgang an Beweisen der Neuzeit und die Neigung, mit der ich mich immer der Vergangenheit erinnerte, veranlaßten mich, eine Art von Tagebuch niederzuschreiben, das zwar sehr unvollkommen und oft gar zu weitschweifend seyn mag, das aber doch für die Zukunft sehr interessant werden wird, da auch noch izt sich keiner damit befaßt, etwas von unserer Geschichte niederzuschreiben und dieselbe vor Vergessenheit zu schützen.&lt;br /&gt;
:Da man oft von Kriegen, vom Hessischen, vom 7jährigen, vom Krieg, als die ungarische Husaren hier auf Execution waren etz. sprechen hört, ohne daß die alten Leuthe wissen, woher dieser Krieg entstand, so fande ich es für höchst nothwendig, die vorfallenden Kriege in Europa und deren Fortgang mitaufzuzeichnen, weil sie vielleicht durch ihre Ausdehnung auf uns mit Bezug haben können.&lt;br /&gt;
:Nebstdem werde ich mich bemühn, alle alte Geschichten, die sich durch mündliche Traditionen bis auf uns erhalten, so wie alle Briefe, welche zur Alterthumskunde etwa beytragen können, zu sammeln und daraus ein Fragment formiren, das aber auch hin und wieder voller Lücken seyn wird, dennoch in Ermangelung aller andern Nachrichten auch für jetzige Zeit so wie für die Nachwelt interessant seyn muß. Schon in meiner frühern Jugend finge ich an, merkwürdige Begebenheiten aufzuzeichnen, die verlohren gegangen sind, nachher ward ich durch die verschiedenen Zweifel, die sich wegen der Zeitrechnung ereigneten, bewogen, diese Blätter zu schreiben, deren Unvollkommenheit sich aber leicht entschuldigen lässete, da ich damit in der Blüthe meiner Jugend, wo ich noch keine volle 18 Jahr zählte, begann. Tausend Gegenstände, die Herz und Geist fesseln, die unschuldigen süßesten Freuden,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[2]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:die Sympathie und Zartgefühl geben, erlaubten es dem überglücklichen Jüngling nicht, ein Geschäft zu vollenden, das nur für einen gesezten Mann bestimmt ist. Nachher häuften sich die häusliche Geschäften so sehr, daß ich auch die Mühe nicht drauf verwenden konnte, die zur Organisirung der Gedanken und des Styls erforderlich war.&lt;br /&gt;
:Zur Gutenlezt bitte ich denjenigen, der nach mir kömt und in dessen Hände diese Blätter gerathen, doch wenigstens die Merkwürdigkeiten nachzutragen und, so viel wie möglich ist, dieses Werk fortzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschrieben im Jänner 1800 von&lt;br /&gt;
:Joan Peter Delhoven&amp;lt;ref&amp;gt;Es folgt ein handschriftlicher Eintrag von Pfarrer Sanner: &amp;quot;Anno 1824 die 1. Januarii hora 9na vespertina obiit et 4ta sepultus est: Joannes Petrus Delhoven, viduus Annae Cathar. Hendrichs, omnibus exeuntium sacramentis et generali absolutione munitus, pthisi consumtus est, aetate 58 annorum. – sub past. Kessel in Dormagen. Ita testor: Sanner pastor ibidem.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Es folgt eine eingebundene Verordnung von Kurfürst Pfalzgraf Karl Theodor vom 4. Juni 1782 (Verbot von Prozessionen).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Gedruckte Verordnung von Kurfürst Karl Theodor: &amp;quot;Erneuertes Verboth wider die übernachtenden Prozeßionen&amp;quot; (4. Juni 1782)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[4]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kronick für die Nachwelt&lt;br /&gt;
:1783&lt;br /&gt;
:Monath November&lt;br /&gt;
:Den 15ten November – Bisher hatten wir noch wenig Frost. Dazu ist auch noch jezt kein Anschein vorhanden. – Die Passage hier durchs Dorf ist durch anhaltende nasse Witterung allen Unbequemlichkeiten ausgesetzt, seit ungefähr 10 Jahren ware kein Grind gefahren worden, die Gemeinde erhielt deshalben von Düsseldorf den gemessenen Befelch, die Passage durchs Dorf in chossemässigen Stand zu setzen, ein jeder, so Pferde hat, muß dienen. Rheinfeld und Walhoven weigerten sich anfänglich, allein, der Ortsvorstand oder vielmehr die Scheffen wusten sie wohl hinzu zu vermögen. Der Sand wird unter der Piwitte im Kulck geholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Es wechselt noch immer Regen, Sturmwind und schönes Wetter. Der Rhein ist sehr klein, die holländische Schife müssen an der Piwitte überschlagen. – Das Malder Korn gilt 3 Reichstahler 7 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Auf die Supplication der hiesigen Gemeinde ist der Befelch erfolgt, daß das ganze Amt hier im Dorf dienen mus, deswegen waren heut schon verschiedene Karren von Pulheim, Gless etz. mit am fahren.&lt;br /&gt;
:Der Rhein beginnt zu wachsen, mithin steht zu besorgen, daß nit lange mehr der grobe Sand im Kulk zu haben ist. Dem vorzubeugen, so wird jetz nur der Sand aus dem Kulk diesseits der Piwitte auf den Berg gefahren, einige Ortschaften auf dem Amt haben ihre Dienste dahier accordirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten bis am 30ten anhaltender Frost. – Das Malder Korn wird um 13 Gülden verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 9ten abwechselnde nasse Witterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten stelte sich Frost ein, am 13ten gehn schon die schweresten Wagen drüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Das erste Eiß im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. – Es ist bitter kalt diese Tage, es fienge diesen Abend ein wenig an zu schneen. Das Korn gilt 17 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. – Man glaubt, in einigen Tagen über den Rhein zu gehen, allein, der heutige Regen hat dieses vereitelt. Am 27ten Dauwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten. – Es fror diese Nacht wieder sehr stark, auch kommt schon das Eiß vom Oberrhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten. – Dergleichen Kälte wie heut weis sich kein Mensch zu erinnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten. – Es ist nicht so kalt als gestern, und doch wollen in den wärmsten Stuben die befrorenen Fensterscheiben nicht aufdauen. – Das Dienen im Dorf ist eingestellt. – Zu Köln stand am 27ten December der Wärmemesser 1 ¼ Grad unter dem Gefrierpunkte. Am 29ten 3 Grad, abends aber 10 Grad. Am 30ten 15 ⅘ Grad, am 31ten 15 Grad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1784 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[5]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1784&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:am&lt;br /&gt;
:1ten – Die Kälte ist aller Orten merkwürdig an den zwey letzten December-Tagen gewesen, diese Nacht hatten wir Schnee und später Regen. – Im abgewichenen Herbst ward zu Worringen ein reisender Herr namens Jean Piere Brion in Verhaft genohmen und bis heran auf dem Thurm der Unterpforte bewacht, er war die zeither verschiedenmal im Verhör und fand heute Früh Gelegenheit, zu entwischen. Er gab vor, einen Abtritt zu thuen, und verriegelte die Thüre von aussen. Die Worringer setzten seiner Spuhr im Schnee nach, trafen ihn aber wirklich zu Knechstein in Freyheit, die den Klöstern eigen ist. Sehe weiter am 15. Januar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Dauwetter – am 3ten wieder Frost, am 5ten ebenso.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Es friert stärker, und man vernimmt, daß sich zu Grimmlinghausen das oberrheinische Eiß festgesetzt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Der Rhein schwillt so stark an, daß schon diesen Mittag das ganze Feld bis in den Bixem überschwemmt ist, es liegt schon vieles Rhein-Eiß in den Kuhbenden. Der Rhein bliebe am Treiben bis halb 4 nachmittags, als das Eiß sich am Platthals festsetzte. Zu Monheim hörte man Klocken schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Es hat diese Nacht so stark gefroren, daß man von hier bis an die Zonser Mauren schlitten kann. Theodor Bremer ist heut an der Piwitte hinüber gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Frost. Heute ist der Postwagen zu Grimmlinghausen schon hinüber gefahren. Die Eißdecke unten durchs Feld ist so glatt zugefroren, das lockt Jung und Alt mit Eißstühlen zur Schlittenfahrt, die Schreiner arbeiten fast Tag und Nacht an neuen Schlittstühlen. Auch hatten Einige sich eine Schlitte machen lassen, worauf 5 à 6 Personen von einem Pferde gezogen werden. Das will aber doch auf dem allzu glatten Eise nicht gut von statten gehen. Das Wasser ist unter dem Eiß binnen des Dammes stark weggefallen, und die Eißdecke liegt auf dem Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Der Fluß ist wieder angeschwollen, das Wasser läuft längs dem Deich schon über das Eiß bis an den Pflug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten, sontags – Das gestern Abend ausgetretene Wasser trägt heute schon wieder über. Deswegen zählte man heute über 80 Schlittstühle auf der Schlittenbahn. Der Pastor konnte nicht kristliche Lehr halten, er hätte dann auf das Eiß gehen müssen, denn es war außer einigen alten Leuten kein Zuhörer da. Zu Monheim ist heut ein Kind von 12 Jahren unter dem Eise ertrunken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. – Es ist noch kalt. – Die Monheimer hatten einen Weg an der Piwitte über den Rhein gehauen, doch so, daß man jenseits über eine offene Lücke mit dem Nachen fahren mußte, die Worringer machten aber einen Weg daneben, der ohne einiges Hinderniß hinüber führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[6]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Im Jahr 1781, &amp;lt;s&amp;gt;anfangs Septembris&amp;lt;/s&amp;gt; im Julio hatten wir ein erschröckliches Donnerwetter mit Hagel, der die ganze Winter- und Sommerfrüchten totaliter darnieder schluge. Der Sturmwind war so heftig, daß die Windmühle, so unten Ends den Kuhbenden auf dem Berge stand, um- und in die Benden stürzte. Zwey Jungen, der Sohn Peter des Heinrich Kollerbroich und Winand, Sohn des Joan Jussenhoven, befanden sich auf der Mühle, sind zwar verwundet, aber nicht tod geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Anno 1782 in der Fasten ist die neue Thurn-Windmühle, so jetz an Schwanen Heiligen-Häuschen steht, vergantet worden. Peter Pannes von Junkersdorf hat sie gegen 4400 Reichstahler an sich gehalten, hernach aber durch eine Supplicke noch einigen Zusatz erhielt, für die steinerne Bahn am Krühwerk und die Ausdehnung der Damm-Mauer an beiden Pforten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im Jahr 1783 anfangs Junii ware die Mühle fertig und von Kurfürstlichen Baumeistern gutgeheissen. – Jacob Cremerius als Müller beschwerte sich bey der Hofkammer, daß die Mühle nicht im Stand wäre für hiesige Gemeinde hinlänglich zu mahlen.Deswegen ward heute ein Commission, so aus dem Herrn Voigten von Monheim und einigen Baumeisteren bestand, gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Kalt. – Diesen Morgen um neun Uhr wurden die Meistbeerbten in das Posthaus berufen, um vor den Commissarien zu bekennen, ob ihnen seit der Existens der neuen Mühle gut geholfen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Es isselte diesen Morgen, und um neun Uhr fieng’s an zu regnen. – Der J. P. Brion ist von Gerichts wegen edictaliter abgeladen, er ist wegen eines zu Francfort begangenen Diebstahls in Verdacht, verfolgt, zu Worringen angehalten, gefangen, aus dem Kerker entwischt, und soll sich nun rechtfertigen oder seine hinter dem Gericht liegende Effeckten confiscirt werden. – Am 16ten Nebel und Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. – Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Das Wasser, so auf dem Eisse binnen des Dammes zusammen gelaufen, trägt heute wieder über, so stark war der nächtliche Frost. Mithin war diesen Nachmittag die ganze Schlittengesellschaft wieder complet. das währet dann bis in die Nacht hinein. Von der Piwitte ist das Vieh schon hiehin geflüchtet, auch einiges von Rheinfeld, Walhoven hat die Schaafe nach Nivenheim in Sicherheit gebracht, die Leute werden bang, weil der Rhein sich mit so hohem Wasser festsetzt, oder vielmehr das Eiß unten und drüber in ungemeiner Dicke zusammengeschoben, mithin muß höheres Waßer kommen, ehe die Eisdecke flott werden kann. – – Zu Köln hat der Rhein sich erst am 10ten gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. – Das Wasser wächst wieder und läuft schon über das Eiß bis an die Kölnische Straaß. Es friert und schneet dabey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. – Frost – Das Wasser fällt wieder. – Von Gohdorf oben Bonn wird berichtet, daß das Rheinwasser dorten schon 4 Fuß höher gestanden als im Jahre 1740. – im Bergischen hat das Wasser sich 4 Stund beiseits ausgedehnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[7]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Es friert noch als fort, dabey hatten wir heute Schnee. Mann ist besorgt, der Damm wird dem bevorstehenden Eisdrange nicht wiederstehen können, die Perschen liegen voll Rheineis, und die Erde ist so felsenhart gefroren, daß auch das aufdauende Wasser nicht verschlingen kann. – Der Damm wird erhöhet, wo Wege hinüber gehen, weil er sich an diesen Orten merklich ausgefahren hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Frost und dunkle Luft. – Gegen Zons liegt ein Knie von einer Holzflootze im Eiß. Diese Hölzer werden jetz mit 50 Mann Flötzer und übrigens von Zonser und Dormager aus dem Eisse gehauen und dann auf den Berg gezogen. Ein Mann verdient 20 Kreutzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Die Passage geht am Stürzelberge sehr stark über den Rhein. Die Dormager, welche viel Holz in den Mickeler Dörnen gekauft haben, fahren dasselbige nun über das Eiß hiehin. Von jedem Wagen wird 5 Stüber bezahlt. Zu Köln darf auf Befehle der Magistrat nichts genohmen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Die beiden letzten Tage dieses Monaths war es wieder ungemein kalt. Vielen Leuten sind die Füsse erfroren. Am Abend Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 1ten – Sontags, herzlich kalt. – Es sind 2 Edickten von der Kanzel, oder, weil wir selten Predig haben, am Altar abgelesen worden. Der Inhalt des Ersten befiehlt, daß, wenn Streitigkeiten in einer Gemeinheit vorfallen, von keiner Privat-Person eine Klage angenohmen werden solle, sonderen die ganze Gemeinheit soll zum Protocoll vorgeladen werden. – Das andere ist eine Erneuerung des Verboths, mit Stroh zu decken. Wenn ein nach dem Befehl mit Stroh gedecktes Hauß abbrennt, so hat der Eigenthümer keinen Nachlas zu gewarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. – Die beiden Tage hat es ein Fuß tief geschneet, und am 4ten wieder stark gefroren. – Das Wasser ist 9 Fuß gefallen, und das Eiß nachgesunken. Nachmittags Schnee aus Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Schnee und Frost. Gestern Abend gienge Joan Meurer, ein betrunckener Schneider, von hier zu seiner Heimath Delven. Er legte sich am Delver Sandberg schlafen und ist nicht mehr erwacht, folglich erfroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Es wüthet ein entsetzlicher Sturm, mit häufigem Schnee begleitet. Auf dem Felde liegt allenthalben bey 2 Fuß Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Frost und Schnee. Am 12ten haben 30 Mann dienstweise den Schnee von der Landstrasse schaffen müssen. 3 ledige Karren musten den Weg auf Neus und Köln auffahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Ein bitterlich kalter Tag. Verschiedene Vögel findet man todt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Heut, sontags, haben wir 13stündiges Gebeth gehalten, um die bevorstehende Wassernoth von uns abzuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Schnee und Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[8]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. – Diese Tage war der Frost noch erträglich, zuweilen gabs ein wenig Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Diese Nacht hatte es noch ein wenig gefroren, späther in den Morgen fienge es an aufzudauen. Zu Kölln, wo am 3ten Januar die Eißdecke 17 Fuß im Durchmesser hielt, befand sie sich am 20ten Februar nur 4 ½ Fuß dick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23.–24. – Frühlingswetter. Die Sonne schmeltzt den Schne häufig weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Oben im Feld steht in den Gründen allenthalben 2 Fuß Wasser. Zu Horm ware des Gerhard Wolff seine Scheuer ein Fuß mit Wasser gefüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. – Der Rhein fängt schon an aufzuschwellen, es regnete heut ohne Aufhören. Der Rheinfelder Halfen hat seine Schaafe hier im Schwanen aufgestellt, Walhoven die Pferde bey Steinberger, das Horn-Vieh wollen beide dort behalten, und selbst mit diesem sich der bevorstehenden Fluth ergeben. Verschiedene Leuthe haben sie gewarnt, alles, was lebt, von den Höfen in Sicherheit zu bringen, allein das ist vergebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Diesen Morgen ist das Wasser höher als es noch dieses Jahre war. Das ganze Rheinfeld ist überschwemmt, Walhoven, Rheinfeld und die Piwitt sind voneinander abgeschnitten, doch steht das Eiß im Strome noch mauerfest. Das Wasser wächst alle 2 Stunden ein Fuß. Diesen Mittag war ein Postilion von Köln gefahren. Als er am Nippes war, brach am Rieler Hauß der Damm, das Wasser kame 3 Fuß hoch fortgewallen, so geschwind, daß kaum der Postilion aus der Tiefe kommen konnte. Um 4 Uhr war der Langeler Damm schon gebrochen. Das Wasser kame, wo man es am wenigsten vermuthete, neben Worringen auf Westen zu, hinab. Am Abend liefe es schon über den Worringer Damm. Hackenbroich war unter Wasser, und dicke Eisschollen waren aus dem Rhein dahin geschwemmt. Um 6 Uhr zu Abend liefe auch das Wasser schon allenthalben über unseren Damm. Walhoven hatte einen Nachen, den mein Bruder Thomas Delhoven dahingebracht hatte. Peter Düpper von Horm, Everhard Lang und noch verschiedene waren mit dahin gefahren, konnten aber auch wegen dem Sturm und eintretender Nacht nicht fortkommen.&lt;br /&gt;
:Das Wasser wuchs so schnell, daß um 8 Uhr der Pflug bis in die untere Fensteren im Wasser stand. Cornelius Straub, Joan Görgens und die übrigen konnten nicht aus ihren Häuseren kommen, das Wasser stand bis an Schwanen-Pforte. An der Hellbüchelsgasse der Trup Häuser war auch im Wasser. Peter Fix sahe auch schon Spuhren in seinem Hause, und Neuswerts neben ihm an dem Heiligenhäuschen stand es schon über die Landstraße, zum Oberfeld hinein.&lt;br /&gt;
:Man hörte ringsumher Hülfe rufen, aber was war da anzufangen? Klockenschlagen – wo doch niemand helfen konnte, die einbrechende Nacht und ein Gewitter, als wenn der Himmel sich von unten oben zu kehren drohte, alles dieses vergrösserte die Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[9]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Sobald die Nacht verschwunden war, sahe man nichts mehr von unserem Damme, das Wasser ware hoch drüber hingeschwellt. Schon kamen Nachen, Stücker von Gebäuden und allerhand Holzwerk durch die Aue getrieben, wohin der Stroom und alles Rheineis seinen Weg genommen hatte. Aus den Walhover Söllerfenstern ward jämmerlich um Hülf gerufen. Man schickte desfals einen auf Stürzelberg und einen zweiten über den Höhenberg auf Worringen zu Pferd, um einen Nachen zu holen, aber der Rhein ware unten Zons ausgebrochen und bis an Delrath über die Heide ausgetreten, und um Worringen bis Hackenbroich ware alles Wasser. – Das Eiß triebe nun getrost vom Nöthsteine directe hier durch die Aue bis auf Zons. Vom Plathalse stund die Eisdecke noch fest bis ins Kulk. – Mittags 11 Uhr kame ein Nachen von Walhoven unten dem Dorfe an. Sie hatten grosse Mühe, sich durch den Stroom von Eiß durchzumachen, jedoch ist keiner auf dem Hofe gewesen, der nicht weis, wie es dem Menschen in der Todesangst zu Muth ist. Gestern Abend hatten sie den Nachen vor die Hausthüre an den Pütz gebunden, die Halbschied Menschen gienge in die Scheuer, zu dem auf Schanzen und Stroh aufgesteigertem Hornvieh, die übrigen giengen ins Hauß. Das Wasser war bei ihnen, ehe sie sichs versahen, und triebe sie ins zweetere Stockwerk, folgte ihnen dann von Stufe zu Stufe, das endlich nur noch zwei trockene übrigblieben. Unter dem Gebrüll orkanischer Winde und dem Geräusch ungeheurer Eisklumpen konnten sie nicht vernehmen, was um sie vorgieng. Indessen ahndete ihnen doch die Gefahr, worin sie sich befanden. Das veranlassete sie zu den brünstigsten Gebetheren und der Vorbereitung zum nahen Tod.&lt;br /&gt;
:In der Scheure war des Elends nichts weniger. Nach Mitternacht war ihnen das Licht verlöscht. Das Gerüst, worauf das Vieh stand, begann flott zu werden, das Vieh trat durch das Stroh. Allmählig gab eins nach dem andern den Geist auf. Um 5 Uhr des morgens waren schon 17 Stück Hornvieh todt, 2 Ochsen und so viel Kälber sind aber noch geborgen. Ein Füllen stand auch dabey. Ein Kettenhund biß selbiges in das Bein, und das Thier sprang herunter und ist auch todt.&lt;br /&gt;
:Als es begann, Tag zu werden, wollten die im Hause denen in der Scheuer um Hülf Rüfenden zueilen, aber der Nachen ware von dem umgestürzten Brunnen-Dach unten gesunken. – Die Lage war kritisch. Mein anwesender Bruder ließ sich ein Stück Tuch um den Leib binden, stieg durch das Fenster hinunter und schöpfte hangend den kaum sehbaren Nachen ledig. Nun konnten sie erst das Schreckbare der Lage betrachten, worin sie sich die Nacht durch befunden hatten. Die steinerne Mauer, welche den Hof vom Baumgarten abschliest, war niedergestürzt, die grosse Linde am Kreutz lag zu Boden und weit umher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – sahen sie nichts als Himmel, Eißberg und Wasser. Der Hof hätte unmittelbar ein Preis der Fluth und des Eisgedränges werden müssen, wenn sich [nicht] vor den Bilsen das Eiß festgesetzt hätte, und Heil dem Manne, der diese Bäume pflanzte.&lt;br /&gt;
:Nachmittags 3 Uhr wuchs das Wasser aufs Höchste. Ein starkes Eisgedränge war mit unzahlbaren groß und kleinen Nachen, Bäumen, Holz aller Arten und halben Gebäuden vermischt. Man sahe die gröste Bilsen sich wie ein Kornhalm niederlegen, nun folgten 3 holländische Schiffe hintereinander; das erste, als es auf den Damm kame, richtete sich ganz vorn in die Höhe, zertrümmerte und trieb fort. Das andere hatte ein ähnliches Schicksal, nur, daß die Trümmer seitwärts trieben und an Boden-Kreutz versank. Das Letzte kame in dem nämlichen reissenden Stroom angefahren, ein Schiffer stand am Steuer und rauchte aus einer langen Pfeiffe Toback. Der Mann sahe sein Schicksal vor seinen Augen. – Das auf dem Hohenberg versammelte Volk fiel auf die Knie und betete zur Erhaltung des Unglücklichen. Unbeschädigt triebe das Schif dem Strome nach, der Schiffer schmauchte sorgenlos seine Pfeiffe fort. Vor Walhoven fiel das Steuer, hinter dem Hof hielte das Schif eine halbe Stunde still und trieb weiter. Auf dem Rheinfelder Hof und der Wittib Bremer ist auch das Hornvieh versoffen. Der Sandhalfen aber hat alles erhalten. – Das Malder Korn gilt 13 Gülden. Hier ware das Wasser 4 ½ Fuß höher als anno 1740.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Es hat diese Nacht stark gefroren. – Das Dorf ist voll Reisende, die nicht hinauf und nicht hinunter kommen können, weil überall der Rhein durchgebrochen ist. Auch kamen ganze Karavanen von der Gillbach hiehin, um die Verwüstung anzusehen. Es kommen keine Brief und kein Postwagen, es liegt alles still. Nur hat man durch einen Umweg über Delven und Brauweiler die Nachricht von Köln erhalten, daß die Stadtmauer am Rhein umgestürzt, die Eisbreche fortgetrieben. Von 39 holländischen Schiffen nur noch 16 übrigblieben, zu Mülheim 163 Häuser zertrümmert und dort 28 Menschen todt geblieben sind. In Köln sind auch verschiedene Häuser eingestürzt. Es ist eine Menge Holz, Mobilien aller Art, Kleidung, Kisten, ganze Nachen, kurz über 20 Karren voll hier gefischet worden. Einige, die allzu sehr damit beschäftiget waren, haben heut sogar kein Meß gehört. In den Benden lag ein Bönnisches Schif, es war noch im brauchbarsten Stande. Ihrer 3 machten sich daran und hieben es in drei Theile.&lt;br /&gt;
:Die Abdey Knechstein hat nach Zons verschiedene Karren Brod geschickt. Der Praelat von Brauweiler vernahm auch die Beträngniß in Zons und schickte desfals 2 Kannen Wein und 2 Reihen Kölnisch Röggelchen dem Herren Pastor Bodife in Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 1ten – Frost. – Heute sind wohl 30 Karren Holz von dem Eise, so in den Benden und am Höhenberge zusammen getrieben, getragen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Der Strom geht noch durch die Aue Walhoven vorbey auf Zons. Die hier vom Ausfluß des Rheins aufgehaltenen Reisende können noch nicht fortkommen. Seit dem Freitag haben die meiste Leuth hier Feyertag, denn es arbeitet fast niemand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Das zu Walhoven verunglückte Rindvieh ist heute abgezogen, hiehin bracht und unter die Dürftige vertheilt worden. – In Zons sind 33 Stück Hornvieh verunglückt. Die Stadt ist nicht beschädiget, nur die Mauer ist umgestürzt. Das Wasser fällt alle 24 Stunden kaum ein Fuß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Frost, doch thauet es im Tage wieder auf. Das Schif, so am 28ten an Walhoven das Steur verlor, gehörte dem Schiffer Weil; er selbst war es, der troz aller Gefahr drauf Taback rauchte. – Ein Schif ist am Boden-Kreutz liegen blieben, gehört dem Schipper Schallenberg von Kölln. – Am Abend Dauwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Wo man im Feld etwas blosse Erde sieht, da ists Sand, und an sonst ebenen Orten sind tiefe Höhlen getrieben. – Der Stroom geht noch durch die Aue. Heut sind zuerst die Brief hinauf geritten, über den Blumenberg. Das Thum-Kapitul zu Köln hat 460 Brodt, 8 Holländische Käse und 1 Malter Salz nacher Zons geschickt, zur Nahrung der dürftigen Bürger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Ein schöner Frühlingstag. – Die Leute tragen noch eine Menge Holz aus dem in den Benden und unter den Perschen liegen gebliebenem Eise beisammen, wozu einige Nachen behülflich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Das dem titulierten Schallenberg zugehörige Schif wird mit Nachen ledig gefahren. Es sind keine Waaren drin, sondern nur Schifgeräth und Mobilien, welche bey Scheffen Fridrich Steinberger niedergelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Warmes Wetter. – Der Fluß treibt wieder seinen ordentlichen Ufer nach. – Heute ist der Düsseldorfer Wagen wieder kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Frost. – 10ten Wind, Schnee und Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Wüstes Wetter. – Jetz seht man erst, wie das Feld verdorben ist. Am Platthals ist das Ufer über 30 Fuß ausgespühlt. Auf 5 Platzen sind Löcher getrieben, worin man Häuser setzen kann. Aus diesen Höhlen ist der Sand in die Aue bis an Walhoven geschossen, der Damm ist vom Steinbüchel biß ein Schuß weit unter den Monheimer Weg fortgetrieben. Die auf dasiger Anhöhe stehende Bilsen haben das Eiß abgekehret; deswegen ist dort der Damm und das Dörfchen Rheinfeld conservirt worden. Unter Rheinfeld, wo der Damm tiefer ins Thal fiele und aus purem Sand verfertiget war, ist er wieder einige 300 Schritt fortgetrieben. Dieser Sand ist auf das Kranenorth und in die Kempen niedergeschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Unter diesem Sande werden jetz noch Kleidungstücke, ganze Rollen Tuch, Schiftauen, Anker, Säcke Mehl und ganze Schif-Segel gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Heute ward im Kulk jenseit des Dammes eine todte Weibsperson gefunden. Die Scheffen fuhren mit dem Chyrurgus Eller dahin und brachten die Todte bis Walhof. Sie hatte ein silbern Kreutz am Halse und ein Rosenkranz bey sich. – Eine zwote ward auf dem Werth im Sand gefunden. Ihre kostbarere Kleidung läst vermuthen, daß sie eine Halbwinners-Tochter sein mus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Nachtfröste. – Diesen Morgen sind die zwo ertrunkene Personen begraben worden. Erstere ward in eine viereckichte Kist und die andere in eine ordentliche Todtenlade gelegt und auf dem Kirchhof in der Ecke an der Leufen eingesenckt worden. – Unten im Feld ist auf etlichen Platzen der Grund 3 à 4 Fuß fortgetrieben. Da ist izt ein schwerer leimartiger Grund, wo man noch die Furchen sehen kann, die vormals gebauet waren. Vermutlich ware das, was jetz weggetrieben ist, vormals auch durch eine Überschwemmung daraufgeschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Frostig. – Das auf dem Werth todtgefundene Frauenzimmer ist von Büsdorf zu Haus, ware zu Köln bey ihrer Schwester und nennt sich Sibilla Helwig.&lt;br /&gt;
:Zu Rheinfeld ist dem Adolf Schwieger sein altes Haus eingestürzt, die Piwitte aber stark beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. Frostig. – In den mehristen Garten ist noch nichts gegraben. Zu Xantes ist ein Kind in einer Wiege schwimmend gefunden und glücklich bey Leben aus dem Eise gerettet worden. – In den Kempen in einem Grunde ist heute ein Salmen gefangen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. – Kalte Nächte, nordwindig. – Es ist eine Verordnung von München hier publizirt worden; der Inhalt ist: Ob auch die Überschwemmung des Rheins Schaden angerichtet? Ob Ländereyen verdorben? Ob Menschen verunglückt, Elteren von ihren Kinderen ertruncken? Wer die Hinterlaßenen ernährt? Und letzters wie den Beschädigten am besten aufzuhelfen seye. Hierüber solle jeder Orts-Vorstand berichten und in 3 Wochen, mit Hindansezung aller Geschäften, alles Vorgegangene genau specificiren, wem und wessen Geschlecht und Standes der Schaden anheim gefallen. Ferner soll alles, was in der Überschwemmung aufgefischet, genau notirt und an einen dritten Ort gefahren werden, den sich meldenden Eigenthümer auf sichere Kennzeichen anhalten und nach richtig Befinden ohnentgeltlich ausliefern. – Die Frau, welche im Kulk am 12ten gefunden wurde, war aus Mülheim und ist dem Peter Bitter zu Worringen verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. – Frostig. Das Schiff des titulierten Schallenberg hat der Scheffen Steinberger käuflich an sich gebracht. Das Malder Sommerrab kostet 110 Reichstahler, das Pfund 100 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. – Man fährt mit Karren und Wagen über den gefrorenen Grund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Frost und Schnee. – 25. Regen und warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Im Kulk ist in einer Kaule wieder ein Salm gefangen worden. Mann sieht jetzt erst, welchen Schaden der Rhein angerichtet. Von der Rheinfelder Linde über den Rheinfelder Acker bis Walhoven über den Kranenorth bis an den Posthalters Deichkamp ist 3 – 2 und 1 Fuß Sand, in den Kempen sind die oberste Berg und der erste Grund mit feinem Sand, der unterste Grund aber mit Lett beschossen. In der Aue sind viele hundert Bäume fortgetrieben, an verschiedenen Orten, besonders an Boden-Kreutz, wo das Schiff lag, ist der Grund 3 ad 4 Fuß tief ausgetrieben. – Das Malder Korn wird verkauft umb 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Es friert wieder ein halben Zoll dick Eiß, dabey fängt es an zu schneen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Kalt. Heute ist im Schwanen das Herren-Geding gehalten worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – So stark gefroren als am 28ten. Das Bauschen Stroh kostet 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Es ist noch December-kalt, ein Zoll dick gefrorenes Eiß, häufiger Schnee und der schneidend kalte Nordwind sollte uns bald zweiflen machen, daß es Aprill wäre. – Diesen Nachmittag ward unter der Piwitte wieder eine Frauenpersohn gefunden. Sie hatte ein Paar schwer silberne Schuhschnallen, ein ditto Haarnadel und Kinders-Hosen und -Strümpfe in ihren Schooß gebunden. Sie ward nach Worringen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Schnee. – Am 4ten &amp;lt;u&amp;gt;Palmsontag&amp;lt;/u&amp;gt;. Es war sehr unangenehm, und doch sind viele Menschen mit die heut gewöhnliche Römerfahrt gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Kalt. – Es ist eine Prophezeiung im Umlauf, morgen soll von Wien bis Amsterdam Berg und Thal gleich werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten-7ten Frost und Schnee. Der von vielen so sehr gefürchtete 6te April ist glücklich übergegangen. – O die Brodtpropheten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Schon einige Tage ist ein Düsseldorfer Herr bey Schefen Steinberger, nahmens Hager. Er soll eine Plane vom ganzen untersten Felde machen. Ein jeder mus angeben, wie viel Länderey und wo gelegen, ganz verdorben, ob die übrige in 12 – 10 oder wenigeren Jahren wieder gut werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. – Frostig. Am 11ten, Ostertag, warmes Frühlingswetter. Am 12ten angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13.–14. – Reif und nordwindig. Der von der heurigen Überschwemmung unten im Feld liegende Sand weht thürmhoch in die Luft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. – Man vernimmt sicher, daß seine Kuhrfürstliche Gnaden von Köln Maximilian wirklich Todes verblichen ist. Er war ein gütiger Herr. Übrigens kann mann nichts mehr sagen, als: Er war Kurfürst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18. – Reif. – Den 19. angenehm, den 20. Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Regen. Heut ist der Damm mit Pfählen ausgezeichnet worden. Überhaubt ist der ganze Damm in der Krone stark beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22.–24. – Sturmwind und Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. – Frost. – 27ten angenehm. Das war lezt irrig gemeldet: Die Maaß Sommerrab kostet 40 Stüber, das Malder Haber 9 Gülden, Korn 4 Reichstahler, ein Bausch Stroh 5 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. – Frost. – Vom hohen Thum Kapitul in Köln ward verordnet, daß jeder Priester in der Messe für den verstorbenen Erzbischof eine Collecte halten soll. Dann soll auch 6 Wochen alle Abend von 7 biß 8 Uhr geläutet werden. Ersteres findet statt, das Letztere aber unterbleibt, weil wir Jülisch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:May&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Regen. Am 27ten Aprill sind seine Kurfürstliche Hohheit Maxmilian Franz, Coadjutor von Köln, in 6 Tagen von Wien zu Bonn angekommen, Es heist, hochdieselbe hätten einen Minister mitbracht, welcher die Einrichtung in den Kölnischen Landen machen soll. Das Korn ist noch so klein wie im December.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Gottestracht. Durch die heurige Überschwemmung ware der Weg an der obersten Drenke für die heutige Prozession sehr fatal. Der Pastor liesse demnach dem Joan Langel andeuten, die erste, statt sonst der lezten Station, sollte an seinem Heiligen-Häuschen gehalten werden, dann sollte die Procession von Rheinfeld gerad unten am Dorf hinein geführet werden. Joan Langel protestirte dagegen, aus welchen Gründen? Das weis ich nicht. Deshalben ließ er den Weg von Rheinfeld noch gestern Abend dienstweise machen, denn er ist Vorsteher. Die Station ware nicht geziehret, als wir beym Ausgehen da vorbey giengen, dennoch nahmen wir den Weg von Rheinfeld unten in der Hellbüchels-Gasse her ein, dann gieng der Zug neben der Kirche vorbey oben um das Heyligenhäußchen, wo die lezte Station doch gehalten wurde. Beym Ausgang der Procession hatten wir kalten Nordwind, auf dem Zonser Damm wurden wir alle durchnaß. – Das Spielhalten unterbleibt diese Gottestracht wegen dem Wasserschaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Hagelfeier. Diesen Morgen war es zu naß und kalt, als daß wir die Procession ausführen konnten. Wir giengen also diesen Nachmittag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Kalter Regen. Das Korn wird um 4 Reichstahler 2 Schilling verkauft, Sommergerste 3 Reichstahler 30 Stüber, Haber 9 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Diesen Mittag um 11 Uhr ist seine Kurfürstliche Hohheit der Coadjutor von Köln mit einer Jagd hier vorbey den Rhein hinunter nach dem Münsterlande gefahren. Der Wind war stark aus Norden, und deswegen ward das Schif von 7 Pferden hinunter gezogen. Um 5 Uhr diesen Morgen waren sie Köln vorbeygefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Angenehm. – Man fängt an, die Sommersath unten im Feld zu besorgen. Auf dem Kranenorth die Gründe, zum Mittelwegen hin, sind stark belettet. Da wird Sommergersten gesähet, auf die Berge Haber. Der Rheinfelder Acker ist aber gar zu stark beschossen, und der Sand ist auch gröber als auf dem Kranenorth und in den Kempen. Auf dem Werth, wo meistens Lett liegen blieben ist, da wird Sommergersten und kleine Bohnen gesähet. In den Kempener Gründen stehet noch Wasser. Der mittelste Berg ist noch sehr beschädigt, auf dem vordersten aber wird Haber gesähet. Die noch stehen gebliebenen Weiden müssen alle geschoren werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Warm, doch wäre Regen nothwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten – Sontags hatten wir dreizehnstündiges Gebeth zur Danksagung, daß die Stadt Köln noch in so weit von den gefährlichen Folgen der Überschwemmung frey geblieben ist. Heute sah ich die erste Kirschenblüh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Angenehm. – Die Plane, wovon am 8ten Aprill gedacht ward, ist bereits zu ihrer Reife gediehen. Sie besteht aus 6 grossen aneinander geklebten Papierbogen. Man schätzt den Schaden auf 150.000 Reichstahler. Heut die erste Kornähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11.–12. – Schön warm. Der Sand unten im Feld jagt stark fort. Von den Bergen ist schon ein halben Fuß hoch weg. Dieser landet nun in den Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. – Das Wetter ist schön, aber nicht gut. Wenn es nur einst regnete, dann wäre die Witterung schön und auch gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Unten im Felde ist nirgend Korn stehen geblieben als von der obersten Drenke über die Leimkaule hin, und dann unter den Perschen etwas weniger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. – Warm und trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20., Kristi Himmelfahrt – Wegen der anhaltenden Dürre hat der Pastor beschlossen, diese 8 Tag morgens 5 Uhr eine Benedictions-Meße zu halten. – Das Malder Korn 13 Gülden 6 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten. – Diese Nacht ist die Worringer Kirch bestohlen worden. Das Vermißte besteht aus den Kleidungen deren wegen der gestrigen Procession noch gezierten Bilderen, die Borden von der Kohrkappe, die Pfenningen vom Venerabel und dann ein silbernes Ciborium. Die darin befindliche Hostien lagen auf einem Tuch auf dem Altar. Ober der Kanzel sind die Diebe am Fenster hereingestiegen. Der Diebstahl soll 200 Reichstahler antragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. – Grosse Hitze und keinen Regen. Am 25ten wird der seelige Erzbischof zu Köln begraben werden. Deswegen wurden gestern hier am Posthause 49 Pferde gewechselt. Heute geht es ebenso stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Donner ohne Regen. – Heut habe ich die erste Kornblühe gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Etwas Regen. – 27ten sind die Küh in die Benden getrieben worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Von gester Abend bis diesen Morgen hats geregnet. Das Korn ist in voller Blüh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Pfingsttag. Sehr warm. 31. schön und gutes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Der Nordwind trocknet den Regen wieder weg. Die Haber, welche gesähet ist, wo der Sand tief liegt, ist jetzt schon vertrocknet. In den Kempen werden die Gründe mit Sommergersten besähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Trocken, und wir hofen wieder Regen. Heute sind diejenige, welche Land unter den Perschen haben, bey Scheffen Steinberger zitirt worden, um bey den dort anwesenden Worringer Scheffen ihren Schaden anzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – &amp;lt;u&amp;gt;Fronleichnam&amp;lt;/u&amp;gt;. Die Nacht hindurch und diesen Morgen hatten wir Regen. Die heut gewöhnliche Procession hielten wir diesen Nachmittag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Naß. Es ist jezt Furage genug für alles Vieh. Etwas früher haben die Rheinfelder immer oben im Felde Kraut geholt, weil die Überschwemmung unten alles verdorben hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. – Fruchtbar Wetter. Es ist schon Kappus gepflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Dunkle aber warme Tage, wobey es zuweilen regnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20.–22. – Trocken. Die Haber beginnt, in Schnoden zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. – Abwechselnd trocken und Regen. Der Kornpreis ist 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31. – Einige kälterich nasse Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Kalt nordwindig. Den 2ten wie gestern. Heut hat der Sasserhalfen Korn lassen hauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – &amp;lt;u&amp;gt;Sontags&amp;lt;/u&amp;gt;. Diesen Morgen umb 2 Uhr ward das erstemal und ¼ auf 3 zusammen geläutet. Um halb 4 gieng der Herr Paster und Vicar an den Altar die Meßen lesen, nach gegebenem Segen um 4 Uhr ward eine zahlreiche Prozession nacher Bethlehem ausgeführt. Weil die sonst von hier mit den Worringer auf Kevelar geführte Procession jetz von geist- und weltlicher Obrigkeit verbothen ist, so ist diese das 3te Jahr, daß wir auf Bethlehem gehen. Ohne zu rasten, waren wir um 9 Uhr am Gnadenorte, zu Oberaussem ward Mittag gehalten, zu Stommel einst getrunken – und um 7 Uhr zu Abend waren wir theils gesund und wohlbehalten alle wieder hier. Es war ein ganz schöner Sommertag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Heut wird bey dem herrlichen Wetter auch hier Korn gemähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Wir hofen wieder auf Regen, die Grashäuer auff gutes Wetter. Wer wollte da Herrgott sein? – 9ten ein wenig Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. – Trockene Tage. Das Korn wird häufig reif und abgemähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. – Ein jeder ist am scheuern. Die Frucht leget sehr kurz beisammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Erst heute erhielten wir den so sehnlich gewünschten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. – Man kann nicht einscheuren wegen der gestrigen Nässe. 22., 23. trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. – Heute ist eine Verordnung abgelesen worden, daß keiner, auch selbst die Eigenthümere, vor Bartholomei nicht in die Jagd gehen sollen. Am 27ten soll bey Scheffen Steinberger der Damm vergantet werden. Die Orts-Vorstände und Pfarrer sollen keine Kolleckt-Patente mehr ertheile, sondern selbige sollen höhern Orts nachgesucht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. – Trocken. – 27.–28ten, 29. etwas Regen, aber warm dabey. Die Ausbesserung des Dammes hat der Schefen Steinberger, Sturm, Jacob Cremerius, Joan Langel und der Rheinfelder Halfen, Heinrich Dahmen, übernommen. Der Damm soll in 3 Monathen fertig seyn. Dafür erhalten die Enteprenneurs 10.500 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Augustus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Sehr heiß – am 4ten Donner und Regen. Heute ist der neue Kuhrfürst zu Köln gehuldiget worden. – 6.–8ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Warme Tage. Es ist Haber unten im Feld und besonders in den Kempen, welche 23 Hand hoch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Es wäre wieder Regen nothwendig. Dem strengen Verboth gegen die übernachtenden Prozessionen ungeachtet, kame doch heute wieder eine Truppe von einigen 100 Personen, meistens Leuthe um Bonn herum, welche auf Kevelar gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Augustus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Trocken. – Gestern ist am Damme angefangen worden. Vom Steinbüchel hinab wird das neue Stück mehr Dormagenwärts gelegt, ebenso im Kulk, auf beiden Platzen, wo der alte Dam aufgehört hat wegzutreiben, sind tiefe Löcher ausgetrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Gestern und heut unausstehliche Hitze. Heut abends ein schwer Donnerwetter mit Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Es ist schon viele Haaber gehauen, in den Kempen und auf guten Gründen ist sie 7 ½ Fuß hoch, und muß alle mit dem Sicht gehauen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23.–26. – Regen. Des sind wir aber auch schon müd, weil die Sommerfrucht gut Wetter verlangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Ein heisser Tag. Deswegen ward auch viel eingescheurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29.–31. – Stürmend nasses Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Schön Wetter. Unten im Feld steht schöne Frucht und in den Kempen auf den mit seinem Sand beschossenen Beogen prächtige Haber, allein, wo der Sand zu hoch liegt und in ausgetriebenen Gründen ist alles schlecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Es wird mit etlichen 100 Schupkarren am Damme gefahren. Morgens 5 Uhr und abends 7 mus der Küster Ave Maria läuten. Das ist das Arbeitszeichen. Jeder bekömt täglich 18 Stüber.&lt;br /&gt;
:Von dem Worringer Diebstahl (am 21. Mey des Jahres) ist das Kupferwerk im Hittorfer Feld gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Eine anhaltende Hitze, und man sehnt sich nach Regen, weil das Korn sich zu Schörnen baut. Die neue Haaber ist für 100 Stüber verkauft worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. – Trocken. Es steht noch viele Haaber und kleine Bohnen unten im Feld. Am Damm wird mit 140 Schuppkarren gearbeitet. Joan Steinberger, Sohn des Scheffen Friderich Steinberger, und Joseph Sturm, Sohn des abgelebten Scheffen Peter und Brudes des nunmehrigen Scheffen Jacob Sturm, sind ditto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Regen. Es ist wirklich viel Korn gesähet. Am 22ten trocken, 23. Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Trocken, 25ten Regen, 26ten dunkel. Die Haber unten im Feld ist aufgehäufet, um nach der Kirmes einzuscheuren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Reif. Den Monat beschliest ein kalter Nordwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Octobris&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis den 10ten kalt mit Nachtfrösten. Ein rasender Kettenhund biß die auf der Piwitten als Magd wohnende Tochter des hiesigen Joseph Fitgen. Von da kame er hiehin, biß ein dem Vicario und ein dem Peter Lorbag zugehöriges Schwein. Ein Kerpener Brudermeister hat den Schweinen etwas eingegeben, daß, wenn selbige auch wüthend würden, doch keinen Schaden thun könnten. Der Hund ward todgeschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten-14ten – Schöne warme Tage. Vom 15ten bis den 19ten frostige Tage. 20ten gelind. – das Malder Weitz gillt 7 Reichstahler 20 Stüber, Korn 4 Reichstahler 15 Stüber, Sommergerste 11 Gülden, Haaber 19 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. – Trockene Tage. Am Damm verdient jeder von morgens 6 bis abends 6 Uhr pro Tag 15 Stüber. Mit einigen Pferdskarren wird auch gefahren, und da wird von jedem Pferd pro Tag 40 Stüber bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Octobris&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Frost. – Vom 27. bis 31. naß. Der Rhein ist grundklein. Das 100 Bauschen Stroh 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Novembris&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Angenehm, bis den 4ten, am 5ten Frost. Der Rhein wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten-7ten Frost. In einer Kuhrfürstlichen Verordnung wird befohlen, daß, weil das im vorigen Herbst angefangene Chosse nicht zustande gekommen, auch nicht wegen der allzu starken Passage kommen kann, so soll hiesiges Dorf 32 Fuß in der Mitten paveet werden. An den Häusern soll jeder Anschiessende selbst machen, das Amt soll die Kösten tragen. Indessen soll hiesige Gemeinde die Beyfuhren thun. Damit aber jeder zu seinen Kösten wieder gelange, so soll das Amt berechtiget seyn, das neue, statt dem bisherigen Wegegelde, erichtet werdende Barrier einige Jahren einzunehmen. Des Endes sollen allinge Scheffen und Vorstehere des Amts am 12ten dieses zu Bergheim erscheinen. In einer Zeitfrist von 20 Jahren ist Dormagen mehr dann sechsmal gemeßen worden, um das Pavee anzulegen, aber nie ist etwas draus geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Angenehm Wetter. Und unangenehm sind die Nachrichten von Krieg: Der Keyser will mit den Holländern anbanden. Joseph denkt, die General-Staaten haben Geld, und dann – wie das Sprichwort sagt: – Man hat leicht einen Stock, wenn ein Hund geworfen soll werden. Diesmal begehrt der Keyser die Schiffahrt auf der Schelde ohne Abgaben. Die Herren Zeitungsschreiber setzen noch dazu, &amp;lt;u&amp;gt;nach Indien&amp;lt;/u&amp;gt;, weil der Kaffe dardurch wohlfeil werden soll. Mithin wär es eigentlich ein Kaffe-Krieg. Nun, das gilt gleich. Der Keyser besteht auf seiner Foderung, und fals die Herren Käßsoveräinen sich wiedersetzen, sollen 30.000 Kayserlichen hinunter kommen, und dann gehts a la Holland – laufen gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten-11ten – Frost. – 12ten-13ten Sturmwind mit Regen. 15ten angenehm Wetter. Die Scheffen und Vorsteher dieses Amts Bergheim haben wegen dem Pavee durch hiesiges Dorf nicht einig werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16.–17. – Allerliebst Wetter. Der Rhein ist grundklein. Darauf soll nach unseren Brodtpropheten Meinung eine grosse Überschwemmung folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. – Frost, Schnee und hernach Regen. 21ten angenehm, 22. Frost, 23. naß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. – Fruchtbares Wetter. Der Damm wird vor dem Winter nicht fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten-30ten – Reif und ein Tag Sonnenschein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Etwas Frost. Am Damm verdient jeder pro Tag 12 Stüber.&lt;br /&gt;
:Das dem Peter Lorbag zugehörige Schwein ist rasend worden, hat doch keinen Schaden gethan. Es ward im Stall todgeschlagen, &amp;lt;u&amp;gt;sehe am 10ten October&amp;lt;/u&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten bis 9ten – Nasses, zuweilen stürmisches Wetter. Die Keyserliche Truppen werden doch den Herren Holländeren die Visite machen. Zu Köln wird ein Magasin gemacht. – Der Damm ist bald bis an das Weschpfädchen fertig. Dort wird selbiger mit Faschinen belegt, das Wegtreiben zu verhüten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[19]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Frost. – Der Kölnische Kuhrfürst ist jetz auf 6 Wochen zu Köln im Seminario, um den Geistlichen mit einem guten Exempel vorzugehen. Auch hat er befohlen, daß hinführo jeder Geistliche anstatt 1 jetz 2 Jahr im Seminario bleiben soll, und nun jährlichs 40 statt sonst 80 Reichstahler Kosten zu bezahlen. Das Malder Haber kostet 19 Schilling, Sommergerst 28 ditto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 11ten bis den 13ten – Frost mit ein wenig Schnee. Den 14ten Schnee, den 15ten Frost. Am Damme wird noch mit 30 Mann gearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – In der Donnerstagsmesse ist das Landsperr von Heu, Haber und Stroh verkündiget worden. Der Kornpreis ist 4 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Heute sind die Scheffen von Haus zu Haus umgegangen und haben einen jeden Vorrath von Frucht specificirt. Man vermuthet, es würden Magasine angelegt werden. – Ein ordentlicher Drescher kann alle Tag 9 bis 10 Faß Korn auftragen. Den 18.–19ten Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Dauwetter. Gestern ward der Peter Kluth von Rheinfeld hier begraben. Im Spethsommer kame er aus dem Stockhaus von Kaiserswerth zurück, wo er drey Jahre Arrest hatte. Sein Vergehen bestund in einem im Bergischen begangenen kleinen Diebstahl. Er war krum und elend, als er loskame, arbeitete einige Zeit am Damm, und die übrige Mittarbeiter liessen ihm eine Seelenmesse halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten dieses soll zu Köln die erste Transport Keyserlichen über den Rhein kommen. Die Mülheimer Schifbrück soll bey die Kölnische gelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Ein Circularschreiben meldet, daß auf jeden steurbaren Morgen eine Ration von 8 Pfund Haber, 10 Pfund Stroh und 15 Pfund Heu bereit gemacht werden solle. Wohin dies alles geliefert werden soll, steht zu erwarten. Desfalls ward heute die Sturmklocke gezogen. Jacob Cremerius hat sich erbothen, jede Ration für 32 Stüber zu lieferen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. – Sehr kalt mit Schnee. Den 28ten ist schon viel Eiß im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Ein heut eingegangenes Circulare bestimmt die zu liefernde Rationen: das Heu auf 10 ½ Pfund, Haaber à 8 Pfund, das Stroh nur 3 ½ Pfund. Der umgehende Gerichtsboth kündigte dieses jedem an. 116 Rationen sollen erstens nach Angelsdorf geliefert werden. Um also alles in Ordnung zu bringen, soll jeder seine Rationen in des Peteren Pannes Scheure liefern. Einige bringen ihr Quantum dahin, andere aber wollen nicht. Zu Zündorf oben Köln waren die Mülheimer und Kölnische Schifbrück angelegt. 3 Regimenter waren herüber, als das kommende Eiß die Schifbrücken nöthigte in Sicherheit zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten-31ten – Sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1785 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[20]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1785&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januarius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am&amp;lt;ref&amp;gt;Es wurde kein Datum eingetragen.&amp;lt;/ref&amp;gt; – Wegen der schlimmen Jahren haben der Scheffen Sturm und Steinberger die 116 Rationen zu Bergheim gekauft.&lt;br /&gt;
:Am Damme wird nicht mehr gearbeithet. Im Kulch ist er bald fertig. Hier oben vom Waschpäthchen auf Rheinfeld zu ist noch eine Lücke offen. Am 27ten vorigen Jahres war noch kein Eiß im Rhein, und am 30ten hatte er zu Düsseldorff schon 3 Stunden gestanden.&lt;br /&gt;
:Das nunmehr zurück gelegte Jahr war unstrittig vor hiesige Gegend das merkwürdigste dieses Jahrhunderts: nie erhörte Kälte, häufiger Schnee, verderbliche Überschwemmung. Desgleichen sich niemand erinnert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Frost. – Am 3ten Thauwetter. Zu Köln gehen noch immer Kaiserliche über den Rhein. Die ganze Armee soll 30.000 Köpfe zählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten-6ten – Anhaltender Regen, 7ten bis am 10ten starker Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – ist schon Eiß im Rhein. Am 14ten Thauwetter, am 15ten ditto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten-19ten – Anhaltende angenehme Tage. Die Feldfrüchten sehen schön aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23.–24. – Frost. Alles Gefähr gehet drüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Die Scheffen haben publizieren lassen, daß jeder seine Hunde fest halten soll. Und derjenige, der einen herumlaufenden Hundt tödtet, bekömmt 1 Reichstahler Belohnung. Dieses und die Brüchtenstraaf mus der Eigenthümer des Hundes zahlen. 29ten Regen, 30. Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Thauwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten etwas Frost, am 2ten Schnee, 3ten und 4ten kalt. Die Keyserliche Völker ziehen noch immer abtheilungsweise durch Köln, die Gegend von Bergheim auf Gülich oder Aachen nacher Brabant. – Es ist noch kein römischer König erwählt. Die Kuhr-Fürsten können noch nicht darüber einig werden. Der Keyser Joseph der Zweete will seinem Nefen, den Erzherzog Franz Sohn, des Keyserbruders Leopold Großherzog in Toscana zum Nachfolger haben. Preussischer seits weis man die Vorschläge noch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Abwechselnder Frost und Regen, am 9ten Frost und Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Regen, 11ten Frost, 12ten kalt, den 13ten kälter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Gelind. Heute ist wieder eine Kommission von Düsseldorf hier gehalten worden. Es betrifft die Windmühle. Den 15ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Frost und Schnee, so auch den 18ten, den 19ten der stärkste Frost in diesem Winter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Kalt. 22ten: Heute, als am gewöhnlichen Wahltag der Bürgermeisterstelle, ward der bisher regierende Heinrich Tröster ab- und Cornelius Straub angesezt. Zur Erleichterung dieses schweren Amtes ist ihm der Joseph Fitgen als Feldschütz beygeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Frost. Heute morgens 10 ¼ Uhr wurden wir durch das Sturmklockeschlagen und Hülferufen in äussersten Schrecken versetzet. Die Wittib Vogel hatte diesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Morgen eine Menge faules Holz bey den Stuben-Ofen zum Trockenen gelegt und war hinaus gegangen. Das Holz fieng Feuer, und der aufsteigende Dampf war die Veranlassung zu all dem Lerme. Die herbeieilende Menge Menschen half dem Unglück vorbeugen, und das Haus ist noch theils unbeschädigt geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Regen, 26ten Frost, welcher für den Rabsamen schädlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Heute ist, weils Sontag war, nach der Bruderschaft das Te Deum gesungen worden, zur Danksagung der vorigjährigen Überschwemmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Frost. Dieses ist das dritte Jahr, daß uns der Erzbischof erlaubt hat, die Fasten-Mittwoche, den Palmsonn-, -Mon- und –Dienstag Fleisch zu essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Martius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten bis 4ten – starker Frost, der Rhein geht steif mit Eiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Nit so kalt. Der Rhein ist kleiner als im 1783ziger Herbst. Auf das Wertchen neben Worringen kann man trockenen Fusses gehen, und die unweit im Rhein befindliche Mauer ist sichtbar. Die meiste Brunnen im Dorf sind wasserleer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten-11ten – Nachtfröste. – Das Militäre zu Düsseldorf bekömbt nun weiße Röcke, so lang als ein Mann mit dem Daumen herab reichen kann, ohne sich zu biegen. Vor diesem waren sie dunkelblau, jetzt hellblau und ordentlich lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Schnee und Frost. Der Rhein wächst. Der Gerichtsboth kündigte allen Ländereibesitzern an, daß: wenn die große Klock gezogen würde, sich alsdann ein jeder bey Scheffen F. Steinberger einzufinden hat. Das geschahe diesen Nachmittag 3 Uhr. Der Herr Voigt und Gerichtschreiber saßen mit den Scheffen im Steinbergers Hofe an einem Tisch. Der Voigt fragte die versammelte Gemeine, ob sie bereit wären, den angegebenen Wasserschaden eidlich zu beschwören. Das wurde bejahet, jedoch zogen viele sich beiseite und liessen die nächst Beystehende die Eidesformel nachbethen. – Das Malder Haber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Für diese Jahreszeit ist es ungemein kalt. Kornpreis 28 Schilling. Ein landesherrliches Edickt verbiethet, mit Kupfer oder Blei stark begossene und unten beschlagene Stöcke zu tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Angenehm. – Am 16ten Frost, 17ten dunkel. Es wird erst heute mit der Gartenarbeit der Anfang gemacht. 18ten Merzerschauren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20., Palmsontag – Vormittag stürmte es, späther wards heiter, und die nachmittägige Prozession ware sehr zahlreich. 21ten und 22ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23., Mittwoch – Kalt. Anstatt der heute gewöhnlichen Römerfahrt ward eine Andacht in der Kirche gehalten. Das Wetter war gar zu unfreundlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. – Kein Stall noch Hauß ist vor dem Frost sicher. Karren und Wagen gehen drüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Die Kahrfreitagsprozession war sehr stark. Am 26ten angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27., Ostern – Es hat den ganzen Tag mit Schnee und Regen abgewechselt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Martius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Starker Frost und Schnee, am 29ten ditto, am 30ten sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Annoch eben kalt, starker Nordwind und Schnee. – Kornpreis 29 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten Sturm und Regen, den 2ten Schnee ohne Frost. Wir haben jetzt das 40stündige Gebeth.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten bis 6ten – December-kalt, 7.–8. unangenehm, 9ten-11ten starker Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. – Das Korn ist noch so klein, als es im Herbste war. Saamen und Herbstgerst ist erfroren. – 14ten Regen. Es sind schon Schwaalben hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten-16ten – Warm, 17ten, Gottestracht, trocken und sehr warm. Die Prozession hat ihren alten Weg wieder eingenohmen. Den 18ten schönes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten-21ten – Kälteriches Wetter. Es ist schon viel Haaber gesähet.&lt;br /&gt;
:Das Conclusum der Hofkammer über die der hiesigen Windmühle gehaltenen Commissionen ist dahin ausgefallen, daß der Peter Pannes ein neues Krühwerk, ein neues Bruststück und zwei Flügeln neu machen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20.–26ten – Angenehme Tage, das Korn beginnt zu schiessen. Den 27ten Nachtsfrost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Reif. – Heut ist an hiesigem Damme die Arbeit wieder vorgenohmen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. – Es wird ein Siegelofen an dem Schwanen-heiligen-Häuschen auf der Wittib Scheffen Peter Sturms Stück errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. – Der Kölnische Kuhrfürst reiste heut hiedurch von Münster auf Bonn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Majus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die erste Nacht reifte es stark, im Tage ists nordwindig kalt. Den 2ten kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten bis 7ten angenehm und trocken, man hoffet Regen.&lt;br /&gt;
:Die Herren Missionarien werden am 18ten dieses hiehin kommen, um uns die Buße zu predigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Trocken und warm. Heut sah ich die erste Kornähren. Der Kuhrfürst von Köln begehrt von allen Pfarrern seines Bißthums ein 13stündiges Gebeth zu halten und den lieben Gott für ihn zu bitten, daß er zu der bevorstehenden Consecration würdig und zu dem beschwerlichen Amte fähig werde. Unser Pastor hielt eine bündige Gelegenheits-Rede. Er hatte zum Vorspruch gewählt: Ego sum pastor bonus, bonus pastor animam suam dat pro ovibus. Cognosco oves meas et cognoscunt me mea. Die Ausführung übertrafe aller Erwartung. – 9.–10. warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11.–13. – Reif und Nachtfröste. Das Malder Korn gilt 30 Schilling, Haber 19 ditto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15. – Etwas Regen. Heut, als am Pfingsttag, hat der neue Fürst zu Köln im Thum das erste Hochamt gehalten. Nach dessen Endigung ertheilte er dem auf dem Dohmhof versammelten Volk den päbstlichen Seegen. Jeder muste aber zuvor beichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16.–18. – Schön Wetter, zuweilen regnet es ein wenig. 19ten Reif. Der Küster von den Missionarien ist schon hier angelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Dunkel. Die Bagage deren Bußprediger ist mit einigen Karren an der Schiffbrücke abgeholt worden. Kurz hernach kam ein Expressen, der den Missionsküster wieder zurück ruft, weil der Pater Beut krank ist. Ihre Hiehinkunft bleibt also biß den Sontag nach Fronleichnam ausgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[23]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Es hat diese Nacht gereift, im Tage ists trocken, am 22ten heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Reif. – Am 25ten etwas Regen, 26ten, Fronleichnamstag, sehr heiß. Der Küster der Herren Missionarien ist angelangt. Morgen kommen sie selbst auch, eine ausführliche Beschreibung der ganzen Mission ist am Ende in der Beylag Numero 1 nachzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Etwas Regen. Es ist ein elender Frühling, noch immer trocken und zuweilen kalt. Es ist deshalben eine Sacramentalische 8tägige Messe von geistlicher Obrigkeit mit Abbettung der Litanie von allen Heiligen verordnet worden. Mit dieser Messe ward heut umb halb 5 Uhr angefangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten-29ten, Sontag – Es stürmte zuweilen. Deswegen sind heute, als am ersten Bußtage, keine Prozessionen hiehinkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Reif und kaltes Wetter. – Unser gnädigster Landsherr Karl Theodor wird morgen in Düsseldorf erwartet. Die Reise geht durchs Langenfeld. Deswegen sind heut 20 Dragoner und 4 Ofizier hier, die seine &amp;lt;u&amp;gt;Kurfürstliche&amp;lt;/u&amp;gt; Durchlaucht jenseit des Rheins ihre Aufwartung machen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31. – Reif und verderbliche Witterung. Allenthalben heitzet man die Stubenofen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Das Korn beginnt zu blühen, 2ten und 3ten naß und kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Durchdringender kalter Regen, 6ten Regen, am 7ten warm und heiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 8ten bis 11. – Fruchtbar schönes Wetter. Am 12ten sehr heiß, zuweilen Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 13ten, Sontag – Die Herren Missionarien halten heut zu Gohr die erste Bußpredigen; deshalben ward heut umb 5 die erste, umb 5 die zwote Messe gehalten, nach welcher wir mit einer sehr zahlreichen Prozession auf Gohr wahlfartheten. Der Zug ging über Nivenheim, durch den Mühlenbusch, kamen wir um 9 Uhr da an. Wir wohnten den Predigten bey und traten umb 5 Uhr die Heimreise in auferbaulichster Ordnung an. Dormagen hat sich ganz geändert und führt nach Aussage der Herren Missionarien jezt ein englisches Leben. Um also das Andenken der Mission beständig neu zu erhalten, werden morgens in der Frühmesse die Mission-Gebethe und –Gesänge gehalten, auch verrichtet der Küster nach dem Abendklockläuten die in dem Missionsbuch vorgeschriebene Abendsandacht am Missions-Kreutz auf dem Kirchhof. Die Leute wohnen sehr zahlreich bey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14.–15ten – Es ist heiß im höchsten Grad, bis am 18ten warmer Regen, man pflanzet Kappus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten, sontags – Ha[l]b 4 zu Morgen giengen wir wieder mit einer Prozession von 200 Seelen auf Gohr, die mehristen communizierten da, und um 8 Uhr abends waren wir wieder hier. Es war schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten-25ten – Warm und zuweilen regnet es dabey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten, Sontag – Heut machen die Missionarien zu Gohr den Beschluß. 27ten heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. – Grosse Hitze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Durchdringlicher Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Pro Memoria deren Begebenheiten, so sich anno 1785 dahier bey dem Besuche deren Herren Missionarien eräuget haben. &amp;lt;u&amp;gt;Dormagen&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Bericht ist von anderer Hand abgefasst worden, wahrscheinlich von Hermann Delhoven, dem Vater von Johann Peter.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Am 26ten Mey – Nemlich am heiligen Fronleichnams-Tage, ist der Küster deren Herren Missionarien dahier eingetroffen, nahmens Michael Schiffer.&lt;br /&gt;
::Am 27ten dito – Morgens 11 sind die bey den Herren Missionarii, nemlich der Herr Pastor von Grimlinghausen, Herr Zimmermann, mit Herrn Camps, mit einer einspännigen Schaise à corande, da wir ihre Bagage schon vor 8 Tägen abhohlen musten (vide diarium 85) im Gasthause zum Lämbchen abgestiegen, wo sie nach genohmenem Mittagmahle die hiesige Kirche in hohen Augenschein nahmen. Es wurden also 2 Dienstleuthe bestelt, welche die Anstalten zu denen zwey Bühnen, eine auff dem Kirch-Hofe unweith dem Kirchgäßchen, errichtet, die zwote wurde in die Kirche gerade vor die Kantzel neben den Kreutzaltar auff die Bänke aufgestelt.&lt;br /&gt;
::Am 28ten, &amp;lt;u&amp;gt;Samstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute morgens 9 Uhre, als vorhero 3 mahlen geläutet worden, wurde daß Liedchen &amp;quot;Alles meinem Gott zu Ehren&amp;quot; gesungen, undt nach Endigung dessen wurde die Benediction gegeben, demnach die Missionsgesang-Messe. Diesen Abend 5 Uhr wurde wieder wie auch im Halbbunt&amp;lt;ref&amp;gt;Unsichere Lesung des Worts.&amp;lt;/ref&amp;gt; precise 6 Uhr geleuthet, demnach wardt wieder &amp;quot;Alles meinem Gott zu Ehren&amp;quot; 1 Verse gesungen und ferner die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::die Litanie der Mutter Gottes. Soforth wardt der Seegen gegeben, wobey eine Predig, nemlich &amp;quot;Warum sie hiehin gekommen&amp;quot;, also erstens um unserem Herrn Seelsorgeren in etwa behülflich zu sein. Übrigens um die Verstokte wieder in ihr Gewissen zurückzuführen, letzten die hiezu dienlichen Mittel, wornach etlichen Lieder-Versen der Seegen gegeben wurde.&lt;br /&gt;
::29., Sontag – Heute morgens 6 Uhr ward von Herrn Camps die erste heilige Messe mit Abbettung eines Roosenkrantzes gehalten, wozu zweymahl der Seegen gegeben wardt, und demnach hielt ermelter Camps eine Predigt, also: &amp;quot;Quid prodest homani, si universum mundum lucratur, anime vero sua detrimentum patiatur&amp;quot;. Umb halb 9 wurde mit der kleinsten Gloke ein Zeichen gegeben, worauf um 9 mitt allen Glocken zusammengeläutet, demnach wardt der Segen gegeben, wo sogleich die in den Büchlein aussgezeignete Missions-Messe erfolgte undt hiemit durch die Benediction beschlossen. Demnach hielt Herr Zimmerman wieder eine Predig: &amp;quot;Deum tuum adores et solum ei servies&amp;quot;, undt als diese zur Endschaft gediehen, hielt unser Herr Vicar wieder eine Benedictions-Messe, wobey die Litanie vom Nahmen Jesu abgesungen wardt. Nachmittagß 1 Uhr wardt von hiesigem Pfarrer die kristliche Lehre gehalten, um 2 Uhr die erste Predigt, eine Unterweisung &amp;quot;Fugite fornicationem&amp;quot; von Herrn Zimmerman, der 1ste Theil wardt in der Kirche, der 2te aber aufm Kirch-Hofe gehalten. Unt als solche zur Endschaft gediehen, hielte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[26]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Herr Camps die Bußpredigt auf der Kirch-Hofsbühne: &amp;quot;Mors peccatoris pessima est&amp;quot;. Als solche vollendet, wardt daß Venerabul von hiesigem Herrn Pfarrer in pluviali mit 4 Buben mit 2 Schössen mit Flambauen mit 2 Leuchten mit dem Rauchfasse zur Bühne auf den Kirch-Hof getragen, wozu der Herr Zimmerman eine kurtze Anrede hielte. Inzwischen ist der Herr Schönenbusch, ein alter frommer Jesuit, angekommen, welcher ein mehr englisch als heilig Leben führet: Er isset nichts als Gemüß, Wasser undt Brodt. Abends halb sechß wardt mit der kleinster Kloke ein Zeichen gegeben, worauf um 6 mit allen Gloken geleutet wurde, undt so gienge die Abendts-Andacht wie im Missions-Büchlein gezeichnet vor sich, wonach Herr Schönenbusch eine kurze Anrede hielte: &amp;quot;Cor contritum et humiliatum deus non despicies&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::30ten, Montag – Heute wie gewöhnlich ware umb 6 Uhr die erste Mese, hernach hielte Herr Camps eine Unterweisung: &amp;quot;Factum est hominibus semel mori, et post hac est judicium&amp;quot;, ansonsten wirdt heute die Andacht wie gesteren gehalten. Die 2te Morgen-Predig hielt Herr Zimmerman: &amp;quot;Reddite omnibus debita&amp;quot;, als schon zuvor Herr Schönenbusch um acht Uhr die christliche Lehre gehalten hatte, darnach wieder eine Messe. Um 1 nachmittagß hielt Herr Schönen-Busch die kristliche Lehre, hernach Herr Zimmerman noch den 3ten Theil seiner Morgenpredigt aufm Kirch-[H]of, hernach Herr Camps die Bußpredig daselbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[27]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Nobis jussit predicare populo et testificare, quoniam ipse lit judex mortuorum atque vivorum&amp;quot;, undt bey der Abends-Andacht hielt Herr Schönenbusch eine Unterweisung: &amp;quot;Querite primum regnum coelorum&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Den 31ten, Dienstag – Die gantze Andacht wie gestren. Die erste Morgenpredig von Herrn Camps: &amp;quot;Du solst wissen, daß Gott durch die Sünt beleidiget wirdt, welche es verdient, gestrafft zu werden&amp;quot;. Die 2te Morgen-Predig von Herrn Zimmerman: &amp;quot;Hüte dich, daß du mit der Zunge nit sündiges, damit dein Fall unheilbahr werde&amp;quot;. Die erste Nachmittagßpredig von Herrn Camps: &amp;quot;Lasset uns unsere Wege erkündigen unt suchen, uns mit dem Herren wieder zu vereinigen&amp;quot;. Die Bußpredig von Herrn Zimmerman: &amp;quot;Der Reiche starb und wardt begraben in die Hölle&amp;quot;. Bey der Abends-Andacht die Anrede von Herrn Schoenenbusch: &amp;quot;Undt ihre Zeit wirdt sein in Ewigkeit&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Am 1ten Juny, Mittwoch – Heute frühe ware keine bestimte Messe, sonderen die Herren Missionarii sassen Beicht, der Herr Zimmerman bey Joan Adolff Fix, Herr Camps bey Joan Krahn und Herr Schönenbusch bey Orban Meisen. Heute schon haben einige communiciert. Um 9 Uhr ware die Missions-Messe, wobey Herr Zimmerman predigte: &amp;quot;So jemandt die seinen nicht, sonderlich seine Haußgenossenen nit versorget, der hat den Glauben verleugnet unt ist ärger als ein Unglaubiger&amp;quot;. Nachmittagß 2 Uhr unt morgens 8 die christliche Lehr von Herrn Schönenbusch, die Abents-Andacht mit einer Predig von Schönenbusch: &amp;quot;Ihr dient und gehorchet euren leiblichen Oberen&amp;quot;. Die Missionarii sitzen Beicht von morgens 5 biß abents 7 Uhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[28]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Am 2ten Juny, Donnerstag – Der General-Communion-Tag. Heute wurdt die Donnerstagß-Messe-Fundatio morgens 4 Uhr gehalten, wornach die Communion außgetheilet wurde. Um 6 Uhr hielt Herr Camps die erste Missions-Messe mit der Benediction mit daß Hochwürden Guth blieb außgesetzt, wobey eine Anrede: &amp;quot;Der Mensch prüfe sich selbst, unt also esse er von diesem Brodt&amp;quot;. Darauf wardt die Communion daß 2te mahl außgetheilt. Um 9 Uhr war wieder eine Missions-Messe, wornach Herr Zimmerman eine Predig hielte, wieder den Thema: &amp;quot;Der Mensch prüffe sich selbst undt als denn esse er von diesem Brodt&amp;quot;, darnach wieder eine heilige Messe. Um 2 Uhr nachmittagß die kristliche Lehre, um 6 Uhr abents die Andacht, wieder den Thema der Predig von Zimmerman: &amp;quot;Ihr Diener gehorchet euren leiblichen Oberen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::Am 3ten Juny, Freitag – Heute morgens 5 wurden die Lesse-Messen gehalten, um 8 die kristliche Lehre, um 9 die Missions-Messe mit einer Predig von Herrn Zimmerman: &amp;quot;Daß Sacrament der Ehe ist heilig in Christo undt in der Kirche&amp;quot;. Bey der Abends-Andacht hielte Herr Camps eine Predig, Thema: &amp;quot;Ihr Elteren, reitzet eure Kinder nit zum Zorn, sonderen haltet sie in der Zucht unt Gottesforcht&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::Am 4ten – Heute um 9 Uhr morgens war die Missions-Messe, nach selbiger eine Predig von der Mutter-Gottes: &amp;quot;Erfreuet euch mit Jerusalem unt seydt frölich mit ihr, alle, die sie lieb habet&amp;quot;. Bey der Abends-Andacht hielt Herr Camps eine Predigt, Thema: &amp;quot;Ihr Kinder, gehorsamet euren Elteren&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::Am 5ten, Sontag – Heute 6 Uhr war die erste Missions-Messe mit einer Predig, Thema: &amp;quot;Ich will die Gebotte Gottes folgen unt sie behalten&amp;quot;, von Herrn Schönenbusch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[29]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Um 9 Uhr ware die 2te Missions-Messe, wobey Herr Zimmerman eine Predig hielte: &amp;quot;Du solst deinen Nechsten lieben wie dich selbst&amp;quot;, demnach eine Segens-Messe. Nachmittagß 1 Uhr war die christliche Lehre auffm Kirchhof, worüber aber ein heftiger Regen erfolgte. Um 2 Uhr hielt Herr Camps die erste Predig in der Kirche: &amp;quot;Wehe dem Menschen, durch welchen Ergerniß kömbt&amp;quot;, um 3 hielt Her Zimmerman die 2te Predigt in der Kirche, von der büßenden Magdalena: Sie hatte ein Alabaster-Büchß mit köstlichen Salben, gosse sie auß über die Füsse des Herren, benetzte ihn mit ihren Zähnen, trocknete mit den Haaren ihres Hauptes. Diesen Morgen um 9 Uhr kame eine Prozession von Grimlinghausen, ungefehr 200 Man stark. Nachmittagß um 3 Uhr kame wieder ein Prozession vom Stürtzelberg. Abends 6 Uhr hielt Herr Camps bey der Abends-Andacht eine Predig: &amp;quot;Wer die Gefahr liebet, kömbt drin um&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::Am 6ten, Montag – Heute morgens 9 Uhr ware die Missions-Messe, nach welcher Herr Schönenbusch ein Predig von den Verstorbenen hielte, Thema: &amp;quot;Die Hant deß Herrn hat mich getroffen&amp;quot;, nach dem noch ein Meß vor die Verstorbene. Nachmittagß 2 die kristliche Lehre, umb die Abends-Andacht mit einer Predig von Zimmerman: &amp;quot;Daß Reich Gottes besteht nit im Esen unt Trinken, sonderen in der Gerechtigkeit, in Friede und Freude&amp;quot;. Diesen Nachmittag hat der Küster von den Missionarien prozesionsweise die Kinder, so erst-communicieren, zu den Beicht-Häuseren geführt, laut bethent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::7ten, Dienstag – Heute sieben Uhr waren alle Kinder, so zu erst communicieren, in der Kirche, wo eine Bühne über alle Bänke am Weihsteine auf der Linken Seite biß an die Kantzel aufgeschlagen ware. Zu erst gienge Herr Camps mit den Kinderen prozessionweys biß an den Schwanen, von da zurück auf die Bühne. So gienge die Missions-Messe an, nach selbiger eine Anrede, demnechst giengen die Kinder communicieren, hernach eine Messe mit einer Anrede. Nachmittagß 3 Uhr sint wir mit den Kinderen, 33 an der Zahl, auf Worringen gangen. Alle Pfargenossenen haben sich hiebey sehr zahlreich eingefunden. Die Prozession erstrekte sich vom Pflug biß auf den Dam. Zu Worringen hielten wir eine Andacht wie gewöhnlich mit einer Predig von Herrn Zimmerman: daß wir die gegenwertige Zeit wohl brauchen müsten undt durch gute Werke die verflossene zurück rufen könten.&lt;br /&gt;
::8ten, Mittwoch – heute morgens 9 Uhr ware die Missions-Messe, nach selbiger die kurtze Auslegung des Wassers, sogleich darauf aufm Kirch-Hof gesegnet ward, ungefehr 3 Ahmen wardt gehohlt. Zu Abent 6 Uhr war die Abents-Andacht mit einer Predig von Zimmerman: &amp;quot;Du solst den Sabbath heiligen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::9ten, Donnerstag – heute morgens 6 wardt die Donnerstags-Messe gehalten wie gewöhnlich um 9 Uhr die Missions-Messe, nach selbiger die Auslegung: &amp;quot;Weßwegen man ein neues Missions-Kreutz aufgerichtet, die Bildtnis ist geblieben&amp;quot;. Nach dem wardt daß Kreutz wie auch alle Hauß-Kruzifixer gesegnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[31]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Daß Venerabel wardt zugleich auf ein hiezu errichtetes Tischchen vor daß Missions-Kreutz hingetragen mit den Himmel, 2 Fähnchen, 6 Flambauen, 2 Leuchten, dem Rauchfaß undt grossen Fahnen. Sofort gienge man prozessionsweise auf die Bühne, wo eine Predig von Zimmerman: &amp;quot;Wer verharret biß zum Endt, der wirdt seelig werden&amp;quot;. Demnach giengen wir mit einer sehr zahlreichen Prozeßion oben am Dorfe hinauß mit dem Hochwürdigsten Guth, sambt der gantzen Staat, unter immerwehrenden Geleute aller Glocken, undt kehrten an der sogenannten Nettergasse um 12 Uhr wieder herein. Wir haben 1400 Hostien gebraucht.&lt;br /&gt;
::Mitthin dienet es dem zeitlichen Küster zur Warnung, niemahlen bey einer Mission einen Vorkeufer abzugeben, zum Beyspiel mit Missionsbücher, Kreutzer unt so weiter. Denn bey solchen Fällen borget einer, ein ander bezahlt nit, unt so gibt es allerhant Schwierigkeiten. Heute Abend hielte Herr Schönenbusch am Kreutz-Weg eine Andacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Dunkel. Es wird Saamen geschnitten. Am 2ten starker Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten bis 11ten – Warm, aber alle Tag regnet es. Für die Heuarbeiter verdrüslich Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Es ist heute schön warm. Am 13ten sehr heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Etwas Regen. Man fangt an, Korn zu mähen. Vom 15ten bis 19ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Regen. – Heut starb hier eine arme Frauenpersohn, Anna Maria Heupens. Sie war vor 8 Tagen von Worringen dienstweise hiehin gebracht und in des Joan Deusters Scheure logirt. Der Pastor hörte sie beicht, aber als unser Chyrurgus Eller entdeckte, daß sie an der Venerischen Krankheit darnieder läge, die sehr ansteckend ist, deswegen ward sie nicht mit den übrigen Sacramenten versehen. Sie ware in einem Alter von beynah 40 Jahren, hatte vor 17 Jahren ihren Ehmann verlassen, schwärmte diese Zeit mit Husaren und Soldaten herum, gebahr vor 8 Jahren ein Kind, das gestorben ist, und war so elend, daß die Würmer ihren Unterleib zerfressen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22.–23. – Regen. Am 24ten, Sontag: schön Wetter. Deswegen wurde heut in der Frühmesse jedem erlaubt, im Heu zu arbeiten. 25. heiß, aber etwas Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Es ist sehr heiß, und doch vergeht kein Tag, daß man nicht Regen spührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Es wird fleissig Korn gemäht. 31ten heiß, doch etwas Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Augustus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Schön Wetter. Heut ist das erste Korn eingefahren worden. Das Heu ist überflüssig gerathen, aber wegen dem langwierigen Regen ist’s schlechte Waare und sehr unwerthlich. Vom 30ten Junius bis hieher sind keine 3 Tage vergangen ohne zu regnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2.–5ten – Trocken. Es ist vieles Korn eingefahren. 7ten bis 10ten Regen. Es steht noch viel Korn unten im Feld auf dem Halm fest, Weitzen und Haaber sind reif, allein, das wiedrige Regen-Wetter ist hinderlich im Fortkommen mit der Arbeit. Das Malder Rabsahm gilt 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Mann hat etwas einfahren können. 12ten schön Wetter. Am Damme ist an einem Monath nicht gearbeithet worden, wegen der Ärndte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Regen. – 15ten: Es regnet Tag und Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Wegen dem anhaltenden Regen ist an einer ganzen Woche nichts eingescheuert und wenig abgehauen worden. Es steht noch Korn fest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Wenn man des Morgens aufsteht, dan regnet es, und abends hört es noch nicht auf. Der Frühling ware kalt und der Sommer naß. So schlechtes Wetter weis sich nicht zu erinnern, jemalen erlebt zu haben, und jeder ist unwillig darüber. Am 21ten und 22ten Regen. Wäre das Wetter nicht so fatal, so könnte mann dieses Jahr unter die vollkommensten zählen. Winter- und Sommerfrucht ist treflich gerathen, aber Korn und Weitz wachsen auf den Gästen. Gemüß ist in Überfluß und von aller Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 23ten bis 26ten anhaltender Regen. Am 27ten – Man hat doch etwas eingescheurt, besonders das Korn, welches auf Gästen immer umgesezt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[33]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Augustus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Schönes Wetter. Heut ist es Sontag, und es ist wieder jedem erlaubt, einzuscheuren. Am Abend Regen. 29ten trocken. – Kornpreis ist 26 Schilling, Haaber 18 ditto, Weitzen 4 Kronenthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Dunkel. – Es stehn noch bey 200 Gäst Korn unten im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Starker Regen. Gemäß einem Kuhrfürstlichen Befehl mus hinfort von Apfeltrank und Dünnbier Accise bezahlt werden. – Der bisherige Secretair unseres Amtmannes, Herr Schweren, ist als Amtsverwalter ernannt worden. Den 2ten sehr heiß, den 3ten Regen, den 4ten heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Gestern Abend wurden die Einwohner von Horm in grossen Schröcken versezt. Schlechte Menschen hatten die Wohnung des Bernard Braun im Rauch aufgehen lassen wollen. Im Abfange der Scheure war durch eine kleine Öfnung Feuer angebracht. Doch die Menge helfender Nachbarn dämpften die Gluth. Es war bereits eine Karre Gersten in Asche verwandelt. Man vermuthet die in Herperzhofe sich beständig aufhaltende Bettler seyen die Thäter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten und 7ten – Heiß. Heut ist das letzte Korn eingefahren worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 8ten bis 11ten – Schöne Tage. Die Haaber wird fleissig eingefahren. – Die 5 Damm-Enteprenneurs hatten im Frühjahr die Theile des Dammes, welche im Herbst fertig waren, mit Haaber und Kleesamen besahmet. Diese wird jetzt gemähet. Auch ist gestern wieder mit der Arbeit am Damme angefangen worden. Am 13ten heiß, auch 14ten so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. – Diese Tage sind sehr heiß, und den 17ten regnet es den ganzen Tag. Kornpreis ein Ducaten. Neuer Weitzen 6 Reichstahler, Haaber 2 ditto. Am 15ten ist das erste Korn gesähet worden. Die Kayserliche Truppen cantoniren noch in Brabant, bisher ohne Operation. Den 18ten Regen, den 19ten trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten Regen, der ununterbrochen bis den 24ten anhaltet. Auf dem Kranenorth wird auf den Sand gesähet und dan untergebaut. – Es gibt viel Grummet, und der in Arbeit ist, wird bald alle faul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Der Regen hat den heutigen hohen Kirmes-Tag nicht einmal verschonet. Es sind 11 Musikanten hier, 3 bey Scheffen Steinberger im Anker, 3 bey Herman Schmitz im Göldnen Stern, 3 bey Anton Giehr im Adler und 2 bey Heinrich Cremerius im Grünen Wald, einquartiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Regen. Obschon die Missionarien so stark gegen die Bauren-Reyen geeifert hatten, so hat doch eine Companie Jungen ihre alte Gewohnheit nicht geändert. Mathias Weingarten agirt als Herr mit einigen Korporäls und Läufer bey Herman Schmitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Es ist schön Wetter. Die Kirmes hinket gewaltig. Allenthalben ist die Arbeit wegen dem Regenwetter zurückgeblieben, und diese wird der Kirmes vorgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[34]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Septembris&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten, mitwochs – Es wird gebaut, gesähet, geegt, Grummet gemacht und am Abend getanzt und sich lustig gemacht. Der Rhein schwoll so stark an, daß diesen Nachmittag schon die Gründe in den Kempen überschwemmt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Michaeli-Tag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut ists noch recht Kirmes, aber diese Nacht wird der Beschluß seyn. Den 30ten warm. Es stehn noch ungefehr 30 Karren Haaber und Buchweitzen unten im Feld, die kleinen Bohnen noch alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Kälterich, aber trocken. Das Korn gibt dies Jahr vollkommen, ein ordentlicher Drescher bringt alle Tage 8–9, auch 10 Faß reinen Korns auf den Süller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2.–3ten – Kalt. Man fängt an, die Stuben-Ofen einzuheitzen. Am 4ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 5ten bis 9ten – Regen-Wetter. – Von hoher geistlicher Obrigkeit ward verordnet, eine 8tägige Segens-Messe mit Abbettung der Litanie von allen Heiligen zu halten, damit der liebe Gott das Weingewachs segne. Das halten wir nun diese Woche, doch weil die Bauern nit so gerne Wein trinken als die geistliche Herren in der Stadt, so fand der Pastor es für schicklicher, die Intention auf die Feldfrüchte anzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Regen. Vom 12ten bis 15ten sehr schöne Tage. – Im Jahr 1609 ist eine landesherrliche Verordnung ergangen, daß Geistliche keine Güther mehr kaufen dörfen. Nun ist allen geistlichen Pächtern angedeutet worden, in Zeit 14 Tägen ihre Pachtbriefe einzubringen und die Höfe oder sonstige Güther, welche nach der benennten Jahrzahl gekauft worden sind, sollen eingezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Schön Wetter. Diesen Nachmittag ward die grosse Klock gezogen, und als die Gemeinde versammelt war, wurd vorgetragen: 1tens soll jeder die anschliessende Feldwege in brauchbare Stand setzen, 2tens soll in 3 Wochen Zeit der Dreck im Dorf aufgeschlagen und herausgefahren werden, 3tens soll in jeder Nachbarschaft ein Brunnenmeister ernennt und die Nachbarpfützen in brauchbare Stand gesetzt werden, 4tens soll eine aus zwey Mann bestehende Nachtwacht errichtet werden. Das hiezu einstweilen bestimmte Kühhorn mus alle Abend bey Vorsteher Joan Langel abgeholt und morgens 3 Uhr wiederbracht werden. Diesen Abend ist damit der Anfang gemacht worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Angenehm. Den 19ten und 20sten etwas kalt, bis am 25ten angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Es hat ein wenig gefroren. – Der Kayser hat mit den Holländern Friede gemacht. Es ist kein Mann verblieben, es müste sich dann ein Wurmser Husar an Speck und Saurkraut tod gefressen haben. Der Kayser darf auf der Schelde frei fahren bis Saftingen. Also ist aus der Indienfahrt nichts geworden. Kafe und Zucker bleiben theur. Die Ansprüche auf Mastricht werden dem Kayser mit 5 Milionen abgekauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[35]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eben so viel wird für die Kriegskosten bezahlt, und die Keyserliche Truppen ziehen wieder nach Haus. Am 28ten Frost, ditto am 29ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 30ten angenehm. – Alle Abende wird die Missions-Andacht am Kreutz auf dem Kirchhofe gehalten, die Nachbarn finden sich zahlreich dabey ein. Wenn’s regnet, so gehen wir in die Kirch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Kalt. – Das Malder Korn wird um 26 Schilling verkauft, Gerst 1 Ducat. Am Damme wird mit 100 Mann gearbeithet. Jeder verdient 15 Stüber. Das Korn, welches auf dem Kranenorth untengebauet worden, ist schon alle vom wehenden Sand verdorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 1ten schön Wetter, am 2ten ist es sehr warm vor diese Jahreszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Regen. – Den 4ten angenehm. Das Malder Gerist wird jetz ein Stüber theurer als vorher, folglich zu 43 Stüber, in Zons verkauft. Am 5ten warm, den 7ten naß. Jetz wird auch am Damm mit 8 Pferds-Karren gearbeithet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten - am 11ten – Frost. Am 12. und 13ten Regen. Am 15.–16ten Frost. – Im Stüttgens Busch zwischen Neuß halten sich Spitzbuben auf. Verschiedene Personen sind ausgezogen worden, ein Diener von Knechstein attakirt, dem Grimmlinghauser Förster das Geld abgenohmen und noch verschiedene Exzessen vorgegangen. Es sind Leuthe von dem Kayserlichen von Steinischen, nunmehr in Brabant abgedankten Freykorps, die sich nun nach Haus betlen müssen, und deswegen verfallen sie auf so niedrige Handlungen. Am 19ten Frost. Vom 20ten bis 29ten offen Wetter ohne Frost. Allen abgedankten Kayserlich-Königlichen Soldaten ist zur Warnung kund gemacht, sich binnen 4 Tagen aus dem Land zu machen. Auf der Gülischen Gränze werden ihre Pässe unterschrieben und datirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Es geht allenthalben drüber, der Frost ist sehr stark. Am 20ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 21ten bis 30ten – Angenehme Tage, zuweilen Regen. – Der Damm ist bald fertig, ausser vom Piwitten-Pätchen bis unten in die Ecke, da hat er seine Höhe noch nicht, wird auch vor dem Winter nicht fertig werden. Wo der Monheimer Weg hinübergehen soll, da muß die Gemeinde dienstweis auf beiden Seythen anhöhen. Kornpreis 25 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten nasse rauhe Witterung. Am 2ten – heut wird mit 8 Dienstkarren die Landstrasse vom Pflug bis über den Damm gemacht, dann wird der Monheimer Weg vorgenohmen. Am 4ten Regen und Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Continuierliche nasse Tage. Am Damm wird noch gearbeithet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten Frost. Am 12.–13. Regen. Diese Nacht haben 300 Kayserliche zu Nivenheim übernachtet. Wir sahen sie über Horm und Jussenhoven auf Worringen zu dem Oberlande hinreisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[36]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Die Nachtwacht ist jetz rund gewesen, folglich alle Jahr sechs mal. Man hört noch immer neue Anfälle auf reisende Personen im Stütchen. Kornpreis 2 Reichstahler 12 Stüber, Gersten 3 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 2 Reichstahler, guter Weitz 19 Gülden, 100 Strohbauschen 4 Reichstahler. – Das Holz steigt sehr stark im Preise: Ein Seil auf dem Gohrbusch, das man vormals um 25 bis 30 Reichstahler kaufte, ward dieses Jahr zu 40 Reichstahler erhöht. Am 17ten Frost. – Die Missions-Gebethe in der Frühmesse ist nunmehr abgestellt. Der Pfarrer fande es, aus mir unbekannten Ursachen, forthin nicht dienlich. An Regen-Abenden ist es uns auch zugleich verbothen, in die Kirche zu gehen. Deswegen müssen wir bey unangenehmen Wetter die Abendsandacht kurz abbrechen. Die Leuthe stellen sich sehr häufig ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:‘‘Am 18ten – Frost bis am 21. anhaltend, aber doch nicht beträchtlich. Das Pfund Schweinenfleisch kostet 6 Stüber in albis. Am 22ten dunkel, am 23. und 24ten stärkerer Frost, 25. Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Gar nicht kalt. Heut, als am Joannistag, ward vorhin der Joannis-Wein vom Priester am Altar aus einem Kelch gereicht, die Leuthe giengen als wie zum Opfer, empfiengen dann aus der Hand des Priesters den gesegneten Wein. Seit dem Jahr 1781 wird gemelter Wein an der Kommunions-Bank und aus dem Communicanten-Becher ausgetheilt. – Es ward am Damm noch gearbeithet, und am Monheimer Weg noch gedient. Am 29ten kalt, am 30ten kälter, am 31ten starker Frost. Der Rhein geht steif mit Eiß. Am Damm wird mit der Arbeit eingehalten, und der Monheimer Weg ist fertig.&lt;br /&gt;
:Der Kuhrfürst von Köln will eine neue Landstraße auf Holland anlegen. Es ist bereits ein neuer Postwagen errichtet, der von Köln bey Posthalter Pauli abgeht und über Hackenbroich, Neus und Venlo die Route macht. Dahin soll auch die Landstraße gemacht werden. Von Köln bis an unsere Limitten ist der Weg schon mit Weidenbäumen besetz und in fahrbarem Stande. Das wäre dan überflüssig, wenn der Zug über Hackenbroich gehen sollte.&lt;br /&gt;
:Vom Keyser Joseph ist der Befelch ergangen, daß fürohin die Gerichtsbarkeit der päbstlichen Nuntien im Reich aufhören solle, und die Nuntien wären bloß als Legaten zu politischen und jenen Gegenständen, welche unmittelbar den Pabst oder die Kirche betrefen, zu betrachten. Alle Dispensationen sollen beym Erzbischof und nicht beym Pabst nachgesucht werden, damit das Geld im Lande bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1786 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[37]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1786&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januarius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – ist es sehr kalt. – Im Jahre 1782 ward durch ein landesherrliches Edict das Neu-Jahr und Hochzeit-Schiessen verbothen, um den gewöhnlich dabey entstehenden Unglückeren vorzubeugen. Dieses wird auch pünktlich befolgt. Man hört keinen einzigen Schuß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Schnee und Frost. Das Malder Korn gilt 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten - den 4ten – Frost. Der Rhein hat sich zu Düsseldorf gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. – Kalt, zu Grimmlinghausen und auch am Stürzelberg steht die Eisdecke fest. Des in der Beylage C 1786 gedachte und flüchtig gewordene Scheffen Platt von Gohr seine Habschaften sind confiscirt und zur Bestreitung der Gerichtskosten verwendet worden. Die Nachstellungen der goldmachenden Familie hören noch nicht auf. Vor einigen Tagen ward der junge Georg Martio auf Grimlinghausen bestellt, ein Kind aus der Taufe zu heben, dann sollte er unterwegs aufgeschnappet werden. Martio merkte den Possen und bliebe zu Haus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Bitter kalt. Am Abend fienge es an zu isselen und ist den 7ten morgens so glatt, das man nicht wohl über die Strasse gehen kann, ohne zu fallen. Diesen Mittag um 2 Uhr steht die Eisdecke an der Piwitte schon fest und landet immer höher an. Das Wasser wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Langsamer Regen. Der Rhein hat gestanden bis an die Worringer Drenk und ist jetz wieder am Treiben. Den 9ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten ist schon das Obereis passirt. – Die Feldfrüchten sehen gut aus. Sahm und Gersten haben noch vom Frost nichts gelitten. Das Malder Korn 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 11ten bis 16ten – Angenehme Frühlingstage. Das 100 Pfund Heu gilt 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17. und 18ten Regen, am 19ten ists so stark gefroren, daß alles drüber geht. Am Monheimer Weg am Damm wird jetz wieder mit 6 Karren gedient. – Die Steuer-Nachlasse wegen der vierundachtziger Überschwemmung ist herausgekommen und hatt alle unsere Erwartung übertrofen: Ganzer 25 nacheinander folgende Jahre ist das Rheinfeld steuerfrey, und 6 Jahr bezahlt das oberste Feld an das ünterste. Mithin bekömt derjenige, welcher mehr Ländereyen unten als oben im Feld hat, jährlichs noch Geld in die Hände, und an 6 Jahren bekömt der Fürst von Dormagen nichts, die 25 Jahr aber nur die Steuren vom obersten Feld. Dieses hat Dormagen besonders den beyden Schefen Sturm und Steinberger zu verdanken, welche bey dem Geheimbden Rath und Gesandten von Grein gut accredirt sind. Durch dessen Bewirkung diese so äusserst vortheilhafte Nachlaß herausgekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten bis 22ten – Frost. – Am 23ten Regen, am 24. und 25ten angenehm Wetter. Die Abendsandacht wird seit dem 9ten Junii vorigen Jahres noch alle Abend gehalten. Die Versammlung ist noch immer sehr zahlreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Fruchtbares Wetter. – Im Weddeshof sind viele Mäuse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Der Kornpreis ist 3 Reichstahler, Weitzen 5 ditto und Haaber 100 Stüber. Bis den 31ten dunkel, zuweilen Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten Regen, am 2ten Schnee und Frost, am 3ten und 4ten kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten und 6ten – Regen. Am 8ten hatten wir ein fürchterliches Donnerwetter. Die liegende Gründe steigen von Tag zu Tag höher im Preise. Es vergeht kein Tag, wo nicht einige Stücker Ackerland eingelöset werden. Die Familien Fix, Joan Hambloch und Heinrich Coenen werden am meisten heimgesucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Etwas Frost. Am 11ten und 12ten Sturmwind und Regen, am 10ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten und 12ten – Westwind und Regen, den 16ten angenehme Tage bis am 18ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Etwas Frost, am 22ten kälter. – Der heutige Wahltag ist ganz ohne Unruhen abgegangen. Der Cornelius Straub behält noch ein Jahr den Bürgermeisterstab und das Gouvernement über Hand- und Spanndiensten und Balletmeister des tapferen Dragoner-Korps. Der Gerhard Nusbaum ist Nachtwächter und zugleich Feldschütz. Der Joseph Fitgen ist wegen seinem hohen Alterthüms mit dem Titul &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Alter Schütz&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot; in den Ruhestand gesetzt worden. Von jedem Hause muß 15 Stüber zum Salarium des Nachtwächters entrichtet werden. Jacob Bückendorf bleibt noch Generalissimus über die gehörnte Armee, und nächstens soll ein Oberkutscher über den Speckwagen angestellt werden. – Am 23. und 24ten nordwindig kalt, dito am 25ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Heute ist die Fastendispens verlesen worden, und es darf Fleisch gegessen werden: am ersten Fastensonntag zu erst, dann mon-, dienstags, Mitwoch und donnerstags, bis den Karwochen-Dienstag mit eingeschlossen, doch bleibt der Quatertember-Mitwoch ausgeschlossen. Auch darf an den dispensirten Tagen morgens und abends Fett gegessen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Anhaltender Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten - 2ten etwas Schnee, am 3ten ist viel Eis im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Schnee, am 5ten ist kälter noch als es diesen Winter war, am 6ten kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Frost. – Heute ist bey Neuwirthen Schmitz das Weggeld verpfachtet worden. Der Henrich Nusbaum hatte es bisher für 37 Reichstahler. Er beschwerte sich, daß wegen der neuen Hackenbroicher Landstrass die Passage hiedurch schlecht gehe. Keiner wollte den Heinrich Nusbaum hintergehen, und also bliebe es ihm für 13 Reichstahler. Der noch lebende Conrad Sand hatte es vor 25 Jahren für 5 Reichstahler im Pfacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Heut wurd zuerst in der Donnerstags-Messe statt dem &amp;quot;Tantum ergo&amp;quot; das Liedchen &amp;quot;Kommt her, ihr Kreaturen all&amp;quot; zum Segen gesungen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[39]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Martius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten - Etwas Schnee. Dabey frieret es noch stark. Der Pastor hat dem Küster angerathen, die Missions-Andacht zu unterlassen, um eine Possession zu verhüten. Deswegen bleibt der Küster vom ersten Fastensontag an zurück. Die Leuthe gehen doch noch hin, aber es ist keine Ordnung mehr dabey. Das Malder Korn wird zu 22 Schilling, Haaber zu 12 ditto verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 11ten bis 14ten – Frost. Am 15. bis 17ten angenehm, am 18ten Regen bis 20ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 21ten – Es fiel den ganzen Tag häufiger Schnee, in den Gärten ist noch nichts gegraben worden. – Des Anton Giehr im Adler sein Hund ist rasend geworden, hat seinen Sohn Jacob und noch verschiedene andere gebissen, welchen zu Köln geholfen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Es liegt allenthalben 2 Fuß tief Schnee, hat auch etwas gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Angenehm, der Schnee schmelzt. 24ten, heute erst ist gegraben worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten und 26ten – Schön Wetter. Den 27ten hats wieder einen halben Zoll Eis aufs Wasser geisert. Der Scheffen Küpper als ältester Schefen und Jacob Cremerius wollen die Ausschreibung der Nachlässe als Betrug behaupten und desfals ihre Klagen gegen den Scheffen Steinberger als Steurempfänger einbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis am 31ten – Angenehme Tage. Heute blühten die ersten Violen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Feines Wetter. Am 3ten – heut ist am Damm wieder die Arbeit vorgenohmen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ein am 15ten Octobris ergangenes Edickt erlaubet jedem, die von Geistlichen seit anno 1609 gekaufte Güther einzuziehen, gemäß den Lex amortisationis. Hier ist in diesem Fach nichts vorzunehmen, als unsere Kirch hat unter benennter Jahrzahl 18 Morgen Land von der Bertrams-Familie für einen civilen Preiß gekauft. Der Scheffen Küpper hat im Nahmen des Wolter Böss als Erben desfals beym Gericht eingesprochen. Der Schulteiß und Obersteurempfänger Meyer machte zugleich Ansprüche. Nun steht es dabey, ob die Erben für den Fremden mehr Recht haben. – Einen Theil des Burggardt, welcher der Pastorat von Zons eigen ist, will der Küpper auch einlösen. Den 5ten und 6ten sehr schöne Tage. Es müste doch bald regnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Heute ist der Herr Amtsverwalter, der Herr Voigt und Gerichtschreiber hier. Sie sollen die von uraltersher strittige Gränzen mit den Zonser berichtigen. Auf dem Zonser Wertchen hat ein Kreutz gestanden. Ein Schifman liesse dieses aus einem devoten Gedanken auf der Gränze errichten. Dieses Kreutz ist vor einigen 50 Jahren von da weg und vor die Worringer Kirchhofsthüre gesetzt worden. Nun sind auch die Fundamenta nicht mehr wiederzufinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten hatten wir ein starkes Donnerwetter mit heilsamen Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[40]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmsontag&amp;lt;/u&amp;gt; ist die Prozession wegen dem üblen Wetter hierblieben und an deren statt der Rosenkranz und die 7 Stationen in der Kirchen gehalten worden. Am 10ten – es hat Eis aufs Wasser gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Frost. Den 12ten ditto. Diesen Nachmittag umb halb 5 giengen wir mit der Prozession aus und waren um 6 Uhr schon wieder in der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Frost und Reif, im Tag ists warm. Am 14ten – die heutige Kahrfreitags-Prozession ware sehr zahlreich. Es hatte auch die Nacht nichts gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – &amp;lt;u&amp;gt;Ostern&amp;lt;/u&amp;gt; – Es ist ganz schön Wetter, herrlicher war nie ein Ostertag. Der Kuhrfürst und Erzbischof von Köln hat die bißher gewöhnliche 14 Täg dauernde österliche Zeit von nun an biß Kristi Himmelfahrt verlängert, die sonst nur von Palmen biß zum weissen Sontag dauerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Sehr warm, am 18ten biß den 23ten trocken warme Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten und 25ten – Zwey regnite fruchtbare Tage. – Heut ist dem Anton Giehr sein Sohn im 15ten Jahre seiner blühenden Jugend elendiglich gestorben. Der Biß des am 21ten Merz rasend gewordenen Hundes hat ihn angesteckt. Er hat zwar zu Köln rathgethan, aber man sagt allgemein, die &amp;lt;s&amp;gt;nachlässige&amp;lt;/s&amp;gt; Mutter habe das auferlegte Gebeth und die hiezu erfoderliche Pflichten vernachlässiget. Doch war die Wuth nur innerlich, also daß der Kranke keinen Schaden thun konnte. Der Pastor gab ihm mit Mühe die heilige Öhlung. Er spie immer weissen Schaum aus dem Mund und muste niedergehalten werden. Die ganze Haußhaltung ist auf Zons, um Rath zu verschafen. Unser Herr Pastor achtet dieses aber für überflüssig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Donner und warmen Regen, am 28ten angenehm. Heut sah ich die erste Kornähren. 29ten nordwindig kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Warm. Die Missionarien halten heut zu Monheim die erste Primiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Reif und Frost, bis am 4ten anhaltend. Am 5ten Donner und Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Bey der heutigen Gottestracht hatten wir ganz schönes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Hagelfeier&amp;lt;/u&amp;gt; – Schön warm. Der Sasserhalfen hatte sein Heiligen-Häuschen nicht gezieret. Deswegen ward diese Station am Schuhlhaus zu Horm gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 9ten bis 12ten – Regnerisch und warm. Am 13ten Sturm und Wind, am 14ten dunkel. Das Korn blüht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Trocken. Wir sehen sehr nach Regen. Kornpreis 22 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis am 22ten – Nordwindig kalt. Heut ist das Dorf durch den Hofbaumeister von Düsseldorff gemessen worden, um das oben erwähnte Pavee zu errichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten und 24ten – Sehr schöne Tage, etwas Regen. Am 25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristi Himmelfahrt&amp;lt;/u&amp;gt; schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Trocken. Wir haben Regen höchst nöthig.&lt;br /&gt;
:Die Rationen von Heu und Haber aus der Magasinscheuer des Peter Pannes sind verkauft worden.&lt;br /&gt;
:Das Militär in Düsseldorff bekömt jetz wieder neue weisse Montur, so lang nur, das, wenn der Soldat auf dem Tisch sitzt, der Rock auch nur bis auf den Tisch reichet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[41]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Trocken, unangenehme Tage. Heut ist eine Commission von Düsseldorff hier gewesen, einen Schleichdamm von der Zonser Vogelsruthe bis an unsern Damm im Kulck zu errichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Abendsandacht wird noch durch die Nachbarn unterhalten am Missions-Kreutz. Die Nettergasse wird dienstweis gemacht, doch nur so weith bis wo der Weg auf die Mühle sich scheidet. Am 31ten trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Der Meymonath hat uns wenig schöne Tage geliefert. Es war trocken und doch nicht warm dabey. – Unser Damm ist fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingsten&amp;lt;/u&amp;gt; – Wir halten das 40stündige Gebeth. Es ist warm ohne Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Wieder nordwindig kalt. Die Stuben-Ofen werden eingeheitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Es mus bald regnen, sonst thuts kein gut. Die Haaber steht im Feld, als wenn sie bezaubert wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Trocken und kühl. – Morgen und die Woche hindurch wird eine Benedictions-Messe um halb 5 gehalten, zur Erhaltung eines heilsamen Regens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Es ist heiß und trocken. Die Fourage fürs Vieh wird rar. Am Sontag wird das von geistlicher hoher Obrigkeit ausgeschriebene Gebeth gehalten. Es betrift Regen. Das Malder Rab gilt 20 Rappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Trocken. Es ist noch kein Kappus gepflanzt. Am 19ten und 20ten sehr heis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. – Zu Mittag erhielten wir den so lang gewünschten Regen. Am 22ten heis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. – Wir hatten ein starkes Gewitter und durchdringenden Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Diese Tage war es sehr heis. Am 27. und 28. Regen, 29. heis. Der Saam ist reif.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Es hat die ganze Nacht warm geregnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Schönes Wetter. Am 2ten Regen, anhaltend bis am 9ten. Es wird schon Korn abgemähet. Am 9ten Regen. Man ist vor eine nasse Erndt besorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Es regnet alle Tage. Diejenige, welche noch glauben, daß der Regen, so am Maria Heimsuchungs-Tage fällt, 40 nacheinander folgende Tage anhalten soll, sind stolz auf ihr Sistem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Nas und kalt. Am 19ten, der heutige Regen war nicht stark, und es trocknet schön. Am 20ten: Heut ist das erste Korn eingefahren worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Regen, vom frühen Morgen bis in die Nacht. 22ten nas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24. – Ein schöner heisser Tag. Es ist viel Korn eingefahren worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten bis 29ten – Heisse Tage. Das meiste Korn ist schon herein. Die Leute sind wieder bang für Regen. Am 30. und 31ten Regen. Das neue Korn gilt ein Ducaten, Rabsaam 15 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Augustus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Regen, bis am 4ten anhaltend. Am 5ten trocken, am 7ten ditto. Die Faulenzer bringen auch jetz ihr Korn herein. Fleissige Ackerleute sind schon damit fertig. Am 12ten feine Tage. Es wird Weitz geschnitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten-15ten –Regen. Am 16ten trocken. Das neue Korn wird zu 25 Schilling gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Ein jeder ist am Haaber hauen. Schön Wetter. Am 18.–20ten dunkel. Die Mäuse sind schon im Feld sehr zahlreich, besonders im Weddenhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Sehr schönes Wetter. – Mit diesem Monat August ist ein neuer niederländischer Postwagen errichtet worden. In Köln bey Herrn Pauli ist das Haubt-Comptoir, von da fährt der bey gutem Fahren mit 4, bey schlimmen Wegen aber mit 6 Pferden bespannte Wagen wochentlich 3mal auf Hackenbroich bey Herrn Postmeistern Becker. Da werden die Pferde gewechselt. Dafür erhällt gemelter Beckers 400 Gulden jährlichs. Von Hackenbroich geht der Zug auf Neus, von da auf Venlo. Der Posthalter und Stallmeister Beckers hat seinen mit Stroh gedeckten Hause einen weißen Anstrich gegeben, dan ist auch ein großmächtiges Wapen vor dem Fenster aufgehenkt. Der Herr Schefen Augustinus ist zugleich Postofizier und visitirt jedesmal den Wagen, trägt das Dintenfaß und Papier in der Hand, steckt die Feder in die Haare und geht dann wieder in sein Hotel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Immer schöne Tage. Es wird mit dem zur Saatbauen angefangen. Das Malder Korn wird zu 27 Schilling, alter Weitz zu 4 Reichstahler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31. – Anhaltendes fruchtbares Wetter. Die Haaber wird fleissig eingefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten ists kalt und nas. Herbstanfang. Haber wird zu 14 Schilling verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Stürmisch kalte Tage. Ein gesunder Man drischt alle Tag 1 Malder Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Trocken. Am 9ten, 10. und 11ten Regen. Es steht noch viele Haaber und der Buchweitzen noch alle im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Regen. Korn gilt 1 Ducaten, Haaber 20 Schilling. Heut ist das erste Korn gesähet worden. Am 16ten Sturmwind und Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 17ten bis 21ten – Anhaltendes Regenwetter, sehr verdrieslich für die Saath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Trocken. Am 23. Sturm und Regen, am 24., &amp;lt;u&amp;gt;Kirmestag&amp;lt;/u&amp;gt;, Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Ungemein schönes Wetter. Es sind viele Fremde hier. 26.–27. und Donnerstag, am 28ten Regen. Die Kirmes dauert noch immerfort und wird erst heute, freytags, als am Michaeli-Tag, beschlossen. Den 30ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[43]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Dunkel. Die Schuppkarren und Schüppen, welche am Damm gebraucht sind worden, sollen verkauft werden. Vom 2ten bis am 7ten abwechselnd nasses Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Trocken. Der Rhein ist durch die Kempen und bis an die Kühbenden ausgetreten. Viel Grummet ist fortgetrieben. Am 9ten und 10. trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten und 12ten – Regen. Am 13ten angenehm, am 14ten hat es zu erst gereift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Regen. Die Feldmäuse nehmen merklich zu. Am 16. und 17ten trocken. Das Malder Korn kauft man für 1 Ducaten, Gerst 11 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis am 22ten abwechselnd trocken und naß. Weil die Mäuse im Feld immer mehr anpflanzen, so schluge der Schefen Fix dem Pastor eine Prozession auf Köln vor. Der Pfarrer wollte nicht, und so ist der Scheffen Fix, der selbst 2 Bruderstäbe und einen neuen Fahnen vor sein Geld gekauft hat, heute, sontags, mit einer Abtheilung von 88 Seelen auf Köln gewahlfartet.&lt;br /&gt;
:Der 1784ger Sand auf dem Kranenorth thut noch vielen Schaden. Der Wind treibt selbigen von einem Stück zum anderen, und die Frucht, welche der Sand berührt, verdirbt. Sonsten ist der Sand an sich selbst tragbar, wenn er nur still liegen blieb. Ein grosser Theil hier in der Aue am Monheimer Weg, auf Hamblochs Persch und das Schuhlpäthchen ist noch besandet und untragbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten hat es zuerst gefroren, anhaltend bis am 31ten, ist also eine Frostbahne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Frost und Schnee bis am 8ten, am 9ten bitter kalt, am 10ten ditto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Diese Nacht fror es kernhaft, als es Tag ward, fienge es an zu isseln, das gienge endlich zum Regen über.&lt;br /&gt;
:Der Georg Martio (siehe am 5ten Jänner 1786) ist gestern Abend am Nippes still weggestohlen worden – wohin? Das wissen Wenige. Das Korn ist am aufschlagen. Noch gilt das Malder 4 Reichstahler 3 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. – Starker Frost. Es ist viel Eis im Rhein. Am 15ten kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Regen. Am 20ten offen Wetter. Das Korn gilt 4 Reichstahler 24 Stüber, Haber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Fruchtbares Wetter. – Beytrag zu der Delver Alchimysten-Geschichte, &amp;lt;u&amp;gt;sehe den Jahrgang 1785, Beylage C&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Diese Nacht ist die Tochter des Leonard Martio aus ihrem Hause weggestohlen worden. Sie ist ein 18-jährig rasches Ding. Es sind wenige Bauern-Mädchen hier in der Gegend, die schöner sind wie sie. Seit dem, daß ihr Bruder Georg fort ist, ware das Mädchen zu furchtsam, ohne männliche Schütze im Hause zu sein. Sie hatte dazu ihren Liebhaber gewählt, ein Jüngling aus dem Dorf, der sich als ein getreuer Salvist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[44]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:gestern Abend zeitig eingestellt hatte. – Nachts 11 Uhr ward stark an der Thür gepocht; der junge Mensch wiedersetzte sich. Ein Flintenschuß durch die Thür und wiederholte Stürme öfneten endlich 15 bardischen Männern das Hauß. Sie durchsuchten alles und fanden endlich das Mädchen im nachlässigsten Neglige gekleidet in einer Kiste, worin ihr Amant sie verschlossen hatte. Einige Papiere wurden mitgenohmen, das Mädchen in einen Wagen gesetzt, und der Zug gieng voran. Kein Mensch im Dorf weis, wohin. Der berüchtigte Scheffen Platt soll mit dabey gewesen seyn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. – Dunkel, naß und kalt. 28ten angenehm Wetter, am 30ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 10ten fruchtbares Wetter, ganz ohne Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Schön Wetter. Das Malder Korn wird zu 13 Gülden verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Regen. Die Klevische und Krevelder Wagen fahren jetz bey Peter Pannes im Bäumchen an. Ihr bisheriges Quartier war bey Jacob Cremerius, der seine Haushaltung willens ist niederzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Diese Nacht hats gedonnert, mit Wind, Hagel und Schlosen vermischt. Verschiedene Bäume wurden niedergerissen und Dächer abgedeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Regen. Der Rhein ist ausgetreten und läuft in die Bend-Drenke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Es hat etwas gefroren. Der Rhein fällt wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Frost. Der Kuhrfürst von Köln hat ausser den grossen Städten auch allen Franziskaner-Klöstern befohlen, sontags morgens um 9 Uhr mit ihrem Gottesdienst fertig zu seyn. Es betrift also Zons, Bethlehem, Kempen etz. – Am Sontag wird die neue Franziskaner-Orgel in Zons zuerst gespielt. 21ten kalt, 22ten Schnee, am 23ten ditto. Das Malder Korn wird um 30, Haaber um 17 Schilling verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. – Kalt. Der Rhein geht stark mit Eiß. Es schneet zuweilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, Kristtag – Es war dieses Jahr noch nicht so kalt als heute. Wir hatten keinen Beichtiger hier. Der Pastor Küpper seehlig hatte wegen vielen Diensten den Franciscanern in Zons jährlichs ein Malder Korn zugesetzt. Unser Herr Pfarrer hatte diese Gewohnheit bisher beybehalten, jetz aber weigert er sich, ferner das Malder Korn zu geben, und die Patres schicken keinen Beichtiger hiehin. Am 26ten sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am Sontag ist die Delver Goldmachers-Tochter wiedergekommen. Sie ist zu Frechen aufbewahret worden, und es war bloß darum zu thuen, daß Geheimniß &amp;lt;u&amp;gt;des Stein der Weisen&amp;lt;/u&amp;gt; von ihr zu erforschen. Sie ist 16 Tage auf einer Platz gewesen, gegeisselt und gepeitscht worden, sie muste ganze Nächte auf einem Beyn stehen. 3 Tage hatte sie nichts gegessen, noch getrunken. Man gab ihr Häring, aber keinen Trank, doch ward ein Schüssel Milch auf den Tisch gesetzt, welche ihr dann erst gegeben werden sollte, wenn sie das Nöthige zu dem Geheimniß niedergeschrieben hätte. Das Mädchen schrieb, was sie wuste, nemlich die Zubereitung des &amp;lt;u&amp;gt;Arboris Dianee&amp;lt;/u&amp;gt;. Das hiezu Nöthige ward geholt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[45]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:aber es kam nicht heraus als eine blendende, doch artige Erscheinung, wo man zwar das Silber wachsen sieht, wo aber auch nach einigen Stunden wieder alles zu Asche wird. – Sie ward nachts von einem Ort zum anderen geführt und glaubt auch, einmal Köln oder Bonn passiert zu seyn. Ein gewisser Schulteiß Fischer war die Haubt-Triebfeder der ganzen Bande. Zuletzt war das Mädchen bey einem gewissen Valentin, der auf der Trarer Heyde wohnt, in Verhaft. Noch 3 Kerls waren zur Sicherheit mit dabey. Es kamen 25 Ducaten an. Darüber wurden die vier Interessenten im Theilen uneinig, worunter der Hüttenhalbwinner von Barrenstein sich mit befande. Valentin, der von den 25 Ducaten ein Theil für sich begehrte und es nicht erhielt, machte sich endlich auf und brachte das Mädchen nach Delven, dem er doch eingebunden hatte, ihn als unschuldig zu erklären. Vom Georg Martio ist alles still.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Frost – am 28.–29. und 30ten Thauwetter. Am 31ten dunkel.&lt;br /&gt;
:Der Kuhrfürst von Köln hat die Gerichtbarkeit der Päbstlichen Nuntien aufgehoben. Alle Dispensationen, Prozesse etz. sollen jetz vom Erzbischof von Köln abhangen, statt daß sie bisher durch den päbstlichen Nuntius auf Rom befördert wurden. Der Kuhrfürst von Pfalz-Bayern ist mit dieser Neuerung nicht zufrieden, sondern zu München wird ein Nuntius für Bayern und in Düsseldorf ein Internuntius residieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[46]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::C&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Eine sonderbahre Begebenheit&lt;br /&gt;
::Ein in dem 1 Stund von hier entlegenem Dorffe Delven ist ohngefehr in dem 1774sten Jahre eine Persohn, eine Schwester des Leonard Martio, durch ein ungefehres Glück in Paris sehr glücklich verheyrathet worden. Ihr Gemahl hatte sich dorten bey Vielen den Nahmen erworben, daß er daß Laborieren oder auß Kupfer Gold machen verstünde, und da der Man mit Tode abgegangen, so wird angegeben, daß er noch vor seinem Tode seine Frau in der Chimie unterwiesen. Und von dieser Frau sollte ihr Bruder Lonard die Grundregelen erhalten haben, indeme solcher sehr freygebig mit dem Gelde eingienge. Er gienge hin zum Herrn Graffen von Neuwied undt begehrte einige 300 Reichstahler Geld für die nöthigen Instrumenten, undt also wollte er ihn daß Goldmachen lernen. Der ohnehin geldbegierige Graff wiese ihm die 300 Reichstahler an, in Hoffnung, einen endlich grossen Nutzen davon zu geniessen. Der Georg Martio, ein Sohn deß Leonarden, ware es, der daß Geld empfienge, undt als er nur so weith Herr drüber geworden war, machte er sich bey Nacht auß dem Staube, doch hatte er zuvor einige kleine Proben dem Graffen vorgelegt.&lt;br /&gt;
::Der Graff, gantz auffgebracht hierüber, wurde gleich den Auffenthaltsort seines Betrügers gewahr. Es kamen in kurtzer Zeit wochentlich Brieffe an die von hie nach Delven befördert wurden, deren Inhalt verschwiegen blieb.&lt;br /&gt;
::In eben der Zeit kamen zween Leuthe von Paris (sie hatten schon die Brieffe des Leonard undt seiner Schwester auffgefangen), undt endlich kamen sie bey dem Leonard zu Delven an, mit dem Aufftrag, sie wären von seiner Schwester geschickt. Er sollte sie daß Laborieren lernen. Der Leonard, klüger als sie, wiese sie gleich ab, daß sie beym Unrechten angekommen wären. Der Herr Vogt von Grevenbroich besuchte den Leonard schon 2 mahl, mit der Hoffnung, von ihm auch etwaß zu profitieren, alles vergebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Am 19ten Septembris 1784 ware der Georg Martio zu Gohr auf der Kirmes. Als er zu Nacht nach Hause gehen wollte, ward er von vier zwar bekenten Leuthen habhaft genohmen. Sie fuhren ihn die gantze Nacht hin und her, schlugen ihn tüchtig, mit dem Vorbehalte, er sollte ihnen daß Laborations-Recept auffschreiben. Er schriebe, undt damit waren sie zufrieden, doch sie brachten ihn gefänglich in ein unbenentes Hauß, als er schon 1 Tag undt ein Nacht geführet worden war. In diesem Hause solte er wieder ein Recept schreiben mit dem Aufftrag, es wäre ihnen daß Erstere entkommen.&lt;br /&gt;
::Die ihm angethane hefftigen Schmerzen undt Schläge bewegten ihn, seinen Führeren ein neues Recept zu schreiben. Allein, seine Vorgesetzten hielten die zwey Recepten gegeneinander, fanden aber grossen Unterschied darin. Sie führten ihn wieder herauß, schlugen ihn hefftiger, undt als es Nacht ward, brachten sie ihn wieder in ein Hauß gefänglich.&lt;br /&gt;
::Seine Wächter waren vom Schaffen angefochten, weil sie schon 2 Nächte schlafloß zugebracht hatten. Der Gefangene machte sich dieser Gelegenheit zu Nutz undt sprang am Fenster hinauß, stiege auff einen Baum, biß es Morgen wardt, stiege er herunter undt schlenderte lustig davon. Allein, seine Führer erwischten ihn undt brachten ihn in einen Busch, wo er ihnen glücklich entkame. Sie hatten ihn aber so zugericht, daß sein gantzer Leib wundevoll ware. Es bliebe also alles still biß im Julio 1785.&lt;br /&gt;
::Es hielten sich Leuthe hier im Dorffe auff. Die waren von Neuwied. Sie liessen den Leonard ruffen, allein, er kame nicht. Endlich richteten sie ein Bündnis auff. Der Scheffen Platt von Gohr, ein ehedem ruchtloser Kerl, ware daß Oberhaubt unter dieser Versammlung. Jeder bekam ein Kronthaler Handgeld undt wenn sie den Leonard oder dessen Sohn Georg auff Neuwied brächten 100 Karolin Belohnung. Sie wusten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::ohnedem noch ihre tägliche Besoldung.&lt;br /&gt;
::Diese Compagnie wuchß täglich, so daß sich in Kurzem bey 50 Man unterschrieben hatten, theils von Gohr, Hosten undt Nivenheim. Es gienge um, alle Abend musten Einige auff Delven auff die Wacht. Sontages imgleichen waren die Kirchwege besetzt, undt der Leonard und sein Sohn hörten manchen Sontag keine Meß. Sie wurden zerschiedene mahle angegriffen, entkamen aber jedesmahl.&lt;br /&gt;
::Am Gerich konnte keiner waß außrichten, dan es ware Pignus genohmen über des Leonarden gantzen Eigenthum. In seinem Hauße ist er sicher, weil sie haben Gewehr genug. Am Sontage, am 27ten November 1785, als der Leonard nach Hackenbroch Meß-Hören gehen wollte, kamen unterweges 15 Man mit Gewehre auff ihn loß, die vor ihm gehende Leuthe dorfften nit umsehen, so wie jene, so hinten ihm waren, undt es ware der alte Leonard. Er zohe eine Pistole hervor, undt da er schiessen wilt, brent der gewesene Scheffen Platt loß, dem Leonarden durch daß Bein. Sie wollten ihn mitnehmen, allein, er ware schon halb todt. Sie hatten ihn mit Hagel undt einer Kugel durch einige Geld-Müntzen in der Tasche durchs Beyn geschossen. Die Mörder machten sich davon, doch ein Man undt 2 Weibleuthe kanten den Platt sehr guth, undt heute, den 28ten ist der Leonard schon im Herren entschlaffen.&lt;br /&gt;
::Die gantze Kunst, so sie verstanden, ware diese: Sie könten den wachsenden Berg, eine Figur in einem Glase, machen. Wer dieses Vorspil nun sahe, glaubte sicher, sie verstunden alles, Den Herrn Bischoff zu Köln haben sie um 100 Karolin betrogen. Vom sehligen Belderbusch erhielten sie weith mehr. Kurtz, sie haben ihren Handel 50 Stunden außgebreithet undt überall Leuthe betrogen.&lt;br /&gt;
::Es soll also morgen zum Protocoll geschritten werden. Doch glaubt man, der Platt wird sich in daß sogenannte Stütchens-Büschen begeben, wo schon einige Räuberein vor sich gegangen, welches Nachbahr-Leuthe sein sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[49]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Der Schefen Platt von Gohr hat sich wircklich weggegeben und ist auff Wesel.&lt;br /&gt;
::Am 5ten Decembris sind wieder 5 Man mit Gewehre gesehen worden, welche auff den Georg Martio gelauret haben. Es wird itz alle Montags Gerichts-Tag hierüber gehalten, und die Mitschuldigen müssen ins Verhör kommen. Der Weihbischoff liesse auch ehdem den Leonard kommen. Er sollte für ihn arbeiten. Er wollte also den Nutzen davon unter die Armen vertheilen. Allein, als Leonard ein Theil Gelder vom Herrn Weihbischoff empfangen hatte, machte er sich davon.&lt;br /&gt;
::Der Herr Vogt von Grevenbroich soll mit unter die Plattenische Versammlung gehören, doch daß Gericht wird allenthalben nichts außrichten. Es ist kein Geld vorräthig, womit dieser Prozeß soll getrieben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1787 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1787&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januarius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dunkel Wetter. – Im abgeschiedenen Jahr sind wenig Merkwürdigkeiten vorgefallen. Wir hatten vielen Regen und Mäuse im Feld, die auch noch nicht vergehen wollen. Es warden 40 Kinder gebohren, 19 Leichnamen begraben, 6 Mädcher wurden zu Weibern und ebensoviel Jünglingen hat unser Pastor Bürg ein Hauskreutz aufgeladen. – Der Nachtwächter geht am heutigen Morgen um, bläst vor jedem Hause das Neujahr und erhält dafür ein Trinkgeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis am 6ten – Nasses, dunkles Wetter. Das Malder Korn gilt 13 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Frost. – Am 5ten dieses kame ein gewisser Jacob Schaaf zu Delven am Martioschen Goldmacherhause an. Er ist einer derjenigen, welche das Mädchen mit entführt und eine wichtige Rolle in dieser Geschichte gespielt hat. Weil jetz stark über diese Sache inquirirt wird, so begehrte der Jacob Schaaf nur ein Zeugniß, daß er an den Torturen keinen Theil hätte, wie er dann auch wirklich dem Mädchen während seiner Gefangenschaft viele Schläge abgewendet hatte. Für den Hüttenhalfen begehrte er gleichfals ein Attest, daß jener noch den Abend selbst abholen wollte. Der Vorfall ward auf der Burg gemeldet, und der Jacob so lang aufgehalten, bis die vom Kelner aufgebothene Schützen ankamen, welche jenen ins Gefängniß brachten. Die Wache war wieder von der Burg zurückgekommen und in dem Martiolischen Hause versteckt, als der Hüttenhalbwinner vor der Thürre pochte. Er ward eingelassen und zu seinem Kameraden in den Kerker zu Hackenbroich geworfen. Am 8ten-9ten und 10ten leidentlicher Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Es friert, aber nicht stark. Die Kälte ist für die Armen wohl auszumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Diesen Morgen isselt es stark, später stellte sich Thauwetter ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Regen. Am 23ten fror es wieder von Neuem. Der Jacob Schaaf sitzt mit seinem Kollegen noch zu Hackenbroich. 15 Bauern des Dorfs müssen das Gefängniß und 8 das Dorf bewachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das Malder Korn wird um 30 Schilling, Haaber um ein Kronthaler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. – Der Rhein treibt stark mit Eiß.&lt;br /&gt;
:Der Alchymist Schaaf ist von Hackenbroich auf Lechnich geführt worden, weil da noch 7 seines Gelichters eingehaftet sind. Der Doctor Fischer aus Köln, der zugleich Schulteis zu Frechen ist, wird als den Anführer dieser Bande angegeben, und ich glaube, aus der ganzen Inquisition wird wenig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis am 30ten – Leidendlich kalte Tage. Das Malder Haaber gilt izt 2 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Etwas Frost. – Der Saamen hat viel durch die Abwechselungen von Frost und Regen gelitten. Der Öhl würde merklicher im Preis gestiegen seyn, wenn nicht der im vorgen Jahr erfundene Häringsöhl so stark gebrennt würde. Besagter Öhl ist dem andern an Wirkung gleich, ausser daß er bey der mindesten Kühle erfriert und einen etwas thranartigen Geruch hinterläst. – Bis am 8ten hat es immer gelind gefroren. Am 9ten Regen. Das Malder Korn wird zu 30 Schilling, Haaber zu 2 Reichstahler gegeben.&lt;br /&gt;
:Die Holländer sind uneinig unter sich. Der Prinz wird tief herabgesetzt. Er bleibt zwar Oberhaubt, aber er soll wenig zu befehlen haben. Die Veranlassung ist, weil der Prinz gerne Burgunder-Weine trinkt und dann im Rausch Geheimnisse ofenbahrt, die für das Wohl des Staats unumgänglich verschwiegen bleiben müsten. Einige, die für das Oranische Hauß sind, nennen sich Prinzgesinnte, andere, die mit den Generalstaaten halten, sind Patrioten. Täglich fallen Scharmützel vor, wo bald diese, bald jene Parthie gewinnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 10ten bis 14ten – Sehr angenehme Tage. Der Hüttenhalfen ist durch 4 Husaren von Hackenbroich auf Lechnich gebracht worden. Der Georg Martio ist wieder zum Vorschein gekommen. Er ist die ganze Zeit zu Köln in einem Keller gebunden aufbewahret worden. Er hat unsägliche Tormenten gelitten, fand endlich Gelegenheit, als seine Wächter schliefen, zu entwischen, und ist itzt im Waysenhause zu Köln in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten und 16ten – Frühlingstage. Der Rhein ist klein. Das Ufer ist am Plathalse stark mitgenohmen worden. Von der Köllnischen Straße bis unter die Piwitte ist keine einzige Krippe, doch ist nun eine neue unter der Köllnischen Straße angelegt worden, denen nun mehrere folgen sollen. Auch waren im Jahre 1784 durch die merkwürdige Ueberschwemmung am Plathalse verschiedene Plätze so sehr ausgedrieben, daß die Stücker des Schefen Steinberger neben dem Herrn Pastor Mathias Hack und Joan Sand zu Fischweihern umgeschaffen waren. Diese Löcher lassen die Eygenthumer izt mit Erdhölz bepflanzen.&lt;br /&gt;
:Die Abendsandacht am Missionskreutz erlischt allmälig. Der Schulmeister Heinrich Bochem bleibt auch weg. Nur versammeln sich doch abends eine Herde Kinder, zuweilen schleicht auch ein altes Mütterchen hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Es bleibt angenehm. Man fängt in den Gärten zu graben an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten, Fastnacht – Die frohe Jugend feiert die Bachanalien in ausgelassenster Lustigkeit. Nur bey Schefen Steinberger waren 2 Musikanten. Es gienge frielich zu. Es ward diese 3 Tage getanzt, geliebt und geküßt bis am Aschermitwoch, als der Tag anbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[52]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten, &amp;lt;u&amp;gt;Aschermitwoch&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Wind ist im unfreundlichen Norden.&lt;br /&gt;
:Die Fastendispens ist kund geworden. Folgende Tage darf Fleisch gegessen werden: morgen, das noch nie war, als am Donnerstage nach Aschermitwoch darf Fleisch gegessen, dieses Jahr zum ersten mal, sodenn – montags, dienstags, mitwochs und donnerstags, den Quatuor Tempor-Mitwoch ausgenohmen. Diese Dispens erstrecket sich bis Dienstag in der Karwoche einschlieslich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten, &amp;lt;u&amp;gt;Peter Stuhlfeyr&amp;lt;/u&amp;gt; – Es hat diese Nacht etwas gefroren.&lt;br /&gt;
:Weil der vorigjährige Bürgermeister Cornelius Straub sein Amt so treflich verwaltet hat, so ward er einhellig fernerhin bestättigt. Der Nachtwächter Gerhard Nusbaum bleibt zugleich noch ein Jahr Feldschütz, und Jacob Bückendorf oder der sogenannte Sand Kobes hütet noch ferner das Horn-Vieh, jedoch unter dem Beding, seine Kühe nicht ausser der Herde grasen zu lassen. Anton Schmitz oder in der Localsprache: Pletsch-Anton ware zwar um die Schweinsstimmen umgegangen, doch wollte Fortuna seine Wünsche nicht erfüllen. Der Jacob Vogel oder &amp;lt;u&amp;gt;Pens Kobes&amp;lt;/u&amp;gt; erhielt seine Stelle. Am 23ten friert es so stark, daß alles drüber geht.&lt;br /&gt;
:Zu Kölln sieht es mit der Martioischen Geldmachergeschichte verwirrt aus. Der Doctor Fischer, der zugleich Schulteis zu Lechnich ist, wird als Mitschuldiger angegeben. Er und noch 8 andere haben ihr Heil in der Flucht gesucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Starker Frost. Später fieng es an zu schneen, der sich zulezt in Regen verwandelte. Die Irrungen zwischen dem päbstlichen Nuntius zu Kölln und den Erzbischöfen Trier, Mainz und Bonn beginnen ernsthafter zu werden. Die Bischöfe wollen das zwote Grad in Ehesachen dispensiren. Deswegen ist zu der Fastendispens eine Beylage zugelegt, worin der Erzbischof den Pastores aufbürdet, den gesamten Pfarrgenossenen beizubringen, daß die Erzbischöfe diese Macht unmittelbar von Kristo erhalten hätten. Der Keyser unterstützet die Bischöfe, Kurpfalz und der König von Preussen wollen die Rechten der Nuntien behaubten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Regen und Wind. Das Malder Korn gillt 30 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Martius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Wind. Es beginnt alles zu wachsen. Am 2ten-3ten Merzerschauren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Angenehme Frühlingstage. Den 5ten naß und kalt. Den 6ten angenehm. Ein Köllnischer Astronomius vergleicht das 1787te Jahr an Fruchtbarkeit mit dem Jahre 1779. Der Verfasser hat es in die öfentliche Zeitung eingerückt, daß wir einen schönen Früling zu erwarten hätten. Am 9ten April 1779 waren Kornähren, den 15ten Rosenknospen, den 17ten Mey Rosen- und Kornblühe. Am 23.-[2]4. und 25ten Mey ware große Hitze. Im Junius ward das Korn reif, und im Julius zeitige Trauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Sehr angenehm. Der in der Delver Alchimisten-Geschichte bekannte Jacob Schaaf, welcher zu Hackenbroich erst und leztlich zu Lechnich im Kerker saß, fand Gelegenheit, zu entkommen, und wird nun durch die Zeitungen edictaliter abgeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Die Natur bringt den Frühling zurück, wo jedes Wesen zu leben und zu lieben beginnt. Es blühn schon Veilchen, und die Lerchen jubeln in steter Frölichkeit himmelan. Alles fühlt den gewaltigen Einfluß des Lenzes. Es sind aber unbeschreiblich schöne Tage; umsomehr, wer dafür Gefühl hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Warmer Regen. Den 12ten bis 15ten reifte es in der Nacht. Am 16ten bis 21ten sehr schön. Der Wittib Sturm im Schwanen wurden diese Nacht die Pflüge voneinander geschlagen. Die Thäter bleiben verschwiegen. Gemelte Sturm hat ein Üebel unter ihren Pferden, welches dem Rotz sehr ähnlich ist. Von Zeit zu Zeit krepieren etliche. Man sagt, sie hätte schon über 400 Reichstahler verdocktort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Anhaltende Frühlingstage. Heut Morgen und am Muttergottestage haben wir das 40stündige Gebet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Der Merz schliesset sich mit ungemein schönem Wetter. Die Schwalben sind schon angekommen. Korn gillt ein Ducaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, Palmsontag – Es war etwas nordwindig kalt. Dennoch hatten wir eine zahlreiche Prozession, welche vom Posthaus bis an die Kirch reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Sehr angenehm. Den 8ten, Ostern: Heut haben wir keinen Beichtiger von Zons hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Wir haben Regen nöthig. Es wird fleissig Haber gesähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Etwas Regen. Heute ist der Pastor Esser von Worringen gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Nordwindig kalt. Unter dem Hornvieh herrscht eine unbedeutende Krankheit. Auf der Zunge tief im Hals zeigt sich eine Blatter. Wenn solche nicht geöfnet wird, so soll dem Vieh die Zunge abfaulen. Nun nimmt man ein Stück dünnes Silbergeld, faßt dieses in ein hölzern Stecken ein und beschabet damit die Zunge, daß sich die Blatter öfnet. Alsdann reibt man die Wunde mit Essig und Salz, so heilet es. Einige nehmen auch noch zu dem Essig und Salz noch Alaun, Vitrol, Pfefer, Ofenruß und Honig, doch ist dieses überflüssig. An andern Orten nimmt man ein Stück von einem Ziegelpfann zum Aufreiben und zum Auswaschen Wasser und Salz. Vor 50 Jahren ist diese Krankheit auch hier gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Schnee, Hagel und Sturmwind. Am 21ten hat es einen halben Finger dick Eiß gefroren. Am 24ten Regen und Wind.&lt;br /&gt;
:Der Pastor in Zons wollte den Hagelfeier, der am Montag nach der Gottestracht gefeiert wird, auf den nächstfolgenden Sonntag verschieben, weil dann die Prozession durch Umtragung des Venerabels verherrlichet werden könnte. Der Montag erschien, in der Kirche war alles still, die Stürzelberger aber kamen in einer Karavanen zum Städchen. Die Zonser Bürgerschaft gesellte sich zu ihnen und läutete die Klocken. Sie begehrten den Pastor, welcher aber seinen Kaplan zur Kirch schickte und auch die Prozession wie gewöhnlich begleitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Gedruckte Verordnung von Kurfürst Karl Theodor: Verbot des &amp;quot;Leichenzechens&amp;quot; (15. Juni 1787)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[55]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1787&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten bis 28ten – Regen und Wind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heute, am 28ten, sollten die Kuhrfürstlichen Speicher, welche bisher Jacob und Heinrich Cremeius im Pfacht gehabt, auf den Meistbiethenden verpachtet werden. Der Herr Kellermeister Frenz ware mit verschiedenen Pfachtlustigen im Schwanen versammelt, als gedachter Cremerius eintrat und anzeigte, daß er noch ein Nachjahr hätte, weil der Eißgang vom Jahr 1784 ihn zu hart getrofen. Mithin muste die Versammlung unverrichter Sache auseinander gehen. Der Henrich Nusbaum pachtete das Weggeld um 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten, Gottestracht. Am 30ten Hagelfeier. Die beiden Tage ware es bis Mittag trocken, des nachmittags aber regnete es anhaltend. Die Prozessionen waren jedoch zahlreich, obschon es sehr dreckicht ware. – Der Kornpreis ist 29 Schilling, Haber ein Kronthaler, 100 Pfund Heu 50 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Regen. Heute sahe ich die ersten Kornähren. Den 3ten sehr schön und warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten bis 7ten – Kalt und naß. Am 9ten trocken und kalt. Am 10ten bis 13ten warme Lenztage. Der Hüttenha[l]fen ist wegen der Delver Goldmacher-Geschichte auf Bonn ins Stockhaus verwiesen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten bis 20ten – Heisse Frühlingstage. Der Mey macht das wieder gut, was der Aprill verdorben hat. Alles ist Blum und Blüthe. Eine unvergleichlich schöne Zeit. Das Malder Korn wird um 4 Reichstahler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten sind die Küh in die Benden eingetrieben worden. Am 24ten warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. und 26ten – Warmer Regen. Es wird Kappus gepflanzt. – Das Korn blüht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Naß und kälterich bis am 29ten. Am 31ten warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten bis 5ten trocken und warm. Am 7ten, Fronleichnamstag, sehr heiß biß am&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten heiß und trocken. Das Malder Korn gillt 4 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
:Heute pfachteten die beiden Keyserlich Königlichen Posthaltere von Kölln und Dormagen die hiesige Kuhrfürstliche Speichen um 510 edictmässige Reichstahler. Die beiden Cremerius müsten abstehen, welche solche bisher für 350 Reichstahler in Pfacht hatten. Am 13ten große Hitze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Warmer Regen. Am 15ten Donner mit Regen. Am 18ten ist Wintersahm gemähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Vermischt mit Regen und Sonnenschein. Dies Jahr ist fast kein Klee im Felde. Deswegen wird das 100 Pfund Heu mit 2 Gulden bezahlt, 100 Bauschen Stroh 7 Reichstahler. Den Cremerius ist vom diesjährigen Kuhrfürstlichen Speicher-Genuß ein Drittheil zur Entschädigung von 1784 zugesezt worden.&lt;br /&gt;
:Vor einigen 8 bis 10 Jahren ist ein hiesiges Pfarrkind, Engelbert Nelsen, in den Eremitten-Orden getreten. Erst war er Bauer, hernach Husar und zulezt Zollreuter. Sein ausschweifender Wandel und die damit verbundene Hartherzigkeit macht seinen bisherigen Verwaltungen wenig Ehre. Als er vom Zolldienste abgesezt ward, entschloß er sich, weil arbeiten beschwerlich ist, auf Rom zu gehen. Er kame als Bruder Felix zurück, seitdem ist er noch ein paarmal nacher Rom gewahlfartet, und nun hällt er sich unablässig im Wirthshause auf. Der Pastor hielt gestern eine Rede vom heiligen Eremitten Joannes, und indem er diesen erhabenen Büsser gnugsam ins Licht gestellt hatte, schilderte auch das unartige Betragen der heutigen Eremitten, und das Original dazu ware Bruder Felix.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[56]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Peter- und Paulstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut Morgen und am Sonntag wird das 40stündige Gebeth gehalten. Es ist Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Sehr heiß und schön bis den 7ten, den 8ten Regen, den 9ten, 10. und 11ten Regen und Wind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten anhaltender Regen. Es verdirbt vieles Heu, welches in Arbeit ist. Das 100 Pfund gilt 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
:In Holland geht’s toll zu. Dem Prinzen von Oranien als Statthalter sind fast alle Gerechtsame benommen worden. Das Volk sträubt sich gegen seine Befehle, weil er zu sehr den Burgunder-Wein liebt und sich im Rausch zuweilen vergißt. Die Provinzen Geldern, Zeeland, Overissel und Utrecht sind für den Prinzen, die Stad Utrecht mit den übrigen Provinzen agiren unter dem Namen der Patrioten. Die Prinzessin von Oranien wollte vor einigen Tagen zum Haag reisen. Die Patrioten führten sie aber in Arrest, entliessen sie doch nach einer 36-stündigen Gefangenschaft wieder. In den Städten wird abwechselnd von der Prinzen- und Patrioten-Armee alles verwüstet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 14ten – Regen. – Seit 8 Tagen sind die Kafebohnen von 23 auf 28 Stüber gestiegen. Es rührt daher, weil der König von Preussen 50.000 Mann auf Holland schickt, um den Prinzen wieder in seine Rechte einzusetzen und den Schimpf der Prinzessin, seiner Schwester, zu rächen. Den 20ten müssen alle Kohlschife zu Wesel sein, um Kanonen zu laden und eine stehende Schifbrücke zu formiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Trocken. Deswegen gab der Pastor Erlaubniß, im Heu zu arbeiten, ob es schon Sonntag war.&lt;br /&gt;
:Ein lutherisch gebohrener Jüngling namens Jacob Engelman that heut in hiesiger Kirche sein öfentliches Glaubensbekäntniß, nach einem jahrlangen Instruction, erst bey den Patres Franciscanern in Zons, hernach bey hiesigem Pfarrer, lase Lezterer ihme nach der Frühmesse die Glaubensformel vor, als im Kohre &amp;quot;Veni Creator&amp;quot; gesungen war. Die Ceremonien geschahn wie gewöhnlich, ausser das Taufen mit Wasser, welches unterbliebe. Nachdem empfienge der Neubekehrte das heilige Abendmahl. – Er ist 17 Jahre alt, aus dem Oberlande bürtig und wohnte bisher auf dem Rheinfelder Hof. In der Früh- und Hochmesse gienge der Küster für den armen Jüngling mit dem Klingelbeutel um und erhielt bey 8 Reichstahler, wofür ihm Kleidung angeschaffet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten und 17ten – Regen. Der gemähete Sahmen liegt noch alle im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Dunkel. Es wird fleissig Korn gehauen. Am 20ten-21ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Etwas trocken. – Es ist ein allgemeiner Brodmangel. Nur auf dem Wallhover Hof ist Korn für 5 Reichstahler 30 Stüber zu haben. Verschiedene Familien weinen um Brodt, dessen sie an drey Tägen kein hatten. Es ist etwas naß eingescheurt worden, welches die Leuthe im Backofen trocknen und so nach der Mühl schicken. Bis am 26ten vermischt mit Regen. Das Malder Korn gilt 6 Reichstahler 15 Stüber. Wegen dem Regen wird sehr langsam Korn gehauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[57]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1787&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Julius&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Es ware sehr heiß. Deswegen ist heut viel Korn gefahren worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Sehr schön Wetter. Am 30ten Regen. Das Malder gilt zu Knechsteden 7 Reichstahler, Sahmen 9 ditto. Am 31ten trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Augustus&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Heiter. Es ward viel eingescheuert, am 2ten anhaltend. Es steht noch ein Drittel Korn fest auf dem Halme. So wie es gehauen wird, ladet man es auf. Im Griesberg fahren die Leute das nasse Korn aus den Scheuren auf das Feld, um selbes zu trocknen. Anhaltend trockenes Wetter. Am 7ten wird Weitz geschnitten. Am 10ten dunkel. Das Malder Korn wird zu 4 Reichstahler verkauft, Sahmen 10 Reichstahler, Haaber 4 ditto. Diese ist deswegen so theuer, weil im Klevischen ein Magasin für die Preussischen Truppen angelegt wird, welche nach Holland gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Es wird Haber gehauen. Bis am 25ten warm mit wenig Regen. – Die in der Delver Goldgeschicht berüchtigte und zu Hackenbroich eingehaftete Personen sind ins Stockhaus zu Bonn abgeführt worden. Jacob Schaaf fährt 10 und der Hüttenhalbwinner 7 Jahr die Schubkarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – Abwechselnd nasses Wetter. Kornpreis ist 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 9ten – Sehr schöne Tage. Den 10ten Herbstwetter mit kleinen Nachtfrösten. Am 16ten verlanget man sehnlich nach Regen. Der Rheinfelder Halbwinner hat seinen im Jahr 1784 mit Sand beschossenen Acker mit Korn besamet und selbiges untengebaut. Seit jenem Jahr hat er noch nichts darauf gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 17ten bis 21ten – Viel Regen. Am 22ten trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten, Kirmes – Es ist heiter und ungemein lustig im Dorf. Viele Fremde wahlfahrteten hieher. Montags, am 24ten wieder schön. Es sind 29 Spielleute im Kirchsprengel und doch allenthalben voller Menschen, nur wurden die Lustbarkeiten auf einige Zeit unterbrochen: Des Arnold Schwab aus Zons sein Knecht namens Hünerbach trat im Tanzen dem Wolter Boes aus Rheinfeld auf den Fuß (siehe am 4ten April 1784), worauf dieser dem Hünerbach mit einer Kanne auf den Kopf schluge, daß er leblos dahin sank. Der Vorfall ware im Stern bey Mathias Schmitz. Sogleich ward der Pastor herbeygerufen, der den Kranken mit der lezten Oelung versah, der sprachlos nur in einzelnen Zuckungen seinen wüthenden Schmerz verrieth. Ein eben anwesender Düsseldorfer Chyrurg unternahme mit unserm Eller den Verband, in einem Kreise jamernden Menschen, zu deren grösten Verwunderung Hühnerbach sich aufrichtete und so frey dahingienge, als ob ihm nichts geschehen wäre. Nun ertönten Flöt und Saytenspiel wieder, und die frohe Jugend hub den Tanz von neuem an, der bis Mitternacht unterhalten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Der Stabs-Chyrurgus Nageler ware von Düsseldorf beschrieben und trafe zeitig ein. Der Hühnerbach hat bey den Pfälzern Dienst genohmen, um auf Regimentskosten kurirt zu werden, ist er heut auf Düsseldorf gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[58]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten, &amp;lt;u&amp;gt;Mitwoch&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Kirmes ware seit lange nicht so festlich als die jetzige. Ausgesuchtes Wetter, viele Fremde und ein heimischer Friede trugen das Ihrige reichlich bey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Samstag Michaeli&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut wurde die Prozession zum Kreutzberg unter den Befehlen des Original-Brudermeisters und Schefen Joann Adolph Fix ausgeführet, welcher hierzu einen eigenen Fahnen machen lies. Die ganze Karavane bestand aus 62 Köpfen.&lt;br /&gt;
:Es verbreitete sich das Gerücht, als ob der Hühnerbach wirklich gestorben seye. Der Wolter Boes, welcher sich in dem Kulk bisher aufhielt, ist sofort in keyserliche Dienste getreten und auf Wien abgegangen. Nun vernimmt man näher, daß der Hühnerbach kurirt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;October&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Naß und kalt. Die Schnecken haben in schweren Gründen etwas verdorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 3ten bis 11. sehr angenehme Herbsttage.&lt;br /&gt;
:Bey Annäherung der preussischen Truppen haben die holländische Patrioten Utrecht und alle äussere Besitzungen verlassen. Sie behaupten nur noch Amsterdam besezt. Auch diese Stadt wurde angegrifen und gleich darauf Wafenstillstand gemacht. Vom 12ten-15ten viel Regen. Das Malder Korn gillt 16 Gülden, Haaber 19 Schilling.&lt;br /&gt;
:Die Preussen bleiben den folgenden Winter in Holland, und der Prinz-Stadthalter wird wieder in all seine vorigen Rechte gesezt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 14ten – Naß und trocken, ohne kalt zu seyn, anhaltend bis den 21ten. Kornpreis 16 Gülden, Haaber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
:Die beyden Keyserhöfe Wien und Petersburg beginnen Krieg gegen die Türken. Die Ursachen sind so unbedeutend, daß sie nicht wohl anzugeben sind. Die verbundene Keyserhöfe wollen den Türken schlagen, um Eroberungen zu machen. Die Haaber steigt schon auf 21 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 25ten bis 30ten – Regen. Weil zu befürchten steht, daß der Rhein unsere Felder überschwemmen wird, so werde[n] alle Gemüse aus dem üntersten Felde hereingeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Der Rhein läuft schon in die Leimkaule. – Es ist für den Ackersmann ein gutes Jahr: Sommer- und Winterfrüchten so wie alle Zugemüse sind vortreflich gerathen, und das Gedreschene wird theuer bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Trocken und angenehm. Das Rheinwasser zieht sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten bis 5ten – Schön Wetter. Vom 6ten bis 9ten naß, 10ten-15ten besonders angenehm. 4000 Preußen bleiben den Winter in Holland. 12 Mitglieder der Schonhovischen Regierung, welche die Prinzessin von Oranien arretirt hatten, sind Landes verwiesen worden. Übrigens wird in Holland alles wieder auf den alten Fuß gesezt, wie es vor der Revolution ware. – Bis 19ten kalt mit kleinen Nachtfrösten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten bis 25ten – Vermischtes naß und trockenes Wetter. Am 26ten etwas Schnee und Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – Starker Frost. Der Boden ist so fest gefroren, daß die schwersten Lastwägen hinüber rollen. Weil das früh gesähete Korn gar zu rauh geworden ist, so liessen heut einige die Schafe darüber weiden.&lt;br /&gt;
:Man sagt, die Regulierte Kohr- oder sogenante Fronleichnams-Herrn in Kölln sollen aufgehoben werden, weil ihre Schulden den Eygenthum überwiegen. Es mus aber bestättiget werden. – Bis 30ten kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten und 2ten starker Frost mit Schnee, am 3ten Regen. – Viele preussische Ausreisser kommen aus Holand mit Ducaten und Uhren belorbert hier durch. Korn und Haber ist am Sinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Angenehmes Wetter. – Heut wurde die Anna Maria Fix gebohrne Sturm zu Grabe getragen. Sie war an den Schefen Fix (unter der Leufen neben dem Kirchhof) verheiratet, mit dem sie in kinderloser, friedlicher Ehe lebte. Vorauf wurde das Kreutz getragen, dem einige und 300 Schuhl- und andere Kinder folgten, demnach das Kohr, die Geistlichkeit und die Leiche, wo ein 110 Personen starkes Leichengefolge sich anschlos. Der Zug gienge oben hinauf und sollte dem Heiligenhäuschen am Lämchen herumgezogen werden. Weil es aber allzu morastig war, so wurde am Schwanen umgekehrt und zu der Stätte, wo die Selige nunmehr ruhet. Nach dem feyerlichen Hochamte wurde Stutten unter die Kinder und Brod unter die Armen vertheilt. Erstere mochten 3 Stüber an Werth halten, und Leztere wogen 7 Pfund. – Vom 5ten bis 7ten Regen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 8ten bis 15ten angenehme Tage. Zu Emmerich und Calcar im Klevischen werden die preussische Magazine verkauft. Das Malder Haber zu 2 Reichstahler, Heu zu 20 Stüber und das Hundert Bauschen Stroh zu 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
:Bis Ends December ists Herbstwetter, zuweilen mit kleinen Nachtfrösten. Eine Kuhrfürstliche Verordnung beschränkt das Interessewuchern und sezt die Zinsen fest, welche dörfen genommen werden, als von beweglichen Gütern, Kleidungsstücken und so weiter. Wenn’s nicht über 10 Reichstahler beträgt, thut der Reichstahler monatlich 8 Stüber. Kömts aber auf 10 Reichstahler, dörfen die Kristen vom Reichstahler 4, die Juden aber 5 Heller nehmen. Der Pfandgeber erhällt einen Schein, was er verpfändet, ohne den er seine eigene Sachen nicht fodern darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten abends zeigte sich über dem Delver Sandberge ein gräslicher Brand. Es ward mit der kleinen Klocke Sturm geschlagen, man sah in die lodernde Flamme, die den westlichen Himmel erleuchtete. Auch in Worringen und Hackenbroich wurde Sturm geläutet. Viele Winwohner liefen dahin, welche die Nachricht brachten, daß der Brand nicht zu Delven, sondern zu Frixem war, wo 8 Häuser und 7 Scheuren im Rauch aufgiengen. &lt;br /&gt;
:Für den Ackersmann ware das eben scheidende ein sehr gutes Jahr, weil alles wohlgerathen und in hohem Preise ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1788 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[60]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1788&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januarius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Es stehn uns große Dinge bevor, wenn die Weissagung eintrifft, welche vor geraumer Zeit dieses 88ste Jahr für ganz Europa traurig schildert. Das hat nun denk ich eh keine Noth, und ich fürchte nicht weniger als das, wenn es anders nicht im Lauf der Dinge beschlossen ist. Wir genießen noch bisher der ungestöhrtesten Ruhe, und die Begebenheiten der Welt versprechen Dauer. Es hat bisher noch sehr wenig gewintert, und es ist auch itzt so gelinde, daß man in den Stuben nur schwach einheitzet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 11ten – Vermischtes Herbstwetter ohne Frost.&lt;br /&gt;
:Der neue Venlo-Wagen, welcher bey Herrn Pauli in Kölln abfährt und bisher zu Hackenbroich bey Postmeistern Beckers die Pferde wechselte, und dan neben Nivenheim über Neus geht, fährt jetzt der seit 1784 vom Dohmkapitul verbesserten, mit Gräben und Bäumen besezten Landstraße durch Merheim und Fühlingen auf Worringen, wechselt da beym Schefen Trimborn die Pferde und fährt dan über die Heerstraße auf Neus.&lt;br /&gt;
:Der Magistrat in Kölln erlaubte den dasigen Reformirten ein stilles Bethhaus. Die Bürgerschaft setzet sich aber dagegen, und der Kurfürst hilft leztern, ihre Sache durchzusetzen. Den 12ten etwas Frost, den 13ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Vermischtes Wetter. Am 19ten Sturmwind. Kornpreis 14 Gülden, Haber 1 Kron.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 20ten, Septuagesima. Den 21ten das gestern eingefalle Sebastianusfest wurde heut gefeyert. Kornpreis 15 Gülden, Haaber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 27ten wechseln Regen, Wind und Schnee einander ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Frost. Kornpreis 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Der Frost hat die Erde gepflastert, daß alles drüber rollt.&lt;br /&gt;
:Im Kölnischen Lande ist eine Verordnung erschienen, kraft welcher keiner heyrathen darf, er habe dann 150 Reichstahler eigenthümliches Vermögen. Die Schefen müssen die Taxa unentgeldlich machen, und der Amtsverwalter läst sich für das Unterschreiben 2 Reichstahler zahlen. Allenthalben macht dieses Edict wegen dem Unvermögen einige Hochzeiten hinterstellig, die sich dan ins Gülische wenden, um das hier zu werden, was sie dort nicht werden konnten, nemlich Braut und Bräutigam. Jedoch werden die Richter zuweilen hintergangen. So liehe zum Beyspiel der hiesige Sandhalfen Johann Dick seinem getreuen Knecht die nothwendige 150 Reichstahler, welche dieser zu Hackenbroich zeigte, und nach der Hochzeit solche seinem Herrn wiedergab. Am 2ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten, Fastnacht – Es ist sehr angenehmes Wetter. – Nur im Adler spielen drey Musikanten, sonst herschet im Dorf einsames Schweigen. Den 4ten – Es sind wirklich Frühlingstage. Die Natur beginnt, aus ihrem Winterschlaf zu erwachen. Kraut und Laub fängt an zu grünen, Lerche und Buchfink stimmen ihre Lieder an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[61]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1788&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fastnachtsdienstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Das heut gewöhnliche Kohrfest zur Ehre der heiligen Agatha wurde sonst von dem Pastoren nicht für die Gemeinde gehalten. Nun beschlossen die Schefen, daß dem Pastor und Küster die Meß bezahlt werden sollte. Zu dem End gienge der Schefen Fix mit dem Klingelbeutel um und erhielt noch bey 4 Reichstahler Ueberschus, welche zu einer Kerze verwendet werden, die auf dem Kohr aufgesteckt wird. – Die Fastendispens ist wie vorig Jahr.&lt;br /&gt;
:Die Studenten in Kölln hatten zu ihren gewöhnlichen Fastnachts-Masqueraden die Vorstellung der am 11ten Januar gedachten reformirten Kirche gewählt. Es sollte nämlich eine Art von Kirche umgetragen werden. Der Bürgermeister von Hilgers, D. Luther und eine Menge Engeln aus dem zehnten Kohr sollten in Bildern aus den Fenstern schauend vorgestellt werden, und das Ganze sollte vor des Bürgermeisters von Hilgers Haus in Flammen auflodern. Weil aber der Magistrat davon Nachricht bekame, so wurde den Soldaten Befehle gegeben, die Acteurs gefänglich einzuziehen, worauf die Kirche nicht zum Vorschein gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 13ten – Sehr angenehmes Wetter. Diesen Winter ist noch kein Eis im Rheine gewesen. – Das Malder Korn gillt 4 Reichstahler 25 Stüber, zahme&amp;lt;ref&amp;gt;Wort unklar.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kleesahmen pro Pfund 10 Stüber 8 Heller, reiner Wilden ditto, das Malder 115 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten bis 17ten – Kalt. Am 18. konnte man kaum das Eis von den Stubenfenstern aufgedauet erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Regen. Am 22ten – Cornelius Straub, welcher 2 Jahr Bürgermeister war, ist abgesezt und sein Amt dem J. W. Verhagen übertragen worden. Anton Schmitz oder Pletsch Anton hütet die Schweine. Jacob Böckendorf bleibt Kuhhirt, doch soll er morgens 5 Uhr aus- und abends 7 Uhr eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 29ten – Anhaltende Frühlingstage. Die Saath im Feld sieht sich gut an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Merz&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 6ten – Frost und etwas Schnee. Am 7ten Regen mit Sturm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Frost. Am 11ten geht alles drüber. Am 14ten sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Weil das Josephs-Fest in der Karrwoche fällt, wird es heute, samstags vor Palmen, gefeyert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten, Palmsontag – Wegen dem kalten Nordwind schuf der Pastor die nachmittägige Procession in einen Kirchen-Andacht um. Nach dem Seegen wurde der Rosenkranz gebethen, zwischen jedem Gesatz &amp;quot;O Crux ave&amp;quot; mit einer Strophe aus &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Jesus ruft dir, o Sünder mein&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot; gesungen und 5 &amp;quot;Vater unser&amp;quot; mit ausgestreckten Armen gebethen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Dauwetter. Am 21ten Frühlingstage. Heut und am Mittwoch wurden die gewöhnliche Processionen nachmittags 4 Uhr zahlreich gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten, Osterabend – Sehr angenehm. Am Abend hatten wir ein Donnerwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[62]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1788&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten, Ostertag – Unangenehm kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Bey der Emausprozession ware es unfreundlich, drauf folgte aber ein über allen Ausdruck schöner Nachmittag. – Das Malder Korn gillt 5 Reichstahler 1 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 25ten bis 31. – Sehr feine Frühlingstage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Warmer Regen. Gestern Abend ist die Pastoralbehausung zu Rommerskirchen abgebrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten bis 7ten – Sturm und Regen. Das Malder Korn gillt 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 8ten bis 12ten – Unvergleichlich schöne Tage. Alles ist am wachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13., &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt; – Vom Morgen bis Abend ware es heiter und warm, so auch den 14ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten bis 17ten – Kälterich mit Regen. Vom 18ten bis 21ten warm, am 22ten Regen. Es gibt schon Korn-Ähren. Bis 27ten warmer Regen, am 28ten bis lezten heis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristi Himmelfahrt&amp;lt;/u&amp;gt; – Früh, ehe noch die Sonne aufgegangen war, tönte Philomele ihren schmelzenden Gesang in dem Garten des Pfarrhofes. Drauf erfolgte ein heisser Tag und ein göttlicher Abend, den die Mädcher im Dorf mit Gesang und Fröhlichkeit feyerten bis in die späthe Nacht. Alles fröhnte der Wiederkehr des Lenzes. – 100 Pfunf Heu 24 Stüber. Am Platthalse werden 4 neue Krippen angelegt, welche Aldenhoven von Zons und Boes von Worringen an sich genohmen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 8ten – Sehr heiß. Am 9ten Regen, 10ten bis 13ten kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Heiß. Heut nachmittags brach zu Sinnersdorf im Brauhaus beym Wirth Jan Feuer aus, wodurch 13 Wohnungen eingeäschert wurden. Am 18ten Kornblühe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Anhaltende Hitze. Am 20ten Regen. Heut sind die Küh eingetrieben worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22., &amp;lt;u&amp;gt;Frohnleichnam&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Procession ware sehr zahlreich. Wegen dem Sand unten in der Aue sind wir mit der Procession zu Rheinfeld auf den Damm gegangen und den Monheimer Weg hinab oben herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Trocken und sehr heiß. Man hofet sehnlich auf Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten regnete es von morgens 5 bis abends 6 Uhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Dunkel und kühl. Es wird in einer Kurfürstlichen Verordnung befohlen, daß die Soldaten inskünftig mehr hochgeachtet und ihnen von den Landleuten vor allen andern Arbeit verschafet werden solle. Es sollen alle hinfort freywillig angenohmen werden. Mehrere sollen jährlichs 8 Monath auf Urlaub gehn. Wo eine Hauptarbeit vorfällt, sollen Soldaten gebraucht werden. Auch werden alle Vagabunden und ehrlose Leute vom Soldatenstande ausgeschlossen. Bis 3ten sehr warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten hällt der König von Preussen zu Wesel Revue. – Heut passierte hie der Gallawagen des Köllnischen Nuntius, welcher leztere zum König seine Beschwerden einbringen wird. Über die Eingrife des Keysers und Kuhrfürsten von Kölln in die Rechte der Nuntiatur.&lt;br /&gt;
:Es gehen viele Herrschaften hindurch auf Wesel zur Revue. Am 7ten sehr heis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[63]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1788&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 8ten bis 12ten – Nordwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Sehr heiß. – Den 16ten Donner und Regen. Kornpreis 13 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten, 18ten und 19ten – Unerträgliche Hitze. Am 20ten Donner mit Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Nachmittags 4 Uhr hatten wir ein fürchterliches Gewitter mit durchdringendem Regen bis tief in die Nacht hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten regnete es den ganzen Tag, so daß einigen Leuthen schon das Wasser auf dem Scheuern-Tenne steht. – Bis 25ten anhaltender Regen. Man befürchtet eine Ueberschwemmung des Rheins. – Am 26. bis 28ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Trocken und warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Kuhrfürstliche Edicten&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Erstens&amp;lt;/u&amp;gt; – Werden alle Hazardspiele verbothen.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;2tens&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Herumstreichen der Bettler, Eremitten, Vagabunden etz.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;3tens&amp;lt;/u&amp;gt; – Warmgemachtes Getränk mit Kesseln für Kälber in die Ställe tragen wird gänzlich untersagt, zur Verhütung der Feuersbrünste.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeile teils durch waagerechten Strich vom folgenden Text abgesetzt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten regnete es wieder. – Vieles Klee-Heu ist faul geworden. Die Leuthe fahren solches nach Haus in die Mist. – Vom Erft- und Gillbachfluß vernimmt man, daß solche bey Menschen-Gedenk nicht so groß waren als heuer. Vieles Heu ist da weggeschwemmt und die nahe Äcker verdorben worden. – Der Schefen Fix hielte eine Kolleckt im Dorf, wofür ein neues Agatha-Bild in Kölln gemacht wurde. Sonst ware deren keines hier. Das Bild ist aus Thon geformt, weis angestrichen, mit vergoldeten Säumen und kostet 8 Reichstahler. Es ward auf der Epistel-Seithe neben dem hohen Altar aufgestellt. Alle Morgen brennt in der ersten Meß eine Kerz dabey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Trocken. – Heut ist das erste Korn gemähet worden. Am 2ten heiß ohne Regen. Das Korn oben im Feld ist schlecht und voller Reif. Hingegen ist das ünterste Feld treflich. Auf dem Werth und Kranenorth liegt die Frucht, als wenn eine Welle hinüber gerollet wäre. Am 4ten Donner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten hat es fast den ganzen Tag gedonnert und etwas geregnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten ist das erste Korn eingefahren worden. 8ten Regen, am 9ten-10ten heis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten zohe ein fürchterliches Gewitter vorüber, welches zu Richrad in die Kirch einschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Sehr heis. – Am 13ten wurde allgemein eingescheuert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Die Hausleuthe haben ihre Früchten alle herein. Das neue Korn gillt 2 Kronenthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 31ten – Sehr heis. Man hofet nichts so sehr als Regen. In diesen Tagen ist viel Heu gemacht worden. – Das Korn gibt sehr schlecht, der Gast 1 Faß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Anhaltende Dürre. Es sind noch sehr wenig Rübweiden gebaut. Izt ist es zu hart, und wenn’s nicht bald regnet, so ist es zu späth.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Heiß und trocken. – Der Rheinfelder Halfen hatte seinen Acker vor dem Hof mit Korn besäht, welches bis auf etwas Weniges vom Sand verdorben ist. – Bis 9ten trocken. Am 12ten regnete es unbedeutend.&lt;br /&gt;
:Die Stoppeln liegen noch fast alle ungebaut. Es wird ein schlechtes Rüben-Jahr werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten und 14ten – Regen, doch kömmt es noch nicht an die Wurzel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[64]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1788&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Augustus&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten, &amp;lt;u&amp;gt;Maria Himmelfahrt&amp;lt;/u&amp;gt; – Am Abend hatten wir ein schnell vorüberrollendes Gewitter, wobey wieder zum erstenmal geläutet wurde seit 1784. Damahls wurde von Düsseldorff aus befohlen, bey herannahendem Donneren mit der großen Klocke 3mal anzuschlagen und nicht mehr wie sonst zu läuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Warm und Regen. – Es wird fleissig Haaber eingescheuert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 31. – Schöne Tage. – Der Kappus wird schlecht gerathen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das Malder Korn wird verkauft zu 4 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten und 2ten – Dunkel mit Regen. Es steht noch viele Haaber im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 3ten bis 6ten – Heisse Tage. – Von dem im verflossenen Späthsommer ausgebrochenen Türkenkrieg habe ich bisher geschwiegen. Die keyserliche Soldatesen, vereinigt mit der russischen, zohen einen Gränzkordon von Ckzakow bis Dubiza. Der römische Kayser Joseph und der Fürst Lichtenstein kommandiren die Oesterreicher. Die Türken brachen durch den Kordon ins Bannat, tödteten 1.500 Keyserliche und eroberten 13 Kanonen. Da es den keyserlichen Herführern an Muth und Kenntniß gebrach, so ist jetz der berühmte General Loudon bey der Armee, welcher den Gränzkordon in eine fliegende Armee umgeschaffen hat. Man verspricht sich alles von seinen Unternehmungen. – Der König Gustav von Schweden hat den Russen den Krieg erklärt. Der Monarch kommandiret selbst die große schwedische Flotte, die russische hingegen der Grosfürst Paul Potcowa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 7ten bis 15ten – Dauerhaft angenehme Tage. Vom 16ten bis 21ten warm mit Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 27ten – Schönes Wetter. Die Saath ist fast alle in der Erde.&lt;br /&gt;
:Wenn man jemals eine Menge fröhlicher Gemüther findet, so ist es an dem jetzigen Kirmesabend: Alles geht in Trapp und Galop, selbst greise Müttercher haben ihren Schneckengang mit unglaublicher Leichtigkeit verwechselt. Hier kommen Dutzende mit Hefenkrügen, dort ganze Karavanen mit Fleischbündeln. Alles wird geschmückt, und Winkeln, die das Jahr hindurch selten eines Menschen Fuß betrat, werden ausgepuzt. Jüngling und Mädchen, alt und jung, reich und arm, kurz: jede lebende Kreatur freuet sich auf diese Tage, wo alte Verwandte und Gefreunde noch einmal beysammen kommen, die sich seit Jahr und Tag nicht gesehen haben. – Wäre mir ein Blick in die Vorzeit vergönnt, vor hundert Jahren an diesem freudigen Abend, wie es da gewesen seyn mag? Auch unsere Vorfahren waren jung und feyerten diese Tage, wo nicht festlicher, doch gastfreyer als wir. Ihre Tänze, Versammlungen und Gästmähler, davon wünschte ich mir eine wahre, lebhafte Schilderung. – Abends 9 Uhr.&lt;br /&gt;
:Soeben geschieht der freudige Auszug, vorauf ertönen Flöt- und Saytenspiel, ihnen folget eine große Schaar frölicher Jugend. Vom Einfluß des großen Festes belebt, erschallt das allgemeine Jubelgeschrey: &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Es lebe die Jugend&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[65]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1788&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirchweihe&amp;lt;/u&amp;gt; – Es ist ein Tag, so schön, als jemalen der Herbst hervorbringen kann. Die schöne junge Welt aus der Gegend umher hat sich hier versammelt. In allen Gegenden des Dorfes ertönt freudige Musick, und das jubelnde Gelächter und das Schlüpfen des Tanzes aus den Sälen der Frölichkeit. Im &amp;lt;u&amp;gt;Adler&amp;lt;/u&amp;gt; lockte ein Seiltänzer unzählige Zuschauer herbey, obschon seine Geschicklichkeit nicht zu bewundern war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Das heutige Michaeli-Fest und das schöne Wetter lockten viele Fremden von den benachbarten Ortschaften herbey. Nachmittags kame Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freytags, am 3ten – Die Kirchweihe ist in friedlicher Harmonie vorüber gegangen. Musik und Tanz währeten die ganze verflossene Nacht bis an den Morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Regen. Die Schnecken hausen sehr stark in schweren Gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten bis 10ten – Sehr angenehme Herbsttage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Heut trete ich eine Lustreise ins Klevische an, um meine geistliche Schwester im Kloster Schledenhorst bey Rees zu besuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten abends 8 Uhr brach in der Scheune des Rulandshalfen zu Horrm Feuer aus. Der ganze Rulandshof, die Scheuer, Stallung und ein Theil des Theisen oder Wittib Wolfs Behausung, die Stallung des Martin Panzer, die Häuser des Mathias Rensing, Joann Malsburg, Heinrich Trost, Agnes Nusbaum, Egidius Richards und die Scheune des Henrich Weiler wurden ein Raub der Flammen. Wenn nicht die ungeheure Menge Menschen und die Brandspritzen von Zons, Straberg und Nivenheim der Flamme Einhalt gethan hätten, so würde das Uebel ungemein größer geworden seyn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten November kame ich von meiner niederländischen Reise zurück. Es ware die Zeit hindurch sehr angenehmes Wetter. Erst am 25ten dieses fienge es an zu frieren und bis heute mit jedem Morgen heftiger, so das wirklich Eis im Rheine ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1sten bis 4ten sehr kalt. Am 10ten hat sich das Rheineis zu Grimmlinghausen festgesezt so wie oben am Kasselberg. Deswegen ist hier sehr wenig Eiß im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – In den wärmsten Stuben kann das Eis auf den Fenstern nicht schmelzen. Verschiedene Vögel sind erfroren. Am 16ten sezte sich der Rhein am Stürzelberg. Die meiste Brunnen sind wasserleer, in Zons sind deren nur noch 2, wo man schöpfen kann. Der Rhein ist kleiner noch als 1783. – Zu Bethlehem gienge am Sonntag ein Pater auf ein nachbahrliches Dorf Messe lesen. Er verirrte sich auf der Heimreise im Wald und sank vor Källte an einem Steg nieder, wo ihn vorübergehende Wanderer todt fanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Heut nach Mittag um 4 Uhr sezte sich auch hier am Platthalse der Rhein. Die Källte ist unbeschreiblich und viel Elend unter den Armen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[66]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1788&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – In diesem Jahrhundert ware es nicht so kalt als jetz. Die Jahre 1709, 1740, 1766 und 1784 waren in diesem Falle nicht so merkwürdig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Diese Nach fiel ½ Fuß tiefer Schnee. – Zu Düsseldorf ist eine arme Frau mit ihrem Kinde in ihrer Stube erfroren. Der Policei-Director hielt zum Behuf der Armen eine Kolleckte, wozu der Graf Spee 25 Reichstahler beytruge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten ist’s etwas milder. – Sontag, am 21ten, schneet es den ganzen Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22. und 23ten wieder sehr kalt. Am 24ten morgens 9 Uhr begann es zu regnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristtag&amp;lt;/u&amp;gt; – Es dauert noch fort. Dabey ist es auf der Straße so glatt, daß die Leuthe nur mühsam zur Kirch kommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten hat es wieder kernhaft gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil das Kirchengehen so beschwerlich ist, so fienge die Frühmeß erst um acht Uhr an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Die Kälte ist heut unbeschreiblich streng.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31. – Etwas gelinder. – Auf der Gillbach ist ein Schäfer vor Kälte rasend geworden. Aus allen Gegenden Europens sind die Nachrichten von diesem harten Winter einstimmig sehr betrübend. So schreibt man aus &amp;lt;u&amp;gt;Wien vom 22ten&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Winter ist dieses Jahr höchst merkwürdig. Bey dem 2 Fuß hohen Schnee hat man schaarenweis die Rebhühner in die Stadt herabfliegen sehen, Hirsche kamen bis in die Vorstädte und suchten Nahrung. Sogar bis Wienerisch-Neustadt liessen sich Wölfe sehen. Man zählt in 6 Tagen hier in der Stadt 16 Erfrorene, ohne diejenige, welche man auf der Landstraße erstarrt gefunden. 9 Personen zerbrachen auf dem glatten Steinpflaster die Bein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten vorigen Monaths kame hier am Posthause ein Herr zu Pferd an. Seine Glieder starreten vor Frost. Unser Chirurg Eller verordnete, daß 2 Personen ihn durch ein kaltes Zimmer schleppen musten. Drauf kame er wieder zu sich und ward in einigen Tagen genesen. Zu Gerresheim im Bergischen sind zwey arme Frauen erfroren. Zu Rommerskirchen im Peeckenhof kame ein köllnisches 12-jähriges Kind betteln. Nach dem Essen liessen sie das Kind in die Scheuer schlafen gehen. Es wurde seiner nicht ehender gedacht bis am andern nachmittags, als es wirklich todt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
&amp;lt;u&amp;gt;Der reaumürische Wärmemesser auf&amp;lt;/u&amp;gt; der Jesuiter-Sodaliteet zeigte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|November&lt;br /&gt;
|Grad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|am 25ten&lt;br /&gt;
|5 ½&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|26ten&lt;br /&gt;
|7 ⅓&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|27ten&lt;br /&gt;
|9&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|28ten&lt;br /&gt;
|7 ⅓&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|29ten&lt;br /&gt;
|7 ¾&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|30ten&lt;br /&gt;
|3 ⅘&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|December&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|am 1ten&lt;br /&gt;
|4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|2ten&lt;br /&gt;
|4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|3ten&lt;br /&gt;
|8 ¾&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|4ten&lt;br /&gt;
|10 ¼&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|5ten&lt;br /&gt;
|5 ½&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|December&lt;br /&gt;
|Grad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|am 6ten&lt;br /&gt;
|5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|7ten&lt;br /&gt;
|8 ½&lt;br /&gt;
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|10 ⅓&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|10ten&lt;br /&gt;
|6 ½&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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|6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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|2 ½&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|13ten&lt;br /&gt;
|7&lt;br /&gt;
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|10 ⅕&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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|12 ¼&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|16ten&lt;br /&gt;
|14&lt;br /&gt;
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|17ten&lt;br /&gt;
|12 ½&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|18ten&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|19ten&lt;br /&gt;
|5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|December&lt;br /&gt;
|Grad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|am 20ten&lt;br /&gt;
|6&lt;br /&gt;
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|21.&lt;br /&gt;
|4 ⅕&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|22.&lt;br /&gt;
|6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|23.&lt;br /&gt;
|11 ¾&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|24.&lt;br /&gt;
|1&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|25.&lt;br /&gt;
|2 ⅔&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|26.&lt;br /&gt;
|3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|27.&lt;br /&gt;
|7&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|28.&lt;br /&gt;
|9 ½&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|29.&lt;br /&gt;
|11 ⅘&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|30.&lt;br /&gt;
|13 ¼&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|31.&lt;br /&gt;
|9&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zu München zeigte der Thermometer am 18ten December 18 Grad, am 19ten früh 21 Grad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1789 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januarius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Wegen der noch anhaltenden strengen Kälte war das eben verflossene Jahr sehr merkwürdig. In Ansehung der Feldfrüchten ware es ein mittelmässig gutes Jahr. Das Korn gab schlecht aufs Denn, hingegen ware mehr Stroh gewachsen, und der hohe Preis hält den Ackersman schadlos. In Europa herscht allenthalben Friede und Ruh, ausser die Fehde zwischen den Türken mit den verbundenen Kayserhöfen Wien und Petersbourg, doch haben die Krieger schon vor einiger Zeit die Winterquartiere bezogen, als Held Loudon kurz zuvor die Türken aus dem Bannat vertrieb und ihnen die Vestungen Novi und Debiza abnahme. &lt;br /&gt;
:Obschon der Rhein am Stürzelberg schon lange zugefroren ist, so hat sich doch bis izt kein Fuhrmann darüber gewagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Etwas gelinder. Am 3ten bitterkalt. Am 5ten kalter Nordwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6ten – Sehr kalt. Am 7ten etwas Schnee. – Es wird jetz am Stürzelberg viel Holz über den Rhein gefahren. Diejenige, welche den Weg geebnet haben, wollen von jedem Nummer Holz 30 Stüber Passagegeld haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Donnerstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen ließe der Pastor in der Kirche verkündigen, daß die arme Leuthe, welche an Brand Mangel leiden, sich bey ihm melden sollen. Ihrer meldeten sich 28. Jede Familie bekömmt ein halbes Malder Geriß und 8 Stüber Geld. Wo ihrer aber zwey in einem Hauß und Stube beysammen wohnen, so bekommen sie unter sich beyden ½ Malder Geriß und 16 Stüber Geld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9ten und 10ten – Etwas gelind. – Sontags, am 11ten Schnee. – Weil die Gelder in dem Armenstock herausgenohmen wurden, so gienge der Küster in der Frühmesse mit dem Klingelbeutel um. Es ward 1 Reichstahler 52 Stüber hineingeworfen. Im Hohenamte war auch die Kollekte anstatt sonst gewöhnlich 25 bis 30 Stüber jetz zu 1 Reichstahler 18 Stüber angewachsen.&lt;br /&gt;
:Von geistlicher Obrigkeit ward verordnet, 8 Tage hindurch alle Morgen eine sacramentalische Messe zu halten, wobey die Lytanie von allen Heiligen gebeten wird, welche morgen 7 Uhr anfängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Schnee. Am 13ten starker Frost, am Abend stellte sich Thauwetter ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Regen. – Die Rheinfelder wollen ihre Heuser verlassen und hier bey uns Sicherheit suchen. Der Rheinfelderhalfen hat Schweinströge auf den Pferdsställen machen lassen. Das übrige Vieh bringt er alle hieher. Man hat zwar keine schädliche Eisfahrt zu befürchten, weil der Rhein bey kleinem Wasser zufror, allein, die Jammerscenen von 1784 sind noch allzu neu und fürchterlich, um sich nicht auf jeden Fall gefast zu machen. Auch meldeten sich Zonser um Herberg, allein, Dormagen versorget zu erst die Rheinfelder.&lt;br /&gt;
:Aus Lemberg im Kayserlichen wird berichtet, daß dort in 3 Tagen 37 Personen vor Frost gestorben und 2 Juden von Wölfen zerrissen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[68]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Die Dormager haben gestern ihr Holz fast alle aus den Mickler Dörnen am Stürzelberg herübergefahren. – So heftig auch der Frost war, dennoch fand man hie und da noch Oefnungen in der Rheindecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Es stürmt mit Regen. – Das Malder Korn wird um 5 Reichstahler gegeben. Bey der heurigen Källte lies das Thumkapitul zu Kölln 500 und der dasige Generalvicar 100 Malder Geris unter die Armen theilen.&lt;br /&gt;
:Der Kuhrfürst von Bonn hat wieder Zwistigkeiten mit der Stadt Kölln. Er begehrt die Rheinmühlen und die Butterwag. Darüber verlohr der Fürst den Process. Nun begehrt der Kuhrfürst denjenigen Theil von der Stadt, welcher späther dazugebauet ward, weil vor alters die &amp;lt;u&amp;gt;Pfaffen-Pforte&amp;lt;/u&amp;gt;, Krieg-, Würfel und Marktpforte die Stadt einschlossen.&lt;br /&gt;
:In voriger Woche waren rund um das Schloß zu Bonn brennende Lunten angelegt, um selbiges in Flammen aufgehn zu lassen. Um das Löschen zu hindern, waren die Röhre an den nahen Pumpen abgeschnitten, und es brannte wirklich ein Thor bis auf den Grund ab, das Übrige ward mit Schnee gelöscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am ersten Jenner zeigte der Thermometer 9 ¾ Grad. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|am 2ten&lt;br /&gt;
|10 Grad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|3ten&lt;br /&gt;
|10 ⅓&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|4ten&lt;br /&gt;
|14 ⅔&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|5ten&lt;br /&gt;
|15 ½&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|6ten&lt;br /&gt;
|8&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|7ten&lt;br /&gt;
|12&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|8ten&lt;br /&gt;
|11 ½&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|9ten&lt;br /&gt;
|10 Grad&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die russische Armee unter Anführung des Fürsten Potemkin nahm am 6ten December vorigen Jahres die türkische Vestung Okzakow mit Sturm ein. Viele tausend Russen fanden dabey ihr Grab.&lt;br /&gt;
:Kornpreis 5 Reichstahler. – Am 17ten angenehmes Thauwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Bis um die Mittagszeit blieb der Rhein noch vest in seiner niedrigen Lage, dann aber fienge das Wasser alle Stund 8 Zoll zu wachsen an. Das Eis im Zonser Strome brach erst abends 6 Uhr, jedoch hielt sich das Wasser zwischen den Ufern, wo auch an beyden Seithen ein breiter Saum Eis stehen blieb, wodurch das mittlere Eiß mit fürchterlichem Geprassel forttriebe. Zu Baumberg, Piwit, Monheim, Worringen und Hittorf waren unzählige Lichter an dem Ufer. Auf unserm Damm ware es auch voller Menschen mit Leuchten, die dort verweileten bis tief in die Nacht. Zu Zons wurden die Kanonen auf dem Schloß gelöset. Man sahe den Blitz und hörete den Schall, auch jener, so etwas späther zu Düsseldorf abgebrennt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten morgens 5 Uhr trieb das Eis im Rheine noch voran. Das Wasser fienge an zu wachsen, und der Fluß trat über die Ufer. Um 6 Uhr sezte daß Eis sich wieder und stand, weil der Rhein jählings anschwoll, hoch oben dem Ufer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[69]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nun befürchteten wir, wenn das Eis wieder anfienge zu treiben, so würde es in grader Linie auf unsern Damm stossen und sich da Öfnung verschafen. Als diese Nachricht in Zons erscholl, so verliesen die meisten Einwohner die Stadt und stürzten mit Sack und Pack und all ihrem Vieh hier zum Dorfe hinein. Worringen und Stürzelberg that ein Gleiches, an lezterm Orte blieben nur 10 Seelen zurück.&lt;br /&gt;
:Diesen Morgen wurden 2 Wächter auf unsern Damm gestellt, welche durch einen Flintenschuß die Losung geben musten, wenn das Eis rückte. Um 11 Uhr mittags fiele wirklich ein Schuß, und als die Eisdecke in der Mitte einige Minuten getrieben hatte, sezte es sich von neuem wieder. Es ware auf dem Damm und Höhenberg unzählig voller Menschen, welche den nahen Ausbruch erwarteten.&lt;br /&gt;
:Um halb 4 nachmittags schwoll das Wasser höher an. Zu Worringen wurde auf die Klocke geschlagen, weil das Wasser den Damm hinter der Kirch zu übersteigen begann. Da bewegte sich das Eis von oben an der Köllnischen Straße und gleich darauf unter dem Leimufer. Haußhohe Klumpen Eiß brachen an beyden Orten aus und bedeckten die Gegend vor und hinten dem Monheimer Weg, wodurch die seit 1784 daselbst gepflanzten jungen Weiden gänzlich ruinirt wurden. Besonders litte dabey der neu angelegte Pesch des Schefen Steinberger, welcher ungefehr 8 Morgen unter sich hat, schiessend auf den Rhein, zwischen dem Platthals und Piwittenblech. Das Wasser wuchs von 4 bis halb 5 vier Schuhe hoch, und gleich drauf fiel es so schnell wieder hinweg, und das Eiß trieb dem Strome nach fort. An den Ufer ware solches sehr hoch aufeinander geschoben. Wenn das Wasser noch anderthalben Fuß gewachsen wäre, so würde es unsern Damm überstiegen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Das Wasser fiel diese Nacht so stark, daß man heute ungestiefelt gerade auf Zons gehen kann. Nur unten im Feld in den Schlenken stehet solches noch, welches auch dort versinken muß. Viele Menschen suchten schon früh diesen Morgen unter den Peschen zwischen dem Eiß, doch ward nur ein Tönchen Pech und ein Steurruder und ein Tönnchen Pech gefunden. Heute verlassen uns die Flüchtlinge wieder, welche hier Sicherheit fanden.&lt;br /&gt;
:Die Frucht des Rheinfelds sieht sehr lebhaft aus. Nur an den Gründen wird solche verdorben. – Heut ist jedem Dürftigen aus der Armenkasse ein 7-pfündiges Brodt gegeben worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22. und 23ten – Angenehmes Wetter. Das Piwittenblech ist sehr stark vom Rhein ausgespühlet. Vorne, wo es noch vor 15 Jahren 90 Schritt breit war, hällt es deren izt noch kaum 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[70]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – An den Rheinufern liegt das aufeinandergeschobene Eis noch haushoch. Bey der wiederkehrenden Frühlingssonne stürzt solches gleichfals mit einem Kanonenschall nieder in den Rhein und wirft Wellen bis an das gegenseitige Gestade. Deswegen wird auch noch an der Piwitte nicht übergefharen.&lt;br /&gt;
:Die heutige Köllnische Zeitung meldet, das die Rheindämme zu Worringen, Dormagen und Zons durchgebrochen und daß die Einwohner sich nach Hackenbroich geflüchtet hätten. Sonderbahr! Den als im Jahr 1784 das Wasser neben Worringen westwärts herabkame, sezte solches das Dorf Hackenbroich unter Wasser, wozu es hier doch noch 4 Fuß hätte wachsen müssen. Am 27ten Sturmwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kuhrfürstliche Edicten&lt;br /&gt;
:1mo – Sollen die Begräbniße von halben Merz bis halben September längstens bis 9 Uhr morgens und zur Winterzeit längstens um 10 Uhr anfangen.&lt;br /&gt;
:2do – Soll keiner soll keiner sich Freyherr, Edler oder &amp;quot;von&amp;quot; Schreiben, ohne dazu legitimirt zu seyn.&lt;br /&gt;
:3tio – Falsche Werber und Werberinnen sollen arretirt und dem Anzeiger 150 Gulden abgereicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Heut kame das Obereis. Der Rhein wächst und läuft heute schon in den Bixem. Am 30ten etwas Frost. Der Rhein fällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten und 2ten Frühlingstage. Am 3ten hatten wir ein Donnerwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Agatha&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil es heut Donnerstag ist, so ward das Kohrfest anstatt der Donnerstagsmesse um 9 Uhr gehalten. Der Schefen Fix gienge mit dem Klingelbeutel um, und aus diesen Geldern wurde das Hochamt bezahlt und das Übrige zu einer Kerze verwendet. – Sturmwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Abwechselnd Wetter. – Seit einiger Zeit hatten wir viele Leichen, doch immer alte, abgelebte Menschen, denen keine Thränen nachgeweinet werden. Es ist allgemein geworden, daß bey Begräbnißen die Orgel spielen zu lassen. Sogar Dürftige lassen ihren Verstorbenen noch etwas orgelen. Um diese Feyerlichkeit nur für vornehme Reiche zu erhalten, so verordnete der Pfarrer, daß ausser der Organisten-Jura auch nebenhin von jedem Seelenamt 15 Stüber zur Unterhaltung der Orgel zahlt werden muß. Allein, die Leuthe zahlen auch dieses, weil sie wollen etwas georgelt haben.&lt;br /&gt;
:Auch werden izt meistens die Sechswochenmessen gleich nach dem Begräbnistage gehalten. Man geht dann noch ein paar Sontage zum Opfer, und einige thuens gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Sturmwind wechselt mit angenehmen Frühlingswetter bis 21ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten, Fastnacht – Es geht recht lustig im Dorfe zu. Die am heutigen Peter-Stuhlfeyrstag gewöhnliche Bürgermeisterwahl und sonstige Dienste sind nicht verwechselt worden. Jeder bleibt, was er ist, bis auf bessere Zeiten.&lt;br /&gt;
:Es ware von der geistlichen Obrigkeit der Befehl eingegangen, daß ein Dankfest wegen der glücklichen Eisfahrt sollte gehalten werden. Zu dem End&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[71]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:wurde diesen Nachmittag nach der kristlichen Lehre die Benediction gegeben, die Lythanie vom süssen Namen gebethen, ein Rosenkranz hinzugesezt, das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; gesungen und mit der Benediction beschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Frühlingswetter. Die Fastendispens ist wie vorm Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Merz&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Es werden schon dicke Bohnen gesteckt. – Am 3ten kalt und windig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Schnee und Frost. – Der Rabsahmen ist alle erfroren.&lt;br /&gt;
:Die heurige Ueberschwemmung hat hinter dem Damm merklichen Schaden angerichtet. Von einigen Stückern ware der 1784ger Sand abgefahren, von andern noch nicht. Nun ist wieder alles untereinander geschwemmt, Löcher ausgetrieben und andere Ländereyen beschossen. Hinter dem Damm vom Monheimer Weg bis über das Piwittenpättchen liegt 3 Zoll fruchtbaren Lett. Der Bodenkreutzer Weg ist auch ausgespühlet, sonsten aber diesseit des Dammes kein merklicher Schaden geschehe. – 6ten und 7ten Schnee und Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Es ist noch December-kalt mit Schnee. – Kornpreis 5 Reichstahler. Am 14ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten, Sontag – Angenehmes Frühlingswetter. – Bis 20ten Frost. Am 21ten Schnee. Am 22ten Regen. Das Malder Korn gillt 16 Gülden, 100 Bauschen Stroh 1 Ducaten, 100 Pfund Heu 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Frost. Diese Nacht sind 7 vermummte Männer Brodt fodern gegangen. Sie begehrten um Gottes Willen auf dem Jussenhoverhof 2 Brodt, auf dem Sandhof 7. Der Halfen reichten ihnen 3 am Fenster hinaus, und sie giengen dankbar vorüber, im Mondenlicht dem Damme nach. Man sagt, sie wären von Delven zu Haus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Schnee und Frost. Kornpreis 18 Gülden, Stroh 4 Reichstahler 15 Stüber, Rabsahm 14 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Aprill&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 4ten – Regen. Dieser ist Schuld daran, daß der Rhein anschwillt und wirklich halbeswegs den Kühebenden ausgetreten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmsontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heiter und kälterich. Die Prozession am Nachmittag ware sehr zahlreich. – Der Rhein steht wirklich bis an den Höhenberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Diese Woche hatten wir sehr angenehme Frühlingstage. Die gewöhnliche Römerfahrten waren zahlreich. Heut Nachmittag hatten wir ein Donnerwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; – Es war ein herrlicher Morgen. Die Gesänge und das Gebeth in der Frühe um die Kirch ward dadurch ungemein verschönert. Späther fienge es sehr warm zu regnen an. – Bis 16ten Frühlingstage.&lt;br /&gt;
:Heinrich Henk zu Horm machte gestern an dem Bildstocke zwischen Nivenheim einen Graben längs seinem Stück am Wege. Da fand er eine Strahlenplatte von einem Venerabul. Es ware das hinterste Theil von Kupfer, doch stark vergoldet. Die vordere Verziehrungen waren abgeschraubet und nicht dabey. Wahrscheinlich hatten Diebe es vor 25 oder 30 Jahren in den Graben geworfen, denn es ware in halb vermoderten rothen Sammet und Seyde von Fahnen eingewickelt. 26ten regnicht kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Heute sind 2 Edicten von Manheim, wo unser Kuhrfürst jezt residirt, verlesen worden. Erstens sollen 160 Mutterpferde in Gülch und Berg vertheilet werden. Der Bauer erhällt solche umsonst, muß selbiges aber jährlich mit einem angewiesenen Hengste belegen lassen. Die Füllen sind dem Bauer seyn Eygenthum. Wenn’s aber Krieg giebt, so muß er ein Pferd abliefern, wenn ihm auch schon das Mutterpferd verünglückt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[72]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Zweytes Edict&amp;lt;/u&amp;gt;: Um den Soldatenstand beliebter zu machen, kann man sich selbigem einverleiben und das ganze Jahr auf Urlaub gehn, ausser die 6-wöchentliche Exercierzeit. Die Capitation ist auf 8 Jahre höchstens vestgesezt, und die Invaliden erhalten Gnadenbrodt.&lt;br /&gt;
:Seit 1784 ist das Meyläuten Kuhrfürsten verbothen. Die Gemeinde sähe solches doch gerne wieder eingeführt. Deswegen wurden heimlich Rheinfelder bestellt, die gestern Abend und diesen Morgen anhaltend läuteten. Der Pastor, welcher dieses so wie das Beyern in der Allelujazeit nicht gerne hört, fragte sie, wer ihnen die Ordre ertheilt habe. Die Antwort war, daß sie solches aus freyem Willen und ohne jemands Befehl gethan hätten. Da geboth der Pastor von neuem, daß das Meyläuten so lange unterbleiben soll, bis das Edict von 1784 wiederrufen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Sehr schönes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2ten – Der Rhein schwillt an und läuft schon in die unterste Drenke.&lt;br /&gt;
:Keyser Joseph der 2te ist sterbekrank. Und weil noch kein römischer König erwählt ist, so könnte dieses leicht mit Preussen zum Krieg kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten, &amp;lt;u&amp;gt;Jubilate&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil der Rhein ausgetreten ist, so giengen wir mit der heutigen Gottestrachts-Prozession von Horm den Dielrader Weg hinab, unten am Dorf hinein, die Hellbüchelsgasse hinab auf Rheinfeld, links neben dem Hofe vorbey, um das Haus der Wittib Bremer neben der Burg hinab auf unsern Damm am Monheimer Weg hinab die Dreckgasse herein. Sonst giengen wir von Rheinfeld auf Bohden-Kreutz. Nun soll aber in die Zukunft die Prozession auf immer über den Damm gehen, so wie am Frohnleichnamstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Schön Wetter. – Am 13ten: Das Feld ist wieder rein von Wasser. Die vor der Ueberschwemmung gesähete Sommerfrüchten stehn wie behext. Das Malder Korn gillt 6 Reichstahler, Weitzen 11 ditto.&lt;br /&gt;
:Der Kayser und die Russen rüsten sich gegen die Türken, als wenn die Pforten der Hölle zu bestürmen wären. Haddick und Loudon führen das kayserliche und Potemkin mit Souwarau das russische Heer an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Bisher hatten wir sehr warme Tage. Nun regnet es aber seit gestern anhaltend. Das Korn blühet, und man wünscht, daß es schon reif wäre, da das Malder Korn schon 8 Reichstahler gillt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Warm und schön. Das Korn schlägt stark ab. Man kauft das Malder um 7 Reichstahler 30 Stüber. Es ist die Ausfuhr der Früchten ausser Lands verbothen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. – Trocken. Das Malder Korn gillt 6 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingsttag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diese 3 Täge haben wir das 40-stündige Gebeth. Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Es regnete einige Täge anhaltend. Deswegen schwillt der Rhein so sehr an, daß er wirklich in die Kühbenden treibt. Am 4ten trocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Der von Neüem eingetretene Regen machte den Rhein wieder wachsen. Die Bend-Erben beschlossen daher gestern am Abend, gegen der alten Mühle einen Sommer-Damm zu machen, um die Kühbenden zu schonen. Auch am Plathalse gegen das Leimufer zu ist in diesen Tagen ein Sommer- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[73]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Damm angelegt worden. Dadurch wird die Hütte vor und rüber dem Monheimer Weg von Wasser geschüzt. – Der Schefen Küpper hat die Erlaubniß erhalten, von dem restirenden Mühlenpfacht des Jacob Cremerius 25 Malder pro 5 Reichstahler edictmässig an Taglöhner und Betrangte zu verkaufen, welches um Lichtmeß bezahlt werden muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Regen. Der Rhein wächst noch. Der Damm am Platthalse haltet schon 4 Fuß Wasser. Gestern Abend späth wollte es drübergehn. Die dabey aufgestellte Wacht both Verstärkung auf, welche sehr gute Dienste that.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Damm in den Benden ist von einem Böswicht durchgestochen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Warm und schön. Der Rhein fällt. – Kornpreis 6 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Regen. Der Sommerdamm am Plathalse hat Dormagen wenigsten 500 Reichstahler genutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fronleichnamstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Wegen dem vielen Regen konnten wir mit der Prozession den gewöhnlichen Weg nicht gehn. Obschon der Morgen still und warm war, so stand doch im Kirchfeld in einem Grunde blankes Wasser. Wir giengen also am Lämmchen hinaus, neben Schwanen-Garten und die Nettergasse vorbey dem Hormer Kirchwege nach auf Horm und dann den gewöhnlichen Weg.&lt;br /&gt;
:Diesen Nachmittag fieng der Rhein wieder stark zu wachsen an. Sogleich eilten wieder viele mit Schüppen zum Platthalse, um den Damm zu verstärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Schön Wetter. Der Rhein läuft in die Bendtrenke, fällt aber im Strome. Die Kühe gehen noch in die Benden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 18ten – Heiße Tage. Das Graß in den Kempen, worüber der Rhein stand, ist ganz verdorben und wird jetz abgemähet. – Es regnet doch fast alle Tage etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ten – Regen. Am 4ten sehr heiß. Am Abend hatten wir ein gräsliches Gewitter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Der Buchweitz ist kaum eine Hand hoch und blühet schon. Überhaubt sahn sich die Sommerfrüchten wegen dem vielen Regen schlecht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Heute sind wieder 25 Malder Kellnereykorn an Unvermögende ausgeborgt worden. Die Leuthe thun, als wenn sie es geschenkt bekämen, denn es sind wenige, welche mit dem Brodtkorn auskommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Regen. Heute ist das erste Korn gehauen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Heute hats nicht geregnet. Das ist seit dem 28ten Mey der erste regenlose Tag. Wegen der vielen Nässe ist das Ackerwerk zurückgeblieben, denn erst jetz fängt man an zu reyen und Mist zu fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Schön. Am 12ten viel Regen. Am 18ten Regen. Die geistliche Obrigkeit hat ein 13-stündiges Gebeth zur Erhaltung guten Wetters ausgeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Es wird Korn eingefahren und Heu gemacht, wovon das 100 Pfund zu 1 Reichstahler verkauft wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Regen. Das Korn fängt an zu wachsen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[74]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Regen. Der Rhein hat diese Nacht wieder die Kempen überschwemmt und läuft schon den Benden zu. Das Korn ist noch nicht halb herein und wächst schon auf den Gästen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten bis 7ten – Schön Wetter. Das Korn ist fast alle herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Von heute an wird in der Frühmesse nicht mehr mit dem Klingelbeutel für die Armen umgegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Es wird bey diesem schönen Wetter schon Haaber gehauen. Das Korn gibt ein 5tel mehr als vorig Jahr. Hingegen ist ein 3tel Stroh weniger. Das Malder gillt 6 Reichstahler, Weitzen 11 Reichstahler 30 Stüber, Sahmen 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23ten – Heisse Tage. Das Sperr ist aufgehoben. Das Korn gillt schon 6 Reichstahler 27 Stüber. Die Protestanten in Kölln haben auf eine zu errichtende reformirte Kirche Verzicht gethan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Es ist noch trocken, und wir haben nichts nötiger als Regen. – Gestern Nacht um 12 Uhr brach zu Rheinfeld im Schweinestalle des Peter Bückendorf Feuer aus, wodurch des Bückendorf sowohl als Gerhard Auweiler sein Haus niederbrannte. Unser Nachtwächter bließe Lärm, und gleich wurde mit der alten Klocke Sturm geschlagen. Als die hiesige Einwohner dahinkamen, ware schon alles in Schutt verwandelt, ausser einigem Holzwerk, das durch unsere Brandeymer gelöschet wurde. – Der Türkenkrieg geht langsam von statten. Loudon hat Berbir eingenohmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Es regnete ein kleines Schäurchen. Der Sahmen steht sehr blind. – Kornpreis 7 Reichstahler 3 Schilling, Haaber 14 Schilling. – Sommerfrüchte jeder Art sind vollkommen gerathen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Trocken und warm. – Es ist wieder Sperr angelegt. Sogar darf keine Pfachtung in Kölln geliefert werden. Heute muste jeder angeben, wie viel Korn, Weitz, Haaber und Gersten er zu verkaufen hat. Reines Sahm-Korn wird zu 8 Reichstahler 20 Stüber verkauft.&lt;br /&gt;
:In Paris ist im Monath Julius eine Revolution ausgebrochen, die sich durch ganz Frankreich verbreitet. Der König, seine Brüder und die vorlezten Könige haben durch ungeheuren Aufwand viele Milionen Schulden gemacht, die izt bezahlt werden sollten. Die Geistlichkeit und der Adel, welche ihre Güter von allen Abgaben frey genießen, wollen auch die jetzigen Schulden dem Bauer- und Bürgerstande aufbürden. Leztere wiedersezten sich. Der Minister Necker war für sie und der König für den Adel und die Geistlichkeit. Diese, um ihre Sache durchzusetzen, faßten den kühnen Entschluß, Kanonen aufzupflanzen, um Paris in einer Stunde zum Steinhaufen zu verwandeln. Dann sollten heimlich Mäher bestellt werden, welche das unreife Korn um Paris abmähen sollten. Auch waren alle Früchten umher aufgekauft, um eine allgemeine Hungersnoth zu bereiten, wodurch der dritte Stand gezwungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:würde, zu unterschreiben, daß Bauer und Bürger die Schulden allein bezahlen wolle. Necker bekam den Befehl, um Mitternacht Paris und sodann das Königreich unverweilt zu verlassen. Er befolgte den Befehl und ware schon Kölln paßirt. Die Soldaten standen unter dem Gewehr und feuerten schon auf die über die Abreise Neckers aufgebrachte, sich zusammenrottende Bürgerschaft. Der Gouverneur ließe 30 der vornehmsten Bürger in die Bastille werfen und ließ mit Kardetschen unter das Volk feuern. Diese hatten sich indessen einiger Kanonen bemächtiget und schossen die Zugbrücke der Bastille nieder, stürmten hinein und enthaupteten den Gouverneur mit dem vorsitzenden Bürgermeister, deren Köpfe sie im Jubel durch Paris zur Schau umhertrugen.&lt;br /&gt;
:Die Söldner zagten, als sie ihre Anführer gesunken sahn. Vom Königsregiment waren nur noch 16 Mann beym Leben. Die Patrioten erlöseten alle Gefangene und machten die Bastille so wie das Hauß des Gouverneurs zum Steinhaufen. Alles gienge unten und oben. Der Adel und die Geistlichkeit flüchteten aus dem Königreich, meistens auf Coblenz. Diejenige, welche von Patrioten eingeholet wurden, musten auf der Stelle sterben. Der junge Bertier ward mit Füssen todt getreten. Selbst der König war in Gefahr. Er gienge ins National-Hauß und bewilligte den Modus per totum und alles, was das Volk verlangte. Das ganze Ministerium wurde abgesezt und der abgesezte Minister Necker zurückberufen, der sogleich ein Gesetzbuch von 40 Artickuln entwarf, worinn der Bürgerschaft eine Wache von achtzigtausend Mann gegeben wird. Der gringste Bürger kann zur höchsten Ehrenstelle gelangen. Adel und Bauer soll nach einem und dem nähmlichen Gesätz gestraft und gerichtet werden. Jeder soll das freye Jagdrecht geniessen und im ganzen Königreich kein Zehnden mehr gegeben werden. Von Paris aus pflanzte sich der Freyheitsgeist von Stadt zu Dorf durchs ganze Königreich fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Es war bisher noch immer warm und trocken. Erst heute wehet Regen von Norden herüber. Im Kölnischen ist das Brandweinbrennen verbothen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Die Sperr-Verordnung ist wieder geschärft. Der Anbringer eines Uebertreters erhällt die halbe Frucht. Karr und Pferd werden verkauft und der Fuhrmann schwer gestraft. Dormagen darf also durchs Kulk ins Bergische liefern, der Eigenthümer aber muß einen Schein von hiesigen Schefen haben, wie viel und an wen er liefert. Dieser Schein muß dem Schifmann mitgegeben werden, welcher solchen dem Monheimer Voigten zeigt und wieder an hiesige Schefen zurücksendet. Am 22ten Regen. Kornpreis 4 Kronthaler, Gersten 3 Reichstahler, Buchweitzen zu Neus 6 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler, 1 Pfund Speck 13 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wetter ist so warm und schön, als es nur seyn kann. Viele Fremde wahlfahrteten hieher und nahmen Theil an Freud und Lust.&lt;br /&gt;
:Eine Kuhrfürstliche Verordnung untersagt der Geistlichkeit, Mo- und Immobiliar-Güter zu verkaufen. Kornpreis 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[76]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Michaeli&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wetter ist so schön, als es je im September war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Kuhrfürstliche Verordnungen&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1mo&amp;lt;/u&amp;gt;: Diejenige, welche bescheinigtes Korn aus einem Amt ins andere oder aus dem Jülischen ins Bergische nicht passiren lassen, sollen gestraft werden.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;2do&amp;lt;/u&amp;gt; ist das Brandweinbrennen gänzlich verbothen, sogar sollen die Helme an die Orts-Obrigkeiten eingebracht werden.&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;3tio&amp;lt;/u&amp;gt; sollen die Halfen zum Ausdreschen der Früchten und zum Verkaufen gegen den laufenden Preiß angehalten werden. &lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;4to&amp;lt;/u&amp;gt; sollen alle überflüssige Hunde todt geschossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 6ten trocken und kühl. Kornpreis 8 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Sehr angenehm. – Das Malder Korn ist bis auf 4 Kronthaler herabgekommen. Die Kayserlichen haben unter Anführung des Prinzen Koburg einen herrlichen Sieg über die Türken erfochten, und Loudon hat am 8ten dieses Belgrad eingenohmen. Der Kuhrfürst von Kölln gibt allen müssigen Taglöhnern Arbeit und hat sich eine Specification vorlegen lassen, wie viel der Aufwandt zu seinem Namenstage erfordert. Dann soll dieses erspahret und unter die Dürftigen vertheilet werden. In allen köllnischen Städten werden Magazine errichtet. Das Malder Korn wird zu 17 Gülden dahin geliefert und den Unterthanen jedesmal nur 1 Malder ausgeliefert werden. Auch auf dem Schloß zu Zons ist ein Magazin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Anhaltend schönes Wetter. Gestern verbreitete sich das Gerücht, als sollte eine neue Früchtesperr-Verordnung erscheinen, worin die Ausfuhr aus einem Amt ins andere verbothen würde. Deswegen liessen die hiesige Einwohner ihre ausgedroschene Früchten nach Monheim fahren. Heut erfährt man erst, daß die Veranlassung dazu ein Märchen war. Kornpreis 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Heute Nachmittag ist Henrich Cremerius, Wirth im Grünenwald, durch 4 Bergische Dragoner auf Monheim gefänglich abgeführet worden. Im lezten Frühjahr wurden 2 Anspachischen Dragonern von 3 Freyspielern im Grünenwald 300 Gulden abgenohmen, woran der Wirth Cremerius mitschuldig seyn soll.&lt;br /&gt;
:Im Junius wurde ein mit Goldwaaren handelnder Kaufmann all seine Haabe beraubt. 2 Freyspieler waren auch die Nacht im Grünenwald, welche der Kaufmann die Nacht hindurch leise mit dem Cremerius im Hause reden hörte. Als der Kaufmann frühe aufstand, waren seine Waaren entwendet und die Freyspieler entwichen. Der Wirth wollte den Kaufmann auf Kölln bereden, wo er sicher die Spieler im Gasthaus zum Geist antrefen würde. Ohnehin warnte er ihn, den ganzen Vorfall geheim zu halten, weil er sonsten selbst arrestirt würde. Er sollte also still am Garten hinaus auf Kölln gehen. Der Kaufmann merkte den Betrug und ware, als es Morgenklock-läutete, ware der Kaufmann schon vor der Wohnung des Schefen Steinbergers und klagte seinen Unfall unter Thränen auf die rührendste Art. Der Schefen Steinberger nahme den Unglück-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[77]&amp;lt;ref&amp;gt;Seite falsch eingebunden und paginiert.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:lichen auf in seyn Hauß und pflegte seiner mit Speis und Trank, Rath und That und allem, was trösten und den tiefen Schmerz lindern konnte.&lt;br /&gt;
:Die folgenden Tage hielt unser Amtsverwalter Verhör über den Cremerius. Die Nachbarn umher wurden gleichfalls abgehört. Unter die Fragpunkte gehörte auch, ob sich im Grünenwald liederliche Weibsbilder aufgehalten. Das Protocoll ward an den Voigten von Monheim geschickt, der auch noch vor 14 Tagen ein zweites Verhör abhielt.&lt;br /&gt;
:Die Frau des Cremerius sollte gleichfalls mit fortgeführt werden, wozu schon eine Dienstkarr bestellt war. Weil sie aber hoch schwanger geht, so ist sie diesmal verschont worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten ist der Cremerius von Monheim auf Düsseldorf zum neuen Bau gebracht worden. Um 11 Uhr ware der Voigt von Monheim schon hier und nahm in Begleitung unserer Schefen den Grünenwald in Augenschein. – Angenehmes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im Köllnischen gillt das Malder Korn 6 Reichstahler, allhier aber 7. Deswegen flüchten die Hormer, Straberger, Nivenheimer, kurz aus der ganzen Gegend, bey Nacht Korn hieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Regen. Gerst kostet das Malder 4 Reichstahler 15 Stüber, Buchweitz 4 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 10 Reichstahler, Haber 17 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Heute ward eine Verordnung verlesen, vermöge welcher das Brandweinbrennen von holländischer Frucht unter genauer Aufsicht der Obrigkeit erlaubt ist. Auch ward angesagt, daß am Dienstag 100 Heidelberger Dragoner hier eintrefen werden, welche in Vereinigung 2000 Kayserlicher, 6000 Preussen und einigen Münsterischen Truppen die aufrürische Lütticher bändigen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten kame der Marschkommissarius mit einer mit 2 Dienstpferden bespannten Schaise hier an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten um 12 Uhr rückten die 100 Dragoner, 1 Rittmeister und 2 Lieutnants hier ein. An der Leufen nächst der Kirche wurden die Biletter ausgetheilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Regen. – Die Frau des Henrich Cremerius hat sich wegbegeben. Die 4 Kinder hausen noch allein im Grünenwald und leben vom Weggeld, welches ihr Vater gepfachtet hatte. Abel, der Ältiste, ist 16 Jahr alt. Haaber gillt das Malder 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Angenehm Wetter. – Im Weddenhof finden sich Mäuse ein. Kornpreis 7 Reichstahler 7 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten marschierten die Heidelberger Dragoner mit noch 600 Düsseldorfer Infanteristen über Gatzweiler auf Lüttich. Die eigentliche Veranlassung war, daß das Lütticher Volk zu sehr gedrückt wurde. Der Fürst merkte die im Stillen glimmende Gährung des Volks und bewilligte viele Punckten zur Wiederherstellung der Volks-Freyheit. Der Pöbel, dennoch unzufrieden, überlies sich allen Ausschweifungen, so daß der Fürst die Flucht nehmen und beym Reich Schutz suchen muste. Deswegen ist jetz die Reichsarmee im Anmarsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Bisher hatten wir noch keinen Frost. Diese Nacht erst hat es damit angefangen. Die Saath im Feld sieht sich gut an, und das Malder Korn wird noch zu 4 Kronthaler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[78]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. – Auch in Brabant wüthet der Patriotismus in allen Provincien. Die eigentliche Veranlassung ist nicht wie im Lütticherland und in Frankreich, sondern bloß die sogenannte neue Lehre in der Theologie, die auf Befehl des Kaysers durch von Wien geschickte Professoren nach lutherischen Autoren gelehrt werden soll. Alle Seminarien in den vereinigten Niederlanden sollen aufgehoben werden und nur das einzige neu zu errichtende General-Seminarium zu Löwen bestehn. Der Kardinal-Erzbischof von Mecheln, der sich wiedersezte, bekam den Befehl, die Faculteet zu untersuchen. Der Kardinal fragte die Professoren:&lt;br /&gt;
:1. Worin besteht die kirchliche Obergewallt des Pabstes?&lt;br /&gt;
:2. Ob der Pabst aus göttlichem Rechte die oberste Gerichtbarkeit über die ganze Kirche und alle Bischöfe habe?&lt;br /&gt;
:3. Wem steht es zu, die Schlüsse der allgemeinen Kirchenversammlung auszulegen?&lt;br /&gt;
:und 4. ob die Kirche in Glaubenssachen durch den Beystand des heiligen Geistes geleitet werde?&lt;br /&gt;
:Kein Professor antwortete dem Kardinal ein einziges Wort. Vielmehr zeigte man ihm das Verboth, nichts weiter zu untersuchen, da der Kayser diese Lehre in besondern Schutz genommen hat. Die sich wiedersetzenden Abteyen wurden aufgehoben, ungeachtet man die dringendsten Bittschriften voller Unterwürfigkeit zum Kayser schickte, so wollte der Kayser einmal nicht von seinem Entschluß abgehen. Als das Volk sahe, daß Güte nichts half, stieg Unmuth und Mißvergnügen in ihre Herzen. Sie grifen zu den Wafen und formirten eine flüchtige Armee, die vor einigen Tagen dem Kayserlich Königlichen General Bender in der Gegend von Gent ein Trefen lieferten und siegten. Der Kayserlich Königliche General D’Arberg ware mit seiner Armee noch in Gent. Die Bürger, welche doch verstelt kayserlich gesinnt schienen, bathen den General d’Arberg, dem Beträngte beyzustehn. Kaum ware er auf dem Marsch, als die bewafnete Bürgerschaft ihn im Rücken angrifen und ein gräsliches Gemetzel anrichteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Frost. – Am 27ten Regen, am 28ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Kayser hat ein Ermahnungs-Schreiben an die Niederländer geschickt, worinn er sie um Ruhe bittet. Das General-Seminarium soll aufgehoben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Etwas Frost. Auch auf dem Pfälzischen ist gebothen, das Korn pro Köllnisch Malder zu 22 Gülden verkauft werden soll. – Noch wird viel Korn vom Kölnischen hieher geflüchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Diese Nacht um 2 Uhr starb die Frau des auf dem neuen Bau zu Düsseldorf sitzenden Henrich Cremerius im Kindbet, ohne das Kind zur Welt zu bringen. Ihr Leben ware ein dichtes Gewebe von Leiden und Kümmernissen jeder Art, und als sie erst anfangen, froh zu seyn und die Freuden des häuslichen Segens zu genießen, ward sie aus dem Zirkel des gesellschaftlichen Lebens hinweggenohmen. Ihr im Stockhause sitzende Mann warb um sie und suchte die Eltern durch sein geborgtes Geld zu täuschen. Sie gaben ihre Tochter zum Schlachtopfer des Geitzes und bereiteten ihr ein qualvolles Schicksal auf alle ihre Lebenstage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[79]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie bezohe den Grünenwald und sah von Zeit und Umständen umgekehrt, wie ihre Eltern sich hatten blenden lassen. Ihr Mann verpraßte das mütterliche Antheil, ohne daß sie dagegen Einwendungen machen durfte. So verlohr sich eins nach dem andern, bis ein ausbrechendes Feuer ihre Scheuer und Stallung in Asche legte und sie ganz zu armen Leuten machte.&lt;br /&gt;
:Der Henrich Cremerius war dem Trunk ergeben und überlies sich allen Ausschweifungen, welche ihn auf den neuen Bau nach Düsseldorf brachten. Mithin blieb ihrer Frau nichts übrig als die Flucht, und fliehn von 5 unschuldigen Kindern, Blut von ihrem Blut, das Denkmal all ihrer mütterlichen Sorgen. Da sie aber nun einmal mit in die Intrigue verwickelt war, muste sie doch von hinnen. Die Unbequemlichkeiten der nahen Niederkunft erschwerten ihr jeden Tritt. Sie gienge schweigend und gedultig tragend ihre Last und kame vor 3 Wochen in ihrem Geburthsort Büsdorf an.&lt;br /&gt;
:Den Unglücklichen heist niemand Willkomm. Er ist allenthalben fremd. Man kennt ihn nirgendwo. Das war hier der Fall.&lt;br /&gt;
:Ihr Vater und Mutter wollten sie nicht mehr Tochter nennen, und ihre Gespielen der Jugend und ehmalige Freunde hatten sie schon längst vergessen. Als niemand sie haben wollte, entschloß sie sich auf Kölln zu gehn, wo sie sich von reichen Verwandten eine gütige Aufnahme versprach oder doch wenigstens eine milde Beysteuer erwartete. Weder das eine noch das andere erfolgte. Sie muste fort durch Regen und Wind. Unter dem Arm truge sie die Leinwand, worin sie den zukünftigen Säugling wickeln wollte.&lt;br /&gt;
:Es war für sie noch einiger Trost in den Gedanken, da, wo sie zuerst das Licht der Welt erblickte, vielleicht zu sterben oder doch, was ebenso schmerzlich oder schmerzlicher ist, in einer so düstern Zukunft länger zu leben. Sie gienge wieder auf Büsdorf. Die väterliche Schwelle durfte sie nun nicht betreten. Ihre Schwester und Gefreundte schlossen vor ihr die Thüren. So gienge sie von Haus zu Haus, bis ein armer Schneider aus kristlicher Milde einen abgelegenen Ort zu ihrem Aufenthalt bestimmte.&lt;br /&gt;
:Kein Freund und Anverwandter besuchte sie in ihrem Jammer. Selbst ihre Mutter war so versteinert, daß sie ihre Tochter nicht sehen wollte. Sie hatte niemand, dem sie sagen konnte, wo es ihr wehe that, der ihre Schmerzen lindern konnte. Grenzenloses Elend und innere Martern ware der Kalender ihrer fernern Lebenszeit.&lt;br /&gt;
:Die Stunde der Niederkunft kame immer näher, da erinnerte sie sich ihrer Kinder. An einem trüben Morgen wanderte sie wieder fort und kame am Abend zu ihrer Schwägerinn nach Zons. Allein, hier herschte zu sehr Dürftigkeit, als daß sie hätte bleiben können. Da wagte sie sich wieder hieher und überlies sich ganz ihrem Schicksal, weil kein Mensch helfen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es ware am 4ten Dezember abends 9 Uhr, als sie an einem Nachbarhause anklopfte. Es stürmte zwischen Regen und Schnee, und der Westwind triebe in zügelloser Wildheit sein Spiel. Sie ware barfus durch den tiefen Morast gewandert und fragte zuerst, ob ihre Kinder noch lebten.&lt;br /&gt;
:Die Nachbarn brachten sie in ihre Wohnung zum Grünenwald und bereiteten ihr ein sparsames Lager von Stroh. Und da ihre Geburth nahe war, so warf die Hebamme und der Arzt gerufen, welche gleich einsahen, daß die Unglückliche würde sterben müssen.&lt;br /&gt;
:Ich war selbst bey dieser traurigen Geschichte zugegen. Ein Herz von Stein hätte sich erbarmen müssen. Da lage sie in Schmerzen, rundumher standen ihre weinende Kinder, und im ganzen öden Hause herschte Dürftigkeit. Sie erzählte den Nachbarn noch all das Elend und Wiederwärtigkeit, das ihr in diesen Tagen der Trübsal begegnet ware, wobey sie die Umstehenden bath, für sie zu bethen und sich ihrer Kinder anzunehmen. Dann nahme sie Abschied, gab jedem die Hand und bath um Verzeihung, wenn sie jemand beleidigt haben sollte.&lt;br /&gt;
:Sie blieb vernünftig bis auf die lezten Augenblicke. Da richtete sie sich im Bette auf und klagte, daß ihr das Herz nicht brechen wollte. Diese Nacht um 2 Uhr erfolgte ihr Scheiden, und bey der Abend-Dämmerung ward die Leiche zu Grabe getragen. Traurig ware der Leichenzug, und wo der Sarg vorübergetragen wurde, floß manche Thräne des Mitleids im Stillen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten - Angenehm Wetter. – Zur Tilgung der Schleichhändel im Früchtensperr erschiene: Kein Paß darf älter als 3 Tage seyn und nicht mehr als auf 6 Malder sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10ten – Noch kein Frost. – Allen angewendeten Sorgen und Verordnungen von Seythen der Regierung zu Düsseldorff ungeachtet, will das Korn doch nicht wohlfeil werden. Der Tax ist zwar 22 Gülden in Köllnischer Maaß. Weil aber das Dormager Faß so viel größer ist, so muß dafür 7 Reichstahler zahlt werden. Andere verkaufen zwar vor den Tax, sie lassen sich aber für jedes Malder 24 Stüber Fracht zahlen. In Zons hat der Köllnische Kuhrfürst ein Magazin von 8000 Malder Korn auf dem Schloß angelegt. Es wird für 17 Gülden hineingeliefert und zu 18 an die Bürger ausverkauft.&lt;br /&gt;
:Zwischen dem Kayser und den Brabäntischen Patrioten ist bereits ein Wafenstillstand auf 2 Monath geschlossen. Die Preeliminarien sind:&lt;br /&gt;
:Alle Privilegien, deren die Provinz Limburg und Brabent genossen, sollen allen Provincien gelten. Kein Keyserliches Gesätz soll anders als durch die Räthe von Brabant publizirt werden.&lt;br /&gt;
:Kein Ausländer soll eine Bedingung erhalten. Alle 2 Jahre soll ein National-Concibium unter dem Vorsitz des Erzbischof von Mecheln gehalten werden, welcher die Kirchenzucht zu besorgen hat.&lt;br /&gt;
:Jeder soll auf seinem Eigenthum freyes Jagdrecht, Fischfang und Taubenschlag geniessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1789&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Alle bisher ergangene kirchliche Verordnungen sollen aufgehoben werden. Hiehin gehören die Wiedereinführung der aufgehobenen Brüderschaften, die Vertilgung des neuen Ehe-Edicts und die Wiedereinsetzung des päbstlichen Nuntius Engel. – Holland, Preussen und Frankreich garantieren diesen Bund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Regen. – Kornpreis 7 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 19 Schilling.&lt;br /&gt;
:Es ist wieder ein Edict in Ansehung der Theurung des Korns ergangen. Der Tax ist aufgehoben, hingegen sollen die Abteien ihre halbe Pfachtung nach Düsseldorff ins Magazin liefern, pro Malder à 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten - Warm und schön. Die Friedensvorschläge der Brabänter zum Frieden sind wieder vereitelt. Die Patrioten haben Brüssel und Mecheln eingenohmen. Nun heißt es: Der Kayser will mit den Türken Friede machen und dann mit gesammter Macht auf Brabant loßziehn, die Patrioten zu bändigen. Deswegen sind wir in hiesiger Gegend für Unruh besorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31ten – das Jahr schließt sich mit angenehmen Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1790 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[82]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1790&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Am 1ten – Es ist ein Neujahrstag, so schön, als ich mich noch nie erinnere erlebt zu haben. Es scheint, als wolle es nicht Winter werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Regen. Es sollen hundert Tausend Kayserliche nach Brabant kommen, um die Patrioten zu bändigen. Kornpreis 7 Reichstahler 20 Stüber, Haber 19 Schilling. Die hiesige Schefen dürfen nun auch keine Fruchtscheine mehr geben. Solche müssen nun alle gedruckt zu Bergheim gehohlt werden. Indessen stöhret sich hier niemand daran. Die Einwohner liefern nun ohne Scheine ins Kulk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten, &amp;lt;u&amp;gt;Dienstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut ward der geistliche Herr Jacob Sturm begraben. Er ware früher Vicar zu Baumberg, nachher lebte er als Pensionarius theils bey seinem Bruder, dem Schefen Peter Sturm, theils beym Posthalter und zulezt beym Vorsteher Mathias Häck gegen der Kirche. Um 10 Uhr diesen Morgen wurde zusammengeläutet, und der Klerus erhob sich zum Sterbhause. Dieser bestand aus dem Pfarrer von Worringen mit seinem Frühmeßner, dann der Pater Guardian mit zwey seiner Gesellen von Zons und dann unsere zwey Geistliche. Über der Todtenlade hieng das schwarze Bahrtuch, hierüber ein weisses niedlich geziertes weisses, auf dessen Gipfel ware der Kelch angebracht.&lt;br /&gt;
:Die Kinder des Dorfs, auch jene von Horm, eröfneten den Zug, dem folgte das Kohr, die Geistlichkeit, die von 6 Junggesellen getragene Leiche, und das Trauergefolge schloß den Zug, der das Dorf hinauf gienge, an Cremerius herüber, auf den Kirchhof, an der hintersten Kirchthüre herein, und der Sarg wurde mit der Bahre in die Mitte aufs hohe Kohr gesezt, wo er das Solemne Hochamt hindurch stehen blieb und dann vor dem Muttergottesaltar versenkt wurde. Es wurde Brodt unter die Armen, Stutten unter die Kinder und Bier den Nachbarn gegeben. Der Verstorbene war im 74ten Jahre seines Lebens. Es waren in allem 300 Kinder und eben so viele Stutten, die aus 7 Faß Weitzen gebacken und so schwer als drittehalb Franzbrödtchen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Angenehmes Wetter. – In der Abdey Knechstein ist izt der Zulauf der Armen bey der gewöhnlichen Mitwochsspende sehr stark. Leztens waren deren 1005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Frost. – Im Jahre 1784 in 5 sind alle ehemalige Profereyen am Platthalse zerstöhret worden. Jetz wird wieder allda geproft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21ten – Es fror diese Tage so stark, daß jetz einiges Eis im Rheine ist. Kornpreis 7 Reichstahler 1 Schilling, Rabsam 9 Reichstahler 30 Stüber, der noch vor Kurzem mit 14 Reichstahler bezahlt wurde. Haaber 19 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Regen bis 31ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten – Nasses Wetter. Es wurde schon vor 8 Tagen Sand ins Dorf gefahren. Die Landstraße zwischen dem Damm solte auch dienstweis gemacht werden. Da aber Viele nicht daran wollten, so ist einstweilen das Dienen aufgehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[83]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1790&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Angenehme Frühlingstage. – Brabant hat mit allen Provincien einen Freystaat errichtet und dem Kayser abgeschworen. Nur Luxemburg vertheidigt noch die Parthie des Kaysers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. – Fastnacht. Es ist allenthalben Jubel im Dorf. Das Wetter ist unvergleichlich schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Am heutigen Wahltage ward der alte Bauermeister Verhagen bestättigt. Der Gerhard Nusbaum bleibt auch Nachtwächter. Die vorigen Jahre ware er zugleich Feldschütz. Dafür hütet er nun die Kühe. Thomas Thron hütet die Schwein und der Pletsch Anton ist Feldschütz geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Bey dem schönen Wetter fängt alles zu sähen und pflanzen an.&lt;br /&gt;
:Der Kayser Joseph der 2te ringt mit dem Tode. Seine Nichte, die Gemahlin des Toskanischen Prinzen Franz ist vor Betrübniß im Kindbet gestorben.&lt;br /&gt;
:Die Kaminfegerei dieses Amts ist an einen Düsseldorfer verpachtet worden, welcher heut die hiesige Kamine gegen 6 Stüber gefeget hat. Kornpreis 7 Reichstahler 20 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Merz&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Etwas Frost. – Am 20ten Februar ist Kayser Joseph gestorben. Man besorgt Krieg, weil noch kein römischer König erwählt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Die am 5ten Merz angetretene und am 27ten dieses geendigte Klevische Reise hat diese Lücke verursacht. Es ware fast immer angenehmes Wetter, nur etwas trocken. Deswegen hofet man Regen. Kornpreis 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 8ten – Frühlingstage, zuweilen Nachtfröste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Das Wetter hällt noch immer so an. Regen wäre höchst nothwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten – Die erste Kornähren. Das Malder wird zu 9 Reichstahler 3 Stüber verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Trocken. Die Mäuse thun noch vielen Schaden, besonders im Weddenhof. Deswegen wird diese Woche alle Morgen um 5 Uhr eine Benedictions-Messe gehalten. Am 8ten kamen 1500 Mainzische Truppen in 14 Oberländischen Schifen den Rhein hinab. Sie steigen diesen Abend zu Neus an Land und gehen zu der Executionsarmee nach Lüttich. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Die erste Kornblühe. – Trocken schönes Wetter. Viel Korn hat sich gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Das Korn steht voller Blüthe. Man rechnet 14 Tage Blühe, 14 Körnen und 14 zum Reifen. Folglich wird am 15ten Julius neues Korn getroschen seyn.&lt;br /&gt;
:Gestern sind 1200 Manheimer Soldaten über Bergheim nach Lüttich gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Warm. Eine Kuhrfürstliche Verordnung befiehlt, daß müssige arme Leuthe, die nicht arbeitsam sind, vom Pfarrer nicht sollen kopulirt werden, ohne sich vorher bey den Beamten gemeldet zu haben. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
:Unser Kuhrfürst hat hiesiger Gemeinde 20 Malder Korn für die Armen vorgeschossen. Dieses muß um Bartholomeei mit 5 edictmässigen Reichstahlern zahlt werden. Diejenige, welche sich dieses Korns bedienen wollen, müssen sich beym Pastoren anschreiben lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Das Wetter könnte nicht schöner seyn. Man verspricht sich eine gesegnete Erndte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[84]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1790&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Warmes, zuweilen mit Regen vermischtes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fronleichnamstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Pastor besorgte große Hitze und ließ deswegen ein Viertel auf 4 Uhr in die Frühmesse läuten. Um 6 Uhr begann das hohe Amt ohne Predig, und um 10 Uhr ware die Prozession wieder hier. Dunkel und angenehmes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Die Abendsandacht wird ¼ auf 7 statt sonst um 8 Uhr gehalten. Die Reichs-Executions-Armee richtet mit Lüttich nicht viel aus. Einige hundert zohe vor Hasselt und liessen das Städtchen auffodern, aber die patriotische Besatzung antworte durch einen Kugel-Regen, und wer von den Reichstruppen sich retten konnte, der rettete sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Es ist wirklich Sahmen gemähet. Regen. Am 8ten schön Wetter. – Diese Nacht sind von hier 32 Pferd auf den Dienst gefahren. Sie laden zu Grimmlinghausen Korn für die Reichsarmee und laden zu Gatzweiler ab, fahren nochmal auf Grimmlinghausen und wieder beladen auf Gatzweiler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Fürchterliche Donner mit hartem Regen. Es gibt Kornähren, welch 8 ½ Fuß lang sind. – Bis 14ten heis. Heut ist der erste Wintersahm eingefahren worden. – Die Mäuse finden sich im Felde zahlreich ein. – Am 11ten dieses Monaths ist der hiesige Einwohner Henrich Cremerius vom neuen Bau zu Düsseldorf ins Stadthaus zu Kayserswerth abgeführet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Warm. Am 23ten wärmer, am 24ten heiß, am 25ten große Hitze. – Diese Nacht hat es Hönig gethauet; eine Erscheinung, die man nur bisher aus einem alten Sprichworte kennt. An den Kornähren hiengen ganze Tropfen reinen Hönig, der, wie ich vermuthe, nicht vom Himmel thauet, sondern durch große Hitze aus den Ähren quillt. Am 24ten kamen 180 Trierische Jäger hiedurch. Sie gehn über Neus zu der unthätigen Reichsarmee auf Ruremönd. Am 25ten kühl. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der König von Preussen will, daß der Kayser mit den Türken Friede machen soll. Da Letzterer dagegn taub ist, zieht der Preuße mit einer zahlreichen Armee gegen die Kayserliche Staaten zu Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Der Walhover Halbwinner läst heute Korn hauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Regen. Der Wilhelm Cremer ließ heute eine Meß mit Sang und Klang zu Ehren der Mutter Gottes halten und will solche hinfort fundiren.&lt;br /&gt;
:Die Kayserliche Armee machet in Brabant große Fortschritte gegen die Patrioten. – In Frankreich werden hingegen die Rechte des Königs immer mehr geschmälert. Nach der neuen Konstitution sind alle Adelbriefe verbrannt worden. Keiner darf sich mehr Comte, Marquis, Baron, Monsieur etz. tituln lassen. Alle Wagenschilde werden abgerissen, und unter allen Ständen soll eine Gleichheit herschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[85]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1790&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Regen. – Der General-Kaminfeger ist wieder mit 2 schwarzen Gesellen hier und feget von Haus zu Haus. Weil er so oft kömmt und jedesmal bezahlt sein will, so sehn die Leute ihn so gern als den Herrn Teufel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Es wird noch immer Korn gehauen, und das Einscheuren wird von dem anhaltenden Regen hinterstellig gemacht.&lt;br /&gt;
:Das Heu steigt im Preise. Alle Tag sind Wägen von Stommeln und der Gillbach hier, welche gern das 100 Pfund mit einem Gulden bezahlen, weil in den Gegenden alle Fourage von den Mäusen verheeret wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Immer Regen. Das Korn wächst auf den Gästen, und das Malder gillt 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Ist das nicht ein Elend, wenn man nicht fort kann? Korn wächst auf dem Halme, das Heu wird faul, Acker und Pflug liegen still, und die Mäus treiben ihr Geschäft immer stärker. Dazu kömmt noch ein dritter Umstand, der bedenklicher als alles ist: Der Rhein schwillt an und drohet seine Ufer zu übersteigen. Korn ist fast keines mehr, und das Brodt wird rar. Auch ist noch keine Hofnung zu heitern Tagen. Zudem ist der Wahrsagergeist von unsern Propheten gewichen, denn der Jussenhover Halfen Johann Witges hatte uns am 13ten dieses heisses Wetter geweissaget. Die Art, womit er dies sagte, und die Bedeutenheit des Orakelspruches liessen nicht an dem Erfolge zweifeln. Aber seitdem die Propheten Brodt essen, ist ihren Offenbahrungen eben so wenig zu glauben als den Schwüren eines Mädchens.&lt;br /&gt;
:Es ist nirgend Hilfe als beym allgemeinen Erbarmer im Himmel, und deswegen wird am Sonntag das zu dem Ende ausgeschriebene 13-stündige Gebeth gehalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Bis 2 Uhr nach Mittag regnete es heftig. Da wehete der Wind aus Norden, und der Himmel ward heiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17., &amp;lt;u&amp;gt;Samstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Es war heiß und schön. Jeder fuhre Korn ein, und viele fiengen gleich an zu dreschen, im Backofen zu trocknen, um geschwind Brodt zu essen. Am 19ten und 20ten heiß, bis 28ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Donner mit Regen. Das neue Korn gillt 4 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 6ten – Heiß. – Am 7ten hörte ich eine starke Kanonade aus Westen. Am 10ten heiß. Die Mäuse thun viel Schaden, auch an der Sommerfrucht. Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Man läst den Haaber recht reif werden, hauen und geschobert auf Gäste setzen, als das nützlichste Mittel gegen die Mäuse. Rabsahm gillt 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 23ten – Heiß. – Der König von Hungarn, Böhmen, Erzherzog zu Österreich hat mit den Türken und dem König von Preussen zu Reichenbach Friede gemacht. Die Türken bekommen alle vom Kayser Joseph gemachte Eroberungen zurück. Haaberpreis 20 Schilling, Gersten 26 ditto. Am 23ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 30ten – Alle Tage Regen. Das Sperr ist wieder aufgehoben, und die Brandweinbrenner holen bey den Schefen ihre Helme ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[86]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1790&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Regen. Kornpreis 5 Reichstahler, Buchweitzen 23 Schilling. Bis am 10ten kühl und naß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Heute kamen über 500 Anhaltische Truppen von Neus hiedurch. Sie führten einige Kanonen und 15 Bagage-Wagen mit sich. Sie treten in Kayserlich Königlichen Sold unter das Loudonsche Freykorps und gehn auf Luxembourg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 12ten bis 15. – Angenehm warm. Man fängt langsam an, Korn zu sähen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Heiß mit Donner und Regen. Kornpreis 5 Reichstahler 9 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten Regen. An dem heutigen Kirmestage waren wenig Fremde hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten und 28ten – Herrliches Wetter. Am 29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Michaeli&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Pastor von Worringen hielt Hochamt und Predig. Ed war schönes Wetter. Kornpreis 18 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten ist zu Kölln der Kurier angekommen, das Leopold der Zweite Kayser ist. Dieser ware Grossherzog in Toscana und Bruder des seehligen Josephs des 2ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 10ten – Trocken. Dennoch haben die Schnecken, der Schlich und die Mäuse der jungen Saath so hart zugesezt, daß man vermuthet, es werden im obersten Feld nicht über 100 Morgen Korn stehn bleiben. Was jetz fort ist, das wird mit Weitzen oder gar nicht besähet. Eine Methode, die unverbesserlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Es reifet mit kleinen Nachtfrösten. Kornpreis 3 Kronthaler, Haaber 21 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Trocken. Die Feldmäuse vermehren sich noch täglich. Viele fangen an zu füttern, mit Rattenkraut und klein geschnittenen Mohren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten zeigte sich gleich nach Mittag ein Brand, den man zu Worringen zu seyn vermuthete. Es wurd auf die kleine Klocke Sturm geschlagen und eine Karrig bestellt, welche die Brandeimer dahin führen sollte. Da legte sich der Brand, und einige Stunden nachher vernahme man, daß die Nolen-Höfe am Nippes in der Asche liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten brennte auch der Konenhof zu Vacum ab. – Schönes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 31ten – Kalt mit Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es kommen 30 Tausend Kayserliche hinab, um die brabäntische Patrioten zu bändigen. Täglich kommen deren zu Kölln an, welche über Bergheim ins Niederland ziehn. Hingegen geht die Executions-Armee unverrichteter Sache auseinander. Die 100 Heidelberger, welche voriges Jahr allhier übernachteten, sind über Oberaussem nach Haus gegangen. Der Kayser will nun durch seine Truppen auch dem Lütticher Lande Ruh verschafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 9ten – Regen. Am 11ten Frost bis 17ten. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 18ten bis 30ten – Trocken mit Regen. Heut, am 30ten, hörte man hier ein anhaltendes Kanonenfeuer aus der Ferne in Westen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1790&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 4ten – Regen. Die Kayserliche Truppen in Brabant siegen fast allenthalben über die Patrioten, deren Haupträdelsführer, van der Noot und van Eupen, geflüchtet sind. Die am 30ten gehörte Kanonade war bey der Einnahme von Löwen, wo beyderseits hart gestritten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 11ten – Meist nasse Tage. – Bey dem Reichenbacher Frieden wurde beschlossen, daß der Kayser alle über die Türken gemachte Eroberungen, als Belgrad, Novi, Dubiza etz. wieder abtretten muß. Hingegen will der König von Preussen behülflich seyn, daß Brabant wieder unter Österreichischen Zepter zurückkehre. Engel und Holland garantieren, daß alles wieder auf den alten Fuß, wie&#039;s unter Maria Theresia war, gesezt werde. Kornpreis 5 Reichstahler, Weitzen 18 Gülden, Haaber 18 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Regen. Der Rhein ist ausgetreten und läuft in die Leimkaul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Frost. – Der Rhein fällt. Am 28ten dunkel, am 30. und 31ten Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 1791–1800 ===&lt;br /&gt;
==== 1791 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1791&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Jahreszahl durch doppelte Striche oben und unten vom Text abgesetzt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 7ten – Abwechselnd mit Regen, Frost und Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Stürmisch. – Die Junfer Anna Margaretha Schneider, Tochter des hiesigen Quirin Schneider, lage heut Morgen todt in der Grindkaule an den Kuhbenden. Sie lebte aus den Almosen und ware gestern auf den benachbarten Ortschaften betteln gewesen. Von langer Zeit her hatte sie ein Zittern und Kopfschütteln, als Überbleibsel eines Schlagflusses. Nun kann es seyn, daß ein zweiter Schlagfluß sie getrofen, oder der grausam wüthende Wind mag sie gestern Abend von dem Berge hinabgestürzt haben. Sie liegt noch in ihrem Hause gegen dem Brunnen Gerhard Nix über. Man erwartet den Amtsverwalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Von Bergheim ist die Ordre ergangen, die Verunglückte zu begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber. Nota bene: Die Wohnung der Anna Margaretha Schneider hat Peter Delhoven um 140 Reichstahler gekauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 14ten – Regen. Der Rhein ist ausgetreten und läuft schon in den Bixem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 20ten – Stürmisch. Am 21ten angenehm. Bis 30ten stürmischer Regen.&lt;br /&gt;
:In diesem Monath sind hier 18 Personen an der grassirenden hitzigen Krankheit gestorben.&lt;br /&gt;
:Die Kayserlichen werden auch nun die Execution mit Lüttich vollziehn, denn Brabant ist nun ruhig. Die Türken und Russen liegen sich noch immer in den Haaren. Die Fehde ist hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 7ten – Regen, Schnee und Frost. Kornpreis 5 Reichstahler, Haaber 9 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am Agatha-Tag ward in der ersten und lezten Messe mit dem Klingel-Beutel umgegangen. Der Betrag ware 8 Reichstahler 31 Stüber, wovon eine Kerze gemacht wird. – Der Peter Pannes hat diese Woche die Windmühl vom Jacob Cremerius in Empfang genohmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Regen, bis 20ten Frühlingstage mit Nachtfrösten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1791&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 28ten – Regen. – Unsere Kirch wurde im Jahr 1779 geweißt, anstatt der gemalten und runden Scheiben-Gläser neue eingesetzt, das Hallen-Häuschen neu erbauet, der große Gang mit neuen Platten belegt und das Kohr mit Hausteinen abgesezt. Auch wurde die Orgel, welche vor langen Jahren vor dem Kreutzaltare stand, nachher aber gegen Süden auf dem Kohr oben dem Geistlichen Letter gehangn wurde, jetz über dem großen Gang auf die Gallerie versezt. So auch die Kanzel, welche sonst zwischen dem Michaelibilde und der Sacristeien-Thür stand, jetz gegenüber neben das Katharinen-Bild, aufgestellt. Der große Bogen, wo das Kohr anfängt, ware mit einem Balken verbunden, worauf ein Kruzifix mit 2 zinnernen und einem grossen kupfernen Leuchter angebracht ware. Der Balken kame weg, und das Kreutz hängt nun auf dem Kohr neben der Sacristey. Die Thurmtreppe fieng sonst unten auf der Erde an. Da nun das Duxal oder die Gallerie noch unter den Thurm hin vergrößert wurde, so ware es schicklich, daß der Eingang in den Thurm von der Gallerie gebrochen wurde. Die Gallerie hieng sonst in 4 eysernen Stangen; sie ruht nun auf 4 hölzernen Pfeilern. Die neue hölzerne Bänke in der Kirch wurden im Jahr 1780, [178]1 und [17]82 durch die hiesigen Schreiner Everhard und Joan Lang verfertigt. Diese kostete jeden Eygenthümer einer Platze beynah 3 Reichstahler. Auch wurden auf jeder Seyth die Bänk zusammengeschoben, daß eine ganze Bank mehr gemacht und diese Platz für Platz zu 16 bis 20 Reichstahler verkauft wurden. Diese und mehr andere kleine Veränderungen wurden damals gemacht. Das Gewölbe auf dem Kohr ware damals gebarsten. Die Risse schmierte man wieder zu. Selbige öfneten sich bisher wieder. Die hiesige Schefen liessen deswegen das Gewölb durch einen Mauermeister besehen. Darüber fiel wirklich Einiges herab, und in der Fastenabendsandacht in der vorigen Woche fielen noch einige Steine herab, so daß die Einwohner mit Küster und Pfarrer vor Schrecken aus der Kirch entfliehen wollten, doch ist es wahrscheinlich und – – – Es hätte vielleicht sich jemand oben auf das Gewölb geschlichen, welcher diesen blinden Lärm machte, um die hiesigen Schöfen anzuspornen, daß wir eine neue Kirche bekämen. Der Bruch ist oben dem Opfergange neben der Epistelseythe. Der Vicar hielt gestern das Hochamt am Muttergottesaltar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 9ten – Stürmische Tage. Vom 10ten bis 24ten Frühlingstage mit Nachtfrösten.&lt;br /&gt;
:Der Kuhrfürst von Kölln hat den Process mit der Stadt Kölln verlohren. Der Fürst begehrte die Rheinmühlen, die Butterwaag etz. Um sich nun an dem Magistrat zu rächen, hat der Fürst die fliegende Schifbrücke zwischen der Stadt und Deutz weggenohmen und selbige oben dem Beyen-Thurm angelegt und dort eine Landstraß um die Stadt errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[89]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Gedruckter Erlass des Generalvikars Horn-Goldschmidt vom 26. Februar 1791: &amp;quot;Dispensatio super Absentia Quadragesimali Pro Anno 1791&amp;quot;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[90]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1791&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Das Tabackrauchen auf offener Gasse, in Schreiner-, Schneider- und allen feuerfangenden Werkstuben wird schärfest verbothen, und die Edicte gegen das Strohdecken schark [sic.] erneuert. Kornpreis 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 3ten - Nachtfröste. Bis 22. angenehm mit Frühlingsregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten, Ostertag – Diese Woche und diese Nacht wurden die gewöhnlichen Prozessionen gehalten. Seit Menschengedenk erinnert sich keiner, daß jemal die Prozession in der Osternacht nicht gegangen wurde. Diesen Morgen und am Palmtag ward die Communion auf dem Kirchhof an dem Missionskreutz ausgetheilt, weil auf dem hohen Kohr kein Gottesdienst gehalten wird. Anhaltend schön Wetter. Am 11ten April die ersten Kornähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 8ten lieblich mit Nachtfrösten.&lt;br /&gt;
:Die Kirch wird reparirt, das Kohr in ein neues Dach gesezt, das Loch im Gewölb wieder zugemacht und das Ganze sauber geweißt. Auch die Sacristey läst das Kapitul St. Andreas binnen Kölln neu decken. Am 14ten Kornblüh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten, Gottestracht – Angenehme Tage. – In dieser Gegend grassiret stark das Flecken-Fieber. Zons liefert besonders viele Todte. In Horm starb gestern der Herperzhalfen Joan Peter Broichman mit seiner Schwiegerinn auf einen Tag. Die Halbwinnerin ist auch dem Sterben nahe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 25. – Kühl und naß. Am 26. warm, am 27ten wärmer, am 28ten heiß, am 29. bis 31. große Hitze. Das Feld sieht sich besser an als man erwartet hatte. Vieles Korn hat sich schon gelegt. Weitz und Gersten weissagen trefliches Gedeihen. Heut, am lezten Mey, zeigte mir der Schefen Steinberger einen Kornhalm, der mit der Ähre 8 Fuß und 5 Zoll lang war. Kornpreis 15 Gülden, der Zentner Heu 40 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten starb auch zu Horm die Herperzhalbwinnerin. Sie wurde nicht gewahr, daß ihr Mann schon todt war. Sehr heisse Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten ist der erste Wintersahme eingefahren worden. Am 8ten starb zu Horm die Haushälterin des Henrich Weiler in Horm. Da sie vom Stürzelberg zu Hause war, so begehrte ihr Vater Caspar Schei daselbst, daß die Leiche nacher Zons begraben wurde, welches hiesiger Pastor bewilligte, doch wurde allhier zum Todten geläutet und die Begräbniß-Jura bezahlt. In Zons hauset das Fleckenfieber noch stark. Daselbst wurden seit dem ersten Januar schon 37 Leichen begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Heut ist die hinterste Kirchen-Thür von Ei[c]henholz neu gemacht und mit 15 Reichstahler bezahlt worden. Am 12ten Pfingstag. Diese Nacht hat es etwas gereift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten ist Henrich Cremerius, ehmaliger Wirth im Grünenwald, aus dem Stockhause zu Keyserswerth wiedergekommen und unter Thränen von seinen Kindern wiedererkant worden.&lt;br /&gt;
:Aller Brandwein, welcher ausser diesem Territorio gekauft wird, muß pro Maas ¼ Stüber Molter an hiesigen Müller Peter Pannes entrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 21. – Kühl und naß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 30ten – Heiße Tage. – Kornpreis 15 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[91]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1791&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frankreichs Bürger haben eine Gleichheit unter allen Ständen eingeführt. Die Adelbriefe sind verbrannt, die herschaftlichen Wappen von allen Gebäuden abgerissen, und der Edelmann wie der Bauer hat gleiches Recht zu öfentlichen Bedienungen, und alle werden von einem Gericht gerichtet. Jeder Einwohner von Frankreich hat den Bürgereid, &amp;lt;u&amp;gt;der Nation und dem Gesätze treu zu bleiben&amp;lt;/u&amp;gt;, ausschwören müssen. Die Geistlichkeit glaubt, dieser Eid gehe wider die katholische Religion, und der Pabst hat über alle jene, welche selbigen ausschwören, die Excommunication ergehen lassen. Die meisten Bischöfe und die reichen Geistlichen wandern aus. Viele haben sich nach Rom geflüchtet. Gemäß einem Edickt gehören alle geistliche Güter der Nation, und die Geistlichen bekommen Pension. Auch vieler ausgewanderten Adelichen ihre Güter werden zum Vortheil der Nation eingezogen. Da viele deutsche Edelleuthe und Geistliche im Elsas Besitzungen haben, welche auch wirklich sequestrirt sind, so haben diese den Kayser um Schutz angerufen. Graf Artois und Prinz Condé sammeln in der Gegend von Worms und Coblenz eine Emigranten-Armee, um vereint mit 30 Tausend Mann Kayserlicher, welche in Brabant stehen, in Frankreich einzudringen. – In der Nacht vom 20ten auf den 21ten Junius hat sich der König und die Königin mit ihren Kindern in Bauerntracht verhüllt von Paris auf die Flucht gegeben. Im ganzen Königreich ward auf die Klocke geschlagen, und der Posthalter zu Varennes arettirte den König. Man brachte die königliche Familie durch National-Truppen gefänglich nach Paris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Warmer Regen. Das Korn ist bald reif.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Heut ward mit dem Kornhauen angefangen. Bis 8ten Regen. Am 6ten dieses wurden zu Zons auf dem Rath-Hauß die Mobilien im Herperzhof zu Horm verkauft. Das Ganze betrug 237 Reichstahler. Die Leuthe waren tief in Schulden gerathen, welche nicht den vierten Theil bezahlt werden. – Der Bernard Braun, welcher seit ungefehr 20 Jahren die Halbscheid vom Hof und Länderey bewohnte, wird nun den ganzen Hoff einnehmen, obschon noch eine Tochter und Sohn von dem seligen Herperzhalfen zugegen sind, denen aber Fleiß und Mittel fehlen, den Hoff anzubauen. Der Sohn Joann Breuer heyrathete vor einiger Zeit ein Mensch von einer Parthie Vagabunden, die sich abwechselnd im Herperzhof aufhielten. Kurz nach der Hochzeit war die Braut gefänglich eingezogen und zu Bonn gezüchtiget, da sie schon als Mädchen zu Zons gefangen saß. Sie hat sich nun von ihrem Mann getrennt und bewohnt zu Neus eine Kammer. Vor und nach der Hochzeit hat sie 3 Kinder gebohren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[92]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1791&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 15ten regnet es alle Tage, welches dem Kornhauen sehr zuwieder kömmt. Kornpreis 5 Reichtahler 6 Stüber, Sahmen 3 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Sehr heiß. – Wegen dem vielen Regen ist das meiste Heu verdorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ten – Alles ist bey dem schönen Wetter am Kornhauen. Am 21ten wurde das erste neue Brodt gebacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Das neue Korn ist zu 15 Gülden verkauft worden. Am 23ten ist eine Holzfloß unten Worringen auseinander gegangen. Tannen- und Eichenbäume liefen fern aufs Land. Einige stachen 10 Fuß im Leimufer, unten der Landstraße. – Bis 31ten sehr heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 7ten sehr heiß. – Am 8ten etwas Regen. – Der Welferhalfen hat die Erndte hindurch bis itzt zwey Kuhrpfälzische Dragoner auf dem Hof, welche das Sümmern hinter dem Wagen den armen Leuthen verbiethen. Sogleich werden die Schweine nachgetrieben. Biß am&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten sehr heiß. – Die Gemeinde läst das Beinhauß neu in Dach setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Die große Hitze hat die Äpfel auf den Bäumen an der Sonnenseite braun gebacken. Haaber ist die Menge und gut gerathen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Man hofft sehnlich auf Regen. Kornpreiß 15 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Heute ward von der Kanzel abgelesen, daß die Scheffen, Vorstehere und Meistbeerbten übereingekommen, unsere Kirmes auf den zweiten Sonntag im October zu versetzen, theils, weil die Kirmes so früh kame, daß man die Saath nicht ordentlich bestellen konnte, theils auch, weil der Michaeli-Tag oft in der Kirmes fällt und durch Schwärmereyen entheiliget wird. Der Pastor hat von Rom einen ewigwährenden Ablaß auf den Michels-Tag erhalten, und durch ein Decret von Bergheim darf niemand die alte Kirmes feyern. Am 29ten, 30. und 31ten viel Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Regen. – Kornpreis 2 Kronthaler, Haaber 2 Reichstahler, Sahmen 7 Reichstahler 15 Stüber. Der Theodor Bremer ist in die Scheffenstelle des seligen Joan Küpper eingesezt worden. – Der König von Frankreich wird mit seiner Familie im Schloß zu Paris bewacht. Indessen flüchten sich Adel und Geistlichkeit anhaltend nach Deutschland. Coblenz und Trier sind voller Emigrirte. Deswegen geht auch hier die Post stärker als jemahlen. – Der Kayser hat mit den Türken Friede gemacht. Die Türken bekommen alle Eroberungen ausser Alt-Orsowa zurück. Auch die Kayserin von Rußland scheint die Vermittlung Preussens anzunehmen und sich mit den Türken auszusöhnen. Vom 3ten bis 27ten schön heiß Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Die alte Kirmes ist ganz incognito dahingangen. Nur wenige unbedeutende Gäste waren hiehin gekommen, die sich auch still wieder fortmachten. Heut Nachmittag ward gebeyert, und drey Geistliche sassen von 3 Uhr bis Abend Beicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[93] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1791&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29. – Das heutige Michaels-Fest wurde sehr feyerlich gehalten. Um 6 Uhr fiengen die Messen an. Zwey Mönche von Zons und der dasige Kaplan lasen Meß, der Pastor von Worringen hielt das Levittenamt und Predig. Auch ward vorher eine Collecte gehalten, woraus drey neue scharlachene Koral-Kleidungen angeschaft wurden. Nach dem Hochamt ward die Prozession ausgeführt. Am Schwanen war die erste Station, dann gienge die Prozession den nähmlichen Weg wie die Römerfarth. Unten links zum Westen, am lezten Hause, hatte Peter Fix die zwote, der Posthalter die dritte und Scheffen Fridrich Steinberger die lezte Station errichtet. Peter Fix und der Posthalter hatten Pfenninge an das Venerabel geschenkt. Das Dorf war so trocken, daß die Prozession in der Mitte durch den Fuhrweg geführet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 6ten – Trocken mit Nachtfrösten. Am 7ten-8ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Es regnete anhaltend bis heute, den 14ten. Die Kirmes ware sehr still. Die Wittib Küppers zapfte zuerst Wein. Da es aber beständig regnete, so war dort nicht viel zu thun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten, als den ersten Sonntag nach der Kirmes, ward die 30 Personen starke Prozession zum Kreutzberge ausgeführt. Bis 22ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Heiter. Kornpreis ein Ducaten. – Der Rhein ist sehr klein. Die meiste Brunnen sind wasserleer. Bis 31ten hell und Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Regen. Am 4ten Frost. Am 7ten gehen Karrn und Wägen drüber. Am 10ten Regen. Das Malder Weitz gillt 5 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 100 Stüber. In der Nacht vom 17ten auf den 18ten wollten Diebe bey J. W. Verhagen einbrechen. Weil es dort aber nicht gelang, so brachen sie an der Pastorat durchs Spühlloch herein und nahmen 4 Kessel und 4 Schüsseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Sturmwind. – Eine Bande einheimischer Diebe sezt die Nachbarn in Verlegenheit. Dem Henrich Coenen ward ein Pferd gestohlen, welches den andern Morgen loß im Felde lief. Am 23ten dunkel. Es wird seit 3 Wochen im Dorf gedient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 10ten – Herbstwetter. Am 11ten Frost. Das Malder Haber gillt 14 Schilling. Bis 17ten ist im Dorf gedienet worden.&lt;br /&gt;
:Regen und Frost wechslen ab biß zu End des Jahrs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1792 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[94]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januarius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Noch nie waren in diesem Jahrhundert die Zeiten so unruhig als beym Eintritt in dies neue Jahr, von Auf- bis Niedergang der Sonnen. In den entlegenen Indien herscht Rebellion. Die schönsten Provinzien Teutschlands gehen durch innere Unruhen zugrunde. Allenthalben wieglen sich die Unterthanen auf gegen ihre Herren. So ungerecht auch dieses seyn mag, so ist im Gegentheile auch viel Unterdrückung im Lande.&lt;br /&gt;
:Die Geistlichkeit und der Adel haben zum Theil ihre Güter frey von allen Abgaben. Der arme Bauer mus im Schweis seines Angesichts sein Brod gewinnen, für jene die Steuern bezahlen und die Lasten des Landes tragen. Ist er Pachter und er gewinnt etwas mehr als sein karger Unterhalt fodert, so werden seine Pachtungen erhöht, als wenn geschrieben stünde, der Bauer soll darben.&lt;br /&gt;
:Wenn nun der Mann am Pfluge mit solchen Abgaben beladen wird, daß er ungeachtet seines Fleisses nicht so viel gewinnen kann, die Seine[n] vor Dürftigkeit zu schützen, wenn er sich von allen verachtet siehet, wenn jedes Vergnügen der Natur i[h]m verwähret wird, dann sinkt der gedrückte Geist zur Muthlosigkeit nieder. &amp;quot;Ich war jahrelang ehrlich&amp;quot;, sagt sich der Mann, der mit gekränktem Herzen sich auf den Pflug lehnt und den Himmel seines harten Schicksals halber anklagt. &amp;quot;Ich war jahrelang ehrlich&amp;quot;, sagt er, &amp;quot;habe keine Mücke betrübt, gab dem Fürsten getreu meine Abgaben, und kann ich mir sagen, daß eine meiner guten Thaten belohnt ward?&amp;quot;&lt;br /&gt;
:Endlich erwacht Verzweiflung in seinem Herzen. &amp;quot;Was will ich länger schwitzen? Wohnen nicht Reiche in Städten, die sich im Müssiggange mit unserm Fleis mästen, die Tag und Nacht sinnen, wie sie das, was wir ihnen geben musten, durchbringen? Lasset uns die Bande zerreissen und uns in den Schoos des Ueberflusses setzen.&amp;quot; So beginnt das Unheil eines Mannes, einer Gemeinde, ganzer Nationen. Das Volk begehrt seine Rechte. Diese werden ihm verwährt. Es kömmt in Gährung, vergißt alles, was ihm noch heilig war, und überläst sich den zügellosesten Ausschweifungen.&lt;br /&gt;
:So musten sonst die armen Leuthe in Hackenbroch, wo keine Reiche sind, so musten diese, sage ich, abwechselnd wie Leibeigene die Arbeiten auf der herschaftlichen Burg verrichten. Mit jedem halben Tage wurden sie abgelöset. Dafür reichte mann ihnen einen Stüber. Izt müssen sie einen ganzen Tag dienen, und man reicht ihnen doch nicht mehr als einen Stüber; zwar ein armer Betrug, der aber nur einen armen Mann drücken kann.&lt;br /&gt;
:Zwar erwacht doch bey manchem redlichen Manne das Gefühl von Menschlichkeit. So wurden neulich in Düsseldorff einige Bauern eingezogen, die in der Gegend ihr Eygenthum bewachten und bey der Nacht auf Haasen schossen, die ihnen die Gartengemüse wegfrasen. Der versammelte Adel des Landes beleuchtete die Sache und verordnete, daß die allzu große Anzahl wild niedergeschossen ward. Wie traurig ist hingegen ein Blick in eine Gerichtsstube, wie noch neulich der Vorfall war: Im kalten Vorgemach weileten unzählige Klienten auf die Ankunft des Beamten. Dieser, der endlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[95]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:späth erschien, setzte sich in seinen Amtsstuhl und – lase die Zeitung, während das so viele, die 5 Stünden weith gekommen waren, in schmerzlicher Ungeduld seufzten, vorgelassen zu werden.&lt;br /&gt;
:So wohlmeinend der Fürst auch immer sich zu seinen Untergebenen herab läst, ob es gleich an manchem Hofe beginnt, hell zu werden, so verhüllen dennoch dicke Nebel die niederen Hörsäle der Gerechtigkeit, die dann auch eigentlich ein merklicher Beytrag sind zu den traurigen Empörungen dieser sonst so blühenden Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Es ist in diesem Winter noch nicht ernstlich kalt gewesen. Wenn es auch ein paar Nächte etwas friert, so tritt gleich wieder Regen ein. So ist’s auch bis den 3ten dunkel Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten fienge es etwas an zu frieren. Am 5ten trat etwas Schnee ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das Malder Korn gillt höchstens ein Ducaten, Haber einen Konventionsthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten und 7ten – Etwas Frost. Fienge es im Mittage an zu regnen, und doch war am 8ten wieder gefroren. Am 9ten war’s bitter kalt. Abends Schnee. Am 10ten Regen, am 11ten Schnee, am 12ten Frost, am 12ten Schnee, am 13ten kalt, am 14ten kälter. Am 9ten dieses ware schon Eiß im Rhein, heut ist dessen aber so viel, daß von jedem Pferd 1 Reichstahler Überfahrgeld bezahlt werden muß. Am 15ten stellte sich Thauwetter und Regen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Angenehm. Der Rhein treibt noch dicht mit Eiß. Am 17ten feucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten fienge es wieder an zu frieren. Am 19ten und 20. stärkerer Frost.&lt;br /&gt;
:Vor ein paar Tagen liessen die Erben Bremer zu Rheinfeld einige Ländereien durch den Schefen Steinberger im Anker meistbiethend verkaufen. Ein Morgen im Merheimer Lehn hinter Rheinfeld ward gegen 154 Reichstahler zugeschlagen. Das Malder Korn wird gegen 11 Gülden verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Anhaltender Frost. Am 24ten Regen.&lt;br /&gt;
:Die Kirchenrechnungen sowie die Armenrechnungen sind an 32 Jahre nicht abgehalten worden, nemlich so lange, als der zeitliche Pastor J. Godfrid Bürg hier ist. Alles liegt verwirrt untereinander. Der Amtsverwalter ist schon ein paarmahl hier gewesen und will izt alles in Ordnung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Es stürmt unbändig, der Rhein schwillt an. Am 28ten läuft schon das Wasser unter den Garten bis in die öberste Drenke. Eh noch der Damm errichtet war, kame das Wasser durch den Bixem hinab. Damals, nemlich vor dem Jahre 1740, ware zwar ein Damm vom Höhenberge über die Landstraße bis an die Weidenplätze. Von unten durch die Mehbenden kame auch das Wasser hinauf, welches mit dem von oben unten Schefen Steinbergers Garten gegen der Kirche zusammen trafe.&lt;br /&gt;
:Adamus Otto, wohnhaft gegen dem Vicarius Schmitz, neben Eller, wo zwischen durch der Wasserkanal geht, pflanzte heut einen jungen Lindenbaum vor seiner Thüre. Vor einigen Jahren stunde auch noch ein Lindenbaum vor dem Schwanen. Gegenüber stetht noch eine alte Linde vor Joan Görgens Thüre.&lt;br /&gt;
:Seit einiger Zeit ward in Kölln verschiedentlich eingebrochen und gestohlen, ohne, daß man eigentlich etwas entdecken konnte, bis gestern Abend, am 27ten, wurden 4 handfeste Kerle zu Worringen durch die Husaren arretirt, als sie eben in der Theilung von Zitz, Katun etz. begrifen waren. Eine Frau mit 2 Kindern hatte ihrer schon etliche Täge gewartet. Diese, 7 an der Zahl, sind am 28ten verhört worden, wo einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – aussagt, daß er von Berlin zu Hause sey; ein junges, wohlgekleidetes 20-jähriges Pürschchen, der sich Wilhelm nennt. Ein anderer, von Wesel, einer von der Compagnie, ist vor 8 Tagen mit noch 7 andern aus dem Stockhause zu Bonn disertirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut wurden ihrer zween hiedurch auf Zons ins Schloßgefängniß gebracht. 4 Husaren bedeckten sie. Die Delinquenten waren mit beiden Daumen aneinandergeschraubt und an eins der Pferden gebunden. Der Zug gieng durch den Fuhrweg, der sehr morastig war. Der erstgedachte Wilhelm weinte unablässig. Am Kirchhof stellte sich ein Husar gegen den Eingang zur Sicherheit. Am 30ten brachten die Husaren auch den Dritten, den sie aber neben den Häusern vorbey führten. Diese sind nun zu Zons in guter Verwahrung. Der, so im Stockhause gesessen, bewohnt izt den Nieder-Thurm zu Worringen, wo das Frauenzimmer mit den 2 Kindern ihm Gesellschaft leisten. Auch ist ein wandernder Kaufman aus Kölln namens Holz zu Worringen arretirt, den man aber doch für unschuldig glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Es sind zuweilen angenehme Frühlingstage, doch stürmts mitunter. Der Rhein schwillt immer höher an, Walhoven ist eine Insel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Angenehm Wetter. Der in der Delver Martioischen Goldmachergeschicht berühmte Jacob Schaaf (siehe die Jahren 1786 und 1787) ist mit aus dem Stockhause zu Bonn entwichen. Er ist 63 Jahr alt.&lt;br /&gt;
:Der Rhein schwillt noch an. Rheinfeld hat noch kaum den Ausgang auf den Damm. Im Kulk gegen dem Burggard und am Monheimer Wege zwischen dem Waschpättchen hat der Damm Gefahr durchzugehen. Es wird also daselbst gewacht. Am 2ten, als am Lichtmeß-Tage, war das Wasser wieder gewachsen. Deswegen ließ der Wallhoverhalfen seine Schaafe mit einem Nachen hiehin übersetzen und solche in den Schwanen aufstellen, wo seine Pferde sich schon befanden, doch am 3ten fängt der Rhein allmählig an zu fallen. – Das Malder Weitz wird um 4 Reichstahler 48 Stüber verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Ein besonders schöner Frühlingstag. Diese Nacht hat sich der zu Worringen bewachte Deserteur aus dem Bönnischen Stockhause namens Kristian Moers aus dem Gefängniß wegbegeben. Seine Frau sitzet aber noch. Die Öfnung der Thurnmauer ist von aussen geschehen. Die Thäter sind wahrscheinlich Leute aus Worringen gewesen, welche des Wachtens müde waren. Um 3 Uhr diese Nacht ware der Entwichene schon vor der Klosterpforte zu Knechsteden. Der Prior von da ließ heut den Worringer Scheffen sagen, wenn sie die Ketten und Schlösser wieder haben wollten, so könnten sie solche abholen. Der Gefangene hätte solche da gelassen und wäre schon von der Abdei weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Regen. Der Rhein ist bereits in seine Ufer zurückgetreten. Unter den Perschen und im Kulk ist Verschiedenes verdorben. Sonst sieht das Feld noch gut aus. Das Malder Korn gillt 3 Reichstahler 12 Stüber. Der Damm hat in der Gegend vom Monheimer Wege viel gelitten. Auch im Kulk ist etwas ausgespühlt. Gegen dem Burggard auswärts waren 2 Conserva-Dämmcher hintennach angelegt. Diese sind ganz weggetrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – &amp;lt;u&amp;gt;Regen&amp;lt;/u&amp;gt;. Zu Zons hatte sich ein Arrestant gestern Abend beinahe durch die Mauer gebrochen, doch ward es noch zur rechten Zeit entdeckt.&lt;br /&gt;
:Der Jacob Schaaf sizt von Neuem im Stockhaus zu Bonn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten, 10ten-12ten – Angenehme Tage. 13ten-15ten feucht, am 16ten finge es stark an zu frieren, späther trat Schnee ein. Das Korn beginnt etwas im Preise zu steigen, doch giebt man noch nicht gerne einen Dukaten fürs Malder. Haaber steht noch auf dem Konventionsthaler.&lt;br /&gt;
:Der Zucker ist schrecklich im Preise hinaufgekommen. Die Sorte, wovon man noch vor einem halben Jahr das Pfund um 18 Stüber kaufte, gillt izt 28. Die Ursache ist diese: Als die Nationalversammlung die Freiheitsgesetze gab, vermöge dessen die Adelsbriefe verbrennt und Exelenzen, Barons, Bürger und Bettler alles in gleichen Rang gesetzt und frey erklärt wurden, so kamen diese Gesetze auch endlich in die entlegenen Indien auf den französischen Kolonien an. Die schwarzen Sklaven, die so lange Jahren unter dem despotischen Joche der Weissen geseufzet hatten, waren nun nach diesen Gesetzen freye Leuthe. Sie hatten nun mit den Weissen gleiche Ansprüche auf die Güther, die ihre Väter von jeher ungestöhrt besassen, ehe die Europaier diese Landschaften entdecket hatten. Allein, die Weissen wollten die neue Freiheits-Gesetze nicht anerkennen, weil sie vorsahen, daß mit deren Bekantmachung sich ihre Herrschaft verlohr. Sie hielten die National-Decreten geheim, und doch blieb es den Schwarzen nicht verborgen, daß ihre Sklavenkette auf der Rednerbühne zu Paris gelöset worden war. Die Schwarzen, die bisher wie das Vieh behandelt worden und abends, wenn sie ermüdet aus den Plantagen kamen, in elende Hütten zusammengetrieben wurden, wollten nun frey seyn. Sie wiegelten sich gegen ihre Herren auf. Es gab blutige Treffen die Menge. Der Sieg war auf der Schwarzen ihrer Seithe. Diese überliessen sich den zügellosesten Ausschweifungen, verbrannten die blühendesten Kaffe- und Zucker-Pflanzungen und –Behältnisse. Überall, wo sie hinkamen, ware Verwüstung ihr Werk, Sengen und Brennen ihre Lust. So stehen die Sachen noch bis izt. Die Zeitungen liefern immer traurigere Nachrichten, besonders von Domingo. Und so steigen die Kaffe- und Zucker-Preise mit jedem Tage höher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten gehen die schwersten Wägen drüber. Am 18ten bitterkalt. Zu Zons ist kein Geriß mehr vorräthig. Viele arme Leuthe leiden große Kälte. Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Kälter. Am 20ten geht der Rhein dicht mit Eiß. Am 21ten ists etwas milder. Um die Mittagszeit fiel ¾ Fuß Schnee. In diesen Fastnachts-Tagen ist es still im Dorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Frost mit Schnee. Jacob Clemenz ist Bürgermeister geblieben. Anton Schmitz oder Pletsch Anton Schweinhirt, Gerhard Nusbaum Kühhirt und zugleich Nachtwächter. Leonard Mentz, seiner Profession ein verschlissener Schuster, ward Feldschütz. – Auf dem Feld liegt knietief Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[98]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Kälter noch als die vorige Tage. Man hat schon Vögel mit den Händen gefangen. Am 24ten sehr kalt., am 25ten etwas milder.&lt;br /&gt;
:Zu Worringen sizt noch des entwichenen Dieb, Christian Mörs, Hausfrau mit 2 Kindern. Der Gerichtsboth Wilhelm Bitter sollte selbige schliessen und füttern. Da dies aber unehrlich ist, so dankte besagter Wilhelm ab. Einer aus der Lohnemans-Familie nahm die Stelle an. Nun trafe es sich, daß der neue Gerichtsbott mit im Wirthshause karten wollte. Man wies ihn aber zurück, putzte den Stuhl, worauf er gesessen, mit einem Tuche ab, ehe ein anderer sich hinsezte. Der Gerichtsbott fienge an zu weinen und dankte die Stelle ab. Nun hat sich doch wieder ein Dritter ansetzen lassen.&lt;br /&gt;
:Der Rhein treibt noch dicht voll Eiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten fienge es allmählich zu regnen an. Der Rhein hat sich hoch oben gesezt. Am 27ten Regen. Diesen Abend kame das Obereis. Am 28ten Frühlingswetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Nachtfrost und Reif.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, 2ten, 3ten – Frühlingstage. Am 4ten und 5ten Regen und Sturmwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten friert es den ganzen Tag, und es schneet dabey.&lt;br /&gt;
:Nach den Berichten öfentlicher Blätter ist der Kayser Leopold der 2te in der Nacht vom 29ten auf den ersten dieses an einem Erbrechen gestorben. Man vermuthet, daß hier eine Vergiftung statt haben soll, die wahrscheinlich von Seiten der Brabänter veranstaltet worden, wo die Gährungen noch nicht gedämpfet sind. Am 10ten Frost. Am 11ten trägt das Eiß über. Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Es friert in Häuser und Ställe. – Diese Nacht ist beym Mondenschein ein Arrestant aus dem 32 Fuß tiefen Schloßthurme zu Zons entwichen. Es ist der nähmliche, welcher jüngst beynahe sich durchgebrochen hatte. Damals ward er zu mehrerer Sicherheit in die Tiefe hinabgelassen, wo man ihm vermittels einer Rolle das Essen reichte. Bey der heurigen Kälte begehrte der Gefangene immer mehr Stroh, wovon er sich ein Seil, das eine Art von Leiter vorstellte, verfertigte. Oben ihm saß sein Mittgesell an einen schweren Stein geschlossen. Die beyden konnten zusammen reden, und so begehrte der Ünterste, der da oben möchte auch ein dünnes Seilchen drehen. Als dieses fertig war, liesse er dieses hinab, und der Unterste band die stroherne Leiter an dasselbe, welches der Oberste wieder hinaufzohe, denn die Lücke zu dem Untersten ware vermittels einer Fallthüre in dem oberen Gefängniß angebracht. Der Oberste befestigte die stroherne Leiter, und in wenig Minuten ware sein Mittgesell aus der Tiefe hinauf gestiegen. Er wollte gerne auch ihn retten, aber die Schlösser zu lösen ware unmöglich. Sie schieden voneinander, der Gerettete nahm das Strohseil mit. Alle Fenster waren gegittert. Er versuchte nun, aus dem ehemals durchgebrochenen Loche hinabzusteigen, allein, die Leiter ware zu kurz. Nun gienge er wieder hinauf und lösete das Uhrseil, band die Leiter daran und liesse sich in der Nähe des Franziskaner-Klosters nieder, überstieg die Klostermauer und fand bey den frommen Vätern Sicherheit. Man sagt, daß er schon aus der Stad seye.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Sehr kalt. Das schwerste Fuhrwerk geht drüber. Am 14ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[99]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Leopold der 2te, Römischer Kayser, ist am ersten dieses gestorben. Am 27ten oder, wie einige wollen, am 28ten klagte er sich zuerst. Die Krankheit wird wohl auf zehnerley Art angegeben, und man kann sicher schließen, daß er vergiftet worden. In Brabant sind die Unruhen noch nicht gedämpft. Während der Revolution ward nichts an den Keyser bezahlt. Das verlangte nun Leopold alle zurück, und niemand will bezahlen. In den Erblanden sind unter Joseph II. über 300 Klöster aufgehoben worden, und von den 400, die noch bestehn, ware vom Leopold die Halbschied zum Aufheben bestimmt. Das ist aber auch der einzige Fehler der beyden lezten Kaysern, daß sie zu wenig Religion haben. Sonst waren Joseph und Leopold sehr gute Regenten. Joseph war gebohren am 13ten Merz 1741, zum Römischen König erwählt am 26ten Merz 1764, bestieg den Keyser-Thron nach Absterben seines Vaters Franciscus am 18ten August 1765, starb am 20. Februar 1790. – Leopold II. war geboren am 5ten Mey 1747, zum Römischen Keyser erwählt am 30ten September 1790, vermählte sich am 5ten August mit Maria Louise, Infantin von Spanien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 15ten bis 17ten – Regen und Wind. Am 18ten schönes Wetter bis am 21ten anhaltend. Man fängt in den Gärten fleissig zu graben an. Kornpreis 27 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 23ten bis 25ten – Schöne Tage. Am 26ten Regen, am 27ten heiter. Die Gründe unten im Feld sind stark verdorben. Die Berge haben auch viel gelitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis am 28ten – Schöne Tage, am 29ten und 30ten mit Regen vermischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, Palmsontag – Weil es fast den ganzen Tag regnete, so blieben wir diesen Nachmittag in der Kirche und hielten die 7 Stationen, so wie es bey der Prozession zu geschehen pflegt. Zwischen jedem Gesang wurden 5 &amp;quot;Vater unser&amp;quot; und ein Gesatz aus dem Rosenkranz gebeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten und 3ten – Schöne Tage, den 4. Regen, am 5ten und 6ten, als am Karfreitage, wüthet gräslicher Regen, von Sturmwinde begleitet, so daß dieses Jahr keine einzige Römerfahrt gehalten werden konnte. In den Köllnischen Landen wird alle Mittage von 11 bis 12 Uhr 6 Wochen lang für Leopold 2ten geläutet. Hier ist auch das bischöfliche Edict angekommen, allein, wir stöhren uns nicht daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten klärte das Wetter sich auf. Am 8ten, Ostertag, ists ausserordentlich warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 9ten bis 13ten – Sehr heiß. Den 14ten nordwindig trocken. Das Feld sieht schlecht aus.&lt;br /&gt;
:Der König von Schweden, der große Gustav, ist im Merz auf ofenem Ball von dem Baron Ankerström mit einer Pistole ins Eingeweide geschossen worden und einige Tage darauf gestorben. Der Thäter will nichts bekennen. Es sind noch 111 Personen von Adel mit in Verhaft genommen worden, welche mit zu der Verschwörung gehören sollen. Bey dem lezten Frieden mit Rußland hat diese Monarchie den Gustav als Souverein anerkannt. Das besagte dem Adel nicht, und wird die Ursache seyn, das der grosse König und noch größerer Held im 47. Jahre sein Leben verlor. Am 14ten bis 17ten schrafes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten bis 20ten – Regen und Schnee und kalt. Es ist viel Haber gesähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[100]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprilis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten hat es Eiß aufs Wasser gefroren. Kirschenblüh, Eschen- und Eichenlaub ist erfroren. Am 22ten Reif. Am 23. – bis 26ten sehr warme Täge.&lt;br /&gt;
:Der Christian Moeurs, welcher heuer aus dem Gefängniß zu Worringen entwischte, hat unter dem Namen von Venlo einen Brief ans Thumkapitul zu Kölln geschrieben. Er drohet, Worringen in Brand zu stecken, wofern man ihm seine Frau nicht herausgiebt. Es hat sich aber befunden, daß der Brief zu Wesel aufgegeben worden war, und jetz schon sizt der Delinquent zu Wesel geschlossen. Und man erwartet, daß er ausgeliefert werde. Am 27ten warm und schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten - Die heutige Gottestracht ware sehr glänzend und feyerlich. Das Wetter ware besonders schön, überflüssig warm. Den Nachmittag fanden sich viele Fremden ein, die bey Tanz und Spiel sich gütlich thaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Der Hagelfeier war so festlich als gestern. Am Abend fienge es sanft zu regnen an, den wir izt so sehr bedörfen.&lt;br /&gt;
:Es trefen izt wieder einige Österreichsche Regimenter zu Kölln ein, die alle über Bergheim und die Gegend umher sich zu den Spanischen Niederlanden hineinziehen, um die Gränzen vor dem Einfalle der französischen Patrioten zu sichern. Am 22ten dieses zeigten sich Kornähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Mey&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Warm mit Regen. Am 2ten kalt nordwindig trocken. Am 3ten hat es die Nacht Eiß gefroren. Am 4ten bis 6ten naß und kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 6ten – Heute um 4 Uhr ward nach gegebenem Seegen die Prozession nach dem Kreutzberge ausgeführt, welche noch voriges Jahr nach der Kirmes vollzogen wurde. Weil dann aber die nasse Witterung zu verdrieslich ist, so fand die Abänderung statt. Vor ungefähr 30 Jahren gingen sie auch um diese Zeit. Allein, damals wie izt waren nicht mehr als 60 Pilgrimme. Die Haaber ist auf 2 Reichstahler kommen, Korn verkauft man gerne um 1 Ducaten, aber es kömmt niemand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis am 8ten – Anhaltend kalt, falsches Wetter. – Die französische Nazional-Versammlung hat dem König von Hungarn den Krieg angekündet, weil dessen Vater die französische Auswanderer im Reiche duldet und die alten Verträge nicht beobachtet. Wirklich sind einige Scharmützel vorgefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 9ten bis 12ten – Kalte Nächte mit Reif. Am 13ten etwas gelinder, am 15ten naß und angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Ausserordentlich warm. Nach Mittag zohen einige Gewitter über uns, die einen erwünschten Regen hinterliessen. Am 17ten, als am Himmelfahrts-Tage, ware es dunkel, aber warm. Am 18ten Regen. Gestern blühte das erste Korn. Am 19ten sehr heis. Am 21ten zohe ein Gewitter vorbey, welches uns warmen Regen hinterließe. Dieses hat zu Oberaussem, Pulheim, Stommel, Roggendorf, das Worringer Espel, Fühlingen, Hittorf und hoch im Gebirg schrecklichen Schaden gethan. Es fielen Hagelsteine von 18 Loth. Ein Wagen unsers Posthalters ward im ledernen Überzug durchlöchert.&lt;br /&gt;
:Haaber gilt 2 Reichstahler, Korn 4 ditto.&lt;br /&gt;
:Dem schwedischen Königsmörder Ankerström ist erst eine Hand und dann der Kopf abgehauen. Verschiedene von Adel sind ihrer Ämter und Tituln entsetzet worden. Den 23ten reifte es die Nacht, im Tage heiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[101]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten bis 26ten – Kalte, nasse Tage. – Der Mey hat uns diesmal keinen einzigen wahren Meytag geliefert. Nur einzelne sparsame Abendstunden waren schön. Am 25ten sind die Kühe in die Benden eingetrieben worden. Der Pfachttax ist 5 Reichstahler. Es bliebe noch eine Kuhweide übrig. Mithin ward der halbe Morgen aus den Gebrechen nicht verpfachtet, und folglich, weil nichts zu strafen war, so war auch nichts zu zechen. Die Nachbarn entschlossen sich also, einen halben Morgen Gebrechen, für Heu zu machen, an Peter Pannes zu überlassen. Dieser wird längst den Mehbenden abgemessen und zu 4 Reichstahler bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten, am Pfingsttage, ware es des Nachmittags angenehm. Am 28ten kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Regen. Am 30ten und 31ten ausserordentlich schöne Tage. Gestern gienge ich mit dem Schefen Steinberger in die Gegend von Bergheim. Vor Stommel ware schon der zehnte Theil vom Korn zerschlagen. Je weiter linker Hand, desto stärker ware der Schaden. Höher auf Fliesten ware alles total zerschlagen, Gerst, Korn und Sahmen, als wenn eine Armee darüber marschieret wäre. Auf einem Acker waren mehr denn 30 Menschen am mähen, binden und hinwegfahren, um zu trocknen. Einige bauen die Stoppeln in die Brach, andere bauen und sähen Sommergerst, Buchweitz und Erbsen darin.&lt;br /&gt;
:Es war ein betrübter Anblick: hie auf einer Brachlagen ganze Haufen grünes Korns, dort standen Hausten getrocknet. Überall ward gemähet, was keine Frucht bringt. Büsdorf, Oberaussem, Bergheim und Ziverich ist nur an der linken Feldseithe getroffen. Allenthalben versicherte man uns, das Wetter habe schon hinten Eschweiler wie in diesen Gegenden alles verwüstet. Auch sagten mir viele, daß sie die Hagelsteine 5/4 Pfund schwer befunden haben. Es wären platte Schollen gewesen, rundum zackicht und inwendig ein schwarzer Stern, kurz: Solchen Hagelschlag haben wir bey Menschengedenk nicht erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Sehr warm. Am 2ten fängt der Wallhover Halbwinner an, Sahmen zu schneiden. Am 3ten heiß, am Abend war ein dunkler, stinkender Nebel. – Zu Coblenz wird ein Magasin errichtet. Haaber gillt wirklich 2 Reichstahler 30 Stüber, Korn 4 Reichstahler 30. Am 4. hitzig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Dunkel. Am 6ten trocken, am 7., Frohnleichnamstag, sehr angenehm. Diese Nacht um 1 Uhr hatten Frefler sich erkühnet, die Kirche einzubrechen. Unten, wo die alte Thurm-Thur zugemauert ist, hatten sie in der Fenster so viel Scheiben herausgenohmen, um hindurch zu kommen. Das Loch ware zum Einsteigen bereit, als Dorfjungen über den Kirchhof kamen, die ihre Mädcher besucht hatten, welche versichern, etwas laufen gehört zu haben. Und so vermuthet man, das die Diebe hiedurch verjagt worden sind. Des Morgens stand noch ein Leiterchen an dem Loche, welches dem Orban Meissen zugehört. Ein Kolter vom Pfluge des Hermann Hambloch, welcher an der oberen Hellbüchelsgasse gestanden, lage dabey.&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten bis 9ten – Kalt, naß und angenehm, nit Stunden, vermischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[102]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 9ten – Regen. Es ist die Halbscheid Kappus gesetzt und der Wintersahme fast alle gemähet. – Heute kamen 7 Schiffe mit Anspachischen Truppen den Rhein hinab. Am 10ten bis 12ten abwechselnd kühl und naß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten bis 14ten – Wind und Regen treiben ihr Spiel in ausschweifender Wildheit. Der Rhein schwillt an und wird bald austreten, wenn&#039;s sich nicht ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Heiter und heiß, so am 16ten. Heute kamen 10 Kohlschife den Rhein hinauf. Ihre Ladung bestand in Preussischen Soldaten, Weibern und Kindern, vom Regiment Ekartsberg, welches bisher in Wesel lag und nun nach Bayreuth verlegt worden ist und über Opladen seinen Weg genommen hat.&lt;br /&gt;
:Es wird viel Haaber zu 3 Reichstahler aufgekauft und nach Koblenz gefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten bis 21ten – Kalt mit kleinen Regenschauern. Am 15ten dieses ist die zu Worringen eingehaftet gewesene Frau des Christian Mörs aus dem Gefängnis entwichen. Sie hatte die Schlösser durchgefeilt und den Zeitpunkt morgens 5 Uhr benuzt, als die Wächter abgegangen waren, ehe die neue da waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten und 24ten – Schöne Tage. Die Früchten wollen etwas abschlagen, weil eine Menge Preussischer Fruchtschiffe den Rhein hinauf kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten ist der berühmte Bandit Kristian Moers unter einer Bedekung von 6 Husaren in Zons eingebracht worden. Er saß auf einem Pferd, die Füße waren unten dem Pferd zusammen geschlossen, und ist im Judenthurm herabgelassen worden, wo der eine sich diesen Winter mit einem strohernen Seil erlöset hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 25ten bis 30ten – Heisse Tage mit fruchtbarem Regen. Der Stein Woll wird zu 8 Reichstahler speties verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Angenehm Wetter. Am 2ten kalt, am 3ten wärmer. – Heute ist zu Zons der Schmits Jacoben Sohn gestorben. Er wurde am Sontag nachts geschlagen. Die Geschichte ist diese: Er hatte ein Mädchen 6 Jahre lang geliebt und liebte sie noch. So saß er dann, weil der Abend schön war, mit noch einigen seiner Gespielen vor des Nachgängers Thüre, wo das Mädchen wohnte, die ihm Gesellschaft leistete. Conrad Schoch, Sohn des Peter Schoch und Agnes Sand, hier aus Dormagen gebürtig, wohnte auf der Zonser Mühl als Junge und sahe auch das Mädchen gern. Den Abend ware er etwas betrunken. Als er jenes Beysammenseyn vernahm, erwachten Eifersucht und Rache in seinem Busen. Er gienge mit andern hin, machte etwas Lerm, das auch so viel früchtete, daß das Mädchen zu Bette gehen muste. Conrad wollte nun zur Mühle schlafen gehn. Seine Gegner kamen ihm aber zuvor. Er flüchtete in Begleitung anderer sich wieder in die Stadt. An der Paterkirche kamen beide Parthien zusammen. Conrad ware unbewafnet, der Schmidt aber hatte eine Kar-Runge, womit er nach dem Conrad schluge, der ihm aber das Holz aus den Händen wand und ihme einen Schlag aufs Haupt anbrachte. Nun verstärkten sich beyde Parthien. Es ward heftig geschlagen, wovon dem Schmit aber das Meiste zu Theil ward, der sich nun zu Bette begab, ohne daß seine Mutter etwas davon vernahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[103]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am andern Morgen (es ware gestern, am 2ten Julius), als es schon späth war, hörte die Mutter, daß die Nacht geschlagen wurde. Sie erinnerte sich ihres Sohnes, den sie in noch zu Bette und sprachlos im Blute fand. Sogleich wurden Ärzte herbeigerufen, aber alle Hofnung zum Leben ware dahin. Ein Schlag auf den Kopf ware tödlich, ein anderer aufs Herz hatte die Brust hoch aufgeschwellet. Die Finger waren an einer Hand zerschlagen, und da der Kranke ohne Sprache war, so durfte der Pastor ihm nur die lezte Oehlung geben. Der Conrad Schoch flüchtete sich hiehin, wo er so lange bleibt, bis im Städtchen zum Todten geläutet wird. Der Kranke lebte durch kaum sichtbare Zuckungen noch bis heute, den 3ten, wo er im Mittage verschied.&lt;br /&gt;
:Conrad erwarte die Nacht, welche seine Flucht decken wird. Nun ists doch hart für den jungen Menschen, der in seinem 20sten Lebensjahre wieder seinen Willen zu diesem Unglück gekommen ist. So wie der heutige Tag sich neigte, näherte sich immermehr der Augenblick, wo er scheiden und sein Vaterland, Freund und Anverwandte wahrscheinlich auf ewig verlassen muß. Im dunkeln Abend sagte er seinen Schwestern &amp;quot;Lebe wohl&amp;quot;. Dann fiel er mit ausgestreckten Armen und starrem Blick gen Himmel auf die Knie und betete, ob&#039;s nicht möglich wäre, den bittern Kelch des Scheidens von ihm zu nehmen. Aber es durfte, konnte nicht seyn. Er muste fort und wäre es noch so hart gewesen. Nun wird dem Conrad freyes Geleith verschafet werden, damit er sich vor dem Gericht rechtfertigen kann, denn als er den ersten unglücklichen Schlag gethan hatte, warf er das Holz weg und flohe. Und da der Verstorbene 5 tödtliche Schläg erhielt, so haben wahrscheinlich des Conrads Kameraden ihm diese versezt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Heut Mittag kamen 800 Preussen vom Regiment von Woldek aus Minden in Monheim an, wo sie übernachten. Ich fuhr hinüber, in Begleitung des Scheffen Sturm, Jacob und Joann Steinberger und meines Bruders Jacob Delhoven. Es waren schöne junge Leuthe, von artiger Lebensart und auszeichnender Mannszucht. Am 4ten schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten und 6ten – Regen. Am 7ten dunkel, am 8ten sehr heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Heut ist das erste Korn gehauen worden. Am 10ten anhaltende Hitze. Am 5ten dieses ist Franz, der Ungarn König und Erzherzog von Oesterreich, zum Römischen Kayser erwöhlt worden. Am 11ten und 12ten heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Kühl. Am 14ten heiß mit durchdringendem Regen. Kornpreis 4 Reichstahler 1 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Es war ein schwüller, sehr heisser Tag, drauf folgte eine fürchterliche Nacht. Schon mit dem dämmernden Abend stiegen Gewitter-Thurme herauf, in West und Norden. Dies zog sich zusammen in eine weite Wolke. Um Mitternacht dumpf rollten Donner, und ringsumher erleuchtete der Blitz den pechschwarzen Horizont in unermeslicher Ferne, dann immehr näher und schröcklicher, bis es sich zertheilte, dann oben und neben uns mit majestätischem Krach hinabfiel und sich immer ferner und endlich kaum hörbar hoch im Gebirge sich verlohr. In der Kirche ward geläutet, und die Bewohner des Dorfs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[104–107]&lt;br /&gt;
[&amp;quot;Kaiserliche Reichs-Ober-Postamts-Zeitung zu Köln&amp;quot; Nr. 131, 1792.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[108]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
:beteten mit ängstlicher Andacht in ihrem Kämmerlein fromme Gebete. Ströme von Blitz und Feuer kreisten durch die Luft und erhellten die finstere Nacht, die dann wieder schwärzer und gräslicher wurde. Dabey regnete es einem Wolkenbruch ähnlich. So häufige Blitzstrahlen sähe ich noch nie mein Leben lang.&lt;br /&gt;
:Es ward wieder ruhig, und die Nachbarn löschten die Lichter aus. Kaum war alles in süssem Schlummer eingewiegt, als ein doppelt bohler Donnerknall herniederfuhr und den allgemeinen Schlaf in ängstiges Wachen verwandelte. Ich sprang auf und ans Fenster, weil ich einen Einschlag vermuthete, das aber nicht war. In der Kirche ward wieder geläutet, und die bange Andacht begann von Neuem. Plötzlich erhob sich der Westwind und truge die Schröcken verbreitende Wolken hastig vorüber. Zu Horm die Linde vor dem Dorf ward in der Spitze vom kalten Blitz getrofen, den sich um den Baum hinabschlängelte und sich in der Erde verlor. Die Schaale ist allenthalben gelöset, und die Splitter waren ringsumher verbreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Heiß. Es ist neues Brodt gebacken und Weiden gebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten-[2]1 und 22ten – Sturmwind mit Regen. Die Korngäste jagen alle um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Warm und trocken. Es wird langsam eingefahren. Am 24ten stärker. Das Korn ist unten im Feld sehr schlecht, und oben ist viele Reiff darin. – Der neue Kayser ist am 21ten bey dem König von Preussen zu Maynz gewesen. Die Preussische Armee, 52.000 Mann stark, steht in und um Koblenz. Die Franzosen fahren fort, ihren König zu beschimpfen und ihn wie einen Gefangenen im Schloß zu bewachen. In ersten Tagen wirds drauf los gehn. Kornpreis 11 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Schön Wetter. Es ist den Leuthen mit dem Einscheuren noch nicht ernst, denn es geht schläfrig zu. Am 26ten Regen, am 27ten bis 30ten anhaltender Regen. Es steht noch viel Korn fest, und das, was auf der Erde liegt, fängt an zu wachsen. Heu gillt das 100 Pfund 45 Stüber, Korn 11 Gülden, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber. Am 31ten sehr heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten ist wieder eingefahren worden. Am 2ten und 3ten große Hitze.&lt;br /&gt;
:Die Preussische Truppen sind von Koblenz auf die französische Gränze gezogen. Kornpreis 4 Reichstahler, Haaber 3 ditto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Heiß. Am 1ten dieses ist an der Kirche mit dem Weissen angefangen worden. Die lezte Renovation geschah 1779 und die davor anno 1723. Das Korn ist bald alle herein. Anhaltende Hitze bis am 12ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Zu Düsseldorff sind neue 2- und 3 Stüber-Stücke geprägt worden. Die Preußischen hingegen von 1, 2 und 3 Stüber sind verrufet. Kornpreis 4 Reichstahler, Sahm 9 Reichstahler 10 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Anhaltende Hitze. Am 16ten und 17ten dunkel, am 18ten Regen, so auch am 19ten. Die Prozessionen nacher Kevelaer sind dieses Jahr sehr stark. Das thut, weil um das 150ste, nehmlich das 3te Jubeljahr, gefeyert wird.&lt;br /&gt;
:In Frankreich geht es noch immer traurig zu. Ein Beweis davon gibt die beyliegende Zeitung. Die Preussen stehn an der Gränze. Der Herzog von Braunschweig ist Generallissimus über die Keiserliche, Prinzische und Preussische Armee. England und Holland sind noch neutral. Man vermuthet aber, daß sie bald der Coalition beitreten werden. Spanien und Sardinien rüsten sich gleichfals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[109]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Augustus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Regen. – Der König von Frankreich ist nun vollends abgesetzt und als ein Verräther des Vaterlands in einen Thurm, wo sonst Bankrotierer gesezt werden, eingehaftet und wird stark bewacht. Am 21. und 22ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Dunkel, warm, so auch am 24. bis 26ten. – Am 27ten Regen.&lt;br /&gt;
:Der Conrad Schok wird in der Reichszeitung edictaliter abgeladen, um sich über den am Jacob Stelzman in Zons verübten Todtschlag am 2ten Julius dieses Jahres in Zeit von 6 Wochen zu rechtfertigen. Wie ich höre, so wird freies Geleith für ihn bewirkt. – Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber. Bis am 31ten vermischt Regenwetter, warm und zuweilen Sonnenschein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Heiß. Am 2ten Regen, am 4ten heiß, am 5ten viel Regen. – Es steth noch eine Menge Haaber draussen. Wir hofen gutes Wetter. Die vereinigte Preussische und Keyserliche Armee hat Longwi oder Longwick eingenohmen und die Besatzung zu Kriegsgefangenen gemacht. Der Herzog von Braunschweig ist Generallissimus über alle Truppen, die gegen Frankreich stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Es ist ein betrübtes, armseliges Wetter; immer Regen mit abwechselnd warmen Stunden und dann wieder Regen, Tag und Nacht. Die Haaber ist noch lange nicht alle herein, Buchweitz und Bohnen noch fast keine. Alles fängt zu wachsen und zu faulen an. So habe ich&#039;s noch nicht erlebt. Wenigstens kann ich mich dessen nicht erinnern. – Die Feldmäuse finden sich allmälig wieder ein, und der Rhein beginnt merklich zu wachsen. Das Saamen Korn steth auf 5 Reichstahler, das andere etwas drunten. Auch wird die neue Haaber zu 20 Schilling verkauft. Das Heu hingegen ist bis auf 40 Stüber hinuntergekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Es ist noch immer elendes Wetter. Gestern schmeichelte es zwar ein wenig, drauf folgte aber eine stürmische Nacht. Es ist noch wenig Land zur Sath gebauet, und wenn&#039;s gut wird, dann muß die Sommerfrucht zuerst herein. – Die Preussen und Keyserliche werden von den französischen Patrioten öfter zurückgeschlagen. Hingegen ist jetzt Longwi, Brienne, Sedan und St. Amand in ihren Händen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Schon gibt es kalte Nächte und doch Regen im Tag. Die vereinigte Armee beschießt Diedenhoven mit Bombarden und glühenden Kugeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Nach Mitternacht um halber zwey ward diese Nachbarschaft in einen lebhaften Schrecken versezet. Gegen mir über hatten Diebe in die Stube des Joan Wilhelm Verhagen eingebrochen und wollten durch ein Fensterchen in den Winkel einsteigen, wo das Ellenwaaren-Lager war. Die Kerls waren so dreist, dass sie sogar ein Licht angezündet hatten, welches Verhagen sogleich erblickte. Noch sähe er einen da stehn, beschäftigt, die geräumige Öfnung zu erweitern. Mit Geschrei sprang er auf. Alsbald riefe die Magd oben aus dem Dachfenster um Hilf. Die Stubenthür ware von Innen verriegelt. Verhagen sprang an der Thüre hinaus, zerbrach die Pforte des Peter Schock, worunter die Oefnung war, aber von den Dieben liesse sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[110]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:keine Spur mehr sehen.&lt;br /&gt;
:3 Hemder, welche in der Stube lagen, nahmen sie nur mit, und ließen 2 eichene Stöcke mit ledernen Riemen da stehen. Man vermuthet doch, daß es Einheimische gewesen sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Zwey Täge ware es gut, drauf regnet es wieder Tag und Nacht. Kornpreis 15 Gülden. Am 23ten bis 26ten vermischt und Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten bis 28ten – Trocken. Am 29ten heiter. Am heutigen Michaeli-Tag waren verschiedene Fremde hier, die an dem vollkommenen Ablaße Theil nahmen. In allem haben an an diesem Tage 560 Personen gebeichtet. Die Prozession ware sehr zahlreich. Am Schwanen schenkte die Wittib Schefen Peter Sturm einen schweren vergöldeten Pfenning.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 7ten – Trocken schöne Tage. Der hiesige Schneidermeister Thomas Müller kame heute von Neus zurück. In dem Grunde diesseits Grimmlinghausen fiele er unter die Mörder, die ihm das Messer auf die Brust sezten und seine Habschaften foderten. Drauf fienge er zu schreien an und entwande sich aus ihren Händen. Vier Holländische Söldner, die auch dieselbige Straße hinabzohn, eileten herbey und retteten ihn. Die Strassenräuber nahmen seinen Hut und flohen davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Heut ist Conrad Schock (siehe am 3ten Junius) unter freiem Geleithe hier angekommen, um sich vor dem Gerichte zu Zons zu verantworten. Kornpreis 5 Reichstahler, Sahmen 10 Reichstahler, Haber 22 Schilling.&lt;br /&gt;
:Der Herzog von Braunschweig rückt mit 150.000 Mann ganz nahe auf Paris. Hingegen haben 20.000 französische Patrioten einen Ausfall gewagt. Speier und Wormbs ist in ihren Händen, wo sie starke Brandschatzungen begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Regenrich. – Die Unternehmungen der vereinigten Preussischen und Keiserlichen Armee wieder Frankreich scheinen nicht glücklich abzugehen. Der Herzog von Braunschweig ist wirklich auf dem Rückzug begrifen, und die Franzosen zu Speyer erhalten immer neuen Zulauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Es regnete ohn Unterlas den ganzen Tag. Deswegen waren der Fremden wenig. Im Schwanen, bey Schefen Steinberger im Anker, bey Mathias Schmitz im Goldenen Stern, bey Peter Pannes im Bäumchen, bey der Wittib Kupper im Rothen Leuen ware Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten ware es erträglich gutes Wetter, doch kame am Abend ein Donnerwetter mit entsetzlichem Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Diese Täge war’s immer mit etwas Regen vermischt. Die Musik und der Tanz währeten die ganze Nacht hindurch bis heute, Freitag morgens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[111]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Octobris&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Die Preussen, Keyserliche und Hessen sind so von den Franzosen zerschlagen, daß sie sich nicht mehr helfen können. Sie retiriren noch immer zurück ins Trierische hinein. Dagegen vermehren sich die Patrioten am Oberrhein so sehr, daß man ihre Zahl auf Hunderttausend angibt. Sie haben wirklich Maynz eingenohmen und wollen auf Coblenz. Deswegen sind izt 100 Pferd mit 18 prächtigen Wagen des Kuhrfürsten von Trier hier, welche übernachten. Sonst folgt ein Wagen dem andern. Alles flieht tiefer hinab. Wahrscheinlich kommen auch die Franzosen hieher. Kornpreis 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Schönes Wetter. – Der Rhein ist mit Schifen bedeckt. Alles flieht von oben herab. Die Köllner werden auch loß. Heute sind 79 vier- und zweyspännige Wagen hiedurch gekommen, die viele Karrigen mit Geld und Silberwerk ungerechnet. Auch kamen in 24 Stunden Zeit 9 Stafetten. Die Preussen haben Verdün und Longwi den Franzosen überlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten und 27ten – Anhaltend trockenes Wetter. – Der Adel und die Geistlichkeit fliehen noch häufig hiedurch auf Düsseldorff und Neus. Vor ein Bauernpferd wird bis Düsseldorf ein Kronenthaler Postgeld bezahlt, welches viele verdienen. Auch kommen noch immer Karrigen mit Pretiosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Die vereinigte Armeen rücken an. Die Franzosen stehn zu Bingen und werden nicht tiefer hinab ziehn. So hört auch nun das Auswandern auf. Am 29ten Regen. Am 30ten angenehm. Der geflüchtete Adel aus Kölln und den obern Rheinstädten kehrt nun wieder nach Hause. So hatte sich auch die Bönnische Kanzley in Zons bey Meyer zum Hirschen in Activitaet gesezt. Der schreibenden Herren sind 18. Doch gehn sie bald wieder nach Bonn, weil die Hessen und Preußen schon in Coblenz eintrefen. Die Franzosen sind abgewichen ins Hessenland, wo sie die Stadt Hanau einzunehmen gedenken, von der hessischen Besatzung aber viermal zurückgeschlagen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 4ten – Kühl und trocken. Kornpreis 5 Reichstahler 3 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Es ist gewünschtes Wetter für’s Feld. Wegen dem vielen Regen fiengen wir dieses Jahr späther zu sähen an. Mithin konnte dafür dieses schöne Wetter nicht nützlicher seyn. Da nun die äusserliche Arbeiten allmälig aufhören und der Reiz der Natur sich vollends seiner Zerstöhrung nahet, so fängt das Kriegen hinter den Stubenöfen wieder an. Obschon die Franzosen sich nach Maynz hinaufziehn und die vereinigte Armee am Rhein ankommen, so sind wir hier noch nicht außer Sorgen, weil man vernimmt, daß eine ungeheure Menge Franzosen aus dem Herzen von Frankreich zu den Rheinufern im Anmarsch sey, welche wahrscheinlich die Preussen und Keyserliche zum weichen bringen würden, und dann könnte leicht diese Gegend zum Kriegstheater werden. Übrigens begegnen die Franzosen den Landleuten um Maynz mit Lieblichkeit und Güte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[112]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Die Stafetten und die Post gehn sehr stark, so daß die Einwohner viel Geld verdienen, weil der Posthalter keine Pferd genug hat. Die Franzosen stehn zu Maynz und die Preussen zu Coblenz. Die Keyserliche stehn in Brabant, vor Mons ist ein blutiges Trefen zum Nachtheil der Keyerlichen vorgefallen. Die Franzosen haben Mons eingenohmen. Das Malder Korn gilt an 6 Reichstahler. Alles schlägt auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Es ware einige Tage windig-kühl, doch trocken. Die Saath im Felde sieht sich vortreflich an, Wenn wir sie nur ruhig einscheuren. In dem Trefen vor Mons sind 15.000 Österreicher und Franzosen geblieben. Die erstere ziehen sich schon hinter Brüssel zurück. So glaubet man, daß die Franzosen nach der gänzlichen Einnahme Brabants den Rhein hinauf zu uns kommen werden, weil auch der Befehl von Düsseldorff hier eingegangen ist, auf die Landstraßen an die Gränzen Pfähle zu setzen, mit der Ueberschrift: &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Kur-Pfalz, Herzogthüm Gülch&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;. Haaber &amp;lt;u&amp;gt;26 Schilling&amp;lt;/u&amp;gt;. Am Damme ist eine kleine Verhöhung auf der Krone gemacht worden. Es fängt am Monheimer Wege an und endiget sich am Bodenkreutzer Weg. Das Ganze ward ruthenweis an Schefen Jacob Sturm, Schefen Friderich Steinberger und Vorsteher Joan Langel vergantet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Kälterich Wetter, zuweilen naß. Die Franzosen haben ausser Löven, Antwerpen und noch etlichen Städten ganz Brabant eingenohmen. Die Prinzenarmee steht im Lütticherlande. Heute sind hier 2 Pfähle, welche das hiesige Territorium anzeigen, gesezt worden: Einer steht auf dem Damme und der andere auf der untern Grenze in der Gegend des Zonser Galgens. – Die Arrestanten sitzen noch zu Zons.&lt;br /&gt;
:Das Korn schlägt etwas ab. – Die Preussen stehn zu Koblenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Heute hat es sich zu erst an’s Frieren gegeben, am 26ten etwas stärker. Weitzen gilt 5 Reichstahler 5 Schilling, Haaber 25 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – An den Grenzpfahl oben auf dem Damm hatte ein Spaßvogel einen Arm in Form eines Wegweisers angebracht: Ein Finger wiese auf Knechsteden. Die Aufschrift war diese: &amp;quot;A[btey] KNEGSTEIN, grand ecu&amp;quot; – welche durch den Vorsteher Langel weggenohmen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Dunkel, kühl und naß. – Es stehn uns große Dinge vor. Um Neujahr werden wir viel mehreres wissen, und vielleicht werden wir schon in dieser Zeit manche kummervolle Stunde erleben. Die Österreicher haben nun ganz Brabant und Lüttich verloren. Als die Armee so viel Kreuz und Wiederwärtigkeit erlitten hatte, erlosch Muth und Unerschrockenheit in den sonst so glühenden Kriegern. Anfangs wiederstunden sie den Franken. Als sie aber allenthalben geschlagen wurden, sagten sie ihren Führern, daß sie nicht mehr fechten wollen. Wirklich sind 60 Wagen Blessirte in Kölln angekommen, und diesen Nachmittag rückte die Keyserliche Ritterschaft, welche noch mit dem Leben davongekommen sind, in Kölln ein. Nun steht den Franken der freye Eingang zu uns offen, welche wirklich in Aachen sein sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[113] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Frostig. Heut Mittag kame ein 30 Mann starke Abtheilung Bönnische Soldaten hier an. Sie assen in Wirthshäusern für Geld zu Mittag und giengen nach Münster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Heut kame die Bagage des Kurfürsten von Kölln hier an; 12 Wägen mit 80 Pferden. Am 4ten folgte die Bagage der Gouvernantin aus Brabant, welche wie die gestrige hier übernachtet haben. Zu Nivenheim schliefen diese Nacht 300 Ausgewanderte, welche nun alle von der Armee abgedankt sind und sich gleichfals durch die Welt betteln müssen. In ihr Vaterland dörfen sie nicht zurückkehren, weil die Nationalversammlung die Todesstrafe über die verhängt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Es hagelt und stürmt mit Schnee und Regen zügellos durcheinander, als wenn die Welt vergehen wollte. Die Saath im Feld sieht sich vortreflich an. Die Früchten steigen, weil zu Deutz ein Magasin angelegt wird. Das 1000 Pfund Heu wird zu 13 Reichstahler und drüber verkauft, schlecht oder gut, wenn’s nur Heu ist, Korn das Malder zu 3 Kronenthaler, Haaber zu 11 Gülden. Indessen schliesset sich der Krieg sich immermehr rings um uns her zusammen. Brabant ist nun vollends in den Händen der Franzosen. Die Keyserliche Armee steht zu Aachen und schicket unablässig ihre sehr elendig Verwundete über die Bergheimer Straß auf Kölln, wo sie in den Stiftern und Klöstern aufgenohmen werden. Bergheim und die Gegend umher ist hart mitgenohmen durch die anhaltende Züge, so daß in einem Hause oft hundert Soldaten essen und schlafen musten. Mühlheim, Hittorff, Monheim, Baumberg – allenthalben lieget es voller Keyserliche, und wir bleiben noch immer frey.&lt;br /&gt;
:Es sind noch 3 Grenzpfähle mit der bekanten Aufschrift &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Kurpfalz&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot; gesezt worden: Einer steht an Sassen, einer vor dem Hormer Heilgenhäusgen und der andere an dem Lymittenstein auf dem Zonser Damm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Es friert zuweilen, doch meistens nur eine Nacht, dan ändert sich wieder. Indessen haben wir an Sturmwind und Regen keinen Mangel, so daß wir eine Rheinüberschwemmung fürchten.&lt;br /&gt;
:Die Keyserliche Armee aus Brabant steht noch in der Gegend von Bergheim. Aus dem Jufernkloster Königsdorf sind die Nonnen auf Kölln entflohen. Die Keyserliche hausen da sehr übel. Auch in der Abdey Brauweiler haben sie ihr Wesen schon viele Wochen lang und lassen sich auf Kosten der reichen Mönche sehr wohl seyn. Nun kömmt eine Kolonne Franken von unten auf. Xanten, Geldren, Creifeld sind so wie Erkelenz und Aachen von Franzosen besezt. Der König von Preussen ist noch immer zu Coblenz und Frankfurt. Das Malder Korn wird um 6 Reichstahler gegeben, Haber 28 Schilling. Man ist schon bedacht, die besten Sachen zu verstecken; aus Furcht der Franzosen nicht so sehr als der Keyserlichen, deren noch eine starke Abtheilung zu Grevenbroich stehen, die leicht hierüber auff Kölln gehen dörften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[114]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1792&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Es ist noch immer regenriches, zuweilen angenehmes Wetter. Wegen dem anhaltenden Sturm und Nässe ward der Rhein gereizt, seine Ufer zu uebebersteigen und sich hier ums Dorf bis über die Köllnische Straße auszudehnen, doch fällt es izt wieder allmälig fort. – Ich hätte es nur nicht vorgestellt, daß wir noch so lange von Soldaten frey geblieben wären. Die Franzosen haben das Klevische Land sehr hart gebrandschatzet und sind wieder fort auf Ruremönd. Gülich haben sie dreymal aufgefodert, worauf der Commendant antwortete, daß, weil sein Hof die genaueste Neutralitaet beobachte, so könnte ersteres nicht statthaben. Das Keyserliche Haubtquartier steht noch zu Bergheim. Die Gegend umher wird rein ausgefressen, so daß Menschen und Vieh wahrscheinlich Mangel leiden werden. – Das Malder Korn steht noch auf 6 Reichstahler, Haber 1 Ducat.&lt;br /&gt;
:Zu Zons bestand die Garnison bisher aus zwölf Soldaten und einem Wachtmeister, welche am Rheinthore schildwachteten. Diese sind nun abgedanket worden. – Diese Nachricht ist irrig. Nur ist den Soldaten bedeutet worden, daß, wenn fremde Truppen einrücken sollten und hiedurch leicht Unordnung unter jenen und der Zonser Besatzung entstehen könnte, so sollten sie einstweilen Aufschläg, Knöpf und Kragen von ihren Röcken absöndern und alle militärische Zeichen vermeiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Es scheint, als ob wir keinen Winter haben sollten. Es ist noch angenehmes Wetter. Der Rhein hat sich wieder in sein gewöhnliches Lager zurückgezogen, und die Sath last vieles hoffen.&lt;br /&gt;
:Diesen Nachmittag kamen vier Keyserliche Reiter mit 3 Weiber hier an. Sie bleiben hier liegen, um Ordonanzen und Stafetten fortzubringen. Es sind sehr artige Leuthe, und man vernimmt izt von guter Hand, daß die Keyserliche so übel nicht sind, als man sie anfangs geschildert hatte. Heu wird für die Keyserliche Armee zu 20 Reichstahler das 1.000 Pfund gekauft und das Malder Haaber zu 4 Reichstahler. Korn steth noch an 6 Reichstahler, Gersten 4 und der Rabsahm eine Karolin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1793 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[115]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
:Wer sollte das gedacht haben, vor einem Jahre, daß wir um diese Zeit der Kriegsbühne so nah wären? Es ist so weit gekommen, daß man mit keinem Finger in die Runde weisen kann, wo nicht nahe und fern streitende Krieger zum Kampf bereit stehen. Stommeln ist nun auch mit einigen Hunderten besezt, und im Bergischen wimmelt es von frischen Preussen, die ihrem König zur Hilfe eilen. Dennoch geniessen wir bis auf diese Stunde süsse Ruh. Daß wir im angefangenen Jahre in ihrem ungestöhrten Besitz verbleiben sollten, scheint unmöglich zu seyn. Die große Furcht vor den Keiserlichen ist auch zum Theil verschwunden, seitdem man erfahren hat, daß, wenn sie bey ordentliche Menschen kommen, sie sich auch ordentlich betragen. – Die Nationalversammlung zu Paris hatte schon vor langer Zeit ein Edict ergehen lassen, daß jeder Bewohner Frankreichs den neuen National-Eid, &amp;lt;u&amp;gt;dem Gesätz und der Constitution getreu zu bleiben&amp;lt;/u&amp;gt;, ausschwören sollte. Da nun verschiedene Artikul des neuen Gesätzes geradezu dem Pabst und der katholischen Religion wiedersprechen, so weigerten sich gute Priester zu schwören. Man untersagte ihnen, den Gottesdienst zu halten, und ernannte endlich neue Bischöfe, neue Pfarrer und Subalternen an ihre Stelle. Die liegende geistliche Güter wurden eingezogen und den neuen Priestern eine jährliche Löhnung abgereicht. Die von ihren Ämtern verdrängte und zum Bettelstab herabgewürdigte Priester musten nun auswandern und kommen hier durch. Vor 8 Tagen kamen zwey von diesen abgesezten Pastoren im Dunkeln vor hiesiger Pfarrwohnung an. Der Pastor, der ohnehin kein Freund von armen Fremden ist, ließe sie durch seine Köchin abweisen. Die Art, womit dies geschah, mocht wohl etwas grob seyn. Sie waren von Knechsteden herabgekommen, wo der fromme Kellner ihnen aus kristlicher Milde 27 Stüber verehrte und sie mit der feinen, zu des reichen Klosters Nutzen wohlgemeinten Warnung abspeisete, daß die Franzosen nur 2 Stunde vom Kloster entfernt wären. Denen nun zu entgehen, müsten sie sich eiligst über den Rhein begeben. In dieser Stimmung kamen sie hier an.&lt;br /&gt;
:Es ware ein stürmischer Abend, als dieses vorging. Regen, Schnee und Wind trieben ihr Spiel in zügelloser Wildheit. Alle Unbequemlichkeiten der Elementen schienen sich verbunden zu haben, die müden Wanderer zu quälen. Da standen die beide arme Herren durchnäßt vor dem Eingange des Pfarrhofes und hielten einen Rath, wo sie die Nacht ihr Haupt niederlegen sollten.&lt;br /&gt;
:Der gegenüber wohnende Schefen Steinberger vernahm ihre traurige Rede, gienge zu ihnen und nahm sie auf in seyn Haus, pflegte ihrer mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[116]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:allem, was stärken und trösten konnte.&lt;br /&gt;
:Den folgenden Sontag versammelte sich eine angesehene Gesellschaft in dem Steinbergischen Hause, und man wurde eins, eine milde Beysteuer beysammen zu legen. Der Schefen Sturm gabe ausser einem Geschenk an Geld noch Wollenstof für ein Unterwest. Der Posthalter eine Krone, Joan Hambloch 1 Kron, Herman Hambloch eine halbe Kron, ein Reisender ½ Kron, Joseph Sturm ½ Kron, Jacob Steinberger einen Gulden, Joann Steinberger ein halbe Kron, der Chirurgus Eller 30 Stüber, ich selbst eine Krone. – Der Schefen Steinberger hielte sie noch einen Tag bey sich, während daß Jacob Steinberger mit mir nach Zons giengen, um sie dort bey den Zollherrn zu empfehlen. Am Kristabend schieden sie mit Tränen der Freude und Dankbarkeit von hier auf Nivenheim. Der dasige Pastor hielte sie die Feyertäge bey sich, lies ihre Kleider bessern und machen, gab dann jedem eine Krone mit auf	die Reis. Und so kamen sie in Zons an. Der dasige Professor der lateinischen Schuhle, Hr. Sourilliot, führte sie ins Zollhaus, wo sie lieb und werth waren. Am Sontag kamen die beyden Herren noch einmal hieher, um uns zu sagen, wie glücklich sie wären. Im Zollhause haben sie alles, was sie verlangen, und werden bey allen Freunden des Herrn Zollverwalters empfohlen, so daß sie, mit Geld und allen Bedürfnissen versehen, dem Ausschlag des Krieges ruhig entgegen sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten fienge es ein wenig an zu frieren, den 5ten stärker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten trat etwas Schnee ein, drauf erfolgte Regen. Es ist so viel Eis im Rhein, daß eine Person 8 Stüber Fährgeld zahlen muß. Am 7ten und 8ten wieder Frost. – Das Heu ist noch entsetzlich im Preise. Die geringe Leuthe verkaufen das in den Stoppeln und was mit der Egge Herausgebrachte pro 100 Pfund zu 1 Reichstahler. Das Keyserliche Hauptquartier steth noch zu Bergheim. Stommeln ist noch besezt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Schnee und Frost. Am 10ten stellte sich mit dem Abend Schnee ein, der sich zulezt in Regen verwandelte. Am 11ten fror es wieder. Gestern kamen 9 Düsseldorfer Soldaten auf Werbung hieher. Sie müssen 6 Wochen hier bleiben, werden bilettirt gegen Zahlung, welche die meiste Einwohner ihnen schenken, und verändern alle 8 Tag ihr Quartier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Anhaltender Frost. Das Malder Korn gillt 6 Reichstahler 30 Stüber, Haber 4 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu 25 Reichstahler zu Köln in der Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten stellte sich wieder Regen ein. Im Gohtischen herscht izt eine Windstille. Preussen sizt in Frankfurt, Custine in Maynz, Clairfait in Bergheim und der junge Keyserbruder Prinz Karl in Kölln.&lt;br /&gt;
:Die Früchten steigen: Korn 7 Reichstahler, Weitzen nur 6 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 5 Reichstahler, wildes Kleeheu das 1.000 Pfund 2 Karolin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[117]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten, Montag – Das gestern eingefallene Sebastianus-Fest ward heut gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Abends 8 Uhr kamen Quartiermeister vom Keyserlichen Infanterieregiment von Esterhazi hier an. Am 23ten um 12 Uhr mittags rückten wirklich 300 hier ins Dorf ein. Auf den Wallhover Hof wurden 32 Gemeine und 1 Offizier gelegt, Rheinfeld bekam deren 25 auf den Hof und nach Masgab mehrere ins Dörfchen. Hier im Schwanen der Oberst, bey Schefen Steinberger der Feldpater, bey Herman Delhoven der Hauptman Graf von Manz, bey Thomas Delhoven der Hauptmann Patsani, im Posthaus ein Major, im Pflug ware das Lazareth, bey Peter Pannes die Arestanten und bey Jacob Cremerius die Wachtstube. Am 24ten ware Rasttag und am 25ten brachen sie morgens von hier auf nacher Grevenbroich. Bessere Mannszucht und schönere Ordnung kann in Europa nicht anzutreffen seyn als bey diesen Hungaren. Die Einwohner haben sie herrlich bewirthet und sich nichts zahlen laßen. Der Abschied ware rührend, und die Einwohner wünschen, daß diese Völker den Winter durch hier bleiben mögten. – Angenehmes Wetter.&lt;br /&gt;
:Ich war schon zu Bette gegangen, als mich der Schefen Steinberger noch zu sich rufen lies, um die heutige Extra-Zeitung zu lesen, welche die schon lange gefürchtete Nachricht vom Tode des Königs enthielt. Seit dem 10ten August 1792 ward der König, seine Schwester, die Königin und die beyde Kinder im Tempelthurm, einem ehemaligen Kloster der Tempelherren, Tag und Nacht bewacht. In dieser Zeit wurde dem König von der National-Versammlung der Prozes gemacht. Die Klagpunkte bestehen meistens in Beschuldigungen, eine Gegenrevoluzion zu bewirken. Hiehin gehören Briefe vom König an die emigrirte Prinzen und das geheime Einverständniß mit dem Keyser und den vereinigten Armeen. Die Verantwortung des Königs wäre nicht hinreichend, und nun ward in der National-Versammlung abgestimmt. 360 stimmten, der König sollte erst nach dem Krieg gerichtet werden, 365 stimmten, der König sollte in Zeit 24 Stunden gerichtet werden. Nun wurde am 20ten dieses dem König angedeutet, daß er morgen sterben müsse. Der König begehrte, daß die Königin und seine Kinder bey ihm seyn dürfen. Zwey Beichtväter sollten gleichfals zu ihm ins Gefängniß kommen und die Schildwachen vor der Thüre bleiben. Zulezt begehrte er 3 Tage Lebenszeit, um seine Seele zu Gott und zur Ewigkeit vorzubereiten. Das Erstere wurde ihm bewilligt, das Leztere abgeschlagen.&lt;br /&gt;
:Am 21ten, morgens 10 Uhr ward der König aus dem Gefängnis nach dem Königsplatz geführt. Ruhig lies er sich die Hand auf den Rücken binden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[118]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Er wollte noch eine Rede an das Volk halten. Plötzlich aber fienge das Trommeln und das Pfeifenspiel so heftig an, daß nur die Nachstehende die Worte &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Ich verzeihe meinen Feinden. Möchte mein Todt Frankrichs Rettung seyn&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot; vernehmen konnten. Und nun war schon der Kopf von dem Leichnam getrennt. Nun erscholl ein lautes &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Es lebe die Nation&amp;lt;/u&amp;gt;!&amp;quot;, und die Patrioten färbten ihre Tücher in dem Blute des Königs, der in der Magdalena-Kirche begraben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Es gibt schon angenehme Frühlingstage. – Die Truppen, welche hier in Quartier lagen, hatten eigen Brodt und Fourage. Was ihnen sonst gereicht wurde, musten sie selbst zahlen, welches ihnen doch die meiste Einwohner geschenkt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Nachmittags 2 Uhr rückten 600 Keyserliche vom Regiment Brechoinville Infanterie hier ein. Sie hatten 170 Bagage-Pferde bey sich, blieben die Nacht hier und sezten am 2ten, als am Lichtmeß-Tage, ihren Marsch auf Wevelinghoven fort. Sie hatten keine Fourage und Brodt bey sich. Jedem Soldaten musten 2 Pfund Brodt, ½ Pfund Rindfleisch, Suppe, Gemüß und ½ Maas Bier gegeben werden. Dafür ward dem Bürgermeister 8 Kreutzer bezahlt. Gestern musten Rationen geliefert werden: 6 Pfund Haaber, 10 Pfund Heu und 3 Pfund Stroh. Dafür wird 18 Kreutzer zahlt und für jedes Vorpferd bis Wevelinghoven 30 Kreutzer. Schöne Mannszucht der Offiziere sowohl als der Gemeinen herschte bey diesen Völkern, welche seit dem 1ten December 1792 aus Böhmen auf dem Marsch sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – In Zons wird Mehl aus dem Keyserlichen Magazin zu Kölln von den Einwohnern zu Brodt gebacken. Für den Centner wird 50 Stüber zahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Tag und Nacht müssen vier Dienstleuthe beym Bürgermeister sitzen, um dem Ordonnanzen die Wege zu weisen. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler 15 Stüber, Haber nicht gerne 5 Reichstahler. Es gehen immerfort starke Truppen-Abtheilungen hiedurch auf Zons, Stürzelberg und tiefer hinab. Auch passirten einige 40 Husaren zweimal hiedurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten kamen 3 Compagnien vom Infanterie-Regiment Kahlenberg hier in Quartier. Der Stab und das Lazareth gienge durch auf Zons. Sie haben kein Brodt und Fourage bey sich. Es ist keine so gute Lebensart unter ihnen als unter denen, die bisher hier waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Heut haben die Soldaten Brodt bekommen. Es ward mit 6 Dienstkarren von Zons hiehergebracht. Am 6ten marschierten die 3 Kompagnien, so hier lagen, auf Nivenheim und Uedesheim. Hingegen rückten 3 andere von Nivenheim und Stürzelberg hier ein. Man gibt den Gemeinen Gemüß umsonst, das Fleisch bezahlen sie. Sie haben wieder besonders gute Mannszucht. – Angenehm Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[119]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Regen. – Die Soldaten sind wirklich als wie hier zu Haus. Sie vertragen besonders gut mit Jederman. Morgens, mittags und abends wird getrommelt. Bey Henrich Cremer unter der Leufen gegen dem Keyserlichen Posthaus steht die Schildwache, welche abends nach dem Zapfenstreich jeden Vorübergehenden mit &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Wer da?&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot; anruft. Dafür, daß die Leuthe dem gemeinen Soldaten das Gemüß schenken, verkaufen sie ihnen das Pfund Brodt, so sie übrig haben, um einen Stüber, das doch sonst mehr dann 2 Stüber gillt. Mit diesen Truppen ist vieles Kreutzer-Geld ins Dorf gekommen, darunter ist eine Art sogenannte Siebzehner, worauf Keyser Leopold der Erste in XV Kreutzer geprägt ist. Diese wollen einige nur für 11 Stüber, andere vor 14 Stüber nehmen. Das macht viele Confusion. – In der Scheune des Jacob Cremerius und noch in verschiedenen andern wurden die Recruten exerciert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Weil es heute angenehmes Wetter war, so musten 2 Compagnien draussen exercieren: eine vor dem Wallhover Hof, die andere in den Kuhbenden. – Nachts gehn Patroullien um das Dorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten, &amp;lt;u&amp;gt;sontags&amp;lt;/u&amp;gt; – Um 9 Uhr zohn die hiesige Truppen auf den Kirchhof. Sie wurden auf den Weg in Reihen gestellt, und so giengen sie in die Kirch, wo nur für sie allein Messe gelesen wurde. Nach diesem begann das Hoheamt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Nie gienge die Fastnacht so still vorüber wie diese. Im ganzen Dorf ist keine Musick, und die Soldaten betragen sich sehr gut. In Horm, Zons, Stürzelberg, Uedesheim, Nivenheim, Hackenbroich und Delven ist alles mit Soldaten besezt. – Frühlingswetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten muste das hier und rundumher liegende Regiment Kahlenberg auf der Stürzelberger Heyde sich morgens 8 Uhr zur Musterung versammeln. Es schworen sie alle den Eid. Demnach wurden sie verlesen, und nun marschierten die Compagnien wieder in ihre Cantonirungen. Es waren viele Einwohner aus Zons, Dormagen, Nivenheim und Uedesheim zugegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Anhaltendes Frühlingswetter. Die Herren Ofizier und gemeine Soldaten betragen sich unvergleichlich. Der Krieg bringt Geld ins Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten musten unsere brave Kahlenberger Soldaten uns verlassen, früh um 3 Uhr ware schon alles in Bewegung, und um halber 6 waren sie in den Kühbenden aufgestellt. Von da gieng der Zug über Neuenberg auf Wevelinghoven. Die Ofiziere waren alle mit 4-rädrigen Wagen hieher gekommen. Nun kame der Befehl, daß die Wagen abgeschaft und die Equipage auf einige Pferde gepackt werden sollte. Verschiedene kauften die Wagen mit dem Pferdegeschirr um 4 Kronthaler. Der Abschied fiel mir besonders schwer, da ich mit den Ofiziers die Zeit hindurch wie Brüder lebten. Bald werden blutige Schlachten erfolgen, und die Vorstellung betrübt mich so sehr, daß mancher dieser redlichen Männern fallen wird. – Kornpreis 4 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[120]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Mit den heut abmarschierenden Truppen musten 8 Dienstkarren auf Grevenbroich fahren, und gestern musten um 5 Uhr früh morgens 24 Pferde mit Karren zu Kölln seyn und dort Heu und Haaber auf Bergheim fahren. Sie kamen heute zeitig wieder, abends 8 Uhr aber kamen 170 zweyspännige Karren mit Haaber, welche auf Zons fahren musten. Sie waren aus den Ämtern Bergheim, Brühl, Hülchrad und Düren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten musten wieder 18 Karren auf Kölln fahren. Sie laden dort Fourage und fahren auf Bergheim. Am 27ten abends 10 Uhr muste die vereinigte Armee aufbrechen und die Nacht im Mondschein über die Ruhr gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – In der Gegend von Bergheim, Grevenbroich, Crefeld etz. ist kein Mann mehr. Heute hörten wir entsezlich Kanonieren. Viele wollen, es soll zu Mastricht seyn, welche Stadt die Franzosen belageren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Windiges Wetter. – Zu der Nacht vom lezten Februar auf den 1ten dieses um 12 Uhr machten die Keyserlichen Anstalt, um über die Ruhr zu setzen. Die Franzosen nahmen dieses gleich wahr und zohn sich dahin, wo die Keyserliche lebhaft feuerten. Während dem waren andere Keyserliche in entlegenen Orten beschäftigt, viele Bauernkarren in die Ruhr zu schieben, Bretter darüber zu legen, und nun waren die Brücken fertig. Die Keyserliche Armee, welche sich zu Gülich versammelt hatte, gieng nun hinüber, fiel den Franzosen in den Rücken, tödtete viele, eroberten 13 Kanonen und nahm 300 Gefangene mit. In Düsseldorf sind bey 6.000 Emigranten. Die Franzosen haben England, Holland und Spanien den Krieg erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Die ganze Keyserliche Armee ist in der Nacht auf den 1sten Merz in den Gegenden von Wassenberg, Gülich und Düren über die Ruhr gegangen. Die Franken hatten die Gränze schwach besezt und verließen sich auf die Stärke ihrer Kanonen, deren 20 blos in der Gegend von Aldenhoven den Keyserlichen zur Beuthe warden. Die Zeitungen geben den Verlust der Franken auf 2.000 an, die Verwundeten aber auf 1.600. Deren sind heute 80 Karren auf Kölln, mit der Kriegskasse, welche mit 16.000 Karolin, einem Sack Kronthaler und vielen Assignaten bespickt ware. Die Keyserlichen sollen bey 100 Gebliebene und etwa 60 Blessirte haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Die Keyserliche verfolgen die Franzosen noch immer auf der Flucht. In Aachen haben die leztern viele Kanonen verlohren, und bey Abgang der Post waren die Keyserliche schon 3 Stunde hinter Achen. Die 18 Karren, welche am 28ten Februar von hier auf Bergheim fuhren, sind noch nicht wieder hier, ausser des Joan Krahn sein Knecht und Pferd, welcher zu Aldenhoven entlassen wurde, weil sein Pferd unbändig ware. Die übrige musten der Armee nachfahren. Deswegen ist heute Joan Derichsweiler dienstweis nachgeschickt worden. Des Joan Krahn sein Knecht hat verschiedne ganz und halbtodte Franzosen am Weg liegen sehen. Die Bauern in der Gegend zohen sie aus und musten sie begraben und die noch lebende auf die Karren heben.&lt;br /&gt;
:Dieser Sieg sezt uns ausser allen Sorgen, fernerhin von den Franzosen heimgesucht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[121]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Es sind sehr angenehme Frühlingstage. In den Gärten wird fleißig gepflanzt. Heute kamen einige Dienstkarren wieder, welche eine Stunde von Mastricht abgeladen haben. Die Keyserliche schlugen die Franzosen fast alle todt, welche noch in der Gegend von Achen waren, so das die Franken in allem bey 11.000 Mann verlohren haben. Fast alle sind von Säbeln zerhauen und sehr wenige durch Kugeln getödtet worden. Demnach sezten die Keyserliche ihren Marsch auf Mastricht, worin zehntausend und Holländer lagen, die von den Franzosen belagert wurden. Bey Annäherung der Keyserlichen hoben die Franzosen gleich die Belagerung auf und gingen nach Lüttich, wohin Koburg ihnen folgte.&lt;br /&gt;
:Schon 3 Tage nacheinander sind viele hundert Karren mit blessirten Franzosen in Kölln gebracht worden, die alle sehr elendig aussehn. Auch wurden täglich einige hundert französische Gefangene nach Kölln gebracht, und wirklich haben die Keyserliche 40 Kanonen erobert, ohne diejenige, so sie bey Mastricht erbeuteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Heut Abend kame der ausgeschickte Joann Derichsweiler zurück. Er ist nicht weiter als Aldenhoven gegangen, weil er nicht wuste, ob die noch übrige Karren auf Mastricht oder auf Lüttich waren.&lt;br /&gt;
:Gestern wurde ein französischer Spion hiedurch auf Kölln gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Weil die noch ausgebliebene 4 Karren nicht eintrafen, so ist heute der Conrad Sand nachgeschickt worden. Die Karren gehören: eine dem Rheinfelder Halfen, eine dem Joan Cremer, dem Heinrich Tröster und eine dem Peter Fix. Es friert alle Nächte noch sehr stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten kamen 8 gefangene Franzosen unter Keyserlicher Bedeckung hiedurch auf Kölln. Die Preussen haben Ruremund und Venlo eingenohmen, die Keyserliche nahmen Lüttich ein und die patriotische Weiber schütteten kochend Oehl an den Fenstern heraus. Drauf wurde die Stadt geplündert und die Einwohner theils niedergemacht, theils gefangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Heut Abend kamen die noch zu erwartende 4 Karren von Mastricht zurück. Der Joann Sand kame gleich nach ihnen an. Er hatte zu Aachen vernommen, daß die Karren schon fort waren, doch hat er sie nicht getrofen. Das ganze Land muß bey der Keyserlichen Armee dienen. Von Nivenheim giengen gestern 29 zweyspännige und 20 einspännige Karren zur Armee. Davon ist auch das Bergische Land nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
:Heut wurden wieder einige hundert französische Gefangene auf Kölln gebracht. – Es friert noch so stark, daß die schwerste Wägen drüber gehn. Das Malder Korn gilt 4 Kronenthaler, das 100 Pfund Grummet oder Heu 1 Kronthaler, das Malder Haber 4 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[122]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zwey von den Zonser Arrestanten sind auf Bonn ins Stockhaus gebracht und der große Wilhelm frey entlassen worden.&lt;br /&gt;
:Die disjährige Fastendispens ist sehr gemildert. Der Ascher- und Quatertember-Mitwoch so wie der Mitwoch und Donnerstag in der Kahrwoche sind vom Fleischessen ausgenohmen, übrigens darf alle Tage mehrmahlen Fleisch gegessen werden, und diejenige, welche an Frey- und Samstägen während der Kriegszeit Fleisch essen wollen, müssen sich beym Pastor melden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten und 15. – Sehr schöne Frühlingstage, anhaltend bis am 22ten.&lt;br /&gt;
:Noch täglich kommen Dienstkarren von Oerdingen und aus dem Kemperlande hiedurch, welche zu Kölln aufladen und zur Armee auf Löwen fahren. Kornpreis 4 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten, Palmtag – Diesen Morgen regnete es ein wenig. Deswegen blieben wir diesen Nachmittag in der Kirche, wie vor einem Jahr. – Die Keyserliche haben den Franzosen am Josephstag ein Trefen bey Löwen geliefert. Es kostete beyden Theilen viel Volks, doch erhielten die Oesterreicher die Plätz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Um die Mittagszeit kamen hier 260 Preussen an. Sie schliefen zu Neus und wurden hier blettirt. Es sind genesene Kranke und Recruten, welche zur Complettirung der Regimenter zu Coblenz bestimmt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten, Mitwoch – Diese Nacht hat es sehr stark gefroren. Deswegen blieben wir diesen Nachmittag in der Kirche. Die 7 Stationen wurden gehalten: jedesmal das Liedchen &amp;quot;O crux&amp;quot; und 1 Vers aus dem &amp;quot;Jesus auff dir etc.&amp;quot; gesungen und 5 &amp;quot;Vatter unser&amp;quot; gebeten und damit geschlossen. Am Sontag ward auch noch der Rosenkranz dazwischen gebethen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Frost. Den 29ten angenehm. Die heutige Karfreytagsprozession ware klein, weil sie um 4 Uhr schon ausgeführet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten, Ostertag – Heute morgens um 5 Uhr musten schon 10 zweyspännige Karren in Kölln seyn, um Proviant für die Armen zu laden. – Der Pastor will das Beyeren mit den Klocken verbiethen, es seye dann, daß ein gesetzter Mann solches thue. Die Schefen und Vorsteher aber wollen sich vom Pastor nichts vorschreiben lassen. Der Pastor ließe sich den Thurmschlüßel vom Küster geben. Es wurde geschickt vom Pastor zu den Schefen und von diesen zu jenem. Es wurde heut nicht gebeiert. – Die 3 Töchter des Peter Schoch neben dem Joann Wilhelm Verhagen, wo der Wasser-Kanal ist, führen ein auffallend verdächtiges Leben: Die Älteste, Magdalena, hat neulich ein vaterloses Kind gebohren, die 2 andern, Anna und Margaretha, wurden ihrer Ausgelassenheit wegen vom Pastor in der Freytags-Miserere mit einem Seil geschlagen. Heut nach der Vesper hatten sich einige Purschen bey den Mädcher zum Kafetisch gesezt. Überdem besuchte sie der Pastor mit einem Stock und theilte kräftige Prügel unter die Gesellschaft, welche sogleich auseinander gieng.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[123]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1ter – Frühlingswetter. – Als der Küster diesen Morgen die Kirchenuhr aufwinden wollte, foderte der Schefen Steinberger den Thurnschlüssel. Drauf wurde gebeiert den ganzen Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Die Frühlingswitterung fällt noch an. Zuweilen reift es des Nachts. Kornpreis 4 Kronthaler, Haaber 15 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Es frieret noch alle Nächte. – Weil das Mutergottesfest auf den 8ten Aprill festgesezt ist, so wird diese 3 Täge das große Gebeth gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Kalt. Die 2 französische Geistliche vom 1ten Januar dieses Jahres haben sich die Zeit her zu Lindlar bey einem Anverwandten des Schultheis Mappius aus Zons aufgehalten. Sie haben Briefe erhalten, daß sie bey ihren Freunden so lange bleiben, bis in Frankreich wieder alles ruhig ist. Deswegen kamen sie heut nochmalen hieher, um ihren Gutthäteren zu danken und Abschied zu nehmen.&lt;br /&gt;
:Die Keyserliche sind nun wieder Meister von ganz Brabant. Des Keysers Bruder Karl ist zum Gouverneur ausgerufen worden. Die Franzosen stunden auf der Gränze. Ihr Anführer Dumurier ward zu Paris als Meineidiger der Republik erklärt, weil er mit dem Keyserlichen General Coburg im Einverständniß stünde. Dumurier sollte abgesezt und nach Paris gebracht werden. Der Kriegsminister Beornonville sollte das General-Commando übernehmen und gienge wirklich zur Armee ab. 4 Nationalglieder begleiteten ihn, um sich der Person des Dumurier zu versichern. Als sie bey den Dumurier kamen, fragten sie ihn, auf wessen Befehle er die Niederlande geräumet habe. Jener antwortete: &amp;quot;Blos auf meinen Befehl&amp;quot;. Dann fragte er sie, ob ihnen dann so viel an den Niederlanden gelegen wäre. – Allerdings erwiederten die Pariser. &amp;quot;Nun, so können sie einmal hingehen&amp;quot;, sagte Dumurier und gab seinen Husaren Befehl, die 5 in Arrest zu nehmen, welche dem Prinzen Coburg zugeschickt und auf Mastricht transportiert wurden. Wie es mit Dumurier und seiner Armee steht, weis man noch nicht.&lt;br /&gt;
:Maynz ist von den Preussen eingeschlossen und soll mit Landau zugleich angegrifen werden. Sachsen und Hessen sind mit dabey. Der König von Preussen hat das Commando. Die Engländer greifen mit Spanien Portugal und Holland zu Wasser an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[124]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Alle Morgens ist es weis gereift und hart gefroren. Dem Feld kann es zwar nicht viel schaden, weil es trocken ist, aber es ist so unangenehm, daß die Kälte diese schöne Frühlingstage verbittert.&lt;br /&gt;
:Das Dienen von Kölln zur Armee hört nun auf, jedoch ist noch nicht bezahlt worden. – General Dumurier ist beym Coburg in Mons. Von seiner Armee sind 20 tausend Mann bey den Keyserlichen. Es ist noch keine Haaber gesähet, weil das Erdreich trocken und kalt ist. – Das 100 Bauschen Stroh gillt 4 Kronthaler. Haaber und Korn werden nicht gefodert, weil es heist, die Magazine in Kölln sollen verkauft werden. – Die am 17ten November 1792 errichtete Neutralitaets-Pfähle sind an der Erde abgesegt und heimlich fortgetragen worden. – Der Conrad Schock (siehe am 5ten October vorigen Jahrs) hat sich in der Gegend von Kölln auf eine Windmühle vermiethet. Sein Prozes wird wahrscheinlich einschlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Bisher ware noch keine einzige von den Merzerschauren gekommen. Heute brachen sie mit Schnee, Hagel, Regen und Wind aus. Am 19ten regnete es unabläßig. Den 20ten, samstags vor unser Gottestracht, ware es weis geschneet und gefroren. Das sieht sich auf morgen schlecht aus. Kornpreis 7 Reichstahler, Haaber 14 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt; – Wieder alles Vermuthen ware es heut schönes Wetter. Um halbe fünf begann die erste Messe, gleich darauf die zweite, und um halb 7 das hohe Amt mit einer kurzen Predigt. Wir giengen aber ganz langsam, weil es morastig war, und kamen nach 12 Uhr wieder. Es sind keine Musikanten im Dorf. Seit lange ist das nicht gewesen. Am 22ten ward die Prozession bey schönstem Wetter vollführt. Pastor Bürg und Küster Herman Delhoven sind Alterthums halber die beyde Täg nicht mitgegangen. – Dumurier ist auf Wien. – Bis 25ten schön Wetter. Heut die 1ste Kornähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26. und 27ten kleiner warmer Regen. Das Korn gillt 6 Reichstahler 15 Stüber, Heu 1 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten bis 30ten – Etwas Regen, fruchtbares Wetter. Preussen, England, Holand, Sachsen, Hessen und der Keyser haben die Gränzen Frankreichs eingeschlossen. Rijssel, Maubeuge, Conde, Valenciennes, Landau,, Maynz und mehrere Festungen sollen zugleich angegrifen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Regen. – Der König von Preussen hat die Städte Danzig und Thoren mit noch einem District Landes von 268 Städten und 8.000 Dörfern in Besitz genommen. Rusland hat ebenfals einen Theil von Polen weggenommen, weil Polen Getreid an Frankreich liefern wollte, oder besser: weil es getheilt werden sollte. Das Malder Haaber gillt 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[125]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Majus&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Diese Nacht um 12 Uhr versammelten sich die Dorfjungen und riefen die Meylehnen aus. Es wird dann jedem Jüngling ein Mädchen zur Meyfrau ausgerufen, dreymal in ein Horn geblasen und dann gefragt, ob’s allen lieb wäre. Die Alten müssen so wohl als wir die Schönheiten des Lenzes empfunden haben, denn ihre Feyer des Wonnemondes beweiset dieses, als da sind: das Meyleuthen, das Beyeren mit den Klocken, sonn- und feyertags abends das Meysingen, wo die Mädcher um hin und wieder im Dorf aufgesteckte grüne Meyen tanzen und Frühlings-Lieder singen, oft bis in die späte Nacht. Die Lieder sind einfach und nach alter Sitte, meistens Lobgesänge auf den Mey, und von Lieb und Treu der Jugend. Fast in allen herscht Anmuth und viele Empfindung und Zartgefühl. Diese Gesänge mögen viele vor manch hundert Jahren zur Feyer des Frühlings bestimmt und von unsern schon zu Staub gewordenen Vorfahren in der Blumenzeit ihres Lebens gesungen worden seyn.&lt;br /&gt;
:Ich liebe vor allem diese Sitten der alten Deutschen, deren Gebräuche sich viel verlohren haben. Ihre Hochzeiten waren von den unsrigen ganz unterschieden. Jetz werden diese fast alle bey der Abendzeit vollbracht, hingegen ware es noch vor 50 Jahren Sitte, daß solche des morgens in aller Feyerlichkeit gehalten wurden. Die Braut wurde dann schwarz gekleidet, truge einen silbernen Gürtel und auf einer schwarzen Haube einen Blumenkranz oder die silberne Krone der Mutter Gottes. Alle Anverwandten, Freunde und Lieben wurden zur Hochzeit geladen, Baß und Viol fehleten nie dabey. Diese giengen voran, und ihnen folgten die Braut, Bräutigam und Gäste. So zohn sie mit klingendem Spiel in die Kirche, wo ein feyerliches Meßopfer begangen wurde. Dafür giengen Pastor und Küster mit zum Mittagmahl. Wenn dieses bald geendiget war, so reichte einer den Teller herum, worauf ein jeder eine Beysteuer zur Wiege auflegte. Demnach begann der Tanz, der sich mit dem Abend endigte.&lt;br /&gt;
:Des folgenden Tags wurde eine Seelenmesse gesungen, drauf erfolgte wieder Tanz und Schmaus wie vorhin. Oft wurde noch ein dritter Hochzeitstag zugesezt. Dann giengen die jüngere Gäste durch’s Dorf und schlugen Hüner, Enten etz. todt. Das nannten sie &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;die Fuck jagen&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;, und das Erbeutete, was sich auf der Straße trefen lies, wurde zum Nachessen angericht. Daß Zusammenkünfte der jungen Welt vielen Einfluß auf ihre Neigungen gehabt haben müssen, bewähret das alte Sprichwort: &amp;quot;Es wird keine Hochzeit vollbracht, wo nicht eine neue erdacht&amp;quot;. Noch vor 10 Jahren wurde bey einer Hochzeit mit allen Klocken geläutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[126]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute wurd 13-stündiges Gebeth gehalten, um dem Himmel für die glückliche Siege der Österreicher zu danken und über die vereinigten Wafen ferneren Seegen zu erflehen. – Auch wurde die Prozession zum Kreutzberg ausgeführt, die diesmal mit Kinder und alles gerechnet aus 25 Köpfen bestand. Vom 1ten bis 8ten Regen. Es singt nur eine einzige Nachtigall in den Gärten, rheinwarts gegen der Kirche. Im Kulk aber sind sie ohne Zahl. Das Malder Korn gillt 6 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 9ten bis 13. – Ausserordentlich feine Meytage. Unsere Felder versprechen trefliches Gedeihen und reichen Segen. Um so gutes Ansehn weis ich mich nicht zu erinnern jemals gesehn zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Donner mit Regen. Am 15ten, 16ten naß und unfreundlich bis 20ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingstdienstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Viele Menschen feyerten heute. Am Abend erheiterte sich der Himmel, und die junge Welt errichtete Meyen im Dorfe. Ich kame mit meinem Freund Jacob Steinberger von einem angenehmen Spaziergange zurück, den wir durch die Aue zwischen gesegneten Kornfeldern unter Philomenens sanften Klagen machten. Schön ware der Abend und Ruhe in der blumenreichen Natur. Wohlgerüche dufteten umher, Abendwinde spielten leise mit einzelnen Blättern. Da stimmeten die Mädcher im Dorf ihre Lieder an. Ich kann nicht sagen, wie seltsam rührend mir ward. Die harmonische Musick kann bey mir nicht so entzückende Empindungen hervorbringen als diese einfache Lieder der Vorzeit. Ein Knabe mit einer melodischen Flöte begleitete den Gesang, der beym Scheine des lieblichen Mondes bis in die Nacht unterhalten wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Trocken und etwas kalt. – Heut brachte mir der Schefen Steinberger die erste Kornblühe. – Die Preussen, Sachsen und Hessen stehn vor Maynz, die Keyserlichen, Hanoveraner, Engel- und Holländer vor Valencien und Conde. In der französischen Brovinz Bretagne hat sich eine Contrerevolutionsarmee zusammengerottet, welche wirklich Nantes und mehrere Städte eingenohmen haben. – Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler, Haaber 12 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten sind die Kühe in die Benden getrieben worden. Der Rheinfelder Halbwinner verpfachtet die Seinigen zu 5 Reichstahler pro Morgen. Es wurden auch 2 halbe Morgen Kämpf (den Mehebenden) Gras zum Abmähen verpfachtet worden: einer an Herman Hambloch zu 6 Reichstahler, der andere an Johann Steinberger zu 8 Reichstahler. Dafür sollen im künftigen Frühjahr eine Reihe Billweiden über den Mühlenberg und eine Reihe Rothweiden neben dem Ackerland gesezt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Es ist noch alle Nächte kalt. Das Feld sieht sich unvergleichlich an. Wenigstens gibt es viel Stroh. In den Häusern ist es sehr voll Ratten und Mäuse. Auf der Gillbach sind sie häufig im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[127]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Am heutigen Frohnleichnamstage war es ungewöhnlich kalt. Zuweilen drohete Regen. Darum ware die Prozession sehr klein. Der Mey hat uns nur 5 angenehme Tage gebracht. Das Korn will noch nicht allgemein blühen. Der Sahm steht wie bezaubert im Feld. Das Malder wird jetz zu 12 Reichstahler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten ware es gereift und gefroren und am 2ten wieder, doch wurde es nachher sehr warm. – Wir haben seit 30ten Mey ein Capuciner hier, der für den Pastor die Dienste versieht. Man sagt, er soll hier bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 5ten – Sehr heis mit etwas Regen. Am 7ten warmer Regen. Heut ist der 80-jährige Anton Krieger, &amp;lt;u&amp;gt;vulgo Bösen Anton&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;vulgo Bösen Anton&amp;quot; am Rand ergänzt.&amp;lt;/ref&amp;gt;, von Rheinfeld todt geblieben. Er arbeitete unten Zons auf dem Greend an einer Krippe. Das Seil eines ankommenden holländischen Schifes ergrif ihn, als er eben darüber schreiten wollte, warf ihn erst in die Höhe und dann in den Rhein. Er wurde gleich herausgeholt, und da das Leben von ihm gewichen war, in Zons begraben. Er brachte in Dürftigkeit alle Tage seines Lebens hin und hinterläst eine Tochter, die wegen ihres ausschweifenden Wandels sehr berüchtigt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten kamen 3 holländische mit Kanonen beladene Schife herauf. Ihnen folgten 18 Kanonier-Schaluppen, welche Maynz belagern sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Es folgen nun eine Reihe angenehmer, oft allzuwarmer Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten wurde der erste Saamen gemähet. Das Paar Korn und Weitzen gillt 18 Reichstahler, 14 Pfund Brodt 24 Stüber. Am 13ten dunkel. Noch singt die Nachtigall, aber nicht mehr so jubelnd wir im früheren Lenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14. bis 16. regnete ohn Unterlaß. – Am 12ten ist die Belagerung von Valenciennes angefangen worden. Die erste Salve geschah mit Tausend Kanonen und Bomben. Die Preussen stehn noch mit den Sachsen, Hessen und Pfälzern gedultig um Maynz. Die Spanier tringen vor, England zu Wasser und zu Land. Die Insel Tabago ist in Englischen Händen. Die Holländer stehn in der Gegend von Rissel, so daß Frankreich rundum eingeschlossen ist. Dennoch haben die Franzosen in der Gegend von Luxemburg eingetrungen und die Keyserliche Stadt Arlon weggenohmen. Das Malder Korn wird um 4 Kronenthaler verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. und 18ten – Sturmwind mit kaltem Regen. 19ten und 20ten viel Regen. Am 21ten ware es des Morgens etwas trocken, jedoch fienge es hernach wieder zu regnen an. Am 22ten, 23ten und montags den 24ten, als am Joannis-Tag, wurde das 40-stündige Gebeth, und zwar seit Ostern zum zweetenmale, gehalten. Alle drey Tage regnet es unablässig, und dabey ist’s so kalt, daß in den Stuben die Öfen eingeheitzet werden. Der Rhein wächst dennoch nicht sehr stark. – Das Malder Korn wird zu 8 Reichstahler und der Weitzen zu 11 Reichstahler verkauft. Man ist des Regens ganz und gar müde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[128]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten bis 27ten – Regen. – Es sind nun 14 Täg, daß es anhaltend geregnet hat. Der Buchweitz und die weisse Bohnen leiden das meiste darunter. Auch wird das Korn viel späther reif, und der Rhein dörfte leicht austreten. Die Mäuse finden sich zahlreich in den Feldfrüchten und im Klee ein. Aus diesen Ursachen ist der Pastor auf den Gedanken gerathen, eine achttägige Andacht zu halten, welche heut, am 27ten, abends halb 8 beginnt. Es wird der Rosenkranz gebethen und zweymal die Benediction gegeben. Der Capuciner, welcher seit 30ten Mey hier ware, ist wieder in Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Zu Mittag reinigte sich die Luft, und am 29ten ware es ungemein heis, doch regnete es des Abends wieder. Am 29ten hörte ich schrecklich Kanonieren. Es soll auf die Verschanzungen von Maynz seyn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30ten – Wieder heis und schön. – Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler, der Weitzen 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es sind glückliche Zeiten für die reiche Ackersleute: Heu, Stroh und jede Art von Frucht werden ungemein theuer bezahlt, und die Saath im Feld verspricht neue Schätze, weil der Krieg noch so bald nicht diese Gegenden verlassen wird, welche alles verschlingen, und woraus Geld die Menge hervorquillt. Für unser Land hingegen sind es wieder betrübte armselige Zeiten: für den armen Taglöhner, der im Schweis des Angesichts sein Brod gewinnen muß, für den Handwerksmann und für jeden, der nicht auf dem Seinigen ackert und pflüget. Es gibt kein Wunder, daß seit kurzer Zeit auf der Gillbach 14 Kirchen bestohlen wurden, worunter Gohr und Hüchelhoven gehören. Da das Pfund Brodt zu 2 Stüber bezahlt werden muß, ein ehrlicher Mann muß stellen oder betteln. Von dem kargen Taglohn läst sich keine Frau und Kinder ernähren. Allgemein beklaget man sich über den Gemüsmangel, welcher durch die Keyserlichen Einquartierungen enstanden seyn soll. Am 2ten heis mit Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Dunkel, warm und trocken. Am 4ten sehr heis. Das Malder Korn gilt 8 Reichstahler 30 Stüber. Zu Ordenbach sind Hessische Truppen, welche auf Grimmlinghausen und Grevenbroich zur Koburgischen Armee abgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten und 6ten – Dunkel warm. – Die Feldmäuse wirtschaften sehr übel in dem bald reifen Korn. In all unsern Feldern sieht man die traurige Verherungen ihrer Geschäftigkeit. Besonders zeichnet sich das Werth darin aus. Auch sind die Kornähren nicht stark besezt. Deswegen wird vermuthet, daß es nicht sehr gut auf’s Denn geben wird. – Gersten und Rabsamen wird gemähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten ware es unerträglich heis. Es ist viel Heu in Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Fortdauernde Hitze. Heut wird allgemein Korn gehauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Die Hitze ist unbeschreiblich. – Heut hat der Jussenhover Halfen etwas Korn eingefahren, weil er – kein Stroh mehr hatte für Klee zu binden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Der Regen ist sehr nothwendig und die Hitze nicht wohl zu ertragen. Die Nachtfröste vom 1ten und 2ten Junius haben dem aufrecht stehenden Korn nichts geschadet. Was aber sich gelegt hatte, da senkte sich der Reif hernieder und verdarb jene Plätze fast gänzlich. – Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 13 Gülden. Heut rückten hier 200 Pfälzer aus Düsseldorf vormittags ein. Sie gehen auf Kölln und wie man sagt zur Koburgischen Armee. Von Subordination wusten sie wenig, doch waren es übrigens Leuthe: gedultig und – dum wie die Schafe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[129]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten- Diesen Mittag zohe ein schweres Donnerwetter uns vorbey und hinterließ einen warmen, aber nicht durchdringenden Regen. – Es kommen viele Franzosen todt den Rhein hinabgeschwimmen. Sie sind aufgeschwollen und ekelhaft anzusehen. – Am 11ten dieses hat sich die Besatzung zu Conde zu Kriegsgefangenen ergeben. Die Hungersnoth ware aufs Höchste gestiegen. Als die Keyserlichen in die Vestung einrückten, da theilten die Soldaten ihr Brodt unter die Einwohner aus. – Valenciennes und Maynz werden noch belagert. – Tannenholz ist keins hier zu Land mehr zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten bis 22ten – Dunkel mit etwas unbedeutendem Regen. Am 23ten bis 26ten sehr heis. Wir bedörfen nichts so sehr als einen wenigsten 12 Stund anhaltenden Regen. Es werden einige Kühweiden gebauet, aber wenn es nicht regnet, so kann der Saame nicht wachsen. – Am 22ten dieses Monaths ist Maynz vermittels Capitulation an die Preussische Truppen übergegangen. Die aus 8 Tausend Gesunden und 4.000 Kranen bestehende Besatzung erhällt freyen Abzug mit ihren Wafen. Nur die Kanonen und Munizion müssen sie zurücklassen, so wie die teutsche Ueberläufer, welche sich in der Stadt befinden. Die Klubisten sind in die Gnade des Fürsten empfohlen worden. So sehr die Franzosen auch darauf drangen, daß sie mit abziehen sollten, so ist dieses ihnen nicht gelungen. Es wird viel eingescheuert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten bis 27ten – Sehr heiß und trocken. Am 26ten abends starb allhier der Jud Joseph im 43sten Jahre seines Alters. Er ware der aufrichtigste Jud, den ich in meinem Leben kannte, und hinterläst einen alten Vater, Wolf, dem er an nichts mangeln liesse. Vor 4 Jahren heyrathete er ein Mädchen von Bedbur namens Sörchel, die ihm eine Tochter, Martha, und ein Sohn, Theodor, gebohren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten morgens halb 5 wurde er zu Grabe getragen. 24 Juden folgten der Leiche. Dieses geschah deswegen so früh, weil es heut Sonntag war, wo beym Tage der Zulauf unbeschreiblich würde geworden seyn. Dennoch folgte ein Schwarm junger Leuthe dem Leichenzug, und ein Hirtenknab flötete unter ihnen melodische Lieder. Als sie aber tief ins Dorf hinab kamen, da fienge es so sehr an zu regnen, daß alle sich unter einem Dach schüzten. Nur die Juden giengen ungestöhrt dahin und verrichteten unter dem entsetzlichen Regen die Begräbnis. Drauf regnete es den ganzen Tag und die folgende Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Regen. Es steht noch vieles Korn auf dem Halme fest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 31ten – Heiß und schönes Wetter. – Es wird stark eingefahren und hinter den Mähern aufgeladen. Es gibt vieles Stroh. Allenthalben werden Kornbärme gesezt. Am 27ten ist Valenciennes mit Capitulation übergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 3ten – Sehr heiß. Heut kamen 35 Mann vom Regiment Callenberg aus dem Lager von Valenciennes hier an. Sie bleiben bis 5ten hier und gehen nach Prag, um die Recruten zu exercieren. Die Soldaten sind sehr froh, daß sie wieder hier sind, und die Einwohner haben sie mit Freuden aufgenohmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[130]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Donner mit Regen. Das neue Korn wird zu 6 Reichstahler 53 Stüber verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Warm und heiter. – Es wird noch Korn gemähet. Auch ist wirklich Haaber gehauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Dunkel, aber sehr warm. Auf dem Rheinfelder Acker liegt noch allenthalben und an etlichen Orten 4 Fuß tief der Flugsand, welcher im Jahre 1784 aus dem Damme und von der abgetriebenen Ländereyen dahin geschwemmt ist. Wenn nun der Wind etwas bey trockenem Wetter spielet, so stäubt der Sand hoch in der Luft über die nahe gelegenen Äcker hin, so daß noch Vieles auf dem Kranenorth verdirbt, was auch wirklich noch gut ist. – Das Malder Haaber gillt 1 Ducaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Warm und schönes Wetter. – Heut kame zum erstenmal die Procession von Much hinten Sibourg hie durch auf Kevelaer – sie mochten dritthalb hundert Köpf stark seyn – und speiseten hier zu Mittag. Kornpreis 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Heut Abend 8 Uhr starb der Jacob Cremerius an einem Schlagfluß, im&amp;lt;ref&amp;gt;Der Verfasser hat die Zahl nicht nachgetragen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jahre seines Lebens. Er hatte eine Art von Krebsgeschwüre am Aug. Zudem ware er wassersüchtig, doch vermuthete niemand seinen nahen Todt. Er stand kurz vorher noch an der Thür und übersah einige juridische Ackten, sezte sich an den Tisch und fiel vom Stuhl auf die Erde. Als die herbey eilende Nachbarn ihn aufrichteten, da ware schon alles Leben von ihm gewichen.&lt;br /&gt;
:Er ware ein Sonderling, und seinen Karackter und Thaten zu beschreiben, würde ein ganzes Buch füllen. Er ware einer der grösten, wohlgebildesten Männern im Dorf, und in vielen frühern Schlägereien bewieß er seine Stärke, die er auch einst in seinen Jünglingsjahren freventlich misbrauchte, und wofür ein gewisser Rösberg mit dem Leben büßen muste. Hingegen ware er auch zuweilen großmüthig und behandelte Betrunkene oft mit unverdienter Nachsicht. In den vornehmsten Gesellschaften ware er geschäzt und geliebt. Er konnte auf eine ganz eigene Art einen ganzen Zirkel beleben, und aus seinem Betragen konnte man seine Feinde vor seinen Freunden nicht unterscheiden. In den Jahren von 1760 bis 1780 spielte er eine große Rolle hier im Dorf. Der Adler, der Grünenwald und noch einige Häuscher brachte er käuflich an sich. Die Kuhrfürstlichen Speicher und die Windmühle nahme er mit seinem Bruder Heinrich in Pfacht. Die Merteskirchen-Länderey und wo etwas feyl ward, das kaufte er und bezahlte nur den Gottesheller. Meldeten endlich die Verkäufere sich vor Gericht, so ware er sehr geschickt, durch allmögliche Intriguen auch die gerechteste Sache in die Länge zu ziehn. Hieraus entstanden nothwendigerweise auf die Dauer unangenehme Folgen, die er mit unbeschreiblicher Kaltblütigkeit ertrug, und bey Vorfällen, die jeden andern muthlos und lebenssatt machen würden, blieb er sich immer gleich. So fand ich ihn einst auf seinen Lieblingsspatziergängen im Kulk, als ihm die Windmühle, die Kuhrfürstlichen Speicher und die Merteskircher Länderey abgenohmen und seine Kühe auf der Herberg verkauft waren. Da zergliederte er nur, wie er voll Selbstvertrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[131]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
:dieses alles durch Processe wieder an sich zu bringen gedacht, und aus dieser Absicht bauete er eine neue Scheuer, die ihm auch bey längerem Leben überflüssig würde gewesen seyn. Immer macht er grosse Planen auf die Zukunft, von denen kein einziger erfüllet ward. Früher wirtschaftete er mit seinen Schwestern, die durch kostspieligen Aufwandt und Schmausereien, durch List und Betrug seinen Untergang beförderten. Erst ackerte er mit 6 Pferden. Wie er allmälig seine Grundstücke verlohr, so fielen auch jene bis auf ein einziges, womit er ein Jahr seine wenige Arbeit verrichtete. Auf Lichtmeß miethete er keine Dienstboten, sondern er nahm mit denen Vorlieb, welche niemand haben wollte. Und da das eben der Auswurf ist, so wurde seine Oekonomie immer elender, zumal, da er oft 14 Täg in Düsseldorf seinen Processen nachgienge. So vereinigte sich alles, seinen Fall zu beschleunigen. Und wer weis, was auf die Zukunft aus ihm würde geworden seyn. Nur das Bedenklichste ist die traurige Gewissenslage, worin er sich an seinem Lebensende befand. Beynahe 10 Jahr hielt er die Anna Catharina Huh zur Haushälterin, die vor 6 a 7 Jahre mit einer Tochter niederkam. Er behielt sie dennoch bey sich mit dem Kinde. In diesem Frühling wiederhohlten sie die nähmliche Geschichte. Der Pastor fragte die Haushälterin um den Vater dieses zweiten Kindes, und sie nannte den Cremerius. Der Pastor gienge selbst zu ihm. Cremerius empfinge ihn sehr freundschaftlich, führte ihn in ein Zimmer und – gienge seinen Garten hinab ins Feld. Der Pastor ward endlich des Wartens müde, und wie er vernahm, daß er hintergangen war, so kehrte er zurück. Weil nun gütliche Unterhandlungen nichts früchten wollten, so verboth der Pastor ihm und seiner Haushälterin, die oesterliche Communion zu halten. Ich überbrachte ihm diese Nachricht, und auch hier ware er sich, wie immer, gleich. Wie er mich vernommen hatte, so antwortete er ganz gleichgültig: &amp;quot;Es ist gut.&amp;quot;&lt;br /&gt;
:Er hinterläst sehr beträchtliche Schulden, welche wahrscheinlich sein Vermögen übersteigen werden, und alles liegt sehr verworren durcheinander. So starb er nun verlassen von der Welt und unbetrauert von seinen Anverwandten, deren keiner um ihn eine einzige Thräne vergoß; zu einer Zeit, wo er noch Anstalten machte, die ihm auf lange, lange Jahren zu gut kommen sollten. Keiner ist wohl unglücklicher, als die, so sich ihm hingab, welche noch immer glaubte, mit ihm verbunden zu werden, und die Vieles erwartete, als sie auf einmal alles verlohr, der nun als der Ärmsten unter den Armen weiter nichts übrig bleibt, als mit ihren zwey vaterlosen Kindern den Bettelstab zu ergreifen und sich daran zu trösten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[132]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Anhaltende Hitze im Tag, und darauf folgen schöne Abende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Regen. Am 17ten trocken, aber kühl. Am 18ten regnete es mit Sturmwind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19ten – Gestern Abend kamen 12 Preussische Quartiermeister aus Wesel hier an, denen heut 482 Mann Recruten und Wiedergenesene vormittags folgten. Die Halbwinnere zu Wallhoven und Rheinfeld bekamen jeder 30 Mann. Das Betragen ist sehr gut. Es muß ihnen alles gereicht werden, gegen Bezahlung. Sie haben am 20ten Rasttag und gehn auf Maynz zur Ergänzung der Regimenter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Morgens 6 Uhr brachen die Preussen bey schönem Wetter auf. Das Batragen ware sehr gut und die Bezahlung schlecht. Gestern Abend wollten 14 Gemeine desertiren. Die Ofiziere sezten ihnen nach und hohlten sie an den Stadtmauren zu Zons ein. Es kame im Mondschein zum Feuern. Ein Gemeiner wurde blessirt, der doch mit neun andern entwischte. Nur vier, welche sich unter die Zonser Brücke verborgen hatten, wurden hier eingebracht und in Ketten fortgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22ten – Herrliches Wetter. Es wird viel Haaber eingescheuert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Zuweilen regnet es ein wenig, das aber die Sonne gleich wieder auftrocknet. Wir hätten einen dringenden Regen nöthig für Grummet und Weiden. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler 1 Schilling, das 100 Pfund Heu 45 Stüber. – Heute kame ein Ofizier mit 40 gemeinen Preussen von oben herab hier an, welche am 21ten heraufgezogen waren. Sie kamen wieder, weil ihr Regiment durch die oben Wiedergenesene schon complet war. Am 28ten giengen sie wieder auf Wesel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Gestern und heute ward in der Behausung des Jacob Cremerius der Rest von Meublen und einiges Vieh verkauft. Das meiste hatten die Schwestern und Bruder unter sich getheileit und heimlich weggetragen. Die Schulden werden wieder aller Vermuthen doch alle bezahlt werden, obschon solche sehr hoch kommen. Angenehm Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten regnete es mit wüthendem Winde. – Kornpreis 7 Reichstahler 9 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5ten – Heiter. – Diese Nacht sind Diebe zu Worringen in die Kirch gebrochen. Nur einiges Leinwand und ein kupferner Kelch haben sie gefunden, weil die besten Sachen anderswo verborgen waren. – Die Preussische Armee steht bey Landau, die Keyserliche bey Quesnoi und die Engel- und Holänder vor Dünkirchen. – Die Königin von Frankreich sizt noch mit ihren 2 Kindern im Gefängniß. Rabsamen gilt 14 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 9ten – Sehr angenehme Tage. – Das Malder Haaber wird zu 3 Reichstahler 1 Schilling verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – Seit dem 28ten Junius hatten wir keinen durchtringenden Regen. Die Fourage und das Gemüß hat sehr viel darunter gelitten. Klee ist fast keine mehr, und die Rübweiden sind sehr schlecht, ausser jenen, welche früh gesähet wurden. Dazu vermehren sich die Mäuse ausserordentlich. Das 100 Pfund Heu kostet 1 Reichstahler, das Malder Gerst 5 Reichstahler, Korn 7 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12ten – Warm und heiteres Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten – Heute ware es ganz heiß. Im Nachmittag zohe ein Donnerwetter vorbey. Es gehn von Zeit zu Zeit Hanövrische Truppen durch das Bergische über Grimmlinghausen zur Englischen Armee bey Dünkirchen. – Das Malder Weitz 9 Reichstahler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[133]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Heut um die Mittagszeit ward in Düsseldorf ein Mörder nahmens Peter Schaefer hingerichtet, weil er vor 3 Monathen seine Frau mit 19 Messerstichen ermordet hatte. Er war zu Pulm gebohren, wohnete zu Stommel, Monheim und anderswo bey Sohlingen, wo er auch verheirathet war. Er ware ein bratschigter Kerl mit einer wahren Schelmen-Physiognomie, 50 Jahr alt und mit einem blauen Rock bekleidet. Die Zeugniße seines Verhaltens und verschiedene Annecktoden beweisen, daß er schon in seiner Jugend viel Anlage zum Spitzbuben hatte, worinn er immer weiter gienge. Und da seine tugendhaftere Frau von seinen Diebereyen wuste, so fiel er auf den Gedanken, sie zu ermorden, damit er nicht verrathen würde. Am 12ten wurde i[h]m das Leben abgesprochen und ihm angesagt, daß er über drey Tage sterben müsse.&lt;br /&gt;
:Sogleich waren die Jesuiten bereit, ihn zum Todt vorzubereiten. Aber dazu ware er gar zu sehr Bösewicht, als daß das eifrige Bestreben der frommen Vätern auf ihn hätte Eindruck machen können. Er wollte von keiner Bekehrung und Buße hören, obschon er katholisch war.&lt;br /&gt;
:Der Pater Noelles, der viele Jahre her manchen armen Sünder zu Gericht geführt und hierzu sehr geschickt ist, both alle seine Beredsamkeiten auf, um ihm das Schreckliche seines verstockten Endes lebhaft vorzustellen. Er nannte ihm alle fromme Geistliche der Stadt und Gegend mit Namen und fragte ihn dann, ob er bey einem von diesen beichten wollte, worauf er &amp;quot;Nein&amp;quot; antwortete. Viele Geistliche, selbst der anwesende Kardinal-Erzbischof von Paris, besuchten ihn im Gefängniß und bemüheten sich vergebens, sein Gewissen zu rühren. Sogar eine vornehme Dame von Adel gieng zu ihm und bath ihn, sich doch seiner armen Seele zu erbarmen. Aber alle, so hinkamen, kehrten mit dem traurigen Bewustsein zurück, daß hier alles verlohren war.&lt;br /&gt;
:Die lezte Nacht schlief er sorgenlos. Viele Geistliche beteten bey ihm Tag und Nacht, ohne Unterlaß, für das Heil seiner armen Seele. Und die ganze Klerisey der Stadt vereinigte sich deswegen, heut für ihn Meß zu lesen, damit Gott ihm doch eine glückselige Sterbstunde verleihen möge. Diesen Morgen um 4 Uhr weckte ihn der Pater Nolles und sagte ihm, daß izt für ihn zum Todten geläutet würde. Er richtete sich auf, trat ans Fenster und sahe zu, wie die Leute da vorübergiengen. Der Geistliche verlies ihn und kame mit einer Anzahl Schuhlkindern zurück, welche um ihn aus vollen Herzen betehen, ob vielleicht das Gebeth der unschuldigen Jugend ihn bewegen könnte. Als aber auch diese vergebens gekommen waren, so reichte der Geistliche ihm nochmalen das Kruzifix in die Handt und fragte ihn, ob er dann nicht seelig werden wollte, worauf er wie vorhin &amp;quot;Nein&amp;quot; antwortete, und warf das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bild seines Heilandes unter die Füß auf die Erde nieder. Allmälig rückte die Stunde heran, wo ihm der Stab gebrochen werden sollte. Am neuen Bau ward er auf einen neuen Schlitten gelegt und rückwärts vor das Rathhaus gebracht, wo die Blutrichter seiner schon warteten. Er kame nicht aus seiner Stellung, als ihm das Urtheil vorgelesen und der Stab gebrochen wurde. Und nun gienge der Zug nach dem Hochgerichte, wo viele tausend Zuschauer versammelt waren. Wie er das Schafott bestieg, so hielt ihm der Geistliche noch eine feurige Rede: Er schilderte ihm mit den lebhaftesten Farben die Freuden des Himmels und die Quaalen der Hölle und stellte ihm vor, daß er noch in diesem Augenblick Engeln oder Teufel zu seinen ewigen Gesellschaftern wählen könnte. Dem Geistlichen stand der Schweiß auf der Stirne, und Thrähnen strömmeten ihm aus den Augen. Als er aber sahe sein unbusfertiges Herz, so verließ er ihn mit den Worten: &amp;quot;So fahre dann zum Teufel.&amp;quot; Da erinnerte ihn der Scherge nochmalen zu bedenken, welchen Schritt er wage, und bath ihn, sich zu bekehren, aber er sagte kein einziges Wort.&lt;br /&gt;
:Nun bemächtigten sich seiner die Henkersknechte und sezten ihn auf den Stuhl, banden seine rechte Hand auf den dabey stehenden Stock, beschnitten sein Haar und entblösten seine Schultern. Da nahme der graue Scharfrichter von Duisburg das Schwerd und hieb. Der Kopf sank ein wenig vorwärts. Die Schergen warfen ihn mit Stock und Stuhl um und hieben den Kopf auf der Erde vollends ab. Dann richteten sie den Rumpf wieder auf und hieben ihm auch die Hand ab. Nun erschiene der Geistliche wieder auf dem Blutgerüst und sprach zum Volk: &amp;quot;Wie gelebt, so gestorben. So geht&#039;s, wenn der Sünder seinen Gott verläst, so verläst Gott den Sünder. Nehmt einen Spiegel daran. Ich mag nicht für ihn bethen etz.&amp;quot; Es ward auch nicht wie sonst gebethen. Die Schergen flochten den Leib auf ein Rad, steckten Kopf und Hand auf die Stange und richteten selbige in die Höhe, zum schreckhaften Beyspiel der Vorübergehenden. Und alsobald zerstreuete sich das Volk, jeder nach seiner Heymath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten – Dunkel und warm. Am 11ten ist die Vestung Quesnoi von Prinz Koburg mit Kapitulation eingenohmen worden. Die Franzosen haben am 10ten die Engländer vor Dunkirchen geschlagen, und General Wurmser mit dem Herzog von Braunschweig sind in der Gegend von Landau 8 Stund von den Franzosen zurückgeschlagen worden. Zweybrücken ist von den Lezteren wieder überschwemmt. Hingegen hat die englische Flotte die Stadt Toulon &amp;lt;s&amp;gt;und Marseile&amp;lt;/s&amp;gt; eingenohmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten bis 19ten – Regen. – Kornpreis 4 Kronthaler. – Es gibt noch sehr viele Mäuse im Feld. Wenn die nur nicht in die junge Saath sich nisten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 20ten bis 28ten – Sehr angenehme, zuweilen dunkle und doch warme Tage. Es ist fast kein grünes Blatt mehr im Feld, so hausen die Mäuse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[135]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Der heutige Michaeli-Tag wurde sehr glänzend gefeyert, und weil es eben Sontag ware, so hatten auch viele Fremde daran theil genommen. Ein Minorit, von Kölln bürtig und Anverwandter unseres Posthalters namens Jockel, hielt eine kurze, aber bündige, geschmackvolle Rede, die allgemein bewundert und gelobt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten und 2ten – Warm mit etwas Regen. – Das Malder Gerst gillt 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Es ist noch anhaltend warm und dunkel. Kornpreis 4 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – Heut nachmittags 2 Uhr passirten 800 französische Gefangene unter ungefehr 150 Mann starken preussischer Bedeckung hiedurch. Sie waren im Zweybrückischen den leztern in die Hände gerathen. Es waren einige schöne Leuthe dabey, viele Kinder von 16–17 Jahren, die meisten aber mager und voll Ungezifer. Sie schliefen diese Nacht zu Müllheim am Rhein, die folgende zu Neus und gehn auf Wesel. Der Wirth im Stern Mathias Schmitz stand mit seinem Knecht Wilhelm Hardstein vor der Thür, welchen lezteren die Preussische Ofiziere unerachtet alles Weigerens bis auf Grimmlinghausen als Wegweiser mitnahmen. Angenehmes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11ten – In der Kölnischen Zeitung stand, daß der Jud Abraham von Glesch heute mit 40 der auserlesensten Füllen auf Dormagen kommen würde, welcher auch gestern zeitig hier eintrafe und heut beym Schefen Steinberger seine Waare aufstellte. Es waren viele Halfen von der Gillbach zugegen, welche 15 Füllen kauften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Es ware das schönste Wetter, das man jemalen um diese Jahreszeit erwarten konnte. Deswegen ware der Zulauf von Fremden unbeschreiblich. 14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Montag&amp;lt;/u&amp;gt;: Es war heute nur allzuwarm, besonders für die tanzende Jugend. Alles erlustigte sich in Eintracht und Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes-Mitwoch&amp;lt;/u&amp;gt; – Es ist eine Kirmes, so glänzend und festlich, als man sich einer ähnlichen im Menschenleben nur erinnern kann. Diesen Mittag kamen ganz unerwartet 160 Preussen von Wesel, welche am 7ten die gefangene Franzosen transportirt hatten. Sie wurden umblettirt und waren ganz ordentliche Leuthe. Als aber der Abend einbrach und die Soldaten bedrunken wurden, da gab&#039;s mancherley Händel. Bey Pannes im Bäumchen durfte niemand als Soldaten tanzen. Sogar musten einige Dorfjungen sich aus dem Dorf flüchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16ten marschierten sie auf Kölln. Diesen Nachmittag wurde die ehemalige Wohnung des Jacob Cremerius dem Meistbietenden verkauft. Der Amtsverwalter hatte die Direction. Erst wurde das Haus mit dem danebenliegenden Stalle ausgestellt und an Henrich Dekoven von Worringen um 1.225 zugeschlagen. Demnach wurde die leere Platz neben Joan Fabels für 400 Reichstahler ausgestellt. Joan Sand both im Rausch 100 Reichstahler auf die vier, und es wurde ihm zugeschlagen. Demnach wurden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[136]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:beyde Theile zusammen für 1.725 Reichstahler ausgestellt, und der Schefen Steinberger kaufte solches für sich und für meinen Vater Herman Delhoven um 1.753 Reichstahler, jedoch haben die Erben sich die Ratification auf 6 Wochen vorbehalten. Es wurde mehr dan 2 Ahmen Weinkauf in Rothem und Weissen gesofen. Drauf wurde getanzt und gelärmt bis in den lichten Morgen. Kornpreis 4 Kronthaler. Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18ten – Noch immer angenehme Tage. Am 26ten: Die Erben Cremerius haben ihr 6-wochentliches Reluitions-Recht wegen dem verkauften Erb an die Ankäufere überlassen. Der Schefen Steinberger bekömmt also das leere Erb und Herman Delhoven das Hauß. Die Anna Catharina Huh, wovon am 13ten August dieses Jahres Meldung geschah, ist als Miterbinn von den Schwestern und Bruder Cremerius eingesezt worden. Sie bekömmt nun den sechsten Theil von dem, was nach Abzug der Schulden übrig bleibt. Am 30ten Regen und Wind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Novembr&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten stellte sich der erste Frost ein. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler, Haber 2 Kronthaler. Die große Keyserliche Armee unter Koburg wollte Mauberge belagern und ware schon über die Sambre vorgerückt, als die Franzosen ausfielen und die vereinigte Truppen bis in die Gegend von Mons zurückschlugen. Hingegen hat die vereinigte Keyserliche und Preussische Armee in der Gegend von Landau die Weißenburger Linien erobert und beschiessen wirklich Landau. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
:Endlich ist auch die unglückliche Königin von Frankreich auf der Guillottine am 16ten October hingerichtet worden. Sie ist die Schwester des Kuhrfürsten von Kölln namens Maria Antonia, Tochter der großen Keyserin Maria Theresia.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Frost. Am 4ten dunkel. Am 5ten Regen. – Der Rhein ist ausserordentlich klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8ten – Regen, Wind. Die Preussen haben die Belagerung von Landau aufgehoben und sind gen Sarlouis hinabgewichen, weil die Franzosen dort einfallen. Auch in die Provinz Namur sind sie eingebrochen. Das alles machet die Lage der kombinirten Armee sehr bedenklich, und wir wünschen nichts so sehr als Friede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 15ten – Regen mit angenehmem Wetter vermischt. Kornpreis 8 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Angenehme, zuweilen dunkle Tage. Fortluis in Elsas ist vom Kayserlichen General Wurmser eingenohmen worden. Die Preussen wurden hingegen von Bilsch hinweggeschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Es folgen noch immer angenehme Tage, zuweilen etwas Regen.&lt;br /&gt;
:Die Franzosen haben den Keyserlichen General Wurmser zurückgedruckt und sind in das Herzogthum Zweybrucken eingefallen. Sie brandschatzen und pressen, wo etwas zu haben ist. Auch bey Trier drohen sie durchzubrechen. Es sollen frische Truppen aus den Keyserlichen Staaten hinabkommen, und dann könnte es leicht geschehen, daß solche im Frühjahr bey uns einige Wochen kantonirten, wie voriges Jahr die brave Kallenberger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[137]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1793&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Das Jahr nahet sich allmählig seinem Ende. Bisher hatten wir noch immer angenehme Tage, nur eine einzige Nacht etwas Frost. Der Rhein ist sehr klein. Deswegen kan man in den meisten Brunnen kein Wasser schöpfen. Die Mäuse im Feld wollen noch nicht vergehn. Viele Stücker sind gänzlich abgefressen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Um die Mittagszeit kamen 80 Preussische Blessirte, welche zwar wieder geheilet, aber doch zum fernern Dienst untauglich waren. Einem war der rechte Arm und einem andern beyde Beine abgeschossen. Das alles erhielten sie bey der Belagerung von Maynz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Es kömmt noch kein Frost. Sonst wechseln noch immer Regen und Sonnenschein einander ab. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler 20 Stüber. Rabsahm 12 Reichstahler, Haaber ein Dukaten und der Zentner Heu höchstens 1 Reichstahler. Noch immer kommen keyserliche Transporte hinab zur Verstärkung der Koburgischen Armee. Sie ziehn auf Bergheim, andere über Fühlingen auf die Gillbach und dann nach Niederland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Die gelinde Witterung hällt noch immer an. Die Mäus im Feld vergehn. Was sie früh abgefressen haben, das ist auch ganz verdorben. In voriger Woche ward wieder von der Länderey des verstorbenen Cremerius vor 2.300 Reichstahler verkauft. 2 und ½ Morgen Kornland auf dem Steinbüchel kaufte Jacob Cremer, Wirth im Pflug, um 500 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – So schliesset sich das Jahr, ohne Frost zu bringen; nur früh eine einzige Nacht, sonst hatten wir bis heute meist angenehmes Wetter. – Kornpreis ist 7 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, Haaber 11 Gülden. Nach dem Heu wird nicht gefragt. – Es ist für den Ackersmann ein trefliches Jahr, obschon das Korn schlecht aufs Denn gab, so ersetzet der hohe Preis dieses reichlich. Man kann noch nicht sagen, ob wir Soldaten ins Winterquartier bekommen, denn alles, was noch von oben herab kömmt, geht durch zur Koburgischen Armee, welche um Valenciennes auf Dörfern kantonirt, weil die Franzosen keine Winterquartiere beziehn. Ich lase gestern einen Brief des Obristen von Callenberg. Er schreibt, daß schon 22 Ofiziere von diesem Regiment theils todt, theils invalid sind. – General Wurmser und der Herzog von Braunschweig stehn von Landau bis Trier, und die ganze Truppenkette hat retiriren müssen. Für uns wäre Friede der beste Theil, wozu beym Abschied des Jahres keine Hofnung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1794 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[138]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Noch tobet Krieg und Verheerung rund um uns her. In Süden und Westen fallen die Krieger wie Schnee dahin zu Tausenden, und noch ist von fern und nah keine Hofnung, daß sich Frankreichs Fluren bald in Frieden sonnen werden. Indessen haben wir von den Franzosen keinen Ueberfall zu fürchten wie vor einem Jahr. Aber auf den Frühling könnte es leicht seyn, dass wir wieder Kayserliche Cantonirungen bekämen. Fast alle Wochen kommen kleine Trüppchen Preussen hiedurch, bald hinauf, bald hinunter. So rückten auch heute 28 Kanonier mit 2 Hauptleuthen hier ein. Morgen haben sie Rasttag. Die Preussen bezahlen nichts, betragen sich aber übrigens sehr gut. Droben bey Landau werden alle Tage Schlachten geliefert, in Valenciennes Gegend aber nur Vorpostenscharmützel. Indessen ist dort der Soldatendienst sehr hart; wie mir der Lieutnant von Vetterle, mein guter Freund, schreibt, daß sie in elenden Dörfern an der Sambre cantoniren müssen. Viele wollen behaupten, noch ein Jahr könnte der Krieg dauern, und dannach Friede werden. – Kornpreis 7 Reichstahler, Haaber 11 Gülden. – Es hat diese Nacht treflich gefroren. Es geht auf dem Felde drüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Den 4ten – Der Frost hällt an, doch ohne bitter kalt zu seyn. – Die Kriegsnachrichten vom Oberrhein sind für die dasige Gegend sehr traurig und wirklich beunruhigt für uns. Die Keyserliche und Preussen sind von Landau und aus den Weissenburger Linien hinweggeschlagen worden. Wurmser wird Speier und Manheim besetzen, der Herzog von Braunschweig auch in Maynz einziehen. Die preussische Kriegskasse ist nach Frankfurth gebracht, und alle Einwohner von Worms, Speier und Manheim verlassen das Ih...&amp;lt;ref&amp;gt;Rest des Worts durch Papierbeschädigung unlesbar.&amp;lt;/ref&amp;gt; und suchen ihr Heil auf der Flucht. Den Franzosen kann nichts wiederstehen. Allenthalben, wo sie hinkommen, erwartet sie Sieg über Sieg. Brand, Sengen und Brennen sind die traurige Folgen ihres Kommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Der Frost hällt noch immer an. Am 8ten ware schon viel Eis im Rhein, der izt sehr klein ist. Die Kayserlichen und Preussen haben bey der jüngsten Retirade ihre Magazine in Worms&amp;lt;ref&amp;gt;Lesung aufgrund einer Papierbeschädigung unsicher.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschlossen. Deswegen wird das Malder Korn um 4 Kronenthaler und der Haaber um 1 Ducaten [verkauft]&amp;lt;ref&amp;gt;Rest des Satzes durch Papierbeschädigung unlesbar.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Starker Frost und Raureif. – Man ist in hiesigen Gegenden wieder besorgt um einen Ueberfall der Franzosen. Sie nähern sich Koblenz, und die Preussen ziehen sich noch immer zurück. Die Kayserliche sollen in den Weissenburger Ländern über 100 Kanonen verlohren haben. Sie sowohl als die Preussen musten Magazine in Brand schiessen. Worms ist von den Franzosen besezt. – Der Rhein geht dicht mit Eis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten bis 15ten – Schwacher Frost. Es ist ein sehr leidlicher Winter. Oben steht der Rhein. Hier ist fast kein Eiß mehr darinn. – Die Franzosen haben sich hinter Kreutznach zurückgezogen. Im Trierischen und jenseit des Rheins müssen alle Bauern die Wafe ergreifen und gegen die Franzosen fechten. Dafür bekommen sie täglich 10 Kreutzer und 2 Pfund Brodt. Wir sind hier gefast, wenn die Franzosen anrücken sollten, keine Wafen zu ergreifen, aber auch nicht wegzugehn, ausser die vornehmsten Schefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Regen. Kornpreis 4 Kronthaler, Haaber 1 Ducaten, Heu der Centner 1 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten kamen 130 Preussen und Maynzer von unten auf hier in Quartier. Sie haben morgen Ruhetag und gehn zur Armee. Sie brachten 900 gefangene Franzosen nach Wesel. 5 Ofiziere waren dabey. Einer logierte im Schwanen, einer bey Schefen Steinberger, einer bey Hermann Delhoven, einer beym Posthalter und einer auf dem Wallhover Hof. – Regnicht – zuweilen angenehm Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Der Oberrhein ist fort. – Regen und Schnee. Am 26ten starker Frost. Kornpreis 8 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 12 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten fiele den ganzen Tag häufiger Schnee. Es war so wüst, als es lange nicht gewesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Etwas Frost. Am 29ten Regen, bis 31ten angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 5ten – Frühlingstage. Es sangen Lerchen. Am 6ten und 7ten Frost mit Regen. Kornpreis 8 Reichstahler, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber, Gersten 5 Reichstahler 30, Haaber 30 Schilling, 1 Pfund Butter 14 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten bis 13ten – Sturmwind mit Regen. – Die Franzosen strömen noch immer in der Gegend von Worms, Manheim und Trier umher. Koburg steht aber noch vest in der Gegend von Landreci und Rissel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Diese Tage war ein anhaltender gräßlicher Sturm mit Regen. Deswegen drohet der Rhein unsere Felder zu überschwemmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Um die Mittagszeit kamen 246 Preussische Rekruten von Wesel hier an. Es waren meist Polaken und schöne Leuthe. Den Abend desertirten ihrer schon 36.&lt;br /&gt;
:Am 19ten soffen sie tüchtig und sprachen laut von Ausreissen. Die Ofiziere stellten die 12 bey sich habende Vertraute ausser dem Dorf auf Posten. Mit dem Abend giengen die Soldaten zu 10 und 20 Mann fort. In der Nacht hörte ich ein paar Schüsse fallen, welche von den Vertrauten auf die Deserteurs geschahn, deren um 11 Uhr nachts noch 7 eingebracht und mit Stricken gebunden wurden. Am 20ten morgens beym Abmarsch waren vom ganzen Trup nur noch 75 Mann übrig. 4 kamen in die Messe, und nachdem in die Sacristei, wo sie vom Pastoren um die Erlaubniß bathen, sich in die Kirche schliessen zu lassen, welches auch bewilligt wurde. Drüber kam die Nachricht, daß die Ofiziere schon von ihrem Aufenthalt benachrichtiget wären, und die Soldaten verliessen die Kirche, als auch gleich die Ofiziere mit einem Korporal in die Kirche kamen und alles durchsuchten. Sogleich versammelte sich eine Menge Einwohner, daß die Soldaten für dienlich fanden, die Kirche zu verlassen. Noch beym Hinausgehn ward der Korporal mit einem halben Ziegelstein geworfen, weil er den Hut nicht abnahme. So marschierten sie um 9 Uhr morgens ruhig auf Köln. Allmählich kamen noch verschiedene Deserteurs zum Vorschein, welche sich versteckt hatten. Um 11 Uhr kame die Nachricht, daß ein Soldat in der Irmer Hütte in den Kuhbenden läge. Dieser hatte gestern Abend auf der Flucht eine Ader am Knie verruckt. Und da noch ein Korporal bey den Karren, welche die Flinten und Ranzeln der Deserteurs nachführen sollten, zurückgeblieben war, so besorgte dieser den Gefangenen mit einer Karrig auf Kölln. – Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[140]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Es regnete bey stürmenden Winde vom 5ten dieses bis heute. Der Rhein ist gleichfals durch ein Wunderwerk wieder ans Fallen gekommen. Die Feldmäuse scheinen zu vergehn. Der Schade, den sie anrichteten, ist nicht sehr beträchtlich. Der Schuhmacher Jacob Clemenz ist für dieses Jahr als Bürgermeister bestättigt, so wie der Engel Ferver als Feldschütz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Merz&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten, Fastnacht – Dieses Fest wird nicht mehr so stattlich gefeyert als vor 10 und mehrern Jahren. Es ist keine Musick im Dorf und überall so ruhig, als an einem gemeinen Sontage. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler, 100 Pfund Heu 1 Reichstahler. Auf den Grenzen der Kuhbenden längst dem Mühlenberge wird eine Reihe Bilweiden gesezt, unter der Direction des Johann Steinberger. Voriges Jahr ward von 1 Morgen das Graß von den Kuhbenden verkauft. Aus diesen Geldern werden die Kosten bestritten. Am 2ten still und angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fastnachts-Dienstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Um 12 Uhr kamen 144 Pfälzer von Düsseldorf hier an. Sie waren kernhafte Zechbrüder und machten mit dem Abend vielen Lärm durch komische Gesänge und gienge am 4ten auf Kölln, die Reichsarmee zu verstärken. – Auf dem Köllnischen ist die Verordnung, daß diejenige junge Leuthe zum Militärdienst ausgehoben werden sollen, welche dem Ackerbau nicht obliegen. Die Anzahl beträgt gemäß dem Triplum für Worringen 9 Mann. Die Worringer wollen nicht ziehen, sondern ihre 9 Mann kaufen und das Geld auf die Morgenzahl ausschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Der Merz bringt anhaltende schöne Witterung. Kornpreis 8 Reichstahler, Haaber 1 Ducaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Die Merzerschauern kommen schon, doch meistens bey der Nacht. Gestern Abend 10 Uhr bekame die Frau Sturms, Wittib des Schefen Peter Sturm, einen Schlagfluß. Dazu ware ihr die Wasserblase gesprungen, da sie schon 6 Jahr die Wassersucht hatte. Sie wurde mit allen Gerechtsam versehen, schlummerte die Nacht über bis diesen Morgen um 8 Uhr, als sie gottselig im Herrn entschliefe. Kornpreis 8 Reichstahler 10 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – So stürmend der Februarius ware, so anhaltend schön ist der Merz. – Bisher waren die Kriegsbegebenheiten unbedeutend. Koburg steht mit der Kayserlichen und Englischen Armee vor Maubeuge an der Sambre, die Franzosen gegenüber. Von Manheim bis Maynz stehn die Preussen mit den Kayserlichen. Diese gehn nun auf Trier, und 25.000 Preussen sollen die Gegend unten Kölln besetzen. Das trift ganz wahrscheinlich uns, aber was das heissen soll, das weis der klügste Politicker nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Die heutige Zeitung meldet, die erwähnte Preussische Armee soll sich zwischen Bonn und Kölln lagern. In Kölln sollen 6.000 Mann zum Hauptquartier kommen. Also bekämen wir doch etwas mit davon. Die Aussichten in die Zukunft sind traurig. Auch wird es nicht fehlen, daß im Gülich und Bergischen Rekruten gezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[141]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Es ist ungewöhnlich warmes Wetter. Die Bäume fangen zu blühen und zu grünen an. – Die Preussen, welche ins Köllnische beordert waren, haben Contreordre erhalten. Die Veranlassung zu diesem March ware: Der Kurfürst von Bonn hatte schon öfter den Vortrag nicht durchsetzen können, daß die Geistlichkeit und der Adel von ihren Gründe Simplen bezahlen sollen wie die Bauern. Nun reisete der Fürst vor einem Monath auf Wien, wo er die Sache so einzufädeln wuste, daß ein Theil der Preussischen Armee auf Execution bey die Geistlichkeit und den Adel gelegt werden sollte. Als diese den Braten rochen, da unterschrieben sie folgsam und willig, daß sie mit beytragen wollten, und die Preussen ziehn zurück. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 30 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten kamen wieder 20 Preußen mit 2 Ofizieren hier an. Sie bleiben die Nacht über hier und gehn auf Wesel. Am 30ten und lezten warmer Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 1ten bis 5ten – Stürmische Tage. – Die Nachricht am 17ten Merz, welche die Preußische Execution und Simpeln-Unterschrift der Geistlichkeit und des Adels im Kölnischen betraf, ist noch dunkel und bestättiget sich noch nicht. General Koburg steht noch ruhig mit seiner Arme gegen den Franken hinter Valenciennes. Was aus allem werden wird, ist ein Rätsel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Regen. Gestern Nachmittag erhielten wir die von geistlicher Obrigkeit ausgeschriebene 13-stündige Gebethsordnung, welches heute gehalten wurde. Auch kamen heut schon 2 Regimenter Preussen auf Kölln, welche bey den Bürgern blettirt und eine Zeitlang liegen bleiben. Auch um Kölln auf Bergheim zu ist Preussische Kavallerie gelegt. Man sagt, es soll eine Reservarmee für Prinz Koburg seyn. Kornpreis 8 Reichstahler 1 Schilling, Haaber 30 Schilling. – Am 15ten Merz waren zuverlässig zu Monheim die ersten Kornähren. Hier aber sahe ich heut, am 6ten, die ersten. Alles läst sich an zu einem frühen Jahr und Ernte. Im Jülicher Land soll ein Kapuziner geweissaget haben, daß wir um Pfingsten reifes Korn hätten. Ich glaube zwar nicht daran, dennoch geht die Sage im ganzen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 11ten – Regen. Am 12ten sehr schönes Wetter. Es ist noch fast keine Haaber gesähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmtag&amp;gt;&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wetter war schön und die Prozession sehr zahlreich. Als wir um halb vier wieder in der Kirche waren, da wurde die Andacht gehalten, welche zur Abwendung der Kriegsdrangsalen von geistlicher Obrigkeit auf alle Sonntage diesen Sommer hindurch ausgeschrieben ist. Sie besteht aus 4 Gebether, 4 Gesängen und so viel &amp;quot;Vater unser&amp;quot;, mit Aussetzung des Hochwürdigsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Alle Tage ist schön und immer schöner. Das Korn ist alle in Ähren. Ein so frühes Jahr ist noch bey Menschengedenk nicht gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Es ist schon Kornblühe gesehen worden. Die 2 Regimenter Preußen, welche in Kölln lagen, sind wieder auf Frankfurth marschiert. Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[142]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;April&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten kamen 30 Gemeine mit einem Ofizier als Quartiermeister des Anspachischen Regiments Reitzenstein hier an. Am 29ten morgens 10 Uhr rückte das ganze aus 1.008 Gemeinen und 32 Ofizieren bestehende Regiment hier ein. Im Posthause ware der General, zu Wallhoven 52 Gemeine, auf dem Rheinfelderhof 50, zu Horm bey Henrich Braun 18, zu Jussenhoven 35 Mann, die übrigen waren alle hier im Dorf. Es muste dem Regiment die Rationen und Portionen gegen Scheine gegeben werden. Es waren sehr schöne, gesittete Leuthe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten brachen sie morgens 6 Uhr auf und giengen auf Fühlingen, Longerich, Merrem und die benachbarte Örtcher, wo sie Rastag haben. – Schön Wetter. – Diese Täge hindurch war&#039;s so heiß, das viele junge Leuthe sich im Rhein gebadet haben. Schwere Donnerwetter ziehn täglich vorbey. Es möchte wohl etwas regnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten bis 3ten – Heis. Am 4ten starker Regen, worauf sich vieles Korn gelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Diese Tage waren kühl und naß. Dabey blühet das Korn recht schön. – Die Kayserliche Armee unter Prinz Koburg, vereinigt mit der Englisch-Hanöverisch und Holländischen hat die Festung Landrecy den Franzosen weggenommen. Darauf sind Leztere ins Kayserliche Flandern eingefallen. Der junge Keyser Franz ist selbst bey der Armee. – Auf dem Köllnischen werden Recruten gezogen, reich und arm, ohne Unterschied. Nivenheim liefert 3 Mann, Straberg 3 und Dielrath 2, Hackenbroch 3, Delven 2. Auf den meisten Plätzen werden solche gekauft um 100, auch um 200 Reichstahler. Diese Gelder werden &amp;lt;s&amp;gt;meistens auf die freie und steurbahre Ländereye ausgeschlagen&amp;lt;/s&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Folgendes zum Eintrag bis &amp;quot;30 Stüber&amp;quot; ergänzend am Ende der Seite.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle Tage ziehn Recrutentransporte hiedurch aus den niedern Ortschaften des Köllnischen Landes. Meistens werden solche gekauft und das Geld durch freywillige Beyträge zusammengebracht, wobey dann mehrmalen ausbedungen wird, die Recruten durch Kayserliche Postgefähre auf Bonn zu bringen. Jedoch werden die Kaufgelder zu Bonn deponirt, und der Soldat erhällt solche nicht ehender bis zu Ende des Kriegs. – Kornpreis 7 Reichstahler 30 Stüber. – Gestern sind die Küh in die Benden getrieben worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Gottestracht. Schönes Wetter. Diesesmal sind wir mit der Procession den alten Weg von Rheinfeld hieher gegangen, weil vorig Jahr der Sand in der Auen von denjenigen, welche Land auf dem Kranenort und hinten Rheinfelt haben, vom Weg geschaft wurde, wo wir seit 1784 über den Damm giengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Regen, und doch giengen wir Procession, aber von Horm an der Hellbüchelsgasse herein, und wir wurden durch und durch naß. Haaber gillt 12 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten kamen 300 Pfälzer von Düsseldorf morgens 10 Uhr hier an. Sie frühstückten etwas in den Wirthshäusern und giengen um 12 Uhr auf Köln zur Reichsarmee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 12ten – Sehr warm. Am 18ten dunkel, angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[143] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 24ten – Kalt mit Regen, Hagel und kleinen Nachtfrösten. – Die Kayserliche, Hessische, Engel- und Holländische Armee hatte bisheran hinter Valenciennes agirt und schon die Festung Landrecy weggenohmen. Die Franzosen aber marschierten in 2 Kolonnen. Die eine nahm Cortrye ein, die andere gieng auf Charleroy. Nun stand die vereinigte, vom Kayser selbst, dann dem Prinzen von Koburg, General Clairfait und dem Herzog von York angeführte Armee Gefahr, abgeschnitten zu werden. Deswegen blieben die eroberten vesten Plätze nur besezt, und die kombinirte Armee muste sich gegen die Franzosen stellen. Sie liefen am 17. dreymal auf Cortrye Sturm, wurden aber jedesmal von dem tapfern französischen General Pichegrü zurückgeschlagen. Am 18ten in der Früh grif Pichegrü den Herzog von York und Keyserlichen General Otto in der Fronte an. Die Besatzung von Rysel faßte sie im Rücken, und eine andere französische Kolonne fiel ihnen in die Seyte. Es gab ein Gemetzel, so blutig, als heuer noch keines gehalten wurde. Die Kayserliche und Engländer verlohren mehr dan 40 Kanonen. Ihre Niederlage ist unbeschreiblich. – Oben am Rhein ist alles ruhig. Die Preussen gehn vorwärts, wenn die Franzosen zurückgehn. Am 26ten ist der erste Wintersahm gehauen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten, als am Himmelfahrts-Tage, ward die Prozession wegen dem anhaltenden Regen nicht gehalten, und selbige ist auf künftigen Sonntag festgesezt. – Der Kurfürst von Kölln läst nun auch alle Schwelger, Schläger und kleinen Diebe aus seinen Ländern zur Nachtzeit durch Husaren wegnehmen und macht Soldaten daraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – So wurden auch diese Nacht 2 Männer dieses Gelichters aus Zons gehohlt. Einer ist unter dem Namen Stadtfeld oder Stelzman bekant; ein Säufer von Profession, der in die 50 Jahre alt ist und sein Vermögen in Wein, Bier und Brandwein verlaborirte. – Der Mey war dieses Jahr kalt und naß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, Sontag – Diesen Morgen wurde die Himmelfahrts-Prozession gegangen. Nach dem Mittag regnete es wieder aus Norden. Kornpreis 7 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingsten&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wetter ist noch immer kalt, und wenn die Sonne nur ein wenig scheint, so blühet noch Korn, welches überhaupt den ganzen Monath Mey still gestanden. Am 9ten, 10ten und 11ten sehr heiß, bis 18ten anhaltend. – Zwischen den Franzosen und Kayserlichen werden noch immer schwere Trefen gehalten. Erstere beschiessen Ypern mit glühenden Kugeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fronleichnam&amp;lt;/u&amp;gt; – Schwüllig heiß. Am 23ten ist die erste Wintergerst eingefahren worden. Alle Tage wird gemordet und Schlachten gehalten zwischen den Vereinigten und Französischen Armeen, wobey Leztere immer gewinnen und sich näher auf Ostende und Brüssel ausdehnen. Alles Schlagen ist vergebens, schreibt die Neuwieder Zeitung. Eine von den Franzosen verlohrene Schlacht ist doch ein Sieg für sie, weil auch die Kayserlichen dadurch geschwächet werden und die Franzosen ihren Verlust gleich wieder ersetzen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[144]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Anhaltende Hitze. Heut wurde das erste Korn gehauen. – Man befürchtet nun mit Grund, daß die Franzosen endlich doch hiehin kommen werden, da die Kayserlichen noch immer zurückgeschlagen werden. Das Flüchten von Brüssel über Bergheim ist unbeschreiblich stark, so daß nur an Postpferden jeder Tag an Hundert umgewechselt werden. Kornpreis 8 Reichstahler. Am 30ten heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten ist das erste Korn eingefahren worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Regen. Am 2ten heiß. Die Haaber sieht sich besser an als noch bey Menschengedenken, eben so rein von Korn ware das Dorf, so wie die ganze Gegend. Der Müller verkauft das Malder nach dem Düsseldorfer Preiß zu 10 Reichstahler. Halbwinner musten schon ihr Brodtkorn aus dem Bergischen beziehen, und Brodt ist nur in Zons zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Heiße Tage. Das neue Korn wird zu 8 Reichstahler 45 Stüber verkauft, wiewohl dessen noch hier keins zum Verkauf ist. Am 7ten wird allgemein Korn gehauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 10ten – Große Hitze. Das Korn wird wieder so schlecht wie voriges Jahr geben. – Die Kayserliche, Holländisch und Englische Armeen sind so oft und nachdrücklich von den Franzosen geschlagen worden, daß sie Braband den Franzosen einräumen müssen. Die Österreicher haben sich diesseits der Maas von Ruremond bis Lüttich zurückgezogen, und die beyden anderen Armeen ziehn in Holand. Die Preußen stehn von Trier über Zweybrücken. Auch gegen diese sind die Franzosen im Anzug, und auch sie werden geschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten erhielten wir ein wenig Regen, der doch vor die Gemüse etwas späth kame.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Heis. Am 15ten wurde wieder stark eingescheuert. – Das Flüchten aus Brabant, Lüttich und Aachen hällt noch immer an. Düsseldorf und Neus sind ganz damit angefüllt, und in Kölln zählt man deren bey dritthalbtausend. So geht auch die Passage hiedurch sehr stark, daß fast alle Reisenden auf die Postpferde warten müssen. Auch kommen Kloster- und Weltgeistliche in unbeschreiblicher Menge hiedurch. 15 und ihr Prälat aus einer Lütticher Abdey wohnen zu Zons auf dem Schloß, und Nonnen kommen schaarenweise und suchen Obdach. Dennoch weis ich nicht, was diese alle zum Entfliehen bewegt, da die Franzosen ihnen nichts zu leide thun und sehr menschlich verfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Morgens 8 Uhr kamen 35 französische, von den Kayserlichen eroberte Kanonen mit eben soviel Pulverwägen und einigen Kayserlichen Kanoniers von Kölln hiedurch. Solche werden auf der Neusserweide aufgestellt. Nach diesen kamen auch einige und 40 mit Pulver und Kugeln beladene Rüstwägen hier an. Sie spannten aus vom Schwanen an bis ans Posthaus, und fütterten ein paar Stunden. Deswegen konnte keiner aus-, noch einfahren. Beym Auszug luden sie in den Mähbenden das Heu von einem halben Morgen auf und fouragirten rechts und links an der Landstraße. – Heis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten kamen wieder einige und 30 Rüstwägen. Sie schierten in den Kühbenden aus und gehn auf Neus. – Die Franzosen sind in Brüssel und die Kayserlichen zu Talemont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[145]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Abends, als jederman am Einscheuren war, kame der Befehl, daß 16 2-spännige Karren nach Bethlehem auf den Dienst fahren müssen. Sie luden Kayserliche Blessirte und fuhren am 19ten auf Kölln. Am 20ten hielten sie noch geladen auf Andreas-Kloster, und man weis noch nicht, wohin ihre Bestimmung geht. – Das Flüchten aus den westlichen Gegenden dauert noch immer fort. Die Kayserliche Armee zieht sich mehr und mehr zurück und wird zu Kölln über den Rhein gehn, wo schon die Pontons zur stehenden Schifbrücke angelangt sind. Am 18ten kamen 300 Mann von der Condeischen Emigranten-Armee zu Monheim an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten kamen 500 Kayserliche zu Worringen an. Auch die Fühlinger Heyde muste von Früchten gereiniget werden, wo heute mehr dan dreytausend Wagen hinkommen. Die Besorgniße für unsere Wohlfarth und Ruhe steigen aufs Höchste, Muth und Fleiß zur Arbeit sinkt, da uns vielleicht das gröste Elend bevorsteht. Dennoch ist bis izt niemand entschlossen, seine Heymath zu verlassen, weil unter den Emigrirten, die kommen, keine Bauern sind. Nachmittags kame der Oberlieutnant von Ziegenhain des Regiments Gemmingen hier an, um für die Kriegskanzley Quartier zu machen, die doch heut, am 22ten, noch nicht eingetrofen ist. Nur kame der Feldpater und die Oberlieutnants Richter und Mascheck vom Regiment Callenberg hieher, um diejenige Freunde noch einmal zu besuchen, die sie ehmals mit soviel Liebe aufgenommen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Etwas Regen. Das Korn ist noch lange nicht alle eingescheuert und noch wenig Rübweiden gebauet. Die Dienstpferde bleiben aus, und so häufet sich die Arbeit mehr und mehr, da auch bey der großen Hitze der Haaber bereits reif geworden ist. Traurig sind der Zukunft Aussichten. Die Kayserlichen werden wahrscheinlich über den Rhein gehn, und ihr Abschied von den hiesigen Landen dörfte nicht so friedlich seyn als ihr Kommen war. Vielleicht wird alles verheeret, um den Franzosen nichts zu lassen. – Das neue Korn gillt 9 Reichstahler 15 Stüber, 100 Pfund Heu 1 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Dunkel. Von den am 18. dieses auf den Dienst gefahrenen Karren haben sich einige durch die Flucht diesseits Koblenz gerettet, die übrige schickten einen Expressen von Bonn und begehrten Zehrgeld. Der Schefen Steinberger gienge noch diese Nacht auf Bergheim, dann auf Bonn, wo er alle Karren dieses Amts befreiete, welche gegenwärtig waren. Nur der eigene Knecht des Schefen Steinbergs mit Herman Hammelrath waren schon fort zur Armee auf Aachen, denen Steinberger gleich nachgesetzet. Die übrige Karren kamen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:am 27ten abends zurück. Ein schönes junges Pferd des Steinberger steth krank zu Lechnich, welches der dasige Bürgermeister hieher meldete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[146]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Gedruckter Erlass des Kölner Generalvikars J. P. Horn-Goldschmidt vom 23. Juli 1794: Dispens vom Fleischverbot]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[147]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Das Kriegsgewitter zieht sich immehrmehr über uns zusammen. Koburg hat sein Hauptquartier von Mastricht zurückgezogen. Die Spuren seiner Retirade über den Rhein werden in allem sichtbahr. Alle Augenblicke ziehn hier Proviant-Wägen, Ofiziere und Gemeine auf und ab. Emigrirte warten auf Postpferd, und die Straße ist immer von Fremden besähet. Ausser 6 Ofizieren haben wir keine Einquartierung. Nur gestern Abend kamen meinetwegen 40 Wägen von der Reserv-Artillerie von Neus hieher. Die Constabler wurden im Dorf umgelegt. Die Wägen wurden aber vor dem Dorf köllenwarts aufgestellt. Die Knechte fouragierten etwas weniges. Heut in der Früh kame ein Both von Neus mit dem Auftrag, Dormagen soll diesen Nachmittag 14 4-spännige Wäge oder 28 doppeltgespannene Karren zum Wegschaffen der Artillerie bereit haben: Rheinfeld 2, Horm 3 und Worringen 9 vierspännige Wägen. Diese alle sollen den Nachmittag hier zu Dormagen bereitstehn, bey Tag und bey Nacht. – Gestern Abend 9 Uhr kame der Schefen Steinberger zurück. Er hatte die 2 übrige Karren zu Eschweiler angetrofen, welche gleich zur Armee fahren sollten. Die Knechte hatten vor Freude geweint, als sie Steinberger sahn, der aber auch seit seiner Abfahrt von hier keinen Augenblick geschlafen hat, sondern Nacht und Tag beschäftigt war, seinen Plan auszuführen. – Weil nun Dormagen die 56 Pferde nicht hergeben konnte, so daß diesen Morgen der Schefen Sturm zeitig zu Pferd, um dem Kayserlichen Commandanten in Neus diesertwegen Vorstellungen zu machen. Der dasige Bürgermeister Aldenhoven, aus Zons gebürtig, hatte es so eingerichtet, daß seine Vaterstadt von diesen Diensten freyblieben. Schefen Sturm brachte es doch dahin, daß Zons 36 und Roggendorf mit Thienhoven 24 Pferde hergeben musten. Um 6 Uhr am Abend kamen die Karren von Neus mit den Artilleristen beladen hier an, welche gleich auf die hiesigen aufsassen und über Kölln auf Luxemburg abfuhren. 12 Doppeltkarren fehlten aus der Herrlichkeit Worringen. Gleich wurde ein Commando dahingeschickt, und sie brachten auch diese hieher. Der Schefen Steinberger fuhr wieder mit auf Kölln. – Die Wagen-Knechte, welche gestern Nacht hier waren, haben im Schwanen 4 Schafe gestohlen. Kornpreis 9 Reichstahler 18 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Um die Mittagszeit kame der Schefen Steinberger mit allen Karren von Kölln zurück. Es hatte Müh gekostet, dieselbe loszubringen, doch Spitzfünde und Klugheit des Schefen Steinberger sezten durch. – Die Franzosen stehn jenseits der Maas, und die Kayserlichen halten noch das diesseitige Ufer besezt. Das Bagage-Laager ist von der Fühlinger Heyde in die Nehler Benden verlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[148]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Gestern kamen beynah 100 Kayserliche von Neus hier an. Sie wurden meistens auf die auswärtigen Höfe blettirt. Jene von Rheinfeld badeten sich im Rhein, und einer ertrank. Der komandierende Ofizier, welcher zu Walhoven lag, muste vom Wirthe des Ertrunkenen hierüber ein Zeugnis haben, und dieser war der Rheinfelderhalfen. Zu dreyenmalen ward hingeschickt und der Rheinfelderhalfen nach Walhof entbothen, allein, er wollte nicht kommen. – Der Tag fieng an, sich zu neigen, als drey commandirte Soldaten auf Rheinfeld abgiengen, um den Rheinfelderhalfen hinzubringen, es koste was es wolle. Die Nacht brach ein, fürchterlich rollten Donner und Regen, da trafen die Söldner mit dem Halbwinner von Rheinfeld auf Walhoven ein, der in den ersten Augenblicken für Angst nicht schreiben konnte, das doch nur in seinem Namen bestand. Als er endlich wieder zu sich kam und das Attest unterzeichnet hatte, ward er in Gnaden entlassen und kehrte wohldurchnäßt zu den Seinigen zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – &amp;lt;u&amp;gt;Heis&amp;lt;/u&amp;gt;. Erst jetz fängt man mit Ernst an, Rübweiden zu bauen. Kornpreis 8 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am &amp;lt;u&amp;gt;1sten&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut rückten hier 150 Anspacher Jäger hier ein. Sie betragen sich sehr gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Die heutige Zeitungen verbreiten Angst und Verwirrung, hier wie in der ganzen Gegend. Der Kayserliche General Prinz Koburg schreibt eine Auffoderung aus seinem Hauptquartier bey Mastricht an die teutsche Rheinbewohner, daß sie die Armee unterstützen sollen. So heißt es darin: &amp;quot;Leeret eure Scheunen und führet die Früchte zur Armee, theilet euer Erspartes mit uns, bringet euer Silber und Gold aus den Kirchen, um unsere Soldaten dafür zu lohnen, daß sie drey Jahre hindurch für euch gefochten haben. Wo nicht, so werde ich mit meiner Armee über den Rhein gehen und euch alles nehmen, damit der Feind nichts fände.&amp;quot; Dann sollen wir auch noch zu Gewehr greifen und vereint auf die Franzosen losgehn, wofür uns aber Gott bewahren wolle. – Naß und kühle Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Zu Düsseldorf wird Landtag gehalten, und zu Kölln ist eine Kommission niedergesezt, welche bestimmen soll, was und wieviel die hiesigen Landen zur Armee liefern sollen. Die Zeiten der Trübsal nähern sich uns mit jedem Tage. Zwar ist izt das Dorf von Soldaten leer, aber ununterbrochen dauert die Passage Kayserlicher Rüstwägen hiedurch auf und ab, welche selten und schlecht aus den Magasinen Fourage bekommen, und deswegen gezwungen sind, zu nehmen, wo etwas ist; umsomehr, da viele Brabänter dabey sind, welche gewaltsam mitgenohmen wurden, und nichts bekommen. Vor dem Mittag fütterten 20 dieser Wägen hier auf der Straße, welche so viel Haaber mit dem Stroh in den Feldern aufgeladen hatten, als auf einem Morgen wächst. Diesen Abend schlaft deren wieder eine Transport in den Kühbenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[149]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:So erzählt man sich izt die Sagen der Vorzeit und die Geschichten des grauen Alterthums: wie auch damals Krieg gewesen und gebrandschatzt worden ist, wie die Bewohner unseres Dormagen ihr Vaterland verlassen, so daß an sechszehn Wochen hier kein Schornstein geraucht hat, und Graß auf der Straße gewachsen ist, wie man mehrere Jahre geackert und nicht gemähet, Freund und Feind gesengt und gebrent hat, wie mehrere hundert Ackerleuthe vom Pflug zur Schanzarbeit weggeführt und todt geblieben sind, wie alles öd und wüste wurde und Land und Leuthe verdorben sind. – Ähnliche Schicksale weissaget uns die Lage der Dinge, so daß Muth und Entschlossenheit zu allen Geschäften darnieder sinkt, weil alle Aussichten zum Frieden zu verschwinden scheinen und die Hofnung zu allem verlischt, was uns noch retten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Platzregen. – Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler 15 Stüber, 1 Pfund Butter 15 Stüber. – Es ist eine Unruh im Dorf, die unbeschreiblich ist. So verbreitet sich das Gerücht, als wenn der fünfte Mann oder Jung ausgehoben und eine Menge Geld und Frucht geliefert werden soll. Unverheyrathete wollen entfliehn, Männer hingegen werden durch immer neue und schreckhaftere Sagen lebenssatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten kamen wieder 63 Kayserlich-Königliche Rüstwägen von Mastricht hiedurch auf Neus. Verschiedene hatten Gewehr, Seil und Zelter geladen. Am Abend kame auch eine große Transport-Wagen mit Korn beladen von Neus hieher. Sie lagerten in den Kühbenden. Deswegen wachten diejenige, welche noch Sommerfrücht in der Gegend haben, die Nacht hindurch. Die Wagenknechte aber giengen in die Mähbenden und luden 9 Hausten Heu auf, welches den Zonser zugehörte. – Der Erzbischof von Kölln hat hiesigem Erzstift an Freytäg und Samstägen das Fleischessen erlaubt, welches am lezten Sonntag auf der Kanzel verkündiget ward. Noch will sich keiner hier im Ort dazu entschliessen, obschon es doch einerley ist, ob ich mich in Fleisch oder Fisch satt esse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Regen hällt noch an, und der gehauene Haaber ist am wachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Gutes Wetter. Am 13ten heiß. Es wird viel Haaber eingescheuert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten, &amp;lt;u&amp;gt;mitwochs&amp;lt;/u&amp;gt;, am 13ten – Diesen Nachmittag um 3 Uhr brach in der Scheune des Wilhelm Henrich Braun zu Horm Feuer aus. Hier ward mit der alten Klocke Sturm geschlagen, und als wir mit den Brandeymern dahinkamen, lage Scheuer und Stallung mit noch einem Nebenhäuschen in der Asche. Von dem Hause des Wilhelm Henrich Braun aber wurde das untere Stockwerk durch die zwey Zonser Brandspritzen gerettet. Es ware viel Volks da, welche aber zu späth kamen, um die Hausmobilien zu retten. Nur alles Vieh ward mit Mühe geborgen. Man spricht von Bettlersleuthen, welche Lunten gelegt sollen haben. – Das sagt man immer. &amp;lt;u&amp;gt;Donnerstag&amp;lt;/u&amp;gt;: Heut muste jeder Einwohner die Zahl seiner Familien bey Schefen Steinberger angeben, und zugleich, wie viel Früchten jeder zu verkaufen oder zu kaufen hat – Korn, Weitzen, Haaber, Gerst oder Buchweitzen. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[150]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Die Bönnische Prozession, welche sonst mehrmalen aus 2.600 Köpfen bestand, war heute kaum 150 stark. Der Krieg verursacht diese Schwäche. – Die Franzosen haben am 9ten Trier eingenohmen. Die große Armee steht nahe der Maaß von Lüttich bis Rürmond. – Kornpreis 4 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Dunkel warmes Wetter. – Gestern Morgen hörten wir eine starke Kanonade in der Gegend von Mastricht. Kornpreis 4 Kronthaler, Haaber 4 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Das Laboratorium und die Kanonen der Reserv, welche zu Neus standen, gehn diese Tage hiedurch auf Kölln, wo eine stehende Brücke gemacht wird. Die Kanonade am 19ten ware zwischen Mastricht und Tongern. – Die Prozessionen sind dieses Jahr sehr schwach. Lommersum, Zündorf und Siegburg sind gar nicht kommen. Kornpreis 8 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler. – Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Die Bagage-Wagen ziehn noch täglich zu Hunderten beladen hinauf und ledig hinab, um von Neus vollends alles nach Kölln zu bringen. Auch sind bey jeder Transport mehrere Kanonen. Gestern Abend hielt deren eine große Menge in den Kühbenden und auf dem Mühlenberg. Rings umher loderten die Wachtfeuer, wobey sich die Knechte ein Nachtessen abkochten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Unablässig dauern die Züge von Wägen, Kanonen und ledigen Pferden, zu Hunderten auf und ab. Gestern Abend wurde ein Ofizier bey dem Pastor bilettirt. Der Pfarrer wollte, weil es schon finster war, nicht aufmachen. Als aber der Ofizier Gewalt brauchen wollte, da bedachte sich der Pastor eines Besseren und nahm ihn auf in sein Haus, pflegte seiner mit Kost und Trank und lies ihn diesen Morgen im Frieden ziehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut ward wieder 13-stündiges Gebeth gehalten, um die Kriegs-Drangsale abzuwenden. Dann soll auch mit der Sonntags-Andacht nach der Vesper fortgefahren werden bis Neujahr. – Kornpreis 8 Reichstahler. – Regenwetter. – Diese Woche hatten wir alle Nacht einige hundert Keyserliche Constabler zur Einquartierung. Diese betragen sich sehr gut, aber die Wagen-Knechte, deren jedesmal an hundert mit Kanonen und Munition dabey sind und in den Kühbenden lagern, stehlen Gemüß, Holz und Geflügel, so sie nur können. Wenn aber ein Einwohner sich zeigt, so gehen sie laufen. Das alles geht von Neus hiedurch auf Kölln und Zündorf oder Neuwied. Die stehende Brücke zu Kölln ist noch nicht fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bis 5ten – Sehr feine Tage. – Es ist mit der Lieferung, welche man gemäß dem Aufruf vom 4ten August vor &amp;lt;s&amp;gt;unmöglich&amp;lt;/s&amp;gt; unvermeidlich hielt, noch alles still. Indessen ist Prinz Koburg von da ab und nach Hause gegangen. Clairfeit hat das Oberkommando, worüber wunderlich gesprochen wird. Die Kayserliche stehen noch diesseits der Maaß und die Franzosen in Trier und Lüttich. Die voriges Jahr von den Kayserlichen eingenohmene Festung Quesnoi ist so wie Landrezi wieder von den Franzosen besezt, Valenciennes und Conde eingeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[151]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Unser Kuhrfürst hat in hiesigen Herzogthümeren Kopfsteuer ausgeschrieben, um die Reichs- und Kreiß-Obliegenheiten und die Lieferungen an Fourrage und Früchten zu bestreiten, welche bey Anrückung der Armeen und Durchmarsch fremder Truppen erfodert werden. Es sollen demnach so gehalten seyn, daß&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;1tens&amp;lt;/u&amp;gt;: Nur das Haupt einer jeden Familie gehöre zur Kopfsteuer.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;2tens&amp;lt;/u&amp;gt; sind die unter keiner väterlichen Gewalt mehr stehende ledige Personen, so für sich Nahrung oder Handel treiben, mit angeschlagen, doch bleiben hievon&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;3tens&amp;lt;/u&amp;gt; Militär-Personen frey. Und wenn auch schon die Geistliche nicht zu dieser Kapitation gezogen, so versichen wir uns doch und wollen gnädigst, daß derselben gemeinsames Interesse, Haab und Güter, fort eigene Person hierunter betheiligt, und ihrer vielen Besitzungen halber mehr dan andre beytragen können, selbe ein Subsidium ecclesiasticum, welches 10 pro Cento ihrer im Lande beziehenden Einkünfte ertragen solle, in 3 Wochen Zeit an den besonders verordneten Empfänger Ramcky baar einliefern, wo wir sonst vermüssigt seyn werden, auf sämtliche Grundstücke die Matekular-Umlage zu verfügen. Wirkliche Seelsorger und Vicarien sollen frey bleiben.&lt;br /&gt;
::4tens: Zur ersten Klasse von 20 Reichstahlern ohne Unterschied alle unsere Geheim-, Hof- und Hofkammerräthe, wirkliche oder Titualrräthe, Amtleuthe, Docktoren der Rechte und Medizin, Advokaten, Sekretarien, Registratoren, Amtsverwalter, Landschreiber, Vögte, Schultheiße, Richtere, Burggrafen, Forstmeistere, Verwalter, vornehme Handelsleuthe, wohlhabende Rentenierer, Zoll-, Früchten- und andere Admodiatoren, Schefen und Rathsverwandten in Hauptstädten, auf Rittersitzen wohnende und zum Landtag qualifizirt und unqualifizirte Eigenthümer.&lt;br /&gt;
::5tens: Zur 2ten Klasse von 12 Reichstahlern gehören Kellner, Rhentmeistere, geringere Landbedienstete bis auf einen Gerichts- oder Stadtschreiber in den Hauptstadten, Prokuratoren, Notarien, Meistbeerbte und in mittler Nahrung stehende Wirthe, geringere Commercianten, Fruchthändler, Pompen-, Kupfer- und Rentmeistere, geringere Renteniere in Städten und Dorfschaften, die Pächter deren Rittersitzen und alle an Geist-, Aldich- und freien Gütern wohnende, derselben Eygenthümer.&lt;br /&gt;
::6tens: Zur 3ten Klasse von 8 Reichstahlern gehören die in Besoldung stehende Kanzley-Verwandten, Ober- und Amts-Jäger, Wundärzt, Amts-Phisizi, Landmesser und die auf Geist-, Adlich und freyen Gütern wohnende Pächter.&lt;br /&gt;
::7tens: Zur 4ten Klasse von 4 Reichstahlern gehören Bürgermeister, Schefen, Vorstehere in Dorfschaften, Schatzhebere, in guter Nahrung stehende Handwerksleuth, mittelmässig Beerbte, auf dem platten Lande, in Livree stehende Bediente, wofür die Herrschaft zu zahlen hat, alle übrige Dienstleute werden frei belassen.&lt;br /&gt;
::8tens: Zu 2 Reichstahler gehören: Landbothen, Schif- und Fuhrleute, welche selbst fahren.&lt;br /&gt;
::9tens: Zu 1 Reichstahler – nach Ermessen der Beamten alle wenig und mit bloßen steuerbaren Gütern Beerbte und Beywohnere. Taglöhner und Kötter werden freybelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[152]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::10tens: Witwen zahlen die Halbscheid jener Klasse, wozu ihre Ehemänner gehörten. Wenn selbe aber für sich Kommerz treiben, so wird hiernach der Anschlag bestimmt.&lt;br /&gt;
::11tens: Sämtliche verglaidete Judenschaft zahlt 4.000 Reichstahler.&lt;br /&gt;
::12tens: Diejenige, bey welchen sich verschiedene Ämter, Eygenschaften oder Handwerker in einer Person befinden, führen den höchsten Anschlag ab.&lt;br /&gt;
::Düsseldorf, den 2ten September 1794 – von Hompesch&amp;lt;ref&amp;gt;Es folgt ein waagerechter Trennstrich zum folgenden Text.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Angenehmes Wetter. – Kornpreis 8 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 10 Gülden. – Gestern kamen 140 Reiter des Kayserlichen Regiments Latour hier in Quartier. Sie kommen als beurlaubte französische Kriegsgefangene aus Valenciennes, welche Vestung mit Conde sich am 26ten August wieder an die Franzosen ergeben hat. Die ganze Gegend wird mit selbigen belegt. Sie haben ihre Pferd und Gewehr zurücklassen müssen. Auf dem Kölnischen ist statt des Kopfgeldes auf jeden Morgen ohn Unterschied 15 Stüber ausgeschlagen, welches Dormagen auf die überschlägige köllnische Ländereyen nach Worringen hat zahlen müssen. – Wegen dem Absterben unserer Kuhrfürstin ist das Spielhalten so wie alle öfentliche Lustbarkeiten verbothen. – Kornpreis 8 Reichstahler 15 Stüber, Sahmen 11 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bisher standen die Kayserliche Armeen noch ruhig an der Maaß und diesseits Trier. Am 17ten, 18. und 19ten hörten wir stark Kanonieren aus Westen. Nun meldet die heutige Zeitung, daß die Franzosen an gedachten Tagen die Kayserliche angegrifen und geschlagen haben, so daß das Hauptquartier in Aachen und die Feldpost in Gülich ist. Die stehende Schifbrücke am Beyenthurme zu Kölln wurde heut noch fertig, so daß es nun Gewißheit scheint, daß die Franzosen an den Rhein kommen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Die 140 Reiter von Latour, welche seit dem 12ten hier lagen, sind heut von hier nach Bilk marschiert. – Die Gebeth und Gesänge, welche in der Fasten anfiengen und seit dem alle Sontag nach der Vesper gehalten wurden, hören nun auf, weil der Pastor vermutlich einsieht, daß es nicht helfen wird. – Es befinden sich 3 französische Emigranten einige Tage hier, welche ein Korps errichten, so blos aus Emigrirten bestehn und in englischen Sold kommen sollen. Die 3 benennte Werbofizier logiren beym Becker Henrich Meuser neben dem Anker, 10 Rekruten bey Mathias Schmitz im Stern und noch andere bey Joan Zorn und Joann Karris. – Schönes Wetter. – Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Heut wird angefangen, für unsere verstorbene Fürstin zum Toden zu läuten, morgens von 7 bis 8, mittags von 11 bis 12 und abends von 6 bis 7. Im Pflug ward damit angefangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Die Franzosen nähern sich immermehr dem Rhein. Das Flüchten aus Kölln geht übermässig stark. – Die hiesige Emigranten müssen alle fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[153]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Die Franzosen sind in Aachen und patrolliren auf Eschweiler und Aldenhoven zu. Die Kayserlichen stehn auf Düren, Gülich und Erkelenz zu. Zu Köln sind zwey stehende Brücken über den Rhein fertig. &amp;lt;s&amp;gt;Die dritte ward heut zu Merkenich angefangen.&amp;lt;/s&amp;gt; – Am 26ten: Diese Nacht sind 300 fette Ochsen, welche zur Kayserlichen Armee gehn, auf dem Walhover Hof logirt gewesen. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Wegen dem anhaltenden Gerassel von Karren, Wägen und entfliehenden Herrschaften, auch durch das Regenwetter enstandene Morast im Dorf wurde die seit 3 Jahren gewöhnliche Prozession nicht umgegangen, doch waren viele Beichtende, worunter auch Auswärtige sich befanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Gestern Abend kame die Ordre, daß diesen Morgen 7 Uhr 16 zweyspännige Karren zu Kölln auf den Dienst seyn sollen. Dieses machte die Nacht sehr unruhig. Johann Steinberger gieng als Commissarius mit. Das ganze Jülich-, Köllnisch- und Bergischeland hat seit dem August alle Fourage nach der Armee dienstweis fahren müssen, jedoch kommen sie gleich wieder loß. Alle Tag kommen dieser Karren zu 50 und mehrere hiedurch, von Ratingen etz. und aus dem niederen Köllnischen. Die Armee der Kayserlichen steht noch zwischen Düren, Gülich, Hambach etz. Die Franzosen jenseits der Roer. Unten Kölln am Mühlheimer Vehr ist eine stehende Brücke aufgeschlagen worden, welche erst an der Stadt lage. In den Neeler Benden werden Batterien gemacht, woran heute zwölftausend Mann arbeiten. Das Amt Hülchrath muste deren 300 dienstweis stellen, welche nach dreytägiger Arbeit abgelöset werden, ohne Zahlung. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Gestern Nachmittag sprengte der Gülicher Posthalter hier ein. Er sagt aus, daß die Franzosen vormittags auf allen Punkten angegrifen und die Kayserlichen wahrscheinlich zum Rückzuge nöthigen werden. Bey seiner Abreise hätte die Stadt schon an vier Orten in Flammen gestanden. Die Franken kanonieren vom Aldenhover Berg bis über Gülich herüber. Das sezte alle Bewohner in Schrecken. Zum Glück kamen abends 6 Uhr die Dienstkarren wieder. Mit großer Mühe brachte Johann Steinberger es so weit, daß sie zu Orrbell abluden.&lt;br /&gt;
:Abends 11 Uhr kame auch eine Stafette von Bergheim, welche die Bestattigung jenes Angrifs auf Düsseldorff bringen muste. Heut giengen mehrere hundert Schanzarbeiter aus dem Karsch, Linn und dem dortigen Köllnischen hiedurch auf Neel, doch hörte man nichts weiter von Kanonieren oder Soldaten bis nachmittags 4 Uhr. Da kreuzten sich schreckhafte Nachrichten durcheinander. Es hies, die Armen-Lagere auf der Bethlemer Heyde, im Rommerskircher Feld, Grevenbroich, Wevelinghoven etz. wimmern von Soldaten, und alle diese Sagen waren wahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[154]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;October&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am &amp;lt;u&amp;gt;3ten, Fortsetzung&amp;lt;/u&amp;gt; – Stafetten kamen eine nach der anderen. Mit dem dämmernden Abend hieß es, Stüttchen, Nivenheim, Dielrath etz. seyn voll Kayserliche Soldaten. Die Verwirrung stieg daher aufs Höchste. Als aber die Nacht anbrach, da kame ein Kutscher von Grimmlinghausen, welcher uns durch die Nachricht beruhigte, daß alle Truppen von Roermond über Grevenbroich auf Grimmlinghausen über den Rhein gehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten, &amp;lt;u&amp;gt;samstags&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen um 3 Uhr wekte mich der Kaufmann Koch aus Wevelinghoven, der mein guter Freund ist. Gestern den ganzen Tag waren Truppen und Wägen da vorbey zum Rhein gefahren. Um 9 Uhr abends, bey seiner Abreise, waren alle Kayserlichen Soldaten über die Erft, und die Brücken abgebrochen. Die Franzosen waren damals schon zu Fürth. Die Kayserliche hatten in Wevelinghoven an vielen Häusern geplündert, Schweine geschlachtet und mancherley Unfug getrieben. Bey der Abfahrt des Koch hatten noch viele Einwohner Hülf gerufen, und in die Gegend gen Bergheim hinauf hatte es an 5 Orten gebrennt. Bis um die Mittagszeit sahe man hier keinen Soldaten. 600 Kayserliche Scharfschützen waren von Grevenbroich irrgegangen, kamen auf Zons und von da auf die Piwitt, wo sie übergeschiffet wurden. Die Knechsteiner Herren, welche mit noch einer Rotte Nonnen und vieler Bagage auch da über den Rhein wollten, musten auf Kölln fahren, wo sie auch schwerlich werden überkommen, weil die Armee am marschieren ist. Um 12 Uhr sah man auf der Heyde gegen Zons eine große Menge Wägen halten. Man sagte, die Franzosen wären zu Stommel und Pulheim, welche Orthe von den Kayserlichen geplündert, die Beute aber ihnen von den Franzosen wieder abgenohmen worden. – Das war gelogen. – Um 2 Uhr kamen die Gefähr von der Heyd hier an. Die ersten waren schon hier im Dorf, als man die lezten noch erst am Stüttchen heraus kommen sah. Es waren meistens einspännige Bauern-Karren, welche aus der Gegend von Roermund und Venlo dienstweis mitgenohmen wurden. Es waren einige und zwanzig Kayserliche Husaren dabey. Einer von diesen foderte bey Joann Krahn, Mathias Hack, Peter Lorbag und beym Bürgermeister Haaber. Jeder gabe ihm ein wenig, und er genügte sich damit. Nun begehrte ein anderer 13 Dienstpferde. Der Bürgermeister zeigte ihm selbige an. Joann Derichsweiler, Henrich Bochem und Peter Fix musten vorspannen. Die übrige Pferd aber waren alle geflüchtet in den Kolk und ins Pilgerbüschchen. Theils ackerte man damit im Feld. Von diesen nahmen die Husaren des Mathias Hack und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[155]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Fortsetzung am 4ten&amp;lt;/u&amp;gt; – des Gerichtsbothen Jakob Cremers Pferde mit Gewalt vom Pfluge weg. Nun kame wieder ein Husar, hiebe an des Bürgermeisters und des Mathias Hecks Hause Fenstern entzwey, aus Rache, daß sie keinen Vorspann bekommen hatten. Der Schefen Steinberger riefe &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Nachbarn heraus&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;. Da kamen eine Menge Menschen mit Hölzer und Gabeln bewafnet, worauf der Husar fortritte. Der Zug dauerte bis halber 6 zum Abend. Gleich zuvor hörte man heftig Kanonieren, welches, wie man nun vernimmt, in der Gegend von Neus ware, wo noch die Arriergarde der Kayserlichen mit den Franzosen im lezten Gefecht war, worauf die Kayserliche sich bis zum lezten Mann über den Rhein gaben und alle Schife jenseits mitnahmen. Dieses sagte uns ein Postilion; auch, daß schon die Franzosen Neus besezt hätten. Gülich ist in den Händen der Franzosen. – Acht Uhr abends wurde der Feldschütz umgeschickt, daß jeder die Nacht hindurch wachen und Licht brennen lasse. Es ist izt Mitternacht, da ich diese Begebenheiten niederschreibe. Auf der Strasse und überall herscht stille Ruhe und einsames Schweigen. Der Mond scheint so hell. Alles ist dennoch wach, obschon alle Thüren verschlossen sind. – Also sind wir jetz schon Republikaner, unser Oberhaupt der Nationalconvent in Paris. Deswegen ward auch heut Morgen mit dem Todtenläuten für unsere ehemalige Fürstinn aufgehört. – Die große Kayserliche Armee lagert noch bey Merrem und dehnt sich um Kölln über Ossendorf hinaus. Diesen Abend sahe man ganz klar das Heumagasin zu Neus brennen, welches die Kayserliche vor ihrem Abzug anzündeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten, &amp;lt;u&amp;gt;sontags&amp;lt;/u&amp;gt; – Bis Mittag blieb alles ruhig, da erscholl die Nachricht, die Franzosen wären in Ramrath, Rommerskirchen etz. Nach der Vesper gienge ich auf Zons. Kaum war ich da, so kamen 4 Franzosen hereingesprengt. Man gabe ihnen Wein. Darüber kamen noch 30 rothe Husaren und grüne Dragoner am Feldthor herein. Sie nahmen Uhren, Geld und Leinwand von den Einwohnern und ritten zurück auf die Heide, wo ihrer noch beynahe 200 standen. – Um 6 Uhr kamen auch hier vier grüne Husaren zum Bürgermeister. Sie begehrten im Namen des Generals 25 Karolin Brandschatzung. Die Schefen accordirten bis auf 16 Kronthaler. Damit ritten sie dankbahrlich fort. Eine Stunde nach diesen kamen wieder viere, welche Quartier begehrten. Der Schefen Steinberger nahm sie auf. Es waren sehr artige Leuthe, und wir waren froh, dasß wir sie die Nacht über hier behielten. Nachdem, um 9 Uhr abends, kamen wieder 5 neue, welche auch Geld haben wollten. Weil die vier, welche bey Steinberger waren, aber mit ihnen darüber sprachen, so liessen sie sich mit Quartier beruhigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[156]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Sie stellten ihre Pferde im Schwanen in den Stall. 3 schliefen im Hauss und die andern bey den Pferden. Diese giengen, als die Leuth im Hause schliefen, wieder hinaus. Eben bließ der Nachtwächter am Pflug die eilfte Stunde. Die Franzosen glaubten, es wäre ein Zeichen zum Lärm, und wolten den Nachtwächter tödten. Der Wirth im Pflug nahme selbigen ins Haus und rettete sein Leben. Die Dragoner forderten 10 Kronthaler. Die Frau öfnete eine Kiste, wo ein Körbchen mit Geld stande. Als sie dieses geleeret hatten (es mochten wohl 100 Reichstahler seyn), da giengen sie ans Lämbchen, brachen sich an einer Fenster hinein, und der Langel muste ihnen Kist und Kasten öfnen, woraus sie alles, was von Werth ware, wegnahmen und wieder zu ihren Pferden giengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten, montags – Morgens ritten sie fort auf Hackenbroich. Gestern Nachmittag waren 3.000 Mann französische Kavallerie über Stommeln bis gen Hittorf an den Rhein recognosciren geritten. Von diesen hatten sich diese Streifparthien abgesöndert und waren hinabgewichen bis in diese Gegend. In Zons sollen sie für viertausend Reichstahler an Werth geplündert haben. Der Jussenhoverhalfen wurde von diesen Unholden dreymal besucht in dieser Nacht. Sie zündeten auf der Miste ein Bausch Stroh an. Als aber die Funken aufsprüheten und Gefahr droheten, da löschten sie&#039;s wieder aus. – Bis 3 Uhr nachmittags blieb wieder alles ruhig. Da sprengten 3 Husaren auf den Jussenhover Hof, nahmen dem Halfen eines seiner besten Pferde mit un ritten auf Nivenheim. Gleich hernach gewahrte man die Vorposten von Dielrath über die Heerstraße auf Sasserhof. Allenthalben zündeten sie Wachtfeuer an, welche die ganze Nacht über hell brannten. – Abends 8 Uhr wurden alle Nachbaren vom Pflug bis auf die Nettergasse zum Bürgermeister auf die Wacht zitirt, ebenso bis Joann Brandt in den Adler und die untersten bey die Wittib Schefen Küpper. Stets giengen Patrollen auf und ab, die, wenn geplündert würde, in Massa sich dahin begeben sollten. Es blieb aber ruhig. Um 9 Uhr begann eine fürchterliche Kanonade auf Düsseldorf. Ich stieg auf den Kirchenthurm und sahe die Stadt in lichterlohen Flammen stehen, das noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7ten – bis heut um die Mittagszeit nicht gelöscht war, weil der Wind gar heftig saußte. Um 1 Uhr nach Mittag sahe man einige hundert Reiter von Nivenheim hinab ziehn, welche sich gegen Zons auf der Heyde lagerten. Eine Division kame in unsre Kühbenden. Auch wurde gleich Fourage und Holz dahingefahren. Die Soldaten wandelten hier durchs Dorf, drängten sich an allen Häusern hinein und foderten ohne Frechheit etwas Essen. In den Wirtshäusern gab&#039;s etwas Unfug. Mit dem Abend versammelten sich die Nachbarn wieder in den Wachtstuben. Beym Pannes wollten einige 20 Soldaten plündern. Die Nachbarn eilten hinzu, und sie nahmen die Flucht. Auf Düsseldorf wurde wieder kanoniert, und die Stadt brannte wieder die Nacht hindurch. Wir waren abends 8 Uhr bereit, unser Hauß zu verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[157]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten, &amp;lt;u&amp;gt;mitwochs&amp;lt;/u&amp;gt; – Gleich vor Mittag rückten hier 400 Jäger ein. Obschon dieses nun keine regulirte Truppen waren, so betrugen sie sich vorzüglich gut, und wir schliefen die Nacht wieder einmal ruhig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten marschierten die Jäger wieder fort auf Stürzelberg und Uedesheim. Wir hätten sie gerne den ganzen Winter durch hier behalten. – Die Lieferungen an Heu und Haaber sind über allen Ausdruck hart. Alle Tage 1.000 Rationen Heu und 20 bis 25 Malder Haaber nach Nivenheim, Karsch, Pulheim etz. Dazu kömmt noch die Beschwerniß, daß die ledige Säcke niemal wiederkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Gestern Nacht muste wieder die gesamte Bürgerschaft patrollieren. Und diesen Tag giengen 16 Mann auf und ab, um das Dorf vor Plünderungen zu sichern. Es geht doch alles gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Der Schefen Steinberger und Sturm sind gestern auf Bergheim gefahren und kamen heute mit 5 Salviarden wieder. Einer logierte bey Sturm, einer beym Steinberger, beym Posthalter, zu Walhoven und einer zu Rheinfeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut muste jeder angeben, wie viel Ackerland er in Besitz hat, wie stark die Familie, wie viel Hornvieh, Pferde, Heu, Haber, Korn und Weitzen jeder hat und endlich, wie viel er an Korn, Heu etz. zum Bedürfnis braucht. – Gestern hörte man abwärts wohl 100 Kanonenschüße. Die Franzosen schossen von dieser Seyte die jenseits liegende Grimmlinghauser Schifbrücke in den Grund. – Alle Gewehre, Pistolen, Säbel etz. musten heut zusammengebracht werden. Nachdem werden sie auf Aachen gebracht. – Sie bleiben aber einstweilen hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten, &amp;lt;u&amp;gt;montags&amp;lt;/u&amp;gt; – Nachmittags kamen einige hundert Soldaten von Worringen herab. Eine Kolonne lagert auf dem Steinbüchel und die andere unter den Perschen. Gegen Rheinfeld werden Kanonen auf den Damm gepflanzt. Am Abend rückten einige hundert Dragoner Kavallerie hier ein. Sie betragen sich so gut, als wir noch keine Soldaten gehabt, und wir wünschen sie uns in die Winterquartiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Die Infanteristen, welche am Damm campiren, haben heut die Weidenbäume, so unter dem Steinbüchel standen, niedergehauen. Sie haben sich Hütten von Stroh gebauet und trommelten heut auf dem Damm, so wie die Kayserliche zu Monheim. Dormagen muß 38 Küh und 19 Schaafe liefern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Die am 13ten hier einquartierte 103 Dragoner sind allerliebste Leute. Jederman ist mit ihnen zufrieden. Es ist auf jeden Morgen 60 Pfund Heu und 1 Faß Haaber, das Heu in die Scheuer des Theodor Bilk und in das vom Cremerius an Herman Delhoven verkaufte Haus der Haaber geliefert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten wurden alle Kühe aufgeschrieben, weil deren 38 geliefert werden musten. Nachmittag 3 Uhr waren alle Einwohner auf dem Kirchhofe. 8 Kühe waren 1 Loos. Aus diesen achten wurd eine ausgezogen. Jedoch musten diejenige 7, welche frey blieben, dem Liefernden auf jede Kuhe 2 Reichstahler 30 Stüber herausgeben. Viele Parthien kauften sich eine Kuhe vor ihr Loos. Auch müssen zugleich 19 Schaafe morgen Früh mit den Kühen auf Bergheim abgeliefert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[158]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Gegen Rheinfeld ist der Damm zu einer Schanze umgeändert worden. Es stehen vorerst 2 Kanonen da aufgepflanzt. Auch ist ein kleines Laager Fußvolk dabey, welche in Strohhütten, mit Rasen gedeckt, campiren. Deren stehn einige 20 neben der Piwitte, am Platthals und auf dem Steinbüchel diesseit des Dammes. Alle junge Weidenbäume liegen darnieder. Sogar die Eschen um die Gärten werden abgehauen und ins Laager geschlept. Weil die Soldaten alles mit Papier bezahlen, so liegt Handel und Wandel still. Ein Pfund Kafe gilt in Kölln 1 Reichstahler gegen Assignaten. Die Kayserliche stehn zu Monheim und Baumberg am Rheine Schildwacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Es lieget noch viel gemistet Brachland im Feld, das noch nicht gesähet ist, und vieles, das nicht wird gesähet werden. Die Erdäpfel unten im Feld werden fast alle von dem am Rhein kantonierenden Fußvolk aufgehoben. Die Kavalleristen im Dorf betragen sich vortreflich gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Auf der Fühlinger Heyde steht die große Armee des Generals Jordan, dessen Hauptquartier in Kölln ist. Heut wurden von den hiesigen Einwohnern 13 Karren Büchenholz im Knechsteiner Busch geholt und den Vorposten am Rhein zugeführt. Alle Morgen müssen 6 Karren ins Lager bey Fühlingen fahren, um Brodt und Fleisch zu hohlen. Heut muste aller ausgedroschene Weitzen ins Magazin geliefert werden, und den Taglöhnern wurde zugleich gebothen, auf die große Höf und Plätze gegen Bezahlung dreschen zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Bisher ware eine Kompagnie Soldaten mit 4 Husaren in der Abdey Knechstein, um nachzusehen, daß nichts verkomme. Die Kompagnie marschierte heut fort, und die 4 Husaren gaben alle nicht geflüchtete Meublen den Einwohnern von Delven, Straberg und Dormagen preis. Kostbahre Schränke, Tisch etz. wurden hieher geführet von geringen Leuthen, welche in dem Wald Holz hohlen wollten. Um 12 Uhr zu Mittag kame eine neue Compagnie dahin, und das Plündern hörte auf. Ich gieng nach dem Mittag mit 2 Dragonern und meinem Bruder auf die Jagd und kamen in die Gegend hinab, wo das Kloster war. Der Durst nöthigte uns, hinein zu gehen. Da sassen die Soldaten um einen Tisch, der mit Eymern und großen Krügen voll Weins beladen war, und sofen einig und verbrudert miteinander. Im Kloster waren alle Thüren aufgeschlagen, die Bibliothek zerstreut durch das ganze Kloster und alles zerstöhret.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Heut kam der Befehl, 2.000 Kamißbrodt zu 3 Pfund, halb Weitz und Roggen, zu backen. Es wurde von den Bäckern damit der Anfang gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten muste alles ausgedreschen Korn ins Magasin geliefert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sonntag&amp;lt;/u&amp;gt; – Alle Tag werden einige Karren Holz vom Knechsteiner Busch in die Lager am Rhein gefahren. Dann fahren auch die Leuthe vor sich selbst. Dadurch ware also Mangel bey den Soldaten. Deswegen wurden heut 25 Karren und Wägen zitirt. Das Hochamt wurde in eine Leesmeß umgeschafen, und so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[159]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:fuhren sie um die Mittagszeit dahin. Bisher ward der Gottesdienst ungestöhrt gehalten. Nur wegen dem Angeben der Ländereyen am Sontag, den 12ten dieses wurde anstatt des Hochamtes eine Leßmeß gehalten und mit der großen Klocke nicht mehr seitdem Hierseyn der Franken geläutet. Dieses deswegen, damit die Franken durch den Schall nicht aufgemuntert würden, unsere schwerste Klocke wegzunehmen. Kornpreis 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten musten aus unserm Dorf 50 Dienstleuthe auf Neel bey Kölln, um dort Batterien zu machen. Sie kamen vor und nach bis am 28ten lezten wieder. – Bisher bestand die ganze Lieferung von Heu pro Morgen, frey und unfrei, in 4 Rationen zu 15 Pfund und 1 Faß Haaber, dann 20 Pfund Stroh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Heute wie alle Tag muß Holz aus dem Knechsteiner Busch gefahren werden, theils vor die Truppen, theils vor die Nachbahrn, denn auch der gringste Mann im Dorf bekömbt eine Kahr Buchenholz. Zudem müssen alle Morgen 6 Karren im Lager auf der Fühlinger Heyde Fleisch und Brodt holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sonntag&amp;lt;/u&amp;gt; – Abends 8 Uhr kame die Ordre, daß alle hiesige Truppen aufbrechen sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Um 2 Uhr fieng die auf der Fühlinger Heyd stehende Armee an zu marschieren. Der Zug gieng durch und um das Dorf, Kavallerie und reitende Artillerie mit Fußvolk untermischt. Das dauerte bis 10 Uhr. Da wurde erst das kurze Seelenamt für die Verstorbenen gehalten. Auch wurden wieder 2 Compagnien Reiter und 500 Füsilier hier einquartiert. Alle Pferd sind auf dem Dienst. Auch ist eine starke Kolonne über Hackenbroich hinab gezogen. Die Veranlassung zum Aufbruch soll seyn, weil die Kayserlichen sich jenseits über Düsseldorf hinabgeben, um in der Gegend von Wesel über den Rhein zu gehen und das eingeschlossene Mastricht zu entsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Das Batallion Fußvolk, so hier einlogirt ware, ist heut auf Worringen aufgebrochen. Nach dem Mittag zohen wieder 700 Infanteristen in die Baracken am Rhein. Sie strömeten durch die Gärten und hohlten sich Gemüß und hieben Bäume ab. Auch fiengen sie an, gegen dem Platthals Kanonen in den Damm zu setzen. Auf der Kevelarer Heyde sollen die Engländer stehen. Der Klevische Wagen geht von Kölln bis Hochstraß. Kornpreis 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Es muß von jedem Morgen Lands 5 Bauschen Stroh in die Magasinsscheuer des Theodor Bilk geliefert werden. Davon wird den Dragonern und dem am Rhein kampierenden Fußvolk gegeben. Seitdem Hiersein der Franzosen ist kein Bier noch Brandwein zu haben. Jetz fangen die Wirthe wieder an zu brauen und wollen in der Stille den Nachbahrn gegen baares Geld etwas abgeben. Die Soldaten haben nichts als Assignaten, welche man nur zu 2 Drittheile Verlust ausgeben kann, als 30 Stüber Papier gelten nur 10 in Geld, doch nicht öfentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[160] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Die Delver müssen für die hiesige Infanteristen Holz aus dem Knechsteiner Busch beyfahren. Obschon dessen nun immer genug vorräthig ist, so strömen doch die Soldaten durch die Gärten und hauen alle Eschenbäume ab. Hier sind noch viele Pferde auf dem Dienst, welchen heut Geld auf Neus nachgeschickt ward. Der Schefen Steinberger ist immer auf Reisen zwischen den Beamten und Commissairen, um den Auszug zu bekommen, wie viel Dormagen an Früchten zu liefern hat. – Alle Tage werden durch einen Trompetter viele Personen aus dem Bergischen herübergeschift. Es sind mehrere hundert Knechte darunter, welche Pferde und Karrig im Stich lassen und heimkehren. Aus Dormagen sind auch noch der Henrich Bochem (alt 50), Theodor Schüllgen (alt 16 Jahr) und Joan Fix (alt 20 Jahr), jenseits des Rheins mit ihren Pferd und Karren. Man sagt, sie wären zu Monheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Diesen Morgen 4 Uhr musten die hier liegenden Truppen aufbrechen. Gleich darauf fieng die aus dreissigtausend Mann bestehende Armee an, hierdurchzudefiliren: erst schwere Kavallerie, dann reitende Artillerie, dann folgten Infanterie-Trupp de Linie und eine große Zahl Munitionswägen. Das dauerte ohn Unterlaß bis 1 Uhr nach Mittag, so daß nicht Meß gelesen werden konnte. Die Halbscheit marschirte neben Jussenhoven über Horm, andere theilten sich vor dem Dorf und giengen am Pflug über den Kayser durch die Gärten rheinwärts. Um 3 Uhr kame auch der General-en-chef Jourdan zu Pferd mit einigen Ofizieren und Reiter. Der ganze Zug geht über Neus auf Creyfeld. Die Nachbahrn hielten Thür und Fenster zu, doch schlichen sich manche hie und da herein und foderten Butter und Brodt. An den vornehmsten Häusern waren Savoyarden zurückgeblieben. Diesen Nachmittag waren die Posten am Rhein wie izt unbesezt. Da wagten sich 5 Kayserliche Scharfschützen mit einem Kahn an der Piwitte herüber, erkundigten sich nach der hiesigen Lage und schifeten gleich wieder zurück. Vieles Fuhrwesen und einige Dragoner sind vor dieser Nacht hier im Dorf blettirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Um 8 Uhr diesen Morgen eröfnete das erste Reiterregiment den Zug. Infanterie und Kavallerie untermischt, durch und umb das Dorf, dauerte das Marschieren bis 5 Uhr am Abend. Die Savoyarden musten auch mit fort. Jederman hat Thüren und Fenster zu wie gestern, und es geschahe niemand etwas zu leide. Schwerer Artillerie, mit 12 Pferden bespannt, kame auch eine Menge hierdurch. Diesen Abend sind 700 Mann Infanterie hier einquartiert. Das Dorf ist sehr morastig durch die starke Passagen. Auch die Fußwege sind von der Reiterei übel zugericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[161]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Diese Nacht um 2 Uhr kamen 300 Chasseur hieher, welche gleich umgelegt wurden. Die Leuthe im Dorf wurden aufgeweckt durch ein paar Dienstmänner. Und als die Reiter mit den Billeter kamen, stiessen sie einige Häuser auf, und die Einwohner musten mit, die Logis zu weisen. Auch kamen noch einige Fußgänger, welche dem Bürgermeister ein Glaßfenster entzwey schlugen, weil er sie nicht bilettiren wollte. Die gestern hier bequartirte Infanterie muste heut in die Baracken am Rhein, und die Chasseur zohen um 9 Uhr morgens wieder auf Worringen. Die ganze hier durchmarschierte Armee soll über hundertfünfzigtausend Mann stark seyn und auf Wesel über den Rhein wollen. Die Armee, welche Mastricht eingenohmen hat, wird den Rhein in der hiesigen Gegend besetzen. Am Abend tröpfelten wieder mehrere hundert Infanteristen hier ins Dorf, so daß in geringen Häusern 3 Mann kamen. Sie sind aber sehr gut zu beköstigen: essen, was man hat, und gehn gern früh zu Bett. Ofiziere essen und schlafen bey den Gemeinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Die große Armee lagert auf der Kevelarer Heyde. Die Soldaten am Rhein strömten wieder durch die Gärten und hohlen sich etwas in die Suppe. Wo Bienen sind, da nehmen sie den Hönig, wenn niemand zugegen ist. Auch brechen sie alte Bienenschöpfe oder Aschenhäuser für Brennholz ab. Das war sonderbar in der Plünderungszeit, als die ersten Franzosen hieherkamen: Jeder wohnte lieber in einem armen Häuschen, truge lieber einen zerlumpten Rock als einen prächtigen. Sogar bis auf den heutigen Tag ist keiner im Dorf, der silberne Schuhschnallen trägt. Lederne Riemen ersetzen diese. – Heute war&#039;s ruhig. Die 2 verflossene Täg hat der Wallhover Hof viel gelitten durch das sich selbst einquartierende Fußvolk. Es blieb kein Bissen Brodt übrig. – Die Einwohner von Delven und Strahberg musten heut alle Holz ins hiesige Magasin fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Im Tage sind die Häuser von Soldaten leer. Wenn&#039;s dan Abend wird, so kommen der Auf- und Abziehenden so viel, daß jederman etwas ins Quartier bekömt. Die 38 Kühe, welche Dormagen jüngst an die Nation hat liefern müssen, wurden geschätzt auf 11.500 Pfund. Jedes Pfund ist zu 9 Stüber in Assignaten an die hiesigen Schefen ausgezahlt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten zohen in der Früh die in den Baracken campierende Truppen auf Rommerskirchen in die Winterquartier. Späther wurden hier für neunzehnhundert Füsser gleichfals Biletter gemacht. Abends 7 Uhr kamen 2 Batallionen hieher. Sie machten nur, daß sie unterkamen, und betragen sich sehr gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Des Morgens kame noch ein Batallion hieher. Sie sind alle von der Armee, welche Mastricht eingenohmen hat. Bey Leuthen, welche Pferd haben, liegen Soldaten, und auf dem Wallhoverhof bey zweyhundert Mann. Es sind immer viele Deutsche darunter. Indessen geht die Zeit flügelschnell dahin. Eine Woche ist vorüber, ehe man sich&#039;s versieht. – Die Kayserliche Armee steht zu Emmerich und Wesel, doch ist der Rhein noch überall besezt, und ihre Schildwachen riefen gestern herüber, ob viele Franzosen hier wären. Nymwegen ist auch von den Republikanern eingenohmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Heut giengen 4 Compagnien von hier auf Zons. Es ware so voll Soldaten im Dorf, daß selbst der Bürgermeister 18 in seinem Hause hatte. Sie kochen sich selbsten, und man gibt ihnen nichts als etwas in die Suppe. Brodt haben sie selbst genug. Im Kloster Brauweiler sind jetz wieder 2 Geistliche. Der Praelat ist mit den übrigen ausgewandert über den Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Als gestern der französische General die hiesige Gegend rekognoszirte, befahl er, daß alle von den Soldaten abgehauene Weidenbäume ausgegraben werden müssen, weil in den 2 Fuß hohen annoch stehenden Stämpfen die Kavallerie nicht agiren kann. So wurden deshalben 25 Dienstleute von Nivenheim hiehin beordert, welche heut damit den Anfang machen, doch will der Schefen Steinberger seine geräumige Perschen selbst der Erde gleich hauen lassen, damit die Wurzeln wieder ausschlagen. Der Rhein schwillt an. Das könnte leicht die Soldaten aus Rheinfeld hieherziehen. In den Baracken ist kein Mann mehr. Nur werden am Platthals 2 große Wachthütten erbauet, wozu aus Knechstein Stroh und Holz hiehergeführt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25., als am Katharinentag, starb die hiesige verwittibte Kayserliche Posthalterin Katharina Sturm, gebohrne Dederich, im 74ten Jahre ihres Lebens. Sie wurde am 26ten am Abend zu Grabe getragen. Die Schuhlkinder, Geistliche und Kohrsänger hohlten die Leich am Hause ab. Es wurde gesungen und gebethen in schönster Ordnung, und die Soldaten hielten sich sehr ruhig, so wie bey allen gottesdienstlichen Verrichtungen. Der Sarg wurde vor dem hohen Kohr in die Mitte des großen Ganges versenkt – ein Gebrauch, der höchstnothwendig abzustellen wäre, dem man aber in unseren finsteren Zeiten ruhig zusehen muß, wenn die französische Zauberlaterne uns nicht Licht verschafet. – Wegen den unruhigen Zeiten wird der Posthalter kein Gastmal halten, doch wird er den Nachbarn, Trägern und Verwandten bey guter Gelegenheit eine Rekreation geben. – Gestern und heute hat der Schefen Steinberger aus der Abdey Knechstein 12 Karren Stroh ins Magasin dahier und für sich die dasige Bibliothek hierherführen lassen. In besagter Abdey logiren izt 500 Soldaten, welche sich in allen Zimmern Kamine errichtet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[163]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Die Soldaten vertragen sich recht gut mit ihren Wirthen. Es sind ihrer nur allzuviel, doch sollen heut 4 Compagnien von hier fortgelegt werden. Alsdann bleiben dennoch 14 Compagnien hier, welche etwas mehr als tausend Mann ausmachen werden. Am lezten November ware der kleine Theodor Schüllgen, der mit des Joan Derichsweilers Pferd mit den Kayserlichen ins Bergische muste, zu Monheim am Rhein. Er riefe hinüber, daß er nichts mehr für sich und sein Pferd zu leben habe und daß zu Monheim alle Stallung besezt sey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Heut marschierten einige Compagnien von hier fort. Andere zohen wieder hieher auf ihre Platz. Man schäzt die hier kantonierenden 2 Batallionen auf 1.200 Mann. Indessen spricht man viel vom Frieden, der noch nie so wünschenswerth war, als in diesen Tagen, denn das immer Wechseln der Quartieren hat seine Unbequemlichkeiten für Soldat und Bürger. – Wegen den Assignaten, welche jeder zu nehmen verbunden ist, liegt Handel und jedes Gewerb still. In Wirthshäusern trinken vertraute Nachbarn in abgelegenen Zimmern Bier und Brandwein. Kafe verkauft man verstohlener weis, Schustere arbeiten in verborgenen Kammern nur für ihre Kunden. Die Soldaten kaufen von ihren Vivandiers gegen Assignaten das Pfund Seife um 4 Liver, 1 Pfund Kafe um 7 Liver, eine Boutelle Wein um 100 Sous und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten waren 2 französische Reuter mit einem Schefen aus Torr hier, um die Scheuren und Söller zu besehen. Die Hauptabsicht ist, die Assignaten in Gang zu bringen. Nun soll jeder Haushaltung ihre Provision Korn und Weizen bis zur Erndte belassen werden. Das Übrige soll alle nach den Nationalmagazinen geführt und mit Assignaten bezahlt werden. – Lezten Sonntag, am 30ten November, ist hier von der Kanzel die Verordnung abgelesen worden, daß die Emigrirte in Zeit von 14 Tagen zurückkehren sollen. Hier aus dem Dorf ist niemand ausgewandert. Ich glaube schwerlich, daß auch die Knechsteiner zurückkommen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Morgens 4 Uhr brachen die hier logierte Füsser alle auf. Nachdem kamen 100 Chasseur, welche auf die auswärtige Höfe, und 1 Bataillon zu Fuß, welches hier ins Dorf logirt wurden. Die von hier Abmarschierte besetzen bey Kölln den Rhein, weil die dasige Brigaden auf Maynz ziehn, um selbiges zu belagern. Die große Nordarmee zieht auf Holand, die Kayserlichen stehn von Wesel bis Emmerich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Alle Tage ziehn einige Bataillone auf und ab. Hier ist nicht so stark besezt wie vorhin. Auf dem Walhover Hofe aber gehts wüst zu. Viermahl brannte es auf dem Speicher, wo einige der daselbst quartierten 120 Mann Sapeurs ihre Suppe kochen. Doch wurde es jedesmal noch gelöscht. Gemüß ist keins mehr da vorhanden, als die Rüben im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[164]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Es hat einige Zeit etwas weniges gefroren. Alle Tage wird Büchenholz aus dem Knechsteiner Busch gehohlt und den Köttern ausgetheilt, welche Soldaten haben. Auf dem Werth und neben Zons werden Batterien gemacht. Auch in dem Wallhover Garten soll eine grosse Redoute errichtet werden, woran hier aus dem Dorf täglich 30 Mann arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Jeder General macht neue Anordnungen und zerstöhret, was der vorige aufgebauet hat. Die große Baracken am Rhein, welche von Zimmerleuthen und Maurern mit vieler Müh errichtet waren und die ein halbes Jahrhundert stehen konnten, werden nun nicht gebraucht, und die arme Leuth brechen solche allmählig wieder ab. Auch die beyden Laager auf dem Steinbüchel und gegen Rheinfeld haben gleiches Schicksal. Nun müssen noch alle Tage 60 Mann von hier auf dem Werth neben Wallhoven an der großen Batterie arbeiten, welches bey den jetzigen Zeiten dem Taglöhner sehr hart geht. – Der vorige General ließ alle abgehauene Weiden der Erde gleich hauen, damit die Kavallerie agiren kann. Der Jetzige befiehlt hingegen, alle noch stehende schwere Bäume bis in den Kolk zwey Füß über der Erde abzuhauen, damit die Kavallerie nicht agiren kann. – Die Assignaten verderben mit jedem Tag den Handel mehr und mehr. Hier im Dorf wird fast kein Kafe mehr verkauft, der in Kölln das Pfund zu 1 Reichstahler in klingender Münz und zu 12 Liver in fliegenden Assignaten bezahlt wird. Das Viertel Salz gillt in baarem Geld 3 Reichstahler und ist doch nicht zu haben. Das Malder Korn verkauft man gegen Geld um 6 Reichstahler, kleine Bohnen ebenso theuer, Haaber um 20 Schilling, Brandwein zu 30 und 36 Stüber incognito.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;National-Edickten&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
::1. Die Steuern sollen wie gewöhnlich bezahlt werden, und daß in Zeit von 10 Tagen. Jedoch können anstatt baarem Geld auch Assignaten gegeben werden. Die freye Güther sollen auch in Anschlag genommen und den Ertrag den steuerbahren abgenohmen werden.&lt;br /&gt;
::2. Die Herrschaften Hemmersbach, Sindorf, Tönig, Frechem, Bachum, Vogsbell, Müthrath, Lommersheim, Hürdt, Sinnersdorf, Ohr und die Dörfer Rodenkirchen und Wesling sind dem Amt Bergheim einverleibt, sodann der bisherige Vogt Franz W. Garzen als Friedensrichter, der Amtsverwalter Schweren und Advocat Currens als Assessoren ernannt, und wird künftigen so wie alle Mitwoche das Friedensgericht gehalten.&lt;br /&gt;
::3. Die Assignaten sollen durchaus dem baaren Gelde gleich gelten und 8 Stund im Bezirk der Stadt Kölln ausgedreschen und in das städtische Magazin gebracht werden, wo eine Hungersnoth zu befürchten ist. Die Bewohner auf dem Land sollen ihre Consumption alsdann aus gemeldten Magazin zurück hohlen und die Zahlung in Assignaten geschehen. Auch ist der Tax wie folgt vestgestellt worden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[165]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Weitzen das Aachener Faß zu 6 Livre&lt;br /&gt;
::Gersten &amp;quot; &amp;quot; &amp;quot; &amp;quot; 3 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Bohnen &amp;quot; &amp;quot; &amp;quot; &amp;quot; 6 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Erbsen &amp;quot; &amp;quot; &amp;quot; &amp;quot; 6 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Brodt das Pfund zu 3 Stüber&lt;br /&gt;
::Salz das Pfund zu 5 Stüber&lt;br /&gt;
::Seif &amp;quot; &amp;quot; &amp;quot; 12 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Limburger Butter 18 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Gülicher ditto 16 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Ochsenfleisch Pfund 12 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Kuhfleisch &amp;quot; 10 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Kalbfleisch &amp;quot; 12 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Hammelfleisch &amp;quot; 12 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::frisch Speck &amp;quot; 14 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::geräucht ditto &amp;quot; 18 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Erdäpfel 25 Pfund &amp;quot; &amp;quot; 1 &amp;quot;&lt;br /&gt;
::Oel die Maaß &amp;quot; &amp;quot; 2 &amp;quot;&lt;br /&gt;
:Weil aber diese durch die Noth erzwungenen Preise sehr drückend sind, so wird der Taglohn eines Arbeiters, der sonst 10 Stüber Klevisch verdiente, auf 15 Stüber in Assignaten festgestellt. – Zugleich ist verordnet, daß keine Waaren aus der Stadt Köln geführt werden, ohne vorherige Erlaubniß. – Denen nicht ausgewanderten Eigenthümern soll ihr Pfacht in Assignaten bezahlt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Manheim wird bombardiert und zur Belagerung Maynz alle Anstalten gemacht. Wer den französischen Generälen sagen kann, wo der Kayserliche General Clairfait mit seiner Armee steht, der bekömmt 200 Kronthaler Belohnung. Der ausgeschickte französische Spion ist von den Kayserlichen aufgefangen worden. – Es friert stark. Wenn der Rhein zufrieren sollte, das wäre nicht gut für uns, weil dann die Uferbesatzungen verdoppelt werden müsten. Es darf jetz keiner am Rheine mit den Monheimer sprechen. Am Sontag waren viele Kinder aus Dormagen, welche in Düsseldorf wohnen, zu Monheim am Rhein. Sie durften aber keinen Laut von sich geben. – Alle Tag müssen von hier, Hackenbroich, Worringen und Nivenheim Dienstleuth an der großen Batterie auf dem Werth arbeiten. Auch werden schwere Eichen aus dem Knechsteiner Busch hiehin gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Vorgestern wurde zu Bergheim der Freyheitsbaum errichtet, wozu alle Schefen und Vorstehere des Amts eingeladen wurden. Es wird daselbst große Tafel gehalten, wozu 50 Hämmel und mehrere Kühe gemetzelt worden sind. Bier und Wein sind gleichfals angeschaft, und diese große Feyerlichkeit soll mit einem Ball geschlossen werden. – Der Molter soll nicht gegeben, sondern selbiger mit Assignaten dem Müller bezahlt werden, vom Malter 26 Stüber. – Es macht bitter kalt. Der Rhein treibt stark mit Eis. Zu Monheim und im ganzen Bergischenland sind wenig Kayserliche. Die Hauptmacht ist in der Gegend von Maynz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25ten – Bey Menschengedenk ware noch nicht ein so kalter Kristtag wie der heutige. Es wurd keine Metten gesungen, und das erste Hoheamt fieng um 5 Uhr an. Der Pastor ist krank. Schwerlich wird er den Frieden erleben. Es ward heut wieder, seit Michaeli zum erstenmal, gepredigt. Viele Soldaten wohnen ruhig dem Gottesdienst bey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[166]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1794&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Allem Anschein nach wird der Rhein bald zufrieren. Die Franzosen machen viele Anstalten deswegen. Im Kolk und den Kempen werden alle Bäume zwey Fuß über der Erde abgehauen und bleiben verworren durcheinander liegen, um einen Verhau vorzustellen. Gegen dem Bothen-Kreutz werden in den Damm Batterien gemacht und die Patroullen verdoppelt. 6 Soldaten sind gestern Nacht auf den Vorposten zwischen Kölln erfroren. Die Kayserliche Scharfschützen schiessen über den Rhein auf die diesseitige Schildwachen im Kolk. Der hiesige Commendant wollte aber nicht erlauben, auf jene wiederzuschiessen. – Auch ward eine Verordnung abgelesen: Das Brandweinbrennen wird verbothen, und die Bäcker dörfen kein Weitzenbrodt mehr an Soldaten verkaufen. Imgleichen dörfen keine Früchten aus dem Gülich-Ächner Districkt verführet werden. Der Kornpreis ist 6 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 2 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Die Vorsicht der Franzosen übersteigt alle Vorstellung. Heut kame sogar der Befehl, nicht mehr mit den Klocken zu läuten. Kein Einwohner soll ohne Paß vor&#039;s Dorf gehn, und gar nicht an den Rhein. Alle 3 Tagen sollen alle Bewohner des Dorfs abgelesen werden etz. – Nochmal kame Ordre, alle Früchten auszudreschen. Auf jeden Kopf bleibt ein Malder Korn hier im Dorf. Der Überschuß soll an die Nation abgeliefert werden. Alle Lebensmittel steigen ungeheuer im Preise. Das Pfund Butter gilt 24 Stüber, 1 Loth Kafe 2 Stüber 8 Heller, das Pfund Salz 15 Stüber in baarem Geld. – Indessen betragen sich die Soldaten vorzüglich gut. Wenn man ihnen etwas in die Suppe gibt, ein paar Mohren, Rüben, Erdäpfel oder Kappes, so sind sie recht zufrieden. Und es würde uns ungewohnt seyn, wenn wir wieder Kayserliche bekommen sollten. Traurig schliesset sich das Jahr mit noch trübern Aussichten in die Zukunft. Vielleicht wird es uns übel gehn. – Wer weis? Es mag auch Friede werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1795 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[167]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1795&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, &amp;lt;u&amp;gt;Donnerstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Der kolossische Revolutionsball wälzte sich hin und her, bis endlich auch zu uns an den Rhein, und hat uns alle frey gemacht. – Sind wir glücklicher geworden? – Noch nicht. Freyer? – Ebensowenig. Das waren zwar nothwendige Folgen, die man hätte vorhersehen können, aber so hatte man sich auch die Göttin Freyheit nicht vorgestellt. Die grausame Requisitionen und das Papiergeld, womit dem Landmann alles bezahlt wird und wofür er in Städten nichts haben kann, sind der Knoten, da er doch nicht allein vom Brodt leben kann. Jetz erscheint der lezte Befehl, alle Früchten auszudreschen. Vor jeden Kopf bleibt bis zur Erndte ein Malder Korn hier. Das Übrige muß alle nach den Magazinen gebracht werden, wo es in Nationalmünze bezahlt wird. So wird es im Lande der Freyheit auf immer gehalten seyn. Es fragt sich also: Wird der Landman dabey glücklicher seyn? – Schwerlich oder gar nicht. – Erfreuend ist hingegen die Vorstellung, daß der geistliche Tyrannenzepter zerbrochen ist. Wenn&#039;s so fortgeht, so werden wir keinen Zehenden mehr geben und nicht, wie ehmal bey den Knechsteiner Mönchen, zu unserm Geld um Holz betteln, denn jezt fährt und trägt alles, was nur kann, von dem Knechsteiner Busch. – Die im October gelieferte Kühe sind pro Pfund mit 9 Stüber bezahlt worden. Jede Kuhe war besonders taxirt, einige zu 600, andere zu 300 und einige zu 200 Pfund. Diese Assignaten werden nun an die Einwohner abgegeben, womit nun jeder das lezte Quartal der Steuren bezahlen kann. Auch hat der Commendant erlaubt, in die Messen einmal mit der kleinen Klocke zu läuten, so wie morgens, mittags und abends.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten und 3ten ist es ausserordentlich kalt, daß auch an den wärmsten Stuben die gefrorne Fenster nicht aufthauen. Der Rhein treibt dicht mit Eiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Die Patroullen am Rhein werden zur Nachtzeit sehr zahlreich verstärkt. Auch haben die Soldaten kein Vertrauen zu den hiesigen Einwohnern. Sie besorgen, die Landleute möchten Komplott gegen sie machen und sie auf eine bestimmte Zeit alle ermorden. Daher die Verordnung, daß keiner ohne Paß von einem Orth zum andern wandeln darf. Das Verboth, mit den Klocken zu läuten, um dadurch den Kayserlichen ein Signal zu geben, daß sie herüber kommen und mit den hiesigen Einwohnern gemeinsame Sache machen sollten. Diese Vorsicht ist gut, aber für Dormagen überflüssig, denn hier wird keiner sich in Kriegssachen mischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Der Rhein will sich vestsetzen. Deswegen verordnete der hiesige Commendant, daß 40 hiesiger Einwohner mit Achsen und Hacken die Eisborden entzwei schlagen sollen. Als sie dahin kamen, ware das Wasser so hoch angeschwollen, daß die Leuthe nicht an das Eis kommen konnten. – An der Piwitt wurden zwey Kayserliche Spionen erwischt und nach dem Hauptquartier geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[168]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1795&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Gestern fienge es etwas an zu regnen, daß sich doch heut in Frost verwandelte. Es wär zu wünschen, daß der Rhein sich nicht vestsezte, der doch schon am Stürzelberg steht. – Der Handel liegt still. Man könnte Korn genug nach Kölln verkaufen, aber da ist zu befürchten, daß die Bürger mit Assignaten bezahlen, die man jetz den Liver zu 3 Stüber umwechseln kann. Indessen wird doch hier und da etwas aufgeladen und an bekannte, aufrichtige Bürger zur Stadt geführt. Hier gibt und nimmt keiner mehr Assignaten, weil weder Bier noch sonstige Waaren öfentlich verkauft wird. Die Maas Brandwein kostet in Geld 36 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Der Frost hällt an, doch ist der Rhein noch am treiben. Es sterben viele alte Leuthe. Vermuthlich beschleunigte der Schrecken in den ersten Tagen, als die Chasseurs rollirten, ihr Ende. Das Fleckenfieber wirft viele aufs Krankenbet. Allein der Geschicklichkeit unserer Chyrurgen haben wir es zu verdanken, daß niemand daran stirbt. Unser alter Pastor leidet auch an der Lungensucht. Wahrscheinlich wird er bald sterben. Heut Abend empfienge er das Nachtmahl, als gleich zuvor ein junger Geistlicher von Kölln ankommen war, der einstweilen als Kaplan die Pfarre versieht. – Die Franzosen foderten von der Stadt Düsseldorf einige 100 Säck Salz. Im Weigerungsfall würden sie von neuem die Stadt bombardieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Die Batterien waren fertig, und heut ritten einige und 30 Kanonier hiedurch auf Oberkassel, worauf die Düsseldorfer 500 Säck Salz hinüberschickten. – Die französische Nordarmee rückt immer tiefer ins Herz von Holand. Pichegrü ist Commendant und hat Worcum, Graf und Bommelwaert eingenohmen. Die Hochmogenden hatte zwar diese Plätze unter Wasser gesezt. Allein, sie dachten nicht, daß beym jetzigen Zufrieren die Franzosen übers Eis gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Heut morgen hat sich hier der Rhein gesezt. Man sieht die Kayserliche Posten noch am Nöthstein auf den Posten stehn. Vorgestern ware unten Zons ein Kayserlicher Scharfschütz hieher desertiert. Er sagt aus, daß von Mühlheim bis Düsseldorf nur in jedem großen Dorf 4 Compagnien Scharfschützen und in Düsseldorf 2 Kavallerie-Regimenter liegen. Der General fragte, warum er desertiert und was er sich von ihnen Gutes versprochen? Drauf antwortete er, einer von seinen Kameraden wäre mishandelt worden, und er wollte als Schneider in Frankreich sein Metier treiben. Der General erwiederte: &amp;quot;Er ist ein schlechter Kerl. Was denkt er, daß wir von dem Manne halten, der Eyd und Pflicht vergessen, seinem Herren untreu wird und dem wir immerhin mit Verachtung begegnen.&amp;quot; Er wurde entwafnet und nach dem Quartir-General geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[169]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Zu Kölln ist der Rhein noch am treiben. Da es aber bey wenigem Schnee noch herzlich frieret, so wird er sich bald allenthalben setzen. Maynz wird noch belagert und die wichtige Vestung Luxembourg blockirt. – Diesen Abend bekamen die Soldaten Befehl, sich des Nachts nicht auszukleiden, um auf jeden Wink bereit zu seyn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten sollten 12 hiesiger Dienstleuthe das Eiß an den Vorposten auf dem Rhein in Stücken zu hauen. Auch waren einige Pferde bestellt, welche die in der Gegend um die Piwitt jüngst abgehauene Bäume auf das Eiß schleppen sollten, um sich dadurch vor einem Ueberfall der Kayserlichen zu sichern. Als die Arbeiter aber hinkamen, ließ der Commandire-Ofizier sie wieder heim gehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Morgens 4 Uhr verstarb unser Pfarrer Godefridus Bürg im 71. Jahre seines Lebens und 34ter seines Pastoralamtes. Er ware von bürgerlichen Eltern in Neus gebohren, studierte und ward Professor im Montanergimnasium zu Kölln. Das Kapitul St. Andeas begabte ihn im Jahre 1761 mit der hiesigen Pastorat. Um die Pfingsten nahme er hier Possession, und am folgenden Joannis-Tag hielte er das erste Amt und Predigt. Schwer ist es, seinen Karackter zu schildern, wenigstens von einer gefälligen Seythe in dem lezten Jahrzehend. Ich habe das vielmahl bemerkt, wie oft mancher Mann nicht auf dem Posten steht, wo er &amp;lt;s&amp;gt;nicht&amp;lt;/s&amp;gt; hin gehört. Demgemäß hätte unser Pastor in der Stadt Canonicus seyn müssen. Im Anfang seines Hierseyns, bis ums Jahr 1775, hielt er exemplarisch seinen Gottesdienst mit Predigten, Beichthören und am Krankenbett. Von da an vernachlässigte er allmälig seine Pflichten. Alles wurde ihm mit jedem Jahre mehr und mehr zur Last. Predigen that er wenig und immer weniger. Der Vicarius hielt alle Sontage das Hochamt, dem er nie beywohnte, und wenn er an Gottestrachten mitzugehn genöthiget war, so konnte das Hochamt nicht kurz genug abgemacht werden. Und da in der Gemeinde ihn niemand aufs alte Herkommen zurückwies, so zerfiel der äusserliche Gottesdienst immermehr. – Der ehemalige Pastor Küpper kann in allem als wahres Gegenstück betrachtet werden: Er verlängerte immer den Gottesdienst bis zum Ärger der Anwesenden, eben so sehr, als dieser die Kürze liebte. Auch hielt jener ein großes Stück auf einen schönen Garten, der mit schönen Bäumen von den seltensten Obstarten versehen war. Und wer schöne Blumen liebte, der fand solche bey ihm, womit den ganzen Sommer hindurch die Kirche gezieret wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[170]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Der folgende Pastor Braun vernachlässigte all die schönen Einrichtungen seines Vorfahren. Es blühete keine Blume mehr auf den Rabatten, und die Obstbäume ließ er unbeschnitten. Er hiebe zwar keine um, aber er pflanzte auch keine die sieben Jahre seines Hirtenamtes hindurch. Als der nunmehr Verstorbene hinkam, machte er zwar ohne Geschmack verschiedene Einrichtungen: Er bauete noch ein Stockwerk auf die Pastoralwohnung, pflanzte zwey Reihen Haselnüß mit einem Lusthause von der Scheure bis zum Garten, das er in den lezten Jahren wieder umhauen ließ. Gleiches Looß traf manchen schönen Obstbaum im Baumgarten, denn wenn ihm an Brennholz gebrach, so musten jene herhalten, weil, wie er sagte, die Buben ihm das Obst stehlen. Kaum den halben Theil vom Garten pflanzte er mit Gemüß. Das Übrige muste Rabsahmen tragen, daß also izt der ehmals so schöne Garten ganz verodet ist. – Ich wünschte, den Mann so schildern zu können, daß die Nachwelt sein Andenken segnen möchte. Da ich aber nur Wahrheit zu schreiben mir zur Pflicht gemacht, so wird mir&#039;s niemand verargen, daß der Hauptkarackter sich so sehr nach der entgegengesezten Seythe senkt. – Unpartheilichkeit ist eines Pfarrers erste Pflicht. Und doch fieng er des Sonntags die Frühmesse nicht ehender an, bis die vornehmste Weiber zugegen waren. Dieses beobachtete er mit Seelenämtern für die Reichen, worauf er immer bis 9 und 10 Uhr wartete, da hingegen die Geringern früh bereit seyn musten. Oder er hielt die Meß, wenn auch kein Anverwandter zugegen war. Ebensosehr kamen seine häusliche Umstände in Verfall. Ein paar Köchinnen, die mit der Zeit alles über ihn vermochten, thaten sich gütlich mit Speise und Trank, wovon sie immer das Kostbahrste wählten. Sie zohen noch einige nicht allzukeusche Jungfrauen aus dem Dorf in ihren Zirkel, zu denen sich an manchen Abenden luftige Junggesellen schlugen. Und dann wurde auf des Pfarrers Wohl mancher Krug Bier und Wein geleeret und, was das Hauss vermochte, zum Nachtessen getafelt. Diesen Köchinnen gab er Männer: eine hier im Dorf, die andere in Zons. Erstere besuchte er täglich, und auf Zons hielt er wochentliche Wahlfahrten, nicht ohne Ärger des dasigen Pastoren und mancher gute Sitten liebender Einwohner hieselbst. – Bey solcher Bewandniß der Sachen muste nothwendigerweise ein Uebel das andere nach sich ziehen. Es wurde viel geborgt und nichts bezahlt. Und da der Pfarrer sich selbst fast täglich betrank, so wurden die besten Mobilien nach und nach entwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[171]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Eingebundener gedruckter Totenzettel von Pfarrer Godefridus Josephus Bürich:]&lt;br /&gt;
::JESUS, MARIA, Joseph&lt;br /&gt;
::Anno ab Incarnatione D. n. J. Christi millesimo septingentesimo 95to, die 21ma Januarii, mane hora 4ta, S. Ecclesiae catholicae sacramentis munitus, ex lenta virium defectione &amp;amp; phtisi, placida &amp;amp; piissima morte, ex vita mortali ad immortalem decessit&lt;br /&gt;
::PLURIMUM REVERENDUS &amp;amp; DOCTISSIMUS DOMINUS&lt;br /&gt;
::D. GODEFRIDUS JOSEPHUS BÜRICH&lt;br /&gt;
::Novesinus, Pastor Zelosissimus in Dormagen;&lt;br /&gt;
::Anno aetatis 71mo, Curae pastoralis 34to.&lt;br /&gt;
::Cujus anima sacris Pastorum Christianitatis novesiensis &amp;amp; Sacerdotum omnium Missae sacrificiis, &amp;amp; Parochianorum &amp;amp; fidelium omnium orationibus commendatur, ut in sancta pace beata quiescat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[172]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – In vielen Fällen handelte er als Philosoph: Er achtete nicht viel auf Geld und Kostbarkeiten. Er truge nur einen Rock und Hut. Wenn diese Theile gar ihre Dienste versagten, so kaufte er wieder neu. In Gemeindssachen und Kupplereien mischte er sich nie. Auch wuste er anfangs in Gesellschaften sehr wohl zu leben, wo er oft den Ton angab und gut gelitten war. Ebensosehr ward er auf die lezt allenthalben zur Last. Nur der Pastor von Worringen blieb sein Freund bis im Todt, der auch Executor des Testaments ist. Er hinterläst viele Schulden, worunter mein Vater nicht der Geringste ist. Die Kirchen- und Armenrechnungen liegen, seit er Pastor ist, noch unberichtiget. Und da man vorsehet, daß die Schulden das Vermögen übersteigen werden, so ziehe ich den Vorhang über die Geschichte, obschon noch mancher Bogen darob zu schreiben wär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Nachmittags 4 Uhr ward mit Bewilligung des Commendanten mit der kleinen Klocke geläutet und die Leiche vom Schefen und Vorstehern zu Grabe getragen. Die hiesige Nachbahrschaft begleitete den Zug. Der Pastor von Hackenbroich war Zeremoniar, und auf dem hohen Kohr, unter den grossen Grabstein in die Mitte versenkte man die Leiche. – Gestern morgens 10 Uhr wurden zu Worringen, Rheincassel, Kölln, Neus und überall die Kanonen gelöst, zum freudigen Andenken der Hinrichtung von Frankreichs lezten Tyrannen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23., 24. und 25ten – Es ist entsetzlich kalt diese 3 Tage. Kein Keller ist vor dem Frost sicher, und in den wärmsten Stuben sind die Gläser mit Blumen gefroren. Man glaubt, die Kälte werde jene von 1784 und [17]88 übertrefen. Es ist ein Glück, daß die Knechsteder Mönche ausgewandert sind, denn es wird noch alle Tage Holz für gringe Leuthe gefahren. Das Eichenhohlen aber ist gar verbothen. – Die Frankenarmee zieht immer tiefer in Holland. Die Städte Arnheim und Utrecht wurden am 17ten von ihnen besezt. Nun rückt auch die Armee Samber et Meuss wieder an den Rhein. Das Hauptquartier ist schon in Creveld, und man glaubt, sie werde über den Rhein setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Nachmittags brachten 2 französische Chasseur vier Kayserliche Soldaten hiedurch nach dem Hauptquartier Crefeld. Ich sprach mit ihnen. Sie waren unten Mülheim desertirt und sagten, in Mülheim lägen 4.000 Kayserliche. Es wäre alles sehr thuer, und das Ausreissen unter den Kayserlichen nähme immer mehr zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten hob sich ein schneidend kalter Wind aus Süden. Am 27ten fienge es an zu regnen. Auch kame gestern Abend der Sohn vom Merzenhauser Hof, im Gülicherland gelegen, von Monheim herüber, der sich zu seinen Anverwandten aus Forcht vor den Franzosen dahin geflüchtet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[173]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1795&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weder die Kayserliche noch hiesige Schildwachen hatten ihn bemerkt. Man hat in Monheim Nachrichten von übertriebenem Elend auf dieser Seithe verbreitet. Alle junge Leuthe müsten Soldat werden, und sie hatten schon einige von uns schildwachen gesehen. – In Monheim liegen 120 Husaren und 5 Compagnien Füsser. Das Malder Korn gillt daselbst 17 Reichstahler, Haaber 4 Kronthaler. – Weil der Rhein sich, wie anno 1784, sehr hoch gesezt hat, so fehlt uns kein hohes Wasser. Und da an verschiedenen Orten der Damm zu Batterien abgestochen wurde, so könnte selbiger leicht durchbrechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten wurden die Seelmessen für unsern Pastor gehalten. Der Ofizial-Pastor von Gohr hielte das Amt ohne Leichenrede. Alle Kosten wurden erspart, zum Wohlsein der Schuldner. Der Pastor starb just zur rechten Zeit: Kaum ware er todt, so kame der Befehl, daß er 150 Reichstahler Contribution zu zahlen habe. Und heut wehete der Wind seine Scheuer an der Strasse übern Haufen. Die Contribution für das Gülicher Landt beträgt 5 Milionen in baarem Geld. Davon zahlt die Geistlichkeit 3, der Adel 1 ½ und der bemittelte Bürger und Bauer eine halbe Milion. Der Geistlichkeit kömts pro Morgen 4 Kronthaler, und uns Steuerbarn 20 Stüber, wovon schon die Halbscheid entrichtet ist. Doch hat man nicht, wie sonst, ein Capital aufgenohmen, sondern eine Umblag gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten regnete es noch. Am Abend ward es heiter. Um 9 Uhr zu Abend triebe schon das Eis im Rhein, was doch keiner glauben wollte. Der Chef legte die am Steinbüchel befindlichen Posten auf den Walhover Hof. Das Wasser wuchs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten ware es morgens gefroren und weis geschneet. Schon um 2 Uhr früh rollirten die Soldaten mit vielem Lärm über die Straßen. Um 6 hörte ich unten in der Aue erbärmlich Hülfrufen: &amp;quot;Veni issi mon camerad!&amp;quot; Es ware der Posten, welcher auf Walhof beordert war, der aber beym anschwellenden Wasser die Flucht ergrif. Und da nicht mehr ans Dorf zu kommen war, so kletterten die Soldaten auf die Bäume diesseit der Leimkaul. Der General mit allen Ofizieren und Soldaten waren gegenwärtig. Man wollte die Soldaten mit Pferden retten, und davor ware es zu tief. Es wurde eine Wagenleiter mit Brettern benagelt und Stroh hinaufgelegt, aber die zwey daruf befindliche Soldaten fuhren sich vest auf eine Heck. Ein Soldat brachte eine Mulde, worin man Brodt-Teich mengt. Er stieg ein, schluge um und fiel ins Wasser. Schon früh wollten die hiesige Einwohner eine kleine Flotz errichten, und dieses fiel den Commandanten zu langwierig. Als sie aber sahen, daß nichts helfen konnte, da befahlen sie, daß keiner die hiesige Einwohner stöhren sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[174]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Mein Bruder Thomas Delhoven und Jacob Steinberger nahmen fünf Stücke Bauholz von 10 Fuß, benagelten solche dicht mit Borden, legten noch eine Thür darauf und hohlten in zwey Fahrten die sechs jammernde Soldaten. Einer hatte seine Händ um einen Ast von einer Weide geklammert und hieng in solcher Stellung mit den Füssen im Wasser, von 2 Uhr nachts bis halb 9. Der General nahm die beyden Retter mit den Geretteten ins Posthaus, überhäufte sie mit Danksagungen und schenkte tapfer ein. Er ließ gleich den Bericht nach dem National-Convent machen, wo dan diese edle That in die französische Zeitung gesezt und allen Armeen mitgetheilt wird. Bis halb 10 bliebe der Rhein am treiben. Das Wasser schwoll so stark an, daß auf einigen Orten das Eiß auf die Krone des Dammes schob. Noch 1 Fuß höher, so gienge es drüber. Das Eiß im Strome sezte sich von neuem. Von Zons flüchteten Menschen und Vieh hieher. Rheinfeld und Walhoven hatten vorige Nacht ihr Vieh hiehergebracht. Zons steht rundum im Wasser. Die Soldaten hatten sich von da nach Hülchrath geflüchtet. Auch jene von Worringen sind ausgezogen. – Am Abend fiel das Wasser zusehends. Es stellte sich Frost ein, und um 8 Uhr trieb das Eiß wieder im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Morgens war der Rhein noch am treiben. Das Wasser war 5 Fuß gefallen, fienge aber besonders diesseit des &amp;lt;s&amp;gt;Rheins&amp;lt;/s&amp;gt; Dammes so stark an zu wachsen, daß es jetz, am Abend, hier in den Gärten noch höher ist als gestern und als anno 1788. Unten im Feld ist keine Handbreit trocken, und ein von Neus über Erbrath kommender Kurier sagt, daß ganz Neus im Wasser stehe. Deswegen kehrte der Klevische Wagen sich von hier wieder um auf Kölln. Am Abend sezte sich der Rhein wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Morgens ware es kernicht gefroren. Der Rhein triebe wieder, sezte sich aber am Abend vest. Es hies, die Sandhalfersche von Rheinfeld wäre gestorben. Man betete schon in der Kirche für sie als todt, und wie man nun vernimmt, so lebt sie noch. Auf Rheinfeld durfte keiner kommen, weil das Eis nicht überträgt und mit Nachen nicht durchzukommen ist, deren auch nur ein einziger da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sonntag&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Eiß truge heut über. Dies veranlaßte eine allgemeine Schlittenfahrt. Am Abend fiel Schnee. Der Rhein steht noch mauervest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Am Morgen regnete es wieder. Die Gefahr vor Durchbrechung unseres Dammes ist mehr als jemals groß. Deswegen flüchtete sich alles vom Walhoverhof, so daß diese Nacht keine Seele mehr da schläft. Das Eiß truge noch über, und die Eisdecke steht noch vest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[175]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Einen Tag thauet es, und den andern friert es wieder. Wenn man die ungeheuren Eisberge sieht, so sollte man glauben, von Wallhoven und Rheinfeld könnte kein Stein auf dem andern bleiben. Gestern wurde der Damm, wo die Köllnische Straaß hinüber geht, mit Sand und Mist erhöhet. Diesen Mittag sahe man vom Kirchenthurm herab das Worringer Espel bis ins Bruch vom Rhein überschwemmt. Am Abend ware das Woringer Bixem bis an den Worringer Damm und die Mühle alles Wasser. Es wuchs alle Minuten ein Zoll, so daß jetz, um 6 Uhr abends, der Rhein über den Worringer Damm laufen muß. Oben Worringen gieng das Wasser über die Dämme schon gestern. Der Zug gieng also auf Westen, neben Woringen vorbey. Es ist kein Nachen zu haben, und da das Eiß noch überträgt, so schickte der Walhoverhalfen einen Mann nach seinem Hofe, um die Küh zu melken und die Schwein auf dem Speicher zu füttern. Die Rheinfelder Hausleuthe sind meist alle hier, auf dem Hof aber sind die Bewohner noch. Das Wasser steht über dem Scheurenfalter. Auch kame heut der Sohn des Petern Fix aus dem Bergischen zurück, der mit der lezten Transport Kayserliche hinüber muste. Sein Pferd und Karrig steht noch bey seiner Schwester zu Bilk, wo er auch die ganze Zeit hindurch sich aufhielte. Am Rhein sind fast keine Kayserliche mehr, weil die Ueberschwemmungen allgemein sind. – Zu Kölln ist kein Eiß im Rhein. Die Decke hört zu Mülheim auf. Zu Zons sind die beiden Kirchen überschwemmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Das Rheinwasser läuft über den Worringer Damm und ist auch hier so groß, daß es beinah an die Pforte im Pflug stehet. Es hatte die Nacht ein wenig gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Gestern Abend, als der Wind in Süden gegangen war, hörte man beym Mondlicht starkes Rauschen. Da erscholl die Nachricht, der Rhein überstiege unsern Damm. Sogleich strömten Soldaten und Einwohner über den Höhenberg, fanden sich aber getäuscht, denn das Wasser rauschte so stark über den Worringer Damm, welches der Wind hiehertrug. Jedoch musten die Soldaten die ganze Nacht patroullieren, weil, wenn das Wasser über unsern Damm geht, dann marschieren die Soldaten fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Das Sterben läßt noch nicht nach. Alle Tag werden mehrere Kranke versehen und viele werden zu Grabe gebracht. Das Looß trafe auch heute den Johann Derichsweiler, im 41ten seines Lebens, der, von vielen beweint und fast von allen betrauret, auch in der Blüthe dahin muste. Er gab ein Beweiß, wie weit ein Mensch durch Thätigkeit und Fleiß es bringen kann. Als verwaister, sich selbst überlassener Knabe legt er den Grund zur Handlung. Da ihm von aller Hülf entblöst und ohn einige Selbstmitteln allenthalben nicht durchzukommen möglich war, so steckte er in der Herbstzeit auf den Feldern das von Bäumen abgefallene Laub in Brand und truge die Asche feil ins Bergische Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[176]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Allgemach handelte er mit Speck, fort mit Haaber und endlich mit allen Gattungen von Frucht, dieses oft in Summen mit mehrern tausend Maldern. Er erwarb sich vor ein Pferd eigenes Land, kaufte sich ein Hauß, und seine hinterlassene Wittib hat hier im Dorf und in der Gegend mehr dann tausend Reichstahler Schulden einzufodern. Er half allen Menschen. Da aber kein Mensch ohne Fehler ist, so ware ihm dieser eigen, daß er nur allzusehr auf sein Interesse bedacht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Morgens 9 Uhr stand der Rhein noch vest. Ungeachtet alles Regens ware das Wasser doch nicht stark gewachsen. Um halb 10 brach das Eis vom Nöthstein ab, so daß in Zeit eines viertel Stundes auf dem Platthals bis an die Piwitte hinab im Strom klares Wasser war. Vom Nöthstein auf Worringen zu blieb die Eißdecke stehen. Um 2 Uhr brach ein klein Stück ab. Das Wasser schwoll an. Um halb 3 pletschte es am Steinbüchel über unsern Damm. Es brach noch ein Stück, und es liefe fast überall drüber. Abends 8 Uhr wuchs das Wasser so hoch, daß es im Pflug in die Stub liefe. Der Rheinfelder Halfen hatte den Knechtsteder Nachen hohlen lassen. Damit fuhren sie&lt;br /&gt;
:11. – heut, am 11ten auf Rheinfeld. Unser Damm ist am Steinbüchel, wo die Kanonen standen, beynahe 40 Schritt lang gebrochen. Am Monheimer und am Bodenkreutzer Weg und noch etwas weiter hinab sind in allem 4 Öfnungen in unserm Damm. Das Eiß ist aber meisten dem Strohme nach getrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Das Wasser fällt, aber sehr wenig. Der Damm spühlt noch immer mehr aus, wo die Öfnungen sind. – Heut starb auch der Joan Schmitz, alters 36 Jahr, der unter dem Scherznamen &amp;quot;Kastenman&amp;quot; bekant war. Er trieb das Zimmerhandwerk und hatte nebst verschiedenen Gebäuden auch die große Scheuer auf dem ehmaligen Cremerius-, nunmehr Hermann Delhoven et Steinbergers Erb, gebauet. Er ware eigentlich ein Original-Genie und zum Künstler gebohren. Armuth versagte ihm die nöthige Ausbildung seines Geistes, sonst würde er ein großer Mann geworden seyn. Er trieb sein Metier pracktisch, und wo oft alle an der Ausführung verzweifelten, das brachte er zu stande. Er hatte von allem Kentniß, was auch nicht in sein Fach einschlug: Mauren, Plistern, Pfannendecken etz. Aber sein Parol gallt nicht viel: Wem er heut zu arbeiten versprach, der wartete doch oft noch 2 Monath auf ihn. Er starb als privelegirter Kaminfeger des Dorfs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. – Der meiste Strom geht noch über den Steinbüchel, vest neben dem Dorf vorbey. Gestern Abend hatten sich einige und zwanzig Kayserliche Soldaten von Hittorff mit einem Nachen auf Worringen geschift. Es waren keine Franzosen mehr da, als im Pilgrims-Hof fünf Schneider und ein Ofizier, der aus Verbrüderung die Halbwinnerin noch einmal besuchte, denn die Truppen waren wegen dem hohen Wasser anderswo verlegt worden. Der Sohn des dasigen Schefen Trimborn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[177]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – der mit den ersten hervortrat, ward von den Kayserliche vor einen Franzosen gehalten und bekam einen Hieb ins Backen, welches die Kayserliche recht sehr bereueten und nachher der Wunde pflegten mit Salben und Verband. Die 5 französische Schneider fielen auf die Knie und bathen um Gnade, die ihnen auch ward, so wie dem Ofizieren. Es ward Essen gebracht, und die Krieger tafelten miteinander und kredenzten den Wein bis in die Nacht. Da sezten sie sich zu Schife und ruderten mit den 6 Gefangenen hinüber. Sie nahmen alle vorräthige französische Monturen mit sich, sonsten aber niemanden nichts. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Es treibt viel Eiß durch den Damm hier neben dem Dorf vorbey, mit Tannenhölzern, Bord und dergleichen untermischt. – Etwas Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten, &amp;lt;u&amp;gt;Karneval&amp;lt;/u&amp;gt; – Es friert, und doch ware das Wasser noch gewachsen. Die hiesige Ofiziere vereinbahrten sich, zur Dankbarkeit für gute Pflege ihren Wirthen ein Gastmahl zu veranstalten. Es wurde bey Peter Pannes für 40 Personen gedeckt. Die Schefen Sturm und Steinberger, die beyden Joann und Hermann Hambloch, der Chyrurg Eller, meine zwey Brüder und ich musten aus Complesanz mit tafeln. Nach diesem wurden die beyden Agnes und Margaretha Küpper vom General zum Ball gehohlt, wie auch die Tochter des Joan Langel, Anna Maria Sturm und die beyden Frauen Hambloch. Bürger und Ofiziere tanzten in traulicher Vereinigung bis späth in die Nacht. Es herschte Zuchtig- und Sittlichkeit in allen Theilen. Der Wein floß allgemein, Kafe und Zuckerwerk erfrischten die Tänzerinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – In Zons sind die Verwüstungen größer als man dachte: Die Mauer an der Mühle ist, wie im Jahr 1784, wieder eingestürzt, so wie die Mauer gegen der Rheinstraße. Dem Beseher hob das Wasser die Thüre aus den Angeln und schwemmte solche mit fort. Der Strom gieng durch die Straßen am Feldthor hinaus. Die Einwohner gewärtigten augenblicklich den vollen Einsturz des Städtchens. Wer sich von der Rheinstraße retten konnte, der rettete sich. Das Wasser ware ein Fuß niedriger also anno 1784. – Die Zollherrengärten am Rhein sind ganz verwüstet, die Mauren gestürzt und die schöne Obstbäum verdorben. Auch bey der ersten Überschwemmung, als sich die dasige Ofizier auf dem Ball befanden, war des Jammers nicht minder: Auf dem Greend saßen 3 starke Posten auf Weidenbäumen. 7 Verunglückte und die meisten, welche gerettet wurden, sind zu Straberg gestorben. – Die 5 Schneidern, welche zu Worringen von den Kayserlichen aufgehoben wurden, sind schon wieder da, weil sonst die Franzosen Hittorf bombardieren wollten. – Es friert etwas, und das Wasser fällt langsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[178]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Gestern gieng ein Soldat über den Damm auf den Steinbüchel, wo vieles Eis zusammen getrieben war. Er ware in der Nacht vom 28ten Januar mit auf dem dasigen Posten und wollte nun seine Pfeife hohlen. Als er nun bald an der Baracke war, zerbrach daß Eiß, und er ertrank, so daß man seitdem nichts mehr von ihm sah. – Auch kame gestern der kleine Theodor Schüllgen von Monheim herüber. Er hat sein Pferd alda zurückgelassen. – Hier war das Wasser heuer 4 Fuß niedriger als 1784, zu Rheinfeld 2 Fuß, zu Neus ½ Fuß höher als damalen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Es friert so stark, daß der Rhein dicht mit Eiß treibt. Am Nöthstein jenseits steht die Kayserliche Schildwache wieder. Auch der Posten an der Piwitte ist hier besezt. Man kann noch nichts vorsehen, welchen Ausschlag der Krieg nehmen wird. Bisher weheten noch immer Friedensgerüchte, nun aber scheinen alle Mächte für den Krieg gestimmt zu seyn. Ganz Holland ist in französischen Händen, Maynz wird bombardiert und Luxembourg eingeschlossen gehalten. Wenn wir an irgend etwas Mangel leiden, so ist es an Stroh und Gemüse. Das hier liegende Batalion wurde befehlicht, morgen auf Kölln aufzubrechen. Ofizier und Soldaten sind darüber so mißvergnügt, mehr als noch jemalen. Die Division, welche in Kölln lag, kömmt hieher und diese dahin. Nachmittags 4 Uhr kamen wirklich 4 Compagnien neue Truppen hier an, welche zu den andern gelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:’’Am 22ten – Morgens 9 Uhr kamen 4 Compagnien, welche in Zons liegen sollten, hieher. Weil im Städtchen das Wasser viele Häuser unwohnbar gemacht, so wollten sie hier seyn. Man beredete sie aber, fürter zu ziehn, und sie schlugen den Weg auf Nivenheim ein. Im hohen Amt wurden sechs Verordnungen verlesen, deren verschiedene zwey Foliobogen groß waren. Sie enthielten meistens Vertröstungen, daß unser Schicksal gelindert werden soll. Aus Holland sollen Früchten und alles Nothwendige gebracht werden. – 70 Paar Schuhe, welche Dormagen liefern sollte, sind nachgelassen. Die Brandschatzung von 25 Milionen ist auf 8 heruntergesezt. Folglich haben wir schon zuviel bezahlt. – In jeder Gemeinde soll ein Magazin angelegt werden und Korn, Weitzen, Erdepfel, Erbsen etz. geliefert und dann auf jeden Kopf ausgetheilt werden. – Von den 4 Compagnien, so hier liegen, gehen morgen 3 auf Hackenbroich. Dann kommen 5 andere hieher mit 36 Pferden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[179]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fortsetzung&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Biletter zu machen verursachte, daß die gewöhnliche Bürgermeisterwahl unterblieb. Man hatte zugleich den Gedanken, den jetzigen Kapellan Schüller durch die meiste Stimmen zu erwählen, der bey den jetzigen vielen Kranken, deren noch mehr als 50 sind, sehr fleissig ist und sich bey der Pfarr verdient gemacht. – Diesen Morgen 7 Uhr marschierte das hier 11 Wochen einquartirte 2te Batallion der 21ten Dimibrigade Jäger von hier auf Kölln. Die Ofiziere weinten mit ihren Bürgern. Ein Ofizier drückte sich so aus: &amp;quot;Ich habe Schwarzen und Weisse gesehen, bin in Constantinopel und Surinam gewesen, habe aber so edle Menschen nicht gefunden, wie hier zu Dormagen.&amp;quot; Von 11 bis 12 Uhr marschierten einige Mann mit dem Divisionsgeneral Bernardo hiedurch, denen 15 Wegweiser auf Uedesheim und die darum liegenden Ortschaften mitgegeben wurden. Abends 7 Uhr kamen noch 3 Compagnien vom Stürzelberg hieher in Quartier, die&lt;br /&gt;
:am 23ten auf Kölln giengen. Um 8 Uhr morgens giengen 3 Compagnien von hier auf Hackenbroich, und es rückten vier neue Compagnien von Worringen hier ein, welche einige Zeit hier liegen bleiben sollen. In Zons ist das Hauptquartier des Divisionsgeneral. Weil gestern der Chef fortgienge, der uns das Läuthen mit den Klocken verbothen hatte, so läuten wir nun wieder mit den zwey kleinsten. – Es regnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten giengen wieder alle hiesige Truppen fort auf Pulheim. Am Mittage kamen 5 Compagnien von Nettesheim hieher. Die ganze Armee wird in Schlachtordnung gestellt. Deswegen ist dieses Herumziehen, und man glaubt, daß sie über den Rhein setzen werden. Zu Kölln stehn schon 200 zweyspännige Dienstkarren auf dem Thumhof, welche vor 10 Tage Fourage haben müssen, und stündlich fahren noch mehrere aus dem Kemperland dahin. – Diesen Nachmittag wurde nach eingehohlter Erlaubniß des Commendanten mit der großen Klocke geläutet und der Schefen Bremer zum Bürgermeister erwöhlt. Hinfort wird wieder geläutet wie in Friedenszeiten. Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Heut gienge eine von den hiesigen Compagnien auf Zons, und eine von da kame hieher. Die schwere Kayserliche Armee steht in der Gegend von Maynz. Da wird es derbe Schläge geben. Die Franzosen sezten zu Arnheim über den Rhein und haben Emmerich und Rees besezt, und es wird nun auf Wesel losgehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Regen, Schnee und Sturmwind. Am 3ten musten alle hier in der Gegend cantonirende Truppen sich bey Nivenheim versammeln, wo Revue über sie gehalten wurde. Wenn es gut Wetter gibt, so gehts drauf los über den Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[180]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Es ist noch immer wüstes Wetter, sonst würden die Franzosen schon den Feldzug eröfnet haben. – Die Abdey Knechtsteden wird ganz verwüstet. Diese Woche brachen die Soldaten die Bord aus den Zimmern und verkauften solche. Es gesellten sich mehr dan tausend Bauern von der Gillbach und der hiesigen Gegend dazu, und nun wurden die Altäre, die Orgel, die Kanzel, kurz alles, was nur von Holz ware, umgeworfen und fortgeführt. Zwey Beichtstühl wurden hierhin gebracht, ohne das viele andere Holzwerk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Es sterben noch anhaltend viele an dem faulen Fieber, vorgestern 3 Taglöhner und die alte Frau Baumans von der Piwitte. Sie hatte Männerverstand und auch – Männerdurst, den in ihren lezten Jahren ware sie fast immer betrunken, lebte demungeachtet 76 Jahre. – Frost, Schnee und Regen wechseln noch immer ab, so daß wir noch keine einzige Frühlingsstunde hatten bisheran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Das viele Stürmen hat den Rhein aus seinen Ufern getrieben. Gestern liefe das Wasser schon durch den zerbrochenen Damm auf Walhoven und Zons. Alle Posten, die unten im Feld standen, kamen hieher. Die Kavaleristen von Rheinfeld ritten über Zons und kamen um Mitternacht hier an. Die Einwohner von Walhoven und Rheinfeld konnten heut nicht einmal Meß hören, da es doch Sonntag war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Heut ware der erste Frühlingstag, doch hat niemand Lust, in den Gärten zu arbeiten, weil die Soldaten die Hecken durchstreifen. Auch ist die Schlachterey des Viehes hier angekommen. Erst wollten sie zu Jussenhoven schlachten. Die dort bequartirten Chasseurs verhinderten dieses. Nun sind die 17 Metzger hier logirt. Sie schlachteten heut im Bongart des Pastoren 7 Stück Vieh. – Gestern kame der Gerhard Schwidden, von Delven gebürtig, über den Rhein hieher. Er hat sich die ganze Zeit zu Monheim aufgehalten. Das Korn gillt da 12 Reichstahler, und es rollirt Geld in Überfluß. Übrigens werden die Wälder ruinirt, und das auf den Dienst Fahren ist sehr hart, Stehlen und Schlagen allgemein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Das Wasser fällt sehr langsam, so daß man noch nicht auf Walhoven und Rheinfeld kommen kann. Dabey friert es noch alle Nächte. Deswegen ist noch in keinem Garten etwas gegraben. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Der Rhein fällt noch sehr schlecht. Noch ist die Gemeinschaft mit Rheinfeld und Wallhoven nicht offen. Vorgestern kame der Heinrich Bochem herüber, den die Kayserliche beym Rückzug mit hingenommen hatten. Er lage die Zeit drey Monath krang beym Wiedauer Halfen, der ihn sehr menschenfreundlich bewirthete. Weil sein Pferd sehr elend war, so ließ er selbiges todtstechen. – Heut wurde verkündigt, daß kein Weitzenbrodt mehr gebacken werden soll und daß die Geistliche vom weltlichen Gericht gerichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[181]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Es sind nun etliche angenehme Frühlingstage gewesen. – Die Truppen, welche seit dem 25ten Februar hier lagen, sind heut von hier auf Pulheim und von da auf Andernach gezogen. Am Mittag rückte wieder ein neues Bataillon hier ein. Einige Divisionen werden höher hinan gen Maynz verlegt, und die 3 Divisionen, welche jenseit des Rheins über Rees gen Wesel vorgerückt waren, sind nun wieder auf dieser Seythe. General Jourdan gieng gestern hiedurch und nahm sein Hauptquartier in Kölln. 40 tausend Kayserliche stehn in und um Maynz, und eine ungeheure Menge Franzosen beobachten sie. – Heut morgens 10 Uhr kame der Scholaster Dahmen aus Andreas in Kölln mit dem Dechant von Neus, Pastore in Gohr, hier in die Kirche. Er ließ zuvor den Schefen ansagen, es würde ein Zeichen gegeben werden, um dem Scholaster nahmens seines Bruders, der im Bergischen ist, Possession über die hiesige Pastorat zu geben. Der Schefen Sturm sagte, weil noch Billetter für die Soldaten gemacht werden &amp;lt;s&amp;gt;können&amp;lt;/s&amp;gt; müsten, so könnte er nicht kommen. Der Schefen Steinberger sagte, vor einigen Tägen war die Verordnung abgelesen worden, daß die geistliche Gerichtbarkeiten aufhörten. Er müste also erst unser Friedensgericht fragen, ob der Dechant befugt wäre, jene Operation auszuführen. Überdem läutete schon die große Klocke. Der Dechant hatte das Placidum von Düsseldorff in die Handt und sagte den anwesenden Kindern und Soldaten, daß er dem Herrn Scholaster für seinen Bruder Possession geben wollte. Drauf nahme er ihn mit vor die Kirche, schloß die Thüre ab, und ein Knabe reichte den Kirchenschlüßel. Der Scholaster schloß auf, während daß der Dechant sagte: &amp;quot;Ich gebe dir Gewalt, namens deines Bruders die Kirche zu öfnen und zu schließen. Mit den nähmlichen Formuln führte er ihn zum Altar, zum Taufstein, auf die Kanzel, ins Kohr und Sakristey. Dann stimmte er das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; an, wobey die Klocken gezogen wurden. Überdem schickten die Schefen den Feldschütz in die Kirch, mit dem Befehl, nicht länger zu läuten, und es ward aufgehört. – Nun gienge der Zug in die Pastorat. Die Köchin reichte den Schlüssel, und der Scholaster grub mit einer Grabschüppe ein paar Stich im Garten. Nach diesem aßen sie bey der Wittib Küpper zu Mittag. Es ward niemand von der Gemeinde zugeladen, und sie aßen und wurden satt und giengen auf Kölln. – Der Bruder des Scholastern ist wirklich Pastor zu Waldbroel im Bergischen, wo aber die Einkünften sehr mager sind. Er ware vor 3 Tagen noch zu Deutz und konnte nicht herüber kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[182]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmtag&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil die Soldaten nicht so gesittet waren wie die vorige, so verwandelten wir die gewöhnliche Prozeßion am Nachmittag in eine Kirchenandacht, doch ware es schön Wetter. Die neue Viehschlachterey ist auf dem Wallhover Hof. Gestern marschierten die hiesige Truppen fort, und es kame ein neues Bataillon hieher. Weil das Hauptquartier in Kölln ist, so kamen noch so viele Soldaten mit Karren und Wagen am Abend hieher, daß die Anzahl bey zweytausend war, die auf die lezt zu zwanzig in Scheuern billettirt wurden. – Eine Verordnung verbiethet, in Städt und Flecken die Todten auf die gewöhnliche Kirchhöfe zu begraben. Dazu soll auf dem Feld ein Acker angewiesen werden. Dann sollen auch die Contributionen entrichtet und hiezu den Emigrirten ihre bewegliche Güther verkauft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Morgens 4 Uhr marschierte das hiesige Bataillon auf Kölln. Am Mittag rückten ein neues ein. Drauf kame die Schlachterey, Magazine von Haber und Heu, die Administration, Kanonen und Bagage – in allem so viel, daß im ganzen Dorf bey zweytausend Mann und 300 Pferde einquartirt wurden. Es ware überall voll, welches unten im Dorf, wo keine Ofiziere waren, kleine Händel absezte. Es wurden einige Hemder, Fleisch und Brodt bey der Wittib Peter Fix und bey Joan Adam Jussenhoven genommen. Auch zohe diesen Morgen viel Volks über die Heerstraße hinauf. Die Sturms-Knechte, welche daselbst baueten und vorspannen sollten, entflohen hieher. Die Soldaten folgten und sahn die Knechte am Schwanen-Hof hereinjagen. Der Kommendant war so sehr aufgebracht, daß der Sohn Joseph sich bey den Juden und die Tochter bey den Eller flüchten musten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Heut waren die gestern angekommene Soldaten kaum fort, so zohn wieder neue von Neus ein, welche überhaupt sehr frech sind. – Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die heutige Römerfarth ward wieder in ein Kirchenandacht verwandelt. Es ward nähmlich das &amp;quot;Miserere&amp;quot; gesungen. Heut morgens 10 Uhr kame eine Schrift von Hülchrath, daß Dormagen zu dem Canton Zons gehöre, so wie Grimlinghausen. Dagegen soll das Amt Zülpich gülisch seyn. Um die Mittagszeit kamen schon die Visitatores von Hülchrath, welche die Speicher und Scheuern visitirten. Am Abend musten auch 15 Küh geliefert werden. Wallhoven und Rheinfeld thun jeder zwey, die übrigen die Meistbeerbte. Hernach soll der ganze Werth auf die Länderey ausgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Die Truppen, welche am 27ten Merz von hier zohn, nahmen 8 Pferde als Vorspann für die Kanonen zu Hackenbroich mit. Diese stehn nun zu Poppelsdorf. Die Knechte ließen sagen, wenn sie nicht bald loß kämen, so würden sie ohne Pferde heimkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[183]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Pest, Hunger und Krieg scheinen sich zu vereinigen. Es ist viel Elends in diesen Tagen. Gestern starben drey Erwachsene, und heut sind wieder verschiedene rüstige Männer bethlägerig. Kaum ist unser Kaplan genesen, so ist der anwesende Franciscaner todt-krank. Der Wind liegt still. Soldaten und Bürger haben kein Brodt, und das macht erstere wild, weil leztere nichts haben, was sie geben können. Heut gienge eine starke Kolonne Kavallerie und Kanonen hiedurch auf Kölln. Weil dann immer Vorspann nothwendig ist, so verstecken die Leuth ihre Pferde, und das Land im Feld bleibt öd liegen, da auch das ganze unterste Feld verdorben ist und billig mit Sommerfrucht besähet werden müste. Gott weis, was noch aus uns werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten, &amp;lt;u&amp;gt;Osterabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Unruhiger ware nie die Kahrwoche seit Menschengedenk. Gestern Abend kamen noch 100 Kanonier mit vielen Pferden. In der Grafschaft Moers und in der ganzen Gegend wurden die Pferd dienstweis mitgenohmen. Deren sind nun eine Menge in Posthalters Bungart gegen dem Schwanen. Sie bekommen Brodt, Fleisch und Holz zum Brennen. Überhaupt gehn die Pferd vor und nach alle mit fort. Worringen that zu den Kanonen zu Hackenbroich 44, von denen noch keines wiedergekommen ist. Diejenige aber, welche von hier mit musten, sind bis auf 2 heut alle wiedergekommen. Sie waren zu Kentenich in einem Bauernhof eingespert, brachen eine Wand entzwey und entflohn. Nur der Sohn des Henrich Cremerius mit seinem und des Peter Schwidden Pferd wurden wieder arrettirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen 4 Uhr hielten wir doch die Prozeßion. Um 7 Uhr giengen die gestrige Truppen fort, um 8 kamen wieder 4 Compagnien her. Alles zieht sich hinauf gen Maynz. Auch jenseits geht alles dahin. Zu Emmerich waren 30 tausend Franzosen über den Rhein gesezt, und diese sind auf diese Seythe zurück gekommen. Die Zeitungen schreiben indessen noch immer vom Waffenstillstand mit Preußen. – Schön Wetter mit etwas Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostermontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Um 7 Uhr diesen Morgen brachen die Truppen wieder auf. Deswegen ward die Emaus-Prozession nicht gehalten. Dieses ist das erstemal seit Menschengedenk. Viele Truppen zohn wieder hinauf. Gestern Morgen musten 4 Pferde des Walhoferhalfen, 1 des Joan Hambloch, 1 des Reinerus Zander und 1 des Christian Bochem mit auf den Dienst. Oben Kölln schickten die Soldaten die Knechte mit Prügel heim und nahmen die Pferde mit. Auch wurden diese Nacht den Sturms im Schwanen 10 Schafe gestohlen. Die Soldaten werden sehr frech.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Heut giengen die gestern gekommene 700 Mann wieder fort, und es kame ein neues Bataillon hieher. Den Sturms im Schwanen wurde mehr den 2000 Pfund Heu mit Gewalt genommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[184]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1795&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Diese Tage sind beynahe so ängstlich als die erste, da die Chasseurs plünderten. Alle Menschen sind niedergeschlagen und traurig, weil es heißt, es würde uns alles genommen werden. Diesen Morgen giengen die Truppen fort. Um 10 Uhr kamen einige Dragoner von Zons mit 3 ledigen Karren hieher. Sie wollten 110 Rationen Heu und Haber haben und suchten hier oben im Dorf alle Scheuren und Ställe durch, ohne doch etwas mit Gewalt zu nehmen. Die ganze Sambre- und Maas-Armee ist hiedurch auf Kölln und Bonn gezogen und wird zu Maynz auftreten. Nur die einzige Division Lefevre ist noch in und unten Neus. Es heißt allgemein, mit den Preussen wäre Frieden. Diesen Tag hatten wir keine Einquartirung, außer einigen Dragonern und Kranken, welche ihren Bataillons nachgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Es ist unvergleichlich schönes Wetter, und man darf mit keinem Pferd noch Ochsen zu Acker fahren. Dies ist das Traurigste von allem. Es sind keine Bohnen gesähet, das Haaberland liegt noch wüst, und die Höfe sind voller Mist. Jeder versteckt seine Pferde so gut er kann, in Kammern oder in Scheuren zwischen das Stroh. Die 7 Pferd, welche am Ostertag mit auf den Dienst musten, sind wahrscheinlich verlohren. Die Knechte, welche noch bis Bonn nachgefolgt waren, sind heute zurückgekommen. – Wir haben noch keine Einquartirung. Worringen, Zons und alle Orte sind besezt. Nur Dormagen scheint vergessen zu seyn. Heut Morgen kamen wieder von Zons 60 Husaren, welche hier Fourage hohlten. Während daß selbige zusammengebracht wurden, schlichen sich die Husaren in die Häuser und foderten etwas Essen. Wer aber die Thüren verschlossen hatte, da giengs gut. – Man verkauft das Malder Korn um 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Heut kamen 5 Compagnien von Worringen hieher, um an dem Rhein die Wachen zu halten. Es sind viele Deutsche dabey und alle sehr brav.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – &amp;quot;Pax vobis&amp;quot; schrieb die heutige Zeitung, und dieses hat viel frohe Herzen gemacht. Die Nachrichten kommen aus Basel, und es soll allgemein Friede seyn, wozu der Kuhrfürst von Kölln das meiste beygetragen hat. – Man arbeitet wieder mit den Pferden im Feld. Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Es ist herrliches Wetter, und alles ackert und sähet kleine Bohnen und Haber. In Zons liegen 100 Chasseurs zu Pferd, welche viel Unfug treiben. Sie schwärmten einige Tage hier durchs Ort und beunruhigten verschiedene Häuser. Der hiesige Commendant aber ließ sie festsetzen und nach Zons führen. Seitdem geht immer eine Patroulle durchs Dorf, und wenn sie einen von den Chasseurs ohne Paß finden, so wird er vestgesezt. – Mit dem König von Preußen ist Friede. Dies bestättigt noch die heutige Zeitung. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[185]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Die am 5. dieses auf den Dienst gefahrene 7 Pferde, wovon die Knechte zurückgekommen waren, hat der Schefen Steinberger und Sturm oben Bonn biß auf eines loßranzionirt. Sie waren beym Volksrepresentanten und General, der ihnen sogleich Gerechtigkeit widerfahren ließ. Überhaupt kann die Gemeinde dem Schefen Steinberger seine vielen Dienste nie vergelten. Rastlos und unermüdet ist er für das allgemeine Wohl beschäftigt, und was er unternimmt, das sezt er durch. Nebst seinem vorzüglich guten Verstande besizt er die Gabe, seine Bitten bey den Generälen und Commendanten so vorzutragen, daß keiner ihm etwas abschlagen kann. Wenig Männer sind zwischen Maaß und Rhein, welche das thaten, was er that. Dormagen ist unter allen benachbahrten Orten am meisten verschont, da es doch ohne so thätige Stütze wegen seiner Lage am meisten gelitten haben würde. – Auf dem Werth hinten Wallhoven arbeitet ein Compagnie Sapeurs an der großen Batterie. Auf dem Wallhover Acker und des Gerichtsbotten Land, auch gegen dem Kremps-Kampf wird eine schwere Batterie auf den Damm gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Es ist schön Wetter. Man arbeitet bis in die Nacht, um mit der Sommersath fertig zu werden. Die Soldaten, welche izt hier sind, betragen sich ausserordentlich gut. Der Commendant weiset alles ab, was hier Fourage fassen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Heut Mittag bekamen die hiesige Soldaten Befehl, auf Kölln zu gehn. Als sie aber zum Marschieren bereit standen, da kam Contreordre. Sie bleiben die Nacht über hier. Die Division Lefever ist noch zurück. Dies sind diejenige, welche zuerst hier waren. In Zons liegen die 100 Chasseur, welche damals das Städtchen so sehr plünderten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Diesen Morgen waren die Chasseurs von Zons wieder hier und wollten Fourage haben. Der Commendant aber schickte sie leer zurück. Nachmittags 3 Uhr musten die hiesige brave Soldaten auf Kölln. Es kamen keine neue hieher. Es war drauf ein schöner Frühlingsabend und eine ruhige Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Es hatte warm geregnet, und auch heute ist das Dorf von Soldaten leer. Die Schutzengeln von Zons kamen doch diesen Morgen wieder, und man muste ihnen Haber und Heu geben. Es sind außer den Wachten am Rhein noch 6 Salve-Garden und 5 Gensdarmes hier, welche Ordnung im Dorf halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Auch heut waren wir ohne Soldaten. Die Wachen am Rhein werden von Worringen versehen. Die dasige Fischer dörfen am Ufer des Rheins mit Nachen fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[186]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Es ist einige Tage Regenwetter. Obschon keine Soldaten im Dorf sind, so leben wir doch in steter Besorgniß für Visitationen der Zonser Chasseur. Alle Morgen hohlen sie hier Haaber und Heu. Und wenn man endlich nicht mehr geben kann, so suchen sie und plündern vielleicht. Kornpreis 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Herrlich Wetter. Diese Nacht musten von Zons 50 Chasseur auf Worringen aufbrechen, wo auch wirklich ein Bataillon Infanterie ist, und Dormagen hat keine Einquartirung. – Sonderbahr!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten kamen 3 Compagnien von der Division Lefever hieher. Am 30ten giengen sie auf Niel, und es kamen 2 Compagnien Chasseur zu Pferd hieher. Diese 2 Täg zohe auch viel Fußvolk hinauf. Es heißt allgemein, auch mit dem Kayser wär Waffenstillstandt. Zu Venlo werden eine Menge Schife mit Fourage ausgeladen. Das wird nun alle durch Dienstkarren hiedurch zur Armee geführt. Dormagen thut deren 2, und kein eintziges Ort von den Gränzen Frankreichs ist davor frey, so daß alle Tage mehrere 100 Karren hiedurch gehen. Zwischen Duisburg und Wesell ist freye Ueberfahrt über den Rhein. Täglich kommen Leuthe von Düsseldorff und aus dem Bergischen hiedurch. Jenseit gillt das Malder Korn 20 Reichstahler, in Frankfurth das Malder Haaber 28 Gulden und der Zentner Heu eine Karolin. – Diesen Abend 7 Uhr brach zu Straberg Feuer aus. Es wurde mit der kleinen Klocke Sturm geschlagen und die Brandeymer durch eine Dienstkarrig dahingeschickt, doch giengen nur einige dahin, welche Anverwandte dort wohnen haben. Es brennten 7 Häuser und 3 Scheuren ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Gestern Abend wurde von 7 bis 8 und heute morgens von 4 bis 5 mit allen Klocken in den Mey geläutet. Es ist unvergleichlich schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Die Chasseur müssen am Rhein Schildwach stehen, weil kein Fußvolk hier ist. Sie betragen sich bisher noch gut. Die hiesige so wie alle Gottestrachten sind bis auf ruhigere Zeiten verschoben worden, auch sogar in der Stadt Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Gestern Abend hatten die Kayserliche auf der Ordenbach an einem Nachen etwas geklopft und anderwärts, zum Spaß vielleicht, ein Getöß gemacht. Sogleich wurden noch die Kanonen aufgeführt. Die Besatzung von Zons muste ausrücken, und hier wurden die Wachen verdoppelt, das nun alle Nächte so gehalten wird. – Man spricht und denkt noch immer ganz verschieden über unsere Lage. Viele wollen versichern, daß auch mit dem Kayser und Reich der Friede geschlossen seye, und andere, ebenso glaubhafte Berichte wollen in einigen Tagen ein entscheidendes Trefen weissagen. Indessen weis man nicht, wem man glauben soll. Kornpreis 11 Reichstahler, Haaber ein Ducaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[187]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Jetz wird der Gedanke sehr wahrscheinlich, daß der Krieg noch ein Jahr und vielleicht noch länger dauern kann. Kayserliche und Franzosen verschanzen sich in diesen Gegenden überall. Obschon Preußen Friede hat, so lindert das unser Schicksal nicht ganz. Die hier befindliche 130 Chasseur hohlen ihre Fourage auf der Gillbach und essen gern etwas Gutes. Dabey sind sie so unordentlich vertheilt, daß Einspännere 9 Mann und auf dem Wallhoverhof nur vier Mann sind. Bey Coblenz und Maynz ist die Hauptmacht von Kayser und Franzosen versammelt. Beyde sehen sich ruhig an, ohne etwas Friedseliges zu beginnen, während daß Land und Leuth durch diese Unthätigkeit verdirbt. Zu Venlo liegen einige hundert mit Lebensmitteln beladene Schife, welche alle hiedurch dienstweis zu den Armeen abgeführt werden. Das Malder Korn gillt 11 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Es regnet nach einigen warmen Tagen. Heut gieng ein schwerer Zug reitender Artillerie und viele Karren Mehl hinauf zur Armee. Die Haaber ist noch lang nicht alle gesähet, und das Brachland ist so rau und wüst als Graßbenden. Die Diensten sind dabey sehr hart. Alle Tage 12 und 15 Karren zu Fleisch, Brodt, Haaber, Heu und Stroh. Wir leiden eigentlich durch die Chasseur nicht viel, weil sie alle Fourage zu Neus und auf der Gillbach hohlen. Drunten im Preußischen fährt alles frey über den Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten, &amp;lt;u&amp;gt;als am Himmelfahrtstage&amp;lt;/u&amp;gt; – Der Gottesdienst wird sehr ruhig gehalten, doch unterbleiben alle Prozessionen. Auch betragen sich die Chasseur sehr gut, und im Feld darf nichts gekränket werden. Es ist einige Tage kalt, dennoch gut Wetter für die Feldfrüchten. Das Malder Korn gillt 10 Reichstahler und Weitzen 15 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler. – Gestern fiengen 12 Sapeur mit 25 Dienstleuthen hier aus dem Ort eine neue Batterie an, oben der Piwitte auf dem Balchemer Land, wo die Stücker Damm sind. Die Arbeiter sollen Fleisch und Brodt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten musten alle Mineur und Sapeur aus der hiesigen Gegend aufbrechen, um gegen Düsseldorf Verschanzungen anzulegen. Zu diesem Behuf sind viele hundert Bauern aus Gohr, Hackenbroich etz. dahin aufgebothen worden. Mitunter spricht man wieder allgemein vom Frieden mit dem Kayser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Es ist unvergleichlich schönes Wetter. Die Haaber ist noch nicht alle gesähet, und das Brachland ist so wüst, daß man mit der Sichel das Graß schneidet. Gestern wurde vom hiesigen Chasseur-Commendanten in der Kirch der Befehl abgelesen, daß nicht allein die Soldaten verbotene Wege meiden und Feld- und Gartengewächse mit Frieden laßen sollen, sondern auch die Bürger sind dem nähmlichen Befehle unterworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[188]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Diese Woche sind die Küh in die Benden getrieben worden, welche von dem diesjährigen Eisgange nichts gelitten haben. Die vorig Jahr neben dem Mühlenberg an den Benden gepflanzte Bilweiden sind bis auf 3 alle abgehauen, doch meistens von den Kayserlichen im Späthsommer. Die Kempen sind durch die heurige Ueberschwemmung stark mit Lett gebessert worden, doch kömmt das Graß wieder durch. Überhaupt ist der Wasserschade nicht sehr beträchtlich. In der Aue ist das Korn ganz verdorben, auf einigen Plätzen ausgetrieben, andere mit Sand und auch mit Lett beschossen. Auf dem Werth und Kranenorth stehet recht gutes Korn. Das oberste Feld sieht sich vortreflich an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Kühles Wetter, des Nachts reift es. – Die Assignaten verliehren mit jedem Tag an Werth. Man gibt izt für den Liver einen Stüber. Die Soldaten leiden das meiste darunter. Sie sind aber doch zufrieden dabey. Hingegen bekommen sie schönes Fleisch und gar weisses Brodt. Das alles beziehen sie jetz aus Holland, wo täglich mehre hundert Stück Hornvieh und viele Karren Fourage hiedurch geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Es wird wieder schönes Wetter, und wir leben mit den Soldaten sehr ruhig. Mit Preussen ist Friede, doch behaupten die Franken noch das diesseitige Rheinufer. So sagt man sich auch izt für gewiß, Kuhrpfalz habe gleichfals mit der Republick Friede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten wurde mit dem Mobilien-Verkauf des verstorbenen Pastoren Bürich angefangen. Die erste Bedingniß war, daß keiner von den &amp;lt;s&amp;gt;Schuldnern&amp;lt;/s&amp;gt; Creditoren etwas kaufen darf, um solches von seinen Foderungen abzuziehn – ein wahres Zeichen, daß Vieles nicht wird bezahlt werden. Auch kame der neue Pastor Lambert Dahmen mit seinem Bruder, dem Scholaster, hieher. Sie logiren einstweilen bey der Wittib Küpper und machte Visit bey den Schefen und Vorstehern des Orts. Am 3ten gieng der Kaplan wieder auf Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten, &amp;lt;u&amp;gt;Frohnleichnamstag&amp;lt;/u&amp;gt; Um 5 Uhr war die Frühmeß, und um 7 Uhr hielt der Pastor das Hochamt mit einer sehr bündigen Rede, welche von seinen helldenkenden Grundsätzen zeugt. Er stellte vor die Pflichten, welche ihn gegen seine Pfarrkinder und diese gegen ihn verbinden. Wenn er das leistet, was er versprochen hat, so sind wir zufrieden. Nach geendigtem Hochamte giengen wir die Prozeßion in schönster Ordnung und kamen vor ein Uhr wieder zurück. Nun hatte der Pastor ein festliches Gastmahl veranstaltet, bey der Wittib Küppers, dem alle Schefen und Vorstehere beywohnten. Es war besonders schönes Wetter diesen Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[189]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Eben war in die Fronleichnams-Abendsandacht zum erstenmal geläutet, als der Befehl ankam, nicht mehr mit den Klocken zu läuten, sogar bey einem entstehenden Brande nicht. Keiner soll mehr vors Orth ohne Paß gehen, am Rhein keiner den Jenseitigen zurufen. Alle Tage sollen alle Einwohner männlichen Geschlechts abgelesen werden, und die Wirthe sollen keinem Fremden logiren, ohne daß er sich zuvor beym Commendanten gemeldet hat. Nun haben wir doch die Erlaubniß, vor dem Gottesdienst einen Buben mit einer Schelle durchs Dorf zu schicken, worauf die Leuthe sogleich zur Kirche folgen. Kornpreis 10, auch 11 Reichstahler, Weitzen 18 ditto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Mittags 1 Uhr musten alle Einwohner in drey Sextionen auf der Appell erscheinen. Unter der Leufen laße der Schefen Sturm ab, am Posthaus der Schefen Steinberger und auf dem Hellbüchel die Vorstehere Langel, Heck mit dem Schullmeister. Doch soll nicht alle Tage diese Appell statt haben, sondern wenn der Commendant es fodert. Der Rhein im Preussischen ist wieder gesperrt. Unser Posthalter, der mit seiner Frau am Essenberg war und auf Monheim wollte, ist unverrichtet zurückgekommen. – Die wichtige Festung Luxembourg ist am 4ten dieses wegen Mangel der Lebensmittel an die Franzosen übergegangen. Die 12.000 Mann starke Besatzung zieht kriegsgefangen über den Rhein. Indessen schweigt alles vom Frieden. Kayser, Reich, Spanien, England und die Italiener stehen noch gegen die Franken zu Feld. Preußen, Holand, Toskana und Wirtemberg haben Friede. Vielleicht möchte izt wohl alles ausgeglichen seyn, wenn nicht vor 14 Tagen in Paris und andern ersten Städten Frankreichs eine Gegenrevolt ausgebrochen wäre. Man wollte nämlich den ganzen Nationalkonvent ermorden und den Dauphin zum König machen. Bey diesem Aufstande ist viel Bürgerbluth geflossen, doch haben die Patrioten gesiegt. Man sagt, sobald der Kayser diese Nachricht vernommen, hätte er Befehl gegeben, alle Unterhandlungen abzubrechen. Friede wird dennoch das Ende vom Liede seyn. Die Franzosen sind einmal unüberwindlich, und das Zögern des Kaysers macht die Bedingniße des Friedens für ihn desto schändlicher. Was er erstens thun wollte, dazu sieht er sich dann gezwungen. – Wir leben indessen einig und verbrüdert mit den Soldaten. Die Requisitionen hören auf, und die Assignaten werden pro Liver zu 1 Stüber ausgegeben. Es wird wieder Bier und Wein geschenkt, und die Kramläden sind offen. Man spricht allgemein, die Franken werden zwischen Neus und Bonn über den Rhein setzen, und weil die Nordarmee da unten nichts mehr zu schaffen hat, so zieht diese sich allmälich hinauf, einige Kavallerie hiedurch, die meisten aber von Neus über die Gillbach in die Gegend von Maynz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[190]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14ten – Krank werden und sterben ist noch etwas Gemeines. Seit dem Winter werden noch täglich einige versehn und wöchentlich welche begraben. Viele junge Leuthe in der besten Blüh, Mann und Weib, hinterlaßen arme Waysen. Das Loos traf auch am 3ten dieses den Schefen Fix. Er war 35 Jahre hindurch Gerichtsschefen, um, was die andern beschlossen, zu bejahen. Übrigens hat er sich ein großes Vermögen erworben, das er auch noch bey seiner Lebzeit unter seine Verwandten theilte, und im Schwanen von seinen Interessen lebte. Er hielt viel auf Wahlfarten und alle Kirchenandachten, schenkte einen silbernen Bruderstab und Fahnen der Bruderschaft und stiftete eine monatliche Leesmes für die verstorbene Einverleibte. Seine Lebensjahre waren 75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Es kommen alle Tag noch ungeheure Transporte von Lebensmitteln für die französische Armee hiedurch, welche jetz nicht mehr dienstweise, sondern für baares Geld von Venlo gehohlt werden. Für den Centner wird jede Stunde 5 Stüber gezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Heut musten die seit dem 29ten Aprill hier gelegene Compagnien Chasseur von hier aufbrechen. Die ganze Division Lefever zieht sich hinab auf Moers, und die Division Morlo wird die Gegend von hier bis Neus besetzen. Es zohen wieder 4 Compagnien Infanteristen hier ein, welche ebenfals morgen hinabgehn. Mit Kayser und Reich ist noch kein Friede. Hingegen wird auch nicht geschlagen. So sagt man izt, 4 Divisionen von den Franzosen würden im Preussischen über den Rhein setzen, um von der andern Seythe auf Maynz zu gehen. – Heut starb die Anna Sophia Malsburg, ein Mädchen von 22 Jahren. Sie hatte etwas zu frey mit den Soldaten gelebt, bekam das faule Fieber, gebahr ein Kind von 6 Monath und entschlief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Heut wurde wieder zuerst mit den Klocken geläutet, weil die Division Morlo hier einrückte. Viel Volks zieht sich hinab. Man sagt, die Kayserliche werden den Rhein bis Kölln räumen müssen; wo nicht, so soll Düsseldorff bombardirt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. – Es regnete einige Tage. Auch sind die Mönche von Knechstein aus dem Bergischen wiedergekommen und laßen das Dachwerk wieder wasserdicht machen. Kein Stück Bley ist mehr auf den Dächern, und ausser dem Reisenden- oder Handwerkerbau kein Gebünn mehr im ganzen Kloster, wohl aber Gestank und Unrath im Überflus in allen Ecken. Die Mönche wohnen einstweilen bey ihren Verwandten. Vorgestern kamen 6 Compagnien von der Division Morlo hieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Und heut, am 28ten, hielten wir unsere Gottestracht, giengen doch nur den am Kristi Himmelfahrtstag gewöhnlichen Weg. Weil aber die Hellbüchelsgaße voll Waßer stund, nur’s Dorf unten herein, auf dem Hellbüchel ward Station gehalten, und demnach kehrten wir über Bohdenkreutz am Lämbchen herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Heute, als am Peter- und Paulus-Tage, hielten wir den Hagelfeyer. Am Lamges-Heiligen-Häuschen, am Hagelkreutz, zu Horm und unten vor dem Dorf wurde Station gehalten, mit Umtragung des Hochwürdigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Weil es noch anhaltend regnet, so befürchten wir eine Überschwemmung. Es liegen auch 30 Husaren hier im Dorf, um die Ordonanzen zu reiten. Deren muß alle Tage 12 Bürden Klee gegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Wir haben Korn verkauft zu 15 Reichstahler und Weitzen zu 18 pro Malder, an der Thür abzuholen, doch wenn wir 8 Tage Sonnenschein haben, so ist das Korn reif. – Der Amtsverwalter von Bergheim ware heut hier, um das, was wir durch den Krieg gelitten haben, zu verzeichnen und auf Düsseldorf zu schicken. Wahrscheinlich wird stark am Frieden gearbeitet, und Kurpfalz hat Hofnung, sein Güliches Land wieder zu bekommen. – In all unsern Feldern liegen viele Äcker noch unbebauet. Die Dienste sind noch allzuhart, um für all die Truppen Brodt, Fleisch und Holz beyzufahren. Dazu kame noch ein Schreiben vom Friedensrichter, daß wir die hiesige Landstraß mit Sand befahren sollen. Auch soll jeder das auf dem Knechsteder Busch gehohlte Holz, Mobilien etz. wieder dahin bringen, aber keyns von beyden wird geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Es regnet ohne Unterlas. Der Rhein will austreten und die schöne Sommersath unten im Feld verderben. Dazu kame heut der Befehl vom Bezirks-Verwalter Neesen in Hülchrath, daß wir den Dreck aus dem Dorf führen und mit Sand die Straße machen sollen. Es waren auch heut, am 4ten, fast alle Einwohner mit Aufschlagen beschäftigt, obschon es sehr morastig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Am 28ten vorigen Monaths ließen die Franzosen zu Kölln einen Luftballen steigen, um das Bergische Land einmal zu beschauen. Darüber schreibt man aus dem Bergischen: &amp;quot;Obschon dieses immer eine Anzeige eines nahen Angrifs war, so beunruhigt es uns dermalen nicht, indem die allgemeine Sage uns den Frieden zwischen Kuhrpfalz und den Franken verbürgt, und in einigen Tagen werden die Kayserlichen abziehn.&amp;quot; – Es soll wieder Zehenden gegeben werden. Jederman ist unwillig darüber. Der Schefen Steinberger und Sturm bekamen Befehl, alle vorräthige Eichen-Blöcher auf eigne Kosten auf Kölln zu führen, weil Dormagen verschreit ist, als hätten wir ungeheure Magazine davon. Was sie auch dagegen einwendeten, so konnten sie’s doch nicht hintertreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten kamen Commissairs hiehin, welche auf den 9ten vier Mann mit Misthacken foderten, um eine allgemeine Holzvisitation zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[192]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Das alte Sprichwort wird bald wahr werden: &amp;quot;Wenn der Bauer ein gebraten Huhn auf dem Tisch stehen hat, so soll er&#039;s stehen lassen, um einen vorübergehenden Pfafen todzuschlagen.&amp;quot; – Die Holzvisitatoren giengen von Haus zu Haus, untersuchten mit langen Eisern alle Misten, und wo sie Holz fanden, da wurde es aufgezeichnet und geschäzt. Die Leuthe kauften selbiges dann wieder von ihnen, doch nur um ein gringes Geld. Als sie bald damit fertig waren, kame ein Knechsteder Mönch mit einem Beschluß von Aachen, worin die Abdey als Eygenthümer aller vorfindlichen Hölzer anerkannt wird. Die Commissarien liessen sich doch in ihrer Arbeit nicht stöhren, und man bezahlte ihnen, wie man einig ward, doch nicht theuer, und den gringen Leuthen ward es geschenkt. – Am Peter- und Paulus-Tage hielten die Knechsteiner Mönche ihren ersten Gottesdienst unter den Ruinen. Da in der Kirche kein Stückchen Holz von Altar oder sonsten übrig geblieben war, so ward auf einem Tisch Meß gelesen. Und der Pastor von Gohr, ehmaliger Missionarius, hielt eine lermende Rede, schallt seine Zuhörer und alle Nachbarn Räuber und Diebe, schloß dann mit den Worten: Wer die gestohlne Sachen nicht wiedergeben wollte, der könnte damit zum Teufel fahren. Die Leuthcher in der Revier halten sich am alten Sprichwort: &amp;quot;Halt, was du hast, Pfaf-Guth, raf gut&amp;quot;, und bringen nur Sachen wieder, was sich nicht verbergen läßt, als Bettstätte, Tische, Schränke etz. Von Zinn, Kupfer und Leinwand kömmt nichts zurück. Die Mönche haben ihren Holzschaden auf hundert tausend und den Ruin an den Gebäuden ebenfals auf gleiche Sümme taxiren lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Es ist kaltes Wetter. Einige Leuthe haben etwas Korn vor Brodt geschnitten. Es ist aber noch nicht reif. Das Malder gillt 13 Reichstahler. – Das ansteckende faule Fieber läst jetz nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Die seit dem 23ten Junius hier cantonierende Truppen bekamen heut Ordre, auf Maestricht zu gehn. Man sagt, sie wären bestimmt, in der Vendée zu agiren, wo die Engländer gelandet sollen seyn. Gleich kamen auch wieder 4 Compagnien hiehin, deren einige auf Horm verlegt wurden. – Einige Tage war&#039;s etwas trocken, und izt regnet es wieder ganze Tage, so daß man mit dem Kornhauen noch einhällt. – In der Zeitung steht die Verordnung, daß, weil von den Volksvertretern noch keine andere Verfügungen getrofen wären, so sollte der Zehente von den Früchten wieder genohmen werden. Der Wallhover Halfen aber weigert sich hierin und will den Zehenten nicht nehmen, weil er viel Unkosten hat und dan doch die Frucht liefern muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[193]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Am lezten Dienstag, den 15ten, musten von hier 5 doppeltspännige Karren auf Maestricht, um Montour für die hiesige Truppen zu holen. Da nun diese selbst dahin abgezogen sind, so bleiben die Karren aus. Nur zwey fanden Gelegenheit, zu entkommen. – Die Ordonnanzen gehn ausserordentlich stark. Man glaubt daher, die Franzosen werden über den Rhein setzen. Diesen Abend kame der Befehl, daß alle Karren und Pferde noch in dieser Nacht auf Neus aufbrechen sollen. Es ward aber mit dem Commendanten accordirt, daß einstweilen nur 24 Einspännige um Mitternacht auf Neus abgiengen. – Es ware ein paar Tage schön Wetter, da ward fleissig Korn gemähet, und nun regnet es wieder, welches viel am Heu verdirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten kame der Bezirksverwalter Neesen von Hülchrad hiehin, um das Holz, welches lezthin, am 9ten Julius, der Commissair Gambold uns verkauft hat, auf Knechstein zu führen, weil die Bezirksverwaltung von Bonn den Mönchen solches zugesagt hatte. Der Schefen Steinberger aber hatte seit der Abreise der Commissarien inständig mit selbigen Brief gewechselt. Gambold gieng auf Aachen und bewirkte vom Volksvertreter, daß die Mönche keinen Anspruch auf das Holz haben sollten. Mit dieser Order kamen die Commissarien heut Abend an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Der Schefen Bremer hatte jüngst einiges Holz von den Commissarien gekauft. Ein schweres Bloch aber zu bezahlen, hatte er kein Geld und Credit. Dieses sollte so wie das schon geschnittene Bauholz der Wittib Schefen Küppers auf Kölln geführt werden, weil auch diese sich mit den Commissarien sich nicht abfinden wollte. Lezteres wurde aufgeladen und verführt. Indessen kame der Provisor von Knechstein hieher, berathschlagte sich mit den Beamten und konnte doch nichts ausrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Die am 21ten auf Neus gefahrene Karren sollen Mehl am Essenberg hohlen, wo izt noch immer mit französischen Pässen freye Ueberfahrt ist. Das schwere Eichen-Bloch des Schefen Bremers ist auch heute mit 7 Pferd nach Kölln gebracht worden, und den Administrator Neesen der Befehl vom Volksvertreter zugegangen, daß alles verkaufte Holz für die Abdey Knechstein verlohren seye. Man glaubt, die Franzosen werden bald über den Rhein setzen. Diese Nacht kamen viele Wägen mit Bauholz und schweren Brettern hiedurch, welche in der Gegend von Oerdingen zu einer stehenden Brücke gebracht werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[194]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Die falsche Propheten in Schaafskleidern haben nicht Rast noch Ruh, bis sie das Holz aus hiesigem Dorf, wo nicht weggenommen, doch wenigstens aufgezeichnet haben. Ich verstehe hierunter die Mönche von Knechstein, welche immer von Verzeihen und Vergeben predigen und selbst jetz bitterste Rache ausüben. Der hier noch anwesende Amtsverwalter schrieb gestern ein Decret an die hiesigen Vorstehern und Bürgermeister, daß sie am Montag, den 27ten morgens 8 Uhr der unter allerhand Ausflüchten abgelehnten Holzvisitation beywohnen sollen. Sogleich eilten der Schefen Steinberger und Sturm mit dieser Nachricht auf Kölln und Bonn. – Gestern, diese Nacht und heute regnet es ohne Unterlaß, so daß man das Austreten des Rheins und das Wachsen des gemäheten Korns befürchtet. Es giengen heut viele Wägen, mit 8 und 10 Pferde bespannt, hinab. Sie hatten geschnittene Bretter und Tannenbauholz, Seil, Erdwinden, Hebmaschinen und Ankern geladen. Dieses alles wird in der Gegend von Oerdingen niedergelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Es regnet anhaltend. Der Rhein würde schon Vieles verdorben haben, wenn wir nicht am Platthalse durch einen Damm gekehret hätten. Das Korn ist allenthalben am wachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Man sagt, die Franzosen wollen in der Gegend von Oerdingen über den Rhein. Wenigstens lassen die Anstalten solches vermuthen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Weder der Neesen, noch die Knechsteder Mönche laßen etwas von sich blicken. Leztere hatten verschiedene Eichenblöcher von Nivenheim durch Zwang auf die Abdey bringen laßen. Die Commissarien aber schaften solche wieder auf Nivenheim und verkauften sie dort. Und hier ist Befehl, wenn ein Mönch sich zeiget, um eine Holzvisitation zu unternehmen, denselbigen gefänglich auf Aachen zu führen. – Es regnet noch immerfort, und der Rhein will noch nicht still stehen. Gestern wurden alle Nachbarn aufgebothen, an dem Sommerdamm auf dem Platthalse mit zu arbeiten. – Der Zehende soll wieder gegeben werden, womit jederman unzufrieden ist. Der heutige war ein sehr unruhiger Tag: Diesen Morgen 9 Uhr kame der Befehl, daß alle Pferde auf Neus musten. Augenblicklich wurde eine Compagnie Grenadier beordert, das Feld zu durchstreifen und alle Pferde zu arettiren. Diejenige, welche unten ins Feld flüchteten, wurden erwischt, auch verschiedene oben im Feld. Der Caspar Schmitz, Bruder des Vicarius, muste ins Prison, weil er einige Knechte zur Flucht gewarnet hatte. Heinrich Coenen, die Walhover Halbwinnerin, der Herpetzhalfen von Horm so wie seines Sohns Wilhelm Heinrichs Frau und der Wilhelm Weiler von da hatten gleiches Schicksal. Doch als die Karren fort waren, da wurden auch sie aus dem Gefängnis entlassen. Ihr Verbrechen war, daß sie die Pferde versteckt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[195]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Ein Übel kömmt selten allein: Die Pferde sind uns genommen, und die, so noch hier in den Wäldern versteckt sind, darf man nicht ans Licht bringen. Das Korn wächst auf dem Halm und auf den Gästen. Der Rhein will augenblicklich den Sommerdam übersteigen. Das Brachland liegt entsetzlich wüst, und nun ist auch eine Krankheit unter dem Hornvieh, woran schon 10 krepirt sind. Die Viehseuche ist&#039;s indessen doch nicht. – Gestern musten 6 Pferde vom Walhoverhalfen mit auf Neus, 4 vom Vorsteher Joan Langel, 2 vom Rheinfelderhalfen und noch 2 Einspänner. Noch 40 aus hiesigem Dorf sind hier. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Obschon es heut gutes Wetter war, so durfte man doch nicht mit den Pferden arbeiten. Nur mit Ochsen wurde etwas Korn eingescheuert. In den Kempen steht nur Grundwasser, weil die Zonser durch einen Sommerdam den Strom aufhalten. Das meiste Korn steht noch auf dem Halme vest. – Nicht allein hier, sondern aus dem ganzen Land zwischen Maaß und Rhein müssen die Pferde in den Park zu Neus, um Mehl zur Armee oder die Pontons herbeyzuführen. Das ist noch ungewiß. – Der Schefen Steinberger fuhr heut mit dem Schefen Sturm auf Neus, um die Pferde, derer er noch einige vom 21ten Julius auf der Reise waren mit denen vom 1ten August, in allem 27, loß zu bringen. Sie gaben an, es wären 57 Pferde im Dienst der Nation, und der General gabe die Halbscheid loß.&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Also brachten sie heut, am 5ten, die 27 Pferde mit. Diese ware gewiß eine herkulische Arbeit zu nennen, da alle Ortschaften noch so viele Pferde auf dem Dienst haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Es regnet noch alle Tage ein wenig, und man fährt die Früchten naß herein. Vom Frieden mit dem Reich wird auch noch immer geschrieben, aber leider nur Muthmassungen. Spanien hat doch nun sicher mit den Franzosen Friede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sontag, den 9ten – Weil dem Wetter nicht zu trauen ist und uns vielleicht nochmalen die Pferde genommen werden könnten, so erlaubte der Pastor, daß diesen Nachmittag gearbeitet werden durfte. Es ward eingescheuert und am Heu gearbeitet. – Man will versichern, in 8 Tagen sollen die Franzosen in der Gegend von Oerdingen über den Rhein setzen. In jener Gegend hat sich viel Volks zusammengezogen, so daß ein armer Mann 10 Soldaten hat. Auch kommen anhaltend schwere Transporte Brückenhölzer herab und mehrere hundert Kanonen gehn von Gülich über Fürth hinab. – Am Essenberg wird alle französische Magazinfrucht ausgeladen und dienstweis alle Tag mit vielen hundert Karren hindurchgebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[196]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Mehr als die Halbschied von Korn steht noch im Feld, und heute regnet es wieder. Die Sommerfrucht ist unvergleichlich schön gerathen. Das Korn ist so ergiebig, als es seit dem Jahr 1757 nicht gewesen ist. Jeder Gast hat ein Sümber geladen. – Gestern wurde hier in den Kühbenden, zu Worringen und überall, wo nur Truppen cantoniren, mit Kanonen und kleinem Gewehr gefeuert. Diese Victorie ware zum Jahrgedächtnis der Revolution in Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten und 14ten war es sehr heis, und man fuhre fleissig ein. Am Abend regnete es wieder. Am 12ten dieses musten wieder 16 Pferd auf den Dienst nach Neus in den Park. Am 15ten bekamen die seit dem 17ten Julius hier cantonirte Truppen Befehl, von hier auf Zons zu gehn. Sogleich rückten auch wieder 3 Compagnien Chasseur zu Fuß hier ein. Die nun abgezogene Truppen haben sich sehr gut gehalten: Sie arbeiteten fleissig für ein paar Stüber und waren sehr geschickt mit Kornschneiden, Graßmähen und aller Bauern Arbeit. Gestern Abend wurden hier 160 Kanonierpferde einlogirt. Sie verzohn heut Morgen, und nachmittags ware schon wieder ein gleiche Anzahl hier. – In der Gegend von Oerdingen ist die Brücke zum Ueberschifen bereit. Viele hundert Kanonen stehn da, und die Einwohner von Oerdingen flüchten ihre besten Sachen aus der Stadt, weil die Keyserliche gegenüber fürchterliche Batterien errichtet haben, von wo aus leicht das blühende Oerdingen in den Grund geschossen werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten giengen die Kanonierpferde von hier fort. Nachmittags ritte General Jourdan hinab, und den ganzen Tag ware es sehr unruhig. Man sagt, es soll viel Volk die Nacht hier durchziehn und einlogirt werden. Die hier seit gestern quartirte Jäger bekamen diesen Abend Befehl, um 9 Uhr aufzubrechen und die Nacht hindurch noch 2 Stund unten Neus zu marschieren. Sie sollten alle Pferde mit Stroh beladen mitnehmen. Man bedeutete ihnen aber, daß unsere Pferde, ausser einigen Krüppeln, schon alle auf dem Dienst wären, und daß noch kein Korn gedroschen seye. Es ist immerhin sehr verdrieslich, wenn bey Nacht Truppen einlogirt werden. Deswegen hat sich Angst unter alle Bewohner des Dorfs verbreitet. Man hällt nun für sicher, die Franzosen werden über den Rhein setzen, und zwar längstens in 3 Tagen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Als gestern Abend 11 Uhr unsere Truppen abgezogen waren, defilirte die Division Championet hiedurch. Es mochten ihrer wohl 15.000 seyn. Die Soldaten klopften sehr stark auf die Thüren, aber niemand machte auf, obschon alle Nachbarn die Nacht nicht schliefen. Morgens 4 Uhr ware der Zug vorbey. Alles geht auf Oerdingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Es fehlen die Seiten 197–198!!!]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[199]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – sich hinüberzohen, auf einer weniger besezten Platze. Und als die ersten Kayserlichen Wachen überfallen waren, lösete der General Lefever den Signalschuß zu Oerdingen, worauf sogleich alle Batterien von Essenberg bis Neus fürchterlich zu spielen begannen, während daß die Truppen mit dem Bajonett herkulische Arbeiten verrichteten, so daß diesen Morgen um halb 5 schon die Besatzung zu Düsseldorf die Stadt übergeben hatte. Heut ist noch keine stehende Brücke fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Heut ware es auf der Landstraße sehr ruhig. Schon vor Tagsanbruch waren die Posten jenseits bis Wisdorf eingezogen. Nachmittags 4 Uhr sahe man schon von der Piwitte jenseits 5 Dragoner auf Monheim reiten. Einer schoß ein Fenster der Kapelle entzwey, und der Peter Lotten muste 5 Kronthaler zahlen. Dies sagte uns ein Worringer Schifer, der mit seinen Nachen da gewesen war. Zwey andere von Worringen waren auf Hittorf mit 10 Soldaten gefahren. Da aber noch Kayserliche daselbst plänkelten, so machten sie sich eilends wieder auf diese Seythe. Es ist die Tage unvergleichlich heiß. Der Wind spielt von oben herab. Deswegen habe ich noch keinen Schuß gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Diesen Nachmittag wanderten viele hiesige Einwohner an den Rhein. Die noch da stehende Schildwachen auf dieser Seythe erlaubten, daß wir mit den Jenseitigen reden durften. Man fragte: &amp;quot;Sind noch Soldaten da?&amp;quot; – &amp;quot;Keine. Nur bey Nacht kommen Kayserliche Patroullen dahin.&amp;quot; – &amp;quot;Wo stehn die Kayserlichen?&amp;quot; – &amp;quot;Zu Garrath&amp;quot; etz. Man sahe auch keinen eintzigen Soldaten in der ganzen Gegend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Heute morgens 8 Uhr gewahrte man eine starke Kanonade über der Monheimer Windmühl. Man sahe auf der Landstraße höher im Gebirg starken Staub aufsteigen, der immer höher hinauf sich zeigte. Wahrscheinlich zohe die Armee dahin, welche natürlich avansirte. Um 1 Uhr nach Mittag rollten die Kanonen wieder fürchterlich, und um 2 Uhr marschierte die Armee wirklich zu Monheim herein. Der Zug gienge von Baumberg hinab, und des Volks ware entsetzlich viel. Vormittags ware in Baumberg geplündert worden. Man vernahm, daß schon um 5 Uhr die Chasseur in der Gegend von Stammel plänkelten. Eine Kolonne lagerte sich hinter Monheim und Baumberg. Und da die Soldaten ihre Ranzeln ablegen musten, ehe sie über den Rhein gingen, so wurde ihnen erlaubt, wenn sie einen Tag gearbeitet hatten, daß sie auch alsdann in den benachbarten Ortschaften sich etwas Essen suchen. So wanderten alle Soldaten aus dem Laager in Monheim und Baumberg. Und unter dem Vorwand, etwas Essen zu suchen, drangen sie in die Häuser, schlugen Thüren und Fenster ein und plünderten, was nicht nagelfest war. Viele Einwohner flohen halbnackt zum Rhein und schiften auf diese Seythe. – Diesen Morgen verliessen die hiesige Wachen den Rhein und giengen auf Düsseldorff. Auch passirten nebst dem 14ten Dragoner-Regiment noch viel Fußvolk hinab. Wenn nun zu Kölln eine stehende Brücke ist, so wird hier die Passage gehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[200]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Beilage, Auszug aus: Christoph Brouwer, Antiquitatum et annalium Trevirensium libri XXV. Zwei Bände. Köln 1629, in (mangelhafter) deutscher Übersetzung]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Browerus in denen Trierischen Annalen schreibt von Worringen Folgendes:&lt;br /&gt;
::Burungum oder Burumcum, dermalen Worringen genannt, ein Ort zwischen Kölln und Neuss, welcher das Stand-Laager eines Flügels der fünften römischen Legion ware. – Hieselbst hat man eine Grabschrift entdeckt, welche einem Trierischen Bürger gewidmet ware, und welche der Nachwelt zum Beweiß dienet, daß sich die Trierischen Gränzen bis dorthin ehedem erstrecket haben. Der gefundene Stein ist pyramidal und besteht aus zusammen gefügten Tafeln. Auf der oberen Fläche des Monumentes sieht man einen halb nackten Jüngling, welcher an einem drei-füssigen Tisch sitzend mit dem linken Arme auf einem Kissen ruhet, auf dem Tische stehend zwei mit Speise und Tranck gefüllte Gefäße. Zu seinen Füssen sizt ein Knabe mit übereinander geschlungenen Armen. Ein dritter, an eine Säule gelehnet, hat seinen Zeigefinger auf den Leser oder Besichtiger des Monumentes gerichtet, selbigen gleichsam stillschweigend errinnerend: &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Du wirst folgen!&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;, welch lezteres uns auf die heidnische Philosophie vorzüglich aufmercksam macht, nemlich: die Betrachtung der Sterblichkeit. – Auf der mittleren Tafel ließt man folgende Innschrift:&lt;br /&gt;
::Albanio vitali&lt;br /&gt;
::Eq. alae indianae&lt;br /&gt;
::turbarbi civi&lt;br /&gt;
::trevero an: XXX.S&lt;br /&gt;
::... P.X.&lt;br /&gt;
::H. Ex. T.E.C.&lt;br /&gt;
::Dem Trierischen Bürger und Ritter Alban Vitalis... gewidmet, im 30ten Jahre des Römischen Senats ... Diese Stelle ist verwittert ... Dem Trierischen Bürgermeister errichtet ... Hier zeigt sich auch eine Lücke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[201]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Auf der üntersten Tafel sieht man ein muthiges Roß, mit verschiedenen sinnreichen Kriegs- und Ehren-Trophäen geschmückt, welches vor einem Knaben, so die Fasces trägt&amp;lt;ref&amp;gt;Zu dieser Stelle Erläuterung weiter unten: &amp;quot;Fasces nennten die Römer einen Bündel von Reisern, welcher bei ihnen symbolisch die Magistrats- oder Bürgermeister-Würde bezeichnete.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;, weit hinter der langen, ihm anhängenden Trauer-Schleppe, geleitet wird.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;1247&amp;lt;/u&amp;gt; ward Wilhelm Graf von Holland von Arnold dem Trierer und Sigifrid dem Mainzer Erzbischofen in Beyseyn eines päbstlichen Lebato zu Worringen als Römischer König ausgerufen.&lt;br /&gt;
::1288 ward zwischen Johan Grafen von Brabant und Reginald Grafen von Geldern in der Ebene bei Worringen ein seit Menschen-Gedenken beiderseits so heroisch als blutiges Treffen geliefert. In dieser Schlacht ware von Seiten des Reginald, Sigifrid Erzbischof zu Kölln, Henrich Graf zu Luxemburg mit seinen Brüdern Wallram und Balduino Graf von Westerburg, Adolph von Nassau und Moers und Wallram von Falckenburg, zur Seiten des Johan von Brabant, Adolph von dem Berg, Wallram von Jülich, Heinrich von der Wind, Everhard von der Marck und das Bißthumb Lüttich. Die Anführer beiderseitigen Herrn bestanden aus dem edelsten und vornehmsten Familien Deutschlandes. – Die Reiterei ware ausnehmend und vorzüglich prächtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[202]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Joan von Brabant belagerte Worringen, und dies ware gleichsam das Signal zu einem der blutigsten Schauspiele. Denn während diesem Unternehmen stürzten beide Heere wie das Gerassel todtschwangerer Gewitterwolken aufeinander. Die Heerstraße, das Feld halbweegs Neuß ware gleichsam von Leichen übersäet, der Rhein röthete von dem in ihn triefenden Blute, und noch lechzten die Kämpfer nach ihm. Bis nach Sonnen-Untergang tobte das würgende Eisen. Die Schlacht ward aber für Joan von Brabant entschieden. Reginald von Geldern fiele mit dem Erzbischofen von Kölln und mehrern Edelen des Volckes in seine Hände, und mehr als 10.000 Menschen blieben auf der Wahlstätte. Die Ursache dieses blutigen Treffens legte das Absterben des Henrichen Herzogs von Limburg zum Grunde. Adolph von dem Berg, als anmaßlicher Erbe dessen, wollte Limburg dem Brabänter verkaufen, aber Reginald von Geldern, welcher die Irmingard, Tochter des verstorbenen Herzogs, zur Gemahlin hatte, betrachtete Limburg als ein Brautgeschenck, und daher der Apfel des Zwietrachts, der schwärzesten Fehde!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[203]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Schon vor Tagesanbruch ware das französische Lager oben Monheim aufgebrochen, und um 8 Uhr Vormittag besezten die Franzosen schon Deutz und werden diesen Abend an der Sich bey Siegburg lagern. Die Kayserliche sind sehr geschickt im laufen gehn. Bey Frankfurt am Mayn wollen sie sich setzen. – Viele Monheimer Familien flüchten sich hieher, weil die Franzosen greulich plündern. Monheim hat viel gelitten, Baumberg noch mehr, und die arme Leuthe höher ins Gebirg haben nichts behalten, wenn es auch reiche Halbwinner waren. Übrigens sind die Requisitionen an Korn, Heu etz. eben so stark wie hier, als die Truppen ankamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Es ist sehr heisses Wetter, welches für das entsetzlich wüste Brachfeld wohl zu statten kömmt. – Heut rückten zu den hiesigen 30 Dragonern, welche die Correspondenz bestellen, noch 50 andere ein. Das Hauptquartier ist in Düsseldorf. – Die Contribution für dieses Jahr ist heut hier ankommen und in 5 gleiche Theile getheilt. Das erste beträgt für Dormagen 9 Centner Weitzen, 20 Centner Korn und 30 Centner Heu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Heut wollten 500 Reiter von der schweren Kavallerie hier logieren. Man brachte es aber dahin, daß nur der General hier blieb und die übrigen auf die benachbarte Dörfer einquartirt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten brachen die hiesige Dragoner auf. Nur blieben deren 9 für die Correspondenz hier. Auch passierte ein Curassier-Regiment hiedurch, um zu Düsseldorf über den Rhein zu gehen. Die Armeen stehn in der Gegend von Siegburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Dieses heisse Wetter macht wieder Vieles gut, was der langwierige Regen verdorben hatte. Das Brachland wird izt noch ordentlich von dem übermässigen Unkraut gereiniget. Dessen ist izt alle Tage mehr dann 30 Karren auf dem Feld verbrennet wird. Auch fährt man jetz häufig Haaber ein, deren eine entsetzliche Menge gesähet und alle vortreflich gerathen ist. – Seit vier Tägen ist die Schifarth auf dem Rheine wieder offen. Gestern kamen 53 große Pontons von Schifpferden heraufgezogen. Sie blieben die Nacht auf dem Platthals und die Pferd hier im Dorf. Aus diesen soll zu Kölln eine stehende Brücke formirt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Die Kayserliche retiriren noch immer, und schon sind die Franzosen in Neuwied. Hier im Dorf sind nur noch 9 Dragoner für die Correspondenz, und dann kommen auch noch viele Einzelne, welche Nachtlogis nehmen. – Kornpreis 8 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Das gute Wetter hällt immer noch an und versezt das Brachland in den Stand, um solches zu besähen, das sonst unmöglich gewesen wär. Dennoch bleiben mehr dan 100 Morgen liegen, welche gar zu wüst sind. – Die Contribution von zehn Milionen Liver, welche auf das Land zwischen Maas und Rhein ist gelegt worden und in Naturalien abgegeben wird, ist schwer zu vertheilen, weil noch kein Status von der Morgenzahl des Ganzen angegeben ist. Einstweilen schlägt man den Morgen Land auf 2 ½ Pfund Korn, 1 ½ Pfund Weitzen, 1 ½ Pfund Haber und 4 Pfund Heu an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[204]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Die Dragoner für die Correspondenz sind noch hier, und dann kömmt auch alle Abend ein Trüppchen mit Bagage von Creyfeld herauf zur Armee, welche an der Lahn lagert. Der Rhein beunruhigt uns nicht viel mehr. Hingegen wird die rothe Ruhr jetzt giftig und hat schon einige Alte und verschiedene Kinder zu Grabe gebracht. Dies Loos trafe auch den Rheinfelderhalfen, welcher diese Nacht verschied. Er war ein guter Mann, nur allzusehr dem Brandwein ergeben, der auch sein Ende beschleunigt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Das schöne Wetter hällt noch an. Die heutige Prozession ware sehr zahlreich und der Gottesdienst besonders feierlich. – Die Armeen befinden sich in der Gegend von Maynz und Frankfurth. – Noch viele Haber steht auf dem Halme. Kleine Bohnen und Buchweitz ist noch fast alle draussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;October&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Noch wird Haber gemähet, und der kleinen Bohnen stehn viele ungehauen. Das Land wird bey der anhaltenden Trockenheit sehr gut zugericht und Vieles besähet, was man vor unmöglich hielt. Das Malder Korn gillt 12 Reichstahler. Es ist nun auch Friede mit Kurpfalz. Wenigstens schreibt das die heutige Zeitung, doch weis ich nicht, ob dieses und viel nutzen kann. – Die Einquartierungen sind noch wie am 25. September gemeldet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Es hat ein wenig geregnet. Das wird die gesähete Frucht an das Wachsen bringen, die sonst in der so sehr ausgetrockneten Erde nicht gedeihen konnte. – Heut ist’s Kirmes. Man wollte anfangs dieses Fest nicht feyern. Da mietheten zwey Becker, Meuser und Adolph Schmitz, sich Spielleuthe und schenkten Wein, welche vielen Zulauf haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Die Nacht ware durch kleine Schlägereyen sehr unruhig. Es wurde gelärmt und getanzt, bis der Tag anbrach. Die 19 hier anwesende Dragoner betragen sich sehr gut und sind behülflich, die sich ereignende Unordnungen in Güte zu stöhren. Noch sterben viele Menschen an der rothen Ruhr, und überhaupt ist dieses Jahr reich an Todten. Denn seit dem 12ten October vorigen Jahrs bis heute sind in hiesiger Pfarr 89 Seelen weniger. Kornpreis 6 Kronthaler. – Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Die Kirmes ware sehr lustig. Musick und Tanz währte bis diesen Morgen. – Es ist strenge verbothen, Früchten ins Bergische zu führen. Seit dem 4ten dieses wird der Rheinzoll wieder empfangen und gestern zuerst der Landzoll dahier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Die Sath ist noch lange nicht bestellt. Viele kleine Bohnen und Meyheu noch ungehauen, und Haaber liegt ebenfals im Feld. Die Taglöhner lassen sich vom Morgen Graß zu hauen 100 Stüber zahlen, und ein Pferd verdient alle Tage 3 Reichstahler an Lohn. – Die Franzosen hatten Maynz blockirt, sind nun aber bis hinder die Lahn zurückgeschlagen. Die hiesige Dragoner musten diese Nacht fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[205]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Gestern Abend kamen die Dragoner wieder, und heut Morgen musten sie wieder auf Neus. Die Zeitung schrieb, die Franzosen hätten die Kayserlichen bis über den Mayn wieder zurück geschlagen. Wir glaubten also, die Armee stünde noch bey Maynz. Allein, nach dem Mittag erfuhren wir, daß der General Jourdan wirklich sein Hauptquartier in Bonn habe, und daß die Franken-Armee sich über Hals und Kopf auf diese Seythe des Rheins ziehe. Düsseldorf ist gesperrt, bis die Contribution bezahlt ist. Und im Bergischen musten eiligst die Requisitionspferde geliefert werden, deren Monheim und Baumberg 11 hergeben muste. Am Abend kamen 9 Dragoner hieher, welche um 11 Uhr wieder fort musten. Gleich kamen neue hier an. Um 8 Uhr rückte hier ein Bataillon Infanterie ein, welches gleich nach Mitternacht gleichfals auf Kölln aufbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Gestern gienge alles hinauf und heute alles hinunter, auch ein schwerer Transport reitender Artillerie. Man weis aber die Bestimmung noch nicht. Auch kamen heut viele Brückenschife wieder den Rhein hinunter, und viele Commissairs giengen auf Neus. Das ware also ein Zeichen, daß die Armee sich wieder diesseits dem Rhein setzen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Heut Morgen sahe man eine Feuersbrunst über Monheim. Gleich hörten wir, es wären die Kneppeder Meyerhöfe. Um Mittag ward zu Baumberg und Monheim auf die Klock geschlagen, wo die retirirende Franzosen allgemein plündern. Man sah die Jäger zu Pferd aus- und einmarschieren und die Leuthe mit ihrem Vieh flüchten. Hinten Baumberg und etwas höher im Gebirg brannten Gebäude lichterloh in Flammen. Nachmittags hörte man eine lebhafte Kanonade in der Gegend von Mühlheim. Zwey Divisionen mit sehr vielem Gepäck giengen hiedurch auf Düsseldorf, wo sich die Franzosen noch einmal zu schlagen denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Am Mittag kame ein Bataillon hier ins Logis, und um halb 1 nach Mittag wurden die Wachen am Rhein wieder besezt, obschon jenseits weder Kayserliche noch Franzosen sind. Erstere stehn am Küppers-Steeg bey Opladen, und Leztere lassen sich noch zu Baumberg sehen, welche das Bergische beym Rückzug rein ausplündern, wo sie beym Heraufziehen noch etwas gelassen haben. Zu Grimmlinghausen sind 2 stehende Schifbrücken.&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Düsseldorf wird von mehr als tausend Bauern sehr bevestiget. Auch zieht sich da viel Volks beysammen, um eine Schlacht zu liefern. Wir sind wieder mitten im Krieg. Die Passage geht sehr stark hiedurch und die Einquartierungen vielfach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten kame noch ein Bataillon hier ins Quartier. Natürlich ware es sehr voll, doch vertragen sich die Soldaten sehr gut. Hingegen sind die Nachrichten aus dem Bergischen sehr kläglich. Die Soldaten verfahren dort mit Plündern und Sengen wie Tyrannen, weil viele Bauern Complott gegen sie gemacht hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[206]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Heut brach ein Bataillon von hier nach Düsseldorf auf. Bey Grimmlinghausen steht ein Laager, und um Düsseldorf werden starke Schanzen gemacht. Die französische Vorposten streifen bis oben Monheim und die Kayserliche bis Deutz. Ihre Armee steht bey Frankfurth. Indessen sind die Wachen hier noch am Rhein, und wir hofen bald, daß die Republikaner vorrücken, weil die starke Passage uns sehr hart fällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Es kommen noch Donnerwetter, welche Regen und warmes Wetter bringen. Meyheu, Grummet, kleine Bohnen und Wicken liegen noch viel im Feld. Kornpreis 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die Ordonanzen giengen ein paar Tage sehr stark. Zu Grimmlinghausen sind zwey stehende Brücken. Die machen uns viel Last. Abends 7 Uhr kamen aus dem dasigen Laager 4 Regimenter Kavallerie hiedurch, doch ohne die mindeste Unordnung. Das lezte Dragoner-Regiment kame um 9 Uhr und sollte hier logieren. Man brachte es aber halb auf Zons und halb auf die umliegende Örter. Nur der General blieb hier. Wo sie nur Licht sahen, da musten die Leuth mit Laternen den Weg weisen, doch ward die Nacht ruhig. Diese Kavallerie soll auf Andernach und über die dasige stehende Brücke auf die andere Seythe gehen. Die Franzosen wollen Maynz haben – es koste, was es wolle. Die Maaß Rüboel gilt 48 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten brach morgens alle Kavallerie aus der Gegend auf. Auch von dem hier liegenden Bataillon giengen 2 Compagnien auf Worringen. Um die Mittagszeit marschierte das rothe Husarenregiment hier ein. 3 Compagnien blieben hier, eine wurde in die Abdey Knechstein rekommandirt und die übrige auf die umliegende Ortschaften verlegt. Alles zieht sich herauf gen Andernach, wo die Kayserlichen über den Rhein seyn sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Diesen Morgen giengen die rothe Husaren wieder fort, und auch viel Fußvolk folgte ihnen. Nach dem Mittag giengen auch das seit dem 28ten October hier gelegene Bataillon auf Worringen. Nur 2 Compagnien blieben hier. 2 Generäle speisten beym Pfarrer, und die Nacht sollten noch 2 Bataillone hier logiren. Sie kamen abends 7 Uhr und hatten wirklich Ordre erhalten, auf Kölln durchzugehn. Da sie aber ohne zu essen von Oerdingen gegangen waren, so waren viele entkräftet, welche mit 3 Compagnien Grenadier und den Kanonen hier einlogirt wurden. Natürlich ward das Dorf hier sehr voll auf die Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – General Pichegrü ist bey Manheim geschlagen worden, und weil die Österreicher ihre ganze Macht in der Gegend haben, so ist es nothwendig, daß die Franzosen sich auch dahinziehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Die Kayserliche sind unter Maynz über den Rhein und ziehn sich gen Trier. General Fever steht noch in und um Düsseldorff, und die Division Tilli besezt den Rhein von Zons bis Bonn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[207]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Es regnete die Nacht und fast den ganzen Tag. Der Wind war so stark, daß viele große Bäume umgeworfen wurden. – Auch General Jourdan ist geschlagen worden, und man glaubt, die Zeit unserer Erlösung werde sich nahen und die Franzosen den Rhein verlassen. Die Stadt Neus muste heut tausend Kronthaler zahlen, oder man wollte vier der angesehendsten Bürger als Geißel fortführen. Ein General-Adjutand brachte aber heut schon um 4 Uhr nach dem Mittag gemelte Kronthaler hierdurch. Die Soldaten bekommen jetz 2 Stüber Löhnungen Geld. Man verkauft izt alle Waaren wieder öfentlich, und das Papier hat beynahe ganz seinen Werth verlohren. – Weil wir keine Kühe liefern wollten, so muste Dormagen vor ein paar Tagen 52 Reichstahler Fleischergeld bezahlen. Man dringt auch sehr stark auf die ausgeschriebene Lieferungen an Früchten. Da wir aber wegen der starken Passage mehr Heu und Haber abliefern, als unser Quantum ist, so hofen wir, dieses werde uns an den Früchten zu gut kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Die Nachricht ist in Umlauf, daß die Kayserlichen geschlagen sind. Der General Le Fever rückt deswegen mit 18 tausend Mann durch das Bergische und steht wirklich an der Sieg bey Siegburg. Doch haben sie bey diesem Vordringen den Bauern nichts zu leide gethan, das man doch vermuthete, weil die Landleuthe allgemein zu den Waffen gegrifen, als die Armee jüngst retiriren muste, welche manchen Republikaner niedergestreckt haben. Diesen Nachmittag musten die zwey hier einlogirte Compagnien auf Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Wir waren alle sehr ruhig schlafen gegangen. Ausser den Ordonanzen waren keine Soldaten im Dorf. Allein, um halbe Nacht kündigten zwey Dienstleuthe allen Nachbaren an, daß um 2 Uhr zwey Bataillons ins Dorf einlogiert würden. Auftritte dieser Art sind immerhin bey der Nacht schröckbar, umsomehr, da es pechschwarz finster und ungemein morastig im Dorfe war. Um 2 Uhr kamen die Soldaten an, 1.400 an der Zahl. Auf den Wallhoverhof wurden 50 Mann gelegt. Sowie die Billetter ausgetheilt waren, liefe alles durcheinander. Die Soldaten klopften abscheulich auf die Thüren, und wer ihnen ein Billet gelesen hatte, der muste auch mit gehen, das Haus zu weisen. Doch ware um 3 Uhr alles ruhig. Um 10 Uhr brach diesen Morgen alles auf nach Kölln. 2 Compagnien kamen hieher, um die Wachen am Rhein zu besetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Wir hören täglich Kanonieren und wissen nichts Neues. Man sagt, Le Fever steht mit seiner Division bey Bensberg und die Kayserlichen seyen in Trier. Viele glauben, die Franzosen werden den Rhein verlassen, um so mehr, da auch in Braband sich ein Korps königlich Gesinnter zusammenrottet. – Wir haben kleine Bohnen verkauft das Malder zu 11 Reichstahler, auf der Platzen abzuholen, Haaber 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[208]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Heut giengen die seit dem 9ten hier gelegene 2 Compagnien auf Neus. Abends kamen 3 andere her, um morgen auf Kölln zu gehn. Es sind keine Wachen mehr am Rhein, und wir sollen keine Soldaten mehr als Bsatzung erhalten, weil die Armeen oben agiren. Die Kayserlichen stehen 15 Stund von Trier und nicht in Coblentz, die französische Colonne jenseits steht an der Sieg. Beyde Theile scheinen sich einander nichts abgewinnen zu können, und es scheint, als werde sich die Kriegsschaubühne am Oberrheine zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Heut gienge das zweite Dragoner-Regiment hierdurch auf Kölln. Eine Compagnie blieb hier für die folgende Nacht. Auch marschierten 2 Bataillons Fußvolk still hierdurch. Alles zieht hinauf. Man sagt, die Franken seyn dort geschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Es fror die Nacht etwas. Es ist noch viel Land, welches noch besähet werden soll. Der Walhoverhalfen gedenkt, noch 30 Morgen Korn und Weitzen zu sähen. Die Knechsteiner Mönche hatten durch Liegen und Bestechung es so weit gebracht, daß alles verkaufte und unverkaufte Holz ihnen zurückgegeben werden sollte. Vor einiger Zeit, als sie dieses erwirkt hatten, giengen die Schefen Steinberger und Sturm auf Aachen und legten dem Volksvertreter die Wahrheit der Sachen vor, worauf dieser den Mönchen alle Ansprüche auf das verkaufte Holz versagte. Nun bliebe den Knechsteiner noch eine Untersuchung ihrer entwendeten Mobilien frey. Sie unternahmen diese mit Commissairen von Bonn in Zons, Worringen und Roggendorf. Sie hatten vier Chasseur bey sich, welche mit langen Eisen die Scheuren und Misten durchsuchten, und wo jeder alle Kisten und Kästen zum Durchsuchen öfnen muste. In gemelten Ortschaften gieng dieses ruhig hin. Sie fanden wenig oder gar nichts. Endlich kamen sie auch nach Delven. Die Einwohnet versammelten sich und erklärten, daß sie sich nicht anders als von Bürgern und nicht vom Militär wollten visitiren lassen. Tages darauf kame eine Exekution von 34 Chasseur in Delven. Jedem muste nebst Kost und Trank täglich ein Gulden zahlt werden, bis die Straaf der Wiedersetzung mit 64 Reichstahlern in Knechstein abgetragen wäre. Die Delver zahlten dieses auf der Stelle und schickten 2 Deputirte auf Kölln zum General-Einnehmer der Domainen, Brengruben. So kamen heut schon dessen 2 Secretairs hier an, welche&lt;br /&gt;
:Am 17ten – heut, den 17ten mit 2 Zeugen von hier auf Knechstein giengen, um die Sachen zu untersuchen. Diese nun haben sich mit den Mönchen so weit verstanden, daß das dort anwesende Visitations-Tribunal auseinander gehn soll. Indessen macht der Secretair Gombold sich anheischig, eine Einladung an alle Ortschaften drucken zu lassen, daß alle, welche entwendete Effecten besitzen, solche in die Abdey bringen sollen; zugleich die Schefen Sturm und Steinberger zu bitten, die hier befindliche Brandspritze obrück zu schicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[209]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Delver haben viel Länderey von den Knechsteder im Pfacht. Da es nun zu befahren steht, daß die Mönche den Leuthen diese Nahrung abnehmen, so haben sich die Delver versammelt und einen Bund geschlossen, daß demjenigen, welcher sich unterstehen würde, von den Knechsteiner Länderey zu pfachten, die einem andern abgenohmen seye, dessen Hauß soll in Brand gesteckt, oder, wenn es in einer Reihe läge, in der Nacht niedergerissen werden. – Kornpreis 11 Reichstahler und Weitzen 16 pro Malder. Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Die Kayserliche ziehn mit ihrer schwersten Macht auf Elsas und Lothringen. Deswegen folgen auch die Franzosen. Jenseits stehn 4 Divisionen von ihnen bis an den Siegfluß und jenseits die Oesterreicher. Der Rhein ist bis Kölln wieder schifbar, doch kömmt noch wenig schwarzen Brandt. In Kölln wird das Malder zu 100 Stüber verkauft. Hier im Ort wird viel Torf gebrennt. Noch krepirt viel Vieh an der schleichenden Krankheit, doch bleiben Rinder und Kälber davon frey. Es ist sonderbar: eine Kuh liegt oft acht Wochen krank, scheint dann zu bessern, frißt und krepirt doch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Viele Familien von Monheim flüchten hieher, weil es heißt, die Franzosen würden jenseits retiriren. Heut Abend 11 Uhr kamen noch 2 Bataillons hier ins Logis. Die Nacht war unruhig, doch verhielten die Soldaten sich sehr gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Sie giengen heut auf Kölln. Es kamen 7 Ordonanzen von der Nordarmee hieher. Düsseldorf wird sehr bevestigt. Sogar werden zu Uedesheim auf dieser Seythe Batterien gemacht, woran viele Bauern aus dieser Gegend arbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Heut war&#039;s so dumpf stille. Wenig Soldaten passierten hierdurch. Die 7 Ordonanzen wurden noch durch 7 vermehret. Daraus schließt man, daß es noch gleich nicht ruhig werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Schon mit Tagesanbruch kame die Division Lefevre von Düsseldorff hiedurch. Da es aber beständig regnete, so gieng der March sehr unordentlich und langsam. Nach dem Mittag um 2 Uhr wurden 2 Bataillons hier einlogirt. Nun kamen aber noch so viel Zurückgebliebene von verschiedenen Regimenter zu Pferd und zu Fuß, daß das Dorf mehr als jemals voll von Soldaten war. Indessen gieng alles in bester Ordnung hin, und&lt;br /&gt;
:Am 26ten – heut gienge alles fort auf Kölln. Und am Mittag marschierten wieder viele Truppen herauf. Ein Bataillon blieb hier. Es kamen noch 50 Kanonen-Pferde von Zons hier an, der[e]n Park in Zons liegt, welche noch einige Zeit hier bleiben. Abends 9 Uhr kamen auch noch bey 40 Bauern-Karren mit Frucht und einigen Soldaten, welche auch alle einquartirt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten gienge das hier liegende Bataillon fort, und es kame auch nichts Neues hieher. In Zons liegen 800 Grenadier. Frost und Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Heut nach dem Mittag kamen 2 Compagnien Chasseur zu Pferd hier ins Quartier. Es sind alle, welche Pferd haben, die unbrauchbar sind. Auch kame wieder eine Compagnie reitender Artillerie von Kölln auf Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[210]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Die Kayserliche Armee steht nun in der Gegend von Kehl über Worms auf dem Hundsrücken bis Kreutznach. Manheim ist blokirt, aber noch von 10 tausend Franzosen besezt. Es scheint doch nun zu bestättigen, daß das Kriegs-Theater am Oberrhein aufgeschlagen ist. Düsseldorf wird noch immer bevestigt und bleibt von 3.000 Franzosen besezt, welche daselbst 2 stehende Brücken haben. Ihre Vorposten gehen jenseits nur bis Benrath. Und die Kayserliche streifen von Siegburg herab bis Mühlheim. Monheim und die Gegend ist also von keinen Truppen besezt, und die Einwohner sind in steter Furcht, von der einen oder der andern Parthie geplündert zu werden. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Diese Tage ists sehr ruhig im Dorf. Die hier bequartierte Chasseur betragen sich vortreflich. Sie haben viel kostbarer Sachen aus dem Bergischen geplündert. Das biethen sie izt zum Verkauf aus. Die Stadt Manheim hat sich am 21ten November an die Kayserlichen mit Capitulation ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Noch am 18ten November sähete der Walhover Halfen 7 Morgen Korn oben Merteskirchen. Ausserdem ist noch viele Winterfrucht, die erst aus der Erde kömmt. Dafür ist dieses Herbstwetter erwünscht. – Es darf keine Frucht von dieser auf die andere Seythe gebracht werden. Die Chasseur müssen desfals bey der Nacht patrollieren längs dem Rheine. Doch wird alle Nacht viele Frucht mit halben Maldern an den Rhein getragen ünd übergefahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Die Ordonanzen gehn sehr stark; nur in dieser Nacht kamen deren zwölf. Und da wirklich auf dem Hundsrück bey Coblenz die große Batalie gehalten wird, so könnte es leicht folgen, wenn die Franzosen solche verlieren, daß wir auch hier von ihnen befreyet würden. – Die unglückliche Stadt Manheim ward vor der Übergab zwey Nächte bombardirt und durch glühende Kugeln fast eingeäschert. Die Kayserlichen liessen beym Einmarsch verschiedene Personen der Regierung arretiren, weil sie bey dem Übergang der Franzosen über den Rhein die Stadt übergeben haben. – Kornpreis 11 Reichstahler, Buchweitz 4 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Heut musten die Chasseur, welche am 29ten hieher kamen, auf Kölln, weil Landau eingeschlossen und oben die Hülf am nöthigsten ist. Der Rhein war im Tage so sehr bewacht, daß man nur des Nachts mit großer Müh etwas Frucht mit Säcken an den Rhein trägt und überschift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Um 12 Uhr diesen Mittag kamen die Chasseur, welche gestern fortritten, wieder. Sie waren schon eine Stunde oben Kölln, als die Contreorder ankam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Heut kame auch eine Compagnie Chasseur zu Fuß hieher, um die Wachen am Rhein zu versehen. Es ist also nun vorbey, daß man etwas Frucht überschifen kann. – Die kayserliche Vorposten gehen von Siegburg herab bis Mühlheim und die französische von Benrath bis Monheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[211]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1795&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Gestern Abend kamen 3 Kompagnien Grenadier hier ins Quartier. Sie giengen heut auf Kölln. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Heut musten die Chasseur von hier alle fort, weil oben bey Creutznach die rothe Husaren und das 7te Dragoner-Regiment theils gefangen oder niedergehauen wurden. Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten kamen 2 Escadrons Chasseur vom 1ten Regiment. Eine Escadron gienge auf Worringen und 2 blieben die Nacht hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten gienge eine Escadron von hier auf Zons. Diesen Morgen gieng ein französischer General-Adjutant hierdurch auf Düsseldorff. Er versicherte, daß er die Ordre eines Waffenstillstandes mit dem Kayser in der Tasche hätte. Am Mittag bestättigte der Herr v. Westen gleichfals diese Nachricht. Am Abend bekame der Schefen Steinberger, der Posthalter und ich mehrere Briefe mit der nämlichen Neuigkeit, und um 10 Uhr zu Nacht folgte schon ein in Kölln gedrucktes Blättchen, daß der Waffenstillstand geschlossen, der Friede hofentlich vor Neujahr folgen und von nun an alle Feindseligkeiten aufhören sollen. Keine Bedingniße sind noch bekannt. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Die Geistlichkeit in Kölln soll heut vor Sonnenuntergang noch siebzigtausend Liver Contribution bezahlen, welche der Adel schuldig ist. Einige, wo noch an den Waffenstillstand zweifeln, weil die Nachricht einzig von dem General Le Fever herkömmt, der auch jüngst in die Zeitung setzen lies, das Manheim noch in französischen Händen seye, als diese Vestung schon 8 Tage von den Kayserlichen besezt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Heut ware die Stadt Kölln gesperret, so daß niemand herausgelassen wurde, weil die Geistlichkeit ihre Contribution noch nicht zahlet und deswegen von Neuem Geißeln ausgehoben werden sollen. Fast kein Mensch will mehr an den Waffenstillstand glauben, doch halte ich selbigen für richtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Das Jahr schließet sich mit freudigen Aussichten zum Frieden, da man izt überzeugt ist, daß der Waffenstillstand sich bestättigt, der wahrscheinlich den Frieden nach sich ziehen wird. Noch hatten wir keinen bedeutenden Frost, welches der späthen Sath nützlich ist. Sonst wurde das alte Jahr am lezten Sontage mit dem &amp;quot;Te Deum&amp;quot; beschlossen. Der jetzige Pastor wählte dafür den heutigen Abend. Es wurde Complet gehalten, nach diesem eine sehr rührende Anrede, die sich mit dem Ausdruck schloß, der liebe Gott werde uns im kommenden Jahre den Frieden schenken, und dan singen wir ein ewiges &amp;quot;Te Deum laudamus&amp;quot;, welches die Andacht schloß. Die Kirche war ungemein mit Menschen angefüllt. Auf dem hohen Altar brannten 100 Lichter, und der Gottesdienst war ausserordentlich rührend und feyerlich. Jedermann gefiel diese Art, dem Himmel für die erhaltene Wohlthaten zu danken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1796 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[212]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januarius&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Reitzend waren die Bilder der Zukunft bey des alten Jahres Scheiden, indem man die Freuden dachte, die der Waffenstillstand und der darauf folgende Friede uns bringen würde. Indessen hat General Le Fever in die heutige Zeitung einrücken laßen, daß die Nachricht des Waffenstillstands eine Lüge wär, und nur hätten die Generäle Abred getroffen, um ruhig Winterquartiere zu machen. Also schwindet der süße Traum baldiger Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten, &amp;lt;u&amp;gt;sontags&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut nach der Vesper wurde die Gemeinde-Klock gezogen, und es wurde statt des Mathias Häck nunmehr Thomas Delhoven als Vorsteher angesezt, weil Ersterer in voller Unthätigkeit der Gemeinde keine Dienste seit dem ganzen Krieg geleistet hat. Ferner wurden der Peter Pannes, Jacob Cremer, Joan Krahn und Herman Hambloch als Gemeindsmänner oder Geschworne angesezt. Der Waffenstillstand ist sicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Heut Mittag marschierte ein Bataillon Voluntair hiedurch auf Neus, und abends 5 Uhr rückte gleichfals ein Bataillon Grenadier hier ein, welche&lt;br /&gt;
:Am 6ten – heut gleichfals auf Neus giengen. Auch gieng die Compagnie Jäger zu Fuß, welche seit dem 16ten December hier waren, um die Wachen am Rhein zu versehen, auf Neus. Und um 9 Uhr verzohen auch die Chasseur zu Pferd, welche am 21ten December vorigen Jahres hieherkamen. Zwey Pferde der Chasseur, welche bey Jacob Cremer im Pflug logirten, wurden diese Nacht gestohlen. Es wurde stark untersucht, und als man nichts fand, da wurde der Jacob Cremer mit seinem Knecht von 4 Chasseur auf Neus geführt. Der Schefen Steinberger fuhr gleich nachher auf Neus, um, wie allzeit, der Bedrängten Helfer und der Gefangenen Retter zu seyn. – Mittags kame wieder ein Bataillon hieher, welche&lt;br /&gt;
:Am 7ten – heut wieder fortgiengen. Auch kame um 2 Uhr wieder ein Bataillon hier ins Logis. Von diesen wird dann jedesmal 1 Compagnie nach Horm gelegt, obschon die Municipalitaet zu Zons schon zweymal ein Decret dagegen an unsere Schefen geschickt hat. – Der Schefen Steinberger trafe gestern den Commendanten auf dem Fellederhof, stellte selbigem vor, daß der angelegte Arrest des Jacob Cremers ein Eingrif in die Civil-Rechte wäre, worauf der Commendant den Befehl ausfertigte, daß der Cremer der Municipalitaet ausgeliefert werden sollte. Als der Steinberger ins Dorf Büttchen kam, wo die Truppen logirten, da trafe er schon den Cremer in Freyheit, weil der Capitein ihn losgegeben hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Heut gieng das gestrige Bataillon wieder auf Neus. Die Nachricht vom Waffenstillstand erhällt sich noch. Deswegen sollen die Truppen auseinander verlegt werden. Seit 3 Tagen sind keine Wachen am Rhein, doch wird nur bey Nachtzeit Frucht übergefahren. Kornpreis 9 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[213]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;. &amp;lt;s&amp;gt;Gestern kame wieder ein Bataillon an, welches heut in die Gegend von Neus giengen.&amp;lt;/s&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Um Mittag kamen 4 Compagnien hier ins Dorf, welche lange Zeit hier liegen bleiben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Weil die Truppen kein Fleisch in Kölln bekommen hatten, so muste die hiesige Gemeinde solches hergeben. Es ward ein Ochs gekauft und solches Fleisch ausgetheilt. Es sind keine Wachen am Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Weil die Truppen auch kein Brodt bekommen hatten, so muß jeder Einwohner auch seine Soldaten damit versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Die Witterung ist wie im Mey: Bäum und Kraut beginnen zu keimen und zu wachsen. Die kleinen Bohnen grünen ebenfals, welche sich selbst gesähet haben, weil es noch fast nichts gefroren hat. Kornpreis 10 Reichstahler. – Vor ein paar Tagen bekamen die Soldaten Ordre, am Rhein Posten zu stellen, damit keine Frucht ins Bergische geht. Die Linie, welche gemäß dem Waffenstillstand für die Truppen gezogen ist, besteht auf folgende Art: Die Franzosen besetzen von Sohlingen die Wupper bis oben Rheindorf, dann auf dieser Seythe das Rheinufer hinauf, über Koblenz, Trier auf Landau hin. – Es ist keine Zeit bestimmt, wann der Waffenstillstand aufhören soll. Nur wenn einer von beyden selbigen brechen will, so muß solches 10 Tag zuvor angesagt werden. Die Truppen werden ins Jülicher-Land, auf Geldern hin und rund umher ins Land auseinander gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Heut gienge das seit dem 8ten hier und in Horm, Delven etz. gelegene 2te Bataillon von hier auf Zons, und 4 Compagnien vom 3ten Bataillon, so in Worringen etz. lag, rückte hier ein. Es ist schon das drittemal, daß diese Truppen hier logiren. Die Nordarmee, welche in Düsseldorf und dem Bergischen waren, sind nach Brabant aufgebrochen. Deswegen ist diese Bewegung. – Das Wetter ist noch anhaltend schön. Wenn nur nicht endlich der Frost kömmt, wenn&#039;s Frühling ist. Man arbeitet eifrig an dem Lande, welches nun schon 2 Jahr brach gelegen hat. – In der Runde von Düsseldorff werden noch immer Batterien gemacht und verschiedene Häuser und Meyerhöfe abgebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Es sind nur noch 3 Compagnien Füsser hier, die sich recht ordentlich betragen. Der General Jacobin, so im Frohnhof zu Worringen lag, ist auf Neus gegangen. Er gab den strengsten Befehl, daß der Dreck hier im Dorf aufgeschlagen und weggeschaft werde. Die Schefen supplizirten, daß sie hiesige Leuthe frey von Batterienarbeiten und die Pferde vom Park sind. Nun ist der Dreck alle aufgeschlagen, und man kann bey dem schönen Frühlingswetter gemach durch den Fuhrweg gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Das Korn schlägt ab, und man kauft das Malder schon um 8 Reichstahler. Und das Malder Haber, das man noch vor Kurzem um einen Decaten gab, bezahlt man izt mit 3 Reichstahler. – Die Soldaten betragen sich gut. Deswegen wird seit 8 Tägen wieder Bier, Wein und Brandwein geschenkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[214]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Kein Mensch erinnert sich, je einen so linden Winter erlebt zu haben. Auf den Wiesen blühn schon Schlüsselblumen, der Kohl in den Gärten ist bis zu hohen Knospen aufgeschossen, und alles ist am wachsen. Sonderbar ist es, daß im abgewichenen Jahr vieles Heu nicht einmal gemähet wurde – hauptsächlich, weil die Arbeitsleuth zu theuer und nicht zu haben waren. So hat der Peter Porten, in Rheinfeld wohnhaft, im Monath Januarius mehr dann fünftausend Pfund Heu im Kolk unter den Perschen gehauen, getrocknet und zu 48 Stüber der Centner verkauft. Der hiesige Commendant will absolut den im Dorf aufgeschlagenen Dreck fortgeschaft wissen. Die Leuthe, welche keine Pferde haben, fahren solche mit Schupkarren in die Höfe und Gärten. Auch wird dienstweise Grind ins Dorf gefahren. – Von den am 22ten vorigen Monats hier eingerückten Truppen sind izt nur 3 Compagnien noch hier. Sie betragen sich sehr gut und machten sich diese Fastnacht mit den Dorfjungen recht lustig. Bey dem Bäcker Heinrich Meuser gegen der Pastorat war Musik. – Die Fasten-Verordnung erlaubt, an allen Tägen der Fasten Fleisch zu essen. Nur ist der Aschermittwoch und der Kahrfrey- und Samstag davon ausgenohmen. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Schon kommen die Merzerstürme, und man glaubt auch nun, es wird kein Frost mehr geben. Heut wurde die Tochter der Margaretha Flok, Wittib des Joannes Hackenbroich, namens Gertrud, mit einem französischen Sergeanten, namens Fridrich Baur, aus dem Pfälzischen bey Speyer gebürtig, von unserm Pfarrer getraut. Zuvor muste der Soldat noch einen Eid ausschwören, daß er nicht getrauet, noch mit einer andern ehelich versprochen sey. – Vorige Nacht um 2 Uhr kame der Müller Gerhard Weber von der Worringer Mühle mit dem Jungen hiehingelaufen, weil er das hiesige Dorf in Flammen gesehen hatte, ohne daß wir etwas vom Brand wüsten. Da ich nicht an Vorgeschäfte glaube, so beunruhigt mich das nicht. Indessen hat diese Sage doch viel Unruh und Aufruhr hervorgebracht, da der allgemeine Glaube noch an Vorgeschichten hängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Bisher hatten wir noch keinen Frost. Nur diese Nacht machte es ein wenig Eiß, drauf folgte ein schöner Frühlingstag. Man hört nichts Neues, und die Gerüchte vom Frieden sind gänzlich ins Stocken gerathen. Hier, in Rheinfeld und Horm sind nur 2 Compagnien Fußvolk und 15 Dragoner vom 14ten Regiment für die Correspondenz. – Am Petri-Stuhlfeyer-Tag wollte der Scheffen Bremer sein Bürgermeisteramt niederlegen. Man bath ihn aber, selbiges noch ein viertel Jahr zu verwalten. – Der Dreck ist beynah alle aus dem Dorf geschaft, und die Löcher werden mit Sand gefüllt. Die Straaß sieht dermalen einem Pflaster ähnlich. Das Malder Korn wird izt um 8 Reichstahler gegeben. So streng auch die Ausfuhr ins Bergische verbothen ist, so wird doch bey Nacht Vieles auf Monheim hinübergebracht, wozu die Soldaten gegen ein Trinkgeld sich bereitwillig finden lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[213]&amp;lt;ref&amp;gt;Ab hier abweichende Paginierung der Vorlage.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Gestern Nacht ward einem bey der Wittib Küpper im Löwen logirten Dragoner ein Pferd gestohlen. Es ist eine sehr elende Sache in solchen Fällen. Der General Collo kame eben ans Posthaus. Der Schefen Steinberg und Vorsteher Thomas Delhoven kündigte ihm solches an, und der General entschied, daß die Wittib Küpper entweder das Pferd bezahlen solle, oder man würde ihren Sohn nach Neus ins Prison führen. In Ermangelung des Ersteren ist wirklich heute der Sohn Joan Joseph Küpper durch zwey Dragoner auf Neus geführet worden, doch durfte er sich einer Chaise bedienen. Es ist eine Bande Pferds- und Kuhdiebe, die sich in der Gegend von Neus aufhalten. Der Wirth Prosch an der Neusserfurth wird hart bezeihet. Vor 14 Tagen wurden hier im Dorf 2 Kühe gestohlen. Man fand sie in dem kleinen Häuschen, wo die Schifbruck zu Grimmlinghausen anfährt. Die Frau mit ihrem Buben und noch einem Unbekannten sitzen zu Hülchrath im Gefängniß, und die Kühe sind wieder hier. – Nun muste diesen Nachmittag die Gemeinde-Klock gezogen werden, und es wurde vom Commendanten verordnet, daß keiner ohne Paß vor dem Dorf schlafen darf, daß die Wirthe niemand logiren, der nicht beym Commendanten sich angegeben hat etz. Ferner ward eine Prison-Strafe auf die Feld- und Gartendiebereyen den Einwohnern bestimmt. Und abends nach 10 Uhr soll sich keiner weder in Wirthshäusern noch auf der Straße sehen laßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Der Frost ist alle Nacht stärker, und heute war es gräslich kallt. – Gestern Morgen schrieb die Zeitung, daß (nach Privatbriefen) der Friede wirklich geschlossen wäre. Und gestern Abend erhielt ich eine Extra-Beylage, welche Ersteres bestättigte. Am 5ten Merz soll zu Aachen ein allgemeiner Congress gehalten werden, wo alles berichtiget werden soll. Viele zweifeln noch am Frieden. – Heut ware ich zuerst in Düsseldorf, wo ich die Verwüstung sahe, welche das erste Bombardement am 2ten October 1794 verursachte. Der nördliche Flügel des Schlosses ist ganz niedergebrannt. Nur das Mauerwerk ist stehn geblieben. Die Franzosen hatten die Kanonen doch meisterlich gerichtet, denn gegenüber und neben dem Schloß wurde nichts an den Häusern beschädigt. Von einer andern Batterie wurde der Kurfürstliche Marstall beschossen, der auch ganz verbrannte, und noch einige Häuser mit in Asche legte. Viele Kayserliche und Pfälzer plünderten die Bürger-Häuser, indem sie die Bewohner zum Löschen forttrieben. Die meisten entflohn während dem Brand aus der Stadt. Die Verwirrung war aufs Höchste gestiegen, und nach einigen Tagen befahl der Kayserliche General, daß alle Einwohner wieder in ihre Häuser zurück kehren sollten. – Izt werden rund um die Stadt fürchterliche Batterien errichtet, die kurz hinten dem neuen Hofe neben dem Rhein anfangen und rund um Düsseldorf gehen. Schon sind deren 38 fertig, und einige hundert Bauern sind noch thätig daran beschäftigt. Nicht allein aus dem ganzen Bergischen, sondern auch aus der hiesigen Gegend bis Bollrath neben Kölln müssen alle Dorfschaften Arbeiter dahin schicken. Dormagen ist frey davon, weil wir die Landstraß machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[214]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Merz&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Noch bestättigt die Zeitung die Nachrichten des Friedens. Indessen zweifeln noch sehr viele. Dennoch glaube ich mit Zuversicht, daß es Friede ist. – Es macht greulich kalt. Der Rhein treibt dicht mit Eiß, und die schwersten Lastwägen rollen über den steinharten Boden. Vor 14 Tagen kamen 2 Flotzen den Rhein hinab. Als sie in der Gegend von Düsseldorf kamen, fiel der Frost ein. Es war zu kalt für die Ruderer, und nun liegen sie gegen Düsseldorf und erwarten günstiges Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Mit dem Frieden ists nichts. Ein Jud zu London hatte eine französische Zeitung mit der Nachricht drucken lassen, um durch das Steigen und Fallen der Actien zu profitiren. Die heutige Zeitungen wiedersprechen allen friedlichen Sagen. – Der am 28ten Februar auf Neus geführte Joseph Küpper sizt noch vest auf dem Rathaus zu Neus. Seine Familie hat bereits bey den Generälen und Verwaltungen um Hülf angefleht, aber es will nicht gehen. Die Schefen lassen der Sache geruhig ihren Lauf, weil die Küppers, auf ihre eigne Hülf oder Kräfte vertrauend, sich geäussert hatten, daß sie auch ohne Zuthun der Scheffen im Stande wären, ihren Sohn und Bruder zu erlösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Gestern ist der General-en-Chef der Sambre- und Maas-Armee von Paris in Kölln angekommen. Die Kanonen wurden gelöset, und nach einem &amp;lt;s&amp;gt;prächtigen&amp;lt;/s&amp;gt; köstlichen Soupe folgte ein prächtiger Ball. – Die Ordonanzen gehn sehr stark. Man sollte glauben, es müste bald Bewegung unter den Truppen geben. – Die Kälte hält noch stark an. Es friert in Häuser und Ställe, die auch noch so warm sind. Man zahlt von der einzelnen Person 9 Stüber Fahrgeld über den Rhein. Kornpreis 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Heut gienge der General Jourdan hierdurch auf Düsseldorff. Der Zug ware sehr prächtig und bestand wohl in 40 Personen, alle Wohlberittene. Der General saß auf einem Fuchs, dessen Geschier alle reich mit gediegenem Gold ausstafirt war. – Vergangene Nacht wurden an der Piwitte 30 Malder Korn von einem Soldaten arrettirt, welche hinüber geschaft werden sollten. Sie gehörten dem Kaufman Gerhard Schwidden von Delven. Er hatte dem Corporal von der Wache 8 Kronthaler gegeben. Dieser ließ ihn dann auch frey schaffen und schickten einen andern Soldaten, der die Frucht in Arrest legte. Der Schefen Steinberger sprach desfals mit dem General Jourdan, welcher erklärte, das gienge den General Collo an. Der Schwidden gienge zu diesem und ward mit Prügeln abgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Es friert noch alle Nacht, und es ist Eiß im Rhein. Kornpreis 9 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Es hat die Nacht nichts gefroren, und dauet so ganz trocken ohne Regen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Montag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen 7 Uhr brach in den Ställen der Erben Sturm im Schwanen Feuer aus. Der Wind kam vom Nöthsteine, doch nicht stark. Alles Vieh und Geschier wurde gerettet. Nur ein Geisbock fand in den Flammen seinen Todt. Da es sehr trocken war und die Funken weit umher sprüheten, so muste auch auf den nahen Strohdächern gelöschet werden. Auch von den Ställen im Schwanen wurde noch Vieles gerettet. Nur der Knechten Kleidung verbrennten alle. Es ist heute just 4 Wochen geworden, daß die Worringer Müller das Vorgeschäft gesehen hatten. – Von Worringen waren zeitig zwey gute Brandspritzen mit vielen thätigen Einwohnern hier. Auch die Zonser Brandspritze wurd hieher geführt. Jene Ställe waren auch im Jahr 1740 abgebrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[215]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Nachts friert es zwar noch etwas, doch arbeitet man fleißig in den Gärten. Der lezte Frost auf die nackte Erde hat die Winterfrucht vom Unkraut gereinigt. – Auch brennten gestern Abend in Nivenheim 2 Häuser ab. Seit 14 Tägen brennte es fast täglich in der Gegend umher – vielleicht, weil alles so trocken ist und leicht Feuer fängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Gestern Abend brennten im Hamm 3 Häuser ab, und diesen Abend brach auf dem Stürzelberg Feuer aus, wo 8 Häuser und einige Scheuern ein Raub der Flammen wurden. Man weis nicht, woher diese öftere Unglücke entstehen; wahrscheinlich durch das Tabackrauchen oder sonst durch Verwahrlosung des Feuers, wie man auch anders hier im Schwanen nicht weis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Einen Tag sind die Nachrichten friedlich und den andern wieder Krieg. Die Ordonanzen gehen doch so stark, daß man eine Bewegung vermuthet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Es ist noch immer trocken, und nachts friert es etwas. Bey diesem guten Wetter haben die Leuthe allen Mist ausgefahren. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber. – Heute, als am Palmsontage, war die Prozession sehr zahlreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Gestern Abend starb der Kayserliche Posthalter Adolf Sturm im 42ten Jahr seines Lebens. Er war ein sehr reicher Mann und von vorzüglicher Herzensgüte. Man kan wohl sagen, der braveste im Dorf. Vor 2 Jahren heyrathete er die Frohntochter von Monheim, Agnes Peters. Sie führten eine englische Ehe, und das machte ihm den Todt schwer und sie untröstlich. Jederman wünschte ihm ein langes Leben, allein, es war im Rath der Götter beschlossen, daß er sterben sollte. Gestern Mittag giengen die Knechte noch zur guten lezt hinein, um ihren Herren zu sehen. Die Gattin, welche man nicht mehr hinzulies, drängte sich durch und fiel über den Kranken her. Man brachte sie weg, und sie sank ohnmächtig zur Erde nieder. Seitdem liegt auch sie von Schmerz und Betrübniß krank. Er hatte durch starkes Trinken in seinen jungen Jahren sich den frühen Todt bereitet. Wenig Freudiges ward ihm in seinem Leben, denn seine geitzige Mutter vergällte ihm die schönsten Vergnügungen. Und als sie gestorben war, da drückte ihn die Last des Krieges. Es blieb ihm vorenthalten, das Süße des Friedens zu kosten. – Heute verliessen uns die seit dem 22ten Januar hier gelegene 2 Compagnien Infanterie von der 10ten Halb-Brigade. Sie giengen auf Zons, und wir bekamen 2 Compagnien von der Division Bonnar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Heut Abend 7 Uhr ward der Posthalter in die Kirche begraben. Alle Kinder der Pfarr giengen mit. Der Zug war sehr groß. Zwanzig Buben mit Fackeln giengen in einiger Entfernung zwischen den Trauernden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten, als am Karfreytag, giengen wir nachmittags 5 Uhr mit der Prozession aus. Weil aber der Wind mit Schnee und Hagel sehr unfreundlich that, so kehrten wir durch die Nettergasse wieder zur Kirche um. Wir sangen daselbst noch das &amp;quot;Miserere&amp;quot; und beschlossen die Andacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Es friert noch alle Nachts, und im Tage kommen die Merzenstürme. Der jüngste Frost hat das Korn von der ausgelofenen Haber und vom Unkraut gereinigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[216]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; – Die hiesige Truppen musten heut auf Neus aufbrechen, weil die Divisionen vollzählig gemacht werden, wodurch deren einige eingehen. Um 7 Uhr versammelten sich schon viele Truppen hier. Dies dauerte bis 10 Uhr. Deswegen fieng da erst das Hochamt an, ohne Predig. Nun sind wir diesen Abend von Soldaten frey. Nur liegen einige und 20 Chasseur für die Correspondenz hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Diese Tage haben wir keine Soldaten hier, obschon in den übrigen Ortschaften alles besezt ist. Am 30ten kamen doch wieder 3 Compagnien hieher. – Der Sohn der Wittwe Küpper (siehe am 6ten Merz) ist vor den Ostertagen aus dem Prison von Neus zurückgekommen, ohne das Pferd zu bezahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Aprill&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten wurden 2 Compagnien von hier auf Straberg und Gohr verlegt. Die Abgaben überhäuften sich dieser Tage sehr: Es sollte von Alters pro Morgen 8 Stüber Fleischgeld bezahlt werden, noch 6 Centner Fleisch, noch die fünfte Kuh geliefert, wieder in dem auf das Land gelegten gezwungenen Anlehn 50 Reichstahler bezahlt werden. Joann Steinberger, Joseph Sturm und Thomas Delhoven haben durch anhaltende Reisen zwischen dem Kriegskommissair und Administrator alles einsweilen in Stillstand gebracht. Geld kostet dieses freylich, aber das Dorf gewinnt doch ungemein dabey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Es friert nachts noch immer etwas. Im Tage ist&#039;s dann trocken und schön. Indessen nimmt das Korn im Feld stark ab, dadurch, weil der Wind so schraf ist. – Man kan nicht klug daraus werden, ob&#039;s Krieg oder Friede ist. Die Gerüchte des lezten waren dieser Tage sehr lebhaft, und doch zweifelt man noch stark an Wahrheit. Unterdessen vertragen sich die Soldaten sehr gut, besonders mit dem Frauenvolk. Die Klage darüber ist allgemein in den Landen zwischen Maas und Rhein. Auch hier ist&#039;s schon so weit gekommen, daß die Dorfjungen ein Lied darauf gedichtet, worin mehr dann 20 Mädchen wegen allzugroßer Anhänglichkeit an die Franken beschudiget werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Bey diesem trockenen Wetter sieht man fast täglich einen Brand. So gienge auch vorgestern der Gillerhof im Rauch auf. 2 die besten Pferde mit mehreren Kühen konnten nicht gerettet werden. In Zons schluge man auf die Klocke, weil man glaubte, es wär in Horm. Der Schade ist sehr groß, weil viele Früchten mit verbrennten. Die 2 Pferde waren bey den jetzigen Preisen mehr dan 200 Kronen werth, da man eine gute Kuhe schon mit 100 Reichstahler bezahlt. – Dieses schrafe Wetter ist sehr nachtheilig für das Feld. Das Korn schießt spitzig auf und verspricht eine schlechte Erndte. Wir haben in Dormagen, Rheinfeld und Horm nur 2 Compagnien Soldaten und 10 Dragoner für die Correspondenz. Das Hauptquartier des General Jourdan ist noch in Kölln, und der Brigade-General Pastul logirt beym Controleur in Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[217]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten, &amp;lt;u&amp;gt;Gottestracht&amp;lt;/u&amp;gt; – Nie wurde dieser Tag so feyerlich gehalten wie heute. Um 5 Uhr war die erste Meß und um 7 das Amt, wobey 34 Kinder zum ersten Mal kommunizierten. Vor der Meß hielt der Pastor eine Anrede an die Kinder. Die Meß ward gelesen, während daß der Küster den Kindern vorbethete, welches mit Gesängen abgesezt wurde. Bey der lezten Communion des Priesters theilte er auch den Kindern das Nachtmahl mit, hielt dann eine bündige Anrede an die Elteren und vollendete die Meß. – Wie wir mit der Prozession an der Kirchthüre austraten, begleiteten 5 Soldaten mit einem Corporal das Hochwürdigste, und der Chef hatte den hier cantonierenden Soldaten Ordre gegeben, wo die Procession vorüber gienge, den Huth abzuziehen und sich auf die Knie zu setzen. – Die Kinder, welche zur ersten Kommunion gegangen waren, kamen jedes mit einer Wachskerze und mit einem rothen Band auf der Brust unten auf der Landstraße zu der Procession. Vor ihnen wurde das Venerabel-Fähnchen getragen, und sie begleiteten die Procession bis in die Kirche. – Zwischen Horm und Zons begegneten uns 3 Soldaten, und als diese sich nicht knien wollten, trat der Corporal hervor, und sie gehorchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten war das Wetter so schön wie gestern. Seit dem Jahr 1770 ware es verbothen, am Hagelfeyerstag das Hochwürdigste mitzutragen. Heute hat der Pastor zu erst wieder selbiges umgetragen. Die 5 Soldaten begleiteten wieder die sehr zahlreiche Procession.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Das Wetter ist noch anhaltend trocken. Vor die Wintersath müsten wir zwar Regen haben, hingegen wird viel (durch den Krieg vernachlässigt und verwüstetes) Land zur Habersath herrlich zubereitet. Täglich werden ungeheure Haufen Quichen in Brand gesteckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Die Soldaten, welche seit dem Ostermitwoch hier waren, musten heut auf Neus aufbrechen. – Noch stehen die Wachen am Rhein, um Acht zu haben, daß keine Frucht und keiner ohne Paß hinüber geht. – Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 3 Reichstahler 15 Stüber. – Man hat es so weit gebracht, daß von der vom Rhein verdorbenen Länderey an Contributionen und Fleischgeldern nichts mehr bezahlt wird. Dormagen hat izt also nur 15 bis achtzehnhundert Morgen im Anschlag. Gestern muste man vom Morgen 8 Stüber 4 Heller Fleischgeld bezahlen, weil wir unsere Kühe nicht hergeben wollten. – Jenseits stehen die Franzosen noch ruhig an der Wupper und die Kayserlichen an der Sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Gestern kamen 2 Compagnien hier an, welche diese Nacht um 2 Uhr auf Neus giengen. Um 10 Uhr kame ein Bataillon hieher, welches so vertheilt wurde, daß wir nur eine Compagnie mit dem Chef hier behielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[218]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1796&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Aprilis&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Man findet schon Kornähren und verlanget auf Regen. Die Soldaten verhalten sich recht gut. Übrigens heißt es wieder &amp;quot;Krieg, Krieg&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Die Requisitionen sind übertrieben stark. In voriger Woche muste vom Morgen Land 8 Stüber 4 Heller Fleischgeld bezahlt werden. Davon ist doch nun das vom Rhein 1784 verdorbene Rheinfeld ganz frey. Nun fodern die Franzosen wieder Heu, Haber, Korn und Weitzen. Deswegen ist Vorsteher Thomas Delhoven schon 8 Tage fast beständig auf Reisen, zu den Commissairs, Administrator und Mayer. Auch ist&#039;s nun entschieden, daß es kein Friede gibt, denn in Italien ist schon der fünfte Feldzug eröfnet, und die Kayserlichen sind schon geschlagen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristi Himmelfahrt&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut wurde die gewöhnliche Prozession mit vieler Feyerlichkeit begangen. 5 Soldaten begleiteten wieder das Hochwürdigste, und die hier logirte 10 Personen starke französische Musickbande gieng ebenfals mit und spielten zwischen jedem Vers ein Stück. Sie bekamen eine Karolin, welche gute Freunde beysammen legten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Bisher ware es trocken und unfreundlich. Diese Nacht erst fiel ein heilsamer Regen, der doch für die Winterfrucht zu späth kömmt. Indessen ware das anhaltende trockene Wetter für das rauhe Land, welches vorigen Herbst mit Winterfrucht hätte besähet werden müssen, se[h]r gut. Vom Krieg und Frieden ist izt keine Rede mehr. Die Soldaten betragen sich sehr gut. Hier im Dorf liegt nur eine Compagnie Füsser, 20 Dragoner, der Chef mit dem Etat-Major und die Musicanten, welche am Abend vor dem Schwanen Musick machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Die Kayserliche haben in Italien derbe Schläge bekommen. Die Franzosen waren schon bis Turin vorgedrungen, als der König von Sardinien für gut befand, Waffenstillstand zu machen. Jedoch muste er verschiedene Vestungen und besonders Alessandria den Franzosen einräumen, so daß diese nun auf der Gränze des Österreichischen Mayland stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Noch ist hier alles still. Die Soldaten vertragen sich sehr gut mit den Einwohnern, und die Lieferungen bestehen für uns nur in Heu und Haber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fronleichnam&amp;lt;/u&amp;gt; – Die ganze Division Collo, welche hier und rund umher kantonirt, soll sich über den Rhein ziehen und an der Wupper lagern. Der Waffenstillstand ist aufgekündigt, und am 31ten Mey fangen die Feindseligkeiten an. Nach dem hohen Amt giengen wir die Prozession. Am Lämbchen ware die erste Station. Wir giengen um die Gärten. An der Linde hinter dem Kirchhof war die zwote, an der Nettergasse die dritte. Da giengen wir herein, und auf dem Kirchhof war die vierte Station. Wir machten den Weg so kurz, weil das ganze Bataillon hier zusammen kommen sollte, welches auch zum Theil hier einlogirt ward.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[219]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Heute Früh um 4 Uhr versammelten sich hier 2 Bataillons, welche ihren Marsch auf Düsseldorff antraten. Sie waren seit dem 24ten Aprill hier und hatten sich vorzüglich gut aufgeführt. Die zwey Divisionen Le Fevre und Collo sind nun ganz über dem Rhein. In der Gegend von Düsseldorff ist es so voll Soldaten, daß die Häuser ganz angefüllt sind. – Der Administrator Neesen ist jetz unserm Dorf sehr gewogen. Da wir an Fourage so viel übergeliefert haben, so hat die Municipalitaet zu Zons Befehl, uns nichts mehr an sonstigen Abgaben zu fodern. Es heißt, auf der Stürzelberger Heyde soll ein Laager bezogen werden. Deswegen muß der ganze Canton hieher Stroh liefern. Es wird in unsere Scheuer oben der Kirche niedergelegt. Jakob Steinberger und ich haben die Aufsicht darüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Noch 6 Dragoner sind hier für die Correspondenz. Sonst ist kein Soldat mehr im Dorf. Ich trafe heut beym Controleur in Zons den General Bastull, welcher von Hittorff noch einmal zurück kam, um seinen Wirth zu besuchen. Die 2 Divisionen lagern schon an der Wupper, und in Monheim ist kein Mann mehr. Es sind izt keine Wachen mehr am Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Junius&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Die Franzosen sind schon über die Sieg vorgedrungen. 42 Husaren von den Kayserlichen waren nur als Vorposten an jenem Flusse, welche einen General-Adjutanten der Franzosen stark blessirten. Wir haben keine Soldaten mehr im Dorf, ausser den Ordonanzen und was so auf- und abzieht, als gestern Abend 60 Piconiere etz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Heute wurden wieder einige und 20 Karrigen Stroh hieher ins Magazin geliefert. Es kömmt meistens von der Gillbach und aus dem Griesberg. – Das Wetter ist trocken und kalt. Deswegen will das Korn noch nicht recht blühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Man hört sehr wenig von der Armee. Der linke Flügel jenseit des Rheins geht noch immer vorwärts und ist schon Neuwied vorbey. Es wurden viele Kayserliche zu Gefangenen gemacht. Hier geht es izt sehr ruhig zu. Wenig Ordonanzen gehn hindurch, doch kamen gestern einige schwer verwundete Chasseur und Pferde auf Neus. – Am 4ten hörten wir von morgens früh bis 1 Uhr eine starke Kanonade, und nun vernimmt man, daß es die Bataillie zu Altenkirchen obig Siegburg war, wo die Kayserlichen ein verschanztes Lager von 6.000 Mann hatten. General Collo attackirte. Die Kayserlichen hatten Ordre, sich bis auf den lezten Mann zu wehren. Endlich schickte Prinz Wirtenberg eine Stafette, daß sie retiriren sollten, welche von den Franzosen aufgefangen wurde, und diese nahmen das ganze Kayserliche Korps gefangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Allenthalben werden die Kayserlichen geschlagen. Dieses bringt uns vorerst Ruhe und endlich Frieden. Das Malder Weitzen gillt 6 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[220]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Heut hatten wir das erste Donnerwetter mit Regen. – Die Franzosen haben eine strenge Verordnung ergehen lassen, daß keiner zu Gunsten der Kayserlichen sprechen darf. &amp;lt;s&amp;gt;Der Preusische Posthalter Speyman in Kölln, der sich dagegen vergas, sizt in dem Gereons-Loch auf Wasser und Brodt.&amp;lt;/s&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Die Franzosen waren durch das Bergische bis an die Lahn glücklich fortgegangen. Daselbst aber empfiengen sie die Kayserliche, so daß die Franzosen schon gestern an der Sieg standen. Wahrscheinlich geht ihre Retirade auf Düsseldorff, und wir kommen wieder mitten in den Krieg. Die Franzosen haben ausserordentlich gelitten. Gestern und heute kamen viele Blessirte hiedurch, so daß auf den Abend in jedem Hause etwas einlogirt war. Der Vicarius bekame diesen Mittag mit 8 Chasseur Streit wegen dem Essen. Es kame zu Schlägerey, und die Chasseur nahmen den Vicarius gefänglich mit auf Neus. Der Scheffen Steinberg und mein Bruder Thomas Delhoven brachten ihn aber durch gute Worte noch vor dem Dorfe los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Heut morgens 8 Uhr kamen die ersten Rüstwägen, Marquetenter und Kavalleristen, welche leztere theils ihre Regimenter verloren hatten, theils blessirt waren. Der Zug dauerte bis nachmittags 4 Uhr. Alles gienge auf Neus, und die Armee zieht sich durch das Bergische in die Verschanzungen zu Düsseldorff. – Als die Franzosen an der Lahn geschlagen waren, da zohen sie sich zurück auf diesseit der Sieg, wo vorgestern noch ein gräsliches Treffen geliefert wurde, das auch ganz zum Nachtheil der Franken ausfiel. Es war eine Schlacht, so blutig, als noch jemal eine gehalten wurde. Nun flohe alles, was fliehen konnte. Die Kanonen wurden zu Düsseldorff in die Verschanzungen gefahren, und die Häuser ausser den Werkern abgebrochen. – Diesen ganzen Tag herschte Ruh und gute Ordnung im Dorf. Es wurde kein einziges Pferd zum Vorspann gegeben, und so groß auch noch der Durchzug war, so wurde doch nichts fouragirt. Auf den Abend wurden verschiedene einzelne Soldaten einlogirt, und man vernimt von der andern Seythe, daß die Franzosen im Monheimer Feld, auf Reusrath zu, lagert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Schon vor Tagesanbruch waren die Franzosen auf der andern Seithe aufgebrochen und wichen hinab auf Düsseldorf. In Baumberg und auf den einzelnen Höfen ward wieder stark geplündert. Die Kayserlichen sollen, wie es heißt, sich wieder hinten die Sieg zurückgezogen haben. – Hier passirten eine Menge Bagage und Brodtwagen hinab auf Düsseldorff. Es sind hier noch keine Wachen am Rhein, noch Soldaten einlogirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[221]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Heut wurde hier eine Compagnie Fußvolk von der Nordarmee einlogirt. Sie bezohen am Abend die Wachen am Rhein, welche seit dem 27. Mey nicht besezt waren. Dormagen muß nun auch täglich 4 Mann nach Düsseldorff auf die Batterien schicken. Die Gemeinde gibt jedem täglich 10 Stüber Zulage. Doch wird seit gestern nicht mehr an Batterien gearbeitet, sondern alle Arbeiter müssen um die Stadt Häuser abbrechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Wir hatten eine zeitlang abwechselnd trocken-kalt, naß und warmes Wetter, doch ware noch kein Regen an die Wurzel gekommen. Bis gestern Morgen erhielten wir mit einem vorüberziehendem Donnerwetter einen starken Regen, der schon 24 Stunden gedauert hat. – Diesen Morgen früh schickte der Scheffen Schmitz ein Pferd zum Beschlagen in die Schmidt. Eben kame ein Commendant, welcher eine Ordre auf Kölln ritt. Sein Pferdt ware ermüdet, und er wollte das Pferd des Schefen Schmitz an statt des seinigen bis Kölln mitnehmen. Die anwesende Söhne des Schefen Schmitz wiedersezten sich, und es kame zur Schlägerey. Man gabe dem Ofizier ein anderes Pferd, und er ritt auf Kölln. Der Commendant von dem Fußvolk wollte gleich die Söhne des Schefen Schmitz oder den Vicarius in Verhaft nehmen. Eben passirte ein Commissair-Ordonateur-en-Chef. Man meldete es ihm, und er gab dem Commendanten Befehl, die Gemeinde in Ruh zu lassen. Sogleich kame auch die Ordre, daß die Truppen nach Zons aufbrechen musten. Nun blieben noch 8 Dragoner für die Correspondenz hier, welche gleich den Vicarius oder dessen Bruder in Verhaft nehmen wollten. Diese hatten sich entfernet. Es ward dunkel, da giengen sie zur Wohnung des Schefen Schmitz, wo sie keine Mannspersonen fanden. Sie foderten 2 Pfund Speck, 25 Eyer und 1 Maas Brandwein, blieben dann die Nacht in dem Hause des Schefen Schmitz. Auch kame diesen Nachmittag ein Grenadier mit einem Biliet für zu Erfrischen bey dem Jacob Fitgen auf der Gasse. Die Söhne bekamen Streit mit selbigem und schlugen den Soldaten zur Thür hinaus. Die Dragoner gesellten sich dazu und schlugen dem Jacob Fitgen alle Fenster und Schüsseln entzwey. Sie durchsuchten noch des Abends um 11 Uhr die Wohnung des Pastoren, ob der Vicarius da wäre, fanden ihn aber nicht, weil er sich auf Hackenbroich geflüchtet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Diesen Morgen waren die Dragoner schon bey Zeiten am Saufen. In dem Hause des Schefen Schmitz durfte sich keine Mannspersohn sehen laßen. Das ganze Dorf war in Unruh und Ängsten. Da kamen 3 Compagnien Fußvolk von der Nordarmee hieher, und es wurde ein Bericht an den General in Kölln abgeschickt. – Täglich kommen mehr dan 100 holländische Kühe hiedurch zur Armee. Sie logiren für Geld alle Nacht hier im Dorf. Die Fleischrequisitionen hören nun auf. – Man glaubte, die Kayserliche würden bald die Franzosen vom Rheine schlagen. Jetz aber zweifelt man sehr daran. – Wir sind durch Bestechung von den Batteriearbeiten frey zu Düsseldorff, und man spricht wieder viel vom Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[222]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Diesen Morgen musten die gestern angekommene Soldaten fort auf Kölln. Die Armee zieht sich wieder hinauf und ist schon Mühlheim und Deutz passirt. – Die Geschichte des Scheffen Schmitz ist noch nicht beendigt. Gestern Abend wurde beym Pannes viel Wein getrunken von den Ofizieren und dem Ortsvorstand. Bey Steinberger zechten die Dragoner und Chasseur, welche sich zulezt die Nacht ins Haus des Schefen Schmitz bey 10 Maas Wein holen liessen. Dieses geschieht alles auf Rechnung des Beklagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Gestern wurde der hiesige Bürgermeister Bremer nebst dem Dollmetscher Schmitz mit 2 Dragoner auf Kölln zum General geführt, um den Vorgang des Scheffen Schmitz vorzutragen. Man wollte anfangs den Bürgermeister gefänglich zu Kölln behalten, bis die Thäter gegen ihn ausgeliefert würden. Endlich schrieb der General eine Execution auf die hiesige Gemeinde. Es sollte nämlich 8 Dragonern jedem so lange täglich ein Kronthaler bezahlt werden, bis die Söhne des Scheffen Schmitz nach Kölln gebracht würden. Es wurde aber mit Geld abgemacht, und nun hat die Geschichte ein End. Indessen fodern 8 Dragoner die zuerst vom General bestimmte Executionsgelder, welche 20 Kronthaler für dritthalben Tag ausmachen. Im Weigerungsfall wollen sie den Vorgang zum Hauptquartier berichten, und man wird auch sich mit ihnen abfinden müssen. – Gestern kamen 3 Compagnien wieder von Kölln zurück, welche heut auf Düsseldorff abgiengen. Am Mittag folgten 2 neue Compagnien, welche einstweilen hier bleiben werden. Auch sind nebst den Dragonern auch 12 Chasseur hier. Diese so wie alle seit einigen Tagen passirte Truppen sind von der Nordarmee. Da sie von den Holländern gut besoldet werden, so gewinnt das Land immerhin. Sie sind prächtig gekleidet und vertragen sich vorzüglich gut. Kornpreis 10 Reichstahler, 100 Pfund Heu 50 Stüber. – Täglich kommen wenigsten 100 Stück holländisches Vieh, welche zur Armee gehen. Sie werden in die Kühbenden getrieben, und der Kaufman zahlt täglich für jedes Stück 5 Stüber Weidgeld an die Gemeinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Der Vicarius ist heute mit seinen Brüdern wiedergekommen, da den Dragoner und Chasseur 8 Kronthaler zur Befriedigung gegeben wurden. Alle Zehrungskosten und sonstige Ausgaben geschahen auf Kosten des Scheffen Schmitz. Das Ganze erträgt wenigstens 60 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Abends 7 Uhr kamen 4 Compagnien von der Nordarmee hier an. Die hier logirte Jäger zu Fuß musten um 10 Uhr noch auf Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten giengen die gestern Abend angekommene Truppen gleichfals auf Kölln. Die französische Rhein- und Moselarmee ist auch nun in der Gegend von Strasburg über den Rhein gesezt und zieht sich ins Würtembergische, während die Sambre- und Maas-Armee schon bis über Neuwied vorgerückt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Wir bekommen nun Regen in Überflus. Ausser 22 Chasseur und Dragoner haben wir keine Soldaten im Dorf. Am Abend kamen 40 Mann Fußvolk hieher, um den Rhein zu bewachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Heut musten die seit einiger Zeit logirte 22 Chasseur und Dragoner aufbrechen. Es kamen schon gestern 5 holländische Dragoner hieher, für die Correspondenz. – Diejenige, welche heut fortgiengen, haben sich sehr übel betragen. Fleisch und Brodt verkauften sie zu Neus, die ganze Zeit hindurch, daß sie hier waren, und wo sie dem Dorf nur etwas schaden konnten, das thaten sie. – Auch die 40 Füsser giengen heut fort, und es kamen 40 andere her. Die Rhein- und Mosel-Armee ist zu Strasbourg über den Rhein gesezt, und die Samber- und Maas-Armee gehet auf Frankfurth. – Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Man fängt allmählig an, Korn zu mähen. Das Malder vom alten gillt 10 Reichstahler. – Die Früchten überhaubt sehen sich gut an, nur Haber ist schlecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Am 16ten dieses sind die Franzosen in Frankfurth eingerückt, und wir haben nun so leicht keine Noth, daß sie zurückgeschlagen werden, und wir können ruhig die Erndte halten, wozu das schöne Wetter erwünscht eintrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Heut gienge ein Bataillon Infanterie von Kölln auf Düsseldorf, und ein anderes gienge von Düsseldorf auf Kölln. Beyde ruheten hier ein wenig aus. In den Wirthshäusern konnte man nicht Geschirr genug beyschafen, doch giengen einige ohne zu bezahlen fort. Ein paar besofene Kanonier wurden mit einer Wache vors Dorf geführt. – Weil es schön Wetter war, so wurde viel eingescheuert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Regen. Die Franzosen gehn mit starken Schritten auf die Österreichische Staaten los, die Mosell- und Rheinarmee kame von Strasbourg über Kehl auf Stuttgard, die Samber- und Maasarmee hingegen gienge über Frankfurth, Würzburg durch Hessen und hat sich mit der Rheinarmee vereinigt, so daß die Kayserliche sich auf die Donau zurückziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Wir leben izt so ruhig, als wenn es nicht Krieg wäre. Vor 3 Tagen musten die hier seit dem 9ten Julius logirte Holländer wieder fort, und es kamen von Düsseldorff 6 Chasseur vom 23ten Regiment hieher für die Correspondenz. Die halbe Compagnie Füsser, so hier sind, haben auf der Piwitte noch die Wache, doch kann jeder frey hinüber kommen. – Seit einiger Zeit sahe man unter der Geldscheidemünze eine ungeheure Menge preußische 3 Stüber-Stücke, sogenannte Kalmuken oder halbe Kassemäncher, und unter diesen mehr dann die Halbscheid falsche. Nun brachten die Franzosen heut einen jungen Menschen von Elberfeld gefänglich hiedurch auf Kölln, der dieses falsche Geld geprägt soll haben. Es waren Gensdarmes und Chasseur zur Bedeckung dabey, und eine Dienst-Karrig muste ihn von hier auf Köln bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Die Erndte ist bey dem guten Wetter schon vollendet. Das Korn ist nicht sehr ergiebig. Ein Drescher trägt täglich höchstens 6 Faß auf. Der Sahm-Weitzen, so nicht in Kalkwasser eingeweicht ward, bringt fast die Halbscheid Brandähren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[224]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Die Franzosen sind in Bamberg und Ulm, und hier ist es izt sehr ruhig. Die halbe hier logirte Compagnie versieht noch an der Piwitt die Wache. – Das Malder neu Korn wird zu 6 Reichstahler verkauft, der Centner Heu aber zu 30 Stüber. – Vor 3 Tagen muste der Gerichtsbott mit einer großen Schelle durchs Dorf gehen und ausrufen, daß jeder die Hunde vesthalten und im Übertrettungsfall 2 Kronthaler Strafgelder erlegen soll. Dieser Befehl ware vom Cantonsverwalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Heut Morgen muste die hier seit dem 6ten July hier logirte Soldaten auf Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten, &amp;lt;u&amp;gt;Mariä Himmelfahrt&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut, als eben das Hoheamt anfienge, passirten hier zwey Bataillons; eins hinauf und das andere hinunter. Es ware nur eine Umwechslung. Sie machen dann hier eine Stunde Halt, um etwas auszurasten. Wo sie können, da schleichen sie in die Häuser, und man muß ihnen etwas zu Essen geben. Deswegen hörten heut viele kein Meß. Und da auch schon einige Soldaten in der Pastorat waren, so ward an statt dem hohen Amt nur eine Leßmesse gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten kamen von Kölln 2 Compagnien Jäger zu Fuß hieher. Es sind die nähmliche, welche am 29ten Junius hier logirten. Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber, Heu der Centner 30 Stüber, Saamen 6 Kronthaler, das Pfund Butter 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Diese Nacht wurde dem Herman Hammelrath sein Pferd gestohlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten kamen noch 60 Soldaten, welche als Depot zu Wevelinghoven lagen, vor eine Nacht hier ins Logis, um zu der Armee zu gehen, welche in Nürnberg und Ulm eingedrungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Es ist noch sehr heis und trocken, so daß man mit Schmerzen auf Regen hoft. Die Sommerfrüchte werden mitein reif.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Die Hitze ist unbeschreiblich, und alles fängt dürr zu werden an. Deswegen kann man schon das 100 Pfund Heu nicht mehr zu 30 Stüber kaufen. – Die Processionen sind dieses Jahr nur von Kölln, Deutz und Bonn nacher Kevelaer gewahlfahrtet. Am 21ten musten die am 16. hier einlogirte Truppen auf Kölln. Es kamen 30 Infanteristen von Neus hieher. – Es darf ohne Paß keine Frucht von dieser Seythe ins Bergische gehen. Deswegen ist ein französischer Aufsichter hier, welcher zu Nachtszeit mit 3 Soldaten am Rhein Patrull macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Der Gerhard Schwidden von Delven hatte von uns Korn zu 7 Reichstahler auf dem Süller gekauft und lies diesen Nachmittag 3 Malder mit Stroh zugedeckt nach der Piwitte fahren. Kaum ware die Karr vor dem Dorf, als zwey Soldaten von Worringen selbige arettirten, erst hier bey den Capitein und dann nach Neus führten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Früh morgens gieng der hiesige Dollmetscher Schmitz mit dem Wirthen von der Piwitte auf Neus, brachten beym Commendanten ihre Klage vor, wie die Soldaten sich erdreistet, 3 Malder Korn wegzunehmen, welche gemelter Piwitten-Wirth zu seiner Nothdurft gekauft etz. Und gleich wurde die arrettirte Frucht losgegeben. Am 22ten regnete es wieder einmal, da der Klee durch die lange Trockenheit so wie alles Grüne verbrennt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten wechselte die hiesige halbe Kompagnie mit einer andern ab. Am 2ten September gienge auch diese fort, und wir hatten die Nacht nichts hier, ausser die 8 Chasseur von der Correspondenz. In Zons logirte die Nacht ein starkes Bataillon, welches von der Nordarmee ist, wovon ein Theil sich hinaufzieht, um die blockirte Festungen Maynz, Manheim und Ehrenbreitstein zu belagern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[225]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten kame wieder ein Bataillon nach Zons, und die Municipalitaet schickte uns 4 Compagnien hieher. Sie verzohen am 4ten, und des Nachmittags kamen wieder 4 Compagnien, welche am 5ten auf Bonn aufbrachen, um Ehrenbreitstein und Maynz zu belagern. – General Jourdan ware schon bis bey Regensburg vorgerückt und Moreau mit der Rhein- und Moselarmee bis über Augsburg. Nach einem blutigen Trefen wurde Jourdan bis Bamberg zurückgeschlagen. Auch that die Besatzung von Maynz einen Ausfall und rückte bis Frankfurth vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Die Samber- und Maasarmee unter General Jourdan ist so zerschlagen, daß sie sich bis diesseits der Lahn zurückgezogen hat. Ausser vielen Blessirten kame auch heut der General Collo hiedurch. Er sagte selbst, dass von seiner Division fast nichts übrig blieben ist. Diese Nachrichten setzen uns in Angst, daß wir wieder die Armee auf den Winter in hiesige Gegend halten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Gestern und heute kamen in kleinen Trüpchen wohl 150 Chasseur vom 6ten Regiment, welche alle auf Nivenheim giengen, wo es eben Kirchweihe ist. Auch kommen sehr viele Soldaten verschiedener Regimenter, welche von der Armee entflohen, und gehen hieher auf die Dörfer, wo sie ehemals logirt hatten. In Wevelinghoven kamen 200 Mann von der 5ten Halb-Brigade der Division Collo.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15. kame die Equipage des General Le Febre nach Zons und hieher. Sie bestand aus einigen und 30 Wagen und Marquetenters-Karren. Hier waren 67 Pferd und eben so viel Mann. Sie lagerten auf dem Feld an der mittelsten Drenk. Doch wurden die Soldaten in die Häuser blettirt, damit man ihnen kein Holz aufs Feld liefern muste. Sie streiften umher und wollten Gemüse hohlen. Die Einwohner aber, welche selbige bewachten, trieben sie ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Es ist izt wohl so heis, als es noch in diesem Sommer war. Die Sommerfrüchten werden fort eingescheuert, und man fängt Korn zu sähen an. – Die Franzosen stehen noch an der Lahn. – Als die Armee so gänzlich geschlagen war, da entlief alles und suchte ihre alte Quartiere diesseit Rheins. Um nun die streitbahre Mannschaft wieder zur Armee zu ziehen, erlies der General Jourdan eine Ordre an alle Munizipalitäten, daß in jedem Dorf der Vorstand ein Verzeichniß aller logirten Soldaten einschicken sollte. Deswegen gienge ich heute mit Adolph Steinberger und Thomas Delhoven durch die Gemeinde um und notirten alle Nämen und Bataillons der Soldaten. Viele wollten ihren Namen nicht sagen, so schrieben wir doch eine Menge erdichteter Nämen auf, um der Munizipalität zu zeigen, wie stark daß Dormagen belästigt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Täglich ziehen kleine Trüppchen Franzosen hinauf, welche von der Sambre- und Maasarmee in der Verwirrung entflohen waren. So wurden auch heute 200 Grenadiere einlogirt, welch[e] am 18ten auf Kölln giengen. Wir haben izt 10 Holländische Reuter für die Correspondenz hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten gienge der General-en-Chef der Nordarmee Bournonville hiedurch auf Bonn, welcher, wie es heißt, die Sambre- und Maaßarmee an statt des General Jourdan commandiren soll. – Es ist noch sehr heis und trockenes Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[226]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Die Französische Armee hat sich bis diesseits Siegburg zurückgezogen. Es kam bey der diesmaligen Retirade nicht so viel Bagage hiedurch wie bey den zwey andern. Der Platz-Commendant von Kölln, welcher daselbst des Kaufman Hamm Tochter geheyrathet, wies alle Marodeurs zurück auf die andere Rheinseithe. Vor einigen Tagen glaubte man, die Kayserlichen würden bald die Franzosen von hier verdrängen. Indessen sammeln sich die Franken wieder, und es kommen 8 tausend Mann von der Nordarmee in Neus an, um die sehr hart geschlagene Sambre- und Maasarmee zu verstärken. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Gestern Abend 11 Uhr, als der beym Schefen Steinberger logirte holländische Reiter sein Pferd satteln wollte, um eine Ordonanz zu reiten, war dessen Pferd gestohlen. Diebe hatten in ein Fenster ein Loch geschnitten und dadurch die Thür geöfnet. Der Wachtmeister beratschlagte lange über die Vorkehrungen, welche dabey zu trefen wären, und es ward beschlossen, die Männer in jedem Hause zu wecken, ob solche auch abwesend wären. Dies geschahe gleich nach Mitternacht. Es wurde stark angeklopft, weil jederman im ersten Schlaf war. Und als die Reiter riefen: &amp;quot;Kommt einmal heraus!&amp;quot;, so vermuthete jederman, es müste Brand oder so etwas seyn, und der Vorgang sezte alles in Schrecken, der auch sobald wieder verschwand, als man den Beweggrund vernahm. Es wurde kein Mann vermißt, auf den nur einiger Verdacht fiel, und das Pferd ist fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Die französische Armee hat retirirt bis oben Deutz. Da steht solche in Schlachtordnung. 9 tausend Mann von der Nordarmee giengen heut zu Düsseldorff über den Rhein durchs Bergische zur Armee, und es wird nun zum viertenmal auf Maynz gehen. Die Sambre- und Maas-Armee war beym lezten Hinaufziehn bis ins Bayrische, anderthalb Stunde von Regensburg, vorgerückt. Als die Kayserliche selbige zurückschlugen, hatten sich mehrere hundert Bauern versammelt, welche selbige im Rücken angrifen. Kriegskassen, Generäl- und Oficiers-Bagage erbeuteten und selbst das Hauptquartier zerstreuten. Und dies beschleunigte den Rückzug um so mehr. Jetz commandirt General Bornonville die Armee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Von der Equipage des General Le Fevre, welche am 15ten September hieher kamen, ist noch eine Halbschied hier. Sonst haben wir nichts Stetes einlogirt. Indessen kommen alle Abend so viel Einzelne zu Fuß und zu Pferd, daß meistens in jedes Haus etwas logirt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – An dem gestrigen Michaelstag war’s hier in der Kirche sehr gedrängt von Fremden. Mehr dan 900 Menschen ward die Communion gereicht. Und weil das Wetter besonders schön und das Dorf trocken war, so hatten wir eine zahlreiche Prozession. Das Malder Korn gillt 4 Kronthaler. – Die Franzosen stehn von Sohlingen bis 1 Stund oben Deutz zum Rhein. Dann zieht die Armee einen Kordon über den Hundsrück um Maynz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[227]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die Franzosen haben die Justizstellen zwischen Maas und Rhein neu organisirt: An statt der Central-Verwaltung zu Aachen ist nur daselbst ein einziger General-Directeur, und zu Bonn ist die Bezirksverwaltung gänzlich aufgehoben. Die Cantonsverwalter und Municipalen bleiben. Nun ist ein Arette hinausgekommen, vermög welchem alle geistliche und Commeadeurs-Güter der Republik gehören. Die Geistliche sollen Pension genießen, und in Zeit von 10 Tagen muß schon ein Drittel vom Pfacht dieser Güter und Zehenden in die Magazine abgeliefert werden. Der Befehl zur schleunigen Ablieferung ist so dringend, daß sogar jeder Orts-Vorstand aufgefodert wird, so viel Drescher in Requisition zu setzen, als auf den Tenner der Pächter dreschen können. Wirklich sind die hiesigen Pachter und Zehendheber am Abliefern nacher Kölln ins National-Magazin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Das Wetter ware die ganze Saath hindurch trocken, so daß alles wüste Land sehr gut gereinigt werden konnte. Und da wir von Diensten fast gänzlich frey blieben, so ist die Saath vortreflich untergebracht worden. – Gestern steckte der Gerichtsboth den Kirchweihfahnen am Thurme heraus. Weil wir fast keine Franzosen einlogirt haben, so kann die Kirmes ruhig werden. Kornpreis 4 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Es regnete vom Morgen bis in den Abend. Deswegen waren fast keine Fremde gekommen. Seit dem Krieg ist keine Accise bezahlt worden. Nun haben sich verschiedene Einwohner auf Wirthschaft begeben, die sonst nichts damit zu thun hatten. Unter diesen ist der Wolter Schüllgen, der Becker Heinrich Meuser und der Adolph Schmitz, welche auch alle drey Musikanten haben. In den ehemaligen Wirthshäusern ware nichts zu thun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Das Wetter klärte sich etwas auf. Am 11ten und 12ten ward&#039;s schön, und es fanden sich viele Fremde ein. Die Spielleute erhielten die jungen Leuthe beym Tanz bis an den Morgen. Vom Krieg ist izt alles still, und sehr wenig ward diese Tage einquartirt. 10 Holländer sind hier für die Correspondenz, welche ihre Pferde in zwey Ställe beysammen setzen und dabey schlafen müssen, damit keins gestohlen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Die ganze Woche seit dem 10ten regnete es unabläßig. Es ware ein Glück, daß wir bis die Kirmes gut Wetter hielten, weil fast jederman vor diesem Fest die Saath in die Erde gebracht hat. Die Franzosen scheinen nicht glücklich mehr in ihren Kriegsoperationen zu seyn. Die Rhein- und Mosel-Armee retirirt noch immer aus Bayern und Schwaben. Weil aber die Kayserliche schon bis Kehl vorgetrungen sind, so ist der Rückzug auf Strasburg unsicher. Die Sammber- und Maas-Armee steht noch auf dem Hundsrück, und die Nordarmee lagert in der Gegend von Mühlheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Der Kellner von Bergheim schickte 2 Reuter auf Execution hieher, weil wir von 2 Jahren den Schatz noch nicht zahlt haben. Da wir aber jetz unter das Köllnische versezt sind, so glauben wir, unter Bergheim nichts mehr bezahlen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[228]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Vorsteher Thomas Delhoven fuhr heut auf Kölln zum Oberinspekteur und brachte die Klage gegen den Kellner Frenz von Bergheim vor. Jener erschien sehr aufgebracht über diesen zu seyn, entlies meinen Bruder mit der Versicherung, daß der Kellner alle Unkosten zahlen soll. – Auch sind 2 Grenadiere auf Execution hier, weil die Pächter ihren Pfacht noch nicht geliefert haben. Diese sind auf dem Rheinfelderhof logirt. – Kornpreis 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Der Kellner von Bergheim hat doch gesiegt: Obschon wir als Köllnische Einverleibte nur die gewöhnliche Simpeln zahlen, so schüzt jener vor, seine Empfangsbücher wären noch nicht abgeändert und Dormagen stünde noch zahlschuldig. Um der Execution also loß zu werden, müste man zahlen. – Die Passage geht noch stark. Alle Abende wird in die nur etwas bemittelte Häuser etwas einlogirt. Zwar haben die Franzosen ein Decret erlassen, Kraft welchem allen untersagt ist, Contributionen und Requisitionen zu erheben, so müssen wir doch an die meiste Passanten Fourage abgeben, welches oft Wortstreite gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Heut Mittag kamen 90 Chasseur vom 23ten Regiment von Düsseldorff. Sie wurden eine Nacht logirt. – Die Franzosen scheinen wieder Muth zu bekommen. General Moreau, der mit seiner Armee im Frankenland eingeschlossen war, hat seinen Rückzug glücklich vollbracht. Die Sambre- und Maas-Armee steht noch auf dem Hundsrück und die Nordarmee hinter Mühlheim. Beurnonville kommandirt die leztgenente Armeen. Kornpreis 8 Reichstahler, Haber 12 Gülden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Die Franzosen haben nun alle Dienstparke aufgehoben. Die Gebrüder Mülhens von Kölln und der Wirth Spickenagel von Caster haben alle Dienstfuhren für die Nord-, Sambre- und Maasarmee übernommen. Das Land weis, wie viel Karren an die Enteprenneurs geliefert werden müssen. Jede mit 2 Pferden bespannt wird der Gemeinde mit&amp;lt;ref&amp;gt;Den Betrag hat der Schreiber offen gelassen (Lücke).&amp;lt;/ref&amp;gt; bezahlt. Dormagen that hiezu 1 Karr mit einem Pferd, Worringen 1 Pferd und den Knecht, welche vorgestern abgeliefert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Vorsteher Thomas Delhoven ist schon 8 Tage mit dem Administrator in Kölln, um die Karren für den Canton zu überliefern. Da die Pferde nicht älter als 10 Jahr alt seyn dürfen und es doch nicht sind und die Karren nicht alle akkordgemäs sich befinden, so muste wegen den mangelhaften Pferd und Karren mit Spickenagel akkordirt werden, und jene Gemeinden musten verhältnismässig von den&amp;lt;ref&amp;gt;Den exakten Betrag hat der Schreiber offen gelassen (Lücke).&amp;lt;/ref&amp;gt; Livres missen, welche für die Karren bezahlt werden. Die Gemeinheiten sind ferner gehalten, die Knechte zu stellen. Und wenn einer desertirt, so müssen die Gemeinheiten wieder einen neuen stellen. Die Enteprenneurs zahlen jeden Knecht täglich 22 Stüber samt Fleisch und Brodt. Da aber keine Knechte für diesen Gehalt zu haben sind, so müssen die meisten Gemeinden selbigen noch täglich 12 bis 18 Stüber zulegen. Nun ist aber für unseren Canton mit dem Spickenagel die Uebereinkunft getrofen, dass die Knechte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[229]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:noch 14 Tage bey den Karren bleiben. Nach diesen stellt Spickenagel selbst die Knechte und gibt jedem täglich 40 Stüber. Dafür muß jede Gemeinde pro Knecht 50 Liver an Spickenagel zahlen. – Gestern Abend kame mit den Dienstkarren von Rheinberg das am 17ten August dem hiesigen Herman Hammelrath gestohlene Pferd. Ein Kerl mit einem blauen Kittel hatte selbiges damals um 9 Kronthaler verkauft. Man wollte solches hier loshaben. Allein, die Knechte weigerten sich, und nun wurde ein Expressen vorauf an Vorsteher Delhoven nach Kölln geschickt, der das Pferd, so bald es in der Stadt ankame, gleich ohne die mindeste Unkosten loßbekame. – Kornpreis 4 Kronthaler, Haber 25 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Heut Mittag bekamen 2 von den hier liegenden holländischen Correspondenz- Reitern Streit und foderten sich auf den Säbel. Unten im Scheffen-Steinbergs-Garten kamen sie ans Hauen. Die Säbel waren nicht scharf, sonst würden dem einen oder andern der Kopf gespalten worden seyn, denn mehrere Hiebe trafen die Hüte. Das Degen-Geklirr ware recht gräßlich, und alle Augenblicke gewahrte man, daß einer von ihnen tod zur Erde niederfalle. Als sie beynahe ein Viertel-Stund sich geschlagen hatten, rief einer: &amp;quot;Ich bin blessirt&amp;quot;, und sogleich warfen sie die Degen ins Graß und besahen die Wunde, welche am rechten Daumen eingefahren und doch nicht tief ware. Der andere war gar nicht blessirt. Sie giengen nun zusammen ins Wirthshaus und tranken von Neuem, als wenn nichts vorgefallen wäre. Ich sahe mit noch einigen dem Spektackel zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Heut gienge die Division des General Le Fevre von Mühlheim zu Kölln auf diese Seythe, um auf dem Hundsrücken zu agiren. Diesen Abend kamen die Pulverwagen, 100 an der Zahl, jeder mit 4 Pferden, dann 240 Füssern nebst noch verschiedenen Offiziers und Conducteurs hier ins Logis. Sie giengen&lt;br /&gt;
:Am 14ten auf Kölln. – Trocken Wetter mit etwas Reif und Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Es darf noch keine Frucht ins Bergische gehen. Indessen wird doch viel hinübergeschaft, weil keine Wachen am Rhein sind. – Heut gienge auch noch ein bey 200 Wägen starker Park hiedurch auf Kölln. Diese Bagage der Sambre- und Maasarmee hatte lange Zeit in der Gegend von Norf gelegen. Auch ware das Pulvermagasin dabey, welches zu Hosten in der Kirche war, wo seit mehr als einem Jahr kein Gottesdienst innen gehalten wurde. Dem Jud Jordan von Zons, welcher eben über die Strasse gieng, nahm ein Kanonier den Stock ab. Und als jener sagte, daß er sich beym Ofizier beklagen wollte, bekam er mit seinem eigenen Stock noch einen derben Schlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Alle hier in der Gegend seit lange kantonirte Soldaten müssen zur Armee. Wir hatten seit lange einige Sapeur mit Charetjes hier. Auch diese verzohen heut. Es sind izt nur 12 holländische Reiter für die Correspondenz hier. In Düsseldorff liegen 600 Mann national-holländischer Infanterie. – Bey den Armeen ist alles ruhig. Auf der andern Rheinseite haben die Franzosen noch Düsseldorff bis Mühlheim, den Neuwieder Brückenkopf und Kehl besezt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[230]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Schon vor 14 Tagen bekamen wir von der Munizipalität zu Zons den Befehl, daß alle Nächte zwey Nachbarn ohne Unterschied alle Häuser des Dorfs visitiren, ob Fremde logirt sind. Und fals sie deren antrefen, welche ohne Pässe und verdächtig sind, so sollen sie solche arrettiren. Und wenn sie sich wiedersetzen würden, so solle die Sturmklock geläutet werden, damit alle Nachbarn sich bewafnet versammeln. Die Verordnung sagt, jene Anstalten wären nothwendig, weil sich in der Gegend zwey sehr starke Bande Spitzbuben aufhielten. – Wir hatten doch die Verordnung pünktlich befolgt, und die Wache geht alle Nacht. Weder Pferdsmann noch jemand anders ist ausgenommen, obschon wir einen Nachtwächter haben. Die Nothwendigkeit derselben hat sich schon diese Nacht gezeigt zu Hackenbroich, wo um 12 Uhr eine Rotte Dieb an der Pastorat einbrachen: Die Mägde waren am Zinn-Schauren und noch in der Küche an arbeiten, als schon die Spitzbuben im Saal über einen Kessel strauchelten. Die Köchin nimmt ein Licht, um nachzusehen, was den Lärm verursacht, und indem sie die Thür öfnet, steht schon der Saal dicht voll Menschen, welche sie gleich zu Boden schlagen. Ein Knecht, der oben schlief, trat vor sein Zimmer, als er, schon von Spitzbuben umrungen, einen harten Schlag an den Kopf mit einem Eisen bekam und die Treppe hinabfiel. Einige wollten ihn binden; einer aber sagte: &amp;quot;Er hat schon genug&amp;quot;. Nun wurden die Zimmer durchsucht, und in dieser Zeit machte der verwundete Knecht sich an einem Fenster hinaus und rief im Dorf um Hilf. Sogleich geschah von aussen ein harter Schlag auf ein Fenster und die Diebe entfernten sich alle. Der Pastor schlief oben und ware wachend auf seinem Zimmer mit einer Pistole und zitterte augenblicklich, daß die Diebe auch ihn finden würden. Auf einem andern Zimmer schliefen des Küsters und Jägers Sohn, welche der Pastor, um sein Haus zu bewachen, zu sich genohmen hatten. Sie wurden nicht wachend, und die Spitzbuben, die bey ihnen auf dem Zimmer waren, nahmen ihnen noch ein Gewehr mit. Den Pastor aber haben sie nicht gefunden. Viele hatten sich schwarz gemacht, hatten ein Messer im Mund und eine Pistole in der Hand. Alle hatten blaue Kitteln an. Von Hackenbroich giengen sie zum Blechhofe und foderten Essen. Da dieser Hof aber vest ist und, mit viel Geschütz versehen, sich gut vertheidigen läßt, so giengen sie auch von da, wie zu Hackenbroich, leer ab. Einstimmig, nach Aussag der Mägde, des Pastors und des Blechhalfens, war die Rott bey 50 Mann stark. Die Wunde des Knechten ist tief, doch nicht gefährlich. – Das Wetter ist noch anhaltend regenrich, trocken und zuweilen kleine Nachtfröste. Unten im Feld sind ganz ungewöhnlich die Mäuse sehr zahlreich und fressen ganze Stücke kahl ab. Oben sind sie noch nicht sehr stark. Sonst ware es immer das Gegentheil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[231]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1796&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Vor 14 Tägen ward dem Hemmerden in Nivenheim ein Pferd gestohlen. Zugleich hatten die Diebe auch des Knechten blauen Kittel und Pfeifenrohr mitgenohmen. Nun hatten vor einem Jahr bey gemeltem Hemmerden ein Knecht gewohnt, der mit Streit fortkame und nun in der Nixhütte bey Neus dienet. Ein Nivenheimer Pursche, der jenen Knecht durch ein Ungefehr in Neus trafe, bemerkte und erkannte an ihm das Pfeifenrohr und Kittel. Als er zurück nach Nivenheim kam, berichtete er dies, und vier Männer des Orts suchten den Knecht auf, nahmen ihn besonders, hielten ihm ein Messer auf die Brust, und er bekannte: Andere unbekennte Spizbuben hatten ihm 4 Reichstahler gegeben, wofür er das Pferd aus dem Stalle gehohlt, welches jetzt im Karsch unten Neus stehe. Die Nivenheimer haben das Pferd ohnentgeldlich wiedergehohlt, zeigten den Vorgang bey der Municipalität an, und der Knecht, welcher den Diebstahl begieng, wurde durch 14 Schützen auf Bonn geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Gestern Abend 8 Uhr, als eine Magd auf dem Sasserhof in der Scheune Stroh hohlte, hörte sie draussen ein Gemürmel von Männerstimmen. Es waren Spitzbuben, welche den Hof überfallen wollten, weilen die Knechte zu Hackenbroich beym Tanz waren auf dem Kathrinenfest. Es wurde aber eiligst eine Magd dahingeschickt, welcher alle Jungen, so beym Spiel waren, folgten und die Spitzbuben verjagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Beym Schefen Steinberger, wo 2 Dragoner von der holländischen Correspondenz ihre Pferde in dem hintersten Stalle zum Garten stehen haben und wobey die Reiter schlafen, versuchten Diebe diese Nacht, die hinterste Thür mit einem Holz aufzulaufen. Da aber die Thür allzu vest war, so gelang ihr Unternehmen nicht. Die 2 Holländer liefen im bloßen Hemde aus dem Stall und retirirten sich ins Haus. – Bey den Armeen ist alles ruhig. Die Nordarmee lagert noch oben Mühlheim und jene von Samber und Maas auf dem Hundsrück. – Das frische Schweinefleisch, das bisher um 12 und 14 Stüber verkauft wurde, bekommt man izt um 7 ad 6 Stüber. Geräuchertes Schinkenfleisch kostete 24 Stüber, und auch dieses schlägt, so wie alles Rindvieh, merklich ab. Kornpreis 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Gestern Abend um 6 Uhr versuchten es die Spitzbuben beym Joan Hambloch, wo 3 holländische Reiterpferde stehen, die hintere Scheurenthür zu öfnen. Sie hatten schon mit einem Messer ein Loch geschnitten, ein Bord zerbrochen und mit einem Brecheisen den Stein gelöset, worin sich die Angel dreht, aber der Gang ware mit Holz verrammelt, und das Hundebellen lockte die Bewohner herbey, so daß auch hier die Spitzbuben leer abzohen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Das Überführen der Früchten auf die andere Rheinseite ist noch verbothen. Weil aber keine starke Aufsicht am Rheine ist, so wird des Abends an die Piwitt geliefert und die Frucht in den Kühestall verborgen. Das ware auch gestern Abend geschehn. Drauf fiengen diese Nacht die Diebe an, in den Piwitten-Kühstall zu brechen, wurden aber wieder verjagt. – Heut kamen von Kölln 36 blessirte Dragoner vor eine Nacht hier ins Logis. – Es fängt an zu frieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[232]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Vorgestern kame hier der Befehl, daß 18 Mann nach Düsseldorff auf die Batterien sollten. Sie giengen auch wirklich hin, nahmen aber einen Brief an den Notarius Hager mit, der sie wieder losbrachte. Und so kamen sie gestern alle zurück. – Etwas Frost mit Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4ten – Der Verwalter Neesen fuhre heute mit hiesigem Vorsteher Thomas Delhoven auf Düsseldorff, um mit dem dasigen Genie-Commendanten über die Batterie- Arbeiten zu unterhandeln. Sie brachten es auch wirklich so weit, daß an Statt der 300 Arbeiter, welche izt der Canton zu stellen hat, in die Zukunft nur 150 gestellet werden sollen. Dafür muß den gemeldten Commendanten für jeden nicht zu stellenden Mann 3 Kronthaler zahlt werden. Die übrige brauchen wir zwar auch nicht zu stellen, wenn wir für jeden Mann pro Tag 20 Stüber zahlen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Einige Einsassen hatten mit dem Pfarrer überlegt, daß, weil die Viehseuche in der Gegend in und um Kölln so stark einreist, alle Wochen eine sakramentalische Messe, und zwar dienstags um 8 Uhr, gehalten werde. Das Geld hierzu soll durch eine Kollekte beygetrieben werden. Nun hatte der Pastor noch hinzugesezt, daß heute bey der Frühmeß das Hochwürdige ausgesezt und zur öffentlichen Verehrung bis nach der halbjährigen Versammlungs-Bruderschaft ausgesezt bliebe. Morgens ward keine Predigt gehalten. Diese begann um 2 Uhr, nach selbiger die Bruderschaft und nach dieser das &amp;quot;Te Deum&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Es ist eine Verordnung erschienen, daß hinfort alle geistliche Güter als Domainen betrachtet, mithin in den öfentlichen Auflagen zur Halbscheid angeschlagen werden sollen. – Im Gohrbusch und in allen geistlichen Holzungen wird sehr viel Holz verkauft, und alle geistliche Pachtungen müssen an die Franzosen geliefert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Seit einigen Tagen ware der Frost so stark, daß schon am 9ten der Rhein sehr stark mit Eis gienge, welches die stehende Brücken zu Düsseldorff und gleich unten Grimmlinghausen hinwegtriebe. Die Franzosen hatten aus Grimmlinghausen viele Leuthe aufgebothen, welche daß Eiß von den Schifen abwähren sollten, allein, das halfe nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten stellte sich Thauwetter ein. Die Mäuse thun im Feld noch vielen Schaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Gestern und heute zohe viel Volks von der französischen Nordarmee jenseits durch Monheim und Baumberg hinab auf Düsseldorff. Das allgemeine Gerücht sagt, daß zwischen den Armeen ein Waffenstillstand geschlossen seye. Wir hätten es hier gerne gesehen, wenn kein Waffenstillstand erfolgt wäre, weil wir dann wieder Truppen in die Winterquartiere bekommen. Heute friert es wieder. – Die Kayserliche belagern seit einiger Zeit das Fort Kehl. Die Franzosen thun zuweilen heftige Ausfälle auf jene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[232a-g: Gedruckte Serie &amp;quot;Eis und Wassernot am Rhein im Jahre 1784&amp;quot; (Niederrheinischer Geschichts- und Altertumsfreund, Jahrgang 1903)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[233: Gedruckte Karikatur: &amp;quot;Zum Andenken. Die schwere Zeit im kriegerischen Jahr 1796.&amp;quot;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[234]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Heut fienge es wieder an zu regnen. Sonst würde das Eis im Rhein sich bald gesezt haben. Die Generäle auf der andern Rheinseite haben einstweilen die Übereinkunft getrofen, einander nicht anzugreifen. Demzufolge sind die Franzosen diesseits der Wupper hinabgezohen, doch ist noch eine Compagnie in Mühlheim. Die Kayserlichen sind hingegen jenseit der Sieg in Kantonirung. Förmlicher Waffenstillstand ist es also noch nicht, bis die Ratifikation eingegangen ist. In Italien belagern die Franzosen noch Mantua, und die Kayserlichen stehn in der Gegend von Trient und Verona. Die Kayserliche Armee am Oberrhein, welche des Kaysers Bruder anführt, belagert Kehl und den Brückenkopf zu Hünningen. – Zu Kölln ist der hohe Dohm zum Magazin gemacht. Das Malder Korn gillt 4 Kronthaler, Haaber 26 Schilling, Heu der Centner 50 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Gestern kamen zu den hier liegenden 10 Holländern noch 4, welche die Correspondenz besorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Die Nacht ware ein Schuh tief Schnee gefallen, und mit dem Abend fienge es wieder an zu frieren. Der hohe Dohm zu Kölln ist zum National-Magazin gemacht. Die Dohmherren halten ihren Gottesdienst im Pesch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Zu Knechstein wurde Holz verkauft, unter andern die Alle, welche vom Delver Blech zum Kloster führt. Es wurde parzellenweis an Private zugeschlagen und zulezt noch einmal in massa ausgestellt, wo die Mönche es selbsten kauften. – Frost mit Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristtag&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern Abend fienge der Rhein so stark zu wachsen an, daß heute schon früh Walhoven und Rheinfeld abgeschnitten waren. Von beyden Orten kame niemand zur Kirche, weil die Nachen unbrauchbar waren. Es friert noch anhaltend, doch ist das Obereis fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26ten – Die Pfarrer sollen nun ein Verzeichniß einsenden, wie viel sie an Jura-Stola im verflossenen Jahr eingenohmen haben. 14 Tag nachher soll ihr Gehalt richtig ausgezahlt werden. Auch muß izt eine Tabell eingeschickt werden, wie viel Einwohner, Wirthschaft, Handel, Brandweinbrenner, Handwerker ezt. sich in jeder Gemeinheit befinden. Und da eine neue Contribution von 3 Milionen ausgeschrieben ist, so soll jedes Gewerb mit in Anschlag gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Das Wasser ist so stark weggefallen, daß man heut wieder nach Wallhoven gehen kann. Unser Damm ist noch nicht gemacht. Mithin, wenn das Wasser nur austritt, so geht der Strom durch die Aue.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. – Man kann noch nicht bestimmen, ob der Waffenstillstand richtig ist. Im Bergischen und auf dem Hundsrück ist alles ruhig, am Oberrhein hingegen belagern die Kayserlichen noch anhaltend das Fort Kehl. Heut stellte sich wieder Thauwetter ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[235]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1796&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Es sind sehr artige Frühlingstage. Man fährt schon wieder zu Aker. Auf die Lande zwischen Maas und Rhein ist eine Contribution von 3 Milionen gelegt. Das beträgt für Dormagen bey 800 Liver zum Drittel, weil das Ganze in drey Terminen bezahlt werden muß. Da auch noch die Batterie-Gelder rückstehen, so wurde hier auch dafür und in allem für das erste Drittel pro Morgen 18 Stüber heut ausgeschlagen und zahlt. Die Kötter zahlen 20 Stüber. – Am 17ten December starb Katharina die Große, Kayserin in Rußland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1797 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[236]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Schon wieder ein Jahr älter und noch immer Krieg wie vor einem Jahr. Die Zukunft ist in undurchdringliche Nebel gehüllt, wo selbst der tiefeste Politiker vergebens grübelt, was im Werden ist. Der Kayser und England sind beynahe die einzigen, die mit den Franken Fehde führen. Preussen, Spanien, Holland und mehrere deutsche Fürsten haben sich vom Kayserbunde getrennt. Dem unerachtet, ist noch sehr wenig Schein zum Frieden. In Italien haben die Franken unter General Bonnaparte die Kayserliche bis auf die Tyroler Gränze zurückgeschlagen. Wurmser, der noch mit einem starken Heer in Mantua eingeschlossen ist, wird belagert, und Prinz Karl, der die Österreichische Rheinarmee kommandirt, belagert noch anhaltend die Verschanzungen zu Kehl und Hünningen. Indessen ist am Niederrhein eine Art von Waffenstillstand. In Mühlheim gegen Kölln sind 12 Kayserliche und 12 Franzosen logirt. – Angenehm Wetter. – Hier sind ausser der holländischen Correspondenz und noch einigen Franzosen keine Truppen logirt, und der am Schluß des vorigen Jahrs ausgetretene Rhein hat an den Früchten nur wenig Schaden gethan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten fienge es wieder ein wenig an zu frieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Die Pächter der Domainen, ehmals geistlichen Güter, haben schon um Martini ein Drittel von ihrem Pfacht an den Domainen-Empfänger Prengruber in Kölln abgeliefert und schickten Suppliken um Nachlaß auf Aachen. Nun ist darauf noch nichts resolvirt, und schon sind 2 Dragoner auf Execution hier, welchen alle Tage 40 Stüber pro Mann bezahlt werden muß. Starker Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten zeigte sich Thauwetter. – Seit 3 Tagen ist der Cantonsverwalter mit dem Schultheiß Correns hier auf dem Welferhof. Es muß nun alles aufs neu angegeben werden, wie viel Menschen, Küh, Pferd, Morgenzahl, Häuser, Gärten, Wirthe, Krämer, Becker, kurz: Jedes Gewerb muss angeschlagen und specifirt werden, weil zur Erleichterung des Ackermans auch jedes Gewerb mit bezahlen muß. Die Bürgermeistere von Zons, Delven, Hackenbroich und die Ortschaften umher musten deswegen hieher kommen, um ihre Tabellen zu übergeben. Die Untersuchungen sind sehr genau: Die Zonser wurden schon zweymal mit ihrer Tabelle zurückgewiesen, und die Roggendorfer wollten schon zufrieden seyn, wenn der Verwalter ihre angegebene Morgenzahl noch um 100 Morgen höher anschlüge. Da aber die unrichtige Angabe gar zu augenfällig war, so müssen sie die alte Hebzettuln der Simpeln beybringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Schnee und etwas Frost. Kornpreis 4 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[237]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am &amp;lt;u&amp;gt;20ten&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Vieseuche hat auch unsere Heymath ergrifen. Im Schwanen sind schon 5 Kühe todt. Hiesiger Chirurg Eller gab Praeservative dagegen und behandelt die kranken Kühe auf die Art, wie bey Menschen das faule Fieber behandelt wird. Nichtsdestoweniger fallen die Kühe dahin. – Heut Nachmittag 4 ½ Uhr hielt der Pfarrer eine Abendsandacht. Nach der Benediction wurde der Rosenkranz und die Litanie von allen Heiligen gebethen. – Frost. Am 21ten Regen. – Am 9ten Januar ist das Fort Kehl mit Capitulation an die Kayserlichen übergegangen. – Verwichenen Sommer wurden die französische Kühe, welche zur Armee aus Holland kamen, hier des Nachts in die Kuhbenden getrieben und dafür auf jede Kuh 5 Stüber pro Nacht bezahlt. Dieses ist heute ausgetheilt worden, und derjenige, der selbsten eingetrieben, bekömmt auf die Kuh 1 Reichstahler. Da aber mehr Benden als Kühe waren, so wurde ein Theil von den Benden zum Heumachen abgemessen und denjenigen angewiesen, welche nicht Eintrieben konnten. Da die fraglichen Kühe erst im Späth-Sommer kamen, so wurde es folglich nur an diejenige bezahlt, welche eintrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Gestern kame ein Chef-Demibrigad, welcher uns die General-Ordre brachte, daß 4 Tage nacheinander 4 Bataillone von Düsseldorff lier logiren werden. Da man aber seinen Zech im Weinhaus zum Löwen zahlte, so beorderte er die Halbscheid auf Worringen. Als heut der Quartiermeister hier ankam, so wurden 5 Compagnien auf Worringen, eine auf Horm und 3 in hiesige Gemeinde gelegt. Die Compagnie aber, welche auf Horm gehen sollte, gieng auf Walhof und Rheinfeld. Da diese aber schon von hier aus belegt waren, so ward es daselbst sehr voll, daß noch um so beschwerlicher war, weil die Soldaten weder Fleisch noch Brodt hatten. Auf dem Welfer Hof muste für 23 Mann Fleisch und Milchsup zugericht werden. Hier im Dorf aber betrugen sie sich recht gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten brachen die hier logirte Truppen auf Kölln auf, und nach dem Mittag rückten wieder so viel wie gestern hier ein. Frühlingswetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten giengen die Truppen auf Kölln. – Gestern Abend kamen Quartiermeister von Kölln, welche für ein Bataillon Biletter machen sollten. Da sie Ordre für hieher hatten, so gienge Vorsteher Thomas Delhoven mit Joann Steinberger noch in der Nacht auf Zons zur Municipalitaet und brachte Ordre mit, daß das von Kölln kommende Bataillon auf Hackenbroich bis Nivenheim verlegt werden sollte. Mit dieser Ordre gieng diesen Morgen Vorsteher Delhoven auf Worringen, und das Battaillon kame nicht hieher. – Nach dem Mittag kame das dritte Bataillon von unten an. Der Stab mit den Grenadieren giengen auf Zons, 3 Compagnien blieben hier und in Horm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[238]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten – die übrige kamen nach Worringen. Diesen Abend kamen wieder Quartiermeister von unten auf, welche für ein Bataillon halb hieher und halb nach Worringen Bletter machten, welche aber am&lt;br /&gt;
:29ten nicht kamen, sondern von Neus auf Mastricht gehen musten. Heut gienge eine von den gestern angekommenen Compagnien auf Niel. Die zwey übrige sollen liegen bleiben. Auch kame wieder Order, daß morgen ein Bataillon von Kölln kommen sollte. Vorsteher Delhoven hohlte wieder Ordre von Zons, daß nur eine Compagnie sammt dem Stab hier logieren soll, welche auch gleich&lt;br /&gt;
:am 30ten nach dem Mittag eintrafen. Es waren die Grenadiere, welche sich immer etwas höher dünken und nicht so leicht zu befriedigen sind. Sie soffen bis 9 Uhr in die Nacht, und als sie nun ihre Logementer nicht finden konnten, so wurden viele Nachbaren aufgeklopft. – Der reiche Jud Jordan in Zons hat einen Ofiziers-Bedienten bey sich logirt. Der karge Jud wollte dem Domestiken nichts als etwas Kafe geben. Da aber eben in des Jordans Hause vorgestern eine Hochzeit gehalten wurde, so kaufte der Franzos sich 2 Pfund Speck, steckte solches heimlich zu des Juden Rindfleisch in die Suppe. Als die geladenen Gäste zu Tisch sassen und die Köchin das Speck gewahrte, rief sie den Juden hinzu. Dieser nahm das Speck hinaus und schüttete das Rindfleisch mit der Suppe in die Mist. Der Franzos, der mit noch einigen Kameraden den Ausgang abwartete, nahm das Speck und beschmierte Stühl, Tisch, Bänke, kurz: alles, was im Hause vorfindlich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten giengen die gestern angekommene Soldaten auf Neus, und die hier kantonierende 2 Compagnien haben eine Wache an der Piwitt, damit keine Früchten ins Bergische gehen. &amp;lt;u&amp;gt;Regen&amp;lt;/u&amp;gt;. Zu Mühlheim sind noch 12 Kayserliche und Franzosen beysammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die Franzosen haben nun auch eine Baracke am Steinbüchel in den ausgetriebenen Damm gemacht. An der Worringer Drenke steht deren auch eine; wahrscheinlich, um das Früchten-Überfahren zu hinderen. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Die Franzosen haben seit geraumer Zeit in Italien die Vestung Mantua blockirt. Die Kayserliche rückten um halben January zum fünften mal mit einer Armee auf Mantua loß, und sie waren nicht glücklicher als die vorigenmale. Nach den französischen Berichten sind 25 tausend Mann Kayserliche zu Gefangenen gemacht worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[239]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Schon am 5ten hatte ein Sergeant von der hier logirten Compagnie Füßer mit einem holländischen Reiter Streit bekommen. Sie wechselten anfangs in Kurzweil mit den Hüten. Und da der Franzos dem Holländer den Seinigen nicht gleich wiedergeben wollte, so gab der Holländer dem Sergeanten einen Schlag auf die Nase, daß das Blut dahin floß. Die übrigen Franzosen sammelten sich und begehrte[n], der Holländer sollte sich mit dem Sergeanten fechten. Der Reiter hatte entsetzlich Bang, weil er im Fechten ungeübt war. Seine Kameraden aber bestanden darauf, daß er auf den Degen gehen sollte. Gestern Abends 6 Uhr giengen 2 Holländer und 2 französische Sergeanten hinter dem Kirchhof in den Kamp. Der Holländer muste einen französischen Degen nehmen, weil der holländische zu lang war. Sie zohen Rock und Weste aus, und im ersten Hieb ware der Holländer schon leicht am Bein blessirt. Nun ware dies geschehen, aber der andere Sergeant foderte den einen Holländer nun auf den Degen. Sie hieben mehrere Minuten lang. Es war Mondlicht. Ich und mehrere sahen zu. Feuerfunken sprüheten aus den Degenklingen. Endlich bekam der Holländer einen Hieb über die Hand. Und nun giengen sie und sofen miteinander bey Schefen Steinberger bis 9 Uhr. Etwas Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Die Viehseuche reißt hier stark ein. Im Schwanen sind 8 Kühe krepirt, bey Wolter Schüllgen 3 und heute noch 2 des, ein des Chirurg Eller, bey Joann Langel und eine des Joann Görgens. Noch viele sind krank. An Sontag-Nachmittagen, wenn Kristliche Lehre ist, wird vor und nach dem Rosenkranz die Benediction gegeben und die Litanie von allen Heiligen gebethen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Der im vorigen Herbst getrofene Contract, dass Mühlhens, Spikenagel und Compagnie alle Dienste für die französische Armee übernommen haben, ist nun aufgehoben, und die Gemeinheiten müssen nun wieder Pferde in die Parken stellen. Gestern verkaufte Spickenagel in Caster 130 jener Pferde, welche alle sehr elendig waren und doch theuer verkauft wurden. – Merzerwitter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Die Viehseuche wüthet noch schrecklich. Alle Tage sind 4–5, auch 6 Kühe im Dorf todt. Man brauchet viele Mittel, und keins hilft. Des Abends versammeln sich viele Menschen auf dem Kirchhofe, die an dem Missions-Kreutz bis in die Nacht bethen. Auch gehen Einige die Stationen ums Dorf. – Die Franzosen haben die Kayserliche Armee in Italien fast aufgerieben. Die Vestung Mantua ist seit dem 2ten Februar in französischen Händen, vermittels Capitulation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[240]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Am heutigen Peter-Stuhlfeyertag ward der alten Gewohnheit nach zur Wahl eines neuen Bürgermeisters geschritten. Die Schefen und Vorsteher wählten den Jacob Clemenz, der auch vor 2 Jahren Bürgermeister war. Der Wirth Mathias Schmitz, J. W. Verhagen und noch einige wählten den Heinrich Bochem. Hierüber entstand ein Wortwechsel, der bis an den Abend dauerte, und es ward beschlossen, daß der alte Bürgermeister Theodor Bremer solang die Biletter machen soll, biß eine Entscheidung vom Verwalter hierüber eingegangen ist. – Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Die Schefen und Vorstehere ließen heut Nachmittag wieder die große Klocke ziehn und schlugen den J. W. Verhagen als Bürgermeister vor, der sich wegen seiner kranken Frau entschuldigte. Die kleine Gemeinde bestand darauf, daß der Bochem bleiben sollte. Hierauf dankten die beyden Vorstehere Thomas Delhoven und Joan Langel ab, und die kleine Gemeinde brachte dem Henrich Bochem den Straus, ohne daß die Schefen es bestättigten. – Kornpreis 6 Reichstahler 3 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Heut versammelten sich die Schefen und Vorsteher, um einen Bericht an den Verwalter zu machen, wie daß sie den Jacob Clemenz nach alter Sitte in gehöriger Form zum Bürgermeiser erwählt und ein Haufe Aufrührer den nicht angesessenen Henrich Bochem angesezt. Sie bitten daher um Bestättigung des ersten und ordneten, daß der Vorsteher Mathias Heck einstweilen die Biletter schreibt, die der Bochem nun seit vorgestern geschrieben hatte. Die kleine Gemeinde wollte diesen Nachmittag die Klocke ziehen lassen. Da sie aber unter sich uneins waren, so unterblieb dieses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Heut, als Jacob Steinberger mit einigen Bons auf die Munizipalität zu Zons kam, fand er dort den Verhagen, Mathias Schmitz, Nix, Sandhalfen Dick, Rheinfelder Sohn Peter Josef Dahmen und Schefen Bremer, welche sich im Namen der kleinen Gemeinde ad Protocollum vernehmen ließen und gegen die Bürgermeisterwahl des Jacob Clemenz protestirten. Vorsteher Thomas Delhoven, der schon seit vorgestern zu Bedburg beym Administrator war, schrieb heut, daß in dieser Geschichte die kleine Gemeinde sehr wenig zu sagen hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten – Es ritte heut Früh mit dieser Entdeckung der Protestation der Joan Steinberger auf Bedburg. Das Spielhalten und Zapfen jeder Art Getränk abends nach 9 Uhr ist diese Fastnachts-Täge hier verbothen. Die Viehseuche greift so stark um sich, daß nur wenige Ställe davon frey sind, und mehr dan 40 Kühe sind schon todt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[241]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Merz&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Vom Verwalter ist der Beschluß erfolgt, daß die Schefen, Vorstehere und Meistbeerbte 3 Subjecte zur Bürgermeisterwahl vorschlagen und zugleich denjenigen anmerken, der hiezu am schicklichsten ist. Dies wird dann zur Municipalitaet geschickt, welche aus diesen dreyen einen wählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Die Viehseuche ist dermalen stärker als je. Die Nacht und heute sind deren 14 und in allem 72 gefallen. In Zons, Delven, Hackenbroich und allen niederen Dörfern ist’s noch nicht. Worringen hat schon 82 todte Kühe, Stommeln und der Griesberg sind gleichfals alle angesteckt. Diese Fastnachtstage ward alle Abend um halb 5 eine Andacht zur Abwendung der Viehseuche gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Die Municipalitaet verordnete, daß Schefen und Vorsteher diejenigen, so über 20 Morgen beerbt sind, zitiren sollen, um 3 Subjecte auszuwählen, welche zum Bürgermeisteramt fähig sind. Nebst dem sollen aus dem nichtbeerbten Stande 3 Männer, aus der 6-Morgen-Beerbten 3 und aus denjenigen, welche 3 Morgen beerbt sind, 3 zitirt werden, welche gleichfals ihre Stimmen zur Bürgermeisterwahl zu geben haben. Weil aber die kleine Gemeinde vorzüglich gegen den Jacob Clemenz aufgebracht war, so wurde dieser nicht zur Wahl vorgeschlagen, sondern J. W. Verhagen, Joan Hambloch und Mathias Heck; welchen lezteren die Scheffen am dienstlichsten fanden und welcher auch bisher die Biletter schreibt. – Frühlingswetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Die Vieseuche läst noch nicht nach. Es sind deren bis heute 104 gefallen. Rheinfeld, Horm, Jussenhoven und Welfen sind noch frey. – Der Krieg scheint mit aller Thätigkeit in Italien fortgesezt zu werden. Die Kayserliche schicken Verstärkung dahin und schwächen ihre Wacht am Rhein. Die Franzosen hingegen machen Anstalt, durchs Bergische noch einmal hinauf gen Maynz zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Es friert noch alle Nächte, und das schlechte Korn leidet viel. Das Sterben unter dem Viehe ist noch eben stark. Die Krankheit zeiget sich durch ein trübes Aussehen der Augen, Nachlassen mit der Milch und mit dem Fressen, dann fangen sie an zu zittern, laxiren und hohlen auf die Lezt schwer Athem. Die meisten sterben den fünften Tag. Rinder und Ochsen kommen viele durch, tragende Kühe aber fast keine. Man hat alle nur mögliche Mittel versucht, mit Räuchern, Bäder, China, Rhabarbar und Cremor Tartaria, Tränke von Schießpulver, Essig, saure Milch, und hundert andere Sachen, aber kein einziges hat geholfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[242]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten&amp;lt;ref&amp;gt;Der obere Teil des Blattes ist herausgeschnitten worden und nicht mehr vorhanden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Die Zahl des gefallenen Rindviehes beträgt sich bis heute hundert sechsunddreißig. Nur noch 7 bis 8 Häuser sind gänzlich davon frey. – Es fängt sich an, unter den Truppen zu bewegen, doch stehn noch die 12 Kayserliche und Franzosen in Mühlheim beysammen – ein Beweis, daß der Waffenstillstand noch besteht. Am Oberrhein ist auch noch alles ruhig, und die Franzosen bleiben in Italien ruhig an der Piave und in Trient stehen, wo sich eine starke Kayserliche Armee unter Prinz Karl, Bruder des Kaysers, zusammenzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – General Hoch, der izt die Sambre- und Maas-Armee kommandirt, erlies eine Verordnung, daß zwischen Maas und Rhein alle französischen Administrationen und Regierungen jeder Art aufgehoben seyn sollen und daß die alte Regierungen wieder in ihre Amtsverrichtungen gesezt werden sollen. Die alte Steuren sollen wie vorhin, nebst einem Drittel mehr als Kriegssteuer, bezahlt werden. Alle Requisitionen sollen ohne Unterschied aufhören. Wo selbe aber unumgänglich nothwendig sind, da sollen die Bons als Zahlung angenohmen werden. Der Centner Heu zu 50 Stüber, der Centner Weitz 10 Liver, Roggen oder Gerst 7 Liver, Fleisch an lebendem Vieh 5 Stüber. – Heut kamen 56 Kanonier zu Pferd hier ins Logis. Es wurden 20 davon nach Horm blettirt. Sie giengen am 18ten auf Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[243]&amp;lt;ref&amp;gt;Vom oberen Blattteil ist nur der äußere rechte Rand der Niederschrift erhalten.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:aber werden erst morgen weggehen, und als die eben Angekommene kaum einlogirt waren, da bekamen sie Ordre, wieder zurück auf Merkenich zu gehen. Und gleich darauf kamen 40 Mann, welche hier cantoniren sollen. Der Commendant gabe dem Bürgermeister den Befehl, abends vor 4 Uhr keinen und nach 6 Uhr keinen ohne seinen Befehl einzuquartiren. – Auch kame heut das erste Anschreiben von Bergheim, daß alle alte Obrigkeiten wieder eingesezt, und daß die Magistraten den Bericht einschicken sollen, welche Stellen nicht mehr besezt sind, damit solche mit neuen Subjecten wieder besezt werden. Da also hier der Schefen Fix abgegangen ist, so wird dessen Stelle auch nun vergeben werden. – Es ist noch immer kalt, und des Nachts friert es für diese Zeit sehr hart. – Der Pfarrer hällt an den Fastensonntagen keine Predigt. An dessen Statt ward freytags Abends zu dem Seegen von 2 Choralen das &amp;quot;O Crux&amp;quot; gesungen, eine kurze Oration gebethen, der Vers &amp;quot;Jesus ruft dir etz.&amp;quot; gesungen, und dann gienge die Predigt an, die sich mit dem Miserere schloß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Heut begann das 40-stündige Gebeth. Gleich nach dem Mittag kame der Befehl, daß morgen das Hauptquartier des General Championnet hieher kommen soll. Es ward eine Menge Schlachter, Prepose und eine Compagnie Sapeur einlogirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[244]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Heut ware es wieder sehr unruhig in unserer Gemeinde. Vormittag kamen die Quartiermeister, um Biletter fürs Hauptquartier und noch für ein Bataillon Infanterie zu machen. Von den Leztern wurden 5 Compagnien nach &amp;lt;s&amp;gt;Horm&amp;lt;/s&amp;gt; Zons geschickt und 96 Pferde nach Horm. Indessen waren doch hier alle Häuser und Scheuren voll Pferd und Soldaten. Bey Schefen Steinberger logirte ein General, im Schwanen, im Posthaus, an Küppers und auf dem Rheinfelderhof waren gleichfals Generäls logirt. Zu Rheinfeld waren seit dem 22ten Merz 15 Grenadiere vom Commendant zu Zons zu logiren beordert. Diese quäleten die Leuthe entsetzlich. Als aber heut der General auf den Rheinfelder Hof kam, da musten sie sich auf Zons begeben. – Mit dem Abend fiel ein Frühlingsregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil der Durchzug der Division Championnet das Dorf sehr belästigt, so beschloß der Pastor gestern Abend das vorgestern erst angefangene 40-stündige Gebet. Und weil es nur zwey Tag dauerte, so wird der dritte Tag erst nach Ostern gehalten werden. – Voriges Jahr hatten die Schefen und Vorsteher den Joseph Schmitz von Kölln als Dollmetscher angenommen. Der Bürgermeister Bremer, der sich mit ihm nicht vertragen konnte, bewirkte seinen Abschied. Da aber die starke Passage das Bürgermeisteramt sehr verdieslich machte, so nahm Bremer einen Düsseldorfer Vagabunden namens Jansen als Dollmetscher an. Dieser Mensch, der beständig besofen war, diente dem Dorf mehr zur Last, als daß er irgend etwas hätte helfen können. Er ware 9 Wochen hier, bekam wie der Schmitz wochentlich ein Kronthaler nebst frey Logis. Und weil die Passage noch stark geht, so ward der Schmitz wieder angenohmen, und der Jansen verlies weinend und besofen das Dorf. – Diesen Morgen gienge alles fort, sowohl das Hauptquartier, als auch das gestern gekommene Bataillon. Gleich kamen neue Quartiermeister, welche für ein anderes Bataillon hier und in Zons Billetter machten. Als das Hochamt zu Ende war, da kame die Ordre, daß das kommende Volk noch über den Rhein muste. Es kamen 2 Bataillone vom Sasserhof hinab und eins von Delven, welche im Kirchfeld und in der Nettergasse etwas ausruheten und dann ruhig auf Grimmlinghausen giengen, wo eine stehende Brücke ist, deren auch dieser Tage noch eine zu Düsseldorf an der Stadt aufgeschlagen wurde. – Von der am 22ten dieses hier logirten Comgagnie sind noch 21 Mann hier mit einem Capitein. Sie haben kein Fleisch noch Brodt und ließen dem Bürger kein Ruh, bis sie in den besten Häusern einlogirt waren. In Zons liegen die Grenadiere, wovon 10 ohne Biletter zu Rheinfeld sind, welche den Bürgern viel Unruh und Kosten machen. Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 25 Schilling. Die Vieseuche läst noch nicht nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[245]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die Nächte sind noch immer kalt, mit Frost und Reif begleitet, und das Feld sieht schlecht aus. – Die Franzosen stehn im Bergischen noch an der Wupper, und die 12 Kayserliche sind noch in Mühlheim. Der König von Preußen rüstet sich zum Krieg und hat die Demarcations-Linie aus dem Westpfälischen bis Nürnberg stark besezt. – Die französische Armee in Italien hat die Kayserliche unter Prinz Karl von Neuem geschlagen. Die Franzosen, welche an der Piave standen, sind nun den Fluß Tagliamento passirt, und da sie nun vollends sich den Kayserlichen Erbstaaten nähern, so könnte es leicht Friede werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten kame etwas von dem langgewünschten Regen. Die Ordonanzen gehn sehr stark. Es muß bald Bewegung unter die Truppen kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Morgens 8 Uhr kamen Quartiermeistere von Neus herauf, welche für ein Bataillon Billetter hier im Dorf foderten. Für ein anderes Bataillon sollten zu Walhoven und Rheinfeld Biletter gemacht werden. Als man damit beschäftigt war, kame ein Adjutant-Major an, welcher für das Hauptquartier des General Dejardin Biletter machte. Dieser detaschirte von den 2 Bataillons 5 Compagnien auf Horm und 4 auf Worringen. Der General logirte im Schwanen und sein General-Adjutant im Posthaus. Es waren so viele Oficiere und so starke prächtig gekleidete Compagnien, daß ein Einspänner 12 Mann bekam. Sie stehn in holländischem Sold und zahlten richtig, waren strenge in Ordnung und vertrugen sich gut. Der General foderte Wein, ein Schaaf und ein Spaanverkel. Lezteres gab man ihm, und er war zufrieden. Und da zur Fortschafung der Equipage beynah 30 Pferd erfoderlich waren, so schrieb der General eine Requisition nach Nivenheim und Hackenbroich, so daß Dormagen nur 7 Pferd zu stellen hatte. Am Abend kamen Ordre, daß morgen hier im Dorf 600 Chasseur a cheval und zu Walhoven und Rheinfeld ein Bataillon, wie auch zu Horm 168 Kanonier zu Pferd logieren sollten. – Die seit dem 21ten Merz hier logirte Correspondenz-Chasseur vom 23ten Regiment wurden durch 11 andere vom nämlichen Regiment abgelöst. – Nun muste Rath geschaft werden, und der General Degardin schrieb auf Verlangen der Schefen und Vorstehere eine Ordre, daß die 600 Chasseur zu Gohr und die 168 Kanonier zu Pferd in der Abdey Knechsteden logiren sollten. Ein Bataillon Infanterie sollte hier im Dorf, zu Nivenheim, Delven, Hackenbroich und Straberg logiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[246]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Morgens 3 Uhr gienge Joann Steinberger auf Neus, zeigte dem dasigen General die Ordre, und es wurden Ordonnanzen an die kommenden Truppen abgeschickt. Die Division marschirte in 2 Kolonnen und hatte Ordre, auf der Landstraße zu bleiben. Deswegen ware die Eintheilung so vielfach für Dormagen gemacht. Um 11 Uhr waren die Quartiermeister von 3 Bataillons hier, und wir gaben Wegweisere mit auf Esch, Worringen etz. Um die nähmliche Zeit kame der General de Brigade im Posthaus an, zugleich trafen auf dem Gussenhover Hof 300 Mann Kavallerie und 200 Artilleristen ein, die die lezte Nacht alle auf dem Birkhof logirt hatten und nun beordert waren, auf dem Gussenhover Hof die Nacht zu bleiben. Sogleich gab der General Befehl, daß sie auf Sinnersdorf gehen musten. – Nun kamen die Bataillons an, welcher eins hier blieb. Zu gleicher Zeit trafen in Horm doch die 168 Kanonier zu Pferd ein. Auch diesen gab der General die Weisung, nach Knechstein zu gehn, wo sie auch bleiben musten, weil die umliegende Ortschaften stark mit Infanterie besezt waren. – Um 12 Uhr kamen Quartiermeistere von 150 Chasseur. Auch diese wurden vom General abgewiesen. Um 2 Uhr kamen 96 Chartje-Pferd, gleichfals mit Ordre, hier zu logiren. Da sie aber zu der Sambre- und Maas-Armee gehörten, so konnten die Generäle Salm und Gouvion nichts darin thun. Um auch also dieser ohne zu werden, so schrieb Vorsteher Thomas Delhoven eine Ordre, daß wir sie nicht logiren könnten. Mit dieser ritten sie auf Üdesheim, wo ebenfals ein Bataillon logirt war. Nach diesen kame noch ein Trupp Karren mit Conducteurs, ebenfalls beordert, hier zu logiren. Und da dies unmöglich war, so begehrten sie vom Bürgermeister eine Ordre, daß sie auf der Route logirt werden müssen. Der Bürgermeister schrieb ohne Benennung seines Namens und Ortes: &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;weil keine Platz ist von hier auf Üdesheim&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;. Um 5 Uhr kamen 43 Chartje-Pferd. Die wurden nun auf die Höfe gelegt, weil jeder des Laufens und Plauderns müde war, doch gab man ihnen nichts als Stroh. Man rechnete zusammen, daß 12.100 Mann und 1.100 Pferd Befehl hatten, hier zu logiren. Von diesen wurden doch nur 800 Mann und etwas mehr als 100 Pferd hier und zu Walhoven und Rheinfeld logirt. Wallhoven und Rheinfelderhof bekamen jeder 45 Gemeine. Die gestern angekommene Chasseur wurden heut wieder von 12 andern vom nähmlichen Regiment abgelöst. – Zons hatt die Nacht 2 Bataillons logirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[247]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Aprill&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten blieb es ganz ruhig. Weil das gestern angekommene Volk alle früh auf Kölln zohe, so ware die Stille auf 2 solche rastlose Tage uns gleichfals ungewohnt, aber doch sehr willkommen. Auf den Abend wurden nebst vielen einzelnen Soldaten auch mehrere Chartje nebst einem Transport von 25 Bauern-Karren mit Heu und etlichen Chasseur vom 13ten Regiment logirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten fienge es zeitig an, unruhig zu werden. Um 9 Uhr kamen Quartiermeister von einem Kanonenpark mit 207 Pferden. Diese wurden vertheilt: 30 nach Knechstein, einige nach Delven, Hackenbroich, Worringen und Stürzelberg. Als aber die Ordre allenthalben hingeschickt waren und hier nur 20 Pferd bleiben sollten, da kame der Befehl, daß sie auf Grevenbroich gehn und nicht einmal hieher kamen. Nach dem Mittag kame ein Bataillon von Neus auf Zons. Als selbiges da eine Stunde bilettirt ware und abgespeiset hatten, da bekamen sie Befehl, halb auf Dormagen und halb auf Rheincassel zu gehn. Von diesen wurden hier um 5 Uhr 5 Compagnien einlogirt. Mit dem Abend wurde ein anderes Bataillon in Zons einlogirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten musten die gestern hier angekommene 5 Compagnien auf Worringen. Sogleich kamen 4 Compagnien von Zons hieher, weil dort ein anderes Bataillon eingerückt war. Von den am 22ten Merz hier logirten 40 Mann sind seit der Zeit noch 18 auf Hackenbroich und Hakkes verlegt worden. Der Lieutnant-Commandant logirt im Schwanen. Obschon er uns versprach, alle Passanten vom Ort wegzuweisen, so thut er&#039;s doch in keinem Fall. Vielmehr sucht er uns auf alle mögliche Art zu belästigen. Nur will er sein Logis (das Posthaus) und den Walhover Hof nicht belegt haben. Der Bürgermeister war schon zweymal deshalben im Prison, und die Post ist wieder frey. Frühlingswetter mit Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmsontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut waren wir ein Bataillon zu gewarten. Es gieng aber nach Zons, wo es die Nacht bleiben muste, obschon es dort ungeheuer voll war. Wir hielten also die Römerfahrt sehr zahlreich und ungestöhrt. Überhaupt hat die Nordarmee nebst schöner Montour und Bezahlung auch vortrefliche Disciplin. Indessen sezt die Ordre, daß heut 9 Mann nach Düsseldorff auf die Batterien müssen, und die starke Durchmärsche, nebst der harten Vieseuche, die izt schon über 200 Stück bloß im Dorfe wegrafte, dem Landmann hart zu. Obschon die Soldaten leicht zufrieden sind, so gebricht es doch an Gemüß, welches einzig herhalten muß, weil Milch, Butter und Käß mangeln. Der Rhein ist sehr klein. Man schreibt aus Basel, daß dort im Rhein ein Fels trocken ward, worauf die Jahrzahl 1692 ausgehauen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[248–251: Ausgabe der &amp;quot;Postamts-Zeitung zu Köln&amp;quot;, Nr. 44, 1797]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[252]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Heut Mittag kamen 6 Compagnien der Nordarmee von Neus hier ins Quartier, doch wurden selbige so auf Hakenbroich, Delhoven und Worringen vertheilt, daß wir nur eine Compagnie mit dem Chef hier behielten. Um 5 Uhr gienge ein Bataillon sogenannter Schwarzen hiedurch auf Worringen. Sie kommen aus der Vendee und haben dunkel braune Jacken an und sind, weil sie lange auf der See waren, von der Sonne braun gebrennt. – Abends 8 Uhr kame auch das zweite Bataillon von jenen hier mit Ordre zu logiren an. Man überlegte mit dem Quartiermeister, und es wurden gleich Ordres auf die umliegende Orte geschickt, also daß nur eine Compagnie hier blieb. Allein, weil es Nacht zu werden begann und der Wind sehr kalt war, so schluge der Commendant den Gesuch ab, und die Truppen musten alle hier bleiben, ins Posthaus kamen 24 Gemeine. Sie betrugen sich gut und giengen heut, den&lt;br /&gt;
:11ten auf Kölln. Als sie aber kaum halbweg Worringen waren, da bekamen sie Contre-Ordre und trafen wieder gleich darauf hier ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Morgens 8 Uhr bekamen die hiesige Grenadiere von der Nordarmee auch das Bataillon Schwarzer Ordre, auf Kölln zu marchieren. Es ward Mittag, ehe sie fort waren. Um 4 Uhr kame eine Bataillon, gleichfalls aus der Vendée, welches auf Zons gienge. Um 5 Uhr kame ein anderes von eben denselben, welches hier bleiben sollte. Man überlegte aber mit dem Quartiermeister, daß eine Compagnie auf Knechsteden gienge, eine auf Hackenbroich und Delven, eine auf Theinhoven, eine auf Roggendorf und eine mit dem Stab auf Worringen. Es blieben also nur 184 Mann hier. Sie hatten rothe Uniform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten, am grünen Donnerstag, musten diese wieder auf Kölln. Auch giengen die am 22ten Merz hieher gekommene Füßer fort, samt ihrem in der Runde gelegenen Bataillon, wovon die Grenadiere in Zons und Rheinfeld die Zeit hindurch viel Unfug getrieben. Gleich folgten auch die 2 andere Bataillons auf Düsseldorff. Vormittags kamen 12 Dragoner vom 1ten Regiment, die Chasseur vom 23ten abzulösen. Kaum waren diese einlogirt, als auch 12 Dragoner vom 12ten Regiment gleichfals für die Correspondenz ankamen. Auch diese logirten, biß ein parierender Oficier ihnen Ordre gab, nach Düsseldorff zurückzukehren. Um 3 Uhr kamen 118 Mann von den Vendèer-Truppen von Neus hier ins Logis. Um 4 Uhr kamen Quartiermeistere vom 23ten Regiment, um Biletter für 500 Chasseur zu machen. Man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[253]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – brachte es dahin, daß nach Knechstein eine Compagnie und die übrige in die Ründe auf Worringen und Esch verlegt und nur der Stab hier bleiben sollte. Allein, von allem dem ist nichts gekommen. Der Adjutant-Major blieb nur im Posthaus logiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kahrfreytag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen ließ mich der Adjutant-Major zu sich ins Posthaus rufen, um ihm auf meinen Landkarten die Orte anzuzeigen, wo ihr Regiment die folgende Nacht schlafen soll. Das ware Efferen, Vochem, Brühl, Fischenich etz. Um 10 Uhr passirte das Regiment hierdurch. Die Chasseur bey der Bagage foderten Pferde zum Vorspann. Es wurden aber doch keine gegeben. Es passirten noch einzelne Trüppcher Soldaten. Sonst bliebe es ruhig. – Am Mittwoch hatten wir keine Prozession. Als es aber heut so schönes Wetter und ruhig war, so giengen wir doch um halb 5 die Römerfahrt. Eben waren wir wieder unten ins Dorf zurück kommen, da ritten die 16 Dragoner vom 16ten Regiment herein, welche die Correspondenz schon wieder ablösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Vorgestern sind die 12 Kayserliche und Franzosen, welche zu Mühlheim zur Sicherheit des Waffenstillstandes beysammen waren, auseinander gegangen. Seitdem gehn alle Dragoner zu Düsseldorf ins Bergische herüber, welche in der Gegend von Crefeld, Venlo, Geldren bis Gülich hinauf kantonirten. Diesen Abend wurden hier 84 Sapeur einlogirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; – Auch heute ward eine Compagnie Sapeur halb hier und halb in Worringen logirt. Sonst blieb es ruhig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Das am 26ten Merz abgebrochene 40-stündige Gebeth wurde heut gehalten und die Emaus-Prozession bis am Sontag verschoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Die Division Championet gieng mit einer Division Dragoner über Mühlheim durchs Bergische über die Sieg. Am 18ten sezten 20 Regimenter französische Kavallerie bey Neuwied über die dasige Brücke ins Bergische. Die Kayserlichen hatten gegen den Neuwieder Brückenkopf drey starke Schanzen. Diese wurden nun von den Franzosen erstürmt, wobey zweytausend Kayserliche zu Gefangenen gemacht und 15 Kanonen erobert wurden. – Der französische General Bonnapart macht noch anhaltende Fortschritte in den Kayserlichen Erblanden. Sein Hauptquartier ist in Klagenfurth, und in Wien ist man am Einpacken. Man macht sich Hofnung zu einem baldigen Frieden. Kornpreis 6 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Die Sambre-, Maas- und Nord-Armee zieht schon auf Frankfurth. Indessen ist es hier sehr ruhig. Vom 16ten Dragoner-Regiment sind 12 Ordonanzen hier, welche sich gut halten. Nur schade, daß sie keine Fourage im Magazin bekommen. – Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[254]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten, Mitwoch – Des Mittags sprache man zuerst vom Frieden. Um 5 Uhr ware schon ein gedrucktes Blatt der französischen Köllnischen Zeitung hier, welches einen Brief von Neuwied enthielt, worin es heißt, die Generalin Grenier habe einen Kourier erhalten, daß die Friedenspräliminarien unterzeichnet sind. General Bonnaparte hat mit Prinz Karl einen Waffenstillstand getrofen auf sechs Täge. Die Franzosen besetzen Triest, Grätz, Bruck die Murr, Leoben, Rastad, S. Michel bis Lienz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten versicherten Reisende, daß die Armeen am Rheine Waffenstillstand haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Morgens früh kame ein Herr von Neus directe aus Frankfurth, wo am 22ten dieses ein französischer Kourier von Leoben, aus dem Hauptquartier des General Bonnaparte, blasend einritt. Er hatte Briefe an den Kayserlichen General Wernek und an den französischen General Hoche. So wie er in Frankfurth kame, rief er: &amp;quot;Es ist Friede, Friede!&amp;quot; Während daß man in der Stadt voller Jubel war, retirirten die Kayserlichen schon zu den Thoren hinein, und man sahe dicht vor der Stadt die Franzosen noch mit jenen lebhaft scharmützeln. Sogleich ritt der Kayserliche Stadtkommendant mit dem Kourier ins französische Lager, und die Soldaten umarmten sich wechselseitig. Der Herr Camper von Neus, der selbst Augenzeuge war, hatte zugleich das diese frohe Nachricht verkündigende Frankfurter Extrazeitungsblatt bey sich, welches ich laß und mit seiner Aussage vollkommen übereinstimmend fande. Die Kayserliche Post brachte auch diesen Abend schon die morgige Samstags-Zeitung, welche auch von verschiedenen Orten die glückliche Nachricht bestättigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Es ist nun ausser allem Zweifel, daß der liebe Frieden geschlossen ist. Alle Nachrichten bestättigen diese frohe Botschaft, und man erfährt, daß schon ganze Schaaren Franzosen nach Hause gehn. Es ist gut für uns, daß zu Neuwied eine stehende Brücke ist, und daß die Armee schon bis Frankfurth vorgerückt war. Hier ist&#039;s izt ruhig, und wenig Soldaten passiren. Stehende Einquartirung ist dermalen: 10 Dragoner für die Correspondenz vom 16ten Regiment, einige Sapeur für die Briefe des Ingenie-Corps zu tragen und 4 Holländer, um die Zeitung von Kölln an den holländischen General Daendels zu reiten. Diese sind seit einigen Tagen wieder hier. – Gestern fiel noch eine Kuhe, sonst hat sich die Vieseuche gänzlich gestillt. Im Pflug und noch in einigen Häusern ist sie nit gewesen. Bey 180 Stück sind gefallen und viele Leuthe kaufen schon ungebesserte Kühe an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[255]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Hier wird wieder in den Mey geläutet, und da diese alte Frühlingsfeyer allgemein gefällt, so entschlossen sich die Bewohner von Zons und Worringen gleichfals dazu. Lezteren widersezte sich zwar der Pfarrer, allein, man läutet noch anhaltend fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Die Zonser hingegen fragten beym Pfarrer um Erlaubniß, der aber anstatt dem Meyläuten eine Abendsandacht den ganzen Monath hindurch hallten wollte. Dies geschahe gestern, und während der Abendsandacht ward geläutet. Die Bürger aber wollten läuthen ohne die Andacht. Der Pastor ließ die Klockenseil auf den Thurm ziehen. Die Bürger erbrachen die Thurmthür und läuteten doch.&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Indessen ist nun dieses vom Schultheis verbothen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Heut hielten wir unsere Gottestracht. Als wir von Horm weggiengen, fienge es zu regnen an, der zwar nicht stark, aber doch anhielte bis Abend. Die zwey neue Wirthe Adolf Schmitz und Wolter Schüllgen hielten heut Musikanten. Die Schefen Steinberger und Sturm ließen ihnen dieses verbiethen. Demungeachtet spielten sie fort. Vielleicht haben die Scheffen Schmitz und Bremer die Erlaubniß ertheilt, weil diese beyde eine Gegenparthie seit der lezten Bürgermeisterwahl gestiftet. Unter dem Vorwand, daß der Posthalter auf sein Ackerland Soldaten halten soll, erwählten sie 3 Deputirte: den Schefen Bremer, den Rheinfelder Sohn Peter Joseph Dahmen und den J. Wilhelm Verhagen. Der Beschluß, den sie auswirkten, war dieser: Der Posthalter ist dann erst verpflichtet, Einquartirung zu halten, wenn 300 Mann im Dorfe logirt sind, und dann sollen ihm doch nur Ofiziere dahingelegt werden. Er muß alle Grundlasten abtragen. Nur von Heu und Haber ist er frey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Die Schefen hatten an die geistliche Obrigkeit zu Kölln supplizirt, bey dem heutigen Hagelfeyer das Venerabel umzutragen und die Dienstags-Messe zur Abwendung der Viehseuche noch ferner zu halten. Lezteres ward bewilligt und Ersteres abgeschlagen. Nun regnete es diesen Morgen, und der Hagelfeyer ward bis Sontag verschoben. Um 5 Uhr ware die erste und um halber 8 die hohe Meß. – Es sind gestern noch 4 Dragoner von hier abberufen worden. Folglich bleiben izt nur 8 hier. Die haben aber keine Fourage, sondern nur Brodt. Übrigens geht die Passage dermalen nicht stark. – Im Bergischen ist neuerdings eine sehr starke Contribution ausgeschrieben worden. Diese wird nun eiligst mit Force eingetrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[256]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Heut wurden die Kühe in die Benden getrieben, und die Rechnung, anstatt auf dem Berge an der Drenke, in der Behausung des Scheffen Steinbergers gehalten. Wegen der Viehseuche wurden nur 60 Kühe eingetrieben und 71 Morgen zu Heu gemacht. Das Graß muß aber vor Joannis schon gemähet seyn. Deswegen bekömmt jeder, der nicht betreibt, den vollen Morgen dargemessen, doch sollen sie allein das Mesgeld zahlen. Weil der Welferhalfen aber die Krankheit noch nicht auf dem Hof hatte, so stund er an, man möchte ihm anweisen, wo er mit seinem Vieh allein in den Benden hüten sollte. Dieses wurde abgeschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut hielten wir unseren Hagelfeyer mit Umtragung des Hochwürdigsten. – Es ist eine Contribution auf die Lande zwischen Maas und Rhein ausgeschlagen, gemäß welcher die Summe von 3 Milionen zahlt werden muß. Da nun die geistliche Güter als Domainen angenommen sind, so zahlen diese nur vom 4ten Morgen Gewinnsteuer, und die Haupt-Last fällt auf die Eygenthümer. Für Dormagen beträgt diese Contribution etwas über 1.000 Liver. Da wir aber sehr viele Bons haben und diese als Zahlung angenommen werden sollen, so gieng am 17ten dieses der Sohn des Schefen Steinberger auf Düsseldorff, um die Bons visiren zu laßen. So wie er bey den Kriegs-Commissair kam, vernahme er, daß morgen 300 Canonier hier übernachten sollten. Steinberger stellte dem Commissair vor, daß wir hier wegen der Correspondenz gegen Worringen so fort belastet wären, und der Commissair schrieb für die Canonier eine Ordre auf Worringen und gab zugleich eine Authorisation an unsern Bürgermeister, alle Passanten abzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Dem Welferhalfen ist ein Stück von den Benden köllenwarts abgemessen worden, welches er alleine betreibt, doch muß er den Kühhirt zahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – So heiß erinnert man sich nicht, daß es je im Mey war, und die Früchten stehn ausserordentlich prächtig im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Die Vieseuche stellt sich wieder ein. Und heute ist schon dem Wolter Schüllgen eine neu angekaufte Kuh verreckt. Die Zahl der Todten beläuft sich dermalen über 250, blos hier im Dorf. In Delven sind nur einige gefallen. Dermahlen ist&#039;s dorten wie rund umher still. Nur in Neuss grassirt die Krankheit noch stark, so daß täglich 15 bis 18 Stück dahinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten, als am Kristihimmelfahrtstage, ware es sehr heiß und die Prozession zahlreich. Das Korn steht in voller Blüthe. Das schöne Wetter ist dazu sehr einträglich. Hingegen verlangen die kleine Bohnen, das Graß und die Gartengemüse sehr auf Regen. – Das Malder Korn gillt ungefehr 6 Reichstahler 30 Stüber, das Malder Haber 25 Schilling, 1.000 Pfund Heu 14 Reichstahler, 100 Bauschen Stroh 8 Kronthaler, das Pfund Butter 12 Stüber und eine Mittelkuhe 50 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[257]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten hörten wir, daß die Nordarmee hierdurch ziehen soll. Vorsteher Delhoven ritte deswegen auf Kölln, um mit dem General zu sprechen, daß die 5 halbe Brigaden, welche 5 Täg nacheinander kommen und alle Ordre, in Dormagen zu logiren, haben, auseinander verlegt werden. Er brachte am 28ten die schriftliche Weisung mit, daß die Chefs sich hierüber mit dem Orts-Vorstand benehmen sollen. Es ward daher beschlossen, daß ein Bataillon von der 66ten 6 ½-Brigade auf Worringen, eins auf Nivenheim und eins in Dormagen, Hakenbroich, Delven, Zons etz. logiren soll. Der Etat-Major und die Grenadier-Compagnie blieben nur hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Morgens 10 Uhr kamen die Truppen an, doch hatten wir Ordonanzen oben Worringen auf die Landstraße gestellt, um ein Bataillon auf Nivenheim über die Heerstraße gehn zu lassen. Am Abend kame auch schon ein Adjutant-Major mit einem Quartiermeister von der 22ten Halbbrigade hier an, welche absolut hier ein ganzes Bataillon logiren wollten. Man brachte es aber dahin, daß nur 2 Compagnien hier blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Morgens 4 Uhr giengen die gestern angekommene Truppen auf Neus. Um 7 Uhr folgte das 23te Chasseur-Regiment, und um 9 waren die neue Truppen schon logirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Als um 9 Uhr morgens die 45te ½-Brigade angekommen war, da trafen auch gleich die Quartiermeistern von derjenigen, welche morgen kommen sollen, hier an. Die Nivenheimer beklagten sich, daß sie mit Straberg und Dielrath ein ganzes Bataillon logiren müssen, und wollten gerne Rosellen mit belegen. Der Quartiermeister schluge solches ab und sezte Knechstein hinzu. – Noch will es nicht ernstlich regnen. Die Erbsen und kleine Bohnen verderben gänzlich. Indessen sieht die Korn-Erndte sich vortreflich an. Man verkauft das Malder zu 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Junius&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Morgens 8 Uhr ware schon wieder eine neue Halbbrigade hier. Man verlegte sie also, daß nur eine Compagnie mit dem Etat-Major hier blieb. Sie zohen des Nachts 2 Uhr am 2ten Junius&amp;lt;ref&amp;gt;Am Rand wiederholt: &amp;quot;Am 2ten&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; auf Neus, und es kamen des Tags keine neue.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingstabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Morgens 7 Uhr kamen Quartiermeister von der 1ten Halbbrigade Infanterie Leger mit der Ordre, dem folgenden Bataillon 772 Rationen Brandwein zu geben. Man brachte einige und 40 Maas Brandwein in die Kühbenden, und um 8 Uhr kamen die Truppen und lagerten sich dort. Auch brachte man 12 Maas Bier für die Offiziers dorthin. Und als sie das genossen hatten, da zohen sie auf Neus. – Mittags wurden noch 7 Husaren mit 23 Grenadieren einlogirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[258]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten, &amp;lt;u&amp;gt;Pfingstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen 7 Uhr kamen schon die Quartiermacher vom 2ten Bataillon Chasseur-a-pie und wollten absolut 4 Compagnien hier logiren. Man brachte aber eine nach Nivenheim und eine nach Horm. Das hohe Amt wurde zum Theil gelesen, und nach dessen Endigung kamen die Truppen an. Nach dem Mittag kamen auch noch viele Bagage-Wägen mit Soldaten. Der hiesige Commendant schrieb eine Ordre nach Straberg und Knechstein. Abends 9 Uhr kamen noch 45 Pferd mit Wägen und 27 Mann mit 3 Offizieren. Diese 27 Man wurden in die ärmsten Häuser und die Ofizier bey Wilhelm Dedi, Johann Haas und Adam Ludwig logirt, wo sie kaum Stroh für ein Lager fanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Um 11 Uhr kame wieder ein Bataillon an. Es kamen 2 Compagnien nach Nivenheim, 2 nach Zons, 3 nach Worringen und 2 hier und in Horm. – Abends 6 Uhr kame der Quartiermeister vom 5ten Chasseur-Regiment, um selbiges hier zu logiren. Es wurden Briefe abgeschickt, um auf den benachbarten Orten Biletter zu machen. Es kömmt 1 Compagnie nach Zons, das Hospital nach Stürzelberg, 1 Compagnie nach Nivenheim, 1 nach Rosellen, 1 nach Straberg et Knechstein, und 1 bleibt mit dem Stab allhier. Nach Zons wurde gleichfals berichtet, daß Horm von hier aus belegt würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Morgens 10 Uhr kame das Regiment an. Es wurden noch von der hiesigen Compagnie 30 Chasseur auf Delven verlegt. So bekame Horm diesmal nichts. Die Soldaten betrugen sich sehr gut, so wie überhaupt die ganze Nordarmee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Morgens 6 Uhr giengen die Chasseur auf Neus. Sie brauchten 8 Pferde zur Fortbringung ihrer Equipage. Deren wurden vier von der Abdey Knechstein und vier vom Dorf Straberg requirirt. Um 10 Uhr kame der Quartiermeister vom 5ten Husaren-Regiment und lies zwey Fouriere hier mit der Ordre, für 180 Mann und Pferd Biletter zu machen. Der Quartiermeister gienge auf Zons, und die Fouriere konnten nichts weiter thun. Man schrieb eine deutsche Ordre auf Nivenheim, daß sie für eine Compagnie Biletter machen sollten, und der Secretair des Bürgermeisters ritte den Truppen entgegen, um mit den Oficieren eine Compagnie zu detaschiren. Indessen kame der Adjutand an, und um 12 Uhr zohe 1 Compagnie auf Nivenheim und eine blieb hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Morgens 8 Uhr verzohen die deutsche Husaren auf Neus, und die gestern Abend angekommene Quartiermacher von einem Bataillon der Nordarmee, welches von Düsseldorf nach Kölln als Be-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[259]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Besatzung geht, liessen sich bereden, daß die Compagnie auf Nivenheim, Straberg, Hackenbroich, Zons, Worringen und nur der Etat-Major hieher verlegt wurden. Deswegen schickten wir schon früh Wegweiser ins Stüttchen, um die Fourier und Truppen zu avertiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Diese Nacht um 12 Uhr kame ein Ofizier von Köln mit der Ordre, daß das hier und in der Gegend logirte Bataillon wieder zurück auf Düsseldorff gehen soll. Deswegen brachen sie erst diesen Morgen 7 Uhr auf. Es sind noch 6 Dragoner vom 16ten Regiment hier für die Ordonanzen zu reiten. Sie haben schon seit dem Karfreitag keine Fourage, welche ihnen stets von der Gemeinde gegeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Diese Tage regnete es anhaltend, und weil der Rhein stark anschwoll und bey der Lage des zerbrochenen Dammes unser ganzes ünterste Feld dem Verderben ausgesezt war, so wurde heut mit 3 Karren und der halben Mannschaft des Dorfs der Sommerdamm am Platthalse ausgebessert. Vor ein paar Tagen wurde noch eine von Düsseldorf nach Bitsch gehende Compagnie Kanonier hier logirt, sonst ist&#039;s von Soldaten leer. Auch die 4 Holländer, welche hier auf der Correspondenz waren, sind fort. Nur noch 6 Dragoner mit einem Wachtmeister vom 16ten Regiment bleiben hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten, als am Fronleichnamstage, ward die Prozession sehr feyerlich gehalten. Der Welferhalfen hatte vor 12 Jahren sein Kreutz, das sonst im Garten-Eck stand, unter die Bilsen zum Hof gesezt. Die Franzosen warfen es, wie alle Kreutzer, um, und nun steht es wieder auf der alten Platz. Bey der Benediction wurde daselbst mit kleinem Gewehr gefeuert. Das Wetter blieb schön. Am 16ten aber regnete es wieder anhaltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten kame ein Bataillon der Sambre- und Meus-Armee von Kölln, wovon der Stab zu Neus, die Compagnie auf Nivenheim, Erprath, Zons etz. und hieher 25 Mann in Cantonirung kamen. Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Die hiesige 7 Dragoner hatten Verstärkung begehrt, weil ihre Pferde auf der Correspondenz zu viel leiden. Deswegen kamen gestern Abend noch 7 Husaren vom 10ten Regiment, die sehr frech waren. Nun sollten auch noch 80 Mann von Worringen hieher verlegt werden, wovon der Fourier schon hier ware. Da kame eben, wie gerufen, der General Watrin hiedurch. Unser Secretair gieng zu ihm; und gleich musten die Husaren fort, und die 80 Mann sollen einstweilen in Worringen bleiben. Das Malder Korn gillt 5 Reichstahler. – Die Vieseuche läst noch nicht nach. Die Ställe, welche bisher verschont blieben, kommen nun daran, und die neu angekaufte Kühe fallen gleichfals dahin. Der Henrich Coenen, dem jüngst alles krepirt war, verlohr in 8 Tagen zwey Kühe und ein Rind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[260]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juny&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Heut Morgen kamen 134 Sapeur mit Ordre, hier zu logiren. Der hiesige Commendant schickte solche auf Nivenheim. Um den Mittag kamen auch 75 Husaren vom 10ten Regiment, und auch diese musten fort. Am Abend kamen 7 Husaren vom nähmlichen Regiment zur Verstärkung der Correspondenz, welche umbilettirt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Heut, als am lezten Sonntag der Nivenheimer Andacht, führte der Pastor die Prozession von hier nach Nivenheim. Gestern ward eine Collect gehalten, welche bis 8 Reichstahler betrug und zu einer Kerze geschenkt wurde. Um 5 Uhr war die erste Meß, um 6 giengen wir aus, und die Prozeßion mochte wohl 500 Seelen stark seyn. Wir blieben da, bis das Hochamt geendigt war, und kamen um halb zwey wieder hier an, doch waren ungefehr 100 Pilgerinnen bey der Rückkehr weniger. Eine Zeither hat es anhaltend geregnet, so daß wir mit dem heut sich einstellenden guten Wetter sehr zufrieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten musten die seit dem 14. Aprill, zulezt auf 7 verminderte Dragoner vom 16ten Regiment, hier für die Correspondenz gewesene Dragoner, auf Düsseldorf. Zu den 7 Husaren kamen am 30ten noch 4 vom 10ten Regiment, welche sich aller Orten sehr übel aufführen. Hier aber werden sie von dem bey Hermann Hambloch logirten Commendanten in Zucht gehalten. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Abends 8 bekamen die hiesige Correspondenz-Husaren Befehl, sogleich auf Neus aufzubrechen. Sie giengen nachts um 11 Uhr fort, und wir haben heut, den 2ten&amp;lt;ref&amp;gt;Am Rand Datum wiederholt: &amp;quot;Den 2ten&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, keine Kavallerie für die Correspondenz hier. Heut hatten wir mehrere Donnerwetter mit Regen. 100 Pfund Heu 1 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Heut wurde hier eine Compagnie Sapeur logirt, welche von Düsseldorf kamen. Die Correspondenz ist aufgehoben. Jeder Bewohner ist sehr erfreut darüber. Wir haben izt nur 33 Mann mit einem sehr braven Commendanten hier. Da wir 23 Centner Korn nach Düsseldorf ins Magazin liefern müssen, so ist zu dessen Bestreitung wie auch für Visirung der Bons pro Morgen frey und unfreie und verdorbene Länderey 3 Stüber ausgeschlagen worden. – Allem Anscheine nach geht der Krieg zu Ende, und wir kommen wieder unter unsern alten Fürsten. Das Regenwetter hällt noch an. In den Kühbenden wird der Morgen fertig Heu zu 8 Reichstahler verkauft. – Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Am 17ten Juny, als die izt bis auf 39 Mann vermehrte Infanteristen hiehin kamen, hatte der Commendant von Zons 17 Mann nach Rheinfeld gelegt. Nun gienge der Rheinfelder Sohn Peter Joseph Dahmen zu dem Commendanten nach Zons und erwirkte eine Ordre, daß der hiesige Bürgermeister von den Passanten keine nach Rheinfeld bilettiren darf. Johann Steinberger gienge heut auf Zons und brachte Gegenbefehl. Demzufolge müssen die Rheinfelder vor wie nach ihre Lasten tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[261]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten kame ein Bataillon Kanonier von Düsseldorff, um hier zu logiren. Der hiesige Commendant detachirte die Compagnien auf Nivenheim, Delven und Hackenbroich, so daß nur 42 Mann mit dem Stab hier blieben. Die 3 doppeltspännige Karren, welche zum Transportieren der Bagage erfodert wurden, musten auf oben benennte Ortschaften stellen. Das Hauptquartier der Sambre- und Maas-Armee ist izt in Bonn, doch stehn noch einige französische Divisionen zu Giessen, Friedberg, Wetzlar und längs der Demarcations-Linie bis über Elberfeld auf Düisburg. Man spricht izt stark davon, daß die Armee über die Maas ziehen soll. Das Wetter ist prächtig, und man mähet Korn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Ganz wieder Vermuthen kamen heut 5 Dragoner vom 16ten Regiment wieder hieher auf die Correspondenz. – Vorgestern Abend kame die ganze Division Lemoine von Bonn auf Kölln. Sie giengen heut in einer Kolonne auf Aachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Es ist entsetzlich heis, welches dem Haaber sehr gut thut, deren man ein schöner im Felde sah. Hingegen taugt der Buchweitz nichts. Heut kamen 225 Kanonier von Kölln hieher, um morgen als Garnison nach Düsseldorff zu gehen. Sie blieben alle hier und in Horm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut morgens 2 Uhr musten die seit dem 17ten Juny hier logirten Infanteristen aufbrechen, um in der Gegend von Crefeld zu kantoniren, weil sich dortherum eine sehr zahlreiche Bande Spitzbuben aufhällt. Vorgestern Nacht musten auch die hiesige, Worringer, Zonser und Nivenheimer Truppen des Nachts ohne ihre Säcke ausrücken. Sie versammelten sich am Stüttchens Busch, umsezten selbigen, und einige musten das Gehölz durchstreifen. Sie fanden aber keine Spitzbuben darin. – Diesen Nachmittag 3 Uhr, nach abgehaltener Bauerbank, giengen die Dorfjungen und Männer in die Aue, um auf dem Stück des Schefen Sturm am Rheinfelder Schuhlpättchen in die Brach zu kegeln. Es wurden zuvor die Männer und Jungen aufgeschrieben, welche beytragen wollten. Das betruge 6 Reichstahler für eine Ahme 6-Stübers-Bier, und jeder muste 10 Stüber zahlen. Nun maße der Schreiner 100 Fuß ab, und die Klötze wogen 1 ½ Pfund. Von den Männern kegelte der Joann Cremer neben dem Pflug und der Heinrich Bilk, Schuster. Von den Jungen aber warfen Conrad Sand und Caspar Esser von Rheinfeld. Das erste Spiel gewannen die Männer, die zwey lezten aber die Jungen, welche unter lautem Jubel und mit klingendem Spiel beym Mathias Schmitz im Sternen ein[kehrten]. Und als die Gelder, welche die Männer zahlen musten und die so die Jungen beygelegt hatten, verzehrt waren, da legten sie noch auf den Kopf 4 Stüber um, wofür noch eine Ahm Bier aufgezogen wurde. Und der Tanz und Lerm dauerte bis tief in die Nacht. Zwar hatten die Männer von Neuem einen Kegel an Steinbergers aufgehenkt, aber die Jungen wollten nicht ehender bis um Michaeli zum zweitenmale kegeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Das Kornhauen ist izt recht im Gange. Man verkauft noch das Malder alt Korn zu 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[262]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:July&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Verflossene Nacht haben, wahrscheinlich Bösewichter, dem Schefen Steinberger einen Heubarm von 30 tausend Pfund in den untersten Kempen in Brand gesteckt. Da man schon um Mitternacht die Flamme lodern sahe, so war um 6 Uhr diesen Morgen schon alles verbrennt. Man kann zwar nicht sagen, wer der Thäter ist, allein, ich vermuthe, daß es von der Rebellionsparthie hier im Dorf geschehen ist, welche den Joseph Küpper zum Schefen ernennt wissen wollen, da hingegen den Scheffen Steinberger und Sturm sich für den Thomas Delhoven verwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten wurden des Mittags 42 Pferde mit Wägen zum Erfrischen logirt. Sie kamen von Düsseldorff und hohlen zu Gleuel im Busch schwere Eichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Man ist frischauf am Einscheuren, doch steht noch eine Menge Korn auf dem Halme. Der einzige Welferhalfen hat dessen noch über 125 Morgen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten, sontags – Nachmittags 2 Uhr ward vom Amtsverwalter die Gemeinderechnung im Schwanen gehalten. Zuerst ward die des Scheffen Steinberger vorgenohmen, der Peter Pannes, J. W. Verhagen und Joseph Küpper etz. waren die Wiedersprecher. Sie hielten sich vorzüglich dabey auf, daß alles zu einseitig ohne die Meistbeerbte geschehen wäre, auch daß man den Vorsteher Delhoven erwählt, der doch nicht von der Gemeinde geliebt seye. So viel auch für die Gemeinde geschehen ist, so ward das doch alle in Abred gestellt, bloß um die Scheffen Steinberger, Sturm und Vorsteher Delhoven des Eigennutzes zu beschuldigen, damit Lezterer nicht Scheffen werde. – Auch wurden diesen Morgen 29 Mann zu Fuß einlogirt, für ein Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten kame 1 Compagnie Dragoner vom 16ten Regiment. Man schickte sie halb auf Worringen, und die übrigen verzohn am 1ten August&amp;lt;ref&amp;gt;Am Rand wiederholt: &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit den 5, welche hier auf der Correspondenz waren, so daß wir bis heut, am 3ten&amp;lt;ref&amp;gt;Am Rand Wiederholung des Datums: &amp;quot;Am 3ten&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, keine Ordonanzen, sondern nur 3 Sapeur hier haben. – Das Malder neue Korn wird zu 5 Reichstahler 15 Stüber verkauft. Es ist izt eine große Trockenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Es scheint, als wenn von Neuem Hinderniße dem Friedensgeschäft mit dem Kayser und den Franzosen aufgestoßen wären, denn es gehn wieder viele Truppen nach dem Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten kamen 5 schwere Reiter hieher auf die Correspondenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Gestern Abend ist in Kölln ein Kourier mit der frölichen Nachricht angekommen, daß der Endfriede mit dem Kayser zu Udine in Italien unterzeichnet worden ist. Die ganze Nacht giengen Kouriere und Stafetten hiedurch, und heute wurden zu den Köllnischen Zeitungen Extrablätter gedruckt. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten musten wir auf die 12 Milionen Contribution pro Morgen Unverdorben 12 Stüber und pro Morgen im Rheinfeld 6 Stüber zahlen. – Bisher ware es immer sehr trocken. Heut stellte sich Regen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Heut wurde vom Ofizial das Testament des seehligen Pastoren untersucht. Der neue Pfarrer bekömt für den vernachlässigten Bau 115 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[263]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten passirte ein Bataillon hiedurch auf Neus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten auf den 20ten – Um Mitternacht kame ein Ingenieur mit der Ordre, daß wir oben am Klockenthurm hinaus eine Leucht hangen sollten, welche man zu Worringen, Longerich und Kölln sehen konnte, auf welchen Orten man Gleiches that, um eine neue Karte von dem hiesigen Lande zu machen. Zugleich musten 2 Ordonanzen mit einigen Gebund Stroh den Ingenieur begleiten, welches sie auf dem Feld anzündeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Seit 8 Tagen haben wir Regen in Überfluß bekommen, und der Haber ist zum Einscheuren bereit. – Die Vieseuche läst nach, und man kauft wieder neue an, welche in Herden von der Maaskante in zivilen Preisen hieherkommen. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Mittags kamen 150 Sapeur hier ins Logis. Sie gehn auf Düsseldorff. Die Prozessionen sind dieses Jahr, ausser den Mühlheimer und Siburger, alle wie vor alters auf Kevelaer gewahlfahrtet. Seit 10 Tagen sind 30 Wagenpferde mit 18 Chartje hier logirt. Sie beziehen ihre Fourage, so wie die 5 schwere Correspondenz-Reiter, von Neus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten kame das lezthin am 15ten dieses auf Neus gegangene Bataillon hieher. 3 Compagnien blieben hier und giengen am 30ten auf Kölln. Nebstdem logiren seit 14 Tägen 30 Chartje-Pferde hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Die Ingenieur, welche das Land aufnehmen und eine neue Karte verfertigen sollen, waren heut wieder hier auf dem Kirchthurme. Nachdem sezten sie Stangen mit Stroh ins Feld, um in grader Linie die Weite von einem Ort zum andern zu messen. Auch muß jeder Bürgermeister ihnen die Anzahl Menschen, Häuser, Vieh und Morgenzahl angeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten kamen von Worringen 34 Mann Infanteristen hieher, um zu cantonieren. So wird izt die ganze Sambre- und Meuse-Armee ins Land umgelegt, und es bleibt bis zur Maas kein Ort leer. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Haaber 18 Schilling, Saamen 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Heut und die beyden Tage wird das 40-stündige Gebeth gehalten. So zuversichtlich man auch glaubte, der Friede mit dem Kayser würde nun berichtiget seyn, eben so sehr verkündigen izt alle Anstalten von neuem Krieg. Heut kömmt das 6te Husaren-Regiment, das schon ins Innere von Frankreich zurückgekehrt war, über Bergheim auf Kölln an den Rhein. Mantua soll der Zankapfel seyn, das der Kayser nicht abtretten und die Franzosen nicht missen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten musten die am 5ten von Worringen hieher verlegte 34 Mann auf Horm, weil es hier wegen der Passage zu unruhig war, doch ist es auch eigentlich hart für Horm. Indessen sind alle Ortschaften zwischen Maas und Rhein mit Truppen belegt, und man ist zu Udine über Krieg und Friede noch nicht einig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[264]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Verflossene Nacht musten die Truppen von Horm aufbrechen, weil diese ganze Division auf Paris marschirt, wo man eine Verschwörung entdeckt hat, welche auf die Trümmer der Republick den Königstrohn errichten und Ludwig den 18ten zum souvereinen Regenten von Frankreich ausrufen wollten. Von den 5 Directoren waren zwey mit an der Spitze der Verschwörung, so wie General Pichegru und mehrere der ersten aus dem Rath der 500 und der alten. Kurz vor dem Ausbruche dieser Verschwörung wurden benennte 2 Directoren, Carnot und Barthelemy, so wie Pichegru und Bossi Danglas mit noch mehreren, in allem 66, arettirt, ein Aufruf an das Volk erlassen und in allem gute Ordnung gehalten. 13 der Gefangenen, worunter Pichegru, sind unter Bedeckung von 300 Cavalleristen und 2 Kanonen weggebracht worden. Sie werden auf die Insel Madagascar ins Elend verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Die Vieseuche war hier gestillt, da lies der Posthalter diese Woche 5 Kühe von Monheim herüberhohlen, wo selbige Seuche izt stark einreißt. Von diesen sind schon viere krepirt, doch ist sonst im Dorf noch alles Viehe gesund. In Horm hingegen fallen täglich noch einige Kühe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Die bey dem heurigen Meygeläute herabgefallene alte Klocke ward heute wieder aufgehangen und diesen Nachmittag anhaltend gebeiert. Am 29ten morgens 5 Uhr war die erste Meß, das Hochwürdigste blieb ausgesezt. ¼ auf 9 begann das hohe Amt, wobey der Herr Subprior von Knechstein eine sehr passende Rede hielt. Erst um halb zwey kehrten wir mit der Procession herein. Um halb 4 begann die Vesper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Es scheint nun ausgemacht zu seyn, daß der Krieg von Neuem beginnen soll. Heut Mittag kamen schon Quartiermeister von einem Bataillon, welches in und um Neus cantonirte. Man vertheilte solche so, daß wir nur 1 Compagnie hier behalten sollten. Allein, als das Volk um 7 Uhr abends ankame, musten Biletter für 625 Mann gemacht werden. 2 Compagnien wurden schon früh bey ihrer Ankunft auf Worringen und Hackenbroich geschickt. Der brutale Chef, der gemäß seiner Ordre das ganze Bataillon in Dormagen logirt haben wollte, berief die beyden Compagnien noch herein. Es wurden Ordonanzen umgeschickt, daß die Nachbarn aufbleiben und die Soldaten erwarten sollten. Um Mitternacht kame die Compagnie von Worringen, jene von Hackenbroich aber blieb aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Morgens 8 Uhr brach das Bataillon auf Kölln auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[265]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Es regnet seit einiger Zeit alle Tage. Kaum ein Drittel von der neuen Saath ist bestellt, und selbst zum Mistfahren ist es zu naß. Weil Remigiustag dieses Jahr auf den Sonntag fällt, so kömmt die Zonser Kirmes mit der unsrigen zugleich. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten kamen 25 Husaren mit 6 Ofizieren vom 3ten Regiment hieher. Man legte deren 18 auf Worringen, und die übrige blieben hier. Drauf giengen die Worringer auf Kölln zum General Trigni und wirkten eine Ordre aus, worin der General den hiesigen Bürgermeister einladet, die hieher beorderte Truppen nicht auf benachbarte Dörfer, am wenigsten nach Worringen, zu verlegen. Mein Bruder Thomas war aber schon vorgestern zu Kölln, um eine Ordre vom General Trigni zu erhalten, daß der hiesige Bürgermeister authorisirt würde, bey dem bevorstehenden Marsch zum Oberrhein der Nordarmee die Truppen auf die benachbarte Ortschaften zu verlegen. Der General sagte, die Nordarmee habe Gegenbefehl erhalten, doch gab er eine Ordre, daß die übrigen Ortschaften mit uns gemeinschaftlich die Einquartirung tragen sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten kamen 2 Compagnien Jäger zu Fuß hieher ins Logis. Sie gehen morgen auf Neus in die Garnison. Heut war&#039;s gut Wetter. – Seit 14 Tagen ist zu Kölln der alte Rath abgesezt und ein neuer aus Patrioten erwählt worden. Man hatte schon lange in Kölln gegen die ungerechte Vertheilung der Contributionen und gegen den Rath gemurrt, bis auf einmal von dem französischen Substikat-Commissair die 2 regierende Bürgermeistere nach Bonn ins Zuchthaus gesezt wurden. Man lies sie 24 Stund darin und hielt sie noch einige Tage in einem Privathause gefangen, dann lies man sie wieder auf Kölln gehn. Nun wurden 13 neue Rathsglieder erwählt, welche die zukünftige Regierung organisiren sollen. Diese pflanzten (vor 14 Tägen) einen Freyheitsbaum vors Rathhaus, nahmen den messingen Kopf des ehemaligen Rädelsführers Nikolaus Gülich von der Schandsäule weg, trugen selbigen im Triumpf durch die Stadt, errichteten vor dem Dorfe Melaten einen Altar, worauf die Göttin der Vernunft thronte und wollten das Land zwischen Maas und Rhein zu einer unter französischem Schutz stehenden Republick umschafen. Der Doctor Everts, der Gastwirth Rodius, beyde von Kölln, Jurist Sommer bey Gülich, und der Docktor Wasserfall durchstreifen das Land, um die Leuthe zu bereden, daß sie eine Supplik an das französische Directorium unterschreiben, daß wir als Freystaat erklärt werden. Indessen werden von Neuem die Nachrichten des Friedens lauter, und hier will sich noch keiner zum Unterschreiben anschicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[266]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmesabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Nachmittag kamen die am 4ten auf Neus gegangene 2 Compagnien wieder zurück, weil dort schon 1 Bataillon von der Nordarmee einlogirt war. Wir legten eine Compagnie auf Worringen. Sie betrugen sich sehr ordentlich und giengen am&lt;br /&gt;
:8ten auf Kölln – Musikanten spielen zum Tanz. Weil gar keine Soldaten ziehen und ausser 5 Reitern keine Einquartirung hier ist, so machen sich die Leuthe recht lustig, und man sieht in keinem Theil, daß es Krieg ist. – Über Frieden ist man noch im Zweifel. Man spricht indessen von einem neuen Waffenstillstande. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Bis gestern, Donnerstag, und noch tief in die Nacht hinein dauerten Tanz und Spiel, als auf einmal heute die Fourier ankamen, um für ein Bataillon der Nordarmee Biletter zu machen. Man vertheilte selbige so, daß wir nur 2 Compagnien hier behielten. Nivenheim bekame auch etwas davon. Abends kame ein Brief an unsern Bürgermeister, worin der Kriegskommissär von Cleve ausmeldet, daß am 16ten für 450 Mann Husaren und am 17ten-18. für 2 Bataillons Biletter fertig seyn sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Hier am Posthause sind für den General Macdonald 12 Pferde bestellt. Diese Gelegenheit wird der Vorstand benutzen, um eine Ordre zu erbitten, daß die Husaren über Gohr und Stommeln gehn. Heute kame wieder ein Bataillon, wovon 3 Compagnien hier blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Der General Macdonald ist durchs Bergische auf Kölln gegangen. Deswegen fuhre der Posthalter heut Morgen auf Kölln, um den Marsch der Husaren zu ändern. Heut kamen keine Truppen. Der Posthalter brachte eine Ordre, daß der hiesige Bürgermeister authorisirt ist, die Husaren auf die umliegende Orte zu verlegen. – Am 16ten&amp;lt;ref&amp;gt;Am Rand wiederholt: &amp;quot;Am 16ten&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; kamen die Quartiermeister vom 5ten Husarenregiment. Wir legten den Stab nach Zons, eine Compagnie nach Worringen, Esch, Rheinkassel, Langel, Nivenheim etz., so daß nur 1 Compagnie hier blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten kame 1 Bataillon, wovon wir nebst der Halbschied des Hauptquartiers die Grenadier-Compagnie hier behielten. Auch kamen nach Zons das 5te Chasseur-Regiment. Die Zonser konnten nichts davon fortlegen. Als aber der hiesige Vorsteher Thomas Delhoven mit der Ordre von Macdonald dahin kam, da wurde dessen Vorschlag angenommen. Sie kamen nach Nivenheim, Esch et Langel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten kamen wieder ein Bataillon, wovon die Grenadier mit dem Stab hier blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Alle von der Nordarmee ankommende Truppen werden zur Seythe von Kölln und Brauweiler in Kantonirung gelegt. Heute kame wieder ein Bataillon hieher und auf die benachbarte Orte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Auch heut kame ein Bataillon um den Mittag an. Man vertheilte sie, und nach Zons kamen 2 Compagnien. Abends 7 Uhr kamen noch 400 Mann Sapeur, 1 Compagnie gieng nach Worringen und 2 nach Zons. Die Zonser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[267]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – schicken selbige wieder zurück, und man muste auch diese noch um 9 Uhr hier logiren. Deswegen ward es sehr voll. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten gienge alles fort. Das Bataillon muß in Worringen, Langel etz. cantoniren. Es kamen bey 100 Husaren, welche anfangs hier logiren wollten, welche man aber noch bis Fühlingen fortschickte, und wir blieben frey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – 2 Compagnien von den vorgestrigen Sapeur kamen heute von Kölln zurück. Dagegen kamen 2 andere von Düsseldorf herauf. Erstere hatten Ordre, in Zons zu logiren und Leztere in Dormagen. Weil aber in Zons 5 Compagnien von der Nordarmee liegen, so musten wir solche hier für eine Nacht logiren. Es wurde aber den von unten Kommenden eine Ordonanz geschickt, welche in Nivenheim blieben. – Noch ist man nicht fertig mit der Saath. Wenn es einen Tag gutes Wetter ist, so regnet es wieder die 2 folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten kame eine noch in Holland zurückgebliebene Compagnie hier für eine Nacht und Logis. Weil aber ihr Bataillon in Worringen lag, so giengen sie am 27ten auf Hackenbroich cantoniren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten wurden 10 Chasseur hier logirt, welche einen Wagen Geld auf Kölln transportieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Es sind izt noch neben den 5 schweren Reitern auch noch 5 Chasseur vom 5. Regiment zur Correspondenz hier. Sie bekommen Fourage zu Neus. – Diese Nacht kamen 3 Kouriere von Kölln, welche die frohe Nachricht brachten, daß der Friede am 17ten zu Udine in Italien geschlossen ist. Und die um 9 Uhr ankommende Zeitung hatte gleichfals diese Neuigkeit bestättigt. Am 30ten bestättigte es sich noch mehr, und am 31ten kamen demungeachtet 2 Bataillons von unten auf hieher ins Logis. Man hatte selbige aber so detaschirt, daß nur 3 Compagnien mit den Chefs hier blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Um die Mittagszeit kame wieder 1 Bataillon von der Nordarmee hieher. Es blieben 2 Compagnien hier. – Auch waren heut die hier folgende Friedensartikel im Staatsboth:&lt;br /&gt;
::Endfriedens-Vertrag&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;zwischen seiner Kayserlich Königlichen Majestät und der französischen Republick&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Da seine Kayserlich Königliche Majestät und die französische Republik den Frieden, dessen Grundlagen durch die auf dem Schlosse Eckenwald bey Leoben in Steyermark am 18ten Aprill 1797 unterzeichnete vorläufige Artikel bestimmt worden, befestigen wollen, so haben sie zu ihren Bevollmächtigten ernannt: seine Königliche Majestät, den neapolitanischen Patrizier, Martius Mastrilly, Marquis Gallo; Graf Cobenzel, am russischen Hofe Bothschafter; General Merfeld; und den Baron Degelmann; und die französische Republick den Oberfeldherren der französischen Armeen in Italien Bonapart, als welche nach Auswechslung ihrer gegenseitigen Vollmachten beschlossen haben:&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 1&amp;lt;/u&amp;gt;: In die Zukunft und für immer soll ein dauerhafter Friede zwischen dem Kayser und der französischen Republick herschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[268]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 2&amp;lt;/u&amp;gt;: Gleich nach Auswechslung des gegenwärtigen Vertrags sollen alle Einziehungen der Güter, Gebühren und Einkünfte der Privatpersonen, welche auf dem wechselseitigen Gebiethe oder in den damit vereinigten Landen wohnen, wie auch der darin gelegenen öfentlichen Stiftungen aufhören. Sie verbinden sich, alles das abzuführen, was sie für die ihnen von gesagten Stiftungen geliehenen Kapitalien schuldig sind.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 3&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Kayser entsagt für immer allen seinen Rechten auf die vormalige Österreichische Niederlande. Die Französische Republik wird selbige auf ewig eigen beherschen.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 4&amp;lt;/u&amp;gt;: Alle vor dem Krieg auf den Boden gemelter Niederlande verpfändete Schulden fallen der französischen Republik zur Last.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 5&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Kayser willigt darin ein, daß die Französische Republik völliger Oberherschaft, die ehmals venezianischen Inseln in der Levante: Corfou, Zante, Cephalonie, Sainte Maure, Cerigo und andere davon abhängige Inseln, wie auch Batrinto, Carta, Venizza und alle venezianischen Anlagen in Albanien, welche mehr abwärts als der Merbusen Lodrino liegen, besitzen.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 6&amp;lt;/u&amp;gt;: Die französische Republik willigt darin ein, daß der Kayser in volliger Oberherrschaft die hier angezeigten Länder besitze: Istrien, Dalmatien, die vormals venetianischen Inseln im adriatischen Meere, die Mündungen von Cattaro, die Stadt Venedig, die Lagunen und die zwischen den Erbstaaten des Kaysers einbegrifene Länder, das Adriatische Meer und eine Linie, welche von Tyrol ausgeht, dem Strome vorwärts Gardola folgt, den Gardasee bis Lacise durchschneidet, von da eine militärische Linie bis Sangiacomo, die beyden Theilen gleiche Vortheile gewährt. Die Gränzlinie wird darauf die Etsch vorbey bis Sangiacomo gehen, dem linken Ufer dieses Flusses bis zur Mündung des Canal Blanc, mit Einschluß des auf dem rechten Ufer dieses Flusses befindlichen Theiles von Portolegnant nebst der Erweiterung eines Halbkreises von dreytausend Klaftern folgen. Die Linie wird über das linke Ufer des Kanalblanc, das Ufer des Tartaro, das linke Ufer des Kanal La Polisella bis zu dessen Ausflusse in den Po und über das linke Ufer des großen Po bis in das Meer fortlaufen.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 7&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Kayser entsagt für ewig zu Gunsten des Cisalpinischen Republick allen Rechten, welche seine Kayserliche Majestät auf die Länder fodern könnte, die sie vor dem Kriege besaß.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 8&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Kayser erkennt die Cisalpinische Republick als unabhängige Macht an. Diese Republick begreift die ehemalige österreichische Lombardie, die Länder von Bergamo, Brescia, Crema, die Stadt und Vestung Mantua, das Land Mantua, Peschiera, den Theil der ehemals venezianischen Staaten westwärts und südwärts jenseits der im 6ten Artikel zur Gränze des Kaysers in Italien bezeichneten Linie, das Land Modena, das Fürstenthum Massa und Carrare und die drey Legazionen Bologna, Ferrera und Romagna.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 9&amp;lt;/u&amp;gt;: In allen durch den Krieg abgetretenen oder ausgewechselten Ländern wird allen Einwohnern Aufhebung des Beschlags ihrer Güter zugesagt. Jene, die in Zukunft in diesen Ländern zu wohnen aufhören wollen, sollen sich binnen 3 Monathen darüber erklären. Sie sollen 3 Jahre Zeit haben, ihre Güter zu verkaufen.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 10&amp;lt;/u&amp;gt;: Jene, welche die in diesem Vertrag abgetretene oder ausgewechselte Länder übernehmen, werden auch die auf den Boden haftende Schulden abtragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[269]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 11&amp;lt;/u&amp;gt;: Die Schiffart auf jenem Theile der Flüsse und Kanäle, welche zu Gränzen zwischen dem Kayser und der Cisalpinischen Republik dienen, sollen zollfrey seyn. Auch soll keine Macht ein bewafnetes Schiff darauf halten.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 12&amp;lt;/u&amp;gt;: Alle und jede in den venezianischen Landen zum Unterhalt der deutschen und französischen Armeen geschehene Verkäufe und Verbindlichkeiten sind gültig.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 13&amp;lt;/u&amp;gt;: Die Domainen-Urkunden und -Archive der ausgewechselten Lande und die den Generalstäben abgenommene Briefschaften, samt den Planen und Karten der Festungen und Lande, sollen getreu überreicht werden.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 14&amp;lt;/u&amp;gt;: Die beyden Mächte verbinden sich zur Handhabung der inneren Ruhe.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 15&amp;lt;/u&amp;gt;: Ungesäumt soll ein Handelsvertrag zu beyderseitigem Vortheil geschlossen werden.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 16&amp;lt;/u&amp;gt;: Kein Bewohner soll wegen seiner politischen Meinungen verfolgt werden.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 17&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Kayser wird in diesem Kriege in jedem seiner Häfen nicht mehr als sechs bewafnete Kriegsschife jeder kriegführenden Macht aufnehmen.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 18&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Kayser verbindet sich, dem Herzog von Modena zur Entschädigung das Breisgau abzutreten.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 19&amp;lt;/u&amp;gt;: Die Grundgüter, welche der Erzherzog Karl und die Erzherzogin Christine in Belgien hatten, sollen ihnen wiedergegeben werden, sie in 3 Jahren Zeit zu veräussern, so wie Prinz Ferdinand in der Cisalpinischen Republik.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 20&amp;lt;/u&amp;gt;: Zu Rastat wird ein einzig aus Bevollmächtigten des Deutschen Reichs und der Französischen Republik bestehender Kongreß gehalten werden.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 21&amp;lt;/u&amp;gt;: Alle während dem Krieg gemachte Gefangene und Geißeln sollen in 40 Tagen Zeit ausgewechselt werden.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 22&amp;lt;/u&amp;gt;: Alle Kontributionen, Lieferungen etz. sollen von nun an aufhören.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 23&amp;lt;/u&amp;gt;: Der Kayser und die Französische Republik werden das Zeremoniel und Hofgebräuche wie vor dem Kriege beobachten. Die Cisalpinische Republik wird den Rang der Republick einnehmen.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 24&amp;lt;/u&amp;gt;: Gegenwärtiger Vertrag gillt auch für die Batavische Republick.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 25&amp;lt;/u&amp;gt;: Gegenwärtiger Vertrag wird binnen 30 Tagen bestättigt und ausgewechselt. Geschehen zu Campoformio bey Udine am 17ten October 1797. Unterzeichnet Bonnaparte, Marquis Gallo, Graf Coblenzel, Graf Merfeld, Degelmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Heut gienge das gestern angekommene Bataillon auf Kölln, und es kame nichts Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten kame gemeltes Bataillon wieder vor eine Nacht hieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten kamen 2 Bataillons hieher. Wir schickten Ordre entgegen, daß 4 Compagnien in Worringen blieben, und wir hielten nur die zwey Grenadier-Compagnien mit den Stäben hier. Auch bekamen die Worringer noch nebstdem 1 Bataillon, welche einstweilen liegen dort bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten giengen die 2 Bataillons fort, und es kame nichts Neues.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[270]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1797&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten kame von einem Bataillon der Stab und die Grenadiere hieher. Zons bekame nur eine Compagnie. Und weil die Abdey Knechstein vorgestern die gefoderte zwey Dienstkarren nicht hieher gestellt, so gieng auch eine Compagnie ganz ins Kloster. Neben dem kame noch das Hauptquartier des Generals Macdonald mit einigen und 60 Pferden hieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten logirte hier 1 Batallion Jäger zu Fuß, 1 ins Worringen und 1 Batallion Infanterie in Zons. Wir hielten den Stab mit den Grenadieren hier, die übrigen wurden von Delven bis Nivenheim verlegt. – Die Samber- und Maaßarmee heißt izt die deutsche Armee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten kame noch 1 Bataillon Jäger zu Fuß. – Die Nordarmee zieht ganz in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Kaum waren die Soldaten fort, als auch gleich wieder Quartiermacher von 2 Batailon von der deutschen Armee ankamen. Nach dem Mittag waren die Truppen bald hier, und sie betrugen sich ziemlich schlecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Die gestern angekommene Truppen werden compagnienweis in die Dörfer gelegt. So blieben hier und in Rheinfeld 2 Compagnien, die sich schlecht aufführen. Und weil sie kein Fleisch und Brodt haben, so fodern sie alles von den durch die starken Märsche beynah erschöpften Bürgern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Abends halb 7 kamen die Fourier, denen um 8 Uhr 260 Sapeur folgten. Die Biletter wurden unten am Dorf ausgetheilt. Sie gehn von Düsseldorf bis Andernach. In jeden Ort auf der Rout bleiben einige, um die Wege zu machen. Um den Unordnungen in den Häusern vorzubeugen, ließ der hiesige Commendant 20 Mann mit 2 Ordonanzen, welche leuchteten, die ganze Nacht auf und ab patrolliren. – Kornpreis 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Gemäß einer neuen Verordnung muß nun der Bürger seine bey ihm logirte Truppen verpflegen. Dies macht die Soldaten frech; umsomehr, da die Ofiziere keine Subordination halten. Indessen beginnt doch Bauer und Soldat sich allmählich zu vertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Von den am 11ten hier einlogirten 2 Compagnien gienge heute eine mit dem in Worringen und daherum liegenden 3ten Bataillon auf Lechnich. Eine Compagnie vom 2ten Bataillon blieb hier. 5 Compagnien samt dem Stab kamen von Neus. Man brachte sie aber fort auf Esch etz. – Die Franzosen lassen jetz dienstweis die Landstraßen machen. So wurde auch hier das Dorf bis an die Limitten gemessen, wozu das Gülicher Land die Karren und Dienstleuthe hergeben muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten gienge die noch hier kantonirte Kompagnie fort. Es kame 1 Bataillon an, wovon der Stab sammt den Grenadieren hier blieb. Sie giengen&lt;br /&gt;
:am 24ten, wie die vorige Bataillon, über Lechnich auf Metz. Heut kamen 70 Kanonier von Düsseldorff. Der Bürgermeister schickte davon 40 nach Worringen. Auch kamen noch gestern Abend 40 Voluntair, welche hier cantonniren sollen. Kornpreis 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Schnee und Regen. – Seit einigen Tagen waren 2 Kommissarien von der Regierung zu Düren hier, um zu überlegen, wie die hiesige Landstraß am besten in Stand zu setzen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[271]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1797&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Den in Kölln logirten 3 Bataillonen hatte man seit 3 Monathen keine Löhnung gegeben. Vorgestern Abend auf der Appell erklärten die 3 Grenadier-Compagnien, sie wollten nicht vom Platz gehen, bis sie bezahlt wären. Der General lies die Grenadier ins Prison führen. Heut Abend aber versammelten sich die Voluntair und foderten gleichfals Geld. Der General ließ den General March schlagen, und noch um 6 Uhr musten die 3 Bataillons die Stadt verlassen. Eins bekam Ordre auf Brühl, eins auf Düren und eins nach Dormagen. Um halb 11 war dieses schon vor den Quartiermachern hier. Der Chef befahl, keinem ein Billet zu geben. Es wurden 3 Compagnien in die Welfer, 2 in die Rheinfelder und 2 in die Sandhofs-Scheuer gewiesen. Viele Soldaten schlichen sich hier im Dorf in die Häuser und waren mit Erdäpfeln sehr zufrieden. Auf den Höfen muste man gleichfals Erdäpfel abkochen und sie im Hause logiren. Beym Scheffen Steinberger logirte der Chef mit 5 Offizieren, welche sich da recht auftischen liessen und viel Wein tranken, wofür sie nichts bezahlten. Um Mitternacht kame ein Chasseur von Kölln mit der Ordre, daß sie morgen auf Gohr und Höningen gehen sollen. Zu Wallhoven assen sie 9 Faß Erdäpfel und 12 Brodt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Morgens giengen sie in ihre Cantonirungen. Am Abend kame die Bagage von dem Bataillon mit 130 Soldaten. 70 wurden davon auf Nivenheim geschickt, die übrigen kamen hier in die ärmsten Häuser. – Seit einiger Zeit muste man vom Malder Korn ins Bergische überzufahren 10 Stüber zahlen. Nun ist dieser Tax auf 20 Stüber erhöhet, ohne das Fährgeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Von den hier cantonirenden Truppen sind nur noch 14 Gemeine mit einem Ofizier hier. Sie foderten anfangs Montuer. Der Vorstandt begehrte darüber eine schriftliche Order. Diese erfolgte, und es war im wesentlichen nur eine Einladung, aus gutem Willen etwas zu geben. Der Vorstand erklärte das für unmöglich, weil die hiesige Gemeinde zu viel gelitten hat. Der Ofizier bath für jeden Soldaten ein Viertel Pfund Taback. Das hat man ihnen gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten kamen 90 Kanonier von Düsseldorf hier an. Sie gehn morgen auf Trier. Noch sind 6 Regimenter schwere Cavallerie im Bergischen, welche dem Bürger hart zu Last fallen. Sie essen nichts als Weisbrodt. Bier und Brandwein darf gar nicht fehlen. – Zu Düsseldorff ist noch eine stehende Brücke. – Seit einem Monath ist die Regierung zu Düsseldorf für das Gülicher Land abgesezt und uns eine neue Regierung zu Düren niedergesezt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[272]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1797&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Obschon allgemein die Nachricht angenohmen wird, daß dieses Land wieder an die deutschen Fürsten kömmt, so arbeiten die deutsche Republikaner doch noch unausgesezt an dem Plane, die Freyheit zu stiften. In Bonn ist die Universität abgesezt, weil sie den französischen Eyd nicht schwören wollten. Und gestern musten die in öfentlichen Ämtern stehende Personen gleichfals den Eyd leisten. Von den Hauptleuten haben nur 8 geschworen, das Syndicat und Gewaltgericht hat ganz gegen den Eyd protestirt, und ihre Bureaux sind geschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Vor 14 Tagen kamen 6 Chasseur vom 23ten Regiment hieher auf die Correspondenz. Darauf giengen die seit dem Sommer hier gelegene 5 Cavalleristen vom 25ten Regiment fort. Heut wurden die Chasseur umgewechselt. Die Gemeinen wollten zu 2 in Wirthshäusern beysammen blettirt seyn, der Brigadier wiedersezte sich. Sie schlugen sich untereinander und foderten sich auf den Sabel. Sie hieben von oben herab, und in 2 Minuten hatte der Brigadier dem gemeinen Chasseur den Daumen ganz ab- und die übrigen Finger durchgehauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Die Ordonanzen gehen sehr stark, die ganze Nacht hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Heut um den Mittag kamen 2 Bataillons hieher, um die Revue zu passiren. Weil der General aber noch nicht angekommen war, so giengen die Soldaten in die Häuser, hatten aber selbst Essen bey sich. Zwey Grenadier bekamen Streit und schlugen sich mit ihren Flinten. Überdem kame der General mit 4 Chasseur. Ersterer befahl, sie auseinander zu treiben, und da ein Grenadier nicht aufhörte zu schlagen, so rief der General: &amp;quot;Hauet ihn zu Stücken&amp;quot;. Ein Chasseur verwundete den Grenadier am Kopfe, und noch wollte er nicht ruhig seyn, da sprang der Commendant hinzu, schluge ihn mit dem Degengefäß in die Zähne, das Blut strömte. Ein Ofizier muste den Grenadier greifen, und der Commendant schluge ihn so lange mit dem Degen, biß er vor Müdigkeit nicht mehr konnte. Nun wurde er zum Bataillon geführt, welches am Gussenhover Kirchweg manoverirte. Dann risse man ihm die Epuletten ab und schickte ihn ins Prison. Um 4 Uhr war die Revue vorbey, und die Soldaten musten in ihre Cantonementer, einige auf Niel bey Kölln, andere noch 2 Stund unten Neus. – Die Chasseur auf der Correspondenz wurden heut durch 5 Dragoner vom 16ten Regiment abgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Vorgestern und gestern kamen schon verschiedene Karren aus dem Amt Caster und Bergheim hieher, um die hiesige Landstraß zu machen. Das hiesige Dorf muß gleichfals 4 Karren stellen. Das Amt Grevenbroich, welches gleichfals aufgebothen war, ist noch nicht erschienen. Der Posthalter ist Inspecteur-General und Vorsteher Delhoven Aufsichter über die Karren des Amt Bergheim. – Heut kamen 2 Compagnien Chasseur vom 23ten Regiment mit Ordre, hier zu logiren. Man brachte sie nach Üdesheim und Rosellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[273]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1797&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Zu jeder der 50 aufgebothenen Dienstkarren sind auch 2 Dienstleute mit Schüppen bestellt. Sie bringen den Morast bey Seythe, damit der Sand auf harten Boden geschüttet wird. Man fährt noch aus der öbersten Grundkaule am Damm, theils oben an der Dreckgaß, theils hinten den Damm an die Limitte. Etwas Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Die Passage ist izt so zimlich von Soldaten leer. 5 Dragoner vom 16ten Regiment und 3 Sapeur für die Correspondenz, sodann 12 Volontair-Cantonnement – dies ist die ganze Einquartirung. – Jetz ist ein neuer Regierungs-Commissair von Paris zu Bonn, namens Rudeler, angekommen, um das ganze linke Rheinufer zur Französischen Republik einzuverleiben und zu organisiren. Auf dem Köllnischen müssen alle Beamte, Scheffen und Vorsteher der Französischen Republik den Eyd der Treue schwören. Das ganze Amt Hülchrad hat geschworen, ausser Nivenheim, Delven, Straberg und Hackenbroich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Die 5 Correspondenz-Dragoner vom 16ten Regiment wurden heut durch 5 rothe Husaren vom 4ten Regiment abgelöst. Nebstdem sind izt 20 gemeine Soldaten hier. Die Landstraßenarbeit geht noch thätig fort. Von den Ortschaften, welche die Karren und Arbeiter zu stellen unterlassen, werden solche durch Militär-Execution gehohlt. Einige Dörfer haben sich hier accordirt, und sie zahlen für eine Karrig pro Tag 1 Reichstahler und für ein Arbeiter 16 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten und 31ten – Das Jahr schliesset sich mit Sturm und Regen, wovon wir in der lezten Hälfte einen so großen Überfluß hatten, dessen man sich seit langen Jahren nicht erinnerte. Denn seit der Erndte ware es selten 3 Tage ohne Regen, der oft 14 und mehrere Tage anhielt. Übrigens sind die Früchten treflich gerathen: An Gemüsen ist überall Überfluß, und durch die Arbeit auf der Landstraße gewinnt das Dorf ein Merkliches. Nur durch die anhaltende Viehseuche, die doch izt aufhört, wurde Dormagen hart mitgenohmen. Vor 8 Tagen musten wir vom öbersten Feld pro Morgen 12 Stüber und vom untersten pro Morgen 6 Stüber Verwaltungskosten für unsere Beamte zahlen. Die neue Contribution von 8 Milionen ist gleichfals ausgeschrieben und bis zur Zahlung die Execution schon hier. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1798 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[274]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1798&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Obschon der Friede unter zwey der ersten Mächte im Reinen ist und des Kaysers Heere nach den Erbstaaten zurückkehrt, so wie sich Frankreichs Kolonnen an des Meeres Ufern sammeln, so bleibt unsere Laage dennoch immer die nämliche. Die Gesandte der deutschen Fürsten sind zwar zu Rastad versammelt, um Friede zu stiften. Allein, in dem nämlichen Augenblick verlassen die Kayserliche Maynz, um den Franzosen in dieser Veste Platz zu machen, und man ist Tag und Nacht beschäftigt, das linke Rheinufer in Departemente zu theilen. Keiner kann sagen, wie unser Loos seyn wird, aber aller Anschein ist da, daß wir Republikaner bleiben werden. – Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – An der Landstraße wird noch fleissig gearbeitet. Noch blieben die Sonntage gefeyert, die hintere Gegenden aber haben sich dagegen beschweret.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Der Chef von der im Amt Bergheim cantonirenden Halb-Brigade hatte schon vor 14 Tägen 1.800 Liver für Federbüsche und Epuletten der Soldaten gefodert. Da aber keine Requisition vorgezeigt ward, so weigerten sich die Beamte und die Regierung zu Düren in der Zahlung. Der Chef schickte also vorgestern 10 Voluntair hieher, mit der Weisung, wofern man nicht bezahlte, so würde eine ganze Dimibrigade hieherkommen. Sogleich wurde eine Ordonanz nach Kölln an den dort anwesenden Schefen Steinberger geschickt, daß er unser Contingent zahlen sollte. Die Executions-Truppen musten gestern, am 5ten, nach Brauweiler zur Revue. Diesen Mittag kamen sie zu 27 Mann verstärkt zurück. Und am Abend kame der Scheffen Steinberger mit der Quittung an, welche durch den Adolph Coenen um Mitternacht nach Bergheim geritten wird, um die Ordre vom dasigen Chef zur Abreise zu erhalten. Die Soldaten sind sehr frech, und der commandirende Lieutnant fodert auch noch 28 Paar Schuhe und Hemder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Gestern Abend kame der Scheffen Steinberger mit der Quittung und einer Order zurück an den Commendanten zu Bergheim, die Truppen gleich zurück zu nehmen. Der Adolph Coenen ritte um Mitternacht auf Bergheim und kame um 2 Uhr nach Mittag zurück, mit einem Paket Brief vom Schultheis Meyer. Die Ordre zum Abmarsch sollte darin eingeschlossen seyn. Sie war aber unglücklicherweise vergessen. Der Commendant foderte eine Ordonanz, welche diesen Abend 9 Uhr auf Auenheim zum Capitain gehen sollte. Man schickte dahin. Weil es aber gar düster war, so hielt der Bürgermeister den Brief die Nacht hier, erbrach ihn, und der Inhalt war, daß der hiesige Commendant von den gar zu politischen Bauern die gefoderte Schuhe nicht erhalten könne. Es wäre also kein anderer Weg übrig, als daß man die ganze Compagnie hiehinschicke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Morgens 5 Uhr war schon eine Ordre vom Bergheimer Commendanten hier, und um 9 Uhr musten die Truppen fort. Jedoch blieben 5 Mann unter dem Namen Souve-Guarde hier aus Ordre des abziehenden Commendanten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[275]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1798&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Der seit 14 Tägen hier mit 20 Volontairs catonnirende Lieutnant hatte zum General Espital nach Neus berichtet, und heut kame die Ordre, daß die gleichfals als Execution auf die Schuhe zurückgebliebene 5 Mann fort musten. – Am der Landstraß wird fleissig gearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Vorgestern logirten hier 50 Artillerie-Pferde mit 20 Kanonieren und dem Pulvermagazin von Düsseldorff. Sie kamen heut von Kölln wieder zurück und haben morgen Rasttag. – Von der Köllnischen Landesregierung kame heut ein Befehl, gemäß welchem die Bürgermeistere von Dormagen und Bergheim hinfort keine Soldaten mehr auf das Köllnische verlegen sollen. – Seit dem 6ten hat es anhaltend gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Vorgestern stellte sich Thauwetter ein. Es regnet nun wieder alle Nächte, im Tag ist&#039;s dann doch erträglich Wetter. An der Landstraße wird mit vielem Fleiß gearbeithet. Der Grind wird theils oben am Damm in des Pastoren Stück, theils auf dem Steinbüchel gehohlt. Die Passage der Truppen ist izt nicht sehr stark mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heute Morgen hielt der Pfarrer um halbe 10 Uhr das Hochamt mit einer Predigt, und diesen Nachmittag wurde um 3 Uhr nach der Benediction der Rosenkranz und die Alleheiligen-Litanie gebeten. Angenehm Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Diesen Morgen, als ich Morgens-Klock läuten wollte, da stand die Kirchenthür offen. Weil die Knechten-Kerzen noch da standen und die Sacristey geschlossen war, so glaubte ich, die Magd des Pfarrers würde Licht gehohlt haben. Als die Messen anfiengen, da sahe man erst, daß Diebe am Beinhaus durch ein Fenster mit der ausgehobenen Gartenthür des Peter Pannes eingestiegen waren. Man vermißte nur die Agatha-, Michaels-, Josepfhs-, Oster- und Kreutzbergerkerz nebst 2 Altartüchern. Das Pflug-Kolter des Heinrich Tröster lage noch dabey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten stellte sich Frost ein. – Alle vier Tage kömmt ein Transport von 4 Wägen mit dem Pulvermagazin von Düsseldorfd auf Kölln. Wir gaben dem Conducteur eine Carolin, und seitdem fahren sie stets nach Worringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Die Arbeit auf der Landstraße geht sehr gut von statten. Wirklich ist der Weg von der Limitte hinterm Damm vom Unrath gereinigt und bis an die Nettergaß mit Sand überfahren. Regen und Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Die französischen Gesandten Treilhard und Bonnier thaten zu Rastadt den Vortrag, der Rhein sollte die französische Gränze seyn. Schon zu Anfang dieses Jahrs nahmen die Franzosen Maynz in Besitz, und die heutige Zeitung meldet, daß die Republikaner die diesseits gelegene Manheimer Rheinschanze in Besitz genommen haben. Aus allem dem läßt sich vermuthen, daß es den Franzosen Ernst ist, das linke Rheinufer zu behalten. Indessen haben die Reichsgesandte einstimmig erklärt, daß sie in die französische Foderung nicht willigen könnten. – Die französische Truppen diesseit des Rheines sind auf Friedensfuß gesetzt. Sie bekommen Geld und Brodt, und für das Fleisch müssen sie dem Bauer 3 Stüber zahlen. Man schenkt ihnen dieses, um Ruhe zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[276]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1798&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Diesen Nachmittag ließ der Scheffen Bremer, Vorsteher Heck und Joseph Küpper die große Klocke ziehen, und man hielte den Nachbaren vor, daß es nothwendig seye, daß der Scheffen Bremer bevollmächtiget würde, die Geschäften der Gemeinde zu betreiben. Auch ward ihm zum Gehülfen der Joann Sand beygeordnet. Es gab etwas Zänkerey, und Einige von des Bremers Parthie unterschrieben die Vollmacht des Bremers. Kornpreis 4 Reichstahler 18 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Wir haben noch anhaltend stilles Wetter ohne Frost. – Seitdem die Soldaten Ordre haben, daß sie täglich 3 Stüber Fleischgeld bezahlen müssen, hört man nirgend mehr von Streitigkeiten über schlechte Kost. Wir haben izt 10 Sapeur, 9 Husaren und den Commendanten mit zwey Volontairs im Dorf logirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten kamen 3 Bataillone von Kölln auf Worringen, wo selbe vertheilt wurden. Es wurden 3 Compagnien hieher geschickt, eine vierte nach Rheinfeld und eine nach Horm. Da man von beyden lezten nichts wuste, so schickte der hiesige Bürgermeister auch, wie gewöhnlich, Soldaten dahin. Der Rheinfelder Sohn schrieb von der ganzen Compagnie 30 Mann nach Welfen, wo es so wie zu Rheinfeld sehr voll war. – Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Heut kamen vom 3ten Regiment Husaren 4 Compagnien hieher. Wir schickten eine nach Straberg und Knechstein, 1 nach Nivenheim, 1 nach Rosellen und eine nach Norf. Der Stab bliebe hier. Sie gehn nach Holland, wo sich eine zahlreiche Armee versammelt, um eine Landung in England zu bewirken. – Frühlingswetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fastnacht&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Mittag kame 1 Bataillon von Kölln hieher. Wir hielten die Grenadier, den Stab und noch 1 Compagnie hier und verlegten die übrigen auf Nivenheim und Straberg. Sie gehn morgen zu der Armee gegen England.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten, &amp;lt;u&amp;gt;am Petristuhlfeyer-Tag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Nachmittag kamen 6 Compagnien von der 66ten halben Brigade hier an. Es giengen 3 Compagnien auf Nivenheim, 1 auf Zons und 1 auf Hackenbroich. Sie gehn morgen nach Neus in die Garnison. – Um 3 Uhr ward die Klock gezogen, um einen neuen Bürgermeister zu wählen. Um allem Unfrieden vorzubeugen, ward der Mathias Heck bestättigt und der Joan Steinberger, Wilhelm Verhagen und Jacob Cremer als Beysitzer erwählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Der Brigadier von der 9 Mann starken Correspondenz des 23ten Chasseur-Regiments hatte sich im Schwanen unartig betragen. Deswegen machte der Posthalter eine Supplic, um die seit dem ganzen Krieg hier logirte Correspondenz auf Worringen zu verlegen. Der Secretair Schmitz wurde damit auf Kölln geschickt, um solche durch den Joseph Steinberger übergeben zu lassen. Der General Olivier bewilligte unsere Bitte, und heut kame die Ablösung der Correspondenz, welche nach Worringen gienge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Die Landstraße wird in Gräben gesezt, und die Arbeit geht sehr gut von statten. – Das Malder Korn ist auf 4 Reichstahler gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die Soldaten betragen sich ganz anders wie vorhin, da sie itzt vom Bauer nichts mehr fodern dörfen als Feuer und Licht. Fourage darf nur in den Magasinen gefaßt werden. Und weil die Correspondenz fort ist, so sind wir in Ansehung der Einquartirung um Vieles erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[277]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1798&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Heute musten sich hier 300 Mann von der 66ten Halb-Brigade versammeln, um die Revüe vor dem General Olivier zu passiren. Es musten Biletter für die Truppen gemacht werden, welche um 3 Uhr, bis auf 50, alle wieder in ihre Cantonnirungen giengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten kame das 16te Chasseur-Regiment hieher, wovon der Stab hier blieb, die Compagnien aber nach Gohr, Zons, Üdesheim, Norf etz. vertheilt wurden. Sie kamen von Maynz und gehen nach Nimegen. – Die Gesandten zu Rastadt sind noch am Unterhandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Zu Worringen liegen 5 Gensdarmes für die Polizey. Nun gienge der commandirende General Olivier von Cölln weg, und General Jacobe Trigni kam dahin. Bey diesem brachten die Worringer es zu Wegen, daß die Correspondenz vom 23ten Regiment Chasseur zu 9 Mann heut hieher verlegt wurde. Sie hohlen gleich Fourage zu Neus. Kornpreis 2 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten wurden die Chasseur vom 23ten durch das erste Regiment ditto abgelöset.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Aprill&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmsontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil das Wetter kalt und stürmisch war, so ward anstatt der Prozeßion eine Kirchenandacht gehalten. Den Mitwoch und Karfreytag aber ware die Prozession sehr zahlreich. – Alle Beamte und Gerichter werden nun abgesezt und das Land in Municipalitäten eingetheilt. Deswegen bleiben die Gemeinden Stommel und Pulheim so wie das ganze Ammt Caster von der hiesigen Landstraße zurück. Es sind diese Woche nur fünf Karren aus dem Ammt Grevenbroich und eine von Gless hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Schönern Ostertag hatten wir seit langen Jahren nicht wie heute. Auch war&#039;s ausserordentlich ruhig, da izt fast keine Soldaten marschiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Heut kegelten die Knaben von 12 ad 16 Jahren in die Brach, die untersten gegen die obersten, um 24 Maaß Bier. Die Obersten haben gewonnen. Am 10ten wurde die Correspondenz von hier nach Zons verlegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten kame der Commissair-Puvouar-Executiv, Bürger Herter von Kölln, mit dem Friedensrichter Neesen hier an. Am 14ten wurden die Bürgermeister des Cantons auf den 15ten hieher bestellt. Obschon die Municipalität zu Zons ihren Sitz haben soll, so wird der Commissair alles mögliche anwenden, um solche hiehin zu verlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten wurde morgens 9 Uhr eine dreyfarbigte Fahne am Kirchturm ausgesteckt, und um 11 waren schon in die 40 Bürgermeister und Vorsteher aus der Gegend hier, welche insgesammt, aus jedem Dorf ein Mitglied, als Beysitzer bey der Munizipalität zu wählen hatten. – Zu Rastadt ist endlich beschlossen worden, daß das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten bleibt. Die Organisation wird nun mit Ernst betrieben. – Es ist ein Arette erschienen, vermög welchem alle Prozessionen verbothen und die ausser der Kirch stehende Kreutzer und Bilder weggeschaft werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[278]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1798&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil das Decret zur Einstellung der Prozessionen schon hier, aber noch nicht publizirt ist, so hielten wir heut unsere Gottestracht und am 23ten die Hagelfeyer. – Weil nur sehr wenige Karren zur Landstraßenarbeit kamen, so ist solche am 21ten eingestellt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten kamen 2 Compagnien Soldaten von Neus hieher ins Logis. Sie gehn auf Kölln ins Garnison. – Es ist ein neues Decret erschienen, Kraft welchem die Einstellung der religiösen Bildniße und die Abschafung der Prozessionen bis auf weitere Ordre wiederrufen wird, doch sollen die schon abgetragene Bildniße und Kreutzer nicht wieder aufgerichtet werden. – Es ist sehr trocken, und man wünschet Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten wurde in der Behausung des Scheffen Steinberger das Friedensgericht eröfnet. Der ehemalige Administrator Neesen ist Friedensrichter, die Scheffen Steinberger, Sturm, Schmitz von Nivenheim und Hügo von Zons sind Assessoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Gemäß einer neuen Ordre muß izt der Bürger dem Soldaten von heute an wieder täglich ½ Pfund Fleisch und 1 ½ Pfund Brodt geben. Dafür wird ihm in den Steuern 6 Stüber pro Tag gut geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Bey dem dermalig zum zweitenmal gehaltenen Friedensgericht war der Zulauf sehr stark. Obschon der Richter unentgeltlich Recht sprechen muß, so kostet doch ein einzelner Bescheid 90 Stüber. – Seit vier Tagen haben wir Regen in Ueberfluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten, Pfingsten – Das Korn im Feld sieht sich treflich an. Vieles hat sich schon gelegt. – Heut kame die Correspondenz wieder von Worringen hieher. Die Errichtung des Freyheitsbaumes und die Installation der Municipalität ware auf morgen vestgesezt. Mein Bruder Thomas ist Präsident, Herman Hambloch Agent und der Vicarius Schmitz Adjoint. Nun wuste man noch nicht bestimmt, welche Ortschaften zu unserem Canton gehören. Deswegen ist mein Bruder gestern mit dem Friedensrichter auf Aachen gewesen und brachten die Liste mit, welche den hiesigen Canton Dormagen ausmachen: Dormagen (chef-lieu), Worringen, Merkenich, Fühlingen, Weiler, Esch, Roggendorf, Stommeln, Nettesheim, Hakenbroich, Delven, Gohr, Rommerskirchen, Nivenheim, Straberg, Rosellen, Hosten, Helfenstein, Stürzelberg, Dielrath, Zons. – Weil nun die Zeit zu kurz war, so muste man das Fest bis auf Donnerstag, den 31ten, verschieben. Desfals wurde ein Circulair erlaßen, vermög welchem am bestimten 31ten im ganzen Canton gefeyert und den 30ten mittags und abends, fort am 31ten morgens, mittags und abends jedesmal eine Stunde mit allen Klocken geläutet werden muste. Aus jeder Gemeinde sind ebenfals 4 Deputirte zu Pferd eingeladen, welche den Zug mitmachen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[279]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1798&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten, &amp;lt;u&amp;gt;Donnerstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Schon gestern Abend ward durch Abfeurung einiger und 30 Böller die Feyer des heutigen Tages verkündiget. Diesen Morgen 6 Uhr ward die Frühmeß und um 9 das solemne Hochamt abgehalten. Von Zeit zu Zeit wurden die Böller gelöset. Es kame eine ungeheure Anzahl Fremde aus den Städten und vom Lande hieher. Erst um 1 Uhr versammelte sich der Zug am Pflug: zuerst ein Gensdarmes, dann die große Bürgerfahne, demnach die Schule, die Junggesellen mit einer Fahne, 12 Mädcher, welche die &amp;lt;s&amp;gt;Insignien&amp;lt;/s&amp;gt; Costümen trugen (als Huth und Scherpe des Präsidenten etz.), dann 10 Musikanten, das Friedensgericht, das Militair, die Municipalität, die Zollbeamten von Zons, aus jeder Gemeinde 4 Deputirte zu Pferd und die Männer aus dem Dorf. Der Zug gienge das Dorf hinunter auf Walhoven, wo der Freyheitsbaum auf einem prächtig geschmückten Wagen lage. Von da wurde der Zug das Dorf hinauf an die Kirche geführt, wo Stutten unter die Kinder und Brodt und Geld den Armen gegeben wurde. Hier hielt der Commissair Herter eine Rede, nahm dem Präsidenten und den Agento den Eyd ab und zierte selbige mit ihren Costümen. Die Männer und Jungen bekamen Bier, und bey Pannes und im Schwanen wurde an Tafeln von 80 Gedecken gespeiset. Bey Sturm ward ein sehr glänzender Ball gegeben, der erst morgens 6 Uhr zu Ende gieng. – Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Es passiren sehr wenig Soldaten; und die, welche kommen, denen wird hier auf der Municipalität eine Ordre gegeben, womit sie auf die benachbarte Orte gehn. 6 schwere Reiter für die Correspondenz sind hier und 5 Voluntair, welche Acht haben, daß keine Früchten über den Rhein gehen, doch lassen die Soldaten gegen ein Trinckgeld sich dazu willig finden. – Kornpreis 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten, &amp;lt;u&amp;gt;Fronleichnam&amp;lt;/u&amp;gt; – Alles ware eingerichtet, daß wir heut die Prozeßion halten wollten, da kame unser ehmalige Voigt, der uns riethe, solches nicht zu thun, weil der Commissair Rick den Bergheimer schon aus dieser Ursach 25 Kanonier zu Pferd als Züchtigungs-Truppen hingelegt, da der Ober-Commissair Rudler von Neuem die Prozeßionen verbothen hat. Wir hielten also um 9 Uhr das hohe Ammt und nach demselben eine von der geistlichen Obrigkeit auf 8 Täg zur Vollendung des Friedens verordnete Andacht, welche diese Octave hindurch abends 8 Uhr gehalten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Diese Täge war es sehr heiß, drauf erhielten wir heut einen köstlichen Regen. Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber, Rabsamen 7 Reichstahler 18 Stüber, Haaber 17 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[280]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1798&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Bey Errichtung des Freyheitsbaumes hatten verschiedene Agenten sich geweigert, den Eyd der Republick zu schwören. Aus jenen Gemeinden wurden nun neue Agenten vorgeschlagen. Indessen hatten Erstere sich vereinigt und eine Petition zu Aachen eingegeben, vermög welcher sie den Präsidenten abgesezt wissen wollten; theils, weil er kein Französisch verstehe, theils, weil er, nach ihrem Vorgeben, das Zutrauen des Volks nicht besitze. Sie wurden aber zu Aachen abgewiesen. – Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Die Correspondenz zu Pferde besteht izt aus 11 schweren Cavalleristen. Alle Zehenden und Lehnrechten sind abgeschaft, jeder darf auch alles Wild auf seinem Eigenthum tödten, wenn die Felder leer sind. Zugleich ist der Mühlenzwang aufgehoben. Dagegen ist auf die Länder zwischen Maas und Rhein eine Contribution von 12 Milionen gelegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Es regnet schon so lang und viel, daß wohl 60 Morgen Kleeheu verdorben ist. Übrigens ist das Heu sehr niedrig im Preise. Das 100 Pfund neues Heu gillt 20 Stüber, und man kauft einen Morgen um 5 Reichstahler. – Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 18 Schilling. – Heut kamen die Commisen hier an den Rhein, um das Aus- und Einführen von Waaren und Früchten zu hindern. Deswegen sind alle holländische Waaren im Aufschlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Indessen kömmt es dem Landman sehr hart an, daß die Regierung izt darüber her ist, alle äußerliche Zeichen der Religion abzuschafen. Schon vor 8 Tagen ward die Joanna Kollenbroich mit den Sacramenten versehen, wo der Pfarrer zuerst ohne Kirchenornat hingienge. Dieselbe starb heute und wird gleichfals nach der neuen Art begraben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Man kann wegen dem anhaltenden Regen noch nicht einscheuren, doch steht schon vieles Korn auf Gästen. – Noch dauren die Unterhandlungen zu Rastad, und die Engländer halten alle französische und niederländische Seehäven blokkirt. Seit 8 Tägen sind die Commisen hier am Rhein. Dies macht die Kaffebohnen steigen, bis zu 50 Stüber das Pfund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Beynahe 6 Wochen regnet es täglich. Nur die fleißigste Ackersleuthe haben etwas Korn eingescheuert. Das Übrige ist auf den Gästen grün am wachsen. Das Malder altes Korn gilt 4 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 8 Reichstahler. Die 12 Millionen sind izt hier vertheilt. Es beträgt für den Morgen oben im Feld 51 und unten im Feld 25 ½ Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Gestern und heut sollte das Fest der Freyheit und der Sturz Robespierres gefeyret werden. Es wurde in allen Gemeinden 3 mal des Tages mit den Klocken geläutet und hier gebeyert. – Nach einer strengen Verordnung müssen Kreutzer und alle Zeichen einer öffentlichen Religion weggeräumet werden, doch ist hier damit noch nicht angefangen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[281]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1798&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Gestern ließ es ab mit Regnen, und weil es heute gut Wetter war, so verkündigte der Pfarrer, daß jedem das Arbeiten an Früchten und Heu erlaubt seye.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Vor 2 Tagen kame ein Pakket an den Commissair, daß am 5ten in Gegenwart das Presidenten und Platz-Commandanten erbrochen werden soll. Alle Agenten musten um 7 Uhr auf der Municipalität seyn. 20 Cavalleristen waren vor dem Municipal-Hause aufgestellt, eine Wache am Saal und eine an der Hausthür. So sehr man auch befürchtete, es möchte die Geistlichkeit oder das Abbrechen der Kreutzer betreffen, so ware es doch anders nichts, als daß jedem Agenten zwey Reuter mitgegeben wurden, welche die Läden durchsuchen musten, ob englische Waaren vorfindlich wären. – Noch dauern die Unterhandlungen zu Rastadt fort, ohne daß man sagen kann, was sie gemacht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Heute kamen zwey von den zu Worringen cantonirenden Infanteristen hieher bey Steinberger und tranken. Sie hatten schon im Dorf verschiedene Einwohner beleidigt. Endlich am Abend kamen einige von den Correspondenz-Reitern vom 4ten Regiment hinzu. Einer von den Infanteristen, ein Corporal, fuhr der Reiter einen hart an, schimpfte auf ihn und forderte ihn auf den Sabel. Der Reiter grif die eiserne Blaßröhre am Herd und wolte damit Friede stiften. Die Infanteristen bestunden darauf, daß sie auf den Sabel gehen sollten. Alsofort giengen sie hinten die Kirchhofmauer in des Pfarrers Bungart. Erst fochten sie mit Reitersäbeln. In den ersten Minuten hieb der Reiter des Corporals Sabel in zwey Stücke. Nun nahmen sie Infanteristen-Degen. Der Reiter bekame einen leichten Hieb in die Schulter. Er riefe: &amp;quot;Ich bin blessirt.&amp;quot; Und in dem Augenblick erwiederte der Corporal: &amp;quot;Ich auch.&amp;quot; Und der Corporal sank zur Erde und gab kein Zeichen des Lebens mehr von sich. Er war ins Herz getroffen. Sogleich fertigten die Reiter einen Rapport an den General, den der Thäter selbst auf Kölln ritte. Erst wollte der commandirende Sergeant selben arettiren. Er erklärte aber, daß er im Dienst wäre und solches nicht stattfinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Der Corporal wurde heut durch unsern Chyrurg Eller eröfnet. Der Stich ware durch das Herz gegangen. Deswegen ware der Todt so schnell. Diesen Abend wurde die Correspondenz durch das 10te Regiment abgelöset.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Schon gestern hatte man den Soldaten in das ehemalige Cremerius-Haus gebracht. Heut um halb 10 wurde er begraben. 4 Soldaten trugen die Leiche, und 8 mit einem Sergeanten begleiteten dieselbe. Er wurde in die Kirche aufs Kohr getragen, und nach vollbrachter Einsegnung blieb die Leiche dort stehen. 2 Degen lagen über der Bahre. Zwischen der Elevation machten die Soldaten Manövres und rührten die Trauertrommel. Nach dem hohen Amt ward die Leiche versenkt, und die Soldaten schossen ins Grab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[282]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1798&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;August&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Seit dem 29ten Julius hatten wir gräßliche Hitze. Die Sommerfrüchten werden jählings reif, und man harret auf Regen. – Gestern und vorgestern giengen 2 Regimenter schwerer Reiter hinab auf Neus. Sie waren vor Kurzem ins Bergische gezogen. Weil nun aber die Rußen und Engländer zur See auf Dünkirchen und Ostende eine Landung drohen, so muß sich viel Volks dahin ziehen. Auch scheint das gute Einverständniß zwischen Kayser und Frankreich zu wanken, und die Kayserliche Armee steht zum Schlagen bereit in Italien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Die französischen Minister zu Rastad fodern schleunige Antwort auf ihre vorgeschlagene Bedingniße. Hierunter gehöret vorzüglich die Abtr[e]tung des linken Rheinufers, die Schleifung Ehrenbreitsteins, die freye Schifart auf allen Flüssen des Deutschen Reichs für die Franzosen und die Anlegung zweyer Handlungsbrücken zu Kehl und Hünningen. Da aber der Kayserliche Minister selbst nicht einzuwilligen scheint, so steht ein neuer Krieg zu befürchten. Alle Franzosen musten seit zwey Tägen aus dem Dorf und ganzen Lande aufbrechen, um über den Rhein auf Frankfurth zu gehn, so daß wir nicht einmal seit dem 23ten die Correspondenz hier haben. Es dörfen nur Früchten mit Pässen zu Düsseldorff und Mülheim ins Bergische gehn. Deswegen liegt hier der Handel still.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Am 29ten August gienge ein hier vom Düsseldorfer Wagen absteigender Franzos auf die Jagd. Der Commissair Herter ließ ihm das Gewehr abnehmen, und er muste schriftlich hinterlaßen, daß man ihn in der Jagd arrettirt habe. Drauf kame gestern der Adjudant des General Jacobe mit gemeltem Secretair wieder, foderte das Gewehr, oder er wollte uns eine Escadron Cavallerie in den Ort legen. Man gabe ihm das Gewehr. Demungeachtet kamen doch heute 2 Compagnien vom 25ten Reiter-Regiment hieher und in den Canton. Sie betragen sich aber sehr ordentlich und beziehen ihre Lebensmittel aus den Magazinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Weil die Reichsfürsten noch nicht in die von den französischen Ministern zu Rastadt gemachten Foderungen einwilligen wollen, so zieht sich die französische Armee in der Gegend von Wetzlar und Frankfurth auf die Gränzen des noch nicht besezten Deutschen Reiches. Deswegen kamen auch heute 2 Bataillons von der Nordarmee hieher, denen am 14ten das 3te Bataillon folgte. Sie wurden in die Gegend vertheilt und ziehn auf Strasburg. – General Bonnapart ist mit der Touloner Flotte und 25.000 Mann Landungs-Truppen nach Egypten gesegelt. Man sagt von einer Seythe, er wäre glücklich gelandet. Andere hingegen behaupten, er sey vom englischen Admiral Nelson geschlagen und gefangen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[283]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1798&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten kamen wieder 3 Bataillons von der Nordarmee. Diese wurden in die Gegend so vertheilt, daß nur 34 Gemeine mit 1 Ofizier hier blieben. Kornpreis 30 Schilling, Haber 2 Reichstahler 7 ½ Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29ten – Das heutige Michaelifest wurde in der Kirche mit möglichster Pracht vollzogen, doch wurde wegen dem Verboth keine Prozession gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die seit dem 3ten Sept. hier logirte Reiter will der General nur gegen eine Erkentlichkeit von 60 Kronthalern aus dem Kanton verlegen. Einige Ortschaften zeigen sich willig zur Erlegung ihrer Quote, andere nicht. Jetz hat jederman einen Zettel bekommen, worauf er anzeigen muß, wie viel an Morgenzahl und Hausplatz er besizt und wie viel dieses im Jahr 1790 und wie viel es izt werth ist. Diesemnach soll der neue Steuerfuß eingerichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Die Reichsfürsten sitzen noch in Rastad mit den französischen Ministern und unterhandeln über Krieg und Frieden. Leztere haben sich izt dazu verstanden, daß Cassel und Kehl geschleift und der Boden an die deutschen Fürsten abgetreten werden soll. – Es ist das schönste Wetter, das man je zur Saath wünschen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Izt versichern uns die Zeitungen, daß die Russen in vollem Anmarsch gegen die Franzosen sind. Auch ist eine rußische Flos aus der Krimm durch den Kanal von Constantinopel gesegelt, um den General Bonnapart, der in Egypten gelandet und in Alexandrien eingezogen, anzugreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Das schöne, doch etwas kalte Wetter hatte viel Fremden hiehergezogen. Die Kavalleristen befolgten die ihnen vom Commendanten ertheilte sehr strenge Ordre, und der Tag wurde lustig zugebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Diesen Nachmittag bekamen die Jungen beym Rey in der Behausung des Franz Engels Streit, und ein Reiter bekam derbe Schläge. Sogleich wollten die Reiter den Thäter oder Wirthen ins Prison führen. Der President der Munizipal-Verwaltung aber lies dieses nicht zu und schickte den Agenten hin, der aber den Thäter nicht ausfindig machen konnte. Man gabe vor, es wäre ein Fremder aus dem Bergischen gewesen, und es blieb dabey. Der Commendant gienge selbst die ganze Nacht Patrullien, doch ward dem Wirthen Franz Engels verbothen, heute nicht mehr zu zapfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten musten die Reiter fort. Auch ohne dies würden wir ihrer loß worden sein, weil Dormagen, Stommel und mehrere Gemeinden dem Adjudant Le Febre ein Geschenk von 4 Carolin gemacht hatten, wofür er uns Erleichterung in die Zukunft verspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[284]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1798&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Jetzt haben wir keinen einzigen Soldaten im Dorf. Die Correspondenz ist in Zons, und die Truppen aus der Gegend ziehen sich nach der Schweitz und Italien. Verschiedene Schweitzer Cantone wollen die ihnen von den Franzosen vorgelegte Constitution nicht annehmen, und der Keyser, Rusland, die Türken und England werden von Neuem den Krieg gegen Frankreich beginnen. Kornpreis 4 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Noch gibt es sehr angenehme Tage, und die Saath sieht sich treflich an. Seit dem 16ten war kein Soldat im Dorfe logirt. Die Correspondenz ist izt in Zons. Die Franzosen wollten der Schweitz eine neue Constitution geben und haben verschiedene Cantone schon besezt. Graubünden aber wiedersezte sich und suchte Schutz beym Kayser, dessen Truppen nun daselbst eingezogen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Ganz unvermuthet kame heut ein Bataillon von Düsseldorf hieher. Es bliebe eine Compagnie hier, die übrigen giengen vorwärts. Es ist eine allgemeine Truppenbewegung. 20 tausend Mann ziehn auf Brabant, wo eine Contrerevolution ausgebrochen ist. Gemäß einem Beschluße des Directoriums müssen alle junge Leute in der Republik von 20 bis 25 Jahren Soldat werden. Dieses hat die Brabänter aufgebracht, und zu Antwerpen, Mecheln etz. ist alles im Aufstande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten verbreiteten sich von allen Seythen die Nachrichten, daß die brabäntigen Rebellen auf den Rhein im Anzuge wären. Venlo, Roermund etz. wären schon von ihnen eingenohmen, und sie könnten höchstens noch 3 Stunden von Creyfeld entfernt seyn. Auch in Aachen bis durch die Eifel wäre alles im Aufstande. Der hiesige Commissair Herter und die Vornehmsten der Gemeinde beschlossen, daß ich alsofort jene Gegenden bereisen und mich von der wahren Lage der Dinge überzeugen sollte. Inzwischen vernahme man, daß diese Sorge übertrieben und in Venlo noch alles ruhig wäre. Mithin unterblieb meine Reise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Abends 6 Uhr kamen Quartiermacher von einem Bataillon, wovon 4 Compagnien mit dem Stab hier und 5 Compagnien in Worringen einlogirt wurden. Um 9 Uhr kamen die Truppen an. Es stürmte bey hartem Regen abscheulich. Demungeachtet musten die 5 Compagnien noch auf Worringen. Sie kamen von Düsseldorf und gehn nach Kölln in Garnison. – Die Correspondenz ist izt in Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Gestern fienge es etwas zu winteren an. Obschon seit Kurzem viele Truppen von der andern Rheinseite nach Brabant aufgebrochen sind, so fällt doch noch nichts Entscheidendes vor. Die Insurgenten sind am stärksten in der Gegend von Gent. Auch hörten wir gestern Abend eine anhaltende Kanonade über Horm. Es mochte wohl 30 Stunde entfernt seyn. – Kornpreis 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 30 Stüber, Haber 19 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[285]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1798&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – In der Nacht vom 11ten auf den 12ten dieses wurde hier der Freyheitsbaum abgesäget. Da dieses leicht Anlaß geben konnte, daß zur Strafe ein Bataillon Soldaten ins Dorf verlegt würden, so wurde auf der Stell am 12ten des Nachmittags ein neuer wachsender Baum hingepflanzt. Es ist eine Italienische Pappel, welche man zu Hackenbroich auf der Burg gehohlt hat. Es wurden sofort alle Wirthe aus dem Dorf vor das Friedensgericht zitirt und vernommen, wer und wie lange man bey ihnen getrunken hat, doch kame nichts heraus, was Argwohn verursachen konnte. – Etwas Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Bonnapart ist in Egypten, und man erfährt nicht das Mindeste von ihm. Seine Flotte, welche nach Europa zurück wollte, ist von den Engländern genommen worden. – Zu Rastad dauern die Unterhandlungen noch fort. Hingegen rüstet sich der Keyser in Italien wieder zum Krieg. Wir haben izt seit der Kirmes keinen Soldaten im Dorf logirt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Heut Nachmittag brachte eine Ordonanz einen Brief vom General Jacobe, daß die Municipalität auf den Abend für 7 Compagnien Billetter machen sollte, welche von Düsseldorf ankommen würden. Da aber wahrscheinlich die Ordre zu späth nach Düsseldorf ankommen ist, so blieben die Truppen aus. Diese Nacht hat es stark gefroren. Kornpreis 4 Reichstahler, Haber 19 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Am 23ten kame das gestern erwartete Batailion und gieng durch auf Kölln. – Lezthin ward von der Municipalität verbothen, daß keiner den Mistpfuhl aus seinem Hofe auf die Straß laufen laßen soll. Als dieses dem Peter Pannes angesagt wurde, erwiederte er, daß keiner ihm etwas hierin vorzuschreiben habe. Darauf erlies die Verwaltung den Beschluß, daß der Peter Pannes beym Friedensrichter denunciirt werden soll. Als dieser Beschluß diesen Morgen im Hohenamte abgelesen wurde, sagte der Pannes laut in der Kirche: &amp;quot;&amp;lt;u&amp;gt;Deren sind noch mehr, welche den Mistpfuhl in die Straße laufen lassen&amp;lt;/u&amp;gt;&amp;quot;. Der Pfarrer erwiederte, daß er sich desfals an die Municipalität zu wenden habe. Der Pannes antwortete, weil der Pfarrer seinen Namen genennt habe, so fände er sich verpflichtet, darauf zu antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Gestern Nacht starb in Rheinfeld die 78-jährige Wittib Catharina Bükendorf. Und als man diesen Morgen bis 10 Uhr auf die Todtenlade gewartet hat und desfals nach dem Schreiner schickte, antwortete derselbe, daß die Todtenlade auf morgen erst fertig und bestellt seye. Die Leichenbegleiter kamen also in das Seelenamt, und morgen wird erst die Leiche begraben. – Regenwetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Das stürmische Wetter hat den Rhein bereits an mehreren Orten aus seinen Fugen getrieben. Wir haben aber heute mit mehr denn 100 Arbeitern den Sommerdamm am Platthalse verstärkt und hiedurch das Austreten verhindert. Kornpreis 30 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[286]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1798&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten fienge es stark an zu frieren. Dieses krönte unsre Arbeiten am Rheine, daß unsere Felder nun nicht überschwemmt worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Seit 14 Tägen arbeiteten 6 Karren und 6 Arbeiter hier im Dorf, um die Landstraße unten am Hellbüchel zu vollenden. Jeder Gemeinde ist eine Strecke angewiesen, welche sie auszubessern hat. – Heute hat man mit 12 Karren angefangen, die Nettergaße zu machen. – Im Bergischen liegen allenthalben längs dem Rheine in den Dörfern französische Cantonirungen, um das Ueberfahren der Früchten zu verhindern. – Kornpreis 30 Schilling, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Gestern Abend 8 Uhr wurden alle Einwohner hier oben im Dorf in Schrecken gesezt: Im Pflug fienge der Schornstein im Brauhaus Feuer. Die Funken flohen in die benachbarte Höfe, und man schrie jämmerlich um Hilfe. Die häufig herbeigeeilte Menschen dämpften zeitig das Feuer, sonst würde bey dem strengen Frost und der Trockenheit so wie dem über das Dorf die Länge wehendem Winde das Elend unbegränzt gewesen seyn. – Es ist heute viel Eis im Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Gemäß einem Beschluß des Br. Rudler muß in jeder Gemeinde ein Freyheitsbaum errichtet werden. Hiermit ward heute zu Zons der Anfang gemacht. Die ganze Munizipal-Verwaltung und das Friedensgericht so wie die Schulen des Städtchens begleiteten den Zug, der doch sonst einem Leichen-Begängniß sehr ähnlich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Es hat wieder ein paar Tage geregnet, und der Rhein schwillt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Der Frost beginnt wieder. – Am 22ten fiel ein Fuß tief Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten war der Frost erstaunlich stark. In den wärmsten Stuben thauen die Gläser den ganzen Tag nicht auf. Am 25ten ware der Frost stärker, und der heftige Wind erhöhete die Källte fast zu zum Unausstehlichen. Eine heut von Kölln eingetroffene Canonier-Compagnie ware vom Froste erstarrt, daß man sie augenblicklich einlogieren muste, ohne einen einzigen davon zu detaxhiren. Verschiedene Leuthe fiengen in ihren Häusern Vögel mit den Händen, und man will allgemein behaupten, die Källte habe jene vom Jahr 1783 im [17]84 sowie vom Jahr 1788 und 1794 in 1795 übertroffen. Kornpreis 30 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten fror es noch stärker als die beyde Täge. Nur ware der Wind still, und um die Mittagszeit ware es etwas milder. – Haaberpreis 2 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Der Frost hällt noch mit eben der Heftigkeit an, wie die vorige Täge. Eine Bettlerin von Hackenbroich starb in dem nähmlichen Augenblick, als sie zur warmen Stube in Straberg eintrat, um die erstarrte Glieder aufzudauen. Diese und die vorige Nacht sind dem Welfer Halfen und dem Joan Cremer 13 junge Schwein, 1 Jahr alt, erfroren und mehrere Hüner im Dorf erstarrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[287]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1798&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Die Kälte ist etwas gemildert, dennoch immer sehr hart und bitter. Zum Glück hat der Scheffen Steinberger noch Geriß und Kohl, von Ersterem das Malder zu 1 Reichstahler 12 Stüber, so daß die arme Leuthe nicht vor Kälte sterben, da sonst jede Gelegenheit durch den Schnee abgeschnitten ist, Holz zu sammeln. Obschon man die Kälte so genau nicht bestimmen kann ohne ein richtiges Thermometer, so glaubt man doch allgemein, daß am Kristlag, am 25ten, die Källte am stärksten ware und jene von 1784, [17]88 und 1795 übertroffen hat. Der Rhein treibt dicht mit Eis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Alle Tage passiren Truppen in einzelnen Compagnien. Diese werden dann von der Munizipalität auf die benachbarte Dörfer geschickt. Zuweilen, wenn&#039;s schon späth oder gar zu kalt ist, so müßen sie hier bleiben. – Der König von Neapel hat mit der Französischen Republick von Neuem den Krieg angefangen. Der erste Angrif ware für die Franzosen nicht günstig. Der General Championnet wurde zurückgedruckt, und die Neapolitaner zohen in Rom ein. Auch spricht man von einem neuen Bündniße zwischen Wien, London, Petersburg und Constantinopel. Demungeachtet sind die Gesandten in Rastadt noch stets beysammen, wo man izt nur noch über die Säcularisationen und die Aufhebung der Blokade von Ehrenbreitstein debattirt. Preußen hällt sich still, und von den Insurgenten in Brabant hört man wenig. – Die Källte war gemäß der Köllnischen Zeitung folgender Grade: am 24ten stand das Thermometer auf 16 Grad unter 0 nach Reaumur, am 25ten auf 16 ½, am 26ten auf 21, am 27ten auf 18. Im Jahr 1784 war der höchste Grad der Källte 20 Grad unter 0, im Jahr 1788 = 17 ½.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1799 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[288]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Die Källte will noch nicht nachlaßen. Ein dicker Raureif bestäubt Haare und Gesicht, sobald man nur vor die Thüre tritt. Zu Düsseldorf giengen schon gestern schwere Lastwägen über den zugefrorenen Rhein, und hier treibt derselbe dicht mit Eiß. Heut Nachmittag kame 1 Escadron mit dem Staab des 23ten Regiments schwere Cavallerie von Creveld hieher. Eine Compagnie gieng auf Nivenheim und die andre auf Worringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Schon in der Früh sezte sich der Rhein zu Zons, am Abend that er&#039;s im Kolk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Morgens 9 Uhr sezte sich der Rhein hier am Platthals. Das Wasser lief wohl 5 Fuß auf. Als der Rhein 2 Stund gestanden hatte, da fienge er wieder an zu treiben und sezte sich erst des Abends um 9 Uhr vest. – Heut kamen 4 Compagnien mit dem Staab vom 6ten Regiment, wovon der Staab hier blieb. Sie gehn auf Creveld. Es bleibt noch kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten ware es wieder sehr kalt. Der Rhein steht mauervest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Die Källte ist ganz gemildert, doch friert es noch etwas. Kornpreis 30 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Diese Täge ist&#039;s gar nicht kalt. Es stiebt zwischen Regen und Schnee. Der Rhein stunde gestern erst bis Niel. Zu Kölln fuhre man noch mit Nachen. – Gestern kame eine Kanonier-Compagnie von Neus hier ins Logis und heute ein Bataillon von der 108ten Halbbrigade. Die Grenadier und der Staab blieben hier, und 3 Compagnien musten nach Esch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Heut ware es wieder etwas kälter, sonst war&#039;s bisher gelind. Man fährt auch zu Monheim mit Karren über den Rhein. Zu Kölln hat selbiger sich erst gestern gesezt. Von oben, bis Unkel herab steht derselbe schon seit dem 26ten December. – Man hat verschiedene Wölfe gespührt, unter andern zu Esch und im Stüttgen. Deswegen wurde heut von der Municipalität und den Förstern im Worringer Bruch Klopfjagd gehalten, doch nur 3 Füchs und einige Hasen geschossen. Kornpreis 2 Kronthaler, Gerst ditto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten war es kälter. Der Welferhof und das Städtchen Zons haben bey dem Aufbruch des Rheines viel Ungemach zu befürchten, weil unser Damm zerbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten war es etwas milder. Die Nacht auf den 23ten fror es gar nicht, und mit Tagesanbruch fienge es an zu regnen. Der Rhein hat sich zu Kölln gegen der Stadt 9 mahl gesezt und schob jedesmal unterhalb der Stadt zusammen. Bey dieser Gelegenheit ward das Bönnische Marktschif zertrümmert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten regnete es zuweilen. Der Welfer Halfen macht schon Anstalten, sein Vieh im Dorf unterzubringen. Am 25ten thauet es still ohne Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten konnte man am Rhein keine Bewegung sehen. Auch ist das Wasser noch nichts gewachsen. Am Abend kame der ehemalige Friedensrichter Neesen, jetz Notair in Kölln, mit der Nachricht, daß zu Kölln der Rhein diesen Nachmittag zu treiben angefangen. Sogleich wurden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[289]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – die Zonser durch eine Ordonanz zu Pferd davon benachrichtet, welche dieses alsofort auf Stürzelberg und Uedesheim Kund machen musten. Die ganze Nacht musten 2 Dienstleute zu Pferd beym Agenten bereit stehen, welches von Merkenich an bis Uedesheim verordnet ist. Auch musten 4 Mann mit der großen Kirchenleuchte den Rhein beobachten. Mit der großen Klocke wird nicht einzeln geläutet. Nur wenn der anschwellende Rhein den Sommerdam am Platthalse übersteigt, dann wird selbige gezogen. Die Walhover und Rheinfelder flüchteten heut schon ihr Vieh hieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wasser ware um 9 Uhr vier Fuß gewachsen. Die Eißdecke hatte sich aufgehoben. Um 1 Uhr nachmittags fiele der Rhein wieder, 3 Fuß. Der Präsident hatte den Huissier Bochern zum Rielerhauß bey Kölln geschickt, um da jede Bewegung des Rheines zu beobachten und alle 3 Stund Rapport einzuschicken. Um 5 Uhr abends berichtete der Bochern, daß der Rhein noch 2 Fuß wachsen muß, ehe er den Rieler Damm übersteige. Um 6 berichtete der Agent Cremerius von Worringen, daß er den Rhein bis Neel recognoscirt und gefunden habe, daß die Gefahr größer seye als 1784. Um 8 Uhr abends berichtete Bochem, daß der Rhein noch ein Fuß wachsen muß, ehe er den Neeler Dam übersteige, und er werde sich noch eine Stunde am Rieler Hauß aufhalten und alsdann sich auf Merkenich in Sicherheit begeben. Um 10 Uhr abends kame eine Ordonanz von Merkenich mit der Nachricht, daß der Rhein dort 3 Fuß gefallen. – Diesen ganzen Tag regnete es. Viele Bürger von Zons und Worringen flüchteten mit ihrem Vieh hieher. – Am 25ten hat sich die Vestung Ehrenbreitstein an die Franzosen ergeben. Sie ziehen aus Mangel an Lebensmittel vermög Capitulation ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28ten, &amp;lt;u&amp;gt;montags&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wasser ware 2 Fuß gefallen. Um die Mittagszeit ware es wieder auf der vorigen Höhe. Der Posthalter ritt aufwärts, den Rhein zu recognosciren. Inzwischen brachten verschiedene Ordonanzen die Nachricht, daß der Rhein den Rieler Damm überstiegen und durchbrochen, daß das Wasser am Nippes den Thal überschwemmt und auf die Laacher Höfe über die Fühlinger Heyde läuft u.s.w. – Nachmittags 4 Uhr hatte der Rhein noch ¾ Fuss zu wachsen, wo er alsdann den Sommer-Damm am Platthalse übersteigen werde. Sogleich wurde eine halbe Stunde lang mit der großen Klocke geläutet, welches den Rheinfelder und Zonser zum Signal diente, daß der Rhein dem Dorfe bald vorbey treiben werde. – Abends 9 Uhr ware die Wache noch an dem Sommerdamm. Kaum waren sie wieder hier, als auch schon das Wasser 3 Fuß hoch dem Dorfe vorbey trieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[290]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sogleich wurde wieder mit der großen Klocke geläutet. Wir giengen mit mehrern Leuchten über den Höhenberg auf unsern Damm. Da fanden wir, daß das Wasser um 10 Uhr schon 4 Fuß gefallen war. Ungeheure Eisklumpen lagen dies- und jenseits des Damms. Das Eis im Rhein hatte sich geschoben, stand aber wieder vest. Da sahe man auf allen Rheinorten viele Lichter, und von Zons aus vernahme man um Mitternacht, daß auch dort der Rhein noch stehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Morgens ware das Wasser 4 Fuß gefallen. Der Rhein trieb das Eiß dem gewöhnlichen Stroome nach und viel Wasser durch die Aue. Um die Mittagszeit kame die Nachricht, daß der Rhein sich zu Zons wieder gesezt und der Damm zwischen Zons auf die Landstraß hin durchgebrochen, mithin alle Gemeinschaft mit Zons abgeschnitten seye. Unser Rheinfeld liegt bis in den Bixem und in die Gärten voll Eiß. Der Rhein trieb hier noch fort, bis es dunkel ward. Da setzte sich am Platthalse von Neuem das Eiß. – Um 8 Uhr abends war das Wasser so hoch wie im Jahr 1740, denn es triebe am Pflug am Spühlloch hinein. – Schon gestern Nachmittag ward der Himmel heiter, und diesen Morgen war es 3 Finger dickes Eiss gefroren. Die Correspondenz ist noch hier. Sonst hat der General Jacobe Befehl gegeben, daß alle Truppen über Nettesheim, Stommel oder Gohr gehen. Nun kame diesen Abend eine 150 Mann starke Transport Recruten. Sie musten, alles Weigerns ungeachtet, noch auf Straberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Das Wasser ware so hoch angeschwollen, daß der Pflug samt den zwey nebenan schiessenden Häusern unter Wasser gesezt waren. Und wenn es noch 3 und ein halben Fuß wächst, so wird es der Höhe von 1784 beykommen. Der Strom ist heute rein von Eiß, nur hat sich dessen eine ungeheure Menge unter die Perschen, das Kolk, Werth, Kranenorth, Aue, die Benden und rund um Zons beyseits hinter dem Pfannenschopf bis Stürzelberg und so weit das Auge reicht vestgesezt. Gestern Abend hörte man um 11 Uhr zu Worringen die große Klocke läuten. Dies ware das Signal, daß der Damm durchbrochen und Worringen überschwemmet werde. – Das blanke Wasser treibt in zwey Strömen durch die Aue auf den Walhover Garten und neben Rheinfeld über die Zonser Pfannenkaulen durch den daselbst durchbrochenen Rhein auf die Stürzelberger Heide.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Der Rhein fienge diesen Morgen wieder stärker an, mit Eis zu treiben. Das Wasser steht noch auf der nämlichen Höhe von gestern. Die Nacht hörte man in Rheinfeld um Hülfe rufen, und weil es so hart fror, so kann man nicht dahin kommen. Auch vernimmt man, daß der Rhein zu Zons noch vest stehet, welches sehr betrübend ist. – Diesen Nachmittag 5 Uhr kame der Besehr Fischer und Mathias Aldenhoven von Zons hieher. Sie hatten sich mit einem Nachen neben der Feldpforte durch eine Tiefe auf die Heyde hin durch das Eiß gearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[291]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nach ihrer Aussage ist die im Jahr 1798 halb zertrümmerte Stadtmauer an der Rheinstraße vollends eingestürzt. Die dort wohnende Einwohner haben sich ins Zollhaus und auf den Rheinthurm geflüchtet. Am Schlosse ist die Mauer inwendig um den Weier mit 6 Kastanien eingestürzt, und das Rheineis steht bis wieder die Stadt in gleicher Höhe wie im Strome bis auf Monheim hinauf. – Das Brodt fängt schon an, rar zu werden, indem alle Backöfen unter Wasser sind, und nur ein einziges Häuschen samt dem bürgerlichen Gefängniß, der Kreutsch, sind noch vom Wasser frey. – Vom Bergerhof abwärts liegt alles unter Wasser, welches über unsern und den Worringer Damm geht. Aufwärts ist gleichfals die Üeberschwemmung bis ins Broich. Demungeachtet und obschon das Wasser bis Dielrath sich ausgedehnt hat, so kommen doch diese Täge alle Abend oft um 8 Uhr noch 100 und mehrere Recruten an, die sich wegen dem häufig fallenden Schnee nicht gut fortweisen laßen, obschon fast jeder Einwohner Flüchtlinge aus Rheinfeld, Zons oder Worringen aufgenohmen hat. Schon vor vier Tagen wurde an den General Jacobe geschrieben, welcher auch desfals antwortet, daß er keine Truppen mehr hieher schicken würde. Und er hat Wort gehalten: Allein, jene Recruten kamen per Ordre des Kriegs-Commissair Marée in Kölln. – Abends 11 Uhr fienge der Rhein schnell 2 Zoll zu wachsen an. In Zeit von zwey Stunden ware er schon zwey Fuß gefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Diesen Morgen ware der Rhein 6 Fuß gefallen. Das ganze Feld liegt voll ungeheurer Eisklumpen. Man sah die Rheinfelder um das Dörfchen wandeln. Allein, zu ihnen zu kommen, ware ganz unmöglich. – Diesen Nachmittag ward eine Collecte von Holz und Brodt für die Zonser gehalten. Der Rhein fällt noch anhaltend weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Das Wasser ware so stark weggefallen, daß man bis Rheinfeld zu Fuß kommen kann, doch erschweren dieses die ungeheuren Eisberge ausserordentlich. Gleich vor dem Hochamt kamen einige Rheinfelder hieher. Der Rheinfelder Halbwinnerin ist ein Pferd und dem Sandhalfen 7 Schweine verunglückt. Der Peter Reil hatte um Hülfe gerufen, daß sie ihn mit dem Nachen auf den Sandhof hohlen sollten. Es regnete den Tag hindurch ein wenig, und man konte durch das Eiß gehen, indem der Rhein in seine Ufer schon zurückgetreten war. So viel man sehen konnte, so ist das Feld stark durch Lett gebessert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Diese Nacht ware es geschneet und stark gefroren. Der Rhein ware bey 6 Fuß gewachsen und triebe heut wieder stark durch die Aue. Der President hatt die hintere Gegenden des Cantons eingeladen, den armen Rheinbewohnern mit Holz und Brodt beyzustehen. Desfals lieferte Nivenheim schon 700 Pfund nach Stürzelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[292]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Folgenden Bericht ließ ich in den Köllnischen Zeitungen einrücken:&lt;br /&gt;
::Schrecklich sind die Verwüstungen, die der Rhein hier angerichtet hat. In der Nacht vom 28ten auf den 29ten Januar brach die Eißdecke des Rheines. Da das Eiß sich gegen Zons von neuem sezte und unser Damm 1794 durch die darin angelegte Batterien geschwächet, auch der damal bekannten Eißfahrt auf 3 Orten durchgerissen und bis dahin nicht hergestellt worden war, so stürzten Stroom und Eiß durch unsere Felder, zerbrachen den Zonser Damm und triebe durch zwey Thäler über die Landstraße aus Diehlrath bey Nivenheim. Weil nun das Eiß keinen Durchzug mehr hatte, so setzte sich selbiges in unsere Felder häuserhoch. Es zernichtete die darin mit vielen Kosten zum zweitenmale angelegte Holzpflanzungen, und wahrscheinlich wird die ganze Sath, wie im Jahre 1784, mit Sand und Kieß überschüttet worden seyn.&lt;br /&gt;
::Das Wasser hatte auf 2 ½ Fuß nach die Höhe von 1784 erreicht. Dormagen ward an drey Orten unter Wasser gesezt, ein Hauß vom Eise fortgerissen und viele Früchten und Heu in den Scheuren überschwemmt. Das nahe hiebey gelegene Dörfchen Rheinfeld stand bis an die Dächer im Wasser. Man hörte die dasige Einwohner um Hülfe schreyen. Der ungeheuren Eißmassen wegen ist die Gemeinschaft noch nicht hergestellt. Nur so viel weiß man, daß Pferde und Schwein verunglückt und ein Pfächter vom Schreck krank geworden ist.&lt;br /&gt;
::Am 31ten sahen wir 3 um Hülf schreyende Menschen auf einer Eißscholle hier vorbey treiben. Dem Anscheine nach fanden sie Gelegenheit, am bergischen Ufer zu landen.&lt;br /&gt;
::Die Bewohner des Städtchen Zons hatten sich nur auf zwey Tage mit Brodt versehen. Die hiesige Munizipalität schickte Brodt, Holz und Fleisch dahin. Der Rest der noch stehenden Stadtmauer am Rheinthor ist eingestürzt.&lt;br /&gt;
::Zwischen den in hiesigem Felde liegenden Eißbergen finden sich Fahrzeuge, Tannenhölzer etz. Die Munizipal-Verwaltung hat sogleich die Grundeigenthümer eingeladen, diese Gegenstände in sichern Verwahr zu bringen, um selbige den sich meldenden Eygenthümern wieder zuzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[293]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Februar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Diese Nacht ware es wieder gefroren. Der Rhein hat auf 5 Fuß nah die Höhe vom lezten Januar erreicht. Um 10 Uhr käme das Obereiß. Erst triebe es dem Strome nach, um 12 Uhr aber trieb die noch vom Eiß leere Schlenke in der Aue voll. Hakenbroich schickte 2 Karren Holz für die Dürftigen in Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – An der Zonser Schindskaul fährt man jezt mit einem Nachen über. Das ganze ünterste Feld ist izt dicht mit Eiß belegt, sogar die Lücken im Damm sind voll getrieben. Auf den Welfer Scheuren-Tennen stand 5 ½ Fuß Wasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Der Frost wird alle Nächte stärker. Alles Eiß unten im Feld trägt über, und heute treibt der Rhein dicht mit neu gefrorenem Eiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Das Wasser ist diese Nacht 1 Fuß gefallen, doch ist es noch so groß, daß es zu Zons noch in verschiedenen Häusern steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Der Frost hält noch an. Allen Nachrichten von unten zufolg steht der Rhein von Oerdingen noch bis Rees, doch kommen gar keine Passagier, und die Postwägen gehen über Hakenbroich. Auch marschieren noch alle Tage Truppen über die Gillbach. – Im Feld sind schon verschiedene Nachen zerschlagen und nach Hause gehohlt worden, welche mit Eiß dahingetrieben waren. Die Municipal-Verwaltung hatte solches sehr strenge verbothen; allein, bei Nachtzeit wird das Holz weggehohlt. In den Mehebenden liegt noch ein grosses Bönnisches Schiff unbeschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Diesen Nachmittag fienge es mit feinem Regen an aufzudauen. Man hört von unten her, daß der Rhein sich bis Kayserswerth gesetzet hat. In Zons haben die Häuser viel Schaden durch den Frost erlitten, indem die leimene Wände alle abfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Diesen Tag regnete es sehr stürmisch. – Die Zeit des Eißganges hindurch kamen mehrere Expressen von der Kaufmanschaft zu Kölln hieher, um Nachrichten zu vernehmen. Nachher lase man all die Briefe in den Zeitungen, die mein Bruder, Präsident, desfals geschrieben hatte. Auch lieferte die französische und Staatsboths-Zeitung die Berichte, welche ich privative an sie geschrieben hatte. Kornpreis 2 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Mittags fienge es an, mit dem fallenden Schnee kalt zu werden. Drauf fror es die Nacht wieder. Der Rhein ist binnenbord und rein von Eis. Am 27ten Januar hat sich die Vestung Ehrenbreitstein aus Mangel an Lebensmittel mit Capitulation an die Franzosen ergeben. – Seit zwey Monathen führen die Franzosen Krieg mit dem König von Neapel, dessen Armee der Kayserliche General Mac commandirte. Nun ist die Armee von Neapel zernichtet, Mac gefangen und der König mit der englischen Flotte entflohn. Auch haben die Franzosen den König von sardinien verjagt und sein Königreich in Besitz genommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[294]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Frost. Am 14ten Schnee und Regen. – Die Rheinfelder und Walhover können noch wegen dem Eiß ihr Vieh nicht hiehin bringen. – Die Gemeinde Rommerskirchen schickte vor 8 Tagen mehrere Karren Brodt und Korn hiehin. Lezteres wird hier gebacken und den Bewohnern von Zons und Rheinfeld ausgetheilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Angenehmes Thauwetter. – Heute habe ich mit Joan Steinberger das untere Feld besehen. Vom Plathalse herab durch die Aue bis an Rheinfeld, auf Walhoven, bis an die Mehebenden rund um Walhoven liegt noch alles voll Rheineiß, welches viele Obstbäume und Hecken in den Gärten verdorben hat. Das Werth und Kranenorth so wie die Kempen liegen voll ein Schuh dick gefrorenes glatt Eiß. Das Speich ist wieder häuserhoch mit Rheineiß bedekt. Man kann noch nicht unterscheiden, ob das Feld verdorben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Regen. Am 17ten abends fienge es mit Schnee zu frieren an. Es wird schon wieder Korn durch Menschen gezogen (ins Kolk geschlittet und dann auf Baumberg geschift). – Am 18ten Frost. – Ein Maynzer Schiffer hat seinen Eigenthum an dem unter den Kühbenden liegendem Oberländischen Schif erwiesen und selbiges an den Präsidenten und Assessor Friedrich Steinberger um 14 Kronthaler verkauft. Mit dem Abend fienge es an zu regnen, und der Rhein läuft dem Dorfe vorbey.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Regen bis den 21ten. – Das Wasser wächst und hat die ungeheure Eißberge unten aus dem Felde weggeschwemmt, so daß izt keine Scholle mehr da ist. Der Strom geht unglaublich strenge durch die Aue.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Die verflossene Nacht war eine der stürmischten seit Menschengedenken. Als 12 Uhr geschlagen war, da hob sich ein Gewitter aus Westen, das mit fürchterlichem Donner und flammenden Blitzen herauzoh. Gräßlich heulte der wüthendste Sturmwind, und lichterloh erhellten die Blitze die pechschwarze Nacht. Hagel und Regen stürzten zügellos darein, und es schien, als wenn sich alles von unten zu oben kehren wollte. Tausende der Dachziegel wurden abgedekt, und mehrere Scheuren neigten sich dem Einsturz. Allgemein wie der Schrecken ist die Meinung, daß es ein Erdbeben gewesen seye.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten – Ein wahrer Frühlingstag. Lerchen wirbelten ihre Lieder, und die Spatzen fangen an, Nester zu bauen. Das Wasser wächst noch stets, und nur auf des Pastors Land, an der Köllnischen Landstraß, ist etwas trockener Grund. Tag und Nacht werden von hier Früchten nach der andern Rheinseite unten in den Gärten eingeladen und übergeschift. Meistens sind die Commisen gegen eine billige Abgabe mit einverstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[295]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1799&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Der Rhein steht noch so hoch, daß das ganze Feld überschwemmt ist. Am 16ten dieses starb unser ehmalige Kuhrfürst Carl Theodor. Er war gebohren am 10ten December 1724 und regierte als Kuhrfürst in der Pfalz 57 Jahr und in Bayern 21 Jahr. – Kornpreis 4 Reichstahler. – Schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Das Wasser fällt langsam fort, alle Nächte kaum ½ Fuß, und man kann noch mit einem Nachen aus den Gärten bis nach Monheim fahren. Es ist treflich Frühlingswetter. – Gemäß einem Arettè muste der heutige Decadi-Tag gefeyert werden. Man enthielt sich der öfentlichen Arbeiten, wie auch des Dreschens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Der Rhein treibt noch durch den Damm neben dem Dorfe vorbey. Das schöne Frühlingswetter lockte heute, weil es auch Sonntag war, eine Menge Einwohner heraus. Der Rhein ware die Nacht so viel gefallen, daß man gegen der Kirche mit Stiefeln durch die Schlenke gehen konnte. Die ganze Aue ist etwas mit scharfem Sande beschossen, und nächst der Ofnung diesseit des Dammes ist ein tiefes Loch ausgetrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Der Rhein ist wieder in sein voriges Bett eingeschränkt. Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Seit 3 Tagen hat es des Nachts gefroren, und heut fällt etwas Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten, &amp;lt;u&amp;gt;Palmsontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Weil das Prozessionen-Gehen verbothen ist, so ward heute Nachmittag Miserere mit einer Predigt gehalten. Gestern feyerten wir das Josephsfest. Man konnte, aus besonderer Erlaubniß für die Pfarr Dormagen, das Osterfest halten. – Es friert und reift noch alle Nächte. Das Wasser im Rheinfeld fällt langsam weg. Die Passage mit den Soldaten geht noch immer über Stommeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; – Seit 3 Tagen ist es angenehm Wetter mit Regen. Der Krieg mit dem Kayser ist wirklich ausgebrochen. Der Schauplatz ist in Schwaben und in Italien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Es ist wieder kalt. Alle Nächte friert es stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Aprilis&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Es friert so stark, daß des Morgens die Karren über den Dreck rollen. Der Sand wird vom Wind unten im Feld fortgewirbelt. Die Nordarmee zieht wieder hinauf. Die Passage geht über Nettesheim und Stommel. Wir sehen hier keinen Soldaten. der Präsident und Agent Hambloch haben dieses beym General Jacobe in Kölln bewirkt. Am 4ten Frost, am 5ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten – Ich war heute in Kölln am Tribunal-Criminel als Jury, wo die beyden Bürger Michel Hilden, Kühhirt von Stommeln, und Henrich Braun, Schneider von Gohr, auf 14 Jahr in Ketten verurtheilt wurden. Sie hatten von dem Jacob Hövel von Ückerath, welcher flüchtig worden, Tuch angenohmen, daß er gestohlen hatte. Den Braun, welcher sonst ein ehrlicher Mann war, hätte ich gerne befreyet. Ich wendete auch alle Kräften an, um die Jurys zu überreden, aber daß Gesätz war allzuklar, alle Mühe war vergebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[296]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Aprilis&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Die Merzerstürme kommen izt. – Das Korn ward noch vor 14 Tägen zu 2 Kronthaler verkauft und ist izt bis auf 5 Reichstahler 15 Stüber gestiegen. Die Franzosen haben eine große Schlacht in Schwaben verlohren. Das Hauptquartier ist bis Offenburg retirirt und General Jourdan auf Paris gegangen. – Die Unterhandlungen über den Reichsfrieden zu Rastad dauren noch fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten Aprilis – Donner und Regen. Das Malder Haber wird um ein Ducaten verkauft. Am 24ten hatten wir unsere Gottestracht. Morgens 6 Uhr ward das Venerabel ausgesezt, welches bis nach der Complet stehen bliebe. Um 9 Uhr wurden an den 3 Altären und an einem eigenst unter den Klocken dazu errichteten vierten die Stationen, so wie sonst bey der Gottestracht, gehalten, wozu noch eine neue Kohrkappe verfertigt worden war. Die Leuthe blieben in den Bänken, nur das Kohr und 4 Männer mit Fakeln begleiteten den Pastor. Die Stationen wurden so wie sonst die Gottestracht gehalten. Das Hochwürdige blieb zur öffentlichen Verehrung bis nach der um 3 Uhr mit dem &amp;quot;Te Deum&amp;quot; beschlossenen Complet ausgestelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten, &amp;lt;u&amp;gt;Hagelfeyer&amp;lt;/u&amp;gt; – Heut war die Andacht in der Kirch wie gestern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Es ist noch anhaltend kalt und naß. Das Korn im Feld ist noch ganz wenig aufgeschossen, und weil durch den harten Winter die Fourage aufgezehrt wurde, so leidet das Vieh Mangel, weil auch im Feld noch nichts gewachsen ist. Das Malder Korn steigt schon auf 6 Reichstahler, und Haber ist fast nicht mehr um 4 Reichstahler zu haben. Rabsamen 16 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Das Feld und die Bäume haben noch das Ansehen, als wenn&#039;s Anfang Merz wäre. Weil das Futter so rar ist, so steigt der Preiß der Butter mit jedem Tage und ist schon nicht mehr um 12 Stüber zu haben. Das Korn schlägt enorm auf. Eigentlich ist der Preiß nicht zu bestimmen. Die Gillbacher aber wollen nicht mehr unter 8 Reichstahler verkaufen. Das Wetter ist noch eben naß und kalt, der Wind stets im Norden. Die Armeen am Rhein sind noch ruhig. Die Franzosen stehen gegen Strasburg bis Offenburg jenseit des Rheines. In Italien aber gibts täglich Gefechte, wobey die Franzosen wenig gewinnen. Die Kayserliche belagern Mantua und Peschiera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Die verwichene Nacht sind schon wieder Diebe in unsere Kirche durch das Fenster neben der Kirchenthür zwischen dem Thurm gegen Norden eingestiegen und haben die 3 Altar-Tücher, die Bänder von den Jungesellen-Kerzen, von der Michaels- und Katharinen-Kerz, wie auch das silberne Kreutz und die Hülle von der Muttergottes mitgenohmen. Auch hatten sie das Tabernakel-Häuschen mit einem Eisen offen gezwängt. Allein, da nichts als Zinn und Kupfer darin war, so hatten sie wohl das Venerabel mit der heiligen Hostie herausgenohmen, aber auch solches wieder hineingesezt, welches man an dem zurückgeschobenen Corporal&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[297]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:erkennen konnte. An der Sacristey hatten sie nichts versucht, und der eigentliche Werth des Diebstahls ist höchstens auf 2 Reichstahler zu schätzen. – Erst gestern fienge es an, warm zu werden. Heute aber ist es gar lieblich und schön. – Die Gesandte sind von Rastadt auseinander, und zwey von den französischen Ministern sind dort durch Kayserliche Husaren getödtet worden. 40 tausend Russen stehn bey Mantua in Italien, um gegen die Franzosen zu agiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Da der Kayser gemäß einer Allianz mit Rußland, England und den Türken schon den Feldzug in Italien und bey Schafhausen eröfnet und die Franzosen auf allen Punkten geschlagen worden sind, so daß Mantua blokkirt und Mayland von den Rußen eingenommen worden, so ließ der kayserliche Prinz Karl den noch anwesenden Gesandten zu Rastadt andeuten, daß die Friedensunterhandlungen mit dem Deutschen Reiche abgebrochen und sie in Rastad länger keine Sicherheit hätten. Die französischen Minister begehrten eine kayserliche Escorte, der Oberste von den Seckler-Husaren erwiederte, daß solches nicht nothwendig seye, und als sie des Abends von Rastad abfuhren und eine Strecke weiter gekommen waren, da wurden sie von mehreren Seckler-Husaren angehalten, ausgeplündert und die beyden französischen Minister Bonnier und Roberjet ermordet, Jean Debry aber stark verwundet. Man sagt, es seyen Emigranten gewesen, welche sich in die Uniform der Kayserlichen Husaren verkleidet hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Diese Nacht ware es gereift und gefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Es ist noch anhaltend kalt und naß, und kein Mensch erinnert sich, jemahlen eine so langwährende Källte erlebt zu haben. – Wir sind noch von Soldaten frey. Die Armeen stehn bey Strasburg und in Italien. Die vereinigte russisch und Kayserliche Armee häuft Sieg auf Sieg. Sie sind über Luciensteig in die Schweitz und über Turin ins Piemontesische eingedrungen. Mantua ist blokkirt und bey Maynz noch alles ruhig. Am 31ten: Die lezte 3 Meytage waren angenehm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Junius&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Nach einem Regen ist&#039;s wieder stürmisch und kalt. Kornpreis 10 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten ware es unausstehlich heiß. Am 12ten, Nachmittag, verdunkelte sich die Sonne, und es verbreitete sich ein stinkender Heerrauch, so, wie wir im Jahre 1783 hatten. Am 13ten nordwindig und kalt. Alles, was auf Erden wächst, lechzet nach Regen. Das Korn steht in voller Blüthe. Die Kayserliche sind in Zürich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Vor drey Wochen hatten die hiesige Gensdarmes von hiesigen Einwohnern zum Rhein getragene 8 Malder Korn arrettirt und bey den Anton Bilk ins Bureau des Receveurs niedergelegt. Dieses Korn ist verwichene Nacht gestohlen worden, ohne daß man die Thäter entdecken kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Es ist des Nachts noch immer kallt und im Tage nordwindig-trocken. Haaber und kleine Bohnen stehn auf dem Punkt, zu verderben. Kornpreis 10 Reichstahler diesseits und zu Monheim 13 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Wegen der anhaltenden Trockenheit wurde heut von morgens 6 bis nachmittags halber vier Gebeth gehalten. Die Sommerfrüchte verdorren, und es ist schon viel Haaber umgebauet. Das Korn gillt noch 10 Reichstahler. – Zu Paris ist eine große Veränderung im Directorio vorgegangen. Es sind 4 neue Directoren angestellt, und man sucht alle Personen von den Ämtern zu entfernen, welche Schuld sind, daß kein Friede gemacht worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Diesen Mittag erhielten wir eine treflichen Regen, der alles neu belebt. Nur schade, daß derselbe für die Sommerfrucht zu späth kömmt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7ten, &amp;lt;u&amp;gt;sontags&amp;lt;/u&amp;gt; – Es war entsetzlich heiß. Dies veranlaßte, daß viele junge Leuthe in der ersten Stunde nach Mittag zum Rheine baden giengen. Auch ich war da, und als ich aus dem Wasser zurückkame, sahe ich vom Damme, wie sich die zu Monheim logirte französische Recruten im Rheine balgten. Überdem kamen einige hiesige Jungen nackend und sehr ängstlich vom Rheine geloffen, woraus ich schloß, daß etwas nicht recht seyn müsse. Ich sprang mit dem Joan Lützenrath dahin und fande in einem dieses Jahr ausgetriebenen Loch einen sich ankleidenden und hier auf Execution liegenden französischen Soldaten, und die Kleidung des Adolph Fix lage beyseythe, welcher sich mit dem Joan Görges, dem Theodor Schüllgen, Christian Bochern, dem Gerhard Giehr und dem französischen Soldaten gebadet hatte. Besagter Adolph Fix hatte sich zu weit in die Tiefe gewagt und ist ertrunken. Das Loch ist am Platthals, dicht am Rhein. Der Soldat konnte schwimmen, und als der Adolph riefe: &amp;quot;Ich werde flott&amp;quot; und drauf unten sank, doch gleich wieder oben kame und die Hände über dem Kopf zusammenschlug, dann wieder versank, schwamm der Soldat hinzu, tauchte sich unter Wasser und wollte den Adolph retten. Unglücklicherweise faßte der Adolph den Soldaten bey der Gurgel, worauf dieser ihn versinken muste lassen. Die Bewohner des Dorfes wusten von dem noch nichts, als ich zurückkame. Keiner wollte es der Mutter zuerst ankündigen. Da gienge ich mit Joan Steinberger zu ihr und fragten nach ihrem Sohne, erklärten dann zugleich, daß ein Dormager Junge am Rheine ertrunken und daß man ihren Sohn um halb 1 dahin gehen gesehen. Das Unglück wäre um 1 Uhr geschehen. Folglich könnte es sehr leicht seyn, daß es ihren Sohn getroffen. – Und endlich, man hätte auch die Kleider des Ertrunkenen für die ihres Sohnes angesehen. Um 3 Uhr ward der Leichnam mit langen Hacken aus der Tiefe gezogen und mit einer Leiter hieher getragen. Das Malder Haber gillt 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Diesen Morgen wurde der Adolph Fix begraben. Eine große Menge Menschen hatten sich an den Zug angeschlossen, und da der Selige ein Muster von Tugend und von jederman geliebt ward in seinem Leben, so erinnert auch kein Mensch, daß jemalen einer so allgemein betrauret und beweinet wurde. Er ist erst in seinem 18ten Jahr und hat sehr früh seinen Vater verlohren, dessen Stelle er schon in Besorgung der Ackerschaften meisterlich ersetzte. Für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[299]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Julius&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:ihn wurden die neue schwarze Levittenkleider zuerst bey der Meß gebraucht, welche die Junggesellen bey der lezten Dormager Kirmes zusammen collectirt hatten. Ringsum ware das Grab mit Rosen bestreut. Jung und Alt benezten sie mit Thränen. – Kornpreis 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Es ist wieder sehr heiß, und der lezte wenige Regen ist alle wieder fort. General Morreau und Macdonald stehen bey Genua. Die Kayserliche und Russen fanden in der Citadelle zu Turin 400 Kanonen. Vierzigtausend Flinten und 20 tausend Centner Pulver. Prinz Karl ist in der Schweitz zu Zürich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten brachte ein Gewitter starken Regen, der doch für die meiste Sommerfrüchten zu spath gekommen ist. Im Rheinfeld steht nur auf der Höhe vor Rheinfeld auf dem Werth hinter Welfen und auf der Leimkaul noch etwas Korn, das doch im Ganzen keine 25 Morgen beträgt. – Bis 18ten Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19ten – Man fängt schon an, Korn zu hauen. Das Malder gilt auf der Gillbach 8 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Es regnet noch anhaltend, doch haben einige Einwohner etwas Korn für Brodt eingescheuert, um solches im Backofen zu trocknen. Die Haaber bessert sich bey dem anhaltenden Regen. Kleine Bohnen und Erbsen aber sind theils durch die Trockenheit und durch die Milben verdorben. Zu Monheim gillt das Malder Korn 13 Reichstahler, hier wird es zu 8 verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Heute wollte man eigentlich den Anfang mit dem Einscheuren machen, aber um 4 Uhr nach Mittag regnete es wieder. Kornpreis 8 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten ware es sehr schönes Wetter, und man hat stark eingescheuert, doch steht die Halbscheid Korn noch auf dem Halme vest. Kornpreis (altes) 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Alle Morgen ist&#039;s schön Wetter, und gemeinlich fängt es im halben Nachmittag an zu regnen. Am 10ten: Man hat fleissig eingescheuert, doch steht noch einiges Korn vest und vieles auf Gästen. Die Vestungen Mantua und Alexandria haben sich den Kayserlichen und Russen ergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Alle Winterfrüchten sind eingescheuert. Das Korn gibt sehr gut: jeder Gast 1 Sümber. Die Vestungen Mantua und Alessandria haben sich den Österreichern und Russen ergeben. Bonnapart ist in Egypten geschlagen worden. Massena steht noch mit 80 tausend Franzosen in der Schweitz, Moreau retirirt aus dem Genuesischen auf Frankreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten und 21ten – Regen. Gestern kame ein Bataillon von Düsseldorf hieher. Sie wurden auf Esch und in die Gegend vertheilt, daß nichts hier blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Anhaltend schönes Wetter mit etwas Regen. Das Korn gibt vortreflich. Ein Drescher bringt 7 bis 8 Faß auf den Süller. Haber ist wenig Stroh, aber die kleinste Garbe hat ein Viertel geladen. – Die Engländer sind in Holland in der Gegend von Tescel gelandet. Moreau ist noch in Genua. Massena steht bey Zürich, und die französische Rheinarmee ist den Rhein passirt und rückt auf Schwaben. – Kornpreis 6 Reichstahler, Rüboel die Maas 36 Stüber, Kaffebohnen pro Pfund 50 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;September&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Ein paar Tage geregnet. Die Rübweiden und der Sahmen stehn sehr schlecht. Die Haber ist noch nicht alle gemähet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Die Engländer in Holland machen noch keine Fortschritte. Es ziehen viele Franzosen dahin, um ihnen ein Treffen zu liefern. Da die Franzosen nicht aus der Schweitz zu zwingen sind, so rückt Prinz Karl mit einer Kayserlichen Armee auf Maynz. Er hat Manheim mit Sturm eingenommen, und man sagt, die kayserlichen Vorposten seyen zu Siegburg. Kornpreis 7 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[300]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1799&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten September – Es hat eine zeither beständig geregnet. Es steht noch viele Haber und Sommerfrucht im Feld, und an der Sath ist noch wenig gethan. Erst heute klärte sich der Himmel. Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;October&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Es regnet anhaltend. Man kann den Buchweitzen noch nicht einfahren, dessen so viel gesähet war und der treflich gerathen ist. Haber und kleine Bohnen stehen auch noch sehr viele im Feld, und mit der Saath ist&#039;s noch lange nicht gethan. Der Rhein schwillt an und droht allgemeines Verderben. Der französische General Massena hat in der Schweitz die Russen und Kayserliche geschlagen, deren Verlust auf 20 tausend Mann geschätzt wird. Zürch ist wieder erobert, und der Kayserliche General Hotze blieb todt. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber. Seit 4 Tagen marschierten täglich ein und 2 Bataillons hiedurch auf Holland. Sie giengen in einem Tag von Kölln bis Neus, ohne hier zu logiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Heut fienge es an, gutes Wetter zu werden. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmes&amp;lt;/u&amp;gt; – Heute und am 14ten regnete es bis Mittag, drauf ward es anhaltend schönes Wetter. – Freytag, den 18ten bis diesen Morgen dauerte die Kirmes. – Es steht noch viel Buchweitz, kleine Bohnen, Sommergerst und ungemähete Haber im Feld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Diesen Abend 6 Uhr brach in der Scheuer des Henrich Coenen gegen dem Adler Feuer aus. Zum Glück ware der Wind still aus Süden. Dennoch waren augenblicklich die Scheuren des Henrich Fabels und Jacob Görges aufwärts und unten jene des Joan Wilhelm Fitgen sammt allen Ställen in vollen Flammen. Anfangs ware man beschäftigt, das Haus und Scheuer des Joan Hambloch zu retten. Demnach ergriff die Flamme die Häuser des Joan Deuster und des Joan Wilhelm Fitgen, und in dem Augenblick langte die Zonser Brandspritze da an, und dem Uebel ward Einhalt gethan. Die Dormager zeigten sich während der Noth sehr thätig. Nach Mitternacht aber war es fast unmöglich, die Leuthe in den Reihen zu halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Heut nach der Vesper wurde die Gemeinde versammelt und beschloßen, daß auf jedes Hauß 30 Stüber und auf jeden Morgen Land 3 Stüber umgelegt werden soll, um zwey neue Brandspritzen zu verfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten wurde mit 24 Karrigen am Damm angefangen, welche der Canton nebst 24 Arbeiter stellet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Es ist izt eine zeither schönes Herbstwetter. Die Engländer, welche mit den Russen in Holland gelandet waren, sind wieder am Einschiffen. In der Schweitz sind die Russen und Kayserliche geschlagen, und Bonnaparte ist in Paris angekommen. Er hat seine Armee in Egypten unter dem General Kleber zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Es ist noch anhaltendes Herbstwetter mit Regen. An hiesigem Damm wird stets unter meiner Aufsicht mit 18 Karren und 24 Mann aus dem Canton gearbeitet, und erst heute ward das tiefe Loch in der Erde im Damm der Erde gleich gefüllt, da doch täglich über 500 Karren darein gefahren wurden, gegen dem Steinbüchel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1799&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;November&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Man hört jetz nur von Waffenstillstand und vom Frieden sprechen. Sawarow zieht sich mit den Russen zurück auf Augsburg und Ulm. Die Kayserlichen haben die ganze Schweitz verlassen. Nur die Stadt Schafhausen haben sie noch besezt. Auch zieht eine französische Armee über Manheim. Auf Schwaben und Holland wird in ersten Tagen ganz von den Engländern geräumet seyn. – Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 26 Schilling, das tausend Pfund Heu 12 Reichstahler. Am 11ten, 12ten und 13ten Regen. Heute schon drohete der Rhein seine Ufer zu überschreiten. Am 14ten wurde mit allen Karren und Arbeiter, welche aus dem Canton zur Herstellung des Dammes hier sind, am Rheine gearbeitet, um den kleinen Sommerdamm zu verstärken. Die Nacht auf den 15ten wurden die Arbeiten bey stillem Wetter im Mondschein fortgesezt. Allein, das Wasser schwoll so sehr an, daß schon um 3 Uhr alle Mühe vergebens war. Um 6 Uhr triebe der Rhein schon durch den großen Damm von Zons herauf, ware es aber noch nicht weiter bis an die Kühbenden gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten – Weil nun die Dienstkarren nicht mehr am hiesigen Damm arbeiten konnten, so wurde heut am Zonser Dam an der Schindskaule gearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten ware das Wasser längs dem Dorf mit dem von unten heraufkommenden vereinigt, doch fiel es so stark wieder weg, daß man allenthalben wieder in das ünterste Feld gehen kan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17ten – Am 13ten starb die Sandhalfersche, für die man schon im Jahr 1795 am 8ten November im hohen Wasser als Todte gebethen hatte. In Paris ist wieder eine neue Umwälzung der Regierung vorgegangen. Das Directorium ist abgesezt und an dessen Stelle Bonnaparte, Syes und Royer Ducos als Consulen angestellt, welchen alle Macht des Directoriums übertragen worden ist. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Heut kamen die 3 erste Bataillons der Nordarmee hieher. Weil die Engländer Holland verlassen und also diese Landung mißlungen, so geht die Nordarmee wieder hinauf. Wir hatten aber gestern dem General Jacobè in Kölln etwas Haber und Heu geschickt. Deswegen fertigte derselbe sogleich eine Ordonanz mit einem Brief an den hiesigen Präsidenten und einen an den Kriegskommissair der Nordarmee, mit der Weisung, daß alle Truppen über Rommerskirchen und Nettesheim gehen sollen. Von der heutigen Halbbrigade blieb nur der Stab mit den Grenadieren hier, ein Bataillon muste auf Esch. Die Correspondenz liegt auch zu Rommerskirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Es ist noch immer artiges Wetter. Einige Nächte hat es etwas gefroren. Man glaubt allgemein, die neue französische Consulen werden uns einen allgemeinen Frieden verschaffen. – Die Russen und Engländer, welche im August in Holland landeten, haben sich wieder eingeschift, und diese Expedition ist also mißlungen. Kornpreis 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten fienge es stärker an zu frieren. Es wird noch täglich mit 9 Karren und 12 Mann am Damm gearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten kame ein Bataillon von Kölln hieher. Es blieb nur eine Compagnie hier. Sie giengen am 14ten auf Neus. Um 12 Uhr kame die Ordre, daß dieses Bataillon halb in Zons und halb in Dormagen cantoniren solle. – Es friert entsetzlich stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1799&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15ten kame das angesagte Bataillon. Der Stab gieng nach Zons. Eine Compagnie blieb hier, die übrigen wurden in die Ortschaften längs dem Rhein in die Winterquartiere gelegt. Es friert stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – Der Winter fängt so strenge an wie vorig Jahr. Der Rhein ist schon halb mit Eiß bedeckt. Kornpreis 6 Reichstahler, Haber 27 Schilling, Stroh 8 Reichstahler das 100 Bauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Heute Abend 5 Uhr bekame das in hiesigem Canton liegende Bataillon Befehl, noch in der Nacht aufzubrechen. Zugleich kamen die Quartiermacher vom 2ten und 3ten Bataillon an. Eines wurde auf Esch geschickt. Selbiges gienge um 7 Uhr hierdurch. Das lezte Bataillon blieb aus, doch blieben fast alle Nachbarn wach, und die ganze Nacht marschierten Soldaten, die sich verspäthet hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Am 21ten um 10 Uhr kame das gestern erwartete Bataillon an. Sie hielten sich eine Stunde auf, ohne billettirt zu werden. Diesen Nachmittag kamen schon Leuthe von Düsseldorf, welche gegen der Stadt über den Rhein gegangen waren. Man hatte Bord über das Eiß gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten sezte sich das Eiß schon am Stürzelberg. Der Frost hällt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23ten sezte sich der Rhein an der Piwitte, stand einige Stunden und triebe wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Um die Mittagszeit sezte sich der Rhein am Platthalse. Um 4 Uhr fienge er an der Piwitte wieder zu treiben an, sezte sich doch um 5 Uhr wieder und bliebe so unverückt stehen. Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kristtag&amp;lt;/u&amp;gt;, fiel den ganzen Tag Schnee, doch scheint es Thauwetter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten kamen 3 Bataillons aus Holland. Der Stab mit der Grenadier-Compagnie blieben hier. Den ganzen Tag hielt der Schnee an, ohne zu frieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Weilen noch 9.000 Mann aus Holland hinauf kommen sollen, so gienge heut der Agent Hambloch mit dem Secretair Schmitz hinab auf Neus, um mit dem dasigen Kriegs-Commissair zu überlegen, daß die Truppen hinfort über Rommerskirchen gehen sollen. Sie brachten es dahin, daß die 3 Bataillons, welche zu Neus wirklich angekommen waren, heut, den&lt;br /&gt;
:28ten schon über die Gillbach giengen. Heut ware es sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Täglich ziehen Truppen über die Gillbach, und die Källte ist sehr bitter. An der Piwitte ist ein Weg über den Rhein gehauen. Was man nie erlebte, ist in diesem Jahre erfolgt; nämlich, daß sich der Rhein zweimal in einem Jahr sezte: den 3. Januar und den 24ten December. An Fruchtbarkeit übertrift dieses die vorlezten Jahre. Alle Früchten sind sehr ergiebig, besonders Haber. Indessen hat Dormagen vorzüglich durch die Ueberschwemmung gelitten, da auch die Haber auf den leichten Gründen so wie alle Sommerfrüchten vertrockneten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[303–307: Handschriftliches Register zu den Einträgen bis 1799]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[308]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In einem im Jahr 1749 in Kölln von einem Jesuiten namens Augustinus Aldenbrück in Druck herausgegebenen Buch finde ich Folgendes:&lt;br /&gt;
:Der Titel des Buches ist: &amp;quot;De Religione antiquorum ubiorum&amp;quot;&lt;br /&gt;
[Es folgte eine Abschrift aus dem genannten Buch über Dormagen, S. 93–94]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== 1800 ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[309]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1800&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Januar&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Noch tobt der Krieg, und den fürchterlichen Anstalten nach wird der künftige Feldzug mörderisch werden. Zwar steht Bonnapart als erster Consul, mit Königsmacht versehen, an der Spitze der Franken. Er will ganz Europa Friede geben oder im Frühjahr mit einer zahllosen Macht den Frieden im Herzen von Deutschland unterzeichnen. Täglich ziehen noch Truppen über die Gillbach auf Strasburg, wo eine fürchterliche Armee sich zusammenzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 2ten – Es fiel den ganzen Tag viel Schnee. Am Abend ward es mild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten stellte sich Thauwetter ein, am 4ten Regen, am 5ten Thauwetter. Daß Wasser im Rhein fängt an aufzuschwellen. Die Eißdecke hat sich schon gehoben. Obschon der Rhein sich mit kleinem Wasser gesezt hat, so befürchtet man doch wieder großes Verderben, weil die Dämme allenthalben zerrissen sind. Der Welferhalfen führt schon seine ungedroschen Früchten hier ins Dorf. Angenehm Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Das Wasser ware bis an den Abend bey 2 Fuß im Rhein gewachsen. Abends acht Uhr rückte der Rhein bis an den Platthals. Von da bis an die Landstraß schob sich ein Damm von Eiß auf das Ufer, welcher biß zwanzig Fuß hoch war. Dann sezte sich das Eiß wieder. Um nähmliche Zeit hörte man einige Kanonenschüß zu Kölln. Der Mond schien so hell, der Wind war Süd und sehr angenehm. Mehrere hundert Bewohner des Dorfs waren auf dem Ufer des Rheines versammelt und erwarteten den Aufbruch. Um halb 11 gienge ich mit Joan Steinberger nochmal zum Rhein. Da fienge das Wasser jähling an aufzuschwellen, welches in der verflossenen Stunde 1 Fuß gefallen war. Man hörte von hoch oben her entferntes Rauschen, welches sich allmählich näherte. Als es in die Gegend von Worringen kam, schickte ich einen Mann zum Dorf, welcher eine halbe Stunde mit der großen Klocke läuten muste, damit die Rheinbewohner hier und zu Zons erfuhren, daß die Eißdecke sich in Bewegung gesezt habe. Der Nachtwächter zu Sinnersdorf bließ 11 Uhr, als der Rhein gänzlich am treiben war. Sogleich läutete es auch zu Zons. Das Wasser blieb allenthalben im Ufer, es konnte auch noch 1 Fuß wachsen. Um 12 Uhr verließ ich den Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Morgens ware der Rhein wohl 4 Fuß gefallen und triebe ganz dicht mit Eiß. Am Platthalse liegen ungeheure Eißberge auf dem Land, und an der Worringer Drenke kann deswegen kein Fuhrwerk passiren. Diesen Nachmittag wurde zur Danksagung des glücklichen Aufbruch des Rheines nach der Vesper das &amp;quot;Te Deum&amp;quot; gesungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Angenehm Wetter mit Regen. Der Rhein ist ganz klein. Die Ufer sind noch überall mit Eißbergen bedeckt. Kornpreis 6 Reichstahler [...]&amp;lt;ref&amp;gt;Blatt an dieser Stelle beschädigt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[310]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;1800&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Es ist izt angenehm Wetter, zuweilen Regen. – Die Russen, welche Ordre hatten, nach ihren Staaten zurück zu kehren, gehen nun wieder mit Verstärkung an den Rhein. Sie sollen Maynz und Ehrenbreitstein nehmen, und dann kommen wir mit ins Gedränge. Dennoch kann es auch vor dem Frühling zum Frieden kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Gemäß einem Brief, den ich heut aus dem Klevischen erhielt, steht der Rhein von Xanten bis ins Holländische. Die Eißdecke hatte zwar vom 6ten auf den 7ten 24 Stund getrieben, sezte sich aber nachher wieder. Gestern am Abend kame hier das Obereiß. Das Wasser war so hoch angeschwollen, daß es die Ufer zu übersteigen drohte. Diesen Morgen aber war es zwey Fuß gefallen. Auch fienge es diese Nacht wieder etwas zu frieren an. Die Damm-Arbeiten hören nun seit drey Wochen wieder auf, weil die Central-Verwaltung nach Paris berichtet hat, daß die Dämme gar zu sehr beträchtlich verdorben sind, als daß sie dienstweise gemacht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Das Wetter wechselt noch stets ab. Zuweilen friert es eine Nacht, dann regnet es und wird angenehm. – Man kann noch nicht klug draus werden, ob es Krieg oder Friede werden wird. Der Erste Konsul Bonnapart hat zwar den Franzosen Friede versprochen, allein, England, Kayser und Rußland scheinen der neuen französischen Regierung nicht zu trauen, weil sie demselben nicht Dauerhaftigkeit genug zutrauen. Indessen steht die französische Armee bereit von Maynz bis in Italien. Genua haben die Franken noch besezt, und die Russen sollen wieder zurück an den Rhein kommen. Kornpreis 6 Reichstahler, zu Monheim aber 6 Reichstahler 45 Stüber, Haber 3 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1ten – Abwechselnd Wetter. – Die hiesige Commisen hatten zu verschiedenmahlen 26 Säcke mit Früchten den Leuthen abgenommen, welche solches nach dem Rheine tragen. Diese Früchten sollten heute verkauft werden. Gestern Abend zwischen sieben und acht Uhr, als der Receveur bey Pannes, wo er logirt, am essen war, haben sich wahrscheinlich die Kaufleuthe mit den Sackträgern in Panneshof oben am Fenster hereingebrochen und alle Früchten fortgetragen. Der Agent Hambloch gienge noch in der Nacht mit den Gensdarmen durch das Dorf die Häuser visitiren. Sie funden aber nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5ten – Der Receveur von den Douanen hatte 25 Mann Soldaten begehrt, um die Commisen zu unterstützen. Es kamen doch nur 12 Mann, deren 2 bey den Receveur und in jedes Hauß, wo ein Commis logirt, gelegt wurden. Man ist aber bedacht, beym General Jacobe nachzusuchen, daß sie fortkommen. Kornpreis 6 Reichstahler 9 Stüber, Haber 3 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[311]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Es scheint doch, als wenn sich die alliirte deutsche, russische und englische Mächte zum Frieden neigen wollen. Die Russen werden nach den jüngsten Nachrichten nach Norden zurückkehren. Indessen rüsten sich Kayser und Frankreich unablässig zum neuen Feldzug. – Heute fienge es wieder an zu frieren. – Am 10ten anhaltender Frost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Der Frost hällt ununterbrochen an. Der Rhein tritt zur Halbscheid voller Eiß. – Kornpreis 6 Reichstahler 9 Stüber, Haaber 3 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20ten – Frost. – Es kommen noch anhaltend Truppen in kleinen Abtheilungen, die von der Munizipalität auf die benachbarte Dörfer gelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24ten – Heut starb dem Joan Dick, Sandhalfen in Rheinfeld, seine Frau, Gertrud Burbach, womit er seit sechs Wochen verheyrathet ist. Sie ist seiner ersten Frauen Schwester Kinds-Kind, in Baumberg gebohren. Sie wohnte vor 2 Jahren bey ihm als Köchin. Die am 13. November vorigen Jahr verstorbene Frau des Joan Dik ware wohl zehn Jahre bettlägerig. Die Köchin Gertrud Burbach diente ihm getreu und theilte die Beschwerlichkeiten des Kriegs mit ihm. Das gegenseitige Vertrauen hatte die gehörige Schranken überschritten. Die Köchin kame mit einem Sohne nieder, ohne jedoch die allgemeine Sage zu bewahrheiten, daß der Dik Vater seye. Sobald nun die erste Frau gestorben war, so supplicirte er, um in Betref der Verwandschaft mit der nunmehr Todten verbunden zu werden. Er ward es und erklärte den unehlich gebohrenen Sohn für den seinigen. Sie war im 26. Jahre ihrer blühenden Schönheit. Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 23 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Der Winter hällt noch an, und der Rhein ist grundklein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Die Källte ist eben stark. Das Eiß trägt die schwersten Lastwägen. – Noch ist in Krieg und Friede nichts entschieden. Zwar gehn die Russen nach Hause, aber der Kayser verstärkt seine Armeen fürchterlich. Demungeachtet schreiben die Zeitungen vom Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Es fror noch alle Nächte Eiß in den Rhein. Heut Mittag fienge es an zu regnen. Bisher durften die Früchten mit einem Pasavant vom Receveur der Commisen von einem Ort auf den andern geführet werden, wozu noch eine Bescheinigung des Agenten erfodert wurde. Auf diese Art wurden viele Früchten in die Rheinorte transportirt, von wo sie dann meistens bey Nacht durch Taglöhner an den Rhein getragen wurden, welche vom Malder von hier bis an die Piwitt 24 Stüber Traggeld bekamen. Nun aber muß die Municipalität ein Certificat ausstellen, wie stark die Familie dessen ist, der den Pas-avant begehrt, und dann wird ihm vor 15 Täg Korn zu hohlen verstattet. Der Preiß ist hier noch 6 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Gestern kame ein Battaillon von Düsseldorff. Es blieb nur eine Compagnie hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Der Frost hällt noch an. In den Gärten ist keine Schüppe gegraben. Zwar regnete es gestern, allein, drauf folget wieder Reif und Frost. Kornpreis steht noch auf 6 Reichstahler, Haber 23 Schilling. Der Rhein ist so klein, als er bey Menschengedenk gewesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[312]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Merz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Heute hört erst der Frost auf, ohne dabey zu regnen. – Die consularische Regierung in Frankreich stellt nun die Municipalitäten ab, und das Land wird durch Prefecten und Maiers regiert. Zu Aachen wird eine Commission gehalten, wo die Ländereyen von Neuem geschäzt und die Contributionen von 8 und 12 Milionen berechnet werden. Aus jedem Canton gehn Deputirte dahin – aus dem hiesigen der Friedensrichter Meyer und der Präsident Delhoven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aprill&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Vorgestern Abend waren zwey von den Soldaten, welche seit dem 5ten Februar hier liegen, besoffen. Sie hatten mit den Frucht-Lieferanten sich vereinbahret, daß sie ihnen, den Soldaten, 40 Stüber geben sollten, wogegen die Transportirung zum Rhein gesichert seyn sollte. Der Becker Wilhelm Nusbaum hatte im Namen der übrigen den Accord getrofen. Indessen weigerte sich der Wolter Schüllgen im Bezahlen. Die Soldaten hielten sich am Nusbaum, und da dieser nicht zahlte, so schlugen sie in des Nusbaums Hause Thüren, Fenstern, Stühle und alles voneinander. Das Volk lief zusammen und schluge die Soldaten bis auf den Todt. Der Gensdarmen-Brigadier kame dazu und führte die Soldaten ins Prison und gestern ins Hospital. – Schön Wetter mit etwas Regen. Kornpreis 3 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten, &amp;lt;u&amp;gt;Ostertag&amp;lt;/u&amp;gt; – Die Prozession heute Morgen ward in der Kirche gehalten. – Der Nachbahrbrunnen oberhalb der Nettergaß war so sehr eingefallen, daß selbiger nicht mehr renovirt werden konnte. Deswegen ward 4 Fuß daneben, auf die Kirche hin, ein neuer gemacht, welcher gestern fertig wurde. Die Steine sind durch die Pferdsleute der Pfarr freywillig von Worringen zugefahren worden. Den Brunnen bis der Erde gleich zu verfertigen übernahm der Engel Kranz. Er bekam von jedem bewohnbahren Hause 22 Schilling, und deren waren 27. Das Übrige accordirte er, Kranz, auch um 18 Reichstahler, welche diejenige zahlen musten, welche Wasser daran hohlen. Die Wind und Kette waren noch gut. Der alte Brunnen ist bis zur Hälfte von oben ausgebrochen worden. Diese Steine bekam auch der Kranz. Sie waren aber sehr verdorben. – Regen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Der Tag war sehr schwüll und heiß. Am Abend zohe ein Gewitter über Nivenheim herauf, mit mehr als gewöhnlich fürchterlichem Blitzen. Es donnerte lange über uns, als auf einmal ein starker Hagel in Größe von Taubeneyer niederfiel. Die Gläser an den Mistbetten im Posthauß und auf dem Welferhof zerschmetterten, ohne der Saath und dem Sahmen zu schaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Als ich diesen Morgen um 5 Uhr auf Kölln gienge, sahe ich an Worringen einen Brand, der bis 8 Uhr anhielte. Es war das Dorf Rommerskirchen, das mit der Kirche und Thurm, bis auf 15 Häuser nah, ganz abbrennte. Bey dem abgedankten Agent Leven brach das Feuer aus, und es fielen 39 Häuser in die Asche. Ich sahe den Thurm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[313]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:wie er anfinge, in der Spitze zu brennen. Es war, als wenn man eine Leuchte gesehen hätte. Die 4 Klocken sind geschmolzen, und das Dach und Holzwerk im Thurm ist alles zu Asch und Kohlen gebrennt, welcher Schutt auf dem Gewölb im Thurm liegen geblieben ist. Das Dachwerk über der ganzen Kirche ist niedergebrennt, auch das Schiff, welches gebünnt war. Nur das Kohr war gewölbt, und der hohe Altar ist unversehrt geblieben. Sonsten sind die Bänk alle verbrannt. Die Pastorat ist auch dem Dach gleich abgebrennt. Die viele Früchten, welche auf dem Speicher lagen, haben den ersten Stock conservirt. Das Sonderbarste war, daß, wie die Orgel anfienge zu brennen, so fienge sie auch von selbsten disharmonisch an zu spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Es ist im Tage sehr warm. Des Nachts folgt gemeinlich Regen. Oft ziehen fürchterliche Gewitter hier vorüber, die bisher noch alle mit Hagel begleitet sind, doch that derselbe keinen Schaden. Doch besorgt man dieses für die Zukunft. Kornpreis 3 Kronthaler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Heut kame die 17te Halbbrigade hieher. Sie ward in Italien zu Kriegsgefangenen gemacht und geht nun nach Holland. Eine Compagnie mit dem Stab blieb hier. 800 Mann und 45 Offizier giengen in die Pfarr Nivenheim, weil es auf den übrigen Ortschaften Gottestracht war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – Es ist alle Tage ausserordentlich heiß, doch ziehn die Gewitter noch meistens vorüber. Kornpreiß 3 Kronthaler, Haber 25 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – An Statt der Feldprozession wurden heut die Stationen an den Altären und an der hintern Kirchthür gehalten. Der Pastor wollte den Hagelfeyr absetzen. Allein, da der Präsident Delhoven sich wiedersezte, so ward derselbe wie die Gottestracht am 5ten gehalten. Das Venerabel blieb bis Mittag ausgesezt, und des Nachmittags war in der Kirche nichts zu thuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8ten – Heut sahe ich die erste Kornblüh. Es ist anhaltend sehr heiß. Donnerwetter ziehn vorüber und bringen uns heilsamen Regen. – So sehr der erste fränkische Consul Bonnapart sich bemühete, Frieden zu stiften, so will doch Kayser und England sich nicht fügen. Die Franzosen haben eine Schlacht bey Genua verlohren, welche diese wichtige Vestung zum Falle bringen wird. Auch sind die Franzosen unter Commando des General Moreau bey Kehl über den Rhein gegangen, ohne bisher eine Schlacht zu liefern. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten wurden die Kühe eingetrieben. Die Rheinfelder Halbwinnerinn hatte ihre Benden bis auf 2 Morgen verpfachtet. Da nun keiner selbige von ihr pfachten mehr wollte, so nahmen die Benderben dieselbe pro Morgen vor 4 Reichstahler an sich und stellten solche auf den Meistbiethenden, für Heu zu machen, aus. Auch wurden 10 Morgen annoch meistbiethend für Heu ausgesteigert, welche meistens pro Morgen zu 6 Reichstahler 30 Stüber zugeschlagen wurden. Aus diesem Gelde wurde dem Welfer Halfen 55 Reichstahler zahlt für den Stier zu halten, wofür er sonst 10 Kühe eintrieb, ehe der Zehende aufgehoben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[314]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mey&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Das Korn steht in voller Blüthe. Dieser Tage war es trocken, sonst würde sich Korn und Weitzen unten im Feld schon gelegt haben, denn unter den Perschen so wie im ganzen Rheinfeld stehen so prächtig die Früchten, desgleichen sich kein Mensch erinnert. – Die Franzosen haben die Kayserliche in Schwaben geschlagen, so daß Leztere ihr Hauptquartier in Ulm haben. Der französische General Massena wehrt sich noch wie ein Löwe in Genua. Nun ist Bonnapart mit der Reserv-Armee von Dijon aufgebrochen, um Genua zu entsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Heiße Tage mit wohlthätigem Regen verschaften dem Korn eine vortrefliche Blüthe. Vieles, das sich legen wollte, hat sich wieder aufgerichtet. – Das Malder Korn wird zu 2 Kronthaler hier verkauft und die Haaber um 2 Reichstahler. Tausende Malder sind von Speculanten, das Korn zu 6 Reichstahler und die Haaber zu 4 Reichstahler, aufgekauft worden und liegen noch. – Der Krieg zieht sich ganz nach Italien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Das Korn hat sich bis heute meistens alle aufrecht gehalten. Der dichte Regen scheint es auf den Abend nieder zu drucken. Es ist schon halb ausgesezt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 3ten – &amp;lt;u&amp;gt;Pfingstdienstag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen 6 Uhr gieng die Scheure des Heinrich Braun in Horm in Flammen auf. Die Kühställe waren gleichfals in die Scheur gebaut, und zwey Melkkühe mit einem Rind verbrennten ebenfals. Es mochten wohl 25 Bauschen Stroh in der Scheuer seyn, sonst war sie leer. Wahrscheinlich ist&#039;s durch die Tabakspfeifen der Knechte angezündet worden, welche erst um 4 Uhr aus dem Wirthshause gekommen waren. Es ist die nähmliche Scheuer, welche 1788 auch abbrennte, links die erste nähmlich, das Pachtguth vom Capitul Andreas binnen Kölln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Bisher hatten wir in diesem Monath kalte Täge mit Regen, diese Nacht aber hat es Eiß gefroren und weis gereift, wodurch alle Strauchbohnen und viele Erdäpfel verdorben sind. Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16ten – Es ist noch immer naß und kalt. – Das Prozessionen-Gehen ist von Neuem durch die Central-Verwaltung verbothen. Demungeachtet kamen schon 5 Prozessionen mit Kreutz und Fahnen nach Nivenheim, wo man auch schon angefangen hat, ein Kreutz aufzurichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18ten – In den mehristen Häusern werden die Stubenöfen eingeheizt. Die weisse Bohnen stehn verzweifelt da. Man weis nicht, ob man sie umgraben oder stehen lassen soll. Aus Nordwesten ziehn immer Regen und Hagelschauren herauf. Es ist grade ein Wetter wie im Merz. Der Buchweitz, welcher früh gesähet wurde, ist erfroren, und der späthe sieht verzweifelt aus. Das Malder Korn gillt zu Monheim 5 Reichstahler 5 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Junius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10ten – Es regnet noch immerfort, doch beginnt es wärmer zu werden, und die Bohnen schlagen aus, welche vom Frost gelitten hatten. – Am 4ten dieses hat Genua capitulirt. Der französische General Massena zieht mit allem Geschütz, was in der Vestung ist, ab und kann gleich wieder gegen die Kayserliche agiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14ten – Erst heute hat sich das Wetter geändert. Es war heiter und warm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;Julius&amp;lt;/u&amp;gt; – Bonnaparte hat in Italien einen unbeschreiblichen Sieg erfochten, wie aus beyfolgender Copie der Hanauer Zeitung zu ersehen:&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Hanau, am 27ten Juni&amp;lt;/u&amp;gt; Diesen Krieg und das sterbende Jahrhundert scheinen dazu geeignet zu seyn, große Dinge zu gebähren, und das sonderbahrste, merkwürdigste und unglaublichste dem Griffel der Geschichte zu überliefern. Wo ist der deutsche Mann, der bey dem Angedenken an die Kraft seiner Urväter, an ihre Liebe zum Vaterlande und an ihre herzvolle Großthaten nicht staunt ob der Ereignisse, die ihm als Nachkömmling derselben zu erleben vorbehalten war? Und doch ist es so: Italien ist nach einer einzigen unglücklichen Schlacht beynahe wieder ganz verlohren. In einem Zeitraum vom 14ten Mey, wo General Berthier mit einem Theil der Reserv-Armee im Thale Aosta über die Alpen angekommen war, bis zum 14ten Junius, wo Melas und Bonnaparte zu Marengo zwischen Alexandrien und Tortone ihre Kräfte massen, ist alles wieder verlohren gegangen, was der Muth der Österreicher und Russen im vorigen Jahr erkämpfte. Die wankende Laune des Glücks und der unternehmende Geist eines einzigen Mannes, der Unmöglichkeiten ebnete, haben diese große Wendung erzeugt. Am 14ten war die große Schlacht, wo Bonnaparte dem kayserlichen General Melas 6.000 Mann tödtete, 8.000 Gefangene machte und 40 Kanonen nahm. General Melas hat capitulirt. Folgende sind die Artikel:&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 1&amp;lt;/u&amp;gt;: Es soll ein Waffenstillstand zwischen den kayserlichen und französischen Armeen in Italien bestehen, bis eine Antwort vom Wienerhofe erfolgt.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 2&amp;lt;/u&amp;gt;: Das österreichische Kriegsheer besezt die Länder zwischen dem Mincio der Fossa Maestra und dem Po, das heißt, Peschiera, Mantua, Borgoforte und von da das linke Ufer des Po, auf dessen rechten Ufer nur die Vestung Ferrara.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 3&amp;lt;/u&amp;gt;: Auch besezt die kayserliche Armee Toscana und Ancona.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 4&amp;lt;/u&amp;gt;: Das französische Heer besezt das Land zwischen der Chiusa, dem Oglio und Po.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 5&amp;lt;/u&amp;gt;: Das Land zwischen der Chiusa und dem Mincio bleibt von beyden Theilen unbesezt.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 6&amp;lt;/u&amp;gt;: Die Vestungen und Citadellen von Alessandria, Tortona, Mailand, Turin, Pizzighetone, Arona und Piacenza sollen den Franzosen innerhalb des 16ten bis 20ten Juny übergeben werden.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 7–8&amp;lt;/u&amp;gt;: Ebenso sollen die Vestungen Coni, Ceva, Savonna und Genua zwischen dem 20ten und 23ten und die Vestung Urbino bis 25ten übergeben werden.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 9&amp;lt;/u&amp;gt;: Das schwere Geschütz von österreichischem Guß gehört den Österreichern, das vom italienischen und französischem den Franzosen.&lt;br /&gt;
::&amp;lt;u&amp;gt;Artikel 10&amp;lt;/u&amp;gt;: Die verschiedene Besatzungen ziehen sämmtlich mit Gepäck und allen Kriegsehren aus und begeben sich in 3 Kolonnen vom 19ten bis 24ten Juni nach Mantua. &amp;lt;u&amp;gt;Lezter Artikel&amp;lt;/u&amp;gt;: Die von Wien zu erwartende Antwort mag ausfallen, wie sie will, so mag keines der beyden Heere angreifen, ohne das andere 10 Täg zuvor zu benachrichtigen. Alessandria, den 16ten Juni 1800. Berthier, französischer General, Melas, General der Österreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[316]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Heut wurde das erste Korn gehauen. Das Wetter ist bis zum 8ten sehr heiß. – Kornpreis hier 4 Reichstahler 15 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Von der hier stationirten Gensdarmen-Brigade logirte seit einem Jahr ein Gemeiner namens Bennois im Lämbchen bey Joan Langel. Er ist sehr brav und hat sich mit der jüngsten Tochter Agnes Langel so gut gehalten, daß selbige solches längerhin nicht mehr verbergen konnte. Sie wurden also heut Morgen 4 Uhr in der Kirch getrauet und werden einsweilen beym Schwiegervater wohnen bleiben. Er spricht kein Deutsch, und sie ist mit einem Fuße lahm. – Die Armeen in Italien haben Waffenstillstand, die aber an der Donau schlagen sich noch immer. Die siegende Franzosen sind schon in München. Das Malder Korn gillt hier 30 Schilling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 29ten – Man hoft sehnlich auf Regen. Buchweitzen und alle Gemüser haben dessen so nöthig. Es wird fleissig Korn gehauen. Alle Franzosen, die in Holland sind, haben Ordre erhalten, über Maynz zur französischen Rheinarmee zu ziehn. Sie gehn zu Grimmlinghausen über die eben fertig gewordene stehende Brücke per Düsseldorf durchs Bergische. Noch ist in Italien Waffenstillstand. Die Franzosen in Bayern gehn indessen noch immer vorwärts und haben Ingolstad besezt. – Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber hier in Dormagen, Weitzen 6 Reichstahler 30 Stüber. – Diesen Morgen 8 Uhr kame mein Freund Adolph Steinberger von Kölln. Er sagte aus, daß gestern Abend 10 Uhr der Kourier da angekommen seye, mit der Nachricht, daß auch zwischen der kayserlichen und französischen Armee in Bayern und Tyrol ein Waffenstillstand geschlossen worden seye. Diese frohe Nachricht wurde hier durch das Läuten der Klocken und Beyeren mittags und abends verkündiget. Ein Gleiches geschieht, durch ein vom Präsidenten erlassenes Ciculaire, im ganzen Kanton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Regen, doch nur so viel, daß man Weiden bauen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22ten – Der Joseph Sturm im Schwanen hatte seit dem 14ten Julius stark mit Weitzen gehandelt, so daß er auf die dritte Nacht 100 Malder auf Monheim führte. Wahrscheinlich haben die Händler im Kleinen davon dem Directeur der Commisen in Kölln die Anzeig gemacht, weil heut Nachmittag 20 köllnische Commisen hier den Schwanen umsezten und dann mit dem Agenten das Hauß visitirten. Sie fanden im Keller und auf den Pferdsställen 41 Malder Weitzen. Die Tochter Anna Maria hatte von ihrem Kindtheil auch noch 20 Malder Gerst und eben soviel Buchweitzen im Schwanen liegen. Diese Früchten wurden nun sequestrirt (saisirt), weil es verbothen ist, daß in der ersten Linie auf den Gränzen Früchten in Menge liegen dörfen. Der Weitzen wird in Monheim zu 9 Reichstahler 15 Stüber bezahlt, und in Straberg gillt das Malder 6 Reichstahler 30 Stüber. Nun wird Vieles durch Pasavants mit Karren hiehingeführt. Das Meiste aber wird mit Stoßkarren halbmalderweis transportirt. Das wird pro Malder mit 20 Stüber zahlt. Meistens Weiber von Delven, Straberg und hier geben sich mit dem Transport dieser Art ab. Von hier wird&#039;s meistens in der Nacht an den Rhein getragen. Davon wird pro Malder 22 Stüber zahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[317]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Julius&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Auf diese Art werden wochentlich mehrere hundert Reichstahler, meistens durch Taglöhner-Weiber und –Kinder, verdient. – Heute kamen 9 holländische Husaren hier auf Correspondenz, weil 30 tausend Franzosen und Holländer herauf kamen, um sich bey Maynz zu sammeln, daß, wenn der Kayser die angebothene Friedensvorschläge nicht annimmt, so sollen diese zu der französischen Rheinarmee stossen, um in die kayserliche Erbstaaten einzufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Heut Abend kamen Quartiermacher von einem Bataillon Holländer, welche Ordre hatten, hier und in Worringen zu cantoniren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25ten – Diese Nacht bekamen die holländische Quartiermacher Befehl, auf Düsseldorf zurück zu gehn. Um 8 Uhr waren schon die Fourier von 2 Bataillons Franzosen. Eins gienge auf Worringen, und von einem blieben die Grenadier und der Stab hier. Auch gienge ein holländisches und das 4te französische Dragoner-Regiment durch auf Kölln. – Kornpreis 4 Reichstahler 24 Stüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26ten – Schon gestern giengen die 9 Correspondenz-Husaren fort, und es kamen keine neue. Heut kame wieder ein Bataillon Franzosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 27ten – Diese Nacht starb die Frau des Scheffen Steinbergers, Cäcilia Otto. Sie war eine der bravesten Frauen ihrer Generation. Die Armen verlieren an ihr viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Es bleibt noch immer sehr trocken und heiß. Die Gemüse leiden viel, und an Fourage wird&#039;s allgemeiner Mangel. – Wir haben neu Korn verkauft, das Malder zu 5 Reichstahler, auf dem Söller abzuhohlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten – Die Hitze vertrocknet alle Gemüse, Weitzen und Haber sind zugleich reif geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten – Der neue Weitzen gillt hier 4 Brabänter Kronenthaler, Korn gilt 4 Reichstahler 35 Stüber. Die Brabänter Kronthaler gibt man jetz zu 114 Stüber aus. Bis vor dem Krieg, anfangs in den 1790ger Jahren, kursirten selbige zu 110 Stüber. – Die Trockenheit ist noch anhaltend. So schädlich solche für die Gemüse ist, so ersprieslich ist sie für die Weitzenerndte, die bey Menschengedenk nicht so ergiebig und so beträchtlich war. Es ist ausserordentlich viel Weitzen in unserm Feld gerathen, und aller, auch in schlechten Gründen, ist gut. – Das Arresthauß für die Prissonniers, welche von Neus auf Kölln durch die Gensdarmen geführt werden, ist jetz bey dem Henrich Cremerius im Grünenwalde accordirt. Vom 8ten auf den 9ten giengen 2 Arrestanten laufen. Sie waren nicht vest genug geschlossen. Der Anton Schmitz (Pletschanton) und Peter Bilk wachteten für die Gemeinden aus dem Canton, Henrich Müller und Joan Langel für Dormagen. Diese vier Wächter wurden heut auf Kölln zum Correctionel-Gericht geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Seit dem 24. Juni hatten wir eine Hitze, die seit dem Jahre 1679 nicht so anhaltend und trocknend gewesen ist. Der Rhein ist sehr klein, und an vielen Orten ist gar kein Wasser mehr in den Brunnen. Zu Elberfeld darf keiner die Zimmer auswaschen, und nur auf jeden Kopf ist es erlaubt, wochentlich ein Hemd zu waschen. Die Gemüse sind fast alle vertrocknet und die Erdäpfel reif. Heut 9 Uhr Vormittag fienge es mit hellem Donner etwas zu regnen an. – Die Wächter, so am 11ten auf Kölln geführt wurden, sind von den Jury freygesprochen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[318]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:August&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Der Sturm hat den Prozeß wegen den am 22ten Juli saisirten Früchten gegen Zahlung von 100 Karolin unterdrückt. – Vorgestern Abend, als wieder bey Sturm im Schwanen Früchten zum Rhein getragen wurden, hatte die Margaretha Schmitz das Unglück, mit einem halben Malder Weitz hinter der Scheuer des Joan Langel in eine Erdäpfelkaule zu fallen. Man truge sie hinab. Allein, das Blut kochte ihr so stark zum Munde heraus, daß sie das Nachtmahl nicht empfangen konnte. Diesen Morgen ist sie gestorben. Sie war die Tochter des seeligen Adam Schmitz, gegen der Leimkaul wohnhaft, wo der Kanal abläuft. Sie ware erst 20 Jahre alt und hatte voriges Jahr ein eheloses Kind gebohren, welches noch lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24ten – Biß heute Morgen vier Uhr regnete es ohne Unterlaß, drauf ward es warm und heiter. Unerachtet des Verboths, daß aller öffentliche Gottesdienst untersagt ist, ware dieses Jahr die Köllnische Prozession doch bey 300 Personen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28ten – Heut hielt die hiesige Munizipal-Verwaltung ihre lezte Sitzung, drauf wurden vom Friedensrichter ihre Papiere versiegelt. Die Agenten speiseten friedlich miteinander und schwuren sich ewige Bruderliebe für und für. Rührend war ihr Scheiden und traurig dadurch, daß sie nun alle ins Privatleben zurücktreten, die diese zwey Jahr hindurch gebiethende Herren waren. Einsweilen versehen die Agenten die Stelle als Maier. Der Weitzen gillt hier 4 Kronthaler, zu Monheim aber 9 Reichstahler 30 Stüber, Korn hier 5 Reichstahler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Unser Posthalter bestellte heut beym Ueberfahren über den Rhein, daß der Schiffer um 12 Uhr nachts in dem Nachen seiner warten solle. Der Mathias Langel, der auch eben um Mitternacht von der Kirmes zu Monheim kam, fand den Fährman im Nachen, der ihn aber nicht überfahren wollte, bis der Posthalter käme. Der Mathias Langel sagte: &amp;quot;Der Posthalter wartet Euer, geht nur und ruft ihn&amp;quot;. Währenddem stiege der Mathias Langel in den Nachen und fuhre allein über. Wie er an die Piwitte kam, hielt da die Chaise, welche die Jungfer Margaretha Küpper abhohlen sollte. Er sezte sich still hinein und fuhre hieher, wo um 2 Uhr die Jungfer Küpper bey starkem Regen zu Fuß heim kehren muste. – Eine acht Täge her war es schön Wetter, seit gestern aber regnet es mit Schauren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Heute kamen die zwey neue Brandspritzen, so wir zu Mühlheim an der Ruhr durch den Meister Pottman haben machen lassen. Da diese schwere Eingangsgebühren an die Commisen zahlen, so ward mit den hiesigen die Absprache genommen, daß sie dieselbe von Monheim frey passiren liessen. – Sontags, den 14ten wurden selbige hier auf dem Kirchhof probirt. Sie spritzen bis an die zweyte Sternen am Kirchenthurm, eine Höhe von 80 bis 90 Fuß. Sie kosten mit den Unkosten bey vierhundert Reichstahler. Man hatte vorerst eine Umlage auf die Morgenzahl gemacht, und weil das Perschenland hinter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[319]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:September&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:dem Damm seit zwey Jahren nicht in der Contribution mit in Anschlag genommen, folglich frey war, so sollte selbiges pro Morgen 30 Stüber zahlen. Indessen weigerten sich einige, welche viel unter den Perschen hatten. Um nun eine angemessene Basis zu treffen, so machte ich mit Joan Steinberger einen Anschlag, worin wir jeden darnach imponirten, wie viel ihm an Gereide verbrennen könte. Jacob Cremer muß 7 Reichstahler zahlen, Joseph Sturm im Schwanen 15, Wittib Derichsweiler 5, Wittib Fix 5, Fridrich Steinberger 12, Herman Delhoven 8, Vicarius 6, Peter Pannes 8, Thomas Delhoven 7, Posthalter 12, der Welfer und Rheinfelder Halfen jeder 18, jeden Taglöhner 30 Stüber. Auf diesen Fuß kommen bey 400 Reichstahler zusammen. Die Leuthe zahlen alle freywillig, nur der &amp;lt;s&amp;gt;Peter Pannes und&amp;lt;/s&amp;gt; Theodor Bremer will nicht. Man wird ihn aber durch das Friedensgericht dazu vermögen. – Es ist bis 20ten sehr heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Gestern kame die zuverlässige Nachricht, daß der Kayser mit Frankreich eine neue Konvention getroffen, gemäß welcher ein neuer Waffenstillstand von 45 Tägen geschlossen, die Franzosen zu überzeugen, daß es des Kaysers ernster Wille ist, Friede zu schliessen. So räumet dieser den französischen Truppen die drey Vestungen Ulm, Ingolstadt und Philipsburg ein. – Seit 8 Tagen hat es anhaltend geregnet. Kornpreis hier 5 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Rabsahmen 18 Reichstahler. – Noch sind die Mairen nicht ernennt. Die Agenten verrichten provisorisch die Function als Maire.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:October&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4ten – Es regnet noch anhaltend. In den schweren Gründen ist die Saath viel durchs Ungeziefer abgefressen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11ten, &amp;lt;u&amp;gt;Kirmesabend&amp;lt;/u&amp;gt; – Es stürmt noch in zügelloser Wildheit. Da aber der Barometer steigt, so könnt die Kirmes erträglich werden. – Kornpreis 5 Reichstahler, Weitz 4 Kronthaler hier zu Dormagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13ten – Heute, als am Kirmesmontag, liessen die Junggesellen von Horm ein feyerliches Levitten-Seelenamt halten. Am 14ten thaten dieses mit eben dem Prunk die hiesige Männer. Am 15ten war ein Jahrgedächtniß für Privat-Familien, und donnerstags, den 16ten ließe Joseph Sturm im Schwanen eine Levitten-Meß halten für alle Dormager Junggesellen. – Es ware diese Kirmes sehr unangenehm Wetter, und der Zulauf von Fremden nicht groß. – Am 20ten schön Wetter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Nach der am 20ten September zwischen dem Kayser und Frankreich geschlossenen Uebereinkunft wird dermahlen ein Congress zu Lüneville gehalten. Die wechselseitige Gesandten reisen schon dahin. – Am 14ten dieses trat der ehemalige Carl Neesen, Municipalitäts-Secretair dahier, die Stelle als Maire an. Er logirt im Posthaus. Doch macht der ehemalige Agent Hambloch noch die Biletter. Schönes Wetter. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 7 Reichstahler 30 Stüber hier. – Seit 14 Tagen hatten wir 13 Soldaten von der Nordfranken-Legion hier, welche aufpassen sollen, daß keine Früchten über den Rhein gehen. Derjenige aber, so den Soldaten etwas gab, konnte sich ihres völligen Beystandes freuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[320]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:November&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3ten bis 9ten – Sehr stürmisch Wetter mit Regen. – Das Malder Korn wird hier zu 5 Reichstahler und Weitzen zu 4 Kronthaler verkauft. Wir haben einige Zeit 10 Soldaten hier, welche verhindern sollen, daß keine Frucht über den Rhein geht. Allein, da diese sich bestechen lassen und selbst den Schleichhandel schützen, so geht izt sehr viele Frucht über den Rhein. – Es soll nun ein Congress zu Paris gehalten werden, wo der preussische Minister Lachesini und der kayserliche Graf Kobenzel wirklich angekommen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten, &amp;lt;u&amp;gt;Sontag&amp;lt;/u&amp;gt; – Diesen Morgen ware es angenehm Wetter. Um den Mittag hob sich der Wind aus Westen, und schon im Anfang der Bruderschaft ward derselbe so heftig, daß die Gläser an der Kirche zu brechen anfiengen. Wie wir aus der Kirche kamen, heulte es so stark, daß allenthalben die Dachziegel herunterstürzten und die Strohdächer sich löseten. Es ware unmöglich, dem Einreissen Einhalt zu thun, weil man besorgte, daß entweder die Dächer einstürzten, oder daß derjenige, so sich hinauf wagte, vom Wind fortgeweht würde. Mit dem Sonnenuntergang ware der Sturm am stärkesten, weil in dieser Zeit die meisten Gebäude einstürzten. Unter diese gehören die Häuser des Henrich Borrekoth, des Conrad Fuhs und des Fridrich Nix, dann die Scheuren des Joan Cremer, Joan Sand, Joan Langel junior und der Wittib Mansteden, sodann mehrere Ställe, und kein einziges Gebäude blieb unbeschädigt. Auf vielen blieb kein einzige Pfanne oder Stroh. In vielen Häusern wurden die Stubenöfen ausgelöscht, damit beym zu besorgenden Einsturz keine Feuersbrunst entstehe. Um zehn Uhr abends ließ der Sturm etwas nach, und um Mitternacht ware es einsam und still. Einen so heftigen und anhaltenden Wind erinnert sich kein Mensch, je erlebt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30ten – Das Wetter ist noch offen. Nur ein paar Nächte hat es etwas gefroren. Das Malder Korn wird hier zu 5 Reichstahler 30 Stüber verkauft, und der Weitzen zu 8 Reichstahler 15 Stüber. Haaber wird gesucht. – Die Ansichten zu Krieg und Frieden sind noch unentschieden, alle französische Truppen ziehn auf die Waffenstillstands-Linie, der schon bey allen Armeen aufgekündigt ist. Hingegen sitzen die Gesandte zu Lüneville beysammen, um Frieden zu stiften. Auch Preußen und Rußland sind in Bewegung, um England zum Frieden zu zwingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;u&amp;gt;December&amp;lt;/u&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 6ten December – Zu Roggendorf halten sich seit einem halben Jahr 16 Franzosen auf, welche Contreband-Waaren über den Rhein ins Land schmukelen. Sie bestechen die benachbarte Commisen und bringen jeder auf seinem Pferd zwey Päcke Waaren über die Linien. Auch die verflossene Nacht trieben sie’s so. Allein, als sie beym Scheurerhof bey Stommeln kamen, da lauerten ihrer 30 Commisen von Köln und Bonn. Die Contrebandiers&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[321]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1800&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:December&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:führten keine Waffen bey sich. Jeder hat nur einen dicken Prügel. Die Commisen thaten 40 Schüsse, verwundeten einen Contrebandier im Schenkel, erbeuteten 6 Pferde und für 10 tausend Liver Waaren. Sie führten den Contrebandier auf Sinnersdorf, hohlten erst diesen Nachmittag den hiesigen Feldscherer, der beym ersten Untersuchen fand, daß der Blessirte sich verblutet, weil er so lange unverbunden gelegen, und daß er sterben müsse. Als der Commis, welcher den Schuß gethan, den Sterbenden betrachtete, da fand er, daß sie aus einem Dorfe zu Hause und Nachbars-Kinder waren. – Den 7ten morgens war der Contrebandier schon todt. Der Friedensrichter muste dahin, um mit dem Chyrurgus Eller ein Visum-Repertum und Procees-Verbal zu dressiren. Die uebrige Contrebandiers hielten sich zurück, worunter auch ein Bruder des Todten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9ten – Es hat ein paar Nächte wieder gefroren, doch ist es izt wie immerhin offen Wetter. – Rußland scheint feindselig gegen England zu agiren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12ten – Diese Nacht fienge es an zu frieren. – Der französische General Moreau hat am 3ten December die Kayserlichen am Inn in der Gegend von Wassenberg geschlagen und 10 tausend Gefangene gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20ten – Der Rhein geht dicht mit Eiß. – Seit 14 Tagen ist es verbothen, die Früchten von jenseits den Rhein hinunter zu führen. Preußen, Rußland und die französische Regierung suchen England die Zufuhr von Früchten abzuschneiden. Durch diese Gelegenheit sind die Preise hier gesunken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21ten – Es fienge diesen Morgen mit einem Eißregen an, sehr glatt zu werden, drauf folgte Thauwetter. – Das gegenwärtige Jahr war eins der ergiebigsten seit Menschen-Gedenk. Besonders hat Dormagen wegen dem verschont gebliebenen Rheinfeld eine ungewöhnlich trefliche Erndte gehabt. Das Malder Korn gillt in Monheim 6 Reichstahler &amp;lt;s&amp;gt;30&amp;lt;/s&amp;gt; Stüber, der Weitz 8 Reichstahler 50 Stüber pro Köllnisch Malder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31ten – Ausser dem kleinen Frost vom 12ten hat es dies Jahr nicht gewintert. Auch ist noch kein Schnee gefallen. – Dies Jahr hatten wir harten Frost, einen warmen, schnell treibenden Frühling, anhaltend große Hitze und den nie erlebten Sturmwind. Die Erndte war prächtig, trocken und reich. Viel Stroh und viel Frucht, besonders der Weitzen, war auch auf schlechtem Boden treflich gerathen. Viel Geld wird in diesem Dorf mit Frucht und sonstigem Speditions-Handel verdient. Die Taglöhner erwerben sich Capitalien durch das Sacktragen zum Rhein. Sie gehn sontags ungleich besser gekleidet als in vorigen Zeiten. Selbst Kinder tragen schon ein oder zwey Faß Korn zum Rhein. Dieses ganze Jahr haben wir keine Contribution bezahlt, doch wahrscheinlich wird der Rückstand im folgenden beygetrieben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== [[Johann Peter Delhoven 2|Fortsetzung für die Jahre 1801 bis 1823]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege und Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Delhoven, Johann Peter}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tagebücher und Chroniken]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quellen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Chronisten]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<title>Pfarrchronik</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:klüwer1.jpg|200px|thumb|right|Pfarrer Johannes Klüwer in den 1940er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Von seinem Amtsantritt 1928 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1951 führte der Zonser [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] eine &#039;&#039;&#039;Pfarrchronik&#039;&#039;&#039; über wichtige Ereignisse im Leben der Pfarrgemeinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorbemerkungen ==&lt;br /&gt;
Das Führen von Chroniken über wichtige Ereignisse durch die Pfarrer hat in den Pfarrgemeinden des [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_K%C3%B6ln Erzbistums Köln] eine bis in die Zeit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Republik Weimarer Republik] und davor zurückreichende Tradition. Die vorgesetzte geistliche Behörde achtete auf die Einhaltung dieser Verpflichtung, und die Chroniken wurden anlässlich von Visitationen eingesehen und beurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zonser [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] begann Ende 1907 auf Wunsch des Erzbischofs [https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Fischer_%28Kardinal%29 Antonius II. Kardinal Fischer] mit der Niederschrift der ersten Zonser Pfarrchronik, die er bis zum Eintritt in den Ruhestand 1910 fortsetzte und ausbaute.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Chronik liegt heute im Pfarrarchiv St. Martinus Zons (PfAZ), Nr. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierbei standen jedoch nicht aktuelle Ereignisse, sondern die weit zurückreichende Geschichte der Pfarrei im Vordergrund. Aktuelle Ereignisse wurden dementsprechend kaum notiert. Sein Nachfolger als [[Pfarrer]] (1910–1928), Dr. Dr. [[Ludolf Schmitz]], führte die Chronik nicht fort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem Nachfolger von [[Pfarrer]] [[Ludolf Schmitz|Schmitz]], [[Johannes Klüwer]] (1928–1951), erfuhr die Chronik eine Fortsetzung, indem er unmittelbar nach seinem Amtsantritt mit der Niederschrift aktueller Ereignisse in der Pfarrgemeinde in dem von [[Adam Otten]] begonnenen Buch startete. Diese Chronik führte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1951 gewissenhaft fort&amp;lt;ref&amp;gt;Im Juni 1942 war das erste Buch voll, so dass er die Chronik in einem neuen Buch fortsetzte (heute PfAZ, Nr. 7).&amp;lt;/ref&amp;gt;, und seine Nachfolger folgten diesem Vorbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik von [[Johannes Klüwer]] ist eine sehr bedeutende ortsgeschichtliche Quelle für die Zeit von der ausgehenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Republik Weimarer Republik] über die Zeit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus Nationalsozialismus] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg Zweiten Weltkriegs] bis in die beginnende Nachkriegszeit bzw. die ersten Jahre der Bundesrepublik. Die an vielen Stellen nicht nur implizite Kritik an der nationalsozialistischen Bewegung und ihren örtlichen Vertretern erstaunt angesichts der persönlichen Gefahr, der sich der Geistliche hiermit aussetzte. Auf der anderen Seite ist die Chronik damit eine einzigartige ortsgeschichtliche Quelle für die recht quellenarme Zeit des Nationalsozialismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden wird die Chronik [[Johannes Klüwer]]s in Transkription wiedergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Transkriptionsteil ==&lt;br /&gt;
=== 1928–1932 ===&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1928&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 181] Am 25. Oktober 1910 wurde der hochwürdige Herr Dr. theol. et phil. [[Ludolf Schmitz]], geboren am 19. Januar 1874 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dortmund Dortmund], zum [[Pfarrer]] in Zons ernannt. In seine Amtszeit fällt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg große Weltkrieg 1914–1918]. Wie beiliegendes Gedenkblatt zeigt, [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|starben 34 Söhne der Pfarre auf dem Felde der Ehre]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1928 Am 31. April 1928 wurde Herr [[Pfarrer]] [[Ludolf Schmitz|Dr. Schmitz]] als Oberpfarrer nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Bergheim Bergheim, Erft] versetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sein Nachfolger wurde [[Johannes Klüwer]], geboren 29. Juni 1886 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen], bisher in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes], St. Maria tätig, eingeführt wurde er am 24. Juni 1928 durch Herrn Hochwürden Dechant Boeckels, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9. September. Jakob Blömacher feiert sein goldenes Brudermeister-Jubiläum auf der Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. September. Prozession zum [[Friedhof]], Kranzniederlegung zu Ehren der [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|Gefallenen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. Oktober. Die Glockensammlung beginnt wieder, da durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg Krieg] die Kirche 2 Glocken verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. November. Das Hochamt zu Ehren des [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours Kirchenpatrons] verschönte [sic.] der Kirchenchor von St. Marien, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes] durch seinen Gesang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 182] Vom 3.–9. Dezember fand eine religiöse Weihe für die Jungfrauen statt. 90 % beteiligten [sich]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Exerzitien Exerzitienmeister] war Pater Britz, [https://de.wikipedia.org/wiki/Lazaristen Lazarist], Stolkgasse, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Dezember. Weihnachten wurden 700 Kommunionen ausgeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1.12.28. Mit dem heutigen Tage wurde Herr Schulrat Langenberg nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Landkreis_K%C3%B6ln Köln Land] versetzt, an seine Stelle kam Herr Schulrat Dr. Schmitz, dessen bisheriger Wirkungskreis [https://de.wikipedia.org/wiki/Andernach Andernach] gewesen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1929&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1929. Am 1. Januar 1929 schied die [[Lehrer]]in [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Werle]], welche 12 Jahre in Zons gewirkt hatte, da sie heiratete, aus dem [[Schulwesen|Schuldienst]] aus. An ihre Stelle trat die Schulamtsbewerberin [[Klara Bergmann]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:März. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirchenfenster]] wurden mit einem Kostenaufwand von 850,– Reichsmark gereinigt und repariert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. April. Die [[Hohenzollernkompanie|Hohenzollern-Kompanie]] der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft]] feiert ihr silbernes Jubiläum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. April. [[Kirchenvorstand]]swahl. Gewählt wurden Hubert Boes, Josef Richrath, Josef Rodekirchen, Gottfried Stelzmann, Josef Vogel, zu den verbliebenen alten Mitgliedern Hubert Longerich, Wilhelm Peters, Peter Gilgen, Jakob Gassen, [[Johann Hahn]]. [[Otto Sticker]], 25 Jahre Mitglied und langjähriger stellvertretender Vorsitzender, war wegen [p. 183] seines hohen Alters ausgetreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19. Januar 1929 wurde der Katholische [[Frauen- und Mütterverein]] gegründet.’’&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Eintrag wurde auf p. 182 nachgetragen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 183] 1. März. Ein überaus strenger Winter. Der Rhein zugefroren bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Emmerich_am_Rhein Emmerich] und an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Loreley Loreley]. Am 1. März war die Temperatur noch -8 Grad Celsius.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Mai. Durch die Witterungseinflüsse war das Kreuz &amp;quot;am [[Mülleposs|Mühlenpost]]&amp;quot; verwittert und herabgestürzt. Heute wurde es in feierlicher Prozession wieder erneuert. Insam und Prinoth aus [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Ulrich_in_Gröden St. Ulrich im Grödnertal (Tirol)] hatten es verfertigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. Juni. Am St. Antoniustag wurde der [[Katholischer Gesellenverein|Katholische Gesellen-Verein]] gegründet. Herr Generaldirektor Dr. Nattermann aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] war persönlich anwesend. 33 Gesellen meldeten ihren Beitritt. Senior wurde Josef Blömacher, der auch als Präfekt des [[Jünglingsverein]]s sich der Jugend sehr annimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_52.jpg|300px|thumb|right|Stadtfest 1929: Ehrengäste und Festzugteilnehmer auf der Festwiese.]]&lt;br /&gt;
:21. Juli. [[Stadtfest 1929|Jubiläum]] der [[Stadtrecht|Stadterhebung 1373]] und silbernes Jubiläum der Erneuerung des [[Stadtwappen]]s (1904). Als Vertreter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Schulte Herrn Kardinals] zelebrierte Herr Hochwürden Domkapitular Monsignore Höller, [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln], das Hochamt. Die Festpredigt hielt [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heinrichsbauer Herr Hochwürden Diözesanpräses Johannes Heinrichsbauer]. Festfolge, Festzug etc. siehe Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27.-30. September. Mission für alle Rheinschiffer und Fährleute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 184] 2. November. [[Gemeinderat]]swahl, [https://de.wikipedia.org/wiki/Provinziallandtag_(Preußen) Provinziallandtags-] und Kreistagswahl in Zons-[[Stürzelberg]]. Das Ergebnis niederschmetternd. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunisten] erhielten 238, das [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] 214, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands Sozialdemokraten] 64, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Volkspartei Deutsche Volkspartei] 14, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschnationale_Volkspartei Deutschnationale] 44 etc. bei 724 abgegebenen Stimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Dezember. Das Mitglied des [[Kirchenvorstand]]s Hubert Boes wurde von einem Auto überfahren und war sofort tot. An seine Stelle trat i.K.V.&amp;lt;ref&amp;gt;Unklares Kürzel.&amp;lt;/ref&amp;gt; Johannes Erkelenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. Dezember. Am 2. Weihnachtsfeiertage fand das erste Weihnachtspfarrfest statt. Alle Pfarrangehörigen beteiligten sich. Die einzelnen Vereine übernehmen die Bestreitung des Abends, conferre Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Dezember. Der [[Katholischer Arbeiterverein|Katholische Arbeiterverein]] wurde wieder ins Leben gerufen, ca. 30 Arbeiter meldeten sich. Vorsitzender wurde Johann Habets.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1930&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1930. Vom 12.–19. Januar fand eine wohlgelungene Familienwoche statt. Die Beteiligung war sehr gut. Am Schlusse fand die Gründung des Katholischen [[Frauen- und Mütterverein|Frauen-Müttervereins]] statt. 200 Frauen meldeten ihren Eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. Januar. Die Eheleute Lambert Wingerath und Margarete Sand feiern heute unter Anteilnahme der ganzen [p. 185] Bevölkerung ihre goldene Hochzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im [[Vinzentinerinnen|Vinzenzkloster]] wird ein Nähkursus eingerichtet, und die Kreisverwaltung veranstaltet Kochkurse, die sehr gut besucht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. März. Heute findet die Betstunde für die verfolgte Kirche in Rußland statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. [April]. Wie auch im vorigen Jahre, so werden heuer [https://de.wikipedia.org/wiki/Exerzitien Exerzitien] für die Schulentlassenen von dem hochwürdigen Herrn Assistenten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshauses] [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] gehalten und in einer kleinen Feier die Schulentlassenen verabschiedet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. Mai. Der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor Cäcilia]] feiert sein goldenes Jubiläum, das recht würdig verlaufen ist, conferre Programm. Die Festpredigt hielt Pater Seiter [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner CSSp], 9 Kirchenchöre des Dekanates waren erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15. Juni. Bruderweihe des [[Katholischer Gesellenverein|Katholischen Gesellenvereins]], zu dem die Brudervereine in stattlicher Zahl (700 Gesellen) erschienen waren. Die Festpredigt hielt Herr Hochwürden Bezirkspräses Kaplan Schorn aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß], die Festrede Herr Hochwürden Dr. Nattermann, Köln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Juni. Die endgültige [https://de.wikipedia.org/wiki/Alliierte_Rheinlandbesetzung Befreiung des Rheinlandes von dem Joche der feindlichen Besatzung] wurde auch kirchlich gefeiert. Tedeum etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Juni. Elternbeiratswahl. Trotz Gegenarbeit [p. 186] gelang es den [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunisten], einen ihrer Vertreter, einen Dissidenten, in den Elternbeirat zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. September. Die weltliche Feier des goldenen Jubelfestes des [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchores und Männergesangvereins &amp;quot;Cäcilia“]] mit nationalem Gesangwettstreit, conferre Festbuch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weißen Sonntag wurden 20 neue Kinderbänke angeschafft, das Stück zu 23,- Mark, verfertigt von Sebastian Steinbach, Zons, und Wilhelm Steinbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. Oktober. Der Herr Hochwürden [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Joseph_Sträter Weihbischof Dr. Hermann Josef Sträter] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen]) wurde zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung Firmung] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Visitation Visitation] um 8 Uhr am [[Feldtor]] empfangen, zelebrierte selbst das [https://de.wikipedia.org/wiki/Messopfer heilige Meßopfer] und spendete 92 Firmlingen die heilige Firmung. In der Prüfung mußten die Kinder recht gut antworten. Um 11 Uhr ging er mit den anwesenden Geistlichen Herrn Hochwürden Dechant Böckels ([https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]), Direktor Kettenhofen, Assistent Heckmanns ([https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus]), Definitor Biesenbach ([[Stürzelberg]]), Rektor Schmitz ([https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_(Dormagen) Horrem]), Dr. Selung (bischöflicher Kaplan) und Religionslehrer Krutwig ([https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_(Köln) Köln-Nippes]) durch die festlich geschmückten Straßen zum Besuch der [[Vinzentinerinnen|Schwestern]]. Unter feierlichem Glockengeläute fuhr der hochwürdige Herr gegen ½ 3 Uhr zur Firmung nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. Oktober. Sämtliche Ostern entlassenen Knaben (9) wurden heute am [https://de.wikipedia.org/wiki/Christkönigsfest Christkönigsfest] feierlich in den [[Jünglingsverein|Jünglings-Verein]] aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 187] 24. und 25. November. [[Hochwasser]] in Zons. Bei einem Pegelstand von 7 m in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] stand das Wasser sonst bis weit in die [[Feldstraße]]. Zum ersten Male in der Geschichte Zons hat die Stadt nicht unter den Schrecken des [[Hochwasser]]s zu leiden gehabt, da der neue [[Hochwasserschutz|Damm]] mit einem Kostenaufwand von 1.275.000,- Reichsmark einige Tage vorher fertiggestellt war. Vergleiche den Zeitungsausschnitt in der Anlage zur Chronik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. Dezember. Wie im Vorjahre, wurde auch in diesem Jahre eine Pfarrweihnachtsfeier veranstaltet. Der große [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Saal]] bei [[Peter-Josef Schmitz|Peter Josef Schmitz]] war 2x vollständig besetzt. Herr [[Lehrer]] [[Heinz Riffel|Riffel]] hatte die Leitung, der auch in diesem Jahre die Krippe in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] gebaut hat. Zum 1. Mal wurde der Hochaltar als Ort der Aufstellung gewählt. Auf der Epistelseite Vertreibung aus dem Paradiese, Opfer des Isaak eherne Schlange, Verkündigung der Engel. Im Hintergrund die Verkündigung Mariens. Auf der Evangelienseite die Krippe und der Zug der [https://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige heiligen 3 Könige], auf dem Hintergrund aufgebauter Zonser [[Rheinturm]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nachtrag zu 1930&lt;br /&gt;
:Am 18. Mai feierte der [[Marienverein]] das 100-jährige Bestehen des [[Marienverein]]s mit den Schwestervereinen [p. 188] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_(Köln) Köln-Nippes].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Anläßlich des Namenstages des [[Johannes Klüwer|Pastors]] schenkten die Vereine der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] Läufer für den Altar, Kerzenhalter für den [https://de.wikipedia.org/wiki/Tabernakel Tabernakel], Taufkännchen und -teller und der [[Paramentenverein]] Alben für [https://de.wikipedia.org/wiki/Seelenamt Seelenmessen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im Laufe des Jahres verfertigte der [[Paramentenverein]] Schutzdecken für die Altäre und einen violetten [https://de.wikipedia.org/wiki/Pluviale Chormantel]. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaerpilger] brachten von ihrer Pilgerfahrt 6 Kerzenleuchter für den Hauptaltar mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1931&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1931. Am 21. Januar starb der Rendant Ferdinand Klüwer aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen], nachdem er 3 Jahre die Geschäfte zur vollsten Zufriedenheit geführt, sein Nachfolger wurde am 1. Februar der Kaufmann Robert Jungblut aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. Februar. Die Eheleute Gottfried Rosellen und Sophia Lieven aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven] begehen das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Die ganze Gemeinde nimmt freudigen Anteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. März. Der [[Bonifatiusverein]] wurde neu eingeführt. Fräulein Anna Steinbach besorgt die Arbeit. Ca. 20 Mitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:März/April. Der [[Frauen- und Mütterverein]] hält einen Kursus für Säuglingspflege, der sehr gut besucht wird. Schwester Hildegard leitet den Kursus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 189] 5. April. Der [[Fußballclub Zons]] feiert sein 20-jähriges Bestehen und hält eine Generalkommunion in der Frühmesse, an der sich alle Mitglieder beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Mai. Wie alljährlich die Blumenprozession der Schulkinder zum Maialtar. Eingeübt war das Lied &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Ave_maris_stella Meerstern ich Dich grüße]&amp;quot;. An [https://de.wikipedia.org/wiki/Hortensien Hortensien-Topfpflanzen] waren gegeben: 70 Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. Mai. Schluß der österlichen Zeit, wie im Vorjahr haben über 200 die Osterpflicht nicht erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. Juni. Feierliche Glockenweihe, conferre Festfolge in der Anlage.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Geschichte der Glocken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|1876–78 neuerbaute Pfarrkirche]] wurden die Glocken der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|alten Kirche]] eingebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die große Glocke d.&lt;br /&gt;
:In honorem [https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_%28Mutter_Jesu%29 B.M.V.] fusa sum ad usum ecclesiae S. Martini Sontini. P.T. [[Pfarrer|pastore]] [[Carl Joseph Neesen|C.J. Neesen]], [[Vikare|vicarius]] [[Johann Maaßen|J. Massen]], [[Martin Schloßmacher|S.M. Schloßmacher]] consiliarii eccl. [[Franz Aldenhoven|F. Aldenhoven]], [[Gottfried Schmitz|G. Schmitz]], [[Heinrich Stommel|H. Stommel]], [[Johannes Bongartz|J. Bongartz]], H. Richrath. Anno 1843. Gaulard Père et fils fondeurs a [https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCttich Liège].&lt;br /&gt;
:Vorn befindet sich das Bild der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgeb%C3%A4rerin Muttergottes].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die mittlere Glocke f.&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours S. Martini] Glock bin ich genannt,&lt;br /&gt;
:[p. 190] zu Zons getauft wider Feuer und Brand.&lt;br /&gt;
:Ungewitter, Donner u. Hagelschlag&lt;br /&gt;
:Durch Gottes Gnad abwenden mag.&lt;br /&gt;
:Renovata sub D. [[Pfarrer|pastore]] [[Nikolaus Engelskirchen|Nikolao Engelskirchen]]. D. [[Wolter Weber|Wolters Weber]] [[Bürgermeister|consule (Bürgermeister)]] D. [[Mathias Stamm|Mathia Stam]] [[Kirchmeister|aedili]] et [[Schöffen|scabino]] (Ortsvorsteher und Schöffe) sumptibus D D patronorum et sui civitatis. Anno 1710.&lt;br /&gt;
:Johann Peter Edel von [https://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fburg Straßburg], Curpfelsiger goß mich 1710.&lt;br /&gt;
:Vorn befindet sich das Bild des [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours heiligen Martinus], hinten das Bild der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgeb%C3%A4rerin Muttergottes].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die kleine Glocke g.&lt;br /&gt;
:Zu Gottes Ehr heng ich hier, das Ungewitter zu kieren u. Gottes Lob zu mehren.&lt;br /&gt;
:Bin aus Statt Zons Mitteln ahngeschaffet worden 1751. Denuo fusa consecrata fideles advoco.&lt;br /&gt;
:Vorn befindet sich das Bild der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgeb%C3%A4rerin Muttergottes] (1), hinten das Bild des [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus heiligen Maternus] (2), rechts ein Kruzifix (3) und links das Bild des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich heiligen Hubertus] (4).&lt;br /&gt;
:Die entsprechenden Umschriften (1) [https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_%28Mutter_Jesu%29 Maria] ora pro nobis, [p. 191] (2) [https://de.wikipedia.org/wiki/Maternus S. Materne] ora pro nobis, (3) misere nobis, (4) [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich St. Huberte] ora pro nobis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die kleinste Glocke hoch oben im Turm, das sogenannte Kleppglöcklein mit Inschrift.&lt;br /&gt;
:Ton: cis&lt;br /&gt;
:Allen luden bekannt.&lt;br /&gt;
:Ave bynych genannt&lt;br /&gt;
:Anno Domini MVCIII&lt;br /&gt;
:Dieses kleine Glöcklein stammt hochwahrscheinlich noch aus der alten [[Franziskanerkirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Während des [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg Weltkrieges] wurden Glocken d und f beschlagnahmt. Die  g-Glocke wurde 1917 und die cis-Glocke 1918 im Turm zerschlagen und für Kriegszwecke (Kanonen) verwandt. Nach Beendigung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg Krieges] begann die Pfarrgemeinde mit der Sammlung für neue Glocken. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Inflation_1914_bis_1923 Inflation] machte 1922 (200.000,- Mark waren schon bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Glockengie%C3%9Ferei_Otto Glockenfirma Otto] eingezahlt) alle Hoffnung zu nichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8. Juli 1928 begann man wieder mit der Sammlung anläßlich des Krönungsballes der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Hubertusschützengesellschaft]]. Ergebnis: 130,- Mark. Darauf lud der [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] die Vereine aus Zons ein. [p. 192] Die Stadt wurde in 9 Bezirke eingeteilt und monatlich eine Haussammlung zum Besten der Glocken abgehalten. Es beteiligten sich der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Männergesangsverein und Kirchenchor Cäcilia]], der [[Kriegerverein]], [[Turnverein]], [[Marienverein]], [[Theaterverein &amp;quot;Germania&amp;quot;|Theaterverein Germania]], der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenverein]], die [[Feuerwehr]], der [[Fußballclub Zons|Fußballklub]], und den Außenbezirk übernahm der Polizeiwachtmeister Pohlmann. Alle Vereine taten ihr Bestes, nur die [[Theaterverein &amp;quot;Germania&amp;quot;|Germania]] legte bald ihr Amt nieder, an seine Stelle trat der neu ins Leben gerufene [[Katholischer Gesellenverein|Katholische Gesellenverein]]. Jeden Monat wurde abwechselnd im Saale [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Schmitz]] und [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Schönen]] ein Kinoabend veranstaltet, auch gaben einige Vereine besondere Theaterabende zum Besten der Glocken, so der [[Marienverein]] 90,- Mark, die [[Schulwesen|Schule]] 107,- Mark, [[Hohenzollernkompanie]] 25,- Mark, die [[St. Antoniusbruderschaft|Antoniusbruderschaft]] stiftete 34,- Mark, der [[Kegelclub &amp;quot;Gemütlichkeit&amp;quot;|Kegelklub &amp;quot;Gemütlichkeit&amp;quot;]] 90,- Mark. Außerdem stifteten einige Pfarrkinder besondere Summen, sodaß am 18. Mai 1931 die Glocken in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Petit_%26_Gebr._Edelbrock Gießerei von Petit und Gebrüder Edelbrock] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Gescher Gescher in Westfalen] unter Beisein des [[Johannes Klüwer|Pfarrers]] und einiger Mitglieder des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandes]] gegossen werden konnten. 3 neue Glocken wurden gegossen, d, f, g, im Gewicht von 1753 kg, 1035 kg und 685 kg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 193] Die Abrechnung stellt sich wie folgt: Einnahme Sammlung der Gemeinde und Kirchenkollekte 4.500,- Mark.&lt;br /&gt;
:Sammlung durch [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] 800,- Mark&lt;br /&gt;
:Einnahmen bei der Glockenweihe 320,- Mark&lt;br /&gt;
:Anleihe aus der Kirchenkasse 3.000,- Mark&lt;br /&gt;
:8.620,- Mark&lt;br /&gt;
:Zuschuß aus der Kirchenkasse aus früheren Jahren 1.000,- Mark&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dem stehen an Ausgaben gegenüber 9.620,- Mark&lt;br /&gt;
:Für die Glocken an [https://de.wikipedia.org/wiki/Petit_%26_Gebr._Edelbrock Firma Petit und Edelbrock], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gescher Gescher] 6.216,- Mark&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Herford Herford], Elektrizitätswerk Bautransport 2.284,- Mark&lt;br /&gt;
:Geiler Installation 590,- Mark&lt;br /&gt;
:Sonstige Nebenkosten 530,- Mark&lt;br /&gt;
:9.620,- Mark&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Da die vorhandene alte G-Glocke in Zahlung gegeben wurde, erhöht sich der Anschaffungspreis um 750,- Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Neueglocken.jpg|350px|thumb|right|Die neuen Glocken auf dem Kirchplatz bei der Weihe am 28. Juni 1931. Zu sehen sind von links die Glocken g, f und d.]]&lt;br /&gt;
:Am 25. Juni wurden die Glocken feierlich in Prozession vom Bahnhof [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] abgeholt und auf dem Kirchplatze aufgestellt, wo der Herr [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_M%C3%B6lders Domkapellmeister Prof. Mölders] sie prüfte und für sehr gut befand (conferre Anlage zur Chronik). Am 28. Juni war unter großer Beteiligung die Weihe, welche der Herr Dechant Boeckels aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] vornahm. Die Festpredigt hielt Herr Pastor Probst aus [p. 194] St. Marien, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes]. Am 11. Juli abends läuteten die Glocken zum ersten Male. An diesem Tage wurde das neu eingerichtete [[Heimatmuseum]] im [[Rheinturm]], um dessen Zustandekommen sich Herr [[Lehrer]] [[Heinz Riffel|Riffel]] sehr bemüht hat, der Stadtverwaltung zur Verwaltung übergeben, conferre Seite 195. Mögen die Glocken nunmehr nur dem Frieden dienen. Dem [[Heimatmuseum|Museum]] wurden geliehen conferre Seite 219.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9. August. Aufnahme der Schulentlassenen in [[Kolpingfamilie|Jung-Kolping]] feierlich in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]], abends Familienabend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. und 7. September. Prozession nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer] mit 90 Teilnehmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. September. Prozession wie alljährlich nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. Oktober. Elisabethfeier im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Saale Hahn]] zum diesjährigen Jubiläum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18. Oktober. [[Kirchenvorstand|Kirchenvorstandswahl]]. Die alten Mitglieder werden wieder gewählt, Hubert Longerich, Jakob Gassen, Peter Gilgen, [[Johann Hahn]], Wilhelm Peters, als Ersatzmitglieder [[Matthias Weiler]] und [[Heinrich Wimmer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Oktober. 12 Mitglieder des [[Katholischer Arbeiterverein|Katholischen Arbeitervereins]] fahren zum Einkehrsonntage nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16.-30. November. Von 16.-30. November hielten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Redemptoristen Patres Redemptoristen] Borchert aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Bochum Bochum] und Claessen aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Luxemburg_%28Stadt%29 Luxemburg] große [https://de.wikipedia.org/wiki/Volksmission Volksmission], die letzte Mission war gewesen 1.-8. Februar 1920 von den [p. 195] Herren [https://de.wikipedia.org/wiki/Kapuziner Kapuzinerpatres] Benedictus und Theobaldus. Ein altes Kreuz der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] wurde als Missionskreuz neugeweiht und am Muttergottesaltar feierlich aufgestellt. Die Beteiligung an der Mission betrug 85 %, bis Weihnachten fanden sich noch 5 %, sodaß 90 % aller Pfarrkinder die heiligen Übungen mitmachten, trotz eifriger Gegenagitation der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunisten], die selbst eine Gottlosentruppe zu Theateraufführungen bestellt hatte (Agitproptruppe), deren Auftreten aber vom Bürgermeisteramt verboten wurde. Die Kommunistengruppe im [[Stadtrat|Gemeindeparlament]] hatte es auch fertiggebracht, daß von der Zivilgemeinde kein Zuschuß zur Glockenanschaffung gegeben wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. Dezember. Zur Pfarrweihnachtsfeier, die in diesem Jahre an 2 Tagen 1.000 Besucher hatte, wurde unter Leitung von Herrn [[Lehrer]] [[Heinz Riffel|Riffel]] das Krippenspiel von Ferdinand Beng aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nachtrag zur Glockenweihe&lt;br /&gt;
:Die große D-Glocke hat die Inschrift In honorem Immaculatae conceptionis [p. 196] [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgeb%C3%A4rerin B.M.V.] fusa sum ad [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|ecclesiae S. Martini Sontini]]. Des [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg Krieges] Sturm riß mich vom Turm 1917. Neuerstanden sing ich wieder der Gottesmutter Jubellieder 1931. Bild der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgeb%C3%A4rerin Muttergottes], Marienglocke.&lt;br /&gt;
:Paten: [[Hans Michael Flücken]], derzeitiger [[Bürgermeister]] von Zons, und Frau Maria Meller geb. Scheer, Gutspächter des [[Schloss Friedestrom|Schloßhofes]].&amp;lt;ref&amp;gt;Ergänzung auf p. 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittlere f-Glocke&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours S. Martini] Glock bin ich genannt. Zu Zons getauft wider Feuer und Brand. Ungewitter, Donner und Hagelschlag durch Gottes Gnad abwenden mag.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:Pro patria mortua 1918 pro ecclesia in ritam redio 1931. [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours St. Martinus-Bild].&lt;br /&gt;
:Paten: [[Peter Breuer]], [[Lehrer|Hauptlehrer]], Helene Rodewig geb. Uhles, Gattin des pensionierten Rentmeisters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Glocke Ton g. Höhe 1 m, Durchmesser 1,03 m.&lt;br /&gt;
:Zu Gottes Ehr heng ich hier, das Ungewitter zu kieren und Gottes Lob zu mehren. Bin aus Stadt Zons Mitteln ahngeschafft worden 1751. Denuo fusa et consecrata fideles advoco 1931. Bild des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich heiligen Hubertus].&lt;br /&gt;
:Paten: [[Otto Sticker]], 2. Vorsitzender des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandes]], Gertrud Wimmer, Schwester des pensionierten [[Küster|Küsters]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistiken 1927–1931&lt;br /&gt;
:{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;text-align: right;&amp;quot;&lt;br /&gt;
|   || &#039;&#039;&#039;1927&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;1928&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;1929&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;1930&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;1931&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Taufen&#039;&#039;&#039; || 27 || 32 || 33 || 37 || 24&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Ehen&#039;&#039;&#039; || 15 || 12 || 13 || 11 || 7&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Sterbefälle&#039;&#039;&#039; || 4 || 10 || 15 || 9 || 17&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Firmung&#039;&#039;&#039; || – || – || – || 94 || –&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;heilige Kommunionen&#039;&#039;&#039; ||   || 5.450 || 8.500 || 11.800 || 15.900&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;1. heilige Kommunion&#039;&#039;&#039; ||   || 13 || 18 || 28 || 36&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;&#039;Osterkommunion&#039;&#039;&#039; || nicht gehalten || nicht gehalten || 300 || 200 || 100&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1932&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:WMad1.jpg|300px|thumb|right|Umzug in Zons am 1. Mai 1932 anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Wiedereinführung der &amp;quot;Wundermadonna&amp;quot; in die Pfarrkirche. Es sind Mitglieder der Hohenzollernkompanie zu sehen.]]&lt;br /&gt;
:[p. 197] 1932. In diesem Jahre sind es 75 Jahre, daß unsere altehrwürdiges [[Wundermadonna|Muttergottesbild (Mater laetitiae)]] unter großen Feierlichkeiten wieder in die [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirche]] überführt wurde. Deshalb fand vom 27.–29. April ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Triduum_Sacrum Triduum], gehalten vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Lazaristen Lazaristenpater] Paus aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], Stolkgasse, statt. Guter Besuch. Sonntag, den 1. Mai Generalkommunion der Gemeinde, feierliches Hochamt, nachmittags Blumenprozession der Schulkinder, Festpredigt und feierliche Prozession durch das festlich geschmückte Zons, einige Bilder in der Chronik. Festzug durch [[Feldstraße]], [[Steinstraße]], [[Gartenstraße]], [[Rheinstraße]], [[Grünwaldstraße]], [[Zehntgasse]], [[Brunnenstraße]], [[Hohes Örtchen]], [[Hubertusstraße]], [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24. April fand die Landtagswahl mit folgendem Ergebnis statt: Zons und Stürzelberg zusammen. [Ausschnitt Zeitungsartikel:]&lt;br /&gt;
::Zons: [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands Sozialdemokraten] 57 (82), [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschnationale_Volkspartei Deutsch-Nationale] 18 (50), [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichspartei_des_deutschen_Mittelstandes R. Mittelstand] 2, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] 529 (564), [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunisten] 428 (388), [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Volkspartei Volkspartei] 15 (36), [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichspartei_f%C3%BCr_Volksrecht_und_Aufwertung Volksrechtspartei] 10 (52), [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichspartei_des_deutschen_Mittelstandes Wirtschaftspartei] 17 (116), [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich-Nationale_Bauern-_und_Landvolkpartei Landvolk 7] (16), [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Demokratische_Partei Staatspartei] 7 (11), [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei National-Sozialisten] 403 (119).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Während des Notwinters 1931/32 fanden Sammlungen statt, der [[Frauen- und Mütterverein|Frauenverein]] hatte eine Nähstube eingerichtet, wo die in der Gemeinde gesammelten Kleidungsstücke verarbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 198] [Es folgt ein eingeklebter Ausschnitt aus einem Zeitungsartikel:]&lt;br /&gt;
::5) Zons, 14. Mai. (Bilanz der Zonser Notgemeinschaft.) Die Notgemeinschaft Zons gab heute einen Überblick über geleistete Arbeit im verflossenen Winter. Als Vorsitzender erstattete [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken|Flücken]] Bericht. An Spenden und Sammlungen standen 887,65 Mark zur Verfügung. In bar wurden 539 Mark verausgabt. Zu Weihnachten wurden 108 Liebespakete verteilt. 155 Mark verwendete man für Kleider und Wäschestücke, für besondere Fälle (Lebensmittel, Schuhsohlen usw.) 130 Mark. – Auf Grund der großen Spenden war es weiter möglich, 18 arme [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion Kommunionkinder] auszustatten. Den Frauen, die in uneigennütziger Weise ihre Arbeitskraft in den Dienst der Allgemeinheit gestellt, dankte der Vorsitzende in besonderer Weise. Ihre Arbeit ermöglichte es, aus den gesammelten Kleidungsstücken gebrauchsfähige, nützliche Sachen herzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Juni. Den vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XI. heiligen Vater] vorgeschriebenen Weltsühnetag feierten wir heute mit gemeinschaftlicher heiliger Kommunion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15. Mai. Pfingsten fand ein großes Ringpfadfindertreffen statt. Zeltlager vor den Toren, conferre Chronik. Leider hat sich hier trotz Gegenarbeit auch eine Gruppe dieser neutralen auf völkischem Boden, stark nationalsozialistischen Bewegung gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. Juni. Die am 26. Juni stattfindenden Elternbeiratswahlen waren beschämend für mich. Katholische Eltern gewählt wurden mit 54 Stimmen 2 kommunistische, 50 Stimmen 2 katholische und 35 Stimmen 1 nationalsozialistischer Vertreter. Der Dissident und Kommunist wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt, sowenig Rückgratfestigkeit haben unsere katholischen Eltern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der alte Kuh- und Schweinestall des [[Pfarrhaus|Pfarrhofes]] wird abgebrochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 199] 31. Juli. [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahlen_in_Deutschland Reichstagswahl]. Wahlberechtigt 959. Es wurde gewählt [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei Nazi] 282, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands Sozi] 62, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kozi] 289, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] 263, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschnationale_Volkspartei Deutschnational] 18, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Volkspartei Deutsche Volkspartei] 4 und die kleinen Parteien je 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. September. Sturmtag in Zons. In diesem Jahr fand an jedem 2. Sonntage jedes Monates eine [sic.] Werbetag für die Jungmänner und Gesellen unseres Dekanates statt, an dem wir uns beteiligten. Leider konnte wegen des Wetters das Freilichtspiel &amp;quot;Tell&amp;quot; nicht wie vorgesehen am &amp;quot;[[Liebfrauentor|Bildchen]]&amp;quot; stattfinden. Beteiligung war&amp;lt;ref&amp;gt;Die Zahl der Teilnehmer hat Klüwer nicht nachgetragen.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Morgens Generalkommunion der Jungmänner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. Das &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung Ewige Gebet]&amp;quot; auf diesen Tag verlegt, da Neuordnung wegen der Abtrennung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Aachen Diözese Aachen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. Oktober. [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] (Sakramentsrektorat) veranstaltete hier Sonntag für bedürftige Großstädter 30 Zentner Kartoffeln und 30,- Mark in baar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. Oktober. Heute beginnen die liturgischen Vorträge, während des Winterhalbjahres jeden Monat mit Lichtbildern und Schallplatten, Referent Herr Hochwürden Religionslehrer Krutwig, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes]. Besuch sehr gut. In diesem Monate nahm auch die Notgemeinschaft seine Tätigkeit wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. November. Der Hubertusaltar aufgestellt, im März der [p. 200] Josefsaltar (die Öfen wurden entfernt) die Figuren renovierte Bardenheuer [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], von Werthstraße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23.11. [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] der Frauen im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause]. Teilnahme 50. Leiter Pater Heimann, [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25.12. Zum Pfarrweihnachtsfest sang der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] das Weihnachtsoratorium von [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Fidelis_M%C3%BCller Domdechant H. Müller], [https://de.wikipedia.org/wiki/Fulda Fulda]. Dazu lebende Bilder gestellt vom Herrn [[Lehrer]] [[Heinz Riffel|Riffel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 19.–25. Dezember fand die Missionserneuerung durch Herrn Pater Borchert, [https://de.wikipedia.org/wiki/Bochum Bochum] statt. Teilnahme nicht wie bei der Mission selbst. Das Weihnachtsspiel: &amp;quot;Frohe Botschaft&amp;quot; von Dr. Ernst Weber, Verlag: Arnold Strauch, [https://de.wikipedia.org/wiki/Leipzig Leipzig].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik vom Jahr 1932.&lt;br /&gt;
:Taufen 32 (24), Ehen 18 (2) 1 Mischehe, Tod 13 (17), alle versehen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 30 (36), Kommunionen ausgeteilt 22.700 (15.900), Osterkommunion nicht gehalten (150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 1933–1945 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1933&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1933&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. Februar. Familienfeier der Pfarre bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]] mit heiterem Programm. Die vom Gesellen-Arbeiter-Jünglingsverein und [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] gebildete Laienspielschar trat zum 1. Mal an die Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. März. Revolutionsstimmung. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagsbrand Brand des Reichstagsgebäudes] hatte wie ein Fanal gewirkt. Die tollsten Gerüchte durchschwirren den Ort. Die Kommunistischen Führer werden festgesetzt. [p. 201] Die Reichstags- und Landtagswahl für Preußen hat unter dieser Stimmungsmache folgendes Bild: [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbewegung)] 377, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands Sozialdemokraten] 34, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] 235, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunisten] 216, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschnationale_Volkspartei Deutschnationale Volkspartei] 36 und die kleinen Parteien. Wahlbeteiligung 97 %. Hoffentlich sehen die Katholiken nicht zu spät ein, daß das [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] die Belange des katholischen Volksteils noch immer am besten geschützt hat. Es geht wie ein nationalsozialistischer Rausch durchs Volk. Gewalt und Rechtsunsicherheit haben wieder Platz gegriffen. Die Katholiken werden wieder als national minderwertig angesehen, Bürger 2. Klasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahlen_in_Deutschland Reichstagswahl] vom 6. November 1932 hatte folgendes Bild: [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei Nazi] 192, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands Sozi] 31, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kozi] 307!!, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] 225, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschnationale_Volkspartei Deutschnational] 18. Wahlberechtigt 960.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. März. Die Wahl zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Provinziallandtag_%28Preu%C3%9Fen%29 Provinziallandtag], Kreistag und zum [[Stadtrat|Gemeinderat]]. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrumspartei] hat zum 1. Mal eine eigene Zentrumskandidatenliste aufgestellt, von denen einer ([[Matthias Weiler]]) gewählt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 202] Die nationale Revolution, auf dem [[Rathaus]] weht die Hakenkreuzfahne. Die tollsten Gerüchte durcheilen die Gemeinde. 6 führende [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunisten] werden in [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzhaft Schutzhaft] genommen, u.a. Theodor Derendorf, [[Johann Scheer]] ([[Marktplatz|Markt]]), Johann Fleischhauer (Rhein), Wilhelm Hermanns (Mühlenstraße). Einige Wochen vorher war bei einem nächtlichen Überfall der Kommunistenführer [[Ernst Junghans]] erschossen worden. Sein Begräbnis (ohne Geistlichen) war eine Demonstration der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunisten] gewesen. Die kommunistischen und sozialistischen Zeitungen verschwinden. Aus der städtischen Volksbibliothek werden alle marxistischen und liberalen Bücher entfernt. Der Umschwung zeitigt die sonderbarsten Früchte. Solche, die den [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] noch vorher mit &amp;quot;Heil Moskau&amp;quot; und der geballten Faust begrüßten, heben jetzt in [https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmabteilung brauner Uniform] die flache Hand zum Gruße [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlergru%C3%9F &amp;quot;Heil Hitler&amp;quot;]. Hoffentlich werden sie auch innerlich umgewandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. April. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Freiwilliger_Arbeitsdienst freiwillige Arbeitsdienst], der vom [[Katholischer Arbeiterverein|katholischen Arbeiterverein]] getragen und hauptsächlich von Mitgliedern des [[Katholischer Gesellenverein|Katholischen Gesellenvereins]] ausgeführt wurde, hat versucht, die Zonser [[Hannepützheide|Heide]] urbar zu machen, begonnen Februar 1932, endete es mit 1. April 1933. Ca. 8.000 [https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Wei%C3%9F-Eiche amerikanische Eichen] wurden auf der [[Hannepützheide|Heide]] angepflanzt. [p. 203] Die Maßnahme hat 35.500 Mark den Zonsern gebracht. Der Kirchplatz wird neu angelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Es folgt ein eingeklebter Zeitungsartikel, noch p. 202]&lt;br /&gt;
::Bedeutende Worte des [https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_von_Faulhaber Kardinals Faulhaber]. Wie die &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essener] Volkszeitung&amp;quot; aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Weingarten_%28W%C3%BCrttemberg%29 Weingarten] meldet, hat dort am Vorabend des [https://de.wikipedia.org/wiki/Blutritt Blutfreitags] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Basilika_St._Martin_%28Weingarten%29 Klosterkirche] [https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_von_Faulhaber Kardinal Michael von Faulhaber] eine Festpredigt über das Wesen der Erlösung aus dem Heiligen Blute und über das Geheimnis der Wunden Christi gehalten. Er erklärte dabei u.a.: &amp;quot;Das kostbare Blut Christi rede ich zu allen Völkern.&amp;quot; Der Kardinal fuhr dann fort: &amp;quot;Es war eine geschichtliche Stunde, als unser [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Reichskanzler] vor aller Welt klar und bestimmt den Willen unseres Volkes zum Frieden bekundete. In meiner Friedenspredigt vom Februar 1932 habe ich den Leitsatz aufgestellt: Wir wollen für den Frieden rüsten, für unser Volk das gleiche Recht in Anspruch nehmen wie andere Völker und diese Rechtsgleichheit durch Abrüstung der hochgerüsteten Völker, nicht durch Aufrüstung der Abgerüsteten, erreichen. Damals hat eine führende Zeitung geschrieben, solche Friedenspredigten dürften im [https://de.wikipedia.org/wiki/Drittes_Reich Dritten Reich] nicht mehr gehalten werden. Und nun hat der Reichskanzler, 1 ¼ Jahre später, die gleichen Forderungen erhoben. Gesegnet sei, wer den Heldenmut besitzt, den Ölzweig des Friedens zu erheben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Hitlereiche1933.jpg|300px|thumb|right|Feierliches Setzen der &amp;quot;Hitler-Eiche&amp;quot; am Pohl am 1. Mai 1933.]]&lt;br /&gt;
:1. Mai. Wie alljährlich die Blumenprozession der Kinder zum [[Wundermadonna|Muttergottesaltar]] am Vorabend. Am Tage selbst: feierliches Volkshochamt mit Predigt über die Arbeit im christlichen Geiste &amp;quot;Bete und arbeite&amp;quot;. Nachmittags Umzug und Pflanzung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Eiche Hitler-Eiche]. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmabteilung SA] nahm in Uniform am Gottesdienst teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juni. Die politische Entwicklung nimmt ihren Fortgang. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend Hitler-Jugend] wird verboten, an den Versammlungen des Katholischen [[Jünglingsverein]]s teilzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Juni. Pfarrfamilienfeier anläßlich des Namenstages des [[Johannes Klüwer|Pastors]]. Eine Betbank für die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] wird überreicht. Die Vereine hatten das Programm übernommen, der Abend verlief gemütlich und harmonisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Juli. Die Polizei beschlagnahmte Protokollbücher und Vereinsvermögen der St. Georgspfadfinder, Unterabteilung des Jungmännerverbandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. August. Das Verbot wird aufgehoben. Die Jugendlichen sind fast restlos in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend Hitlerjugend]. Der [[Katholischer Gesellenverein|Katholische Gesellenverein]] behauptet sich und bleibt bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. Juli. Große Männerwallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. August fährt der Pilgersonderzug des Dekanates Zons [p. 204] (aus unserer Gemeinde beteiligen sich 100) zur Verehrung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Rock heiligen Rockes] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Trier Trier]. Alle Pilger empfingen morgens die heilige Kommunion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. Die Beteiligung am [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung ewigen Gebete] war wie in den Vorjahren gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. September. Aus Anlaß der Ratifizierung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichskonkordat Reichskonkordates] mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XI. heiligen Vater] ist feierliches Amt. Der Friede mit der Kirche ist geschlossen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Erntedank3.jpg|300px|thumb|right|Pfarrkirche St. Martinus beim Erntedankfest 1933.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Erntedank1.jpg|300px|thumb|right|Erntedankfest 1933. Stehend mit Blick in Richtung Kamera: Ortsbauernführer Heinrich Wimmer.]]&lt;br /&gt;
:1. Oktober. Auch in unserer Gemeinde wurde das [[Erntedankfest]] feierlich begangen. Die Landwirte (Frau [[Heinrich Wimmer|Wimmer Heinrich]]) hatten die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] mit den Früchten des Feldes geschmückt, nachmittags war unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung ein wohlgelungener Festzug der Bauern und Handwerker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. Oktober. [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] für die Frauen im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause]. Pater Angelinus [https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskaner_%28OFM%29 O.F.M.] [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] hielt die Vorträge. 50 Mitglieder des [[Frauen- und Mütterverein|Frauen- und Mütter-Vereins]] beteiligten sich. Auch die Arbeiter hatten [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß], Teilnehmer 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. November. [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_November_1933 Volksabstimmung und Reichstagswahl]. 95 % Wahlbeteiligung, nur 40 Neinstimmen. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus Kommunismus] ist äußerlich in Zons überwunden. [p. 205] Hoffentlich auch innerlich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. November. Die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Hubertusschützenbruderschaft]] hat ihre General-Kommunion, an der sich leider nur 35 % beteiligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Dezember. [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] der Jungfrauen im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause]. Beteiligung 35, Religionslehrer Krutwig, der auch die monatlichen liturgischen Vorträge mit Lichtbildern und Schallplatten hält, hielt die Vorträge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Dezember. Die Beteiligung an der Weihnachtskommunion war erfreulich groß. 80 % der Pfarrkinder fanden sich ein. Vor der heiligen Messe fand eine Krippenfeier statt, die sich in 3 Teile gliederte: I. Heilandserwartung. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] dunkel, jeder kommt mit einer brennenden Kerze. Die Gemeinde singt: O komm, O komm, Emmanuel. Adventsgebet. II. Heilandsverkündigung. Violinsolo (Gottfried Köpping), Orgel ([[Willi Hahn]]) Evangelium von der Verkündigung. Der Stern (Hubert Geiler für 75 Mark) leuchtet auf. Der Chor singt &amp;quot;Ave Maria, gratia plena&amp;quot;. III. Heilandsgeburt. Weihnachtsevangelium. Krippe strahlt auf. Predigt und Lied: Zu Bethlehem geboren. IV. [https://de.wikipedia.org/wiki/Christmette Christmette]. Die ganze [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] erleuchtet, V. Weihnachtskommunion. Abends das gewohnte Krippenspiel. Dieses Mal in besonders großer Aufmachung das Spiel von [https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Eckert Erich Eckert], zur Zeit [https://de.wikipedia.org/wiki/Paderborn Paderborn], Grube 12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 206] Statistik von 1933.&lt;br /&gt;
:Tod 12 (13), Kinder gestorben 4 (2), Ehen 12 (18), auswärts 3 (2), Taufen 24 (32), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 36 (30), Kommunionen ausgeteilt 19.300 (22.000), Osterkommunion nicht gehalten (80).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1934&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1934. Am 14. Januar war [[Kolpingfamilie|Kolpingsgedenkstunde]] mit Überreichung der Stammkarten an 16 Mitglieder, 4 Altmitglieder und 6 Meister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. März. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntag] wurden in der [[Kapelle  &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] als Stationskirche die Palmen gesegnet, anschließend Bekenntnisprozession zur [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirche]], wo das Amt gefeiert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. April. Vom Ostersonntag an wurde eine eigene Kirchenzeitung für die Pfarrgemeinde eingeführt, Bezieher nur 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1. Mai ist das Bürgermeisteramt Zons aufgelöst, der [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken|Hans Flücken]] zieht nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] und verwaltet das Amt in Personalunion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Kinderschar.jpg|300px|thumb|right|Zonser &amp;quot;Kinderschar&amp;quot; mit der Betreuerin Gertrud Lenden 1933/34.]]&lt;br /&gt;
:20.1.1934. [Es folgt ein eingeklebter Zeitungsartikel:]&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Hindenburg Hindenburg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Hitler] [[Ehrenbürger]] von Zons. WG. Zons, 22. Januar. Aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin] kommt die erfreuliche Kunde, daß [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Hindenburg Reichspräsident von Hindenburg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Reichskanzler Adolf Hitler], welche der [[Stadtrat|Gemeinderat]] zu [[Ehrenbürger]]n der alten Zollfeste Zons ernannt hatte, diese Ehrung angenommen haben. Die von Künstlerhand ausgeführten Ehrenbürgerbriefe sollen persönlich in [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin] überreicht werden. Die Annahme der [[Ehrenbürger]]schaft durch die höchsten Führer des [https://de.wikipedia.org/wiki/Drittes_Reich Dritten Reiches] ist um so erfreulicher, als im allgemeinen derartige Ehrungen bisher meistens abgelehnt wurden. Sie läßt die berechtigte Hoffnung aufkommen, daß Zons, eines der kleinsten aber auch ältesten Städtchen am Rhein, auch bei dem neuen Gemeindeverfassungsgesetz als Titularstadt erhalten bleibt, was ihm auf Grund seiner großen geschichtlichen Vergangenheit zu gönnen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 207] Der Kampf der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus national-sozialistischen Weltanschauung] gegen den katholischen Glauben, conferre [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Rosenberg Rosenberg (Reichskulturwart)], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Bergmann_(Philosoph) Prof. Bergmann] etc. nimmt seinen Fortgang. Nachdem den Mitgliedern der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend Hitlerjugend] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_Mädel Bundes deutscher Mädel] die Doppelmitgliedschaft in den katholischen Jugendorganisationen verboten ist, folgt nunmehr auch das Verbot der Doppelmitgliedschaft in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Arbeitsfront Arbeitsfront] und den katholischen Arbeiter- beziehungsweise Gesellen-Vereinen. Dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ortsbauernführer Ortsbauernführer] [[Heinrich Wimmer]], der Mitglied der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei N.S.D.A.P.] und Amtswalter und Mitglied des [[Kirchenvorstand]]es ist, wird nahegelegt vom [[Ortsgruppenleiter]], aus dem [[Kirchenvorstand]] auszutreten, widrigenfalls er sein Amt nicht mehr führen könne. Dem Vorsitzenden der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Hubertusschützenbruderschaft]]&amp;lt;ref&amp;gt;Vorsitzender war zu diesem Zeitpunkt Heinrich Peters.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird von demselben [[Ortsgruppenleiter]] erklärt, wenn der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenverein]] sich an der Fronleichnamsprozession beteilige und geschlossenen Kirchgang halte, so dürfe er sein Schützenfest nicht feiern, man drohte mit Auflösung. Die Verhandlungen zwischen dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Stuhl heiligen Stuhl] und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett_Hitler Reichsregierung] über die strittigen Fragen schwelen noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Mai. Große Straßen- und Haussammlung für die Zwecke der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband katholischen Caritas]. Ergebnis 120,- Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. Mai Die Generalversammlung der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Hubertusschützengesellschaft]], über die Folgen dieses Schrittes nicht [p. 208] aufgeklärt durch den Vorsitzenden Heinrich Peters, [[Brunnenstraße]], den [[Johannes Klüwer|Pastor]] hat man ferngehalten, beschließt die Umbildung in den Deutschen Schützenverein und den Austritt aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Schützenbruderschaften Erzbruderschaft]. Folgendes wurde am 13. Mai 1934 von der Kanzel verkündigt: Am 13. Mai 1934 ist die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Hubertusschützengesellschaft]] umgebildet und die Verbindung mit der uralten [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|Bruderschaft]] gelöst worden. Dadurch hat man mich gezwungen, den Ehrenvorsitz, den ich unter anderen Vereinssetzungen angenommen hatte, niederzulegen und aus dem Verein auszutreten. Nahezu 500 Jahre (1460 urkundlich erwähnt) hat die [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|Schützenbruderschaft]] hier in Zons bestanden, und auch ich habe während meines Hierseins den Verein stets tatkräftig unterstützt. Selbstverständlich fallen kirchliche Ansprachen, Ehrengarde bei Fronleichnamsprozession und anderes mehr für die Zukunft weg, wie die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Schützenbruderschaften Erzbruderschaft] mir ausdrücklich mitteilt und wie ich vor dem 13. Mai dem Vorstande habe mitteilen lassen. Wenn die Schützen konsequent sind, werden sie selbst ihre kirchlich gesegneten Fahnen nicht mehr tragen. Schützen, welche sich in das alte Bruderschaftsregister eintragen wollen, können das im [[Pfarrhaus]]e tun. [p. 209] Zu dieser Erklärung fühlte ich mich verpflichtet, damit man weiß, weshalb der [[Pfarrer|Pastor]] am [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenfest]] nicht mehr teilnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die am Abend desselben Tages vom [[Frauen- und Mütterverein]] veranstaltete Ehrung unserer Mütter war ein voller Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31. Mai. Die Fronleichnamsprozession hatte eine überaus starke Beteiligung, besonders der Männerwelt. Die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützen]] nahmen in Uniform und mit Fahnen nicht teil. Aber auch die [[Kriegerverein|Kriegervereinsfahne]] fehlte, die Polizei und Feldjäger führten, wie sonst, die Prozession nicht mehr an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Juni. Religiöse Kundgebung der katholischen Jugend des Dekanates in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. 600 Jugendliche hatten sich eingefunden. Von Zons 15 Jünglinge, 40 Jungfrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. Juni. Das [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenfest]] fand zum 1. Male ohne Beteiligung des [[Pfarrer|Pastors]] statt, doch waren die Schützen mit ihren Fahnen in die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] gekommen. Die meisten Schützen bedauerten diesen Zustand, 30 schrieben sich in das alte Bruderschaftsbuch ein, nur der Vorsitzende Heinrich Peters begrüßte es, daß der [[Pfarrer|Pastor]] nicht mehr teilnehme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Religiöse Flugblätter, die in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] [p. 210] verteilt wurden, wurden von [https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmabteilung SA-Männern] draußen den Gläubigen abgenommen. Der Verkauf in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] verboten, da das Verbot aber gesetzwidrig war, nicht gehandhabt. Die Schriften gehen gut ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Juli Ein Junge und ein Mann im Rhein ertrunken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. Juli Theologiestudent aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] beim Baden ertrunken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Jeden Monat versammelt der [[Johannes Klüwer|Pastor]] die Jünglinge zu einem religiösen Vortrag in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]]. Da die Vorträge von den Mitgliedern der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend Hitler-Jugend] gut besucht worden, verbietet der Gefolgschaftsführer Paul Bergenthal, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], den Besuch mit der Begründung: Der [[Johannes Klüwer|Pastor]] habe nicht zum Gebete für die Regierung aufzufordern. Auf Beschwerde wird das Verbot zurückgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Stromf1934.jpg|300px|thumb|right|Das Stromfest 1934 in den Rheinwiesen.]]&lt;br /&gt;
:1., 2. und 9. September [[Stromfest]] in Zons, conferre Anlage zur Chronik. Der [[Ortsgruppenleiter]] hat bewußt den [[Johannes Klüwer|Pastor]] ausgeschaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. September. Beim [[Erntedankfest]] aber regte sich die bäuerliche Bevölkerung und verlangte die Teilnahme des [[Johannes Klüwer|Pastors]], welcher zur Volksgemeinschaft gehöre. Feierliches Hochamt. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] war von Frau [[Heinrich Wimmer]], [[Rheinstraße]], aufs prächtigste [p. 211] geschmückt, der Erntekranz und die Früchte des Gartens und des Feldes wurden besonders gesegnet, conferre Anlage zur Chronik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16.-23. September hielt Pater Hoffmann [https://de.wikipedia.org/wiki/Congr%C3%A9gation_du_Sacr%C3%A9-C%C5%93ur S.C.J.] eine religiöse Weihe für Jünglinge und Jungfrauen, die Beteiligung unter 20 Jahren waren 95 %, über 20 Jahren nur 70 %. Erfolg Gründung eines [[Jungmännerverein|Jungmännervereins]], der am [https://de.wikipedia.org/wiki/Christkönigsfest Christkönigsfest] die Bestätigung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf] erhielt, conferre Beilage zur Chronik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Beerdg1.jpg|300px|thumb|right|Beerdigungs-Zug des SA-Mitglieds Johann Blömacher am &amp;quot;Pohl&amp;quot; (heute Schweinebrunnen) im Oktober 1934. Es sind mehrere Mitglieder der Hitlerjugend, ein Jungschar-Mitglied und ein SA-Mann zu sehen.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Beerdg.jpg|300px|thumb|right|Beerdigung des SA-Mitglieds Johann Blömacher im Oktober 1934. Am Grab stehen mehrere Mitglieder der Zonser Hitlerjugend.]]&lt;br /&gt;
:25. Oktober. Die Motorradunglücke in der Gemeinde mehren sich, nachdem in der letzten Zeit 2 junge Männer verunglückt waren, ist der 3. Fall besonders tragisch, da Johann Blömacher, 22 Jahre alt, aus der Kirche ausgetreten war. Die Leute sprechen von einem Gottesgericht, denn er gehörte mit zu den [https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmabteilung S.A.-Männern], die im vorigen Jahre den Rektor (Priester) des Krankenhauses in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] unter Schimpf und Schande durchs Dorf geschleppt hatten, mit Plakaten um den Hals, auf denen stand, ich bin ein [p. 212] Lump, ein Vaterlandsverräter, ein Separatist, wodurch man dem Hochwürdigen Herrn aufs Bitterste Unrecht tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer] und nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] hatten wieder einmal eine sehr gute Beteiligung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ein Bastelkursus, den der [[Frauen- und Mütterverein]] seinen Mitgliedern bot, fand keine Beteiligung wegen Interesselosigkeit. Beteiligung an der großen Friedens-Kundgebung 29.11. im [https://de.wikipedia.org/wiki/Kölner_Dom Kölner Dom] war sehr gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. November. Am Tage Mariae Opferung hielten wir eine weihevolle, tiefergreifende Gebetstunde für die [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|Gefallenen des Weltkrieges]]. Die Namen wurden einzeln verlesen, und ein Kind aus der Familie des Gefallenen kam mit brennender Kerze an den Altar und ging beim eucharistischen Umzug mit durch die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], wie streckten sich die Schwurfinger aller Gläubigen empor beim Singen des Christkönigsliedes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. November. Pater Ricken, [https://de.wikipedia.org/wiki/Steyl Steyl-Geilenkirchen], hielt am [https://de.wikipedia.org/wiki/Sonntag_der_Weltmission Weltmissionssonntag] Predigten und einen Filmvortrag, ein voller Erfolg für unsere Missionssache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. November. Religiöse Gemeinschaftsfeier im [https://de.wikipedia.org/wiki/Kölner_Dom Kölner Dom].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 213] 9. Dezember feierliche Aufnahme in den [[Marienverein]]. 80 % der Schulentlassenen des letzten Jahres ließen sich aufnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Dezember. Die Krippenfeier auch in diesem Jahre war sehr stimmungsvoll, die Leute vermißten in diesem Jahre die weltliche Pfarrfamilienfeier. Beteiligung an der heiligen Kommunion wie immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1934&lt;br /&gt;
:Taufen 26 (24), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 20 (36), 1. heilige Beichte 20, Kommunionen ausgeteilt 20.300 (19.300), Ehe 15 (12), auswärts 5 (3), Tod 15 (12), davon plötzlich 4, aus der Kirche ausgetreten 1 (0).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1935&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1935&lt;br /&gt;
:[Visitationsvermerk:] Vidi in visitatione canonica Zons, die 8. V. 1935, † [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Hammels Josephus Hammels], Episcopus aux. Coloniensis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Anfang des Jahres erkrankte der [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] und mußte sich einer Operation unterziehen. Während dieser Zeit versahen die [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Antonius_%28D%C3%BCsseldorf-Stadtmitte%29 Franziskanerpatres aus Düsseldorf] den Gottes- und Seelsorgsdienst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. Januar beteiligten sich die Arbeiter an der Dreikönigenwallfahrt des katholischen Werkvolkes zum [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Kölner Dom].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 214] Die [[Vinzentinerinnen|Vinzenzschwestern]] eröffnen wieder einen Nähkursus im [[Kloster]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. Februar. Zur Vorbereitung auf die Feier des Silberjubiläums des [[Johannes Klüwer|Pfarrers]] finden Abendpredigten statt, die der [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Antonius_%28D%C3%BCsseldorf-Stadtmitte%29 Franziskanerpater] Angelinus aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] hält, ebenfalls die Festpredigt am Sonntag, den 24. Februar. Beteiligung an der Generalkommunion und an der weltlichen Feier im [[Bergischer Hof (Gaststätte)|&amp;quot;Weiler&amp;quot;schen Saale]] waren gut. Das Heilige Meßopfer von Chalderm kam zur Aufführung. Eine Gabe von 800 Mark (300 Mark Sammlung, 200 besondere Spende, 300 Mark aus der Kirchenkasse) wurden zur Verfügung gestellt zur Renovierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. März. Anläßlich des Josefsfestes veranstaltet der Bezirksvorstand der katholischen Arbeitervereine eine feierliche Werkzeugs- und Bekenntnisfeier im [https://de.wikipedia.org/wiki/Quirinus-M%C3%BCnster_%28Neuss%29 Quirinusdom] zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß]. Beteiligung auch von hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24.-31. März. Wie in früheren Jahren, fanden auch heuer die Schulentlassungsexerzitien in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] statt, feierte Schluß in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], die Eltern beteiligten sich schon mehr an der heiligen Kommunion als im letzten Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 215] 1. April. Die Schulneulinge werden in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] mit ihren Müttern empfangen, Ansprache, Gebet und Weihe, unter Vorantritt des Schulkreuzes ziehen alle zur [[Schulwesen|Schule]], wo das Kreuz feierlich seinen Platz erhält. Die Mütter waren sehr ergriffen, ob diese Feier wiederholt werden kann, ist fraglich, da der [[Peter Breuer|Schulleiter]] höheren Ortes einen Verweis erhielt, daß er etwas Derartiges zugelassen. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf Kulturkampf] geht um die Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. April. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntagsprozession] von der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] zur Kirche wies gegen das Vorjahr eine schwache Beteiligung auf, es ist ja eine Bekenntnisfahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. April. [[Kirchenrat|Kirchenvorstandswahl]]. Die ausscheidenden Mitglieder Gottfried Stelzmann, Josef Richrath, Josef Vogel, Josef Rodekirchen und Johann Erkelenz wurden wiedergewählt, als Ersatz Anton Hubert Norff und August Stelzmann, Beteiligung 44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. April. Zu Ostern eine gute Beteiligung bei der heiligen Kommunion. 850 Kommunionen ausgeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. April. 29 Kinder gingen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heiligen Kommunion].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 216] 1. Mai. Die Blumenprozession zur [[Wundermadonna|Gottesmutter]] brachte über 100 Topfpflanzen (Hortensien), ein herrlicher Maialtar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zu Ostern war es 1 Jahr her, daß die Kirchenzeitung erschien, sie nahm einen guten Aufschwung, von 12 auf 66 Abonnenten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Mai. Der ganze Ort festlich geschmückt, besonders die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] (Frau [[Heinrich Wimmer]] geb. Catharina Hahn rühmend zu erwähnen, welche bei dem Jubiläum und auch sonst sich der Ausschmückung besonders annimmt). Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Hammels Weihbischof Dr. Josef Hammels] kommt zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Visitation Visitation] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung Firmung]. Alles gut verlaufen, nur die [[Lehrer]]schaft ließ sich trotz Einladung dem Hochwürdigsten Herrn nicht vorstellen. 140 Firmlinge. Schlußkonferenz 10. Mai im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus St. Raphaelshause].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntag] sprach der Generalpräses der rheinischen Schützenbruderschaften Pfarrer Dr. Louis aus [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrrig Leverkusen-Bürrig] vor den Zonser [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützen]], um sie einzuladen, der Bruderschaft wieder beizutreten [p. 217] und altes Brauchtum auch in Zons zu erhalten. Der neue Vorsitzende&amp;lt;ref&amp;gt;[[Peter Breuer]].&amp;lt;/ref&amp;gt; (der alte mußte wegen Unregelmäßigkeiten in der Kasse gehen) scheint die Überführung zu sabotieren, trotzdem 90 % aller Mitglieder für die Bruderschaft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zu Beginn des neuen Schuljahres verstärkt sich der Druck auf die Kinder, Jugendliche und vor allem Eltern, die abhängig sind, ihre Kinder in die Formationen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend H.J.], [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_M%C3%A4del B.d.M.] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Jungvolk Jungvolk] zu schicken. Dabei kann man jeden Tag von der &amp;quot;Freiwilligkeit des Eintritts&amp;quot; in den Zeitungen lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In diesem Jahre ist eine große [https://de.wikipedia.org/wiki/Maik%C3%A4fer Maikäferplage]. Die Schulen ziehen aus, sie zu vernichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Schfest.jpg|300px|thumb|right|Parade zum Schützenfest 1935: Personen v.r. Vereinsführer Peter Breuer, erster Beigeordneter Franz Bebber, Ortsgruppenleiter Franz Erkelenz.]]&lt;br /&gt;
:16. Juni. Das [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenfest]] auch in diesem Jahre wieder gefeiert ohne Teilnahme des [[Johannes Klüwer|Ortspfarrers]], eine kleine Gruppe ([[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]]) terrorisiert die Mehrheit, die nach wie vor die Bruderschaft will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnamsprozession] konnte in diesem Jahre wegen des schlechten Wetters nicht ausziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:HitlerJugend.jpg|300px|thumb|right|Zonser Hitlerjugend mit Gefolgschaftsführer Rudi Kaiser (ganz links) beim Erntedankfest 1933.]]&lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend Hitlerjugend] stellt sich mehr und mehr antikirchlich ein. Die Hetze gegen Bischöfe und Priester [p. 218] übersteigt alles Dagewesene. Der Gefolgschaftsführer Rudi Kaiser kann es ohne Widerspruch der Eltern wagen, den Jungens zu sagen &amp;quot;Wenn die schwarzen Bestien euch aufhetzen (!), schlagt sie in die Fresse.&amp;quot; Die Standesvorträge für die Jünglinge werden von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend H.J.] sabotiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Seitenaltäre (Muttergottes und St. Martini), Empirstil, noch aus der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|alten Kirche]], werden durch den Kunstmaler Bardenhewer, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], renoviert. Die alten Chorstühle werden zu Altären verwandt, St. Josef und St. Hubertus. Erneuerung von Altären und Figuren 1.150,- Mark, conferre Seite 99.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Juli. Die traditionellen Ausflüge der katholischen Vereine konnten in diesem Jahre nicht stattfinden. Die Frauen wallfahrten nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Neviges Neviges], die Jungfrauen fuhren durchs [https://de.wikipedia.org/wiki/Bergisches_Land Bergische Land] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Werden Werden] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Baldeneysee Baldeneysee]). Die Gesellen besuchten das [https://de.wikipedia.org/wiki/Stieldorfer_Passionsspiel Passionsspiel] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Stieldorf Stieldorf (Siebengebirge)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. Juli Der [[Katholischer Arbeiterverein|katholische Arbeiterverein]] lud seine Mitglieder und deren Angehörige zu einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Emmanuel_von_Ketteler Kettelerfilm] in ihr [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Vereinslokal &amp;quot;Weiler&amp;quot;]]. 50 waren der Einladung gefolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Gruppenabende für die Bräute erfreuen [p. 219] sich nach wie vor eines regen Besuches. Die Trennung der Jungfrauen in eine jüngere und ältere Abteilung bewährt sich. Erfreulich ist es, wie auch die jüngeren Mädchen dem [[Marienverein]] die Treue bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. August Die Förderinnen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskus-Xaverius-Verein Franziskus-Xaverius-Vereins] beteiligen sich am [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. September Die Spätkirmes wird einen Monat früher gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dem [[Heimatmuseum|Museum]] wurden leihweise überlassen (siehe Quittung bei den Akten) 1.) alte Goldwage (1746), 2.) Gewichtsatz, 3.) [https://de.wikipedia.org/wiki/Kruzifix Kruzifix], 4.) Kännchen aus Zinn (Polle), 5.) Bund alter Kirchenschlüssel, von der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|alten Pfarrkirche]], 6.) alte Zolltheke, 7.) Holzfigur ([https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich heiliger Hubertus]), 8.) Holzfigur ([https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours heiliger Martinus] mit Pferd), 9.) hölzernes [https://de.wikipedia.org/wiki/Reliquie#Reliquiar Reliquiar], 10.) alter [https://de.wikipedia.org/wiki/Taufbecken Taufstein] mit einzelnem Steinfuß, 11.) [https://de.wikipedia.org/wiki/Ofenplatte Ofengußplatte] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Lazarus Lazarus] und der miese Prasser), 12.) alte Stiftungsurkunde Schroderer ([[St. Antoniusbruderschaft|St. Antoniusbruderschaft]] 1466) mit Siegel, 13.) 3 alte Ölgemälde von Zonser [[Pfarrer|Pastören]], 14.) Christuskörper vom &amp;quot;[[Mülleposs|Mühlenpost]]&amp;quot;, 15.) Urkunde von [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Sachsen-Lauenburg Friedrich von Sachsen-Lauenburg] 1575, 16.) Bild der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|alten Pfarrkirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 220] 8. September. Die Kirmes wird heute gefeiert, sie wird wegen des [[Erntedankfest]]es einen Monat früher gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Freib014.jpg|300px|thumb|right|Szene aus dem Stück &amp;quot;Schmied von Zons&amp;quot; (1935).]]&lt;br /&gt;
:15. September. Heute wurde das von [[Michel Becker]] ([https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]) verfaßte Spiel &amp;quot;Der Schmied von Zons&amp;quot; zum letzten Male in dem neuerrichteten [[Freilichtbühne|Freilichttheater]] (Südseite des [[Schloss Friedestrom|Schlosses]]) aufgeführt. In wirkungsvollen Bildern wurde ein Teil der Zonser Geschichte ([https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Dietrich von Mörs] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_von_der_Pfalz_%28K%C3%B6ln%29 Ruprecht von der Pfalz] 1400-1500) während des Sommers an jedem ersten und dritten Sonntag des Monates gezeigt. Der Besuch aus der näheren und weiteren Umgebung war gut. Die Spielschar, gestellt von Mitgliedern der katholischen Vereine von [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], betrug sich musterhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am gleichen Tage zog nachmittags die Prozession nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Jungfrauen beteiligten sich an der großen Wallfahrt der Jungfrauen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_K%C3%B6ln Kölner Erzdiözese] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer] (25.000).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. und 29. September. Unsere diesjährige Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer]. Die Bahnpilger zogen Samstag aus. Die Hauptprozession fuhr Sonntag per Auto. Beteiligung 120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Oktober. Die [[Lehrer]]in Fräulein [[Klara Bergmann|Clara Bergmann]] ist nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen] versetzt. Die Bevölkerung weint ihr keine Träne nach. [p. 221] An ihre Stelle tritt Fräulein [[Hildegard Wolters]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf], die bisher in [https://de.wikipedia.org/wiki/Alpen_%28Niederrhein%29 Alpen (Niederrhein)] angestellt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Oktober. Das [[Erntedankfest]] wird wieder mit großer Feierlichkeit begangen. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] festlich geschmückt, vor dem Hochamt in einem Weihespiel die Segnung der Feld- und Gartenfrüchte. Nachmittags in der [[Freilichtbühne]] ein wahres Volksfest mit Kinderbelustigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. September feierte der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] sein 55. Stiftungsfest. Morgens Festhochamt mit Predigt. Nachmittag Saalfeier [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|bei Hahn]]. Verschiedene Männergesangvereine, [https://de.wikipedia.org/wiki/Leverkusen Leverkusen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosellen_%28Neuss%29 Rosellen] etc. waren erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. September. Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause] [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] für die Bräute des Dekanates Zons, an dem sich auch die hiesige Bräutegruppe beteiligte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:An den Rekrutenexerzitien in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] hat sich trotz 2maligen persönlichen Besuches keiner von Zons beteiligt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Oktober, conferre oben [[Erntedankfest]]. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] wieder herrlich geschmückt. Vor dem Hochamte fand vor der Kirche ein kleines Erntefestspiel statt, wobei die Früchte des Feldes und des Gartens gesegnet wurden. [p. 222] Die weltliche Feier im [[Freilichtbühne|Freilichttheater]] zeigte eine erfreuliche harmonische Beteiligung der ganzen Bevölkerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. Oktober. Zur Vorbereitung auf das [https://de.wikipedia.org/wiki/Christk%C3%B6nigsfest Christkönigsfest] fanden Mittwoch, Donnerstag und Freitag besondere Predigten für die Kinder statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In diesem Winter ist der Borromaeusverein wieder zu neuem Leben erwacht. Frau Töller und Johann Worringen haben die Leitung übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. November. Abends wie in Vorjahren bei überfüllter [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] Gedächtnisstunde für die [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|gefallenen Krieger]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Dezember. Am 1. Adventssonntage Missionssonntag für die Gemeinde.  Dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskus-Xaverius-Verein Franziskus Xaverius] konnten ca. 70 Mark überwiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Dezember. Alle Schulentlassenen (mit Ausnahme von 3) traten dem [[Marienverein|Marien-Verein]] bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwochs wird in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] die liturgische Gemeinschaftsmesse gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. Dezember. Herr Hochwürden [[Carl Schütz|Carl Schütze]], der von 08–09 hier als [[Vikare|Kaplan]] tätig war, starb als Pfarrer von [https://de.wikipedia.org/wiki/Ollheim Ollheim].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:An den [https://de.wikipedia.org/wiki/Exerzitien Exerzitien] für [[Kirchenrat|Kirchenvorstandsmitglieder]] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] beteiligte sich [p. 223] trotz eifrigen Werbens nur einer (Peter Gilgen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2 Broschüren gegen [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Rosenberg Rosenbergs] Schrift &amp;quot;An die Dunkelmänner unserer Zeit&amp;quot; wurden vertrieben in der Frühmesse, als die Beschlagnahme vor dem Hochamte erfolgte, waren sie alle abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Dezember. Das Weihnachtsfest zeigte wieder eine erfreuliche Pfarrfamilienkommunion, ca. 70–80 %.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das alte Jahr wurde mit folgender Statistik beschlossen. Taufen 36 (26), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. Heilige Kommunion] 29 (20), 1. Heilige Beichte 30 (20), Kommunionen ausgeteilt 21.000 (20.300), aus der Kirche ausgetreten 0 (1), eingetreten 3 (0), Ehe 15 (15), Tod 26 (15), Firmung 140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1936&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1936&lt;br /&gt;
:19. Januar. Das neue Jahr fängt gut an. Gestern abend wird telefonisch durchgegeben, und heute morgen vor 6 Uhr kommt der Schutzmann, um mitzuteilen, daß der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hirtenbrief Hirtenbrief] der Bischöfe Beschlagenheit sei. Er wurde verlesen, conferre [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichskonkordat Reichskonkordat].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Karn01.jpg|300px|thumb|right|Karnevals-Umzug um 1936 in der Rheinstraße.]]&lt;br /&gt;
:23. Februar. Die [[Lehrer]]schaft nimmt die Organisation des Fastnachtszuges in die Hand: &amp;quot;Alles unter einem Hut&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 224] [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkstrauertag#Heldengedenktag_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus Heldengedenktag]. Eine Welle nationaler Begeisterung geht durch das Volk (conferre 1914). Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinlandbesetzung_%281936%29 entmilitarisierte Rheinlandzone wird wieder von deutschen Truppen besetzt].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. März. Kirchliche Schulentlassung nach vorausgegangenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Exerzitien Exerzitien]. 16 Knaben und 12 Mädchen, alle waren dabei. 7 Mädchen ließen sich als Aspirantinnen in den [[Marienverein]] aufnehmen. Die Knaben haben keinen Mut, dem [[Jungmännerverein]] beizutreten, trotz des ernsten Hirtenschreibens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. März. [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_im_Deutschen_Reich_1936 Reichstagswahl], näheres kann darüber nicht geschrieben werden. 98 % Beteiligung, 2 Neinstimmen!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Beteiligung an der Osterkommunion war wie im vorigen Jahre, es gibt noch einige Dutzend Unentwegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. April. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Sonntag Weißen Sonntag] gingen 10 Knaben und 16 Mädchen. Noch immer lassen die Eltern die jungen Kinder nicht mitgehen mit 8 Jahren, wie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Papst Heilige Vater] es wünschte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Mai. Die Blumenprozession der Kinder zum Maialtar brachte wieder über 100 Blumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Mai. Maifeier der Jünglinge und Jungfrauen des Dekanates in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. Ca. 700, erhebende Feierstunde für alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wasserleitung ins [[Pfarrhaus|Haus]] gelegt. Die Herztüren [p. 225] auf dem Hofe verschwinden. Bei dieser Gelegenheit Ofenplatte freigelegt (Uniferum) und eine Grabplatte (an der Kirche aufgestellt) mit folgender Inschrift: &amp;quot;IM.Jair.mvcxIIIII (1515).op.de.xIII.dach.in.de.aprill.starf.mechtilde.Judde.D.Beteirs.mod.bit.got.vur.die.seil&amp;quot;, conferre [[Juddeturm]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Juni. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinitatis Dreifaltigkeitssonntag] Gottbekenntnisfeier der katholischen Jugend. Beteiligung bei der heiligen Kommunion gut. Wegen des regnerischen Wetters waren nur 40 nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] zur Bekenntnisstunde der Jugend des Dekanates gefahren und doch waren 1.200 Jugendliche dort versammelt, eindrucksvolle Feier. Der ganze Dekanatsklerus war dort erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. Juni. In diesem Jahre zog die Prozession wieder in altem Glanze aus. Allerdings fehlten wieder die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützen]]. Auch die Aloysiusfahne des [[Jünglingsverein]]s und das [[Kolpingfamilie|Kolpingsbanner]] wurden nicht mitgeführt, da keiner den Mut hatte, sie zu tragen. Der [[Marienverein]] hatte einige schöne Gruppen und zog mit Fahne und Banner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24. Mai begann der 2. Zyklus der Trilogie von [[Michel Becker]]: &amp;quot;Der Wächter von Zons&amp;quot;. Die [[Freilichtbühne|Freilicht-]] [p. 226] [[Freilichtbühne|bühne]] hat eine immer stärkere Anziehungskraft auf die nähere und weitere Umgebung. Der Besuch ist andauernd gut. Das Spiel aber auch empfehlenswert. Die Zonser sind mit immer größerer Begeisterung dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. und 14. Juni. Die diesjährige [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritassammlung]. Am gleichen Tage die Sammlung für 1) das [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Rotes_Kreuz Rote Kreuz], 2. Den Generalausschuß für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche und 3. für den [https://de.wikipedia.org/wiki/Volksbund_Deutsche_Kriegsgräberfürsorge Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge]. Es wurden gesammelt 113,38 Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. Juni. Mit 35 [[Marienverein|Marienkinder]]-Fahrt durchs [https://de.wikipedia.org/wiki/Itter_(Rhein) Ittertal] über [https://de.wikipedia.org/wiki/Elberfeld Elberfeld] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgermeisterei_Hardenberg Neviges-Hardenberg], durchs [https://de.wikipedia.org/wiki/Neandertal Neandertal] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Eiszeitliches_Wildgehege_Neandertal Wildpark]) wieder heim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Juli. Große Wallfahrt der Frauen und Mütter der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Köln Erzdiözese] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer]. Es kamen 26.000, aus Zons 60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. September. 40 Jahre, daß die [[Vinzentinerinnen|Vinzenzschwestern]] ihren Einzug in Zons hielten. Der Boden der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] wird neugemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. August. Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer], Bahn- und Autopilger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hirtenbrief der deutschen Bischöfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung Ewiges Gebet]. Beteiligung wie in den letzten Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 227] Wieder war ein Sachverständiger für Orgelbau hier, der übereinstimmend mit den früheren Arbeiten erklärte: Die Orgel ist in ihren ältesten Teilen am Anfang oder Mitte des 19. Jahrhundert. Die Schrift ist die Schrift dieser Zeit, die jüngsten Pfeifen stammen vom 9.9.1858.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. September zog unsere Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] mit einer sehr kleinen Beteiligung. Die [[Freilichtbühne|Festspiele]] der Stadt wirken sich nicht zum Besten der Seelsorge aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Freib017.jpg|300px|thumb|right|Die Freilichtbühne diente beim Erntedankfest 1936 als Kulisse für das Stück &amp;quot;Mutter Erde&amp;quot;.]]&lt;br /&gt;
:4. Oktober. [[Erntedankfest]] in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] in der gewohnten Feierlichkeit begangen. Über die Festrede vom Nachmittag, die sich gegen die Juden wandte, darf man nichts schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. Oktober. Der Bräutekursus beginnt wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15. November. Die Katechismuswahrheiten werden als Ergänzung zum Diözesangebetbuch verteilt. Sie klären auf über die religiösen Irrtümer der Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. November–6. Dezember hielt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Oblaten_(OMI) Oblatenpater] Knackstedt vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolauskloster_(Jüchen) Nikolaus-Kloster] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedburdyck Bedburdyck] eine eucharistische Familienwache. Alle Familien sind vorher vom Pastor besucht worden, conferre Einladung. Trotzdem [p. 228] beteiligten sich nur 50 %.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Dezember. 40jähriges Jubiläum des Bestehens des [[Marienverein]]s in Zons. Festhochamt, nachmittags feierliche Aufnahme, anschließend kleine Familienfeier im Verein, Adventsfeier, sehr stimmungsvoll, conferre Programm. Fräulein Gertrud Wimmer, [[Feldstraße]], Schwester des früheren [[Küster]]s, einzige Jubilarin. Die Leiterinnen des Vereins in den 40 Jahren waren die Oberinnen des [[Vinzentinerinnen|Vinzenzklosters]]: Schwester Lamberta, Ursula, Gonzaga, Adolpha, Caritas, Arsenia und Sophia.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Dezember. Weihnachten konnte die weltliche Pfarrfamilienweihnacht wiederum nicht stattfinden. In der Kirche wurde das Fest mit großer Feierlichkeit begangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1936&lt;br /&gt;
:Taufe 34 (36), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 26 (29), 1. heilige Beichte 25 (30), Kommunionen ausgeteilt 20.000 (21.000), aus der Kirche ausgetreten 4 (–), Ehe 8 (15), Tod 15 (26), davon Kinder 4 (4).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1937&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 229] 1937. Im Januar wurde zum ersten Male der Priestersamstag gefeiert.&lt;br /&gt;
:13. Januar. Generalversammlung des [[Frauen- und Mütterverein]]s. Die Mütter bleiben treu. Die religiösen, charitativen und sozialen Aufgaben sind auch im vergangenen Jahre durchgeführt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. März. Schwester Cypricea, eine Ärztin, [[Vinzentinerinnen|Vinzentinerin]], beginnt mit den monatlichen Vorträgen über Gesundheitspflege und Erziehungsfragen des Kleinkindes vor den Müttern der Kinder des Kindergartens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15.–20. März. An den Schulentlassungexerzitien nahmen alle Kinder teil, und zwar mit bemerkenswertem Eifer. An der kirchlichen Schulentlassungsfeier gingen schon viele Eltern mit ihren Kindern zum Tische des Herrn. Auch die Schulneulinge wurden mit einer Ausnahme von den Müttern oder Vätern zur kirchlichen Segnung geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. April. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Sonntag weißen Sonntage] gingen 29 Kinder. Noch immer zögern die Eltern damit, ihre Kinder frühzeitig zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heiligen Kommunion] gehen zu lassen. Am 2. Tage wie immer die Fahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Mai. Von den 1.085 Kommunionpflichtigen der [p. 230] Gemeinde haben nur 800 ihre Ostern gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. April. Eine Befragung der Eltern wegen der Katholischen Schule für ihre Kinder ergab, daß 85 % für die Beibehaltung der Katholischen Schule waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Mai. Die Blumenprozession der Kinder zum [[Wundermadonna|Muttergottesaltar]] fand wie alljährlich statt. 100 Topfpflanzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. Mai. Von Pfingsten ab darf im 3. und 4. Schuljahre nur 1 Katechismusstunde in der Schule gehalten werden. Die 2. Stunde halte ich in Zukunft im Jugendheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. Mai. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnamsprozession] ist wieder im alten Glanze gezogen. Die Kirchenfähnchen in den Straßen und an den Häusern durften nicht zum Schmucke verwandt werden. Es gab kein Haus, das nicht ein Altärchen gebaut hätte, man hatte mit Grün und Blumen geschmückt, so gut es in der kurzen Zeit von einem Tage noch ging. Einige wenige Hakenkreuzfahnen waren zu sehen. Die [[Lehrer]] durften in der Prozession die Kinder nicht beaufsichtigen. So gingen die Kinder, die nicht in den zahlreichen Gruppen etc. verteilt waren, mit ihren Eltern. Es wurde gut gebetet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Juni. Gottbekenntnis der Katholischen Jugend Deutschlands am Bonifatiustage. 1.200 Jugendliche und Jungfrauen aus dem Dekanate anwesend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 231] 4. Juli. Da die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritassammlung] in der Öffentlichkeit verboten ist (damit die Volksgenossen nicht zu stark in Anspruch genommen werden), so haben die Bischöfe eine Caritassammlung angeordnet, die nur auf den Kirchenraum beschränkt bleibt. Ergebnis der Opferbeutel, die jedem gegeben wurden, 115,- Mark. Aus eigener Kraft ein größeres Ergebnis als im Vorjahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. Juli 37. Der [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] erhielt folgendes Schreiben: &amp;quot;Sehr geehrter Herr Pfarrer Klüwer, Zons. [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß] 23.7.1937. Im Auftrage des [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Christian_Schmid Regierungspräsidenten] setze ich Sie davon in Kenntnis, daß der gesamte Lehrplanmäßige Religionsunterricht an den Volksschulen mit Wirkung vom 31. August diesen Jahres durch die Lehrer und Lehrerinnen erteilt werden wird. Für die bisherige Erteilung schulplanmäßigen Religionsunterrichts spreche ich Ihnen den Dank des Herrn Regierungspräsidenten aus. Gezeichnet Dr. Hovenbitzer, Kreisschulrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:FeldstrNS.jpg|300px|thumb|right|Die Zonser Feldstraße ca. 1933/39.]]&lt;br /&gt;
:29. August. 200jährige Jubelwallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer]. In dem Tagebuche des Zonser [[Küster]]s [[Johannes Peter Schwieren|Schwieren]] (conferre Archiv) steht folgende Eintragung: &amp;quot;Anno 1737 sind die Zonsischen Pilger in [p. 232] [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer] zum ersten Male mit dem Venirabel eingeholt und ist feierliche Meß gehalten worden, wofür jährlich gezahlt wird 1 Reichsthaler.&amp;quot; Die diesjährige Wallfahrt ist prächtig verlaufen. Pilgermesse in Zons, Abfahrt mit 2 Autos, feierliche Begrüßung durch den Herrn Prälaten und Pfarrer von Kevelaer in der Kerzenkapelle. Feierliches Hochamt in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Marienbasilika_%28Kevelaer%29 Basilika] mit Festpredigt. 2 Uhr Kreuzweg und Predigt unter dem Kreuzbaum durch den Herrn Hochwürden Religionslehrer Krutwig aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]. Heimkehr 8 Uhr und sakramentalischer Schlußsegen in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]]. Die Bahnpilger hatten sich unter Führung eines Adolf Hubert Schmitz (früherer Brudermeister) ausgeschlossen und privatim eine Wallfahrt am 25. und 26.9. gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. September. Da die Schulpforte verschlossen, heute zum ersten Male die seelsorgliche Unterweisung der Kinder in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] erteilt, die in 6 Stunden wöchentlich den Kindern nunmehr gegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung Ewige Gebet] wieder unter großer Beteiligung der Pfarrkinder gefeiert. Zur feierlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplet Komplet] waren 5 Geistliche erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Es folgt ein eingeklebter Zeitungsartikel.]&lt;br /&gt;
::Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Katholischer_Jungm%C3%A4nnerverband katholische Jungmännerverband] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Trier Diözese Trier] aufgelöst. 1937. RWD. [https://de.wikipedia.org/wiki/Trier Trier], 12. November. Die Staatspolizei [https://de.wikipedia.org/wiki/Trier Trier] teilt mit: Auf Grund des Paragraphen 1 der [https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_des_Reichspr%C3%A4sidenten_zum_Schutz_von_Volk_und_Staat Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933] ist mit sofortiger Wirkung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Katholischer_Jungm%C3%A4nnerverband katholische Jungmännerverband] der gesamten [https://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Trier Diözese Trier] einschließlich seiner Unter- und Nebengliederungen, insbesondere der Pfadfinderschaft St. Georg, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Jungschar Jungscharen], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmschar Sturmscharen], der Pfarrjugend sowie der sogenannten Kernscharen, Singscharen, Frohscharen, der marianischen Jünglingskongregation und der Meßdiener-Organisation aufgelöst worden.&lt;br /&gt;
::Jede Tätigkeit, die den Versuch der Fortführung der im katholischen Jungmännerverband der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Trier Diözese Trier] zusammengeschlossenen Vereine oder den Versuch einer Neugründung mit gleichem oder ähnlichem Ziel darstellt, ist untersagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 233] 22. September. Diözesanversammlung der Mütter im [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Kölner Dom]. Ein Auto bringt 50 Mütter nach Köln, wo unter Teilnahme des [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Schulte Herrn Hochwürden Kardinal] 25.000 Frauen eine Weihestunde erlebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. September. Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Oktober. [[Erntedankfest]] in dem gewohnten Rahmen. Vor dem Hochamt ein kleines Erntefestspiel in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Oktober. [[Kirchenrat|Kirchenvorstandswahl]]. Gewählt wurden Jakob Gassen, Peter Gilgen, Wilhelm Peters, [[Matthias Weiler]], [[Heinrich Wimmer]], Ersatz Anton Hubert Norff und August Stelzmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. November. Gedenktag für die [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|Gefallenen des Weltkrieges]] in der feierlichen Weise der letzten Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 16. November beginnt die religiöse Unterweisung der Mütter, in jeder Woche eine Abendstunde, damit die Mütter in der Lage sind, selbst ihren Kindern Religionsunterricht zu geben, da der Geistliche in der [[Schulwesen|Schule]] keinen Religionsunterricht mehr geben darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1937: Taufen 36 (37), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. Heilige Kommunion] 29 (26), 1. Heilige Beichte 28 (25), Kommunionen ausgeteilt 22.300 (21.000), ausgetreten aus der Kirche 3 (4), Eheschließungen 18 (8), gestorben 9 (15).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Es folgt ein eingeklebter umfangreicherer Zeitungsartikel aus der &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lnische_Volkszeitung Kölnischen Volkszeitung]&amp;quot;, 1937, &amp;quot;&#039;Weltanschauung und Religionen&#039; – Eine Rede des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Kerrl Reichsministers Kerrl]&amp;quot;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1938&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 234] 1938. Im Januar 1938 wird der Jungmännerverband mit allen seinen Gliederungen aufgelöst. [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei Gestapo] zur Haussuchung im [[Pfarrhaus|Pfarrhause]]. Ergebnislos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:KinderNS.jpg|300px|thumb|right|Soldaten mit Zonser Kindern am Juddeturm im März 1938.]]&lt;br /&gt;
:21. März. Treuekundgebung der katholischen Frauen in der [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Michael_%28Dormagen%29 Pfarrkirche] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Hammels Herr Hochwürden Weihbischof Dr. Hammels].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22.–27. März. Schulentlassungsexerzitien. Alle beteiligen sich eifrig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. April. [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_1938 Volksbefragung wegen des Anschlusses Österreichs an Deutschland und Reichstagswahl]. Wahlbeteiligung in Zons: 100 %, alle Jastimmen, Neinstimmen 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. April. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Sonntag weißen Sonntage] beteiligen sich wieder alle Eltern und Lehrpersonen an der heiligen Kommunion, die Silberjubilare gingen mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion Erstkommunikanten] zum 1. Male geschlossen zur heiligen Kommunion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. April. Die Blumenprozession der Kinder zum Maialtar wie alljährlich. Die Schulneulinge empfingen am 1. Schultage den Kindersegen in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. Mai. Aufnahme von 8 Aspirantinnen in den [[Marienverein]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Mai. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritaskollekte] brachte trotz aller Erschwernisse 160,- Mark, 50,- Mark mehr als im letzten Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Juni. Der Bekenntnistag der katholischen Jugend in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] &amp;quot;Im Kreuze ist Heil&amp;quot; war sehr ergreifend. 1.400 Jugendliche und der gesamte Dekanatsklerus waren zur Stelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 235] 16. Juni. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnamstage] war die Beteiligung an der Prozession sehr gut, trotzdem alle Fabriken arbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Juni. Zum ersten Male ist am [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_und_Paul Petri und Paulfesttage] Schulunterricht. 80 % der Schulkinder waren in der Frühmesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Engelmacher Engelmacherin], die schon lange ihr schmutziges Gewerbe in der Gemeinde betrieben hat, wird polizeilich abgeführt und ihr der Prozeß gemacht. 10 Frauen sind in das Verfahren verwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Juli. [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenfest]]. Der Verein nennt sich wieder St. Hubertusverein. Zum ersten Male ist das Hochamt ohne die Schützenabordnungen und ihre Fahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Jungens der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend Hitler-Jugend], auf einer Wanderung in Zons, treiben ihren Unfug in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], vergreifen sich an den Altären, beschmutzen das Weihwasserbecken etc. Polizeiliche Ermittlungen ergebnislos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. August. Die in [https://de.wikipedia.org/wiki/Fulda Fulda] versammelten Bischöfe geben ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Hirtenbrief Hirtenschreiben] heraus, das heute verlesen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. September wird in allen Gottesdiensten bekannt gemacht: Wir beklagen es als einen schweren Eingriff in die Freiheit der Kirche, daß über den Hochwürdigen Herrn [https://de.wikipedia.org/wiki/Joannes_Baptista_Sproll Bischof von Rottenburg] die Ausweisung aus seinem [https://de.wikipedia.org/wiki/Di%C3%B6zese_Rottenburg-Stuttgart Bistum] verhängt wurde, und daß [p. 236] er, als er sich weigerte, sein [https://de.wikipedia.org/wiki/Di%C3%B6zese_Rottenburg-Stuttgart Bistum] freiwillig zu verlassen, von der Polizei aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCrttemberg Lande Württemberg] zwangsweise weggeführt worden ist. Laßt uns alle, Geistliche und Gläubige, für den verbannten Bischof und sein schwer geprüftes Bistum beten…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. September. Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer], 50 Teilnehmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung Ewiges Gebet], wie früher, gut besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18. September. Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], Teilnehmer 100.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. September. Die Regierung gibt ihre Zustimmung zur Einführung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchensteuer_%28Deutschland%29 Kirchensteuer], die wegen der stets steigenden staatlichen Besteuerung notwendig wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Oktober. Erntefestspiel. [[Erntedankfest]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. Oktober. Christkindsfest. Zahl der Kommunikanten Jugendliche 12, Jungfrauen 40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. November. Goldenes [[Vinzentinerinnen|Ordensjubiläum]] der ehrwürdigen Schwester Caroline (Görigke Elisabeth) aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], geboren 17.4.1868.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Novemberpogrome_1938 9. November]. Den beiden einzigen noch in Zons lebenden [[Jüdische Gemeinde|Juden]] [[Franken (Familie)|Geschwister Franken]] wird morgens um 4 Uhr die ganze Wohnung demoliert. Die [[Synagoge]] in der [[Lindenstraße]], die von Hubert Schmitz, [[Rheinstraße]], käuflich erworben wurde, wird niedergelegt, um einem Neubau Platz zu machen. Altes [[Gaststätte &amp;quot;Zum Hirschen&amp;quot;|Gasthaus zum Hirschen]], conferre Plakette und Inschrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 237] 16. November. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Bu%C3%9F-_und_Bettag Buß- und Bettag] fand um 17 Uhr die Heldengedenkfeier statt. Programm: I. Sie sind gefallen für uns. Vor dem Altare strahlt die Osterkerze. Orgelspiel. Einzug des Priesters und der Meßdiener mit brennenden Kerzen. Gesang: Mitten im Beten… No. 121. Während des Gesanges zieht der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] mit den gelöschten Kerzen ein und stellt sich um den Altar. Gebet aus der Andacht Seite 395, Abschnitt 1. Gesang: O Gott und Vater No. 200. II. Sie leben in Christus, stehend hört die Gemeinde die Frohbotschaft vom Leben, Johannes II, 21–27. Der Priester betet die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4fation Präfation] aus der Seelenmesse. Gesang: Heilig… No. 209. Der Priester betet: Christus ist das Licht. Wer an ihn glaubt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern hat das Lebenslicht. Im Glauben an Christus starben von unserer Pfarrfamilie den Heldentod. Die [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|36 Namen]] werden verkündet, die Totenkerzen von der Opferkerze her angezündet. Die große Glocke schlägt bei jeder Namensaufzählung an. III. Wir bitten für sie. Priester: Sie starben für uns, sie lebten in Christus. Wir lesen für sie nun die himmlische Vollendung. Wir knien und beten. 3 Minuten Stillschweigen, während die große Glocke läutet [p. 238] Herr, gib ihnen die ewige Ruhe… Lied: Herr gib Frieden, No. 198. IV. Wir geloben: Predigt. Lied: O du mein Heiland. Aussetzung sakramentalische Prozession mit Messdienern und [Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] mit brennenden Kerzen. Lied: Es ragt ein hehrer Königsthron, No. 110, sakramentalischer Segen. Schlußlied: Gelobt sei Jesus Christus, No. 37, während alle Glocken läuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. November. [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] der Frauen und Mütter im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause]. Leiter Pater Richard Gräf [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.Sp.] [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1938&lt;br /&gt;
:Taufen 37 (33), auswärts 10 (3), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 31 (29), 1. heilige Beichte 35 (28), Kommunionen 18.700 (22.300), aus der Kirche ausgetreten 5 (3), Trauungen 6 (18), auswärts – (3), gestorben 7 (9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1939&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1939. 8. Januar, Fest der heiligen Familie, fand die Generalversammlung der [[Marienverein|Marienkinder]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Standesvortrag für die Mütter wird auf Donnerstag morgen 8.30 in Verbindung mit der heiligen Messe gelegt. Der Besuch hat sich sehr gehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. Februar. [https://de.wikipedia.org/wiki/Seelenamt Seelenamt] für den verstorbenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XI. Heiligen Vater Pius XI.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. März. [https://de.wikipedia.org/wiki/Te_Deum Te deum] anläßlich der Krönung des neugewählten Heiligen Vaters [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XII. Pius XII.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 239] 19. März. Kirchliche Schulentlassungsfeier, nachdem die Schulentlassenen in der Woche vorher geschlossen an den Schulentlassungsexerzitien teilgenommen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. April. 40 Kommunionkinder (16 Knaben und 24 Mädchen) gingen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion heiligen Kommunion]. 2 Gold- und 4 Silberjubilare.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18. April. Mit Beginn des neuen Schuljahres sind die Kreuze und religiösen Bilder aus den Schulräumen entfernt worden. Die Religionsstunden sind an das Ende des Stundenplanes gelegt worden. Auch dürfen die [[Lehrer|Lehrpersonen]] keine Aufsicht mehr in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] führen. Die Schulneulinge wurden vor dem ersten Schulgang in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] feierlich gesegnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. April. Aus Anlaß des [https://de.wikipedia.org/wiki/Führergeburtstag 50. Geburtstages] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Führers und Reichskanzlers] ein Amt zu Ehren des [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzengel_Michael heiligen Michael] um Gottes Segen für Volk und Führung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. April. [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritastagung] im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die jährliche Blumenprozession der Kinder zum Maialtar. Zu Anfang der Maiandacht wird gebetet &amp;quot;Lasset uns nach Meinung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XII. Heiligen Vaters Pius XII] für den Frieden der Welt beten und die Königin des Friedens anrufen&amp;quot;. Die Gebete nach der heiligen Messe beginnen: &amp;quot;Lasset und beten [p. 240] um Frieden und Freiheit für unsere heilige Kirche, besonders in unserem Vaterland&amp;quot;. Nach den Gebeten wird hinzugesetzt: &amp;quot;Daß Du unseren Kindern den wahren katholischen Glauben erhalten wollest. Wir bitten Dich, erhöre uns. Daß Du unseren Kindern die katholische Schule wieder schenken wolltest. Wir bitten, daß Du alle katholischen Väter und Mütter, katholischen Lehrer und Priester mit heiliger Sorge um die Seelen der Kinder erfüllen wollest. Wir bitten Dich, erhöre uns.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Mai. Marienfeier der Jünglinge und Jungfrauen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. 1.000 hatten sich eingefunden und der gesamte Klerus des Dekanates. Die Feier verlief sehr erhebend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. Mai. 850 haben ihre [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunion Osterkommunion] gehalten. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritaskollekte] brachte 120,- Mark. 5 Aspirantinnen in den [[Marienverein]] aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Juni. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinitatis Dreifaltigkeitssonntag] vereinigte wie alljährlich die Jugendlichen und Jungfrauen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. 1.500 waren mit ihren Seelsorgern erschienen und legten das Treubekenntnis ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Juni. [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnam] war in diesem Jahre noch schulfrei. Die Prozession zog wie alljährlich unter besonders starker Beteiligung der Männer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. Juni. Die [[Freilichtbühne]] beginnt ihre Aufführungen mit der [[Schweinefehde]] von Zons ([[Martin Schäfer]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 241] Die antikirchlichen Tendenzen machen sich sehr stark bemerkbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. Juni. An der Wallfahrt der [[Frauen- und Mütterverein|Frauen und Mütter]] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Neviges Neviges] beteiligten sich über 70 Frauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. Mai. [[Heinrich Wimmer]] tritt aus dem [[Kirchenrat|Kirchenvorstand]] aus, da er als Ortsbauernführer nicht zugleich Mitglied des [[Kirchenrat|Kirchenvorstands]] sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9. Juli. Am Sonntag des [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenfestes]] waren fast keine Schützen zum feierlichen Hochamt erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Juni. [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_und_Paul Peter und Paul] war wie im Vorjahre Schulunterricht. Die Bauern haben aber nicht gearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Goering.jpg|300px|thumb|right|Der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe Hermann Göring am 16. Juli 1939 in Zons.]]&lt;br /&gt;
:16. Juli. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Göring Ministerpräsident Feldmarschall Hermann Göring] legte auf seiner Rheinfahrt mit seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Carin_II Yacht Karin II] in Zons an und verbrachte die Nacht dort. Trotz des strömenden Regens hatten sich viele am Rhein versammelt. Die Absperrung ließ aber keinen durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der [[Juddeturm]], der 1888 zum letzten Male gedeckt war, erhielt ein neues Dach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Seelsorgliche Betreuungsstunde der Kinder. Seit Ostern kommen 4 Kinder nicht. 90 % besuchen regelmäßig die Sonntagsmesse, nur 50 % die Kindermesse am Werktag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 242] 26. Juli. Heute schon der 6. Austritt aus der Katholischen Kirche in diesem Jahre. Es wird mir offen gesagt, daß die Bewegung darauf dränge, trotzdem man das offiziell nicht wahrhaben will. Schritt für Schritt wird die religiöse Beeinflussung zurückgedrängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. August. Tage voll Spannung und Unruhe in der Bevölkerung. Die Reservisten sind eingezogen (die Frage um [https://de.wikipedia.org/wiki/Danzig Danzig] und den Korridor), die Gestellungsbefehle werden zum Teil des Nachts überbracht. Keiner ist vorher zu den Sakramenten gegangen, wie 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. August. Heute sind die [https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensmittelmarke Lebensmittelkarten] eingeführt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. August. Die Pferde des [https://de.wikipedia.org/wiki/Landkreis_Grevenbroich-Neuß Landkreises] werden auf dem [[Schloss Friedestrom|Schloßhofe]] ([[Meller (Familie)|Meller]]) gemustert und eingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. August. Noch ist die Entscheidung nicht gefallen. Es herrscht eine düstere Stimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. August. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Zug- und Omnibusverkehr sind auf ein minimum beschränkt. Immer mehr Männer werden zu den Waffen gerufen. Die Zonser Kommunisten wittern Morgenluft, Heil mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Moskau Moskau].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlers_Rede_vor_dem_deutschen_Reichstag_am_1._September_1939 1. September] [https://de.wikipedia.org/wiki/Alea_iacta_est alea est jacta]: Gnade Gott denen, die es verursacht haben. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Luftschutz Luftschutz] ist aufgeboten. Die Bevölkerung ganz verstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 243] Oremus, ut deus bene vertat! &lt;br /&gt;
:Ausländische Rundfunksendungen zu hören, wird mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Zuchthaus Zuchthaus] oder mit dem Tode bestraft. 2.9. [https://de.wikipedia.org/wiki/Polenfeldzug Kampf mit Polen begonnen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. September. Um den Pfarrkindern etwas Mut zu machen, von der göttlichen Vorsehung gepredigt. England hat den Krieg erklärt. Frankreich ebenfalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. September. Die erste Einquartierung. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesuiten Jesuitenfrater] erklärte mir, daß er durch sein frisches Wesen die düstere Stimmung seiner Kompagnie zu heben suche. Praktisches Christentum. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Luftschutz Luftschutzmaßnahmen] werden überprüft. Jeden Abend Verdunkelung. Die ersten feindlichen Flugzeuge haben aus 5.000 m Höhe Flugzettel abgeworfen. Die Felder zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_(Dormagen) Horrem] sind von dem Propagandamaterial übersät. Es waren Engländer, die über Holland geflogen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. September. Heute wieder zum 1. Male seit 4 Wochen das [https://de.wikipedia.org/wiki/Messopfer heilige Meßopfer] in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] gefeiert. Dieselbe wurde renoviert und neu bemalt von dem Maler Winter aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Heizung, die für die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] vorgesehen war, Genehmigung, Geld, alles war bereit, konnte nicht mehr eingebaut werden. Nun ist das Geld verloren, das durch den großen Landverkauf der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] und dem [[Pfarrhaus|Pastorat]] [p. 244] (für Siedlungszwecke) eingekommen war. 4.500 Mark [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]], 9.500 Mark [[Pfarrhaus|Pastorat]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Reparatur des Scheunendaches des [[Pfarrhaus|Pastorat]] ist beendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9. September. Nach 8 Tagen Krieg ist [https://de.wikipedia.org/wiki/Warschau Warschau], die Hauptstadt Polens, gefallen, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Göring Feldmarschall Göring] in einer Rundfunkansprache mitteilt. Seine Rede zerstört die Illusionen von einem kurzen Kriege. Auch im Westen hat der Krieg begonnen. In den Nachbarorten [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich], [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosellen_(Neuss) Rosellen] etc. liegt Militär. [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] ist Lazarett.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. September. Im Jugendheim ist ein Lazarett aufgemacht für die Flüchtlinge aus den evakuierten Grenzgebieten. Einige Flüchtlinge aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Saargebiet Saargebiet] sind hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. Wegen der allabendlichen Verdunkelung ist das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung ewige Gebet] nur von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Der Besuch war gut. Überhaupt ist eine Zunahme des Kirchenbesuchs und Sakramentenempfangs festzustellen. Hoffentlich ist es kein Strohfeuer wie 1914. Die Einberufenen verlassen fast alle ohne Sakramentenempfang die Heimat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. September. Pilgerfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. Beteiligung nicht größer als in Friedenszeiten. Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Kloster Knechtsteden] [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldlazarett Feldlazarett]. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg] liegen [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flackbatterien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 245] 18. September. Die [[Schulwesen|Schule]] beginnt wieder. Viele Kinder kommen am 1. Schultage zur heiligen Messe. Da das Jugendheim (Schulraum für die religiöse Betreuung) zum Hilfslazarett eingerichtet ist, habe ich einen Raum im [[Rheinturm]] zum Unterricht eingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. September. Heute [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begräbnisfeier Exequien] für den ersten [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|Gefallenen des neuen Weltkrieges]], Heinrich Meuther, geb. 29.8.1918 zu Zons, ältester Sohn der Eheleute Johannes Meuther und Catharina Zenz, [[Landstraße]] ([[Nachtigall (Weiler)|Nachtigall]]). Der [[Lehrer]] [[Jakob Steves]] ist als Hauptmann zur Westfront eingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Oktober. Das [[Erntedankfest]] in gewohnter Weise in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] feierlich begangen. Außerhalb der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] wurde nicht gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3.–12. Oktober. Zweite Einquartierung, [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_(Militär) Pioniere], die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Lwiw Lemberg] kamen und jetzt nach Norden weiterziehen. Autos alle defekt, wurden in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] repariert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18. Oktober. Die Nacht 3 Uhr kam wiederum Einquartierung. 16 Pferde werden in der Scheune untergestellt. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldwebel Feldwebel] und sein [https://de.wikipedia.org/wiki/Unteroffizier Unteroffizier] sind im [[Pfarrhaus]]e untergebracht. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldkochherd Gulaschkanone] ist auf dem [[Pfarrhaus|Pfarrhause]], und die Mannschaft hat ihre Kantine im [[Pfarrhaus]]e aufgeschlagen. Die Leute kamen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Warschau Warschau] und bringen schreckliche Berichte aus Polen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 246] 22. Oktober. Heute der erste Militärgottesdienst in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]]. Die katholischen Mannschaften (die meisten Protestanten aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Legnica Liegnitz]) waren vollzählig im Stahlhelm erschienen, geführt vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Adjutant Adjudanten].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Oktober Herr [[Ludolf Schmitz|Oberpfarrer Dr. Schmitz]], der von 1910–1928 in Zons [[Pfarrer]] war, feiert in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bergheim Bergheim] die 40. Wiederkehr seiner Priesterweihe. Aus diesem Anlaß wird hier beim Gottesdienste seiner besonders gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. November. Alles arbeitet, die Beteiligung bei der heiligen Kommunion war dementsprechend gering, nur 40 % fanden sich ein. An der Prozession zum [[Friedhof|Gottesacker]] beteiligten sich wie alljährlich fast alle, die daheim, der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] konnte nicht singen, da die Mitglieder durch Arbeit verhindert waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. November. Das [[Hubertusverehrung|Hubertusfest]] wurde wie alljährlich mit feierlichem Hochamt und Festpredigt gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. November. Der Martinszug und die Verteilung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Stutenkerl Weckmänner] fiel aus. In der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] fand das feierliche Amt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. November. Der Gedenktag für die [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|Gefallenen]] ist auf den heutigen Sonntag wegen des Krieges verlegt worden. Die Gedächtnisfeier fand wie alljährlich statt unter reger Beteiligung der Pfarrfamilie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 247] Nachdem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien Schlesier] weiter nach Westen gezogen, kamen über 1.000 Mann [https://de.wikipedia.org/wiki/Schwaben Schwaben] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Karlsruhe Karlsruhe] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgart Stuttgart], die hier ihre Winterquartiere beziehen wollen. Tank und Munitionsdepot und Werkstatttruppe, fast alles Protestanten. Während die [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien Schlesier] allenthalben intime Beziehungen anknüpfen, halten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Schwaben Schwaben], [https://de.wikipedia.org/wiki/Baden_(Land) Badener] sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Dezember. Alle Familien persönlich besucht und eingeladen zur &amp;quot;Heiligen Zeit&amp;quot;, zu der der [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Schulte Herr Cardinal] in den Adventswochen die Gläubigen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Köln Erzdiözese] aufgerufen hat. Die Predigten sind an den Adventssonntagen während der heiligen Messen. Die Predigten hält Herr Direktor Hubert Wergen vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause], die Kinderpredigten der [[Johannes Klüwer|Pfarrer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Dezember. Heute Katholischer und Evangelischer Wehrmachtsgottesdienst in unserer [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], aber getrennt. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerheiligstes_(Christentum) Sanktissimum] während des evangelischen Gottesdienstes in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sakristei Sakristei] gebracht. Heute nachmittag 4 Uhr Aufnahme von 5 schulentlassenen Mädchen (15 waren entlassen) in den [[Marienverein]]. Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelsheim] war [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] für die Mädchen, gehalten von Frau Helene Pollmann ([https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln], Mütter[..] &amp;lt;ref&amp;gt;Unleserlich.&amp;lt;/ref&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Advent Advent] war die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Schulte Seiner Eminenz] angeordnete &amp;quot;Heilige Zeit&amp;quot;. Während der Sonntagsmessen [p. 248] Predigten des Herrn Direktors Hubert Wergen vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus St. Raphaelshause]. Besuch gut. Die Kinderpredigten hielt der [[Johannes Klüwer|Pastor]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Dezember. Die Weihnachtskommunion übertraf die Erwartungen. 750 Kommunikanten. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Stephanitag Stephanstage] Männerpredigt. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_(Apostel) Johannestage] [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begräbnisfeier Exequien] und Predigt für die Toten der Gemeinde. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Kindermord_in_Betlehem#Tag_der_unschuldigen_Kinder Feste der unschuldigen Kinder] war Kleinkindersegnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Baden_(Land) Badenser] sind abgezogen. Ihre Nachfolger sind wieder [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien Schlesier].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1939. Taufen 27 (37), auswärts 10 (8), 1. heilige Beichte 29 (28), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 40 (31), Kommunionen ausgeteilt 16.400 (18.700), Trauung 10 (6), auswärts 2 (-), ausgetreten 10 (5), Tod 15 (7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1940&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Januar 1940. Das neue Jahr hat mit einer grimmigen Kälte begonnen. Das Thermometer schwenkt zwischen -10 bis -20 Grad. Alle Leitungen sind zugefroren. Wie bedauerlich, daß die Heizung, die genehmigt war, die Aufträge schon erteilt, das Geld lag bereit, nicht mehr eingebaut werden konnte wegen des Kriegsbeginn. Die Windfänge sind wenigstens noch fertiggestellt worden. – Einquartierung, die Nachfolger der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien Schlesier] [p. 249] sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Bayern Baiern] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Region) Franken]), [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_(Militär) Pioniere]. Seelsorglich wird für die Leute von seiten des Heeres hier nichts getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar. Der Unterricht im [[Rheinturm]] hat auch sehr unter der Kälte zu leiden. Den Kommunikantenunterricht gebe ich im [[Kindergarten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. März. Heute ist katholischer und protestantischer Gottesdienst (getrennt) in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]]. Der Besuch von den Soldaten war gut. Es waren [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien schlesische] [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_(Militär) Pioniere], die Nachfolger sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostpreußen Ostpreußen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. März. [https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntag] fand wieder die Palmprozession von der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] aus statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. März. Die Beteiligung an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunion Osterkommunion] war erfreulich groß. Die Pfarrkinder, die in Urlaub sind, benutzen die Gelegenheit und halten hier ihre Ostern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31. März. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Weißer_Sonntag weißen Sonntag] gingen 24 Knaben und 8 Mädchen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heiligen Kommunion]. Die Eltern beteiligten sich geschlossen an der heiligen Kommunion ihrer Kinder. Die Kommunion der Gold- und Silberjubilare will nicht recht klappen. Der Ausflug nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] fiel wegen Benzinmangel aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. April. Die Schulneulinge wurden wieder in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] vor dem 1. Schulgang gesegnet. Der Unterricht ist wieder im Jugendheim. 6 neue Bänke wurden angeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 250] 18. April. Das Ehepaar Peter Hubert Schmitz und Gertrud Schnorr, [[Brunnenstraße]], feiert seine goldene Hochzeit. Da die Jubelbraut krank, ist der Kommunionempfang und die Segnung im Hause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. April. Wegen der militärischen Besetzung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flak]) kann die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bittprozession Bittprozession] nicht durch die [[Hannepützheide|Heide]] ([[Rochushäuschen]]) ziehen und nimmt den Weg um das [[Antoniushäuschen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Glocken sind beschlagnahmt für Rüstungszwecke. Die Einberufungen gehen am laufenden Band weiter. Bis jetzt stehen 70 im Heere. Nun ist auch der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Norwegens#Zweiter_Weltkrieg Krieg in Norwegen] entbrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Mai. [[Marienverein|Marienfeier]] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], das Dekanat hatte ca. 700 Jugendliche geschickt. Erhebende Feier. [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] ist Lazarett mit 450 Betten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Mai. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_(Militär) Pioniere] ziehen ab. [https://de.wikipedia.org/wiki/Westfeldzug Einmarsch der Deutschen in Holland, Belgien und Luxemburg]. In der Nacht zogen ca. 450 Flugzeuge über Zons gen Westen. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Luftschutz Luftschutzmaßnahmen] werden überprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15. Mai. Holland kapituliert. Jede Nacht erscheinen feindliche Flugzeuge und werfen Bomben. Die letzte Nacht wurden 2 Bauernhöfe in [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen] getroffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mai. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_III._(Belgien) König der Belgier] kapituliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 251] Nacht für Nacht bekommen wir jetzt ungebetenen Besuch von England. In den Wiesen zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfeld Rheinfeld] und Zons ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Scheinflugplatz Scheinflughafen] angelegt. Durch die Lichtsignale und Leuchtraketen werden die Flieger angelockt, die dann ihre Bomben ins freie Gelände werfen. So fielen Anfang Juni 9 schwere Bomben in die Wiesen vor dem Panneschuppen von Pesch, [[Bahnstraße]], und 12 [https://de.wikipedia.org/wiki/Brandbombe Brandbomben] rings um die Häuser von Krahn und Reusrath ([[Bahnstraße]]) ohne Schaden anzurichten. Für die Bevölkerung allerdings, die in den Kellern sitzt, sehr aufregend. Die Flieger sind in Höhen von 5–6.000 Metern. In der Nähe von [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] ist eine Schein-[https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG I.-G.] aufgebaut, beleuchtet, der Schornstein raucht etc. Das größte Werk der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG I.G. Farben] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Leverkusen Leverkusen]) bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] vernebelt sich bei Fliegerangriff, und auf die Schein-[https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG I.G.] sind schon 30 Bomben geworfen worden. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Unteroffizier Unteroffizier] hat das [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz#Zweiter_Weltkrieg Ehrenkreuz] bekommen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] hat allerdings daran glauben müssen. Einige Häuser sind zerstört, Menschenleben nicht zu beklagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Auf dem [[Rheinturm]] und [[Juddeturm|Juddenturm]] stehen Sirenen, die die Flieger ankündigen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß] ist arg mitgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 252] 24. Juni. Der Keller des [[Pfarrhaus|Pastorat]] ist Luftschutzkeller für die Nachbarschaft, ca. 40 Personen. Am 24. Juni wurde der Namenstag des [[Johannes Klüwer|Pastors]] (Johannes) von diesen im Keller gefeiert. In der 1000jährigen Geschichte von Zons sicherlich noch nicht vorgekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Juni. [https://de.wikipedia.org/wiki/Waffenstillstand_von_Compiègne_(1940) Frankreich hat kapituliert], um 1.35 nachts beginnt die Waffenruhe mit Frankreich, und in den Lüften donnern die Flugzeuge der Engländer, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flakbatterien] feuern. Um die Kinder und Frauen zu beruhigen, habe ich Lichtbilder religiösen Inhalts im Keller gezeigt, allerdings vergessen wir das Beten nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In dieser Nacht sind zum ersten Male 2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Panzerzug Panzerzüge], die zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Norf Norf] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen] führten, zur Fliegerabwehr eingesetzt worden, ebenfalls fahrbare [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flakbatterien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. Juli. An diesem Tage sollte die [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung Firmung] und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Visitation Visitation] durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Stockums Hochwürdigen Herrn Weihbischof Dr. Wilhelm Stockums] stattfinden. Da die Ferien schon am 1.7. begonnen haben und wegen der Fliegergefahr haben Seine Exzellenz alles abgesagt. Die Kinder waren schon vorbereitet und alles gerüstet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Juli. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritaskollekte] brachte in diesem Jahre 135,- Mark. Die [[Vinzentinerinnen|Schwestern]] hielten den [https://de.wikipedia.org/wiki/Opfergang Opfergang], ohne daß Beutelchen ausgeteilt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 253] 21. Juli. Statt zur Christenlehre zu kommen, wohin ihn sein Kammerad [sic.] zwar mitnehmen wollte, ging Andreas Müllenberg, geboren 7.2.1930, zum Rhein, um zu baden. Man fand später seine Kleider, ihn selbst fand man nicht. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Duisburg Duisburg] gelandet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. August. Nacht für Nacht erscheinen feindliche Flieger. Die Bomben fallen in die Felder. Vom 3. zum 4. August wurde die [[Liebfrauentor|Muttergottesfigur]] aus dem [[Schlosstor|Schloßtor]] gestürzt. Jeden Abend während des Krieges gingen wie 1914/18 die Frauen und Mütter zum sogenannten &amp;quot;[[Liebfrauentor|Bildchen]]&amp;quot;, um zu beten. Abends waren die Frauen noch da und sahen die Figur. Am nächsten Morgen lag sie zerbrochen im Grase, 10 Meter vor der Mauer. Eine geheimnisvolle Sache. Die männliche Jugend verspottete die Frauen, die beteten. In der Nacht fielen aber auch einige englische Bomben in der Nähe, 1.600 m entfernt, sodaß durch den Luftdruck die Figur herausgeschleudert sein kann. Man versucht, die Statue, die 500 Jahre dort gestanden hat, zu reparieren (Madonna mit dem Jesuskind, gothisch). Dem [[Hans Michael Flücken|Bürgermeister]] teilte ich meine Vermutung mit, daß es einen Bubenstück war. Er versprach, die Sache zu untersuchen. Wie ich höre, soll das Märchen von der Fliegerbombe in die Gemeindechronik aufgenommen werden, sogar mit Lichtbild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ca. 100 Kinder sind wegen der Fliegergefahr von [p. 254] [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Volkswohlfahrt N.S.V. (nationalsozialistische Volkspflege)] in Erholung geschickt. Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Württemberg Württemberg], in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Spreewald Spreewald] und nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Stettin Stettin].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11. August. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Kerrl Kirchenminister Kerrl] hat verboten, daß die Kirchenzeitung durch die Pfarrer ins Feld geschickt werden. Ca. 2.000 hatte ich während des 1. Kriegsjahres geschickt. Mit 66 Soldaten meiner Gemeinde stand ich dadurch in Korrespondenz. So gut ich kann, halte ich den Briefwechsel aufrecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. August. Das Ehepaar Franz Lenden und Helene Erkelenz, wohnhaft [[Mauerstraße|hinter der Mauer]], feiern heute ihre goldene Hochzeit. 7 Kinder und Schwiegerkinder, 18 Enkel, 3 Brüder und Schwäger, 2 Schwestern und Schwägerinnen sind beim feierlichen Jubelamt mit dem Jubelpaar in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. September. Der Rendant Otto Kegel und Franz Schulte Herbrüggen werden vom Finanzamt [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] vereidigt, und die Kasse der katholischen Kirchengemeinde Zons wird zur Eintreibung der rückständigen Kirchensteuern eine Kirchenkassenhilfsstelle des Finanzamtes [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] am Rhein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. September. Heute feiert der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;]] sein 60jähriges Jubiläum (conferre Seiten 85, 175 und 185). In der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] singt der Chor zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochamt feierlichen Hochamt] die Hubertusmesse [p. 255] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Nekes Nekes]. Der [[Johannes Klüwer|Pastor]] spricht über: &amp;quot;Im Takte fest, im Tone rein, soll unser Tun und Singen sein&amp;quot;. Nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochamt Hochamte] werden Ständchen gebracht, dem früheren Dirigenten (30 Jahre lang) Jakob Wimmer, dem einzigen noch lebenden Mitgründer Bäckermeister a.D. Wilhelm Peters (bei der Gründungsversammlung erlitt Vikar [[Christian Bücker|Johannes Matthias Christian Bücker]] (26 3/4  Jahre [[Vikare|Vikar]] in Zons) einen Schlaganfall und starb bald darauf und Schmiedemeister a.D. Peter Gilgen, der Ende 1860 dem Chore beitrat und noch aktiver Singer ist. Der Präses [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] hielt bei allen 3 eine entsprechende Ansprache. Trotz des Krieges waren noch 20 Sänger da, zum Teil in Urlaub. Abends beschloß eine gemütliche Sitzung beim Dirigenten [[Willi Hahn]] ([[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Volksgarten]]) den Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Auch in diesem Jahre konnten die Wallfahrten nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] nicht durchgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. September. [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] für die in diesem Jahre gemusterten Arbeitsdienstlerinnen, von 5 nehmen 3 daran teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. September. Das Mitglied des [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchores]] Willy Fleischhauer heiratet in [https://de.wikipedia.org/wiki/Uedesheim Üdesheim] Dora Rodewig. Abends fuhr der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Uedesheim Üdesheim], brachte dem Brautpaar ein Ständchen, dann Fliegeralarm, im Keller bis 1.30. [p. 256] Rückfahrt mit dem Brautpaar nach Zons, um 2.30 Ankunft, unterwegs wieder Fliegeralarm, [https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtgranate Leuchtkugeln], Bombenabwurf und [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flakbeschuß], aber keinem etwas geschehen. Diesen Situationsbericht wollte ich der Nachwelt erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Oktober. [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] der Frauen im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus], Pater Rath [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.S.], Frau Pallmann von der Zentrale referierte über [https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendweihe Jugendweihe].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Oktober. Pfarrer Gottfried Schmitz, der jeden Monat einmal mit mir im Beichtstuhl auswechselt, wurde vom Fliegeralarm überrascht und mußte hier im Keller Zuflucht suchen. Um 12 Uhr konnte er erst wieder heim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3 schwere Bomben fielen ganz nahe bei Zons, kein Schaden angerichtet! Siehe Bericht vom 4. August.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Oktober. Die religiöse Jugendwoche, die vom 20.–27. Oktober vorgesehen war, die Hausbesuche hatte ich schon begonnen, wird von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei Geheimen Staatspolizei] verboten. Sie wird auf das kommende Frühjahr verlegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. Oktober. Die Standesvorträge werden nicht mehr in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] gehalten, sondern als Glaubensstunde wöchentlich, eine für die Jünglinge und eine für die Jungfrauen, im [[Pfarrhaus]]e gehalten. Besuch besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. November. [https://de.wikipedia.org/wiki/Einkehrtag Einkehrtag] für Männer in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim]. 3 Männer von hier beteiligen sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 257] 28. November. Der [[Hans Michael Flücken|Bürgermeister]] teilt mit: es ist angeordnet, daß bezüglich kirchlicher Veranstaltungen an Tagen nach nächtlichem Fliegeralarm nicht vor 10 Uhr stattfinden dürfen. Ich ersuche Sie, diese Anordnung zu befolgen (die Schule beginnt um 9.30, die Bürostunden auf dem Amte um 8.30, die Fabriken arbeiten wie gewöhnlich, nur durch den Gottesdienst wird die Ruhe der Bevölkerung gestört).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Dezember. Auf meine Anfrage nach näheren Anweisungen erhalte ich folgendes Schreiben: 1. die Einschränkung des Glockengeläutes, sowie der Kirchenveranstaltungen hat grundsätzlich dann zu erfolgen, wenn am vorraufgegangenen Tage Fliegeralarm nach 23 Uhr gegeben wurde beziehungsweise über 23 Uhr hinaus angedauert hat. 2. Von der Einschränkung werden neben dem Glockengeläut aller Art sämtliche kirchlichen beziehungsweise gottesdienstlichen Veranstaltungen betroffen, also auch die üblichen gottesdienstlichen Veranstaltungen einschließlich der Früh- und Kindermessen, der außerschuliche Religionsunterricht und dergleichen. Ausgenommen sind lediglich solche Veranstaltungen, die nur Geistlichen und Ordensangehörigen zugänglich sind. 3. Die Einschränkungen [p. 258] gelten für alle Tage, also auch für sonntägliche Veranstaltungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Dezember. Die für heute angesetzte [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung Firmung] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Visitation Visitation] wird zum 2. Male abgesagt, Krankheit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Schulte Bischofs]. Die Kinder waren wieder vorbereitet und voll freudiger Erwartung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Dezember. Die [[Marienverein|Marienkinder]] haben eine Weihestunde im Jugendheim. Über 30 waren erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Dezember. Weihnachten, die Beteiligung an der Kommunion war gut, ca. 70 %. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Besetzung_Polens_1939–1945#Polnische_Kriegsgefangene kriegsgefangenen Polen] hatten ihren Gottesdienst in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]]. Alle 34 gingen zur heiligen Kommunion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für den Winter sind wieder [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_(Militär) Pioniere] zur Einquartierung gekommen. In der Kuhweide ([[Grind]]) ist eine markierte Tankanlage gebaut. Die Umwohner des [[Antoniushäuschen]]s müssen ihre Wohnungen räumen. Wegelin, Schwärzfabrik an der [[Landstraße]], brennt. Gott Dank kamen keine Flieger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1940. Taufen 30 (27), auswärts 8 (10), 1. heilige Beichte 16 (28), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 33 (40), Kommunionen ausgeteilt 18.000 (16.400), Trauungen 9 (10), ausgetreten aus der Kirche 2 (11), gestorben 14 (15).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1941&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 259] 2. Januar. Das Generalvikariat teilt mit: &amp;quot;Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Führer] hat angeordnet, daß tägliche kirchliche Veranstaltungen an Tagen nach nächtlichem Fliegeralarm nicht vor 10 Uhr stattfinden dürfen.&amp;quot; Als Begründung wurde in dem Schreiben des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Kerrl Reichskirchenministers] gesagt, es solle nach Nächten mit Fliegeralarm &amp;quot;die Bevölkerung nicht durch kirchliche Veranstaltungen in der Möglichkeit zum Ausruhen und Arbeitseinsatz gestört werden.&amp;quot; Die heiligen Messen habe ich denn für den Sonntag auf 10 und 11.30 gelegt. Werktags wird sie still in der Kapelle gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. Februar. Seelenamt für den verstorbenen Pfarrer i.R. [[Aloys Oertgen|Aloys Örtgen]], der am 2. Februar 1941, 60 Jahre alt im 34. Jahre seines Priestertums in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kettwig Kettwig vor der Brücke] gestorben ist. Er war von Februar 1907–April 1908 in Zons als [[Vikare|Kaplan]] tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. März. ½ 12 während des Fliegerangriffs stirbt [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Schulte Herr Hochwürden Kardinal Dr. Schulte] an Herzschlag. [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begräbnisfeier Exequien] in Zons sind am 17. März.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Kriegshochzeit.jpg|300px|thumb|right|Zonser Kriegshochzeit am 24. März 1941: Theo Köppinger und Margarethe Vonden.]]&lt;br /&gt;
:22. März. Der Kapitularvikar schickt folgendes Schreiben. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei Gestapo] teilt mit, daß sie gegen Geistliche, die gegen die geltenden staatlichen Anordnungen am Morgen nach nächtlichem Fliegeralarm die Kirchen vor 10 Uhr öffnen, [p. 260] gegebenenfalls nach Verwarnung mit scharfen Strafen, selbst [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzhaft Schutzhaft], vorgehen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. April. [https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntag]. Heute beginnt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg#Balkanfeldzug.2C_1941 Vormarsch gegen Griechenland und Jugoslavien]. Nachmittags für die [[Marienverein|Marienkinder]] und die Schulentlassenen eine Passionsfeierstunde im Jugendheim. 24 folgten der Einladung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. April. In diesem Jahr gingen die Kinder am 1. Ostertage zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion ersten heiligen Kommunion]. Die Beteiligung der Pfarrfamilie an der Kommunionbank war hervorragend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. April. Die Blumenprozession zum Maialtar fand wieder unter reger Beteiligung der Kinder statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Mai. Religionslehrer Krutwig aus Köln hielt die Predigten beim Männersonntag. Die Beteiligung der noch zu Hause weilenden Männer war gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ein Überblick über die englischen Fliegerbesuche: Alarm am 3., 10., 14., 15., 19. und 27. März, am 4., 10., 20. und 30. April, am 4., 5., 9., 11., 12., 15., 16., 17., 18., 24. und 28. Mai 1941.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. Mai. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Kloster Knechtsteden] wird von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei Gestapo] aufgelöst. Die Patres, die 20,- Mark erhielten, mußten bis abends 10 Uhr das Rheinland verlassen haben. 5 Patres mußten zur Aufrechterhaltung des landwirtschaftlichen Betriebs zurückbleiben. Kreisbauernführer [p. 261] Ording aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Uedesheim Üdesheim] leitete die Aktion. Der Kampf geht weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Mai [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Stockums Herr Hochwürden Weihbischof Dr. Wilhelm Stockums] firmte in Zons die Kinder der Gemeinden Zons und [[Stürzelberg]] und vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause]. Aus Zons waren es 53 Knaben und 62 Mädchen. 20 Knaben und 12 Mädchen waren in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kinderlandverschickung Kinderlandverschickung], 2 Knaben und 4 Mädchen ließen sich nicht firmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:FlugabwHeide.jpg|300px|thumb|right|Flugabwehrfeuer einer 8,8 cm-Flak 41 auf Lafette in der Zonser Heide im Juni 1940.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:FlugabwHeide1.jpg|300px|thumb|right|Flugabwehrfeuer mehrerer 8,8 cm-Flaks 41 auf Lafette in der Zonser Heide im Juni 1940.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:FlugabwHeide2.jpg|300px|thumb|right|Brennende Bahnschwellen bei Zons im Juni 1940 (wohl durch Bombenabwurf in Brand geraten).]]&lt;br /&gt;
[[Datei:FlugabwHeide3.jpg|300px|thumb|right|Flugabwehrfeuer einer 8,8 cm-Flak 41 auf Lafette in der Zonser Heide im Juni 1940.]]&lt;br /&gt;
:1. Juni. Mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Pfingsten Pfingsten] sind alle katholischen Zeitschriften etc. aufgehoben. Der Grund lautet: Die Kriegswirtschaft erfordert stärkste Konzentration aller Kräfte. Diese Zusammenfassung macht es notwendig, daß unser Blatt bis auf weiteres sein Erscheinen einstellt, um Menschen und Material für andere kriegswichtige Zwecke freizumachen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Christi_Himmelfahrt Christi Himmelfahrt] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnam] werden als kirchliche Feiertage von der Polizei aufgehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Beim letzten Fliegerangriff tötete eine Bombe in [https://de.wikipedia.org/wiki/Delrath Delrath] eine ganze Familie, die im Keller Schutz gesucht hatte. Vater, Mutter, Sohn, Schwiegertochter und Enkelkind, das nicht getauft war, die anderen waren aus der Kirche ausgetreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Juni. [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinitatis Dreifaltigkeitssonntag]. Die österliche Zeit ist beendet. 750 haben ihre Osterpflicht erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 262] 8.–15. Juni. Religiöse Jugendwache. Von den 150 besuchten Jugendlichen kamen zu den Abendvorträgen regelmäßig über 100. Trotz der Fliegeralarme, am letzten Sonntag waren die meisten bei der Generalkommunion, die erst um 10 Uhr sein konnte. Die Vorträge hielt Pater Franz Zimmermann, …&amp;lt;ref&amp;gt;Wort (Herkunftsort?) unleserlich.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnamsprozession] zog um die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. Juni. Dekanatsfeier der katholischen Jugend in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim], da [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] ja aufgelöst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:LazarettKn.jpg|300px|thumb|right|Lazarett in Knechtsteden 1941/42.]]&lt;br /&gt;
:Seit heute [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg steht Deutschland im Kriege mit Rußland]. Die Fliegerangriffe im Juni, gewöhnlich von 12.30-3 Uhr nachts: 2., 8., 12., 13., 14., 15., 16., 17., 18., 20., 21., 22., 23., 24., 25., 27., 28. Juni. Da die [[Pfarrhaus|Pastorat]] Luftschutzkeller ist, so versammelt sich die Nachbarschaft Abend für Abend, die Leute werden zusehend nervöser. Die Bomben fielen bis jetzt ins Feld. Fliegeralarm im Juli: 1., 2., 3., 4., 5., 6., 7., 8., 9., 10., 11., 14., 15., 17., 20., 21., 22., 24., 25., 30. Im August 4., 5., 6., 7., 8., 12. (2x), 13., 17., 18., 19., 25., 27., 28., 29., 30. Am 26.6.1941 fiel bei der Erstürmung der Ortschaft Leszinow (Rußland) Gefreiter Hubert Fleischhauer, Sohn der Eheleute Peter Fleischhauer und Margarethe Becker, geboren in Zons 22.4.1913. Am 27. August 1941 fiel bei einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Stoßtrupp Stoßtruppunternehmen] vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Tallinn Reval] (Rußland) [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_(Militär) Pionier] Jakob Schmitz, Sohn der Eheleute Josef Schmitz und Maria Catharina Viehöfer, geboren 12.11.1912 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kapellen_(Grevenbroich) Kapellen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung ewige Gebet] war von 6–8 Uhr gut besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 263] Die Wallfahrten nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] fielen auch in diesem Jahre aus. Die Pfarrkinder pilgerten in kleinen Gruppen, am 14. September waren sie in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer] bei einer der aufrüttelten Predigten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_August_Graf_von_Galen Bischofs von Münster, Clemens August].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im September Fliegeralarm 1., 2., 8., 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im Oktober Fliegeralarm 11., 13. (2x), 14., 15., 16., 22. und 24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13.10. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] wurde bei einem Verkehrsunglück der letzte der führend beteiligten SA-Leute, die sich an dem Priester vergriffen hatten, getötet, conferre Seite 211.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im November Fliegeralarm 4., 9., 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im Dezember Fliegeralarm 4., 11., 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8.12. Aufnahme von 5 neuen [[Marienverein|Marienkindern]]. Zum ersten Male abends 7.30 das [https://de.wikipedia.org/wiki/Messopfer heilige Meßopfer] gefeiert, damit die Gläubigen &amp;quot;Immaculata&amp;quot; ihre Pflicht erfüllen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Gefreite Heinrich Groten, geboren 17.4.1918, Sohn der Eheleute Johannes Groten und Florentine Fischermann, starb bei einem Spähtruppunternehmen bei Bodijiroka in Rußland. Der Schütze Hubert Ohligschläger, Sohn der Eheleute Andreas Ohligschläger (†) und Odilia Hackenbroich, geboren 28.10.1912, ∞ 24.8.1935 mit Elisabeth Caillard, erlag seinen Verletzungen im Kriegslazarett zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Pskow Pleskau] am 18.10.1941.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 264] Der Schütze Hans Schmitz, geboren 2.2.1916, starb den Heldentod 13.10.1941 in Rußland, begraben in Mag, Sohn der Eheleute Hubert Schmitz und Sibilla Zensen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Schütze Hubert Schoenen, Sohn der Eheleute Heinrich Schoenen und Gertrud Boden, geboren 25.5.1910, fiel 17.11.1941 vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Moskau Moskau], starb im Feldlazarett zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Gagarin_(Smolensk) Gshatsk].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kradschützentruppe_von_Wehrmacht_und_Waffen-SS Kradschütze] Matthias Hubert Marx, jüngster Sohn der Eheleute Johann Adam Marx und Maria Magdalene Marx, vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Moskau Moskau] durch Kopfschuß schwer verwundet, starb am 29. November 1941 im Kriegslazarett zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Smolensk Smolensk] den Heldentod fürs Vaterland und wurde vom katholischen Wehrmachtspfarrer auf dem Heldenfriedhof III in [https://de.wikipedia.org/wiki/Smolensk Smolensk] Nord beerdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1941. Taufen 27 (30), auswärts 6 (8), 1. heilige Beichte 27 (15), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 15 (33), Kommunionen ausgeteilt 12.600 (18.700), Gründe: [https://de.wikipedia.org/wiki/Kinderlandverschickung Kinderlandesverschickung], Fliegeralarm und Verdunkelung. Firmung: 66 Knaben, 72 Mädchen, Trauungen: 13 (9), davon [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegstrauung Kriegstrauungen] 10, ausgetreten 0 (2), gestorben 19 (14), [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|gefallen im Kriege]] 7 (-).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1942&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
:[p. 265] 1942, Januar. Fliegeralarm im Januar: 4., 9., 17., 20., 21., 28. Eine Kältewelle mit Schneefall, wie wir es seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Das Thermometer zeigte -10 bis -20 Grad. An einem Tage sank das Thermometer von +2 Grad bis -22 Grad. Das Wasserwerk der Stadt fror zu, sodaß wir 8 Tage ohne Wasser waren. Einige Pumpen mußten aushelfen. Wegen der Schneeverwehen konnte das Milchauto nicht durchkommen, sodaß wir in Milch baden konnten. Auch die Post kam an einigen Tagen nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Februar. Die Kälte hielt an, der Rhein ist zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Grimlinghausen_%28Neuss%29 Grimmlinghausen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Uedesheim Üdesheim] zugefroren. Ein reger Verkehr entwickelt sich von einem zum anderen Ufer, da jeder mal über den Rhein gehen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Februar: 13., 14., 19., 21.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Glocken sind beschlagnahmt und warten auf Abtransport. Das Geläut wurde von Dr. Hüverstühl, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Telefunken Telefunken]) auf Schallplatten aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. Februar. Der Rhein ist auch bei Zons bis [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_%28Monheim_am_Rhein%29 Baumberg] zugefroren. Er steht bis zum 25.2. Einige Waghalsige haben es gewagt, bis zum anderen Ufer zu [p. 266] gehen. Außer einem kalten Fußbad hat es gut gegangen. Der Schnee liegt noch immer, sodaß die Feldhühner bis zu den öffentlichen Wegen vordringen und mit der Hand gefangen werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bibelstunde Bibelstunde] für die Männer (einmal in der Woche) wird nur von 3–4 Männern besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Welchen Einfluß der nächtliche Fliegeralarm ausübt, konnte heute am 22.2. Sonntag festgestellt werden. Von 900–1.000 pflichtigen Kirchenbesuchern waren nur 400 (gezählt) erschienen, davon 120 Kinder. Die Messen waren um 10 Uhr und 11.30 Uhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:März. Mit dem 15. März war die Hauptkälte überwunden. Fliegeralarm am 9., 10., 11., 13., 17., 25. und 26. März.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:April. Auch in diesem Jahre gingen die Kinder Ostersonntag, den 5. April, zur 1. heiligen Kommunion (40).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm 2., 4., 6., 7., 11. An diesem Tage wurden 2 Flugzeuge in Zons, [[St. Peter (Ort)|St. Peter]], abgeschossen. 13., 15., 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Mai. Am 2. Mai feierte das Ehepaar Johannes Bilk, geb. 26.4.1868 in Dormagen, und Sibilla Engels, geboren 16.6.1867 in Zons, seine goldene Hochzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Mai. Glaubensfeier der Dekanatsjugend unter dem Leitgedanken &amp;quot;Ave Maria&amp;quot; in der [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Pankratius_%28Nievenheim%29 Salvatorkirche] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 267] 3. Mai. Die diesjährige [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritaskollekte], die von den [[Vinzentinerinnen|Vinzenzschwestern]] in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] vorgenommen wurde, ergab eine Summe von 161.70 Reichsmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:11., 12., 13. Mai. Auch in diesem Jahre zog die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bittprozession Bittprozession] durch die Felder. Montag und Mittwoch um das [[Antoniushäuschen]]. Dienstag zur [[Hannepützheide|Heide]] um das [[Rochushäuschen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. Mai. [https://de.wikipedia.org/wiki/Christi_Himmelfahrt Christi Himmelfahrt] durfte in diesem Jahre kirchlich nicht gefeiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31. Mai. Fliegeralarm im Monat Mai: 7., 20. und 31. Mai. Am 31. Mai war der Großangriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]. Auch Zons wurde abends in Mitleidenschaft gezogen. Mondhelle Nacht, die Luft erfüllt von dem Brausen der Flugzeuge. Jeden Augenblick war ein neues Flugzeug in den Scheinwerfern. Auf der Scheinanlage in der Kuhweide, zwischen Zons und [[Stürzelberg]], stürzte ein Bomber ab. Die 5 Insassen zum Teil verbrannt, zum Teil zerschmettert, da sich die Fallschirme nicht geöffnet hatten. Eine kleine Bombe fiel auf das [[Hospitalplatz|Hospitalplätzchen]] und zertrümmerte die Dächer und Fenster der Häuser von Lenden ([[Mauerstraße|Hinter der Mauer]]), Erkelenz – Justenhoven und Müllenberg, [[Hospitalplatz]]. Menschenleben oder Verletzungen nicht zu beklagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;Pfarrchronik Zons (Pfarrarchiv St. Martinus Zons, Nr. 7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:[p. 1] Chronik der katholischen Pfarrgemeinde Zons.&lt;br /&gt;
:2. Band, der 480 Seiten umfaßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zons, den 1. Juni 1942&lt;br /&gt;
:[[Johannes Klüwer]], [[Pfarrer]]&amp;lt;ref&amp;gt;Links davon Stempel mit Umschrift &amp;quot;Ecclesia Parochialis St. Martini Zontini&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 2] 1942, 1. Juni Der 2. Band der Pfarrchronik beginnt mit einer weniger erfreulichen Mitteilung. Die Glocken, die nach dem Kriege 1914–18 (in dem gleichfalls die Glocken geopfert wurden) 1931 angeschafft waren, werden aus dem Turm geholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Maria Ton D, Gewicht 1753 Kg, gegossen in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Petit_%26_Gebr._Edelbrock Gießerei von Petit und Gebrüder Edelbrock] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Gescher Gescher in Westfalen]. Höhe 1,36 m, Durchmesser 1,39.&lt;br /&gt;
:Vorderseite: [https://de.wikipedia.org/wiki/Unbefleckte_Empf%C3%A4ngnis Bild der unbefleckten Empfängnis]&lt;br /&gt;
:Hinterseite. Des Krieges Sturm&lt;br /&gt;
:Riß mich vom Turm 1917&lt;br /&gt;
:Neuerstanden sing ich wieder&lt;br /&gt;
:Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgeb%C3%A4rerin Gottesmutter] Jubellieder 1931&lt;br /&gt;
:Oben rings um den Glockenkranz:&lt;br /&gt;
:In honorem Immaculatae conceptionis&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Beata_Maria_Virgo B.M.V.] fusa sum ad usum [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|ecclesiae S. Martini]], Sontini. Anno 1843. (Das war die Inschrift der alten Glocke)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 3] Martinusglocke Ton: f, besonders gut gelungen, Gewicht 1035 Kg, in der gleichen Gießerei gegossen 1931. Höhe 1,14 m, Durchmesser 1,18 m.&lt;br /&gt;
:Vorderseite: das Bild des [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours heiligen Martinus] zu Pferde, gibt dem Bettler seinen halben Mantel.&lt;br /&gt;
:Rückseite: [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours S. Martini] Glock bin ich genannt&lt;br /&gt;
:zu Zons getauft wider Feuer und Brand.&lt;br /&gt;
:Ungewitter, Donner und Hagelschlag&lt;br /&gt;
:durch Gottes Gnad abwenden mag. Anno 1710. Fotos siehe Anlage zur Chronik.&lt;br /&gt;
:(Inschrift der alten Glocke vor 1918)&lt;br /&gt;
:Umschrift am Glockenkranz:&lt;br /&gt;
:pro patria mortua 1918&lt;br /&gt;
:pro ecclesia in vitam redeo 1931.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Juni 1., 2. (4x Alarm), 4., 6., 8. (2x Alarm), 9., 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Glocken sind fotografiert und auf Schallplatten aufgenommen im Archiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 4] 16. Juni. In dieser Nacht fielen über 100 [https://de.wikipedia.org/wiki/Brandbombe Brandbomben] in Zons; sie wurden alle sofort von den Einwohnern und der [[Feuerwehr]] gelöscht. Stellen, wo die [https://de.wikipedia.org/wiki/Brandbombe Brandbomben] fielen: Stelzmanns Scheune in der [[Steinstraße]] 55, Metzgerei Marx, [[Hubertusstraße|Hubertusstr.]] 7, vor Haus Nicolin, Horst Wessel ([[Grünwaldstraße|Grünwaldstr.]] 1), [[Gaststätte &amp;quot;Zum Fährhaus&amp;quot;|Hell Wirtschaft]], [[Herrenweg]] 15, [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Wirtschaft Weiler]], [[Herrenweg]] 17, Fleischhauer Peter, [[Deichstraße|Steinstr.]] 43, Rosellen, [[Parkstraße|Gartenstr.]] 26 etc., Wege und Gärten, dazu 2 schwere Sprengbomben neben dem Damm bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]] usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. Juni. Unser neuer [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Erzbischof Dr. Josef Frings] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] Rhein ist heute im [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Hohen Dom] zu [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] zum Bischof geweiht worden. 30 Jünglinge und Jungfrauen aus Zons, Teilnehmer, der wöchentlich im [[Pfarrhaus]]e stattfindenden Glaubensstunden, haben in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] der heiligen Handlung beigewohnt. Große Begeisterung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Juni. Das Fest [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_und_Paul Peter und Paul] war wieder ein gewöhnlicher Werktag, nur eine Frühmesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Monat Juni 1., 2. (3x), 3. (2x), 4., 6., 9., 16., 26.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Juli. Festhochamt zur Feier des Bischofsjubiläums unseres [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XII. heiligen Vaters Pius XII.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm Juli 3., 14., 22., 25., 26. (2x), 28. (3x), 29. (4x), 30., 31. (3x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 5] 1. August. [https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_D%C3%BCsseldorf Großangriff] auf [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf], der schon lange erwartet wurde. Zons blieb verschont, die Leute waren sehr aufgeregt, der Keller im [[Pfarrhaus]]e überfüllt. Der [[Heckhof]] brannte aus, das Vieh wurde gerettet. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] Brand in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Pfeifer_%26_Langen Zuckerfabrik] und in der Brauerei. 2 Häuser wurden vernichtet, 13 Personen getötet. An diesem Tage 3x Alarm. Vom [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirchturm]] aus den Angriff beobachtet. In [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß] über 10 Km lange Feuersbrunst. Fliegeralarm im August 5. (3x), 6. (3x), 7. (2x), 8., 9. (2x), 10. (3x), 11. (2x), 12. (2x), 13. (3x), 15., 16. (4x), 17., 25. (2x), 26., 27. (3x), 28. und 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung ewige Gebet] um 6 Uhr–8 Uhr abends war schlecht besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im September 3., 7. (2x), 8. (2x), 9., 11. zum 2x [https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_D%C3%BCsseldorf Großangriff] auf [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]. Die Altstadt liegt in Trümmern, der [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf_Hauptbahnhof Bahnhof] zum Teil zerstört. 16. (2x), 17., 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. September. [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für den [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter Gefreiten] Carl Meuther, der am 9. September 1942 bei der Abwehr eines feindlichen Fliegerangriffs (er war [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flaksoldat]) auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Tobruk Festung Tobruk] in Nordafrika , seinem am 9. September 1939 am [https://de.wikipedia.org/wiki/Narew Narew] in Polen gefallenen Bruder Heinrich im Heldentod folgte. Er war der 2. und letzte Sohn der Eheleute Johann Meuther und Catharina Zenz, [p. 6] geboren am 9. Januar 1920 in Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es folgen die Totenzettel der bis September 42 [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|gefallenen Pfarrkinder]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Heinrich Meuther (siehe Seite 23), 2. Hubert Fleischhauer, 3. Heinrich Groten, 4. Jakob Schmitz, 5. Hubert Ohligschläger, 6. Hans Schmitz, 7. Hubert Marx, 8. Hubert Schoenen, 9. Carl Meuther&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hubert Fleischhauer]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! St. Martin!&lt;br /&gt;
::Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt; darum ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt! 2. Tim. 4,7.&lt;br /&gt;
::Gedenket im Gebete des [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Hubert Fleischhauer [folgt Foto]&lt;br /&gt;
::der am 26. Juni 1941 bei der Erstürmung der Ortschaft Leszinow (Rußland) in hartem Kampfe gefallen ist.&lt;br /&gt;
::Er wurde geboren am 22. April 1913 als Sohn der Eheleute Peter Fleischhauer und Margareta geborene Becker. Schon mit acht Jahren verlor er die Mutter. Zusammen mit seinen fünf Geschwistern genoß er im Elternhaus eine echt christliche Erziehung. Die Grundsätze seiner katholischen Religion begleiteten ihn durch seine Jugend und ließen ihn im Kreise des [[Katholischer Gesellenverein|katholischen Gesellenvereins]] Vertiefung und echte Kameradschaft suchen und finden. So wie er in der Heimat allbeliebt war ob seines freundlichen Wesens, so rühmt auch sein Kompagnieführer ihn als einen pflichtgetreuen, guten Kameraden. Früh vollendet, hat er viele Jahre erreicht.&lt;br /&gt;
::Fern seines Grabes gedenken seiner voll Trauer, aber auch heiligen Stolzes der Vater, zwei Brüder, drei Schwestern, ein Schwager, zwei Schwägerinnen, sowie seine Verwandten, Freunde und Bekannten und bitten alle um ein Gebet für den lieben Verstorbenen, besonders beim heiligen Opfer des Priesters, auf daß er uns allen sei ein mächtiger Fürsprecher beim Throne Gottes und vom Herrn über Leben und Tod als Lohn die Krone des Lebens empfange in seinem heiligen Gottesfrieden!&lt;br /&gt;
::Druck: J[osef] Wegener [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 7] 3. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Heinrich Groten]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es besitzen in Ewigkeit. Offenbarung.&lt;br /&gt;
::Gedenket im Gebete der Seelenruhe des [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Heinrich Groten&lt;br /&gt;
::der am 29. August 1941 bei einem Spähtruppenunternehmen in der Nähe von Bodijewka in Rußland den Heldentod für Volk und Vaterland gestorben ist.&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 17. April 1918 zu Zons als zweiter Sohn der Eheleute Johann Groten und Florentine geborene Fischermann. Nach seiner Schulentlassung verlebte er im katholischen [[Jünglingsverein]] frohe Stunden, durch sein Lautenspiel und seinen Gesang seine Freunde erfreuend. 1940 wurde er eingezogen und als [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_%28Milit%C3%A4r%29 Pionier] ausgebildet. Treu und gehorsam gegen seine Vorgesetzten war er freundlich und froh unter seinen Kameraden. An seiner Mutter hing er mit besonderer Liebe und ließ keine Gelegenheit vorübergehen, um aus dem Felde ihr eine Freude zu bereiten. Nach Gottes unerforschlichem Ratschlusse sollte er die Heimat nicht wiedersehen und mußte das Opfer seines jungen Lebens bringen.&lt;br /&gt;
::Eine tiefe Lücke reißt sein Tod, und schmerzliche Trauer erfüllt Eltern und Geschwister, doch trösten sie sich in der felsenfesten Hoffnung, daß seine Seele eingezogen ist in ein besseres Vaterland, wo es keinen Tod und keinen Schmerz mehr gibt.&lt;br /&gt;
::An seinem Grabe trauern die Eltern, zwei Brüder, eine Schwester, ein Schwager und die übrigen Anverwandten, welche seine liebe Seele dem Gebete der Gläubigen empfehlen, auf daß sie ruhe im ewigen Frieden.&lt;br /&gt;
::Druck J[osef] Wegener [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Foto siehe Seite 23.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Jakob Schmitz]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! St. Martinus!&lt;br /&gt;
::Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist. Johannes 11, 25.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_%28Milit%C3%A4r%29 Pioniers]&lt;br /&gt;
::Jakob Schmitz [folgt Foto]&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 21. November 1912 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kapellen_%28Grevenbroich%29 Kapellen bei Neuß] als Sohn der Eheleute Josef Schmitz und Maria Katharina geborene Viehöfer. Unter der Obhut gut katholischer Eltern wuchs er heran und erlernte das Bäckerhandwerk. Am 15. Mai 1937 trat er in den heiligen Ehestand mit Katharina Ohligschläger aus Zons. Gott segnete die Ehe mit einem Kinde. Zur Verteidigung des Vaterlandes einberufen, war er in Frankreich und Rußland. Stets einsatzbereit, erwarb er sich die Sympathien aller seiner Vorgesetzten. Vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Tallinn Reval] bei einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Sto%C3%9Ftrupp Stoßtruppunternehmen] wurde er durch Kopfschuß tötlich verletzt und starb in soldatischer Pflichterfüllung getreu seinem [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahneneid Fahneneide] den Heldentod fürs Vaterland am 27. August 1941. Aus seinen Briefen an Frau und Kind spricht eine große Liebe und Sorge für seine Familie, aber auch seine Treue zu Gott und Kirche. Als wackerer Soldat und als tief frommer Christ ist er in den Tod gegangen.&lt;br /&gt;
::Möge Gott das Opfer seines Lebens lohnen; darum bitten seine Frau, sein Söhnchen, seine Eltern und Schwiegereltern, zwei Brüder, eine Schwester, ein Schwager, eine Schwägerin und die übrigen Anverwandten. Sie empfehlen die Seele des teuern Verstorbenen dem Gebete aller Freunde und Bekannten, auf daß sie ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
::Druck J[osef] Wegener [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 8] 5. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hubert Ohligschläger]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Er hat den guten Kampf gekämpft, den Glauben bewahrt. Mach. 15, 27.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seele des in Gott ruhenden Schützen&lt;br /&gt;
::Hubert Ohligschläger [folgt Foto]&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 28. Oktober 1912 als jüngster Sohn der Eheleute Andreas Ohligschläger und Odilia Hackenbroich. Von christlichen Eltern erzogen, lernte er nach der Schulentlassung das Schlosserhandwerk. Als guter Katholik beteiligte er sich rege am katholischen Vereinsleben seiner Pfarre, war ein treues Mitglied des [[Katholischer Gesellenverein|katholischen Gesellenvereins]] und zählte schon jahrelang zu den eifrigen Mitgliedern der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|&amp;quot;Cäcilia&amp;quot;]]. Seit dem 24. August 1935 lebte er mit Elisabeth Caillard aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_%28Dormagen%29 Horrem] in glücklicher, harmonscher Ehe, die Gott mit zwei Söhnen segnete. Ein Kind starb im zarten Alter. Die tiefe Frömmigkeit, die ihm in seiner Kindheit von braven Eltern eingepflanzt wurde, bewahrte er auch als Mann und Vater. Am 16. Juni 1940 eingezogen, wurde er am 27. September 1941 verwundet und starb den Heldentod fürs Vaterland am 18. Oktober 1941 im Kriegslazarett zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Pskow Pleskau in Rußland], wo er auch mit allen militärischen Ehren beigesetzt wurde.&lt;br /&gt;
::In der Blüte des Lebens ist er dahingegangen, doch Gattin und Mutter trösten sich in dem Gedanken, daß er, der als Christ seinem Gotte in der Jugend gedient und als Soldat auf dem Felde der Ehre sein Leben fürs Vaterland hingegeben hat, den ewigen Siegespreis des Himmels erlangt habe.&lt;br /&gt;
::Um das Opfer des Gebetes für den lieben Verstorbenen bitten seine Frau, sein Sohn, seine Mutter, drei Brüder, drei Schwäger, sieben Schwägerinnen und die übrigen Anverwandten, auf daß seine Seele bald ruhe im ewigen Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hans Schmitz]&lt;br /&gt;
::Es dürstet meine Seele nach Gott, dem Starken und Lebendigen. Ps. 41,3.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seele des in Gott ruhenden Schützen&lt;br /&gt;
:: [Foto]&lt;br /&gt;
::Hans Schmitz&lt;br /&gt;
::der am 13. Oktober 1941 in Rußland auf dem Felde der Ehre gefallen ist. Der Verstorbene war geboren zu Zons am 2. Februar 1916 als einziger Sohn der Eheleute Adolf Hubert Schmitz und Sibilla Zensen. Im katholischen Elternhause erzogen, wurde er nach seiner Schulentlassung Auto-Schlosser. Am 1. April 1939 trat er in den Arbeitsdienst ein, wurde anschließend Soldat und machte den Feldzug in Frankreich mit, kam dann auf den östlichen Kriegsschauplatz und starb den Heldentod fürs Vaterland in den Kämpfen vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Petersburg Leningrad]. Was sterblich war an ihm, bestatteten seine Kameraden auf dem Heldenfriedhof in [https://de.wikipedia.org/wiki/Mga Mga] in Rußland.&lt;br /&gt;
::Seine Eltern verlieren in ihm einen treusorgenden Sohn, der stets bemüht war, seinen Eltern Freude zu bereiten, seine Schwester verliert den einzigen Bruder. Als aufrechter, katholischer Jungmann war er in seiner Heimatgemeinde ein eifriges Mitglied des [[Jünglingsverein|katholischen Jünglingsvereins]] und seit der Gründung auch ein treuer Sohn der [[Kolpingfamilie|Kolpingsfamilie]]. Christus war ihm Führer auf dem Wege, so war er, wie sein Kompaniechef schreibt, ein stets hilfsbereiter, beliebter Kamerad, dessen Tod eine schmerzliche Lücke hinterlassen hat. Möge Gott, dem er in seinem Leben treu gedient hat, in der Ewigkeit sein übergroßer Lohner sein.&lt;br /&gt;
::Seine tiefbetrübten Eltern, seine Schwester und die übrigen Anverwandten bitten um die Gabe des Gebetes, damit seine Seele ruhe in Frieden.&lt;br /&gt;
::Druck J[osef] Wegener [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 9] 7. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Matthias Hubert Marx]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ihr habt jetzt zwar Trauer, doch ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seele des in Gott ruhenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Kradsch%C3%BCtzentruppe_von_Wehrmacht_und_Waffen-SS Kradschützen]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Matthias Hubert Marx&lt;br /&gt;
::Der Dahingeschiedene wurde geboren am 5. August 1918 in Zons als jüngster Sohn der Eheleute Johann Adam Marx und Maria Magdalena Marx. Nach Beendigung des Arbeitsdienstes im Februar 1941 eingezogen, fand er als [https://de.wikipedia.org/wiki/Kradsch%C3%BCtzentruppe_von_Wehrmacht_und_Waffen-SS Kradschütze] seinen Einsatz im Osten. In den Kämpfen vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Moskau Moskau] durch Kopfschuß schwer verwundet, starb er unter dem Beistand des katholischen Wehrmachtpfarrers im Kriegslazarett von [https://de.wikipedia.org/wiki/Smolensk Smolensk] am 29. November 1941 &amp;quot;ruhig und im Frieden mit Gott&amp;quot;, wie der Wehrmachtpfarrer schreibt, den Heldentod fürs Vaterland. Er wurde mit allen militärischen Ehren auf dem Heldenfriedhof III in [https://de.wikipedia.org/wiki/Smolensk Smolensk-Nord] zur letzten Ruhe gebettet.&lt;br /&gt;
::Sein stets heiteres Wesen, seine große Liebe und Anhänglichkeit an Eltern und Geschwister machten den Jüngsten zum Liebling des elterlichen Hauses. Fleißig und unermüdlich tätig half er zu Hause im landwirtschaftlichen Betriebe.&lt;br /&gt;
::Schwer trifft die Eltern der Tod ihres lieben, hoffnungsvollen Sohnes; zwei Brüder, die beide im Felde stehen, zwei Schwestern, zwei Schwäger, eine Schwägerin, seine Neffen und Nichten betrauern den Heimgegangenen. Sie alle und die übrigen Verwandten empfehlen die Seele des Verstorbenen dem Opfer und Gebete der Gläubigen. Sie ruhe in Frieden!&lt;br /&gt;
::Druck: J[osef] Wegener [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hubert Schoenen]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Sei getreu bis in den Tod und ich werde dir die Krone des Lebens geben. Offenbarung 2, 10.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Herrn ruhenden Schützen&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Hubert Schoenen&lt;br /&gt;
::Geboren am 25. Mai 1910 zu Zons als ältester Sohn der Eheleute Heinrich Schoenen und Gertrud Boden widmete sich der so früh Dahingeschiedene dem Bäckerhandwerke. Im Juni 1940 zu den Waffen gerufen, wurde er zuerst als Kradfahrer ausgebildet, dann als Schütze einem Infanterie-Regiment überwiesen. Von einem schweren Motorradunfall genesen, fand er seinen Einsatz im Osten. Am 17. Oktober 1941 in den Kämpfen vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Moskau Moskau] schwer verwundet, starb er im [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldlazarett Feldlazarett] zu Gshatsk in Rußland am 18. November 1941 den Heldentod fürs Vaterland.&lt;br /&gt;
::Wie seinem Vaterland, war er auch seiner Kirche treu ergeben. Die religiösen und sittlichen Grundsätze, die er im Elternhause kennen lernte, die er im katholischen Gesellenverein festigte, bewahrte er treu bis in den Tod. Seine Hoffnung, die Familie in der Heimat wiederzusehen, erfüllte sich nicht, aber das ist der Trost und die zuversichtliche Hoffnung der tiefbetrübten Eltern, seines noch im Felde stehenden Bruders, seiner drei Schwestern und seines Schwagers, daß sie ihn in der himmlischen Heimat wiedersehen. Sie bitten mit den übrigen Anverwandten alle, die ihm nahegestanden haben, seiner beim heiligen Opfer und im Gebete zu gedenken, damit seine Seele ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
::Druck: J[osef] Wegener [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 10] 9. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Karl Meuther]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ihr habt jetzt zwar Trauer, aber ich werde euch wiedersehen, dann wird euer Herz sich freuen und niemand wird euch eure Freude nehmen.&amp;quot; (Johannes 16, 22)&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des in Gott ruhenden Soldaten&lt;br /&gt;
::Karl Meuther&lt;br /&gt;
::Der Verewigte wurde geboren zu Zons am 9. Januar 1920 als Sohn der Eheleute Johann Meuther und Catharina Zenz. Wie sein Bruder Heinrich folgte er stolz und freudig dem Rufe seines [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Führers] zum Schutze des Vaterlandes. An den verschiedenen Fronten eingesetzt, starb er am 9. September 1942 bei der Abwehr eines feindlichen Fliegerangriffes auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Tobruk Festung Tobruk in Nordafrika] den Heldentod fürs Vaterland. Er folgte damit seinem Bruder Heinrich, der am gleichen Tage vor 3 Jahren, am 9. September 1939, am [https://de.wikipedia.org/wiki/Narew Narew] in Polen sein Leben hingegeben hatte für [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Führer], Volk und Großdeutschland. Karl war, wie sein Kompanieführer schreibt, das Vorbild eines einsatzfreudigen und überaus pflichtgetreuen Soldaten, der in der Kompanie unvergessen bleiben wird. Auf dem Heldenfriedhof in [https://de.wikipedia.org/wiki/Tobruk Tobruk] hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. Möge Gott das Opfer seines jungen Lebens lohnen.&lt;br /&gt;
::Fern seines Grabes gedenken seiner voll stolzer Trauer der Vater, die Mutter, zwei Schwestern und die übrigen Anverwandten, welche seine Seele empfehlen dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie bald ruhe im ewigen Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Philipp Libertus]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Gedenket im Gebete des gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Philipp Libertus&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz E.K. II], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwundetenabzeichen_%281939%29 Verwundeten-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Infanterie-Sturmabzeichen Infanterie-Sturm-], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Cholmschild Cholm-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Medaille_Winterschlacht_im_Osten_1941/42 Winterfeldzugabzeichens].&lt;br /&gt;
::Der Dahingeschiedene war geboren zu Zons am 10. Dezember 1914 als Sohn der Eheleute Peter Josef Libertus und Gertrud Kluth. Er erlernte das Bäckerhandwerk und genügte seiner 2-jährigen militärischen Dienstpflicht in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fenhain Großenheim (Sachsen)]. Anfang des Krieges einberufen, machte er den Feldzug in Frankreich mit und wurde 1941 im Osten eingesetzt. Freiwillig meldete er sich zur Heeresgruppe [https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Scherer_%28Offizier%29 Scheerer], die im Winter 41/42 125 Tage lang eingekesselt, allen Anstürmen der Russen trotzte. Wegen seiner Tapferkeit wurde er mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz E.K. II] ausgezeichnet.&lt;br /&gt;
::Der so früh Dahingegangene vereinigte ein offenes, ehrliches Wesen mit einem frischen, feurigen Temperament voll Lebenslust und Tatendrang. Sein Pflichtbewußtsein und seine Begeisterung für die Sache des Vaterlandes kannten kein Zurückbleiben und keine Schonung. Mehrmals verwundet, meldete er sich stets wieder zur Front. In einem seiner letzten Briefe schreibt er: &amp;quot;Auf den Einsatz kommt es hier nicht an, Deutschland muß leben, wenn wir auch unser Leben dafür lassen müssen. So schwer es für seine Familie ist, das Liebste zu verlieren, so kann sie aber auch stolz auf das große Opfer sein.&amp;quot; Und in einem anderen Briefe: &amp;quot;Dem Herrgott müssen wir vertrauen, in seiner Hand liegt unser Leben.&amp;quot; Nun hat das tödliche Blei auch ihn getroffen. Bei einem Angriff am 30. September 1942 erhielt er bei Dupky in Rußland, südlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Ilmensee Ilmensees] einen Kopfschuß, der den sofortigen Tod herbeiführte. Auf dem Heldenfriedhofe in Bjakowo an der Rollbahn [https://de.wikipedia.org/wiki/Staraja_Russa Staraja-Russa]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Demjansk Demjansk] wurde er von seinen Kameraden mit allen militärischen Ehren feierlich beigesetzt. Möge der Herrgott, dem er vertraute, das Opfer seines Lebens angenommen haben.&lt;br /&gt;
::Den Tod des jungen Kriegers beklagen tiefbetrübt seine Eltern, die in ihm einen hoffnungsvollen Sohn verlieren, sein Bruder, seine Schwester, sein Schwager, seine Schwägerin und die übrigen Anverwandten. Sie empfehlen die Seele des fern der Heimat Beerdigten dem Gebete der Gläubigen. Er ruhe in Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 11] 4. November Am 4. November 1942 fanden die Exequien für den gefallenen Krieger Philipp Libertus statt. Das Nähere siehe Totenzettel Numero 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Oktober 1., 2. (2x), 5. (3x), 6. (2x), 15. (2x), 23. (2x), 24., im November nur 3x am 9., 10. und 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Oktober Das [[Erntedankfest]] wurde auch in diesem in der gewohnten Feier in der festlich geschmückten Kirche unter reger Anteilnahme begangen. Die auf Schallplatten aufgenommenen Glocken wurden in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] geläutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Oktober Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Christk%C3%B6nigsfest Christkönigsfeste] beteiligte sich die Jugend besonders an der Kommunion. Nachmittags war eine besondere Feierstunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. November Die Beteiligung an der Prozession zum [[Friedhof]] war in diesem Jahre besonders stark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. November Nachmittags war, wie alljährlich, die [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|Heldengedenkfeier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Dezember. Auch in diesem Jahre war wieder feierliche Aufnahme von 7 neuen [[Marienverein|Marienkindern]] in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]]. Anschließend eine würdige Adventsfeier im [[Kindergarten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Dezember. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Unbefleckte_Empf%C3%A4ngnis Feste der Unbefleckten Empfängnis] selbst waren die heilige Mission morgens um 7.30 und abends [p. 12] um 7.30. Wir sangen die Speyrer Domfestmesse, der Besuch war gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. Dezember. In diesem Jahre wurde wieder die große Krippe um den Altar aufgebaut. Heiliger Abend war Fliegerbesuch, doch wurde die Feier am Weihnachtsmorgen nicht gestört. Ca. 450 Pfarrkinder waren an der Kommunionbank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Dezember am 2., 6., 17., 20. (2x), 22., 23., 24., 25., 27, 29., 31. Dezember.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik von 1942&lt;br /&gt;
:Taufen: 25 (27), auswärts 6 (6)&lt;br /&gt;
:1. heilige Beichte 15 (27), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion]: 14 (15), Kommunionen 14.100 (12.600)&lt;br /&gt;
:Trauungen: 7 (13), alles [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegstrauung Kriegstrauungen]&lt;br /&gt;
:ausgetreten 0 (0), gestorben 13 (19), [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|gefallen]] 4 (7), Hans Paefgen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter Gefreiter] auf einem Uboot, das von Feindfahrt nicht zurückgekehrt ist, hat noch keine [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Besuch der Glaubensstunden war im letzten Halbjahre zufriedenstellend. Jünglinge 18, Jungfrauen 18, Mütter 3. [https://de.wikipedia.org/wiki/Bibelstunde Bibelstunde] für die Männer nur kurze Zeit 4. Die Schulkinder kommen regelmäßig zu 90 % in die religiösen Betreuungsstunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1943&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 13] Kriegsjahr 1943&lt;br /&gt;
:Das neue Jahr fängt mit ziemlicher Kälte an, doch erreichen die Temperaturen lange nicht den Tiefstand des letzten Jahres. Am 8. und 11. Januar sind die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für die gefallenen Soldaten Engelbert Mones und Toni Reusrath. Zwei weitere Soldaten waren als vermisst gemeldet. Hans Paefgen, der von Ubootfeindfahrt im [https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantischer_Ozean Atlantik] und Hermann Vianden, der von einer Zerstörsfahrt im [https://de.wikipedia.org/wiki/Arktischer_Ozean Eismeer] ([https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4reninsel Bäreninsel]) nicht zurückgekehrt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Januar am 3., 4., 8. (2x), 9. (2x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11.1. war wieder ein gefährlicher Angriff auf Zons. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Brandbombe Brandbomben] fielen 30 m längs der Südmauer ins Feld, und eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Minenmunition Miene] explodierte links vom [[Leichweg]] hinter Wassenbergshaus. Die Feldscheune von Ferdinand Worringen fing Feuer, das bald gelöscht war. Das Haus von Wilhelm Hermanns wurde abgedeckt und einige Scheunen, die in der Nähe liegen. Viele Fensterscheiben wurden in Zons zertrümmert, die Aufregung war groß, aber sonstiger [p. 14] Schaden ist nicht entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 13. (2x), 15., 16., 20., 21., 22., 23. Großangriff, 27. Großangriff und 30.1., conferre S. 18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23. Januar wurde in Zons der erste Gottgläubige zu Grabe getragen, der ohne Geistlichkeit vom [[Ortsgruppenleiter]] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei NSDAP] beerdigt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24. Januar veranstaltete die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei NSDAP] als Ersatz für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] eine Gedächtnisfeier für den in Afrika gefallenen Gottgläubigen Rudi Kaiser, 1939 aus der Kirche ausgetreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In einem alten [https://de.wikipedia.org/wiki/Schematismus_%28Organisation%29 Schematismus] von 1850 finde ich über Zons folgende Eintragungen:&lt;br /&gt;
:Zons, [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirche zum heiligen Martinus]], Seelenzahl 1158, [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] im [[Franziskanerinnen|Kloster der Franziskanessen]], 1 [[Schulwesen|höhere Schule]], 1 [[Schulwesen|Elementarschule]]. [[Stürzelberg]], Seelenzahl 887, Kapelle zum heiligen Aloysius, 30 Minuten entfernt. 4 verschiedene Gehöfte, Seelenzahl 41 (30–45 Minuten entfernt), Summe der Seelenzahl 2086, akatholischer Konfession 9, Juden 87 (!). [[Pfarrer]]: [[Sebastian Schmitz|Hermann Josef Sebastian Schmitz]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], geboren 11.8.1812, geweiht 14.6.1839, in Zons angestellt am 21.4.1856.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[Christian Bücker|Johannes Matthias Christian Bücker]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6llen Höllen], Pfarre [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6dingen Bödingen], geboren 19.1.1825, geweiht 4.9.1853, in Zons seit 13.10.1856, 1. [[Vikare|Pfarrvikar]] [p. 15] [[Johannes Hubert van Endert]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserswerth Kaiserswerth], 2. Pfarrvikar, geboren 29.1.1834, geweiht 12.10.1856, in Zons seit 13.10.1856. Peter Ferdinand Josef Gronen aus Köln, Rektor der Kapelle zu [[Stürzelberg]], geboren 20.2.1828, geweiht 14.9.1851, angestellt 10.10.1852.&lt;br /&gt;
:Vom [[Franziskanerinnen|Kloster]] in Zons ist folgendes vermerkt: Genossenschaft der Armen-Schwestern vom 3. Orden des heiligen Franziskus aus dem Kloster zu Heithuizen, berufen und eingetreten im Jahre 1856 zum Unterricht und zur Bildung der weiblichen Jugend.&lt;br /&gt;
:Personal: 1. Maria Anna Schlicker (Klostername Camilla), Vorsteherin. Schwestern: 2. Maria Kreynberg (Mechtilde), 3. Wilhelmine van Essen (Michaeline), 4. Elisabeth Ewald (Cyrilla), 5. Franziska Schatmann (Remigia). Novizen: 6. Christine Steilscheit (Cosma), 7. Gertrud Rüscher (Emanuel).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 16] 11. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Toni Reusrath]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des Soldaten&lt;br /&gt;
::Toni Reusrath&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 17. Februar 1923 als einziger Sohn der Eheleute Franz Reusrath und Elisabeth Seburschenich. Nach Beendigung der technisch-kaufmännischen Lehre war er als kaufmännischer Angestellter tätig bei der Automobil A.G. in [https://de.wikipedia.org/wiki/Braunsfeld_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Braunsfeld]. Am 1. Dezember 1941 wurde er zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst Arbeitsdienst] eingezogen, in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheine Rheine] als [https://de.wikipedia.org/wiki/Panzerj%C3%A4ger Panzerjäger] ausgebildet, kam er am 22. September 1942 im Osten zum Einsatz in den schweren Kämpfen zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolga Wolga] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Don_%28Asowsches_Meer%29 Don]. Am 22. November 1942 wurde er bei der Bergung eines verwundeten Kameraden seines Zuges durch Granatsplitter tötlich am Kopfe getroffen und starb den Heldentod fürs Vaterland.&lt;br /&gt;
::Ein junges, hoffnungsvolles Menschenleben sank dahin, schreibt sein Kompagniechef, der ihn als jungen, frischen [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Melder_%28Milit%C3%A4r%29&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1 Melder] schon im Kompanietrupp kennengelernt hatte. Sein sonniges, freundliches, hilfsbereites Wesen machte ihn überall beliebt. Pflichtgetreu und gewissenhaft, wie im Privat- und Geschäftsleben, war er auch beim Militär und besiegelte seine Treue mit dem Tode. Seine Eltern verlieren in ihm einen guten Sohn, der ihnen in treuer Liebe anhing, und deren Freude, Stolz und einzige Hoffnung er im Leben stets gewesen ist. Sie hoffen, daß der Vergelter alles Guten ihm die Siegespalme verliehen hat.&lt;br /&gt;
::In tiefer Trauer empfehlen die Eltern, Großeltern und die übrigen Anverwandten seine liebe Seele der frommen Fürbitte der Gläubigen, auf daß sie ruhe in Gottes heiligem Frieden!&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/DuMont_Mediengruppe M. DuMont Schauberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 17] 12. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Engelbert Mones]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Herrn entschlafenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Engelbert Mones.&lt;br /&gt;
::Der Verewigte war geboren zu Zons am 13. Mai 1915 als jüngster Sohn der Eheleute Peter Mones und Maria Brangenberg. Bis zu seiner Einberufung zum Militär war er im Geschäfte seines Vaters tätig. 1937 bis 1939 diente er als [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_%28Milit%C3%A4r%29 Pionier] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Ulm Ulm an der Donau]. Während des Krieges kam er zunächst nach Frankreich, 1942 wurde er im Osten eingesetzt. In den [https://de.wikipedia.org/wiki/Angriff_auf_Stalingrad schweren Kämpfen um  Stalingrad] durch Granatsplitter schwerverwundet, starb er am 10. Dezember 1942 im [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldlazarett Feldlazarett] zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Rostow Rostow] den Heldentod für [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Führer], Volk und Vaterland. Auf dem deutschen Ehrenfriedhof in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rostow Rostow am Don], am ehemaligen Institut für Verkehrsingenieure erhielt er ein ehrenvolles deutsches Soldatenbegräbnis, der Kriegspfarrer hielt, wie der Stabsarzt schreibt, die Grabrede. Eine Abordnung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften war erschienen, und ein Ehrenzug war bei der Beisetzung aufgestellt.&lt;br /&gt;
::Sein Leben war der Pflicht geweiht, seinen Eltern war er ein herzensguter Sohn, seinen Geschwistern ein liebevoller Bruder und seinen Kameraden ein treuer Freund. Möge Gott, der Herr über Leben und Tod, ihm ein gnädiger Richter sein.&lt;br /&gt;
::Um den lieben Verstorbenen trauern seine Eltern, ein Bruder, eine Schwester, ein Schwager, eine Schwägerin, eine Nichte und die übrigen Anverwandten, welche seine Seele empfehlen dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/DuMont_Mediengruppe DuMont Schauberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 18] Nachdem am 23. Januar ein Großangriff erfolgt war, das Haus erzittert von dem Luftdruck der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprengbombe Sprengbomben], erfolgte am 27. Januar der bis jetzt größte und gefährlichste Luftangriff. Das Gehöft des [[Ortsbauernführer]]s [[August Stelzmann]] ging in Flammen auf. Wohnhaus und 2 Scheunen, die gegenüberliegende große Feldscheune von [[Wilhelm Meller]] wurde mit seinem ganzen Inhalt ein Raub der Flammen. Das lebende Inventar, alles Vieh, wurde gerettet. Menschenleben sind nicht zu Schaden gekommen. Die Leute werden immer ängstlicher. Bei Fliegeralarm geht jetzt alles in die Keller, Kleidungsstücke etc. werden mitgenommen, um wenigstens bei evtl. Brand etwas zu retten. In [[Stürzelberg]] wurden in dieser Nacht 5 Wohnhäuser zerstört, sodaß 84 Personen obdachlos wurden. Dort nur 1 Verletzter und kein Toter, die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=St._Aloysius_%28St%C3%BCrzelberg%29&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1 Kirche in Stürzelberg] wurde arg mitgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Februar: 2., 3., 4., 5., 6., 8. (2x), 10. (2x), 11., 12. (2x), 13., 14., 15., 16., 17., 18., 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Als Sonderzuteilung durften sich die Männer 10 Cigaretten extra kaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 19] 13. [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] am 16. Februar 1943&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hans Paefgen]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Joseph! Martinus!&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht Matrosengefreiten]&lt;br /&gt;
::Hans Paefgen&lt;br /&gt;
::Der Verewigte war geboren zu Stürzelberg am 24. Dezember 1923 als ältester Sohn der Eheleute Franz Paefgen und Josefine Düssel. Voller Begeisterung stellte er sich am 1. April 1941 als [https://de.wikipedia.org/wiki/Freiwilliger_%28Milit%C3%A4r%29 Freiwilliger] bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Marine#Deutschland Marine] und erhielt seine militärische Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Leer_%28Ostfriesland%29 Leer (Ostfriesland)]. Manche Feindfahrt machte er mit. Das U-Boot, auf das er kommandiert war, kehrte von seiner letzten Fahrt gegen den Feind nicht zurück, und es muß, wie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Korvettenkapit%C3%A4n Korvettenkapitän] mitteilt, damit gerechnet werden, daß er im [https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantischer_Ozean Atlantik] im Kampfe gegen feindliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Geleitzug Geleitzüge] sein Leben für die Freiheit unseres Vaterlandes gegeben hat. Nun ruht er fern der Heimat. Seine Eltern verlieren in ihm einen guten Sohn, der als Ältester von sechs Geschwistern die Familie treu unterstützte, seine Geschwister einen lieben Bruder. Gottes Wille ist unerforschlich, er hat in [sic.] zu sich genommen. Hoffen wir, daß Gott seiner Seele gnädig war. Sarum bitten die Eltern, zwei Brüder, drei Schwestern, die Großeltern und die übrigen Verwandten um ein frommes Gebet für den Dahingeschiedenen, auf daß er ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/DuMont_Mediengruppe M. DuMont Schauberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14. Am 17. Februar 1943 Exequien für den [https://de.wikipedia.org/wiki/Grenadier#Wehrmacht Grenadier] Peter Magnus Düssel. Der Verstorbene war geboren zu Zons am 24.12.1911 als jüngster Sohn der Eheleute Johann Jakob [p. 20] Düssel und Margarethe Wimmer (†), vermählte sich am 31.7.1937 mit Gertrud Breitmar aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] zu einer glücklichen und zufriedenen Ehe, welche von Gott mit einem Sohn gesegnet wurde. Am 16.1.1942 folgte er dem Rufe des Vaterlandes, erhielt seine Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Warschau Warschau], bewährte sich in den harten Kämpfen südlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Ilmensee Ilmensees in Rußland] und starb am 9.1.1943 den Heldentod bei Psawskino, südöstlich Psawskino [https://de.wikipedia.org/wiki/Ilmensee Ilmensee] und wurde auf dem dortigen Divisionsfriedhof beigesetzt (Totenzettel konnte wegen Papiermangel nicht mehr gedruckt werden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18. Februar 1943 wurden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] gehalten für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Stalingrad Gefallenen] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolgograd Stalingrad]. Rheinisch-westfälische Regimenter haben besonders dort ihren Blutzoll zahlen müssen. Wer von Zons zu den Gefallenen, Vermißten oder Gefangenen gehört, ist noch nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 21] 15. Willi Malzburg, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] 22.2.1943, Tambourmajor des [[Tambourcorps]] der Schützengesellschaft, ca. 20 Jahre lang, von Gründung des Corps an.&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Willi Malzburg]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ist unsere Zeit gekommen, so laßet uns männlich sterben für unsere Brüder. I. Mach. 9, 10.&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Willi Malzburg&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 20. Mai 1909 als Sohn der Eheleute Josef Malzburg und Margarethe Bechlenberg. Unter der Obhut gut katholischer Eltern wuchs er heran, erlernte nach seiner Schulentlassung das Sattlerhandwerk und trat am 21. Oktober 1934 in den Stand der heiligen Ehe mit Justine Postall aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß]. Glückliche Jahre verlebte er an der Seite seiner Gattin, unermüdlich in der Sorge für sie und seine Familie, tüchtig und fleißig in seinem Berufe. Da rief auch ihn das Vaterland zur blutigen Wahlstatt. Am 1. Mai 1941 wurde er zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flak] eingezogen, erhielt seine Ausbildung und war auf verschiedenen Kriegsschauplätzen, bis er am 15. Juli 1942 in Afrika eingesetzt wurde. Es war sein Abschied von der Heimat und den Seinigen. Am 17. Januar 1943 gegen 14.30 Uhr starb er den Heldentod fürs Vaterland. Mit 18 Tieffliegern griff der Feind die Batterie an, die sich tapfer wehrte. Mit hervorragender Tapferkeit hat der Verstorbene im harten Gefecht seine Pflicht getan, wie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kompaniechef Batteriechef] schreibt, und seine Treue und seinen Fahneneid mit dem Heldentode besiegelt. Am Südrand des Flugplatzes Beni Ulid haben seine Kameraden ihn mit allen soldatischen Ehren zur letzten Ruhe beigesetzt. Seiner Frau ein treuer, besorgter Mann, seinen Eltern ein guter Sohn, seiner Schwester ein liebevoller Bruder, bei seinen Kameraden beliebt, so lebt er in unserem Gedächtnis fort.&lt;br /&gt;
::Die Gattin, die Eltern, Schwiegereltern, Geschwister und übrigen Anverwandten finden Trost in dem Gedanken, daß Gott, der Vergelter alles Guten, ihm den ewigen Siegeskranz unvergänglicher Glorie verliehen hat. Sie bitten um ein Gebet für den teuren Verstorbenen, auf daß er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
::Josef Krautstein, [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Februar 24., 25. (2x), 26. (5x) Großangriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], 27. (4x), 28. (5x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 22] 16. Johann Kollenbroich, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] 26.2.1943.&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Johann Kollenbroich]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Ein jeder, der mich vor den Menschen bekennen wird, den will ich vor meinem Vater bekennen, der im Himmel ist. Matthäus 10,32.&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Betet für den auf dem Felde der Ehre Gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Johann Kollenbroich&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] am 10. August 1912 als Sohn der Eheleute Wilhelm Kollenbroich und Anna Catharina Breuer, heiratete am 18. November 1938 Rosa Zaun aus Zons zu einer glücklichen Ehe, die Gott mit einem Kinde segnete. Am 9. Dezember 1940 wurde er eingezogen, erhielt in [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesel Wesel] seine militärische Ausbildung und wurde im Oktober 1941 in Rußland eingesetzt. Bei den harten Abwehrkämpfen bei Lipki, südlich des [https://de.wikipedia.org/wiki/Ladogasee Ladogasees], wurde er durch den Volltreffer eines feindlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Granatwerfer Granatwerfers] getroffen und starb als aufrechter Kämpfer , wie sein Kompaniechef schreibt, den Soldatentod für Volk und Vaterland am 13. Januar 1943, beigesetzt wurde er bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Mga Mga]. Treu seinem Fahneneid, aber auch treu seinem Herrgott ist er dahingegangen. Möge Gott ihm ein gnädiger Richter gewesen sein.&lt;br /&gt;
::Große Trauer hat sein Tod gebracht seiner Gattin, seinem Kinde, seinen Eltern und Schwiegereltern, seinen beiden Brüdern, seiner Schwester, acht Schwägern und neun Schwägerinnen, denen er mit inniger Liebe ergeben war; doch der Gedanke, daß er ein guter Mensch und Christ gewesen, daß er das Höchste, sein Leben, für des Vaterlandes Sicherheit hingegeben, erfüllen sie mit Trost und Hoffnung, daß er in eine bessere Heimat eingegangen und den ewigen Siegespreis erhalten habe. Sie bitten mit den übrigen Angehörigen um ein Gebet für den Verstorbenen, auf daß er ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
:Das Seelenamt wird am Montag, dem 22. Februar 1943, 7 ¼ Uhr, in der [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Pankratius_%28Nievenheim%29 Pfarrkirche zu Nievenheim] gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Heinrich Meuther]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Deutschland muß leben, wenn wir auch sterben müssen.&lt;br /&gt;
::[p. 23] [eingeklebtes großformatiges Porträtfoto von Heinrich Meuther]&lt;br /&gt;
::[Es folgt der Totenzettel von Heinrich Meuther, Textseite]&lt;br /&gt;
::Als erstes Kriegsopfer unserer Gemeinde fiel am 9. September 1939 in dem Gefechte am [https://de.wikipedia.org/wiki/Narew Narew] in Polen in soldatischer Pflichterfüllung getreu seinem Eide für [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Führer] und Vaterland der [https://de.wikipedia.org/wiki/Freiwilliger_%28Milit%C3%A4r%29 Freiwillige]&lt;br /&gt;
::Heinrich Meuther&lt;br /&gt;
::Schütze in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Regiment Infanterie-Regiment].&lt;br /&gt;
::Geboren am 29. August 1918 zu Zons am Rhein als ältester Sohn der Eheleute Johann Meuther und Katharina Zenz wuchs er heran voller Erwartungen für das Leben, ein guter Sohn und lieber Bruder. Voll Eifer und Strebsamkeit in seiner Arbeit, war er die stille Freude und Hoffnung seiner Eltern. Im Felde stand er seinen Mann. Sein Kompaniechef schreibt über ihn: Die Kompanie betrauert in ihm einen tüchtigen und tapferen Soldaten, beliebt bei den Kameraden, der bis zum höchsten Einsatz seine Pflicht getan hat.&lt;br /&gt;
::Möge Gott, der Herr, das Opfer seines Lebens reichlich belohnen. Darum bitten seine Eltern und seine drei Geschwister.&lt;br /&gt;
::Buchdruckerei C. Josef Oepen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß], Krämerstr. 16&lt;br /&gt;
:Foto siehe Seite 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heinrich Groten siehe Seite 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im März: 1. (2x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin], 2., 3., 4. (2x), 5. (3x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen], 7., 8. (5x), 9. (2x), 10. (6x), 11. (3x), 12. (2x), 13., 15., 18. (2x) der große Angriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen], den Feuerschein konnte man bis hierher sehen, 26., 29., 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 24] 17. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Karl Morsbach]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des auf dem Felde der Ehre gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Stabsgefreiter#Reichswehr_und_Wehrmacht Stabsgefreiten]&lt;br /&gt;
::Karl Morsbach&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 13. November 1914 in [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BClldorf Siegburg-Mülldorf] als einziger Sohn der Eheleute Matthias Morsbach und Helene Leyendecker. Schon im zarten Kindesalter verlor er seinen Vater, der 1917 im [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg Weltkriege] den Heldentod für das Vaterland starb. Unter der Obhut einer frommen Mutter wuchs er heran, ihre Freude und ihr Trost, seinen beiden Schwestern ein lieber Bruder. Er besuchte die Handelsschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegburg Siegburg], erfüllte seine Dienstpflicht in [https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCbeck Lübeck] und bei der Wehrinspektion in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bezirk_Altona Hamburg-Altona] und wurde bei Ausbruch des Krieges sofort eingezogen. 1941 in Frankreich eingesetzt, kam er nach Rußland, wo er die Härten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Winterkrieges] mitmachte. Bei einem Spähtruppunternehmen 30 km westlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Stary_Oskol Stary-Oskol] fiel er am 2. Februar 1943 als tapferer Soldat für Volk und Vaterland. Seine Kameraden bestatteten ihn in [https://de.wikipedia.org/wiki/Michailowka Michaelowka] an der Rollbahn [https://de.wikipedia.org/wiki/Kursk Kursk]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Stary_Oskol Stary-Oskol] zur letzten Ruhe.&lt;br /&gt;
::Am 23. März 1941 hatte er den Lebensbund geschlossen mit Gertrud Winkels aus Zons. Nach kurzer, glücklicher Ehe (sein Kind hat er nur einmal sehen können) folgte er seiner vor 7 Monaten verstorbenen Schwester in die Ewigkeit. Ein fleißiger, braver Mensch, treu seinem Herrgott, besorgt um seine Familie, ein guter Kamerad, so ist er heimgegangen in die ewige Heimat.&lt;br /&gt;
::Seine Frau, sein Kind, die Mutter, die einzige Schwester, die Schwiegereltern und die übrigen Verwandten hoffen zuversichtlich, daß Gott ihn mit den ewigen Gütern belohnen wird. In schmerzlicher Trauer empfehlen sie die Seele des Verstorbenen dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im April: 3., 4. (2x), während der Sonntagsmesse 10 Uhr kam der Alarm, sodaß sie abgebrochen werden mußte, um 11 Uhr wurde sie fortgesetzt, und nachmittags um 3 Uhr war die 2. heilige Messe des Sonntags. 6., 8., 9. (2x), 10., 11. (2x), 14., 15., 16. (2x), 17. (2x), 19., 26., 27. (2x) der große Angriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Duisburg Duisburg].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 25] Für Rudi Kaiser, geboren 19.7.1913 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_%28Monheim_am_Rhein%29 Baumberg], ausgetreten 10.6.39, und Michael Kienle, geboren 20.11.1908 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Menningen_%28Me%C3%9Fkirch%29 Menningen (Schwaben)], ausgetreten am 4.10.37, die beide in Afrika gefallen sind, konnten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] nicht gehalten werden, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei NSDAP] veranstaltete für sie eine Trauerfeier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mit der Woche nach dem 14. Februar begannen auf Anordnung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Hochwürdigen Herrn Erzbischofs] die Kriegsandachten, die Dienstags und Freitags gehalten worden. Der Besuch ist bis jetzt gut, nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Stalingrad Ereignis von Stalingrad], woran ca. 15 Zonser beteiligt sind, sind die Leute doch sehr nachdenklich geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Ostertage verliefen sehr erhebend, ca. 1000 Kommunionen ausgeteilt. Am ersten Ostertage gingen 19 Kinder 88 Knaben und 11 Mädchen) zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heiligen Kommunion]. Gisela Steves, die erkrankt war, wurde die heilige Kommunion ans Krankenbett gebracht, die Kommunionkinder begleiteten das [https://de.wikipedia.org/wiki/Monstranz Sanctissimum]. Am 30. April fand wie alljährlich die Blumenprozession zum Maialtar statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 9. Mai war die feierliche Weihe des [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_K%C3%B6ln Erzbistums Köln] an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgeb%C3%A4rerin Gottesmutter], der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Dom] überfüllt, auch von Zons waren einige Jugendliche und Erwachsene dort, die tief beeindruckt zurückkamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23. Mai fand die Weihe in unserer [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 26] In den Sonntagspredigten des Monates Mai waren die Gläubigen vorbereitet worden. Am Morgen gingen 400 zur heiligen Kommunion. Nachmittags war die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] gut besucht. Am Hauptaltar war der [[Wundermadonna|Marienaltar]] aufgebaut, weißgekleidete Mädchen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion Kommunionkinder]) umrahmten das Bild, die Festpredigt hielt der Direktor des [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshauses] Hubert Wergen. Die einzelnen Stände weihten sich, für die Soldaten sprachen die Kinder, conferre Programm und Foto in den Anlagen zur Chronik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm während des Mai 5., 9. (2x), 12., 13. ([https://de.wikipedia.org/wiki/Duisburg Duisburg]), 14. (3x), 16. ([https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Chastise Talsperren]), 17. (3x), 18. (2x), 24. ([https://de.wikipedia.org/wiki/Dortmund Dortmund]), 26. [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Kreitz Kreitz], wo 22 [https://de.wikipedia.org/wiki/Benediktiner#Benediktinerinnen_von_der_ewigen_Anbetung Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung] getötet wurden, 27. (2x) Essen, 28., 29. (3x), 30. (2x) Großangriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Barmen Wuppertal-Barmen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 27] 18. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Kaspar Freibeuter]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Du sankst dahin wie Rosen sinken&lt;br /&gt;
::Wenn sie in voller Blüte stehen&lt;br /&gt;
::Und heiße, bitt’re Tränen fließen&lt;br /&gt;
::Weil du so mußtest von uns gehen.&lt;br /&gt;
::Wer hätte das von dir gedacht,&lt;br /&gt;
::Daß du so früh zur Ruh gebracht!&lt;br /&gt;
::Wir durften dich nicht sterben sehen&lt;br /&gt;
::Und nicht an deinem Grabe stehen.&lt;br /&gt;
::Wie magst du dich in letzter Stunde&lt;br /&gt;
::Gesehnt nach deinem lieben Heim!&lt;br /&gt;
::Nun ruhst du schon in fremdem Grunde&lt;br /&gt;
::Von uns sollst nie vergessen sein!&lt;br /&gt;
::Doch dieses bleibt für uns bestehen&lt;br /&gt;
::Ein Jenseits gibt’s ein Wiedersehen!&lt;br /&gt;
::Zum frommen Andenken an den auf dem Felde der Ehre gefallenen&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter Gefreiten] Kaspar Freibeuter&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Melder_%28Milit%C3%A4r%29&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1 Melder] in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Grenadier#Wehrmacht Grenadier-Regiment]&lt;br /&gt;
::der am 11. Mai 1943 in den schweren [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Kämpfen im Osten] den Heldentod fand. Der liebe Gefallene war geboren am 20. September 1910 und vermählte sich am 1. Januar 1938 mit Sibilla Mühlenberg zu einer glücklichen Ehe, die mit einem Kinde gesegnet wurde. Im Jahre 1914 wurde ihm seine Mutter entrissen, 1927 verunglückte sein Bruder, und im Jahre 1942 wurde ihm durch ein tragisches Geschick der Vater, zwei Geschwister und ein Neffe entrissen. Seine Hoffnung war ein frohes Wiedersehn, doch der Herr nahm ihn vom Felde der Ehre auf in sein himmlisches Reich.&lt;br /&gt;
::Fern seinem Heldengrab trauern tiefbetrübt die Gattin, 1 Sohn, 1 Bruder, 2 Schwestern, die Schwiegereltern, 2 Schwägerinnen, 2 Schwäger und die übrigen Anverwandten.&lt;br /&gt;
:Geboren in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] als Sohn der Eheleute Wilhelm Freibeuter und Christine Siepen. 2x verwundet bei Kalinin und [https://de.wikipedia.org/wiki/Rschew Rshew]. Kopfschuß am [https://de.wikipedia.org/wiki/Donezk Donez] südlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Charkiw Charkow], beigesetzt auf dem Heldenfriedhof im Walde nördlich Nivedeneskoje. Das tragische Geschick war der Fliegerangriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 28] Am 13. Juni, dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Antonius_von_Padua St. Antoniustage], war in diesem Jahre das [https://de.wikipedia.org/wiki/Pfingsten Pfingstfest]. Am 20. Juni, dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinitatis Dreifaltigkeitsfest], schloß in diesem Jahre die österliche Zeit. Trotzdem über 200 Pfarrkinder im Felde stehen, war die Beteiligung an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunion Osterkommunion] in diesem Jahre um 100 stärker als im Vorjahre. 850 hielten ihr Ostern, ca. 100 hielten in diesem Jahre ihr Ostern nicht, früher 200–300. Am Nachmittage war die Glaubensbekenntnisstunde für die Jugend des Dekanates in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim], ca. 800 Jugendliche waren gekommen. Thema: Das ist der Wille Gottes: Eure Heiligung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24. Juni, dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannistag Johannistage], war [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnam]. Die Prozession zog mit großer Beteiligung um die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]]. Segen war am Missionskreuze und in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], am Sonntag nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnam], da sie am Tage selbst mal wieder verboten war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Da am 29. Juni, dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_und_Paul Petri und Paulstage], morgens die heiligen Messen nur in dem Umfange sein durften, wie werktags üblich, sangen wir abends 8 Uhr in der heiligen Messe die Speyrer Domfestmesse, die Beteiligung war erfreulich groß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sonntag, den 4. Juli feierten wir das [https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligstes_Herz_Jesu#Liturgie Herz Jesufest]. Abends 8 Uhr war die Sühnestunde vor dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerheiligstes_%28Christentum%29 Allerheiligsten]. Für die Soldaten sprachen Gruppen von weißgekleideten Kindern [p. 29] die Weihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Juni 11., 12. (2mal) [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] schwer getroffen, 13. ([https://de.wikipedia.org/wiki/Bochum Bochum]), 14., 15. (3mal) [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberhausen Oberhausen], 17. [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], 18. (5mal), 20. (4mal), 21. (2mal), 22. (4mal) [https://de.wikipedia.org/wiki/Krefeld Krefeld] vernichtet, 23., 24. (2mal), 25. [https://de.wikipedia.org/wiki/Elberfeld Wuppertal-Elberfeld]. Bei diesem Angriff wurde Zons in Mitleidenschaft gezogen. Eine schwere Bombe fiel hinter den [[Schloss Friedestrom|Schloßhof]] ([[Meller (Familie)|Meller]]). Viele Dächer abgedeckt, auch [[Pfarrhaus]] und Scheune. Viele Fenster zertrümmert, die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] blieb unversehrt. Ein viermotoriger amerikanischer Bomber wurde über Zons abgeschossen und stürzte mit voller Ladung am [[Buschweg]] in der [[Hannepützheide|Heide]] ab ohne Schaden anzurichten. 7 Insassen tot, 2 mit Fallschirm abgesprungen, Piloten ebenfalls tot. 26. (2mal), 27., 29. [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Dom] getroffen, die Altstadt zerstört, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Erzbischof], dessen Palais völlig zertrümmert, wie durch ein Wunder gerettet. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Hammels Weihbischof Hammels] findet Zuflucht im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause]. Alle haben nur das nackte Leben gerettet, [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_M%C3%B6lders Domkapellmeister Mölders] und Rendant Kuhling tot. Auch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Demag Demag]) 4 Personen getötet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 30] Fliegeralarm im Juli: 3., 4. (3mal) [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes], [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutz_%28K%C3%B6ln%29 Deutz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kalk_%28K%C3%B6ln%29 Kalk] bombardiert, 5., 6. (2mal), 7. (2mal), 8., 9. (2mal) [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenfeld_%28K%C3%B6ln%29 Ehrenfeld] schwer mitgenommen. Die Feuersbrunst war von hier aus immer gut zu beobachten. 10., 14. [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen] heimgesucht, 15. (2mal), 16. (2mal), 18., 19., 22., 24., 25. (2mal), 26. (3mal), 28., 29. 30. (2mal), 31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Wilhelm Kegelmann]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ich war die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist.&amp;quot; Johannes 11&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des auf dem Felde der Ehre gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Wilhelm Kegelmann.&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene wurde geboren am 29. April 1915 zu [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6hlinghausen Röhlinghausen] als Sohn der Eheleute Wilhelm Kegelmann und Johanna Herzog, heiratete am 29. März 1941 Agnes Bechlenberg aus Zons zu einer glücklichen harmonischen Ehe. 1939 zu den Waffen gerufen, wurde er 1940 bei dem Vormarsch in Holland verwundet. Nach seiner Genesung war er in Frankreich und Belgien. An der Ostfront eingesetzt, wurde er am 28. Juli 1943 bei Chojelischte am [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolchow Wolchow] von einer Gewehrkugel tötlich ins Herz getroffen und gab sein Leben für unser aller Freiheit und Zukunft. Auf dem Ehrenfriedhof von [https://de.wikipedia.org/wiki/Tschudowo Tschudowo] wurde er von seinen Kameraden beigesetzt.&lt;br /&gt;
::Liebevolle Anhänglichkeit an Frau und Familie, treue Gewissenhaftigkeit in Erfüllung seiner Pflichten zeichneten ihn aus und sichern ihm ein ehrenvolles Andenken bei allen, die ihn kannten.&lt;br /&gt;
::Die trauernden Hinterbliebenen, seine Frau, seine Eltern und Geschwister empfehlen mit allen übrigen Anverwandten seine Seele dem Gebete der Gläubigen, damit sie ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 31] Am 3. August hatten die Schulneulinge mit ihren Müttern eine besondere heilige Messe in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]], anschließend erhielten sie den Kindersegen und gingen zum 1. Schulgang. Die religiösen Betreuungsstunden beginnen nach den Ferien wieder. Bei den [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für den gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter Obergefreiten] Wilhelm Kegelmann wurde zum 1. Mal die Gedenktafel feierlich in die [[Kriegergedächtniskapelle]] (Mariahilfaltar) getragen. Die anwesenden Feldgrauen trugen die Kränze, die Orgel spielte: [https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gute_Kamerad Ich hat einen Kameraden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15. August, [https://de.wikipedia.org/wiki/Mari%C3%A4_Aufnahme_in_den_Himmel Maria Himmelfahrt], erhielten 14 Mädchen in einer feierlichen Andacht in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] das grüne Band als [[Marienverein|Marienkinder]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im August: 2., 3. (2x), 6., 8., 9., 10., 11. (2x), 12. (5x) ([https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Bochum Bochum] Tagesangriffe), 15. (während des Hochamtes), 16. (2x), 17. (4x), 18., 19., 23. Einige [https://de.wikipedia.org/wiki/Brandbombe Brandbomben] ohne Schaden, 24., 27., 28., 30., 31. ([https://de.wikipedia.org/wiki/Rheydt Mönchengladbach-Rheydt]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Da die offiziellen Wallfahrten nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] auch in diesem Jahre nicht sein können, ziehen die Pfarrkinder in kleinen Gruppen zu den Gnadenorten, auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Neviges Neviges-Hardenberg] wird viel besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 32] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Adam Libertus]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Maternus!&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Adam Libertus&lt;br /&gt;
::Der Dahingeschiedene war geboren zu Zons am 3.3.1912 als jüngster Sohn der Eheleute Wilhelm Libertus und Anna Maria Kluth und heiratete am 2.7.1932 Gertrud Hülsen aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Köln-Worringen]. Gott segnete die Ehe mit einem Kinde. Nachdem er am [https://de.wikipedia.org/wiki/Westwall Westwall] gearbeitet – das [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Schutzwall-Ehrenzeichen Westwall-Abzeichen] wurde ihm verliehen – erhielt er seine militärische Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6xter Höxter], kam nach Frankreich und wurde im Februar 43 im Osten eingesetzt. Am 30.7.43 starb er in Rußland bei Wesnessenskiy den Heldentod für Volk und Vaterland, nach Aussagen seiner Kameraden durch Kopfschuß, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Seine letzte Ruhestätte hat er gefunden auf dem Heldenfriedhof in Puschkarnoya. In der Blüte des Lebens ist er dahingegangen; seine Frau verliert in ihm einen guten Mann, sein Kind den treusorgenden Vater. Möge Gott der Herr ihm die Krone des ewigen Lebens gegeben haben.&lt;br /&gt;
::Groß ist der Schmerz der Gattin, seines Sohnes, der Eltern und Schwiegereltern, seines Bruders, seiner Schwester, der beiden Schwägerinnen und Schwäger sowie der übrigen Anverwandten, welche seine Seele dem Gebete der Gläubigen empfehlen, auf daß sie ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
::Als ich von euch mußt‘ scheiden, in blutige Schlacht zu gehen, / wie klang es doch so tröstend, das Wort &amp;quot;Auf Wiedersehn!&amp;quot; / Auf Wiedersehn, Jäh ist nun der schöne Traum vorbei: gar gut hat mich getroffen des Feindes tödlich Blei. / Einst ziehen frohe Scharen ins Heimatdorf hinein, / doch nimmer wird&#039; ich unter den tapfern Kämpfern sein. / Ein Brieflein nur wird kommen ins liebe Heimatland, / drauf steht ein einzig Wörtlein von unbekannter Hand: / &amp;quot;Gefallen!&amp;quot; – nur ein Wörtlein. Oh, Ihr Lieben, weinet nicht! / Dereinst durch graue Wolken ein Strahl der Hoffnung bricht. / Will froh dort auf euch warten in jenen lichten Höhn, / bis daß wir alle feiern das schönste &amp;quot;Wiedersehn&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ihr habt jetzt zwar Trauer, doch ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen.&amp;quot; (Johannes 16,22.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 33] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Franz Sebastian Schlösser]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Franz Sebastian Schlösser&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz Eisernen Kreuzes 2. Klasse], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Medaille_Winterschlacht_im_Osten_1941/42 Ostmedaille] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwundetenabzeichen_%281939%29 Verwundetenabzeichens].&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 6. Dezember 1921 in [[St. Peter (Ort)|St. Peter]] bei [[Stürzelberg]] als jüngster Sohn der Eheleute Matthias Schlösser und Helene Sebetzki und lebte bis zu seiner Einberufung zum Heere im Elternhause. Am 6. August 1924 verlor er seinen Vater. Seine militärische Ausbildung erhielt er in [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BClheim_an_der_Ruhr Mülheim-Ruhr]. Im Osten eingesetzt, opferte er sein Leben für Volk und Vaterland am 12. August 1943, als ihn in der Nähe der Ortschaft Pribowy-Dwory, 5 km ostwärts Karatschew die tödliche Kugel traf. &amp;quot;Über die Tapferkeit dieses prächtigen Jungen&amp;quot;, so berichtet sein Kompagnie-Chef, &amp;quot;ließe sich ein Buch schreiben. Sein kämpferischer Mut war unerschütterlich. Sein Herzensfrohsinn verließ ihn nie.  Die Kompagnie verliert mit ihm ihren besten und schneidigsten MG-Schützen und besten Kameraden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Möge Gott der Herr ihm ein gnädiger Richter gewesen sein. Tiefbetrübt empfehlen seine Eltern, seine Braut, 2 Brüder, 1 Schwester, 2 Schwägerinnen und die übrigen Anverwandten die Seele des Verstorbenen dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Er war bereit, für Gesetz und Vaterland zu sterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 34] 22. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Adi Norff]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt, darum ist mir hinterlegt die Krone der Gerechtigkeit.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Grenadier#Wehrmacht Grenadier] Adi Norff&lt;br /&gt;
::Der Verewigte wurde geboren am 29. Juni 23 in Zons, als einziger Sohn der Eheleute Johannes Norff und Margarethe Kluth. Nach seiner Schulentlassung erlernte er das Schlosserhandwerk und machte seine Gesellenprüfung. Am 16.4.1942 wurde er zum Heere eingezogen und erhielt seine militärische Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Colmar Kolmar]. Bei den Abwehrkämpfen im Raume von [https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Petersburg Leningrad] am 8. August 1943 schwer verwundet, starb er am folgenden Tage auf dem Hauptverbandplatz.&lt;br /&gt;
::Als guter und braver Sohn berechtigte er zu den besten Hoffnungen, seine einzige Schwester verliert ihren lieben Bruder. Am religiösen Leben der Pfarrfamilie nahm er regen Anteil, sein frohes Gemüt gewann ihm die Herzen seiner Kameraden. Nach Gottes unerforschlichem Ratschluß mußte er so früh sein junges Leben opfern auf dem Altare des Vaterlandes. Wir aber dürfen hoffen, daß der Herrgott ihm den ewigen Lohn für seine Treue geben wird. Auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kriegsgr%C3%A4berst%C3%A4tte_Sologubowka Heldenfriedhof in Sologubowka] (18 km nördlich Schapki) links an der alten Straße nach Woitolowo bei der russischen Kirche fand er seine letzte Ruhestätte.&lt;br /&gt;
::Die Eltern, Großeltern, seine Schwester und die übrigen Anverwandten empfehlen seine liebe Seele dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im September: 1. (2x), 3., 4. (2x), 5. (2x), 6., 7. (2x), 9., 13., 14., 17. (2x), 18., 22., 23., 24., 25., 26., 27., 29., 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im October: 1., 2. (2x), 3. (2x), 4. (3x), 5. (2x), 9. (3x), 10. (Angriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnster_%28Westfalen%29 Münster in Westfalen]), 12., 13., 14. ([https://de.wikipedia.org/wiki/Schweinfurt Schweinfurt]), 16., 17., 18., 19., 20. (3x, [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin]), 21., 22., 24., 30., 31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 35] 23. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hermann Vianden]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Sei getreu bis in den Tod, und ich will dir die Krone des Lebens geben.&amp;quot; (Apocalypse 2,10.)&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter#Fr.C3.BChere_deutsche_Streitkr.C3.A4fte Masch.-Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Hermann Vianden&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz Eisernen Kreuzes II], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zerst%C3%B6rer-Kriegsabzeichen Zerstörer-] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Schutzwall-Ehrenzeichen Westwallabzeichens]&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am Rhein am 18. April 1921 als ältester Sohn der Eheleute Wilhelm Vianden und Catharina Emonds. Nach seiner Schulentlassung wurde er Elektriker, bestand mit gut seine Gesellenprüfung, war im [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst Reichsarbeitsdienst] am [https://de.wikipedia.org/wiki/Westwall Westwall] tätig, meldete sich im April 1939 freiwillig zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsmarine Marine] und hat am 31. Dezember 1942 bei einem Seegefecht mit überlegenen englischen Kriegsschiffen den Heldentod gefunden.&lt;br /&gt;
::Als junger begeisterter [https://de.wikipedia.org/wiki/Freiwilliger_%28Milit%C3%A4r%29 Freiwilliger] trat er als Matrose bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsmarine Kriegsmarine] ein und nahm bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen_Weser%C3%BCbung Norwegenbesetzung] auf einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zerst%C3%B6rer Zerstörer] an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_um_Narvik Seeschlacht von Narvik] und sonstigen Kampfhandlungen teil, wobei er immer auf verantwortungsvollen Posten treu seine Pflicht erfüllt hat. Von seiner letzten Fahrt in der Neujahrsnacht 1942/43 ist er nicht mehr zurückgekehrt. Fern der Heimat hat er im [https://de.wikipedia.org/wiki/Arktischer_Ozean nördlichen Eismeer] seinen Kameraden an Bord des [https://de.wikipedia.org/wiki/Z_16_Friedrich_Eckoldt Zerstörers &amp;quot;Friedrich Eckholdt&amp;quot;] ein gemeinsames Grab gefunden. Er gab sein junges Leben für unsere geliebte Heimat. Die Eltern verlieren einen braven Sohn, der ihre Freude und ihre Hoffnung war, der Bruder seinen einzigen Bruder.&lt;br /&gt;
::Schweren Herzens verneigen sie sich vor Gottes unerforschlichen Ratschlüssen. Sie wollen das ihnen auferlegte große Leid so tapfer tragen, wie es der Verstorbene auf seiner letzten Fahrt zu Gott in die Ewigkeit getragen hat.&lt;br /&gt;
::Die Eltern, der Bruder, die Großeltern und die übrigen Anverwandten bitten um ein andächtiges Gebet für den Dahingeschiedenen, auf daß er ruhe in Frieden!&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ihr, die Ihr mich gekannt und geliebt, vergeßt meiner nicht im Gebete, denn mein junges Leben gab ich für Euch dahin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 36] Am 3. Oktober feierten wir das [[Erntedankfest]] in altgewohnter Weise. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] war festlich geschmückt, die Beteiligung der Gläubigen war gut, die meisten Bauern gingen auch zur heiligen Kommunion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Jeden Abend war [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenkranz Rosenkranzandacht], die gut besucht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Da Franz Erkelenz, wohnhaft in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilden Hilden], geborener Zonser war, habe ich seinen Totenzettel eingesetzt.&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Franz Erkelenz]&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::In christlicher Liebe gedenket im Gebete Eures Mitbruders in Christus&lt;br /&gt;
::Franz Erkelenz&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Reichswehr Gefreiter] in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Grenadier#Wehrmacht Grenadier-Regiment]&lt;br /&gt;
::geboren am 16. September 1910 in Zons, verheiratet seit 21. Mai 1938 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilden Hilden], gefallen am 5. Juli 1943 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Belgorod Bjelgorod].&lt;br /&gt;
::Mit der schwer getroffenen Gattin, Maria geborene Becker, und dem früh verwaisten Töchterchen Helga wollen wir in der Gemeinschaft der Heiligen beten:&lt;br /&gt;
::Gott und Vater! Wir anerkennen Deine Macht und Vaterschaft. Wir beten Dich an. Wir preisen Dich. Herr und Gott, König des Himmels. Gott, allmächtiger Vater! Wir beugen uns Deinem heiligen Willen und bitten Dich demütig: Du hast Deinen Diener Franz aus der irdischen Familiengemeinschaft, die so glückhaft und verheißungsvoll begann, schon nach 5 Jahren herausgenommen. Nimm ihn auf in Deine himmlische Gemeinschaft und laß ihn Wohnung nehmen im Land des Friedens und des Lichtes! Uns aber laß überall Deinen Willen erkennen und erfüllen, auf daß wir nach einem gerechten Wandel hinieden uns dort oben wiedersehen und ewig in der Gemeinschaft der Heiligen vereinigt bleiben, durch Christus, unsern Herrn.&lt;br /&gt;
::Amen.&lt;br /&gt;
::Max Karsten, [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilden Hilden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 37] 24. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hans Köppinger]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und ich werde auferstehen am jüngsten Tage. Johannes 19, 25.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des auf dem Felde der Ehre gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht Gefreiten]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Hans Köppinger&lt;br /&gt;
::Der Verewigte wurde geboren am 18.12.1919 in Zons am Rhein als jüngster Sohn der Eheleute Peter Magnus Köppinger und Anna Düssel. Er wurde Maschinenschlosser, im Mai 1942 eingezogen, in Frankreich militärisch ausgebildet und im Juni 1943 in Rußland eingesetzt. Bei den schweren Kämpfen westlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Charkiw Charkow] wurde er durch Bauchschuß schwer verwundet und starb versehen mit den heiligen Sterbesakramenten der römisch-katholischen Kirche am folgenden Tage, am 9. September 1943 ruhig und schmerzlos im Lazarett. Auf dem Kriegerfriedhof in [https://de.wikipedia.org/wiki/Poltawa Poltawa] wurde er mit militärischen Ehren beigesetzt.&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war ein offener, edler Charakter, seinen religiösen und sittlichen Grundsätzen, die er von Jugend an kennen und lieben lernte, blieb er treu. Christus war der Führer auf seinem Lebenswege. &amp;quot;Unserem Herrgott wollen wir unser Leben in die Hand geben&amp;quot;, so schrieb er in seinem letzten Briefe an seine Lieben daheim. In diesem Gedanken trösten sich auch seine Eltern, denen er immer ein guter und braver Sohn gewesen, seine Braut, seine 3 Brüder und seine Zwillingsschwester, denen er ein treuliebender Bruder war. Sie alle hoffen, daß er nun des Lohnes der Treue in der Ewigkeit sich erfreue.&lt;br /&gt;
::Mit den übrigen Anverwandten bitten sie die Gläubigen um das Andenken des Gebetes, auf daß er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Auf Wiedersehen&amp;quot;, hast Du so oft geschrieben,&lt;br /&gt;
::Dies Los war Dir und uns nicht mehr beschieden,&lt;br /&gt;
::So ruhe sanft, da unser Herz Dich tot noch liebt,&lt;br /&gt;
::Denn ach so früh bist Du von uns geschieden,&lt;br /&gt;
::Tief hat die Trennung uns betrübt.&lt;br /&gt;
::Du warst so gut, starbst viel zu früh,&lt;br /&gt;
::Wir denken Dein mit Schmerzen.&lt;br /&gt;
::Das Blei, das Dich zu Tode traf,&lt;br /&gt;
::Zerreißt daheim die Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Christk%C3%B6nigsfest Christkönigsfest], [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerheiligen Allerheiligen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerseelen Allerseelen] gingen viele zur heiligen Kommunion. Allerheiligen durfte nur werktags Gottesdienst sein, nachmittags 3 Andacht, nach der Andacht gingen die Gläubigen zum [[Friedhof]], wo die Gräber eingesegnet wurden, abends 2 heilige Messen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 38] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Wilhelm Groten]&lt;br /&gt;
::Zum frommen Andenken an [https://de.wikipedia.org/wiki/Unteroffizier#Wehrmacht Unteroffizier]&lt;br /&gt;
::Wilhelm Groten&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz Eisernen Kreuzes II. Klasse], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Spanienkreuz Spanienkreuzes], des Flaksturmabzeichens und andere [sic.] Auszeichnungen.&lt;br /&gt;
::Geboren in Zons als Sohn der Eheleute Johann Groten und Florentine geborene Fischermann, wuchs er auf als der Stolz und die Freude seiner Eltern. Am 6. Januar&amp;lt;ref&amp;gt;Handschriftliche Ergänzung: &amp;quot;1943&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; vermählte er sich mit Änne Boes aus [[Stürzelberg]], zu kurzem Eheglück. Sieben Jahre stand er im militärischen Dienst. Ein aufrechter edler Charakter, ein pflichttreuer, stets einsatzbereiter Soldat, war er bei Vorgesetzten und Kameraden geachtet und beliebt. Am 16. September 1943 opferte er in Italien sein junges Leben. Die Heimatgemeinde Zons und Stürzelberg wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die tiefbetrübte Gattin, ein Töchterchen, der Vater, die Schwiegermutter, ein Bruder, eine Schwester, vier Schwäger, drei Schwägerinnen und die übrigen Verwandte [sic.] bitten um ein frommes Gebet für den lieben Verstorbenen, damit er bald ruhe in Gottes Frieden!&lt;br /&gt;
::Wenn Liebe könnte Wunder tun&lt;br /&gt;
::Und Tränen Tote wecken,&lt;br /&gt;
::Dann würde Dich, geliebte Seele&lt;br /&gt;
::Nicht fremde Erde decken!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wilhelm Groten war erst seit seiner Verheiratung in [[Stürzelberg]] wohnhaft. Dort fanden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] statt, er war aber noch Mitglied des [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchors &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;]], der ihm auch ein Hochamt sang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im November: 3. ([https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn]), 4., 5.&amp;lt;ref&amp;gt;Hierzu handschriftliche Ergänzung: &amp;quot;Am 5. Angriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Vatikanstadt Vatikanstadt].&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; (3x), 6., 7. (2x), 8. (2x), 9., 10., 11. (3x). Während des Alarmes ging die [[Kirchenrat|Kirchenvorstands-]] [p. 39] [[Kirchenrat|sitzung]] weiter. 12. (2x), 13., 15., 16., 17. (II), 18. (3x), 19. (2x), 22. (2x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin], 23. (2x), 26. (2x), 28., 29., 30. (2x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Dezember: 1., 2. (2x), 4. (2x), 5., 10., 11. (2x), 12., 15., 16., 20. (3x), 22. (3x), 24., 28., 29. (2x), 30. (5x), 31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weihnachten wieder gefeiert mit der großen Krippe, die Beteiligung beim Sakramentenempfang war gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12. Dezember wurden 12 Mädchen in den [[Marienverein]] aufgenommen und erhielten feierlich das blaue Band.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik von 1943&lt;br /&gt;
:Taufen 18 (25), auswärts 3 (6)&lt;br /&gt;
:1. Heilige Beichte 26 (15)&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. Heilige Kommunion] 21 (40)&lt;br /&gt;
:Kommunionen ausgeteilt 15.100 (14.100)&lt;br /&gt;
:Trauungen 5 (7), davon 3 [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegstrauung Kriegstrauungen]&lt;br /&gt;
:ausgetreten aus der Kirche 0 (0)&lt;br /&gt;
:gestorben 15 (13), [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|im Kriege gefallen]] 11 (6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1944&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 40] Kriegsjahr 1944&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Januar: 1., 2. (3x), 4. (5x), 5. (4x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß] bombardiert, 65 Tote, [https://de.wikipedia.org/wiki/Quirinus-M%C3%BCnster_%28Neuss%29 Quirinusmünster] getroffen. Mittags 12 Uhr. 6., 7. (4x), 10. (3x), 11. (2x), 14. (3x), 20., 21. (3x), 22., 23. (3x), 24. (2x), 25. (2x), 26., 27., 28. (3x), 29. (3x), 30. (3x), 31. (2x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Februar: 1. (2x), 2., 3., 4. (2x), 5. (2x), 6. (3x), 7., 8. (2x), 9., 10., 11. (3x), 12., 13. (2x), 15. (2x), 20. (5x), 21. (3x), 22. (3x), an diesem Tage 8 Stunden Alarm, 23. (3x), 24. (5x), 25. (6x), 27., 28. (2x), 29. (2x)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bunkerbau.jpg|300px|thumb|right|Bau des Feldtor-Bunkers durch italienische Kriegsgefangene Januar/Februar 1944.]]&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Fastensonntag#Sonntage_der_Vorpassionszeit_bzw._Vorfastenzeit Septuagesima], 6.2., wurde in Gemeinschaftsarbeit der Bunker an der [[Feldstraße]] in einem Guß gebaut, nachdem Wochen lang vorher die Vorarbeiten erledigt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Nacht übernachteten 65 [https://de.wikipedia.org/wiki/Pietro_Badoglio Badoglio]-Italiener (Kriegsgefangene) in meiner Scheune.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Winter ist bis jetzt sehr milde gewesen. Sexagesima etwas Frost und Schnee. Mitte Februar setzte die Kälte ein, die bis Mitte März dauerte. Die Kohlen waren aufgebraucht, sodaß die Glaubensstunden, die regelmäßig im [[Pfarrhaus]]e stattgefunden hatten, abgebrochen werden. Montags kamen die Jünglinge von 16–18, Freitag die Jungens von 14 und 15 Jahren, mittags die jungen Mütter, Dienstag die Jungfrauen [p. 41] von 15–17 Jahren und Donnerstag die Jungfrauen über 18 Jahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im März: 1., 2. (2x), 3., 4. (12x), in den letzten Tagen waren ca. 1000 feindliche Flugzeuge über Deutschland, zu Hunderten überflogen sie Zons, die großen Luftschlachten fanden statt, 5. (3x), 6. (6x), 7., 8. (3x), 9. (3x), 10., 11. (2x), 12. Die Leute haben sich so an die Alarme gewöhnt, daß, wenn nicht Hauptalarm mit unmittelbarer Gefahr ist, das Leben ruhig weitergeht. 14. (2x), 15. (2x), 16. (2x), 17. (2x), 18. (4x), 19. (2x), 20. (3x), 21., 22., 23. (2x), 24. (2x), 25. (4x), 26., 27. (2x), 28. (2x), 29. (4x), 30. (6x), 31. (2x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im April: 1., 4., 5. (2x), 6., 7., 8. (3x), 9. Ostern, die Kinderkommunion konnte zur gewohnten Zeit ohne Alarm stattfinden, in alter Feierlichkeit. 23 Kinder gingen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heiligen Kommunion], 560 Pfarrkinder empfingen ihre Osterkommunion. Am 2. Ostertage war 13stündiges Gebet. Von 11–12 mußte die Anbetung unterbrochen werden wegen Fliegeralarm. 10. (4x), 11. (5x), 12. (3x), 13., 14., 17., 18. (3x), 19. (4x), 20. (2x), 21. (2x), Angriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes], [https://de.wikipedia.org/wiki/Merheim Merheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenfeld_%28K%C3%B6ln%29 Ehrenfeld], 22. (4x), 23. (4x), [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim], 24. (4x), 25. (2x), 26. (4x), 27. (5x), 28. (2x), 29. (3x), 30. (2x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 42] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Johann Worringen]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Du ruhst nun in fremder Erde&lt;br /&gt;
::Fern von der Heimat, ach wie schwer.&lt;br /&gt;
::Vergebens ist nun alles Hoffen&lt;br /&gt;
::Auf eine frohe Wiederkehr.&lt;br /&gt;
::Du gutes Herz, still ruh in Frieden.&lt;br /&gt;
::Kein Weinen bringt Dich uns zurück,&lt;br /&gt;
::Dahin ist Hoffnung, Liebe auch und Glück&lt;br /&gt;
::Fern ist dein Grab, tief unser Schmerz,&lt;br /&gt;
::Nun ruhe sanft, Du gutes Herz.&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Er war ein Mann ohne Falsch und aufrichtig; er fürchtete Gott und enthielt sich vom Bösen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Im Gebete wollen wir Gedenken des [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Johann Worringen&lt;br /&gt;
::der am 24. November 1909 in Zons am Rhein als ältester Sohn der Eheleute Ferdinand Worringen und Margarethe Karl geboren wurde und sich am 27. August 1943 in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Herz-Jesu-Kirche_%28Rheydt%29 Herz Jesu-Kirche] zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheydt Rheydt] mit Käthe Mäurer geborene Aretz vermählte.&lt;br /&gt;
::Seinem Eheglück war nur eine kurze Dauer beschieden. Seit Februar 1941 im Kriegsdienst, rückte er Weihnachten 1943 erneut aus. Nur wenige Wochen war er dann an der Front in hartem Einsatz; bei den schweren Abwehrkämpfen im Osten ist er am 3. Februar 1944 durch einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Artillerie Artillerie]-Volltreffer gefallen.&lt;br /&gt;
::So ist er seiner Mutter im Tode nachgefolgt. Nun möge er ruhen im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
:Johann Worringen war nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheydt Rheydt] verheiratet, sodaß die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] dort stattfanden. Er hat mir jahrelang in der Borromäusbücherei treu geholfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die beiden Bunker am [[Feldtor]] und am [[Rheintor]] wurden in Gemeinschaftsarbeit gegossen, dabei machten sich die Zonser selbst bezahlt, indem 60 von der Gemeinde gestellte [p. 43] Spaten und Schaufeln still verschwanden, auch anderes Arbeitsmaterial, Holz, Draht, Seile etc. Auch der [[Johannes Klüwer|Pastor]] bekam folgende Aufforderung. &amp;quot;Der [[Hans Michael Flücken|Bürgermeister]]: [[Johannes Klüwer|Pfarrer Klüwer]], Zons, [[Kirchplatz]]. Für den Bunkerguß &amp;quot;[[Rheintor]]&amp;quot; am 5., 6., 7., 8. April sind täglich 60 Hilfskräfte erforderlich. Sie werden daher hiermit aufgefordert, vom 5.–8. April ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kartage Kartage]), Zeit nach eigener Wahl, Hilfsarbeit zu leisten. Schaufeln sind mitzubringen. Die Hilfsdienstpflicht besteht auf Grund der §§ 2 und 5 des Luftschutzgesetzes vom 26.6.1935. im Auftrag [[Franz Bebber]]&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Karlheinz Juch]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef!&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Reichswehr Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Karlheinz Juch&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz#Zweiter_Weltkrieg Eisernen Kreuzes II], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Infanterie-Sturmabzeichen Infanteriesturmabzeichens in Silber] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend-Leistungsabzeichen Leistungsabzeichens der Hitler-Jugend].&lt;br /&gt;
::Der Dahingeschiedene war geboren am 25. Dezember 1924 zu Zons am Rhein als zweiter Sohn der Eheleute Friedrich Juch und Gertrud Marx. Nach Beendigung seiner Schulzeit erlernte er das Bäcker- und Konditorhandwerk und bestand 1942 seine Gesellenprüfung.&lt;br /&gt;
::Am 9.12.1942 zu den Waffen gerufen, erhielt er seine militärische Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Potsdam Potsdam]. Am 10.5.1943 wurde er in Rußland eingesetzt; Weihnachten konnte er seinen Urlaub noch in der Heimat verbringen. Bei den schweren Kämpfen an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Ostfront] hat er stets pflichtbewußt und treu seinen Dienst versehen. Mutig und unerschrocken zeigte er sich im Einsatz, was mit der Verleihung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz#Zweiter_Weltkrieg Eisernen Kreuzes] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Infanterie-Sturmabzeichen Sturmabzeichens in Silber] anerkannt wurde. Am 19. Februar 1944 fiel er in Jaswin, südlich Paritschi an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Beresina Beresina].&lt;br /&gt;
::Allzufrüh ist er dahingegangen, die Hoffnung seiner Eltern. Stets war er um seine Mutter treu besorgt, seinen Geschwistern war er immer ein liebevoller Bruder. Möge Gott ihm ein gnädiger Richter sein.&lt;br /&gt;
::Seine Eltern, Geschwister und die übrigen Anverwandten trauern um den lieben Verstorbenen und bitten um ein andächtiges Gebet für seine Seele, auf das [sic.] sie ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
:Am 20. April 1944 fanden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für Carl Heinz Juch statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 44] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Josef Geiler]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Josef Geiler&lt;br /&gt;
::stud. Ing.&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwundetenabzeichen_%281939%29 Verwundeten-Abzeichens]&lt;br /&gt;
::Er war geboren am 16. Februar 1923 in Zons als zweiter Sohn der Eheleute Hubert Geiler und Ursula Schneider. Nach Beendigung seiner Schulzeit wurde er Elektriker, machte seine Gesellenprüfung und besuchte mit gutem Erfolg die Staatliche Ingenieurschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], wo er einer der besten Schüler war. 1941 wurde er zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst Arbeitsdienst] eingezogen. Seine militärische Ausbildung erhielt er in [https://de.wikipedia.org/wiki/Detmold Detmold]. Schon nach sechs Wochen kam er an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Murmansk Murmanfront] und starb bei den schweren Abwehrkämpfen an der Fischer-Halbinsel am 22. März 1944 den Heldentod für das Vaterland. Auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Petschenga Heldenfriedhof in Parkkina] in Nordfinnland fand er seine letzte Ruhestätte. Sein sehnlichster Wunsch, die Heimat und seine Lieben wiederzusehen, ging leider nicht in Erfüllung. Er war die Freude und der Stolz seiner Eltern, die in ihm ihre ganze Zukunftshoffnung begraben. Seiner einzigen Schwester war er ein lieber Bruder und guter Kamerad. Seine religiösen Pflichten hat er gewissenhaft erfüllt, möge der Herrgott ihm ein ewiger Lohner sein.&lt;br /&gt;
::Fern der Heimat in fremder Erde, ergeben in Gottes heiligen Willen, trauern um ihn seine tiefbetrübten Eltern, seine Schwester, sein Schwager, seine Braut und die übrigen Anverwandten. Sie bitten, seiner Seele im Grabe zu gedenken.&lt;br /&gt;
:Am 12. Mai 1944 waren die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bittprozession#Prozessionen_an_den_Bitttagen Markusprozession] mußte in diesem Jahr ausfallen wegen Fliegeralarm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Blumenprozession war am Sonntag, den 30. April. Trotz der Schwierigkeit der Beschaffung, wegen der Kälte Mangel an Blumen, hatten die Eltern doch dafür gesorgt, daß [p. 45] ihre Kinder eine Blume an den Maialtar brachten. Während der Predigt kam wieder Alarm, sodaß die Andacht abgebrochen werden mußte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Mai: 1. (3x), 2. (2x), 3., 4. (2x), 6., 7. (4x), 8. (2x), 9. (2x), 10. (3x), 12. (2x), 15. (2x), 19. (5x), 20. (3x), 21. (7x), 22. (4x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Duisburg Duisburg], 23. (2x), 24. (3x), 25. (4x), 27. (2x), 28. (4x), 29. (4x), 30. (3x), 31. (3x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hans Schmidt]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Hans Schmidt&lt;br /&gt;
::Wie du aus diesem Leben scheidest, so stehst du im anderen Leben da. Augustinus&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 4. Oktober 1924 als einziger Sohn der Eheleute Anton Schmidt und Margarethe Kluth. Er erhielt seine militärische Ausbildung in Rußland und wurde dort bei den Partisanenkämpfen verwundet. Nach seiner Genesung wurde er in Kroatien eingesetzt, durch einen Lungenschuß schwer verwundet und starb am 15. April in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldlazarett Feldlazarett].&amp;lt;ref&amp;gt; Hierzu handschriftliche Ergänzung: &amp;quot;1944&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Das Elternhaus hatte ihm eine religiöse Erziehung zuteil werden lassen. War er in Urlaub, so vereinigte er sich mit seinem Heilande im heiligen Sakrament. Schmerzlich ist der Tod des hoffnungsvollen Jünglings vor allem dem Herzen der Eltern, deren Stolz und Freude er war. Das Wiedersehen in der Heimat, das er so sehnlichst erhofft, wird nun ein Wiedersehen in der ewigen Heimat. Um ein Gebet für den Verewigten bitten die schwergeprüften Eltern, seine einzige Schwester und die übrigen Anverwandten, auf das [sic] er vollendet schaue Gottes Herrlichkeit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 46] Am Karitassonntage, den 7. Mai, sammelten die [[Vinzentinerinnen|Schwestern]] zur Kirchenkollekte 330,- Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Christi_Himmelfahrt Christi Himmelfahrt] durfte noch nicht einmal am Tage in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] gefeiert werden, es war nur eine heilige Messe wie an Werktagen. Die Eucharistischen Umgänge an den 6 Sonntagen nach Ostern mit sakramentalischem Segen am Missionskreuz konnten noch stattfinden. Auch fanden an den [https://de.wikipedia.org/wiki/Bitttage Bitttagen] die Prozessionen statt. Im Mai wurde ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Volkswohlfahrt NSV]-[[Kindergarten]] im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Saale Hahn]], wo auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Chempark_Dormagen I.G. Dormagen] ein [sic.] Arbeitsraum geschaffen hatte (Kunstseide), eingerichtet. Ob unser von den [[Vinzentinerinnen|Schwestern]] geführter [[Kindergarten]] noch bestehen kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20. Mai fielen in der Nacht eine Reihe von Bomben in der Nähe von Zons. Durch den Luftdruck wurde das Maßwerk des Fensters über dem Haupteingang zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bei der Metallsammlung wurden 24 Kerzenleuchter beschlagnahmt und nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] abgeliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 47] Im Juni wurde vom Kunstmaler und Restaurateur Heinrich Josef Winkel aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Klettenberg_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Klettenberg], Petersbergstr. 25, das Ölgemälde Christus am Kreuze in der [[Kriegergedächtniskapelle]] (Wert 12–14.000 Mark) für 500,- repariert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Juni, [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnam] zog die Prozession wegen des schlechten Wetters durch die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Juni: 2., 3. (Bomben in der Nähe), 4., 5., 6. (Beginn der [https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Overlord Invasion in der Normandie]), 7. (2x), 8., 9., 10., 11., 12., 13. (2x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen] wieder bombardiert), 14. (4x), 15. (2x) Beginn des Beschusses von England durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Vergeltungswaffe Sprengkörper V1], 25. (2x), 26. (3x), 27. (2x), 28. (2x), 29. (2x), 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frau Kremer, ausgebombte (in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes]) Tochter des Maurermeisters Heinrich Lenden, die jetzt bei ihrem Vater in der [[Steinstraße]] wohnt, machte ihrer Schwester Frau Herf Vorhaltungen, daß sie den Vater nicht gut verpflege, darauf Streit der Schwestern, Frau Herf läuft zum [[Ortsgruppenleiter]] [[Arthur Buchta|Buchta]], der gerade Parteiversammlung hat. Darauf muß die ganze Versammlung vor das Haus des Lenden ziehen, dort Pfui rufen, und die Frau [p. 48] Kremer wird von der Ortspolizei in [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzhaft Schutzhaft] genommen. So geschehen 1944 in Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Juli: 1., 2., 3., 4., 5. (3x), 6., 7. (2x), 8., 9., 10., 11., 12. (2x), 13., 14. (2x), 15. (2x), 16., 17., 18. (2x), 19. (2x) morgens 9 Uhr fliegen 2000 Flugzeuge (48 Verbände) über Holland ein. 20. (3x), 21. (5x), 24. (3x), 25., 28. (2x), 29. (2x), 31. (2x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20.7.44 [https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_vom_20._Juli_1944 Attentat] auf den [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Führer Adolf Hitler].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heute stürzte der zweite Lindenbaum in der [[Rheinstraße]] gegenüber der [[Turmstraße|Lindenstraße]] morsch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15. August, [https://de.wikipedia.org/wiki/Mari%C3%A4_Aufnahme_in_den_Himmel Mariae Himmelfahrt]. Werktag wie sonst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 20.8., dem folgenden Sonntage, wurden vor dem Hochamte die Kräuter geweiht. Alle Wände und Straßen beschrieben mit Heil Hitler etc. Auf dem Plakat steht: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und den Führer, der grüßt auch nicht mit Heil Hitler. Schon am Gruß erkennt man die Gesinnung. Die Kinder grüßen ihren [[Johannes Klüwer|Pastor]] mit &amp;quot;Grüß Gott&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 21.8. hatten die Schulneulinge ihre heilige Messe in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]], die [[Vinzentinerinnen|Schwester]] hatte mit den Kindern eine kindertümliche Messe geübt, wie jedes Jahr. Fast alle Mütter waren mit ihren Kindern zur Stelle, selbst die protestantischen. Zum Schluß empfing jedes Kind den kirchlichen Kindersegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 49] 28. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Johann Blömacher]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! St. Martinus!&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter#Fr.C3.BChere_deutsche_Streitkr.C3.A4fte Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Johann Blömacher&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt, deshalb ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt.&amp;quot; 2. Tim. 4, 5.&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 20. Januar 1910 zu Zons als jüngster Sohn der Eheleute Hubert Blömacher und Maria Freckmann. Er heiratete am 7. Oktober 1934 Martha Stanoßek aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] zu einer glücklichen Ehe, die Gott mit zwei Kindern segnete. Nach seiner Schulentlassung war er bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Chempark_Dormagen I. G. Farben, Werk Dormagen], beschäftigt. Am 15. März 1940 wurde er zu den Waffen gerufen, erhielt seine militärische Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dessau-Ro%C3%9Flau Roßlau bei Dessau], wurde im Osten eingesetzt und starb am 2. Juli 1944 bei einem Bombenangriff durch einen Volltreffer den Heldentod fürs Vaterland. Beigesetzt wurde er auf dem Heldenfriedhofe zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Werchnjadswinsk Drissa]. – Seiner Gattin war er in Liebe ein guter Lebensgefährte und seinen beiden Kindern ein besorgter Vater. Seine Eltern und Geschwister verlieren ihren guten Sohn und Bruder. Sonnige Heiterkeit sowie stete Hilfsbereitschaft erwarben ihm die Achtung aller, die ihn kannten. Im lebendigen Glauben an ein Wiedersehen in der ewigen Heimat ist er hinübergegangen ins Jenseits. Voller Trauer bitten die Gattin, seine zwei Söhne, die Eltern, der Schwiegervater, die Geschwister, Schwäger, Schwägerinnen und die übrigen Anverwandten um ein Gebet für den Dahingeschiedenen. Trost finden sie in der zuversichtlichen Hoffnung, daß der Herr das Opfer seines jungen Lebens gnädig von ihm aufgenommen hat und ihm die Krone des ewigen Lebens verliehen haben wird. Er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im August: 5. (2x), 6., 7. (2x), 8., 9. (2x), 10., 12., 13., 14., 15., 16., 17., 18. (3x), 19., 23., 25. (2x), 26. (3x), 27. (3x), 28. (3x), 29. (2x), 31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 50] September. Die Fronten im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Osten] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Westfront_1944/1945 Westen] brechen zusammen. Im Osten stehen die Russen vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostpreu%C3%9Fen Ostpreußen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Warschau Warschau] und im [https://de.wikipedia.org/wiki/Weichsel großen Weichselbogen]. Im Westen an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Mosel Mosel], [https://de.wikipedia.org/wiki/Maas Maas]. Im Südosten vor den [https://de.wikipedia.org/wiki/Karpaten Karpaten], am [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Tor Eisernen Tor] und in Italien. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_%28Tyrrhenisches_Meer%29 Arno] vor der [https://de.wikipedia.org/wiki/Po-Ebene Poebene]. Im Norden hat Finnland uns verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die vorgeschriebenen 7 [https://de.wikipedia.org/wiki/Einheitslieder Einheitslieder] für die Singmesse sind mit der Gemeinde geg[..]&amp;lt;ref&amp;gt;Wort unklar.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Glaubensstunden für die Jünglinge fallen aus, da die Jünglinge und Jungens von 14 Jahren an eingezogen sind. Die Oberklasse der Knaben wirft [https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%BCtzengraben Splittergräben] aus zum Schutze gegen Tiefflieger. Die Mädchen kommen auch nicht mehr zur Glaubensstunde, da sie in Rüstungsbetrieben sind, nur die Jungfrauen über 20 Jahre finden noch wöchentlich 1 Stunde für ihre Bibelstunden, gelesen ist das ganze [https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Lukas Lukasevangelium].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. September. Eine Einheit von [https://de.wikipedia.org/wiki/Cherbourg-Octeville Cherbourg] hier im Quartier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. September. Ein Kriegslazarett von [https://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Quentin St. Quentin] im Quartier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 51] Aus Rußland haben sie ukrainische Helferinnen mitgebracht. Auch 3 Geistliche sind bei der Einheit als Sanitäter, ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Steyler_Missionare Steyler Pater], ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskanische_Orden Franziskaner] und ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Kapuziner Kapuziner], die hier bei verschlossenen Türen zelebrieren. Das Reservelazarett von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] (Krankenhaus) wird nach rückwärts verlegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12.9. Ein Kriegspfarrer meldet sich zur Einquartierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13.9. [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen] wird geräumt, der Flüchtlingsstrom flutet über den Rhein. Die Polizei mit Hilfskräften gehen an die Front. Die Landwacht (Bauern) ist aufgeboten und bewacht die Wege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das ewige Gebet vom 12.9. wird durch Fliegeralarm häufig unterbrochen. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplet Schlußkomplet] verlief feierlich unter Assistenz der Priestersoldaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17.9. Der vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Erzbischof] angeordnete Gebetstag. Die Teilnahme an der heiligen Kommunion und den Gebetsstunden. Das Hochamt zelebrierte einer der Priestersoldaten mit Assistenz, was lange nicht mehr in Zons möglich gewesen war. Der Kriegspfarrer hielt die Predigt, Studienrat Schilling aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Lippstadt Lippstadt].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 52] Nach dem Hochamte singt der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] dem aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft ausgetauschten Sangesbruder Gottfried Geilenkirchen ein Ständchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen] wird gekämpft! Gott denkt, die Evakuierung ist freiwillig. Die meisten Pfarrkinder wollten bleiben, befürchteten aber, mit Gewalt von Haus und Hof getrieben zu werden. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei N.S.-Partei] hat alle Akten etc. verbrannt. Sie wird verschwinden, und keiner weint ihr eine Träne nach. Der [[Arthur Buchta|Ortsgruppenleiter]] tobt und will alle, die nicht mit ihm ziehen, später zur Rechenschaft ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20.9. Man hört den Geschützdonner von [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCren Düren] her, die Leute vergraben ihre Sachen. Der [[Ortsgruppenleiter]] [[Arthur Buchta|Buchta]], ein Mann aus dem Osten, ein fanatischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus Nationalsozialist], der die Leute genug drangsaliert hat, hat sich gestern öffentlich verabschiedet. Hoffentlich für immer, denn auch meine Tätigkeit, besonders unter der heranwachsenden Jugend, hat er sehr behindert. Die Glaubensstunden, besonders die der weiblichen Jugend, wurden immer schlechter besucht. Er richtete Singstunden, Nähstunden etc. ein, [p. 53] und die Jugend wurde zur Teilnahme gezwungen. Dabei hielt er dann Vorträge über die neue kommende Weltanschauung, wobei die katholische Kirche stark bekämpft wurde. Der Sakramentenempfang der 15–17jährigen ging sehr zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23.9. Die Fronten halten sich. Das normale Leben geht weiter. Für die Frauen ist für Sonntag, den 24.9. ein religiöser Besinnungstag angesetzt. Der Herr Diözesanpraeses der Frauen- und Müttervereine aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], Georg Alfes hielt selbst die Vorträge. Er kam per Rad von [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigsdorf_%28Frechen%29#Gro.C3.9Fk.C3.B6nigsdorf Großkönigsdorf], in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] ist er ausgebombt. Den Einleitungsvortrag am Samstag-Abend konnte er nicht halten. Andauernder Fliegeralarm. Tiefflieger beschießen auf dem Rhein die Schlepper, einem sind die Dampfkessel zerschossen. 2 Tote, 3 Verletzte. An der heiligen Kommunion am Sonntag beteiligten sich 150 Frauen. Die Vorträge um ½ 8, 2 und 4 Uhr waren ebenfalls durchschnittlich von 150 Frauen besucht. Um 5 Uhr Muttergottesweihe. Am Montag heilige Messe [p. 54] und Schlußvortrag von der gleichen Zahl besucht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß] bombardiert. Die Explosionen bis hierhin deutlich zu spüren, der Kanonendonner von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Westfront_1944/1945 Westfront] Tag und Nacht zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im September: 1. (5x), 3. (2x), 4. (2x), 5. (2x), 6. (2x), 8. (3x), 9. (4x), 10. (6x), 11. (5x), 12. (5x), 13. (3x), 15., 16. (2x), 17. (4x), 18. (2x), 19. (4x) ([https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchen-Gladbach]), 20. (3x), 21. (2x), 22., 23. (3x) ([https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]), 25. (2x), 26. (3x), 27. (4x), Luftkämpfe, 28. (4x), 29. (5x), 30. (3x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Oktober [[Erntedankfest]] wie alljährlich festlich begangen. Das Erntespiel, die Gaben und Früchte, von den Kindern gebracht, wurden gesegnet. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] entsprechend geschmückt, der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] sang, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenkranz Rosenkranzandachten], die im Oktober jeden Abend sind, feierlich begonnen, die Andacht gut besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heute hat die Pfarrgemeinde öffentlich ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gel%C3%BCbde Gelübde] gemacht. Heilige Maria, Muttergottes! Die Pfarrfamilie von Zons kniet hier vor Deinem Gnadenbild und fleht um Deine Hilfe und Fürsprache in der großen Not unserer Tage. Wir alle sind uns der Bedeutung [p. 55] dieser Stunde bewußt und machen freiwillig das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gel%C3%BCbde Gelübde], daß wir, wenn unsere Stadt und seine Bewohner von den Verwüstungen des Krieges verschont bleiben, gemeinsam von seiten der Pfarre eine Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] zur &amp;quot;Not Gottes&amp;quot;, so heißt ja das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnadenbild Gnadenbild], machen wollen zum Dank für Deine Hilfe in unserer Not.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Peter Bock]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist. Johannes 11, 25.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter#Fr.C3.BChere_deutsche_Streitkr.C3.A4fte Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Peter Bock&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 17. Februar 1909 zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_%28Monheim_am_Rhein%29 Baumberg am Rhein] als Sohn der Eheleute Wilhelm Bock und Anna Hegtmann, heiratete am 28.8.1932 Maria Vianden aus Zons. Gott segnete die glückliche Ehe mit 4 Kindern. Nach seiner Schulentlassung erlernte er das Schuhmacherhandwerk, wurde am 13.1.1942 zu den Waffen gerufen und erhielt seine militärische Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Iserlohn Iserlohn]. Im Westen eingesetzt, starb er bei den schweren Abwehrkämpfen an der holländischen Grenze am 12.9.1944 den Heldentod für das Vaterland. Am 13.9.1944 wurde er mit militärischen Ehren beigesetzt auf dem Friedhof in Vliek/[https://de.wikipedia.org/wiki/Meerssen Meersen] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Maastricht Maastricht].&lt;br /&gt;
::Treubesorgt war der Verstorbene um Frau und Kinder. Bei seinem letzten Urlaub empfing er mit seiner Familie gemeinsam die heiligen Sakramente und ging so gestärkt in den Kampf, von dem er nicht mehr heimkehren sollte. Möge der Herrgott ihm ein gütiger Richter gewesen sein.&lt;br /&gt;
::Große Trauer hat sein Tod gebracht seiner Familie, der er mit zärtlicher Liebe ergeben war, doch der Gedanke, daß er ein guter Mensch und Christ gewesen, daß er das Höchste, sein Leben für des Vaterlandes Sicherheit hingegeben, erfüllt sie mit Trost und Hoffnung, daß er in eine bessere Heimat eingegangen und den ewigen Siegespreis erhalten habe. Die Gattin, zwei Töchter, zwei Söhne, die Mutter, Schwiegermutter, zwei Brüder, sechs Schwestern und die übrigen Anverwandten bitten um ein frommes Gebet für den Dahingeschiedenen, auf daß er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
:[p. 56] Am 2. Oktober fanden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für Peter Bock, conferre S. 55, statt. Er hinterläßt Witwe mit 4 unmündigen Kindern. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] mußten 2x unterbrochen werden wegen der akuten Gefahr von feindlichen Kampfverbänden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Oktober Als ich am [https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligstes_Herz_Jesu#Liturgie Herz Jesufreitag] den Kranken die heilige Kommunion brachte, kamen Tiefflieger und griffen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhenania-Ossag Rhenania], eine Ölraffinerie zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_%28Monheim_am_Rhein%29 Baumberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim], an. Der Kessel wurde getroffen und die Schiffe, die am Kai lagen. Einige Tote und Verwundete. Am Tage vorher Bombenteppich auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosellerheide Rosellerheide], tot ein Mann und 7 Kinder. Der Luftdruck war stark zu spüren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Oktober Besinnungstag der Jungfrauen. Pater Dr. Kreuzkamp von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] hielt die Vorträge. 80 % der Jungfrauen und Jungmädchen beteiligten sich. Damit hoffe ich, die Gemeinde vorbereitet zu haben. Die Männer von 15–60 Jahren sind meistens weg. Am letzten Freitag, 6.10., verabschiedeten sich 21 Jungens, Jahrgänge 1928 und 1929, und zogen nach [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BClken Dülken], um Gräben auszuwerfen. Den Jahrgang 1930 hatte man zurückgeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 57] 30. Bild siehe Seite 65.&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Georg Heyer]&lt;br /&gt;
::Zum frommen Andenken an den in Gott ruhenden&lt;br /&gt;
::Georg Heyer&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Unteroffizier#Wehrmacht Unteroffizier] in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_%28Milit%C3%A4r%29#Einsatz_im_Zweiten_Weltkrieg Pionier-Regiment], Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsverdienstkreuz_%281939%29 Kriegsverdienstkreuzes II. Klasse mit Schwertern], der am 17. September 1944, bei den [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg schweren Kämpfen im Osten] den Heldentod fand. Er war geboren am 22. Februar 1910 und vermählte sich am 26. Mai 1933 mit Johanna Humeyer zu einer glücklichen Ehe, die mit 3 Kindern gesegnet wurde. In Demut neigen wir uns vor seinem Grab. In meinem und in seiner Kinder Herzen wird er immer weiter leben.&lt;br /&gt;
::In großem Schmerz trauern um ihn seine Gattin, seine Kinder, seine Eltern und 7 Geschwister. Sie bitten um ein frommes Gebet für seine Seelenruhe.&lt;br /&gt;
::Herr, gib ihm die ewige Ruhe,&lt;br /&gt;
::Und das ewige Licht leuchte ihm.&lt;br /&gt;
::Laß ihn ruhen in Frieden!&lt;br /&gt;
::Amen.&lt;br /&gt;
::Nun ruhe ich in Gottes Garten,&lt;br /&gt;
::Muß hier auf meine Lieben warten,&lt;br /&gt;
::Liebe Gattin, Kinder, Eltern und Geschwister mein&lt;br /&gt;
::Ich kehre nicht mehr zu Euch heim.&lt;br /&gt;
::Als ich starb im fremden Land,&lt;br /&gt;
::Da reichte mir niemand von Euch die Hand.&lt;br /&gt;
::Mein letzter Gedanke, mein letzter Blick&lt;br /&gt;
::Er eilte zu Euch in die Heimat zurück.&lt;br /&gt;
::Tröste Du, o Herr, meine Lieben&lt;br /&gt;
::Und schenke mir den ewigen Frieden.&lt;br /&gt;
::M. Schmitz, [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BClken Dülken].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Nacht vom 14. zum 15.10. war Fliegeralarm um ½ 2 Uhr und ½ 4 Uhr. Die heilige Messe durfte deshalb erst um 10 Uhr beginnen. Von 8–11 war andauernder Alarm und Fliegerbeschuß, deshalb konnte das Brautamt für den Soldaten erst um 11 beginnen, die zweite heilige Messe war dann um 5 Uhr gut besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:KlüwSk2.JPG|300px|thumb|right|Skizze zum Eintrag vom 26. Oktober 1944.]]&lt;br /&gt;
:[p. 58] 26. Oktober. Die Front rückt näher und näher, da die Gefahr einer Evakuierung droht und man die Sachen nicht alle mitnehmen kann, so habe ich heute 2 Kisten vergraben. Lage: +&amp;lt;ref&amp;gt;Es folgt eine kleine Skizze der Stelle, an der die Kisten im Pfarrgarten vergraben wurden.&amp;lt;/ref&amp;gt; Inhalt: [https://de.wikipedia.org/wiki/Monstranz Monstranz], Reliquienbehälter mit Reliquien des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich heiligen Hubertus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Pluviale Chormantelspange] mit Bild des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich heiligen Hubertus], 4 Kelche, Behälter für Öl und Tauföl, Versehkreuz, Becher der [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|Sebastianusbruderschaft]]. Der 2. Vorsitzende des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandes]] Gottfried Stelzmann, [[Lindenstraße]], weiß Bescheid. Die Vorsicht ist angebracht, da [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzstaffel SS] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmabteilung SA] die Leute gewaltsam forttreiben und dann plündern, was sie erraffen können. Einige wertvolle [https://de.wikipedia.org/wiki/Parament Paramente] habe ich über den Rhein bringen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Oktober: 1., 2. (5x), 3. (3x), 4. (5x), 5. (6x), 7. (4x), 8. (2x), 9. (2x), 10., 11. (3x), 12. (4x), 13. (3x), 14. (8x), 15. (5x) Tiefangriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhenania-Ossag Ölrafinerie Rhenania] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim], Tank hat 8 Tage gebrannt, 16. (2x), 17. (3x), 18. (4x), 19. (2x), 20. (5x), 21. (5x), 22. (3x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], 23. (3x)[https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen], 24. (3x), 25. (2x), 26. (3x), 27. (3x), 28. (6x) Tiefflieger auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_%28Dormagen%29 Horrem], 29. (4x), 30. (3x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wieder Einquartierungen. [https://de.wikipedia.org/wiki/General General] liegt hier, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Feldpost_im_Zweiten_Weltkrieg Feldpost] etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 59] [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerseelen Allerseelen] kommen gegen ½ 4 16 Tiefflieger. Einige Bomben am Rhein. Schiffer im Sand verschüttet, aber bald wieder ausgegraben. [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] und Nachbarhäuser beschossen. Kinder waren zur heiligen Beichte Gott Dank noch nicht in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]]. Ein Explosionsgeschoß flog mir in das Studierzimmer unmittelbar neben dem Schreibtisch. Keine Toten und keine Verletzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Alfred Zapf]&lt;br /&gt;
::Jesus. Maria. Josef. Martinus.&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Selig der Mann, der den Kampf besteht.“ Jakob 1,12.&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen&lt;br /&gt;
::Unteroffiziers Alfred Zapf&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz#Zweiter_Weltkrieg Eisernen Kreuzes 2. Klasse], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsverdienstkreuz_%281939%29 Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Medaille_Winterschlacht_im_Osten_1941/42 Ostmedaille], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwundetenabzeichen_%281939%29 Verwundeten-Abzeichens] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Schutzwall-Ehrenzeichen Schutzwall-Ehrenzeichens].&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 21. März 1914 zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Freyming-Merlebach Freimengen (Lothringen)] als ältester Sohn der Eltern Otto Zapf und Anna Rösch, und heiratete am 27. Februar 1944 in Zons am Rhein Vinzentia Zistermich aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberkassel_%28D%C3%BCsseldorf%29 Düsseldorf-Oberkassel]. Bei den schweren Abwehrkämpfen in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Waldkarpaten Waldkarpathen] am Beskidenpaß starb er am 30. September 1944 an der Spitze seines Zuges den Heldentod als tüchtiger, fürsorglicher Zugführer, betrauert von seinen Kameraden, wie die Trauerbotschaft sagt.&lt;br /&gt;
::Sein ganzes Leben war ein Dienen in Gott. Darum war er selbstlos in Liebe und Sorgen für die Seinen. Vor dem Willen des Vaters beugte er sich, selbst in den schwersten Stunden seines Lebens. Nun darf er ausruhen in Gott von all seinen Kämpfen und Leiden.&lt;br /&gt;
::Das Wiedersehen in Gott, das ist der Trost seiner Gattin, die ihren Mann nach nur 7-monatiger, glücklicher Ehe verliert, das ist die Hoffnung seiner Eltern und Schwiegereltern, denen er ein guter Sohn, seines Bruders und seines Schwagers.&lt;br /&gt;
::Er ruhe im ewigen Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 60] 12. November. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours#Namenstag Patrozinium] konnte noch feierlich begangen werden. Der [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]] feierte sein 25jähriges Ortsjubiläum als [[Lehrer]] von Zons. Trotz des Naziterrors hat er die religiöse Unterweisung der Kinder weitergeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es droht wieder [[Hochwasser]]. Das Wasser steht schon bis an dem Hauptdamm. Der Flügeldamm auf [[Stürzelberg]] zu sowie der Hauptdamm ist durch einige Fliegerbomben stark beschädigt, an seiner Instandsetzung wird mit Unterstützung der Soldaten hierselbst gearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssturm Volkssturm] haben sich 29 gemeldet, über die Hälfte Knaben von 16 Jahren. Selbst bei den älteren [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei Parteimitgliedern] musste ein sanfter Druck angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10.11. waren die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für Catharina Kuthning geborene Bechlenberg, Tochter von Arnold Bechlenberg und Catharina Schlangen, die beim Besuche ihres Mannes, der als Soldat in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-Harburg Harburg bei Hamburg] lag, durch einen Fliegerangriff im Keller verschüttet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 61] 32. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Jakob Görgens]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist. Johannes 11, 25.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampf für das Vaterland gefallenen&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Unteroffizier#Wehrmacht Unteroffiziers] Jakob Görgens&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 30. Oktober 1915 als ältester Sohn der Eheleute Jakob Görgens und Maria Leiting, heiratete am 25. November 1940 zu [https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%81%C3%B3d%C5%BA Litzmannstadt] Gertrud Meuter aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] zu einer glücklichen Ehe, der 3 Kinder entsprossen, von denen das Zwillingspaar im zarten Alter gestorben ist. 1937 zu den Waffen gerufen, war der Verewigte zuerst im Osten eingesetzt, kämpfte im [https://de.wikipedia.org/wiki/Kaukasus Kaukasus], kam dann zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Westfront_1944/1945 Westfront] und starb in Belgien den Heldentod als Kradfahrer, durch eine Terroristenkugel tödlich getroffen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hierzu handschriftliche Ergänzung: &amp;quot;6.9.44&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [https://de.wikipedia.org/wiki/Bouillon_%28Belgien%29 Bouillion] haben seine Kameraden ihn in aller Stille zur letzten Ruhe gebettet.&lt;br /&gt;
::Ein glückliches Familienleben ist wieder zerrissen, die Gattin trauert um ihren treuen Mann, das Söhnchen um seinen lieben Vater, die Eltern um einen guten Sohn. Ergeben in Gottes heiligen Willen, bitten sie und die übrigen Anverwandten um ein stilles Gebet für den Dahingeschiedenen, auf daß er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Einquartierungen halten an. Mein Seelsorgeraum sowie der [[Kindergarten]] beschlagnahmt. Dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Volkswohlfahrt NSV]-[[Kindergarten]], der nach [[Gaststätte &amp;quot;Zum Fährhaus&amp;quot;|Gasthof Fleischhauer (Hell)]] verlegt wurde, wurde nicht beschlagnahmt. Die [[Vinzentinerinnen|Schwester]] hält den [[Kindergarten]] notdürftig im [[Vinzentinerinnen|Kloster]] aufrecht. Die Eltern schicken weiterhin ihre Kinder zu der [[Vinzentinerinnen|Schwester]]. [p. 62] Ich halte die Seelsorgestunden im [[Pfarrhaus|Pfarrhause]], die Kinder kommen fleißig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nachdem die [https://de.wikipedia.org/wiki/12._SS-Panzer-Division_%E2%80%9EHitlerjugend%E2%80%9C SS &amp;quot;Hitler Jugend&amp;quot;] abgezogen ist, kommen [https://de.wikipedia.org/wiki/SS-Verf%C3%BCgungsdivision#2._SS-Panzer-Division_.E2.80.9EDas_Reich.E2.80.9C_.281943.29 SS-Panzer &amp;quot;Das Reich&amp;quot;]. Die Panzer stehen gut getarnt in Scheunen und in einzelnen Winkeln der Straßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Frau berichtet, als ihre Einquartierung [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzstaffel SS-Mann] einen angefangenen Brief offen liegen ließ, hat sie neugierig hineingeschaut. Was schrieb der Mann nach Hause: Liebe Frau, ich kann Dir noch nichts schicken, die Leute hier sind noch nicht weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:33. Am 25.11. fanden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] statt für Carl Zimmermann aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], dessen Eltern, in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] ausgebombt, hier ein Unterkommen gefunden haben. Der Verstorbene, [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz#Zweiter_Weltkrieg Eisernes Kreuz II], [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwundetenabzeichen_%281939%29 Verwundetenabzeichen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Medaille_Winterschlacht_im_Osten_1941/42 Ostenmedaille], war in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] geboren am 16.3.1916 als ältester Sohn der Eheleute Jakob Zimmermann und Catharina Preiß. Am 10.8.44 wurde er bei den [https://de.wikipedia.org/wiki/Warschauer_Aufstand Partisanenkämpfen in Warschau] getötet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26. November war unter großer Anteilnahme der Pfarrfamilie die Heldengedenkfeier. 71 Namen wurden verlesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 63] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Josef Zistermich]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ist unsere Zeit gekommen, so laßt uns männlich sterben für unsere Brüder, und keinen Flecken Ehre anhängen. 1 Makk. 9, 10.&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Unteroffizier#Wehrmacht Unteroffiziers] Josef Zistermich&lt;br /&gt;
::Bruder Maria Isidor [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.Sp.]&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz#Zweiter_Weltkrieg Eisernen Kreuzes II], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwundetenabzeichen_%281939%29 Verwundetenabzeichens in Silber], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Medaille_Winterschlacht_im_Osten_1941/42 Ostmedaille] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Demjanskschild Demjanskschildes].&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren in [https://de.wikipedia.org/wiki/Wickrath Wickrath] am 22. Februar als Sohn der Eheleute Martin Zistermich und Maria Rüth. Schon in jungen Jahren erwachte in ihm der Beruf, im Ordensstande sein ganzes Leben Gott zu weihen. Mit 13 Jahren trat er in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner Missionsschule der Väter vom heiligen Geiste] ein, kam dann nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] und legte nach der Dienstzeit im [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst R. A. D.] die feierliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Ordensgel%C3%BCbde Profeß] ab in der Genossenschaft, deren Wahlspruch lautet: Cor unum et anima una. 1940 zu den Waffen gerufen, machte er 3 Jahre lang die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg schweren Kämpfe im Osten] mit, wurde im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Westfront_1944/1945 Westen] eingesetzt und starb am 16.9.1944 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Verlautenheide Verlauter Heide] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen] den Tod fürs Vaterland, begraben wurde er auf dem Heldenfriedhof zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Hehlrath Hellrath].&lt;br /&gt;
::Er war treu, stets hilfsbereit, von eiserner Pflichtauffassung, beliebt bei seinen Kameraden, geachtet bei seinen Vorgesetzten, so schreibt sein Kompagnieführer über ihn in der Todesbotschaft. Sollte es der Wille Gottes sein, mein junges Leben zu opfern, so weinet nicht, schreibt er zum Abschied seinen Eltern. Christus muß leben, wenn wir auch sterben müssen, ich gehe mit Ruhe in den Kampf, haben [sic.] ich mich doch stets bemüht, in meinen Kameraden Christus zu sehen.&lt;br /&gt;
::Um ein frommes Gebet für ihn bitten seine Eltern, seine Schwester, seine Mitbrüder im Ordensstande, sowie die übrigen Anverwandten, auf daß er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
:Bei den [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] hielt Pater Burggräf [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.Spiritus] [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] dem verstorbenen Bruder der Genossenschaft die Gedächtnisreden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30.11. kam während der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für Frau Adelheid Wallscheid geborene Erkelenz ein Tiefflieger und warf Bomben. Das Haus Adolf Hitlerstr. 10, früher [[Feldstraße]] 120 (Besitzer: [p. 64] Familie Burbach) wurde vollständig zerstört, 2 große Lastkraftwagen des Militärs wurden gegen das Nachbarhaus geschleudert, in dem Arnold Bechlenberg wohnt. Es wurde auch zum Teil zerstört. Auch sonst große Zerstörungen im Ort, besonders der Dächer. Dem Nachbar auf der anderen Seite Anton Hesemann (Eckhaus [[Feldstraße]]-[[Brunnenstraße]]) wurden einige Schweine durch die Luft geschleudert und lagen bei Kiepels ([[Buschhof]]) vor der Türe. Auch an der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] einige Zerstörungen, ein Geschoß wurde an den Stufen des Altars gefunden. Keine Toten, einige leichte Verletzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im November: 1. (4x), 2. (3x), 3. (3x), 4. (5x), 5. (3x), 6. (4x), 7. (3x), 8. (2x), 9. (2x), 10. (4x), 11. (3x), 15. (4x), 16. (3x), 17., 18. (2x), 19. (3x), 20. (4x), 21. (5x), 23., 24. (2x), 25. (3x), 26. (5x), 27. (4x), 28. (3x), 29. (5x), 30. (4x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Da die Fliegeralarme sich häufen, die Leute nervöser werden, so ist jetzt Sonntags eine heilige Messe in der Frühe und die 2. nachmittags um 4 Uhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der [https://de.wikipedia.org/wiki/General General] mit seinem Stab ist abgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Dezember. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldlazarett Feldlazarett] kommt mit Krankensammelstelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 65] [Foto] 30 Georg Heyer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. Dezember. Nun sind auch die Panzer abgezogen, es ist wieder ruhiger im Städtchen. Das Flirten der jungen Mädchen, ja selbst von verheirateten Frauen, war schlimm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17. Beginn der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ardennenoffensive großen Gegenoffensive] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Eifel Eifel] südlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Monschau Monschau]. Hoffen wir das Beste. Die Flüchtlinge, die in großer Zahl auf der Flucht aus dem Westen hier geblieben sind, atmen wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weihnachten reger Sakramentenempfang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 66] Fliegeralarm im Dezember: 1. (6x), 2. (5x), 3. (4x), 5. (4x), 6. (5x), 7. (3x), 8. (3x), 9. (2x), 10. (2x), 11. (2x), 12., 14. (2x), 15. (3x), 16. (4x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Ardennenoffensive Beginn der Offensive], 17. (5x), 18. (4x), 19. (2x), 21., 22., 23. (3x), 24. (3x), 25. (2x) ein schwerer 4-motoriger Bomber droht angeschossen auf Zons zu fallen, kommt aber noch bis zur [[Hannepützheide|Heide]]. 3 Flieger abgesprungen und Kriegsgefangene, die übrigen 6 verstümmelt unter den Trümmern. 26. (4x), 27. (3x), 28. (2x), 29. (3x), 30. (2x), 31. (5x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1944&lt;br /&gt;
:Taufen 18 (18), auswärts 6 (3x)&lt;br /&gt;
:1. heilige Beichte 28 (31), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 23 (21)&lt;br /&gt;
:Trauungen 3 (5), auswärts 2 (-), [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegstrauung Kriegstrauungen] 12 (3)&lt;br /&gt;
:gestorben 22 (15), gefallen 11 (11), ausgetreten 0 (-)&lt;br /&gt;
:Kommunionen 16.900 (15.100)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am Weihnachtsmorgen Begräbnis der englischen und amerikanischen Flieger in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]. Feindflugzeuge, ca. 50, fliegen ihre Ehrenrunden und werfen Kränze ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1945&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 67] Kriegsjahr 1945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ardennenoffensive Entlastungsoffensive in den Ardennen] hat uns vor der augenblicklichen Evakuierung bewahrt. Nun sind die Russen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostpreu%C3%9Fen Ostpreußen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien Schlesien] eingefallen, und die nach Osten Geflüchteten flüchten wieder zum Westen zurück. Die Fliegerangriffe mehren sich. Die Rheinbrücken werden bombardiert, werden getroffen und fallen zeitweilig für den Verkehr aus. Noch immer sind wir Lazarettstadt, und bis jetzt ist das [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Rotes_Kreuz rote Kreuz] respektiert worden. Eine Transporteinheit versorgt uns auf der Rückfahrt mit Kohlen. Der Winter ist hart, der Frost und Schnee will nicht weichen. Den Religionsunterricht kann ich wieder im [[Jugendheim]] geben, wo auch die unteren Schulklassen ihren Schulunterricht haben. Die Kinder des 3. und 4. Schuljahres werden in Privatwohnungen unterrichtet. Das 5., 6., 7., 8. Schuljahr ist schon seit Monaten ohne Schulunterricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden nur noch Postkarten, keine Briefe mehr befördert. [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß] hat schwere Luftangriffe mitzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 68] Am 8. Januar Beginn des Erstkommunionunterrichts. Ob die Kinder am Ostersonntage zur ersten heiligen Kommunion gehen können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Januar: 1. (3x), 2. (3x), 3. (3x), 4., 5. (4x), 6. (3x), 7. (2x), 8., 10. (2x), 12., 13. (2x), 14. (5x), 15., 16. (5x), 17. (2x), 18., 19., 20. (4x), 21. (5x), 22. (7x) [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß], 23. (2x), 24., 25. (2x), 26. (2x), 27., 28. (3x), 29. (3x).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:KlüwSk1.JPG|300px|thumb|right|Skizze zum Versteck im Kellerraum.]]&lt;br /&gt;
:Im Keller des [[Pfarrhaus]]es habe ich einen Kellerraum herrichten lassen, der vermauert wird, siehe die Skizze:&amp;lt;ref&amp;gt;Es folgt eine kleine Skizze.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Kisten aus dem Garten, conferre Seite 58, sind ausgegraben und in den Raum gebracht worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18. Februar. Wiederum stehen wir vor der unmittelbaren Gefahr, Kriegsgebiet zu werden. Die Tiefflieger machen uns viel zu schaffen. Die Bauersleute können nicht aufs Feld zur Frühjahrsbestellung. Zur Rundumverteidigung werden Gräben gezogen und Maschinengewehrnester gebaut. Die Russen stehen am Westufer der [https://de.wikipedia.org/wiki/Oder Oder], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kleve Kleve] ist genommen, die Amerikaner stehen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Schleiden Schleiden] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gem%C3%BCnd_%28Schleiden%29 Gemünd]. Die Talsperren am Oberlauf der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhr Roer] sind gesprengt. Wenn die Wasser abgelaufen sind, wird wohl der Durchbruch [p. 69] erfolgen. Mögen [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours St. Martin] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich Hubertus], unsere Pfarrpatrone, unser Städtchen durch ihre Fürbitte walten. Auf Wunsch der Eltern soll die Erstkommunion schon am 25. Februar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fliegeralarm im Februar: 1. (6x), 2. (3x), 3. (3x), 4. (3x), 5. (2x), 6. (2x), 7. (2x), 8. (2x) längster Alarm bis jetzt von 8.30–12.30 Uhr und von 13–17 Uhr, andauernd feindliche Fliegertätigkeit mit Bomben und Bordwaffenbeschuß, und kein deutscher Flieger läßt sich sehen. 9. (4x), 10. (4x), 11. (3x), 12. (2x), 13. (4x), 14. (4x), 15. (2x), 16. (3x), 17. (3x), 18., 19. (3x), 20. (3x), 21. (7x), 22. (3x) Alarm von 10–17 Uhr, 23. (4x), 24. (3x), 25., 26. (4x), 27. (4x), 28. den ganzen Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25.2. begann die Erstkommunionfeier um 7 Uhr. Gerade hatten die letzten Kinder die [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] empfangen, da fielen die ersten Bomben der Feindflieger. Die Ruhe wurde bewahrt und die Feier kurz beendet, die meisten Gläubigen gingen noch zur heiligen Kommunion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. und 2. März andauernd Tiefflieger mit Bordwaffenbeschuß. Das Haus Fleischhauer am Rhein (Bootswerft) getroffen. Die Sanitätsfähre in Betrieb Tag und Nacht. Die Ereignisse überstürzen sich. Die Partei mit [p. 70] Anhang hat Zons verlassen. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssturm Volkssturm] sollte noch nach [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] geschafft werden, sie kamen bis zur [[Stürzelberg]]er Fähre, geführt von Fred Wingerath, einen wütenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazi], im Volksmund der &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Goebbels Göbbels]&amp;quot; genannt. An der Fähre folgten 5 Mann, die anderen verweigerten die Überfahrt und kamen zurück. [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchen-Gladbach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Krefeld Krefeld], [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] genommen. Heute 2. März war ich noch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], wo der Naziverwalter von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei Gestapo] Wentges gerade dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Provinzial Provinzial], der als ausgebombter Flüchtling vor einigen Tagen zurückgekehrt war, Herrn Hochwürden Pater Hoffmann Schlüssel und Verwaltung übergeben hatte und in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Rotes_Kreuz roten Kreuzauto] mit Anhänger türmte. Die Lazarette [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus] werden geräumt. Das Schießen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], [https://de.wikipedia.org/wiki/Grimlinghausen_%28Neuss%29 Grimmlinghausen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Uedesheim Üdesheim] kommt näher. Bald werden die Amerikaner hier sein und auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Panzersperre Panzersperre] und die Gräben, die man um Zons gezogen hat, werden sie nicht aufhalten. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Panzersperre Panzersperre] hat [p. 71] man an der [[Bahnstraße]] (Feldtorkreuz) errichtet und die Straße zu sperren gesucht, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssturm Volkssturmmänner] haben sie aber nicht geschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Nacht zum 3. März saßen die meisten Zonser im Bunker. Die Sanitätskolonne zog ab. Dafür kam ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefechtsstand Gefechtsstand] der kämpfenden Truppe. Die üblen Bilder von 1918 wiederholen sich. Einzelne Soldaten versuchen, mit gepackten Sachen und ihren Liebsten das andere Rheinufer zu gewinnen. Den ganzen Tag über rege Fliegertätigkeit. Ich habe einen Herd in den Keller geschafft, um für alle Fälle gewappnet zu sein. An [[Schulwesen|Schulunterricht]] ist nicht zu denken. In der Nacht wurde ich zu einem sterbenden Soldaten (Lungenschuß) gerufen. Es war nicht festzustellen, welcher Konfession er angehörte, ich gab ihm bedingungsweise Absolution und heilige Ölung. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Rotes_Kreuz rote Kreuzschwester], die daneben saß, war nicht katholisch, noch evangelisch. Bald starb er, wurde eingesargt, von 2 Kameraden zum [[Friedhof]] gebracht, und den Angehörigen schreibt man, er wurde mit allen militärischen [p. 72] Ehren begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sonntag, den 4. März. Die Frühmesse um ½ 7 war sehr schlecht besucht, die meisten Leute hatten die Nacht im Bunker oder Keller zugebracht. Auch ich bin während der Nacht aufgestanden, als die Schießerei allzu toll wurde, und das Haus vergitterte. Während des Tages überstürzen sich die Ereignisse. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssturm Volkssturm] zieht aus, um die Gräben zu besetzen. Nach einer Stunde kommen sie wieder, um nachmittags wieder anzutreten, wo ihnen erklärt wird, daß der [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssturm Volkssturm] aufgelöst ist. Mit Freude werden die Gewehre und [https://de.wikipedia.org/wiki/Panzerfaust Panzerfäuste] zurückgegeben. Unterdessen rollen Panzer durch zur Fähre nach [[Stürzelberg]]. Der letzte Zug [https://de.wikipedia.org/wiki/Infanterie Infanterie] rückt ebenfalls nach [[Stürzelberg]], wo eine Militärfähre eingerichtet ist, ab. Mit ihnen ziehen freiwillig die unentwegten [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus Nazionalsozialisten], die sich freiwillig zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssturm Volkssturm] gemeldet hatten. Fritz Brandt, Engelbert Brandt (ausgetreten), Fred Wingerath (ausgetreten aus der Kirche), Peter Schnier etc., die alle [p. 73] Zons bis zur letzten Patrone verteidigen wollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich habe den Tag über die alten und kranken Leute besucht. Um 18 Uhr ist die 2. heilige Messe, sie ist trotz der allgemeinen Unruhe gut besucht. Die unsinnigsten Gerüchte machen die Leute ganz verrückt. So: das linke Rheinufer werde mit 300 Grad Minus ganz vereist, sodaß kein Lebewesen mehr existieren könnte. Sonntag-Abend werden 2 Geschütze an der [[Bahnstraße]] an der [[Schindskuhle]] aufgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Montag, 5. März. Die Infanterie setzt sich ab. Die letzten [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Rotes_Kreuz rote Kreuzwagen] fahren ab. Die Fähre ist Tag und Nacht im Betrieb, um möglichst viel Heeresgut auf die andere Seite zu befördern. Durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagener] Feld kommt ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberleutnant#Reichsheer.2C_Reichswehr.2C_Wehrmacht_und_Waffen-SS Oberleutnant] mit 8 Mann, sucht sich nochmals einzugraben. Ein Panzer fährt über den Damm nach [[Stürzelberg]] ab, wo eine größere Fähre arbeitet. 70 Mann [https://de.wikipedia.org/wiki/Infanterie Infanterie] beziehen den Graben, der  am Pumpwerk ausgeworfen ist. Die Panzer und dann die Geschütze fahren ab. Zons wird von den Amerikanern stark beschossen. Alles sucht Deckung in den Kellern [p. 74] und Bunkern. Die ganze Nacht schwerer Beschuß. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] erhält 3 Treffer, einen in den Turm, einen an das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesims Gesimse] und einen an den Turmpfeiler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Morgens gegen 7 Uhr am Dienstag, den 6. März rollen die ersten Panzer an. Ein Gefühl der Erleichterung geht durch die Bevölkerung. 2 Geschosse der amerikanischen Artillerie schlugen 1 Meter von der [[Pfarrhaus|Pastorat]] ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Einige Soldaten suchten es noch zum Straßenkampf kommen zu lassen. Die Bevölkerung zeigt die weiße Fahne. Die Panzer rollen durch die Straßen und schießen in die Häuser, dann wird der Ort durchkämmt nach Soldaten. In jeden Keller wird gegangen. Ich trug gerade das [https://de.wikipedia.org/wiki/Monstranz Sanctissimum] in die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], das ich während der Nacht im Keller bewahrt hatte, als die Soldaten mein [[Pfarrhaus|Haus]] betraten. Sie machten ehrerbietig Platz. Die Stadt hatte arg gelitten. Fast keine Fensterscheibe mehr ganz. Für luftige Wohnungen war nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Ley Leys] Versprechen gesorgt worden. Leider waren bei dem Beschuß 3 Zonser durch ihre Unvorsichtigkeit getötet worden: Adolf Norff, Hubert Geiler, Jakob Düssel. Eine 4., [p. 75] Catharina Rasselnberg, hatte ein Bein verloren und den Arm verletzt, sie wurde noch auf die andere Seite nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] geschafft. Weitere Nachrichten fehlen, da der Rhein uns augenblicklich trennt. Josef Rodekirchen, der als Fährmann Dienst tat, wurde in seinem Hause kriegsgefangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 7. März. Die heilige Messe im Keller der [[Pfarrhaus|Pastorat]] gefeiert, wie einst in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Katakombe Katakomben]. 16 Leute hatten hier Zuflucht gesucht, sie gingen zur heiligen Kommunion. Im Laufe des Morgens besucht mich ein amerikanischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Major#Streitkr.C3.A4fte_der_Vereinigten_Staaten Major], korrekt, aber freundlich, und fragt, wer evtl. als [[Bürgermeister]] hier in Frage käme. Ich verweise ihn an die Zivilverwaltung. Der Beschuß von deutscher Seite hält den ganzen Tag und die ganze Nacht an und richtet noch viele Zerstörungen an. Auch viele Splitterverletzungen. Der erste Treffer kam in die [[Vikarie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Donnerstag, 8. März Die meisten Leute verbleiben in den Kellern und Bunkern, jetzt schon den 6. Tag. Die Amerikaner benutzen trotz meines Protestes den [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirchturm]] zur Beobachtung, nachdem sie auf dem [[Rheinturm]] [p. 76] schweres Feuer bekommen haben. In der [[Vikarie]], die 2 Volltreffer bekommen, werden einige Räume beschlagnahmt. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Tommy_%28Soldat%29 Tommys] richten sich häuslich ein. Wo sie [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Hitlerbilder] entdecken, werden sie vernichtet. Das [[Vinzentinerinnen|Kloster]] hat 2 Volltreffer. Die [[Vinzentinerinnen|Schwestern]] ziehen mit ihren Schutzbefohlenen zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus]. Gegen Abend werden im [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Gasthof Weiler]] 2 deutsche Soldaten entdeckt und als Kriegsgefangene abgeführt, die während der ganzen Nacht über den Rhein funkten, daher der schwere Beschuß auf Zons. Im großen und ganzen haben die Eroberer sich korrekt benommen. Sie waren der Ansicht, ganz Zons läge voll Truppen, daher wurde in die Häuser, die verschlossen waren, geschossen. Ein Mädchen wurde vergewaltigt, einige Sachen und auch Lebensmittel gestohlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freitag, 9. März. Die Nacht war ruhig, der Deutsche erwiderte das Feuer der Amerikaner nicht mehr. Die meisten Leute schliefen aber noch in Kellern und Bunkern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 77] Freitag, 9. März. Die heilige Messe im Keller zelebriert. Um 9 Uhr Beerdigung der 3 von den Granaten Getöteten. Särge waren nicht zu beschaffen, deshalb wurden sie, wie die Juden, in Kisten eingesargt, auf einen Baumwagen gestellt und zum [[Friedhof|Kirchhof]] geleitet, die nächsten Anverwandten durften mitgehen, und dort kirchlich beerdigt. Exequien konnten noch nicht gehalten werden. Während des Tages hörten wir von der anderen Seite andauern Fliegeralarm und spürten den Luftdruck der Bombenteppiche. [https://de.wikipedia.org/wiki/Jagdbomber#Jagdbomber_im_Zweiten_Weltkrieg Jagdbomber] kreisten, und die Leute konnten ruhig auf den Straßen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Gegen Abend wurde der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirchturm]] wieder beschossen. 2 Kinder spielten mit einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Blindg%C3%A4nger Blindgänger] und wurden getötet, Willi und Anni Geertz von der [[Rheinstraße]]. Die Amerikaner beschlagnahmen immer ganze Häuser für ihre Soldaten, hauptsächlich immer die Keller. Sie scheinen sehr auf Vorsicht zu arbeiten, auch an dem Rhein hat sich noch keiner getraut, sie halten sich innerhalb der Mauern. Der Oberstadtsekretär [[Heinrich Berchem|Heinz Berchem]], ein wütender [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazi], der sich schnell umgestellt hatte, [p. 78] wird zum stellvertretenden [[Bürgermeister]] ernannt. Gegen Abend beschossen die Deutschen von der anderen Rheinseite wieder unser Städtchen, dieses Mal den [[Juddeturm|Juddenturm]]. Der Turm und 3 Häuser in der Nähe der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] wurden getroffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Samstag, 19. März. Die Nacht war wieder sehr unruhig. Die heilige Messe wieder im Keller zelebriert. Die Straßen dürfen nur betreten werden von 9–12 Uhr. Die Hitleraufschriften müssen alle überstrichen werden. Es ist zuerst ganz sonderbar, man hört andauernd den Fliegeralarm auf der rechten Rheinseite, und man selbst hat von den Fliegern nichts zu befürchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sonntag, 11. März. Andauernd werden von der deutschen Seite die Türme beschossen. Der [[Juddeturm|Juddenturm]] hat bis jetzt einen Treffer, der [[Rheinturm]] deren 6 und unser [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirchturm]] 2. Die heiligen Messen konnte ich deshalb nicht in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] lesen, um die Pfarrkinder nicht zu gefährden. Die Besatzung mir keine Schwierigkeiten. Die katholischen Soldaten grüßen den Priester. Die heiligen Messen waren wegen der Ausgehbeschränkungen um 9, 10 und 11 Uhr. Durchschnittlich jedes Mal 50–60 Leute da. Dem heiligen Opfer [p. 79] wurde so andächtig beigewohnt, wie wohl kaum in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]]. Die Gemeinschaftsmesse wurde gebetet und gesungen. Den [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours heiligen Martinus], unseren Pfarrpatron, haben wir nicht vergessen. Zur heiligen Kommunion gingen auch viele. Sonntag Nachmittag in Zons, auf den Straßen kein Mensch, mit Ausnahme der amerikanischen Soldaten, etwas, das in Zons, dem Ausflugsort, noch nie vorgekommen ist. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Monstranz Sanctissimum] habe ich in das [[Pfarrhaus]] gebracht, da die feindliche Beobachtung andauernd durch die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] läuft. Es wird aber nichts Ungebührliches getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Montag, 12. März. Die Nacht war ruhig. Hin und wieder fiel ein Schuß, von deutscher Seite wurde fast gar nicht geschossen. Eine Granate traf die [[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;|Wirtschaft Fuchs]] am [[Feldtor]]. Den Tag über war es ruhig. Ich habe mir einen Paß besorgt, sodaß ich die Straße von 9–18 Uhr betreten darf. Heute Nachmittag war ich im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus] und habe die [[Vinzentinerinnen|Vinzenzschwestern]] mit ihren Pflegebefohlenen und die anderen evakuierten Zonser Leute besucht. Von den Amerikanern wird [Zons] für ein [p. 80] ganz schlimmes Nazinest angesehen. Es sind allerdings auch verschiedene eingefleischte Nazis in Zons zurückgeblieben. Gegen 21 Uhr kam ein Feuerüberfall von [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach] her. In der [[Pfarrhaus|Pastorat]] wurde die Gartenmauer durchschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dienstag, 13. März. Ein ruhiger Tag, schwere Bomberverbände fliegen über den Rhein. Die armen Leute, die wieder dran glauben müssen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen] soll vor einigen Tagen mit 500 t Sprengstoff belegt worden sein, 30.000 Tote, so wird behauptet. Heute die Schwestern im Krankenhaus bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus] beichtgehört. Dort lebt man schon wie im Frieden. Licht, Wasser, alles funktioniert schon wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 14. März. In dieser Nacht schlug eine schwere Bombe in der Nähe des Feldtorkreuzes ein. Überhaupt war die Nacht sehr unruhig wegen des gegenseitigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Artillerie Artilleriebeschusses]. Die Granaten pfeifen immer über uns hinweg. Auch das 3. der kleinen Kinder, die verunglückt sind beim Spielen mit der Granate, ist gestorben und ist heute morgen, obwohl es evangelisch war (Hans Jürgen Brück [p. 81] aus Düsseldorf) unter meiner Assistenz begraben worden. Radio, Taschenlampen, Fahrräder, alles muß abgegeben werden. Die Amerikaner gehen mit großer Vorsicht zu Werke, schonen das Leben ihrer Leute, wo sie können. Gestern ging ein deutscher [https://de.wikipedia.org/wiki/Sto%C3%9Ftrupp Stoßtrupp] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Sturmboot Sturmboten] [sic.] über den Rhein bei [[Pitt Jupp|Pitt-Jupp]] und zerstörte dessen ganzes Anwesen. Heute Abend am Rhein eine tolle Schießerei, ob wieder etwas im Werke ist? Heute Abend haben wir keinen üblichen Abendgruß von deutscher Seite in Form von Granaten bekommen. Was die Amerikaner stehen gelassen haben, das schießen jetzt die Deutschen kaputt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Donnerstag, 15. März. Die Nacht soweit ruhig. Noch immer werden die Leute durch deutsche Granaten schwerverletzt. Der provisorische [[Bürgermeister]] [[Heinrich Berchem|Berchem]], stellvertretender [[Ortsgruppenleiter]] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazis], ist abgesetzt. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunist] [[Johann Scheer]] tritt an seine Stelle. Eine Kommission soll die Verteilung der Lebensmittel regeln, die Amerikaner bestimmen mich zum Mitglied der Kommission, ich habe aber abgelehnt, da [p. 82] meine Seelesorgetätigkeit dadurch gefährdet werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freitag, 16. März. Zum [sic.] meinem größten Erstaunen höre ich heute morgen, daß mein Name öffentlich als Mitglied der Kommission ausgeschallt wird. Ich habe die nötigen Schritte getan. Heute Mittag wieder starker Beschuß der Deutschen. Getroffen wurde Michael Lendens Haus gegenüber dem [[Friedhof]]. Ein Amerikaner tot, 2 verwundet. Und auch im [[Schloss Friedestrom|Schloßhof]] bei [[Meller (Familie)|Meller]] schlugen einige Granaten ein, ein ukrainischer Arbeiter und 1 Soldat getötet. Die Amerikaner besetzen immer unsere Häuser, die Bewohner können sich einfach eine neue Bleibe suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Samstag, 17. März. Die Nacht war verhältnismäßig ruhig, trotzdem schlafen die meisten Leute noch im Keller oder im Bunker. Die Amerikaner haben ihre [https://de.wikipedia.org/wiki/Granatwerfer Granatwerfer] mitten in die Stadt gesetzt, von der [[Rheinstraße]] haben sie sich in die [[Brunnenstraße]] abgesetzt, die ihnen sicherer zu sein scheint. Die Deutschen funken in den Ort. Ein Pfeiler des [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Chores]] getroffen, wodurch ein [p. 83] Chorfenster (St. Petronella) zertrümmert wurde. Auch die ersten schwarzen Amerikaner hielten heute ihren Einzug in Zons. Ein Verband deutscher Flieger kreist über uns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sonntag, 18. März. Die heiligen Messen wie am letzten Sonntag um 9, 10, 11 Uhr. Besuch: 280 Gläubige. Die heilige Messe kann immer noch nicht in der Kirche gefeiert werden, da die Gefahr für die Gläubigen zu groß ist. Kaum war die letzte heilige Messe beendet, da setzte wieder der Beschuß von deutscher Seite ein. Das Türmchen wurde von der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] weggeschossen, einem Mann, Hubert Blömacher, ein Bein abgeschossen, einige Splitterverletzte. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanisches_Rotes_Kreuz rote Kreuz der Amerikaner] war sofort zur Stelle und schaffte die Verletzten zum Krankenhaus. Die Amerikaner fahnden immer noch nach den [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazis], sie können es einfach nicht glauben, daß ein ganzes Volk so terrorisiert worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Gegen Mittag wieder schwerer Beschuß, das neben dem [[Kirchplatz]] liegende Haus von Peter Wingerath erhielt einen Volltreffer, nachdem in den letzten Tagen das andere Haus der Bäckerei Peters [p. 84] 2 Treffer erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Montag, 19. März, [https://de.wikipedia.org/wiki/Josefstag St. Josefstag]. Das war eine fürchterliche Nacht. Ein Treffer nach dem anderen. Das sind keine Granaten mehr, mit denen die Deutschen auf ihre eigenen Volksgenossen schießen. Minen oder Bomben, sodaß man sich von dem amerikanischen Kommandanten sagen lassen muß, das sind Nazimethoden. In der [[Lindenstraße]], [[Hohes Örtchen]] und [[Hubertusstraße]] die Häuser kaputt. Besonders schwer mitgenommen Metzgerei Marx und Bauer Worringen. Im Hause Marx 2 tote Frauen, 2 tote Kinder und 2 Schwerverletzte. Gerade werden Frau Matthias Marx, dessen [sic.] Mann auf der anderen Rheinseite als Soldat steht, und ihre Mutter, die man heute morgen aus dem Schutt ausgegraben hat, tot vorübergetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heute Nachmittag mit Paß nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], das Hospital für unseren Kreis geworden ist. Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] kommen nur die Unglücksfälle, chirurgische Abteilung. Es hatten sich nur eingefunden die Geistlichen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/Delrath Delrath], Zons zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Dekanatskonferenz Conveniat].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 85] Dienstag, 20. März. Die Nacht war ruhig. In [[Stürzelberg]] hat es allerdings 12 Tote und 2 tote Amerikaner gegeben. Die Verwundeten im Krankenhause besucht. Es sind schon 8 mehr oder weniger Verletzte. Hubert Blömacher von der [[Lindenstraße]] ist an seinen Verletzungen (Bein verloren) gestorben. Schon über 100 Zonser sind in das [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus] übergesiedelt, die Herz Jesuschwestern sorgen rührend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 21. März. [https://de.wikipedia.org/wiki/Benedikt_von_Nursia Benediktustag]. Beerdigung vom Wilhelm Steinbach, Stellmacher, [[Hohes Örtchen]], der im Krankenhause in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] gestorben ist. Oberstadtsekretär [[Heinrich Berchem|Berchem]], Peter Held, Aloys Kluth, Hermann Scheer, Hans Pohl ([https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend Hitlerjugend]) und Frau Schlömer und Elisabeth Wimmer, alles aktive Nazionalsozialisten, sind abgeführt worden und in Haft, wohin? Am Rhein und an der [[Landstraße]] müssen die Wohnungen geräumt werden. Wir sind hier halt vorderste Kampffront.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Donnerstag, 22. März. Die Deutschen schießen unser ganzes Städtchen zusammen. Kaum ein Haus, das nicht in Mitleidenschaft gezogen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 86] Heute morgen beerdigt: Frau Metzgermeister Therese Marx, ihre Mutter Frau Anna Postall aus Neuss, die beiden Ferbers-Kinder, Justine und Willi, die alle am 18. März abends 9 Uhr durch Granatsplitter im Keller getötet wurden. Tagsüber wieder einiger Beschuß von deutscher Seite, den Kamin haben sie von der [[Pfarrhaus|Pastorat]] geschossen. Für die Leute sind diese Stunden immer sehr aufregend, man weiß ja nicht, was in den nächsten Minuten getroffen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freitag, 23. März. Während der ganzen Nacht wird von der anderen Rheinseite in unser Städtchen hinein geschossen. 12 Uhr Mittags. Eine Granate trifft den [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Turm]] dort, wo der Giebel aufstößt, die 2. zu gleicher Zeit die Seitenpfeiler über der Galerie und die 3. die obere Etage der [[Pfarrhaus|Pastorat]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Samstag, 24. März. Jetzt haben wir schon 3 Wochen lang keine Post mehr bekommen, keine Zeitung gelesen, kein Radio gehört. Ab und zu hört man etwas von anderen, die in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] waren, da dort der elektrische Strom schon geliefert wird und man [p. 87] dort Radionachrichten hören kann. Morgens während der heiligen Messe begann der Beschuß und dauerte eine Stunde. Viele Häuser sind getroffen. Gegen Mittag dauerte der Beschuß wieder eine Stunde, getroffen wurden wieder viele Häuser, besonders in der [[Feldstraße]]. Auch die [[Pfarrhaus|Pastorat]] erhielt wieder 2 Treffer, den einen in das Dach, den zweiten in das vordere Eckzimmer nach der [[Feldstraße]] zu, ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Blindg%C3%A4nger Blindgänger], er liegt im Zimmer. Wegen der großen Gefahr kann morgen kein Pfarrgottesdienst im Keller stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Palmsonntag, 25. März. In der Frühe [https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag#Kirchliche_Tradition Palmweihe] und eine heilige Messe, nur die [[Vinzentinerinnen|Schwestern]] und Hausgenossen nehmen daran teil. Den [https://de.wikipedia.org/wiki/Blindg%C3%A4nger Blindgänger] mit Strohballen abgedeckt, da kein amerikanischer Soldat sich getraut, ihn anzurühren. 3 waren da und wollten an der heiligen Messe teilnehmen. Gegen Mittag wieder heftiger Beschuß, es wird mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flak] geschossen, trotzdem die Amerikaner herübergefunkt haben, daß nur Zivilpersonen getroffen werden. Die Nachbarhäuser erhielten Treffer, die [[Schulwesen|Schule]] und auch das [[Pfarrhaus]] wieder [p. 88] einen Blindgänger, der abprallt und vor dem Hause liegen blieb. Die Stimmung der Leute kann man sich denken. Wie jetzt auf die Naziverbrechen geschimpft wird, und zwar von solchen, die vordem nicht laut genug &amp;quot;Heil Hitler&amp;quot; rufen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Montag, 26. März. Ich sitze im Flur des [[Pfarrhaus]]es und schreibe an der Chronik, kein einziges Zimmer des Hauses zu benutzen, das Dach abgedeckt, Gott Dank haben wir wieder Frühlingswetter. Die Nacht war ruhig, sodaß wir alle im Keller gut geschlafen haben. Die Sterbefälle gehen weiter, fast jeden Tag habe ich eine Beerdigung. Dazu stets die Gefahr der Granateneinschläge, wir sind eben vorderste Front. Heute Mittag schossen die Deutschen wieder mit 8,8 cm Flak in unser Städtchen. Militärischer Schaden wird nicht angerichtet, aber den eigenen Landsleuten wird alles zerstört, dazu die stete Todesangst der Leute. Massenhaft verlassen die Leute Zons und ziehen meist zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause]. Ich schreibe ihnen allen eine Überweisung aus, und die Schwestern nehmen sie [p. 89] liebevoll auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dienstag, 27. März. Die Nacht war ruhig. Heute morgen kamen Holländer, die mit ihrem Schiff hier festliegen, und haben den Blindgänger in den Garten getragen und vergraben. Über 200 Zonser sind ins [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus] übergesiedelt. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flak] schießt nun auf Krankenhaus und [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 28. März. Die Nacht war ruhig. Gegen Morgen kamen noch 2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanone Flakgeschosse]. Die Leute fangen an, ihre Dächer zu reparieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCndonnerstag Gründonnerstag], 29. März. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eucharistie Abendmahlsfeier] im Keller gefeiert, sehr stimmungsvoll. Den Tag über geholfen, das Dach zu decken, die Pfannen werden vom Scheunendach genommen. Gegen 6.30 ein schwerer Feuerüberfall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Karfreitag, 30. März. Während der ganzen Nacht auf den [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag heiligen Karfreitag] haben unsere Volksgenossen von der anderen Seite mit schweren Granaten in unseren Ort geschossen, von amerikanischer Seite wurde das Feuer nicht erwidert. Auch heute die heilige Liturgie im [p. 90] Keller gehalten, in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] ist es wirklich zu gefährlich. Der Feuerüberfall gestern Abend hat ein Menschenleben gefordert: Willi Wendel, geboren 26.4.1913, Vater von 2 Kindern. Eine Reihe Häuser wurden beschädigt. Ob wir Ostern Auferstehung feiern können? Den Tag über wird wieder in Zons hineingeschossen. Der deutsche Wehrmachtsbericht meldet, ein Übersetzversuch der Amerikaner südlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] ist gescheitert, aber die schwere [https://de.wikipedia.org/wiki/Artillerie Artillerie] der Amerikaner steht schon vor der [[Landstraße]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Karsamstag Karsamstag], 31. März. Die Nacht war ruhig. Mittags gegen 12 Uhr gab es wieder 3 Einschläge. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Monstranz Sanctissimum] habe ich wieder in die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] gebracht. Die heilige Messe allerdings noch im Keller gefeiert. Die Feier der Weihen des Feuers, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Osterkerze Osterkerze] und des Taufwassers war in diesem Jahre unmöglich. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Osterkerze Osterkerze] vom letzten Jahre ist wieder genommen worden. Heiliges Öl konnte auch nicht erneuert werden. Gegen Abend fingen die Deutschen wieder an, zu schießen, auf Frauen und Kinder [p. 91] wird mit Maschinengewehren geschossen, wenn sie sich am Rhein auf dem Damm zeigen, trotzdem die Panzerspitzen der Amerikaner schon in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kassel Kassel] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Paderborn Paderborn] sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Ostersonntag Ostersonntag], 1. April. Es ist nicht geglückt. Die Auferstehung konnten wir noch nicht in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] feiern. Morgens 8 Uhr kamen wieder einige Geschosse herüber. Im [[Pfarrhaus|Pfarrkeller]] haben wir Ostern gefeiert. 3 heilige Messen. Besuch: 430, ca. 100 gingen zur heiligen Kommunion. Traurige Ostern, dazu die Aussicht, daß wir auch weiterhin unter Beschuß bleiben. Wenn auch die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] seit 14 Tagen nicht mehr als Beobachtungsturm genommen ist, so sitzen jetzt die Amerikaner im [[Juddeturm|Juddenturm]]. Das [[Vinzentinerinnen|Kloster]] hat wieder 2 Volltreffer erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ostermontag, 2. April. Die Nacht war ruhig. Heute wieder den Gottesdienst im Keller gehalten, 370 Besucher. Bei der letzten heiligen Messe setzte wieder Beschuß ein, sodaß die Leute den Keller nicht verlassen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 92] Osterdienstag, 3. April. Die Uhr ist wieder um eine Stunde vorgestellt. Das gab Auseinandersetzungen mit den Soldaten, da die Leute es nicht wußten und die Straße nicht geräumt hatten. Die Nacht war ruhig. Der Aprilregen mit Sturm hat eingesetzt, das Wasser fließt in die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], da das Dach arg beschädigt ist. An Reparatur ist vorläufig nicht zu denken, da die Leute sich nicht auf das Dach wagen wegen des Beschusses von Drüben, zudem fehlt es auch an Material, hoffentlich leiden die Gewölbe nicht zu sehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heute die 10 Splitterverletzten und die 200 Zonser, die im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshaus] Zuflucht gefunden haben, besucht. Der Ausgang ist von 7–18 Uhr verlängert, es wird streng darauf gesehen, daß außerhalb dieser Zeit sich keiner auf der Straße oder an der Haustür zeigt. Im Krankenhaus Radio gehört. Die Panzerspitzen der Amerikaner sind in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheine Rheine], [https://de.wikipedia.org/wiki/Münster_(Westfalen) Münster], [https://de.wikipedia.org/wiki/Recklinghausen Recklinghausen], über die [https://de.wikipedia.org/wiki/Werre_(Fluss) Werre] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenach Eisenach], im Süden zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Würzburg Würzburg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Nürnberg Nürnberg]. Die Russen stehen vor [https://de.wikipedia.org/wiki/Wien Wien]. Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrkessel Kessel Ruhrgebiet] sollen 3 Armeen eingeschlossen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 93] Dann können wir noch etwas warten, bis die Amerikaner auf dem rechten Rheinufer stehen und die Gefährdung durch den Beschuß endlich aufhört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 4. April. Die Nacht war ruhig. Gegen Mittag kam wieder ein schwerer Feuerüberfall, dieses Mal über Zons weg, [[Friedhof]], [[Bahnstraße]], dem [[Ortsbauernführer]] zur Zeit des Nationalsozialismus [[August Stelzmann]] wurden 2 junge Pferde getötet, nachdem ihm die Deutschen bei ihrem Abzug die Pferde mitgenommen hatten. Überhaupt ist in Zons viel Vieh, auch Pferde, bei dem Beschuß zu Grunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Heute Nachmittag fangen wir an, die [[Vikarie]], die 4 Treffer bekommen, 2 ins Dach, wieder zu decken. Die Dachziegel werden von der Scheune genommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Donnerstag, 5. April. Die Nacht ohne Beschuß, auch den Tag über war es ruhig. Der Regen setzt wieder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligstes_Herz_Jesu#Liturgie Herz Jesufreitag], 6. April. Der Kommunionsempfang nimmt wieder zu. Immer mehr Häuser müssen für die Amerikaner geräumt werden. Den Kranken habe ich die Osterkommunion gebracht. Heute morgen nur einiges Maschinengewehrfeuer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 94] Gegen Abend kommen wieder einige schwere Schüsse über Zons weg. Von heute ab ist der Ausgang gestattet von 6–19.30 Uhr, so kommen die Leute wenigstens zur Feld- und Gartenarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Priestersamstag, 7. April. Heute die Mutter des [[Bürgermeister]]s [[Johann Scheer|Johannes Scheer]] begraben, die ihren Splitterverletzungen erlegen ist. Der [[Bürgermeister]] macht die Sache gut, hilft tatkräftig und sorgt, daß die Lebensmittelversorgung weitergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Weißer_Sonntag Weißer Sonntag], 8. April. Die heiligen Messen um 8, 9 und 10 Uhr noch im Keller gefeiert. Besucherzahl: 388.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nachmittags um 3 Uhr zum 1. Mal seit dem 4. März den Gottesdienst in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] gehalten, die Andacht war gut besucht, und alle freuten sich, wieder im Gotteshaus beten zu können. Von den 8 Inhaftierten kamen 5 zurück, sie waren gut behandelt worden, Verpflegung sogar erstklassig. Ihre Verhaftung verdankten sie den Anträgereien von ihren eigenen Volksgenossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Montag, 9. April. Heute feiert die Kirche [https://de.wikipedia.org/wiki/Verkündigung_des_Herrn Mariae Verkündigung]. Seit 5 Wochen zum ersten Mal [p. 95] das heilige Meßopfer in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] gefeiert. Die Orgel spielte, die Fenster sind arg beschädigt, besonders das Chorfenster mit der heiligen Petronella und der heiligen Agnes. Der Gottesdienst war gut besucht, alle freuten sich, im unbeschädigten Gotteshause das heilige Opfer feiern zu können. Gestern und heute wird andauernd auf die andere Seite geschossen, was mögen sie rechtsrheinisch mitmachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dienstag, 10. April. Zum 1. Mal seit 5 Wochen wieder in einem Bett geschlafen. Die Nachbarschaft schläft noch immer des Nachts bei mir im Keller. Da jetzt einige Tage kein Beschuß von der anderen Seite erfolgt ist, so fangen die Leute wieder an, aufzubauen, die Schwierigkeit besteht in dem Materialmangel. Keine Ziegel, kein Stein, Zement, vor allem kein Glas. Von den 320 Scheiben des [[Pfarrhaus]]es sind 244 entzwei. An der Vorderfront des Hauses sind 8 ganze Scheiben. Mit Pappe wird vorläufig alles zugenagelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 11. April. Nichts von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 96] Donnerstag, 12. April. Heute Mittag kam mal wieder ein einzelner Einschlag, der am [[Nippes]] ins Feld ging. Wir sind also immer noch nicht sicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Donnerstag, 12. April. Hans Knopf, geboren 21.1.33 in Zons, Sohn von Jakob Knopf und Maria Büttgen aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], wollte seinem Vater nach [[Stürzelberg]] nachgehen. In der Nähe vom [[St. Peter (Ort)|St. Peter]] muß er wohl Minen, die von Deutschen gelegt waren, zu nahe gekommen sein, er wurde vollständig zerrissen aufgefunden und in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] beerdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freitag, 13. und Samstag, 14. April, nichts Besonderes. Gestern Abend kam ein 16jähriger Junge, Josef Schaffner, an der [[Landstraße|Kölner Landstraße]] wohnhaft, mit einem Paddelboot über den Rhein, nachdem er vorher mit einer weißen Fahne den Amerikanern Zeichen gegeben hatte. Er ist im Auto sofort mitgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Gute Hirtensonntag, 15. April Den Sonntagsgottesdienst um 7.30 und 10 Uhr wieder in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] gehalten. Gestern Abend wurde das letzte Haus am Rhein [p. 97] (Bebber) von deutscher Seite stark beschossen und brannte ganz nieder. Nun war es ein solch‘ stiller, ruhiger Frühlingstag, kaum ein Schuß fiel, da kam um 18.30 ein schwerer Feuerüberfall von deutscher Seite, eine Tote, Anni Cremer, geboren 24.11.22, Tochter der Eheleute Alfons Cremer und Anna Brandt, 6 Splitterverletzte, deren 3 Kinder&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu Ergänzung: &amp;quot;Eines ist am Abend noch gestorben&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, sie wurden zum Krankenhaus gebracht, die amerikanische Sanität war sofort zur Stelle. Alle fragen sich wofür? Da doch die militärische Kraft Deutschlands am Rhein zusammengebrochen ist. Die Amerikaner stehen schon bis an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhr Ruhr].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Montag, 16. April. Die Nacht war schrecklich. Zwei schwere Feuerüberfälle von der rechten Rheinseite. Nun hat die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] auch ihre schweren Treffer bekommen. 3 Treffer in den Turm (Spitze), 2 Treffer in die Dächer der Querschiffe. Das Hauptchorfenster (Darstellung Herz Jesu und Herz Mariae), im nördlichen Seitenschiff neben die oberen Fenster. Hauptaltar, Muttergottesaltar unversehrt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:[p. 98] Die Amerikaner haben den [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirchturm]] wieder zum Beobachtungsturm gemacht. Die Beerdigung am Morgen verlief ohne Zwischenfälle, aber kaum einer hatte sich herausgewagt; aber die [[Vinzentinerinnen|Schwestern]], 1 Meßdiener und der [[Organisten|Organist]] hatten den Mut aufgebracht, denn Einschläge und Abschüsse sind kaum zu unterscheiden, da die Amerikaner ihre schweren Geschütze näher auf Zons zu herangebracht haben. Die Amerikaner sollen schon in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitdorf Hittorf] stehen, hoffentlich ist es wahr, denn Nachrichten kann man nicht hören, und sonstige Nachrichten, die von Stund zu Stund gehen, sind mit Vorsicht aufzunehmen. Auch der [[Rheinturm]] und das [[Vinzentinerinnen|Kloster]] haben in der Nacht wieder einige Treffer erhalten, ganz zu schweigen von all den Häusern, die beschädigt sind. Menschenleben war in der Nacht nicht zu beklagen, doch mußte viel Vieh abgeschlachtet werden. Das wirkt sich auf die Milch-, Butter- und Fettversorgung schlimm aus. Es ist als ob der Rest der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Deutschen Wehrmacht] am Rhein noch 5 Minuten vor 12 möglichst viel zerstören [p. 99] will. Um ½ 12 fängt die Beschießerei wieder an, die [[Vikarie]] erhält einen Treffer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dienstag, 17. April. Von gestern Mittag ab fiel kein Schuß mehr von der deutschen und kaum von der amerikanischen Seite. Es scheint, daß das andere Rheinufer von Amerikanern besetzt ist. Heute in der Frühe schwere Luftangriffe auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf]. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Messopfer heilige Meßopfer] muß ich im Keller feiern, da die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] von der gestrigen Zerstörung noch nicht wieder sauber und in Ordnung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dienstag, 17. April. Eine wunderbare Ruhe. Seit heute Nachmittag fällt kein Schuß mehr. Gestern Abend war [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] genommen. Heute Mittag fuhr man schon wieder über den Rhein. Eine Reihe Zonser sind schon wieder über den Rhein zurückgekommen, darunter Engelbert Brandt, der Deutschland bis zum letzten Blutstropfen verteidigen wollte (conferre Seite 72). Man kann die Ruhe kaum verstehen nach all den Aufregungen der letzten Wochen. 6–7 Wochen [p. 100] haben die Zonser im Keller oder im Bunker gelebt, geschlafen und gegessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 18. April. Heute die beiden Opfer des letzten Beschusses begraben, das Kind Wilhelm Rütten und die Jungfrau Anna Cremer. Die Beteiligung war groß, da die Leute zum ersten Mal wieder ohne Lebensgefahr zum [[Friedhof]] gehen konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Donnerstag, 19. April. Immer mehr kommen über den Rhein zurück. Entlassene Soldaten, aber auch fanatische [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazi’s]. Ob sie bekehrt sind? Ich muß es nochmals betonen, die Leute atmen richtig auf, daß die Schrecken der letzten Wochen nun glücklich überstanden sind. Man kann aber kein Material bekommen, um die Schäden auszubessern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Leute bringen die tollsten Nachrichten mit, die die [https://de.wikipedia.org/wiki/Propaganda Propaganda] auf dem anderen Rheinufer verbreitet haben. Die Männer sind nach Belgien verschleppt, die Frauen und Mädchen litten unter dem Terror der Besatzung. Teuerung, keine Lebensmittel u.s.w., der [[Hans Michael Flücken|Bürgermeister]] und [[Johannes Klüwer|Pastor]] seien erschossen, andere Zonser aufgehängt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 101] Freitag, 20. April. Sonst ein Tag, wo man sich in nationalsozialistischer Begeisterung nicht zu fassen wußte, d.h. in den bestimmten Kreisen, heute hört und sieht man nichts vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Führergeburtstag Geburtstag Adolf Hitlers], sic transit gloria mundi. Nur eine Frau, deren Mann sich früher nicht nationalsozialistisch genug gebärden konnte, kommt und holt ohne meine Erlaubnis die Dachpfannen von meiner Scheune, um ihr Haus damit zu decken, mit der Begründung, die neue Zeit ist angebrochen. Der [[Johann Scheer|kommunistische Bürgermeister]] hat ihr aber das Nötige gesagt. Um 5 Uhr war der elektrische Strom zum ersten Mal seit 7 Jahren wieder in Zons. Man konnte am Radio seit langem wieder die neuesten Nachrichten hören. Das ganze Radio wird von den ausländischen Sendern beherrscht. Mit vieler Mühe ist es mir gelungen, noch einen deutschen Sender zu hören, so schnell hat sich das in 6 Wochen geändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 102] Samstag, 21. April. Heute habe ich das [https://de.wikipedia.org/wiki/Monstranz Sanctissimum] aus dem [[Rheinturm]] wieder in die [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] gebracht, die im Innern, Gott Dank, unversehrt geblieben ist. Bei dieser Gelegenheit mußte ich den [[Vinzentinerinnen|Vinzenzschwestern]] ein ehrendes Zeugnis ausstellen. Beim schwersten Beschuß waren sie trotz aller Todesgefahr bei Tag und Nacht immer die ersten, die den Verwundeten halfen und Notverbände anlegten. Die amerikanischen Soldaten haben sie bei Gefahr immer wieder sicher ins [[Vinzentinerinnen|Kloster]] zurückbegleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sonntag, 22. April. Die heiligen Messen war [sic.] wieder gut besucht, das erste Mal Sonntags ohne die Gefahr des Beschusses. Es regnet und stürmt in die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] hinein, andauernd fallen Steine und Glassplitter in die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nachmittags 5 Uhr hatten wir eine Gedächtnisstunde für die Verunglückten. Es sind 18: Adolf Norff, 75 alt, Düssel Johannes Jakob, 71 alt, Geiler Hubert, 53 alt, die Geschwister Anni, 10 alt, und Willi Geerts, 4 alt, und der evangelische Spielkamerad Hans Brück, die Geschwister Justine, 6 ½ alt, und Willi Ferber, 4 alt, Anna Postall, 64 alt aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], und ihre Töchter: Therese Marx, 33 alt, [p. 103] Justine Malzburg, 36 ½ alt, Johanna Krekel, 23 ½ alt, Hubert Blömacher, 72 alt, Willi Wendel, 32 alt, Elisabeth Scheer, 86 alt, Hans Knopf, 12 alt, Änni Cremer, 22 alt, Wilfried Rütten, 3 alt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hierzu Ergänzung: &amp;quot;Catharina Rasselnberg, 19 alt, die in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedburg-Hau Hasselt] begraben liegt.&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; 18 weißgekleidete Mädchen mit brennenden Kerzen umstanden den Altar, die Predigt hatte das Thema: Resurrecturis! Die Andacht war entsprechend aufgestellt. Die Beteiligung von Seiten der Pfarrkinder hätte besser sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Montag, 23. April. Wir beginnen mit der Reparatur der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]]. Ich habe zum freiwilligen Arbeitsdienst aufgerufen. Die Schwierigkeit besteht in der Schwierigkeit, Material zu beschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Dienstag, 24. April. Das größte Loch im Querschiff ist geschlossen, jetzt regnet es wenigstens nicht mehr durch die Gewölbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 25. April. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bittprozession#Prozessionen_an_den_Bitttagen Marcusprozession] zog wieder unbehindert, die Beteiligung war sehr gut. Die Leute fürchteten keine Repressalien von seiten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazis] mehr. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_San_Francisco Konferenz von San Franzisco] eröffnet, ob [p. 104] sie uns endlich den Weltfrieden bringen wird??&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Donnerstag, 26. April. Endlich ist es mir gelungen, einige Rollen Dachpappe zu bekommen, um die Löcher im [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirchendach]] flicken zu können. Gestern wieder ein Minenunglück. Einige Bauern waren nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilden Hilden] gegangen, um Beutepferde zu bekommen für die Landwirtschaft, sie kamen mit 10 Pferden bis zur Übersetzstelle bei Keimer. Da trat ein Pferd abseits vom Wege auf eine deutsche Mine. 3 Pferde tot, ein Bauer, Johann Longerich von der [[Feldstraße]], schwer verletzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Freitag, 27. April. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Deutsche Wehrmacht] geht ihrer Auflösung entgegen. Die Russen in den Straßen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Bremen Bremen] gefallen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg Hamburg] bedroht, [https://de.wikipedia.org/wiki/Stettin Stettin] in den Händen der Feinde, [https://de.wikipedia.org/wiki/Brünn Brünn] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Cheb Eger] in Feindeshand, die Südarmee in Italien zusammengebrochen etc., und unentwegt spricht der [https://de.wikipedia.org/wiki/Großdeutscher_Rundfunk Großdeutsche Rundfunk] vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Endsieg Endsieg]. Dabei kann man ihn nur mit großen Aparaten auf 4 Wellenlängen hören. Was haben die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazis] aus Deutschland gemacht? Durch den Beschuß sind in Zons zerstört 87 Wohnungen, 6 Häuser völlig vernichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 105] Samstag, 28. April. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsarbeit#Zweiter_Weltkrieg Fremdarbeiter], die in Lagern gesammelt werden, Russen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] ([https://de.wikipedia.org/wiki/I.G._Farben I.G.]), Polen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], machen die Gegend unsicher. Nachts brechen sie bei den Leuten ein und rauben deren Lebensmittelvorräte, tagsüber stehlen sie Räder und was sie bekommen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Da das Leben wieder seinen gewohnten Gang geht, so verzeichne ich nicht mehr jeden Tag. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazis] kommen so nach und nach alle wieder, kleinlaut und bescheiden. Auf der anderen Rheinseite hat es ihnen nicht besonders gut gegangen. Der Rhein ist zur Überfahrt gesperrt, und die Amerikaner schießen auf jeden, der trotzdem versucht, überzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1. Mai die [https://de.wikipedia.org/wiki/Maiandacht Maiandachten] begonnen, auch gebe ich wieder regelmäßigen Religionsunterricht, die Kinder kommen nahezu 100 %. Die [[Schulwesen|Schule]] ist noch immer geschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Mai. Die gesamte [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Wehrmacht], mit Ausnahme von einigen Widerstandsinseln östlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Magdeburg Magdeburg], in [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberschlesien Oberschlesien], [https://de.wikipedia.org/wiki/Dresden Dresden], [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwickau Zwickau] [p. 106] und Norwegen hat kapituliert. Ca. 2 Millionen Mann gehen in die Kriegsgefangenschaft. Warum ist das nicht früher geschehen, Tausenden wäre das Leben erhalten geblieben, viele Städte und Dörfer wären nicht zerstört worden, die Frühjahrsbestellung hätte erfolgen können etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Jetzt enden die Führer feige durch Selbstmord und gehen der Verantwortung hier auf Erden aus dem Wege. Die Stimmung des Volkes ist dementsprechend. Jeder Verkehr über den Rhein ist gesperrt. Auf die Boote, die überzusetzen versuchen, wird geschossen. Den [https://de.wikipedia.org/wiki/Nazi Nazis] ist es gelungen, innerhalb einer Woche den Schleier über [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler#Ende_im_Bunker Hitlers Tod] so zu ziehen, daß es wohl auch in der Zukunft wohl immer ein dubium bleiben wird, wie er zu Tode gekommen, 3 Aussagen widersprechen sich: [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Dönitz Dönitz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Himmler Himmler], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Fritzsche Fritsche], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Großadmiral#Kriegsmarine Großadmiral] (D), der Chef der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei Gestapo] (H) und der Ansager des [https://de.wikipedia.org/wiki/Großdeutscher_Rundfunk Großdeutschen Rundfunks] (Fr.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9. Mai. 12.01 Unterzeichnung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungslose_Kapitulation_der_Wehrmacht bedingungslosen Kapitulation] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin]. Schluß des Blutvergießens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7., 8., 9. Mai große [https://de.wikipedia.org/wiki/Bittprozession Bittprozessionen] mit großer Beteiligung, wie seit [p. 107] Jahren nicht. Die [[Lehrer]] beaufsichtigen wieder die Schulkinder und nehmen in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] wieder ihren Platz hinter den Kindern ein. Sie haben sich mir angeboten, mich beim Religionsunterricht unterstützen zu dürfen, wozu ich gerne bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Mai. [https://de.wikipedia.org/wiki/Christi_Himmelfahrt Christi Himmelfahrt], ein herrlicher Maientag. Der Gottesdienst war wieder wie früher. Der Tag wurde auch öffentlich wieder als Feiertag festlich begangen. Die heiligen Messen waren sehr gut besucht, und auch der Sakramentenempfang war löblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Gestern wurde der letzte deutsche [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmachtbericht Wehrmachtsbericht] über den [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichssender_Flensburg Sender Flensburg] gesendet und anschließend die Verdunkelung in Deutschland aufgehoben und den Deutschen erlaubt, ausländische Sender zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. Mai, [https://de.wikipedia.org/wiki/Pfingsten Pfingstsonntag]. Der Sakramentenempfang war sehr rege, viele hielten noch ihre Ostern. Im Hochamte sang der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] die Messe von Stein, vierstimmiger Männerchor. Die [[Kirchenrat|Kirchenvorsteher]] sammelten in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], conferre Seite 109.&amp;lt;ref&amp;gt;Fortsetzung p. 109: &amp;quot;für die Renovierung der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]]. Das Ergebnis der Kirchenkollekte betrug 1767,63 Mark.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 108] Am 10. August 1944 starb den Heldentod bei den Kämpfen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Warschau Warschau] Carl Zimmermann, geboren 16.3.1916 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] als Sohn der Eheleute Jakob Zimmermann und Catharina Preiß. Die Eltern waren in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] ausgebombt und wohnten hier in Zons. Darum wurden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begräbnisfeier Exequien] auch in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Zonser Pfarrkirche]] gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24. Mai 1945 waren die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begräbnisfeier Exequien] für Heinrich Seburschenich, [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldwebel#Reichswehr_und_Wehrmacht Feldwebel], Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz#Zweiter_Weltkrieg Eisernen Kreuzes II], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Infanterie-Sturmabzeichen Infanteriesturmabzeichens], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Medaille_zur_Erinnerung_an_den_1._Oktober_1938 Sudetenmedaille] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwundetenabzeichen_(1939) Verwundetenabzeichens in Silber]. Er war geboren am 14.7.1914 als Sohn des Dachdeckermeisters Anton Seburschenich und Elisabeth Zeitzheim, heiratete am 21.2.1940 Magda Meyer aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Burgdorf_(Region_Hannover) Burgdorf bei Hannover], machte die Kämpfe im Westen und Osten mit und fiel am 24.2.45 beim [https://de.wikipedia.org/wiki/Hambacher_Forst Forsthaus Hambach] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Jülich Jülich]. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Steinstraß Steinstraß] wurde er von seinen Kameraden beerdigt, dort exhumiert und am 19.5.1945 auf dem [[Friedhof|hiesigen Ehrenfriedhof]] kirchlich beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 109] Die Soldaten kommen einzeln zurück, die meisten in irgendeiner Zivilkleidung und alle zu Fuß, zum Teil hunderte von Kilometern weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Juni. Die erste Glaubensstunde der Männer, es wird besprochen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Quadragesimo_anno Enziklika &amp;quot;Quadragesimo anno&amp;quot;]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nahezu 20 Jahre haben die [[Vinzentinerinnen|Vinzenzschwestern]] den Küsterdienst in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] ausgeübt, sehr zur Zufriedenheit von Hirt und Herde. Die Schwester Oberin Sophia hat schon länger darum gebeten, vom [[Küster]]dienst entlastet zu werden, weil sie glaubt, das nicht mit dem Beruf einer Schwester vereinbaren zu können, da das Mutterhaus sie darin unterstützt, hat heute [[Johann Habets]] das [[Küster]]amt übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5. Juni hat die [https://de.wikipedia.org/wiki/Alliierter_Kontrollrat aliierte Kommission] die Regierung Deutschlands übernommen, wir gehen noch schweren Zeiten entgegen. Die Lebensmittel werden knapper und knapper, seit Februar haben wir keine Butter mehr [p. 110] bekommen. Trotz des gesperrten Rheines werden wir von hungernden [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorfern] überschwemmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. Juni, [https://de.wikipedia.org/wiki/Antonius_von_Padua Antoniustag]. Die Amerikaner, mit denen die Bevölkerung gut ausgekommen ist, ziehen ab. Die Engländer übernehmen die Besatzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12.–14. Juni war ich in [https://de.wikipedia.org/wiki/Werden Werden], wohin ich die wertvollsten [https://de.wikipedia.org/wiki/Parament Paramente] in sicheres Verwahr gebracht hatte, um sie zurückzuholen. Mit Fahrrädern mußte der Transport bewerkstelligt werden. Da alle Brücken über den Rhein durch die Deutschen gesprengt waren, fuhren wir im Nachen frühmorgens über den Rhein. Wir hatten Glück und wurden nicht beschossen, auch durch die Tellerminen am anderen Ufer kamen wir glücklich hindurch. Bis [https://de.wikipedia.org/wiki/Rath_(Düsseldorf) Düsseldorf-Rath] fuhren wir mit den Rädern, um dort im Viehwagen der Eisenbahn bis [https://de.wikipedia.org/wiki/Kettwig Kettwig] vor der Brücke, die Brücke über die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhr Ruhr] war auch gesprengt. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Werden Werden-Land] fanden wir die Sachen alle unversehrt vor. Zurück ging es per Rad über den &amp;quot;Esel&amp;quot; zum &amp;quot;Krummen Weg&amp;quot; nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf]. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Grimlinghausen_(Neuss) Grimlinghausen] war von den [p. 111] Amerikanern eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Pontonbrücke Pontonbrücke] geschlagen. Nachdem wir das Theater der Entlausung überstanden, kamen wir wieder über den Rhein und heim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Noch immer gehen auf der anderen Seite Tellerminen hoch und bringen die Leute zu Schaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am Sonntag, den 1. Juli erfüllte die Pfarrfamilie ihr [https://de.wikipedia.org/wiki/Gelübde Gelübde] (conferre 1.10.1944), wenn Zons und [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] erhalten blieb, eine Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] zur Not Gottes zu machen. Nachdem morgens ca. 400 die heilige Kommunion empfangen hatten, zogen nachmittags ½ 1 Uhr ca. 550 Pilger zum Gnadenort. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven] wurde 30 Minuten lang gerastet. Um ½ 4 zogen wir in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] ein, die Predigt hielt Herr Hochwürden Provinzial Pater Hoffmann. Nach dem sakramentalischen Segen zogen wir sofort wieder heim. 1200 Polen sind unter Aufsicht der britischen Besatzung dort untergebracht, sodaß in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] keine Gelegenheit zur Rast gegeben war. Um 7 Uhr wurde in Zons der sakramentalische Segen gegeben. Möge Maria auch weiterhin die schützende Hand über uns halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 112] 6. Juli kam die erste Postkarte wieder an, nachdem die letzte Post Mitte Februar gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wer nach 10 Uhr noch auf der Straße angetroffen wird, wird mit 20,- Geldbuße bestraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Ausländer muß die Stadt Zons stellen: 54 komplette Herrengarnituren, vom Hut bis zu den Schuhen, selbst Schlafanzüge, Socken und Hemden 108. An Kinder- und Frauengarnituren je 10. Besonders schwer wird es, die Kinderschuhe zu beschaffen, wir haben 6 Kriegsjahre hinter uns. Wenn die Sachen nicht zur gestellten Frist abgeliefert werden, so wird angedroht, die Stadt 2 Stunden lang zur Plünderung freizugeben. In der vergangenen Woche ist der Eisenbahnzug von [https://de.wikipedia.org/wiki/Hösel Hösel-Ratingen] von Ausländern geplündert worden. Wildwestmethoden. Wir haben keine Möglichkeit, uns zu wehren, wer im Besitz von Waffen angetroffen wird, kann mit dem Tode bestraft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. Juli 45. Über 50 Soldaten sind schon nach Zons heimgekehrt. Jeden Tag kommen 1 oder 2. Sie haben zum Teil hunderte [p. 113] von Kilometern zurückgelegt, um heimzukommen. Viele haben zu Fuß diese Strecke zurückgelegt. Die meisten sind allerdings durch die berüchtigten Gefangenenlager gegangen, wo sie wochenlang hinter Stacheldraht schutzlos den Unbilden der Witterung ausgesetzt waren, sie kamen halb verhungert an, die Freude der Angehörigen war jedesmal groß, und von der Kanzel wurden sie sonntags vom [[Johannes Klüwer|Pastor]] begrüßt. Für viele waren diese Wochen, wie sie selbst sagen, eine Art [https://de.wikipedia.org/wiki/Exerzitien Exerzitien], zudem die Priestersoldaten treu bei ihnen ausgehalten haben, sie haben in den Lagern die heilige Messe zelebriert und ihren Kameraden die Sakramente gespendet. Hoffentlich leben sie sich treu wieder in der Pfarrkirche ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine große Plage hier sind die Ausländer, in der vergangenen Nacht haben sie zu 30 Mann den [[Heckhof]] überfallen und ausgeraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. Juli. Zum Vinzenzfeste sang der Chor des [[Marienverein]]s in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] die missa &amp;quot;Jesu, deus pacis&amp;quot; [p. 114] mit Violine und Orgel von [https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Gruber_(Komponist) Josef Gruber], Op. 338. Die gleiche Messe hatten die Jungfrauen gesungen am Sonntag, den 24. Juni 45 in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. Juli. Die Kollekte für das [[Vinzenzhaus]] erbrachte 754,78 Mark. Das [[Vinzentinerinnen|Kloster]] ist aber arg mitgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. August. Feier des goldenen Priesterjubiläums des Herrn Dechanten und geistlicher Rat Gustav Biesenbach in [[Stürzelberg]] (15. August war Weihetag). Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Hochwürdigste Herr Erzbischof] war persönlich gekommen und sprach in einer kirchlichen Feierstunde. Der ganze Dekanatsklerus war zugegen und der Herr Domkapitular, Geistlicher Rat und Dechant Prälat Liedmann von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. August. Ein Tag von ganz besonderer Bedeutung. Die [[Schulwesen|katholische Volksschule]] wird wieder eröffnet. Die Schulkreuze, geschmückt, waren am Altar aufgestellt. Sämtliche Schulkinder und die [[Lehrer|Lehrpersonen]] waren in der Schulmesse. Unter Vorantritt der Kreuze ziehen wir zum Schulhofe. Der [[Bürgermeister]] [[Johann Scheer]] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunist]) hält die Eröffnungsansprache, betont den Sinn der neuen Zeit, das Kreuz nimmt wieder seinen [p. 115] Ehrenplatz im Schulzimmer ein, die früheren Größen haben abgedankt. Die Autorität des Lehrers und des Pastors ist wieder sichergestellt, und kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlerjugend H.J.]-Führer und [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_Mädel B.d.Mädel] habe ihnen etwas zu befehlen. Der [[Johannes Klüwer|Pastor]] spricht von der Freude der Kinder, der Eltern, der Lehrer und der Kirche. Die katholische Schule ist nicht nur Wissensvermittlerin, sondern hat Erziehungsaufgaben, Ziel nicht nur Verstandes-, sondern Charakterbildung. Die Kreuze werden feierlich in den Klassenräumen aufgehängt, und mit dem Martinuslied, dem Stadt- und Kirchenpatron, schließt die erhebende Feier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Nacht vom 22. auf den 23. August große Aufregung in Zons. Die Engländer halten von 11–4 Uhr Haussuchung in Zons. Die Männer müssen Oberkörper entblößen, ob sie den [https://de.wikipedia.org/wiki/Blutgruppentätowierung Blutstempel der SS] haben. 25 Männer werden abgeführt, aus den verschiedensten Gründen, weil sie die Bestimmungen der Besatzungsmacht nicht erfüllt hatten. Am 23. kamen alle wieder zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 116] Da im Dezember 1944 die Gefahr der Evakuierung sehr nahe bevorstand, so hatte ich einige wertvolle Bücher und die 4 Medaillen, die für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Monstranz Monstranz] bestimmt waren, nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Brilon Brilon] ins [https://de.wikipedia.org/wiki/Sauerland Sauerland] in Sicherheit bringen lassen. Die Bücher sind alle zurückgekommen, die Medaillen, darunter die Medaille, die der [[Clemens August (Kurfürst)|Kurfürst Clemens August]] am 10.5.1739 der [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|Sebastianusbruderschaft]] schenkte, conferre Otten Seite 135, waren von den Amerikanern bei ihrem Vormarsch gestohlen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. September. Auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitulation_Japans Japan hat kapituliert]. Damit ist der Krieg in der Welt beendet, ob aber wirklich Frieden wird, das muß die Zukunft lehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der [[Johann Scheer|Bürgermeister]] hat einen [[Stadtrat|Gemeinderat]] berufen. Die Zusammensetzung sichert ihm eine linksgerichtete (kommunistische) Mehrheit. [[Matthias Weiler]], Jakob Vonden, Franz Stelzmann auf der einen Seite. Johann Fleischhauer, Clemens Libertus, Jakob Krahn, Anton Seburschenich auf der linken Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:9. September. Das diesjährige Gottbekenntnis unserer Dekanatsjugend in [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg]. Thema: Ihr seid Christi [p. 117] Leib. Die ganze Kirche gefüllt, aus Zons leider nur 10 Jugendliche. Bei der gemeinsamen heiligen Kommunion waren allerdings von 50 Jünglingen von 15–25 Jahren (mehr sind aus der Gefangenschaft noch nicht zurückgekehrt) 40 an der Kommunionbank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. September. [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung Ewiges Gebet] von 6–9 Uhr. Feierliches Hochamt und feierliches [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplet Komplet], der Besuch der Betstunden war gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. September Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], ca. 200 Teilnehmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:35. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Gottfried Erkelenz]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Zum frommen Gedenken an den auf dem Felde der Ehre gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Gottfried Erkelenz&lt;br /&gt;
::Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und ich werde auferstehen am jüngsten Tage. Johannes 19, 25.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Gottfried Erkelenz&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 7. November 1924 als jüngster Sohn der Eheleute Gottfried Erkelenz und Thekla Genosko. Nach seiner Schulentlassung machte er seine Gesellenprüfung im Maurerhandwerk und bereitete sich darauf vor, die Baugewerbeschule zu besuchen. Im April 1942 wurde er zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst R.A.D.] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheine Rheine/Westfalen] eingezogen und erhielt seine militärische Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Westhoven_(Köln) Köln-Westhoven]. Nach einer Spezialausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Orzysz Arys in Ostpreußen] wurde er in Ungarn eingesetzt, am [https://de.wikipedia.org/wiki/Duklapass Duklapaß] schwer verwundet, erlag im Lazarett in [https://de.wikipedia.org/wiki/Altötting Altötting/Bayern], wohlversehen mit den heiligen Sterbesakramenten der römisch-katholischen Kirche, seinen Verletzungen und wurde am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karsamstag Karsamstag], den 31. März 1945, auf dem Ehrenfriedhof in [https://de.wikipedia.org/wiki/Altötting Altötting] beigesetzt.&lt;br /&gt;
::Gottfried, stets froh und heiter, war die Freude seiner Eltern. In schmerzlicher Trauer beugen sich der Vater, die Mutter und seine beiden Brüder unter Gottes unerforschlichem Ratschluß und empfehlen mit den übrigen Anverwandten seine treue Seele christlicher Fürbitte.&lt;br /&gt;
::Er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 118] 28. September. Abstimmung über die konfessionelle Bekenntnisschule. Alle Eltern der Schulpflichtigen Kinder wurden gefragt, es antworteten alle 190 Stimmen waren für die konfessionelle Schule und 2 (1 Katholik und 1 Protestant) waren gegen die konfessionelle Bekenntnisschule. Dem Bürgermeisteramte habe ich das Resultat mit den Unterlagen überreicht. Als Antwort erhielt ich folgendes Antwortschreiben: Der [[Bürgermeister]] der Stadt Zons und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_Nievenheim Amtes Nievenheim]. Betrifft: Einrichtung von Bekenntnisschulen. Ich mache davon Mitteilung, daß es nach Anordnung der Kommandantur in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] vorerst verboten ist, konfessionelle Schulen zu errichten. Über die Frage finden zur Zeit Verhandlungen zwischen den Alliierten Regierungen und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Stuhl Päpstlichen Stuhl] statt. Ich bitte gefälligst, die Schulleiter zu verständigen. gezeichnet [[Johann Scheer|Scheer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7. Oktober war das diesjährige [[Erntedankfest]]. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] war festlich geschmückt, das Erntefestspiel fand statt, der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] sang. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritassammlung] ergab: 529,60 Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 119] Welche Notzeiten, kein Fett, kein Fleisch, keine Kartoffeln zu bekommen. Dazu die steten Sammlungen von Kleidungsstücken, Wäsche und Decken für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsarbeit#Zweiter_Weltkrieg Fremdarbeiter]. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] sind noch 1000 Polen, in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] nicht weniger. Sie machen in Verein mit verbrecherischen Elementen unter den Deutschen die ganze Umgegend unsicher. Jeden Tag hört man, ein Schwein gestohlen, eine Kuh abgeschlachtet etc. Wir haben keine Waffen, die Polizei ist machtlos. Die englische Besatzung verhält sich passiv. Kohlen werden nicht geliefert, wir sollen in die Wälder gehen und uns Holz holen. Der Winter steht vor der Tür, hoffentlich geht es besser als wir denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21. Oktober. Nun ist auch der letzte der bei dem Beschusse der Deutschen auf Zons durch Granatsplitter Verletzten gestorben: Theodor Wallscheid, geboren 15.9.1900 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberkail Oberkeil, Sieg], der seine Frau vor einem Jahre verloren hat, er hinterläßt 4 Kinder, der älteste ist aus der Gefangenschaft noch nicht zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. November. [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerheiligen Allerheiligen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerseelen Allerseelen] wurden wieder gefeiert wie früher. Ein Pater aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] [p. 120] half aus. Beteiligung bei der heiligen Kommunion gut. Die Prozession zum [[Friedhof]]e hatte eine Beteiligung wie nie zuvor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. November. [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_Lüttich St. Hubertus] wurde wieder gefeiert mit 3-herrigem Hochamt und Festpredigt, desgleichen am Sonntag darauf das [https://de.wikipedia.org/wiki/Martinstag Martinusfest]. Zum ersten Mal seit 6 Jahren zog wieder der Martinszug. Alle hatten gespendet, sodaß jedem Kinde (250) ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Stutenkerl Weckmann] gegeben werden konnte. St. Martin ritt wieder hoch zu Roß dem Zuge voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. November. Am letzten Sonntage im November war wie alljährlich unsere Kriegergedächtnisfeier in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]]. Verlesen wurden aber nur die Namen der [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|im letzten Kriege gefallenen]], es waren 40, auch die Namen derjenigen, die beim Zonser Beschuß ums Leben gekommen waren (22). Die Beteiligung von seiten der Gemeinde war groß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Dezember. [https://de.wikipedia.org/wiki/Unbefleckte_Empfängnis Immaculata] wurde in diesem Jahre auch wieder gefeiert. Der Besuch der Messen war schlecht. Man erkennt, wie eine Unterbrechung von einigen Jahren verheerend wirkt. [p. 121] Dieselbe Erfahrung machte ich am folgenden Sonntage. Die feierliche Aufnahme neuer [[Marienverein|Marienkinder]] fand in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] statt, zum ersten Male wieder seit 10 Jahren. Die Beteiligung der Pfarrfamilie war äußerst gering. Es waren allerdings auch sehr kalte Tage. Die Leute haben kein Schuhzeug, keine Kohlen, kein Fett, und die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] ist sehr kalt. Dazu kam, daß die Säle belegt sind. Das Weihespiel mußte im Kreise der Mitglieder gefeiert werden. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene aus den Ostgebieten Evakuierten] treffen allmählich ein und werden auf die einzelnen Familien verteilt. Zunächst kommen sie zu den Bauern, da die sie noch beköstigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weihnachten hatten alle ein Quartier gefunden, es sind meistens Protestanten, die katholischen Familien habe ich besucht. Zu Weihnachten hatten die Kinder Spielzeug gesammelt, und die katholische Pfarrjugend brachte es den Eltern der [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene Flüchtlinge], ob Katholiken oder Protestanten, welche sich sehr freuten, ihren Kindern etwas geben zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 122] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Heinz Libertus]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ist unsere Zeit gekommen, so laßt und männlich sterben für unsere Brüder und keinen Flecken unserer Ehre anhängen. I. Makk. 9, 10.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe unseres für das Vaterland gefallenen Mitbruders, des [https://de.wikipedia.org/wiki/Gefreiter#Wehrmacht Gefreiten]&lt;br /&gt;
::Heinz Libertus&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 3. Mai 1926 in Zons als jüngster Sohn der Eheleute Adam Libertus und Christine geborene Blömacher. Am 2. Oktober 1943 wurde er zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst Reichsarbeitsdienst] eingezogen und kam am 26. Januar 1944 zur militärischen Ausbildung nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn] und von dort nach Dänemark. Schon bald an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Ostfront] eingesetzt, wurde er bei den harten Abwehrkämpfen verwundet und ist im Lazarett zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Cieszyn Teschen, Oberschlesien] seinen Verletzungen erlegen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hierzu Ergänzung: &amp;quot;8/3 45&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dort wurde er auch beigesetzt. Möge Gott, der Herr, seiner Seele ein gnädiger Richter gewesen sein.&lt;br /&gt;
::In schmerzlicher Trauer beugen sich die Eltern, ein Bruder, vier Schwestern, zwei Schwäger, eine Schwägerin und die übrigen Anverwandten unter Gottes unerforschlichen Ratschluß und empfehlen seine teure Seele christlicher Fürbitte, auf daß sie ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
:[eingeklebtes Foto von Heinz Libertus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 123] 37. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Josef Moll]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Den Menschen schienen sie zu sterben, sie aber sind in Frieden. Weisheit 3, 2.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter#Fr.C3.BChere_deutsche_Streitkr.C3.A4fte Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Josef Moll&lt;br /&gt;
::Der Verewigte war geboren am 31. März 1923&amp;lt;ref&amp;gt;Korrigiert in &amp;quot;1921&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf] als Sohn der Eheleute Anton Moll und Therese Cordes. Nach seiner Schulentlassung wurde er Maschinenschlosser und im Mai 1942 zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Luftwaffe_(Wehrmacht) Luftwaffe] eingezogen. Nach kurzer, glücklicher Ehe mit Irene Engels aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf], die mit einem Kinde gesegnet wurde, wurde er bei einem Luftangriff auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Bielefeld Bielefeld] am 26. Oktober 1944, auf der Rückfahrt aus dem Urlaub, von einer Bombe tödlich getroffen. Am 13. November 1944 fand er seine letzte Ruhestätte auf dem Ehrenfriedhofe in [https://de.wikipedia.org/wiki/Brackwede Brackwede unweit Bielefeld]. Möge Gott, der Herr, ihm ein gnädiger Richter gewesen sein.&lt;br /&gt;
::An seinem Grabe trauern die Frau, ein Töchterchen, die Mutter, drei Brüder, eine Schwester und die übrigen Anverwandten, welche die Seele des lieben verstorbenen empfehlen dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
::Druck: J. Wegener, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weihnachten 1945. Eine Beteiligung beim Sakramentenempfang, wie ich sie in Zons Weihnachten noch nicht erlebt hatte. Über 800 Kommunionen wurden am 1. Weihnachtstage ausgeteilt, das sind 80 %. Die Feier war wieder wie im Frieden. 5 Uhr Krippenfeier, anschließend [https://de.wikipedia.org/wiki/Christmette Christmette]. Um 10 Uhr singt der Chor die Messe &amp;quot;Stella maris&amp;quot; von [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Filke Max Filke].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 124] Am Silvesterabend 7 Uhr waren die Pfarrkinder zu Schlußdanksagungsandacht des Jahres in großer Anzahl gekommen. Ein schreckliches Jahr ging zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1945&lt;br /&gt;
:Taufe 12 (18), auswärts 11 (6), 3 illegitime Kinder, Folgen der letzten deutschen Einquartierung, alle Bande waren gelöst. 1. heilige Beichte 17 (28), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 21 (23), Trauungen 4 (15), Beerdigungen 45 (22), [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|gefallen]] 3 (11), Kommunionen ausgeteilt 18.000 (16.900).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 1946–1951 ===&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1946&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
:1946&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am Neujahrstage war das heilige Opfer gut besucht. Hoffentlich ein gutes Vorzeichen für das neue, das erste Friedensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zons wird überlaufen von hungernden Städtern. Zweimal schon haben die Besatzungstruppen eine einschneidende Sammlung von Decken, Kleidungsstücken, Wäsche und Schuhen durchgeführt, angeblich für die in Lagern untergebrachten Polen, die zum Dank dafür auf Raub ausgehen. [p. 125] Da wir unbewaffnet sind und die Fremdarbeiter Schußwaffen mit sich führen, kann der Selbstschutz nicht viel ausrichten, die Engländer kommen erst, wenn es zu spät ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nun kommen auch noch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene Ostflüchtlinge], die Heim und Habe verloren haben. Sie werden hier angesiedelt. Die Bevölkerung hilft und eine Sammlung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritas], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Rotes_Kreuz Roten Kreuzes], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterwohlfahrt Arbeiterwohlfahrt] (sozialistisch) und des [[Frauen- und Mütterverein|katholischen Frauen- und Müttervereins]] hatte an Haushaltseinrichtungen, Kleidern und Wäsche ein schönes Ergebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17. Februar eine große [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Karitassammlung] für die hungernden [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Kölner]. Der [[Frauen- und Mütterverein|Mütterverein]] und die katholische Jugend übernimmt die Sammlung, die sehr zufriedenstellend ausgefallen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die katholische Jugend beginnt sich wieder zu formen. Die Gruppenstunden für die Jünglinge und Jungfrauen werden gut besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 126] 38. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Johann Jakob Feller]&lt;br /&gt;
::Jesus Maria Josef&lt;br /&gt;
::Ich werde euch wiedersehen und euer Herz wird sich freuen. Johannes 16, 22.&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Zum frommen Andenken an&lt;br /&gt;
::Johann Jakob Feller&lt;br /&gt;
::Sanitäts-[https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter#Geschichte Obergefreiter]&lt;br /&gt;
::geboren 28.5.1905 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Trier Trier]&lt;br /&gt;
::verstorben 5.8.1945 in Kriegsgefangenschaft.&lt;br /&gt;
::In tiefem Schmerz: Seine Gattin, seine beiden Töchterchen, ein Sohn, Mutter, Geschwister und Anverwandte.&lt;br /&gt;
::Jakob Feller geboren 28.5.05 zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Trier Trier], Eltern Nikolaus Feller, Elisabeth Hollender, zum 1. x verheiratet mit Franziska Hoffmann, 1 Sohn, zum 2. x verheiratet 4.11.31 mit Ida Reischel aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberhausen Oberhausen], 2 Töchter. 1940 eingezogen, im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Osten] eingesetzt, in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kurland Kurland] eingeschlossen, in russische Kriegsgefangenschaft an Lungenentzündung gestorben 5.8.45 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Tel%C5%A1iai Telsiai in Litauen], dort begraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10. März wird unser [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Erzbischof Dr. Josef Frings], der mit den Bischöfen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_August_Graf_von_Galen Münster Clemens August von Galen] und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Graf_von_Preysing Bischof von Berlin Graf Preysing] zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinalsklasse#kp Kardinälen] der Katholischen Kirche erhoben worden ist, in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] feierlich eingeführt. Am 17. März ist die kirchliche Feier in den Pfarrkirchen der [p. 127] [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_K%C3%B6ln Erzdiözese].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24., 25. und 26. März war die Möglichkeit, für die konfessionelle [[Schulwesen|Schule]] optieren. 92 % der Eltern wählten die konfessionelle Schule, conferre Erklärungsschein in der Anlage. 15 Eltern gaben den Schein zu spät ab, sonst hätten 100 % für die katholische Schule gestimmt. Genaues Ergebnis: Von 170 katholischen Antragsberechtigten der Pfarre haben den Antrag für die Katholische Schule gestellt 149 (15 sind verspätet eingegangen), sie vertreten 203 (223) Kinder. Von den 19 evangelischen Antragsberechtigten stellten den Antrag 9, sie vertreten 14 Kinder. Ungültig war kein Antrag. 5 Kinder besuchen die höhere Schule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], beziehungsweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]. Zahl der Einwohner 1714, davon männlich 794, weiblich 947. Katholiken 1574, [https://de.wikipedia.org/wiki/Protestantismus Protestanten] 145, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottgl%C3%A4ubig Gottgläubige] 12, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuapostolische_Kirche Neuapostolisch] 10, zusammen 1741. [[Stürzelberg]] männlich 739, weiblich 831, zusammen 1570, katholisch 1466, Protestanten 86, Gottgläubige 18, zusammen 1570.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 128] 21. April, [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostern Ostern]. Die Römerfahrt am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitage] zeigte eine erfreulich große Beteiligung der Männer und Jünglinge. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostersonntag Ostersonntage] wurden 700 Kommunionen ausgeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. April. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Sonntag Weißen Sonntage] gingen 22 Knaben und 12 Mädchen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion ersten heiligen Kommunion]. Die ganze Pfarrfamilie nahm regen Anteil, auch die [[Lehrer|Lehrerschaft]] war wieder vollzählig mit den Kindern an der Kommunionbank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Mai. In der Nacht zum 1. Mai waren die [https://de.wikipedia.org/wiki/Maibaum Maibäume] vor dem [[Rheintor]] und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Eiche Hitlereiche] vor dem [[Feldtor]]e abgesägt. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands K.P.D.] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands S.P.D.] veranstaltete getrennte [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Mai Feiern zum 1. Mai].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:39.&lt;br /&gt;
:2. Mai [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für den [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter#Geschichte Obergefreiten] Gerhard Norff, Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwundetenabzeichen_%281939%29 Verwundetenabzeichens] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsverdienstkreuz_%281939%29 Kriegsverdienstkreuzes]. Der Verstorbene war geboren 25.7.1904 in Zons als ältester Sohn der Eheleute Adolf Norff und Maria Molitor. Schon 1938 zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst Arbeitsdienste] am [https://de.wikipedia.org/wiki/Westwall Westwall] eingezogen, August 39 zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Wehrmacht] einberufen, nach seiner Ausbildung 1940 als [https://de.wikipedia.org/wiki/Pionier_%28Milit%C3%A4r%29#Einsatz_im_Zweiten_Weltkrieg Baupionier] im Osten eingesetzt. 3.2.45, wie ein Kamerad schreibt, in Migehnen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Ermland Ermland], [p. 129] gefallen. Seinem am 5.3.45 einer amerikanischen Granate zum Opfer gefallenen Vater ging er in die Ewigkeit voraus. Hinterbliebene Mutter und Schwester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Mai. [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritaskollekte], die 548,20 einbrachte. Nachmittags die 100-Jahrfeier des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kindermissionswerk päpstlichen Werkes der heiligen Kindheit]. Die Kinder sammelten 100,- Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27., 28., 29. Mai. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bittprozession Bittprozessionen] weisen eine rege Beteiligung auf. Möge Gott uns eine gute Ernte schenken, denn die Wochenrationen für eine Person beträgt 2–3 Pfund Brot, 62,5 Gramm Butter, 62,5 Gramm Fett, ½ Pfund Nährmittel, 150 Gramm Fleisch, 2 Pfund Kartoffeln, die es nicht mehr gibt, dazu 450 Gramm Brotaufstrich monatlich. Täglich sprechen 50–100 Städter bei den Bauern vor, aber die Mütter in Zons wissen nicht, wie sie ihren Kindern Brot geben sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31. Mai kommt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Stockums Hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Wilhelm Stockums] zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung Firmung] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Visitation Visitation].&amp;lt;ref&amp;gt;Es folgt der handschriftliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Visitation Visitationsvermerk] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Stockums Weihbischof Stockums] vom 31. Mai 1946.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 130] Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung Firmungstag] war ein Festtag für die ganze Gemeinde. An der Ehrenpforte wurde der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Stockums Hochwürdige Herr] vom [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] und vom [[Bürgermeister]] [[Johann Scheer]] begrüßt. [[Kirchenrat|Kirchenvorstand]] und [[Stadtrat|Gemeindevertretung]] waren erschienen. Eine Reiterschar von jungen Bauernsöhnen hatte den [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Stockums Bischof] am [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause] abgeholt. 140 Firmlinge wurden gefirmt, die Stadt war reich geschmückt, alles wie vor 1933, nur mit viel größerer Anteilnahme der Gemeinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:39. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Arnold Olligs]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und ich werde auferstehen am jüngsten Tage. Johannes 19, 25.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Grenadier#Wehrmacht Grenadier]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Arnold Olligs&lt;br /&gt;
::Finanzbeamter&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 11. Februar 1906 zu Zons als ältester Sohn der Eheleute Bernhard Olligs und Luise Marx, vermählte sich am 17. Februar 1944 mit Maria Telmes aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] zu einer glücklichen Ehe, die Gott mit einem Kinde segnete. Am 1. August 1944 wurde er eingezogen und erhielt seine militärische Ausbildung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn]. Am 19. November 1944 wurde er an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Saar Saar] eingesetzt und ist in den harten Abwehrkämpfen in Boulay bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Metz Metz] gefallen. Am 29. November 1944 fand er auf dem deutschen Militärfriedhof Nr. 1 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Andilly_%28Meurthe-et-Moselle%29 Andilly in Frankreich] seine letzte Ruhestätte.&lt;br /&gt;
::Mit dem Verschiedenen ist heimgegangen ein aufrechter Mann, ein pflichttreuer, tüchtiger Beamter, ein lieber Bruder, ein dankbarer Sohn, der die Mahnung des alten Tobias treu beherzigte: &amp;quot;Sohn, halte deine Mutter in Ehren!&amp;quot; Gott war seine Stärke im Leben und im Sterben. Nun hat er den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben seiner Kindheit treu bewahrt. Möge der König der Ewigkeit ihm die Krone des Lebens geben.&lt;br /&gt;
::Die trauernde Gattin, sein Söhnchen (das seinen Vater nicht gekannt), seine Mutter, ein Bruder, auf dessen Heimkehr die Angehörigen noch warten, 2 Schwestern, die Schwiegereltern, ein Schwager, eine Schwägerin und die übrigen Anverwandten empfehlen den Verstorbenen dem Gebete der Gläubigen, auf daß er ruhe in ewigem Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 131] 40. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Johann Könen]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. 2. Timotheus 4,7.&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Herrn verschiedenen&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter#Geschichte Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Johann Könen&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 27. Oktober 1912 zu Zons als jüngster Sohn der Eheleute Franz Könen und Gertrud Thron. Zum Heere eingezogen wurde er am 20. Januar 1942 und erhielt seine militärische Ausbildung in Frankreich, wo er auch zum Schutze der atlantischen Küste eingesetzt wurde. Im August 1944 geriet er in Gefangenschaft. Seine Angehörigen erhofften seine Rückkehr und erhalten nun nach 1 ½ Jahren durch einen seiner Kameraden die traurige Gewißheit, daß er am 3. Dezember 1944 bei Arbeiten in einer Kiesgrube tödlich verunglückt ist.&lt;br /&gt;
::Ein fleißiger, arbeitsamer Jungmann, ein treuer Sohn und Bruder, die Stütze seiner alten Eltern, die ihren zweiten Sohn aus russischer Kriegsgefangenschaft erwarten, ist mit ihm dahingegangen. Möge der Herrgott, dem er in seinem Leben die Treue bewahrt, und zu dessen Ehre er so manches Jahr im [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] seiner Heimatgemeinde gesungen hat, ihm ein gnädiger Richter sein.&lt;br /&gt;
::Um den in fremder Erde Ruhenden trauern die Eltern, ein Bruder, zwei Schwestern, ein Schwager, seine Braut, ein Neffe und die übrigen Anverwandten, welche seine liebe Seele empfehlen dem Gebete der Gläubigen auf daß sie ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. Juni 46, [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinitatis Dreifaltigkeitssonntag]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnissonntag Bekenntnistag der katholischen Jugend]. Morgens gemeinsame heilige Kommunion, 30 Jünglinge und 60 Jungfrauen. Nach der heiligen Messe Bannerweihe. Auf der Vorderseite: auf weißem Grund ein rotes Chi Ro, auf der Rückseite auf weißem Grunde ein grünes Kreuz mit der Königskrone. Nachmittags zogen 150 Jugendliche nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], aus dem Dekanate waren [p. 132] ca. 1500 Jugendliche erschienen. Eine erhebende Feierstunde: &amp;quot;Einer trage des anderen Last, so erfüllet das Gebot Christi.&amp;quot; Als Opfergabe hatten die Zonser Jugendlichen 150,-Mark gesammelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Juni 46. Fest der goldenen Hochzeit der Eheleute Hermann Vianden und Luise Fuchs ([https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]). Im Hochamte Teilnahme der ganzen Pfarrfamilie. Abends im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Lokale Schönen]], [[Feldstraße]], große Festversammlung. Der [[Johannes Klüwer|Pastor]], [[Gerhard Justenhoven|Bürgermeister]] und [[Johann Scheer|Stadtdirektor]] sprachen. Der Jubilar ist Begründer der freiwilligen [[Feuerwehr]].&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene Flüchtlinge] kommen in Massen in unsere Gemeinde. Nachdem schon vor einigen Monaten 100 [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostpreu%C3%9Fen Ostpreußen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Pommern Pommern] etc., meist nicht katholisch, gekommen waren, sie waren alle in den Familien untergebracht, beginnt nun das schwere Werk, die Hunderte [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien Schlesier], die von den Polen vertrieben sind, unterzubringen. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien Schlesier] aus der Nähe von [https://de.wikipedia.org/wiki/Breslau Breslau] sind alle gut katholisch und besuchen fleißig und glücklich den Gottesdienst, sodaß die Zonser anfangen, pünktlicher zu kommen, um einen Platz in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] zu bekommen. Vorläufig sind sie alle noch in [p. 133] Gemeinschaftsverpflegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 28.7.46 fand das Waldtreffen der weiblichen Jugend unseres Dekanates in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich] statt. Zons war stattlich vertreten und steuerte einige lustige Theaterstückchen zum allgemeinen Programm bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. September 46 ergab die Haussammlung für die Caritativen Anstalten, hier durchgeführt von den Mitgliedern des [[Marienverein]]s die schöne Summe von 2000 Mark, welche an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Diözesan-Caritas-Zentrale] in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] überwiesen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 4. September 46 waren die [[Vinzentinerinnen|Vinzenzschwestern]] 50 Jahre in Zons. 1896 wurden sie durch den damaligen [[Pfarrer]] [[Adam Otten|Otten]] eingeführt, conferre Pfarrchronik I Seite 3 und 116. Vom 1.–8. September fand eine religiöse Weihe für die Jungfrauen und [[Marienverein|Marienkinder]] statt, gehalten vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Lazaristen Lazaristenpater] Otto Peis aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Lippstadt Lippstadt]. Beteiligung ca. 90 %. Am 8.9.46 feierliches Hochamt, die Festpredigt hielt der Direktor des Mutterhauses in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Nippes], Pater Pauels. Eine Abordnung des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandes]] unter Führung des [[Johannes Klüwer|Pastors Klüwer]] überreichte eine Spende von 500,- Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 134] Am 15. September 1946 fand die erste freie ungefälschte Wahl seit 13 Jahren stand [sic.]. Zur Wahl stand der [[Stadtrat|Gemeinderat]] von Zons und [[Stürzelberg]]. Von 3 Parteien waren Kandidaten aufgestellt, in [[Stürzelberg]] auch eine Reihe unabhängiger, d.h. Parteilose. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands christlich demokratische Union C.D.U.], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands Sozialdemokraten S.P.D.] und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands kommunistische K.P.D.] hatten je 6 Kandidaten und einige Reservekandidaten aufgestellt. Sämtliche Kandidaten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.] wurden mit überwältigendem Stimmenanteil gewählt. Endlich nach über 25 Jahren ist der kommunistische Terror in Zons gebrochen. 1) [[Matthias Weiler|Weiler Matthias]], Gastwirt [[Herrenweg]] 17, [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.], erhielt 419 Stimmen, 2) Fleischhauer Wilhelm junior, Schiffsbau-Ingenieur, C.D.U., [[Rheinau]] 7, 410, 3) Lenden Michael, Meister, [[Bahnstraße]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.], 390, 4) Stelzmann Franz, Landwirt, [[Rheinstraße|Rheinstr.]] 6, [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.], 379, 5) Longerich Wilhelm, Landwirt, [[Brunnenstraße]] 4, [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.], 348, 6) Marx Jakob, Arbeiter, [[Grünwaldstraße]], CDU, 345 Stimmen. Dann kamen die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands Sozialdemokraten] mit 267–198 Stimmen und dann erst die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands KPD] mit 177–78 Stimmen. Da in [[Stürzelberg]] keine [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.]-Kandidaten aufgestellt waren, so gingen die Reststimmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.] in Zons alle verloren. Gewählt wurden in Zons außer [p. 135] den 6 [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.]-Kandidaten Jakob  Krahn, Arbeiter, [[Bahnstraße]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands S.P.D.] und Philipp Reusrath, [[Lindenstraße]] [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands S.P.D.] sowie Georg Standtke, Fotograf, [[Feldstraße]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands K.P.D.]. Der Wahlkampf verlief sehr friedlich, die Wahlbeteiligung betrug 89,1 Prozent, und die Überraschung über den Wahlsieg der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands Christlichen] war sehr groß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Spende Schweizerspende] wurden vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Herrn Kardinal] den alten Mütterchen je 70 Gramm echter Bohnenkaffee überwiesen, was große Freude erregte.&lt;br /&gt;
:Auch bedachte der [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XII. heilige Vater] sämtliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene aus dem Osten Zwangsvertriebenen] mit Schmalz, Mehl, Kakao etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22. September 1946. Da am 15.9. die Wahl stattfand, zogen wir erst heute, vom Wetter begünstigt, nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] zur &amp;quot;Not Gottes&amp;quot;. Ca. 150 Pilger beteiligten sich.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Am Abend fand die Versammlung der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Erzbruderschaft vom heiligen Sebastianus]] statt. Als am 13.5.1934 die Bindung mit der [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|St. Sebastianusbruderschaft]] gelöst war (conferre I S. 208), hatten sich 30 Mitglieder in das Bruderschaftsbuch eintragen lassen, sodaß als die Besatzungsmacht den [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenverein]] auflöste, die Bruderschaft weiter bestand. Sie hat nun [p. 136] den Namen: St. Sebastianus und St. Hubertusschützenbruderschaft 1447/1898. Man verpflichtete sich auf die Satzungen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%BCtzenbruderschaften Erzbruderschaft] in [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrrig Leverkusen-Bürrig]. Der [[Pfarrer|Pastor]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] unterstrich in seiner Ansprache die religiöse und karitative Seite der Programmpunkte. Ein provisorischer Vorstand wurde gebildet, da die Vorstandsmitglieder der Bestätigung der Militärregierung bedürfen. Alle müssen den berühmten und berüchtigten Fragebogen ausfüllen. Gilgen Heinrich sen. 1. Brudermeister, Peter Köppinger, der derzeitige Schützenkönig, 2. Brudermeister, Franz Lenden 1. und Leo Klein 2. Schriftführer, Josef Malzburg 1. und Arnold Boes 2. Kassierer, Fähnrich Michael Blömacher. Der [[Pfarrer|Pastor]] muß zu den Vorstandssitzungen eingeladen werden. Am Kirmessonntag soll die Bruderschaft zum ersten Male wieder öffentlich in Erscheinung treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zum [[Bürgermeister]] wurde für den [[Gerhard Justenhoven|Bäckermeister Jussenhoven (Stürzelberg)]] [[Wilhelm Fleischhauer|Wilhelm Fleischhauer jr.]], Schiffsbauingenieur von der [[Bootswerft]] am Rhein, gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Oktober 1946. [[Erntedankfest]] und [[Kirmes]] in Zons, Tanz in allen Sälen. Morgens aber feierliches Dankamt. [p. 137] Vor dem Hochamte wurden die Gaben feierlich gesegnet. Nachmittags fahre ich zum &amp;quot;[[Mülleposs|Mühlenpost]]&amp;quot; und muß feststellen, daß man die Christusfigur am Kreuze zerschlagen hatten [sic.]. Die Trümmer habe ich in den Sträuchern zusammengesucht. Ich kann nicht annehmen, daß ein Zonser das getan hat, conferre S. 183: 5.5.1929.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. Oktober 1946 fanden die Wahlen zu den Kreistagen statt. 75 % wählten in Zons, und wieder kamen alle Kandidaten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.] durch. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunisten] erlitten wieder eine vernichtende Niederlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 14. Oktober 1946 starb plötzlich im Krankenhause zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] der [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]], geboren 10.1.1889 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukirchen_%28Rheinbach%29 Groß-Schlebach], der seit 1919 in Zons als [[Lehrer]] wirkte, conferre Totenzettel. Auch im öffentlichen Leben nahm er regen Anteil, war Vorsitzender, Rendant und Schriftführer in der Kriegsversehrten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge, Kriegsgütersorge, Kameradschaftliche Vereinigung, [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenverein]], Ziegenzuchtverein, als Rendant im [[Deichverband Zons-Stürzelberg|Deichverband]], der für Zons so große Bedeutung besitzt, etc. Am 18.10. haben wir ihn zu Grabe getragen unter [p. 138] außerordentlicher Beteiligung der Pfarrfamilie und vieler auswärtiger Gäste, die [[Schulwesen|Schule]] ging geschlossen mit. Am Grabe sprachen außer dem [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] der Schulrat, der [[Wilhelm Fleischhauer|Bürgermeister]], der evangelische Pfarrer von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], der Vorsitzende der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Hubertusschützenbruderschaft]]. Die [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Cäcilia]] sang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von [[Peter Breuer]]]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Die aber Erleuchtete waren, werden leuchten wie der Glanz des Firmamentes und die viele in der Gerechtigkeit unterwiesen, wie Sterne immer und ewig. (Daniel 12, 3.)&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des so plötzlich aus dem Leben abberufenen&lt;br /&gt;
::Herrn [[Peter Breuer]], [[Lehrer|Hauptlehrer]] in Zons.&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukirchen_%28Rheinbach%29 Groß-Schlebach] am 26. Oktober 1889 als Sohn der Eheleute Heinrich Breuer und Anna Schäfer und lebte seit dem 13. November 1919 mit [[Agnes Breuer|Agnes Ommeln]] in glücklicher Ehe, die Gott mit einem Kinde segnete. Was er den Seinen gewesen ist in Gattenliebe und Vatersorge, wissen diese nur selbst zu würdigen.&lt;br /&gt;
::Ausgestattet mit reichen Geistesgaben und durchdrungen von idealer Lebensauffassung, bereitete er sich im Seminar zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Ratingen Ratingen] auf den Lehrerberuf vor, erhielt seine erste Anstellung 1912 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Giesenkirchen Giesenkirchen], dann als Hauptlehrer in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukirchen_%28Grevenbroich%29 Neukirchen]. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg Weltkrieg 1914/18] nahm er teil und übernahm 1919 als [[Lehrer|Hauptlehrer]] in Zons seinen neuen Wirkungskreis. Dort war er über 25 Jahre tätig. Als ein Lehrer, der tief durchdrungen war von der hohen Aufgabe, die ihm als Bildner und Erzieher unsterblicher Kinderseelen oblag, widmete er sich der [[Schulwesen|Schule]]. Streng, gerecht und unermüdlich tätig, war er vor allem darauf bedacht, in Zeiten, da der Kirche Einfluß auf die Jugenderziehung beschränkt war, die Herzen der Kinder mit Liebe zu Gott und Christentugend zu erfüllen. Möge der gute Samen, den er in so viele jugendliche Herzen gelegt, reiche Frucht bringen und ihm den Lohn vom göttlichen Kinderfreund sichern im Himmel. Seine zahlreichen Schüler werden gewiß dankbaren Herzens nunmehr die Seele ihres verehrten und verdienten Lehrers Gott empfehlen, zu dem der Verewigte sie in christ-katholischem Unterricht hingeführt hat.&lt;br /&gt;
::An allen Bestrebungen des öffentlichen Lebens seiner Heimatgemeinde nahm er regen Anteil, war fünf Jahre Mitglied des [[Stadtrat|Gemeinderates]], führte bis zu seinem Tode die Rendantenstelle des [[Deichverband Zons-Stürzelberg|Deichverbandes Zons-Stürzelberg]] mit Umsicht und Tatkraft. Stets war er bereit, anderen Gutes zu tun und ihnen in der Not zu helfen.&lt;br /&gt;
::Unerwartet schnell ist er am 14. Oktober 1946 im Krankenhaus zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] nach einer Infektion einem Herzschlage erlegen. Möge Gott, der Lohner alles Guten, ihm ein gnädiger Richter sein.&lt;br /&gt;
::An seinem Grabe trauern die Gattin, die Tochter, seine Schwester, sein Schwager, seine Schwägerin und die übrigen Anverwandten.&lt;br /&gt;
::Sie bitten um ein frommes Gebet für seine Seele, auf daß sie ruhe in ewigem Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 30. Oktober 1946 feiern die Eheleute [[Peter Oberzier]] und Elisabeth Schillings das Fest ihrer goldenen Hochzeit. 8 Kinder, davon leben noch 2 Söhne und 2 Töchter, alle verheiratet, 11 Enkelkinder. Der Jubilar, Mitglied der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Cäcilia]] und der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenbruderschaft]], langjähriger Verwalter des [[Heimatmuseum|Heimatmuseums]]. Die Jubilarin seit Gründung des [[Frauen- und Mütterverein|katholischen Frauen- und Müttervereins]] (1929) Mitglied des Vorstandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. Oktober 46 [https://de.wikipedia.org/wiki/Christk%C3%B6nigsfest Christkönigsfest]. Der Diözesanpräses der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kolpingwerk Kölner Kolpingfamilie] predigt morgens in den heiligen Messen über das Kolpingwerk. Nachmittags um 5 Uhr hält er im [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Saale von Weiler]] die Festrede zur Wiederauferstehung der [[Kolpingfamilie]] in Zons. Von 1929–1936 war die [[Kolpingfamilie]] aktiv. 3 Senioren während der Zeit. Josef Blömacher, Matthias Marx und Leo Klein. Von 36–46 ruhte die Vereinsarbeit, da während des Hitlerregimes und der Kriegszeit kein Nachwuchs da war. Gefallen sind: Hubert Ohligschläger, Hubert Fleischhauer, Hubert Schönen und Wilhelm Groten, conferre Totenzettel. Gestorben waren Matthias Zaun und Wilhelm Lenden. Vermißt sind noch: Cornelius Steinbach, Philipp Wannhoff, Anton Köppinger und Johann Vogel. In Gefangenschaft sind noch: Albert Nüsing, Sebastian Olligs, Heinrich Nicolin. Albert Nüsing hatte noch [p. 140] in Erinnerung an die schönen Stunden im Gesellenverein aus englischer Gefangenschaft geschrieben, daß die [[Kolpingfamilie|Kolpingsöhne]] im Gefangenenlager regelmäßig zusammenkamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Zum [[Lehrer|Schulleiter]] an Stelle des verstorbenen [[Lehrer|Hauptlehrers]] [[Peter Breuer]] wurde der [[Lehrer]] [[Mathieu Fausten|Matthias Fausten]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] ernannt. Eine dritte heilige Messe, eine besondere Kindermesse, wurde für die Schulkinder sonntags eingelegt. Die heilige Messe wird besonders kindertümlich gehalten und den Kindern eine besondere Predigt gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. November 1946 war die Gründungsversammlung der [[Kolpingfamilie|Kolpingsfamilie]]. 15 Jünglinge meldeten sich. Senior wurde Josef Weiler, sein Vertreter Willi Schnier, der vor 8 Tagen aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, Schriftführer [[Hans Wingerath]] und Kassierer Franz Josef Lenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23.11.1946 haben wir unter großer Anteilnahme der Pfarrangehörigen unseren 2. Vorsitzenden des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandes]] Gottfried Stelzmann zu Grabe getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 141] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Gottfried Stelzmann]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! St. Martin!&lt;br /&gt;
::Selig die Toten, die im Herrn sterben. Von nun an sollen sie ausruhen von ihren Mühen, aber ihre Werke folgen ihnen nach. Geh. Offenbarung 14, 13.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des in Gott ruhenden Herrn&lt;br /&gt;
::Gottfried Stelzmann&lt;br /&gt;
::Landwirt zu Zons&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am Rhein am 23. Januar 1883 als ältester Sohn der Eheleute Peter Stelzmann und Sibilla Roß und lebte seit dem 9. Mai 1922 in glücklicher, mit drei Kindern gesegneter Ehe mit Christine Dick aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfeld Rheinfeld]. Mit treuem Fleiß und großer Liebe sorgte er unermüdlich für das Wohl seiner Familie. Durch seine Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit erwarb er sich die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger, die ihn in den Kirchenvorstand und in die [[Stadtrat|Gemeindevertretung]] beriefen. Zwanzig Jahre lang war er der 2. Vorsitzende des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandes]] seiner Heimatgemeinde und in den letzten Jahren Ortsvertrauensmann der Ortsbauernschaft Zons. Seine christliche Gesinnung und die treue Erfüllung seiner religiösen Pflichten lassen uns hoffen, daß ihm der Herr ein gnädiger Richter sein wird.&lt;br /&gt;
::Nach kurzem, schweren Leiden starb er, wohlversehen mit den heiligen Sterbesakramenten, am 20. November 1946 zu Zons.&lt;br /&gt;
::An seinem Grabe trauern seine Gattin, ein Sohn, zwei Töchter, zwei Brüder, eine Schwester und die übrigen Anverwandten und bitten um ein frommes Gebet für den Dahingeschiedenen, auf daß er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8. Dezember 46 feierte der [[Marienverein]] sein 50jähriges Jubiläum, conferre Band I Seite 134. 12 Jubilarinnen konnten das goldene Jubiläum feiern: Fräulein Gertrud Sticker, Frau Marie Steinbach geborene Marx, Frau Maria Görgens geborene Leiting, Frau Cäcilia Bellen geborene Norff, Frau Catharina Hell geborene Fleischhauer, Frau Gertrud Vianden geborene Rosellen, Frau Helene Marx geborene Marx, Frau Cäcilia Köppinger geborene Düssel, Frau Margarethe [p. 142] Malzburg geborene Bechlenberg, Frau Gertrud Schmitz geborene Wimmer, Frau Catharina Reusrath geborene Bechlenberg, Frau Catharina Stein geborene Blömacher. Feierlich wurden in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] 10 neue Mitglieder aufgenommen. Abends war unter großer Beteiligung der ganzen Pfarrfamilie eine Feierstunde im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Saale Schönen]] mit einem von den Mitgliedern gespielten Weihespiel &amp;quot;Die klugen und die törichten Jungfrauen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2 Gruppen der Jungens, die Gruppe &amp;quot;Krudor&amp;quot;, 14–15 Jahre, und die Gruppe &amp;quot;Seeadler&amp;quot;, 16–17 Jahre, kommen jede Woche zu einer Gruppenstunde zusammen. Im Sommer waren die Jungens einige Male in Altenberg zu Tagungen, und eine Fahrt wurde durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Bergisches_Land Bergische] und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Siebengebirge Siebengebirge] gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am letzten Sonntage im November fand, wie alljährlich, die Gedächtnisstunde für unsere gefallenen Krieger statt, die einen tiefen Eindruck auf die zurückgekehrten Soldaten machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29. Dezember 1946. Unser Karitasausschuss, der bisher aus den Bezirksvorsteherinnen des [[Frauen- und Mütterverein]]s bestand, hat [p. 143] sich heute bedeutend erweitert. Die Pfarre wurde in 10 Bezirke aufgeteilt. Zu den Frauen kommen die Herren Lenden Michael, [[Matthias Weiler|Weiler Matthias]], Schreiner Andreas und Rodekirchen Josef, die [[Lehrer|Lehrerin]] [[Agnes Breuer|Frau Breuer]] und die Schwester Oberin des [[Vinzentinerinnen|Vinzenzhauses]]. Als erste Aktion werden Unterschriften zur baldigen Entlassung unserer Kriegsgefangenen gesammelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1946&lt;br /&gt;
:Taufen 33 (30), 1. heilige Beichte 35 (17), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 34 (21), Firmung 141, Ehe 15 (4), Tod 19 (45), Kommunionen 20.500 (18.000).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1947&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1947&lt;br /&gt;
:Der Caritasausschuß der Pfarre hat sich erweitert. Der [[Bürgermeister]] [[Wilhelm Fleischhauer|Fleischhauer]] und einige Stadtverordnete haben sich zur tatkräftigen Mitgliedschaft entschlossen, so hat die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratie sozialdemokratisch] aufgezogene Weihnachtsbescherung der Kinder doch ihre guten Früchte gezeitigt, denn  die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands S.P.D.] will hier sämtliche kulturellen und karitativen Veranstaltungen in ihre [p. 144] Hand bekommen, und [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Karitas] ist noch immer überparteilich. Die vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Herrn Kardinal] angeregte Unterschriftensammlung für die Freilassung der Kriegsgefangenen ergab 1614 Unterschriften.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Die 3. Papstspende für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene Ostflüchtlinge] (es sind hier 230) gelangt zur Ausgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19. Januar feiert die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Sebastianus- und Hubertusbruderschaft]] mit einem Hochamt und einem Ball!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die 3. Kältewelle ist Ende Januar gekommen. Zwar haben wir noch keine Temperaturen wie im Dezember mit -20 Grad, aber die Brennstofffrage ist akut. Offiziell gibt es pro Familie 1 Centner [https://de.wikipedia.org/wiki/Brikett Briketts] für den Monat. Dazu erhält jede Familie einen Baum. Die 100jährigen Lindenbäume des [[Friedhof]]es sind umgehauen worden, eine Schande! Da der Kirchhof&amp;lt;ref&amp;gt;Darüber &amp;quot;[[Friedhof]]&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; aber Gemeindeeigentum ist, konnte ich als [[Pfarrer]] nichts dagegen tun. Die [[Hannepützheide|Heide]], die so schön aufgeforstet war, ist ganz verwüstet. Die Leute gingen auf eigene Faust hin und holzten ab. Da wir eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands S.P.D.]-Verwaltung haben, meistens Leuten, die [p. 145] keine Fachkenntnis besitzen, so geht alles drunter und drüber. Die Selbstversorger haben in allem genug, und die anderen stehen Schlange vor den leeren Läden. Dazu ist fast jeden Sonntag Tanzvergnügen, in einer Woche haben wir 3 Karnevalistische Veranstaltungen vor ausverkauftem Hause. Für spätere Geschlechter wollte ich einmal ein Stimmungsbild der gegenwärtigen Zeit geben. Der Kirchenbesuch läßt bei der gegenwärtigen Kälte sehr zu wünschen übrig. Einmal war mir während der heiligen Messe das Wasser in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Messk%C3%A4nnchen Pollen] gefroren. Der Rhein ist zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Emmerich_am_Rhein Emmerich] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Moers Mörs] auf 100 km und an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Loreley Lorelei] zugefroren, selbst die Nordseeinseln [https://de.wikipedia.org/wiki/Amrum Amrum] und [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%B6hr Föhr] sind über das Eis per Auto vom Festland aus zu erreichen. Ende Februar, noch immer hält der Frost an, aus den Städten werden hunderte von Erfrierungen gemeldet. Kein Brand!! Schon 5 Wochen sind die [[Schulwesen|Schulen]] geschlossen, da kein Heizmaterial.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. März. Nach 6-wöchentlichem Frost setzt Tauwetter ein, [p. 146] aber es dauert noch bis Mitte April, bis es warm wird. Die Landarbeiter sind um 4 Wochen im Rückstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am Palmsonntag, von Samstag auf Sonntag die Bußfahrt der Männer des Dekanates nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. Um ½ 10 Uhr Abend ziehen wir in Zons aus. 70 Männer und Jungmänner, es wird gebetet und dann wieder schweigend gezogen. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_%28Dormagen%29 Horrem] schließen sich die Männer von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_%28Dormagen%29 Horrem] an, in [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven] die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven]. Ca. 1000 Männer in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Abteikirche von Knechtsteden]. Um 12 Uhr Predigt und Mitternachtsmesse. Gegen 4 Uhr kommen die Männer wieder heim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Ostern Ostern] war wieder eine rege Beteiligung am Gottesdienst. [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Sonntag Weißen Sonntag] gingen 27 Kinder zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heiligen Kommunion]. Die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] war wieder prächtig geschmückt. Die Bekleidung der Kommunion-Kinder verursachte viel Kopfzerbrechen, aber da alle mithalfen, ist es geglückt, sogar mit den Schuhen, was heute eine Katastrophe ist, keine Schuhe zu bekommen. Auf dem schwarzen Markt kosten [p. 147] sie 3–400 Mark. Überhaupt die Preise, für einen Doppelzentner Weizen werden 2000,- Mark bezahlt. 1 Pfund Butter kostet 200,- Mark, für 1 Ei werden 8,- Mark gegeben. Eine deutsche Cigarette kostet 3,- Mark, eine englische 5,- Mark, eine amerikanische 6,- Mark. Alles Schwarzmarktpreise. Bei einem Bauern in der Nachbarschaft hat man über 5 Centner Fett beschlagnahmt etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15. April. Die Eltern brachten ihre Schulneulinge alle zur Kindersegnung in die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]], von wo sie mit Kreuz und Fahnen zur [[Schulwesen|Schule]] geleitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20. April. Wahl zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Landtag_Nordrhein-Westfalen Landtag von Nord-Rheinwestfalen], dem neuen Gebilde von Gnaden der [https://de.wikipedia.org/wiki/Alliierte#Die_Vier_M.C3.A4chte Allierten] [sic.]. In Zons: [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands Christlich demokratische Union C.D.U.] 318, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum]: 21, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD] 283, [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinisch-Westf%C3%A4lische_Volkspartei#Geschichte R.V.P.]: 4, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands Kommunistische Partei Deutschlands K.P.D.] 184. Wahlbeteiligung nur 71 %.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23. April. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_von_Nazaret Schutzfeste des heiligen Josefs] veranstaltete die [[Kolpingfamilie]] ihren ersten Familienabend, [p. 148] der harmonisch und schön verlief. Altkolping war stark vertreten und half tüchtig mit bei der Gestaltung des Programms. Am Sonntag darauf war das Hochamt für die Lebenden und Verstorbenen der Zonser [[Kolpingfamilie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:28. April [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für den einzigen Sohn des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandsmitgliedes]] Josef Richrath, conferre Totenzettel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:41. [Es folgt der Totenzettel von Hans Richrath]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Ehre seinem Andenken&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Sei getreu bis in den Tod und ich will dir die Krone des Lebens geben.&amp;quot; Offenbarung 2, 10.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen&lt;br /&gt;
::Hans Richrath&lt;br /&gt;
::Soldat in einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Panzerdivision Panzer-Division]&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 5. Oktober 1925 als Sohn der Eheleute Josef Richrath und Berta Longerich, die am 30. Juli 1938 ihrem Sohne in die Ewigkeit vorausging.&lt;br /&gt;
::Nach Beendigung seiner Schulzeit besuchte er die Handelsschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß], wurde Banklehrling und im April 1943 zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst Arbeitsdienst] eingezogen. Seine militärische Ausbildung erhielt er in [https://de.wikipedia.org/wiki/Unna Unna in Westfalen] und in Nordfrankreich. Im April 1944 wurde er in Rußland eingesetzt, kam im Juni wieder nach Frankreich, nahm an den schweren [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Westfront_1944/1945 Abwehrkämpfen in der Normandie] teil und wurde am 10. Juli 1944 als vermißt gemeldet. Nach fast drei Jahren erhält die Familie die Nachricht, daß er am 12. Juli 1944 in Nordfrankreich gestorben ist, höchstwahrscheinlich an den Folgen einer schweren Verwundung.&lt;br /&gt;
::In der Blüte seiner Jugend ist er dahingegangen, er, der die Hoffnung und der Stolz seiner Eltern gewesen; doch sie trösten sich in dem Gedanken, daß er, wie er als Christ seinem Gotte in den Tagen der Jugend gedient und als Soldat sein junges Leben für das bedrängte Vaterland hingegeben, den ewigen Siegespreis des Himmels erlangt habe.&lt;br /&gt;
::Seine Eltern, die einzige Schwester, der Großvater und die übrigen Verwandten bitten um ein Gebet für den so früh Dahingeschiedenen, auf daß er ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 149] Am Vorabende des 1. Mai fand wie alljährlich die Blumenprozession zum Maialtar statt. Auch in diesem Jahre konnte der Altar prächtig geschmückt werden. Am 1. Mai hatten die Zonser die Veranstaltung in die Hand genommen, sie verlief unpolitisch und harmonisch. Der Überschuß in Höhe von 246,90 wurde mir zu karitativen Zwecken übergeben, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands K.P.D.] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands S.P.D.] hatten besondere Veranstaltungen, die sehr schwach besucht waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Pfarrkaritasausschuß, 17 Mitglieder, verteilte das Ergebnis der letzten Sammlungen, 1300,- Mark an bedürftige Kriegerwitwen und ihre Kinder. Die Papstspende: Fett, Kakao etc. war an die Kriegsversehrten gegangen. Die Caritas-Straßensammlung hatte 1344,- Mark und Caritas-Kirchensammlung 306,- Mark ergeben. Die Hälfte jeder Sammlung ging nach [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wegen der unsicheren Zeiten, allenthalben hört man von Einbrüchen in die Kirchen (in [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_%28Monheim_am_Rhein%29 Baumberg] wurden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Hostie Hostien] geschändet) ist dem [[Wundermadonna|Muttergottesbild]] in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] der Schmuck genommen worden und im Tresor des [[Pfarrhaus]]es in Sicherheit gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 150] An der Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Altenberg Altenberg] beteiligten sich heute (18. Mai 47) 40 Mädchen unter Führung der hiesigen [[Lehrer|Lehrerin]] Fräulein [[Hildegund Tasch|Hildegundis Tasch]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen], die Dekanatsjugendführerin ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das [sic.] diesjährige Bekenntnistag am [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinitatis Dreifaltigkeitsfeste], 1. Juni 1947, wurde für unser Dekanat in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] gefeiert. Er stand unter dem Motto &amp;quot;Ihr sollt mir Zeugen sein&amp;quot;, conferre Anlage zu Chronik. 1000 Jugendliche von 14–24 waren erschienen. Aus unserer Pfarrei waren 80–90 Jugendliche auf 4 Wagen hingefahren. Die Fahrräder haben keine Bereifung mehr, und die Schuhsohlen sind zu kostbar. Der Dekanatspräses für die männliche Jugend, Herr Kaplan Reiners aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosellen_%28Neuss%29 Rosellen], hielt die Festpredigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnam], 5.5.47, ein schöner Sommertag, war die Prozession recht stattlich, besonders die Männer und Jungmänner waren in großer Zahl vertreten. Den [https://de.wikipedia.org/wiki/Baldachin Baldachin] trugen die Gesellen. Die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützen]] begleiteten noch immer nicht das [https://de.wikipedia.org/wiki/Monstranz Sanctissimum].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 151] 42. 3. Juli [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für Willi Cremer&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Willi Cremer]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Ehre seinem Gedenken&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ihr habt jetzt zwar Trauer, aber ich werde euch wiedersehen und Euer Herz wird sich freuen und diese Freude wird niemand von euch nehmen.&amp;quot; Johannes 16, 22.&lt;br /&gt;
::Nach zweijährigem, sorgenvollen Warten erreichte uns die Nachricht vom Tode des im Kampfe für das Vaterland gefallenen Soldaten&lt;br /&gt;
::Willi Cremer&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 20. August 1900 als Sohn der Eheleute Gerhard Cremer und Margarete Weyer. Am 5. November 1927 vermählte er sich mit Magdalena Oberzier aus Zons. Zu Beginn des Krieges 1939 sofort zu den Waffen gerufen, wurde er in Frankreich eingesetzt und 1940 wieder in die Heimat entlassen. Im Januar 1945 wiederum eingezogen, ist er bei den schweren [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Westfront_1944/1945 Abwehrkämpfen im Westen], in Yissel bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesel Wesel] am 24. März 1945 gefallen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Ehrenfriedhof in [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesel Diersford].&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene vereinigte ein offenes Wesen mit einem frischen Temperamente voll Lebenslust und Tatendrang. Im Vertrauen auf den Herrgott ist er hinübergegangen. Möge Gott ihm ein gnädiger Richter sein.&lt;br /&gt;
::An seinem Grabe trauern die Gattin, die Tochter, zwei Brüder, fünf Schwestern und die übrigen Anverwandten, welche seine Seele empfehlen dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe in ewigem Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. Juli 47. Die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Bruderschaft vom heiligen Sebastianus und Hubertus]] feiert ihr erstes Schützenfest nach dem Kriege. Die Schützen mit Fahnen waren im Hochamt. Geschossen wurde mit der Armbrust. Schützenkönig wurde Michael Blömacher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 152] Die Herbstferien dauern vom 24.7.–20.8., während derselben sind durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritas] 8 Ferienkinder aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Leverkusen Leverkusen] bezw. [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] bei Bauern untergebracht. Die Meßdiener machen eine 2tägige Fahrt in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eifel Eifel]. Es sind wieder zwei Pfarrkinder aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt, verhungert und zerlumpt. Josef Bebber-Steinbach und Leo Eichelmann-Steinbach aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ural Ural].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17. August 47. Die [[Kolpingfamilie|Kolpingsfamilie]] macht eine Familienfahrt ins [https://de.wikipedia.org/wiki/Itter_%28Rhein%29 Ittertal].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im [[Rochushäuschen]] auf der [[Hannepützheide|Heide]] (conferre I, Seite 79) ist durch Bubenhand die Figur des Heiligen zerstört worden. Die Künstlerin Anneliese Funke aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf], Kaiserslauternerstr. 34, hat eine neue Plakette geschaffen, die heute in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] geweiht wurde (Preis 500,- Mark). Sie hat ihre Aufstellung in der [[Hannepützheide|Heide]] gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Diaspora Diaspora] wurden von der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] abgegeben 1 Kelch, 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Messbuch Missale], 1 Totenmissale, 1 Alba, 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Rochett Rochett], 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Kollar Priesterkragen], 2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Stola_%28liturgische_Kleidung%29 Stola], 3 Kelchgarnituren, 1 Pultdecke, 1 Versehkanne, 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Perikope_%28Liturgie%29 Perikopenbuch].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 153] 28. August 47 feierten Adam Kluth und Eva Neuen, [[Wiesenstraße]], unter großer Beteiligung der ganzen Pfarrfamilie ihr goldenes Ehejubiläum. Ihr Pflegesohn Leo Eichelmann war 14 Tage vorher aus der russischen Kriegsgefangenschaft (Rüstungsbetrieb im [https://de.wikipedia.org/wiki/Ural Ural]) zurückgekehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10.9.47. Seit 10 Jahren wieder die Generalversammlung der [[Frauen- und Mütterverein|Frauen und Mütter]]. Die Gemeinschaft zählt noch 165 Mitglieder. Vorstandswahl und Kassenbericht. Die Kinder des [[Kindergarten|Kindergartens]], Leiterin die [[Vinzentinerinnen|Vinzenzschwester]] Misaela, die Frohscharen, Leiterin Fräulein [[Hildegund Tasch|Hildegard Tasch]], [[Lehrer]]in, und der [[Marienverein]], Leiterin Oberin Sophie, brachten Tänze, Lieder und Theaterstückchen. 8 Tage darauf machen die Mütter eine Bootsfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7.9.47 Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer], 100 Teilnehmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12.9.47. [https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung Ewiges Gebet]. Die Nachtstunden wurden wieder gehalten, durchschnittlich von 25–30 besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:21.9.47. Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], 140 Teilnehmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 154] An der [[Schulwesen|Volksschule]] in Zons sind wieder 5 [[Lehrer|Lehrkräfte]] angestellt:&lt;br /&gt;
:1) [[Mathieu Fausten|Fausten]], der jetzt schon 1 Jahr lang die Stelle des verstorbenen [[Lehrer|Hauptlehrers]] [[Peter Breuer|Breuer]] vertritt und jeden Tag aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Delrath Delrath] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] nach Zons kommt.&lt;br /&gt;
:2) Frau [[Agnes Breuer]], die Frau des ersten Hauptlehrers, die seit Kriegsbeginn die Lehrtätigkeit wieder aufgenommen hat.&lt;br /&gt;
:3) Fräulein [[Hildegund Tasch|Hildegundis Tasch]], geboren 20.4.1924 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen], hier angestellt seit&amp;lt;ref&amp;gt;Das Datum fehlt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:4) [[Wilhelm van der Zander]], geboren 28.1.1919 in [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchengladbach], seit 1.9.1947.&lt;br /&gt;
:5) [[Klaus Scrzyba|Nikolaus Sczyrba]], geboren 1.7.1918 in [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6rlitz Görlitz], angestellt seit 1.10.1947.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 12.10.1947 was das Dekanatsfest der weiblichen Jugend in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]. Die Zonser Mädchen führten das Mysteriumsspiel auf: Unser lieben Frau Brautwerbung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am gleichen Sonntage feierten wir in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] in althergebrachten Weise das [[Erntedankfest]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 155] Am 2. November (Sonntag) wurde das [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich Fest des heiligen Hubertus] in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochamt levitierten Hochamt] gefeiert. Eine Abordnung des [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Sebastianus- und Hubertusschützenbruderschaft]] hatte mit Fahne im Chore Aufstellung genommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11. November zog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Martinstag#Sankt-Martins-Umzug Martinszug], wie alljährlich, mit Musik durch Zons, an der Spitze der [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours heilige Martinus] zu Pferde mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Pluviale Chormantel] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Mitra Mitra]. Allen 550 Kindern von Zons wurde ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Stutenkerl Weckmann] geschenkt. Kirchlich feierten wir das Patrozinium in einem feierlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochamt levitierten Hochamte].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 23. November wurde die Ausleihe der Borromäusbibliothek wieder eröffnet mit einem Bestand von 250 Büchern. Herr [[Lehrer]] [[Klaus Scrzyba|Sczyrba]] hat mit seiner Frau die Leitung übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vom 27. November bis zum 15. Dezember halten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskanische_Orden Franziskanerpatres] Epiphanius Marx und Laurentius Seibertz die [https://de.wikipedia.org/wiki/Volksmission Volksmission] in Zons. Zur Vorbereitung wurden vom [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] sämtliche 463 Familien der Pfarre besucht. Eine Übersicht [p. 156] über den Stand der Pfarrei:&lt;br /&gt;
:400 Männer, 136 Jungmänner, 534 Frauen, 181 Jungfrauen, 266 Schulkinder und 200 Kleinkinder, zusammen 1717 Katholiken, dazu 205 Andersgläubige, macht 1922 Einwohnerzahl von Zons. Zahl der rein katholischen Ehen 429, Zahl der gemischten Ehen 34, von diesen sind 11 coram ministro acatholico geschlossen, 4 bloß bürgerlich geschlossen Ehen Nichtgeschiedener und 2 Ehen Geschiedener. Ca. 500 Frauen und Jungfrauen besuchten die Predigten, ca. 300 Männer und Jünglinge. Die Schulkinder machten 100 % mit. 6 sind noch aus der Kirche ausgetreten.&lt;br /&gt;
:Zu Anfang der Mission wurden von den Seitenaltären 2 Teppiche und aus dem Beichtstuhl eine Decke gestohlen. Die Aufregung bei den Leuten ist groß. Der Dieb konnte nicht festgestellt werden. Der Erfolg: 60 % der Leute haben mitgemacht, 50 % die heilige Kommunion empfangen. Am letzten Beichtsamstag für die Jünglinge und Männer veranstaltete die Hubertuskompanie der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenbruderschaft]] einen gemütlichen Abend, wodurch viele von der Beichte abgehalten wurden, daraufhin legte der [[Johannes Klüwer|Pastor]] den Vorsitz der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Bruderschaft]] nieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18. Dezember 1947 fanden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] statt für Johann Strauch, conferre Totenzettel.&lt;br /&gt;
:43. [Es folgt der Totenzettel von Johann Strauch]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Glückselig die Toten, die im Herrn sterben.&amp;quot; Geh. Offenbarung&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des für das Vaterland verstorbenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Obergefreiter#Fr.C3.BChere_deutsche_Streitkr.C3.A4fte Obergefreiten]&lt;br /&gt;
::Johann Strauch&lt;br /&gt;
::Der Dahingeschiedene war geboren zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] am 15. Juli 1908 als Sohn der Eheleute Josef Strauch und Sybilla Brand und lebte seit dem 25. April 1936 in glücklicher Ehe mit Helene Noak aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Uckendorf Uckendorf (Siegkreis)].&lt;br /&gt;
::Am 26. August 1939 zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Heeresdienst] eingezogen, wurde er zuerst im Westen eingesetzt, zog dann mit den ersten Truppen nach Rußland, nahm dort an den schweren Kämpfen teil, wurde verwundet und kam nach seiner Wiedergenesung wiederum in den Osten. Zum zweiten Male verwundet, geriet er am 10. Mai 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, in der er Ende Dezember 1945 in Brekescheftks ([https://de.wikipedia.org/wiki/Sibirien Sibirien], an der Grenze der [https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolei Mongolei]) an Erschöpfung gestorben ist. Ein geliebtes, wertvolles Menschenleben hat der Tod in der Blüte der Jahre geknickt. Seiner Frau und seinem einzigen Töchterchen war er ein liebevoller Gatte und Vater. Treu dem Glauben seiner Väter ist er hinübergegangen in ein besseres Jenseits.&lt;br /&gt;
::Gattin und Kind, die Mutter, zwei Brüder, eine Schwester, die Schwiegereltern, fünf Schwäger, neun Schwägerinnen und die übrigen Anverwandten trauern um den lieben Verstorbenen und bitten um ein frommes Gebet für seine Seele, auf daß sie ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 158] Am Weihnachtsvortage holten noch über 200 die Missionsbeichte nach, sodaß am Weihnachtstage selbst über 900 Kommunionen ausgeteilt wurden, sodaß sich das Schlußergebnis der heiligen Mission wesentlich besser gestaltete. 70 % der Pfarrkinder empfingen die Gnaden der heiligen Mission.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1947:&lt;br /&gt;
:Taufe 25 (33), auswärts 10 (8)&lt;br /&gt;
:1. heilige Beichte 38 (25), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 27 (34)&lt;br /&gt;
:Ehe 11 (13), Tod 20 (19), Kommunionen 22.500 (20.500)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1948&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1948&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[Hochwasser]], Stand höher als [[1926. Der 1929/30 errichtete [[Hochwasserschutz|Damm]] hielt das Wasser von Zons ab. Die Häuser am Rhein standen alle unter Wasser, das Wasser ging bis zum [[Antoniushäuschen]] und dem Damm, der nach [[Stürzelberg]] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wegen der schlechten Lebensmittelversorgung finden überall Proteststreiks statt. Ob nun 1948 endlich der so sehr ersehnte Aufstieg beginnt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 159] Die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützen]] haben sich entschuldigt (conferre S. 157) und gebeten, die Bruderschaft nicht eingehen zu lassen. In diesem Jahre feiert die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Sebastianus-Hubertusschützenbruderschaft]] ihr 500- bezw. 50jähriges Jubiläum ihres Bestehens. 18.1. (Sebastianustag) fand ein feierliches Hochamt statt und eine Versammlung ohne Mitglieder, in der ein Vorstandsmitglied der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%BCtzenbruderschaften Erzbruderschaft], Jäger, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutz_%28K%C3%B6ln%29 Köln-Deutz], über Ziele und Aufgaben der Bruderschaft sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nachtrag 47. Am 2. Weihnachtstag und dem folgenden Sonntag fand wieder eine Pfarrweihnacht im [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Saale Schmitz]], [[Rheinstraße]], statt. Das Krippenspiel hatte ein Zonser Jungmann, Willi Pohl, [[Lindenstraße]] (Bäcker) geschrieben. Die Abende waren gut besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Pater Stephan, [https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskaner_%28OFM%29 O.F.M.] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf], hielt die Fastenpredigten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8.–14.3.48 [https://de.wikipedia.org/wiki/Exerzitien Schulentlassungexerzitien]. 14.3. Kirchliche Entlassungsfeier. Am 20.3. weltliche Schulentlassung im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Saale Schönen]], zugleich eine Feier der ganzen [[Schulwesen|Schule]] mit den Eltern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Ostersonntag Ostersonntag], 28.3., große Beteiligung bei der heiligen Kommunion. Nachwirkung der heiligen Mission.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 160] 44 [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hubert Burbach]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Ach, es ist ja kaum zu fassen,&lt;br /&gt;
::Daß Du nicht mehr kehrst zurück,&lt;br /&gt;
::So jung mußtest Du Dein Leben lassen,&lt;br /&gt;
::Du, unsere Hoffnung, unser Glück!&lt;br /&gt;
::Ein jeder, der Dich gekannt&lt;br /&gt;
::Und auch Dein gutes Herz,&lt;br /&gt;
::Der drückt uns nur noch stumm die Hand&lt;br /&gt;
::in diesem tiefen Schmerz.&lt;br /&gt;
::Du gutes Herz, ruh still in Frieden,&lt;br /&gt;
::Ewig beweint von Deinen Lieben.&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. 2. Timotheus 4, 7.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des in Gott verschiedenen Herrn&lt;br /&gt;
::Hubert Burbach&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Richter Amtsgerichtsrat]&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 22. Januar 1906 in Zons als Sohn, der Eheleute Johann Baptist Burbach und Christine Monius. Nach Ablegung der Reifeprüfung und nach bestandenem Staatsexamen war der mit reichen Geistesgaben Ausgestattete als [https://de.wikipedia.org/wiki/Referendariat Referendar] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Assessor Assessor] vorwiegend in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß] und [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] tätig und wurde zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Richter Amtsgerichtsrat] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Lobberich Lobberich] ernannt.&lt;br /&gt;
::1941 zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Wehrdienst] eingezogen, wurde er in Finnland eingesetzt, kam an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Ostfront], in [https://de.wikipedia.org/wiki/Grudzi%C4%85dz Graudenz] in Kriegsgefangenschaft und starb in Styj in [https://de.wikipedia.org/wiki/Galizien Galizien] an Unterernährung am 23. Juli 1947. Ein tiefer, lebendiger Glaube, den er aus dem katholischen Elternhause als kostbares Erbgut mitbrachte, war der Leitstern seines ganzen Lebens. Mit einem schlichten, einfachen Wesen verband er eine vornehme Gesinnung und vorbildliche Pflichterfüllung.&lt;br /&gt;
::Seine tieftrauernde Mutter verliert in ihm ihren einzigen Sohn, die beiden Schwestern einen liebevoll sorgenden Bruder. Sie, die beiden Schwäger, drei Neffen, eine Nichte und die übrigen Anverwandten bitten um ein frommes Gebet für den teuren Verstorbenen, auf daß er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4.4.48&lt;br /&gt;
:Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Sonntag weißen Sonntag] gehen 52 Kinder zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion ersten heiligen Kommunion]. Alle hatten neue Kleider, Schuhe, Gebettücher und Kerzen erhalten. Für die Kerzen mußten 5 Centner Heu gegeben werden etc. Die Zeit der Kompensationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 161] [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Adolf Vosen]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ihr habt jetzt zwar Trauer, aber ich werde euch wiedersehen und euer Herz wird sich freuen und eure Freude wird niemand von euch nehmen.“ Johannes 16.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des in Kriegsgefangenschaft verstorbenen Soldaten&lt;br /&gt;
::Adolf Vosen&lt;br /&gt;
::Der Dahingeschiedene war geboren am 27. Januar 1907 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven] als Sohn der Eheleute Wilhelm Vosen und Elisabeth Marto und heiratete am 8. Juni 1929 Margarete Lenden aus Zons zu einer glücklichen Ehe.&lt;br /&gt;
::Am 8. September 1944 zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Wehrdienst] eingezogen, wurde er nach kurzer Ausbildung im [https://de.wikipedia.org/wiki/Kurland Kurland] eingesetzt, geriet in russische Kriegsgefangenschaft und starb am 20. März 1946 nach harten Entbehrungen in Solnitschnogorsk bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Moskau Moskau] an Unterernährung. Möge Gott der Herr seiner Seele ein gnädiger Richter gewesen sein.&lt;br /&gt;
::Seine Gattin, die erst nach zwei Jahren die traurige Nachricht erhält, die Schwiegermutter, ein Bruder, drei Schwäger, drei Schwägerinnen, ein Neffe und die übrigen Anverwandten empfehlen seine Seele dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
::Ehre seinem Andenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Männerwallfahrt in der Nacht auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntag], 12 Uhr nachts heilige Messe in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], wies in diesem Jahre eine geringere Beteiligung auf als im letzten Jahre. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntag], 21.3., führte die Kolpingspielschar von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß] im [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Saale Weiler]] &amp;quot;Der Wächter von Minoriten&amp;quot; von [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_H%C3%BCnermann Hünermann] auf. Ein Erfolg für unsere [[Kolpingfamilie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 162]Am 17.4.1948 feierte das Ehepaar Caspar Klein aus Zons und Elisabeth Jansen aus [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCsterseel Süsterseel] im Beisein von 2 Söhnen, 2 Töchtern, 2 Schwiegertöchtern, 2 Schwiegersöhnen und 8 Enkelkindern in der [[Zehntgasse]] ihre goldene Hochzeit. Die Nachbarschaft hatte die Straße festlich geschmückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 25.4.48, einem Sonntage, zog die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bittprozession#Prozessionen_an_den_Bitttagen Markusprozession] in der Frühe, wie immer. Teilnahme von ca. 200 Personen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26.4.48 feierte das Ehepaar Andreas Pesch und Luise Breuer, [[Lindenstraße]], seine goldene Hochzeit. 1 Sohn, 1 Tochter, 1 Schwiegersohn, 1 Schwiegertochter und 6 Enkelkinder nahmen an der Feier teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Blumenprozession, die wie alljährlich am Vorabende des 1. Mai zur [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] zog, brachte wieder einen reichen Blumenschmuck für den Maienaltar. Die Jugend hatte dieses Mal keinen Maibaum gesetzt und keinen Maikönig gewählt, da ihr im letzten Jahre von der Behörde zu viele Schwierigkeiten gemacht worden waren [p. 163] (Versuch, die Feier zu einer politischen Demonstration zu mißbrauchen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Da der Mai recht kühl und naß, so waren die Bittprozessionen an Teilnehmerzahl recht klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:23.5.48. [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinitatis Dreifaltigkeitstag] schloß die österliche Zeit, in diesem Jahre über 1.000 Osterkommunionen, noch eine Folge der Mission. Der Bekenntnistag in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] verlief glanzvoll. 1.000 Jugendliche waren dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27.5.48. Das diesjährige [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnamsfest] war vom Wetter begünstigt. Zum 1. Male nach 10 Jahren spielte wieder eine Musikkapelle, die Musiker mußten beköstigt werden. Über 200 Männer nahmen an der Prozession teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die [[Lehrer|Lehrerschaft]] beteiligt sich an der Jugendarbeit. Wir haben jetzt Jungschar und Frohschargruppen, die Jungens und Mädels sind in Gruppen getrennt 10–12 Jahre, 14–16 Jahre, 16–18 Jahre und dann die älteren Gruppen von 18–24 Jahren. Die Frauenjugend und die [[Kolpingfamilie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 164] 64&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Josef Libertus]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ihr habt jetzt zwar Trauer, aber ich werde euch wiedersehen und euer Herz wird sich freuen und eure Freude wird niemand von euch nehmen.&amp;quot; Johannes 16, 22.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des in Gott ruhenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Grenadier#Deutschland Grenadiers]&lt;br /&gt;
::Josef Libertus&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 10. Mai 1903 als Sohn der Eheleute Heinrich Libertus und Katharina Annas. Im September 1929 heiratete er Katharina Schaaf aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Köln-Worringen] zu einer sehr glücklichen Ehe.&lt;br /&gt;
::1943 wurde er zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Wehrdienst] einberufen, im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Osten] eingesetzt, geriet 1945 zu Ende des Krieges in russische Gefangenschaft und starb am 9. Januar 1946 in einem Waldlager in [https://de.wikipedia.org/wiki/Karelien Karelien]. Seine Frau war ihm schon am 24. November 1945 in der Heimat im Tode vorangegangen.&lt;br /&gt;
::Die trauernden Hinterbliebenen, die Schwiegereltern, vier Brüder, drei Schwestern, fünf Schwägerinnen, zwei Schwäger und die übrigen Verwandten finden Trost in der frohen Zuversicht, daß der Dahingeschiedene bei Gott einen gnädigen Richter gefunden hat und nun ausruht von allen Mühen im Lande des Friedens, wo sie einst hoffen, ihn wiederzufinden. Sie empfehlen seine Seele dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe im ewigen Frieden!&lt;br /&gt;
:Am 16.4.48 fanden die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für den Verstorbenen Josef Libertus statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Währeform.jpg|300px|thumb|right|Metzgerei Cremer in Zons unmittelbar nach der Währungsreform.]]&lt;br /&gt;
:Am 20.6.48 war der Stichtag für die [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4hrungsreform_1948_%28Westdeutschland%29 Währungsreform]. Jedem, ob Säugling oder Greis, wurden für 60,- Reichsmark 40,- Deutsche Mark ausgegeben von den deutschen Behörden, gestützt durch die Besatzungs- [p. 165] mächte, ausgezahlt, der Rest von 20,- Mark soll in 4 Wochen gezahlt werden. Ein Aufatmen geht durch das Volk, für ehrliche Arbeit soll es wieder ehrliches Geld geben. Die Schwarzhändler und Schieber trauern. Auf einmal sind die Läden wieder mit Sachen gefüllt, die vorher alle verschwunden waren. Alle ehrlichen und arbeitssamen Menschen haben wieder Hoffnung auf Besserung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 24.6.48 sind es 20 Jahre her, daß der [[Pfarrer|Pastor]] [[Johannes Klüwer]] als [[Pfarrer]] eingeführt wurde. Am Vorabend hatten sich alle Jugendgruppen im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Saale Hahn]] zur Namenstagsfeier ihres [[Pfarrer|Pastors]] eingefunden. In Liedern, Gedichten und Sprechchören wurde Kirche und Priestertum verherrlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GoldHSeb.jpg|300px|thumb|right|Goldhochzeit des Ehepaars Anton und Elisabeth Seburschenich am 10. Juli 1948.]]&lt;br /&gt;
:Am 10.7.1948 feierte das Ehepaar Anton Seburschenich und Elisabeth Zeitzheim unter Beteiligung der ganzen Pfarrfamilie sein goldenes Ehejubiläum. Seburschenich stand vor 2 Jahren als 75jähriger (der Dachdeckermeister, der die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] betreut hat) [p. 166] auf dem Knauf der Kirchturmspitze neben dem Hahn und besserte die Schäden aus, die durch den Aribeschuß verursacht waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 11.7.48 war nachmittags 3 Uhr unter Anteilnahme der ganzen Pfarre die Wimpelweihe der Jungschargruppen. St. Martin, geführt vom [[Küster]] [[Josef Harperscheid]], die 12–14-Jährigen und St. Aloysius geführt vom [[Lehrer]] [[Klaus Scrzyba|Klaus Sczyrba]], die 10–12-Jährigen.&lt;br /&gt;
:Beifolgend das Programm.&lt;br /&gt;
:1. Jungschar&lt;br /&gt;
:2. Ansprache des Pastors&lt;br /&gt;
:3. Gedicht&lt;br /&gt;
:4. Weihe&lt;br /&gt;
:5. Weihespruch&lt;br /&gt;
:6. Frohschargruppen singen&lt;br /&gt;
:7. 2 Ansprachen&lt;br /&gt;
:8. Martinslied&lt;br /&gt;
:9. Sprecher&lt;br /&gt;
:10. Aloysiuslied Numero 185&lt;br /&gt;
:11. Sprechchor.&lt;br /&gt;
:12. Christkönigslied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 167] 17.7.48. Heute Nachmittag wurde, unter großer Beteiligung der Jugend mit ihren Bannern, der Kolpingfamilien von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], der Altsenior Josef Blömacher zu Grabe getragen. Da er so eifrig in der katholischen Jugend mitgearbeitet hatte, hielt ihm der [[Johannes Klüwer|Pastor]] am Grabe einen Nachruf. conferre Totenzettel.&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Josef Blömacher]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Die Tage eines guten Lebens haben ihre Zahl; aber ein guter Name bleibet in Ewigkeit.&amp;quot; Jesus Sirach 41, 16.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des so plötzlich aus dem Leben gerufenen&lt;br /&gt;
::Josef Blömacher&lt;br /&gt;
::Altensenior der Zonser [[Kolpingfamilie]]&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 12. Mai 1901 als Sohn der Eheleute Hubert Blömacher und Maria Freckmann. Am 21. September 1931 schloß er in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kamp-Bornhofen Bornhofen am Rhein] vor dem Gnadenaltare der lieben Gottesmutter seinen Lebensbund mit Margarete Schermuly aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Wiesbaden-Biebrich Wiesbaden-Biebrich]. Gott schenkte ihnen in der Ehe einen Sohn. Auf dem Heimwege von der Arbeitsstätte traf ihn in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] am 14. Juli 1948 ein Verkehrsunfall, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte.&lt;br /&gt;
::In dem Verstorbenen ist ein aufrechter katholischer Mann von uns gegangen, welcher in der katholischen Jugendbewegung eifrig und erfolgreich tätig war. Pflichtgetreu war er in seinem Leben, das Gott, dem Herrn, seiner Familie und der Jugend gewidmet war. Streng gegen sich selbst und voll Liebe und Nachsicht gegen seine Mitmenschen, war er den Seinen Muster und Vorbild. Die Arbeit war ihm stets lieb und willkommen, wo er sie auch traf. Seine wahre Christusliebe zeigte er in der Jugendarbeit. Von Natur froh, hatte er liebevolles Verständnis für die Freuden und Leiden der Jugend. Er war der erste Senior der Zonser [[Kolpingfamilie|Kolpingsfamilie]] und wurde nach dem Kriege der erste Senior von Altkolping.&lt;br /&gt;
::Josef Blömacher ist heimgegangen zum Vater. Wir alle, seine Gattin, sein Sohn, die Mutter und die Schwiegermutter, seine Brüder, seine Schwester und die übrigen Anverwandten, sein [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] und die katholische Jugend von Zons senden ihm einen dankbaren Gebetsgruß in die Ewigkeit nach.&lt;br /&gt;
::Gott gebe seiner Seele die ewige Ruhe!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 168] Am 10. Juli 1948 feierte das Ehepaar Dachdeckermeister Anton Seburschenich und Elisabeth Zeitsheim ihre goldene Hochzeit. Die ganze Pfarre nahm regen Anteil. Abends Festversammlung im [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Saale der Stadt Zons]]. Vor 2 Jahren stand Seburschenich an seinem 75. Geburtstag auf dem Knauf des [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirchturmes]] neben dem Hahn, um das Dach, das durch Aribeschuß gelitten hat, zu reparieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Inhaltlich eine Wiederholung des Eintrags weiter oben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1. August 1948 feierte die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Sebastianus- und Hubertusbruderschaft]] ihr 500jähriges (conferre I, S. 25) beziehungsweise 50jähriges (conferre I, S. 121) Stiftungsfest. In einem feierlichen Hochamt mit den 200 Jahre alten [https://de.wikipedia.org/wiki/Parament Paramenten], zelebriert vom [[Johannes Klüwer|Pfarrer]], dem derzeitigen Präses der Bruderschaft, unter Assistenz vom Herrn Diözesanpräses geistlicher Rat Pfarrer Dr. Louis aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Leverkusen Leverkusen] und dem Bezirkspräses Pfarrer Josef Zander aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Nettesheim Nettesheim] wurde der Tag eingeleitet. Die [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Cäcilia]] sang die Messe von Stein. Der Herr Generalpräses hielt die Festpredigt über die Ziele und Aufgaben der Bruderschaft und ihre Bedeutung für heute. [p. 169] Nachmittags zum Festzuge und der Parade erschien noch der Präses der Andreasbruderschaft von [https://de.wikipedia.org/wiki/Norf Norff], Pfarrer Peter Höffelsend. Gekommen waren die Bruderschaften von [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath], [https://de.wikipedia.org/wiki/Norf Norff], [[Stürzelberg]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_%28Monheim_am_Rhein%29 Baumberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilden Hilden] mit ihren Fahnen und zum Teil Musikkapellen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] hatte ihren [https://de.wikipedia.org/wiki/Fahnenschwingen Fahnenschwenker] mitgebracht. Am Montag war Morgens das Hochamt für die Verstorbenen und Gefallenen, anschließend der Gang zur [[Kriegergedächtniskapelle|Friedhofskapelle]], die vor 25 Jahren von der Bruderschaft erbaut war zu Ehren der [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|Gefallenen des 1. Weltkriegs]]. Der neue König wurde wie vor 500 Jahren mit der Armbrust ausgeschossen. Der glückliche Schütze war Johann Schönen von der [[Bahnstraße]], der abends beim Krönungsball geehrt wurde. Sonntag nach dem Hochamte war ein Festakt auf dem Schulhofe. Der Generalpräses überbrachte die Wünsche des [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Hohen Protektors Seiner Eminenz Kardinal Dr. Frings] und des 1. Vorsitzenden [p. 170] Seiner Durchlaucht des Fürsten Franz zu Salm-Reifferscheidt-Dyck. Der [[Bürgermeister]] [[Wilhelm Fleischhauer]] sprach die Wünsche der Stadt aus und ehrte die beiden Goldjubilare: Heinrich Gilgen, derzeitiger Brudermeister, und Anton Stein von der [[Lindenstraße]], je 4 Silberjubilare: Johann Schönen, der neue König, Andreas Erkelenz, Schriftführer, [[Peter Oberzier]], [[Feldstraße]], und Hubert Blömacher, [[Gartenstraße]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Namen der Schützenkönige seit 1898:&lt;br /&gt;
:1899–1900 Vianden Johann, [[Hohes Örtchen]]&lt;br /&gt;
:1900–1901 Eichhorn Jakob, [[Gartenstraße]]&lt;br /&gt;
:1901–1902 Görgens Jakob, [[Feldstraße]]&lt;br /&gt;
:1902–1903 Lenden Josef, [[Steinstraße]]&lt;br /&gt;
:1903–1904 Köppinger Anton, [[Lindenstraße]]&lt;br /&gt;
:1904–1905 Dick Jakob, [[Grünwaldstraße]]&lt;br /&gt;
:1905–1906 Gilgen Heinrich sen., [[Feldstraße]]&lt;br /&gt;
:1906–1907 Stein Alfons, [[Zehntgasse]]&lt;br /&gt;
:1907–1908 Schmitz Josef&lt;br /&gt;
:1908–1909 Conrady Gerhard, [[Marktplatz|Markt]]&lt;br /&gt;
:1909–1910 Görgens Albert, [[Feldstraße]]&lt;br /&gt;
:[p. 171] 1910–1911 Bechlenberg Cornelius, [[Bahnstraße]]&lt;br /&gt;
:1911–1912 Gilgen Peter, [[Grünwaldstraße]]&lt;br /&gt;
:1912–1913 Boes Hubert&lt;br /&gt;
:1913–1914 Schmitz Jean&lt;br /&gt;
:1914–1920 Görgens Jakob, [[Feldstraße]], [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|1. Weltkrieg]]&lt;br /&gt;
:1920–1921 Gilgen Heinrich jun., [[Feldstraße]]&lt;br /&gt;
:1921–1924 fehlen wegen [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Inflation_1914_bis_1923 Inflation]&amp;lt;ref&amp;gt;Das ist nicht korrekt: Schützenkönige waren 1921/22 Heinrich Gilgen jun. II und 1922/23 Jakob Piel.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:1924–1925 Peters Heinrich, [[Brunnenstraße]]&lt;br /&gt;
:1925–1926 Bechlenberg Arnold, [[Feldstraße]]&lt;br /&gt;
:1926–1927 Olligschläger Heinrich, [[Lindenstraße]]&lt;br /&gt;
:1927–1928 Longerich Johann, [[Feldstraße]]&lt;br /&gt;
:1928–1929 Erkelenz Gottfried, [[Feldstraße]]&lt;br /&gt;
:1929–1930 Müllenberg Jakob, [[Hospitalplatz]]&lt;br /&gt;
:1930–1931 Zapfe Ludwig, [[Bahnstraße]]&lt;br /&gt;
:1931–1932 Stotzem Peter, [[Mühlenstraße]]&lt;br /&gt;
:1932–1933 Malzburg Josef, [[Hubertusstraße]]&lt;br /&gt;
:1933–1934 Stelzmann August, [[Bahnstraße]]&amp;lt;ref&amp;gt;Auch das ist nicht korrekt: Schützenkönig 1933/34 war Willi Hell.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:1934–1935&amp;lt;ref&amp;gt;Den Namen hat [[Johannes Klüwer|Klüwer]] freigelassen. In diesem Jahr war [[August Stelzmann]] Schützenkönig.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:1935–1936 Erkelenz Andreas, [[Leichweg]]&lt;br /&gt;
:1936–1937 Malzburg Josef&lt;br /&gt;
:[p. 172] 1937–1938 Vonden Hubert, [[Steinstraße]]&lt;br /&gt;
:1938–1939 Cremer Willi, [[Mühlenstraße]]&lt;br /&gt;
:1939–1947 Köppinger Peter, [[Hubertusstraße]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg 2. Weltkrieg]&lt;br /&gt;
:1947–1948 Blömacher Michael, [[Gartenstraße]]&lt;br /&gt;
:1948–1949 Schönen Johann, [[Bahnstraße]]&lt;br /&gt;
:Nach der beiliegenden Schwurformel haben die Schützen auf ihre Bruderschaftsfahne den Schwur vor dem Herrn Generalpräses abgelegt.&lt;br /&gt;
:[p. 173] [Es folgt die gedruckte Schwurformel]&lt;br /&gt;
::Schwurformel der Schützenbruderschaften.&lt;br /&gt;
::Diese Erneuerung erfolgt entweder unmittelbar vor der heiligen Messe oder vor dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Offertorium Offertorium]. Die Schützenbrüder bilden, etwa in der Breite der Stufen, vor dem Altar ein Spalier, in dem zunächst dem Altare auf der Evangelienseite der Fähnrich mit der Fahne, auf der Epistelseite der erste und zweite Brudermeister stehen. Es genügt auch, wenn die Schützen im Mittelschiff in den Bänken knien und nur der König mit dem 1. Brudermeister an den Altar tritt. Der Pfarrer kniet auf der obersten Altarstufe nieder, und auch die Schützen knien.&lt;br /&gt;
::Pfarrer: &amp;quot;Komm, Heiliger Geist,&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Alle: &amp;quot;Erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::P(farrer): &amp;quot;Sende aus zu neuer Schöpfung Deinen Geist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::S(chützen): &amp;quot;Und erneuere das Antlitz der Erde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::P.: Lasset uns beten. Gott, Du hast die Herzen Deiner Gläubigen durch die Einstrahlung des Heiligen Geistes unterwiesen. Gib, daß wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen und Seines Trostes uns allezeit erfreuen.&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Siehe gnädig herab auf diese Deine Diener und erneuere in ihnen den Geist jenes heiligen Kriegsdienstes, den der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_%28Heiliger%29 heilige Sebastian] durch die Hingabe seines Blutes besiegelt hat, damit sie in ihrem heiligen Vorhaben verharren, allzeit in der Kraft Deiner Gnade wachsen und den ewigen Sieg erringen mit Christus unserm Herrn.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::S.: &amp;quot;Amen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Alle stehen auf und beten laut&lt;br /&gt;
::das heilige katholisch-apostolische Glaubensbekenntnis.&lt;br /&gt;
::Der Pfarrer wendet sich, in der Mitte des Altares stehend, den Schützen zu. Der König und der 1. Brudermeister treten in die Mitte vor den Altar, legen die Rechte auf die gesenkte Fahne und sprechen in kurzen Absätzen vor, was die anderen nachsprechen:&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ich erneuere vor Gott mein Versprechen – einen christlichen Lebenswandel zu führen – die Satzungen unserer Bruderschaft und unseres Diözesanverbandes treu zu erfüllen – und für Glaube, Sitte, Heimat und gegenseitige Hilfsbereitschaft – besonders in unserer Pfarrei – nach bestem Können einzustehen. – Dazu helfe mir Gott – und unsere heiligen Patrone.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::P.: &amp;quot;Was Gott in Ihnen begonnen, möge Er auch vollenden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Die Schützenbrüder knien nieder.&lt;br /&gt;
::P.: &amp;quot;Gib Heil Deinen Dienern, Herr, mein Gott.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::S.: &amp;quot;Denn sie vertrauen auf Dich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::P.: &amp;quot;Sei ihnen, Herr, eine feste Burg.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::S.: &amp;quot;Gegen den Ansturm des Feindes.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::P.: &amp;quot;Herr, erhöre unser Gebet.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::S.: &amp;quot;Und laß unser Rufen zu Dir kommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::P.: &amp;quot;Der Herr sei mit Euch.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::S.: &amp;quot;Und mit Deinem Geiste.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::P.: &amp;quot;Lasset uns beten. Allmächtiger, ewiger Gott, gieße über diese Deine Diener herab die Fülle Deines Segens und festige sie in Deiner Kraft, damit sie ihr Versprechen, das Du in ihnen angeregt hast, treu erfüllen und das ewige Leben verdienen. Durch Christus unsern Herrn.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::S.: &amp;quot;Amen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Der Pfarrer betet ein &amp;quot;Vater unser&amp;quot; für die verstorbenen und gefallenen Schützenbrüder.&lt;br /&gt;
::P.: &amp;quot;Der Segen Gottes, des Allmächtigen, + des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes steige über Euch herab und bleibe immer.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::S.: &amp;quot;Amen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
::Die Bruderschaft singt ein Lied zum heiligen Sebastianus oder das Christ-Königslied &amp;quot;Es ragt ein hehrer Königsthron&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::H. Koopmann &amp;amp; Co., Buchdruckerei, AAF/4, Leverkusen – 888/3000, Januar 48, Klasse &amp;quot;A&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 173] [Es folgt ein gedruckter Zeitungsartikel]&lt;br /&gt;
::11.8.1948&amp;lt;ref&amp;gt;Datum handschriftlich ergänzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post Rheinische Post]&lt;br /&gt;
::In Zons herrschte Feststimmung&lt;br /&gt;
::500 Jahre Zonser Schützen – Armbrustschießen vor dem [[Rheintor]]&lt;br /&gt;
::Zons. Die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenbruderschaft]] des historischen Rheinstädtchens Zons feierte Jubiläum. Es war kein Jubelfest gewöhnlicher Art, das da in den altergrauten Mauern des &amp;quot;Idylls am Niederrhein&amp;quot; begangen wurde. Die Zonser gedachten vielmehr des 500jährigen Bestehens des Schützenvereins in ihrer Stadt, das fast so alt ist wie diese selbst. Offiziell wird zwar die Gründung einer [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|St.-Sebastianus-Bruderschaft]] auf das Jahr 1448 zurückgeführt. Aber die Annahme ist berechtigt, daß die Bruderschaft schon einige Zeit vorher bestand. Reich an interessanten Berichten ist die Chronik der Bruderschaft, die in Schweinsleder gebunden vorliegt.&lt;br /&gt;
::In den ersten beiden Jahrhunderten nach der Gründung wurde in Zons, wie es in den Berichten heißt, der Königsvogel mit der Armbrust geschossen, wie es auch heute wieder der Fall ist. Die alten Zonser scheinen tüchtige Armbrustschützen gewesen zu sein, denn sie holten den Vogel vom [[Rheinturm|Turme des Rheintores]] herunter. In der Folge verbot das Kölner [[Domkapitel]] den Abschuß des Vogels vom [[Rheinturm]] und ordnete die Aufstellung des Vogels auf einer Vogelrute an. Das blieb so bis heute. Einer der größten Förderer der Zonser Bruderschaft war [[Clemens August (Kurfürst)|Kurfürst Clemens August]], der von 1732 bis 1761 regierte. Seine eigenhändige Namenseintragung findet man in dem Bruderschaftsbuch. Das Vogelschießen gefiel ihm so gut, daß er selbst zweimal den Vogel von der Stange holte und die Würde des Schützenkönigs errang. So wird berichtet, daß er nach dem glücklichen Schuß am 17. Mai 1744 von sieben Jungfrauen &amp;quot;majestätisch&amp;quot; geschmückt wurde. Diese erhielten von ihm zwölf Dukaten in Gold und die Bruderschaft ein ganzes Ohm Wein. Mit dem Zusammenbruch des Kurfürstentums in der Franzosenzeit war es auch mit der Bruderschaft zu Ende. Erst im Jahre 1898 trat sie als [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Hubertusbruderschaft]] neu ins Leben, die sich mit der alten [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|St.-Sebastianus-Bruderschaft]] verband. Seitdem wurden abgesehen von Kriegszeiten, Jahr für Jahr in Zons wieder Schützenfeste gefeiert.&lt;br /&gt;
::In diesem Jahre wurde neben der Feier des 500jährigen Bestehens der [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|St.-Sebastianus-Bruderschaft]] das 50jährige Jubiläum der Neugründung der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St.-Sebastianus-Hubertus-Bruderschaft]] festlich begangen. Die Straßen des alten Städtchens zeigten einen Festschmuck wie lange nicht. Nach dem feierlichen Hochamt bot der Festplatz vor dem alten [[Schloss Friedestrom|Schloß Friedestrom]] ein glanzvolles Bild. Die Zonser Bruderschaft wurde von Fahnenabordnungen der Bruderschaften von [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath], [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilden Hilden], [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_%28Monheim_am_Rhein%29 Baumberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/Norf Norf] und [[Stürzelberg]] umrahmt. Unter den Gästen sah man den Diözesanpräses Geistlicher Rat Dr. Louis ([https://de.wikipedia.org/wiki/Leverkusen Leverkusen]) und Bundespräses Pfarrer Zander ([https://de.wikipedia.org/wiki/Nettesheim Nettesheim]). [[Bürgermeister]] [[Wilhelm Fleischhauer|Fleischhauer]] ehrte Jubilare, darunter die Goldjubilare Brudermeister Heinrich Gilgen und Anton Stein. Der Diözesanpräses überbrachte die Wünsche des [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Kardinals], des Protektors der Feier, und des ersten Vorsitzenden der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%BCtzenbruderschaften rheinischen Bruderschaften], des Fürsten von Salm-Reifferscheidt-Dyck. Die Glückwünsche der Bruderschaften übermittelte Bundesmeister Steinwasser aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath]. Den Festakt verschönten Lieder des [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|MGV Cäcilia]] und Gedichtvorträge. Einen der Höhepunkte des Jubelfestes bildete der große Festzug am Nachmittag, an dem sich zahlreiche Vereine von auswärts beteiligten. An diesem Tage herrschte wieder einmal Stimmung in Zons wie in alten Tagen. Mit Spannung wurde das Königsvogelschießen vor dem [[Rheintor]] verfolgt. Unter großem Jubel holte Johann Schönen mit einem placierten Schuß mit der Armbrust den Vogel von der Stange, ein Vogelschuß ganz im Stile der Gründungszeit vor einem halben Jahrtausend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 174] Zum [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Domjubiläum (700 Jahre)] waren auch von Zons die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützen]], Mitglieder der [[Kolpingfamilie|Kolpingsfamilie]], der Jugend und Pfarrkinder nach [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] gefahren, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Am 22.8. fand die vorgeschriebene Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:47. [Es folgt der gedruckte Totenzettel von Philipp Wannhoff]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Ehre seinem Andenken!&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Wie es dem Herrn gefallen, also ist es geschehen; der Name des Herrn sei gebenedeit&amp;quot;. Johannes 16, 22.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des im Kampfe für die Heimat und das Vaterland gefallenen&lt;br /&gt;
::Philipp Wannhoff&lt;br /&gt;
::Obergefreiter&lt;br /&gt;
::Inhaber des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Kreuz#Zweiter_Weltkrieg Eisernen Kreuzes II.] und anderer Auszeichnungen&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren zu Zons am 27.2.1913 als Sohn der Eheleute Johann Wannhoff und Katharina Gilgen. 1940 zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Heeresdienst] eingezogen, wurde er im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg Osten] eingesetzt, machte die Vormärsche und Rückzüge mit und mußte zu Ende des Krieges, am 12. Januar 1945, an der Straße [https://de.wikipedia.org/wiki/Gussew Gumbinnen]-[https://de.wikipedia.org/wiki/Nesterow Ebenrode], im sogenannten Teufelmoor, noch sein Leben lassen. Nach drei Jahren kommt die erschütternde Nachricht von seinem Tode. Alle, die den Dahingeschiedenen kannten, schätzten ihn wegen seines offenen und freundlichen Wesens. Seinen Eltern und Geschwistern war er in inniger Liebe zugetan. Sein lebendiger Gottesglaube half ihm, die Enttäuschung seines Lebens gefaßt zu ertragen.&lt;br /&gt;
::Um ihn trauern seine Mutter, die Geschwister und die übrigen Anverwandten, welche die Seele des Verstorbenen empfehlen dem Gebete der Gläubigen, auf daß sie ruhe in ewigem Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 175] Am 5. September hatten die Männer und am 12. September hatte die weibliche Jugend ihre Domwallfahrt. Das ewige Gebet am 12. September fiel in diesem Jahre auf einen Sonntag. Die Beteiligung war nicht übermäßig, trotz der gespannten Lage, alle reden wieder von einem bevorstehenden Kriege. Rußland geht bis an die Grenze des äußersten, Berlin!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 15.9.48 war die [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Domwallfahrt] der [[Frauen- und Mütterverein|Frauen und Mütter]], es waren immer eindrucksvolle Feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaerwallfahrt] fiel wegen zu geringer Beteiligung in diesem Jahre aus. Am 19.9. nehmen an der Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] 80 teil, und die Mütter, 45 an der Zahl, wallfahrten am 22.9. nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Neviges Hardenberg-Neviges].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 26.9. fand die [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Domwallfahrt] der männlichen Jugend statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17. Oktober 48 Missionssonntag. Pater Wilhelm Hunger [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesuiten SJ] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn] hielt die Predigten und nachmittags bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]] einen Lichtbildervortrag über die Missionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 31. Oktober [https://de.wikipedia.org/wiki/Christk%C3%B6nigsfest Christkönigsfest]. Die Jugendgruppen gestalteten [p. 176] den Nachmittagsgottesdienst. Die Festpredigt hielt Pater Granes&amp;lt;ref&amp;gt;Unsichere Lesung des Namens.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Beteiligung an der Prozession am [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerseelen Allerseelentage] zum [[Friedhof]]e war überaus groß. Der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Chor]] sang am Priestergrabe, wo die Absolution vorgenommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 17. Oktober 48 fand die Gemeindewahl statt. Die Beteiligung betrug 77,25 %, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands CDU] erhielt 389 Stimmen, 3 Abgeordnete Wilhelm Longerich, Anton Norff, Matthias Marx. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands SPD] 2 Abgeordnete Johann Fleischhauer und Jakob Krahn mit 373 Stimmen und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands KPD] mit 111 Stimmen 1 Abgeordneter Theodor Derendorf. Der prozentuale Anteil [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands CDU] 43,25 %, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands SPD] 36,96 %, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands KPD] 8,70 %, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] 11,07 %. [[Stürzelberg]] 4 [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands CDU]-Abgeordnete. [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands SPD] durch die Reserveliste 4 Abgeordnete, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] durch Reserveliste 2 Abgeordnete.&lt;br /&gt;
:Im Ganzen 7: [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands CDU], 6: [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands SPD], 2: [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum], 1: [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands KPD].&lt;br /&gt;
:Bei der Bürgermeisterwahl ging das [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] sofort mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands S.P.D.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 7. November feierte die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Bruderschaft]] den [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich Hubertustag]. Von den 60 Mitgliedern waren 20 an der Kommunionbank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 177] Am Sonntage nach Immatriculata war wieder feierliche Aufnahme in den [[Marienverein]], 10 Aspirantinnen. Abends sangen die Mitglieder das Marienleben von [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Piel Piel], Cantate mit lebendigen Bildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im Laufe des November führten die weiblichen Gruppen das Märchenspiel &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Aschenputtel Aschenputtel]&amp;quot; und die männlichen Gruppen [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Sachs Hans Sachs]-Spiele auf. Der Besuch der Eltern war erfreulich gut. Auch wurde in allen Gruppen [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Myra St. Nikolaus] empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weihnachten waren die Gottesdienste wieder sehr gut besucht. Am 1. Tage wurden 800 Kommunionen ausgeteilt. Die Pfarrfamilie versammelte sich wie in früheren Jahren bei [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Peter Josef Schmitz]], [[Rheinstraße]]. Diesmal spielten die Jugendgruppen sehr schön die heiligen Szenen. [[Lehrer]] [[Klaus Scrzyba|Sczyrba]], [[Hildegund Tasch|Fräulein Tasch]] und [[Vinzentinerinnen|Schwester]] Misaela hatten die Jugendlichen gut vorbereitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1948. Taufen 19 (25), auswärts 12 (10), 1. heilige Beichte 42 (38), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 51 (27), Eheschließungen 10 (11), gestorben 19 (20), heilige Kommunionen ausgeteilt 23.500 (22.500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1949&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 178] Mittwoch 26.1.49 Generalversammlung der [[Frauen- und Mütterverein|Frauen und Mütter]]. Rechenschaftsbericht, Kassenführung, Fräulein Trimborn, Sekretärin der [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene Ostvertriebenen], hielt Vortrag über [https://de.wikipedia.org/wiki/Lager_Friedland Friedland], Durchgangslager für Kriegsgefangene aus Rußland, und [https://de.wikipedia.org/wiki/Diaspora Diasporanot], anschließend Kaffee und Unterhaltung (Vorführungen von Kindern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:19. Februar. Einführung des neuen [[Mathieu Fausten|Hauptlehrers]] in einem kleinen Festakt in der [[Schulwesen|Schule]] unter Beisein des Lehrerkollegiums, der Vertretung der Stadtverwaltung, des Schulausschuß als Vertreter der Elternschaft und des [[Johannes Klüwer|Pastors]]. Nach Ableben des [[Lehrer|Hauptlehrers]] [[Peter Breuer|Breuer]] 1946 wurde [[Mathieu Fausten|Matthias Fausten]], geboren 2.12.1903 zu [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCttgen Büttgen], als Schulleiter eingesetzt. Am 19.2.1924 machte er seine Lehrerprüfung und erhielt die Ernennungsurkunde als [[Lehrer|Hauptlehrer]] vom Schulrat persönlich überreicht. Nach einem gemeinsamen Gebet: &amp;quot;Alles meinem Gott zu Ehren&amp;quot; wurde der neue Herr [[Lehrer|Hauptlehrer]] vom [[Lehrer]] [[Wilhelm van der Zander]] begrüßt, die Kinder sangen: &amp;quot;Gott grüße Dich tausendmal&amp;quot;, der [[Johannes Klüwer|Pfarrer]] hielt die Festansprache, indem er besonders auf den christlichen Cha- [p. 179] rakter der [[Schulwesen|Schule]] hinwies, daß 90 % der Elternschaft hinter der Forderung zur Bekenntnisschule stünden, auch forderte er die Stadtverwaltung auf, dem Neubau einer [[Schulwesen|Schule]] ernstlich näherzutreten. Die Kinder gratulierten und überreichten Blumen. Nach dem Liede: &amp;quot;Lobe den Herrn...&amp;quot; sprach im Auftrage der Stadtverwaltung Sekretär Johann Baum, der [[Johann Scheer|Stadtdirektor]] hatte sich entschuldigen lassen!!! Der neue [[Lehrer|Hauptlehrer]] antwortete und gab keine feste [sic.] Versprechungen für die Zukunft der [[Schulwesen|Schule]]. Mit dem gemeinsamen Liede: &amp;quot;Lobt froh den Herrn...&amp;quot; schloß die für die Kinder eindrucksvolle Feier. Hoffen wir, daß die Bekenntnisschule auch in Zons gesichert bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:27. Februar 49 Quinquagesima. Die Wogen des [[Karneval|Carneval]] gehen hoch. Montag von 7–2 Uhr Gebet vor dem Hochwürdigen Gut in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]], Besuch einigermaßen. Nachmittags zieht der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenmontag Rosenmontagszug] auch in Zons. 8 Wagen, die auf die Lokalgeschichte des letzten Jahres Bezug nehmen und selbst- [p. 180] verständlich ein Wagen mit dem Prinzen Carneval. Zur Freude der Kinder werden Bonbons in reicher Fülle geworfen, und der Wagen der Metzger wirft sogar mit Würsten, trotz des Fleischmangels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. März 10jähriges Jubiläum der [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XII. Papstkrönung].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. Februar Gründung des Männerwerks in Zons. Diözesanobmann Jean Kolter aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] spricht über das Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16. März. Pater Dr. Pohlen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], spricht über [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus Sozialismus].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. April. Abends 10 Uhr Männerwallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. April. [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für Sebastian Olligs † 13.7.1947&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Sebastian Bernhard Olligs]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Ehre seinem Andenken!&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::&amp;quot;Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und ich werde auferstehen am jüngsten Tage.&amp;quot; Johannes 19, 25.&lt;br /&gt;
::Betet für die Seelenruhe des verstorbenen Kriegsgefangenen&lt;br /&gt;
::Sebastian Bernhard Olligs&lt;br /&gt;
::Bäckermeister&lt;br /&gt;
::Der aus diesem Leben Geschiedene war geboren zu Zons am 18. August 1910 als jüngster Sohn der Eheleute Bernhard Olligs und Luise Marx.&lt;br /&gt;
::Zu Beginn des Krieges, am 26. August 1939, zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Wehrdienst] eingezogen, wurde er im Westen und im Osten eingesetzt. Er überstand gesund und unverwundet alle Gefahren des Krieges und kam 1945 in russische Gefangenschaft. Durch die Entbehrungen geschwächt, verunglückte er tötlich bei Bauarbeiten in [https://de.wikipedia.org/wiki/Charkiw Charkow] am 13. Juli 1947.&lt;br /&gt;
::Nun ist auch der letzte Sohn der Familie gefallen. Zeitlebens war er seinen Eltern ein guter Sohn, die Stütze seiner Mutter, als sie Witwe war. Mit ihm ist die Hoffnung seiner Schwestern dahingegangen, die jetzt zu dem ältesten Bruder auch den jüngsten verloren haben. Als treuer Katholik hat der Verstorbene seine religiösen Pflichten gewissenhaft erfüllt, sodaß wir zuversichtlich hoffen dürfen, daß der Herrgott ihm ein gnädiger Richter gewesen ist.&lt;br /&gt;
::Voller Trauer bitten seine beiden Schwestern, ein Neffe, sowie die übrigen Anverwandten um ein frommes Gebet für den Verstorbenen, damit er ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 181] 20. April. Männerversammlung. Pater Dr. Arnold, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], spricht über Eigentumsfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am weißen Sonntag gingen 14 Knaben und 21 Mädchen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion ersten heiligen Kommunion]. Die Mütter waren zu den Vorbereitungsvorträgen fast immer vollzählich [sic.] erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:30. April. Die Kinder waren zur Blumenprozession zum Maialtar sehr zahlreich erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Tambcs01.jpg|300px|thumb|right|Das Zonser Tambourcorps beim 25-jährigen Stiftungsfest am 5. Juni 1949.]]&lt;br /&gt;
:Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Pfingsten Pfingstsonntage], 5.6.49, feierte das [[Tambourcorps|Trommlercorps]] der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Bruderschaft]] sein 25jähriges Stiftungsfest mit feierlichem Hochamte. 14 auswärtige Tambourcorps waren erschienen und fochten nachmittags einen Wettstreit aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mai. An Stelle des nach [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchen-Gladbach] versetzten [[Lehrer|Junglehrers]] [[Wilhelm van der Zander]] kam der [[Lehrer|Junglehrer]] [[Hans Burzik|Hans Burzyk]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Westerloy Westerloy], geboren 21.1.21 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Frankenstein_%28Pfalz%29 Frankenstein].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19.6.49 feierte der [[Turnverein]] sein Stiftungsfest unter großer Beteiligung auswärtiger Turnvereine. In seiner Haltung hat sich nichts verändert, conferre I, Seite 143, wenn er auch ein feierliches Amt bestellt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 182] Die Caritashaussammlung ergab 284,- DM.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26.6.49. Die [[Kirchenrat|Kirchenvorstandswahl]], alle Vorsteher mußten neu gewählt werden, und zwar statt der bisherigen 10 nur 8 Mitglieder, hatte folgendes Ergebnis: 57 Wähler erschienen. Johann Erkelenz, [[Brunnenstraße]] 14, Anton Hubert Norff, [[Rheinau]] 21, Josef Richrath, [[Grünwaldstraße]] 18, Josef Rodekirchen, [[Feldstraße]] 14, Hubert Stelzmann, [[Rheinstraße]] 4, Josef Vogel, [[Kirchplatz]] 5, [[Matthias Weiler]], [[Herrenweg]] 17, [[Heinrich Wimmer]], [[Rheinstraße]] 18. Ersatzmitglieder: Michael Lenden, [[Bahnstraße]] 19, Andreas Schreiner, [[Grünwaldstraße]] 9, stellvertretender Vorsitzender Josef Rodekirchen. Als Rendant wiedergewählt: Josef Haas aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:31.7. Das 501. Stiftungsfest der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Sebastianus- und Hubertusbruderschaft]] wurde gefeiert unter Teilnahme vieler auswärtiger Bruderschaften. 40jährige Jubilare waren Gilgen Heinrich II, [[Feldstraße]], Busen Jakob, [[Hohes Örtchen]], 25jährige Jubilare: Wingerath Peter, [[Feldstraße]], Bechlenberg Johann, [[Lindenstraße]], Düssel Leo, Tambourmajor, [[Feldstraße]], Köppinger Hermann, [[Bahnstraße]], Marx Matthias, [[Feldstraße]], Bechlenberg Heinrich, [[Steinstraße]], Auer Peter aus [[Stürzelberg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 183] Bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl Bundestagswahl] am 14. August 1949 wählten in Zons 84,5 % der Wähler. Ergebnis: [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands S.P.D.] 395, [https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Demokratische_Partei F.D.P.] 26, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands K.P.D.] 101, [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands C.D.U.] 409, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Konservative_Partei_%E2%80%93_Deutsche_Rechtspartei DRP] 12, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] 78, [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinisch-Westf%C3%A4lische_Volkspartei R.W.V.P.] 11, [https://de.wikipedia.org/wiki/Radikal-Soziale_Freiheitspartei R.S.F.] 6, ungültig waren 68 Stimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16.8. fand der Ausflug der [[Frauen- und Mütterverein|Frauen- und Müttergemeinschaft]] ins [https://de.wikipedia.org/wiki/Ahrtal Ahrtal] statt. Beteiligung 72.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5.9. ertrank im Rhein Marliese Pick, geboren 18.11.37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17.9. ertrank im Rhein Berta Sticker, geboren 1.4.1887.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:18.9.49 zog die Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer], ca. 100 Teilnehmer in 3 Autos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25.9.49 Wallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. 100 Teilnehmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2.10.49 [[Erntedankfest]] gefeiert wie in jedem Jahre.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenkranz Rosenkranzandacht] wurde in diesem Jahr abends um 7 Uhr gehalten und war gut besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:16.10.49 [https://de.wikipedia.org/wiki/Hedwig_von_Andechs Hedwigsfeier] für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene Ostvertriebenen] in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]]. Gut besucht, abends Familienabend bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 19.10.49 Beginn der Versammlungen des Männerwerks. Berufsschuldirektor Henkel, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], sprach über das christliche Abendland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Christk%C3%B6nigsfest Christkönigsfest] der erste Versuch einer Familien-&amp;lt;ref&amp;gt;Das Wort (Familienkommunion) hat [[Johannes Klüwer|Klüwer]] nicht ausgeschrieben.&amp;lt;/ref&amp;gt; [p. 184] 50 Familien beteiligten sich mit 390 Kommunikanten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Generalkommunion der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenbruderschaft]] am [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich Hubertusfeste] (6.11.49) war ein Fehlschlag. Von 130 Mitgliedern beteiligten sich 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 16.12.49. Bei der Versammlung des Männerwerks sprach Referendar J. Seel aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Breslau Breslau] über [https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsform Staatsformen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Unsere Gefallenengedenkfeier am 20.11.49 war fast nur von Frauen und Müttern besucht, da ein Fußballspiel den Jugendlichen und Männern wichtiger war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Abendmesse am [https://de.wikipedia.org/wiki/Unbefleckte_Empf%C3%A4ngnis Immaculatafeste] war sehr gut besucht. Für den [[Marienverein]] hielt Pater Billig, [https://de.wikipedia.org/wiki/Lazaristen Lazarist] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_(K%C3%B6ln) Köln-Nippes], ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Triduum_Sacrum Triduum]. Am Sonntag, 11.12. war feierliche Erneuerung des Treueversprechens. Abends das Weihespiel: &amp;quot;Die Zeit ist erfüllt&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mit Ausnahme von 2 sind nun alle russischen Kriegsgefangenen zurückgekehrt. Die beiden sind Alfons Prosswitz und Ludwig Vianden, letzterer hat 10 Jahre Strafe bekommen. Die Heimkehrer von diesem Jahre sind: August Rasselnberg, Johann Brandt, Heinz Grabsch, Jakob Wimmer, Jakob Arentz, Philipp Rosellen, Hans Rosellen, Wilhelm Annas, August Rudolfs, Gerhard Assmann, Alfons Seiffert, Paul Schwirn, Adolf Kindt, August Fritz, Herbert Scheja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Mittwoch, 14.12.49 sprach Rektor Plettenberg vom Krankenhaus in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] über: Der katholische Mann und das Grundgesetz der Lebens- und Sozialordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am ersten Weihnachtstage waren 65 % der Pfarrkinder an der Kommunionbank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Im [[Pfarrhaus]]e wurde in 2 Zimmern die Wasserleitung umgelegt. Das Dach der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] und des [[Pfarrhaus]]es ist repariert bzw. neu umgelegt worden. Ein Weihnachtsspiel, das vorgesehen war, konnte nicht zur Aufführung gelangen, da sich keine Spieler fanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1949 Taufen 25 (19), auswärts 11 (12), 1. heilige Beichte 50 (42), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 39 (51), Ehen 16 (10), Kirchenaustritt 2 (-), gestorben 19 (19), Kommunionen ausgeteilt 23.000 (23.500).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1950&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 186] Anno Santo 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 10. Januar Versammlung des katholischen Männerwerks. Dr. Pater H. Pohlen sprach vor 40 Männern über christliche Weltverantwortung. In der lebhaften Aussprache beklagten sich die Rußlandheimkehrer, bei den christlichen Demokratien des Westens keinen christlichen Geist zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:15.1.50. Die Mütter der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion Erstkommunikanten] treffen sich zu einer Besprechung über die Vorbereitung ihrer Kinder. Das neue Diözesangebetbuch wird eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1.2.50. Generalversammlung der [[Frauen- und Mütterverein|Frauen- und Müttergemeinde]] im [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Saale Schmitz]], [[Rheinstraße]]. Von den 200 Mitgliedern waren 150 erschienen. Jahresbericht und Kassenabrechnung gab die Vorsitzende [[Agnes Breuer|Frau Breuer]], über das religiöse Leben der Gemeinschaft sprach der [[Johannes Klüwer|Pfarrer]]. Monatlich sind 50 Frauen an der Kommunionbank. Zu den Standesvorträgen erschienen durchschnittlich 20–25 Frauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 8.2.50 sprach im katholischen Männerwerk vor 40 Männern Pater Dr. Arnold [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.Sp.] über Mitbestimmungsrecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 187] 1.–4. März Triduum anläßlich des 40-jährigen Priesterjubiläums des [[Johannes Klüwer|Pfarrers]], conferre Chronik. Thema der Predigten: Christus in den Händen der Tyrannen, der Unabhängigen, der Versöhnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sonntag, 9. Levitiertes Hochamt, Festpredigt. &amp;quot;Wir stiegen hinab in die Arena&amp;quot;. Prediger: Rektor Carl Plettenberg vom Augustinuskrankenhaus in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], mit Generalkommunion von ca. 500 Pfarrkindern. 5 Uhr Saalfeier bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]], Vorträge des [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Gesangsvereins]]. Weihespiel St. Michael.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Es folgt ein eingeklebter Zeitungsartikel]&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post Rheinische Post] 54, 4.3.1950&amp;lt;ref&amp;gt;Handschriftliche Ergänzung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
::40 Jahre im Dienste Gottes&lt;br /&gt;
::Priesterjubiläum in Zons – Ehrung für [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]]’’&lt;br /&gt;
::Zons. Wenn morgen die Kirchenglocken zum feierlichen Levitenhochamt einladen, dann begeht die katholische Pfarrgemeinde der Stadt Zons die 40. Wiederkehr des Tages, an dem ihr [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] zum Priester geweiht wurde. Am 29.6.1886 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen] geboren, empfing er 1910 in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] die Priesterweihe. Sein Weg führte ihn zunächst als Kaplan nach St. Paul in [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen]. Die weiteren Stationen waren St. Michael in [https://de.wikipedia.org/wiki/Burtscheid Burtscheid] und [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach_West Mönchen-Gladbach-Holt] sowie St. Marien in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_(K%C3%B6ln) Köln-Nippes]. Am 1.5.1928 wurde er zum [[Pfarrer|Pastor]] in Zons bestellt, und am 24.6.1928 erfolgte die feierliche Einführung. Seit diesem Tage gehört die unermüdliche Fürsorge [[Pfarrer|Pastor]] [[Johannes Klüwer|Klüwers]] seiner Gemeinde.&lt;br /&gt;
::Unter seinem Vorgänger, [[Pfarrer|Pastor]] [[Ludolf Schmitz|Dr. Dr. Schmitz]], der der Pfarre 18 Jahre als Seelsorger vorgestanden hatte, mußte auch Zons während des [https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg Weltkrieges] alle Glocken bis auf die kleinste das Geläut abgeben. So war das erste Ziel des neuen [[Pfarrer]]s die Wiederbeschaffung der Glocken. – Die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen waren mit reicher Arbeit ausgefüllt. Neben der unmittelbaren Tätigkeit als Seelsorger, führte ihn sein Wirkungskreis vor allem in die katholischen Jugendverbände und Vereine. Eine seiner Hauptaufgaben war und blieb es aber, den Religionsunterricht zu erteilen. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg zweite Weltkrieg] brachte auch für die Stadt Zons Sorge und Leid. Gerade während dieser schweren Zeit aber bewies [[Pfarrer|Pastor]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]], daß er wahrhaft der Seelsorger seiner Pfarrkinder war. Während der Fliegerangriffe las er die Messe in den Kellern des [[Pfarrhaus|Pfarrhauses]]. Mehr als einmal half er trotz des schweren Beschusses bei der Bergung verwundeter Soldaten und Zivilisten. Neben der Sorge um den Menschen gelten heute seine Bemühungen auch der Renovierung des durch Kriegseinflüsse beschädigten [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Gotteshauses]]. Er scheut sich nicht, als Handlanger, Maurer oder gar Dachdecker selber mit Hand anzulegen.&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post Rheinische Post] Numero 54, 4.3.50.&amp;lt;ref&amp;gt;Handschriftliche Wiederholung.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 188] 5. März 1950&lt;br /&gt;
:[Es folgt ein eingeklebter Zeitungsartikel]&lt;br /&gt;
::Jubilarfeier für [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]]&lt;br /&gt;
::Zons. In festlicher Weise beging gestern die katholische Pfarre der Stadt die 40. Wiederkehr des Tages, an dem [[Pfarrer|Pastor]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] zum Priester geweiht wurde. Die Frühmesse leitete die kirchlichen Feiern ein, die in einem Levitenhochamt mit Festpredigt ihren Höhepunkt fanden. Der [[Kirchenrat|Kirchenvorstand]] und Fahnenabordnungen der Kirchenvereine empfingen den [[Pfarrer|Pastor]] vor dem Festgottesdienst am Portal des [[Pfarrhaus]]es und geleiteten ihn durch ein Spalier weißgekleideter Mädchen und Meßdiener zum [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Gotteshaus]]. Nach dem Hochamt fanden sich die Stadtvertretung, an ihrer Spitze [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]], der [[Kirchenrat|Kirchenvorstand]] und die Abordnungen aller Vereine zur persönlichen Gratulation im [[Pfarrhaus]]e des Jubilars ein. Prälat Liedmann überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Geistlichkeit des Dekanates Neuß.&lt;br /&gt;
::Am Nachmittag holte der [[Kirchenrat|Kirchenvorstand]] [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] vom [[Pfarrhaus]]e ab und geleitete ihn zur Saalfeier im [[Bergischer Hof (Gaststätte)|&amp;quot;Bergischen Hof&amp;quot;]]. Nach der Begrüßung des Kirchenvorstandsmitgliedes [[Heinrich Wimmer|Wimmer]], der das Wirken des [[Pfarrer]]s als Mensch und Seelsorger während der vergangenen 23 Jahre noch einmal in den Vordergrund stellte, unterhielten der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor]] und das von Laienspielern zur Aufführung gebrachte Weihespiel &amp;quot;St. Michael&amp;quot; Jubilar und Festversammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. März 1950. Im Männerwerk sprach Pater Dr. Pohlen [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.Sp.] vor 35 Männern zum Abschluß der Vorträge des Winterhalbjahres über berufständische Ordnung nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklika Enzyklika]. Eine rege Aussprache beschloß den Abend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. März 1950. Heilig-Jahrfeier anläßlich der 11. Wiederkehr des Jahrestages der Krönung [https://de.wikipedia.org/wiki/Pius_XII. Pius XII.], der gesamten männlichen und weiblichen Jugend in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], auch Zons war [p. 189] mit 40 Jungmännern und Jungfrauen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:An den beiden [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostern Ostertagen] habe ich 1.500 Kommunionen ausgeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10.4.50. Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostermontag Ostermontage] wurde die neue Fahne des [[Turnverein|Turnvereins]], conferre I, Seite 143, auf dem Schulhofe gesegnet. Da er kein kirchlicher Verein ist, so konnte die Fahnenweihe in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] nicht vorgenommen werden. Die Fahne zeigt auf der einen Seite [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_Jahn Vater Jahn], auf der anderen Seite die 4 F: [https://de.wikipedia.org/wiki/Frisch,_fromm,_fr%C3%B6hlich,_frei_(Wahlspruch) Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Sonntag Weißen Sonntag], 16.4.50, gingen 50 Kinder zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion ersten heiligen Kommunion] (26 Knaben und 24 Mädchen). Die Beteiligung der Eltern und Gläubigen, auch an der Kommunionbank, war sehr stark. Für arme Kommunionkinder wurden von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Caritasverband Caritas] ausgegeben 420,- DM.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Markustag Markustage] wurde der in der [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]] erneuerte Kreuzweg von einem Franziskanerpater benediziert. Die Genehmigung von der Erzbischöflichen Behörde war erteilt worden. Hubert Dürnholz aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] hat die Bilder gemalt. Genehmigung von Köln 4.4.1950. 1665/I 50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 190] Am 26. April 1950 feierte das Ehepaar Heinrich Gilgen und Sibilla Boes goldene Hochzeit. Ausschnitt aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post Rheinischen Post] Numero 96, 25.4.1950&lt;br /&gt;
:[Es folgt der eingeklebte Zeitungsartikel]&lt;br /&gt;
::Der &amp;quot;Schmied von Zons&amp;quot; feiert Goldhochzeit&lt;br /&gt;
::Er kannte noch den &amp;quot;goldenen Boden&amp;quot; des Handwerks&lt;br /&gt;
::Zons. Die Eheleute Heinrich Gilgen und Frau Sibilla, geborene Boes, Zons, [[Feldstraße]] 43, feiern am Mittwoch, 26. April, das Fest der Goldenen Hochzeit. Beide Eheleute sind noch recht rüstig. Der Jubilar zählt 77 und die Jubilarin [folgt Foto des Paares] 73 Jahre. Ihre große Beleibtheit veranlaßt die Zonser Bevölkerung, das Fest der Goldhochzeit besonders zu feiern, zumal beide geborene Zonser sind. Das Fest beginnt am Dienstagabend mit einem Fackelzug mit Ständchen durch die Ortsvereine. Für Mittwochabend ist im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Saale von Schönen]] eine Gemeinschaftsfeier vorgesehen.&lt;br /&gt;
::Der Jubilar Heinrich Gilgen ist ein Handwerksmeister von echtem Schrot und Korn. Mehrere Jahrzehnte lang war er &amp;quot;der Schmied von Zons&amp;quot;. Denn er beschlug seit dem Jahre 1900 dort als einziger die Pferde. Als der Redakteur der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post RP] ihn in den letzten Tagen besuchte, erzählte ihm der ehemalige Dorfschmied manches aus seinen Erinnerungen. &amp;quot;Damals&amp;quot;, so sagte er, &amp;quot;hatte das Schmiedehandwerk noch einen goldenen Boden. Denn in dieser Zeit kannte man noch keine Kraftfahrzeuge und das Pferd stand höher in der Achtung als treuer Freund des Menschen als heute, wo der Traktor ihm immer mehr Konkurrenz zu machen beginnt. Und wenn wir als Schmiede für einen vollen Hufbeschlag um 1900 auch nur 2,80 Mark erhielten, ein Entgelt, das sich bis 1930 auf 4,20 RM erhöhte, so kamen wir doch besser rund wie heute, da meine Kollegen dafür über 14 DM erhalten. Denn die Kosten für Material und Löhne waren viel niedriger und erst die sozialen Lasten, kannten wir kaum. Als ich im Jahre 1930 den Hammer an den Nagel hängte, fand sich aber für mich in Zons kein Nachfolger. Es kam von Zeit zu Zeit ein Beschlagschmied, der hier Gastrollen gab.&amp;quot; Nach anderen besonderen Ereignissen aus seiner Tätigkeit gefragt, wußte der Jubilar ein interessantes Vorkommnis aus dem Hitzejahr 1911 zu erzählen. Damals lösten sich infolge der großen Hitze fast alle Eisenreifen von den Karren- und Wagenrädern. &amp;quot;Damals erlebte ich den größten Arbeitsanfall in meiner Praxis. In verhältnismäßig kurzer Zeit mußten wir 136 Reifen neu aufziehen. Es wurde von morgens bis in die Nacht hinein geschuftet. Aber wir haben es geschafft.&amp;quot; Ein Mann, der so gearbeitet hat, kennt begreiflicherweise auch in seinem Alter keine Ruhe. So sieht er seinen Stolz darin, den Garten zu graben und in Ordnung zu halten. Auch seine Frau tut noch heute ihre Pflicht als rührige Hausfrau.&lt;br /&gt;
::Heinrich Gilgen hat auch im Zonser Vereinsleben lange eine große Rolle gespielt. So ist er über 50 Jahre Mitglied der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Sebastianus-Hubertus-Bruderschaft]]. 20 Jahre lang war er Präsident der Bruderschaft und 43 Jahre Vorstandsmitglied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 191] [runder Visitationsstempel: &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Ferche Joseph Ferche] Episcopus Vinen – Auxiliaris Coloniensis&amp;quot;. Stempel &amp;quot;In Visitatione canonica&amp;quot;; handschriftliche Ergänzung &amp;quot;19.5.50 + [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Ferche Joseph Ferche].&amp;quot; Stempelschrift: &amp;quot;Episcopus Vinensis, Auxiliaris Coloniensis&amp;quot;.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:An der Familienkommunion am 30.4.1950 beteiligten sich 40 Familien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2.5.50. In der Caritasausschußsitzung wurde Abrechnung gelegt über die Caritasausgaben des 1. halben Jahres. Unterstützung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion Erstkommunikanten]. 400,- DM.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19.5.50 [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung Firmung] und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Visitation Visitation] durch den Hochwürdigsten Herrn [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Ferche Weihbischof Josef Ferche]. Vom 18. auf den 19.5. übernachtete er von [[Stürzelberg]] kommend im hiesigen [[Pfarrhaus|Pfarrhause]], zelebrierte morgens die Pontificalmesse und spendete 170 Kindern die [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung heilige Firmung]. Nachmittags fuhr er nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_(Dormagen) Horrem] weiter. Am 25.5. war Schlußkonferenz im [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus Raphaelshause].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schluß der österlichen Zeit am 21.5.50. Es wurden 1.140 Osterkommunionen ausgeteilt, 90 % hielten ihre [https://de.wikipedia.org/wiki/Ostern Ostern].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 192] [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post Rheinische Post], Freitag, 19.5.1950, Numero 115.&lt;br /&gt;
:[Es folgt der eingeklebte Zeitungsartikel]&lt;br /&gt;
::Weltjugendfreundschaftstreffen in Zons&lt;br /&gt;
::Englische, holländische und deutsche Kinder kamen zusammen – Friedensbotschaft durch Luftballons&lt;br /&gt;
::Zons. Am Mittwoch feierten Friedensfreunde aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] mit Kindern von den deutschen, holländischen und englischen Schulen in Zons den &amp;quot;Weltfreundschaftstag der Jugend&amp;quot;. Dieser Tag war für alle, die daran teilnahmen – insgesamt rund 400 Schüler und Schülerinnen des [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6rres-Gymnasium_(D%C3%BCsseldorf) Düsseldorfer Görres-Gymnasiums] und anderer Schulen – ein unvergeßliches Erlebnis.&lt;br /&gt;
::Die Teilnehmer gaben sich vormittags am [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorfer] Rathausufer ein Stelldichein. Als alle eingetroffen waren, wurde mit großem Jubel das Rheinbahnboot &amp;quot;Erft&amp;quot; zur Fahrt nach dem idyllischen Rheinstädtchen Zons bestiegen. Die Fahrt verlief recht fröhlich. Da gab es für die Kinder soviel Interessantes zu sehen, freundliche Dörfchen an den beiden Ufern im Schmucke des frischen Maiengrüns, Schlepperzüge, Motorboote und Segler: Manch lustiges Liedchen verkürzte die schöne Fahrt. Den Höhepunkt bildete die feierliche Übergabe von zwanzig Flaschenposten an &amp;quot;Vater Rhein&amp;quot; mit Botschaften vom &amp;quot;Weltfreundschaftstag&amp;quot; an die Welt. In flotter Fahrt ging es dann dem Ziele zu. Die Spannung wuchs, als Türme und Mauern der altersgrauen Feste Zons von fern sichtbar wurden. Nach der Landung wurden die Düsseldorfer Gäste von einer Zonser Abordnung empfangen. Dann wurden Gruppen von je 30 Kindern gebildet, und es ging zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten des mittelalterlichen Rheinstädtchens. Die Führung übernahm die Zonser [[Lehrer|Lehrerschaft]]. Die [[Schulwesen|Schule]] hatte anläßlich des Jugendtreffens Festtag. Bei der Besichtigung waren die Düsseldorfer Kinder und ihre ausländischen Freunde ganz bei der Sache.&lt;br /&gt;
::Zu dem gemeinschaftlichen Mittagessen war der Saal des [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Hotels Weiler]] bis auf den letzten Platz besetzt. Nach gehaltener Mahlzeit ging es hinaus auf die Rheinwiesen. Hier wartete ein neues großes Ereignis auf die Kinder, nämlich der Start von rund 300 Luftballonen mit anhängenden Postkarten für die Friedensfreunde im In- und Ausland. War das jedesmal ein Hallo, wenn eine Anzahl Ballone aufstieg, höher und höher davonzog, um schließlich am Horizont zu entschwinden. Sicher werden viele Ballone in Luxemburg oder Ostfrankreich landen und bald von dort Antworten eintreffen. Bei dem Ballonstart im vergangenen Jahr wurde ungefähr die Hälfte der Karten aus Holland und Belgien beantwortet.&lt;br /&gt;
::In einer Unterhaltung mit dem Redakteur der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post RP] gab der Leiter der Fahrt und warmherzige Förderer der Weltjugendfreundschaft, Rektor Schmitz von der Schule [https://de.wikipedia.org/wiki/Lierenfeld Lierenfeld in Düsseldorf], Erläuterungen über den Zweck dieser Fahrt. Er sagte, daß das Städtchen Zons mit Absicht als Treffpunkt gewählt worden sei, um der Jugend zu zeigen, wie sich bereits in mittelalterlicher Zeit die Menschen durch sichtbare Mauern voreinander abschlossen, um sich vor den Gefahren zu schützen, die ihnen von ihresgleichen drohten. Ebenso wie diese Mauern heute ihren Sinn verloren hätten, so sagt man der Jugend, seien auch in unserer Zeit die Grenzen sinnlos geworden.&lt;br /&gt;
::Mit Absicht sei zu dieser Fahrt die Auswahl der teilnehmenden Schulen getroffen wor-&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Beim Abfüllen der Ballons zum großen Ballonstart&lt;br /&gt;
::den, und zwar neben Schülern des [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6rres-Gymnasium_(D%C3%BCsseldorf) Görres-Gymnasiums] Kinder einer katholischen, einer evangelischen und einer Gemeinschaftsschule aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] sowie einer holländischen Schule aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrort Ruhrort] und den beiden englischen Schulen aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Ratingen Ratingen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilden Hilden]. Der Zweck sei, diese Jugend zusammenzuführen und ihr die Möglichkeit zu geben, sich kennenzulernen. Denn nur, wenn die Jugend sich jetzt schon daran gewöhne, über die Grenzen hinweg Freundschaft zu halten, würden eines Tages alle Vorurteile verschwinden und der Weg zur wirklichen Europa-Union frei sein.&lt;br /&gt;
::Das nach dem Ballonstart und Spielen auf den Rheinwiesen im [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Saale des Weiler]] stattfindende große Jugendtreffen brachte den Beweis, wie sehr die Jugend für ein Zusammengehen begeistert ist. Denn alle, die die Begeisterungsstürme erlebten, die den Darbietungen der Jugendgruppen folgten, konnten keinen Zweifel mehr über den Verständigungswillen der Jugend haben. Es waren nicht zuletzt die deutschen Kinder, die nach den Darbietungen der holländischen und englischen Freunde mit tosendem Beifall ihre Anerkennung zollten.&lt;br /&gt;
::Der Rektor Schmitz gab zu Beginn einen Überblick über den Weltjugendfreundschaftstag, wobei er die schon erwähnten Gedanken entwickelte. Großartig waren die Leistungen eines Orchesters und des aus über hundert Jungen bestehenden Knabenchores vom [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6rres-Gymnasium_(D%C3%BCsseldorf) Düsseldorfer Görres-Gymnasium] unter Leitung von Oberlehrer Wolf. Die Spielgruppen aus Zons und [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] fanden bei ihren Vorführungen begeisterte Zuhörer. Mit Beifall überschüttet wurden auch die holländischen Kinder für den Gesang einiger hübscher Liedchen und die englischen Kinder für Rezitationen. Zu erwähnen wären ferner die Leistungen des Kinderchors und der Spielschar der Schule von [https://de.wikipedia.org/wiki/Reisholz Düsseldorf-Reisholz].&lt;br /&gt;
::Bezirksjugendpflegerin Eichhoff übermittelte die Grüße des Regierungspräsidenten und dankte insbesondere den Lehrern sowie allen, die zu dem schönen Erfolg dieses Tages beitrugen.&lt;br /&gt;
::Zum Abschluß wurde das gemeinsame Lied mit dem Text &amp;quot;Heilig sei der Friede, Freundschaft umspanne die Welt, und Menschenliebe schmiede ein Band von Land zu Land&amp;quot; gesungen. Dann ging es wieder zur Rückfahrt an Bord der &amp;quot;Erft&amp;quot;, und alle Teilnehmer, ob jung oder alt, verließen das Rheinstädtchen Zons in dem Bewußtsein, sich auf dem Wege der Völkerverständigung auf dem rechten Wege zu befinden und in Richtung auf dieses Ziel wieder einen Schritt weiter getan zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 193] 3. Juni 50. Heimkehrerfeier bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]]. Sämtliche Vereine und die [[Schulwesen|Schule]] boten in Gesang, Deklamation, Spiel und Tanz den Kriegsgefangenen, die zurückgekehrt waren, ihre Grüße und ihre Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
:Der letzte, der geschrieben hatte, war vor einem Monat von russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, er hatte 8 Jahre lang die Heimat nicht mehr gesehen. 33 sind noch vermißt und 75 sind gefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Juni 50. [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinitatis Dreifaltigkeitssonntag], Bekenntnistag der Jugend in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], ca. 1.200 Jugendliche hatten sich eingefunden. Thema: Christus unser Friede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:IMG 0874.jpg|300px|thumb|right|Feierlicher Spatenstich zum Neubau der Volksschule an der Steinstraße am 12. Juni 1950.]]&lt;br /&gt;
:Am Montag, den 12.6.1950 zog die ganze [[Schulwesen|Schulgemeinde]] zur [[Steinstraße]] ([[Heiliger Baum|heiliger Baum]]), dort wurde der erste Spatenstich getan zur Erbauung der neuen [[Schulwesen|Schule]], auf die Zons schon seit einer Generation wartet. [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] begrüßte [[Johannes Klüwer|Pastor]], [[Schulwesen|Schule]], [[Lehrer]] und Kinder, Architekt Baumann aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Wevelinghoven Wevelinghoven], Unternehmer Ferber, Zons, und die Arbeiter. [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] stellte das Werk unter Gottes Schutz. [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Mathieu Fausten|Fausten]] gab im Namen der Kinder seiner [p. 194] Freude Ausdruck, daß nun endlich würdige und ausreichende Schulräume geschaffen würden. Nachdem diese 3 ihren Spatenstich getan, folgte von jedem Schuljahr ein Knabe, der das gleiche tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Film des [https://de.wikipedia.org/wiki/Werk_der_Glaubensverbreitung päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen] wurde bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler im Bergischen Hof]] gezeigt. &amp;quot;Blut über Japan&amp;quot;. Interesse sehr mäßig, immerhin konnten 65,- DM der Mission zur Verfügung gestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das Chorfenster &amp;quot;Agnes und Petronella&amp;quot; ist wiederhergestellt worden durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Kölner] Firma &amp;quot;Franz Melchior&amp;quot;, zum Preise von 840,- DM.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 18.6.50 [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung_f%C3%BCr_das_Land_Nordrhein-Westfalen Volksentscheid] und Wahl zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Landtag_Nordrhein-Westfalen Landtag Nordrhein-Westfalen]. Wahlberechtigte 1300, gewählt haben 999. [https://de.wikipedia.org/wiki/FDP F.D.P.] 119, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei Zentrum] 16, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Deutschlands KPD] 103, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Reichspartei_(1950) DRP] 20, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands SPD] 311, [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Partei D.P.] 6, [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands CDU] 356. &amp;quot;Ja&amp;quot;-Stimmen für die neue Verfassung 549, &amp;quot;Nein&amp;quot;-Stimmen 346.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 5.7.50 machte die Katholische [[Frauen- und Mütterverein|Frauen- und Müttergemeinschaft]] von Zons ihren diesjährigen Ausflug, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn], [https://de.wikipedia.org/wiki/Remagen Remagen], ein Franziskanerpater erklärte uns die [https://de.wikipedia.org/wiki/Apollinariskirche_(Remagen) Apollinariskirche], durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Brohlbach_(Rhein) Brohltal] nach [p. 195] [https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Maria_Laach Maria Laach]. Pater Alban [https://de.wikipedia.org/wiki/Benediktiner O.S.B.] führte uns durch die Klosterkirche, und wir fuhren weiter durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eifel Eifel] ins [https://de.wikipedia.org/wiki/Ahrtal Ahrtal]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Neuenahr Bad Neuenahr] und Rast mit Weinprobe im Wingerverein von [https://de.wikipedia.org/wiki/Rech Rech], zum Schluß nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Altenahr Altenahr], wo bei Tanz und Gesang die Wogen der Begeisterung hochgingen, und Rückfahrt mit den 3 Autos und 80 Teilnehmerinnen über [https://de.wikipedia.org/wiki/Meckenheim_(Rheinland) Meckenheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn], [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] wieder heim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:49. Am 7.7.50 [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchliche_Begr%C3%A4bnisfeier Exequien] für Hubert Reusrath.&lt;br /&gt;
:[Es folgt der gedruckte Totenzettel von Hubert Reusrath]&lt;br /&gt;
::Jesus! Maria! Josef! Martinus!&lt;br /&gt;
::Sei getreu bis in den Tod, und ich will dir die Krone des Lebens geben. Offenbarung 2, 10.&lt;br /&gt;
::Gedenket im Gebete des [https://de.wikipedia.org/wiki/Stabsgefreiter#Reichswehr_und_Wehrmacht Stabsgefreiten]&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Hubert Reusrath&lt;br /&gt;
::Der Verstorbene war geboren am 27. November 1915 zu Zons als jüngster Sohn der Eheleute Wilhelm Reusrath und Gertrud Schoop. 1936 ging er zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst Arbeitsdienst], wurde anschließend zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmacht Militär] eingezogen und verließ 1939 bei Ausbruch des Krieges mit den ersten Soldaten die Heimat. Er machte die Kämpfe in Frankreich und Rußland mit und geriet am 20. August 1944 in russische Kriegsgefangenschaft. Nach sechs langen Jahren des Harrens und Hoffens kommt nun die Gewißheit, daß er nach einem Monat seiner Gefangenschaft, am 26. September 1944, auf den Straßen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Tiraspol Tiraspol] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Charkiw Charkow] in Rußland, an den Folgen der Entbehrungen gestorben ist. Ein guter Sohn, die Stütze seiner Eltern, ein treuer Bruder seiner Familie, ist in dem Verstorbenen dahingegangen. Möge der Herrgott, dem er im Leben die Treue gehalten, in der Ewigkeit ihm ein gnädiger Richter sein.&lt;br /&gt;
::Voller Trauer um den lieben Verstorbenen bitten die Eltern, seine zwei Brüder, die Schwägerin, drei Nichten und die übrigen Anverwandten um ein frommes Gebet für seine Seele, damit sie ruhe in ewigem Frieden!&lt;br /&gt;
::Liebe Eltern, Brüder und alle daheim,&lt;br /&gt;
::Ich kehre nicht mehr zu Euch heim.&lt;br /&gt;
::Als ich starb im fremden Land,&lt;br /&gt;
::&#039;Reichte mir niemand von Euch die Hand.&lt;br /&gt;
::Mein letzter Gedanke, mein letzter Blick,&lt;br /&gt;
::Er eilte zu Euch in die Heimat zurück.&lt;br /&gt;
::Tröste Du, o Gott, meine Lieben&lt;br /&gt;
::Und schenke mir den ewigen Frieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 196] Am 15.–18.7.50 [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Schützenfest]] in Zons. [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Friedrich III. von Saarwerden]] war nicht der Schützenkönig, sondern [[Clemens August (Kurfürst)|Klemens August I. von Bayern]].&lt;br /&gt;
:[Es folgt ein eingeklebter Zeitungsartikel]&lt;br /&gt;
::Prinzeßchen mußte Bier zapfen&lt;br /&gt;
::Fünf Schützenmajestäten nahmen die Parade ab – Eindrucksvoller Fackelzug – Schützenfest in Zons&lt;br /&gt;
::Zons. Das Schützenfest der Zonser [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Sebastianus- und Hubertus-Bruderschaft]], das auf alte Tradition zurückblicken kann – war doch sein Begründer und erster Schützenkönig [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Erzbischof von Saarwerden]] – begann am Samstagabend mit einem eindrucksvollen Fackelzug, der bei sinkender Dunkelheit seinen Weg durch die festlich geschmückten Gassen nahm. Die freudig gestimmten Zonser, die in dichten Reihen die Straßen säumten, begleiteten mit begeisterten Zurufen die sorgfältig gebastelten Fackeln, die auf allerhand lokale Ereignisse Bezug nahmen. Die Generalversammlung der Schützen und das anschließende Tanzvergnügen bei [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Schmitz (Stadt Zons)]] vereinigte darauf alle zu fröhlichen Stunden. Am Sonntag bei Sonnenaufgang zogen Trommler- und [[Tambourcorps]] durch die alten Gäßchen zum &amp;quot;Wecken&amp;quot;. Das Hochamt um 10 Uhr bildete die feierliche Einstimmung auf den Tag. Danach fand auf dem [[Kirchplatz]] die Parade und Begrüßung der Gäste statt, und der König, Heinrich II., nahm gemeinsam mit dem [[Johannes Klüwer|Pastor]] die Ehrung der Jubilare vor. 14 Vereinsmitgliedern sprach der König seinen Dank für ihre treue Arbeit und ihren unermüdlichen Einsatz für die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Bruderschaft]] aus. Peter Köppinger, nun 27 Jahre Vorstandsmitglied der Sebastianusbrüder und seinerzeit einer der Tatkräftigsten bei der Neubelebung des Bruderschaftsgedankens, konnte auf eine 50jährige Mitgliedschaft zurückblicken. Er erhielt den hohen Bruderschaftsorden. Übrigens war er der letzte Vorkriegsschützenkönig.&lt;br /&gt;
::Am frühen Nachmittag strömten von weit her, zu Fuß, zu Rad oder mit Wagen die Schaulustigen nach Zons, um die große Königsparade nicht zu versäumen. Das Wetter meinte es gut – trotz drohender Wolken. Zahlreiche auswärtige Vereine waren mit ihren Königen erschienen. Es war ein schönes Bild, als gegen 3 Uhr die ersten Trommlerkorps die [[Feldstraße]] heruntermarschierten, vor der [[Gaststätte &amp;quot;Zum Feldtor&amp;quot;]] halt machten und den König, den Gastwirt Heinrich Nußbaum, abholten. Während König und Königin im blumen- und grüngeschmückten Wagen inmitten des Festzuges ihr &amp;quot;Reich&amp;quot; durchreisten, schenkte das Prinzeßchen, die einzige Tochter, unterdes den vielen Gästen das Bier und den Wein ein. Viele fremde Gäste hatten sich hier einen Platz gesichert, denn es geschieht einem nicht alle Tage, daß eine richtige &amp;quot;Königstochter&amp;quot; das Bier zapft.&lt;br /&gt;
:Der Festzug, an seiner Spitze Oberst Bechlenberg, umschritt unterdes die alten Wälle, und man kann sich nicht leicht ein farbenfreudigeres Bild denken als die weißen Matrosen, die grünen Jäger und die schönen roten Husarenuniformen des Reitervereins, mit ihren Fahnen, unter denen die uralte Cäcilienbruderschaft mit dem Christusbild besonders eindrucksvoll war. Kopf an Kopf gedrängt, in bunten Festtagskleidern, stand die Bevölkerung mit ihren Gästen auf dem Wall, um die Parade vor den fünf Majestäten zu bewundern. Fremde und eigene Polizei war in ziemlich hohem Maße eingesetzt, um das verkehrstechnisch nicht einfache Problem der vielen Menschen auf dem engen Raum zu bewältigen, aber trotz hochschäumender Wogen der Festesfreude kam es zu keinem einzigen Zwischenfall. Am Abend boten wieder Kirmesplatz und Festball jedem das Seine und mancher fand erst beim Morgengrauen den Heimweg.&lt;br /&gt;
:Der Montagmorgen begann mit einem Hochamt zum Gedächtnis der [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|im Weltkrieg Gefallenen]]. Der Mittag brachte dann das mit fiebernder Spannung erwartete Königsvogelschießen. Der Nachfolger, Heinrich V., wurde Metzgermeister Hans Peter Craemer, der allseitig große Sympathien genießt und von dessen Regiment man ein ähnlich freudiges Fest für das nächste Jahr erwartet. Der heutige Dienstag bringt das große Ereignis, und zugleich auch das Ende der frohen Tage, den Krönungsball bei [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Schönen, im Hotel zum Stern]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 197] Vom 23.7.–30.7. waren 20 Zonser Jungschärler unter Führung des [[Lehrer]]s [[Klaus Scrzyba|Sczyrba]] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Gemen Jugendburg Gemen] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Borken Borken in Westfalen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:An der Familienkommunion nahmen am 30.7. ca. 20 Familien und 12 Väter teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19.7.50 wurde der [[Johannes Klüwer|Pfarrer von Zons]] zum Dechanten des Dekanates Zons ernannt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Seiner Eminenz Kardinal Josef Frings]. G. R. Dechant Biesenbach, der wegen seiner 80 Jahre resigniert hatte, war zum Ehrendechanten ernannt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nachdem der Spatenstich erfolgt war (conferre S. 193), wurde der Grundstein am 29.7.50 feierlich gesegnet. Die Fotografie der eingemauerten Urkunde siehe Anlagen zur Pfarrchronik. Die Kosten des ersten Bauabschnittes, 4 Klassen, Duschräume, Hausmeisterwohnung etc., belaufen sich auf 250.000 DM.&lt;br /&gt;
:Zeitungsbericht der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post Rheinischen Post] vom 31.7.1950 siehe folgende Seite.&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post Rheinische Post], 5. Jahrgang, Numero 176 vom 31.7.1950&lt;br /&gt;
:[Es folgt der eingeklebte Zeitungsartikel]&lt;br /&gt;
::Neues Vatikan-Dekret&lt;br /&gt;
::Gegen kommunistische Jugendorganisationen&lt;br /&gt;
::[https://de.wikipedia.org/wiki/Vatikanstadt Vatikanstadt], 30. Juli (dpa). Der Vatikan gab am Samstag ein vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Kongregation_f%C3%BCr_die_Glaubenslehre Heiligen Offizium] erlassenes [https://de.wikipedia.org/wiki/Dekret Dekret] heraus, das sich gegen kommunistische Jugendorganisationen richtet. Alle Eltern, deren Kinder den &amp;quot;neuen Organisationen angehören, die die Jugend im Geist des Materialismus und in der Leugnung des Glaubens erziehen&amp;quot;, werden vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen. Das gleiche gilt für Jugendliche, die diesen Organisationen in Zukunft weiter angehören. Personen, die solche Organisationen aufbauen oder sich an ihrer Schulungsarbeit beteiligen, sollen exkommuniziert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 198] 29.7.50 [Aufgeklebter Zeitungsartikel]&lt;br /&gt;
::[[Schulwesen|Schule]] soll Heim für die Kinder werden&lt;br /&gt;
::Grundsteinlegeung [sic.] für die neue [[Schulwesen|Schule]] in Zons – Auch allgemeine Badeanlage vorgesehen&lt;br /&gt;
::Zons. Die Grundsteinlegung zum Bau der neuen [[Schulwesen|Schule]] war für das alte Rheinstädtchen Zons ein bedeutsames Ereignis. Über hundert Jahre hatte das alte Schulgebäude am Markt seiner Bestimmung gedient. Da aber die Bevölkerung von Zons, besonders durch Zuwanderung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Heimatvertriebene Flüchtlingen], nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg Kriege] erheblich gewachsen ist, herrschte in den Schulklassen eine fürchterliche Enge, und der Unterricht konnte ohne Nachteile für die Kinder nicht mehr durchgeführt werden. Nun erlebten Lehrer und Schüler vor dem festlich geschmückten Neubau die feierliche Grundsteinlegung zu einer neuen [[Schulwesen|Schule]]. Außerdem hatten sich zahlreiche Ehrengäste, u.a. [[Bernhard Kamm|Amtsbürgermeister Kamm]], [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]], [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüver]] [sic.], Regierungsassessor Dr. Edelmann als Vertreter des Oberkreisdirektors, Regierungsbaudirektor Schäfer, Regierungs-Baurat Koch, Kreisplaner Baurat Schröder und Architekt Emil Baumanns ([https://de.wikipedia.org/wiki/Wevelinghoven Wevelinghoven]), von dem der Entwurf der [[Schulwesen|Schule]] stammt, eingefunden. Ferner waren die Mitglieder des [[Stadtrat|Stadtrates]], [[Heinrich Wimmer|Ortslandwirt Wimmer]] und die an dem Bau mitwirkenden Handwerker und Arbeiter und zahlreiche Einwohner erschienen. :[[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] hieß die Gäste im Namen der Stadt Zons willkommen und wies auf die Bedeutung der Grundsteinlegung hin. Er würdigte besonders die Mitarbeit aller, die zu diesem schönen Werk beitrugen und dankte für die Bewilligung der Mittel durch die Zonser [[Stadtrat|Gemeindevertretung]]. Die Verwirklichung des jahrelang gehegten Wunsches eines Schulneubaues aber sei nicht minder dem Opfermut der Bevölkerung und der Mithilfe der Regierung zu verdanken. [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüver]] nahm die feierliche Einsegnung des Grundsteins vor, denn: &amp;quot;Wenn der Herrgott nicht baut, bauen die Bauleute vergebens.&amp;quot; Er richte, so betonte er, in dieser Stunde an Gott die Bitte, daß auf dieser Schule sein Segen ruhen und aus ihr Generationen hervorgehen möchten, die dem Volk und Staat Nutzen brächten.&lt;br /&gt;
::[[Bernhard Kamm|Amtsbürgermeister Kamm]] bezeichnete es als eine große Ehre, den Grundstein legen zu dürfen. Er wünsche in dieser Stunde, daß der Schulneubau in Zukunft den Kindern eine segensreiche Stätte der Erziehung sein möchte. Er verlas die Urkunde und legte mit den Worten: &amp;quot;Mit Gott für unsere Jugend und eine glückliche deutsche Zukunft!&amp;quot; die Hülle in den Grundstein. Es folgten die traditionellen Hammerschläge, Regierungs-Baudirektor Schäfer betonte, daß Zons zwar eine moderne Schule erhalte, die aber der historischen Bauweise der Stadt angepaßt worden sei. Kreisrechtsrat Dr. Edelmann sprach im Namen des verhinderten Landrats und des Oberkreisdirektors. Wenn auch der Wohnungsbau zur Zeit das Problem Nr. 1 sei, so sei doch ein Fonds für Schulneubauten bereitgestellt worden. Es sei erfreulich, daß diese kleine Stadt die Initiative zum Schulneubau ergriffen habe. Die [[Schulwesen|Schule]] in Zons sei die erste Schule, die aus dem Sofortprogramm der Regierung im Landkreis gebaut werde.&lt;br /&gt;
::Bei dem folgenden geselligen Beisammensein wurden durch den Architekten Emil Baumanns noch weitere Erläuterungen zu dem Schulneubau gegeben. Das gesamte Schulprojekt, von dem im ersten Bauabschnitt nur die Hälfte ausgeführt werde, sehe den Bau einer achtklassigen Schule mit acht Gruppenräumen und acht Garderoben vor. Die Garderoben seien nicht wie früher im Flur, sondern in einem Nebenraum, abschließbar für jede Klasse, untergebracht. Im Hauptteil seien zwei Klassen so gebaut, daß sie durch Wegnahme einer Schiebewand in einen Lichtspielraum umgewandelt werden könnten. Das Schulneuhaus solle den Charakter eines Schulheims erhalten. Im Untergeschoß sei außer Heizung und Abstellräume für Geräte usw. die Einrichtung einer Badeanlage vorgesehen, die auch von der Bevölkerung mit benutzt werden könne. Ferner sei eine große Halle für den Aufenthalt der Kinder bei schlechter Witterung vorgesehen. Die Turnhalle werde im zweiten Bauabschnitt gebaut. Von der Terrasse, die den Neubau umgebe, könnten die [[Lehrer]] den ganzen Schulraum überblicken. Der jetzt begonnene erste Bauabschnitt bringt den Bau von vier Klassen mit je vier Gruppenräumen, vier Garderoben, einer Aufenthaltshalle, einer Brauseanlage, eines Abstellraumes und einer Hausmeisterwohnung. Ferner werde ein großer Schulhof mit gärtnerischen Anlagen angelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Stempel der Pfarre: &amp;quot;Ecclesia Parochialis St. Martini Zontini&amp;quot;; dargestellt [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours Martinus] beim Teilen des Mantels]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Chorfenster, die durch Granaten zerstört waren, sind durch den Kunstglasmaler Franz Melchior aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] erneuert worden. Das Agnes-Petronellafenster zum Preis von 840,90.&lt;br /&gt;
:Das Herz Jesu, Herz Mariaefenster zum Preise von 1079,20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 199] [Eingeklebter Zeitungsartikel mit handschriftlichen Ergänzungen: &amp;quot;181&amp;quot; und &amp;quot;5.8.50&amp;quot;]&lt;br /&gt;
::Der neue Schulbau für Zons&lt;br /&gt;
::[Foto des Schulneubau-Modells]&lt;br /&gt;
::Zons. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post RP] zeigt hier das Modell der neuen modernen [[Schulwesen|Schule]] in Zons, zu deren Bau, wie berichtet, am Samstag der Grundstein gelegt wurde. Das Gesamtprojekt umfaßt acht Klassen, von denen im ersten Bauabschnitt vier Klassen, die Aufenthaltshalle und eine Brauseanlage gebaut werden. Außer acht Klassen ist der Bau von acht Gruppenräumen sowie Garderoben vorgesehen. Die Garderoben werden nicht wie früher in den Fluren oder sogar in den Klassen, sondern in einem Nebenraum einer jeden Klasse untergebracht. Zwei Klassen werden so gebaut, daß sie nach Wegnahme einer Schiebewand als Lichtspielraum benutzt werden können. Das neue Schulgebäude soll bewußt den Charakter eines Schulheimes erhalten, in dem sich die Kinder gern aufhalten. Ferner ist die Einrichtung einer Badeanlage geplant. Eine große Halle soll den Kindern Aufenthaltsmöglichkeiten während der Pausen bei schlechter Witterung gewähren.&lt;br /&gt;
::Für den zweiten Bauabschnitt ist außer der Errichtung von weiteren vier Klassen der Bau einer Turnhalle geplant. Ferner werden Abstellräume geschaffen. Eine Hausmeisterwohnung wird eingebaut. Der Entwurf zu dem Schulbau, dessen Baustil sich, trotz es sich um einen modernen Bau handelt, gut in den mittelalterlichen Charakter von Zons einfügen wird, stammt von dem Architekten Emil Baumann (BDA), [https://de.wikipedia.org/wiki/Wevelinghoven Wevelinghoven].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Kunstbildhauer Theodor Hammers aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], jetzt [https://de.wikipedia.org/wiki/Raphaelshaus St. Raphaelshaus], hat der Kirche einen neuen Pfarrstempel entworfen. 88,25 DM, conferre Seite 198. Die Matrize zur Herstellung neuer Stempel liegt im Pfarrarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 200] [Eingeklebter Zeitungsartikel mit handschriftlichen Ergänzungen: &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Post Rheinische Post] 194, 21.8.50&amp;quot;]&lt;br /&gt;
::Zons im Zeichen der Sängertage&lt;br /&gt;
::Schöner Festabend mit Jubilarenehrung – Gründung des Heimatbundes Zons angeregt&lt;br /&gt;
::Zons. Der Festabend, der am Samstag anläßlich des 70jährigen Bestehens des [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|MGV Cäcilia Zons]] im „[[Bergischer Hof (Gaststätte)|Bergischen Hof]]“ stattfand, bildete einen würdigen Auftakt zu den Sängertagen in dem romantischen Rheinstädtchen. Der große Festsaal war schon vor Beginn der Veranstaltung bis auf den letzten Platz besetzt. Den Hintergrund der Bühne schmückte eine von Lorbeeren umrahmte Lyra.&lt;br /&gt;
::Den Auftakt des Festabends bildete ein von [[Josef Zanders|Studienrat Dr. Joseph Zanders]] verfaßter Vorspruch &amp;quot;Preis der Heimat&amp;quot;. Es folgte die von dem Orchester der Musikervereinigung [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], unter Leitung von Alfred Wehrmann, gespielte Ouvertüre zu &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Rosamunde_(Schauspiel) Rosamunde]&amp;quot; von [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Schubert Schubert]. Groß war die Zahl der Ehrengäste, die der Vorsitzende der &amp;quot;[[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Cäcilia]]&amp;quot;, Franz Lenden, begrüßen konnte: u.a. Dechant [[Johannes Klüwer|Klüver]] [sic.], [[Bernhard Kamm|Amtsbürgermeister Kamm]], [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]], [[Josef Zanders|Studienrat Dr. Zander]] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß]), den Vertreter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_S%C3%A4ngerbund Deutschen Sängerbundes], Sängerkreis [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß], Wilhelm Schmitz und die zu Gast weilenden auswärtigen Gesangvereine &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagener] Männergesangverein&amp;quot;, Werkchor der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG Farbenfabriken &amp;quot;Bayer&amp;quot; Dormagen] und Männergesangverein &amp;quot;Hoffnung&amp;quot; [https://de.wikipedia.org/wiki/Lobberich Lobberich]. Besonders herzliche Worte fand er für die Jubilare des Vereins, an ihrer Spitze den 90 Jahre alten Senior Peter Gilgen, der schon mit dabei war, als der Verein vor 70 Jahren aus der Taufe gehoben wurde.&lt;br /&gt;
::Gut zum Vortrag gebrachte Chorwerke des Jubelvereins und des Gastvereins aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Lobberich Lobberich] sowie die Darbietungen der Solisten Josef Schnock und dessen Sohn (städtische Kammermusiker aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]) leiteten über zu der Festansprache von [[Josef Zanders|Studienrat Dr. Zanders]]. Er bekannte sich mit Stolz zu seiner Geburtsstadt Zons und gab zunächst Erinnerungen aus seiner Jugendzeit zum Besten. Er regte – von großem Beifall unterstützt – an, sofort den Heimatbund Zons ins Leben zu rufen, zu dem sich möglichst alle Zonser als Mitglied einzeichnen sollten. Für den kommenden Winter seien drei bis vier Veranstaltungen geplant. Besonders richtete er einen Appell an die Jugend, sich rege zu beteiligen. Denn der Sport, der leider vielfach zu einseitig betrieben werde, forme nicht allein den Menschen. Man müsse neben dem Sport auch Interesse für geistige Dinge zeigen. Der Beauftragte des [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_S%C3%A4ngerbund Deutschen Sängerbundes], Wilhelm Schmitz, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß], nahm die Ehrung von 14 Jubilaren vor. Herzliche Worte richtete er an den Mitgründer Peter Gilgen, der als 90jähriger in &amp;quot;alter Frische&amp;quot; an dem Festtag des Vereins teilnehme. Er überreichte dem &amp;quot;eisernen&amp;quot; Jubilar die goldene Nadel des [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_S%C3%A4ngerbund Deutschen Sängerbundes]. Mit den Glückwünschen der [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|&amp;quot;Cäcilia&amp;quot;]] übergab der Vorsitzende Lenden dem Senior des Vereins eine schöne Ehrenurkunde. Es folgte die Ehrung der um den Verein verdienten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[Foto]&lt;br /&gt;
::Der Vertreter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_S%C3%A4ngerbund Deutschen Sängerbundes] überreicht Peter Gilgen die goldene Nadel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Goldjubilare Josef Rodenkirchen und Josef Richrath. Ferner wurden geehrt die Silberjubilare: Philipp Kraus, Vorsitzender Franz Lenden, Jakob Lenden, Johann Oberzier, Philipp Reusrath, [[Peter Oberzier]], Franz Roß, Andreas Schreiner und Fritz Stein.&lt;br /&gt;
::Als letzter wurde der Silberjubilar Hermann Fredering vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Potsdam Potsdamer] Männergesangverein geehrt, der die Glückwünsche seines Vereins vermittelte und unter dem echt Berliner Motto &amp;quot;Hier habt ihr nen Nagel, nu schlagt ihn rinn!&amp;quot; einen Fahnennagel überreichte. Eine weitere Urkunde wurde dem Jubelverein durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Hagen Hagener] MGV Cäcilia 1892 verehrt. Als besondere Anerkennung für die Mitwirkung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagener] Männergesangvereins wurde dem Vorsitzenden Jüsten ein Bild von Zons überreicht. Außer dem MGV [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] gratulierte auch der MGV &amp;quot;Hoffnung&amp;quot; [https://de.wikipedia.org/wiki/Lobberich Lobberich] dem Jubelverein zu seinem Fest.&lt;br /&gt;
::Dechant [[Johannes Klüwer|Klüver]] dankte dem [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|MGV]] für seine aufopfernde Tätigkeit für die Allgemeinheit und die Arbeit im Dienste des Heimatgedankens. Er sagte, nach einem kurzen Rückblick auf die Vereinsgeschichte, daß der Verein auf seine Tradition stolz sein könne.&lt;br /&gt;
::Weitere gute Chöre der Gastvereine, besonders aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], und das von dem Jubelverein gesungene Chorlied &amp;quot;Am Landesteg zu Zons am Rhein&amp;quot; von Hansen und dem Chor mit Orchesterbegleitung &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/An_der_sch%C3%B6nen_blauen_Donau An der schönen blauen Donau]&amp;quot; von [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Strauss_(Sohn) Johann Strauß] wurde der harmonisch verlaufene Abend beschlossen.&lt;br /&gt;
::Am Sonntag, dem zweiten Tag des Zonser Sängertreffens, herrschte während des ganzen Tages in den festlich geschmückten Straßen von Zons Hochbetrieb. Nachmittags wurde auf den Rheinwiesen als Sondereinlage ein großes Schauturnen des Turnkreises [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] als Werbeveranstaltung für die Jugend geboten, bei der bekannte deutsche Meisterturner, darunter Mitglieder der Deutschlandriege, mitwirkten und durch ihre Leistungen imponierten. Eine Mädelgruppe aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Langenfeld_(Rheinland) Langenfeld] brachte manche Überraschungen und fand besonders starken Beifall für ihre Volkstänze.&lt;br /&gt;
::Im &amp;quot;[[Bergischer Hof (Gaststätte)|Bergischen Hof]]&amp;quot; fand unter Beteiligung des [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Jubelvereins &amp;quot;Cäcilia&amp;quot; Zons]], des Quartettvereins 1933 [https://de.wikipedia.org/wiki/Nettesheim Nettesheim], des MGV Concordia, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Uerdingen Uerdinger] MGV 1948, des Männer-Gesang-Vereins [[Stürzelberg]], des MGV Hoffnung, [https://de.wikipedia.org/wiki/Lobberich Lobberich], und des Männerquartetts 1946 [https://de.wikipedia.org/wiki/Holthausen_(D%C3%BCsseldorf) Düsseldorf-Holthausen] in dem überfüllten Saal ein großes Festkonzert statt. Einige Vereine wurden für ihre guten Leistungen besonders gefeiert und mußten Zugaben geben. Den mitwirkenden auswärtigen Vereinen wurde ein großes Bild von Zons durch den Vorsitzenden Lenden als Erinnerungsgabe überreicht.&lt;br /&gt;
::Den Höhepunkt des Tages bildete am Abend ein großes Feuerwerk mit bengalischer Stadtbeleuchtung. Schon lange vor Beginn hatten weit mehr als 6000 Menschen auf dem Rheindamm Aufstellung genommen, für die das Feuerwerk zu einem Erlebnis besonderer Art wurde. Besonders wirksam war die bengalische Beleuchtung, bei der die alten Türme und Mauern des Städtchens in rotem Licht erstrahlten und sich als flammende Silhouetten vom nächtlichen Himmel abhoben.&lt;br /&gt;
::Zons hatte seit langer Zeit wieder einmal einen großen Tag und dürfte viele neue Freunde unter den auswärtigen Besuchern erworben haben, die zum Teil von weit her gekommen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 201] Am 19.7.1950 wurde der [[Johannes Klüwer|Pfarrer von Zons]] vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Hochwürdigen Herrn Kardinal Dr. Josef Frings] zum Dechanten des Dekanates ernannt. Der bisherige Dechant, Hochwürdiger Herr Geistlicher Rat Gustav Biesenbach vom [[Stürzelberg]], wurde Ehrendechant. Ut deus bene vertat!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 19.8.50 und 20.8.50 feierte die [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Cäcilia]] (conferre I, Seite 85) sein 70jähriges Bestehen. Einer der Gründer, der Schmiedemeister Peter Gilgen, wurde geehrt. Die [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Cäcilia]], als Kirchenchor gegründet und auch dem Diözesanverband angeschlossen, hat den liturgischen Gesang bis 193? gepflegt, dann schloß er sich dem Verband der Männergesangvereine [an] und sang nur noch an hohen Kirchenfesten mehrstimmige Messen bis auf den heutigen Tag. Im letzten Monat sonderten sich die Mitglieder, die nicht mehr kirchlich singen wollten, [ab] und gründeten einen eigenen Zonser Männergesangverein 1950. Ein neuer, tüchtiger Kirchenchordirigent konnte den Kirchenchor wieder zum Leben erwecken. Aber augenblicklich fehlen die Geldmittel dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 202] Am 27.8.50 machte die Gemeinde ihre 213. Pilgerwallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer Kevelaer].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12.9.50. Das &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Ewige_Anbetung ewige Gebet]&amp;quot; wird gut besucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Eingeklebter Zeitungsartikel mit handschriftlicher Ergänzung: &amp;quot;30.10.50&amp;quot;]&lt;br /&gt;
::Richtkranz über Schulneubau&lt;br /&gt;
::Richtfest in Zons – [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] dankte den Arbeitern&lt;br /&gt;
::[Foto der [Schule]&lt;br /&gt;
::Zons. Auf dem Dachboden der neuen [[Schulwesen|Schule]] hatten sich die große Schar der am Bau beteiligten Arbeiter der Firma Ferber (Zons), der Leiter der Firma und viele Ehrengäste zum Richtfest eingefunden. [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] und Inspektor Schmitz waren von der Verwaltung erschienen. In herzlichen Worten begrüßte [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] seine Gäste. Nach altem Brauch werde heute das Richtfest für einen Bau gefeiert, der der Jugend als Heimstätte für ihre Erziehung dienen soll. Vor mehr als dreißig Jahren sei dieses Gelände, auf dem die Schule stehe, von Bauern bearbeitet worden. Kein Haus habe weit und breit gestanden, erst viel später sei dann hier und da das aufgebaut worden, was heute dastehe. Das Gelände sei dann für Siedlungszwecke freigegeben worden. Zuerst seien kleine Parzellen abgegeben worden, bis man in den vergangenen Jahren mit einem großzügigen Planen begonnen habe. Er sprach dann der Betriebsführung und den Arbeitern den Dank aus für ihre Arbeit und den Fleiß, mit dem sie dieses Werk geschaffen hätten. Er hoffe, so schloß der Redner, daß auch die Kinder, die dereinst die [[Schulwesen|Schule]] besuchen, derer gedächten, die ihnen den Bau errichtet hätten. Im Anschluß daran sprach der Altgeselle Friedrich Brandt den Richtspruch &amp;quot;In Gottes Schutz und Handwerkers Hand haben wir dieses Bauwerk emporgebracht...&amp;quot;.&lt;br /&gt;
::Nach altem Brauch wurde dann der Richttrunk gereicht. In einer kleinen Feierstunde sorgten Altgeselle Friedrich Brandt und auch sein Junggeselle für humorvolle Unterhaltung und hielten die Gäste noch lange in guter Stimmung beisammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 203] 24.9.50. Fußwallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. Teilnahme wie immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1.10.50. [[Erntedankfest]] mit Dankspiel vor dem Hochamt. In diesem Jahre Versuch, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenkranz Rosenkranzandacht] abends um 7 Uhr zu halten, es waren durchschnittlich 50 Kinder und 50 Erwachsene da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:29.10.50. [https://de.wikipedia.org/wiki/Christk%C3%B6nigsfest Christkönigsfest], bei der Generalkommunion der Jugend in der Frühmesse waren fast nur Mädchen vertreten. An der Familienkommunion beteiligten sich ca. 50 Familien. Die Christkönigsfeier am Abend um 5.30 war sehr eindrucksvoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. November 50. Die Prozession zum [[Friedhof]] am Nachmittag des [https://de.wikipedia.org/wiki/Allerheiligen Allerheiligen-Tages] war sehr gut in Beteiligung. Die [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Cäcilia]] sang trotz der Abtrennung der Mitglieder in einen neuen Verein gut und [mit] starker Beteiligung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. November 50. Fest des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_von_L%C3%BCttich heiligen Hubertus] mit feierlich ministriertem Hochamt. Abends tagte die [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|Bruderschaft]] bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]] mit Tanz und Essen. Morgens bei der heiligen Kommunion fehlten die Mitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:12. November 50. Feierlich ministriertes Hochamt zu Ehren des Pfarrpatrons, des [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours heiligen Martinus].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 204] Vom 12.–19. November hielt Pater Bossong&amp;lt;ref&amp;gt;Unsichere Lesung des Namens.&amp;lt;/ref&amp;gt; [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.Sp.] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] eine Weltmissionswoche, um den Missionsgedanken in den Familien zu wecken und gut zu vertiefen. Er sprach in den einzelnen Gruppen und Vereinen. In der [[Schulwesen|Schule]] hielt er die [https://de.wikipedia.org/wiki/Katechese Katechesen] für die Kinder. Am 12.11. zeigte er Missionsfilme: Afrika ruft und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Missionshaus Knechtsteden]. Am 19.11. feierlicher Schluß, gesondert für Kinder und Erwachsene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 22.11. [https://de.wikipedia.org/wiki/Bu%C3%9F-_und_Bettag Buß- und Bettag] Einkehrtag für die Bezirksfrauen des Dekanates. 50 waren gekommen. Rektor Bruckmann, Assistent bei der Zentrale in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], hielt die Vorträge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26. November 50 fand unter großer Beteiligung der Pfarrfamilie die Heldengedenkfeier wie alljährlich in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:8. Dezember 50. Marienfeier der Frauenjugend im [[Jugendheim]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:10. Dezember 50. Festandacht zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Leibliche_Aufnahme_Mariens_in_den_Himmel feierlichen Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:13. Dezember 50 sprach im katholischen Männerwerk Pater Rath [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.Sp.] [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden] vor den Männern über die Kirchen des Ostens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 205] [Eingeklebter Doppel-Zeitungsartikel zu Zons mit handschriftlicher Ergänzung: &amp;quot;8.12.50&amp;quot;]&lt;br /&gt;
::Mit Zons verwachsen&lt;br /&gt;
::[[Heinrich Wimmer]] 25 Jahre Vorsitzender der Ortsbauernschaft&lt;br /&gt;
::Zons. Ortslandwirt [[Heinrich Wimmer]] feierte gestern sein 25jähriges Jubiläum als Vorsitzender der Ortsbauernschaft. Mit Ausnahme einiger Jahre des Naziregimes steht er seinen Berufskameraden als Vorsitzender seit 1919 vor. Der Vorsitzende des Landwirtschaftsverbandes, Ortsgruppe Zons, Heinrich Nußbaum, überreichte ihm als Anerkennung der großen Verdienste um die Landwirtschaft eine handgemalte Urkunde. Die Glückwünsche der Stadtverwaltung und der Bevölkerung überbrachte für den verhinderten [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] Inspektor Schmitz. Daß Dechant [[Johannes Klüwer|Klüwer]] bei diesem Gratulationsakt nicht fehlen durfte, versteht sich schon aus dem Grunde, weil [[Heinrich Wimmer]] seit 1933 Mitglied des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandes]] ist. Da der Jubilar auch Vorsitzender der [[Spar- und Darlehens-Kassenverein|Spar- und Darlehenskasse Zons]] ist, wurde er auch von dieser Seite durch eine Ehrengabe von Johann Erkelenz ausgezeichnet.&lt;br /&gt;
:[[Heinrich Wimmer]] genießt in der gesamten Zonser Bürgerschaft ein großes Ansehen. Wenn er die Zonser Jugendlichen in seinen Vorträgen für die historische Vaterstadt begeisterte, dann war er in seinem Element. Darüber hinaus betätigte er sich auch als Verfasser von Büttenreden, hat er doch auch die Karnevalsgesellschaft mit ins Leben gerufen. Außerdem hat er zahlreiche Heimatgedichte verfaßt. Wenn man diesem bescheidenen Mann gegenübersitzt und hört, wie er die schwierigsten Situationen immer mit Humor gemeistert hat, kann man verstehen, daß ihm die Bevölkerung von ganzem Herzen zugetan ist. [[Heinrich Wimmer]] wird als ein Zonser von echtem Schrot und Korn auch weiterhin die Interessen der Landwirtschaft in äußerster Pflichterfüllung vertreten.&amp;lt;ref&amp;gt;Hierzu handschriftliche Ergänzung: &amp;quot;H. Wimmer ist altes Mitglied des [[Kirchenrat|Kirchenvorstandes]].&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Problem Stadtmauer&lt;br /&gt;
::Zons. Die Ausbesserungsarbeiten an der Stadtmauer in Zons sollen bei besserem Wetter fortgesetzt werden. Die Regierung hat weitere Zuschüsse für diese Arbeiten zur Verfügung gestellt. Insbesondere sollen die drei Wehr-Erker an der nördlichen Stadtmauer instandgesetzt und überdacht werden. Dadurch erhält die Stadtmauer wieder ihr altes historisches Gesicht. – Wie die NGZ weiter erfährt, wird das Kultusministerium in Zukunft keinerlei Zuschüsse mehr gewähren. Das wäre bedauerlich, weil das inzwischen so gut angelaufene Renovierungsprogramm, das sich über zehn Jahre hinaus erstrecken sollte, dadurch in Frage gestellt würde. Die finanzschwache Stadt Zons allein ist keinesfalls in der Lage, die Arbeiten aus eigenen Miteln durchzuführen. Die Stadtverwaltung wird nichts unterlassen, die erforderlichen Zuschüsse doch noch zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten Weihnachten] sind am ersten Tage ca. 800 Kommunionen ausgeteilt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Statistik 1950  Taufen 41 (36), 1. heilige Beichte 25 (50), [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heilige Kommunion] 50 (39), [https://de.wikipedia.org/wiki/Firmung Firmung] 167, Eheschließung 11 (16), 3 auswärts, Rücktritte zur Kirche 2, Sterbefälle 16 (19), Kommunionen ausgeteilt 26.000 (23.000).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &#039;&#039;&#039;1951&#039;&#039;&#039; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 206] 1951&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Das Glockenarchiv in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg Hamburg] teilt auf Anfrage mit: 3.1.51. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, daß Ihre Glocken – der Stufe A angehörend – gleich beim Eintreffen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg Hamburg] eingeschmolzen wurden. Die gesamten Glocken der Qualitätsstufe A wurden gleich eingeschmolzen. Unterschrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17.1.51. Rektor Plettenberg, Krankenhaus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], sprach in der Versammlung des katholischen Männerwerks über den spanischen Premier des vorigen Jahrhunderts, [https://de.wikipedia.org/wiki/Juan_Donoso_Cort%C3%A9s Donoso Cortes], richtunggebend für unsere Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20.1.51 feierten Heinrich Stein und Sophia Kremer ihre goldene Hochzeit. Stein ist seit 25 Jahren Brudermeister der [[St. Antoniusbruderschaft]], die heute die Aufgabe übernommen hat, die [[Wegekreuze]] und [[Heiligenhäuschen]] in Ordnung zu halten. Die Kirchengemeinde überreichte ihm ein ansehnliches Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:26.1.51. Richtfest der Siedlergenossenschaft. 7 Doppelhäuser waren errichtet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 207] Die Betstunden, die von den [[Frauen- und Mütterverein|Frauen und Müttern]] jeden Monat für den Frieden gehalten werden, sind gut besucht, auch von den übrigen Gläubigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14.2.51 sprach im Männerwerk vor 40 Männern Pfarrer Franz Doppelfeld aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuß], der 7 Jahre im [https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Dachau KZ in Dachau] und anschließend in russischer Kriegsgefangenschaft war. Er schilderte die Zustände im Sowjetparadies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:25.2.51. Lichtbildervortrag. Romfahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[Es folgen drei eingeklebte Zeitungsartikel mit handschriftlicher Ergänzung: &amp;quot;12.12.1950 Neuss-Grevenbroicher Zeitung&amp;quot;.]&lt;br /&gt;
::Zons. Als erster Ort im Kreisgebiet erhielt gestern Zons über die Kreisverwaltung [https://de.wikipedia.org/wiki/Grevenbroich Grevenbroich] als Träger der Landarbeiter-Siedlung vom Landeskulturamt [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] den Bewilligungsbescheid zur Errichtung von 23 Siedlungshäusern. Die Höhe des genehmigten Darlehns beläuft sich auf 283.470 DM. Mit der Auszahlung der ersten Rate auf diesen Kredit ist in den nächsten Wochen zu rechnen, da die Siedler von Zons und [[Stürzelberg]] alle erforderlichen Verträge vor dem Vorsteher des Landeskulturamtes [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] bereits getätigt haben. Von den 23 Siedlungshäusern werden fünf in Zons und 18 in [[Stürzelberg]] gebaut. Die Umschreibung der Verträge wird in nächster Zeit im Grundbuch erfolgen, so daß der Auszahlung der zugesagten Mittel nichts mehr im Wege steht. In der kommenden Woche werden die Siedler mit Nachdruck mit den Arbeiten beginnen, die zum größten Teil in Eigenhilfe ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Großzügige Aufforstung in Zons&lt;br /&gt;
::Zons. Auf der [[Lämmerweide|Rinderweide]] werden zur Zeit 800 Pappeln angepflanzt. Das ist der Anfang des großen Aufforstungsprogramms. Als zweiter Abschnitt des Programms folgt die Aufforstung der [[Hannepützheide|Zonser Heide]]. Diese Aufforstung ist um so notwendiger geworden, da in der Nachkriegszeit während der Kohlennot der größte Teil des Baumbestandes einem unverantwortlichen Raubbau zum Opfer gefallen ist. Falls entsprechende Zuschüsse gewährt werden, soll die Aufforstung der [[Hannepützheide|Heide]] von Grund aus durchgeführt werden. Es wird erwartet, daß die gepflanzten Pappeln nicht irgendeiner Unvernunft zum Opfer fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[Heinrich Berchem|Stadtinspektor Berchem]] 40 Jahre im Dienst&lt;br /&gt;
::Zons. Der weit über die Grenzen der Stadt Zons bekannte [[Heinrich Berchem|Stadtinspektor Berchem]] konnte gestern auf eine 40jährige Tätigkeit bei der Stadtverwaltung Zons zurückblicken. [[Heinrich Berchem|Stadtinspektor Berchem]] hat sich im Laufe seiner Tätigkeit besonders als Geschäftsführer des [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Zonser Verkehrs- und Verschönerungsvereins]] um die Förderung des [[Fremdenverkehr]]s verdient gemacht. Aus Anlaß des Jubiläums überreichte [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] dem verdienstvollen Beamten ein Blumenangebinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::Stiftung der Ortsbauernschaft&lt;br /&gt;
::Zons. Die während des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg Krieges] an der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|St. Andreas-Pfarrkirche]] [sic.] in Zons entstandenen Schäden konnten bisher aus finanziellen Gründen noch nicht restlos behoben werden. Obwohl [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]], der [[Kirchenrat|Kirchenvorstand]] und nicht zuletzt die ganze katholische Pfarrgemeinde durch Aufbringen freiwilliger Spenden manche Schadensstelle beseitigen konnten, zur Anschaffung neuer Fenster reichten die Mittel nicht aus. Um so erfreulicher ist die Feststellung, daß sich die Ortsbauernschaft bereit erklärt hat, bis zum Frühjahr 1951 wenigstens ein kleines Fenster aus eigenen Mitteln zu stiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 208] In der Nacht vom 10.3.51 Männerfußwallfahrt nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden], wo um 12 Uhr die heilige Messe war. Beteiligung 40 Männer und Jungmänner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:14.3.51 sprach Pater Dr. Arnold [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C.S.Sp.] vor 25 Männern über Atomfluch und Atomsegen, rege Diskussionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die für [https://de.wikipedia.org/wiki/Karsamstag Karsamstag] in diesem Jahre erlaubte liturgische Mitternachtsfeier wurde noch am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karsamstag Karsamstag] gehalten, da die Vorbereitung für die Gläubigen zu kurz war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Sonntag Weißen Sonntag], 1.4.51, gingen 25 Kinder zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstkommunion 1. heiligen Kommunion].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:22.4.51. Die Kolpingsfamilie [[Stürzelberg]] spielte das Volksstück: Tod an der Wiege, das die Probleme um den [https://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsabbruch § 218] behandelt, mit großem sittlichen Ernst. Leider war der Besuch nicht zufriedenstellend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Am 1.5.51 holte eine Stafette das Licht, das vom Muttergottesaltar in [https://de.wikipedia.org/wiki/Altenberg_(Bergisches_Land) Altenberg] durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Frings Herrn Kardinal] entzündet war, in [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] ab und brachte es in unsere [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]]. Die Blumenprozession der Kinder hatte gerade den Maialtar geschmückt, die erste feierliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Maiandacht Maiandacht] wurde gehalten und am Schlusse der Andacht das Licht an die Sta-&amp;lt;ref&amp;gt;Fortsetzung p. 210.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 209] [Es folgt ein eingeklebter Zeitungsartikel.]&lt;br /&gt;
::Festspiel&lt;br /&gt;
::Zons. Mit Saisonplänen befaßte sich der [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein]] in seiner Hauptversammlung. Wie [[Stadtdirektor|Amtsdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] erklärte, hat das schlechte Wetter des vergangenen Jahres dem Zonser [[Fremdenverkehr]] einen bösen Streich gespielt. Der Ausfall der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln-D%C3%BCsseldorfer_Deutsche_Rheinschiffahrt Köln-Düsseldorfer] habe sich ebenfalls bemerkbar gemacht. Dagegen habe sich die Motorbootsgenossenschaft auf das beste bewährt und den aufgestellten Fahrplan bis zum letzten Tage durchgehalten. Der im Rahmen des Jubiläums des [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Männergesangvereins]] aufgezogene Jahreshöhepunkt mit Sängerwettstreit und Feuerwerk habe mit seinem Besuch von etwa 10.000 Fremden gezeigt, daß auch in Zukunft auf solche Veranstaltungen nicht verzichtet werden könne. Obwohl die Zahl der in Zons angelegten Schiffe kleiner als im Jahre 1949 gewesen sei, habe sich die Besucherzahl nicht verringert. &amp;quot;Die finanziellen Dinge waren so, daß wir noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen sind&amp;quot;, meinte er. Wie Geschäftsführer [[Heinrich Berchem|Berchem]] betonte, übt das historische Zons eine immer größere Anziehungskraft auf die Ausländer aus. Holländer, Engländer, Norweger, Oesterreicher und Schweizer sind in Zons registriert worden. 5.450 Besucher wurden fürs [[heimatmuseum|Museum]], 9.000 Besucher für die [[Windmühle|Mühle]] gezählt. Die steigende Mitgliederzahl des [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Verkehrs- und Verschönerungsvereins]] – ein Zugang von 14 auf 66 Mitglieder wurde verzeichnet – zeigt, daß die Bedeutung des Vereins allmählich in allen Schichten der Zonser Geschäftswelt anerkannt wird. – In Zons stehen 32 Zimmer mit 46 Betten in den Gaststätten dem [[Fremdenverkehr]] zur Verfügung. Im vergangenen Jahr haben sich die Mitglieder Mainz, Pohl und Kern um den [[Fremdenverkehr]] besonders verdient gemacht.&lt;br /&gt;
::Um im nächsten Jahr über den Schiffsverkehr die nötigen Gäste zu erhalten, werden zwei neue Bootsfirmen anlegen. Wahrscheinlich wird die Schiffahrtsgesellschaft Louwen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Duisburg Duisburg], eine neue Brücke anlegen, wodurch sich die Anlegerverhältnisse bedeutend verbessern würden. Mehrere Hinweisschilder für [[Windmühle|Mühle]] und [[Heimatmuseum|Museum]] sollen aufgestellt werden. Die Wege um Zons wurden gründlich besprochen. Wenn auch die Mittel für eine Ausbesserung von Grund aus nicht reichen, wird versucht, mit der Asche von der Zinkhütte das Beste zu versuchen. Neue Bänke an gün-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[Foto des [[Schlosstor|Schlosstores]]]&lt;br /&gt;
::Geschichtszeugen der Rheinfeste Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::stiger Stelle sollen bald aufgestellt werden. – Als Höhepunkt für das Jahr 1951 ist das 40jährige Jubiläum des [[FC Zons 1911 e.V.|Zonser Fußballvereins]] geplant. Eine Sportwoche wird vorausgehen, die am 18. und 19. August mit zwei weinfrohen Tagen abschließen wird. Diese Tage sollen mit einer großen Werbung aufgezogen werden. Frido Keller legte einen geschmackvollen Plakatentwurf vor, der Zons in strahlender Beleuchtung zeigt. Das Motto auf dem Plakat – &amp;quot;Zons im Feuerspiegel&amp;quot; – dürfte seine Wirkung nicht verfehlen. Ein Festwagen mit Rittern und Landsknechten sowie ein Festspiel werden für die nötige Aufmachung sorgen. Um die Durchführung des Festes zu garantieren, wurde ein Festausschuß mit den Mitgliedern Derendorf, Pohl, Richrath, Weiler, Marx und Nußbaum gewählt.&lt;br /&gt;
::Zum Abschluß kam noch einmal das Gespräch auf die Zonser [[Freilichtbühne]]. Die Freilichtspiele könnten werbemäßig eine große Rolle spielen, und allgemein wurde die Ansicht vertreten, daß die nötigen Schritte zur Errichtung einer [[Freilichtbühne]] getan werden müssen. Wie [[Stadtdirektor|Amtsdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] ausführte, müßte der Kreis zur Finanzierung herangezogen werden. Zum Aufbau der Bühne fehlten acht- bis zehntausend Mark. Da aber auch der Regierungspräsident sich interessiert gezeigt habe, hoffe man, daß auch das Kultusministerium herangezogen werden könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[p. 210] Stafettenläufer der Pfarren des Dekanates weitergegeben, die es in ihre Pfarreien zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Maiandacht 1. Maiandacht] brachten. Maria, Königin des Friedens, bitte für uns. Diese Friedensstafette geht über die Grenzen hinaus nach Holland, Belgien, Frankreich, Österreich und in die Ostzone nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin Berlin].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:20.5.1951. Jugendbekenntnis in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]. In Zons Fahnenweihe der neuen Bruderschaftsfahne, angefertigt in [https://de.wikipedia.org/wiki/Krefeld Krefeld], Niederrheinische Fahnen- und Kunststickerei, Preis 700,- DM. Vorderseite: [https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_(Heiliger) St. Sebastianus] und Stadtbild von Zons. [[St. Hubertus-Schützengesellschaft|St. Sebastianus- und Hubertus-Schützen-Bruderschaft Zons]], gegründet 1448 – 1951. Rückseite: [[Stadtwappen|Stadtwappen von Zons]]. Glaube – Heimat – Sitte. Aus alter Wurzel neue Kraft.&lt;br /&gt;
:Festpredigt: Bezirkspräses Pfarrer Zander, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nettesheim Nettesheim]. Weihe durch den Generalpräses geistlicher Rat Dr. Louis, Pfarrer in [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrrig Leverkusen-Bürrig].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:24. Mai 1951 [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnam]. Bei strahlendem Sonnenschein unter großer Beteiligung (über 250 Männer gezählt) zog die Gottestracht den altgewohnten Weg. Der [p. 211] sakramentalische Segen wurde gegeben am [[Feldtor]], am [[Antoniushäuschen]], vor dem [[Rheintor]], bei [[Meller (Familie)|Meller]], [[Feldstraße]] und in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]]. Zum letzten Male habe ich als [[Pfarrer]] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Fronleichnam Fronleichnamsfest] in Zons gefeiert. Möge der göttliche Heiland auch in Zukunft die Pfarrfamilie segnen, der ich versucht habe, während 23 Jahre ein &amp;quot;[[Pfarrer|Pastor]]&amp;quot; zu sein. Mit dem 1. Juni 1951 lege ich mein Amt nieder, damit eine jüngere Kraft die Seelsorge übernehmen kann.&lt;br /&gt;
:[[Johannes Klüwer]], Dechant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen und Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>St. Hubertus-Schützengesellschaft</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Jungschützenkönige (seit 2024) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die &#039;&#039;&#039;St. Hubertus-Schützengesellschaft 1898 Zons e.V. &#039;&#039;&#039; wurde 1898 auf Initiative des [[Gastwirte|Gastwirts]] [[Hubert Nussbaum]] und des Metzgermeisters Jakob Dick aus Zons gegründet. Damit wurde an die alte örtliche Tradition des Schützenvereins-Brauchtums angeknüpft: Die &amp;quot;[[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]]&amp;quot;, die mindestens seit 1460 existierte, ist etwa hundert Jahre zuvor in den Umwälzungen der Franzosenzeit aufgelöst worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit bis zur Gründung 1898 ==&lt;br /&gt;
Es ist fraglich, warum nach dem Untergang der [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]] erst etwa hundert Jahre vergehen mussten, bis in Zons ein neuer Schützenverein gegründet wurde. Ohne Frage standen die Kirmessen, die ursprünglich an den Tag der Einweihung des Gotteshauses erinnern sollten, also eigentlich kirchliche Bedeutung hatten, im 19. Jahrhundert im Mittelpunkt des weltlichen Feierns. Im 20. Jahrhundert sollten diese wie vielerorts mit dem Schützenbrauchtum verschmelzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG016.jpg|300px|thumb|right|Anzeigen zu &amp;quot;Vogelschießen&amp;quot; in Zons aus dem Neußer Intelligenzblatt vom 4. Oktober 1845 (oben) und 29. September 1849.]]&lt;br /&gt;
Die Hauptkirmes begann in Zons wie in Stürzelberg traditionell am ersten Sonntag im Oktober und dauerte drei Tage. Eine Frühkirmes wurde in Zons erst in den 1860er Jahren eingeführt. Ihr Termin war der zweite Sonntag nach Ostern.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, LA Neuss, 537 und 568.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Kirmessen haben möglicherweise mit dazu beigetragen, dass in Zons nicht bereits erheblich früher ein neuer Schützenverein gegründet worden ist. Denn mehrere der Gastwirte, in deren Einrichtungen sich das Kirmestreiben hauptsächlich abspielte, veranstalteten an den Festtagen auch die beliebten Vogelschießen als freie und unorganisierte Wettkämpfe, also eine Art Lotterieveranstaltung für Jedermann. So warb beispielsweise der Zonser [[Gastwirte|Gastwirt]] [[Engelbert Füsgen]] im Neußer Intelligenzblatt vom 4. Oktober 1845, dass bei ihm anlässlich der Kirmes an den letzten beiden Tagen Vogelschießen veranstaltet würden. Auch der Wirt Schumacher ließ anlässlich der Zonser Kirmes 1849 eine ähnliche Annonce in die Zeitung einrücken: In der Ausgabe vom 29. September ist zu lesen, dass bei ihm an einem Nachmittag gegen 14 Uhr ein Vogelschießen veranstaltet werde, zu dem er als Preise insgesamt 40 Taler als untere Grenze festgesetzt hatte, die &amp;quot;auf Klotz und Pfänder vertheilt&amp;quot; waren. Es ist zu vermuten, dass solche Wettschießen damals häufiger von Zonser Gastwirten veranstaltet wurden. Jedenfalls scheinen sie auf das Publikum attraktiv gewirkt zu haben. Die Zonser mussten also auch in dem langen Zeitraum nicht gänzlich auf die Schießwettkämpfe verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gab es in Zons wie in vielen anderen Orten aufgrund einer Vielzahl von Einflüssen (vaterländische Interessen, Trend zu Vergemeinschaftungen, Assoziationen usw.) einen deutlichen Trend zu Vereinsgründungen und geselligen Zusammenschlüssen unterschiedlichster Art (z.B. [[Kriegerverein]] und [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;]] 1880, [[Obst- und Gartenbauverein Zons und Stürzelberg]] 1886, [[Bienenzuchtverein]] 1895, [[Turnverein &amp;quot;Jugendkraft&amp;quot;]] 1903, [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Verkehrs- und Verschönerungsverein]] 1904, [[FC Zons 1911 e.V.|FC Zons]] 1911 etc.). In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung der St. Hubertus-Schützengesellschaft 1898 zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zur Vereinsgeschichte&amp;lt;ref&amp;gt;Die folgenden Ausführungen entsprechen im Wesentlichen denen in der 1998 erschienenen Festschrift (Thomas Schwabach: &#039;&#039;Zur Geschichte des Schützenvereinswesens in Zons. Festschrift anläßlich des 100-jährigen Bestehens der St. Hubertus-Schützengesellschaft 1898 Zons e.V.&#039;&#039;, Neuss 1998). Daher enden sie mit dem Jahr 1997. Eine Fortschreibung für die Jahre ab 1998 ist wünschenswert.&amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Von der Gründung 1898 bis Ende des Kaiserreichs 1918 ===&lt;br /&gt;
An einem Sommertag des Jahres 1898 bekam der Zonser [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] Besuch von zwei Herren aus seiner Pfarrgemeinde. Einer war der [[Gastwirte|Gastwirt]] [[Hubert Nussbaum]], bei dem anderen handelte es sich um den Metzgermeister Jakob Dick. Beide beabsichtigten die Gründung eines Schützenvereins für Zons und wollten aus diesem Grund die Meinung des Geistlichen einholen. Nach eingehender Besprechung der Angelegenheit gab Otten seine Zustimmung, verbunden mit dem Vorschlag, dem Verein den Namen &amp;quot;St. Hubertus-Schützengesellschaft Zons&amp;quot; zu geben, und zwar aus zwei Gründen: Erstens, weil Hubertus selbst Schütze gewesen war und zweitens wegen seiner Bedeutung als zweiter Zonser Pfarrpatron. Die beiden Herren waren damit einverstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nussbaum und Dick waren gut vorbereitet beim Pfarrer erschienen. So konnten sie ihm bereits die Vereinsstatuten mit 27 Paragrafen zur Begutachtung vorlegen. Auch diesbezüglich konnte [[Adam Otten|Otten]] seine Zustimmung geben. Leider ist der Originaltext dieser Vereinsstatuten heute nicht mehr auffindbar. Es findet sich jedoch eine von [[Pfarrer]] [[Adam Otten|Otten]] verfasste inhaltliche Wiedergabe in der Pfarrchronik.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 121-123.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demnach war es Zweck des Vereins, &amp;quot;durch fleißige Schießübungen während der Sommerzeit die Wehrbarkeit der Mitglieder weiter auszubilden&amp;quot;. Weiterhin sollte der patriotische und religiöse Sinn der Mitglieder gehoben werden. Was die patriotische Besinnung betrifft, so sollte dies in der folgenden Zeit im Vereinsleben weniger deutlich zum Vorschein kommen als es die Formulierung erwarten ließe, insofern die Schützengesellschaft beispielsweise auf die Abhaltung vaterländischer und nationaler Feste (z.B. anlässlich des Kaisergeburtstags) verzichtete. Der Verein verstand sich laut den Satzungen als eine &amp;quot;aus dem Geiste christlicher Liebe hervorgehende brüderliche Vereinigung&amp;quot;, woran deutlich wird, dass der Verein stärker religiös orientiert war als es der Name &amp;quot;Schützengesellschaft&amp;quot; (im Gegensatz zur &amp;quot;Schützenbruderschaft&amp;quot;) erahnen lässt. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass nur katholische Bürger aufgenommen werden konnten. Sie hatten ein Eintrittsgeld von 1,50 Reichsmark sowie einen Jahresbeitrag von 2 Reichsmark zu zahlen. Ehrenmitglieder mussten jährlich 3 Reichsmark entrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitglieder waren verpflichtet, &amp;quot;a) ein unbescholtenes, christliches Leben zu führen, b) an den vierteljährlichen Generalversammlungen, den Pfarrprozessionen nach Anordnung des Herrn Pfarrers und dem Gottesdienst und St. Hubertustage teilzunehmen, c) dem Begräbnis verstorbener Mitglieder beizuwohnen, unter Strafe von 50 Pfge. für die Nichtbeteiligung.&amp;quot; Der Vereinsvorstand konnte Mitglieder ausschließen, die gegen dessen Anordnungen oder die Statuten handelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorstand setzte sich aus dem Vorsitzenden, einem Schriftführer und einem &amp;quot;Rechner&amp;quot; mit jeweils einem Stellvertreter zusammen und erneuerte sich alle zwei Jahre, indem jeweils jährlich eine Hälfte neu gewählt wurde. Für den Fall, dass sich keine Freiwilligen für die Vorstandsposten finden sollten, war festgelegt, dass jede in den Vereinsvorstand gewählte Person den jeweiligen Posten anzunehmen hatte, im Weigerungsfalle war eine Strafe in Höhe von 2 Reichsmark in die Vereinskasse zu leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Jahr sollte ein Vogel- und Preisschießen stattfinden, wobei jedes Mitglied nicht nur zur Teilnahme verpflichtet war, sondern auch mindestens zwei Lose zu je 30 Pfennig auf den Königsvogel kaufen musste. Der Schützenkönig erhielt nach Ablauf seiner Amtszeit einen Orden, den er bei den Veranstaltungen des Vereins tragen musste. Einen ähnlichen hatte er mit seinem Namen und der Jahreszahl versehen an den Verein zu schenken. Im Falle der Vereinsauflösung musste das Vereinsvermögen gleichmäßig unter die Mitglieder verteilt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Hubert Nussbaum]] und Jakob Dick ließen diese Statuten nach der Rücksprache mit dem Pfarrer auch behördlich genehmigen, doch vergingen noch einige Wochen und Monate bis zur Gründungsversammlung – nicht weil die behördliche Genehmigung so lange auf sich warten ließ, sondern weil die Gründungsversammlung an einem für den Verein besonderen Tag stattfinden sollte: dem Hubertustag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So fand also am 3. November 1898 in der [[Gaststätte &amp;quot;Zum Feldtor&amp;quot;|Gaststätte]] von [[Hubert Nussbaum]] in der [[Feldstraße]], der heutigen Schloßstraße, die erste konstituierende Generalversammlung statt. Um die formellen Angelegenheiten zu vereinfachen, hatten sich bereits zuvor einige Herren selbst mit den Vorstandsposten versehen, sie wurden also nicht gewählt: Als Präsident trat Jakob Dick auf, als sein Stellvertreter [[Hubert Nussbaum]], die beiden Initianten also. Kassierer war Hubert Boes, sein Stellvertreter Hubert Eichhorn, Schriftführer Wilhelm Peters, sein Stellvertreter Nicolaus Lenden. Nach mündlicher Überlieferung sollen alle diese Herren mit Ausnahme des zweiten Schriftführers dem Jagdverband Zons angehört haben. Die Motivation für den Schießsport kam also nicht von ungefähr. Zum &amp;quot;ersten Mitglied&amp;quot; wurde Heinrich Gilgen bestimmt. Außerdem waren noch etwa 20 Personen bei der Versammlung anwesend – die genaue Zahl ist nicht bekannt –, die nach der Verlesung der Statuten allesamt in den Verein aufgenommen wurden. Als weitere Tagesordnungspunkte sollte auf dieser Versammlung über den Zeitpunkt des Schützenfestes und den Standort des Schießstandes bzw. Schützenplatzes entschieden werden. Doch stand den Mitgliedern in Anbetracht des erfreulichen Ereignisses der Sinn wohl eher zum Feiern anstelle langwieriger schwieriger Verhandlungen. Jedenfalls kam es zu keiner Einigung, weshalb diese Punkte auf die nächste Generalversammlung verlegt werden mussten und der erste Vorsitzende den formellen Teil schloss. Anschließend &amp;quot;verblieben die Mitglieder bei einem Fäßchen Bier, welches der Stellvertreter des Präsidenten, Hub. Nussbaum, zum besten gab.&amp;quot; Die Mitglieder vergnügten sich &amp;quot;in der fröhlichsten und heitersten Stimmung noch einige Stunden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch auf der folgenden Generalversammlung im Dezember konnten sich die Mitglieder nicht auf einen Standort für den Schießstand einigen, doch wurde als Termin für das erste Stiftungsfest bereits der 22. Mai 1899 (Pfingstmontag), festgelegt. Das Fest fand dann jedoch tatsächlich erst am 23. Juli des Jahres statt. Bis heute feiert die Schützengesellschaft ihr Schützenfest in diesem Monat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG017.jpg|300px|thumb|right|Erster Schützenkönig 1899/1900 Johann Vianden.]]&lt;br /&gt;
Das erste Fest der Schützengesellschaft wurde am Vorabend durch den Zapfenstreich, gespielt vom Zonser [[Tambourcorps]], eingeleitet. Bei diesem Corps handelte es sich um eine Vorgängergruppe des heutigen Tambourcorps, die im Ersten Weltkrieg unterging. Am folgenden Tag, dem 23. Juli, war bereits um 5 Uhr Wecken. Vier Stunden später, um 9 Uhr, gingen die wenigen Mitglieder dann geschlossen im Zug zur Kirche, um dem Hochamt beizuwohnen. Im Anschluss fand die Paradeaufstellung auf dem Kirchplatz statt, wo [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] &amp;quot;in begeisterungsvollen Worten&amp;quot; eine Ansprache an die Schützen hielt. Dann zogen die Mitglieder geschlossen zum Schützenplatz – nach Auskunft eines älteren Zonsers befand er sich in den ersten Jahren am [[Grüner Weg|Grünen Weg]] unterhalb der heutigen [[Aldenhovenstraße]]. Dort fand auch das Königsvogelschießen statt. Den ersten Schuss für [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich) Kaiser Wilhelm II.] gab das Ehrenmitglied [[Johann Kolvenbach]], der [[Beigeordnete]] der Stadt Zons, ab. Daraufhin schossen die einzelnen Mitglieder abwechselnd, bis der Vogel unter begeisterten Hurra-Rufen zur Erde fiel und Johann Vianden als erster Schützenkönig des Vereins feststand. Nachdem ihm der Vorsitzende Jakob Dick den Orden überreicht hatte, zogen die Schützen zur Wohnung des Regenten, wo eine kleine Ovation für das Königspaar sstattfand. Nachmittags zogen die Schützen dann durch den festlich mit Fahnen geschmückten Ort zum Schützenplatz. An diesem Festzug nahmen auch einige auswärtige Schützenvereine teil. Auf dem Festplatz fanden Preis- und Ehrenpreisschießen statt. Wie der Schriftführer anmerkt, habe an dem Tag herrliches Wetter geherrschaft, und der Festzug habe &amp;quot;ein wahres Bild der Einheit und Brüderlichkeit&amp;quot; gezeigt. Doch die Stimmung sei etwas getrübt gewesen, da der Vorstand etwas Missstimmung verbreitet habe, &amp;quot;welches aber der Unkenntniß des noch jungen Vereins überhaupt zuzuschreiben war.&amp;quot; Vermutlich wurde abends auch ein Ball veranstaltet, auch wenn sich dazu nichts im Protokoll findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste bedeutende Ereignis für den jungen Verein sollte nicht lange auf sich warten lassen: Am 31. Dezember 1899 fand das Fest der Fahnenweihe statt. Der Kauf dieser ersten Vereinsfahne, sie kostete 343 Reichsmark, war durch großzügige Spenden aus der Zonser Bevölkerung ermöglicht worden. Das kostbare Stück ist heute leider verschollen. Nach dem Protokoll trug die Fahne auf der Vorderseite die Aufschrift &amp;quot;St. Hubertus Schützengesellschaft, gegründet Zons 1898, auf der Rückseite &amp;quot;Sichres Auge, sichre Hand preisen allwärts Leut und Land&amp;quot;, und in den vier Ecken stand &amp;quot;Ruhig Blut schießt gut&amp;quot;. Die Weihe dieser Fahne war von der geistlichen Behörde unter der Auflage gestattet worden, dass sie bei nicht-katholischen Begräbnissen oder Tanzlustbarkeiten nicht benutzt werden durfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend vor der Weihe veranstalteten die Schützen einen Fackelzug. Morgens zogen die Mitglieder dann nach dem Wecken um 9 Uhr mit der Fahne zur Kirche. Nach dem Gottesdienst stellten sich die Schützen feierlich um den Altar, und der Vereinsvorsitzende enthüllte die Fahne mit seinem Stellvertreter. Daraufhin hielt [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] eine Rede, in der er die besondere Bedeutung der Zeremonie hervorhob. Bei der anschließenden Weihe übernahmen [[Hubert Aldenhoven]] und Therese Meller, geborene Felten die Rolle der Paten. Die Vereinsmitglieder legten das Gelöbnis ab, der Fahne treu zu folgen und sich nicht widerrechtlich zu verhalten. Im Anschluss an die kirchliche Feier fand auf dem Kirchplatz wieder eine Parade statt. Das Protokoll gibt die feierliche Stimmung der Schützen recht anschaulich wieder: &#039;&#039;&amp;quot;Die schöne und stramme Haltung der Schützen stellte ein wahres Bild begeisterungsvoller Herzen dar, welche nach mühevollem Streben an ihrem Ziele angelangt waren, sich entlich unter die Schwingen einer Vereinsfahne zu schaaren, welche nun dem Ganzen eine Vervollständigung gab.&amp;quot;&#039;&#039; Nach der Parade zogen die Schützen zum Festlokal, um einer kleinen Rede von [[Hubert Aldenhoven]] beizuwohnen. Nachmittags fand nach einer kurzen Andacht in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] ein Festzug durch Zons statt, der am Schulplatz (neben dem [[Juddeturm]]) endete. Dort wurde vor dem Schützenkönig und einigen Ehrengästen die Parade durchgeführt. Schließlich traf man sich gemeinsam im Festlokal, der [[Gaststätte &amp;quot;St. Peter&amp;quot;|Gaststätte Gerhard Nussbaum]] in der [[Rheinstraße]], wo [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Franz Zanders]] vor dem Beginn des Nagelschlagens noch eine kleine Ansprache hielt. Nach dem Entfernen der Fahne aus dem Saal endete der Festtag mit einer Tanzveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen der neuen Vereinsfahne hatte die Schützengesellschaft nun einen neuen ehrenvollen Posten zu vergeben, nämlich den des Fahnenträgers. Auf einer Generalversammlung im April 1900 wählten die Mitglieder Johann Schmitz für diese Aufgabe. Zudem ernannten die Anwesenden erstmals einen Brudermeister und regten die Anschaffung eines &amp;quot;Brudermeisterstabes&amp;quot; durch den Vorstand an. Dies zeigt deutlich, dass sich der Verein in seinen Anfangsjahren auch an bestehenden stärker religiösen Schützenbruderschaften orientierte. Möglicherweise spielte hier uch die Erinnerung an die alte [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]] hinein. Ob der Brudermeisterstab damals tatsächlich angeschafft wurde, ist nicht bekannt, jedenfalls wurde Jakob Görgens erster und wie sich dann zeigen sollte – für ewige Zeiten einziger Brudermeister der Schützengesellschaft. Nachdem derselbe im darauffolgenden Jahr zum ersten Kassierer des Vereins gewählt worden war, blieb der Posten unbesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Schützenfest der Gesellschaft am 14. Juli 1900 ähnelte sehr dem ersten, wurde aber bereits etwas aufwendiger abgehalten. So kündigte sich das Fest am Vorabend nicht nur durch den Zapfenstreich an, sondern es ertönten nun auch Böllerschüsse, und es bildete sich ein großer Fackelzug. Im Anschluss fand im Festlokal die &amp;quot;Ordnung der Bücher&amp;quot;, also eine Art letzte Generalversammlung, gefolgt von einer Tanzveranstaltung bis kurz nach Mitternacht, statt. Diese Gestaltung des Vorabends behielt der Verein auch in den folgenden Jahren im Wesentlichen bei. Als am nächsten Tag das Königsvogelschießen stattfand, erwies sich der Vogel als sehr hartnäckig, wie der Protokollant betont. Somit waren 58 Schüsse notwendig. Verglichen mit heutigen Ergebnissen nimmt sich diese Zahl doch sehr bescheiden aus. Den Rest des Vogels holte schließlich zwar Hubert Eichhorn herunter, er hatte jedoch stellvertretend für seinen Bruder Jakob geschossen, so dass dieser an dessen Stelle zum Schützenkönig proklamiert wurde. In den ersten Jahrzehnten der St. Hubertus-Schützengesellschaft kam es nicht selten vor, dass jemand stellvertretend auf den Vogel schoss. Heute ist dies nicht nur unüblich, sondern sogar verboten. Die Preisverleihung im Anschluss an das nachmittägliche Ehren- und Preisschießen fand 1900 in einer etwas aufwendigeren Form im Festlokal statt, wobei die Ehrendamen die Preise überreichten. Der Königsball dauerte bis 4 Uhr morgens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einer Generalversammlung in der ersten Jahreshälfte 1901 wählten die Mitglieder (rechtzeitig vor dem bevorstehenden dritten Stiftungsfest am 14. Juli) erstmals einen Oberst und zwei Fahnenoffiziere, deren Namen leider nicht überliefert sind. Bereits im April des Jahres hatte der Verein ein sehr erfolgreiches &amp;quot;Preisvogel- und Ehrenpreisschießen&amp;quot; unter der Beteiligung einer großen Zahl auswärtiger Schützen veranstalten können, nach dem eine beachtliche Einnahme zu verbuchen war, was kaum verwunderlich ist, winkten als Ehrenpreise doch &amp;quot;ein schöner Vogelkäfig mit Ständer&amp;quot;, &amp;quot;2 schöne Bilder&amp;quot; und eine &amp;quot;Wekker Uhr&amp;quot;. Die erfolgreichen Schützen kamen aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1901 brechen die Protokollaufzeichnungen leider ab, ohne dass uns die näheren Umstände bekannt sind. Die nächsten Notizen beziehen sich erst wieder auf das Jahr 1907, so dass für die Jahre 1902 bis 1906 leider nur wenig Nennenswertes überliefert ist. 1904 wurde die Hohenzollernkompanie gegründet. Sie war damit die zweite Gruppierung innerhalb des Schützenvereins neben der Hubertuskompanie, der bis dahin als Gründungskompanie prinzipiell alle Mitglieder angehört hatten. An der Organisation des großen Zonser [[Stadtfest 1904|Stadtfestes 1904]] aus Anlass der Verleihung des [[Stadtwappen]]s beteiligte sich auch der Schützenverein, denn der Vereinsvorstand wirkte aktiv im Festausschuss mit und trug damit zum Gelingen des Festes bei.&amp;lt;ref&amp;gt;NGZ vom 18. Juli 1904.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geringe Mitgliederzahl des Vereins von etwa 30 Personen in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war ein wesentlicher Grund dafür, dass man großen Wert auf die Teilnahme aller Mitglieder bei den Festzügen und Fronleichnamsprozessionen legte. Für unerlaubtes Fehlen setzten die Mitglieder im Februar 1907 die für damalige Verhältnisse nicht unerhebliche Strafe von 50 Pfennig fest. Die Umzüge hat man sich in den frühen Jahren hinsichtlich der Kleidung nicht als einheitlich wie heute vorzustellen. Das ein oder andere Mitglied, möglicherweise sogar der größte Teil der Schützen, hat wahrscheinlich etwas improvisieren müssen. Hierfür spricht auch, dass im Februar 1907 entschieden wurde, es stehe jedem Mitglied frei, sich einen Schützenhut anzuschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 9. Stiftungsfest der Schützengesellschaft am 21. Juli 1907 verlief ähnlich wie die vorherigen. Das Zusammentreffen im Festlokal am Vorabend wurde diesmal auch gezielt dazu genutzt, Kommando- und Gewehrübungen für den Festtag durchzugehen. Bei den benutzten &amp;quot;Waffen&amp;quot; handelte es sich allerdings nur um Holzattrappen. Einzig am Schießstand hielt der Verein jeweils zwei oder drei funktionstüchtige Büchsen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, LA Neuss 705.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Festtag kam es zu einem unvorhersehbaren &amp;quot;Zwischenfall&amp;quot;: [[Bürgermeister]] [[Nicolaus Kohl|Kohl]] veranlasste während des Schießens in heiterster Laune einen Umzug durch die Stadt mit Musik, dem Königspaar sowie einigen Mitgliedern und Ehrenmitgliedern, was zur Folge hatte, dass der Verein nach dem Königsschuss ohne Musik abziehen musste. Doch trafen beide Gruppen wieder glücklich am Schulplatz zusammen, wo sich die Mitglieder dann auf einem Karussell vergnügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Jahreshälfte 1907 zeichnete sich bereits eine Entwicklung ab, die den Verein in den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges spürbar beeinflussen sollte: die mangelhafte Beteiligung an den Vereinsveranstaltungen. So wurde zwar im September 1907 ein Ehrenpreisschießen für die Mitglieder und Ehrenmitglieder mit recht bedeutenden Preisen abgehalten, doch die Teilnehmerzahl ließ zu wünschen übrig. Da auch bei einer Generalversammlung im Oktober des Jahres nur wenige Mitglieder erschienen, sah man sich veranlasst, 20 Pfennig Strafe bei Nichterscheinen auf diesen vierteljährlichen Versammlungen festzulegen. 1913 wurde das Strafgeld auf 50 Pfennig bei zweimaligem Fehlen erhöht. Der Verein behielt sich für diesen Fall sogar alternativ den Ausschluss des Mitglieds vor. Als der Vorstand 1912 feststellen musste, dass die Beteiligung auswärtiger Schützen an den Vereinsveranstaltungen ebenfalls gering war, was sich nachteilig auf die Vereinskasse auswirkte, entschied die Generalversammlung, zukünftig keine fremden Vereine mehr zu den Stiftungsfesten einzuladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschwerend kamen seit 1908 auch Unstimmigkeiten mit den Inhabern der Lokale, in deren Räumlichkeiten die Festveranstaltungen stattfanden, hinzu, wohl in erster Linie wegen zu hoher Geldforderungen an den Verein. In der Konsequenz schlug der Vorstand auf einer Generalversammlung im August des Jahres vor, ein vereinseigenes Schützenzelt anzuschaffen. Das Zelt stand dann beim Stiftungsfest 1909 tatsächlich erstmals zur Verfügung. Das Festlokal, in dem die restlichen Veranstaltungen abgehalten werden sollten, wurde in diesem Jahr, da man sich nicht einigen konnte, durch das Los bestimmt. In den folgenden Jahren wechselte das Lokal jährlich. Das [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Gasthaus &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;]] von [[Johann Hahn]] diente in diesen frühen Jahren als Vereinslokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Versammlung im August 1908 machte der Vorsitzende Wilhelm Peters erstmals den Vorschlag, eine &amp;quot;Vereinssparkasse&amp;quot; zu gründen: Die Mitglieder sollten wöchentlich Geld einzahlen, das ihnen einen Tag vor dem Stiftungsfest ausgezahlt wird, wodurch man einen stärkeren Zusammenhalt und ein lebhafteres Stiftungsfest erzielen wollte. Erst nachdem dieser Vorschlag mehrere Male vorgebracht worden war, kam es 12 Jahre später, 1920, zur Einrichtung einer solchen Kasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsfest des Jahres 1909, das Jahr, in dem der Verein erstmals ein Zelt auf dem Schützenplatz aufstellen ließ, wurde durch eine &amp;quot;Laune der Natur&amp;quot; übel beeinträchtigt: Als am 18. Juli das Königs- und Preisvogelschießen bereits im Gange war, bekamen die Teilnehmer aufgrund des steigenden Rheinhochwassers plötzlich nasse Füße – das Schießen fand damals also bereits auf dem heutigen Schützenplatz statt, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht durch einen Deich geschützt war (der Deich wurde erst 1928-30 gebaut). Innerhalb kurzer Zeit errichteten die Teilnehmer daher eine Bühne, zu der der Zonser Maurermeister Heinrich Lenden seine Ausrüstung kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Dann wurde das Schießen &amp;quot;über Wasser&amp;quot; zu Ende geführt. Schützenkönig wurde letztlich Jakob Görgens, der jedoch bereits König gewesen war, weshalb er den Titel seinem Sohn Albert übertrug. Bei der Nachmittagsparade trat erstmals die in diesem Jahr neu gegründete jugendliche &amp;quot;Tellkompanie&amp;quot; an die Öffentlichkeit. Sie sollte fortan für mehrere Jahrzehnte eine Art &amp;quot;Übergangsstation&amp;quot; für Neumitglieder bilden. So wurde auf einer Generalversammlung im August 1913 der Beschluss gefasst, dass Personen ab 16 Jahren in den Schützenverein eintreten durften, doch die jungen Leute sollten zunächst der Tellkompanie beitreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Schießen anlässlich des Stiftungsfestes am 16. Juli 1911 gestaltete sich wieder etwas problematisch. Nachdem [[Bürgermeister]] [[Albert Granderath]] den üblichen ersten Schuss für [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich) Kaiser Wilhelm II.] abgegeben hatte, schossen die Mitglieder zunächst eine Weile abwechselnd auf den Vogel. Da dieser jedoch nicht fallen wollte, musste er durch ein leichteres Modell ausgetauscht werden. Der erfolgreiche Schütze Heinrich Gilgen, Mitglied der Tellkompanie, war noch zu jung für den Königsthron, so dass sein Vater Peter Gilgen zum König proklamiert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon erwähnt, feierten die Zonser Schützen das Stiftungsfest 1913 nach einem gemeinsamen Beschluss der Mitglieder erstmals ohne auswärtige Schützenabordnungen. Dafür beteiligten sich an der Nachmittagsparade am 13. Juli, die übrigens bereits wie heute vor dem [[Feldtor]] stattfand, erstmals der [[Kriegerverein]] und die [[Feuerwehr|Freiwillige Feuerwehr]] aus Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schützenfest am 12. Juli 1914 war das letzte große Fest der Schützengesellschaft vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Nachdem der Krieg am 1. August des Jahres seinen Anfang genommen hatte, wurde &amp;quot;die Mehrzahl der Mitglieder zu der Waffe zu Kaiser und Reich einberufen&amp;quot;, wie der Schriftführer Josef Malzburg im Protokoll anmerkt. In den Jahren des Krieges ruhten die Vereinsgeschäfte vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 29. Januar 1918, bereits etwa 10 Monate vor der Waffenstillstandserklärung, die den kriegerischen Vorgängen ein Ende setzte, hielt Josef Malzburg die Zeit für gekommen, die schweren Verluste des Krieges in seiner Sichtweise (in einer etwas schwerfälligen Schriftsprache) zu resümieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Vom Weltkriege 1914, 15, 16, 17, 18. Wo das Deutsche Reich, Rings von Feinde betroht stand, und für Heimat und Reich gegen unßere Feinde kämpfte, und so die Geschäfte des Vereins in dießen schweren Jahren ruhte. So starb manches treuere Mitglied auf dem Felde der Ehre für die liebe Heimat zu Kaiser und Reich.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgen hier die Namen der gefallenen Vereinsmitglieder:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wilhelm Blömacher, geboren in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_(K%C3%B6ln) Köln-Nippes] am 28. Dezember 1891, gefallen am 5. November 1914 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Comines-Warneton Warnetou]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Josef Lessenich, geboren in Zons am 17. November 1874, gestorben am 6. September 1915 im Kriegslazarett in [https://de.wikipedia.org/wiki/Lublin Lublin]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Peter Reusrath, geboren in [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] am 20. Oktober 1890, gefallen am 30. Juli 1915 bei Recoschinze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wilhelm Scheer, geboren in Zons am 25. Februar 1890, gefallen am 1. Oktober 1915 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Souchez Souchez]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Hubert Richrath, geboren in Zons am 28. März 1884, gefallen am 21. Juli 1916 an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Somme Somme]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Arnold Worringen, geboren in Zons am 5. Februar 1890, seinen Wunden erlegen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt_am_Main Frankfurt/M.] am 2. Mai 1916&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jakob Cremer, geboren in Zons am 3. September 1897, seinen Wunden erlegen im Lazarett in [https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherstadt_Wittenberg Wittenberg] am 29. August 1917&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Johann Longerich, geboren in Zons am 17. September 1890, gefallen am 25. September 1916 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Morval_(Pas-de-Calais) Morval]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jakob Marx, geboren in Zons am 15. Mai 1892, gefallen am 25. März 1918 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_(Somme) Albert]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Johann Schmitz, keine näheren Angaben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Daten sind anhand eines Gefallenenzettels ergänzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt sind [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|38 Zonser Soldaten]] im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen bzw. später ihren schweren Verletzungen erlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== In den Jahren der Weimarer Republik 1919–1932 ===&lt;br /&gt;
Als sich die noch lebenden Mitglieder der Schützengesellschaft am 31. August 1919 erstmals nach dem Krieg im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Lokal]] von [[Heinrich Schönen]] in der [[Feldstraße]] zu einer Generalversammlung trafen, war dies eine Wiederbelebung des Vereins unter veränderten politischen Bedingungen: Mit der Abdankung [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich) Kaiser Wilhelms II.] am 9. November 1918 war die Zeit des Kaiserreichs zu Ende gegangen, und an dessen Stelle war die Demokratie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Republik Weimarer Republik] getreten. Britische, schottische und belgische Soldaten waren als Besatzungstruppen seit der Jahreswende 1918/19 in Zons abwechselnd stationiert und beeinflussten das städtische Leben seitdem spürbar. Die Jahre des Ersten Weltkrieges hatten beim Schützenverein deutliche Spuren hinterlassen, und die neuen politischen Bedingungen sollten das Vereinsleben nicht unwesentlich beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der ersten Generalversammlung am 31. August 1919 war nur noch die Hälfte der Schützen erschienen. Mit den 10 Gefallenen des Weltkriegs hatte der Verein etwa ein Drittel seiner Mitglieder verloren. In Trauer gedachten die Versammlungsteilnehmer dieser Männer, indem sie sich von ihren Stühlen erhoben. Da der Vorstand nicht mehr vollzählig war, nahm die Versammlung anschließend eine komplette Neuwahl vor, mit dem Ergebnis, dass nur der zweite Vorsitzende in seinem Vorstandsposten verblieb. Der Verein ging somit hinter einem fast völlig erneuerten Vorstand in eine weitere Entwicklungsphase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Stiftungsfest nach dem Ersten Weltkrieg konnte die St. Hubertus-Schützengesellschaft dank der Genehmigung der belgischen Besatzung am 23./24. Mai 1920 mit bestimmten Einschränkungen feiern. Das Fest begann nachmittags um 16 Uhr mit einem Schießen am Kugelfang des [[Gaststätte &amp;quot;Altes Zollhaus&amp;quot;|Hotels]] [[Josef Weiler]]. Nach dem ersten Schuss durch den Vorsitzenden Jakob Görgens wurden zunächst einige Preissterne ausgeschossen. Im Anschluss begann das Königsvogelschießen. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass niemand gewillt war, König zu werden. Nach einer etwas längeren Diskussion entschloss sich daher der ehemalige Vorsitzende Heinrich Gilgen, den Vogel für seinen Sohn Heinrich, der nicht anwesend war, herunterzuschießen. Im Anschluss an das Königsschießen begann ein Preisvogelschießen, das sich bis zum Abend hinzog. Am nächsten Morgen war nach dem traditionellen Wecken um 9 Uhr gemeinsamer Kirchgang, woran sich die übliche Paradeaufstellung auf dem [[Kirchplatz]] und eine Rede des [[Pfarrer]]s [[Ludolf Schmitz|Ludolf Schmitz]] anschloss. Dann zogen die Mitglieder zum Schützenplatz, um erneut ein Preisschießen abzuhalten. Als die Schützen den Wettkampf beginnen wollten, verbot jedoch die Besatzung das Schießen. Daher waren die Kompanien gezwungen, ihre Preise zu verlosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 12 Uhr fand die Proklamation des neuen Schützenkönigs und im Anschluss der geschlossene Zug zu dessen Wohnung statt. Um 15 Uhr wurden wieder erstmals auswärtige Vereine zur Unterstützung des traditionellen Festzuges um 16 Uhr empfangen. Das Fest endete mit Tanzlustbarkeiten und einem großen Krönungsball im Festlokal bis spät in die Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der folgenden Generalversammlung im Oktober 1920 einigten sich die Mitglieder, das Stiftungsfest zukünftig wieder am zweiten Sonntag im Juli stattfinden zu lassen. Doch sollte als Erweiterung auch der Montag mitgefeiert werden. Zudem entschieden die Mitglieder, erstmals auch zur Spätkirmes an die Öffentlichkeit zu treten. Die Spätkirmes vom 2.–4. Oktober 1921 bot dazu erstmals die Gelegenheit: Am Sonntag und Montag veranstaltete der Verein Festzüge mit anschließender Parade vor dem Schützenkönig. Ferner wurden an diesen beiden Tagen Tanzvergnügen, Preisschießen und ein Festball abgehalten. Am Kirmesdienstag fand als besonderer Abschluss ein Schützenball statt, der sogar, wie der Protokollant anmerkt, &amp;quot;bis auf den letzten Platz besetzt war&amp;quot;. Dieses Festprogramm behielt der Verein im Wesentlichen auch bei den folgenden Spätkirmessen bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Besatzungsbehörde die traditionelle Form des Königsvogelschießens anlässlich des Stiftungsfestes 1921 nicht genehmigt hatte, mussten sich die Mitglieder am Festmontag, dem 11. Juli, gezwungenermaßen im &amp;quot;Hahnenköppen&amp;quot; messen: Bei diesem Wettbewerb wird mit verbundenen Augen versucht, mittels eines Säbels den Kopf vom Rumpf des leblosen, aufgehängten Tieres zu trennen. Es kam zu einem recht langatmigen &amp;quot;hin und her-Schlagen&amp;quot;, doch schließlich gelang Heinrich Gilgen von der Tellkompanie der entscheidende Hieb. Am Nachmittag fand erstmals eine Montags-Parade und in den Abendstunden ein großer Königsball statt. Bei diesem Stiftungsfest trat ein von Vereinsmitgliedern ins Leben gerufenes Schüler-Tambourcorps erstmals öffentlich auf. Aus dieser Schülergruppe sollte wenig später (1924) das heutige [[Tambourcorps]] hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitglieder waren vom &amp;quot;Hahnenköppen&amp;quot; nicht sonderlich angetan, und so begrüßten sie es, als der Vorstand auf einer Generalversammlung im April 1922 erklärte, er werde um die behördliche Erlaubnis bitten, in diesem Jahr wieder das traditionelle Königsschießen veranstalten zu dürfen – mit Erfolg, wie sich zeigen sollte. Doch es wurde auf dieser Versammlung auch die etwas weniger erfreuliche Kleidungsfrage wieder aufgegriffen, und zwar mit etwas schärferem Unterton als bisher: Mitgliedern, die ohne guten Grund nicht in Uniform an den Festzügen teilnahmen, drohte nun der Ausschluss aus dem Verein – eine rigorose Maßnahme, dem Festzug ein attraktiveres und einheitlicheres Erscheinungsbild zu geben. Vielleicht geschah dies auch bereits im Hinblick auf das 25-jährige Jubelfest der Schützengesellschaft im Jahr 1924, bei dem Schützen ohne Uniform – diesmal auch bei noch so guter Begründung – nicht mehr geduldet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung im Dezember 1922 befasste sich erstmals eingehender mit der Idee, eine Krieger-Gedenkkapelle auf dem [[Friedhof]] zu errichten. Die Gräber der Gefallenen sollten so versetzt werden, dass sie die Kapelle umrahmen. Außerdem wurde die Anlage eines &amp;quot;Ehrenfriedhofs&amp;quot; diskutiert. Zu diesen Zwecken sollten ausschließlich bei Vereinsmitgliedern Gelder eingezogen werden, und zwar ein Festbetrag, der beliebig überboten werden konnte. Das Projekt litt in den folgenden Monaten erheblich unter der sich rasch verschlimmernden Inflation, die in der zweiten Hälfte des Jahres 1923 ihren Höhepunkt erreichen sollte und mit dazu führte, dass der Verein in diesem Jahr das Stiftungsfest ausfallen lassen musste. Ein weiterer Grund für den Ausfall des Festes ist vermutlich in einer behördlichen Verordnung vom Juli des Jahres zu sehen, nach der &amp;quot;alle Versammlungen unter freiem Himmel einschließlich aller Umzüge wegen unmittelbarer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit für das Gebiet des Freistaats Preußen bis auf weiteres verboten&amp;quot; wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Walter M. Plett: &#039;&#039;Die Schützenvereine im Rheinland und in Westfalen 1789–1939&#039;&#039; (Beiträge zur Heimatpflege im Rheinland, Bd. III), Köln 1995, S. 244.&amp;lt;/ref&amp;gt; Man befürchtete in dieser Zeit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrbesetzung Ruhrbesetzung] bürgerkriegsähnliche Ausschreitungen. Bereits kurz darauf folgte jedoch wieder die schrittweise Aufhebung der Verordnung.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG018.jpg|300px|thumb|right|Anzeige zur Einweihung der Zonser Kriegergedächtniskapelle in der NGZ vom 4. August 1923.]]&lt;br /&gt;
Trotz der Inflation gelang es den Mitgliedern im Juli/August 1923, den Kapellenbau zu realisieren: Am 5. August 1923, einem schönen Sommertag, konnte die feierliche Einweihung der [[Kriegergedächtniskapelle]] begangen werden: Nachmittags gegen 15:30 Uhr versammelten sich die Mitglieder und Ehrenmitglieder des Vereins, Angehörige der gefallenen Mitglieder und andere geladene Vereine und Ehrengäste, um unter Trauermärschen zum [[Friedhof]] zu ziehen. Nach einer kurzen Ansprache legte der Vorsitzende Heinrich Gilgen an der Kapelle einen Kranz im Namen des Vereins nieder. Der Vertreter der Gemeinde tat es ihm gleich. Es folgten Ansprachen von Ehrengästen, Gesangsdarbietungen der beiden Zonser Gesangsvereine und Gedichtvorträge. Die feierliche Einweihung der Kapelle führte der Zonser [[Pfarrer]] [[Ludolf Schmitz]] durch. Im Anschluss zogen die Teilnehmer in das [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Lokal &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;]] von [[Peter-Josef Schmitz]], wo bis zum späten Abend ein Konzert veranstaltet wurde. Der Schützenverein übergab die Kapelle, um deren Bau sich vor allem der Vorsitzende Heinrich Gilgen bemüht hatte, der Gemeinde Zons, damit sich diese um deren Erhaltung kümmere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsfest des Jahres 1924 bildete gleichzeitig das 25-jährige Jubiläumsfest des Vereins. Aus den genannten Gründen hatte man die Jubiläumsfeierlichkeiten um ein Jahr verschieben müssen. An diesem großen Stiftungsfest nahm erstmals der in diesem Jahr gegründete Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; teil. Da das Fest in seinem Programmablauf gleichsam das &amp;quot;Muster&amp;quot; für die folgenden Stiftungsfeste bildete, folgt hier der Ablauf in der Übersicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:*12. Juli abends Fackelzug und bengalische Beleuchtung anschl. Versammlung und Einzug der Mitgliedsbeiträge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:*13. Juli 5 Uhr: Wecken, 9 Uhr: Kirchgang, anschließend Paradeaufstellung auf dem Kirchplatz und Festansprachen von Pfarrer und 1. Vorsitzenden, anschließend Zug zum Friedhof und Kranzniederlegung an der Kapelle, anschließend Preisschießen auf dem Schützenplatz; 15 Uhr: Empfang auswärtiger Vereine, anschließend Festzug durch die Stadt, dann Ehrung der Jubilare, anschließend Preisschießen und Tanzvergnügen in allen Lokalen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:*14. Juli 9 Uhr: Kirchgang, anschließend Königsschießen, dann Proklamation des neuen Königs, 15 Uhr: Festzug durch die Stadt und Parade vor König und Hofstaat, 20 Uhr: Großer Krönungsball&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG019.jpg|300px|thumb|right|Anzeige zum Fest des 25. Stiftungsfest der St. Hubertus-Schützengesellschaft in der NGZ vom 12. Juli 1924.]]&lt;br /&gt;
Im Juli 1926 erklärte das Zonser [[Tambourcorps]] seinen Austritt aus der Schützengesellschaft. Der Grund wird zwar nicht mitgeteilt, doch da der Verein auf einer Generalversammlung im September den Beschluss fasste, das Corps unentgeltlich wieder aufzunehmen, werden finanzielle Gründe den Ausschlag gegeben haben. Bereits im Mai des Jahres war das Tambourcorps Gegenstand einer Generalversammlung gewesen. Bei der Versammlung war festgelegt worden, dass Arnold Bechlenberg und Heinrich Ohligschläger das Tambourcorps gegen eine Bezahlung von 3 Mark aus der Vereinskasse weiter ausbilden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Aufzeichnungen des Jahres 1926 taucht erstmals eine &amp;quot;Kinderbelustigung&amp;quot; auf. Sie wurde am Schützenfestmontag, dem 12. Juli, im Anschluss an die Nachmittagsparade von der Zonser [[Lehrer|Lehrerschaft]] durchgeführt: Die Kinder beteiligten sich an kleineren Spielen oder Wettkämpfen, wobei sie Süßigkeiten oder Spielzeug gewinnen konnten. Die Kinderbelustigung war jedoch nicht das einzige Novum beim Schützenfest 1926: Erstmals übergab die Schützengesellschaft in diesem Jahr den Ausschank auf dem Schützenplatz an eine Zonser Wirtin. Die Witwe [[Franz Kappes]] ([[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;|Gasthof &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]]) hatte sich bereiterklärt, auf eigene Verantwortung ein Zelt aufzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ein Vorstandsmitglied im September 1926 anlässlich einer Generalversammlung den Vorschlag machte, den Hubertustag als &amp;quot;Familienfest&amp;quot; für den ganzen Schützenverein in der [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;]] von [[Heinrich Schönen]] in der [[Feldstraße]] zu feiern und auf diese Weise dem Patronatstag als Vereinsfeiertag wieder eine besondere Bedeutung zu geben, stieß dies auf großes Interesse. Jedes Mitglied sollte 50 Pfennig Eintritt zahlen. Ob der Verein den Hubertustag auch in den folgenden Jahren auf diese oder ähnliche Weise feierte, ist leider nicht bekannt. Im Dezember führte der Verein auch erste Vorbesprechungen bezüglich eines &amp;quot;Preis-Maskenballs&amp;quot; am Fastnacht-Dienstag 1927. Es gab also 1926 deutliche Bestrebungen, die Zahl der Vereinsveranstaltungen zu erhöhen. Nicht zu verschweigen ist, dass auch die Kompanien bereits seit frühester Zeit eigene Veranstaltungen wie beispielsweise Preiskegeln und Maskenbälle veranstalteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein bemühte sich auch um eine engere Zusammenarbeit mit Nachbarvereinen, zu welchem Zweck der Vorsitzende Heinrich Peters im Dezember 1926 die Gründung einer größeren &amp;quot;Schützen-Gemeinschaft&amp;quot; vorschlug. Auch wenn diese Vereinigung nicht zustande kam, nahm der Vorschlag doch immerhin gedanklich die Entwicklung des Jahres 1928 vorweg: Am 27. Februar 1928 wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] die &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%Bctzenbruderschaften Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus]&amp;quot; gegründet, mit dem Zweck, die Ziele des Bruderschaftswesens im Rheinland und in Westfalen durch engere Zusammenarbeit leichter zu erreichen. Gründer und Generalpräses der Erzbruderschaft war der Pfarrer von [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%Bcrrig Leverkusen-Bürrig] [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Dr. Peter Louis] – er wird uns in der Vereinsgeschichte noch einige Male begegnen. Bereits am Gründungstag traten fast 300 Schützenbruderschaften und Schützengesellschaften dem Verband bei. Am 17. März 1929 wurde auch die St. Hubertus-Schützengesellschaft in den Verband aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitgliederzahl der Schützengesellschaft nahm in den 1920er Jahren deutlich zu. Zählte der Verein 1920 noch 38 Mitglieder, so stieg sie bis 1927 auf 87 Personen. Die Teilnahme auswärtiger Schützenvereine verlor dadurch an Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Generalversammlung im Mai 1927 wurde der Vorschlag gemacht, künftig auch die Frühkirmes für eine Vereinsveranstaltung zu nutzen. Die Versammlung zeigte sich interessiert und entschied sich für ein Preisschießen zugunsten des geplanten Kriegerdenkmals. Mehrere Mitglieder spendeten zu diesem Zweck Preise. Das Projekt &amp;quot;Kriegerdenkmal&amp;quot; konnte der Verein jedoch nie verwirklichen. Erst 1962 wurde auf Betreiben der Gemeinde auf dem Friedhof ein kleiner Ehrenfriedhof mit einem Gefallenendenkmal angelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein plante 1927 nicht nur die Errichtung eines Kriegerdenkmals, sondern auch die Anschaffung eines neuen Schießstandes. Das dazu nötige Geld sollte in Form einer besonderen Abgabe von den Wirten eingezogen werden, die von den Vereinsveranstaltungen profitierten. Dass der Verein diese Möglichkeit überhaupt erwog, lässt erkennen, wie groß die wirtschaftliche Bedeutung des Schützenvereins für das städtische Schankgewerbe war; ein Umstand, den der Verein nicht selten zu seinen Gunsten nutzen konnte, manchmal aber auch zum Gegenstand heftiger Kontroversen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsfest des Jahres 1927 feierte der Verein auf die übliche Weise. Diesmal führte man jedoch eine besonders originelle Neuerung ein: Nach dem Wecken am Sonntagmorgen, dem 10. Juli, fand ein kleines Konzert auf dem [[Rheinturm]] statt. Diese musikalische Darbietung &amp;quot;über den Dächern der Stadt&amp;quot; dürfte ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Jedenfalls sollte dies nicht das letzte &amp;quot;Weckkonzert&amp;quot; auf dem Turm gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile hatten auch die Feierlichkeiten anlässlich der Spätkirmes erheblich zugenommen. Auf einer Generalversammlung im August 1927 einigten sich die Mitglieder auf gleich zwei Bälle in verschiedenen Lokalen am Kirmessonntag, zudem einen Königsball und einen abendlichen Fackelzug am Kirmesdienstag und Preisschießen jeweils am Sonntag und Montag. Auch wurde die Neugründung von Kompanien und damit eine Erhöhung der Mitgliederzahl angestrebt: Als ein Mitglied anlässlich einer Versammlung im September 1927 den Vorschlag machte, eine &amp;quot;Jugendkompanie&amp;quot; für jugendliche Schützen zu gründen, war diese Überlegung aber nicht neu: Der zweite Vorsitzende Alfons Stein hatte sich bereits länger mit dem Gedanken befasst. Es sollte dann aber erst 1934 zur Gründung einer solchen Kompanie unter dem Namen &amp;quot;Jungschützenkompanie&amp;quot; kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Schützenfest-Krönungsball der St. Hubertus-Schützengesellschaft am 8. Juli 1928 nutzten die Mitglieder für einen guten Zweck: Sie riefen zu Geldspenden für neue [[Glocken]] für die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|katholische Pfarrkirche St. Martinus]] auf. Zwei Glocken waren während des Ersten Weltkriegs zu Kriegszwecken eingeschmolzen worden. Kurz nach dem Krieg hatte die Gemeinde mit großem Engagement mit Sammlungen für neue Kirchenglocken begonnen. Nachdem eine nicht unwesentliche Summe angesammelt worden war und bereits erste Anzahlungen bei der Glockengießerei eingetroffen waren, ließ dann die Inflation 1922/23 alle Hoffnungen zerplatzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit der Sammlung anlässlich des Krönungsballs der St. Hubertus-Schützengesellschaft am 8. Juli 1928, die die stattliche Summe von 130 Reichsmark einbrachte, wurde das Vorhaben wieder aufgegriffen. Es folgten monatliche Haussammlungen, an denen sich neben einigen weiteren Zonser Vereinen auch die Mitglieder des Schützenvereins und zahlreiche Privatpersonen beteiligten. Die Hohenzollernkompanie veranstaltete Theaterabende zugunsten der Glocken. Am 18. Mai 1931 schließlich konnte eine westfälische Gießerei drei Glocken für die Zonser Kirche herstellen. Die kirchliche Weihe fand am 28. Juni in sehr feierlichem Rahmen und unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1928 diente dem Verein, der sich in diesem Jahr durch die Neugründung einer &amp;quot;Marinekompanie&amp;quot; vergrößern konnte – die Statuten der Kompanie sind mit &amp;quot;August 1928&amp;quot; datiert –, der [[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;|Gasthof &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]] von [[Carl Gatys]] als Vereinslokal. Traditionell nahm an den Schützenfestumzügen auch eine Musikkapelle unter der Leitung von Peter Eich aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] teil, auch wenn sie 1929 erstmals in den Protokollen auftaucht. Die Kapelle sollte über viele Jahre eine zuverlässige Unterstützung für den Zonser Verein bleiben, und sie erhielt 1937 für die 25. Teilnahme eine besondere Ehrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 1929 hatte der Verein das Schießen ohne Kugelfang veranstaltet. In diesem Jahr sah sich die Behörde jedoch zum Eingreifen veranlasst und gestattete die weitere Benutzung des Schießstandes nur noch im Falle der Beseitigung dieses aus sicherheitspolizeilicher Sicht höchst bedenklichen Zustands. Daher beauftragte der Verein im März 1930 den Zonser Schlossermeister [[Wilhelm Fleischhauer]] mit dem Bau dieser Vorrichtung, nachdem sich auch [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken]] um die Angelegenheit bemüht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG020.jpg|300px|thumb|right|Die 1928 gegründete Marine-Kompanie 1929/30.]] &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG021.jpg|300px|thumb|right|Der 1924 gegründete Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; ca. 1928.]]&lt;br /&gt;
An einer Delegiertenversammlung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%BCtzenbruderschaften Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus] in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] am 20. Oktober 1929 nahmen laut Beschluss einer Generalversammlung vom September des Jahres die Vereinsmitglieder Peter Wingerath und Jakob Görgens teil. Wichtige Beschlüsse der Vereinsmitglieder des Jahres 1929 zielten dahin, die Vereinsveranstaltungen etwas stärker zu reglementieren: Erstens sollten laut Beschluss vom Oktober des Jahres zukünftig alle Mitglieder an der Kommunion für die Verstorbenen und Gefallenen des Vereins anlässlich des Hubertustages uniformiert teilnehmen, wobei ihnen im Falle des Nichterscheinens eine Geldstrafe von einer Mark drohte. Zweitens untersagte der Verein den Kompanien auf dieser Versammlung ausdrücklich, ihr jeweiliges Stiftungsfest mit einem Umzug zu veranstalten, es sei denn, es handele sich dabei um ein Jubiläumsfest oder das Fest der Fahnenweihe – eine Bestimmung, die noch heute Gültigkeit besitzt. Offenbar fürchteten die Mitglieder zurecht eine Art &amp;quot;Zersplitterung&amp;quot; des Schützenvereins, wenn Kompanien sich bemühten, selbstständig besonders öffentlich in Erscheinung zu treten, und sich in diesem Vorhaben möglicherweise gegenseitig Konkurrennz machten. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken und im Gegenteil eine stärkere Verbindung unter den Kompanien zu fördern, legten die Mitglieder fest, dass keine Kompanie ihr Stiftungsfest ohne die Mitwirkung des Vereins veranstalten dürfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG022.jpg|300px|thumb|right|Das 1924 gegründete Tambourcorps ca. 1928.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG023.jpg|300px|thumb|right|Die 1909 gegründete Tellkompanie um 1928.]]&lt;br /&gt;
Im Dezember 1929 führte die Schützengesellschaft ein &amp;quot;Sterbegeld&amp;quot; zugunsten der Beerdigung verstorbener Mitglieder ein: Starb ein Schützenbruder, musste jedes Mitglied künftig 50 Pfennig in die Vereinskasse zahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Generalversammlung im März 1930 wählten die Teilnehmer erstmals einen Schießmeister und einen Stellvertreter. Beide sollten jeweils im 2-Jahres-Turnus neugewählt werden. Diese Neuerung war notwendig geworden, da man die aufgetretenen Unregelmäßigkeiten am Schießstand künftig unterbinden wollte. Als im April des Jahres auch ein Schützenoberst und ein Major gewählt werden sollten, meldete sich wegen der damit verbundenen Kosten niemand freiwillig, so dass der Tagesordnungspunkt zurückgestellt werden musste. Hierin spiegelt sich deutlich die wirtschaftlich desolaten Umstände der Zeit ([https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise Weltwirtschaftskrise]) wider: Am 25. Oktober 1929, dem &amp;quot;Schwarzen Freitag&amp;quot;, war es zum &amp;quot;Zusammenbruch&amp;quot; der New Yorker Börse gekommen, was in der Folge zu einer gewaltigen Massenarbeitslosigkeit im Deutschen Reich führte, die 1932 die 6-Millionen-Grenze erreichen sollte. Auch das &amp;quot;Schützen- und Volksfest&amp;quot; des Jahres 1930, das die St. Hubertus-Schützengesellschaft vom 12. bis zum 14. Juli veranstaltete, ließ die desolate Wirtschaftslage erkennen. Es folgt der originale Protokolltext. In ihm spiegelt sich eine trotz der widrigen Zeitumstände spürbare &amp;quot;Schützenbegeisterung&amp;quot; wider, wie sie der Protokollant empfand. Mit einem besonderen Sprachgefühl gab der protokollant der Schilderung einen sehr feierlichen Anstrich. Der besseren Lesbarkeit halber wurden hier aber grammatikalische und orthografische &amp;quot;Unreinheiten&amp;quot; beseitigt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;quot;In althergebrachter Weise wurde unser diesjähriges Stiftungsfest eingeleitet durch einen Fackelzug, welcher am Abend des 12. Juli bei einbrechender Dunkelheit durch die Straßen unseres Städtchens zog. Die Bevölkerung und Umgegend war nachmittags schon durch donnernde Böllerschüsse auf das Bevorstehende aufmerksam gemacht worden. Im Anschluß an den Fackelzug, welcher sich im Saale des Herrn Peter Jos. Schmitz auflöste, fand die letzte Generalversammlung statt, wo unser Vorsitzender Herr Heinrich Peters alle Mitglieder ermahnte, ihre letzte Kraft für ein gutes Gelingen des schon Eingeleiteten zur Verfügung zu stellen, und die letzten Funktionen erteilte. Als die Musik ertönte und das Tanzbein auf seine Kosten kam, flohen die Stunden so dahin, und manch einer vergaß, sein heimatliches Gefilde aufzusuchen, um sich die Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, an dem Weckruf teilzunehmen, wodurch den Einwohnern angedeutet wurde, daß der 2. Tag angebrochen war. Der inoffizielle Teil des Tages begann durch rege Anteilnahme der Schützen mit ihren Fahnen am feierlichen Hochamt. Nach diesem hielt der Ehrenvorsitzende Herr [[Johannes Klüwer|Pfarrer Klüwer]] vor versammelter Mannschaft auf dem [[Kirchplatz]] eine Gedenkrede und forderte alle Mitglieder auf, demjenigen zu folgen, der als Schutzpatron auf der Vereinsfahne verewigt sei. Auch gedachte er dem diesjährigen Schützenkönig Herrn Jakob Müllenberg mit einem dreifach donnernden Hoch, worin alle Schützen und Schaulustigen mit einstimmten. Nach dem üblichen Kommando setzte sich der Zug in Bewegung und machte seine Ehrenbezeugung vor kirchlicher und weltlicher Behörde, Vorsitzenden und Komiteemitgliedern, dann ging es im Gleichschritt zum Schützenplatz, wo der Zug seine Auflösung fand. Die darauf einsetzende Schießerei auf dem neu errichteten Schießstand bekundete, daß man am offiziellen Teil angelangt war. Nachmittags Empfang auswärtiger Vereine 3 ½ Uhr Kommandorufe, Antreten zum Festzug, der durch die schön geschmückten Straßen unseres Städtchens zog. Vor dem [[Feldtor]] hatte sich eine tausendköpfige Zuschauerzahl eingefunden, die wie alljährlich Zeuge sein wollte von der schön aufgezogenen Parade. Die Auflösung erfolgte mit einem Treugelöbnis, dem Schießsport weiter zu huldigen. Das anschließende Preisschießen dauerte bis zur einbrechenden Dunkelheit an. Tanzvergnügen wurde in den Sälen von Schmitz und Schönen abgehalten, die trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage sehr gut besucht waren.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG024.jpg|300px|thumb|right|Die 1925/26 gegründete Reiterkompanie um 1930.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG025.jpg|300px|thumb|right|Die 1930 gegründeten &amp;quot;Schillschen Offiziere&amp;quot; um 1932.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG026.jpg|300px|thumb|right|Oberst Arnold Bechlenberg mit seinen Adjutanten Heinrich Gilgen (links) und Jakob Busen Ende der 1920er Jahre in der Feldstraße.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG027.jpg|300px|thumb|right|Vorsitzender Heinrich Peters, erster Kassierer Josef Malzburg, Schützenkönig Peter Stotzem und Oberst Arnold Bechlenberg 1931/32.]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Montag begann mit einem Hochamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder des Vereins, wobei ein schlechter Besuch zu verzeichnen war, der letzten Endes darauf zurückzuführen ist, daß viele Mitglieder zur Arbeitsstätte geeilt waren, um da einen triftigen Grund anzugeben, um mittags wieder am Leben und Treiben teilnehmen zu können. Aus diesem Grunde zog auch ein sehr zusammengeschmolzener Zug zum Platz, in der Hoffnung, einen als Schützenkönig nach Hause begleiten zu können, der für den Verein fördernd sein könne. Als der Königsvogel hochgezogen wurde, wollte schon ein jeder wissen, wer der glückliche Schütze sei, aber durch den eintretenden Konkurrenzkampf wurden alle eines Besseren belehrt. Als Böllerschüsse verkündeten, daß der Meisterschuß gefallen sei, hieß der neue Schützenkönig Ludwig Zapfe. Die darauf einsetzende Pause zeigte eine Brüderlichkeit, die man bis dahin zu selten in Zons fand. Der zu Ehren des neuen Schützenkönigs stattgefundene Festzug und die Parade verliefen in mustergültiger Ordnung. Nebenbei verdient die Kinderbelustigung erwähnt zu werden, die im Anschluß an den Festzug stattfand. Nur schade, daß auf diesem Gebiet nicht mehr getan wurde, um den Kleinen einen alljährlich wiederkehrenden Freudentag zu bereiten. Abends fand dann im Lokal von Schmitz der Krönungsball statt, wo man bei Wein, Weib, Gesang und Tanz verharrte, bis das anbrechende Morgengrauen einen an die Alltagspflichten erinnerte.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Schützenfest nahmen übrigens – was der Protokollant verschweigt – erstmals die &amp;quot;Schillschen Offiziere&amp;quot; teil. Die erhebliche Zunahme der Mitgliederzahl machte eine Veränderung bezüglich der Mitgliedsbeiträge, die monatlich eingezogen wurden, zu Beginn des Jahres 1931 notwendig. Die Gelder, die bisher zentral erhoben worden waren, sollten zukünftig von den jeweiligen Kompanien erhoben und dem Kassierer übergeben werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG028.jpg|300px|thumb|right|Die Zuschauer einer Parade vor dem Feldtor 1928/29. Schützenkönig war in diesem Jahr Gottfried Erkelenz.]]&lt;br /&gt;
Auch in dem Protokoll zum Schützen- und Volksfest vom 11.–13. Juli 1931 finden sich wieder deutliche Hinweise auf die wirtschaftlich desolate Situation. So beginnen die Ausführungen mit den Worten: &#039;&#039;&amp;quot;Feste feiern ist in der heutigen schlechten Zeit eine Kunst. Daß man innerhalb der St. Hubertus-Schützengesellschaft diese Kunst beherrscht, bewieß das schön verlaufene Schützen- und Volksfest ...&amp;quot;&#039;&#039; An einer anderen Stelle verdeutlicht der Protokollant Jakob Blömacher die widrigen Zeitumstände recht anschaulich-amüsant: &#039;&#039;&amp;quot;Als der Königsvogel hochgezogen wurde und so von oben auf seine Peiniger herunter sah, hat sich manch einer nicht getraut, ihm etwas zuleide zu tun. Aber trotzdem wurde ihm tüchtig zugesetzt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung im April 1932 sprach sich vor diesem Hintergrund für eine Verkürzung des Schützenfestes auf zwei Tage aus. Bereits zwei Monate später folgte ein weiterer Beschluss, wonach das Fest mit der Hauptkirmes im Oktober zusammengelegt werden sollte. Einerseits sieht man hieran deutlich, wie sehr die Vereinsveranstaltungen in dieser Zeit beeinträchtigt wurden, andererseits zeigte sich der Schützenverein in dieser Situation als Vereinigung, die zur Aufrechterhaltung der Tradition auch nicht vor ungewöhnlichen Maßnahmen zurückschreckt. Die Möglichkeit, das Schützenfest ausfallen zu lassen, wurde offenbar gar nicht erst in Erwägung gezogen. Auch gab sich der Verein nun aus Rücksichtnahme auf die finanzielle Situation der Mitglieder etwas toleranter hinsichtlich der Kleidungsfrage: Kompanien, die eine Uniform besitzen, mussten diese bei den Umzügen tragen, hingegen wurde Kompanien oder Einzelpersonen ohne Uniform die Teilnahme nicht verwehrt, sondern ihnen wurde die Möglichkeit gegeben, mit weißer Hose, &amp;quot;Zivilrock&amp;quot; und Schützenhut mitzumachen. Kaum verwunderlich ist vor diesem Hintergrund auch der Ablauf des Königsvogelschießens bei der Hauptkirmes (1.–4. Oktober 1932): &#039;&#039;&amp;quot;Das Königsvogelschießen erinnerte an die bestehenden schlechten Zeiten und war langweilig, bis sich ein beherzter Schütze fand, und er machte dieser Mißstimmung ein Ende.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterm Hakenkreuz: Die Jahre 1933–1945 ===&lt;br /&gt;
Die Machtergreifung [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Adolf Hitlers] am 30. Januar 1933 brachte die radikale Beseitigung des parlamentarisch-demokratischen Systems der Weimarer Republik. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei NSDAP] bestimmte in der Folgezeit mittels ihrer zahlreichen Gliederungen das gesamte politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben. Mit dem Instrument der &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorl%C3%A4ufiges_Gesetz_und_Zweites_Gesetz_zur_Gleichschaltung_der_L%C3%A4nder_mit_dem_Reich Gleichschaltung]&amp;quot; erwirkte sie die Vereinheitlichung von Organisationen und Vereinen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Zonser St. Hubertus-Schützengesellschaft im Mai 1933 eine Generalversammlung abhielt, waren diese tiefgreifenden Veränderungen noch nicht spürbar. Auf der Tagesordnung standen Formalia wie die Vergabe des Bierzeltes beim kommenden Schützenfest und die Teilnahme der Hohenzollernkompanie an der Fronleichnamsprozession. Dass dies für lange Zeit das letzte Mal sein würde, dass Vereinsmitglieder an der Fronleichnamsprozession teilnehmen, war zu diesem Zeitpunkt noch niemandem bewusst. Am 1. Mai hatten Fahnenabordnungen des Vereins am Umzug anlässlich des von den Nationalsozialisten eingeführten &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Tag_der_nationalen_Arbeit Tag der nationalen Arbeit]&amp;quot; teilgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Schützen- und Volksfest&amp;quot; vom 22.–24. Juli des Jahres veranstaltete der Verein auf die übliche Weise. Doch verzichtete die Schützengesellschaft diesmal – ohne, dass die Gründe bekannt sind – auf die Teilnahme auswärtiger Schützen, was der Protokollant im Hinblick auf die Parade am Montagnachmittag nicht als problematisch bewertete: &amp;quot;Dieser Zug hat so richtig gezeigt, daß man auf die fremden Vereine verzichten kann und für die Zukunft des Vereins nicht zu bangen braucht.&amp;quot; Nach der Zugordnung gehörten der Schützengesellschaft zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Kompanien an: Hubertuskompanie, Tellkompanie, Hohenzollernkompanie, Marinekompanie, Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; und &amp;quot;Schillsche Offiziere&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Königsvogelschießen war in diesem Jahr außergewöhnlich kurz: Nach nur fünf Schüssen ging die Königswürde an Willy Hell. Im Anschluss an die Proklamation beglückwünschte [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken]] den neuen Schützenkönig im Namen der Gemeinde und sprach gleichzeitig ein Hoch aus auf &amp;quot;Vaterland, [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Hindenburg Reichspräsident von Hindenburg] und Volkskanzler Adolf Hitler und den neuen Schützenkönig&amp;quot;. Der neue &amp;quot;Geist der Zeit&amp;quot; sollte sich schon bald deutlicher zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend des 6. August 1933 fand auf Veranlassung der Ortsgruppe der NSDAP eine erweiterte Vorstandssitzung statt. Auf dieser nahm der [[Ortsgruppenleiter]] [[Franz Erkelenz]] die &amp;quot;Gleichschaltung&amp;quot; der Schützengesellschaft vor, indem er den Verein bereits auf wesentliche Punkte der allgemeinen Einheitssatzung verpflichtete. Der Vorsitzende trug demnach fortan die Bezeichnung &amp;quot;Vereinsführer&amp;quot;. Alle Vorstandsmitglieder verblieben in ihren Posten, während zwei weitere Personen – wohl auf &amp;quot;Anregung&amp;quot; des Ortsgruppenleiters – in den erweiterten Vorstand berufen wurden. Leider gibt der Protokolltext nicht den gesamten Inhalt der Sitzung wieder. Doch lässt sich Wesentliches aus dem Erwähnten erschließen: So ist festgehalten, dass der Ortsgruppenleiter auf Anfrage erklärt habe, [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] verbleibe auch weiterhin als Ehrenvorsitzender des Vereins. Diese Frage offenbart vor dem Hintergrund der folgenden Entwicklung, was der Protokolltext verschweigt: Der Ortsgruppenleiter forderte entsprechend der dem Gleichschaltungs-Programm zugrundeliegenden Ideologie die Loslösung des Vereins von religiösen Traditionen, auch wenn Erkelenz offenbar zu diesem Zeitpunkt noch keine Veranlassung sah, etwas an dem bisherigen Ehrenstatus des Geistlichen zu verändern. Die Partei verstand es, zur Durchsetzung dieses Vorhabens massiven Druck auf die Schützengesellschaft auszuüben. So drohte der Ortsgruppenleiter dem Vorsitzenden Heinrich Peters im Frühjahr 1934, wenn der Schützenverein sich an der bevorstehenden Fronleichnamsprozession beteilige und geschlossen Kirchgang halte, werde das Schützenfest verboten oder möglicherweise sogar der Verein aufgelöst.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 207.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Schützengesellschaft musste sich dem allgemeinen Symbolismus des totalitären Systems anpassen und unterwerfen. So war der &amp;quot;Hitlergruß&amp;quot; anlässlich der Paraden ab 1933 quasi eine Pflichtübung, und Fahnen durfte der Verein nur noch mit sich führen, wenn sie den Hakenkreuzwimpel trugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG029.jpg|300px|thumb|right|Die 1904 gegründete Hohenzollern-Kompanie in einer Aufnahme aus dem Jahr 1935.]]&lt;br /&gt;
Anlässlich der Hubertusfeier am 19. November 1933 organisierte der Verein Theaterdarbietungen bei Bernhard Olligs (Bäckerei und Konditorei in der [[Grünwaldstraße]]) mit anschließendem Tanzvergnügen. An der morgendlichen Hubertusmesse hatten aus den genannten Gründen nur noch 35 % der Mitglieder teilgenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 205.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Hubertusfeier wurde bewusst zur Werbung neuer Mitglieder genutzt. Dank dieser und einer weiteren Werbeveranstaltung konnte der Verein die Mitgliederzahl 1933 von 88 auf 113 erhöhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung im Januar 1934 erkannte die Notwendigkeit, die Vereinsstatuten entsprechend &amp;quot;dem heutigen Sinn&amp;quot; neu zu formulieren; Konkretes wird diesbezüglich nicht mitgeteilt. Im Anschluss berichtete der Vereinsführer über die vollzogene &amp;quot;Gleichschaltung&amp;quot;. Er schloss die Versammlung mit einem &amp;quot;Hoch auf Reichspräsident, Reichskanzler und Verein&amp;quot;, woraufhin die Teilnehmer stehend das &amp;quot;Deutschland-&amp;quot; und das &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Horst-Wessel-Lied Horst-Wessel-Lied]&amp;quot; sangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bemühungen des [[Pfarrer]]s [[Johannes Klüwer]], der von dem Regime erzwungenen zunehmenden Distanzierung des Vereins von religiösen Traditionen entgegenzuwirken, hatten wenig Erfolg. Auf einer Generalversammlung im Mai 1934 wurde der Verein zum &amp;quot;Deutschen Schützenverein&amp;quot; umgebildet und der Austritt aus der Erzbruderschaft beschlossen. Klüwer zeigt sich in der Pfarrchronik zutiefst entsetzt über diese Maßnahme, vor allem, da die Teilnehmer, die nicht dem Vorstand angehörten, nicht über die Konsequenzen aufgeklärt worden seien. Ihn selbst habe man bewusst von der Versammlung ferngehalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 207f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klüwer1.jpg|300px|thumb|right|Pfarrer Johannes Klüwer in den 1940er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Zwei Wochen später äußerte sich der Pfarrer in einer Kanzelrede über die Maßnahme mit den folgenden Worten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Am 13. Mai 1934 ist die St. Hubertus-Schützengesellschaft umgebildet und die Verbindung mit der uralten Bruderschaft gelöst worden. Dadurch hat man mich gezwungen, den Ehrenvorsitz, den ich unter anderen Vereinssatzungen angenommen hatte, niederzulegen und aus dem Verein auszutreten. Nahezu 500 Jahre (1460 schon urkundlich erwähnt) hat die Schützenbruderschaft hier in Zons bestanden und auch ich habe während meines Hierseins den Verein stets tatkräftig unterstützt. Selbstverständlich fallen kirchliche Ansprachen, Ehrengarde bei Fronleichnamsprozessionen und anderes mehr für die Zukunft weg, wie die Erzbruderschaft mir ausdrücklich mitteilt und wie ich vor dem 13. Mai dem Vorstande habe mitteilen lassen. Wenn die Schützen konsequent sind, würden sie selbst ihre kirchlich gesegneten Fahnen nicht mehr tragen. Schützen, welche sich in das alte Bruderschaftsregister eintragen wollen, können das im Pfarrhause tun. Zu dieser Erklärung fühle ich mich verpflichtet, damit man weiß, weshalb der Pastor am Schützenfest nicht mehr teilnimmt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 208f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Aufruf folgend ließen sich im darauffolgenden Monat 27 Männer von Pfarrer Johann Klüwer in eines der zwei Sebastianus-Schützenbruderschaftsbücher aus dem 18. Jahrhundert eintragen, um ihrer religiösen Überzeugung und damit ihrem inneren Widerstand gegen die nationalsozialistische Anti-Kirchenpolitik Ausdruck zu geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Mitglieder waren: Heinrich Stein (Mühlenstr.), Leo Klein (Zehntgasse), Heinrich Gilgen sen. (Feldstr.), Josef Olligschläger (Hinter der Mauer), Peter Oberzier (Feldstr.), Jakob Piel (Wiesenstr.), Paul Ohligschläger (Wiesenstr.), Andreas Ohligschläger (Wiesenstr.), Hubert Ohligschläger (Wiesenstr.), Martin Zistermich (Feldstr.), Hermann Düssel (Feldstr.), Hans Peters (Feldstr.), Wilhelm Peters (Feldstr.), Hubert Hesemann (Feldstr.), Jakob Blömacher (Mühlenstr.), Johann Habets (Brunnenstr.), Wilhelm Kluth (Brunnenstr.), Jakob Görgens (Feldstr.), Jakob Wimmer (Steinstr.), Josef Longerich (Brunnenstr.), Anton Stein (Lindenstr.), Matthias Marx (Feldstr.), Theo Köppinger (Hubertusstr.), Hubert Blömacher (Lindenstr.), Hubert Blömacher (Lindenstr.), Heinrich Gilgen jun. (Feldstr.), Hubert Kluth (Hohes Örtchen); PfAZ, Nr. 227, p. 115.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund der Empfehlung durch die Erzbruderschaft wählten viele Schützenvereine dieses Mittel der Eintragung in das Bruderschaftsregister der Pfarre, um der Auflösung zu entgehen. Es spricht Einiges dafür, dass innerhalb der Mitgliederschaft die Unzufriedenheit mit der nationalsozialistischen und antikirchlichen Linie des Zonser Schützenvereins überwog. So bedauerten es nach den Chronikaufzeichnungen von Pfarrer Klüwer die meisten Schützen, dass der Pfarrer seit 1934 nicht mehr am Schützenfest teilnahm. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Mitglieder am 17. Juni 1934 anlässlich des Schützenfestes – in diesem und im folgenden Jahr fand es jeweils im Juni statt – mit ihren Fahnen in der Pfarrkirche erschienen, um trotz der zweifelsohne damit verbundenen Risiken am feierlichen Hochamt teilzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG032.jpg|300px|thumb|right|Bei der Parade Schützenfest 1935.]]&lt;br /&gt;
Am 14. April 1935 ([https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntag]) hielt der Generalpräses der Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus, [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Pfarrer Dr. Peter Louis], eine Rede vor den Zonser Schützen, um sie zum Wiedereintritt in den Verband zu bewegen. Doch obwohl nach Einschätzung von Pfarrer Klüwer 90 % der Mitglieder dies befürworteten, blieben die Bemühungen des Generalpräses erfolglos.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei NSDAP] nahm über bzw. durch den Vereinsvorstand erheblichen Einfluss auf das Vereinsleben und die Vereinsentwicklung, wobei sie nötigenfalls, wie erwähnt, auch massiven Druck ausübte. Seit dem Tag der &amp;quot;Gleichschaltung&amp;quot; bestimmte sie über die personelle Situation des Vorstandes. Die fast komplette Neubesetzung der Vorstandsposten im Frühjahr 1935 geschah daher in Umgehung des bisher üblichen demokratischen Verfahrens einer Neuwahl durch die Generalversammlung. Die Erzbruderschaft, das sei hier er gänzend erwähnt, wurde im März 1936 durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei Gestapo] aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Veränderungen des Schützenvereins vor dem Hintergrund des nationalsozialistischen Gleichschaltungsprogramms liefen wie erwähnt nicht ohne gewisse Vorbehalte ab. Die Entwicklung sorgte bei vielen Vereinsmitgliedern zumindest für einige Verwirrung, zum Teil trat sogar offen gezeigter Unmut hervor. Der Bruch mit den demokratischen und religiösen Traditionen durch Gleichschaltung und Entmündigung war schließlich gleichbedeutend mit der Zerstörung des eigentlichen Vereinswesens. [[Ortsgruppenleiter]] [[Franz Erkelenz]] sah sich daher veranlasst, die aufgetretenen &amp;quot;Strömungen&amp;quot; innerhalb des Vereins anlässlich einer Vorstandssitzung im Mai 1936 zu kommentieren. Der Inhalt der Rede ist leider nicht überliefert. Auch der neue Vereinsführer des &amp;quot;Deutschen Schützenvereins Zons&amp;quot;, [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]], musste einige Überzeugungsarbeit leisten. Auf der Generalversammlung am Abend vor dem Schützen- und Volksfest, am 15. Juni, &#039;&#039;&amp;quot;rechnete [er] mit den ewig gestrigen ab und forderte alle, die den Geist der Neuzeit erkannt haben, auf, tatkräftig mitzuarbeiten, um das Eingeleitete zum Nutzen des Vereins zum Abschluß bringen zu können.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG030.jpg|300px|thumb|right| Die 1934 gegründete Jungschützen-Kompanie 1936.]]&lt;br /&gt;
Im Oktober 1935 veranstaltete die Tellkompanie eine Rekruten-Abschiedsfeier mit Tanzvergnügen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Zons 663.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der sich in diesen Veranstaltungen widerspiegelnde Mitgliederverlust, den der Verein in dieser Zeit und den folgenden Monaten und Jahren zu erleiden hatte und der durch freiwillige Austritte von Mitgliedern zunahm, wurde durch gezielte Mitgliederwerbung bekämpft. Die Vereinsstärke konnte dadurch zwar zunächst gehalten werden, doch dürften die Verluste die Zahl der Neuzugänge bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit zunehmender Tendenz übertroffen haben, wobei wegen der zahlreichen Rekrutierungen jüngerer Vereinsmitglieder das Durchschnittsalter der Mitglieder ganz erheblich angestiegen sein dürfte. Dennoch dominierte über dem Interesse an einer großen Mitgliederzahl ein rigoroses Selektions- und Kontrollprinzip: Seit Juni 1936 mussten neu aufgenommene Mitglieder umgehend dem Vereinsführer in schriftlicher Form gemeldet werden. Im selben Monat erhielten zwei Mitglieder die alleinige Befugnis, Schützen aus dem Verein auszuschließen. Wie weit die beiden Herren von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, bleibt im Dunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. September 1936 trat der &amp;quot;Deutsche Schützenverein Zons&amp;quot; dem nationalsozialistischen &amp;quot;Deutschen Schützenverband&amp;quot; (DSV) und damit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Reichsbund_f%C3%BCr_Leibes%C3%Bcbungen Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRfL)] bei. Da Schützenvereinen, die den Beitritt in diesen Verband verweigerten, die Auflösung drohte, kann von einem freiwilligen Beitritt keine Rede sein. Der Schützenverband verfolgte als oberstes Prinzip die Förderung des Schießsports und zwang gleichzeitig zur völligen Loslösung von kirchlichen Traditionen. Damit war der Schützenverband ein radikales Filterinstrument in den Diensten des totalitären Systems. Viele Vereinigungen wurden im Laufe des Jahres aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG033.jpg|300px|thumb|right|Die Tellkompanie trägt den Königsvogel zum Schießstand (ca. 1934).]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG034.jpg|300px|thumb|right|Einzug auf den Schützenplatz: Oberst mit Adjutanten, gefolgt vom Zonser Tambourcorps und der Kapelle Eich, im Hintergrund eine Schiffschaukel (um 1930).]]&lt;br /&gt;
Neben dem Schützenfest im Juli 1936 veranstaltete der Verein auch ein Kompanieschießen im September des Jahres. Dabei traten die drei besten Schützen einer jeden Kompanie an, um insgesamt drei Abzeichen auszuschießen. Die Siegerehrung wurde beim alljährlichen &amp;quot;Kameradschaftsabend&amp;quot; vorgenommen. Solcherlei Wettschießen fanden seit 1933 häufiger statt, um – wie es der Vereinsführer Peter Breuer ausdrückte – &amp;quot;unter den Kameraden den Schiesssport zu pflegen und zu fördern&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Zons 663.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mai 1938 nannte der Vereinsführer den &amp;quot;Deutschen Schützenverein Zons&amp;quot; wieder um in &amp;quot;Hubertus-Verein&amp;quot; – der Zusatz &amp;quot;St.&amp;quot; war nach den streng weltlichen Richtlinien der Nationalsozialisten verboten. Dieser Kompromiss war zustande gekommen, weil mittlerweile wieder der Unmut einiger Mitglieder über die Anpassung des Vereins deutlich hervorgetreten war. Es waren zwischenzeitlich sogar Stimmen laut geworden, die entschieden den Austritt aus dem &amp;quot;Deutschen Schützenverband&amp;quot; forderten. Doch verstummten diese rasch, nachdem der Vorstand die Konsequenzen dieses Schrittes (Verbot und Enteignung) dargelegt hatte. So war denn auch die Umbenennung des Vereins lediglich ein äußerlicher &amp;quot;Etikettenwechsel&amp;quot; ohne Auswirkung auf das Vereinswesen. Im Gegenteil lässt sich in der folgenden Zeit – wahrscheinlich auf noch massiveren Druck hin – eine noch stärkere Distanzierung von der Kirche feststellen: 1938 fand das Hochamt zur Zeit des Schützenfestes erstmals ohne die Schützenabordnungen und ihre Fahnen statt, und auch 1939 erschienen &amp;quot;fast keine Schützen&amp;quot; zum Hochamt, wie [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] bedauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 235, 241.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Hubertus-Verein&amp;quot; feierte 1938 das 40-jährige Bestehen. Das Schützenfest im Juli, das in diesem und im folgenden Jahr auf behördliche Anweisung mit der Hauptkirmes zusammen veranstaltet werden musste, fand daher in einem besonders festlichen Rahmen statt. Erschienen waren die Schützenvereine aus [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BClheim_(K%C3%B6ln) Köln-Mülheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChlingen Köln-Fühlingen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Niehl_(K%C3%B6ln) Köln-Niehl], [https://de.wikipedia.org/wiki/Merkenich Köln-Merkenich], [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath], [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven]. Erstmals fand anlässlich des Festes auch ein Feuerwerk im Anschluss an den Fackelzug statt, das von den Zonser Wirten finanziert wurde. Dieses fand so großen Gefallen, dass es sich der Verein auch im folgenden Jahr nicht nehmen ließ, ein Feuerwerk zu veranstalten. Für den Festzug hatte man sich etwas Besonderes einfallen lassen: Die [[Freilichtbühne]] spielte in der Saison 1938 in Verbindung mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kraft_durch_Freude NS-Gliederung &amp;quot;Kraft durch Freude&amp;quot;] das Stück &amp;quot;Der Fähndelschwenker von Zons&amp;quot;. Dieses handelte von &#039;&#039;&amp;quot;eine[r] Begebenheit aus der Blütezeit der niederrheinischen Schützengilden unter Kurfürst Clemens August von Köln, der 1739 selbst durch einen Meisterschuß Schützenkönig von Zons wurde. Im Mittelpunkt der Handlung steht die mit dem rheinischen Schützenwesen noch heute verbundene Gestalt des &#039;Fähndelschwenkers&#039;&amp;quot;&#039;&#039; [aus einer Werbeschrift]. Dieses Freilichtspiel war so erfolgreich, dass die Eintrittskarten erstmals bereits Wochen vorher ausverkauft waren und man sich veranlasst sah, die Spielsaison um einige Wochen zu verlängern. Das Spiel sollte nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals aufgeführt werden. Selbstverständlich fand dieses Stück auch – schon allein wegen des Inhalts – besondere Beachtung bei den Zonser Schützen. Diese luden den &amp;quot;Kurfürsten&amp;quot; und den &amp;quot;Fähndelschwenker&amp;quot; daher ein, in ihrem Festzug anlässlich des 40-jährigen Bestehens mitzuwirken. So wurde dem derzeitigen Schützenkönig Hubert Vonden die Ehre zuteil, mit diesen beiden Herren den Schützenzug anzuführen, gefolgt übrigens von dem Zonser Knaben Peter Schreiner, der ebenfalls eine (kleinere) Fahne schwenkte. Der &amp;quot;Fähndelschwenker&amp;quot;, eine ästhetische, bis dahin im Zonser Schützenvereinsleben jedoch unbekannte Erscheinung, sollte auch im folgenden Jahr im Festzug mitwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG035.jpg|300px|thumb|right|Mitglieder der Hohenzollernkompanie auf einem Karussell um 1935.]]&lt;br /&gt;
Nachdem im Vorjahr erstmals zwei &amp;quot;Musikzüge&amp;quot; am Festzug teilgenommen hatten, sollte dies auch 1939 so sein. Doch musste auf einer erweiterten Vorstandssitzung im April die genaue Handhabung erst eingehender besprochen werden: Man war sich darüber einig, dass die beiden Gruppen so spielen sollten, &amp;quot;daß, wenn der erste Musikzug aussetzt, der zweite einsetzt, und damit kein Durcheinander im Festzug entsteht&amp;quot;. Aus heutiger Sicht mögen solche Entscheidungen recht amüsant anmuten. Für den erst 40-jährigen Verein, der noch nicht über die nötigen Kenntnisse verfügte, waren sie jedoch von wesentlicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni 1939 unterbreiteten die Zonser Wirte dem Verein den Vorschlag, zum Schützenfest erstmals ein großes Tanzzelt aufzubauen – doch wurde diese Anregung &amp;quot;für das nächste Jahr reserviert&amp;quot;. Bereits im Januar hatte sich der erweiterte Vorstand dafür ausgesprochen, zum Schützenfest erstmals ein Bierzelt zu errichten. Unmittelbar vor Ausbruch des Weltkriegs verliefen die Vereinsgeschäfte also noch in den gewohnten Bahnen. Es kam in diesen Monaten sogar zur Gründung einer neuen Schützengruppe mit dem Namen &amp;quot;Grenadier-Kompanie&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schützenfest Anfang Juli 1939 sollte für lange Zeit die letzte Festveranstaltung des Vereins gewesen sein. Ein Bericht in der &amp;quot;Volksparole&amp;quot; vom 11. Juli beschreibt das Fest mit begeisterungsvollen und geradezu lyrischen Wortfiguren; er ist somit nicht frei von gewissen Überzeichnungen, möglicherweise sogar mit ideologischer Intention. Unter diesem Vorbehalt folgt hier der ungekürzte Bericht, um ein ungefähres Gesamtbild eines Zonser Schützenfestes in nationalsozialistischer Zeit zu bieten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;quot;Als Fremdenverkehrsstadt beherbergt die Zollfeste am Niederrhein allsonntäglich viele Gäste in ihren Mauern. Doch das Heimatfest hatte am letzten Sonntag einen Rekordbesuch aufzuweisen. Die engen Gassen des mittelalterlichen Städtchens zeigten schon am Sonnabend reichlichen Flaggenschmuck, und am Sonntag bot das Stadtbild einen wirklich festlichen Anblick. Sehr lebhaft war es in allen Straßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem Standkonzert auf dem Rathausplatz nahm das Heimatfest am Sonnabend seinen Anfang. Bei Einbruch der Dunkelheit sammelten sich die Mitglieder des Bürgervereins zum Fackelzug. Ein prächtiges Bild, als der große Lichterzug mit den flackernden Lichtern durch die dunklen Gassen der Zollfeste marschierte. Am [[Feldtor]] löste sich der Zug auf, und ein Feuerwerk bildete den Abschluß. Im Schein der leuchtenden Raketen lag die Zollfeste in der ruhigen Niederrheinlandschaft. Wie eine magische Bühnenbeleuchtung bestrahlte das rote und grüne Leuchtfeuer die alten Türme und Giebel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Feuerwerk fanden sich die Kameraden des Bürgervereins zu einem Kameradschaftsabend im Saale Schönen ein. Vereinsführer Breuer betonte in seiner Festansprache, daß es Pflicht eines jeden Zonsers sei, zum Gelingen des Heimatfestes beizutragen. Als Fremdenverkehrsstadt muß Zons an diesen Tagen etwas besonderes bieten. Anderseits muß jeder so viel Disziplin und Kameradschaftsgeist aufbringen, daß man von einem wirklichen Volks- und Heimatfest sprechen kann. Anschließend überreichte der Vereinsführer den besten Schützen der einzelnen Züge einen Orden. Oberst Bechlenberg gab die letzten Anweisungen für die Festtage. Ein gemütlicher Kameradschaftsabend beendete den ersten Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Sonntag um 10 Uhr stand das Regiment auf dem Rathausplatz angetreten. Vereinsführer [[Peter Breuer|Breuer]] nahm zunächst die Ehrung zweier Mitglieder vor, die 40 Jahre dem Verein angehörten. Er überreichte ihnen im Namen des Vereins einen Orden und eine Plakette. Dann wurde dem Gründer des Vereins, Heinrich Gilgen, eine besondere Ehrung zuteil, indem er zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Breuer überreichte ihm mit anerkennenden Worten die Urkunde. Den Höhepunkt erreichte der Festsonntag mit der glänzenden Parade vor der Majestät Willy Kremer auf dem Paradeplatz am Feldtor. Obgleich das Regiment des Zonser Bürgervereins entsprechend der kleinen Stadt nur aus neun Zügen besteht, so sind seine Paradeleistungen um so schneidiger. Sowohl Aufmachung als auch der Parademarsch selbst zeigten, daß das Zonser Regiment unter dem Kommando des Obersten Bechlenberg in schneidiger Form ist. Als Ehrengäste der Majestät wohnten [[Franz Erkelenz|Ortsgruppenleiter Erkelenz]] und [[Franz Bebber|Stadtrat Bebber]] der Parade bei. Nach der Parade bezog das Regiment den Festplatz am Feldtor. Hier sprach Ortsgruppenleiter Erkelenz und ermahnte die Festteilnehmer, nicht nur an den Festtagen, sondern auch im Alltagsleben Kameradschaft zu pflegen und Gemeinschaftssinn zu zeigen. Das Schützenzelt nahm die durstigen Festteilnehmer auf. Auf dem Schießstand knallten die Büchsen, und die flotten Marschweisen erhöhten die Feststimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dritte Festtag in Zons begann mit der Heldenehrung auf dem [[Friedhof]]. Auf dem Rückmarsch vom Friedhof wurde der Königsvogel abgeholt. Ein hartnäckiger Kampf um die Würde der neuen Majestät begann. Am frühen Nachmittag holte Kamerad Peter Köppinger die Reste des Vogels herunter. Die Freude war groß, daß gerade ein Jubilar des Vereins, der am Tage vorher für 40jährige Mitgliedschaft geehrt worden war, den Meisterschuß erzielt hatte. Gleichzeitig ist Köppinger in der Zonser Spielschar, wo er alljährlich bei den Festspielen mitwirkt. Im Jubel wurde die neue Majestät zur Wohnung in die [[Hubertusstraße]] gebracht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Köppinger sollte aufgrund des am 1. September 1939 ausbrechenden Weltkrieges die traurige Ehre erlangen, als Schützenkönig mit der längsten Regierungszeit in die Vereinsgeschichte einzugehen. Seit 1908 hatte der jeweilige Schützenkönig nach einer Niederschrift im Protokollbuch die Pflicht, das Königssilber aufzubewahren und für dieses zu haften. Peter Köppinger erfüllte diese ehrenvolle Aufgabe mit so großem Verantwortungsbewusstsein, wie seine Tochter Cäcilia Schlüssel berichtete, dass er die Königskette sogar bei Fliegeralarm immer mit in den Luftschutzbunker nahm. Dank seines Einsatzes ist das kostbare Schützensilber noch heute im Vereinsbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bedeutete nicht das völlige Erlöschen der Vereinsgeschäfte, wie man vermuten könnte. Während der Kriegsjahre fanden mindestens sechs Vorstandssitzungen statt. Gegenstand dieser Zusammenkünfte war vor allem die Sorge um die als Soldaten an der Front kämpfenden Mitglieder. Bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn, Ende Oktober 1939, beschloss eine erweiterte Vorstandssitzung, den betreffenden 20 Personen &amp;quot;Liebes-Päckchen&amp;quot; mit Zigaretten und Süßigkeiten im Wert von jeweils 3 Reichsmark zu schicken. Selbstverständlich waren diese Ausgaben nicht ohne entsprechende Einnahmen zu realisieren. Daher entschied die Versammlung gleichzeitig, dass die nicht rekrutierten Mitglieder weiterhin ihren monatlichen Mitgliedsbeitrag zu entrichten hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG036.jpg|300px|thumb|right|Die Hubertuskompanie 1937.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG037.jpg|300px|thumb|right|Im Anschluss an die Parade wird das Königspaar in der Kutsche zum Festsaal gefahren (am Marktplatz 1937/38).]]&lt;br /&gt;
Im Dezember 1940 besprach der erweiterte Vorstand mit Vertretern des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kyffh%C3%A4userbund Kyffhäuserbundes (eigentlich &amp;quot;NS-Reichskriegerbund&amp;quot;)], eines Soldatenverbandes, die Ausrichtung eines mehrtägigen (Kriegs-)[https://de.wikipedia.org/wiki/Winterhilfswerk_des_Deutschen_Volkes Winterhilfswerk]-Preisschießens im Januar 1941. Die Schießveranstaltung &amp;quot;auf Ringe&amp;quot; sollte bei [[Peter-Josef Schmitz]] ([[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Gasthaus &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;]]) stattfinden. Um die Sammlung der Preise sollten sich die Hauptleute der Kompanien und die Kyffhäuser-Kameradschaft kümmern. Ob es im Januar 1941 tatsächlich zu dieser Wohltätigkeitsveranstaltung, nach dem WHW-Programm &amp;quot;zur Unterstützung wirklich hilfsbedürftiger Volksgenossen&amp;quot;, kam, ist protokollarisch nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Kriegsjahre verwandte der Verein den Großteil seiner Energie in die Beerdigungen für gefallene und verstorbene Mitglieder. Bei diesen Anlässen traten die Schützen uniformiert auf, und die Toten wurden unter Musikbegleitung der Kapelle Eich oder des [[Tambourcorps]] zu Grabe getragen. Der nicht unerhebliche finanzielle Aufwand sollte seit April 1941 durch zusätzliche Beiträge der Vereinsmitglieder in Höhe von 50 Pfennig pro Beerdigung finanziert werden. Doch die Zahl der gefallenen Vereinsmitglieder stieg in den folgenden Monaten und Jahren so sehr, dass sich der Verein bereits im September 1943 finanziell außerstande sah, allein die Kränze für die Beerdigungen zu bezahlen. Daher beschloss der Vorstand, als Ersatz eine Ehrentafel mit den Namen der Gefallenen des Vereins in der [[Kriegergedächtniskapelle]] aufzustellen. Diese Tafel befindet sich dort noch heute. Die darauf verzeichneten Daten sind die folgenden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Hubert Fleischhauer 26. Juni 1941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Johann Schmitz 13. Oktober 1941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Hubert Schönen 18. November 1941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Phillip Libertus 30. September 1942&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Rudi Kaiser 1. Dezember 1942&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Willy Malzburg 17. Januar 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Adam Libertus 30. Juli 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Addi Norff 9. August 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Hans Köppinger 9. September 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jakob Görgens 6. September 1944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Peter Bock 12. September 1944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Arnold Olligs 29. November 1944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Johann Koenen 3. Dezember 1944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Willy Kremer 24. März 1945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Sebastian Olligs 13. Juli 1947&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Peter Düssel 9. Januar 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Heinrich Sevenich (unbekannt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt sind [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|62 Zonser]] im Zweiten Weltkrieg gefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Nachkriegszeit 1946–1960 ===&lt;br /&gt;
Mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungslose_Kapitulation_der_Wehrmacht bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht] am 8. Mai 1945 beginnt die Nachkriegsgeschichte Deutschlands. Die uneingeschränkte Regierungsmacht lag nun in den Händen der vier Siegermächte. Bereits seit März 1945 stand der Niederrhein unter amerikanischer Besatzung. Der Wiederaufbau der zerstörten Städte, gewaltige Flüchtlingswellen aus den Ostgebieten, Arbeitslosigkeit, Inflation und Armut prägten das Bild der ersten Nachkriegsjahre. Zons war von Kriegszerstörungen weitgehend verschont geblieben. Doch hatte sich auch hier eine große Zahl von Ostvertriebenen niedergelassen, und der Alltag war hier wie überall vom Naturalientausch und der Schwarzbrennerei geprägt. In der vollständigen Abholzung der [[Hannepützheide]] spiegelt sich die Materialknappheit und Armut der hiesigen Bevölkerung in diesen Jahren deutlich wider. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4hrungsreform_1948_(Westdeutschland) Währungsreform] im Juni 1948 beendete die Inflationsentwicklung und damit die Armut, und der folgende, über viele Jahre anhaltende Wirtschaftsaufschwung beendete die Massenarbeitslosigkeit. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bundesrepublik_Deutschland_(bis_1990)#Gr%C3%BCndung_der_Bundesrepublik_Deutschland_1949 Gründung der Bundesrepublik Deutschland] im Mai 1949 gilt als die Geburtsstunde der heutigen freiheitlich-demokratischen Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zons erlebte in den Jahren und Jahrzehnten seit Ende der 1940er Jahre eine große Bevölkerungszunahme und eine entsprechende Ausdehnung der Wohngebiete. Hatte die Zahl der Einwohner 1946 noch 1.735 betragen, so lag sie 1966 bereits bei 3.394 – sie hatte sich in einem Zeitraum von nur 20 Jahren also fast verdoppelt. Dieser Bevölkerungsanstieg wurde nicht unwesentlich von den Neubürgern getragen. Ein deutlicher Aufschwung ist auch beim Zonser Schützenverein festzustellen. Lag die Mitgliederzahl Ende 1946 noch bei 40, sollte sie sich in den folgenden 12 Jahren mehr als versechsfachen und lag 1958 bereits bei 250. Besonders in den 1950er, aber auch in den 1960er Jahren kam es zu zahlreichen Neugründungen von Kompanien – diese hier noch alle namentlich hervorzuheben, würde zu weit führen. Vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung wird klar, dass die Nachkriegsentwicklung des Schützenvereins auch wesentlich von den Neubürgern getragen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits kurz nach Kriegsende kam es in zahlreichen Orten des Rheinlands zur Wiederbelebung des Schützenvereinswesens. Doch war die Genehmigung durch die amerikanische Besatzungsmacht zur Vereinswiederbelebung oder -neugründung an strenge Auflagen geknüpft. Die Wiederzulassung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%BCtzenbruderschaften Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus] unter dem Namen &amp;quot;Zentralverband der historischen deutschen Schützenbruderschaften&amp;quot; im Januar 1946 beispielsweise geschah nicht mit dem Hinweis auf die Wehrfunktion, sondern [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Pfarrer Dr. Peter Louis] hatte das Vertrauen der Besatzungsmächte dadurch gewinnen können, dass er auf die &amp;quot;einzigen bedeutenden Beweggründe des europäischen Schützenwesens&amp;quot; hinwies: die Verteidigung des Christentums und den karitativen Einsatz gegen menschliches Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 22. September 1946 fand eine Versammlung mit 32 Teilnehmern statt, um die Neugründung des Zonser Schützenvereins in Angriff zu nehmen. Es war diesen Herren bewusst, dass die Besatzung eine dem Namen nach weniger religiöse &amp;quot;St. Hubertus-Schützengesellschaft&amp;quot; weniger wahrscheinlich genehmigen würde. Daher entschloss man sich in Anlehnung an die bis in die Frühneuzeit zurückreichende Zonser Schützentradition für den Namen &amp;quot;St. Sebastianus- und St. Hubertus-Schützenbruderschaft&amp;quot;. Das Wesen des Vereins sollte dem religiösen Namen entsprechen. Aus diesem Grunde verpflichteten sich die Versammlungsteilnehmer auf die Satzungen der Sebastianus-Erzbruderschaft, die der (vorläufige) erste Brudermeister Heinrich Gilgen sen. erläuterte. Der Vorstand war zunächst nur provisorisch durch Stimmzettel gewählt worden, da er noch durch die Besatzungsbehörde bestätigt werden musste. [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]], der Präses der Schützenbruderschaft, musste als Mitglied des Vorstands zu den jeweiligen Vorstandssitzungen mit eingeladen werden. Als besondere Festtage des Schützenvereins – auch dies verdeutlicht die religiöse Haltung – legten die Versammlungsteilnehmer den Hubertustag (3. November), den Sebastianustag&lt;br /&gt;
(20. Januar) und den Fronleichnamstag fest. Es ist fragwürdig, warum von den 32 Anwesenden nur 27 dem Verein beitraten. Der Beschluss der Versammlung, dass jedes Mitglied eine Mark zur Instandsetzung des durch Bomben beschädigten [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Kölner Doms] spenden sollte, dürfte wohl kaum den Ausschlag gegeben haben. Die Frage muss offen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1946 verstarb der ehemalige Vorsitzende des Zonser Schützenvereins [[Peter Breuer]]. Die Beerdigung fand unter außerordentlicher Beteiligung der Zonser Bevölkerung und vieler auswärtiger Besucher statt. Breuer war seit 1919 als [[Lehrer]] in Zons tätig gewesen. Seitdem hatte er regen Anteil am öffentlichen Leben genommen. So hatte er fünf Jahre dem Gemeinderat angehört, war bis zu seinem Tod Rendant des [[Deichverband Zons-Stürzelberg|Deichverbandes Zons-Stürzelberg]], wirkte im Vorstand des Ziegenzuchtvereins, der Kriegsversehrten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge und in der Kameradschaftlichen Vereinigung. An seinem Grab sprachen neben [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] auch der Schulrat, der [[Bürgermeister]], der evangelische Pfarrer von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] und der Schützenvereinsvorsitzende Heinrich Gilgen.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 3. November 1946, dem Hubertustag, trat die St. Sebastianus-Hubertus-Schützenbruderschaft Zons erstmals nach dem Krieg wieder öffentlich in Erscheinung. Der Tag begann mit einem morgendlichen Gottesdienst um 10 Uhr für die lebenden und verstorbenen Mitglieder. Im Anschluss fand eine Kranzniederlegung an der [[Kriegergedächtniskapelle|Gedächtniskapelle]] statt. Daran schloss sich ein Frühstück mit öffentlichem Tanzvergnügen im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Saal Schönen]] an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer Vorstandswahl anlässlich der Generalversammlung im Januar 1947 ging ein komplett erneuerter Vorstand hervor. Die Neuwahl fand laut der Vereinssatzung jeweils im Zweijahres-Turnus statt. Die Versammlungsteilnehmer besprachen zudem die wesentlichen religiösen Aufgaben des Vereins. Demnach habe der Fronleichnamstag als höchster Festtag zu gelten, an dem mindestens 4 Schützen das Allerheiligste begleiten mussten. Da dies 1946 nicht eingehalten worden war, betrachtete die Versammlung dies als ersten Verstoß gegen die Satzung. Doch auch 1947 fand die Fronleichnamsprozession ohne Beteiligung der Schützen statt, ohne dass uns die näheren Gründe bekannt sind. Seit 1948 nahmen jedoch wieder kleine Abordnungen mit Fahnen teil, 1950 sogar der gesamte Verein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den 19. Januar 1947 (einen Tag vor Sebastianus) feierte der Verein als Sebastianusfeiertag erstmals mit einem Festhochamt und einem Schützenball. Nur sechs Monate später, vom 13. zum 14. Juli, beging die Schützenbruderschaft ihr erstes Schützenfest nach dem Krieg. Da die Besatzung den Gebrauch von Gewehren untersagt hatte, mussten die Mitglieder den Schützenkönig mit der Armbrust ausschießen. Sieger wurde mit dem 136. Schuss Michael Blömacher. Anstelle des üblichen Holzvogels hatte man mit einigem Improvisationstalent eine Zigarrenkiste als Zielobjekt eingesetzt. Eine Person hatte bei diesem Fest in Anbetracht der noch sehr gegenwärtigen Erfahrungen der Jahre nach 1933 ein besonderes Anliegen, nämlich der Bruderschaftspräses [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]]. Er nutzte die Möglichkeit, den Schützen in einer Ansprache eindringlich Sinn und Zweck der Schützenbruderschaft darzulegen. Die Mitglieder hatten zuvor mit ihren Fahnen am feierlichen Hochamt teilgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende November bis Mitte Dezember 1947 hielten zwei Franziskanerpatres eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Volksmission#R%C3%B6misch-katholische_Volksmission Volksmission] in Zons. Pfarrer Johannes Klüwer hatte aus diesem Anlass zuvor alle Zonser Familien besucht. So nahmen immerhin 60 % der Einwohner an den kirchlichen Veranstaltungen teil. Nachdem die Hubertuskompanie der Schützenbruderschaft am letzten Beichtsamstag einen &amp;quot;gemütlichen Abend&amp;quot; veranstaltet und dadurch viele Leute von der Beichte abgehalten hatte, legte Pfarrer Klüwer erbost seinen Schützenbruderschafts-Vorsitz nieder. Kurz darauf entschuldigten sich die Schützen bei dem Geistlichen in aller Form mit der Bitte, er möge die Bruderschaft nicht eingehen lassen. Daraufhin machte Klüwer seinen schwerwiegenden Schritt wieder rückgängig.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 155f.&amp;lt;/ref&amp;gt;; eine glückliche Wendung, feierte der Verein doch schließlich 1948 sein 50-jähriges sowie das (vermeintlich) 500-jährige Bestehen der Sebastianus-Schützenbruderschaft. Auf einer Generalversammlung Ende Dezember 1947 war aus diesem Anlass bereits ein &amp;quot;Arbeits-Ausschuss&amp;quot; gebildet worden, bestehend aus den Herren Heinrich Gilgen jun., Peter Wingerath, Toni Ferber und Hubert Blömacher.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG038.jpg|300px|thumb|right|Schützenkönigspaar Cremer mit vier Schützenbrüdern 1951.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG039.jpg|300px|thumb|right|Aufstellung am Feldtor während einer Parade ca. 1954.]]&lt;br /&gt;
Der Verein legte verständlicherweise großen Wert darauf, dass alle Schützen an dem großen Jubiläumsfest 1948 teilnahmen. Dass bereits im März 1948 entschieden wurde, Mitglieder, die ohne guten Grund bei dem Fest fehlten, aus dem Verein auszuschließen, ist daher nachvollziehbar. Die Jubelfeier fand, nachdem man sie wegen der Währungsreform verschoben hatte, vom 1. zum 2. August des Jahres statt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das traditionelle Wecken um 5 Uhr mit dem &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Freut_euch_des_Lebens_(Lied) Freut euch des Lebens]&amp;quot;, gespielt von dem Zonser [[Tambourcorps]], bildete den Festbeginn. Kurz nach 9 Uhr versammelten sich die Schützen, um geschlossen zum Hochamt zu ziehen. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Levitenamt Levitenamt] und die Festpredigt hielt der Diözesan-Präses und geistliche Rat [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Dr. Peter Louis]. In der Kirche anwesend waren neben den Zonser Schützen auch Abordnungen der Schützenbruderschaft Cäcilia [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] und der Schützenbruderschaft St. Clemens [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen]. Im Anschluss an das Hochamt versammelten sich die Schützen auf dem Schulplatz, wo eine Tribüne aufgebaut worden war. Es hatten sich einige hundert Zuschauer eingefunden. In der Eröffnungsansprache begrüßte der zweite Vorsitzende Andreas Erkelenz die zahlreichen Ehrengäste und stellte das Wesen der Schützenbruderschaft dar: Demnach verfolge die Vereinigung keine &amp;quot;vormilitärischen Ziele&amp;quot;. [[Bürgermeister]] [[Wilhelm Fleischhauer]] nahm daraufhin die Ehrung der Jubilare vor. Es folgten kurze Reden von [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer]] und zwei Vertretern der beiden rechtsrheinischen Schützenbruderschaften. Zwischen den Reden gab es Gesangs- und Gedichtvorträge vom Männergesangsverein und von Schulkindern aus Zons. Im Anschluss an das Festgeschehen auf dem Schulplatz zogen die Schützen zum [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Lokal von Heinrich Schönen]], wo eine Tanzveranstaltung stattfand. Um 15:30 Uhr gab Oberst Arnold Bechlenberg das Kommando zum Antreten der Schützen zum großen Festzug. Dieser zog um 16 Uhr durch die Straßen der Stadt, um sich schließlich zur großen Parade vor dem [[Feldtor]] vor den Augen von über eintausend Zuschauern zu formieren. Der Schützenzug löste sich auf dem Schützenplatz am [[Herrenweg]] auf. Den Rest des Tages bestimmten Tanzvergnügen in mehreren Zonser Lokalen. – Der nächste Tag begann mit dem 9 Uhr-Hochamt für die verstorbenen und gefallenen Mitglieder des Vereins, woran sich der Zug zur [[Kriegergedächtniskapelle]] anschloss. Später fand auf dem Schützenplatz ein Armbrust-Preisschießen statt, gefolgt vom Königsvogelschießen um 11 Uhr. Um 16 Uhr bildete sich wieder ein großer Festzug, der seine Auflösung beim [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler&#039;schen Saal]] fand, wo Tanzmusik geboten wurde. Der Festtag endete dort mit dem traditionellen Königsball.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zeitliche Rahmen von zwei Tagen für das Schützenfest war in Anbetracht der Fülle von Festveranstaltungen recht knapp bemessen. 1949 feierte der Verein das Fest daher wieder dreitägig, ab 1950 sogar viertägig (Samstag bis Dienstag), was er bis heute beibehielt, mit einer Ausnahme: Das 1953er Schützenfest war nur dreitägig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Protokolltext zum Schützenfest 1949 (30. Juli bis 1. August) erfahren wir erstmals etwas über die bereits seit mehreren Jahrzehnten üblichen Kompaniekönigsschießen. Sie fanden in diesem Jahr im &amp;quot;[[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Volksgarten]]&amp;quot; statt. Noch heute konzentrieren sich diese Schießen hauptsächlich auf den Schützenfestmontag. Das große Königsvogelschießen gestaltete sich 1949 sehr spannend, da ungewöhnlich viele Königsaspiranten daran teilnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein feierte 1949 erstmals wieder einen Schützenball am Spätkirmesmontag. Dieser begann mit einem Frühball bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]]. Daneben war die Hubertusfeier bereits fester Bestandteil des Jahresablaufs der Schützenbruderschaft, ebenso wie eine Veranstaltung an Karneval.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr einfallsreich war der Verein in dem Bemühen, entsprechend dem demokratischen Anspruch so viele Mitglieder wie möglich auf eine bevorstehende Generalversammlung aufmerksam zu machen: Im August 1949 bemühte man beispielsweise den [[Pfarrer]], den Termin von der Kanzel bekanntzugeben (eine seinerzeit noch recht wirkungsvolle Methode), zwei Monat später machte man die Mitglieder mit der &amp;quot;Ortsschelle&amp;quot; auf das Bevorstehende aufmerksam, und seit Februar 1951 nutzte man das modernere Medium der Lokalpresse zur Bekanntgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im März 1950 feierte [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] sein 40-jähriges Dienstjubiläum. An dem Festgottesdienst nahmen die Schützen der Bruderschaft uniformiert und mit ihren Fahnen teil. Beim Schützen- und Volksfest vom 15. bis 18. Juli 1950 erhielt ein Vereinsmitglied eine besondere Ehrung: Peter Köppinger wurde mit dem hohen Bruderschaftsorden ausgezeichnet, da er bereits seit 50 Jahren Mitglied und seit fast 25 Jahren im Vorstand tätig gewesen war. Das Königsvogelschießen am Schützenfestmontag gestaltete sich wenig spannend: Ohne Gegenkandidat wurde der zweite Brudermeister Hans-Peter Cremer Schützenkönig. Cremer freute sich so sehr, dass er den Vereinskameraden nach dem Zug zu dessen Wohnung &amp;quot;reichlich Alkohol&amp;quot; einschenkte, &amp;quot;was für manche Schützen verhängnisvoll wurde.&amp;quot; Daher entschied der Vorstand kurzerhand, alle Schützen für den Rest des Tages zu entlassen. Am Montagabend fand der Schützenball statt, am Dienstagabend der Krönungsball. Das Fest hatte eine große Beteiligung auswärtiger Schützen aufzuweisen: Es haben insgesamt neun fremde Bruderschaften teilgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Generalversammlung im Januar 1951 machte ein Mitglied erstmals den Vorschlag, eine neue Vereinsfahne anzuschaffen. Bereits einen Monat später folgte der entsprechende Beschluss der Mitglieder, und am 20. Mai des Jahres konnte die Fahnenweihe stattfinden. Jedes Mitglied hatte zu dieser Fahne 50 Pfennig beigesteuert: Der Festtag begann mit einem Festhochamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder, an dem Fahnenabordnungen der einzelnen Kompanien teilnahmen. Um 13:30 Uhr versammelten sich die Schützen mit zahlreichen auswärtigen Schützen im [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Lokal Schmitz]] in der [[Rheinstraße]], um schließlich um 15 Uhr geschlossen zur Wohnung des Schützenkönigs zu ziehen, wo sich die &amp;quot;Prominenz&amp;quot; bereits eingefunden hatte. Diese reihte sich in den Zug ein, und man setzte sich gemeinsam in Bewegung zur Wohnung des Brudermeisters Heinrich Peters, um die in schwarzes Wachstuch eingehüllte Fahne abzuholen. Die kirchliche Weihe vollzog der Generalpräses [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Dr. Peter Louis]. Er ermahnte die Schützen, treu der neuen Fahne zu folgen und immerfort für Glaube, Sitte und Heimat einzustehen. Als Paten fungierten die Schützenkönigin Maria Cremer und [[Josef Weiler]]. Im Anschluss veranstaltete der Verein einen Umzug mit Parade. Der Tag endete mit einem Festball. Unter den Ehrengästen waren auch &amp;quot;Bundesmeister Ludwig Krekeler, Matthias Neidhöfer, Kreisadjutant Brockers, Bezirkspräses Pfarrer Zanders [...] und der Kreisvorstand des Historischen Deutschen Schützenbundes&amp;quot;, wie der Protokollant mit Stolz betont. Zudem weilten unter den Gästen auch einige auswärtige Schützenkönige, worunter auch [[Stürzelberg]] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] vertreten waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG040.jpg|300px|thumb|right|Die Hubertuskompanie mit der Schützenbruderschaftsfahne ca. 1952/53.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG041.jpg|300px|thumb|right|Die Schützenbruderschafts-Fahne von 1951.]]&lt;br /&gt;
Das Schützen- und Volksfest vom 19. bis zum 22. Juli 1952 feierte die St. Sebastianus-Hubertus-Schützenbruderschaft in besonders großem Rahmen, da das Fest in Verbindung mit dem Bezirkstag der Bezirksgruppe Neuss der Historischen Schützenbruderschaften veranstaltet wurde. So nahm die Jubilarehrung auf dem [[Kirchplatz]] diesmal Bundesmeister Krekeler vor, und die Nachmittagsparade war durch die Teilnahme vieler auswärtiger Schützenbruderschaften erheblich größer als gewöhnlich. Im Anschluss fand die Ausschießung des &amp;quot;Matthias Neidhöfer-Gedächtnispokals&amp;quot; unter reger Beteiligung statt. Als Sieger ging aus dem Wettkampf der Zonser Schütze Nicolaus Schönen hervor. Am dritten Festtag war neben dem traditionellen Königsvogelschießen auch wieder erstmals eine große Kinderbelustigung unter der Leitung von Hugo Flemer. Diesen Brauch sollte der Verein fortan beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönungsveranstaltung bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]] am Dienstagabend rief bei einem Schützen besondere Freude hervor: [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer]] beförderte den &amp;quot;Feldmarschall&amp;quot; Arnold Bechlenberg zum &amp;quot;Generalfeldmarschall&amp;quot;, aber ausdrücklich &amp;quot;ohne Etat&amp;quot;. Bechlenberg zeigte sich über die Beförderung dennoch so erfreut, dass er mit dem Stadtdirektor einen &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Boogie-Woogie Boogie-Woogie]&amp;quot; tanzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mit Hans-Peter Cremer der neue Schützenkönig 1952/53 feststand, führte dies zu einiger Verwirrung und heftiger Kritik von Seiten einiger Mitglieder, war er doch innerhalb von drei Jahren das zweite Mal Schützenkönig geworden. Es gab zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine festgelegte &amp;quot;Wartezeit&amp;quot; wie heute (5 Jahre), weshalb daran formell nichts auszusetzen war. Dennoch entwickelte sich daraus in den folgenden Wochen und Monaten ein nicht unerheblicher Konflikt, der damit endete, dass Cremer noch innerhalb seines Regentschaftsjahres aus dem Verein ausschied und daher im nächsten Jahr von dem vorjährigen Schützenkönig Gottfried Boes vertreten werden musste. Gleichzeitig hatte der Verein sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die noch mehr &amp;quot;Zündstoff&amp;quot; in sich bargen: Seit August 1951 wirkte in Zons als Nachfolger von [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] [[Hermann Joseph Lennartz]]. Die Bedeutung einer &amp;quot;Schützenbruderschaft&amp;quot; war dem Geistlichen durchaus vertraut. Doch sah er wesentliche Kriterien in der St. Sebastianus-Hubertus-Schützenbruderschaft nicht erfüllt, beispielsweise hinsichtlich der Konfessionsfrage oder des Ehesakraments. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus solchen konfessionellen Fragen resultierte letztlich, dass der Verein sich 1954 in Absprache mit der Stadtverwaltung wieder in &amp;quot;St. Hubertus-Schützengesellschaft&amp;quot; umbenannte, um sich von diesem einengenden Korsett zu befreien, gleichzeitig aber auch eine kleine Gruppe von weniger als 20 Personen um Pfarrer Lennartz die Bruderschaft noch ein paar Jahre aufrechterhielt, ohne jedoch wie der Schützenverein öffentlich in Erscheinung zu treten. Bis 1955 zog sich ein gerichtlicher Streit zwischen beiden Seiten, in dessen Mittelpunkt das Vereinsvermögen stand. Die St. Hubertus-Schützengesellschaft musste sich zwar von ihrer Bruderschaftsfahne und dem Vereinssparbuch trennen, das kostbare Schützensilber jedoch verblieb dank des engagierten Einsatzes einiger Mitglieder, vor allem des Schützenkönigs Matthias Bechlenberg, in ihrem Besitz. Da Peter Cremer der kleineren Gruppe um Pfarrer Lennartz angehörte, stand dessen Ausscheiden aus dem Schützenverein offenbar nicht nur mit seiner nochmaligen Regentschaft in Zusammenhang. Die Ereignisse der Jahre 1952–1955 waren die schwerste Krise in der Geschichte des Schützenvereins, wenn es sich auch sicherlich nicht um eine Bedrohung von existenzieller Bedeutung handelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG042.jpg|300px|thumb|right| Bei der Parade zum Schützen- und Volksfest 1953.]]&lt;br /&gt;
Beim Schützenfest 1953 (1.–3. August) gab es zwei Neuerungen: Das Fest wurde erstmals am Samstagnachmittag durch einen Umzug des [[Tambourcorps]] und Böllerschüsse eröffnet. Eine weitere Premiere war das Pokalschießen am Sonntag. Die drei besten Schützen einer jeden Kompanie schossen auf Ringe. Sieger war die Kompanie mit den meisten Punkten. Der Pokal war von Alfons Stein sen. gestiftet worden. Das Pokalschießen hielt der Verein bei. Als 1982 kein Platz mehr für Gravuren auf dem Pokal war, ging er in den Bestand des [[Kreismuseum]]s, und die Garde-Brauerei stiftete einen Ersatzpokal. Im Mai 1956 beschloss der erweiterte Vorstand, dass der mit Wein gefüllte Pokal von der alten Siegerkompanie der neuen überreicht werden musste (dieser Brauch ging später verloren). Die Siegerkompanie durfte im folgenden Jahr nicht am Schießen teilnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1954 bedeutete für den Schützenverein das Ende der wegen der steigenden Mitgliederzahl immer akuter werdenden Saalfrage, denn es stand nun zur Freude der Mitglieder erstmals ein großes Schützenzelt auf dem Kirmesplatz, in dem der Verein sämtliche Bälle veranstalten konnte – Matthias Bechlenberg war somit der letzte Schützenkönig gewesen, der im [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weilerschen Saal]] gekrönt worden ist. Das Festgeschehen sollte sich aufgrund dieser Neuerung fortan etwas stärker auf einen Ort konzentrieren, was sich als vorteilhaft erwiesen hat. Das Zelt war damals mit etwa 1000 qm Fläche nur unwesentlich kleiner als heute. Seit 1954 lieferte die Zeltverleiher-Familie Peter Barrawasser regelmäßig das Festzelt für die Veranstaltungen des Zonser Schützenvereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1954 wurde die St. Hubertus-Schützengesellschaft Mitglied im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinischer_Sch%C3%Bctzenbund Rheinischen Schützenbund]. Seitdem nimmt sie regelmäßig an den Rundenwettkämpfen des Schützenbundes teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Überraschung erlebten die Zuschauer beim Schützen- und Volksfest 1955 (16.–19. Juli). Anlässlich des Fackelzuges am Samstagabend waren auch erstmals drei Großfackeln zu sehen. Da dies allgemein gefiel, beschloss der Vorstand einige Monate später, den jeweiligen Kompanien Geldpreise zwischen 5.- und 30.- DM zu überreichen, später wurden diese durch &amp;quot;Bierpreise&amp;quot; ersetzt. Diese Maßnahme hatte jedoch nur bescheidenen Erfolg. Für einiges Aufsehen sorgten bei dem Schützenfest auch die im Vorjahr gegründeten &amp;quot;Edelknaben&amp;quot;, die in diesem Jahr erstmals mitzogen. Sie stehen bis heute für den Mitgliedernachwuchs des Vereins. Ein Gründungsmitglied der &amp;quot;Edelknaben&amp;quot; war beispielsweise der spätere Vorsitzende der Schützengesellschaft Dieter Bechlenberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG043.jpg|300px|thumb|right|Das Schützenregiment auf dem Weg zur Wohnung des Schützenkönigs Nikolaus Schönen auf der Bahnstraße (heutige Aldenhovenstraße) 1954.]]&lt;br /&gt;
Im Juni 1956 veranstalteten die Schützen einen Fackelzug anlässlich der Goldhochzeit des langjährigen Vereinsmitglieds Alfons Stein sen. Auch zu solchen besonderen Anlässen traten die Mitglieder zusammen. 1956 feierte der Verein zur Freude der Mitglieder auch wieder eine Hubertusfeier. Während der vorausgegangenen Krisenjahre war diese Tradition vernachlässigt worden. Aufgrund der großen Mitgliederzahl überließ es der Verein ab 1957 den Kompanien, jeweils eine eigene Hubertusfeier mit Vereinsunterstützung zu veranstalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Protokollaufzeichnungen zum Jahr 1956 ist auch erstmals von einem &amp;quot;Oberstehrenabend&amp;quot; wenige Tage vor dem Schützen- und Volksfest die Rede. Möglicherweise war diese Veranstaltung jedoch bereits seit längerer Zeit bei den Zonser Schützen üblich gewesen. Der bereits etwas ältere Oberst Arnold Bechlenberg wurde in diesem Jahr übrigens auch Schützenkönig – es sollte also im folgenden Jahr gleich einen doppelten Anlass zur Ehrung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schützenfest 1957 (20.–23. Juli) veranstaltete der Verein das erste Mal eine Parade vor den Jubilaren im Anschluss an die Ehrung. Bis heute ist dies fester Bestandteil des Schützenfestes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im März 1958 verstarb im Alter von 80 Jahren Oberst Arnold Bechlenberg. Seit den 1920er Jahren hatte er das Zonser Schützenregiment angeführt und war zweimal Schützenkönig gewesen. Mit seinem Tod hatte der Verein eine angesehene Schützenpersönlichkeit verloren, der die Mitglieder noch Jahre anlässlich des Oberstehrenabends gedachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1958 konnte die St. Hubertus-Schützengesellschaft auf ihr 60-jähriges Bestehen zurückblicken. Mittlerweile gehörten der Vereinigung 250 Mitglieder an. Aus Anlass des Jubiläums fand im Rahmen des Schützen- und Volksfestes (19.–22. Juli) im Anschluss an den Fackelzug nach vielen Jahren wieder ein Feuerwerk statt, zu dem der Verein die damals nicht unerhebliche Geldsumme von 500.– DM aufgebracht hatte. Da dieses abendliche Farbenspiel bei den Zuschauern auf sehr positive Resonanz stieß, entschied der Vorstand, trotz der damit verbundenen hohen Kosten künftig alljährlich ein Feuerwerk zum Schützen- und Volksfest stattfinden zu lassen. Der Geschäftsführer [[Hans Wingerath]] hielt vor der Jubilarehrung eine kleine Festrede aus Anlass des Jubiläums. Zur Erinnerung an das Jubelfest verkaufte die Schützengesellschaft kleine Festanhänger zum Stückpreis von 20 Pfennig. Da der neue Schützenkönig Peter Gilgen noch ledig war, musste man sich auf die Suche nach einer Königin machen. Dass die dann getroffene Entscheidung richtig war, sollte sich später zeigen, als das Königspaar den Bund für‘s Leben schloss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1959 band der Verein auch den [[Pfarrer]] wieder etwas stärker in das Festgeschehen ein. So wurde Pfarrer [[Franz Freistedt]] während des Fackelzuges anlässlich des Schützen- und Volksfestes (18.–21. Juli) erstmals ein &amp;quot;Ständchen&amp;quot; gebracht. Diese nette Geste hielt der Verein bis heute bei, nur hat sich der Termin auf die Nachmittagszeit verschoben. Wie [[Hans Wingerath]] in einer Rede vor [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] anlässlich des Schützenfestes 1963 betonte, betrachte der Verein dies als Eröffnungszeremonie des Festes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1959	veranstaltete die St. Hubertus-Schützengesellschaft ihre Jubilarehrung erstmals auf der [[Feldstraße]], der heutigen Schloßstraße, vor dem &amp;quot;Herrenhaus&amp;quot; von Burg Friedestrom, dem heutigen [[Kreismuseum]]. Diese Änderung war notwendig geworden, da der alte Schulplatz für die zahlreichen Festteilnehmer nicht mehr ausreichte. Das Königsvogelschießen gestaltete sich in diesem Jahr etwas schwierig: Weil der Vogel nicht fallen wollte, musste der Verein die Veranstaltung um zwei Stunden unterbrechen und setzte sie erst um 18:30 Uhr fort. Zurecht hob [[Pfarrer]] [[Franz Freistedt]] in seiner späteren Rede anlässlich der Krönungsfeier am Dienstagabend das &amp;quot;Mitleid&amp;quot; des Königs hervor, &#039;&#039;&amp;quot;der es nicht mehr mit ansehen konnte, daß der Vogel in einem schwer angeschlagenen Zustand immer noch auf der Stange saß.&amp;quot;&#039;&#039; Der Vorstand nahm diesen Vorfall zum Anlass, neue Richtlinien auszuarbeiten. Auf einer erweiterten Vorstandssitzung im April 1960 wurde entschieden, dass der Vorstand künftig verpflichtet sei, einen König zu stellen, wenn sich kein Freiwilliger finde. Gleichzeitig legte die Versammlung das Mindestalter für Königsaspiranten auf 21 Jahre fest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG044.jpg|300px|thumb|right|Das Tambourcorps in neuer Uniformierung 1953.]]&lt;br /&gt;
Im November 1959 gab es erste Planungen von Seiten des Vereins für einen &amp;quot;Luftgewehr-Flachstand&amp;quot; in der [[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]]. Die Kegelbahn, die der Verein gemietet hatte, sollte zu diesem Zweck umgebaut werden. Spontan meldeten sich für diese Aufgabe auch einige handwerklich begabte Mitglieder. Der Umbau ging so schnell voran, so dass [[Hans Wingerath]] bereits beim Oberstehrenabend im Juni 1960 für den eifrigen Gebrauch der Schießbahn werben konnte – mit Erfolg: Beim folgenden Schützen- und Volksfest (16.–19. Juli 1960) erhielten die ersten sieben Schützen das bronzene Schießabzeichen des deutschen Schützenbundes. Anfang der 1960er Jahre nutzten die Vereinsmitglieder den Flachschießstand sehr häufig, mitunter sogar mehrmals wöchentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1960 spielte das Zonser [[Tambourcorps]] unter der Leitung von Tambourmajor Willy Lennartz zur allgemeinen Freude erstmals den &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Zapfenstreich Großen Zapfenstreich]&amp;quot; im Anschluss an die Jubilarehrung. Noch heute ist er ein Highlight des Schützenfestes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Von 1961 bis 1974 ===&lt;br /&gt;
Anfang der 1960er Jahre gestaltete sich das Vereinsleben bereits weitgehend in der noch heute üblichen Form: Die Hauptveranstaltung der Schützengesellschaft beispielsweise, das Schützen- und Volksfest, hatte einen festen Platz im Monat Juli, und an dem zeitlichen Rahmen von vier Tagen hat sich bis heute nichts geändert. Ähnliches lässt sich auch hinsichtlich der übrigen Vereinsveranstaltungen beobachten. Kleinere Veränderungen gab es dennoch hinsichtlich der Festabläufe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1961 hatte die Königskette der Schützengesellschaft bereits ein so großes Gewicht angenommen, dass die Teilnehmer der Generalversammlung im September den Beschluss fassten, sie um einige Silberschilde zu erleichtern, &amp;quot;denn sie ist für jeden König eine schwere Last&amp;quot;. Um niemanden zu kränken, beschloss die Versammlung, dazu eigens besondere Richtlinien auszuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ersten Jahreshälfte 1962 wurde auf dem Friedhof nahe der [[Kriegergedächtniskapelle]] der [[Ehrenfriedhof]] mit dem Ehrenmal gestaltet. Der Verein hält seitdem seine Gedenkveranstaltung in der Regel auf diesem Platz, nicht mehr vor der Kapelle. Anfang der 1960er Jahre konnte der Verein die Jugendarbeit wesentlich intensivieren. Besonders tat sich diesbezüglich der Schriftführer Helmut Houben hervor. 1963 nahm eine Gruppe Jugendlicher aus dem Schützenverein unter seiner Leitung erfolgreich an einem Waldlauf in [https://de.wikipedia.org/wiki/Grevenbroich Grevenbroich] teil. Houbens Engagement wurde auf der Generalversammlung im Oktober des Jahres besonders gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 war ein besonderes Jahr, da drei Jubiläen gleichzeitig gefeiert werden konnten: das 40-jährige Stiftungsfest des [[Tambourcorps]], das 60-jährige Jubiläum der Hohenzollern-Kompanie und das 40-jährige des Jägerzuges &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot;. Beim Stiftungsfest des Tambourcorps am 13./14. Juni veranstaltete die St. Hubertus-Schützengesellschaft einen großen Fackelzug und einen Festzug mit den Vereinsfahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1964 gab es fruchtbare Bemühungen um eine Annäherung zwischen der St. Hubertus-Schützengesellschaft und der [[Stürzelberg]]er St. Aloysius-Schützenbruderschaft. Beim Oberstehrenabend im Juni 1964 war auch der Vorsitzende und Oberst von Stürzelberg, Peter Malzkorn, anwesend. Die Vereine warn bereit, sich gegenseitig bei den Festveranstaltungen zu unterstützen. Beim Zonser Schützen- und Volksfest 1964 (18.–22. Juli) nahm daher nach langer Zeit erstmals wieder das Stürzelberger Tambourcorps teil, &#039;&#039;&amp;quot;und alle begrüßten dies, weil nun endlich das Kriegsbeil begraben ist zwischen Zons und Stürzelberg&amp;quot;&#039;&#039;, wie der Schriftführer Helmut Houben im Protokoll hervorhebt. Wie 1963 herrschte auch in diesem Jahr wieder eine &amp;quot;Tropenhitze&amp;quot; an den Festtagen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG045.jpg|300px|thumb|right|Eine Parade auf der Schloßstraße vor dem Feldtor 1962/63.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG046.jpg|300px|thumb|right|Parade vor dem &amp;quot;Herrenhaus&amp;quot; in der Feldstraße um 1965/66.]]&lt;br /&gt;
Als der Zonser [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] am 4. Oktober 1964 sein 25jähriges Priesterjubiläum feierte – er wirkte seit 1961 in Zons –, gratulierte auch der Vorstand der St. Hubertus-Schützengesellschaft sehr herzlich und überreichte dem beliebten Geistlichen ein wertvolles Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 wurde Willy Lennartz durch Wahl neuer Oberst der Schützengesellschaft. Er sollte den Posten fortan für viele Jahre mit Kontinuität bekleiden. Vor 1964 hatte es in diesem Posten einige Wechsel in rascher Folge gegeben (Nikolaus Schönen, Helmut Houben, Arnold Boes, Gottfried Boes).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmsweise begann der Oberstehrenabend im Juni 1965 mit einem kleinen Feuerwerk vor dem Fackelzug. An dem Zug nahm wie traditionell das Zonser Tambourcorps teil, das sich kurz zuvor durch die Aufnahme einiger Jugendlicher deutlich vergrößert hatte. Auf der anschließenden Versammlung sprach sich [[Bürgermeister]] [[Georg Lerch]] besonders für eine Intensivierung der Verständigung zwischen den Schützenvereinen Zons und Stürzelberg aus. Erfreulicherweise waren dann bei dem Schützen- und Volksfest wenige Wochen später auch der Stürzelberger Schützenkönig mit dem Vorstand der St. Aloysius-Schützenbruderschaft anwesend, was Lerch in seiner Festansprache besonders hervorhob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Königsvogelschießen gestaltete sich 1965 außergewöhnlich: Zunächst schossen die Schützen recht rege auf den Vogel, &#039;&#039;&amp;quot;aber als man sah, daß ihm bald der Garaus gemacht wurde, war plötzlich der Schießstand leer, nur Schriftführer und Schießmeister waren allein. Ein Raunen ging über den Festplatz. Wer wird den Rest von der Stange holen? Dann kam Günther Vailland und setzte sich auf den Stuhl, und mit wenigen gezielten Schüssen holte er den Rest von der Stange ...&amp;quot;&#039;&#039; Ein solcher Vorfall ist heute ausgeschlossen, da der Verein bereits 1974 eine Bewerbungsfrist für Aspiranten einführte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt des Jahres 1966 bildete die Weihe der neuen Vereinsfahne der St. Hubertus-Schützengesellschaft. Am Sonntagmorgen, dem 15. Mai 1966, nahm [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] die feierliche Weihe der Fahne in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] vor. Als Paten fungierten Hilde Lennartz, die Frau des Oberst, und der erste Vorsitzende Matthias Bechlenberg. Anschließend zogen die Schützen zum Zelt, wo Geschäftsführer [[Hans Wingerath]] zur Eröffnung eine feierliche Rede hielt. Dabei begrüßte er die zahlreichen Ehrengäste und dankte besonders den beiden Paten. Dann richteten auch [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]], [[Bürgermeister]] [[Georg Lerch]] und [[Stadtdirektor]] [[Artur Elicker]] einige Worte an die Anwesenden, bevor sich die Teilnehmer bei Bier und Musik für einige Zeit dem Vergnügen hingaben. Um 15 Uhr zogen die Schützen in Formation durch die Feste, wobei vier Jungschützen wohl besonders stolz mitzogen, denn sie durften die neue Vereinsfahne tragen: Franz Herbert Rütten, Karl-Josef Plenker, Peter Houben und Karl-Peter Libertus. Nach dem Festzug ging es wieder zu Bier und Tanz ins Festzelt. Wie der Schriftführer betont, empfanden die Schützen den Tag der Fahnenweihe als eine Art kleines Schützenfest. Die Fahne, die bei der Fahnenfabrik Richter in Köln in Auftrag gegeben worden war, zeigt auf einer Seite den Vereinspatron St. Hubertus mit Hirsch, auf der anderen eine Ansicht vor dem Rheintor. – Einer der jungen Fahnenträger, Franz Herbert Rütten, verunglückte leider wenig später bei der Ausübung des Wehrdienstes tödlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG047.jpg|300px|thumb|right|Die Vereinsfahne von 1966.]]&lt;br /&gt;
Angesichts der gestiegenen Kosten gab es 1966 Überlegungen, das Feuerwerk zum Schützenfest ausfallen zu lassen. Erfreulicherweise entschieden die Mitglieder jedoch, es trotzdem beizubehalten, da ansonsten etwas fehle. Überraschenderweise war bei dem Schützenfest-Fackelzug nach langer Zeit auch wieder eine Großfackel zu sehen: Die Schillschen Offiziere hatten sie in mühevoller Arbeit zusammengebaut. Das Regenwetter während der Festtage war eine Belastung für die Schützen. Daher verlangte das Königsvogelschießen in diesem Jahr ein wenig Improvisationstalent: Es fand diesmal unter einem Regenschirm und einer &amp;quot;Bude&amp;quot;, die man schnell herbeigeschafft hatte, statt. Doch wich die Betrübnis über dieses anhaltend schlechte Wetter bei den Mitgliedern spätestens beim Krönungsball, bei dem es zu einer erfreulichen Überraschung kommen sollte: Der Patenonkel der Königin Elisabeth Wimmer, Johann Adam Marx, spendete dem Verein für einen guten Zweck den beachtlichen Betrag von 1.000,– DM, &amp;quot;und alle freuten sich über den edlen Spender.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine erweiterte Vorstandssitzung im Juni 1967 entschied einhellig, die Jubilarehrung und Frühparade in diesem Jahr erstmals am [[Schweinebrunnen]] durchzuführen. Bereits 1959 war der Brunnen errichtet und der Platz umgestaltet worden. Ausschlaggebend für diese Entscheidung wird sicherlich der Abriss der alten Schule 1967 gewesen sein. Das Schützen- und Volksfest ließ an dieser Entscheidung nicht zweifeln, denn der Platz vor dem Schweinebrunnen, so stellt der Protokollant fest, sei besser geeignet für so einen feierlichen Augenblick als der alte Schulhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1967 gab es Bemühungen, dem Schützenzug ein einheitlicheres Erscheinungsbild zu geben. Auf einer Generalversammlung im September des Jahres sprachen sich die Mitglieder deutlich gegen den bisherigen Brauch aus, Kinder von Mitgliedern den Kompanien vorangehen zu lassen. Sie sollten sich zukünftig den Edelknaben anschließen. Die Belustigung, die diese Kinder regelmäßig durch ihr Vorausmarschieren hervorgerufen hatten, war zwar erheiternd, ließ sich aber beim besten Willen nicht mit dem erhofften Eindruck des Schützenregiments in Einklang bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Oberstehrenabend des Jahres 1968 (6. Juli) musste ausnahmsweise ohne den Oberst abgehalten werden, da Willy Lennartz im Krankenhaus lag. Der Vorstand besuchte ihn dort und überbrachte herzliche Grüße aller Schützen und Genesungswünsche. Die Veranstaltung verlief ansonsten im üblichen Rahmen. Beim Schützen- und Volksfest sollte Willy Lennartz von Wolfgang Steup vertreten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Feuerwerk zum Schützenfest 1968 wollten die Verantwortlichen noch eindrucksvoller gestalten, indem auch die Kulisse des [[Rheinturm]]s und des Vorplatzes in das Farbenspiel miteinbezogen wurde. Die Festtage waren wieder außergewöhnlich feucht. So musste beispielsweise wegen heftiger Regenfälle das Pokalschießen am Dienstagmorgen ausfallen. Erst am Spätkirmessonntag holten die Schützen den Wettkampf nach. Recht interessant ist eine Angabe zur Bierversorgung im Festzelt, die die beachtliche Preisentwicklung deutlich macht: Demnach kam in diesem Jahr &amp;quot;Original Kölsch&amp;quot; zum Ausschank zu 55 Pfennig das Glas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ersten Jahreshälfte 1969 konnte mit Hilfe vieler Vereinsmitglieder ein neuer Schießstand der Schützengesellschaft fertiggestellt werden. Die Pläne für denselben hatten zwei ortsansässige Architekten ausgearbeitet. Die Stadt Zons hatte das Projekt mit 2.000,– DM bezuschusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schützenfest 1969 dürfte den Teilnehmern durch zwei besondere Ereignisse lange in Erinnerung geblieben sein: Als sich am ersten Schützenfesttag, dem 19. Juli, abends alle im Zelt versammelt hatten, geschah plötzlich etwas, das &#039;&#039;&amp;quot;nicht im Programm stand, denn plötzlich verlöschte das Licht und das voll besetzte Zelt lag im Dunkeln. Auf dem Schützenplatz ruhte der ganze Betrieb, und nur die Straßenbeleuchtung brannte.&amp;quot;&#039;&#039; Die Freiwillige [[Feuerwehr]] Zons konnte sich in dieser Situation als Retter in der Not beweisen: Mit ihrer Hilfe &#039;&#039;&amp;quot;ging der Betrieb im Zelt weiter. Sie fuhren den Wagen vor den Eingang, und der Scheinwerfer strahlte ins Zelt ...&amp;quot;&#039;&#039; Nach weiteren 40 Minuten hatten Mitarbeiter des [https://de.wikipedia.org/wiki/RWE RWE] den Schaden behoben.&lt;br /&gt;
Etwas außergewöhnlich verlief auch der Königsball am Montagabend, dem 21. Juli, woran deutlich wird, dass sich der Verein in gewisser Weise auch von den großen weltgeschichtlichen oder hier besser passend: &amp;quot;weltraumgeschichtlichen&amp;quot; Ereignissen beeindrucken ließ: Die Schützen wurden &#039;&#039;&amp;quot;immer wieder [...] von dem faszinierenden Unternehmen der Mondlandung unterrichtet.&amp;quot;&#039;&#039; Als schließlich die Nachricht eintraf, dass der erste Mensch den Fuß auf den Mond gesetzt habe, zeigten die Zeltinsassen ihre volle Begeisterung und ließen lauten Jubel ertönen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die steigenden Kosten für Musik und Zelt stellten den Verein 1970 vor erhebliche Probleme. Es kam daher zu einem Streitgespräch mit dem Zeltverleiher. Der Vorstand bemühte sich um höhere Zuwendungen seitens der Stadt, konnte aber eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags nicht verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gab es auch wieder Bemühungen, den Schießsport stärker zu beleben. In den vorausgegangenen Jahren hatten diese außerfestlichen Aktivitäten deutlich abgenommen. Mit der Schießgruppe kam man überein, künftig wieder jeden ersten Sonntag im Monat ein Schießen stattfinden zu lassen. Diese Bemühungen hatten aber nicht den erhofften Erfolg, so dass man sich auch im folgenden Jahr weiter bemühen musste. Auch das Schützen- und Volksfest konnte wieder um einen Schießwettkampf bereichert werden: Nach langer Zeit veranstaltete die Schützengesellschaft am Dienstagmorgen, dem 21. Juli 1970, erstmals wieder ein &amp;quot;Bürgervogelschießen&amp;quot; für Nichtvereinsmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung wählte im November 1970 erstmals einen Ältestenrat der Schützengesellschaft. Diesem Gremium gehörten die Mitglieder Matthias Marx, Rudi Venzke, Rudi Kapma, Johann Boes und Peter Lennartz an. Bei dieser Versammlung war auch der [[Stadtdirektor]] [[Artur Elicker]] anwesend. Er machte die Mitglieder erstmals auf das besondere Jubiläumsjahr 1973 aufmerksam: [[Stadtfest 1973|Stadtfest 600 Jahre Stadtrechte]] und 75-jähriges Bestehen der St. Hubertus-Schützengesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mai 1972 fand die Eröffnung des [[Kreismuseum]]s im restaurierten Herrenhaus von [[Burg Friedestrom]] statt. Das Museum entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem Besuchermagnet und wurde so zu einem neuen städtischen Mittelpunkt. Die Schützen würdigten diese Tatsache auf ihre Weise, indem sie das Museum in ihr Festprogramm einbanden. Das Schützen- und Volksfest vom 15.–18. Juli wurde so erstmals mit einem Platzkonzert durch das Zonser [[Tambourcorps]] und die Jägerkapelle [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg] vor dem [[Herrenhaus]] eröffnet. Das Konzert stellte gleichzeitig ein Ständchen für die Museumsleiterin [[Helene Blum-Spicker|Helene Blum]] dar. Sie bedankte sich mit sichtlicher Rührung und spendierte einen kleinen Umtrunk. Das Konzert vor dem Herrenhaus bildet noch heute einen wesentlichen Bestandteil der Eröffnungszeremonie des Schützenfestes.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG048.jpg|300px|thumb|right|Der Vorstand der Schützengesellschaft 1973.]]&lt;br /&gt;
Vom 26. Mai bis zum 3. Juni 1973 fand in Zons ein großes [[Stadtfest 1973|Stadtfest]] anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Stadtrechtsverleihung (1373) statt. Den Höhepunkt der Festtage bildete der große Festumzug am Sonntag, dem 3. Juni. Die einzelnen Zuggruppen stellten unterschiedliche Zeitabschnitte oder Ereignisse aus der Geschichte der ehemaligen Zollfeste dar. So bezog sich beispielsweise eine Gruppe auf die alte [[Sebastianus-Schützenbruderschaft]], indem sie den Vogelschuss mit [[Clemens August (Kurfürst)|Kurfürst Clemens August]] 1739 nachstellte. Die Gruppe setzte sich aus den folgenden Darstellern zusammen: ein Page, Kurfürst Clemens August, 6 Sebastianusbruderschafts-Mitglieder, ein Junge mit dem Königsvogel, zwei Jungen mit Zielscheibe jeweils rechts und links neben dem Königsvogel, ein Kammerdiener des Kurfürsten und ein Brudermeister mit goldenem Schild. Die letzte Festzugs-Gruppe bildeten die Fahnenabordnungen der St. Hubertus-Schützengesellschaft Zons und der St. Aloysius-Schützenbruderschaft Stürzelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schützen- und Volksfest 1973, vom 14. bis zum 17. Juli, feierte die St. Hubertus-Schützengesellschaft anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens wieder in einem größeren Rahmen. Am ersten Festtag fand nachmittags eine Versammlung der zahlreichen Ehrengäste im Kaminzimmer des [[Kreismuseum]]s statt. Unter den Ehrengästen befanden sich auch alle noch lebenden Schützenkönige des Vereins. Der erste Vorsitzende [[Hans Wingerath]] eröffnete das Jubiläumsfest mit einer Ansprache, dann folgten einige feierliche Worte von [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]], [[Bürgermeister]]in [[Hannelu Manitz]] und Museumsleiterin [[Helene Blum-Spicker|Helene Blum]]. Alle ehemaligen Schützenkönige bekamen vom ersten Vorsitzenden einen alten Merian-Stich der Zollfeste überreicht. Den musikalischen Rahmen bildeten mehrere Musikgruppen, die vor dem [[Herrenhaus]] aufspielten. Die Schützenzüge wurden während der Festtage durch zahlreiche auswärtige Abordnungen unterstützt. Auch die zahlreichen mitgeführten Blumenhörner verliehen den Festzügen einen besonders feierlichen Anstrich. Zur Erinnerung an die Festtage hat die Schützengesellschaft eine kleine Jubiläumsbroschüre drucken lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Generalversammlung im September des Jahres wurde die neugegründete Reiterkompanie aufgenommen. Da dieser Kompanie auch Frauen angehörten, folgte eine Grundsatzdiskussion. Damen, so das Ergebnis der Besprechung, sei es gestattet, am Vereinsleben und insbesondere an den Umzügen teilzunehmen, wenn sie sich in gleicher Weise uniformiert kleiden wie die männlichen Vereinsmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 18. und 19. Mai 1974 feierte das Zonser [[Tambourcorps]] sein 50-jähriges Bestehen. Eingeleitet wurde das Fest mit einem abendlichen Fackelzug, an dem alle Kompanien in Uniform teilnahmen. Die Festmesse am Sonntagmorgen wurde durch die Fahnenabordnungen der Schützengesellschaft verschönert. Am Nachmittag formierte sich schließlich wieder ein großer Festzug durch die Straßen der Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Protokollführer Helmut Houben bezüglich des Schützen- und Volksfestes 1974 (20.–23. Juli) anmerkt, nahm zu dieser Zeit auch die Polizei zunehmend regen Anteil am Festgeschehen: &amp;quot;sogar schießen sie einen König aus.&amp;quot; Das eigentliche Königsvogelschießen führte der Verein in diesem Jahr erstmals in der noch heute üblichen Art und Weise durch, indem sich die Aspiranten vorher melden und anschließend nach einer durch Lose bestimmten Reihenfolge abwechselnd schießen mussten. Vorher war es üblich gewesen, dass Kompanien den Teilnehmern Schüsse anboten, wobei sich die Anzahl der zu vergebenden Schüsse nach der jeweiligen Mitgliederzahl der Kompanie richtete. Die Kompanien standen in einer bestimmten Reihenfolge, nach der geschossen wurde: Zuerst schoss derjenige, der die Schüsse der ersten Kompanie erhalten hatte. Zählte die erste Kompanie beispielsweise 20 Mitglieder, durfte der Schütze also 20 Schüsse aufeinanderfolgend auf den Vogel abgeben. Dann folgten die Schüsse der zweiten Kompanie: Hatte der Schütze auch diese erhalten, durfte er weiterschießen, ansonsten war der jeweilige andere Aspirant an der Reihe usw. Der Schütze mit dem besten &amp;quot;Draht&amp;quot; zu den Kompanien hatte also vor 1974 die größten Chancen gehabt – Chancengleichheit war vor 1974 noch ein Fremdwort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung im November 1974 befasste sich erneut mit den Rechten der weiblichen Vereinsmitglieder. Da in den Statuten neutral festgelegt war, dass jedes Mitglied ab 21 Jahre Schützenkönig werden dürfe, traf dies formell auch auf Frauen zu. Es kam diesbezüglich jedoch zu keiner Einigung. Erst ein Beschluss der Generalversammlung im Dezember 1992 sollte den Frauen dieses Recht uneingeschränkt einräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Von der kommunalen Neugliederung 1975 bis 1997 ===&lt;br /&gt;
Die am 1. Januar 1975 vollzogene [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebietsreform Kommunale Neugliederung] bedeutete für Zons den Verlust der städtischen Selbstverwaltung zugunsten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Stadt Dormagen]. Zons trug seitdem offiziell die Bezeichnung &amp;quot;Feste&amp;quot;. Die Neugliederung war eine nicht unumstrittene administrative Maßnahme, die aber die Grundlage für eine noch engere Verbindung des Zonser Schützenvereins mit den benachbarten Schützenvereinen bildete. Deutlich wird dies beispielsweise an der bereits 1977 erfolgten Gründung des Stadtschützenverbandes bzw. an der gemeinsamen Teilnahme am Dr.-Geldmacher-Pokalschießen: Der Pokal war von dem Bürgermeister der Stadt Dormagen Dr. Gustav Geldmacher für die Vereine des Stadtgebiets (ursprünglich nur die Vereine aus Dormagen, Delhoven, Hackenbroich und Horrem) gestiftet worden. Nach der Kommunalen Neugliederung durfte also auch der Zonser Schützenverein teilnehmen. So trat am 24. Mai 1975 erstmals eine Abordnung aus Zons zu dem Wettkampf an. Mit 643 Ringen belegten die Zonser auch spontan den ersten Platz und durften den Pokal in Empfang nehmen. Die erfolgreichen Schützen hießen Heinrich Stein, Hubert Arentz, Hans Kruska, Hubert Renner, Gottfried Koch, Kornelius Klein, Ernst Müller, Peter Rosellen, Josef Spickenagel und Hans Wannhoff. Der Pokal wird noch heute regelmäßig im Ende Februar/Anfang März ausgeschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schützen- und Volksfest 1975 (19.–22. Juli) konnte die Schützengesellschaft unter den Ehrengästen erstmals auch den Stifter des Pokalschießens, Bürgermeister Dr. Gustav Geldmacher, begrüßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1976 trat die St. Hubertus-Schützengesellschaft dem &amp;quot;[[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Heimat- und Verkehrsverein der Feste Zons]]&amp;quot; unter dem Vorsitzenden [[Helmut Scholten]] bei und unterstützt den Verein dadurch seitdem in seinen umfangreichen Aufgaben und Zielen, die weit über die Pflege und Förderung des Fremdenverkehrswesens hinausgehen, indem sie auch die Erhaltung des Brauchtums und den Denkmalschutz miteinbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 26. April 1977 fand in Stürzelberg die Gründung des Stadtschützenverbandes statt. Der Zonser Verein entsandte als Delegierte die Mitglieder [[Hans Wingerath]] (erster Vorsitzender), Dagobert Lilge, Hans Wannhoff (erster Kassierer), und Hans Heinz Klein (Schützenkönig).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Ehrung erfuhr beim Schützen- und Volksfest 1977 (16.–19. Juli) der 87-jährige Heinrich Gilgen. Er gehörte beachtliche 70 Jahren der Schützengesellschaft an und hatte über viele Jahre als Adjutant im Schützenregiment gewirkt. Anfang Juli des Jahres war übrigens in einer erweiterten Vorstandssitzung festgelegt worden, Mitglieder ab dem 75. Lebensjahr von der Zahlung des Mitgliedsbeitrags zu befreien. Der Jubilar kam nun also zusammen mit wenigen weiteren älteren Vereinsmitgliedern in den Genuss dieses neuen Privilegs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für besonderes Aufsehen sorgte bei dem Schützenfest 1977 ein neugegründetes Zonser Jugendtambourcorps mit 15 Mitgliedern. Beim Frühschoppen im Zelt spielte es unter der Leitung von Gerd Bock erstmals einen neuen Marsch, den der Dirigent selbst komponiert hatte. Das Jugendtambourcorps sollte später in dem Zonser [[Tambourcorps]] aufgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1979 nahm an dem Zonser Schützen- und Volksfest (14.–17. Juli) erstmals als Ehrengast auch der Stadtschützenverbands-Vorsitzende Karl Hansen teil. Die Schützen wollten diesem Fest eine besondere Note aufdrücken, indem sie den&lt;br /&gt;
Rheindamm als Marschweg für den Fackelzug miteinbezogen. Doch ist dieses Vorhaben leider nicht gelungen, so dass man davon für die Zukunft wieder absehen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer erweiterten Vorstandssitzung im September 1979 regte ein Vereinsmitglied, Hans-Josef Marx, einen besonderen jährlichen Schießwettbewerb für die ehemaligen Schützenkönige an. Dieser Vorschlag wurde mit großer Zustimmung angenommen. Marx hatte sich gleichzeitig bereiterklärt, den Wanderpokal zu stiften. Das Schießen fand erstmals am 6. Oktober 1979 (auf Spätkirmes) am Hochstand statt. Erster &amp;quot;König der Könige&amp;quot; wurde der Schützenkönig 1962/63 Willy Bless. Der Vereinsvorsitzende [[Hans Wingerath]] bezeichnete dieses Schießen in der Generalversammlung im Dezember als neuen Höhepunkt im Jahresablauf der Schützengesellschaft, und man war sich einig, dass der Wettkampf künftig ein fester Bestandteil des Jahresablaufs sein sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur einen Tag nach dem ersten Schießen &amp;quot;König der Könige&amp;quot; feierte [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Selbstverständlich waren zu der morgendlichen Messe auch die Fahnenabordnungen der St. Hubertus-Schützengesellschaft zugegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1980 bemühte sich der Verein wieder stärker um den Aufbau einer Schießgruppe. Die bisherige war nur noch so gering besetzt, dass der Schießstand im [[Bürgerhaus]] nur selten genutzt wurde. Die Schießgruppe konnte sich in den folgenden Jahren wieder stärker etablieren und weitgehend selbständig weiterentwickeln. Der Schießstand, der mit dem Bau des [[Bürgerhaus]]es (Baubeginn 1971) eingerichtet worden war, war vom Verein von Anbeginn an mehr oder weniger regelmäßig genutzt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1980er Schützenfest (19.–22. Juli) ging als sehr feuchte Veranstaltung in die Vereinsprotokolle ein, bei der sich das Zelt beinahe in eine &amp;quot;Arche Noah&amp;quot; verwandelte. Unbezwingbar wie diese Naturgewalten war aber offenbar auch die Entwicklung des Bierpreises im Festzelt: Er lag in diesem Jahr bereits bei 1,10 DM (zur Erinnerung: 1968 hatte ein Glas noch 55 Pfennig gekostet). – Die Festzüge konnten in diesem Jahr durch zwei Fahnenschwinger bereichert werden. Seit über vier Jahrzehnten war kein Fahnenschwinger mehr im Festzug zu sehen gewesen. Seit 1980 gehört dies wieder zum gewohnten Erscheinungsbild des Schützenregiments. – Neuer Schützenkönig 1980/81 wurde Willy Mühlensiepen, der Kompanieführer der &amp;quot;Brav Junge&amp;quot;. Mit ihm hatte die Kompanie bis dato bereits die beachtliche Anzahl von fünf Königen gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch 1981 gab es einige Neuerungen: Im April war der Beschluss gefasst worden, erstmals &amp;quot;Bürgerkarten&amp;quot; für die Veranstaltungen im Festzelt zu verkaufen. Jedes Vereinsmitglied erhielt zwei Eintrittskarten für den Verkauf. Diese Maßnahme hatte großen Erfolg, so dass die Einnahmen beachtlich stiegen. Der Verein behielt dieses Konzept daher bei. Das 1977 eingeführte Privileg der Befreiung vom Mitgliedsbeitrag für Personen ab 75 Jahre erhalten seit 1981 auf Antrag auch die wehr- bzw. zivildienstleistenden Vereinsmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein musikalisches Erlebnis der außergewöhnlichen Art durften die Zuschauer des morgendlichen Schützenaufzugs anlässlich des Schützen- und Volksfestes 1981 (18.–21. Juli) erfahren. Schriftführer Ingo Folke musste feststellen, dass &#039;&#039;&amp;quot;der aufgeführte Zapfenstreich besonders erwähnt werden [müsse], da seine Mißtöne noch heute jeder Anwesende im Ohr hat.&amp;quot;&#039;&#039; Vielleicht waren die Musiker etwas irritiert wegen des anhaltenden Regens. Nach einer Anekdote soll der Vorsitzende [[Hans Wingerath]] am [[Schweinebrunnen]] ratlos gemurmelt haben: &#039;&#039;&amp;quot;Also ohne Regen geht es scheinbar nicht ab bei uns.&amp;quot;&#039;&#039; Oberst Willy Lennartz soll dies dann mit dem Brustton der Überzeugung so gedeutet haben: &#039;&#039;&amp;quot;Dä Rään ess, weil mer frische Plante jeposs han – mer muss ochens an die Landwirtschaft denke und nit nur an Schötzefess&amp;quot;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Wettbewerb &amp;quot;König der Könige&amp;quot; sich einer großen Beliebtheit erfreute, veranstaltete der Verein am Spätkirmes-Samstag 1981 auch erstmals ein Schießen der ehemaligen Königinnen. Der Pokal, den Renate Fünger und Matthias Bechlenberg gestiftet hatten, durfte als Erste Gerti Arentz, die Schützenkönigin 1967/68, in Empfang nehmen. – Damit auch andere Frauen die Möglichkeit hatten, an einem Schießwettkampf teilzunehmen, veranstaltete der Verein am 9. Mai 1982 auch erstmals ein Bürgervogelschießen am Hochstand nur für Frauen. Es fand einen Tag nach dem Oberstehrenabend im Anschluss an einen Frühschoppen statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vorstandsversammlung im Juli 1982 kam darin überein, dass der Schützenkönig und der &amp;quot;König der Könige&amp;quot; jeweils einen Baum auf dem &amp;quot;[[Wallgraben]]&amp;quot; pflanzen sollten. Die Anregung dazu hatte der städtische Gartenamtsleiter Jean Heutz gegeben, da zuvor bereits einige Bäume aus Krankheitsgründen entfernt worden waren und weiteren das gleiche Schicksal drohte. Der Brauch des Baumpflanzens findet sich bei vielen Schützenvereinen, war in Zons jedoch bis dahin unüblich. Am Schützenfest-Samstag, den 17. Juli 1982, hatte Schützenkönig Hubert Blömacher die Ehre, den ersten &amp;quot;Königsbaum&amp;quot; setzen zu können, eine junge Kastanie, die die Stadt gestiftet hatte. Der Vorsitzende [[Hans Wingerath]] hob in einer Ansprache den besonderen Nutzen dieses Brauchs hervor und sagte, er hoffe, dass &#039;&#039;&amp;quot;Zons auf diese Weise in einigen Jahren eine eigene Königsallee bekommt.&amp;quot;&#039;&#039; 1989 wurde neben die Bäume jeweils ein Stein mit einem metallenen Hinweisschild gesetzt, dem Name und Regierungsjahr des Königs zu entnehmen sind. Noch heute pflanzt der Schützenkönig am Schützenfest-Samstag einen Baum, der &amp;quot;König der Könige&amp;quot; am Spätkirmesmontag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ereignisse der Jahre 1983-1997 folgen schlaglichtartig:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1983&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
März: An der kirchlichen Zeremonie anlässlich der Verabschiedung von [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] nehmen Fahnenabordnungen der Schützengesellschaft teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai: Auch die Einführungsmesse des [[Pfarrer]]s [[Hermann Joseph Reuter]] wird durch Fahnenabordnungen verschönert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27. Mai: Die St. Hubertus-Schützengesellschaft wird in das Vereinsregister beim Amtsgericht Neuss eingetragen. Bereits seit mehreren Jahren hatte sich der Verein um das &amp;quot;e.V.&amp;quot; bemüht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1984&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14. Juli: Das alte Wegekreuz an der Ecke Deichstraße/Franziskanerstraße wird nach einer Restaurierung von [[Pfarrer]] [[Hermann Joseph Reuter]] eingeweiht. An dieser Zeremonie, musikalisch untermalt vom Zonser [[Tambourcorps]] und der Musikkapelle &amp;quot;Rheinklänge Nievenheim&amp;quot;, nimmt der Vorstand des Schützenvereins teil. Die Restaurierungskosten sind von der Schützengesellschaft mit getragen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1985&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der sonntägliche Gottesdienst anlässlich des Schützen- und Volksfestes (20.–23. Juli) wird erstmals als Feldgottesdienst abgehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.-7. Oktober: Zur Spätkirmes wird erstmals ein Zelt aufgebaut, da für den Frühball kein Zonser Saal mehr ausreichend war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1986&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. April: Auf einer außerordentlichen Generalversammlung wird der zurückgetretene Vorsitzende [[Hans Wingerath]] zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Gleichzeitig wird der bisherige Oberst Willy Lennartz zum neuen Vorsitzenden und sein Sohn Peter Lennartz zum neuen Oberst gewählt. Der plötzliche Rücktritt Wingeraths aus gesundheitlichen Gründen sowie der Austritt des [[Tambourcorps]] aus dem Verein wenige Monate vor dieser Generalversammlung hatten eine nicht unerhebliche Vereinskrise zur Folge gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1987&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13.–21. Juni: Die Schützengesellschaft veranstaltet erstmals eine Schießwoche mit mehreren Schießwettkämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erste Jahreshälfte: Der Platz vor dem [[Schweinebrunnen]] wird u.a. mit bronzenen, lebensgroßen Schweinen neugestaltet. Die Neuß-Grevenbroicher Zeitung (17. Juli 1987) kommentiert dies im Hinblick auf das Schützenfest folgendermaßen: &#039;&#039;&amp;quot;Kann man Jubilare zwischen diesen &#039;Säuen&#039; stehend ehren? Kann ein Gefreiter zum Obergefreiten befördert werden, während links und rechts lebensgroße Schweine stumm vor sich hin grunzen? Und wie muß sich ein Ehrengast fühlen, der hinter einem derartigen Borstenvieh postiert wurde?&amp;quot;&#039;&#039; – Diese Befürchtungen waren unbegründet, wie sich zeigen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1987 endete das Schützen- und Volksfest jeweils mittwochmorgens inoffiziell mit einem außergewöhnlichen Ereignis, einer &amp;quot;Nachtparade&amp;quot;, die etwa um 2:30 Uhr begann. Anfangs von nur wenigen Personen in vergnügter Bierlaune veranstaltet, hat sich diese Parade in den folgenden Jahren erheblich ausgeweitet, so dass sogar mehrere hundert Personen neben dem Königspaar teilnahmen. Dabei handelt es sich um eine Art Parodie auf die gewöhnlichen Paraden, bei der praktisch fast alles denkbar ist: zweckentfremdete Gegenstände wie Verkehrsschilder, Plastikhocker oder ein Fahrrad als Pferdersatz tauchten in dem Zug ebenso auf wie Frauen in typisch männlicher Uniformierung. Solche Nachtparaden als heiterer Ausklang des Schützenfestes sind sehr beliebt und werden auch von anderen Schützenvereinen veranstaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1988&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16.–19. Juli: Im Rahmen des Schützen- und Volksfestes wird im [[Kreismuseum]] eine von Josef Blömacher zusammengestellte Fotoausstellung eröffnet, die 40 Jahre Schützenvereinsgeschichte veranschaulicht. Zu dieser Veranstaltung aus Anlass des 90-jährigen Vereinsjubiläums hat der amtierende Schützenkönig Dieter Bechlenberg auch alle ehemaligen Schützenkönigspaare eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14. Dezember: Auf einer außerordentlichen Vollversammlung wird einstimmig eine Satzungsänderung zur Vorstandserweiterung beschlossen. Es werden das Amt des zweiten Geschäftsführers und das des Beisitzers eingeführt. Da der Vorsitzende Willy Lennartz bereits seinen baldigen Rücktritt angekündigt hat, wird der Beisitzerposten zur Einarbeitung für den potentiellen Nachfolger eingerichtet. 1991 wird der gewählte Beisitzer Dieter Bechlenberg dann tatsächlich einstimmig neuer erster Vorsitzender des Vereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1989&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21.–23. April: In Dormagen findet der &amp;quot;Rheinische Schützentag&amp;quot; statt. Aus Zons nehmen verschiedene Kompanien, alle Fahnen und der Vorstand teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15.–18. Juli: Anlässlich des Schützenfestes stiftet Bürgermeister [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Olaf_Hoffmann Peter-Olaf Hoffmann] der St. Hubertus-Schützengesellschaft eine neue Fahne mit dem Wappen der ehemaligen Stadt Zons. Sie wird durch [[Pfarrer]] [[Peter Heidkamp]] geweiht. Die Fahne wird von der jeweiligen Königskompanie getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1990&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Mai: Eine Vorstandsversammlung entscheidet, dass wegen der Fußball-WM bei der Schießwoche im Zelt ein Fernseher installiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Dormagener Hundebesitzer wird verurteilt, weil sein Hund ein &amp;quot;Häufchen&amp;quot; hinterlassen hatte. Dieser verklagt daraufhin den dortigen Schützenverein wegen der &amp;quot;Pferdeäpfel&amp;quot;. Die Neusser Kreisverwaltung stellt das Verfahren Anfang 1991 ein, da &amp;quot;Ross und Reiter&amp;quot; nicht ermittelt werden können. Auch der Zonser Schützenverein richtet seitdem sein Augenmerk stärker auf diesen anfallenden Dung und sorgt für eine umgehende Beseitigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1991&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG050.jpg|300px|thumb|right|Der Große Verdienstorden der Schützengesellschaft.]]&lt;br /&gt;
20.–23. Juli: Beim Schützen- und Volksfest erhalten Matthias Bechlenberg, Dieter Schmidt und Willy Lennartz den von Harald Ohligschläger entworfenen neuen &amp;quot;Großen Verdienstorden&amp;quot; der Schützengesellschaft und werden dadurch gleichzeitig zu Ehrenmitgliedern ernannt: Bechlenberg und Lennartz als langjährige Vorstandsmitglieder und Schmidt als über viele Jahre großer Gönner der Schützengesellschaft. Der Orden, von dem nur fünf Exemplare existieren, ist die höchste Auszeichnung des Vereins. Über die Vergabe entscheidet ein besonderes Gremium. Stirbt ein Ordensträger, geht der Orden zurück an den Verein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1992&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18.–21. Juli: Beim Schützen- und Volksfest wird Franz Arentz mit der großen goldenen Verdienstnadel des Rheinischen Schützenbundes für 70-jährige Mitgliedschaft in der Schützengesellschaft geehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1993&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.–13. Juni: Das Schießen &amp;quot;König der Könige&amp;quot; wird erstmals anlässlich der Schießwoche veranstaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Juli: Der Oberstehrenabend findet erstmals in der restaurierten [[Pfarrscheune]] statt. [[Pfarrer]] [[Peter Heidkamp]] und der erste Vorsitzende Dieter Bechlenberg enthüllen feierlich einen Glaskasten für die alte Schützenbruderschaftsfahne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17.–20. Juli: Das Schützen- und Volksfest wird von einem Todesfall überschattet: Bei der Jubilarehrung würdigt Dieter Bechlenberg die Verdienste des langjährigen Vorstandsmitglieds Willy Bless und spricht im Namen aller Schützen herzliche Genesungswünsche aus. Auf dem Weg ins Zelt trifft die Nachricht seines Todes ein. Im Zelt wird die traurige Nachricht vom Vereinsvorsitzenden bekanntgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. November: Der Hubertusball wird erstmals in der [[Pfarrscheune]] gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1994&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28.–29. Mai: Das Zonser [[Tambourcorps]] feiert sein 70-jährige Bestehen. An dem großen Festzug nehmen auch zahlreiche Gast-Tambourcorps und -Schützenzüge teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16.–19. Juli: Beim Schützen- und Volksfest erhält der Geschäftsführer Hubert Arentz für seine langjährige Arbeit im Vereinsvorstand den &amp;quot;Großen Verdienstorden&amp;quot; der Schützengesellschaft und wird damit Ehrenmitglied des Vereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der diesjährigen Dormagener &amp;quot;Chauvi-Preis&amp;quot;-Verleihung belegt die St. Hubertus-Schützengesellschaft den zweiten Platz. Der Grund für diese Auszeichnung: eine Einladung an die Kreistagsabgeordnete Lisa Krumbein &amp;quot;nebst Gattin&amp;quot;. Der Preis ist ein Buch mit dem Titel &amp;quot;Mein heißgeliebtes Gummibärchen&amp;quot;. Sogar ein privater Fernsehsender berichtet über dieses Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Jahresende nimmt der Festausschuss zum 100-jährigen Jubiläum der Schützengesellschaft 1998 seine Arbeit auf. Diesem Ausschuss gehören Peter Falkenhagen, Volkmar Schröder, Josef Blömacher, Harald Ohligschläger und [[Thomas Schwabach|Dr. Thomas Schwabach]] an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1995&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Juli: Das Pokalschießen findet erstmals im [[Bürgerhaus]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1996&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte des Jahres wird die [[Kriegergedächtniskapelle]] auf dem Zonser [[Friedhof]] restauriert. Die Kosten übernimmt der amtierende Schützenkönig Engelbert Röllgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1997&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG082.jpg|300px|thumb|right|Der geschäftsführende Vorstand 1997.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG083.jpg|300px|thumb|right|Oberst Peter Lennartz mit den Adjutanten Hermi Köppinger (links) und Norbert Noll 1997.]]&lt;br /&gt;
19.–21. Juli: Das Schützen- und Volksfest entwickelt sich zu einem Fest der Rekorde: Die Besucherzahlen und die Einnahmen übersteigen den bislang üblichen Rahmen bei weitem, beim Fackelzug sind erstmals vier Großfackeln zu sehen, und das Königsvogelschießen entwickelt sich zum Marathon, der erst um 20:35 Uhr mit dem 559. Schuss durch Joachim Gilgen endet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery centered mode=&amp;quot;wide&amp;quot; caption=&amp;quot;Kompanien und das Tambourcorps 1996/97&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
SHSG051.jpg|Artilleriecorps (gegründet 1982)&lt;br /&gt;
SHSG052.jpg|Blaue Husaren (gegründet 1989)&lt;br /&gt;
SHSG053.jpg|Edelknaben (gegründet 1954)&lt;br /&gt;
SHSG054.jpg|Grenadierzug &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot; (gegründet 1992)&lt;br /&gt;
SHSG055.jpg|Grenadierzug &amp;quot;Zonser Heidejunge&amp;quot; (gegründet 1992)&lt;br /&gt;
SHSG056.jpg|Heideschützen (gegründet 1981)&lt;br /&gt;
SHSG057.jpg|Hohenzollernkompanie (gegründet 1904)&lt;br /&gt;
SHSG058.jpg|Hubertuskompanie (wiedergegründet 1962)&lt;br /&gt;
SHSG059.jpg|Hubertuszug &amp;quot;Treu Zons&amp;quot; (gegründet 1995)&lt;br /&gt;
SHSG060.jpg|Hubertuszug &amp;quot;Zonser Junge&amp;quot; (gegründet 1994)&lt;br /&gt;
SHSG061.jpg|Hubertuszug &amp;quot;Zonser Knolleköpp&amp;quot; (gegründet 1985)&lt;br /&gt;
SHSG062.jpg|Hubertuszug &amp;quot;Zonser Sondermischung&amp;quot; (gegründet 1985)&lt;br /&gt;
SHSG063.jpg|Jägerzug &amp;quot;Brav Junge&amp;quot; (gegründet 1954)&lt;br /&gt;
SHSG064.jpg|Jägerzug &amp;quot;Edelweiß&amp;quot; (gegründet 1960)&lt;br /&gt;
SHSG065.jpg|Jägerzug &amp;quot;Einigkeit&amp;quot; (gegründet 1956)&lt;br /&gt;
SHSG066.jpg|Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; (gegründet 1924)&lt;br /&gt;
SHSG067.jpg|Jägerzug &amp;quot;Immerblau&amp;quot; (gegründet 1948)&lt;br /&gt;
SHSG068.jpg|Jägerzug &amp;quot;Jröne Junge&amp;quot; (gegründet 1954)&lt;br /&gt;
SHSG069.jpg|Jägerzug &amp;quot;Löstige Junge&amp;quot; (gegründet 1963)&lt;br /&gt;
SHSG070.jpg|Jägerzug &amp;quot;Zonser Schloßstädter&amp;quot; (gegründet 1996)&lt;br /&gt;
SHSG071.jpg|Jägerzug &amp;quot;Waidmannsheil&amp;quot; (gegründet 1966)&lt;br /&gt;
SHSG072.jpg|Jägerzug &amp;quot;Wilddiebe&amp;quot; (gegründet 1984)&lt;br /&gt;
SHSG073.jpg|Marine-Kompanie I (gegründet 1955)&lt;br /&gt;
SHSG074.jpg|Marine-Kompanie II (gegründet 1955)&lt;br /&gt;
SHSG075.jpg|Reitercorps St. Hubertus Zons (gegründet 1974)&lt;br /&gt;
SHSG076.jpg|Rote Husaren (gegründet 1981)&lt;br /&gt;
SHSG077.jpg|Sappeurcorps (gegründet 1954)&lt;br /&gt;
SHSG078.jpg|Schillsche Offiziere (gegründet 1957)&lt;br /&gt;
SHSG079.jpg|Tambourcorps &amp;quot;Feste Zons 1924&amp;quot;&lt;br /&gt;
SHSG080.jpg|Tellkompanie (gegründet 1909)&lt;br /&gt;
SHSG081.jpg|Zonser Altstadtwache (gegründet 1990)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anhang: Geschäftsführender Vorstand 1898 bis heute ==&lt;br /&gt;
=== Erster Vorsitzender ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1898–1901&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Dick&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1901–&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Bellen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;(1907)–1909&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1910–1914&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen (sen.)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1919–1920&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Görgens (sen.)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1920–1926&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen (sen.)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1926–1928&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1928–1929&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1929&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Blömacher&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1929–1935&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1935–1939&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Breuer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1946–1947&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947&amp;lt;/span&amp;gt;Alfons Stein&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947–1948&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1948–1951&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1951–1952&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1952–1955&amp;lt;/span&amp;gt;Hugo Flemer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1955–1969&amp;lt;/span&amp;gt;Matthias Bechlenberg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1969–1986&amp;lt;/span&amp;gt;[[Hans Wingerath]]&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1986–1991&amp;lt;/span&amp;gt;Willy Lennartz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1991–2008&amp;lt;/span&amp;gt;Dieter Bechlenberg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2008–2019&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Norff&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2019–heute&amp;lt;/span&amp;gt;Harald Rasselnberg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zweiter Vorsitzender ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1898–(1900)&amp;lt;/span&amp;gt;Hubert Nussbaum&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;–1910&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen (sen.)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1910–1911&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Bellen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1919–&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Bellen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;(1924)–1926&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1926–1928&amp;lt;/span&amp;gt;Alfons Stein&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1928–1929&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Piel&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1929–1935&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Wingerath&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1935–1939&amp;lt;/span&amp;gt;August Stelzmann&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1946–1947&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Köppinger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947–1948&amp;lt;/span&amp;gt;Nicolaus Schönen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1948–1949&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1949–1951&amp;lt;/span&amp;gt;Hans-Peter Cremer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1951&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1951–1952&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Nussbaum&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1952–1953&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1953–1957&amp;lt;/span&amp;gt;Kurt Kürten&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1957–1960&amp;lt;/span&amp;gt;Jacob Wimmer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1960–1963&amp;lt;/span&amp;gt;Franz-Josef Lenden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1963–1992&amp;lt;/span&amp;gt;Willy Bless&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1992–2001&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2001–2005&amp;lt;/span&amp;gt;Willi Rabus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2005–2011&amp;lt;/span&amp;gt;Ralf Beckmann&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2011–2019&amp;lt;/span&amp;gt;Harald Rasselnberg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2019–2022&amp;lt;/span&amp;gt;André Engel-Rieger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2022–heute&amp;lt;/span&amp;gt;Ludger Haskamp&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erster Schriftführer (seit 1952 &amp;quot;Geschäftsführer&amp;quot;) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1898–1900&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1900–1901&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1901–&amp;lt;/span&amp;gt;Anton Köppinger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;(1907)–1914&amp;lt;/span&amp;gt;Josef Malzburg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1919–1920&amp;lt;/span&amp;gt;Alfons Stein&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1920–1924&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Lennartz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1924–1927&amp;lt;/span&amp;gt;Johann Norff&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1927–1929&amp;lt;/span&amp;gt;Gottfried Rosellen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1929–1930&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Görgens&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1930–1936&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Blömacher&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1936–1939&amp;lt;/span&amp;gt;Balthasar Nicolin&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947&amp;lt;/span&amp;gt;Franz Lenden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947–1950&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1950–1951&amp;lt;/span&amp;gt;Nicolaus Schönen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1951–1952&amp;lt;/span&amp;gt;Mathias Kluth&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschäftsführer ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1952–1969&amp;lt;/span&amp;gt;[[Hans Wingerath]]&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1969–1971&amp;lt;/span&amp;gt;Theo-Otto Ferber&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1971–2003&amp;lt;/span&amp;gt;Hubert Arentz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2003–2006&amp;lt;/span&amp;gt;Harald Ohligschläger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2006–2008&amp;lt;/span&amp;gt;Artur Mausbach&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2008–2013&amp;lt;/span&amp;gt;Hauke Schrills&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2013–2024&amp;lt;/span&amp;gt;Herbert Rasselnberg&lt;br /&gt;
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=== Zweiter Schriftführer (seit 1952 &amp;quot;Schriftführer&amp;quot;) ===&lt;br /&gt;
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:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1979/1980&amp;lt;/span&amp;gt;Günther Bechlenberg&lt;br /&gt;
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:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1981/1982&amp;lt;/span&amp;gt;Hubert Blömacher&lt;br /&gt;
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:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1983/1984&amp;lt;/span&amp;gt;Theo Köppinger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1984/1985&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Noll&lt;br /&gt;
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== Könige der Könige ==&lt;br /&gt;
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== Jungschützenkönige (seit 2024) ==&lt;br /&gt;
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== Mitgliederzahl des Vereins ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vereine]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bruderschaften]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Brauchtum]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<title>St. Hubertus-Schützengesellschaft</title>
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		<updated>2026-07-20T17:15:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Schützenkönige der Schützengesellschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die &#039;&#039;&#039;St. Hubertus-Schützengesellschaft 1898 Zons e.V. &#039;&#039;&#039; wurde 1898 auf Initiative des [[Gastwirte|Gastwirts]] [[Hubert Nussbaum]] und des Metzgermeisters Jakob Dick aus Zons gegründet. Damit wurde an die alte örtliche Tradition des Schützenvereins-Brauchtums angeknüpft: Die &amp;quot;[[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]]&amp;quot;, die mindestens seit 1460 existierte, ist etwa hundert Jahre zuvor in den Umwälzungen der Franzosenzeit aufgelöst worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit bis zur Gründung 1898 ==&lt;br /&gt;
Es ist fraglich, warum nach dem Untergang der [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]] erst etwa hundert Jahre vergehen mussten, bis in Zons ein neuer Schützenverein gegründet wurde. Ohne Frage standen die Kirmessen, die ursprünglich an den Tag der Einweihung des Gotteshauses erinnern sollten, also eigentlich kirchliche Bedeutung hatten, im 19. Jahrhundert im Mittelpunkt des weltlichen Feierns. Im 20. Jahrhundert sollten diese wie vielerorts mit dem Schützenbrauchtum verschmelzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG016.jpg|300px|thumb|right|Anzeigen zu &amp;quot;Vogelschießen&amp;quot; in Zons aus dem Neußer Intelligenzblatt vom 4. Oktober 1845 (oben) und 29. September 1849.]]&lt;br /&gt;
Die Hauptkirmes begann in Zons wie in Stürzelberg traditionell am ersten Sonntag im Oktober und dauerte drei Tage. Eine Frühkirmes wurde in Zons erst in den 1860er Jahren eingeführt. Ihr Termin war der zweite Sonntag nach Ostern.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, LA Neuss, 537 und 568.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Kirmessen haben möglicherweise mit dazu beigetragen, dass in Zons nicht bereits erheblich früher ein neuer Schützenverein gegründet worden ist. Denn mehrere der Gastwirte, in deren Einrichtungen sich das Kirmestreiben hauptsächlich abspielte, veranstalteten an den Festtagen auch die beliebten Vogelschießen als freie und unorganisierte Wettkämpfe, also eine Art Lotterieveranstaltung für Jedermann. So warb beispielsweise der Zonser [[Gastwirte|Gastwirt]] [[Engelbert Füsgen]] im Neußer Intelligenzblatt vom 4. Oktober 1845, dass bei ihm anlässlich der Kirmes an den letzten beiden Tagen Vogelschießen veranstaltet würden. Auch der Wirt Schumacher ließ anlässlich der Zonser Kirmes 1849 eine ähnliche Annonce in die Zeitung einrücken: In der Ausgabe vom 29. September ist zu lesen, dass bei ihm an einem Nachmittag gegen 14 Uhr ein Vogelschießen veranstaltet werde, zu dem er als Preise insgesamt 40 Taler als untere Grenze festgesetzt hatte, die &amp;quot;auf Klotz und Pfänder vertheilt&amp;quot; waren. Es ist zu vermuten, dass solche Wettschießen damals häufiger von Zonser Gastwirten veranstaltet wurden. Jedenfalls scheinen sie auf das Publikum attraktiv gewirkt zu haben. Die Zonser mussten also auch in dem langen Zeitraum nicht gänzlich auf die Schießwettkämpfe verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gab es in Zons wie in vielen anderen Orten aufgrund einer Vielzahl von Einflüssen (vaterländische Interessen, Trend zu Vergemeinschaftungen, Assoziationen usw.) einen deutlichen Trend zu Vereinsgründungen und geselligen Zusammenschlüssen unterschiedlichster Art (z.B. [[Kriegerverein]] und [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;]] 1880, [[Obst- und Gartenbauverein Zons und Stürzelberg]] 1886, [[Bienenzuchtverein]] 1895, [[Turnverein &amp;quot;Jugendkraft&amp;quot;]] 1903, [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Verkehrs- und Verschönerungsverein]] 1904, [[FC Zons 1911 e.V.|FC Zons]] 1911 etc.). In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung der St. Hubertus-Schützengesellschaft 1898 zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zur Vereinsgeschichte&amp;lt;ref&amp;gt;Die folgenden Ausführungen entsprechen im Wesentlichen denen in der 1998 erschienenen Festschrift (Thomas Schwabach: &#039;&#039;Zur Geschichte des Schützenvereinswesens in Zons. Festschrift anläßlich des 100-jährigen Bestehens der St. Hubertus-Schützengesellschaft 1898 Zons e.V.&#039;&#039;, Neuss 1998). Daher enden sie mit dem Jahr 1997. Eine Fortschreibung für die Jahre ab 1998 ist wünschenswert.&amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Von der Gründung 1898 bis Ende des Kaiserreichs 1918 ===&lt;br /&gt;
An einem Sommertag des Jahres 1898 bekam der Zonser [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] Besuch von zwei Herren aus seiner Pfarrgemeinde. Einer war der [[Gastwirte|Gastwirt]] [[Hubert Nussbaum]], bei dem anderen handelte es sich um den Metzgermeister Jakob Dick. Beide beabsichtigten die Gründung eines Schützenvereins für Zons und wollten aus diesem Grund die Meinung des Geistlichen einholen. Nach eingehender Besprechung der Angelegenheit gab Otten seine Zustimmung, verbunden mit dem Vorschlag, dem Verein den Namen &amp;quot;St. Hubertus-Schützengesellschaft Zons&amp;quot; zu geben, und zwar aus zwei Gründen: Erstens, weil Hubertus selbst Schütze gewesen war und zweitens wegen seiner Bedeutung als zweiter Zonser Pfarrpatron. Die beiden Herren waren damit einverstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nussbaum und Dick waren gut vorbereitet beim Pfarrer erschienen. So konnten sie ihm bereits die Vereinsstatuten mit 27 Paragrafen zur Begutachtung vorlegen. Auch diesbezüglich konnte [[Adam Otten|Otten]] seine Zustimmung geben. Leider ist der Originaltext dieser Vereinsstatuten heute nicht mehr auffindbar. Es findet sich jedoch eine von [[Pfarrer]] [[Adam Otten|Otten]] verfasste inhaltliche Wiedergabe in der Pfarrchronik.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 121-123.&amp;lt;/ref&amp;gt; Demnach war es Zweck des Vereins, &amp;quot;durch fleißige Schießübungen während der Sommerzeit die Wehrbarkeit der Mitglieder weiter auszubilden&amp;quot;. Weiterhin sollte der patriotische und religiöse Sinn der Mitglieder gehoben werden. Was die patriotische Besinnung betrifft, so sollte dies in der folgenden Zeit im Vereinsleben weniger deutlich zum Vorschein kommen als es die Formulierung erwarten ließe, insofern die Schützengesellschaft beispielsweise auf die Abhaltung vaterländischer und nationaler Feste (z.B. anlässlich des Kaisergeburtstags) verzichtete. Der Verein verstand sich laut den Satzungen als eine &amp;quot;aus dem Geiste christlicher Liebe hervorgehende brüderliche Vereinigung&amp;quot;, woran deutlich wird, dass der Verein stärker religiös orientiert war als es der Name &amp;quot;Schützengesellschaft&amp;quot; (im Gegensatz zur &amp;quot;Schützenbruderschaft&amp;quot;) erahnen lässt. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch daran, dass nur katholische Bürger aufgenommen werden konnten. Sie hatten ein Eintrittsgeld von 1,50 Reichsmark sowie einen Jahresbeitrag von 2 Reichsmark zu zahlen. Ehrenmitglieder mussten jährlich 3 Reichsmark entrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitglieder waren verpflichtet, &amp;quot;a) ein unbescholtenes, christliches Leben zu führen, b) an den vierteljährlichen Generalversammlungen, den Pfarrprozessionen nach Anordnung des Herrn Pfarrers und dem Gottesdienst und St. Hubertustage teilzunehmen, c) dem Begräbnis verstorbener Mitglieder beizuwohnen, unter Strafe von 50 Pfge. für die Nichtbeteiligung.&amp;quot; Der Vereinsvorstand konnte Mitglieder ausschließen, die gegen dessen Anordnungen oder die Statuten handelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorstand setzte sich aus dem Vorsitzenden, einem Schriftführer und einem &amp;quot;Rechner&amp;quot; mit jeweils einem Stellvertreter zusammen und erneuerte sich alle zwei Jahre, indem jeweils jährlich eine Hälfte neu gewählt wurde. Für den Fall, dass sich keine Freiwilligen für die Vorstandsposten finden sollten, war festgelegt, dass jede in den Vereinsvorstand gewählte Person den jeweiligen Posten anzunehmen hatte, im Weigerungsfalle war eine Strafe in Höhe von 2 Reichsmark in die Vereinskasse zu leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Jahr sollte ein Vogel- und Preisschießen stattfinden, wobei jedes Mitglied nicht nur zur Teilnahme verpflichtet war, sondern auch mindestens zwei Lose zu je 30 Pfennig auf den Königsvogel kaufen musste. Der Schützenkönig erhielt nach Ablauf seiner Amtszeit einen Orden, den er bei den Veranstaltungen des Vereins tragen musste. Einen ähnlichen hatte er mit seinem Namen und der Jahreszahl versehen an den Verein zu schenken. Im Falle der Vereinsauflösung musste das Vereinsvermögen gleichmäßig unter die Mitglieder verteilt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Hubert Nussbaum]] und Jakob Dick ließen diese Statuten nach der Rücksprache mit dem Pfarrer auch behördlich genehmigen, doch vergingen noch einige Wochen und Monate bis zur Gründungsversammlung – nicht weil die behördliche Genehmigung so lange auf sich warten ließ, sondern weil die Gründungsversammlung an einem für den Verein besonderen Tag stattfinden sollte: dem Hubertustag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So fand also am 3. November 1898 in der [[Gaststätte &amp;quot;Zum Feldtor&amp;quot;|Gaststätte]] von [[Hubert Nussbaum]] in der [[Feldstraße]], der heutigen Schloßstraße, die erste konstituierende Generalversammlung statt. Um die formellen Angelegenheiten zu vereinfachen, hatten sich bereits zuvor einige Herren selbst mit den Vorstandsposten versehen, sie wurden also nicht gewählt: Als Präsident trat Jakob Dick auf, als sein Stellvertreter [[Hubert Nussbaum]], die beiden Initianten also. Kassierer war Hubert Boes, sein Stellvertreter Hubert Eichhorn, Schriftführer Wilhelm Peters, sein Stellvertreter Nicolaus Lenden. Nach mündlicher Überlieferung sollen alle diese Herren mit Ausnahme des zweiten Schriftführers dem Jagdverband Zons angehört haben. Die Motivation für den Schießsport kam also nicht von ungefähr. Zum &amp;quot;ersten Mitglied&amp;quot; wurde Heinrich Gilgen bestimmt. Außerdem waren noch etwa 20 Personen bei der Versammlung anwesend – die genaue Zahl ist nicht bekannt –, die nach der Verlesung der Statuten allesamt in den Verein aufgenommen wurden. Als weitere Tagesordnungspunkte sollte auf dieser Versammlung über den Zeitpunkt des Schützenfestes und den Standort des Schießstandes bzw. Schützenplatzes entschieden werden. Doch stand den Mitgliedern in Anbetracht des erfreulichen Ereignisses der Sinn wohl eher zum Feiern anstelle langwieriger schwieriger Verhandlungen. Jedenfalls kam es zu keiner Einigung, weshalb diese Punkte auf die nächste Generalversammlung verlegt werden mussten und der erste Vorsitzende den formellen Teil schloss. Anschließend &amp;quot;verblieben die Mitglieder bei einem Fäßchen Bier, welches der Stellvertreter des Präsidenten, Hub. Nussbaum, zum besten gab.&amp;quot; Die Mitglieder vergnügten sich &amp;quot;in der fröhlichsten und heitersten Stimmung noch einige Stunden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch auf der folgenden Generalversammlung im Dezember konnten sich die Mitglieder nicht auf einen Standort für den Schießstand einigen, doch wurde als Termin für das erste Stiftungsfest bereits der 22. Mai 1899 (Pfingstmontag), festgelegt. Das Fest fand dann jedoch tatsächlich erst am 23. Juli des Jahres statt. Bis heute feiert die Schützengesellschaft ihr Schützenfest in diesem Monat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG017.jpg|300px|thumb|right|Erster Schützenkönig 1899/1900 Johann Vianden.]]&lt;br /&gt;
Das erste Fest der Schützengesellschaft wurde am Vorabend durch den Zapfenstreich, gespielt vom Zonser [[Tambourcorps]], eingeleitet. Bei diesem Corps handelte es sich um eine Vorgängergruppe des heutigen Tambourcorps, die im Ersten Weltkrieg unterging. Am folgenden Tag, dem 23. Juli, war bereits um 5 Uhr Wecken. Vier Stunden später, um 9 Uhr, gingen die wenigen Mitglieder dann geschlossen im Zug zur Kirche, um dem Hochamt beizuwohnen. Im Anschluss fand die Paradeaufstellung auf dem Kirchplatz statt, wo [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] &amp;quot;in begeisterungsvollen Worten&amp;quot; eine Ansprache an die Schützen hielt. Dann zogen die Mitglieder geschlossen zum Schützenplatz – nach Auskunft eines älteren Zonsers befand er sich in den ersten Jahren am [[Grüner Weg|Grünen Weg]] unterhalb der heutigen [[Aldenhovenstraße]]. Dort fand auch das Königsvogelschießen statt. Den ersten Schuss für [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich) Kaiser Wilhelm II.] gab das Ehrenmitglied [[Johann Kolvenbach]], der [[Beigeordnete]] der Stadt Zons, ab. Daraufhin schossen die einzelnen Mitglieder abwechselnd, bis der Vogel unter begeisterten Hurra-Rufen zur Erde fiel und Johann Vianden als erster Schützenkönig des Vereins feststand. Nachdem ihm der Vorsitzende Jakob Dick den Orden überreicht hatte, zogen die Schützen zur Wohnung des Regenten, wo eine kleine Ovation für das Königspaar sstattfand. Nachmittags zogen die Schützen dann durch den festlich mit Fahnen geschmückten Ort zum Schützenplatz. An diesem Festzug nahmen auch einige auswärtige Schützenvereine teil. Auf dem Festplatz fanden Preis- und Ehrenpreisschießen statt. Wie der Schriftführer anmerkt, habe an dem Tag herrliches Wetter geherrschaft, und der Festzug habe &amp;quot;ein wahres Bild der Einheit und Brüderlichkeit&amp;quot; gezeigt. Doch die Stimmung sei etwas getrübt gewesen, da der Vorstand etwas Missstimmung verbreitet habe, &amp;quot;welches aber der Unkenntniß des noch jungen Vereins überhaupt zuzuschreiben war.&amp;quot; Vermutlich wurde abends auch ein Ball veranstaltet, auch wenn sich dazu nichts im Protokoll findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste bedeutende Ereignis für den jungen Verein sollte nicht lange auf sich warten lassen: Am 31. Dezember 1899 fand das Fest der Fahnenweihe statt. Der Kauf dieser ersten Vereinsfahne, sie kostete 343 Reichsmark, war durch großzügige Spenden aus der Zonser Bevölkerung ermöglicht worden. Das kostbare Stück ist heute leider verschollen. Nach dem Protokoll trug die Fahne auf der Vorderseite die Aufschrift &amp;quot;St. Hubertus Schützengesellschaft, gegründet Zons 1898, auf der Rückseite &amp;quot;Sichres Auge, sichre Hand preisen allwärts Leut und Land&amp;quot;, und in den vier Ecken stand &amp;quot;Ruhig Blut schießt gut&amp;quot;. Die Weihe dieser Fahne war von der geistlichen Behörde unter der Auflage gestattet worden, dass sie bei nicht-katholischen Begräbnissen oder Tanzlustbarkeiten nicht benutzt werden durfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend vor der Weihe veranstalteten die Schützen einen Fackelzug. Morgens zogen die Mitglieder dann nach dem Wecken um 9 Uhr mit der Fahne zur Kirche. Nach dem Gottesdienst stellten sich die Schützen feierlich um den Altar, und der Vereinsvorsitzende enthüllte die Fahne mit seinem Stellvertreter. Daraufhin hielt [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] eine Rede, in der er die besondere Bedeutung der Zeremonie hervorhob. Bei der anschließenden Weihe übernahmen [[Hubert Aldenhoven]] und Therese Meller, geborene Felten die Rolle der Paten. Die Vereinsmitglieder legten das Gelöbnis ab, der Fahne treu zu folgen und sich nicht widerrechtlich zu verhalten. Im Anschluss an die kirchliche Feier fand auf dem Kirchplatz wieder eine Parade statt. Das Protokoll gibt die feierliche Stimmung der Schützen recht anschaulich wieder: &#039;&#039;&amp;quot;Die schöne und stramme Haltung der Schützen stellte ein wahres Bild begeisterungsvoller Herzen dar, welche nach mühevollem Streben an ihrem Ziele angelangt waren, sich entlich unter die Schwingen einer Vereinsfahne zu schaaren, welche nun dem Ganzen eine Vervollständigung gab.&amp;quot;&#039;&#039; Nach der Parade zogen die Schützen zum Festlokal, um einer kleinen Rede von [[Hubert Aldenhoven]] beizuwohnen. Nachmittags fand nach einer kurzen Andacht in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] ein Festzug durch Zons statt, der am Schulplatz (neben dem [[Juddeturm]]) endete. Dort wurde vor dem Schützenkönig und einigen Ehrengästen die Parade durchgeführt. Schließlich traf man sich gemeinsam im Festlokal, der [[Gaststätte &amp;quot;St. Peter&amp;quot;|Gaststätte Gerhard Nussbaum]] in der [[Rheinstraße]], wo [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Franz Zanders]] vor dem Beginn des Nagelschlagens noch eine kleine Ansprache hielt. Nach dem Entfernen der Fahne aus dem Saal endete der Festtag mit einer Tanzveranstaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen der neuen Vereinsfahne hatte die Schützengesellschaft nun einen neuen ehrenvollen Posten zu vergeben, nämlich den des Fahnenträgers. Auf einer Generalversammlung im April 1900 wählten die Mitglieder Johann Schmitz für diese Aufgabe. Zudem ernannten die Anwesenden erstmals einen Brudermeister und regten die Anschaffung eines &amp;quot;Brudermeisterstabes&amp;quot; durch den Vorstand an. Dies zeigt deutlich, dass sich der Verein in seinen Anfangsjahren auch an bestehenden stärker religiösen Schützenbruderschaften orientierte. Möglicherweise spielte hier uch die Erinnerung an die alte [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft]] hinein. Ob der Brudermeisterstab damals tatsächlich angeschafft wurde, ist nicht bekannt, jedenfalls wurde Jakob Görgens erster und wie sich dann zeigen sollte – für ewige Zeiten einziger Brudermeister der Schützengesellschaft. Nachdem derselbe im darauffolgenden Jahr zum ersten Kassierer des Vereins gewählt worden war, blieb der Posten unbesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Schützenfest der Gesellschaft am 14. Juli 1900 ähnelte sehr dem ersten, wurde aber bereits etwas aufwendiger abgehalten. So kündigte sich das Fest am Vorabend nicht nur durch den Zapfenstreich an, sondern es ertönten nun auch Böllerschüsse, und es bildete sich ein großer Fackelzug. Im Anschluss fand im Festlokal die &amp;quot;Ordnung der Bücher&amp;quot;, also eine Art letzte Generalversammlung, gefolgt von einer Tanzveranstaltung bis kurz nach Mitternacht, statt. Diese Gestaltung des Vorabends behielt der Verein auch in den folgenden Jahren im Wesentlichen bei. Als am nächsten Tag das Königsvogelschießen stattfand, erwies sich der Vogel als sehr hartnäckig, wie der Protokollant betont. Somit waren 58 Schüsse notwendig. Verglichen mit heutigen Ergebnissen nimmt sich diese Zahl doch sehr bescheiden aus. Den Rest des Vogels holte schließlich zwar Hubert Eichhorn herunter, er hatte jedoch stellvertretend für seinen Bruder Jakob geschossen, so dass dieser an dessen Stelle zum Schützenkönig proklamiert wurde. In den ersten Jahrzehnten der St. Hubertus-Schützengesellschaft kam es nicht selten vor, dass jemand stellvertretend auf den Vogel schoss. Heute ist dies nicht nur unüblich, sondern sogar verboten. Die Preisverleihung im Anschluss an das nachmittägliche Ehren- und Preisschießen fand 1900 in einer etwas aufwendigeren Form im Festlokal statt, wobei die Ehrendamen die Preise überreichten. Der Königsball dauerte bis 4 Uhr morgens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einer Generalversammlung in der ersten Jahreshälfte 1901 wählten die Mitglieder (rechtzeitig vor dem bevorstehenden dritten Stiftungsfest am 14. Juli) erstmals einen Oberst und zwei Fahnenoffiziere, deren Namen leider nicht überliefert sind. Bereits im April des Jahres hatte der Verein ein sehr erfolgreiches &amp;quot;Preisvogel- und Ehrenpreisschießen&amp;quot; unter der Beteiligung einer großen Zahl auswärtiger Schützen veranstalten können, nach dem eine beachtliche Einnahme zu verbuchen war, was kaum verwunderlich ist, winkten als Ehrenpreise doch &amp;quot;ein schöner Vogelkäfig mit Ständer&amp;quot;, &amp;quot;2 schöne Bilder&amp;quot; und eine &amp;quot;Wekker Uhr&amp;quot;. Die erfolgreichen Schützen kamen aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1901 brechen die Protokollaufzeichnungen leider ab, ohne dass uns die näheren Umstände bekannt sind. Die nächsten Notizen beziehen sich erst wieder auf das Jahr 1907, so dass für die Jahre 1902 bis 1906 leider nur wenig Nennenswertes überliefert ist. 1904 wurde die Hohenzollernkompanie gegründet. Sie war damit die zweite Gruppierung innerhalb des Schützenvereins neben der Hubertuskompanie, der bis dahin als Gründungskompanie prinzipiell alle Mitglieder angehört hatten. An der Organisation des großen Zonser [[Stadtfest 1904|Stadtfestes 1904]] aus Anlass der Verleihung des [[Stadtwappen]]s beteiligte sich auch der Schützenverein, denn der Vereinsvorstand wirkte aktiv im Festausschuss mit und trug damit zum Gelingen des Festes bei.&amp;lt;ref&amp;gt;NGZ vom 18. Juli 1904.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geringe Mitgliederzahl des Vereins von etwa 30 Personen in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war ein wesentlicher Grund dafür, dass man großen Wert auf die Teilnahme aller Mitglieder bei den Festzügen und Fronleichnamsprozessionen legte. Für unerlaubtes Fehlen setzten die Mitglieder im Februar 1907 die für damalige Verhältnisse nicht unerhebliche Strafe von 50 Pfennig fest. Die Umzüge hat man sich in den frühen Jahren hinsichtlich der Kleidung nicht als einheitlich wie heute vorzustellen. Das ein oder andere Mitglied, möglicherweise sogar der größte Teil der Schützen, hat wahrscheinlich etwas improvisieren müssen. Hierfür spricht auch, dass im Februar 1907 entschieden wurde, es stehe jedem Mitglied frei, sich einen Schützenhut anzuschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 9. Stiftungsfest der Schützengesellschaft am 21. Juli 1907 verlief ähnlich wie die vorherigen. Das Zusammentreffen im Festlokal am Vorabend wurde diesmal auch gezielt dazu genutzt, Kommando- und Gewehrübungen für den Festtag durchzugehen. Bei den benutzten &amp;quot;Waffen&amp;quot; handelte es sich allerdings nur um Holzattrappen. Einzig am Schießstand hielt der Verein jeweils zwei oder drei funktionstüchtige Büchsen bereit.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, LA Neuss 705.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am Festtag kam es zu einem unvorhersehbaren &amp;quot;Zwischenfall&amp;quot;: [[Bürgermeister]] [[Nicolaus Kohl|Kohl]] veranlasste während des Schießens in heiterster Laune einen Umzug durch die Stadt mit Musik, dem Königspaar sowie einigen Mitgliedern und Ehrenmitgliedern, was zur Folge hatte, dass der Verein nach dem Königsschuss ohne Musik abziehen musste. Doch trafen beide Gruppen wieder glücklich am Schulplatz zusammen, wo sich die Mitglieder dann auf einem Karussell vergnügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Jahreshälfte 1907 zeichnete sich bereits eine Entwicklung ab, die den Verein in den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges spürbar beeinflussen sollte: die mangelhafte Beteiligung an den Vereinsveranstaltungen. So wurde zwar im September 1907 ein Ehrenpreisschießen für die Mitglieder und Ehrenmitglieder mit recht bedeutenden Preisen abgehalten, doch die Teilnehmerzahl ließ zu wünschen übrig. Da auch bei einer Generalversammlung im Oktober des Jahres nur wenige Mitglieder erschienen, sah man sich veranlasst, 20 Pfennig Strafe bei Nichterscheinen auf diesen vierteljährlichen Versammlungen festzulegen. 1913 wurde das Strafgeld auf 50 Pfennig bei zweimaligem Fehlen erhöht. Der Verein behielt sich für diesen Fall sogar alternativ den Ausschluss des Mitglieds vor. Als der Vorstand 1912 feststellen musste, dass die Beteiligung auswärtiger Schützen an den Vereinsveranstaltungen ebenfalls gering war, was sich nachteilig auf die Vereinskasse auswirkte, entschied die Generalversammlung, zukünftig keine fremden Vereine mehr zu den Stiftungsfesten einzuladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschwerend kamen seit 1908 auch Unstimmigkeiten mit den Inhabern der Lokale, in deren Räumlichkeiten die Festveranstaltungen stattfanden, hinzu, wohl in erster Linie wegen zu hoher Geldforderungen an den Verein. In der Konsequenz schlug der Vorstand auf einer Generalversammlung im August des Jahres vor, ein vereinseigenes Schützenzelt anzuschaffen. Das Zelt stand dann beim Stiftungsfest 1909 tatsächlich erstmals zur Verfügung. Das Festlokal, in dem die restlichen Veranstaltungen abgehalten werden sollten, wurde in diesem Jahr, da man sich nicht einigen konnte, durch das Los bestimmt. In den folgenden Jahren wechselte das Lokal jährlich. Das [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Gasthaus &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;]] von [[Johann Hahn]] diente in diesen frühen Jahren als Vereinslokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Versammlung im August 1908 machte der Vorsitzende Wilhelm Peters erstmals den Vorschlag, eine &amp;quot;Vereinssparkasse&amp;quot; zu gründen: Die Mitglieder sollten wöchentlich Geld einzahlen, das ihnen einen Tag vor dem Stiftungsfest ausgezahlt wird, wodurch man einen stärkeren Zusammenhalt und ein lebhafteres Stiftungsfest erzielen wollte. Erst nachdem dieser Vorschlag mehrere Male vorgebracht worden war, kam es 12 Jahre später, 1920, zur Einrichtung einer solchen Kasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsfest des Jahres 1909, das Jahr, in dem der Verein erstmals ein Zelt auf dem Schützenplatz aufstellen ließ, wurde durch eine &amp;quot;Laune der Natur&amp;quot; übel beeinträchtigt: Als am 18. Juli das Königs- und Preisvogelschießen bereits im Gange war, bekamen die Teilnehmer aufgrund des steigenden Rheinhochwassers plötzlich nasse Füße – das Schießen fand damals also bereits auf dem heutigen Schützenplatz statt, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht durch einen Deich geschützt war (der Deich wurde erst 1928-30 gebaut). Innerhalb kurzer Zeit errichteten die Teilnehmer daher eine Bühne, zu der der Zonser Maurermeister Heinrich Lenden seine Ausrüstung kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Dann wurde das Schießen &amp;quot;über Wasser&amp;quot; zu Ende geführt. Schützenkönig wurde letztlich Jakob Görgens, der jedoch bereits König gewesen war, weshalb er den Titel seinem Sohn Albert übertrug. Bei der Nachmittagsparade trat erstmals die in diesem Jahr neu gegründete jugendliche &amp;quot;Tellkompanie&amp;quot; an die Öffentlichkeit. Sie sollte fortan für mehrere Jahrzehnte eine Art &amp;quot;Übergangsstation&amp;quot; für Neumitglieder bilden. So wurde auf einer Generalversammlung im August 1913 der Beschluss gefasst, dass Personen ab 16 Jahren in den Schützenverein eintreten durften, doch die jungen Leute sollten zunächst der Tellkompanie beitreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das Schießen anlässlich des Stiftungsfestes am 16. Juli 1911 gestaltete sich wieder etwas problematisch. Nachdem [[Bürgermeister]] [[Albert Granderath]] den üblichen ersten Schuss für [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich) Kaiser Wilhelm II.] abgegeben hatte, schossen die Mitglieder zunächst eine Weile abwechselnd auf den Vogel. Da dieser jedoch nicht fallen wollte, musste er durch ein leichteres Modell ausgetauscht werden. Der erfolgreiche Schütze Heinrich Gilgen, Mitglied der Tellkompanie, war noch zu jung für den Königsthron, so dass sein Vater Peter Gilgen zum König proklamiert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon erwähnt, feierten die Zonser Schützen das Stiftungsfest 1913 nach einem gemeinsamen Beschluss der Mitglieder erstmals ohne auswärtige Schützenabordnungen. Dafür beteiligten sich an der Nachmittagsparade am 13. Juli, die übrigens bereits wie heute vor dem [[Feldtor]] stattfand, erstmals der [[Kriegerverein]] und die [[Feuerwehr|Freiwillige Feuerwehr]] aus Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schützenfest am 12. Juli 1914 war das letzte große Fest der Schützengesellschaft vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Nachdem der Krieg am 1. August des Jahres seinen Anfang genommen hatte, wurde &amp;quot;die Mehrzahl der Mitglieder zu der Waffe zu Kaiser und Reich einberufen&amp;quot;, wie der Schriftführer Josef Malzburg im Protokoll anmerkt. In den Jahren des Krieges ruhten die Vereinsgeschäfte vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 29. Januar 1918, bereits etwa 10 Monate vor der Waffenstillstandserklärung, die den kriegerischen Vorgängen ein Ende setzte, hielt Josef Malzburg die Zeit für gekommen, die schweren Verluste des Krieges in seiner Sichtweise (in einer etwas schwerfälligen Schriftsprache) zu resümieren: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Vom Weltkriege 1914, 15, 16, 17, 18. Wo das Deutsche Reich, Rings von Feinde betroht stand, und für Heimat und Reich gegen unßere Feinde kämpfte, und so die Geschäfte des Vereins in dießen schweren Jahren ruhte. So starb manches treuere Mitglied auf dem Felde der Ehre für die liebe Heimat zu Kaiser und Reich.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgen hier die Namen der gefallenen Vereinsmitglieder:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wilhelm Blömacher, geboren in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_(K%C3%B6ln) Köln-Nippes] am 28. Dezember 1891, gefallen am 5. November 1914 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Comines-Warneton Warnetou]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Josef Lessenich, geboren in Zons am 17. November 1874, gestorben am 6. September 1915 im Kriegslazarett in [https://de.wikipedia.org/wiki/Lublin Lublin]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Peter Reusrath, geboren in [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] am 20. Oktober 1890, gefallen am 30. Juli 1915 bei Recoschinze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Wilhelm Scheer, geboren in Zons am 25. Februar 1890, gefallen am 1. Oktober 1915 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Souchez Souchez]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Hubert Richrath, geboren in Zons am 28. März 1884, gefallen am 21. Juli 1916 an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Somme Somme]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Arnold Worringen, geboren in Zons am 5. Februar 1890, seinen Wunden erlegen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt_am_Main Frankfurt/M.] am 2. Mai 1916&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jakob Cremer, geboren in Zons am 3. September 1897, seinen Wunden erlegen im Lazarett in [https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherstadt_Wittenberg Wittenberg] am 29. August 1917&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Johann Longerich, geboren in Zons am 17. September 1890, gefallen am 25. September 1916 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Morval_(Pas-de-Calais) Morval]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jakob Marx, geboren in Zons am 15. Mai 1892, gefallen am 25. März 1918 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_(Somme) Albert]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Johann Schmitz, keine näheren Angaben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Daten sind anhand eines Gefallenenzettels ergänzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt sind [[Gefallene (Erster Weltkrieg)|38 Zonser Soldaten]] im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen bzw. später ihren schweren Verletzungen erlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== In den Jahren der Weimarer Republik 1919–1932 ===&lt;br /&gt;
Als sich die noch lebenden Mitglieder der Schützengesellschaft am 31. August 1919 erstmals nach dem Krieg im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Lokal]] von [[Heinrich Schönen]] in der [[Feldstraße]] zu einer Generalversammlung trafen, war dies eine Wiederbelebung des Vereins unter veränderten politischen Bedingungen: Mit der Abdankung [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich) Kaiser Wilhelms II.] am 9. November 1918 war die Zeit des Kaiserreichs zu Ende gegangen, und an dessen Stelle war die Demokratie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Republik Weimarer Republik] getreten. Britische, schottische und belgische Soldaten waren als Besatzungstruppen seit der Jahreswende 1918/19 in Zons abwechselnd stationiert und beeinflussten das städtische Leben seitdem spürbar. Die Jahre des Ersten Weltkrieges hatten beim Schützenverein deutliche Spuren hinterlassen, und die neuen politischen Bedingungen sollten das Vereinsleben nicht unwesentlich beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der ersten Generalversammlung am 31. August 1919 war nur noch die Hälfte der Schützen erschienen. Mit den 10 Gefallenen des Weltkriegs hatte der Verein etwa ein Drittel seiner Mitglieder verloren. In Trauer gedachten die Versammlungsteilnehmer dieser Männer, indem sie sich von ihren Stühlen erhoben. Da der Vorstand nicht mehr vollzählig war, nahm die Versammlung anschließend eine komplette Neuwahl vor, mit dem Ergebnis, dass nur der zweite Vorsitzende in seinem Vorstandsposten verblieb. Der Verein ging somit hinter einem fast völlig erneuerten Vorstand in eine weitere Entwicklungsphase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Stiftungsfest nach dem Ersten Weltkrieg konnte die St. Hubertus-Schützengesellschaft dank der Genehmigung der belgischen Besatzung am 23./24. Mai 1920 mit bestimmten Einschränkungen feiern. Das Fest begann nachmittags um 16 Uhr mit einem Schießen am Kugelfang des [[Gaststätte &amp;quot;Altes Zollhaus&amp;quot;|Hotels]] [[Josef Weiler]]. Nach dem ersten Schuss durch den Vorsitzenden Jakob Görgens wurden zunächst einige Preissterne ausgeschossen. Im Anschluss begann das Königsvogelschießen. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass niemand gewillt war, König zu werden. Nach einer etwas längeren Diskussion entschloss sich daher der ehemalige Vorsitzende Heinrich Gilgen, den Vogel für seinen Sohn Heinrich, der nicht anwesend war, herunterzuschießen. Im Anschluss an das Königsschießen begann ein Preisvogelschießen, das sich bis zum Abend hinzog. Am nächsten Morgen war nach dem traditionellen Wecken um 9 Uhr gemeinsamer Kirchgang, woran sich die übliche Paradeaufstellung auf dem [[Kirchplatz]] und eine Rede des [[Pfarrer]]s [[Ludolf Schmitz|Ludolf Schmitz]] anschloss. Dann zogen die Mitglieder zum Schützenplatz, um erneut ein Preisschießen abzuhalten. Als die Schützen den Wettkampf beginnen wollten, verbot jedoch die Besatzung das Schießen. Daher waren die Kompanien gezwungen, ihre Preise zu verlosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 12 Uhr fand die Proklamation des neuen Schützenkönigs und im Anschluss der geschlossene Zug zu dessen Wohnung statt. Um 15 Uhr wurden wieder erstmals auswärtige Vereine zur Unterstützung des traditionellen Festzuges um 16 Uhr empfangen. Das Fest endete mit Tanzlustbarkeiten und einem großen Krönungsball im Festlokal bis spät in die Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der folgenden Generalversammlung im Oktober 1920 einigten sich die Mitglieder, das Stiftungsfest zukünftig wieder am zweiten Sonntag im Juli stattfinden zu lassen. Doch sollte als Erweiterung auch der Montag mitgefeiert werden. Zudem entschieden die Mitglieder, erstmals auch zur Spätkirmes an die Öffentlichkeit zu treten. Die Spätkirmes vom 2.–4. Oktober 1921 bot dazu erstmals die Gelegenheit: Am Sonntag und Montag veranstaltete der Verein Festzüge mit anschließender Parade vor dem Schützenkönig. Ferner wurden an diesen beiden Tagen Tanzvergnügen, Preisschießen und ein Festball abgehalten. Am Kirmesdienstag fand als besonderer Abschluss ein Schützenball statt, der sogar, wie der Protokollant anmerkt, &amp;quot;bis auf den letzten Platz besetzt war&amp;quot;. Dieses Festprogramm behielt der Verein im Wesentlichen auch bei den folgenden Spätkirmessen bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Besatzungsbehörde die traditionelle Form des Königsvogelschießens anlässlich des Stiftungsfestes 1921 nicht genehmigt hatte, mussten sich die Mitglieder am Festmontag, dem 11. Juli, gezwungenermaßen im &amp;quot;Hahnenköppen&amp;quot; messen: Bei diesem Wettbewerb wird mit verbundenen Augen versucht, mittels eines Säbels den Kopf vom Rumpf des leblosen, aufgehängten Tieres zu trennen. Es kam zu einem recht langatmigen &amp;quot;hin und her-Schlagen&amp;quot;, doch schließlich gelang Heinrich Gilgen von der Tellkompanie der entscheidende Hieb. Am Nachmittag fand erstmals eine Montags-Parade und in den Abendstunden ein großer Königsball statt. Bei diesem Stiftungsfest trat ein von Vereinsmitgliedern ins Leben gerufenes Schüler-Tambourcorps erstmals öffentlich auf. Aus dieser Schülergruppe sollte wenig später (1924) das heutige [[Tambourcorps]] hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitglieder waren vom &amp;quot;Hahnenköppen&amp;quot; nicht sonderlich angetan, und so begrüßten sie es, als der Vorstand auf einer Generalversammlung im April 1922 erklärte, er werde um die behördliche Erlaubnis bitten, in diesem Jahr wieder das traditionelle Königsschießen veranstalten zu dürfen – mit Erfolg, wie sich zeigen sollte. Doch es wurde auf dieser Versammlung auch die etwas weniger erfreuliche Kleidungsfrage wieder aufgegriffen, und zwar mit etwas schärferem Unterton als bisher: Mitgliedern, die ohne guten Grund nicht in Uniform an den Festzügen teilnahmen, drohte nun der Ausschluss aus dem Verein – eine rigorose Maßnahme, dem Festzug ein attraktiveres und einheitlicheres Erscheinungsbild zu geben. Vielleicht geschah dies auch bereits im Hinblick auf das 25-jährige Jubelfest der Schützengesellschaft im Jahr 1924, bei dem Schützen ohne Uniform – diesmal auch bei noch so guter Begründung – nicht mehr geduldet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung im Dezember 1922 befasste sich erstmals eingehender mit der Idee, eine Krieger-Gedenkkapelle auf dem [[Friedhof]] zu errichten. Die Gräber der Gefallenen sollten so versetzt werden, dass sie die Kapelle umrahmen. Außerdem wurde die Anlage eines &amp;quot;Ehrenfriedhofs&amp;quot; diskutiert. Zu diesen Zwecken sollten ausschließlich bei Vereinsmitgliedern Gelder eingezogen werden, und zwar ein Festbetrag, der beliebig überboten werden konnte. Das Projekt litt in den folgenden Monaten erheblich unter der sich rasch verschlimmernden Inflation, die in der zweiten Hälfte des Jahres 1923 ihren Höhepunkt erreichen sollte und mit dazu führte, dass der Verein in diesem Jahr das Stiftungsfest ausfallen lassen musste. Ein weiterer Grund für den Ausfall des Festes ist vermutlich in einer behördlichen Verordnung vom Juli des Jahres zu sehen, nach der &amp;quot;alle Versammlungen unter freiem Himmel einschließlich aller Umzüge wegen unmittelbarer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit für das Gebiet des Freistaats Preußen bis auf weiteres verboten&amp;quot; wurden.&amp;lt;ref&amp;gt;Walter M. Plett: &#039;&#039;Die Schützenvereine im Rheinland und in Westfalen 1789–1939&#039;&#039; (Beiträge zur Heimatpflege im Rheinland, Bd. III), Köln 1995, S. 244.&amp;lt;/ref&amp;gt; Man befürchtete in dieser Zeit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrbesetzung Ruhrbesetzung] bürgerkriegsähnliche Ausschreitungen. Bereits kurz darauf folgte jedoch wieder die schrittweise Aufhebung der Verordnung.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG018.jpg|300px|thumb|right|Anzeige zur Einweihung der Zonser Kriegergedächtniskapelle in der NGZ vom 4. August 1923.]]&lt;br /&gt;
Trotz der Inflation gelang es den Mitgliedern im Juli/August 1923, den Kapellenbau zu realisieren: Am 5. August 1923, einem schönen Sommertag, konnte die feierliche Einweihung der [[Kriegergedächtniskapelle]] begangen werden: Nachmittags gegen 15:30 Uhr versammelten sich die Mitglieder und Ehrenmitglieder des Vereins, Angehörige der gefallenen Mitglieder und andere geladene Vereine und Ehrengäste, um unter Trauermärschen zum [[Friedhof]] zu ziehen. Nach einer kurzen Ansprache legte der Vorsitzende Heinrich Gilgen an der Kapelle einen Kranz im Namen des Vereins nieder. Der Vertreter der Gemeinde tat es ihm gleich. Es folgten Ansprachen von Ehrengästen, Gesangsdarbietungen der beiden Zonser Gesangsvereine und Gedichtvorträge. Die feierliche Einweihung der Kapelle führte der Zonser [[Pfarrer]] [[Ludolf Schmitz]] durch. Im Anschluss zogen die Teilnehmer in das [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Lokal &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;]] von [[Peter-Josef Schmitz]], wo bis zum späten Abend ein Konzert veranstaltet wurde. Der Schützenverein übergab die Kapelle, um deren Bau sich vor allem der Vorsitzende Heinrich Gilgen bemüht hatte, der Gemeinde Zons, damit sich diese um deren Erhaltung kümmere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsfest des Jahres 1924 bildete gleichzeitig das 25-jährige Jubiläumsfest des Vereins. Aus den genannten Gründen hatte man die Jubiläumsfeierlichkeiten um ein Jahr verschieben müssen. An diesem großen Stiftungsfest nahm erstmals der in diesem Jahr gegründete Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; teil. Da das Fest in seinem Programmablauf gleichsam das &amp;quot;Muster&amp;quot; für die folgenden Stiftungsfeste bildete, folgt hier der Ablauf in der Übersicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:*12. Juli abends Fackelzug und bengalische Beleuchtung anschl. Versammlung und Einzug der Mitgliedsbeiträge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:*13. Juli 5 Uhr: Wecken, 9 Uhr: Kirchgang, anschließend Paradeaufstellung auf dem Kirchplatz und Festansprachen von Pfarrer und 1. Vorsitzenden, anschließend Zug zum Friedhof und Kranzniederlegung an der Kapelle, anschließend Preisschießen auf dem Schützenplatz; 15 Uhr: Empfang auswärtiger Vereine, anschließend Festzug durch die Stadt, dann Ehrung der Jubilare, anschließend Preisschießen und Tanzvergnügen in allen Lokalen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:*14. Juli 9 Uhr: Kirchgang, anschließend Königsschießen, dann Proklamation des neuen Königs, 15 Uhr: Festzug durch die Stadt und Parade vor König und Hofstaat, 20 Uhr: Großer Krönungsball&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG019.jpg|300px|thumb|right|Anzeige zum Fest des 25. Stiftungsfest der St. Hubertus-Schützengesellschaft in der NGZ vom 12. Juli 1924.]]&lt;br /&gt;
Im Juli 1926 erklärte das Zonser [[Tambourcorps]] seinen Austritt aus der Schützengesellschaft. Der Grund wird zwar nicht mitgeteilt, doch da der Verein auf einer Generalversammlung im September den Beschluss fasste, das Corps unentgeltlich wieder aufzunehmen, werden finanzielle Gründe den Ausschlag gegeben haben. Bereits im Mai des Jahres war das Tambourcorps Gegenstand einer Generalversammlung gewesen. Bei der Versammlung war festgelegt worden, dass Arnold Bechlenberg und Heinrich Ohligschläger das Tambourcorps gegen eine Bezahlung von 3 Mark aus der Vereinskasse weiter ausbilden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Aufzeichnungen des Jahres 1926 taucht erstmals eine &amp;quot;Kinderbelustigung&amp;quot; auf. Sie wurde am Schützenfestmontag, dem 12. Juli, im Anschluss an die Nachmittagsparade von der Zonser [[Lehrer|Lehrerschaft]] durchgeführt: Die Kinder beteiligten sich an kleineren Spielen oder Wettkämpfen, wobei sie Süßigkeiten oder Spielzeug gewinnen konnten. Die Kinderbelustigung war jedoch nicht das einzige Novum beim Schützenfest 1926: Erstmals übergab die Schützengesellschaft in diesem Jahr den Ausschank auf dem Schützenplatz an eine Zonser Wirtin. Die Witwe [[Franz Kappes]] ([[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;|Gasthof &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]]) hatte sich bereiterklärt, auf eigene Verantwortung ein Zelt aufzubauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ein Vorstandsmitglied im September 1926 anlässlich einer Generalversammlung den Vorschlag machte, den Hubertustag als &amp;quot;Familienfest&amp;quot; für den ganzen Schützenverein in der [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;]] von [[Heinrich Schönen]] in der [[Feldstraße]] zu feiern und auf diese Weise dem Patronatstag als Vereinsfeiertag wieder eine besondere Bedeutung zu geben, stieß dies auf großes Interesse. Jedes Mitglied sollte 50 Pfennig Eintritt zahlen. Ob der Verein den Hubertustag auch in den folgenden Jahren auf diese oder ähnliche Weise feierte, ist leider nicht bekannt. Im Dezember führte der Verein auch erste Vorbesprechungen bezüglich eines &amp;quot;Preis-Maskenballs&amp;quot; am Fastnacht-Dienstag 1927. Es gab also 1926 deutliche Bestrebungen, die Zahl der Vereinsveranstaltungen zu erhöhen. Nicht zu verschweigen ist, dass auch die Kompanien bereits seit frühester Zeit eigene Veranstaltungen wie beispielsweise Preiskegeln und Maskenbälle veranstalteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein bemühte sich auch um eine engere Zusammenarbeit mit Nachbarvereinen, zu welchem Zweck der Vorsitzende Heinrich Peters im Dezember 1926 die Gründung einer größeren &amp;quot;Schützen-Gemeinschaft&amp;quot; vorschlug. Auch wenn diese Vereinigung nicht zustande kam, nahm der Vorschlag doch immerhin gedanklich die Entwicklung des Jahres 1928 vorweg: Am 27. Februar 1928 wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] die &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%Bctzenbruderschaften Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus]&amp;quot; gegründet, mit dem Zweck, die Ziele des Bruderschaftswesens im Rheinland und in Westfalen durch engere Zusammenarbeit leichter zu erreichen. Gründer und Generalpräses der Erzbruderschaft war der Pfarrer von [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%Bcrrig Leverkusen-Bürrig] [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Dr. Peter Louis] – er wird uns in der Vereinsgeschichte noch einige Male begegnen. Bereits am Gründungstag traten fast 300 Schützenbruderschaften und Schützengesellschaften dem Verband bei. Am 17. März 1929 wurde auch die St. Hubertus-Schützengesellschaft in den Verband aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitgliederzahl der Schützengesellschaft nahm in den 1920er Jahren deutlich zu. Zählte der Verein 1920 noch 38 Mitglieder, so stieg sie bis 1927 auf 87 Personen. Die Teilnahme auswärtiger Schützenvereine verlor dadurch an Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Generalversammlung im Mai 1927 wurde der Vorschlag gemacht, künftig auch die Frühkirmes für eine Vereinsveranstaltung zu nutzen. Die Versammlung zeigte sich interessiert und entschied sich für ein Preisschießen zugunsten des geplanten Kriegerdenkmals. Mehrere Mitglieder spendeten zu diesem Zweck Preise. Das Projekt &amp;quot;Kriegerdenkmal&amp;quot; konnte der Verein jedoch nie verwirklichen. Erst 1962 wurde auf Betreiben der Gemeinde auf dem Friedhof ein kleiner Ehrenfriedhof mit einem Gefallenendenkmal angelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein plante 1927 nicht nur die Errichtung eines Kriegerdenkmals, sondern auch die Anschaffung eines neuen Schießstandes. Das dazu nötige Geld sollte in Form einer besonderen Abgabe von den Wirten eingezogen werden, die von den Vereinsveranstaltungen profitierten. Dass der Verein diese Möglichkeit überhaupt erwog, lässt erkennen, wie groß die wirtschaftliche Bedeutung des Schützenvereins für das städtische Schankgewerbe war; ein Umstand, den der Verein nicht selten zu seinen Gunsten nutzen konnte, manchmal aber auch zum Gegenstand heftiger Kontroversen werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsfest des Jahres 1927 feierte der Verein auf die übliche Weise. Diesmal führte man jedoch eine besonders originelle Neuerung ein: Nach dem Wecken am Sonntagmorgen, dem 10. Juli, fand ein kleines Konzert auf dem [[Rheinturm]] statt. Diese musikalische Darbietung &amp;quot;über den Dächern der Stadt&amp;quot; dürfte ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Jedenfalls sollte dies nicht das letzte &amp;quot;Weckkonzert&amp;quot; auf dem Turm gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile hatten auch die Feierlichkeiten anlässlich der Spätkirmes erheblich zugenommen. Auf einer Generalversammlung im August 1927 einigten sich die Mitglieder auf gleich zwei Bälle in verschiedenen Lokalen am Kirmessonntag, zudem einen Königsball und einen abendlichen Fackelzug am Kirmesdienstag und Preisschießen jeweils am Sonntag und Montag. Auch wurde die Neugründung von Kompanien und damit eine Erhöhung der Mitgliederzahl angestrebt: Als ein Mitglied anlässlich einer Versammlung im September 1927 den Vorschlag machte, eine &amp;quot;Jugendkompanie&amp;quot; für jugendliche Schützen zu gründen, war diese Überlegung aber nicht neu: Der zweite Vorsitzende Alfons Stein hatte sich bereits länger mit dem Gedanken befasst. Es sollte dann aber erst 1934 zur Gründung einer solchen Kompanie unter dem Namen &amp;quot;Jungschützenkompanie&amp;quot; kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Schützenfest-Krönungsball der St. Hubertus-Schützengesellschaft am 8. Juli 1928 nutzten die Mitglieder für einen guten Zweck: Sie riefen zu Geldspenden für neue [[Glocken]] für die [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|katholische Pfarrkirche St. Martinus]] auf. Zwei Glocken waren während des Ersten Weltkriegs zu Kriegszwecken eingeschmolzen worden. Kurz nach dem Krieg hatte die Gemeinde mit großem Engagement mit Sammlungen für neue Kirchenglocken begonnen. Nachdem eine nicht unwesentliche Summe angesammelt worden war und bereits erste Anzahlungen bei der Glockengießerei eingetroffen waren, ließ dann die Inflation 1922/23 alle Hoffnungen zerplatzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit der Sammlung anlässlich des Krönungsballs der St. Hubertus-Schützengesellschaft am 8. Juli 1928, die die stattliche Summe von 130 Reichsmark einbrachte, wurde das Vorhaben wieder aufgegriffen. Es folgten monatliche Haussammlungen, an denen sich neben einigen weiteren Zonser Vereinen auch die Mitglieder des Schützenvereins und zahlreiche Privatpersonen beteiligten. Die Hohenzollernkompanie veranstaltete Theaterabende zugunsten der Glocken. Am 18. Mai 1931 schließlich konnte eine westfälische Gießerei drei Glocken für die Zonser Kirche herstellen. Die kirchliche Weihe fand am 28. Juni in sehr feierlichem Rahmen und unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1928 diente dem Verein, der sich in diesem Jahr durch die Neugründung einer &amp;quot;Marinekompanie&amp;quot; vergrößern konnte – die Statuten der Kompanie sind mit &amp;quot;August 1928&amp;quot; datiert –, der [[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;|Gasthof &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]] von [[Carl Gatys]] als Vereinslokal. Traditionell nahm an den Schützenfestumzügen auch eine Musikkapelle unter der Leitung von Peter Eich aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg] teil, auch wenn sie 1929 erstmals in den Protokollen auftaucht. Die Kapelle sollte über viele Jahre eine zuverlässige Unterstützung für den Zonser Verein bleiben, und sie erhielt 1937 für die 25. Teilnahme eine besondere Ehrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 1929 hatte der Verein das Schießen ohne Kugelfang veranstaltet. In diesem Jahr sah sich die Behörde jedoch zum Eingreifen veranlasst und gestattete die weitere Benutzung des Schießstandes nur noch im Falle der Beseitigung dieses aus sicherheitspolizeilicher Sicht höchst bedenklichen Zustands. Daher beauftragte der Verein im März 1930 den Zonser Schlossermeister [[Wilhelm Fleischhauer]] mit dem Bau dieser Vorrichtung, nachdem sich auch [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken]] um die Angelegenheit bemüht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG020.jpg|300px|thumb|right|Die 1928 gegründete Marine-Kompanie 1929/30.]] &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG021.jpg|300px|thumb|right|Der 1924 gegründete Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; ca. 1928.]]&lt;br /&gt;
An einer Delegiertenversammlung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%BCtzenbruderschaften Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus] in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] am 20. Oktober 1929 nahmen laut Beschluss einer Generalversammlung vom September des Jahres die Vereinsmitglieder Peter Wingerath und Jakob Görgens teil. Wichtige Beschlüsse der Vereinsmitglieder des Jahres 1929 zielten dahin, die Vereinsveranstaltungen etwas stärker zu reglementieren: Erstens sollten laut Beschluss vom Oktober des Jahres zukünftig alle Mitglieder an der Kommunion für die Verstorbenen und Gefallenen des Vereins anlässlich des Hubertustages uniformiert teilnehmen, wobei ihnen im Falle des Nichterscheinens eine Geldstrafe von einer Mark drohte. Zweitens untersagte der Verein den Kompanien auf dieser Versammlung ausdrücklich, ihr jeweiliges Stiftungsfest mit einem Umzug zu veranstalten, es sei denn, es handele sich dabei um ein Jubiläumsfest oder das Fest der Fahnenweihe – eine Bestimmung, die noch heute Gültigkeit besitzt. Offenbar fürchteten die Mitglieder zurecht eine Art &amp;quot;Zersplitterung&amp;quot; des Schützenvereins, wenn Kompanien sich bemühten, selbstständig besonders öffentlich in Erscheinung zu treten, und sich in diesem Vorhaben möglicherweise gegenseitig Konkurrennz machten. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken und im Gegenteil eine stärkere Verbindung unter den Kompanien zu fördern, legten die Mitglieder fest, dass keine Kompanie ihr Stiftungsfest ohne die Mitwirkung des Vereins veranstalten dürfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG022.jpg|300px|thumb|right|Das 1924 gegründete Tambourcorps ca. 1928.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG023.jpg|300px|thumb|right|Die 1909 gegründete Tellkompanie um 1928.]]&lt;br /&gt;
Im Dezember 1929 führte die Schützengesellschaft ein &amp;quot;Sterbegeld&amp;quot; zugunsten der Beerdigung verstorbener Mitglieder ein: Starb ein Schützenbruder, musste jedes Mitglied künftig 50 Pfennig in die Vereinskasse zahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Generalversammlung im März 1930 wählten die Teilnehmer erstmals einen Schießmeister und einen Stellvertreter. Beide sollten jeweils im 2-Jahres-Turnus neugewählt werden. Diese Neuerung war notwendig geworden, da man die aufgetretenen Unregelmäßigkeiten am Schießstand künftig unterbinden wollte. Als im April des Jahres auch ein Schützenoberst und ein Major gewählt werden sollten, meldete sich wegen der damit verbundenen Kosten niemand freiwillig, so dass der Tagesordnungspunkt zurückgestellt werden musste. Hierin spiegelt sich deutlich die wirtschaftlich desolaten Umstände der Zeit ([https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise Weltwirtschaftskrise]) wider: Am 25. Oktober 1929, dem &amp;quot;Schwarzen Freitag&amp;quot;, war es zum &amp;quot;Zusammenbruch&amp;quot; der New Yorker Börse gekommen, was in der Folge zu einer gewaltigen Massenarbeitslosigkeit im Deutschen Reich führte, die 1932 die 6-Millionen-Grenze erreichen sollte. Auch das &amp;quot;Schützen- und Volksfest&amp;quot; des Jahres 1930, das die St. Hubertus-Schützengesellschaft vom 12. bis zum 14. Juli veranstaltete, ließ die desolate Wirtschaftslage erkennen. Es folgt der originale Protokolltext. In ihm spiegelt sich eine trotz der widrigen Zeitumstände spürbare &amp;quot;Schützenbegeisterung&amp;quot; wider, wie sie der Protokollant empfand. Mit einem besonderen Sprachgefühl gab der protokollant der Schilderung einen sehr feierlichen Anstrich. Der besseren Lesbarkeit halber wurden hier aber grammatikalische und orthografische &amp;quot;Unreinheiten&amp;quot; beseitigt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;quot;In althergebrachter Weise wurde unser diesjähriges Stiftungsfest eingeleitet durch einen Fackelzug, welcher am Abend des 12. Juli bei einbrechender Dunkelheit durch die Straßen unseres Städtchens zog. Die Bevölkerung und Umgegend war nachmittags schon durch donnernde Böllerschüsse auf das Bevorstehende aufmerksam gemacht worden. Im Anschluß an den Fackelzug, welcher sich im Saale des Herrn Peter Jos. Schmitz auflöste, fand die letzte Generalversammlung statt, wo unser Vorsitzender Herr Heinrich Peters alle Mitglieder ermahnte, ihre letzte Kraft für ein gutes Gelingen des schon Eingeleiteten zur Verfügung zu stellen, und die letzten Funktionen erteilte. Als die Musik ertönte und das Tanzbein auf seine Kosten kam, flohen die Stunden so dahin, und manch einer vergaß, sein heimatliches Gefilde aufzusuchen, um sich die Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, an dem Weckruf teilzunehmen, wodurch den Einwohnern angedeutet wurde, daß der 2. Tag angebrochen war. Der inoffizielle Teil des Tages begann durch rege Anteilnahme der Schützen mit ihren Fahnen am feierlichen Hochamt. Nach diesem hielt der Ehrenvorsitzende Herr [[Johannes Klüwer|Pfarrer Klüwer]] vor versammelter Mannschaft auf dem [[Kirchplatz]] eine Gedenkrede und forderte alle Mitglieder auf, demjenigen zu folgen, der als Schutzpatron auf der Vereinsfahne verewigt sei. Auch gedachte er dem diesjährigen Schützenkönig Herrn Jakob Müllenberg mit einem dreifach donnernden Hoch, worin alle Schützen und Schaulustigen mit einstimmten. Nach dem üblichen Kommando setzte sich der Zug in Bewegung und machte seine Ehrenbezeugung vor kirchlicher und weltlicher Behörde, Vorsitzenden und Komiteemitgliedern, dann ging es im Gleichschritt zum Schützenplatz, wo der Zug seine Auflösung fand. Die darauf einsetzende Schießerei auf dem neu errichteten Schießstand bekundete, daß man am offiziellen Teil angelangt war. Nachmittags Empfang auswärtiger Vereine 3 ½ Uhr Kommandorufe, Antreten zum Festzug, der durch die schön geschmückten Straßen unseres Städtchens zog. Vor dem [[Feldtor]] hatte sich eine tausendköpfige Zuschauerzahl eingefunden, die wie alljährlich Zeuge sein wollte von der schön aufgezogenen Parade. Die Auflösung erfolgte mit einem Treugelöbnis, dem Schießsport weiter zu huldigen. Das anschließende Preisschießen dauerte bis zur einbrechenden Dunkelheit an. Tanzvergnügen wurde in den Sälen von Schmitz und Schönen abgehalten, die trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage sehr gut besucht waren.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG024.jpg|300px|thumb|right|Die 1925/26 gegründete Reiterkompanie um 1930.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG025.jpg|300px|thumb|right|Die 1930 gegründeten &amp;quot;Schillschen Offiziere&amp;quot; um 1932.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG026.jpg|300px|thumb|right|Oberst Arnold Bechlenberg mit seinen Adjutanten Heinrich Gilgen (links) und Jakob Busen Ende der 1920er Jahre in der Feldstraße.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG027.jpg|300px|thumb|right|Vorsitzender Heinrich Peters, erster Kassierer Josef Malzburg, Schützenkönig Peter Stotzem und Oberst Arnold Bechlenberg 1931/32.]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der Montag begann mit einem Hochamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder des Vereins, wobei ein schlechter Besuch zu verzeichnen war, der letzten Endes darauf zurückzuführen ist, daß viele Mitglieder zur Arbeitsstätte geeilt waren, um da einen triftigen Grund anzugeben, um mittags wieder am Leben und Treiben teilnehmen zu können. Aus diesem Grunde zog auch ein sehr zusammengeschmolzener Zug zum Platz, in der Hoffnung, einen als Schützenkönig nach Hause begleiten zu können, der für den Verein fördernd sein könne. Als der Königsvogel hochgezogen wurde, wollte schon ein jeder wissen, wer der glückliche Schütze sei, aber durch den eintretenden Konkurrenzkampf wurden alle eines Besseren belehrt. Als Böllerschüsse verkündeten, daß der Meisterschuß gefallen sei, hieß der neue Schützenkönig Ludwig Zapfe. Die darauf einsetzende Pause zeigte eine Brüderlichkeit, die man bis dahin zu selten in Zons fand. Der zu Ehren des neuen Schützenkönigs stattgefundene Festzug und die Parade verliefen in mustergültiger Ordnung. Nebenbei verdient die Kinderbelustigung erwähnt zu werden, die im Anschluß an den Festzug stattfand. Nur schade, daß auf diesem Gebiet nicht mehr getan wurde, um den Kleinen einen alljährlich wiederkehrenden Freudentag zu bereiten. Abends fand dann im Lokal von Schmitz der Krönungsball statt, wo man bei Wein, Weib, Gesang und Tanz verharrte, bis das anbrechende Morgengrauen einen an die Alltagspflichten erinnerte.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Schützenfest nahmen übrigens – was der Protokollant verschweigt – erstmals die &amp;quot;Schillschen Offiziere&amp;quot; teil. Die erhebliche Zunahme der Mitgliederzahl machte eine Veränderung bezüglich der Mitgliedsbeiträge, die monatlich eingezogen wurden, zu Beginn des Jahres 1931 notwendig. Die Gelder, die bisher zentral erhoben worden waren, sollten zukünftig von den jeweiligen Kompanien erhoben und dem Kassierer übergeben werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG028.jpg|300px|thumb|right|Die Zuschauer einer Parade vor dem Feldtor 1928/29. Schützenkönig war in diesem Jahr Gottfried Erkelenz.]]&lt;br /&gt;
Auch in dem Protokoll zum Schützen- und Volksfest vom 11.–13. Juli 1931 finden sich wieder deutliche Hinweise auf die wirtschaftlich desolate Situation. So beginnen die Ausführungen mit den Worten: &#039;&#039;&amp;quot;Feste feiern ist in der heutigen schlechten Zeit eine Kunst. Daß man innerhalb der St. Hubertus-Schützengesellschaft diese Kunst beherrscht, bewieß das schön verlaufene Schützen- und Volksfest ...&amp;quot;&#039;&#039; An einer anderen Stelle verdeutlicht der Protokollant Jakob Blömacher die widrigen Zeitumstände recht anschaulich-amüsant: &#039;&#039;&amp;quot;Als der Königsvogel hochgezogen wurde und so von oben auf seine Peiniger herunter sah, hat sich manch einer nicht getraut, ihm etwas zuleide zu tun. Aber trotzdem wurde ihm tüchtig zugesetzt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung im April 1932 sprach sich vor diesem Hintergrund für eine Verkürzung des Schützenfestes auf zwei Tage aus. Bereits zwei Monate später folgte ein weiterer Beschluss, wonach das Fest mit der Hauptkirmes im Oktober zusammengelegt werden sollte. Einerseits sieht man hieran deutlich, wie sehr die Vereinsveranstaltungen in dieser Zeit beeinträchtigt wurden, andererseits zeigte sich der Schützenverein in dieser Situation als Vereinigung, die zur Aufrechterhaltung der Tradition auch nicht vor ungewöhnlichen Maßnahmen zurückschreckt. Die Möglichkeit, das Schützenfest ausfallen zu lassen, wurde offenbar gar nicht erst in Erwägung gezogen. Auch gab sich der Verein nun aus Rücksichtnahme auf die finanzielle Situation der Mitglieder etwas toleranter hinsichtlich der Kleidungsfrage: Kompanien, die eine Uniform besitzen, mussten diese bei den Umzügen tragen, hingegen wurde Kompanien oder Einzelpersonen ohne Uniform die Teilnahme nicht verwehrt, sondern ihnen wurde die Möglichkeit gegeben, mit weißer Hose, &amp;quot;Zivilrock&amp;quot; und Schützenhut mitzumachen. Kaum verwunderlich ist vor diesem Hintergrund auch der Ablauf des Königsvogelschießens bei der Hauptkirmes (1.–4. Oktober 1932): &#039;&#039;&amp;quot;Das Königsvogelschießen erinnerte an die bestehenden schlechten Zeiten und war langweilig, bis sich ein beherzter Schütze fand, und er machte dieser Mißstimmung ein Ende.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unterm Hakenkreuz: Die Jahre 1933–1945 ===&lt;br /&gt;
Die Machtergreifung [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler Adolf Hitlers] am 30. Januar 1933 brachte die radikale Beseitigung des parlamentarisch-demokratischen Systems der Weimarer Republik. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei NSDAP] bestimmte in der Folgezeit mittels ihrer zahlreichen Gliederungen das gesamte politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben. Mit dem Instrument der &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorl%C3%A4ufiges_Gesetz_und_Zweites_Gesetz_zur_Gleichschaltung_der_L%C3%A4nder_mit_dem_Reich Gleichschaltung]&amp;quot; erwirkte sie die Vereinheitlichung von Organisationen und Vereinen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Zonser St. Hubertus-Schützengesellschaft im Mai 1933 eine Generalversammlung abhielt, waren diese tiefgreifenden Veränderungen noch nicht spürbar. Auf der Tagesordnung standen Formalia wie die Vergabe des Bierzeltes beim kommenden Schützenfest und die Teilnahme der Hohenzollernkompanie an der Fronleichnamsprozession. Dass dies für lange Zeit das letzte Mal sein würde, dass Vereinsmitglieder an der Fronleichnamsprozession teilnehmen, war zu diesem Zeitpunkt noch niemandem bewusst. Am 1. Mai hatten Fahnenabordnungen des Vereins am Umzug anlässlich des von den Nationalsozialisten eingeführten &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Tag_der_nationalen_Arbeit Tag der nationalen Arbeit]&amp;quot; teilgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Schützen- und Volksfest&amp;quot; vom 22.–24. Juli des Jahres veranstaltete der Verein auf die übliche Weise. Doch verzichtete die Schützengesellschaft diesmal – ohne, dass die Gründe bekannt sind – auf die Teilnahme auswärtiger Schützen, was der Protokollant im Hinblick auf die Parade am Montagnachmittag nicht als problematisch bewertete: &amp;quot;Dieser Zug hat so richtig gezeigt, daß man auf die fremden Vereine verzichten kann und für die Zukunft des Vereins nicht zu bangen braucht.&amp;quot; Nach der Zugordnung gehörten der Schützengesellschaft zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Kompanien an: Hubertuskompanie, Tellkompanie, Hohenzollernkompanie, Marinekompanie, Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; und &amp;quot;Schillsche Offiziere&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Königsvogelschießen war in diesem Jahr außergewöhnlich kurz: Nach nur fünf Schüssen ging die Königswürde an Willy Hell. Im Anschluss an die Proklamation beglückwünschte [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken]] den neuen Schützenkönig im Namen der Gemeinde und sprach gleichzeitig ein Hoch aus auf &amp;quot;Vaterland, [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Hindenburg Reichspräsident von Hindenburg] und Volkskanzler Adolf Hitler und den neuen Schützenkönig&amp;quot;. Der neue &amp;quot;Geist der Zeit&amp;quot; sollte sich schon bald deutlicher zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend des 6. August 1933 fand auf Veranlassung der Ortsgruppe der NSDAP eine erweiterte Vorstandssitzung statt. Auf dieser nahm der [[Ortsgruppenleiter]] [[Franz Erkelenz]] die &amp;quot;Gleichschaltung&amp;quot; der Schützengesellschaft vor, indem er den Verein bereits auf wesentliche Punkte der allgemeinen Einheitssatzung verpflichtete. Der Vorsitzende trug demnach fortan die Bezeichnung &amp;quot;Vereinsführer&amp;quot;. Alle Vorstandsmitglieder verblieben in ihren Posten, während zwei weitere Personen – wohl auf &amp;quot;Anregung&amp;quot; des Ortsgruppenleiters – in den erweiterten Vorstand berufen wurden. Leider gibt der Protokolltext nicht den gesamten Inhalt der Sitzung wieder. Doch lässt sich Wesentliches aus dem Erwähnten erschließen: So ist festgehalten, dass der Ortsgruppenleiter auf Anfrage erklärt habe, [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] verbleibe auch weiterhin als Ehrenvorsitzender des Vereins. Diese Frage offenbart vor dem Hintergrund der folgenden Entwicklung, was der Protokolltext verschweigt: Der Ortsgruppenleiter forderte entsprechend der dem Gleichschaltungs-Programm zugrundeliegenden Ideologie die Loslösung des Vereins von religiösen Traditionen, auch wenn Erkelenz offenbar zu diesem Zeitpunkt noch keine Veranlassung sah, etwas an dem bisherigen Ehrenstatus des Geistlichen zu verändern. Die Partei verstand es, zur Durchsetzung dieses Vorhabens massiven Druck auf die Schützengesellschaft auszuüben. So drohte der Ortsgruppenleiter dem Vorsitzenden Heinrich Peters im Frühjahr 1934, wenn der Schützenverein sich an der bevorstehenden Fronleichnamsprozession beteilige und geschlossen Kirchgang halte, werde das Schützenfest verboten oder möglicherweise sogar der Verein aufgelöst.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 207.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Schützengesellschaft musste sich dem allgemeinen Symbolismus des totalitären Systems anpassen und unterwerfen. So war der &amp;quot;Hitlergruß&amp;quot; anlässlich der Paraden ab 1933 quasi eine Pflichtübung, und Fahnen durfte der Verein nur noch mit sich führen, wenn sie den Hakenkreuzwimpel trugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG029.jpg|300px|thumb|right|Die 1904 gegründete Hohenzollern-Kompanie in einer Aufnahme aus dem Jahr 1935.]]&lt;br /&gt;
Anlässlich der Hubertusfeier am 19. November 1933 organisierte der Verein Theaterdarbietungen bei Bernhard Olligs (Bäckerei und Konditorei in der [[Grünwaldstraße]]) mit anschließendem Tanzvergnügen. An der morgendlichen Hubertusmesse hatten aus den genannten Gründen nur noch 35 % der Mitglieder teilgenommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 205.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Hubertusfeier wurde bewusst zur Werbung neuer Mitglieder genutzt. Dank dieser und einer weiteren Werbeveranstaltung konnte der Verein die Mitgliederzahl 1933 von 88 auf 113 erhöhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung im Januar 1934 erkannte die Notwendigkeit, die Vereinsstatuten entsprechend &amp;quot;dem heutigen Sinn&amp;quot; neu zu formulieren; Konkretes wird diesbezüglich nicht mitgeteilt. Im Anschluss berichtete der Vereinsführer über die vollzogene &amp;quot;Gleichschaltung&amp;quot;. Er schloss die Versammlung mit einem &amp;quot;Hoch auf Reichspräsident, Reichskanzler und Verein&amp;quot;, woraufhin die Teilnehmer stehend das &amp;quot;Deutschland-&amp;quot; und das &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Horst-Wessel-Lied Horst-Wessel-Lied]&amp;quot; sangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bemühungen des [[Pfarrer]]s [[Johannes Klüwer]], der von dem Regime erzwungenen zunehmenden Distanzierung des Vereins von religiösen Traditionen entgegenzuwirken, hatten wenig Erfolg. Auf einer Generalversammlung im Mai 1934 wurde der Verein zum &amp;quot;Deutschen Schützenverein&amp;quot; umgebildet und der Austritt aus der Erzbruderschaft beschlossen. Klüwer zeigt sich in der Pfarrchronik zutiefst entsetzt über diese Maßnahme, vor allem, da die Teilnehmer, die nicht dem Vorstand angehörten, nicht über die Konsequenzen aufgeklärt worden seien. Ihn selbst habe man bewusst von der Versammlung ferngehalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 207f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klüwer1.jpg|300px|thumb|right|Pfarrer Johannes Klüwer in den 1940er Jahren.]]&lt;br /&gt;
Zwei Wochen später äußerte sich der Pfarrer in einer Kanzelrede über die Maßnahme mit den folgenden Worten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Am 13. Mai 1934 ist die St. Hubertus-Schützengesellschaft umgebildet und die Verbindung mit der uralten Bruderschaft gelöst worden. Dadurch hat man mich gezwungen, den Ehrenvorsitz, den ich unter anderen Vereinssatzungen angenommen hatte, niederzulegen und aus dem Verein auszutreten. Nahezu 500 Jahre (1460 schon urkundlich erwähnt) hat die Schützenbruderschaft hier in Zons bestanden und auch ich habe während meines Hierseins den Verein stets tatkräftig unterstützt. Selbstverständlich fallen kirchliche Ansprachen, Ehrengarde bei Fronleichnamsprozessionen und anderes mehr für die Zukunft weg, wie die Erzbruderschaft mir ausdrücklich mitteilt und wie ich vor dem 13. Mai dem Vorstande habe mitteilen lassen. Wenn die Schützen konsequent sind, würden sie selbst ihre kirchlich gesegneten Fahnen nicht mehr tragen. Schützen, welche sich in das alte Bruderschaftsregister eintragen wollen, können das im Pfarrhause tun. Zu dieser Erklärung fühle ich mich verpflichtet, damit man weiß, weshalb der Pastor am Schützenfest nicht mehr teilnimmt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 208f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Aufruf folgend ließen sich im darauffolgenden Monat 27 Männer von Pfarrer Johann Klüwer in eines der zwei Sebastianus-Schützenbruderschaftsbücher aus dem 18. Jahrhundert eintragen, um ihrer religiösen Überzeugung und damit ihrem inneren Widerstand gegen die nationalsozialistische Anti-Kirchenpolitik Ausdruck zu geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Diese Mitglieder waren: Heinrich Stein (Mühlenstr.), Leo Klein (Zehntgasse), Heinrich Gilgen sen. (Feldstr.), Josef Olligschläger (Hinter der Mauer), Peter Oberzier (Feldstr.), Jakob Piel (Wiesenstr.), Paul Ohligschläger (Wiesenstr.), Andreas Ohligschläger (Wiesenstr.), Hubert Ohligschläger (Wiesenstr.), Martin Zistermich (Feldstr.), Hermann Düssel (Feldstr.), Hans Peters (Feldstr.), Wilhelm Peters (Feldstr.), Hubert Hesemann (Feldstr.), Jakob Blömacher (Mühlenstr.), Johann Habets (Brunnenstr.), Wilhelm Kluth (Brunnenstr.), Jakob Görgens (Feldstr.), Jakob Wimmer (Steinstr.), Josef Longerich (Brunnenstr.), Anton Stein (Lindenstr.), Matthias Marx (Feldstr.), Theo Köppinger (Hubertusstr.), Hubert Blömacher (Lindenstr.), Hubert Blömacher (Lindenstr.), Heinrich Gilgen jun. (Feldstr.), Hubert Kluth (Hohes Örtchen); PfAZ, Nr. 227, p. 115.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aufgrund der Empfehlung durch die Erzbruderschaft wählten viele Schützenvereine dieses Mittel der Eintragung in das Bruderschaftsregister der Pfarre, um der Auflösung zu entgehen. Es spricht Einiges dafür, dass innerhalb der Mitgliederschaft die Unzufriedenheit mit der nationalsozialistischen und antikirchlichen Linie des Zonser Schützenvereins überwog. So bedauerten es nach den Chronikaufzeichnungen von Pfarrer Klüwer die meisten Schützen, dass der Pfarrer seit 1934 nicht mehr am Schützenfest teilnahm. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Mitglieder am 17. Juni 1934 anlässlich des Schützenfestes – in diesem und im folgenden Jahr fand es jeweils im Juni statt – mit ihren Fahnen in der Pfarrkirche erschienen, um trotz der zweifelsohne damit verbundenen Risiken am feierlichen Hochamt teilzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG032.jpg|300px|thumb|right|Bei der Parade Schützenfest 1935.]]&lt;br /&gt;
Am 14. April 1935 ([https://de.wikipedia.org/wiki/Palmsonntag Palmsonntag]) hielt der Generalpräses der Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus, [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Pfarrer Dr. Peter Louis], eine Rede vor den Zonser Schützen, um sie zum Wiedereintritt in den Verband zu bewegen. Doch obwohl nach Einschätzung von Pfarrer Klüwer 90 % der Mitglieder dies befürworteten, blieben die Bemühungen des Generalpräses erfolglos.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 216.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Deutsche_Arbeiterpartei NSDAP] nahm über bzw. durch den Vereinsvorstand erheblichen Einfluss auf das Vereinsleben und die Vereinsentwicklung, wobei sie nötigenfalls, wie erwähnt, auch massiven Druck ausübte. Seit dem Tag der &amp;quot;Gleichschaltung&amp;quot; bestimmte sie über die personelle Situation des Vorstandes. Die fast komplette Neubesetzung der Vorstandsposten im Frühjahr 1935 geschah daher in Umgehung des bisher üblichen demokratischen Verfahrens einer Neuwahl durch die Generalversammlung. Die Erzbruderschaft, das sei hier er gänzend erwähnt, wurde im März 1936 durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatspolizei Gestapo] aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Veränderungen des Schützenvereins vor dem Hintergrund des nationalsozialistischen Gleichschaltungsprogramms liefen wie erwähnt nicht ohne gewisse Vorbehalte ab. Die Entwicklung sorgte bei vielen Vereinsmitgliedern zumindest für einige Verwirrung, zum Teil trat sogar offen gezeigter Unmut hervor. Der Bruch mit den demokratischen und religiösen Traditionen durch Gleichschaltung und Entmündigung war schließlich gleichbedeutend mit der Zerstörung des eigentlichen Vereinswesens. [[Ortsgruppenleiter]] [[Franz Erkelenz]] sah sich daher veranlasst, die aufgetretenen &amp;quot;Strömungen&amp;quot; innerhalb des Vereins anlässlich einer Vorstandssitzung im Mai 1936 zu kommentieren. Der Inhalt der Rede ist leider nicht überliefert. Auch der neue Vereinsführer des &amp;quot;Deutschen Schützenvereins Zons&amp;quot;, [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]], musste einige Überzeugungsarbeit leisten. Auf der Generalversammlung am Abend vor dem Schützen- und Volksfest, am 15. Juni, &#039;&#039;&amp;quot;rechnete [er] mit den ewig gestrigen ab und forderte alle, die den Geist der Neuzeit erkannt haben, auf, tatkräftig mitzuarbeiten, um das Eingeleitete zum Nutzen des Vereins zum Abschluß bringen zu können.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG030.jpg|300px|thumb|right| Die 1934 gegründete Jungschützen-Kompanie 1936.]]&lt;br /&gt;
Im Oktober 1935 veranstaltete die Tellkompanie eine Rekruten-Abschiedsfeier mit Tanzvergnügen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Zons 663.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der sich in diesen Veranstaltungen widerspiegelnde Mitgliederverlust, den der Verein in dieser Zeit und den folgenden Monaten und Jahren zu erleiden hatte und der durch freiwillige Austritte von Mitgliedern zunahm, wurde durch gezielte Mitgliederwerbung bekämpft. Die Vereinsstärke konnte dadurch zwar zunächst gehalten werden, doch dürften die Verluste die Zahl der Neuzugänge bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit zunehmender Tendenz übertroffen haben, wobei wegen der zahlreichen Rekrutierungen jüngerer Vereinsmitglieder das Durchschnittsalter der Mitglieder ganz erheblich angestiegen sein dürfte. Dennoch dominierte über dem Interesse an einer großen Mitgliederzahl ein rigoroses Selektions- und Kontrollprinzip: Seit Juni 1936 mussten neu aufgenommene Mitglieder umgehend dem Vereinsführer in schriftlicher Form gemeldet werden. Im selben Monat erhielten zwei Mitglieder die alleinige Befugnis, Schützen aus dem Verein auszuschließen. Wie weit die beiden Herren von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, bleibt im Dunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. September 1936 trat der &amp;quot;Deutsche Schützenverein Zons&amp;quot; dem nationalsozialistischen &amp;quot;Deutschen Schützenverband&amp;quot; (DSV) und damit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Reichsbund_f%C3%BCr_Leibes%C3%Bcbungen Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRfL)] bei. Da Schützenvereinen, die den Beitritt in diesen Verband verweigerten, die Auflösung drohte, kann von einem freiwilligen Beitritt keine Rede sein. Der Schützenverband verfolgte als oberstes Prinzip die Förderung des Schießsports und zwang gleichzeitig zur völligen Loslösung von kirchlichen Traditionen. Damit war der Schützenverband ein radikales Filterinstrument in den Diensten des totalitären Systems. Viele Vereinigungen wurden im Laufe des Jahres aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG033.jpg|300px|thumb|right|Die Tellkompanie trägt den Königsvogel zum Schießstand (ca. 1934).]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG034.jpg|300px|thumb|right|Einzug auf den Schützenplatz: Oberst mit Adjutanten, gefolgt vom Zonser Tambourcorps und der Kapelle Eich, im Hintergrund eine Schiffschaukel (um 1930).]]&lt;br /&gt;
Neben dem Schützenfest im Juli 1936 veranstaltete der Verein auch ein Kompanieschießen im September des Jahres. Dabei traten die drei besten Schützen einer jeden Kompanie an, um insgesamt drei Abzeichen auszuschießen. Die Siegerehrung wurde beim alljährlichen &amp;quot;Kameradschaftsabend&amp;quot; vorgenommen. Solcherlei Wettschießen fanden seit 1933 häufiger statt, um – wie es der Vereinsführer Peter Breuer ausdrückte – &amp;quot;unter den Kameraden den Schiesssport zu pflegen und zu fördern&amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Zons 663.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mai 1938 nannte der Vereinsführer den &amp;quot;Deutschen Schützenverein Zons&amp;quot; wieder um in &amp;quot;Hubertus-Verein&amp;quot; – der Zusatz &amp;quot;St.&amp;quot; war nach den streng weltlichen Richtlinien der Nationalsozialisten verboten. Dieser Kompromiss war zustande gekommen, weil mittlerweile wieder der Unmut einiger Mitglieder über die Anpassung des Vereins deutlich hervorgetreten war. Es waren zwischenzeitlich sogar Stimmen laut geworden, die entschieden den Austritt aus dem &amp;quot;Deutschen Schützenverband&amp;quot; forderten. Doch verstummten diese rasch, nachdem der Vorstand die Konsequenzen dieses Schrittes (Verbot und Enteignung) dargelegt hatte. So war denn auch die Umbenennung des Vereins lediglich ein äußerlicher &amp;quot;Etikettenwechsel&amp;quot; ohne Auswirkung auf das Vereinswesen. Im Gegenteil lässt sich in der folgenden Zeit – wahrscheinlich auf noch massiveren Druck hin – eine noch stärkere Distanzierung von der Kirche feststellen: 1938 fand das Hochamt zur Zeit des Schützenfestes erstmals ohne die Schützenabordnungen und ihre Fahnen statt, und auch 1939 erschienen &amp;quot;fast keine Schützen&amp;quot; zum Hochamt, wie [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] bedauerte.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 235, 241.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Hubertus-Verein&amp;quot; feierte 1938 das 40-jährige Bestehen. Das Schützenfest im Juli, das in diesem und im folgenden Jahr auf behördliche Anweisung mit der Hauptkirmes zusammen veranstaltet werden musste, fand daher in einem besonders festlichen Rahmen statt. Erschienen waren die Schützenvereine aus [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BClheim_(K%C3%B6ln) Köln-Mülheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChlingen Köln-Fühlingen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Niehl_(K%C3%B6ln) Köln-Niehl], [https://de.wikipedia.org/wiki/Merkenich Köln-Merkenich], [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath], [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_(Monheim_am_Rhein) Baumberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach], [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven]. Erstmals fand anlässlich des Festes auch ein Feuerwerk im Anschluss an den Fackelzug statt, das von den Zonser Wirten finanziert wurde. Dieses fand so großen Gefallen, dass es sich der Verein auch im folgenden Jahr nicht nehmen ließ, ein Feuerwerk zu veranstalten. Für den Festzug hatte man sich etwas Besonderes einfallen lassen: Die [[Freilichtbühne]] spielte in der Saison 1938 in Verbindung mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kraft_durch_Freude NS-Gliederung &amp;quot;Kraft durch Freude&amp;quot;] das Stück &amp;quot;Der Fähndelschwenker von Zons&amp;quot;. Dieses handelte von &#039;&#039;&amp;quot;eine[r] Begebenheit aus der Blütezeit der niederrheinischen Schützengilden unter Kurfürst Clemens August von Köln, der 1739 selbst durch einen Meisterschuß Schützenkönig von Zons wurde. Im Mittelpunkt der Handlung steht die mit dem rheinischen Schützenwesen noch heute verbundene Gestalt des &#039;Fähndelschwenkers&#039;&amp;quot;&#039;&#039; [aus einer Werbeschrift]. Dieses Freilichtspiel war so erfolgreich, dass die Eintrittskarten erstmals bereits Wochen vorher ausverkauft waren und man sich veranlasst sah, die Spielsaison um einige Wochen zu verlängern. Das Spiel sollte nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals aufgeführt werden. Selbstverständlich fand dieses Stück auch – schon allein wegen des Inhalts – besondere Beachtung bei den Zonser Schützen. Diese luden den &amp;quot;Kurfürsten&amp;quot; und den &amp;quot;Fähndelschwenker&amp;quot; daher ein, in ihrem Festzug anlässlich des 40-jährigen Bestehens mitzuwirken. So wurde dem derzeitigen Schützenkönig Hubert Vonden die Ehre zuteil, mit diesen beiden Herren den Schützenzug anzuführen, gefolgt übrigens von dem Zonser Knaben Peter Schreiner, der ebenfalls eine (kleinere) Fahne schwenkte. Der &amp;quot;Fähndelschwenker&amp;quot;, eine ästhetische, bis dahin im Zonser Schützenvereinsleben jedoch unbekannte Erscheinung, sollte auch im folgenden Jahr im Festzug mitwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG035.jpg|300px|thumb|right|Mitglieder der Hohenzollernkompanie auf einem Karussell um 1935.]]&lt;br /&gt;
Nachdem im Vorjahr erstmals zwei &amp;quot;Musikzüge&amp;quot; am Festzug teilgenommen hatten, sollte dies auch 1939 so sein. Doch musste auf einer erweiterten Vorstandssitzung im April die genaue Handhabung erst eingehender besprochen werden: Man war sich darüber einig, dass die beiden Gruppen so spielen sollten, &amp;quot;daß, wenn der erste Musikzug aussetzt, der zweite einsetzt, und damit kein Durcheinander im Festzug entsteht&amp;quot;. Aus heutiger Sicht mögen solche Entscheidungen recht amüsant anmuten. Für den erst 40-jährigen Verein, der noch nicht über die nötigen Kenntnisse verfügte, waren sie jedoch von wesentlicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni 1939 unterbreiteten die Zonser Wirte dem Verein den Vorschlag, zum Schützenfest erstmals ein großes Tanzzelt aufzubauen – doch wurde diese Anregung &amp;quot;für das nächste Jahr reserviert&amp;quot;. Bereits im Januar hatte sich der erweiterte Vorstand dafür ausgesprochen, zum Schützenfest erstmals ein Bierzelt zu errichten. Unmittelbar vor Ausbruch des Weltkriegs verliefen die Vereinsgeschäfte also noch in den gewohnten Bahnen. Es kam in diesen Monaten sogar zur Gründung einer neuen Schützengruppe mit dem Namen &amp;quot;Grenadier-Kompanie&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schützenfest Anfang Juli 1939 sollte für lange Zeit die letzte Festveranstaltung des Vereins gewesen sein. Ein Bericht in der &amp;quot;Volksparole&amp;quot; vom 11. Juli beschreibt das Fest mit begeisterungsvollen und geradezu lyrischen Wortfiguren; er ist somit nicht frei von gewissen Überzeichnungen, möglicherweise sogar mit ideologischer Intention. Unter diesem Vorbehalt folgt hier der ungekürzte Bericht, um ein ungefähres Gesamtbild eines Zonser Schützenfestes in nationalsozialistischer Zeit zu bieten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: &#039;&#039;&amp;quot;Als Fremdenverkehrsstadt beherbergt die Zollfeste am Niederrhein allsonntäglich viele Gäste in ihren Mauern. Doch das Heimatfest hatte am letzten Sonntag einen Rekordbesuch aufzuweisen. Die engen Gassen des mittelalterlichen Städtchens zeigten schon am Sonnabend reichlichen Flaggenschmuck, und am Sonntag bot das Stadtbild einen wirklich festlichen Anblick. Sehr lebhaft war es in allen Straßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem Standkonzert auf dem Rathausplatz nahm das Heimatfest am Sonnabend seinen Anfang. Bei Einbruch der Dunkelheit sammelten sich die Mitglieder des Bürgervereins zum Fackelzug. Ein prächtiges Bild, als der große Lichterzug mit den flackernden Lichtern durch die dunklen Gassen der Zollfeste marschierte. Am [[Feldtor]] löste sich der Zug auf, und ein Feuerwerk bildete den Abschluß. Im Schein der leuchtenden Raketen lag die Zollfeste in der ruhigen Niederrheinlandschaft. Wie eine magische Bühnenbeleuchtung bestrahlte das rote und grüne Leuchtfeuer die alten Türme und Giebel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Feuerwerk fanden sich die Kameraden des Bürgervereins zu einem Kameradschaftsabend im Saale Schönen ein. Vereinsführer Breuer betonte in seiner Festansprache, daß es Pflicht eines jeden Zonsers sei, zum Gelingen des Heimatfestes beizutragen. Als Fremdenverkehrsstadt muß Zons an diesen Tagen etwas besonderes bieten. Anderseits muß jeder so viel Disziplin und Kameradschaftsgeist aufbringen, daß man von einem wirklichen Volks- und Heimatfest sprechen kann. Anschließend überreichte der Vereinsführer den besten Schützen der einzelnen Züge einen Orden. Oberst Bechlenberg gab die letzten Anweisungen für die Festtage. Ein gemütlicher Kameradschaftsabend beendete den ersten Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Sonntag um 10 Uhr stand das Regiment auf dem Rathausplatz angetreten. Vereinsführer [[Peter Breuer|Breuer]] nahm zunächst die Ehrung zweier Mitglieder vor, die 40 Jahre dem Verein angehörten. Er überreichte ihnen im Namen des Vereins einen Orden und eine Plakette. Dann wurde dem Gründer des Vereins, Heinrich Gilgen, eine besondere Ehrung zuteil, indem er zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Breuer überreichte ihm mit anerkennenden Worten die Urkunde. Den Höhepunkt erreichte der Festsonntag mit der glänzenden Parade vor der Majestät Willy Kremer auf dem Paradeplatz am Feldtor. Obgleich das Regiment des Zonser Bürgervereins entsprechend der kleinen Stadt nur aus neun Zügen besteht, so sind seine Paradeleistungen um so schneidiger. Sowohl Aufmachung als auch der Parademarsch selbst zeigten, daß das Zonser Regiment unter dem Kommando des Obersten Bechlenberg in schneidiger Form ist. Als Ehrengäste der Majestät wohnten [[Franz Erkelenz|Ortsgruppenleiter Erkelenz]] und [[Franz Bebber|Stadtrat Bebber]] der Parade bei. Nach der Parade bezog das Regiment den Festplatz am Feldtor. Hier sprach Ortsgruppenleiter Erkelenz und ermahnte die Festteilnehmer, nicht nur an den Festtagen, sondern auch im Alltagsleben Kameradschaft zu pflegen und Gemeinschaftssinn zu zeigen. Das Schützenzelt nahm die durstigen Festteilnehmer auf. Auf dem Schießstand knallten die Büchsen, und die flotten Marschweisen erhöhten die Feststimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dritte Festtag in Zons begann mit der Heldenehrung auf dem [[Friedhof]]. Auf dem Rückmarsch vom Friedhof wurde der Königsvogel abgeholt. Ein hartnäckiger Kampf um die Würde der neuen Majestät begann. Am frühen Nachmittag holte Kamerad Peter Köppinger die Reste des Vogels herunter. Die Freude war groß, daß gerade ein Jubilar des Vereins, der am Tage vorher für 40jährige Mitgliedschaft geehrt worden war, den Meisterschuß erzielt hatte. Gleichzeitig ist Köppinger in der Zonser Spielschar, wo er alljährlich bei den Festspielen mitwirkt. Im Jubel wurde die neue Majestät zur Wohnung in die [[Hubertusstraße]] gebracht.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Köppinger sollte aufgrund des am 1. September 1939 ausbrechenden Weltkrieges die traurige Ehre erlangen, als Schützenkönig mit der längsten Regierungszeit in die Vereinsgeschichte einzugehen. Seit 1908 hatte der jeweilige Schützenkönig nach einer Niederschrift im Protokollbuch die Pflicht, das Königssilber aufzubewahren und für dieses zu haften. Peter Köppinger erfüllte diese ehrenvolle Aufgabe mit so großem Verantwortungsbewusstsein, wie seine Tochter Cäcilia Schlüssel berichtete, dass er die Königskette sogar bei Fliegeralarm immer mit in den Luftschutzbunker nahm. Dank seines Einsatzes ist das kostbare Schützensilber noch heute im Vereinsbesitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bedeutete nicht das völlige Erlöschen der Vereinsgeschäfte, wie man vermuten könnte. Während der Kriegsjahre fanden mindestens sechs Vorstandssitzungen statt. Gegenstand dieser Zusammenkünfte war vor allem die Sorge um die als Soldaten an der Front kämpfenden Mitglieder. Bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn, Ende Oktober 1939, beschloss eine erweiterte Vorstandssitzung, den betreffenden 20 Personen &amp;quot;Liebes-Päckchen&amp;quot; mit Zigaretten und Süßigkeiten im Wert von jeweils 3 Reichsmark zu schicken. Selbstverständlich waren diese Ausgaben nicht ohne entsprechende Einnahmen zu realisieren. Daher entschied die Versammlung gleichzeitig, dass die nicht rekrutierten Mitglieder weiterhin ihren monatlichen Mitgliedsbeitrag zu entrichten hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG036.jpg|300px|thumb|right|Die Hubertuskompanie 1937.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG037.jpg|300px|thumb|right|Im Anschluss an die Parade wird das Königspaar in der Kutsche zum Festsaal gefahren (am Marktplatz 1937/38).]]&lt;br /&gt;
Im Dezember 1940 besprach der erweiterte Vorstand mit Vertretern des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kyffh%C3%A4userbund Kyffhäuserbundes (eigentlich &amp;quot;NS-Reichskriegerbund&amp;quot;)], eines Soldatenverbandes, die Ausrichtung eines mehrtägigen (Kriegs-)[https://de.wikipedia.org/wiki/Winterhilfswerk_des_Deutschen_Volkes Winterhilfswerk]-Preisschießens im Januar 1941. Die Schießveranstaltung &amp;quot;auf Ringe&amp;quot; sollte bei [[Peter-Josef Schmitz]] ([[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Gasthaus &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;]]) stattfinden. Um die Sammlung der Preise sollten sich die Hauptleute der Kompanien und die Kyffhäuser-Kameradschaft kümmern. Ob es im Januar 1941 tatsächlich zu dieser Wohltätigkeitsveranstaltung, nach dem WHW-Programm &amp;quot;zur Unterstützung wirklich hilfsbedürftiger Volksgenossen&amp;quot;, kam, ist protokollarisch nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Kriegsjahre verwandte der Verein den Großteil seiner Energie in die Beerdigungen für gefallene und verstorbene Mitglieder. Bei diesen Anlässen traten die Schützen uniformiert auf, und die Toten wurden unter Musikbegleitung der Kapelle Eich oder des [[Tambourcorps]] zu Grabe getragen. Der nicht unerhebliche finanzielle Aufwand sollte seit April 1941 durch zusätzliche Beiträge der Vereinsmitglieder in Höhe von 50 Pfennig pro Beerdigung finanziert werden. Doch die Zahl der gefallenen Vereinsmitglieder stieg in den folgenden Monaten und Jahren so sehr, dass sich der Verein bereits im September 1943 finanziell außerstande sah, allein die Kränze für die Beerdigungen zu bezahlen. Daher beschloss der Vorstand, als Ersatz eine Ehrentafel mit den Namen der Gefallenen des Vereins in der [[Kriegergedächtniskapelle]] aufzustellen. Diese Tafel befindet sich dort noch heute. Die darauf verzeichneten Daten sind die folgenden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Hubert Fleischhauer 26. Juni 1941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Johann Schmitz 13. Oktober 1941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Hubert Schönen 18. November 1941&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Phillip Libertus 30. September 1942&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Rudi Kaiser 1. Dezember 1942&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Willy Malzburg 17. Januar 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Adam Libertus 30. Juli 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Addi Norff 9. August 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Hans Köppinger 9. September 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Jakob Görgens 6. September 1944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Peter Bock 12. September 1944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Arnold Olligs 29. November 1944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Johann Koenen 3. Dezember 1944&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Willy Kremer 24. März 1945&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Sebastian Olligs 13. Juli 1947&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Peter Düssel 9. Januar 1943&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:* Heinrich Sevenich (unbekannt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt sind [[Gefallene (Zweiter Weltkrieg)|62 Zonser]] im Zweiten Weltkrieg gefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Nachkriegszeit 1946–1960 ===&lt;br /&gt;
Mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungslose_Kapitulation_der_Wehrmacht bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht] am 8. Mai 1945 beginnt die Nachkriegsgeschichte Deutschlands. Die uneingeschränkte Regierungsmacht lag nun in den Händen der vier Siegermächte. Bereits seit März 1945 stand der Niederrhein unter amerikanischer Besatzung. Der Wiederaufbau der zerstörten Städte, gewaltige Flüchtlingswellen aus den Ostgebieten, Arbeitslosigkeit, Inflation und Armut prägten das Bild der ersten Nachkriegsjahre. Zons war von Kriegszerstörungen weitgehend verschont geblieben. Doch hatte sich auch hier eine große Zahl von Ostvertriebenen niedergelassen, und der Alltag war hier wie überall vom Naturalientausch und der Schwarzbrennerei geprägt. In der vollständigen Abholzung der [[Hannepützheide]] spiegelt sich die Materialknappheit und Armut der hiesigen Bevölkerung in diesen Jahren deutlich wider. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4hrungsreform_1948_(Westdeutschland) Währungsreform] im Juni 1948 beendete die Inflationsentwicklung und damit die Armut, und der folgende, über viele Jahre anhaltende Wirtschaftsaufschwung beendete die Massenarbeitslosigkeit. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bundesrepublik_Deutschland_(bis_1990)#Gr%C3%BCndung_der_Bundesrepublik_Deutschland_1949 Gründung der Bundesrepublik Deutschland] im Mai 1949 gilt als die Geburtsstunde der heutigen freiheitlich-demokratischen Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zons erlebte in den Jahren und Jahrzehnten seit Ende der 1940er Jahre eine große Bevölkerungszunahme und eine entsprechende Ausdehnung der Wohngebiete. Hatte die Zahl der Einwohner 1946 noch 1.735 betragen, so lag sie 1966 bereits bei 3.394 – sie hatte sich in einem Zeitraum von nur 20 Jahren also fast verdoppelt. Dieser Bevölkerungsanstieg wurde nicht unwesentlich von den Neubürgern getragen. Ein deutlicher Aufschwung ist auch beim Zonser Schützenverein festzustellen. Lag die Mitgliederzahl Ende 1946 noch bei 40, sollte sie sich in den folgenden 12 Jahren mehr als versechsfachen und lag 1958 bereits bei 250. Besonders in den 1950er, aber auch in den 1960er Jahren kam es zu zahlreichen Neugründungen von Kompanien – diese hier noch alle namentlich hervorzuheben, würde zu weit führen. Vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung wird klar, dass die Nachkriegsentwicklung des Schützenvereins auch wesentlich von den Neubürgern getragen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits kurz nach Kriegsende kam es in zahlreichen Orten des Rheinlands zur Wiederbelebung des Schützenvereinswesens. Doch war die Genehmigung durch die amerikanische Besatzungsmacht zur Vereinswiederbelebung oder -neugründung an strenge Auflagen geknüpft. Die Wiederzulassung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%BCtzenbruderschaften Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus] unter dem Namen &amp;quot;Zentralverband der historischen deutschen Schützenbruderschaften&amp;quot; im Januar 1946 beispielsweise geschah nicht mit dem Hinweis auf die Wehrfunktion, sondern [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Pfarrer Dr. Peter Louis] hatte das Vertrauen der Besatzungsmächte dadurch gewinnen können, dass er auf die &amp;quot;einzigen bedeutenden Beweggründe des europäischen Schützenwesens&amp;quot; hinwies: die Verteidigung des Christentums und den karitativen Einsatz gegen menschliches Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 22. September 1946 fand eine Versammlung mit 32 Teilnehmern statt, um die Neugründung des Zonser Schützenvereins in Angriff zu nehmen. Es war diesen Herren bewusst, dass die Besatzung eine dem Namen nach weniger religiöse &amp;quot;St. Hubertus-Schützengesellschaft&amp;quot; weniger wahrscheinlich genehmigen würde. Daher entschloss man sich in Anlehnung an die bis in die Frühneuzeit zurückreichende Zonser Schützentradition für den Namen &amp;quot;St. Sebastianus- und St. Hubertus-Schützenbruderschaft&amp;quot;. Das Wesen des Vereins sollte dem religiösen Namen entsprechen. Aus diesem Grunde verpflichteten sich die Versammlungsteilnehmer auf die Satzungen der Sebastianus-Erzbruderschaft, die der (vorläufige) erste Brudermeister Heinrich Gilgen sen. erläuterte. Der Vorstand war zunächst nur provisorisch durch Stimmzettel gewählt worden, da er noch durch die Besatzungsbehörde bestätigt werden musste. [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]], der Präses der Schützenbruderschaft, musste als Mitglied des Vorstands zu den jeweiligen Vorstandssitzungen mit eingeladen werden. Als besondere Festtage des Schützenvereins – auch dies verdeutlicht die religiöse Haltung – legten die Versammlungsteilnehmer den Hubertustag (3. November), den Sebastianustag&lt;br /&gt;
(20. Januar) und den Fronleichnamstag fest. Es ist fragwürdig, warum von den 32 Anwesenden nur 27 dem Verein beitraten. Der Beschluss der Versammlung, dass jedes Mitglied eine Mark zur Instandsetzung des durch Bomben beschädigten [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Kölner Doms] spenden sollte, dürfte wohl kaum den Ausschlag gegeben haben. Die Frage muss offen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1946 verstarb der ehemalige Vorsitzende des Zonser Schützenvereins [[Peter Breuer]]. Die Beerdigung fand unter außerordentlicher Beteiligung der Zonser Bevölkerung und vieler auswärtiger Besucher statt. Breuer war seit 1919 als [[Lehrer]] in Zons tätig gewesen. Seitdem hatte er regen Anteil am öffentlichen Leben genommen. So hatte er fünf Jahre dem Gemeinderat angehört, war bis zu seinem Tod Rendant des [[Deichverband Zons-Stürzelberg|Deichverbandes Zons-Stürzelberg]], wirkte im Vorstand des Ziegenzuchtvereins, der Kriegsversehrten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge und in der Kameradschaftlichen Vereinigung. An seinem Grab sprachen neben [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] auch der Schulrat, der [[Bürgermeister]], der evangelische Pfarrer von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] und der Schützenvereinsvorsitzende Heinrich Gilgen.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 3. November 1946, dem Hubertustag, trat die St. Sebastianus-Hubertus-Schützenbruderschaft Zons erstmals nach dem Krieg wieder öffentlich in Erscheinung. Der Tag begann mit einem morgendlichen Gottesdienst um 10 Uhr für die lebenden und verstorbenen Mitglieder. Im Anschluss fand eine Kranzniederlegung an der [[Kriegergedächtniskapelle|Gedächtniskapelle]] statt. Daran schloss sich ein Frühstück mit öffentlichem Tanzvergnügen im [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Saal Schönen]] an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer Vorstandswahl anlässlich der Generalversammlung im Januar 1947 ging ein komplett erneuerter Vorstand hervor. Die Neuwahl fand laut der Vereinssatzung jeweils im Zweijahres-Turnus statt. Die Versammlungsteilnehmer besprachen zudem die wesentlichen religiösen Aufgaben des Vereins. Demnach habe der Fronleichnamstag als höchster Festtag zu gelten, an dem mindestens 4 Schützen das Allerheiligste begleiten mussten. Da dies 1946 nicht eingehalten worden war, betrachtete die Versammlung dies als ersten Verstoß gegen die Satzung. Doch auch 1947 fand die Fronleichnamsprozession ohne Beteiligung der Schützen statt, ohne dass uns die näheren Gründe bekannt sind. Seit 1948 nahmen jedoch wieder kleine Abordnungen mit Fahnen teil, 1950 sogar der gesamte Verein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den 19. Januar 1947 (einen Tag vor Sebastianus) feierte der Verein als Sebastianusfeiertag erstmals mit einem Festhochamt und einem Schützenball. Nur sechs Monate später, vom 13. zum 14. Juli, beging die Schützenbruderschaft ihr erstes Schützenfest nach dem Krieg. Da die Besatzung den Gebrauch von Gewehren untersagt hatte, mussten die Mitglieder den Schützenkönig mit der Armbrust ausschießen. Sieger wurde mit dem 136. Schuss Michael Blömacher. Anstelle des üblichen Holzvogels hatte man mit einigem Improvisationstalent eine Zigarrenkiste als Zielobjekt eingesetzt. Eine Person hatte bei diesem Fest in Anbetracht der noch sehr gegenwärtigen Erfahrungen der Jahre nach 1933 ein besonderes Anliegen, nämlich der Bruderschaftspräses [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]]. Er nutzte die Möglichkeit, den Schützen in einer Ansprache eindringlich Sinn und Zweck der Schützenbruderschaft darzulegen. Die Mitglieder hatten zuvor mit ihren Fahnen am feierlichen Hochamt teilgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende November bis Mitte Dezember 1947 hielten zwei Franziskanerpatres eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Volksmission#R%C3%B6misch-katholische_Volksmission Volksmission] in Zons. Pfarrer Johannes Klüwer hatte aus diesem Anlass zuvor alle Zonser Familien besucht. So nahmen immerhin 60 % der Einwohner an den kirchlichen Veranstaltungen teil. Nachdem die Hubertuskompanie der Schützenbruderschaft am letzten Beichtsamstag einen &amp;quot;gemütlichen Abend&amp;quot; veranstaltet und dadurch viele Leute von der Beichte abgehalten hatte, legte Pfarrer Klüwer erbost seinen Schützenbruderschafts-Vorsitz nieder. Kurz darauf entschuldigten sich die Schützen bei dem Geistlichen in aller Form mit der Bitte, er möge die Bruderschaft nicht eingehen lassen. Daraufhin machte Klüwer seinen schwerwiegenden Schritt wieder rückgängig.&amp;lt;ref&amp;gt;Pfarrchronik, p. 155f.&amp;lt;/ref&amp;gt;; eine glückliche Wendung, feierte der Verein doch schließlich 1948 sein 50-jähriges sowie das (vermeintlich) 500-jährige Bestehen der Sebastianus-Schützenbruderschaft. Auf einer Generalversammlung Ende Dezember 1947 war aus diesem Anlass bereits ein &amp;quot;Arbeits-Ausschuss&amp;quot; gebildet worden, bestehend aus den Herren Heinrich Gilgen jun., Peter Wingerath, Toni Ferber und Hubert Blömacher.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG038.jpg|300px|thumb|right|Schützenkönigspaar Cremer mit vier Schützenbrüdern 1951.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG039.jpg|300px|thumb|right|Aufstellung am Feldtor während einer Parade ca. 1954.]]&lt;br /&gt;
Der Verein legte verständlicherweise großen Wert darauf, dass alle Schützen an dem großen Jubiläumsfest 1948 teilnahmen. Dass bereits im März 1948 entschieden wurde, Mitglieder, die ohne guten Grund bei dem Fest fehlten, aus dem Verein auszuschließen, ist daher nachvollziehbar. Die Jubelfeier fand, nachdem man sie wegen der Währungsreform verschoben hatte, vom 1. zum 2. August des Jahres statt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das traditionelle Wecken um 5 Uhr mit dem &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Freut_euch_des_Lebens_(Lied) Freut euch des Lebens]&amp;quot;, gespielt von dem Zonser [[Tambourcorps]], bildete den Festbeginn. Kurz nach 9 Uhr versammelten sich die Schützen, um geschlossen zum Hochamt zu ziehen. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Levitenamt Levitenamt] und die Festpredigt hielt der Diözesan-Präses und geistliche Rat [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Dr. Peter Louis]. In der Kirche anwesend waren neben den Zonser Schützen auch Abordnungen der Schützenbruderschaft Cäcilia [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] und der Schützenbruderschaft St. Clemens [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen]. Im Anschluss an das Hochamt versammelten sich die Schützen auf dem Schulplatz, wo eine Tribüne aufgebaut worden war. Es hatten sich einige hundert Zuschauer eingefunden. In der Eröffnungsansprache begrüßte der zweite Vorsitzende Andreas Erkelenz die zahlreichen Ehrengäste und stellte das Wesen der Schützenbruderschaft dar: Demnach verfolge die Vereinigung keine &amp;quot;vormilitärischen Ziele&amp;quot;. [[Bürgermeister]] [[Wilhelm Fleischhauer]] nahm daraufhin die Ehrung der Jubilare vor. Es folgten kurze Reden von [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer]] und zwei Vertretern der beiden rechtsrheinischen Schützenbruderschaften. Zwischen den Reden gab es Gesangs- und Gedichtvorträge vom Männergesangsverein und von Schulkindern aus Zons. Im Anschluss an das Festgeschehen auf dem Schulplatz zogen die Schützen zum [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;|Lokal von Heinrich Schönen]], wo eine Tanzveranstaltung stattfand. Um 15:30 Uhr gab Oberst Arnold Bechlenberg das Kommando zum Antreten der Schützen zum großen Festzug. Dieser zog um 16 Uhr durch die Straßen der Stadt, um sich schließlich zur großen Parade vor dem [[Feldtor]] vor den Augen von über eintausend Zuschauern zu formieren. Der Schützenzug löste sich auf dem Schützenplatz am [[Herrenweg]] auf. Den Rest des Tages bestimmten Tanzvergnügen in mehreren Zonser Lokalen. – Der nächste Tag begann mit dem 9 Uhr-Hochamt für die verstorbenen und gefallenen Mitglieder des Vereins, woran sich der Zug zur [[Kriegergedächtniskapelle]] anschloss. Später fand auf dem Schützenplatz ein Armbrust-Preisschießen statt, gefolgt vom Königsvogelschießen um 11 Uhr. Um 16 Uhr bildete sich wieder ein großer Festzug, der seine Auflösung beim [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler&#039;schen Saal]] fand, wo Tanzmusik geboten wurde. Der Festtag endete dort mit dem traditionellen Königsball.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zeitliche Rahmen von zwei Tagen für das Schützenfest war in Anbetracht der Fülle von Festveranstaltungen recht knapp bemessen. 1949 feierte der Verein das Fest daher wieder dreitägig, ab 1950 sogar viertägig (Samstag bis Dienstag), was er bis heute beibehielt, mit einer Ausnahme: Das 1953er Schützenfest war nur dreitägig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Protokolltext zum Schützenfest 1949 (30. Juli bis 1. August) erfahren wir erstmals etwas über die bereits seit mehreren Jahrzehnten üblichen Kompaniekönigsschießen. Sie fanden in diesem Jahr im &amp;quot;[[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Volksgarten]]&amp;quot; statt. Noch heute konzentrieren sich diese Schießen hauptsächlich auf den Schützenfestmontag. Das große Königsvogelschießen gestaltete sich 1949 sehr spannend, da ungewöhnlich viele Königsaspiranten daran teilnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein feierte 1949 erstmals wieder einen Schützenball am Spätkirmesmontag. Dieser begann mit einem Frühball bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]]. Daneben war die Hubertusfeier bereits fester Bestandteil des Jahresablaufs der Schützenbruderschaft, ebenso wie eine Veranstaltung an Karneval.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr einfallsreich war der Verein in dem Bemühen, entsprechend dem demokratischen Anspruch so viele Mitglieder wie möglich auf eine bevorstehende Generalversammlung aufmerksam zu machen: Im August 1949 bemühte man beispielsweise den [[Pfarrer]], den Termin von der Kanzel bekanntzugeben (eine seinerzeit noch recht wirkungsvolle Methode), zwei Monat später machte man die Mitglieder mit der &amp;quot;Ortsschelle&amp;quot; auf das Bevorstehende aufmerksam, und seit Februar 1951 nutzte man das modernere Medium der Lokalpresse zur Bekanntgabe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im März 1950 feierte [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] sein 40-jähriges Dienstjubiläum. An dem Festgottesdienst nahmen die Schützen der Bruderschaft uniformiert und mit ihren Fahnen teil. Beim Schützen- und Volksfest vom 15. bis 18. Juli 1950 erhielt ein Vereinsmitglied eine besondere Ehrung: Peter Köppinger wurde mit dem hohen Bruderschaftsorden ausgezeichnet, da er bereits seit 50 Jahren Mitglied und seit fast 25 Jahren im Vorstand tätig gewesen war. Das Königsvogelschießen am Schützenfestmontag gestaltete sich wenig spannend: Ohne Gegenkandidat wurde der zweite Brudermeister Hans-Peter Cremer Schützenkönig. Cremer freute sich so sehr, dass er den Vereinskameraden nach dem Zug zu dessen Wohnung &amp;quot;reichlich Alkohol&amp;quot; einschenkte, &amp;quot;was für manche Schützen verhängnisvoll wurde.&amp;quot; Daher entschied der Vorstand kurzerhand, alle Schützen für den Rest des Tages zu entlassen. Am Montagabend fand der Schützenball statt, am Dienstagabend der Krönungsball. Das Fest hatte eine große Beteiligung auswärtiger Schützen aufzuweisen: Es haben insgesamt neun fremde Bruderschaften teilgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Generalversammlung im Januar 1951 machte ein Mitglied erstmals den Vorschlag, eine neue Vereinsfahne anzuschaffen. Bereits einen Monat später folgte der entsprechende Beschluss der Mitglieder, und am 20. Mai des Jahres konnte die Fahnenweihe stattfinden. Jedes Mitglied hatte zu dieser Fahne 50 Pfennig beigesteuert: Der Festtag begann mit einem Festhochamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder, an dem Fahnenabordnungen der einzelnen Kompanien teilnahmen. Um 13:30 Uhr versammelten sich die Schützen mit zahlreichen auswärtigen Schützen im [[Gaststätte &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot;|Lokal Schmitz]] in der [[Rheinstraße]], um schließlich um 15 Uhr geschlossen zur Wohnung des Schützenkönigs zu ziehen, wo sich die &amp;quot;Prominenz&amp;quot; bereits eingefunden hatte. Diese reihte sich in den Zug ein, und man setzte sich gemeinsam in Bewegung zur Wohnung des Brudermeisters Heinrich Peters, um die in schwarzes Wachstuch eingehüllte Fahne abzuholen. Die kirchliche Weihe vollzog der Generalpräses [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Louis Dr. Peter Louis]. Er ermahnte die Schützen, treu der neuen Fahne zu folgen und immerfort für Glaube, Sitte und Heimat einzustehen. Als Paten fungierten die Schützenkönigin Maria Cremer und [[Josef Weiler]]. Im Anschluss veranstaltete der Verein einen Umzug mit Parade. Der Tag endete mit einem Festball. Unter den Ehrengästen waren auch &amp;quot;Bundesmeister Ludwig Krekeler, Matthias Neidhöfer, Kreisadjutant Brockers, Bezirkspräses Pfarrer Zanders [...] und der Kreisvorstand des Historischen Deutschen Schützenbundes&amp;quot;, wie der Protokollant mit Stolz betont. Zudem weilten unter den Gästen auch einige auswärtige Schützenkönige, worunter auch [[Stürzelberg]] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] vertreten waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG040.jpg|300px|thumb|right|Die Hubertuskompanie mit der Schützenbruderschaftsfahne ca. 1952/53.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG041.jpg|300px|thumb|right|Die Schützenbruderschafts-Fahne von 1951.]]&lt;br /&gt;
Das Schützen- und Volksfest vom 19. bis zum 22. Juli 1952 feierte die St. Sebastianus-Hubertus-Schützenbruderschaft in besonders großem Rahmen, da das Fest in Verbindung mit dem Bezirkstag der Bezirksgruppe Neuss der Historischen Schützenbruderschaften veranstaltet wurde. So nahm die Jubilarehrung auf dem [[Kirchplatz]] diesmal Bundesmeister Krekeler vor, und die Nachmittagsparade war durch die Teilnahme vieler auswärtiger Schützenbruderschaften erheblich größer als gewöhnlich. Im Anschluss fand die Ausschießung des &amp;quot;Matthias Neidhöfer-Gedächtnispokals&amp;quot; unter reger Beteiligung statt. Als Sieger ging aus dem Wettkampf der Zonser Schütze Nicolaus Schönen hervor. Am dritten Festtag war neben dem traditionellen Königsvogelschießen auch wieder erstmals eine große Kinderbelustigung unter der Leitung von Hugo Flemer. Diesen Brauch sollte der Verein fortan beibehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krönungsveranstaltung bei [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weiler]] am Dienstagabend rief bei einem Schützen besondere Freude hervor: [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer]] beförderte den &amp;quot;Feldmarschall&amp;quot; Arnold Bechlenberg zum &amp;quot;Generalfeldmarschall&amp;quot;, aber ausdrücklich &amp;quot;ohne Etat&amp;quot;. Bechlenberg zeigte sich über die Beförderung dennoch so erfreut, dass er mit dem Stadtdirektor einen &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Boogie-Woogie Boogie-Woogie]&amp;quot; tanzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als mit Hans-Peter Cremer der neue Schützenkönig 1952/53 feststand, führte dies zu einiger Verwirrung und heftiger Kritik von Seiten einiger Mitglieder, war er doch innerhalb von drei Jahren das zweite Mal Schützenkönig geworden. Es gab zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine festgelegte &amp;quot;Wartezeit&amp;quot; wie heute (5 Jahre), weshalb daran formell nichts auszusetzen war. Dennoch entwickelte sich daraus in den folgenden Wochen und Monaten ein nicht unerheblicher Konflikt, der damit endete, dass Cremer noch innerhalb seines Regentschaftsjahres aus dem Verein ausschied und daher im nächsten Jahr von dem vorjährigen Schützenkönig Gottfried Boes vertreten werden musste. Gleichzeitig hatte der Verein sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die noch mehr &amp;quot;Zündstoff&amp;quot; in sich bargen: Seit August 1951 wirkte in Zons als Nachfolger von [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] [[Hermann Joseph Lennartz]]. Die Bedeutung einer &amp;quot;Schützenbruderschaft&amp;quot; war dem Geistlichen durchaus vertraut. Doch sah er wesentliche Kriterien in der St. Sebastianus-Hubertus-Schützenbruderschaft nicht erfüllt, beispielsweise hinsichtlich der Konfessionsfrage oder des Ehesakraments. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus solchen konfessionellen Fragen resultierte letztlich, dass der Verein sich 1954 in Absprache mit der Stadtverwaltung wieder in &amp;quot;St. Hubertus-Schützengesellschaft&amp;quot; umbenannte, um sich von diesem einengenden Korsett zu befreien, gleichzeitig aber auch eine kleine Gruppe von weniger als 20 Personen um Pfarrer Lennartz die Bruderschaft noch ein paar Jahre aufrechterhielt, ohne jedoch wie der Schützenverein öffentlich in Erscheinung zu treten. Bis 1955 zog sich ein gerichtlicher Streit zwischen beiden Seiten, in dessen Mittelpunkt das Vereinsvermögen stand. Die St. Hubertus-Schützengesellschaft musste sich zwar von ihrer Bruderschaftsfahne und dem Vereinssparbuch trennen, das kostbare Schützensilber jedoch verblieb dank des engagierten Einsatzes einiger Mitglieder, vor allem des Schützenkönigs Matthias Bechlenberg, in ihrem Besitz. Da Peter Cremer der kleineren Gruppe um Pfarrer Lennartz angehörte, stand dessen Ausscheiden aus dem Schützenverein offenbar nicht nur mit seiner nochmaligen Regentschaft in Zusammenhang. Die Ereignisse der Jahre 1952–1955 waren die schwerste Krise in der Geschichte des Schützenvereins, wenn es sich auch sicherlich nicht um eine Bedrohung von existenzieller Bedeutung handelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG042.jpg|300px|thumb|right| Bei der Parade zum Schützen- und Volksfest 1953.]]&lt;br /&gt;
Beim Schützenfest 1953 (1.–3. August) gab es zwei Neuerungen: Das Fest wurde erstmals am Samstagnachmittag durch einen Umzug des [[Tambourcorps]] und Böllerschüsse eröffnet. Eine weitere Premiere war das Pokalschießen am Sonntag. Die drei besten Schützen einer jeden Kompanie schossen auf Ringe. Sieger war die Kompanie mit den meisten Punkten. Der Pokal war von Alfons Stein sen. gestiftet worden. Das Pokalschießen hielt der Verein bei. Als 1982 kein Platz mehr für Gravuren auf dem Pokal war, ging er in den Bestand des [[Kreismuseum]]s, und die Garde-Brauerei stiftete einen Ersatzpokal. Im Mai 1956 beschloss der erweiterte Vorstand, dass der mit Wein gefüllte Pokal von der alten Siegerkompanie der neuen überreicht werden musste (dieser Brauch ging später verloren). Die Siegerkompanie durfte im folgenden Jahr nicht am Schießen teilnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jahr 1954 bedeutete für den Schützenverein das Ende der wegen der steigenden Mitgliederzahl immer akuter werdenden Saalfrage, denn es stand nun zur Freude der Mitglieder erstmals ein großes Schützenzelt auf dem Kirmesplatz, in dem der Verein sämtliche Bälle veranstalten konnte – Matthias Bechlenberg war somit der letzte Schützenkönig gewesen, der im [[Bergischer Hof (Gaststätte)|Weilerschen Saal]] gekrönt worden ist. Das Festgeschehen sollte sich aufgrund dieser Neuerung fortan etwas stärker auf einen Ort konzentrieren, was sich als vorteilhaft erwiesen hat. Das Zelt war damals mit etwa 1000 qm Fläche nur unwesentlich kleiner als heute. Seit 1954 lieferte die Zeltverleiher-Familie Peter Barrawasser regelmäßig das Festzelt für die Veranstaltungen des Zonser Schützenvereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1954 wurde die St. Hubertus-Schützengesellschaft Mitglied im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinischer_Sch%C3%Bctzenbund Rheinischen Schützenbund]. Seitdem nimmt sie regelmäßig an den Rundenwettkämpfen des Schützenbundes teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Überraschung erlebten die Zuschauer beim Schützen- und Volksfest 1955 (16.–19. Juli). Anlässlich des Fackelzuges am Samstagabend waren auch erstmals drei Großfackeln zu sehen. Da dies allgemein gefiel, beschloss der Vorstand einige Monate später, den jeweiligen Kompanien Geldpreise zwischen 5.- und 30.- DM zu überreichen, später wurden diese durch &amp;quot;Bierpreise&amp;quot; ersetzt. Diese Maßnahme hatte jedoch nur bescheidenen Erfolg. Für einiges Aufsehen sorgten bei dem Schützenfest auch die im Vorjahr gegründeten &amp;quot;Edelknaben&amp;quot;, die in diesem Jahr erstmals mitzogen. Sie stehen bis heute für den Mitgliedernachwuchs des Vereins. Ein Gründungsmitglied der &amp;quot;Edelknaben&amp;quot; war beispielsweise der spätere Vorsitzende der Schützengesellschaft Dieter Bechlenberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG043.jpg|300px|thumb|right|Das Schützenregiment auf dem Weg zur Wohnung des Schützenkönigs Nikolaus Schönen auf der Bahnstraße (heutige Aldenhovenstraße) 1954.]]&lt;br /&gt;
Im Juni 1956 veranstalteten die Schützen einen Fackelzug anlässlich der Goldhochzeit des langjährigen Vereinsmitglieds Alfons Stein sen. Auch zu solchen besonderen Anlässen traten die Mitglieder zusammen. 1956 feierte der Verein zur Freude der Mitglieder auch wieder eine Hubertusfeier. Während der vorausgegangenen Krisenjahre war diese Tradition vernachlässigt worden. Aufgrund der großen Mitgliederzahl überließ es der Verein ab 1957 den Kompanien, jeweils eine eigene Hubertusfeier mit Vereinsunterstützung zu veranstalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Protokollaufzeichnungen zum Jahr 1956 ist auch erstmals von einem &amp;quot;Oberstehrenabend&amp;quot; wenige Tage vor dem Schützen- und Volksfest die Rede. Möglicherweise war diese Veranstaltung jedoch bereits seit längerer Zeit bei den Zonser Schützen üblich gewesen. Der bereits etwas ältere Oberst Arnold Bechlenberg wurde in diesem Jahr übrigens auch Schützenkönig – es sollte also im folgenden Jahr gleich einen doppelten Anlass zur Ehrung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schützenfest 1957 (20.–23. Juli) veranstaltete der Verein das erste Mal eine Parade vor den Jubilaren im Anschluss an die Ehrung. Bis heute ist dies fester Bestandteil des Schützenfestes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im März 1958 verstarb im Alter von 80 Jahren Oberst Arnold Bechlenberg. Seit den 1920er Jahren hatte er das Zonser Schützenregiment angeführt und war zweimal Schützenkönig gewesen. Mit seinem Tod hatte der Verein eine angesehene Schützenpersönlichkeit verloren, der die Mitglieder noch Jahre anlässlich des Oberstehrenabends gedachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1958 konnte die St. Hubertus-Schützengesellschaft auf ihr 60-jähriges Bestehen zurückblicken. Mittlerweile gehörten der Vereinigung 250 Mitglieder an. Aus Anlass des Jubiläums fand im Rahmen des Schützen- und Volksfestes (19.–22. Juli) im Anschluss an den Fackelzug nach vielen Jahren wieder ein Feuerwerk statt, zu dem der Verein die damals nicht unerhebliche Geldsumme von 500.– DM aufgebracht hatte. Da dieses abendliche Farbenspiel bei den Zuschauern auf sehr positive Resonanz stieß, entschied der Vorstand, trotz der damit verbundenen hohen Kosten künftig alljährlich ein Feuerwerk zum Schützen- und Volksfest stattfinden zu lassen. Der Geschäftsführer [[Hans Wingerath]] hielt vor der Jubilarehrung eine kleine Festrede aus Anlass des Jubiläums. Zur Erinnerung an das Jubelfest verkaufte die Schützengesellschaft kleine Festanhänger zum Stückpreis von 20 Pfennig. Da der neue Schützenkönig Peter Gilgen noch ledig war, musste man sich auf die Suche nach einer Königin machen. Dass die dann getroffene Entscheidung richtig war, sollte sich später zeigen, als das Königspaar den Bund für‘s Leben schloss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1959 band der Verein auch den [[Pfarrer]] wieder etwas stärker in das Festgeschehen ein. So wurde Pfarrer [[Franz Freistedt]] während des Fackelzuges anlässlich des Schützen- und Volksfestes (18.–21. Juli) erstmals ein &amp;quot;Ständchen&amp;quot; gebracht. Diese nette Geste hielt der Verein bis heute bei, nur hat sich der Termin auf die Nachmittagszeit verschoben. Wie [[Hans Wingerath]] in einer Rede vor [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] anlässlich des Schützenfestes 1963 betonte, betrachte der Verein dies als Eröffnungszeremonie des Festes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1959	veranstaltete die St. Hubertus-Schützengesellschaft ihre Jubilarehrung erstmals auf der [[Feldstraße]], der heutigen Schloßstraße, vor dem &amp;quot;Herrenhaus&amp;quot; von Burg Friedestrom, dem heutigen [[Kreismuseum]]. Diese Änderung war notwendig geworden, da der alte Schulplatz für die zahlreichen Festteilnehmer nicht mehr ausreichte. Das Königsvogelschießen gestaltete sich in diesem Jahr etwas schwierig: Weil der Vogel nicht fallen wollte, musste der Verein die Veranstaltung um zwei Stunden unterbrechen und setzte sie erst um 18:30 Uhr fort. Zurecht hob [[Pfarrer]] [[Franz Freistedt]] in seiner späteren Rede anlässlich der Krönungsfeier am Dienstagabend das &amp;quot;Mitleid&amp;quot; des Königs hervor, &#039;&#039;&amp;quot;der es nicht mehr mit ansehen konnte, daß der Vogel in einem schwer angeschlagenen Zustand immer noch auf der Stange saß.&amp;quot;&#039;&#039; Der Vorstand nahm diesen Vorfall zum Anlass, neue Richtlinien auszuarbeiten. Auf einer erweiterten Vorstandssitzung im April 1960 wurde entschieden, dass der Vorstand künftig verpflichtet sei, einen König zu stellen, wenn sich kein Freiwilliger finde. Gleichzeitig legte die Versammlung das Mindestalter für Königsaspiranten auf 21 Jahre fest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG044.jpg|300px|thumb|right|Das Tambourcorps in neuer Uniformierung 1953.]]&lt;br /&gt;
Im November 1959 gab es erste Planungen von Seiten des Vereins für einen &amp;quot;Luftgewehr-Flachstand&amp;quot; in der [[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]]. Die Kegelbahn, die der Verein gemietet hatte, sollte zu diesem Zweck umgebaut werden. Spontan meldeten sich für diese Aufgabe auch einige handwerklich begabte Mitglieder. Der Umbau ging so schnell voran, so dass [[Hans Wingerath]] bereits beim Oberstehrenabend im Juni 1960 für den eifrigen Gebrauch der Schießbahn werben konnte – mit Erfolg: Beim folgenden Schützen- und Volksfest (16.–19. Juli 1960) erhielten die ersten sieben Schützen das bronzene Schießabzeichen des deutschen Schützenbundes. Anfang der 1960er Jahre nutzten die Vereinsmitglieder den Flachschießstand sehr häufig, mitunter sogar mehrmals wöchentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1960 spielte das Zonser [[Tambourcorps]] unter der Leitung von Tambourmajor Willy Lennartz zur allgemeinen Freude erstmals den &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Zapfenstreich Großen Zapfenstreich]&amp;quot; im Anschluss an die Jubilarehrung. Noch heute ist er ein Highlight des Schützenfestes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Von 1961 bis 1974 ===&lt;br /&gt;
Anfang der 1960er Jahre gestaltete sich das Vereinsleben bereits weitgehend in der noch heute üblichen Form: Die Hauptveranstaltung der Schützengesellschaft beispielsweise, das Schützen- und Volksfest, hatte einen festen Platz im Monat Juli, und an dem zeitlichen Rahmen von vier Tagen hat sich bis heute nichts geändert. Ähnliches lässt sich auch hinsichtlich der übrigen Vereinsveranstaltungen beobachten. Kleinere Veränderungen gab es dennoch hinsichtlich der Festabläufe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1961 hatte die Königskette der Schützengesellschaft bereits ein so großes Gewicht angenommen, dass die Teilnehmer der Generalversammlung im September den Beschluss fassten, sie um einige Silberschilde zu erleichtern, &amp;quot;denn sie ist für jeden König eine schwere Last&amp;quot;. Um niemanden zu kränken, beschloss die Versammlung, dazu eigens besondere Richtlinien auszuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ersten Jahreshälfte 1962 wurde auf dem Friedhof nahe der [[Kriegergedächtniskapelle]] der [[Ehrenfriedhof]] mit dem Ehrenmal gestaltet. Der Verein hält seitdem seine Gedenkveranstaltung in der Regel auf diesem Platz, nicht mehr vor der Kapelle. Anfang der 1960er Jahre konnte der Verein die Jugendarbeit wesentlich intensivieren. Besonders tat sich diesbezüglich der Schriftführer Helmut Houben hervor. 1963 nahm eine Gruppe Jugendlicher aus dem Schützenverein unter seiner Leitung erfolgreich an einem Waldlauf in [https://de.wikipedia.org/wiki/Grevenbroich Grevenbroich] teil. Houbens Engagement wurde auf der Generalversammlung im Oktober des Jahres besonders gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 war ein besonderes Jahr, da drei Jubiläen gleichzeitig gefeiert werden konnten: das 40-jährige Stiftungsfest des [[Tambourcorps]], das 60-jährige Jubiläum der Hohenzollern-Kompanie und das 40-jährige des Jägerzuges &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot;. Beim Stiftungsfest des Tambourcorps am 13./14. Juni veranstaltete die St. Hubertus-Schützengesellschaft einen großen Fackelzug und einen Festzug mit den Vereinsfahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1964 gab es fruchtbare Bemühungen um eine Annäherung zwischen der St. Hubertus-Schützengesellschaft und der [[Stürzelberg]]er St. Aloysius-Schützenbruderschaft. Beim Oberstehrenabend im Juni 1964 war auch der Vorsitzende und Oberst von Stürzelberg, Peter Malzkorn, anwesend. Die Vereine warn bereit, sich gegenseitig bei den Festveranstaltungen zu unterstützen. Beim Zonser Schützen- und Volksfest 1964 (18.–22. Juli) nahm daher nach langer Zeit erstmals wieder das Stürzelberger Tambourcorps teil, &#039;&#039;&amp;quot;und alle begrüßten dies, weil nun endlich das Kriegsbeil begraben ist zwischen Zons und Stürzelberg&amp;quot;&#039;&#039;, wie der Schriftführer Helmut Houben im Protokoll hervorhebt. Wie 1963 herrschte auch in diesem Jahr wieder eine &amp;quot;Tropenhitze&amp;quot; an den Festtagen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG045.jpg|300px|thumb|right|Eine Parade auf der Schloßstraße vor dem Feldtor 1962/63.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG046.jpg|300px|thumb|right|Parade vor dem &amp;quot;Herrenhaus&amp;quot; in der Feldstraße um 1965/66.]]&lt;br /&gt;
Als der Zonser [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] am 4. Oktober 1964 sein 25jähriges Priesterjubiläum feierte – er wirkte seit 1961 in Zons –, gratulierte auch der Vorstand der St. Hubertus-Schützengesellschaft sehr herzlich und überreichte dem beliebten Geistlichen ein wertvolles Geschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1964 wurde Willy Lennartz durch Wahl neuer Oberst der Schützengesellschaft. Er sollte den Posten fortan für viele Jahre mit Kontinuität bekleiden. Vor 1964 hatte es in diesem Posten einige Wechsel in rascher Folge gegeben (Nikolaus Schönen, Helmut Houben, Arnold Boes, Gottfried Boes).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmsweise begann der Oberstehrenabend im Juni 1965 mit einem kleinen Feuerwerk vor dem Fackelzug. An dem Zug nahm wie traditionell das Zonser Tambourcorps teil, das sich kurz zuvor durch die Aufnahme einiger Jugendlicher deutlich vergrößert hatte. Auf der anschließenden Versammlung sprach sich [[Bürgermeister]] [[Georg Lerch]] besonders für eine Intensivierung der Verständigung zwischen den Schützenvereinen Zons und Stürzelberg aus. Erfreulicherweise waren dann bei dem Schützen- und Volksfest wenige Wochen später auch der Stürzelberger Schützenkönig mit dem Vorstand der St. Aloysius-Schützenbruderschaft anwesend, was Lerch in seiner Festansprache besonders hervorhob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Königsvogelschießen gestaltete sich 1965 außergewöhnlich: Zunächst schossen die Schützen recht rege auf den Vogel, &#039;&#039;&amp;quot;aber als man sah, daß ihm bald der Garaus gemacht wurde, war plötzlich der Schießstand leer, nur Schriftführer und Schießmeister waren allein. Ein Raunen ging über den Festplatz. Wer wird den Rest von der Stange holen? Dann kam Günther Vailland und setzte sich auf den Stuhl, und mit wenigen gezielten Schüssen holte er den Rest von der Stange ...&amp;quot;&#039;&#039; Ein solcher Vorfall ist heute ausgeschlossen, da der Verein bereits 1974 eine Bewerbungsfrist für Aspiranten einführte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Höhepunkt des Jahres 1966 bildete die Weihe der neuen Vereinsfahne der St. Hubertus-Schützengesellschaft. Am Sonntagmorgen, dem 15. Mai 1966, nahm [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] die feierliche Weihe der Fahne in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche]] vor. Als Paten fungierten Hilde Lennartz, die Frau des Oberst, und der erste Vorsitzende Matthias Bechlenberg. Anschließend zogen die Schützen zum Zelt, wo Geschäftsführer [[Hans Wingerath]] zur Eröffnung eine feierliche Rede hielt. Dabei begrüßte er die zahlreichen Ehrengäste und dankte besonders den beiden Paten. Dann richteten auch [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]], [[Bürgermeister]] [[Georg Lerch]] und [[Stadtdirektor]] [[Artur Elicker]] einige Worte an die Anwesenden, bevor sich die Teilnehmer bei Bier und Musik für einige Zeit dem Vergnügen hingaben. Um 15 Uhr zogen die Schützen in Formation durch die Feste, wobei vier Jungschützen wohl besonders stolz mitzogen, denn sie durften die neue Vereinsfahne tragen: Franz Herbert Rütten, Karl-Josef Plenker, Peter Houben und Karl-Peter Libertus. Nach dem Festzug ging es wieder zu Bier und Tanz ins Festzelt. Wie der Schriftführer betont, empfanden die Schützen den Tag der Fahnenweihe als eine Art kleines Schützenfest. Die Fahne, die bei der Fahnenfabrik Richter in Köln in Auftrag gegeben worden war, zeigt auf einer Seite den Vereinspatron St. Hubertus mit Hirsch, auf der anderen eine Ansicht vor dem Rheintor. – Einer der jungen Fahnenträger, Franz Herbert Rütten, verunglückte leider wenig später bei der Ausübung des Wehrdienstes tödlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG047.jpg|300px|thumb|right|Die Vereinsfahne von 1966.]]&lt;br /&gt;
Angesichts der gestiegenen Kosten gab es 1966 Überlegungen, das Feuerwerk zum Schützenfest ausfallen zu lassen. Erfreulicherweise entschieden die Mitglieder jedoch, es trotzdem beizubehalten, da ansonsten etwas fehle. Überraschenderweise war bei dem Schützenfest-Fackelzug nach langer Zeit auch wieder eine Großfackel zu sehen: Die Schillschen Offiziere hatten sie in mühevoller Arbeit zusammengebaut. Das Regenwetter während der Festtage war eine Belastung für die Schützen. Daher verlangte das Königsvogelschießen in diesem Jahr ein wenig Improvisationstalent: Es fand diesmal unter einem Regenschirm und einer &amp;quot;Bude&amp;quot;, die man schnell herbeigeschafft hatte, statt. Doch wich die Betrübnis über dieses anhaltend schlechte Wetter bei den Mitgliedern spätestens beim Krönungsball, bei dem es zu einer erfreulichen Überraschung kommen sollte: Der Patenonkel der Königin Elisabeth Wimmer, Johann Adam Marx, spendete dem Verein für einen guten Zweck den beachtlichen Betrag von 1.000,– DM, &amp;quot;und alle freuten sich über den edlen Spender.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine erweiterte Vorstandssitzung im Juni 1967 entschied einhellig, die Jubilarehrung und Frühparade in diesem Jahr erstmals am [[Schweinebrunnen]] durchzuführen. Bereits 1959 war der Brunnen errichtet und der Platz umgestaltet worden. Ausschlaggebend für diese Entscheidung wird sicherlich der Abriss der alten Schule 1967 gewesen sein. Das Schützen- und Volksfest ließ an dieser Entscheidung nicht zweifeln, denn der Platz vor dem Schweinebrunnen, so stellt der Protokollant fest, sei besser geeignet für so einen feierlichen Augenblick als der alte Schulhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1967 gab es Bemühungen, dem Schützenzug ein einheitlicheres Erscheinungsbild zu geben. Auf einer Generalversammlung im September des Jahres sprachen sich die Mitglieder deutlich gegen den bisherigen Brauch aus, Kinder von Mitgliedern den Kompanien vorangehen zu lassen. Sie sollten sich zukünftig den Edelknaben anschließen. Die Belustigung, die diese Kinder regelmäßig durch ihr Vorausmarschieren hervorgerufen hatten, war zwar erheiternd, ließ sich aber beim besten Willen nicht mit dem erhofften Eindruck des Schützenregiments in Einklang bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Oberstehrenabend des Jahres 1968 (6. Juli) musste ausnahmsweise ohne den Oberst abgehalten werden, da Willy Lennartz im Krankenhaus lag. Der Vorstand besuchte ihn dort und überbrachte herzliche Grüße aller Schützen und Genesungswünsche. Die Veranstaltung verlief ansonsten im üblichen Rahmen. Beim Schützen- und Volksfest sollte Willy Lennartz von Wolfgang Steup vertreten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Feuerwerk zum Schützenfest 1968 wollten die Verantwortlichen noch eindrucksvoller gestalten, indem auch die Kulisse des [[Rheinturm]]s und des Vorplatzes in das Farbenspiel miteinbezogen wurde. Die Festtage waren wieder außergewöhnlich feucht. So musste beispielsweise wegen heftiger Regenfälle das Pokalschießen am Dienstagmorgen ausfallen. Erst am Spätkirmessonntag holten die Schützen den Wettkampf nach. Recht interessant ist eine Angabe zur Bierversorgung im Festzelt, die die beachtliche Preisentwicklung deutlich macht: Demnach kam in diesem Jahr &amp;quot;Original Kölsch&amp;quot; zum Ausschank zu 55 Pfennig das Glas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ersten Jahreshälfte 1969 konnte mit Hilfe vieler Vereinsmitglieder ein neuer Schießstand der Schützengesellschaft fertiggestellt werden. Die Pläne für denselben hatten zwei ortsansässige Architekten ausgearbeitet. Die Stadt Zons hatte das Projekt mit 2.000,– DM bezuschusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schützenfest 1969 dürfte den Teilnehmern durch zwei besondere Ereignisse lange in Erinnerung geblieben sein: Als sich am ersten Schützenfesttag, dem 19. Juli, abends alle im Zelt versammelt hatten, geschah plötzlich etwas, das &#039;&#039;&amp;quot;nicht im Programm stand, denn plötzlich verlöschte das Licht und das voll besetzte Zelt lag im Dunkeln. Auf dem Schützenplatz ruhte der ganze Betrieb, und nur die Straßenbeleuchtung brannte.&amp;quot;&#039;&#039; Die Freiwillige [[Feuerwehr]] Zons konnte sich in dieser Situation als Retter in der Not beweisen: Mit ihrer Hilfe &#039;&#039;&amp;quot;ging der Betrieb im Zelt weiter. Sie fuhren den Wagen vor den Eingang, und der Scheinwerfer strahlte ins Zelt ...&amp;quot;&#039;&#039; Nach weiteren 40 Minuten hatten Mitarbeiter des [https://de.wikipedia.org/wiki/RWE RWE] den Schaden behoben.&lt;br /&gt;
Etwas außergewöhnlich verlief auch der Königsball am Montagabend, dem 21. Juli, woran deutlich wird, dass sich der Verein in gewisser Weise auch von den großen weltgeschichtlichen oder hier besser passend: &amp;quot;weltraumgeschichtlichen&amp;quot; Ereignissen beeindrucken ließ: Die Schützen wurden &#039;&#039;&amp;quot;immer wieder [...] von dem faszinierenden Unternehmen der Mondlandung unterrichtet.&amp;quot;&#039;&#039; Als schließlich die Nachricht eintraf, dass der erste Mensch den Fuß auf den Mond gesetzt habe, zeigten die Zeltinsassen ihre volle Begeisterung und ließen lauten Jubel ertönen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die steigenden Kosten für Musik und Zelt stellten den Verein 1970 vor erhebliche Probleme. Es kam daher zu einem Streitgespräch mit dem Zeltverleiher. Der Vorstand bemühte sich um höhere Zuwendungen seitens der Stadt, konnte aber eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags nicht verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gab es auch wieder Bemühungen, den Schießsport stärker zu beleben. In den vorausgegangenen Jahren hatten diese außerfestlichen Aktivitäten deutlich abgenommen. Mit der Schießgruppe kam man überein, künftig wieder jeden ersten Sonntag im Monat ein Schießen stattfinden zu lassen. Diese Bemühungen hatten aber nicht den erhofften Erfolg, so dass man sich auch im folgenden Jahr weiter bemühen musste. Auch das Schützen- und Volksfest konnte wieder um einen Schießwettkampf bereichert werden: Nach langer Zeit veranstaltete die Schützengesellschaft am Dienstagmorgen, dem 21. Juli 1970, erstmals wieder ein &amp;quot;Bürgervogelschießen&amp;quot; für Nichtvereinsmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung wählte im November 1970 erstmals einen Ältestenrat der Schützengesellschaft. Diesem Gremium gehörten die Mitglieder Matthias Marx, Rudi Venzke, Rudi Kapma, Johann Boes und Peter Lennartz an. Bei dieser Versammlung war auch der [[Stadtdirektor]] [[Artur Elicker]] anwesend. Er machte die Mitglieder erstmals auf das besondere Jubiläumsjahr 1973 aufmerksam: [[Stadtfest 1973|Stadtfest 600 Jahre Stadtrechte]] und 75-jähriges Bestehen der St. Hubertus-Schützengesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mai 1972 fand die Eröffnung des [[Kreismuseum]]s im restaurierten Herrenhaus von [[Burg Friedestrom]] statt. Das Museum entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem Besuchermagnet und wurde so zu einem neuen städtischen Mittelpunkt. Die Schützen würdigten diese Tatsache auf ihre Weise, indem sie das Museum in ihr Festprogramm einbanden. Das Schützen- und Volksfest vom 15.–18. Juli wurde so erstmals mit einem Platzkonzert durch das Zonser [[Tambourcorps]] und die Jägerkapelle [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg] vor dem [[Herrenhaus]] eröffnet. Das Konzert stellte gleichzeitig ein Ständchen für die Museumsleiterin [[Helene Blum-Spicker|Helene Blum]] dar. Sie bedankte sich mit sichtlicher Rührung und spendierte einen kleinen Umtrunk. Das Konzert vor dem Herrenhaus bildet noch heute einen wesentlichen Bestandteil der Eröffnungszeremonie des Schützenfestes.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG048.jpg|300px|thumb|right|Der Vorstand der Schützengesellschaft 1973.]]&lt;br /&gt;
Vom 26. Mai bis zum 3. Juni 1973 fand in Zons ein großes [[Stadtfest 1973|Stadtfest]] anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Stadtrechtsverleihung (1373) statt. Den Höhepunkt der Festtage bildete der große Festumzug am Sonntag, dem 3. Juni. Die einzelnen Zuggruppen stellten unterschiedliche Zeitabschnitte oder Ereignisse aus der Geschichte der ehemaligen Zollfeste dar. So bezog sich beispielsweise eine Gruppe auf die alte [[Sebastianus-Schützenbruderschaft]], indem sie den Vogelschuss mit [[Clemens August (Kurfürst)|Kurfürst Clemens August]] 1739 nachstellte. Die Gruppe setzte sich aus den folgenden Darstellern zusammen: ein Page, Kurfürst Clemens August, 6 Sebastianusbruderschafts-Mitglieder, ein Junge mit dem Königsvogel, zwei Jungen mit Zielscheibe jeweils rechts und links neben dem Königsvogel, ein Kammerdiener des Kurfürsten und ein Brudermeister mit goldenem Schild. Die letzte Festzugs-Gruppe bildeten die Fahnenabordnungen der St. Hubertus-Schützengesellschaft Zons und der St. Aloysius-Schützenbruderschaft Stürzelberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schützen- und Volksfest 1973, vom 14. bis zum 17. Juli, feierte die St. Hubertus-Schützengesellschaft anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens wieder in einem größeren Rahmen. Am ersten Festtag fand nachmittags eine Versammlung der zahlreichen Ehrengäste im Kaminzimmer des [[Kreismuseum]]s statt. Unter den Ehrengästen befanden sich auch alle noch lebenden Schützenkönige des Vereins. Der erste Vorsitzende [[Hans Wingerath]] eröffnete das Jubiläumsfest mit einer Ansprache, dann folgten einige feierliche Worte von [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]], [[Bürgermeister]]in [[Hannelu Manitz]] und Museumsleiterin [[Helene Blum-Spicker|Helene Blum]]. Alle ehemaligen Schützenkönige bekamen vom ersten Vorsitzenden einen alten Merian-Stich der Zollfeste überreicht. Den musikalischen Rahmen bildeten mehrere Musikgruppen, die vor dem [[Herrenhaus]] aufspielten. Die Schützenzüge wurden während der Festtage durch zahlreiche auswärtige Abordnungen unterstützt. Auch die zahlreichen mitgeführten Blumenhörner verliehen den Festzügen einen besonders feierlichen Anstrich. Zur Erinnerung an die Festtage hat die Schützengesellschaft eine kleine Jubiläumsbroschüre drucken lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer Generalversammlung im September des Jahres wurde die neugegründete Reiterkompanie aufgenommen. Da dieser Kompanie auch Frauen angehörten, folgte eine Grundsatzdiskussion. Damen, so das Ergebnis der Besprechung, sei es gestattet, am Vereinsleben und insbesondere an den Umzügen teilzunehmen, wenn sie sich in gleicher Weise uniformiert kleiden wie die männlichen Vereinsmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 18. und 19. Mai 1974 feierte das Zonser [[Tambourcorps]] sein 50-jähriges Bestehen. Eingeleitet wurde das Fest mit einem abendlichen Fackelzug, an dem alle Kompanien in Uniform teilnahmen. Die Festmesse am Sonntagmorgen wurde durch die Fahnenabordnungen der Schützengesellschaft verschönert. Am Nachmittag formierte sich schließlich wieder ein großer Festzug durch die Straßen der Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Protokollführer Helmut Houben bezüglich des Schützen- und Volksfestes 1974 (20.–23. Juli) anmerkt, nahm zu dieser Zeit auch die Polizei zunehmend regen Anteil am Festgeschehen: &amp;quot;sogar schießen sie einen König aus.&amp;quot; Das eigentliche Königsvogelschießen führte der Verein in diesem Jahr erstmals in der noch heute üblichen Art und Weise durch, indem sich die Aspiranten vorher melden und anschließend nach einer durch Lose bestimmten Reihenfolge abwechselnd schießen mussten. Vorher war es üblich gewesen, dass Kompanien den Teilnehmern Schüsse anboten, wobei sich die Anzahl der zu vergebenden Schüsse nach der jeweiligen Mitgliederzahl der Kompanie richtete. Die Kompanien standen in einer bestimmten Reihenfolge, nach der geschossen wurde: Zuerst schoss derjenige, der die Schüsse der ersten Kompanie erhalten hatte. Zählte die erste Kompanie beispielsweise 20 Mitglieder, durfte der Schütze also 20 Schüsse aufeinanderfolgend auf den Vogel abgeben. Dann folgten die Schüsse der zweiten Kompanie: Hatte der Schütze auch diese erhalten, durfte er weiterschießen, ansonsten war der jeweilige andere Aspirant an der Reihe usw. Der Schütze mit dem besten &amp;quot;Draht&amp;quot; zu den Kompanien hatte also vor 1974 die größten Chancen gehabt – Chancengleichheit war vor 1974 noch ein Fremdwort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Generalversammlung im November 1974 befasste sich erneut mit den Rechten der weiblichen Vereinsmitglieder. Da in den Statuten neutral festgelegt war, dass jedes Mitglied ab 21 Jahre Schützenkönig werden dürfe, traf dies formell auch auf Frauen zu. Es kam diesbezüglich jedoch zu keiner Einigung. Erst ein Beschluss der Generalversammlung im Dezember 1992 sollte den Frauen dieses Recht uneingeschränkt einräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Von der kommunalen Neugliederung 1975 bis 1997 ===&lt;br /&gt;
Die am 1. Januar 1975 vollzogene [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebietsreform Kommunale Neugliederung] bedeutete für Zons den Verlust der städtischen Selbstverwaltung zugunsten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Stadt Dormagen]. Zons trug seitdem offiziell die Bezeichnung &amp;quot;Feste&amp;quot;. Die Neugliederung war eine nicht unumstrittene administrative Maßnahme, die aber die Grundlage für eine noch engere Verbindung des Zonser Schützenvereins mit den benachbarten Schützenvereinen bildete. Deutlich wird dies beispielsweise an der bereits 1977 erfolgten Gründung des Stadtschützenverbandes bzw. an der gemeinsamen Teilnahme am Dr.-Geldmacher-Pokalschießen: Der Pokal war von dem Bürgermeister der Stadt Dormagen Dr. Gustav Geldmacher für die Vereine des Stadtgebiets (ursprünglich nur die Vereine aus Dormagen, Delhoven, Hackenbroich und Horrem) gestiftet worden. Nach der Kommunalen Neugliederung durfte also auch der Zonser Schützenverein teilnehmen. So trat am 24. Mai 1975 erstmals eine Abordnung aus Zons zu dem Wettkampf an. Mit 643 Ringen belegten die Zonser auch spontan den ersten Platz und durften den Pokal in Empfang nehmen. Die erfolgreichen Schützen hießen Heinrich Stein, Hubert Arentz, Hans Kruska, Hubert Renner, Gottfried Koch, Kornelius Klein, Ernst Müller, Peter Rosellen, Josef Spickenagel und Hans Wannhoff. Der Pokal wird noch heute regelmäßig im Ende Februar/Anfang März ausgeschossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Schützen- und Volksfest 1975 (19.–22. Juli) konnte die Schützengesellschaft unter den Ehrengästen erstmals auch den Stifter des Pokalschießens, Bürgermeister Dr. Gustav Geldmacher, begrüßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1976 trat die St. Hubertus-Schützengesellschaft dem &amp;quot;[[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Heimat- und Verkehrsverein der Feste Zons]]&amp;quot; unter dem Vorsitzenden [[Helmut Scholten]] bei und unterstützt den Verein dadurch seitdem in seinen umfangreichen Aufgaben und Zielen, die weit über die Pflege und Förderung des Fremdenverkehrswesens hinausgehen, indem sie auch die Erhaltung des Brauchtums und den Denkmalschutz miteinbeziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 26. April 1977 fand in Stürzelberg die Gründung des Stadtschützenverbandes statt. Der Zonser Verein entsandte als Delegierte die Mitglieder [[Hans Wingerath]] (erster Vorsitzender), Dagobert Lilge, Hans Wannhoff (erster Kassierer), und Hans Heinz Klein (Schützenkönig).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Ehrung erfuhr beim Schützen- und Volksfest 1977 (16.–19. Juli) der 87-jährige Heinrich Gilgen. Er gehörte beachtliche 70 Jahren der Schützengesellschaft an und hatte über viele Jahre als Adjutant im Schützenregiment gewirkt. Anfang Juli des Jahres war übrigens in einer erweiterten Vorstandssitzung festgelegt worden, Mitglieder ab dem 75. Lebensjahr von der Zahlung des Mitgliedsbeitrags zu befreien. Der Jubilar kam nun also zusammen mit wenigen weiteren älteren Vereinsmitgliedern in den Genuss dieses neuen Privilegs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für besonderes Aufsehen sorgte bei dem Schützenfest 1977 ein neugegründetes Zonser Jugendtambourcorps mit 15 Mitgliedern. Beim Frühschoppen im Zelt spielte es unter der Leitung von Gerd Bock erstmals einen neuen Marsch, den der Dirigent selbst komponiert hatte. Das Jugendtambourcorps sollte später in dem Zonser [[Tambourcorps]] aufgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1979 nahm an dem Zonser Schützen- und Volksfest (14.–17. Juli) erstmals als Ehrengast auch der Stadtschützenverbands-Vorsitzende Karl Hansen teil. Die Schützen wollten diesem Fest eine besondere Note aufdrücken, indem sie den&lt;br /&gt;
Rheindamm als Marschweg für den Fackelzug miteinbezogen. Doch ist dieses Vorhaben leider nicht gelungen, so dass man davon für die Zukunft wieder absehen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einer erweiterten Vorstandssitzung im September 1979 regte ein Vereinsmitglied, Hans-Josef Marx, einen besonderen jährlichen Schießwettbewerb für die ehemaligen Schützenkönige an. Dieser Vorschlag wurde mit großer Zustimmung angenommen. Marx hatte sich gleichzeitig bereiterklärt, den Wanderpokal zu stiften. Das Schießen fand erstmals am 6. Oktober 1979 (auf Spätkirmes) am Hochstand statt. Erster &amp;quot;König der Könige&amp;quot; wurde der Schützenkönig 1962/63 Willy Bless. Der Vereinsvorsitzende [[Hans Wingerath]] bezeichnete dieses Schießen in der Generalversammlung im Dezember als neuen Höhepunkt im Jahresablauf der Schützengesellschaft, und man war sich einig, dass der Wettkampf künftig ein fester Bestandteil des Jahresablaufs sein sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur einen Tag nach dem ersten Schießen &amp;quot;König der Könige&amp;quot; feierte [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Selbstverständlich waren zu der morgendlichen Messe auch die Fahnenabordnungen der St. Hubertus-Schützengesellschaft zugegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1980 bemühte sich der Verein wieder stärker um den Aufbau einer Schießgruppe. Die bisherige war nur noch so gering besetzt, dass der Schießstand im [[Bürgerhaus]] nur selten genutzt wurde. Die Schießgruppe konnte sich in den folgenden Jahren wieder stärker etablieren und weitgehend selbständig weiterentwickeln. Der Schießstand, der mit dem Bau des [[Bürgerhaus]]es (Baubeginn 1971) eingerichtet worden war, war vom Verein von Anbeginn an mehr oder weniger regelmäßig genutzt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1980er Schützenfest (19.–22. Juli) ging als sehr feuchte Veranstaltung in die Vereinsprotokolle ein, bei der sich das Zelt beinahe in eine &amp;quot;Arche Noah&amp;quot; verwandelte. Unbezwingbar wie diese Naturgewalten war aber offenbar auch die Entwicklung des Bierpreises im Festzelt: Er lag in diesem Jahr bereits bei 1,10 DM (zur Erinnerung: 1968 hatte ein Glas noch 55 Pfennig gekostet). – Die Festzüge konnten in diesem Jahr durch zwei Fahnenschwinger bereichert werden. Seit über vier Jahrzehnten war kein Fahnenschwinger mehr im Festzug zu sehen gewesen. Seit 1980 gehört dies wieder zum gewohnten Erscheinungsbild des Schützenregiments. – Neuer Schützenkönig 1980/81 wurde Willy Mühlensiepen, der Kompanieführer der &amp;quot;Brav Junge&amp;quot;. Mit ihm hatte die Kompanie bis dato bereits die beachtliche Anzahl von fünf Königen gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch 1981 gab es einige Neuerungen: Im April war der Beschluss gefasst worden, erstmals &amp;quot;Bürgerkarten&amp;quot; für die Veranstaltungen im Festzelt zu verkaufen. Jedes Vereinsmitglied erhielt zwei Eintrittskarten für den Verkauf. Diese Maßnahme hatte großen Erfolg, so dass die Einnahmen beachtlich stiegen. Der Verein behielt dieses Konzept daher bei. Das 1977 eingeführte Privileg der Befreiung vom Mitgliedsbeitrag für Personen ab 75 Jahre erhalten seit 1981 auf Antrag auch die wehr- bzw. zivildienstleistenden Vereinsmitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein musikalisches Erlebnis der außergewöhnlichen Art durften die Zuschauer des morgendlichen Schützenaufzugs anlässlich des Schützen- und Volksfestes 1981 (18.–21. Juli) erfahren. Schriftführer Ingo Folke musste feststellen, dass &#039;&#039;&amp;quot;der aufgeführte Zapfenstreich besonders erwähnt werden [müsse], da seine Mißtöne noch heute jeder Anwesende im Ohr hat.&amp;quot;&#039;&#039; Vielleicht waren die Musiker etwas irritiert wegen des anhaltenden Regens. Nach einer Anekdote soll der Vorsitzende [[Hans Wingerath]] am [[Schweinebrunnen]] ratlos gemurmelt haben: &#039;&#039;&amp;quot;Also ohne Regen geht es scheinbar nicht ab bei uns.&amp;quot;&#039;&#039; Oberst Willy Lennartz soll dies dann mit dem Brustton der Überzeugung so gedeutet haben: &#039;&#039;&amp;quot;Dä Rään ess, weil mer frische Plante jeposs han – mer muss ochens an die Landwirtschaft denke und nit nur an Schötzefess&amp;quot;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Wettbewerb &amp;quot;König der Könige&amp;quot; sich einer großen Beliebtheit erfreute, veranstaltete der Verein am Spätkirmes-Samstag 1981 auch erstmals ein Schießen der ehemaligen Königinnen. Der Pokal, den Renate Fünger und Matthias Bechlenberg gestiftet hatten, durfte als Erste Gerti Arentz, die Schützenkönigin 1967/68, in Empfang nehmen. – Damit auch andere Frauen die Möglichkeit hatten, an einem Schießwettkampf teilzunehmen, veranstaltete der Verein am 9. Mai 1982 auch erstmals ein Bürgervogelschießen am Hochstand nur für Frauen. Es fand einen Tag nach dem Oberstehrenabend im Anschluss an einen Frühschoppen statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vorstandsversammlung im Juli 1982 kam darin überein, dass der Schützenkönig und der &amp;quot;König der Könige&amp;quot; jeweils einen Baum auf dem &amp;quot;[[Wallgraben]]&amp;quot; pflanzen sollten. Die Anregung dazu hatte der städtische Gartenamtsleiter Jean Heutz gegeben, da zuvor bereits einige Bäume aus Krankheitsgründen entfernt worden waren und weiteren das gleiche Schicksal drohte. Der Brauch des Baumpflanzens findet sich bei vielen Schützenvereinen, war in Zons jedoch bis dahin unüblich. Am Schützenfest-Samstag, den 17. Juli 1982, hatte Schützenkönig Hubert Blömacher die Ehre, den ersten &amp;quot;Königsbaum&amp;quot; setzen zu können, eine junge Kastanie, die die Stadt gestiftet hatte. Der Vorsitzende [[Hans Wingerath]] hob in einer Ansprache den besonderen Nutzen dieses Brauchs hervor und sagte, er hoffe, dass &#039;&#039;&amp;quot;Zons auf diese Weise in einigen Jahren eine eigene Königsallee bekommt.&amp;quot;&#039;&#039; 1989 wurde neben die Bäume jeweils ein Stein mit einem metallenen Hinweisschild gesetzt, dem Name und Regierungsjahr des Königs zu entnehmen sind. Noch heute pflanzt der Schützenkönig am Schützenfest-Samstag einen Baum, der &amp;quot;König der Könige&amp;quot; am Spätkirmesmontag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ereignisse der Jahre 1983-1997 folgen schlaglichtartig:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1983&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
März: An der kirchlichen Zeremonie anlässlich der Verabschiedung von [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]] nehmen Fahnenabordnungen der Schützengesellschaft teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai: Auch die Einführungsmesse des [[Pfarrer]]s [[Hermann Joseph Reuter]] wird durch Fahnenabordnungen verschönert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27. Mai: Die St. Hubertus-Schützengesellschaft wird in das Vereinsregister beim Amtsgericht Neuss eingetragen. Bereits seit mehreren Jahren hatte sich der Verein um das &amp;quot;e.V.&amp;quot; bemüht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1984&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14. Juli: Das alte Wegekreuz an der Ecke Deichstraße/Franziskanerstraße wird nach einer Restaurierung von [[Pfarrer]] [[Hermann Joseph Reuter]] eingeweiht. An dieser Zeremonie, musikalisch untermalt vom Zonser [[Tambourcorps]] und der Musikkapelle &amp;quot;Rheinklänge Nievenheim&amp;quot;, nimmt der Vorstand des Schützenvereins teil. Die Restaurierungskosten sind von der Schützengesellschaft mit getragen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1985&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der sonntägliche Gottesdienst anlässlich des Schützen- und Volksfestes (20.–23. Juli) wird erstmals als Feldgottesdienst abgehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.-7. Oktober: Zur Spätkirmes wird erstmals ein Zelt aufgebaut, da für den Frühball kein Zonser Saal mehr ausreichend war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1986&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. April: Auf einer außerordentlichen Generalversammlung wird der zurückgetretene Vorsitzende [[Hans Wingerath]] zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Gleichzeitig wird der bisherige Oberst Willy Lennartz zum neuen Vorsitzenden und sein Sohn Peter Lennartz zum neuen Oberst gewählt. Der plötzliche Rücktritt Wingeraths aus gesundheitlichen Gründen sowie der Austritt des [[Tambourcorps]] aus dem Verein wenige Monate vor dieser Generalversammlung hatten eine nicht unerhebliche Vereinskrise zur Folge gehabt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1987&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13.–21. Juni: Die Schützengesellschaft veranstaltet erstmals eine Schießwoche mit mehreren Schießwettkämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erste Jahreshälfte: Der Platz vor dem [[Schweinebrunnen]] wird u.a. mit bronzenen, lebensgroßen Schweinen neugestaltet. Die Neuß-Grevenbroicher Zeitung (17. Juli 1987) kommentiert dies im Hinblick auf das Schützenfest folgendermaßen: &#039;&#039;&amp;quot;Kann man Jubilare zwischen diesen &#039;Säuen&#039; stehend ehren? Kann ein Gefreiter zum Obergefreiten befördert werden, während links und rechts lebensgroße Schweine stumm vor sich hin grunzen? Und wie muß sich ein Ehrengast fühlen, der hinter einem derartigen Borstenvieh postiert wurde?&amp;quot;&#039;&#039; – Diese Befürchtungen waren unbegründet, wie sich zeigen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1987 endete das Schützen- und Volksfest jeweils mittwochmorgens inoffiziell mit einem außergewöhnlichen Ereignis, einer &amp;quot;Nachtparade&amp;quot;, die etwa um 2:30 Uhr begann. Anfangs von nur wenigen Personen in vergnügter Bierlaune veranstaltet, hat sich diese Parade in den folgenden Jahren erheblich ausgeweitet, so dass sogar mehrere hundert Personen neben dem Königspaar teilnahmen. Dabei handelt es sich um eine Art Parodie auf die gewöhnlichen Paraden, bei der praktisch fast alles denkbar ist: zweckentfremdete Gegenstände wie Verkehrsschilder, Plastikhocker oder ein Fahrrad als Pferdersatz tauchten in dem Zug ebenso auf wie Frauen in typisch männlicher Uniformierung. Solche Nachtparaden als heiterer Ausklang des Schützenfestes sind sehr beliebt und werden auch von anderen Schützenvereinen veranstaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1988&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16.–19. Juli: Im Rahmen des Schützen- und Volksfestes wird im [[Kreismuseum]] eine von Josef Blömacher zusammengestellte Fotoausstellung eröffnet, die 40 Jahre Schützenvereinsgeschichte veranschaulicht. Zu dieser Veranstaltung aus Anlass des 90-jährigen Vereinsjubiläums hat der amtierende Schützenkönig Dieter Bechlenberg auch alle ehemaligen Schützenkönigspaare eingeladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
14. Dezember: Auf einer außerordentlichen Vollversammlung wird einstimmig eine Satzungsänderung zur Vorstandserweiterung beschlossen. Es werden das Amt des zweiten Geschäftsführers und das des Beisitzers eingeführt. Da der Vorsitzende Willy Lennartz bereits seinen baldigen Rücktritt angekündigt hat, wird der Beisitzerposten zur Einarbeitung für den potentiellen Nachfolger eingerichtet. 1991 wird der gewählte Beisitzer Dieter Bechlenberg dann tatsächlich einstimmig neuer erster Vorsitzender des Vereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1989&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
21.–23. April: In Dormagen findet der &amp;quot;Rheinische Schützentag&amp;quot; statt. Aus Zons nehmen verschiedene Kompanien, alle Fahnen und der Vorstand teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
15.–18. Juli: Anlässlich des Schützenfestes stiftet Bürgermeister [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Olaf_Hoffmann Peter-Olaf Hoffmann] der St. Hubertus-Schützengesellschaft eine neue Fahne mit dem Wappen der ehemaligen Stadt Zons. Sie wird durch [[Pfarrer]] [[Peter Heidkamp]] geweiht. Die Fahne wird von der jeweiligen Königskompanie getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1990&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Mai: Eine Vorstandsversammlung entscheidet, dass wegen der Fußball-WM bei der Schießwoche im Zelt ein Fernseher installiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Dormagener Hundebesitzer wird verurteilt, weil sein Hund ein &amp;quot;Häufchen&amp;quot; hinterlassen hatte. Dieser verklagt daraufhin den dortigen Schützenverein wegen der &amp;quot;Pferdeäpfel&amp;quot;. Die Neusser Kreisverwaltung stellt das Verfahren Anfang 1991 ein, da &amp;quot;Ross und Reiter&amp;quot; nicht ermittelt werden können. Auch der Zonser Schützenverein richtet seitdem sein Augenmerk stärker auf diesen anfallenden Dung und sorgt für eine umgehende Beseitigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1991&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG050.jpg|300px|thumb|right|Der Große Verdienstorden der Schützengesellschaft.]]&lt;br /&gt;
20.–23. Juli: Beim Schützen- und Volksfest erhalten Matthias Bechlenberg, Dieter Schmidt und Willy Lennartz den von Harald Ohligschläger entworfenen neuen &amp;quot;Großen Verdienstorden&amp;quot; der Schützengesellschaft und werden dadurch gleichzeitig zu Ehrenmitgliedern ernannt: Bechlenberg und Lennartz als langjährige Vorstandsmitglieder und Schmidt als über viele Jahre großer Gönner der Schützengesellschaft. Der Orden, von dem nur fünf Exemplare existieren, ist die höchste Auszeichnung des Vereins. Über die Vergabe entscheidet ein besonderes Gremium. Stirbt ein Ordensträger, geht der Orden zurück an den Verein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1992&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
18.–21. Juli: Beim Schützen- und Volksfest wird Franz Arentz mit der großen goldenen Verdienstnadel des Rheinischen Schützenbundes für 70-jährige Mitgliedschaft in der Schützengesellschaft geehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1993&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5.–13. Juni: Das Schießen &amp;quot;König der Könige&amp;quot; wird erstmals anlässlich der Schießwoche veranstaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Juli: Der Oberstehrenabend findet erstmals in der restaurierten [[Pfarrscheune]] statt. [[Pfarrer]] [[Peter Heidkamp]] und der erste Vorsitzende Dieter Bechlenberg enthüllen feierlich einen Glaskasten für die alte Schützenbruderschaftsfahne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
17.–20. Juli: Das Schützen- und Volksfest wird von einem Todesfall überschattet: Bei der Jubilarehrung würdigt Dieter Bechlenberg die Verdienste des langjährigen Vorstandsmitglieds Willy Bless und spricht im Namen aller Schützen herzliche Genesungswünsche aus. Auf dem Weg ins Zelt trifft die Nachricht seines Todes ein. Im Zelt wird die traurige Nachricht vom Vereinsvorsitzenden bekanntgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. November: Der Hubertusball wird erstmals in der [[Pfarrscheune]] gefeiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1994&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28.–29. Mai: Das Zonser [[Tambourcorps]] feiert sein 70-jährige Bestehen. An dem großen Festzug nehmen auch zahlreiche Gast-Tambourcorps und -Schützenzüge teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16.–19. Juli: Beim Schützen- und Volksfest erhält der Geschäftsführer Hubert Arentz für seine langjährige Arbeit im Vereinsvorstand den &amp;quot;Großen Verdienstorden&amp;quot; der Schützengesellschaft und wird damit Ehrenmitglied des Vereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der diesjährigen Dormagener &amp;quot;Chauvi-Preis&amp;quot;-Verleihung belegt die St. Hubertus-Schützengesellschaft den zweiten Platz. Der Grund für diese Auszeichnung: eine Einladung an die Kreistagsabgeordnete Lisa Krumbein &amp;quot;nebst Gattin&amp;quot;. Der Preis ist ein Buch mit dem Titel &amp;quot;Mein heißgeliebtes Gummibärchen&amp;quot;. Sogar ein privater Fernsehsender berichtet über dieses Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Jahresende nimmt der Festausschuss zum 100-jährigen Jubiläum der Schützengesellschaft 1998 seine Arbeit auf. Diesem Ausschuss gehören Peter Falkenhagen, Volkmar Schröder, Josef Blömacher, Harald Ohligschläger und [[Thomas Schwabach|Dr. Thomas Schwabach]] an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1995&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Juli: Das Pokalschießen findet erstmals im [[Bürgerhaus]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1996&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte des Jahres wird die [[Kriegergedächtniskapelle]] auf dem Zonser [[Friedhof]] restauriert. Die Kosten übernimmt der amtierende Schützenkönig Engelbert Röllgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1997&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG082.jpg|300px|thumb|right|Der geschäftsführende Vorstand 1997.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:SHSG083.jpg|300px|thumb|right|Oberst Peter Lennartz mit den Adjutanten Hermi Köppinger (links) und Norbert Noll 1997.]]&lt;br /&gt;
19.–21. Juli: Das Schützen- und Volksfest entwickelt sich zu einem Fest der Rekorde: Die Besucherzahlen und die Einnahmen übersteigen den bislang üblichen Rahmen bei weitem, beim Fackelzug sind erstmals vier Großfackeln zu sehen, und das Königsvogelschießen entwickelt sich zum Marathon, der erst um 20:35 Uhr mit dem 559. Schuss durch Joachim Gilgen endet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery centered mode=&amp;quot;wide&amp;quot; caption=&amp;quot;Kompanien und das Tambourcorps 1996/97&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
SHSG051.jpg|Artilleriecorps (gegründet 1982)&lt;br /&gt;
SHSG052.jpg|Blaue Husaren (gegründet 1989)&lt;br /&gt;
SHSG053.jpg|Edelknaben (gegründet 1954)&lt;br /&gt;
SHSG054.jpg|Grenadierzug &amp;quot;Stadt Zons&amp;quot; (gegründet 1992)&lt;br /&gt;
SHSG055.jpg|Grenadierzug &amp;quot;Zonser Heidejunge&amp;quot; (gegründet 1992)&lt;br /&gt;
SHSG056.jpg|Heideschützen (gegründet 1981)&lt;br /&gt;
SHSG057.jpg|Hohenzollernkompanie (gegründet 1904)&lt;br /&gt;
SHSG058.jpg|Hubertuskompanie (wiedergegründet 1962)&lt;br /&gt;
SHSG059.jpg|Hubertuszug &amp;quot;Treu Zons&amp;quot; (gegründet 1995)&lt;br /&gt;
SHSG060.jpg|Hubertuszug &amp;quot;Zonser Junge&amp;quot; (gegründet 1994)&lt;br /&gt;
SHSG061.jpg|Hubertuszug &amp;quot;Zonser Knolleköpp&amp;quot; (gegründet 1985)&lt;br /&gt;
SHSG062.jpg|Hubertuszug &amp;quot;Zonser Sondermischung&amp;quot; (gegründet 1985)&lt;br /&gt;
SHSG063.jpg|Jägerzug &amp;quot;Brav Junge&amp;quot; (gegründet 1954)&lt;br /&gt;
SHSG064.jpg|Jägerzug &amp;quot;Edelweiß&amp;quot; (gegründet 1960)&lt;br /&gt;
SHSG065.jpg|Jägerzug &amp;quot;Einigkeit&amp;quot; (gegründet 1956)&lt;br /&gt;
SHSG066.jpg|Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; (gegründet 1924)&lt;br /&gt;
SHSG067.jpg|Jägerzug &amp;quot;Immerblau&amp;quot; (gegründet 1948)&lt;br /&gt;
SHSG068.jpg|Jägerzug &amp;quot;Jröne Junge&amp;quot; (gegründet 1954)&lt;br /&gt;
SHSG069.jpg|Jägerzug &amp;quot;Löstige Junge&amp;quot; (gegründet 1963)&lt;br /&gt;
SHSG070.jpg|Jägerzug &amp;quot;Zonser Schloßstädter&amp;quot; (gegründet 1996)&lt;br /&gt;
SHSG071.jpg|Jägerzug &amp;quot;Waidmannsheil&amp;quot; (gegründet 1966)&lt;br /&gt;
SHSG072.jpg|Jägerzug &amp;quot;Wilddiebe&amp;quot; (gegründet 1984)&lt;br /&gt;
SHSG073.jpg|Marine-Kompanie I (gegründet 1955)&lt;br /&gt;
SHSG074.jpg|Marine-Kompanie II (gegründet 1955)&lt;br /&gt;
SHSG075.jpg|Reitercorps St. Hubertus Zons (gegründet 1974)&lt;br /&gt;
SHSG076.jpg|Rote Husaren (gegründet 1981)&lt;br /&gt;
SHSG077.jpg|Sappeurcorps (gegründet 1954)&lt;br /&gt;
SHSG078.jpg|Schillsche Offiziere (gegründet 1957)&lt;br /&gt;
SHSG079.jpg|Tambourcorps &amp;quot;Feste Zons 1924&amp;quot;&lt;br /&gt;
SHSG080.jpg|Tellkompanie (gegründet 1909)&lt;br /&gt;
SHSG081.jpg|Zonser Altstadtwache (gegründet 1990)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anhang: Geschäftsführender Vorstand 1898 bis heute ==&lt;br /&gt;
=== Erster Vorsitzender ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1898–1901&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Dick&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1901–&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Bellen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;(1907)–1909&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1910–1914&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen (sen.)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1919–1920&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Görgens (sen.)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1920–1926&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen (sen.)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1926–1928&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1928–1929&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1929&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Blömacher&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1929–1935&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1935–1939&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Breuer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1946–1947&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947&amp;lt;/span&amp;gt;Alfons Stein&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947–1948&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1948–1951&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1951–1952&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1952–1955&amp;lt;/span&amp;gt;Hugo Flemer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1955–1969&amp;lt;/span&amp;gt;Matthias Bechlenberg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1969–1986&amp;lt;/span&amp;gt;[[Hans Wingerath]]&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1986–1991&amp;lt;/span&amp;gt;Willy Lennartz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1991–2008&amp;lt;/span&amp;gt;Dieter Bechlenberg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2008–2019&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Norff&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2019–heute&amp;lt;/span&amp;gt;Harald Rasselnberg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zweiter Vorsitzender ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1898–(1900)&amp;lt;/span&amp;gt;Hubert Nussbaum&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;–1910&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Gilgen (sen.)&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1910–1911&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Bellen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1919–&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Bellen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;(1924)–1926&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1926–1928&amp;lt;/span&amp;gt;Alfons Stein&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1928–1929&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Piel&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1929–1935&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Wingerath&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1935–1939&amp;lt;/span&amp;gt;August Stelzmann&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1946–1947&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Köppinger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947–1948&amp;lt;/span&amp;gt;Nicolaus Schönen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1948–1949&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1949–1951&amp;lt;/span&amp;gt;Hans-Peter Cremer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1951&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1951–1952&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Nussbaum&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1952–1953&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1953–1957&amp;lt;/span&amp;gt;Kurt Kürten&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1957–1960&amp;lt;/span&amp;gt;Jacob Wimmer&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1960–1963&amp;lt;/span&amp;gt;Franz-Josef Lenden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1963–1992&amp;lt;/span&amp;gt;Willy Bless&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1992–2001&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2001–2005&amp;lt;/span&amp;gt;Willi Rabus&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2005–2011&amp;lt;/span&amp;gt;Ralf Beckmann&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2011–2019&amp;lt;/span&amp;gt;Harald Rasselnberg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2019–2022&amp;lt;/span&amp;gt;André Engel-Rieger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2022–heute&amp;lt;/span&amp;gt;Ludger Haskamp&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erster Schriftführer (seit 1952 &amp;quot;Geschäftsführer&amp;quot;) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1898–1900&amp;lt;/span&amp;gt;Wilhelm Peters&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1900–1901&amp;lt;/span&amp;gt;Peter Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1901–&amp;lt;/span&amp;gt;Anton Köppinger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;(1907)–1914&amp;lt;/span&amp;gt;Josef Malzburg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1919–1920&amp;lt;/span&amp;gt;Alfons Stein&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1920–1924&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Lennartz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1924–1927&amp;lt;/span&amp;gt;Johann Norff&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1927–1929&amp;lt;/span&amp;gt;Gottfried Rosellen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1929–1930&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Görgens&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1930–1936&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Blömacher&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1936–1939&amp;lt;/span&amp;gt;Balthasar Nicolin&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947&amp;lt;/span&amp;gt;Franz Lenden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1947–1950&amp;lt;/span&amp;gt;Andreas Erkelenz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1950–1951&amp;lt;/span&amp;gt;Nicolaus Schönen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1951–1952&amp;lt;/span&amp;gt;Mathias Kluth&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geschäftsführer ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1952–1969&amp;lt;/span&amp;gt;[[Hans Wingerath]]&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1969–1971&amp;lt;/span&amp;gt;Theo-Otto Ferber&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1971–2003&amp;lt;/span&amp;gt;Hubert Arentz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2003–2006&amp;lt;/span&amp;gt;Harald Ohligschläger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2006–2008&amp;lt;/span&amp;gt;Artur Mausbach&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2008–2013&amp;lt;/span&amp;gt;Hauke Schrills&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2013–2024&amp;lt;/span&amp;gt;Herbert Rasselnberg&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2024–heute&amp;lt;/span&amp;gt;Dirk Eggert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zweiter Schriftführer (seit 1952 &amp;quot;Schriftführer&amp;quot;) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;column-count: 2; column-gap: 30px; -moz-column-count: 2; -webkit-column-count: 2;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1898–1899&amp;lt;/span&amp;gt;Nicolaus Lenden&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1899&amp;lt;/span&amp;gt;Josef Lessenich&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1911–&amp;lt;/span&amp;gt;Johann Schmitz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1919–1920&amp;lt;/span&amp;gt;Jakob Lennartz&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1926&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Blömacher&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1926–1927&amp;lt;/span&amp;gt;Hugo Flemer&lt;br /&gt;
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=== Schriftführer ===&lt;br /&gt;
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=== Zweiter Geschäftsführer ===&lt;br /&gt;
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=== Erster Kassierer ===&lt;br /&gt;
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:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1948/1949&amp;lt;/span&amp;gt;Johann Schönen&lt;br /&gt;
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:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1979/1980&amp;lt;/span&amp;gt;Günther Bechlenberg&lt;br /&gt;
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:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1981/1982&amp;lt;/span&amp;gt;Hubert Blömacher&lt;br /&gt;
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:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1983/1984&amp;lt;/span&amp;gt;Theo Köppinger&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1984/1985&amp;lt;/span&amp;gt;Heinrich Noll&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1985/1986&amp;lt;/span&amp;gt;Johann Kindgen&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Könige der Könige ==&lt;br /&gt;
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:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2015/2016&amp;lt;/span&amp;gt;Wilfried Müller&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2016/2017&amp;lt;/span&amp;gt;Hans-Jürgen Bonelli&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2017/2018&amp;lt;/span&amp;gt;Jürgen Allard&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2018/2019&amp;lt;/span&amp;gt;Marco Meuter&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2019/2022&amp;lt;/span&amp;gt;Hubert Blömacher&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2022/2023&amp;lt;/span&amp;gt;Joachim Gilgen&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2023/2024&amp;lt;/span&amp;gt;Marcus Fugmann&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2024/2025&amp;lt;/span&amp;gt;Helmut Leonhardt&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2025/2026&amp;lt;/span&amp;gt;Artur Mausbach&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2026/2027&amp;lt;/span&amp;gt;Harald Haske&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Jungschützenkönige (seit 2024) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;2024/2025&amp;lt;/span&amp;gt;Jonas Twardowski&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Mitgliederzahl des Vereins ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
:&amp;lt;span style=&amp;quot;display: inline-block; width: 110px;&amp;quot;&amp;gt;1898&amp;lt;/span&amp;gt;ca. 25&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vereine]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bruderschaften]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Brauchtum]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Martin_Schmitz&amp;diff=4365</id>
		<title>Martin Schmitz</title>
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		<updated>2026-07-13T10:20:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Berufliche Tätigkeit und weiteres Engagement */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:schmitz1.jpg|300px|thumb|right|Martin Schmitz in der Mühle Ende der 1920er Jahre.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Martin Heribert Hubert Schmitz&#039;&#039;&#039; (* 16. März 1853 in Zons; † 23. Januar 1933 in Zons), im Volksmund &amp;quot;Schmitze Määte&amp;quot;, war mindestens ab 1873 bis zur Einstellung des Betriebes 1907 [[Müller]] der Zonser [[Windmühle]], in den 1890er Jahren auch Kaufmann und Kleinhändler und ab 1907 Betreiber der örtlichen [[Gaststätte &amp;quot;Zur historischen Mühle&amp;quot;]] (spätere [[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]]). 1913 bis 1916 hatte er einen Sitz im [[Stadtrat]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Elternhaus ==&lt;br /&gt;
Martin Schmitz kam am 16. März 1853 in Zons als jüngstes Kind des Ehepaars [[Müller]] [[Gottfried Schmitz]] (* 11. Januar 1802 in Zons; † 10. Dezember 1872 in Zons) und der Maria Magdalene geborene Fuchs (* 23. Juni 1816 in Zons; † 25. Oktober 1895 in Zons) zur Welt. Er hatte sieben Geschwister&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 668.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johann Baptist Mathias Hubert (* 16. Januar 1839 in Zons; † 14. April 1869 in Zons), der ledig starb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ursula Theodora Hubertine (* 26. September 1840 in Zons; † 18. August 1842 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mathias Carl Hubert (* 6. August 1842 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Anton Hubert (* 13. Juni 1844 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Franz&#039;&#039;&#039; Josef Hubert (* 16. Mai 1846 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ursula Genoveva Hubertine (* 3. Januar 1849 in Zons; † 15. Juni 1877 in Zons), die ledig starb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Caspar Rudolf Hubert (* 18. April 1851 in Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das elterliche Haus war das heutige Haus [[Rheinstraße]] 5 bzw. ab 1852/53 der in dieser Zeit neu errichtete Hof vor dem [[Feldtor]], die spätere [[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]].&amp;lt;ref&amp;gt;Dementsprechend nennt ein Adressbuch von 1861 für Gottfried Schmitz die Adresse Zons, Nr. 22 2/4: Friedrich Sprengepiel, Adreß-Buch vom Regierungs-Bezirk Düsseldorf, Elberfeld 1861, S. 451.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Berufliche Tätigkeit und weiteres Engagement ==&lt;br /&gt;
Martin Schmitz hat wahrscheinlich bereits seit seiner Jugend im elterlichen [[Windmühle|Mühlenbetrieb]] gearbeitet. Sicher belegt ist dies erst ab 1873. Er soll den Betrieb nach dem Tod des Vaters [[Gottfried Schmitz]] zusammen mit seinem Bruder Franz geführt haben und nach dessen frühem Tod (Datum unbekannt) allein.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Ein ganzes Jahrhundert im Besitz der Familie Schmitz. Erst Festungsturm, dann [[Windmühle]] in Zons&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 15/1990, S. 5–8; hier: S. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Mutter, Maria Magdalene Schmitz, war Eigentümerin und Betreiberin der [[Mühle]] bis zu ihrem Tod am 25. Oktober 1895. Mit ihrem Tod ging die [[Mühle]] in das Eigentum des Martin Schmitz über, der in den 1890er Jahren auch als Kaufmann und Kleinhändler tätig war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im November 1907 stellte Martin Schmitz den Gewerbebetrieb endgültig ein.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Bestand Stadt Zons, Nr. 1359.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist davon auszugehen, dass der Betrieb aufgrund der Konkurrenz durch Dampfmühlen nicht mehr rentabel arbeiten konnte. Martin Schmitz richtete sein Augenmerk auf den sich in dieser Zeit stark entwickelnden örtlichen [[Fremdenverkehr]] und baute im Herbst/Winter 1907 den von den Eltern geerbten Hof vor dem [[Feldtor]] zur Gaststätte ([[Gaststätte &amp;quot;Zur historischen Mühle&amp;quot;]]) aus. An der Galerie der Mühle ließ er ein entsprechendes Schild anbringen. Sicher bereits zu Zeiten des Windmühlenbetriebes hat Schmitz gegen ein bestimmtes Eintrittsgeld Touristen durch die Mühle geführt, um deren Technik zu erläutern, und er setzte dies auch bis zu seinem Tod fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Herrichtung des Hofes vor dem [[Feldtor]] zur Gaststätte ließ Martin Schmitz vor dem Hauptgebäude auch Bäume und Sträucher anpflanzen sowie eine Rinne anlegen. Hierauf erging am 6. November 1907 die polizeiliche Aufforderung zur Beseitigung, da es sich um Gemeindeeigentum handelte. Fest vom Gegenteil überzeugt reichte Schmitz am 16. November fristgerecht Klage beim Kreisausschuss ein. Der [[Stadtrat|Gemeinderat]] beauftragte daraufhin am 4. Dezember zwei Mitglieder des Gremiums, den Bürgermeister bei der Richtigstellung zu unterstützen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, unpagin.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es entwickelte sich eine längere Auseinandersetzung, und am 13. Oktober 1909 beauftragte der [[Stadtrat|Gemeinderat]] den [[Bürgermeister]] [[Josef Trapet]], gegen Schmitz wegen der unberechtigten Benutzung zu klagen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 42–43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einen Vorstoß zur Einigung machte das Gremium am 4. Februar 1910, als es den [[Bürgermeister]] ermächtigte, mit Schmitz über eine jährliche Anerkennungsgebühr für die Nutzung und die Erstattung sämtlicher Verfahrenskosten zu verhandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 58.&amp;lt;/ref&amp;gt; Überzeugt, im Recht zu sein, ging Schmitz hierauf nicht ein, und so zog sich der Zivilprozess noch weitere Jahre fort. Aufgrund der hohen Verfahrenskosten geriet Schmitz 1916 in Konkurs.&amp;lt;ref&amp;gt;Kölnische Zeitung v. 25.09.1916.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Hof wurde 1917 an den Dormagener Fuhrunternehmer [[Hubert Schick]] verkauft, der hierin fortan eine Posthalterei, Spedition und Gastwirtschaft ([[Gaststätte &amp;quot;Zur Post&amp;quot;]]) betrieb. Am 9. Juni 1918 fasste der [[Stadtrat|Gemeinderat]] den Beschluss, den Zivilprozess zu beenden und [[Hubert Schick]] den Platz vor dem Haus zum Kauf anzubieten.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 247–248.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mehr als ein halbes Jahr später, am 17. Januar 1919, ermächtigte der Gemeinderat den Bürgermeister, Martin Schmitz die Mühle für 3.000,- Mark abzukaufen. Bedingung sei, dass der Prozess beendet werde, indem Schmitz und sein Rechtsanwalt Dr. Nolden in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] als Konkursverwalter das Gemeinderecht anerkennen und die gesamten Prozesskosten aus der Konkursmasse gedeckt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Kauf der Mühle kam nicht zustande, aber der Prozess wird sehr wahrscheinlich im Laufe des Jahres beendet worden sein, da Schmitz nicht mehr die nötigen Mittel zur Fortsetzung aufbringen konnte (die [[Mühle]] hatte er mit einer Hypothek von 1.000,- Reichsmark belastet). Das vor Prozessbeginn noch recht vermögende Ehepaar Schmitz wohnte seit dem Verkauf des Hofes vor dem [[Feldtor]] in einer Wohnung in der [[Grünwaldstraße]] (heute Nr. 6) zur Miete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1913 wurde Martin Schmitz für drei Jahre zum Mitglied des [[Stadtrat]]s (erste Klasse) gewählt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 178.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Martin Schmitz (23. Januar 1933) nahm die Gemeinde mit dessen Erben Kontakt auf, um wieder über den Kauf der Mühle zu verhandeln. Dieser kam nach langwierigen Verhandlungen am 11. Dezember 1940 zustande.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Bestand Akten Stadt Zons, augias 155 (U-R. Nr. 533 für 1940 vom 11.12.1940.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
[[Datei:schmitz2.jpg|300px|thumb|right|Martin Schmitz mit Familie um 1910.]]&lt;br /&gt;
Martin Schmitz heiratete am 8. Januar 1886 (kirchlich einen Tag später) in Zons Maria &#039;&#039;&#039;Elisabeth&#039;&#039;&#039; Hahn (* 27. August 1859 in Zons; † 15. Oktober 1932 in Zons), Tochter des Ehepaars Schiffer Johann Hahn (* 22. Oktober 1824 in Zons; † 18. Februar 1868 in Zons) und Haushälterin Margarethe geborene Bollig (* 7. Oktober 1823 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Paffendorf Niederaußem/Paffendorf]; † 6. September 1864 in Zons). Das Paar hatte insgesamt 8 Kinder&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 686.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Johannes&#039;&#039;&#039; Martin Hubert (* 22. März 1886 in Zons; † 18. August 1941 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Stolberg_(Rheinland) Stolberg]), genannt &amp;quot;Jean&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Catharina&#039;&#039;&#039; Maria Hubertine (* 23. September 1887 in Zons; † 24. Mai 1960 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Maria&#039;&#039;&#039; Hubertine Josefine (* 13. Juli 1889 in Zons; † 6. Februar 1962 in Zons), die am 10. November 1910 in Zons den Anstreicher Josef Lessenich heiratete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maria Magdalene &#039;&#039;&#039;Josefine&#039;&#039;&#039; (* 24. Mai 1891 in Zons; † 21. Januar 1967 in Zons), verheiratete Wingerath&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Rudolf&#039;&#039;&#039; Eugen Hubert (* 18. November 1892 in Zons; gefallen am 16. Juli 1918 bei Sailly)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jacobine&#039;&#039;&#039; Josefine Maria (* 7. Dezember 1894 in Zons; † 1935 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Barmen Wuppertal-Barmen]), verheiratete Leven&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Carl&#039;&#039;&#039; Martin Hubert (* 19. August 1897 in Zons; † 1975 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]), der 1937 in Zons heiratete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Georg&#039;&#039;&#039; Mathias Martin (* 21. September 1899 in Zons; † 10. April 1977 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]), der 1926 in Zons heiratete &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Elisabeth&#039;&#039;&#039; Maria (* 12. April 1902 in Zons), verheiratete Stehling, die nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn] verzogen ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Familie wohnte im elterlichen Hof des Martin Schmitz vor der [[Feldtor]]. Der [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Volksgarten]]-Wirt [[Johann Hahn]] war ein Schwager des Martin Schmitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Schmitz, Martin}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Müller]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadträte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wirte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Heinz_Riffel&amp;diff=4364</id>
		<title>Heinz Riffel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Heinz_Riffel&amp;diff=4364"/>
		<updated>2026-07-10T18:46:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:riffelh1.jpg|200px|thumb|right|Heinz Riffel 1938.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Riffel_Klasse.jpg|400px|thumb|right|Heinz Riffel mit Schulklasse um 1930.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heinrich Adam Josef Riffel&#039;&#039;&#039; (* 7. März 1895 in [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCdesheim_(Bingen_am_Rhein) Büdesheim]; † 26. September 1965 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen]) war 1918–1922 und 1927–1941 Lehrer an der Zonser [[Schulwesen|Volksschule]]. Er hat sich vielfältig für die Zonser Stadtgeschichte engagiert, so durch Veröffentlichungen, die Planung und Umsetzung des [[Heimatmuseum]]s im [[Rheinturm]] sowie der [[Freilichtbühne]] im [[Zwinger]] von [[Schloss Friedestrom]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lehrtätigkeit ==&lt;br /&gt;
Heinz Riffel unterrichtete vom 20. August 1918 bis zum 1. April 1922 und vom 1. Oktober 1927 bis zum 1. September 1941 an der Zonser [[Schulwesen|Volksschule]]. Am 2. Februar 1920 absolvierte er in Zons vor den Herren Schulrat Dr. Sondermann, Seminaroberlehrer Loef und Hauptlehrer [[Peter Breuer]] seine zweite Lehramtsprüfung.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 1. April 1922 wechselte er durch Stellentausch nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kempenich Kempenich]. Für ihn kam am 25. April des Jahres der dortige Lehrer [[Hanns Dederichs]] an die Zonser [[Schulwesen|Volksschule]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Riffel unterrichtete bis Ende September 1927 an der Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kempenich Kempenich]. Am 1. Oktober 1927 übernahm er wieder die Unterrichtung in Zons von [[Hanns Dederichs]], der bereits zum 1. September nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] gewechselt war.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Do 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 86–87.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 1. September 1941 unterrichtete Riffel an einer Schule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Uedesheim Uedesheim], später in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]. Seine Nachfolgerin in Zons wurde [[Liesel Rasten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Heinz Riffel war seit 1922 verheiratet mit Katharina Hahn (* 18. April 1897 in Zons; † 25. Februar 1991 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]), Tochter des [[Johann Hahn]], Inhaber des [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Restaurants &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;]] vor dem [[Rheintor]], und der Anna geborene Hesemann.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 261.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. Das Paar bezog 1927 unmittelbar hinter dem [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|&amp;quot;Volksgarten&amp;quot;]] an der [[Gartenstraße]], der heutigen [[Parkstraße]], ein neu errichtetes Wohnhaus, das noch heute existiert (heute Parkstr. 3).&amp;lt;ref&amp;gt;Der Gemeinderat bewilligte in seiner Sitzung vom 21. September 1927 eine Hypothek von 5.000,- Reichsmark für den Hausbau (AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 210.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1941 ließ Heinz Riffel sich von seiner Frau scheiden und zog nach [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]. Er heiratete noch ein zweites Mal und lebte mit seiner zweiten Frau Marlene zuletzt in [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen], wo er 1965 starb.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Jost Auler]], &#039;&#039;Händchen für Heimat und Heilkraut - Portrait des Zonser Heimatforschers Riffel/ Museum und Schauspiel lagen ihm am Herzen&#039;&#039;, in: NGZ vom 29. Januar 1985.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Engagement für Zonser Geschichte und Fremdenverkehr ==&lt;br /&gt;
Riffel engagierte sich vielfältig ortsgeschichtlich und im Fremdenverkehr: Auf seine Initiative hin wurde 1931 das [[Heimatmuseum]] im [[Rheinturm]] eröffnet, das bis 1958 bestand. Er fertigte zusammen mit seinen Schülern bis Anfang 1929 ein aufwändiges [[Stadtmodelle|Stadtmodell]], das ab 1931 im [[Heimatmuseum]] ausgestellt wurde und heute in der Touristinfo Zons steht.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Gemeinderat nahm in seiner Sitzung vom 13. März 1929 zur Kenntnis, dass das Stadtmodell der Gemeinde übereignet werden sollte. Für Materialien hat Riffel 400,- Reichsmark erhalten. In seiner Sitzung vom 1. Oktober 1929 bewilligte der Gemeinderat 135,- Reichsmark für den Ankauf des Modells (AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 240, p. 258.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem bereits 1930 ein kleinerer Beitrag zur Geschichte der Zonser [[Windmühle]] von ihm erschienen war&amp;lt;ref&amp;gt;Riffel, Heinz: &#039;&#039;Historische [[Windmühle]] in Zons am Rhein&#039;&#039;, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160–161.&amp;lt;/ref&amp;gt;, wurde 1933 der Fremdenführer &amp;quot;Zons und seine Stadtmauern&amp;quot; aus seiner Feder veröffentlicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Riffel, Heinz: &#039;&#039;Zons und seine Stadtmauern&#039;&#039;, hg. v. [[Peter Norff]] (Köln), Köln-Deutz o.J. [1933].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1935 wurde unter seiner tatkräftigen Mitwirkung im Zwinger von [[Schloss Friedestrom]] die [[Freilichtbühne]] eröffnet. Er wirkte in den Anfangsjahren der Bühne auch selbst als Darsteller mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sitzung des [[Stadtrat|Gemeinderats]] vom 18. Mai 1942 würdigte [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken|Flücken]] das große Zons-Engagement von Riffel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Herr Riffel habe sich große Verdienste um die Einrichtung und Verwaltung des [[Heimatmuseum|Museums]], der Volksbücherei, des Fremdenverkehrs, der [[Freilichtbühne]] und nicht zuletzt um den Luftschutz und die Kriegschronik erworben. All diese Tätigkeiten habe H. Riffel ehrenamtlich, mit großer Liebe und Hingabe ausgeführt. Dafür gebühre ihm Dank und Anerkennung der Stadt Zons.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Zweiten Weltkrieg (Luftschutz und Kriegschronik) ==&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs organisierte Riffel den Luftschutz in Zons. Er führte eine Zonser (Schul-)Kriegschronik, die den Krieg leider nicht überstanden hat: Im März 1943 sollte die Zonser Volksschullehrerin [[Liesel Rasten]] diese Chronik fortsetzen. Dazu wurde auch das Fotomaterial zur Chronik von Riffel aus seinem Haus in Düsseldorf nach Zons gebracht. Am 28. Juni 1943 schreibt Riffel an den Zonser [[Bürgermeister]], er wolle in der kommenden Zeit eine Reinschrift der Kriegschronik verfassen. Dies sei jedoch aufgrund der Zeitumstände schwierig. Am 6. Juni 1944 schreibt er, sein Haus sei bei einem Fliegerangriff getroffen worden, wobei sein gesamtes ortsgeschichtliches Material vernichtet wurde. Offenbar ist dabei auch die Kriegschronik zerstört worden, weshalb heute nur noch das Fotomaterial erhalten ist.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Augias 146.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Entnazifizierungsverfahren wurde er kurz nach dem Krieg in die Kategorie V (unbelastet) eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, NW 1014-EF, Nr. 3132.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Riffel, Heinz}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungswesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforscher]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Heinz_Riffel&amp;diff=4363</id>
		<title>Heinz Riffel</title>
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		<updated>2026-07-10T18:45:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:riffelh1.jpg|200px|thumb|right|Heinz Riffel 1938.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Riffel_Klasse.jpg|400px|thumb|right|Heinz Riffel mit Schulklasse um 1930.]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Heinrich Adam Josef Riffel&#039;&#039;&#039; (* 7. März 1895 in [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCdesheim_(Bingen_am_Rhein) Büdesheim]; † 26. September 1965 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen]) war 1918–1922 und 1927–1941 Lehrer an der Zonser [[Schulwesen|Volksschule]]. Er hat sich vielfältig für die Zonser Stadtgeschichte engagiert, so durch Veröffentlichungen, die Planung und Umsetzung des [[Heimatmuseum]]s im [[Rheinturm]] sowie der [[Freilichtbühne]] im [[Zwinger]] von [[Schloss Friedestrom]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lehrtätigkeit ==&lt;br /&gt;
Heinz Riffel unterrichtete vom 20. August 1918 bis zum 1. April 1922 und vom 1. Oktober 1927 bis zum 1. September 1941 an der Zonser [[Schulwesen|Volksschule]]. Am 2. Februar 1920 absolvierte er in Zons vor den Herren Schulrat Dr. Sondermann, Seminaroberlehrer Loef und Hauptlehrer [[Peter Breuer]] seine zweite Lehramtsprüfung.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 60.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 1. April 1922 wechselte er durch Stellentausch nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kempenich Kempenich]. Für ihn kam am 25. April des Jahres der dortige Lehrer [[Hanns Dederichs]] an die Zonser [[Schulwesen|Volksschule]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Riffel unterrichtete bis Ende September 1927 an der Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kempenich Kempenich]. Am 1. Oktober 1927 übernahm er wieder die Unterrichtung in Zons von [[Hanns Dederichs]], der bereits zum 1. September nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] gewechselt war.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Do 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 86-87.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 1. September 1941 unterrichtete Riffel an einer Schule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Uedesheim Uedesheim], später in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]. Seine Nachfolgerin in Zons wurde [[Liesel Rasten]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Heinz Riffel war seit 1922 verheiratet mit Katharina Hahn (* 18. April 1897 in Zons; † 25. Februar 1991 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]), Tochter des [[Johann Hahn]], Inhaber des [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|Restaurants &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;]] vor dem [[Rheintor]], und der Anna geborene Hesemann.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 261.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. Das Paar bezog 1927 unmittelbar hinter dem [[Gaststätte &amp;quot;Zum Volksgarten&amp;quot;|&amp;quot;Volksgarten&amp;quot;]] an der [[Gartenstraße]], der heutigen [[Parkstraße]], ein neu errichtetes Wohnhaus, das noch heute existiert (heute Parkstr. 3).&amp;lt;ref&amp;gt;Der Gemeinderat bewilligte in seiner Sitzung vom 21. September 1927 eine Hypothek von 5.000,- Reichsmark für den Hausbau (AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 210.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1941 ließ Heinz Riffel sich von seiner Frau scheiden und zog nach [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]. Er heiratete noch ein zweites Mal und lebte mit seiner zweiten Frau Marlene zuletzt in [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen], wo er 1965 starb.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Jost Auler]], &#039;&#039;Händchen für Heimat und Heilkraut - Portrait des Zonser Heimatforschers Riffel/ Museum und Schauspiel lagen ihm am Herzen&#039;&#039;, in: NGZ vom 29. Januar 1985.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Engagement für Zonser Geschichte und Fremdenverkehr ==&lt;br /&gt;
Riffel engagierte sich vielfältig ortsgeschichtlich und im Fremdenverkehr: Auf seine Initiative hin wurde 1931 das [[Heimatmuseum]] im [[Rheinturm]] eröffnet, das bis 1958 bestand. Er fertigte zusammen mit seinen Schülern bis Anfang 1929 ein aufwändiges [[Stadtmodelle|Stadtmodell]], das ab 1931 im [[Heimatmuseum]] ausgestellt wurde und heute in der Touristinfo Zons steht.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Gemeinderat nahm in seiner Sitzung vom 13. März 1929 zur Kenntnis, dass das Stadtmodell der Gemeinde übereignet werden sollte. Für Materialien hat Riffel 400,- Reichsmark erhalten. In seiner Sitzung vom 1. Oktober 1929 bewilligte der Gemeinderat 135,- Reichsmark für den Ankauf des Modells (AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 240, p. 258.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem bereits 1930 ein kleinerer Beitrag zur Geschichte der Zonser [[Windmühle]] von ihm erschienen war&amp;lt;ref&amp;gt;Riffel, Heinz: &#039;&#039;Historische [[Windmühle]] in Zons am Rhein&#039;&#039;, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160–161.&amp;lt;/ref&amp;gt;, wurde 1933 der Fremdenführer &amp;quot;Zons und seine Stadtmauern&amp;quot; aus seiner Feder veröffentlicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Riffel, Heinz: &#039;&#039;Zons und seine Stadtmauern&#039;&#039;, hg. v. [[Peter Norff]] (Köln), Köln-Deutz o.J. [1933].&amp;lt;/ref&amp;gt; 1935 wurde unter seiner tatkräftigen Mitwirkung im Zwinger von [[Schloss Friedestrom]] die [[Freilichtbühne]] eröffnet. Er wirkte in den Anfangsjahren der Bühne auch selbst als Darsteller mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sitzung des [[Stadtrat|Gemeinderats]] vom 18. Mai 1942 würdigte [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken|Flücken]] das große Zons-Engagement von Riffel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Herr Riffel habe sich große Verdienste um die Einrichtung und Verwaltung des [[Heimatmuseum|Museums]], der Volksbücherei, des Fremdenverkehrs, der [[Freilichtbühne]] und nicht zuletzt um den Luftschutz und die Kriegschronik erworben. All diese Tätigkeiten habe H. Riffel ehrenamtlich, mit großer Liebe und Hingabe ausgeführt. Dafür gebühre ihm Dank und Anerkennung der Stadt Zons.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Zweiten Weltkrieg (Luftschutz und Kriegschronik) ==&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs organisierte Riffel den Luftschutz in Zons. Er führte eine Zonser (Schul-)Kriegschronik, die den Krieg leider nicht überstanden hat: Im März 1943 sollte die Zonser Volksschullehrerin [[Liesel Rasten]] diese Chronik fortsetzen. Dazu wurde auch das Fotomaterial zur Chronik von Riffel aus seinem Haus in Düsseldorf nach Zons gebracht. Am 28. Juni 1943 schreibt Riffel an den Zonser [[Bürgermeister]], er wolle in der kommenden Zeit eine Reinschrift der Kriegschronik verfassen. Dies sei jedoch aufgrund der Zeitumstände schwierig. Am 6. Juni 1944 schreibt er, sein Haus sei bei einem Fliegerangriff getroffen worden, wobei sein gesamtes ortsgeschichtliches Material vernichtet wurde. Offenbar ist dabei auch die Kriegschronik zerstört worden, weshalb heute nur noch das Fotomaterial erhalten ist.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Augias 146.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Entnazifizierungsverfahren wurde er kurz nach dem Krieg in die Kategorie V (unbelastet) eingestuft.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, NW 1014-EF, Nr. 3132.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Riffel, Heinz}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungswesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforscher]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Peter_Capellmann&amp;diff=4362</id>
		<title>Peter Capellmann</title>
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		<updated>2026-07-10T18:40:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Peter Capellmann&#039;&#039;&#039; (* 13. Februar 1878 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Meiderich Duisburg-Meiderich]) war 1913 bis 1919 [[Lehrer|Hauptlehrer]] an der Zonser [[Schulwesen|Volksschule]], als Nachfolger von [[Albert Höver]] und Vorgänger von [[Peter Breuer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausbildung und Lehrtätigkeit ==&lt;br /&gt;
Peter Capellmann absolvierte am 10. März 1900 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Linnich Linnich] seine erste Lehramtsprüfung. Seine zweite Lehramtsprüfung legte er dort am 25. Juni 1904 ab. Die erste Festanstellung als Lehrer erfolgte zum 25. August 1904.&amp;lt;ref&amp;gt;Daten abgerufen am 24. Januar 2016 in der Online-Lehrer-Archivdatenbank der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung: http://bbf.dipf.de.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Capellmann war ab dem 1. April 1913 definitiv als Hauptlehrer an der Zonser [[Schulwesen|Volksschule]] tätig. Er wurde durch den Ortsschulinspektor, [[Pfarrer]] [[Ludolf Schmitz|Dr. Dr. Ludolf Schmitz]], in sein Amt eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 17. Juni 1915 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, so dass er erst zum 16. Januar 1916 den Unterricht wieder erteilen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 150.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Juli 1916 gewährte ihm der [[Stadtrat|Gemeinderat]] 35,- Mark zur Einrichtung eines &amp;quot;Hühnerparkes&amp;quot; im Bürgermeistergarten.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, fol. 218.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenige Monate später musste er nochmals für 18 Monate seine Lehrtätigkeit unterbrechen, um als Soldat zu dienen, bevor er am 13. Oktober 1918 &#039;&#039;&amp;quot;infolge Reklamation am 5. Oktober&amp;quot;&#039;&#039;, kurz vor Ende des Krieges, den Unterricht wieder aufnehmen konnte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wurde am 15. November 1919 an die Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukirchen_%28Grevenbroich%29 Grevenbroich-Neukirchen] versetzt. Durch Stellentausch kam der Lehrer [[Peter Breuer]] als neuer [[Lehrer|Hauptlehrer]] von Neukirchen nach Zons.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 53–54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut einem Bericht in einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrather] Zeitung soll seine Versetzung dadurch verursacht worden sein, dass er dem Verdacht einer intimen Beziehung der [[Lehrer]]in [[Helene Seiff]] zum Lokalschulinspektor [[Pfarrer]] [[Ludolf Schmitz]] nachgespürt habe.&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel &#039;&#039;&amp;quot;... und ruhig fließt der Rhein&amp;quot;&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Bote vom Rhein&#039;&#039;, 15. Oktober 1927.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sicher ist, dass die längere Beurlaubung von [[Helene Seiff]] ab Ende 1919 bis zu ihrer Versetzung Anfang 1920 und die Versetzung von Peter Capellmann zeitlich zusammenfielen, so dass sich ein Zusammenhang aufdrängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem 1. April 1928 war Peter Capellmann als Rektor an der katholischen Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCchen Jüchen] tätig.&amp;lt;ref&amp;gt;Daten abgerufen am 24. Januar 2016 in der Online-Lehrer-Archivdatenbank der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung: http://bbf.dipf.de.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Peter Capellmann war verheiratet mit Catharina geborene Becker. Von dem Ehepaar wurden in Zons zwei Kinder getauft&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 306, p. 208, p. 235.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* ~ 29. Dezember 1913 Josephine Hubertine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* ~ 3. September 1917 Josef Peter (* 26. August 1917)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sonstiges ==&lt;br /&gt;
Nach mündlicher Überlieferung soll Peter Capellmann ein außergewöhnlich strenger Lehrer gewesen sein, der besonders grausame und demütigende Strafmethoden praktizierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Auskunft Johann Vianden (* 1905 in Zons; †), 1994.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Capellmann, Peter}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungswesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Johann_van_Royen&amp;diff=4361</id>
		<title>Johann van Royen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Johann_van_Royen&amp;diff=4361"/>
		<updated>2026-07-04T21:32:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Johann van Royen&#039;&#039;&#039; war von 1853 bis 1855 [[Lehrer]] der Oberklasse der Zonser [[Schulwesen|Elementarschule]], als Nachfolger von [[Wilhelm Odaniel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Berufliche Laufbahn ==&lt;br /&gt;
Vor seiner Anstellung in Zons war Johann van Royen Lehrer an der Schule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkrath Erkrath]. Am 30. Juli 1853 trat er die Stelle als Oberlehrer an der Zonser Elementarschule für zwei Jahre auf Probe an.&amp;lt;ref&amp;gt;Mitteilung über die Anstellung Johann van Royens im Amtsblatt der Regierung Düsseldorf Nr. 47 vom 29. August 1853, Mitteilung Nr. 1158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anstellungsvertrag wurde mit Ablauf der Probezeit 1855 nicht verlängert.  Gegen die Kündigung erhob sich Protest seitens einiger [[Stadtrat|Gemeinderatsmitglieder]] sowie einiger Familienväter, der schriftlich bei der Regierung eingereicht wurde. Nach negativem Bescheid von dort wandten sich die Einwohner sogar an den Oberpräsidenten in [https://de.wikipedia.org/wiki/Koblenz Koblenz], jedoch auch hier erfolglos. Am 16. Juli des Jahres erfolgte die neue Ausschreibung der mit 240 Talern dotierten Lehrerstelle durch [[Pfarrer]] [[Carl Joseph Neesen]] und [[Bürgermeister]] [[Josef Hanstein]]&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 55 vom 20. Juli 1855, Mitteilung Nr. 1059.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die in der Folge auf zwei Personen aufgeteilt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Royen, Johann van}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungswesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Wilhelm_Odaniel&amp;diff=4360</id>
		<title>Wilhelm Odaniel</title>
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		<updated>2026-07-04T21:30:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Berufliche Laufbahn */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Wilhelm Odaniel&#039;&#039;&#039; († 1852) war von 1849 bis 1852 [[Lehrer]] der Oberklasse an der Zonser [[Schulwesen|Elementarschule]], als Nachfolger von [[Peter Wilhelm Sticker]] und Vorgänger von [[Johann van Royen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Berufliche Laufbahn ==&lt;br /&gt;
Vor seinem Stellenantritt in Zons war Wilhelm Odaniel Lehrer an der Elementarschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Hamm_%28D%C3%BCsseldorf%29 Düsseldorf-Hamm]. Am 9. Oktober 1849 trat er die Stelle als Lehrer der Oberklasse an der Zonser [[Schulwesen|Elementarschule]] für zwei Jahre auf Probe an.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Regierung gab dies am 31. Dezember 1849 bekannt: Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 87 vom 31. Dezember 1849, Mitteilung Nr. 1933.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Gehalt, das vierteljährlich aus der Gemeindekasse zu zahlen war, wurde auf 240 Taler festgesetzt. Odaniel wurde u.a. verpflichtet, die Kinder täglich während der Schulstunden, an Sonn- und Feiertagen während des Vor- und Nachmittaggottesdienstes und bei den örtlichen Prozessionen zu beaufsichtigen und ihre Gebete und Gesänge zu leiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16-40, hier: S. 24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krankheit und Tod ==&lt;br /&gt;
Wilhelm Odaniel starb bereits 1852.&amp;lt;ref&amp;gt;Sein Tod ist nicht in den Zonser Zivilstandsregistern verzeichnet.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Schulamtsaspirant namens Gumpertz hatte ihn während seiner Krankheit vertreten und führte den Unterricht auch nach seinem Tod fort, bis am 30. Juli 1853 [[Johann van Royen]] neuer Oberlehrer wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Mitteilung über die Anstellung Johann van Royens im Amtsblatt der Regierung Düsseldorf Nr. 47 vom 29. August 1853, Mitteilung Nr. 1158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Odaniel, Wilhelm}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungswesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Schulwesen&amp;diff=4359</id>
		<title>Schulwesen</title>
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		<updated>2026-07-04T21:11:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Die Friedrich-von-Saarwerden-Gemeinschaftsgrundschule an der Deichstraße (eröffnet 2006) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Im Zonser &#039;&#039;&#039;Schulwesen&#039;&#039;&#039; lassen sich bis in das 16. Jahrhundert zurück verschiedene Schultraditionen nachweisen. Die meisten Entwicklungsstränge mündeten in der Preußischen Zeit in der Volksschule. Doch es existierten zeitweilig auch Privatschulen, höhere bzw. Lateinschulen sowie eine Schule der [[Jüdische Gemeinde|jüdischen Gemeinde]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Entwicklung bis zum Ende der Franzosenzeit ==&lt;br /&gt;
=== Die Schule des Vikars ===&lt;br /&gt;
Erste Hinweise auf einen regelmäßigen Schulunterricht in Zons datieren in das ausgehende 16. Jahrhundert und beziehen sich auf die Unterrichtung der Kinder durch den [[Vikare|Vikar]] am Altar &amp;quot;Unserer Lieben Frau&amp;quot;. Der [[Amtmann]] Arnold von Manderscheid (1586–1604) ordnete an, aus den Bruderschaftsmitteln dem [[Vikare|Vikar]] des Altars [[Bruderschaft &amp;quot;Unserer Lieben Frau&amp;quot; (ULF)|Unserer Lieben Frau]] 30 Reichstaler zusätzlich zukommen zu lassen, damit er die armen Kinder unentgeltlich unterrichtete. Nach einer Quelle aus dem Jahr 1608 gehörten auch die Mahlzeiten für die Unterrichtung der Kinder zu den Einkünften des neu eingestellten Lehrers [[Heinrich Druffelt]].&amp;lt;ref&amp;gt;Seine Ernennung fand im Dezember 1608 statt: HAStK, Best. 210, A 169, p. 282.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die nachfolgenden [[Vikare]] (ab Januar 1610: [[Heinrich Storpius]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Recklinghausen Recklinghausen],&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 170, p. 206&amp;lt;/ref&amp;gt; ab März 1612: [[Paul Bülen]],&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 171, fol. 140v.&amp;lt;/ref&amp;gt; ab Februar 1614: [[Jacob Siensfeldt]]&amp;lt;ref&amp;gt;HAStK, Best. 210, A 172, fol. 89r.&amp;lt;/ref&amp;gt;) wurden zur Unterrichtung der Kinder verpflichtet. Allerdings geriet diese Verpflichtung mit der Zeit in Vergessenheit, so dass die [[Vikare]] höhere Gehälter erlangten. Die Verbindung zwischen Vikariat und Schulmeisteramt ging zwischenzeitlich mehr oder weniger unter. Durch den Stadtbrand 1620 wurde auch das Schulhaus zerstört. Zwei Jahre nach der Katastrophe, 1622, setzte das [[Domkapitel]] &#039;&#039;&amp;quot;zu besserer Aufferziehung der Jugent zu Zonß&amp;quot;&#039;&#039; einen Schulmeister aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath], Peter Lawenbergh, ein, der in den erhalten gebliebenen Räumen des [[Rathaus]]es unterrichten sollte. Er bekam das übliche Schulmeister-Geld, also wahrscheinlich den genannten Vikars-Zuschuss. Zudem wurden ihm 1–3 Morgen aus den Kirchenländereien zur üblichen Pacht überlassen, um landwirtschaftliche Nebeneinkünfte erzielen zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 153, S. 157–158.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte wieder der örtliche Vikar für ein Gehalt aus dem Benefizium der [[Bruderschaft &amp;quot;Unserer Lieben Frau&amp;quot; (ULF)|&amp;quot;Unserer-Lieben-Frau-Bruderschaft&amp;quot;]] die Pflicht, Unterricht für die Kinder des Ortes zu erteilen. Der Unterricht ist in der [[Vikarie]] neben der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Kirche]] gehalten worden. Als sich der Vikar 1760 weigerte, weiter zu unterrichten, wollte die Gemeinde die betreffende Schulurkunde im Pfarrarchiv heranziehen. Doch diese war angeblich gestohlen. Auch der Zugang zu verschiedenen Schriften des Archivs des [[Domkapitel]]s war der Stadt nicht möglich, so dass die Schule geschlossen werden musste. Die Unterrichtung der armen Kinder übernahm der [[Küster]], der bereits als Lehrer tätig war. Kinder reicherer Eltern erhielten Unterricht durch Privatlehrer.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 157–159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Studienstiftung durch den Vikar Martin Ortembach 1638 ===&lt;br /&gt;
1638 gründete der Zonser [[Vikare|Vikar]] [[Martin Ortembach]] eine Studienstiftung für einen Zonser am [https://de.wikipedia.org/wiki/Gymnasium_Laurentianum_K%C3%B6ln Gymnasium Laurentianum in Köln]. Diese Stiftung bestand noch um 1900 als Stiftung für höhere Studien. Das Gymnasium Laurentianum ist bereits 1798 geschlossen worden.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 159.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bemühungen um einen Lateinunterricht durch Franziskanerpatres Mitte des 17. Jahrhunderts ===&lt;br /&gt;
Seit die [[Franziskaner]] in Zons waren (1646), hatte man diese gebeten, eine höhere Schule bis zur Tertia zu errichten. Stets hatte man sich aufgrund der elenden Wohnung und der geringen Zahl der Priester entschuldigt. Gegen Ende des Jahres 1657 wandten sich [[Bürgermeister]], [[Schöffen]] und [[Stadtrat|Rat]] der Stadt an den Stifter des Klosters, den Domherrn [[Georg von Eyschen]], mit der Bitte, es möge nunmehr ein Pater zum Unterricht der Jugend in der lateinischen Sprache ernannt werden. Der Domherr stimmte zwar zu, doch kam es trotzdem nicht dazu.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, Nachlass Eschbach, Nr. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mädchenschule (ab 1659) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:mschule1.jpg|300px|thumb|right|Die ehemalige Mädchenschule am Hospitalplatz.]]&lt;br /&gt;
1659 wurde aufgrund einer Stiftung des Domherrn [[Georg von Eyschen]] eine Mädchenschule eröffnet. Erste Lehrmeisterin war eine Terziarin des Franziskanerinnenordens aus Köln, Elisabeth von Harhaus, die am 20. Juni eintraf. Da das Stiftungskapital nicht reichte, erhielt die neue Schulmeisterin 1688 vom [[Domkapitel]] zusätzlich eine Armenpröve. 20 Jahre später, 1708, wurde auf Antrag von [[Pfarrer]], [[Zollschreiber]] und [[Bürgermeister]] die nächstfreiwerdende Armenpröve den mittlerweile zwei Lehrerinnen auf Lebenszeit übertragen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 158–159.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schulgebäude, dessen Reparaturen vom [[Domkapitel]] im Allgemeinen getragen wurden, befand sich mindestens seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts am [[Hospitalplatz]] im heutigen Haus Hospitalplatz 1. In dem Haus wohnten auch die Lehrkräfte. Der [[Küster]] [[Johannes Peter Schwieren]] überliefert in seiner Chronik Namen und Daten zu verschiedenen Lehrerinnen:&lt;br /&gt;
Am 24. November 1735 begann eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesuiten Jesuitin] namens Schmitz ihren Unterricht an der Schule.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]], &amp;lt;23&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist offenbar nur wenige Jahre im Ort tätig gewesen, denn bereits am 9. Juli 1740 kamen zwei neue geistliche Jungfrauen, beide namens Strunts, in den Ort, um zwei Tage später den Unterricht aufzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]], &amp;lt;125&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1754 wurden sie entlassen, da sie zur Schule gehörendes Mobiliar verpfändet hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 159.&amp;lt;/ref&amp;gt; Knapp 14 Jahre später, am 6. Mai 1754, kam eine geistliche Jungfrau namens Müllers in den Ort und nahm zwei Tage darauf den Unterricht auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]], &amp;lt;294&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie hat nun offenbar auch Jungen unterrichtet, denn kurze Zeit später, am 30. Mai 1754, verbat der [[Schultheißen|Schultheiß]] [[Franz Bernhard Mappius]] der Lehrerin die Unterrichtung von Jungen, was dem [[Küster]] vorbehalten war, wie er auch umgekehrt dem [[Küster]] die Unterrichtung von Mädchen verbot.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]], &amp;lt;294&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits am 20. Juli des Jahres musste die Lehrerin den Ort &#039;&#039;&amp;quot;wegen Schwachheit ihres Haubts&amp;quot;&#039;&#039; wieder verlassen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]], &amp;lt;294&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Darauf kam am 2. August 1754 eine neue geistliche Lehrerin namens Maria Sybille Fischers in den Ort, um den Unterricht drei Tage später aufzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]], &amp;lt;295&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1759 bat sie das [[Domkapitel]], dem Küster zu verbieten, auch Mädchen in seine Knabenschule aufzunehmen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 159.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 1. April 1761 begann eine neue geistliche Lehrerin, Maria Anna Catharina Beyer, die Unterrichtung der Mädchen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]], &amp;lt;393&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit 1788 unterrichtete die Lehrerin [[Maria Anna Guilleaume]] für mindestens 30 Jahre an der Mädchenschule. Bei ihrer Anstellung war seitens des [[Domkapitel]]s zur Voraussetzung gemacht worden, dass &#039;&#039;&amp;quot;die neue Schuljungfer nicht nur in Hand-Arbeit, sondern auch in Gut Deutsch lesen und Schreiben erfahren und benebens kristliche Lehr zu halten&amp;quot;&#039;&#039; imstande sein musste. Auch hatte sie ihre Wohnung in dem Haus.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 159; Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 17, S. 19; Hans Pohl, &#039;&#039;Die Stadt Zons in der Zeit der französischen Herrschaft (1794–1814)&#039;&#039;, Teil 2, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 41–60, hier: S. 56.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf dem Lehrplan der Mädchenschule standen Deutsch, Französisch, Religion, Rechnen, Recht und Schönschreiben, Singen, Musik, Malen, Zeichnen, Nähen und Stricken. Das Kostgeld betrug 80 Reichstaler jährlich inklusive Wäsche.&amp;lt;ref&amp;gt;Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 17.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Schule bestand bis um 1820, zuletzt nur noch für Schülerinnen, deren Eltern nicht für das Schulgeld aufkommen konnten (wie auch der Küster noch bis um 1820 minderbemittelte Jungen unterrichtete). Seitdem wurden die Mädchen in der gemischten Schule in der [[Vikarie]] unterrichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Küsterschule seit dem 17. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Die durchgängige örtliche Tradition der Verbindung zwischen [[Küster]]dienst und Lehrtätigkeit reicht mindestens bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zurück: Am 4. August 1668 starb in Zons Christian Schmitz, der fast 30 Jahre [[Küster]] und [[Lehrer]] in Zons gewesen war.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 886 (dort irrtümlich &amp;quot;Ch&amp;quot; für &amp;quot;Christina&amp;quot; statt &amp;quot;Chn&amp;quot; für &amp;quot;Christian&amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei der Einstellung [[Johannes Hermann Schwieren]]s 1775 wurden die Lehrziele folgendermaßen umrissen: &#039;&#039;&amp;quot;indessen hätte mehrgedachter neuer Opfermann die Schule daselbst fleißigst zu halten, folglich daran zu seyn, damit die Jugent in der gehörigen Lehr so wohl, als denen Grundsätzen der Christ-Catholischer Religion und guter Sitten wohl unterwiesen werden.&amp;quot;&#039;&#039; Der Einwohner [[Matthias Aldenhoven]] wehrte sich im selben Jahr gegen die Unterrichtung seiner Kinder durch den neuen [[Lehrer]] mit dem Hinweis, dieser schlage die Kinder &amp;quot;ungebührlich&amp;quot;, und er selbst könne seine Kinder in der Rechenkunst unterrichten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 158 mit zugehöriger Anm. 899 auf S. 314.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da die Küsterschule nicht die einzige Schule in Zons war, ergab sich hieraus eine Konkurrenzsituation, was schon daran erkennbar ist, mit welcher Aufmerksamkeit der [[Chronisten|Chronist]] [[Johannes Peter Schwieren]] die Ankunft neuer Lehrerinnen oder deren Weggang und weitere Einzelheiten notierte. Im Mai 1754 verbat der Schultheiß dem [[Küster]] die Unterrichtung von Mädchen, wie auch umgekehrt der Lehrerin der Mädchenschule am [[Hospitalplatz]] die der Jungen. Dieses Verbot scheint der [[Küster]] in der folgenden Zeit nicht so beachtet zu haben, denn im Oktober 1759 bittet die Lehrerin beim [[Domkapitel]], der [[Küster]] möge keine Mädchen mehr in seine Schule aufnehmen. In französischer Zeit führte [[Johannes Hermann Schwieren]] eine Knabenschule, die von den Kindern vom 5. Lebensjahr bis zu ihrem Eintritt in die örtliche Primärschule (6. Lebensjahr) besucht wurde. Hier lernten die Schüler Buchstabieren, Lesen und die deutsche Schrift.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 158; Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 18.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis um 1820 unterrichtete der Küster Jungen, deren Eltern nicht für das Schulgeld der Primärschule aufkommen konnten. Zwischenzeitlich, 1812, hatte [[Küster]] [[Johannes Hermann Schwieren]] die Unterrichtung der unvermögenden Kinder plötzlich eingestellt, mit dem Hinweis, dies sei nicht seine Aufgabe als [[Küster]]. Der [[Vikare|Vikar]] [[Adam Ankenbrand]] konnte jedoch anhand der präsentierten Bestellungsurkunde des [[Domkapitel]]s belegen, dass er mit eben dieser Verpflichtung angestellt worden war.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 577, fol. 50r-v.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine &amp;quot;Privatschule&amp;quot; seit 1751 ===&lt;br /&gt;
Die [[Schwieren-Chroniken]] belegen eine Privatschule seit 1751: Anfang April des Jahres stellte [[Johannes Eberle]] beim [[Stadtrat]] den Antrag, eine Schule für Jungen und Mädchen eröffnen zu dürfen. Die Genehmigung erfolgte umgehend, und am 1. Juli 1751 begann er mit der Unterrichtung.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Schwieren-Chroniken]], &amp;lt;264&amp;gt;, &amp;lt;564&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wie lange Eberle als Lehrer tätig war bzw. wie lange die Privatschule existierte, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Jedenfalls wurde Eberle 1755 neuer Zonser [[Gerichtsschreiber]]; ein Amt, das er bis 1799 besetzte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Schwieren-Chr.&#039;&#039;, S. 235.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zudem war er seit den 1760er Jahren häufig [[Bürgermeister]] von Zons. Aufgrund seiner neuen, arbeitsreichen Verpflichtungen ist zu vermuten, dass er die Lehrtätigkeit wohl kaum noch nebenher bewerkstelligen konnte und die Schule daher wohl nur wenige Jahre existierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende der 1750er bis Anfang der 1760er Jahre taucht in den Zonser Kirchenbüchern der [[Lehrer]] Heinrich Schmitz auf.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 670, 868.&amp;lt;/ref&amp;gt; Möglicherweise war er der Nachfolger [[Johannes Eberle|Eberles]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die &amp;quot;Primärschule&amp;quot; seit Ende des 18. Jahrhunderts ===&lt;br /&gt;
Mindestens seit 1790 bestand in Zons eine &amp;quot;Primärschule&amp;quot; (auch &amp;quot;Lateinische Schule&amp;quot; genannt) unter dem Lehrer (&amp;quot;Praeceptor&amp;quot;) [[Franz Anton Sourilliot]], der aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kerpen Kerpen] gebürtig war. Möglicherweise war der 1788 verstorbene Zonser Lehrer Johann Ulrich sein Vorgänger.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Lehrer Johann Ulrich, gebürtig aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Laumesfeld Laumesfeld in Lothringen], starb am 27. März 1788 ledig im Alter von 58 Jahren: &#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 890.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Schule wurden 1807 36 Schulkinder (20 Jungen, 16 Mädchen) unterrichtet. Die Schulzeit betrug 5–6 Jahre. Auf dem Lehrplan standen Lesen und Schreiben (deutsch und französisch), Rechnen, Geschichte, Geografie, Tanzen und gymnastische Übungen. Im letzten Schuljahr erhielten die Jungen Unterricht in Latein (daher der Name der Schule), die Mädchen in Nähen, Stricken und anderen Handarbeiten. Unterrichtszeiten waren vormittags von 8–12 Uhr und nachmittags von 14–16 Uhr. Das Schulgeld betrug monatlich pro Kind 60 Centimes, in den beiden anderen Schulen jeweils 30 Centimes. Doch der Lehrer musste auch eine bestimmte Anzahl unvermögender Kinder unentgeltlich unterrichten.&amp;lt;ref&amp;gt;Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 17; Hans Pohl, &#039;&#039;Die Stadt Zons in der Zeit der französischen Herrschaft (1794–1814)&#039;&#039;, Teil 2, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 41–60, hier: S. 56–57.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1804 stiftete der 80-jährige ehemalige Zonser [[Vikare|Vikar]] [[Gabriel Mainzer]], der mittlerweile in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] wohnte, [[Franz Anton Sourilliot|Sourilliot]] neben den vikarischen Einkünften einen jährlichen Gehaltszuschuss von 180 Francs und stellte die [[Vikarie]] an der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirche]] zur Erteilung des Unterrichts zur Verfügung. Seitdem fand der Unterricht dort statt. Da das Einzugsgebiet nicht nur Zons umfasste, stieg die Zahl der Schüler rasch. Wie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagener] [[Chronisten|Chronist]] [[Johann Peter Delhoven]] 1811 berichtet, gingen zu dieser Zeit viele Kinder im Alter von 10–14 Jahren aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] nach Zons, um dort Französisch zu lernen. Nach dem Tod des [[Vikare|Vikars]] [[Gabriel Mainzer]] übernahm sein Amtsnachfolger die Bezahlung des [[Lehrer|Lehrers]] aus den Kircheneinkünften.&amp;lt;ref&amp;gt;Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 18.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Franz Anton Sourilliot stand der örtlichen Geistlichkeit sehr kritisch gegenüber. Und so war sein Verhältnis zum [[Pfarrer]] [[Gereon Joseph Löhr]] und zum [[Vikare|Kaplan]] [[Adam Ankenbrand]] Mitte der 1810er Jahre angespannt, wie es [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] aufgrund der Kirchenratsprotokolle aus der Zeit zusammenfasst&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 159–160.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;[An der Spitze der dem [[Pfarrer]] [[Gereon Joseph Löhr]] übelgesinnten Personen stand] [[Franz Anton Sourilliot|Franz Anton Sourillot]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kerpen Kerpen], der zur Aushülfe des 80jährigen [[Lehrer]]s [[Gabriel Mainzer]] nach Zons gekommen war. [[Franz Anton Sourilliot|Sourillot]] war ein verkommener Mensch, verspottete die Religion, verhöhnte die Geistlichkeit, hielt die Schulkinder aus der Kirche und ließ zur Mittagszeit Jungen und Mädchen, unter denen auch viele von 14 und 15 Jahren von auswärts waren, allein; [[Pfarrer]] [[Gereon Joseph Löhr|Löhr]] war, wie er selbst bezeugt, &#039;Augen- und Ohrenzeuge, daß die Jungen die wüsten Kosacken zu den Mädchen in die Schule einluden, um mit denselben Unverschämtheiten zu treiben.&#039; [[Vikare|Kaplan]] [[Adam Ankenbrand]], der dem [[Pfarrer]] im Kampfe [gegen die Ungläubigen] treu und wacker zur Seite stand, sagte in der [[Kirchenvorstand|Kirchenratssitzung]] vom 9. Februar 1815 öffentlich aus, &#039;daß die Jugend bis zum Erstaunen ausgeartet würde&#039;, und brachte diese Aussage zu Protokoll.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Entwicklung in der Preußischen Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1815–1918) ==&lt;br /&gt;
=== Allgemeines ===&lt;br /&gt;
Mit Beginn der Preußischen Zeit wurde die Lehrerbildung reformiert. Auf dem Lehrplan der Normalschule standen Religion und Sittenlehre, Schönschreiben, Deutsch, Rechnen, Landmesskunde, Naturkunde, Erdkunde, Geschichte, Zeichnen, Klavierspielen, Choralgesang und Obstbaumzucht. Hierbei wurde mit der Obstbaumzucht die Aufbesserung der Lehrergehälter angestrebt. Eine Verordnung vom 20. März 1816 schrieb vor, dass jede Schule einen Schulvorstand haben musste, der sich aus dem örtlichen [[Pfarrer]], dem Vorsitzenden und zwei bis drei Familienvätern zusammensetzte. Wenig später wurde der [[Bürgermeister]] zweiter Vorsitzender. Die Aufgabenverteilung zwischen [[Pfarrer|Ortspfarrer]] und [[Bürgermeister]] sah so aus, dass Ersterer die inneren Schulangelegenheiten, Letzterer die äußeren zu betreuen hatte. Dem Schulvorstand oblag die Aufsicht über die Schule, die [[Lehrer]], den Schulbesuch und alle mit der Unterrichtung und Erziehung zusammenhängenden Dinge. Zusätzlich gab es in den größeren Schulbezirken geistliche Schulpfleger zur Beaufsichtigung und Betreuung.&amp;lt;ref&amp;gt;Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 18–19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eine &amp;quot;Winkelschule&amp;quot; in den 1820er Jahren ===&lt;br /&gt;
In den 1820er Jahren ging der Landrat gegen eine sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Winkelschule Winkelschule] in Zons vor: Den Unterricht erteilte hier eine Frau, die &#039;&#039;&amp;quot;bei der vorherigen Lehrerin mehr als Magd, als als Gehilfin gedient hat&amp;quot;&#039;&#039;. Die Aufnahme von Kindern über 8 Jahre war untersagt. Da dies nicht konsequent befolgt wurde, kontrollierte der Landrat die Schule wöchentlich in Begleitung des Polizeidieners. Der Landrat meldete am 10. Februar 1825 an die Regierung: &#039;&#039;&amp;quot;noch kürzlich habe ich ein Kind von 12 Jahren und zwei Kinder von 10 Jahren darin gefunden, was mich bewogen hat, zu verordnen, daß, insofern dieser Fall noch einmal eintreten möchte, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Winkelschule Winkelschule] ohne weiteres geschlossen werden soll&amp;quot;&#039;&#039;. Es ist nicht bekannt, wie lange diese [https://de.wikipedia.org/wiki/Winkelschule Winkelschule] existierte.&amp;lt;ref&amp;gt;Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 21–23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Schule der jüdischen Gemeinde ===&lt;br /&gt;
Bereits 1720 hatte in Zons eine Synagoge mit einem eigenen Schulmeister existiert. Nachdem er in diesem Jahr weggezogen war, gestattete das [[Domkapitel]] nicht mehr, die Synagoge weiter zu unterhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 149.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat die örtlich bedeutende [[Jüdische Gemeinde|jüdische Gemeinde]] zeitweilig eine eigene Schule unterhalten, denn in den Zivilstandsregistern der Zeit tauchen jüdische Lehrpersonen auf: im Geburtsregister 1802 der Jude Judas Simon, von Beruf &amp;quot;Jud-Schullehrer&amp;quot;,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 618.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1811 der jüdische Lehrer Samuel Seckel,&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Pohl, Die Stadt Zons in der Zeit der französischen Herrschaft (1794–1814), Teil 2, in: BlGZSt, Bd. V (1987), S. 41–60, hier: S. 55&amp;lt;/ref&amp;gt; und am 12. August 1813 starb in Zons der Lehrer Moses Frank, geboren um 1738 auswärts&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 871.&amp;lt;/ref&amp;gt;. 1816 heißt es, die jüdische Gemeinde habe keine eigene Schule.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;RhStAZ&#039;&#039; (1990), S. 12.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Adressbuch von 1844 nennt für den Ort den &amp;quot;israelitischen Lehrer&amp;quot; Heymann Bein.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich Meyer (Bearb.): &#039;&#039;Adreß-Buch für den Regierungsbezirk Düsseldorf&#039;&#039;, Elberfeld 1844, S. 247.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1849 unterrichtete der Lehrer Louis Pollitz in Zons, wahrscheinlich ebenfalls an der jüdischen Schule.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 339. Er wird in den Zonser Zivilstandsregistern als Zeuge bei der Geburtsanzeige eines illegitimen Kindes von Pauline Kaufmann genannt (Geburt am 10. Februar 1849), zweiter Zeuge war Moses Herz.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Quellen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts berichten, dass die jüdische Schule in Zons wie die Synagoge regelmäßig betrieben und durch das Krefelder Konsistorium überwacht wurde. Leider ist mangels Quellen und entsprechender Untersuchungen über diese Schule nichts Näheres bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 18; Hans Pohl, &#039;&#039;Die Stadt Zons in der Zeit der französischen Herrschaft (1794–1814)&#039;&#039;, Teil 2, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 41–60, hier: S. 55; Heinz Pankalla, &#039;&#039;Zur Geschichte der jüdischen Mitbürger und der Synagogengemeinde Zons-Dormagen&#039;&#039;, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1985 (= &#039;&#039;HSStD&#039;&#039; Nr. 5), Neuss 1985, S. 10–59, hier: S. 24–25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zur Entwicklung der Elementarschule/Volksschule 1815–1870&amp;lt;ref&amp;gt;Die folgenden Ausführungen basieren, wenn nicht anders angegeben, auf der Ausarbeitung von Gladden: Christa Gladden, ’’Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit Beginn des 19. Jahrhunderts’’, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Franz Anton Sourilliot]] wechselte am 17. November 1817 als Elementarschullehrer von Zons an die Elementarschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen]. Zu diesem Zeitpunkt oder kurze Zeit darauf muss [[Johann Josef Nasheuer]] seine Nachfolge angetreten haben: Am 5. Dezember 1820 leitete der Schulpfleger, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagener] Pastor Kreißel, ein Gesuch von [[Johann Josef Nasheuer|Nasheuer]] an die Kirchen- und Schulkommission in [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] weiter, in dem jener um die Anstellung als [[Lehrer]] in Zons bat. Der Schulpfleger betonte in seinem Begleitschreiben, dass der [[Lehrer]] bereits seit einiger Zeit in Zons unterrichtet und sich dabei durch Fleiß, Geschicklichkeit und gute Sitten hervorgetan habe, so dass er die Liebe der Einwohner und des Schulvorstands gewonnen habe. Nach Ablegung der vorgeschriebenen Prüfung in [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] wurde seine Anstellung genehmigt. Er erhielt einen Garten&amp;lt;ref&amp;gt;Wahrscheinlich handelte es sich um den Lehrer-Garten auf Sektion O 680, 39 Ruten und 6 Fuß groß, den die Gemeinde nach Bezug des früheren Franziskanerklosterareals 1830 verkaufte (AiRKN, Do 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 79, fol. 65r-v).&amp;lt;/ref&amp;gt; und fünf Morgen Land zur freien Benutzung sowie ein Gehalt von 82 Talern (davon zahlte die Gemeinde 22, die Kirche 60 Taler).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:vikarie1.jpg|300px|thumb|right|Auf dem Standort der 1863 erbauten neuen Vikarie am Kirchplatz befand sich die alte Vikarie mit der Schule.]]&lt;br /&gt;
Nach wie vor befand sich die Schule in der [[Vikarie]] neben der [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Pfarrkirche]]. Dieses Gebäude wird folgendermaßen beschrieben: Es ist &#039;&#039;&amp;quot;mäßig von 1 ½ Fuß starker Mauer aufgeführt; es hat im ganzen eine äußere Länge von 32 ½ Fuß und 21 ½ Fuß breit, und besteht aus 2 Stockwerken, wovon der untere 8 Fuß, der obere 7 ½ Fuß hoch ist. Es ist mit einem Kellergewölbe versehen von 17 lang und 10 breit. In der unteren Etage befindet sich das Schulzimmer&amp;quot;&#039;&#039;. Das Schulzimmer selbst wird in einem Schreiben des &amp;quot;Kreisphysikus&amp;quot; vom 1. Juli 1824 wie folgt beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;ungefähr 15 Fuß breit, 26 Fuß lang und 7 Fuß hoch. An der Nordseite sind zwei Fenster, die ungefähr 9 Fuß hoch sind. An der Ostseite sind drei Fensterchen und ebenfalls an der Westseite, wovon vier kaum diesen Namen verdienen. Es waren in der Schule 81 Kinder gegenwärtig, im Winter soll die Anzahl derselben nach Aussage des [[Lehrer]]s auf 190 steigen. Das ganze Schulhaus, die Wohnung des Schullehrers mit einbegriffen, schien mir sehr baufällig und einer guten und dauerhaften Reparatur unfähig zu sein. Wenn ein Unterrichtszimmer für 100 Kinder wenigstens 23 Fuß lang und breit und 12 Fuß hoch sein muß, so ergibt sich daraus klar, daß der Raum in der Schule mit der versammelten Kindermenge nicht in gehörigem Verhältnis steht und daß der mehr oder minder längere Aufenthalt darin durch Verderbnis der Luft der Gesundheit der Kinder und des [[Lehrer]]s nachteilig sein muß.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Lehrer]] [[Johann Josef Nasheuer|Nasheuer]] selbst wandte sich in dieser Angelegenheit an die Regierung: &#039;&#039;&amp;quot;Was meine eigene Person anbetrifft, so habe ich in dem Local meine Brust so verdorben, daß ich es unmöglich länger darin aushalten kann.&amp;quot;&#039;&#039; Auch könne aufgrund des Raummangels nur die Hälfte der schulfähigen Kinder unterrichtet werden. Am 24. November 1823 hatte bereits der Landrat einen Antrag auf Neubau eines Schulhauses in Zons gestellt und in diesem vorgeschlagen, das Haus der Mädchenschule am [[Hospitalplatz]], das er für ein Schulhaus für nicht geeignet ansah, und das [[Rathaus]], &#039;&#039;&amp;quot;welches eben keinen Wert für den Gebrauch von der Gemeinde hat&amp;quot;&#039;&#039;, zu verkaufen und für den Erlös das alte [[Franziskanerkloster]] nebst zugehörigem Garten am [[Juddeturm]] zu erwerben. Das [[Franziskanerkloster]] sei &#039;&#039;&amp;quot;zwar nicht in dem Zustand, daß dasselbe gleich zur Schule gebraucht werden kann, indessen ist dasselbe, wie sich aus der Beschreibung des Bauleiters Westphal ergibt, nicht nur hinlänglich geräumig, um dieselbe sowie den Saal für künftige Versammlungen des [[Stadtrat|Gemeinderates]] darin vollständig einrichten zu können, sondern auch starker guter Bauart. Dabei liefert der große Garten hinter dem Gebäude Platz für eine Obstbaumschule und einen Garten für den [[Lehrer]] und der freie Platz vor dem Gebäude Raum zur Errichtung eines Spielplatzes.&amp;quot;&#039;&#039; Am 7. Dezember 1823 erfolgte die Genehmigung des Gemeindegebäude-Verkaufs und des Klostererwerbs. Am 20. Dezember 1823 gab [[Bürgermeister]] [[Anton Baaden]] den öffentlichen Verkauf von [[Rathaus]] und Schule am 15. Januar 1824 bekannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger (der Regierung Düsseldorf), Nr. 123 vom 29. Dezember 1823, Mitteilung Nr. 1690.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da jedoch nicht genug geboten wurde, sah man vorläufig von einem Verkauf ab (s.u.). 1824 willigte auch die Eigentümerfamilie Steinberger in den Verkauf des Klostergebäudes für 1.250 Reichstaler ein. Nicht nur aufgrund der Finanzierungsfrage zogen sich die Verhandlungen noch Jahre hin: Eine zweckmäßigere Alternative schien nach Meinung des [[Bürgermeister]]s [[Anton Baaden]] die Errichtung eines ganz neuen Gebäudes auf gemeindeeigenem Land für unter 2.000 Taler zu sein. Ein weiterer Alternativvorschlag war der Tausch der [[Vikarie]] gegen das Gebäude der ehemaligen Mädchenschule am [[Hospitalplatz]] mit der Kirche. Anschließend sollte das [[Vikarie|Vikariatsgebäude]] abgerissen werden und an seiner Stelle das neue Schulhaus entstehen. Am 8. August 1826 willigte der Kölner Erzbischof in den Tausch ein. Doch im [[Stadtrat|Gemeinderat]] kam über den Neubau keine Einigung zustande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Landrat hatte [[Johann Josef Nasheuer|Nasheuer]] vor diesem Hintergrund bereits zuvor beauftragt, bis zur Klärung der Angelegenheit eine vorläufige Alternative für das völlig unzureichende Schulgebäude zu finden. So wurde der Saal der Schankwirtschaft Boes (spätere [[Gaststätte &amp;quot;Zum Feldtor&amp;quot;]] an der [[Schloßstraße]]) für eine monatliche Miete von 6 Reichstalern nach entsprechender Genehmigung der Regierung 1825 durch den Landrat für diesen Zweck gemietet. Gemeinde- und Schulrat beschwerten sich über diese Maßnahme, da der Unterricht durch den Gewerbebetrieb des Hauseigentümers gestört werde. Doch da das Schulzimmer getrennt von der Wirtschaft auf der ersten Etage des Gebäudes lag und zudem an den gewöhnlichen Tagen in der Woche Ruhe herrschte, wurde diese Beschwerde abgewiesen. Der Gemeinde- und Schulrat beschloss am 17. Oktober 1827, das Monats-Schulgeld der 150 Schulkinder in Höhe von jeweils 3 Silbergroschen, das der Gemeindediener einzusammeln hatte, dem [[Lehrer]] zukommen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Unterrichtung von 150 Schulkindern eine große Belastung bedeutete, bat der Landrat 1828 bei der Regierung um die Zubilligung einer Hilfskraft. Diese genehmigte daraufhin die Anstellung des 23 Jahre jungen [[Peter Wilhelm Sticker]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Holzb%C3%BCttgen Holzbüttgen], der 2 ½ Jahre das Lehrerseminar in [https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChl_%28Rheinland%29 Brühl] besucht und sich am 29. April 1828 beim Landrat um diese Stelle beworben hatte. Als Unterlehrer wurde sein Gehalt auf 40 Reichstaler festgesetzt, während ihm [[Lehrer]] [[Johann Josef Nasheuer|Nasheuer]] freie Kost und Unterkunft gewähren musste. Der gemietete Schulsaal wurde nun durch eine Bretterwand für die zwei Klassen unterteilt. Kurz später musste man die Bretterwand durch einen Steinmauer ersetzen, da sich beide Klassen gegenseitig störten. Unterrichtet wurde in Religion, Deutsch, Zeichnen, Rechnen, Gesang, Lesen, Schönschreiben, Leibesübungen und Handarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem [[Lehrer]] [[Johann Josef Nasheuer|Nasheuer]] am 2. Oktober 1828 37-jährig an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung gestorben war (offenbar als Folge der ungenügenden Raumsituation in der Schule), wurde [[Peter Wilhelm Sticker|Sticker]] am 20. Januar 1829 von der Regierung zum Elementarschullehrer ernannt. Bereits während der Krankheit von [[Johann Josef Nasheuer|Nasheuer]] hatte er den Unterricht in beiden Klassen erteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischenzeitlich, in der Sitzung vom 2. November 1828, besprach der [[Stadtrat|Gemeinderat]] mögliche Einnahmen durch den Verkauf von Immobilien zugunsten der geplanten neuen Schule: Der Verkauf der Wohnung des verstorbenen [[Lehrer]]s [[Johann Josef Nasheuer|Nasheuer]] sowie des [[Rathaus]]es könne 500 Taler einbringen, obwohl beide Immobilien &#039;&#039;&amp;quot;bereits vor einigen Jahren zum Verkauf ausgestellt und noch keine 500 Thaler dafür gebothen worden sind&amp;quot;&#039;&#039;. Zudem wurde in den Sitzungen 1829 angesichts der ungünstigen Finanzlage immer wieder über den Verkauf verschiedener Wachtürmchen an der Stadtmauer diskutiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem neuen [[Bürgermeister]] [[Franz Michael Fischer]] wurde 1829 wieder über den Kauf des [[Franziskanerkloster]]s diskutiert. Man sah es als Vorteil an, dass in dem Gebäude die Schule mit zwei Unterrichtsräumen und je einer Wohnung für den Ober- und Unterlehrer und zudem das Bürgermeisteramt und eine Vikarswohnung eingerichtet werden konnten. Ferner stand dort jeweils für den Oberlehrer wie für den [[Vikare|Vikar]] ein Garten zur Verfügung. Zur Finanzierung wurde in den Sitzungen 1829 wiederholt der Verkauf verschiedener Wachtürmchen an der Stadtmauer diskutiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 13. April 1829 wandte sich der Landrat in der Schulgebäude-Angelegenheit an die Regierung, die am 25. Juni des Jahres eine Kommission zur Untersuchung des Klostergebäudes nach Zons sandte und nach positivem Urteil derselben den Kauf nur zwei Tage darauf verfügte. Am 5. Oktober 1829 erwarb die Gemeinde daraufhin das ehemalige Kloster mit notariellem Akt für 961 Reichstaler, also deutlich unter dem 1824 veranschlagten Kaufpreis (1.250 Reichstaler). Die Urkunde&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Notare, Repertorium 428, Nr. 7369.&amp;lt;/ref&amp;gt; lautet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Vor Martin Liessem, für den Landgerichtsbezirk von Düsseldorf im Herzogthum von Berg angestellten Königlichen Notar, in Dormagen wohnhaft, in Gegenwart der Herrn [[Franz Aldenhoven]], [[Schloss Friedestrom|Gutsbesitzer]], in Zons wohnhaft, und Johann Schmitz, Ackersmann, in Dormagen wohnhaft, hiezu besonders ersuchten Zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sind erschienen: die Herren Jacob Steinberger, Gutsbesitzer, in Dormagen wohnend, [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Adolph_Steinberger Adolph Steinberger], Oberbürgermeister der Stadt Cöln, allda wohnhaft, und Frau Elisabeth geborene Schmitz, Wittwe von Herrn Joseph Steinberger, Rentnerinn, in Zons wohnhaft, letztere handelnd in eigenem Namen und als natürliche und gesetzliche Vormünderinn ihrer noch drey minderjährigen, mit ihrem genannten verstorbenen Ehegatten gezielten Kinder, benenntlich: Amalia, Regina und Adolph Steinberger, sämtlich ohne Gewerb bey ihrer Mutter domiziliirt; sodann die vier großjährigen Kinder der gedachten Wittwe Joseph Steinberger, namentlich: Fräulein Elisabeth, Jacobina, Agnes und Herr Michel Steinberger, sämtlich ebenfalls ohne Gewerb, erstere in Köln und letztere in Zons wohnhaft, als Verkäufer an einer; - ; - ;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und der Herr [[Franz Michael Fischer|Michael Fischer]], Gutsbesitzer, wohnhaft zu Jussenhoff bey Dormagen, in seiner Eigenschaft als [[Bürgermeister]] der Gemeinde Zons, vertretend diese Gemeinde als Ankäuferinn an der anderen Seite, in Gefolg der demselben ertheilten Authorisation der Königlichen Hochlöblichen Regierung zu Düsseldorf, mittelst zweier Verfügungen vom sieben und zwanzigsten Juny dieses Jahrs No. 3557 und ersten September letzhin No. 4709, Abtheilung des Innern, wodurch die Genehmigung zum Ankauf des ehemaligen [[Franziskanerkloster|Franziskaner Klosters]] in Zons ertheilt, und in Gefolg landräthlicher Authorisation vom dritten July letzhin No. 2771 und zehnten September letzhin No. 3737, der Herr [[Bürgermeister]] [[Franz Michael Fischer|Fischer]] von Dormagen, Zons und Nievenheim zum Abschluß dieses Ankaufs, vorbehaltlich der Ratifikation durch die gedachte Königliche Regierung, ermächtigt worden.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Und haben erklärt, folgenden Verkauf und Kauf-Akt abgeschlossen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Es verkaufen und übertragen nemlich die obbenannten ErstComparenten hiemit dem ganzen vollen und unwiderruflichen Eigenthum nach, und mit dem Versprechen der vollständigen Gewahrleistung für alle Schulden, Hypotheken, Grundrenten und andere Hinderniße, an die Gemeinde Zons, wofür der Herr [[Bürgermeister]] [[Franz Michael Fischer|Fischer]] acceptirt, das in Zons gelegene [[Franziskanerkloster|Franziskaner Kloster]], den Kloster Garten, den vordern Platz bis zur Straße, samt allen den darauf stehenden Gebäulichkeiten, liegenden Baumaterialien und Steinen, so wie die Verkäufer es bisheran besessen und in dem Zustande, wie es sich dermalen befindt, und zwar nach der Mühlengassen Seite mit dem vollen Besitz der Garten Mauer, doch mit Ausschluß des außer derselben gelegenen leeren Plätzchens, dann nach der Seite der Schloßmauer, bis an diese Mauer schießend, mit Ausschluß dieser Mauer; so daß die Gemeinde Zons vom Tage der vorbehaltenen Ratifikation an, mit diesen ihr verkauften Gegenständen als wie mit ihrem vollen Eigenthum schalten und walten möge, und alle Steuern und Lasten davon zu tragen habe.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In Ansehung der Minderjährigkeit der drey Kinder vom verstorbenen Herrn Joseph Steinberger machen sich die Mutter sowie die beiden mitverkaufenden Oheimen derselben für die gedachten drey Minderjährigen stark, und verpflichten sich solidarisch in dieser Hinsicht der Gemeinde alle nöthige Gewährleistung, so wie auch die Einwilligung der Minderjährigen, nach erreichter Großjährigkeit beizubringen, und alle aus dem Abgange einer solchen Einwilligung für die ankaufende Gemeinde Zons in der Folge entstehen mögenden Nachtheile zu vertreten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Verkäufer sind Eigenthümer der verkauften Gegenstände, in Gefolg der bey der Präfektur zu Aachen am zehnten und zwölften Vendemiaire Jahrs zwölf gefertigten und daselbst innregistrirten Versteigerungs- respective Command Erklärungs-Protokolle, welche so wie auch die darauf bezüglichen Quittungen der Herr [[Bürgermeister]] [[Franz Michael Fischer|Fischer]] bescheinigt von den Verkäufern empfangen zu haben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Der gegenwärtige Verkauf geschah um den vereinbarten Kaufpreis von Neun Hundert Ein und Sechszig Thaler preuß. Courant, welche die Gemeinde Zons sich verbindet, in drey gleichen Terminen nebst den ratirlichen Zinsen zu Fünf vom Hundert vom heutigen Tage an zu rechnen, wovon der erste Termin am Fünfzehnten Dezember nächsthin, die beiden übrigen am Fünften Oktober der Jahre Achtzehnhundert Dreißig und Achtzehn Hundert Ein und Dreißig erfallen, zu entrichten.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Diese Zahlungen geschehen zu Händen des Herrn Oberbürgermeisters [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Adolph_Steinberger Adolph Steinberger], der Kraft des gegenwärtigen Akts als besonders hierzu ernannten und bevollmächtigten Empfänger in klingendem Preußisch Courant, und im Falle die Gemeinde diese Verpflichtung nicht genau erfüllt, macht sie sich zur Schadloshaltung, zu Verzugszinsen und sonstiger Nachtheile verbindlich.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Die Gemeinde Zons übernimmt alle Kosten des jetzigen Ankaufs, des Stempels und die der Sicherstellung ihres erworbenen Eigenthums.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...] Geschehen zu Zons den fünften Oktober Achtzehn Hundert Neun und Zwanzig, und ist dieser Akt von den dem Notar wohl bekannten Kontrahenten, dem Zeugen und dem Notar nach der Vorlesung unterschrieben worden.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Um- und Erweiterungsarbeiten am ehemaligen [[Franziskanerkloster]] durch den Bauunternehmer J. P. Strohn aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbach Urdenbach]&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Do 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 80, fol. 7v-8r, fol. 23r-v.&amp;lt;/ref&amp;gt; und unter Leitung des genannten Bauleiters (&amp;quot;Communal-Bau-Conducteur&amp;quot;) Westphal nach einem Kostenvoranschlag vom 12. Februar 1830 zogen sich nach den Gemeinderatsprotokollen über mehrere Jahre hin. Um nötiges Baumaterial zu gewinnen, beschloss der Rat im März 1830, die Stadtmauer vom [[Rheintor]] bis zur [[Windmühle]] um drei Fuß (knapp einen Meter) abzutragen. – Die Bauabnahme als Voraussetzung für den geplanten Einzug von Gemeinderat und Elementarschule war laut den Gemeinderatsprotokollen mit Sicherheit nicht vor 1832, denn zur Sitzung am 28. Januar 1832 wird bemerkt, der Schulbau sei noch nicht vollendet und unterliege noch der Schlussrevision. Die Gebäudeabnahme dürfte jedoch noch im selben Jahr erfolgt sein.&lt;br /&gt;
[[Datei:fklost01.jpg|300px|thumb|right|Der Gebäudekomplex am Juddeturm von der Feldstraße aus gesehen ca. 1910/14.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 1837 unterrichtete [[Lehrer]] [[Peter Wilhelm Sticker|Sticker]] die Elementarschulkinder alleine, seit diesem Jahr half ihm der älteste Sohn des verstorbenen [[Lehrer]]s [[Johann Josef Nasheuer|Nasheuer]], der erst 16-jährige Heinrich Hubert Nasheuer, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Zudem übernahm Nasheuer jun. an den Urlaubstagen sogar die Lehrervertretung. Nachdem sich der Landrat hierüber bei der Regierung ausgelassen hatte, wurde Ende April 1837 ein neuer Unterlehrer angestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Am 28. März 1837 gab der Schulvorstand bekannt, dass die Unterlehrerstelle Anfang Mai &amp;quot;erledigt&amp;quot; sei (Öffentlicher Anzeiger Nr. 30 vom 5. April 1837, Mitteilung Nr. 305.&amp;lt;/ref&amp;gt; Offenbar war man mit dem gefundenen Kandidaten, dessen Name nicht bekannt ist, nicht zufrieden, denn bereits am 6. Juli 1837 gab [[Lehrer]] [[Peter Wilhelm Sticker|Sticker]] erneut bekannt, dass die Unterlehrerstelle wieder zu besetzen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 68 vom 25. Juli 1837, Mitteilung Nr. 734.&amp;lt;/ref&amp;gt; Und auch danach erfolgten in regelmäßiger Folge öffentliche Ausschreibungen der Stelle, und zwar am 11. April 1839, am 17. Februar 1841 und am 1. März 1842.&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 34 vom 18. April 1839, Mitteilung Nr. 421; Öffentlicher Anzeiger Nr. 18 vom 22. Februar 1841, Mitteilung Nr. 176; Öffentlicher Anzeiger Nr. 27 vom 14. März 1842, Mitteilung Nr. 283.&amp;lt;/ref&amp;gt; Offenbar war es zu der Zeit besonders schwierig, einen geeigneten Kandidaten für diese Stelle zu finden. Sicherlich ab 1842 bis spätestens 1844 unterrichtete der Zonser [[Hubert Ross]] als Unterlehrer an der Elementarschule.&amp;lt;ref&amp;gt;Er trat mit dieser Angabe als Trauzeuge bei der Eheschließung seines Bruders Johann Wilhelm Ross mit Maria Elisabeth Fleischhauer in Zons am 31. Juli 1843 auf: &#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 613. Und er wird in der Funktion auch noch in einem Adressbuch von 1844 aufgeführt: &#039;&#039;Adreßbuch des Kreises Neuß&#039;&#039;, Neuss (1844), S. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch erst 1844 hatte man eine längerfristige Lösung gefunden: Die Regierung gab am 22. Juli 1844 bekannt, dass die Unterlehrerstelle neu mit [[Hermann Heller]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_(Kerpen) Horrem bei Kerpen] besetzt sei, der vorher in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kenten Kenten] unterrichtet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 43 vom 22. Juli 1844, Mitteilung Nr. 738.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Eingabe des Schulvorstands bei der Regierung im März 1841 wurde zusätzlich zu den bestehenden Unterrichtseinheiten eine Näh- und Strickschule eingerichtet, die von den Mädchen aus dem Ort und dem benachbarten [[Stürzelberg]] nach Schulschluss zu besuchen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1848 bat [[Lehrer]] [[Peter Wilhelm Sticker|Sticker]] um seine Entlassung aus dem Schuldienst. Da mittlerweile 250 Kinder die Schule besuchten, ließ die Genehmigung zur Anstellung eines Nachfolgers nicht lange auf sich warten. Doch da die Gemeinde sich weigerte, für das Gehalt des neu anzustellenden Lehrers aufzukommen, wurde zunächst ein Schulamtsaspirant angeworben, um dem [[Lehrer]] [[Hermann Heller|Heller]] die notwendige Hilfe zu leisten.&amp;lt;ref&amp;gt;Am 26. Januar gab [[Bürgermeister]] [[Peter Matthias Schumacher]] öffentlich bekannt, dass die Stelle zum 1. April wieder zu besetzen sei (Öffentlicher Anzeiger Nr. 10 vom 1. Februar 1848, Mitteilung Nr. 153).&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst am 9. Oktober 1849 änderte sich die Situation mit der Anstellung von [[Wilhelm Odaniel]] als neuer [[Lehrer]] der Oberklasse, der vorher in der Schule [https://de.wikipedia.org/wiki/Hamm_%28D%C3%BCsseldorf%29 Düsseldorf-Hamm] unterrichtet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Regierung gab die Besetzung auf zwei Jahre auf Probe mit dem Schulamts-Kandidaten Odaniel am 31. Dezember 1849 bekannt (Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 87 vom 31. Dezember 1849, Mitteilung Nr. 1933).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Gehalt beider [[Lehrer]] wurde auf jeweils 240 Taler festgesetzt, das vierteljährlich aus der Gemeindekasse zu zahlen war. Der neue [[Lehrer]] wurde u.a. verpflichtet, die Kinder täglich während der Schulstunden, an Sonn- und Feiertagen während des Vor- und Nachmittaggottesdienstes und bei den örtlichen Prozessionen zu beaufsichtigen und ihre Gebete und Gesänge zu leiten. [[Lehrer]] [[Wilhelm Odaniel]] starb bereits 1852. Ein Schulamtsaspirant namens Gumpertz hatte ihn während seiner Krankheit vertreten und führte den Unterricht auch noch fort, bis am 30. Juli 1853 [[Johann van Royen]], bisher [[Lehrer]] an der Schule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkrath Erkrath], zunächst für zwei Jahre auf Probe, neuer Oberlehrer wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Mitteilung über die Anstellung Johann van Royens im Amtsblatt der Regierung Düsseldorf Nr. 47 vom 29. August 1853, Mitteilung Nr. 1158.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1850er Jahren unterrichtete auch der Zonser [[Organisten|Organist]] [[Franz Füsgen]] als [[Lehrer]] (1853 belegt).&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 232.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings ist nicht klar, ob und wie eine Verbindung zur Volksschule bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Johann van Royen]]s Vertrag wurde mit Auslauf seiner Probezeit 1855 nicht verlängert.  Gegen seine Kündigung erhob sich Protest seitens einiger [[Stadtrat|Gemeinderatsmitglieder]] sowie einiger Familienväter, der schriftlich bei der Regierung eingereicht wurde. Nach negativem Bescheid von dort wandten sich die Einwohner sogar an den Oberpräsidenten in Koblenz, jedoch auch hier erfolglos. Am 16. Juli des Jahres erfolgte die neue Ausschreibung der mit 240 Talern dotierten Lehrerstelle durch [[Pfarrer]] [[Carl Joseph Neesen]] und [[Bürgermeister]] [[Josef Hanstein]].&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 55 vom 20. Juli 1855, Mitteilung Nr. 1059.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kurz nach dieser Ausschreibung hat der Schulvorstand entschieden, die 222 Kinder der Elementarschule neu von zwei auf drei Klassen aufzuteilen: eine Ober-Knabenklasse unter der Leitung von [[Hermann Heller]], eine Ober-Mädchenklasse unter der Leitung einer neu anzustellenden Lehrerin ([[Maria Große]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Paderborn Paderborn], zunächst provisorisch für zwei Jahre, durch Urkunde der Regierung vom 23. November 1855&amp;lt;ref&amp;gt;Ihre Anstellung wurde im Amtsblatt der Regierung Düsseldorf Nr. 72 vom 31. Dezember 1855 bekanntgegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;) und eine gemischte Unterklasse unter der Leitung des Schulamtsaspiranten [[Caspar Fleischhauer]] aus Zons. Das Gehalt des [[Lehrer]]s [[Johann van Royen|van Royen]] wurde unter den beiden neuen Lehrpersonen aufgeteilt; und zwar erhielt [[Maria Große|Große]] 140 und [[Caspar Fleischhauer|Fleischhauer]] 100 Taler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Maria Große]] und [[Caspar Fleischhauer]] unterrichteten bis spätestens 1868 an der Elementarschule; seit diesem Jahr erteilten [[Franziskanerinnen|Ordensschwestern aus dem örtlichen Franziskanerkloster]] in Ober-Mädchenklasse und der gemischten Unterklasse den Unterricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zur Entwicklung der Elementarschule/Volksschule 1871–1918&amp;lt;ref&amp;gt;Die folgenden Ausführungen basieren, wenn nicht anders angegeben, auf der Ausarbeitung von Gladden: Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
Oberlehrer [[Hermann Heller]] starb Anfang April 1869. Wenige Tage darauf gab [[Bürgermeister]] [[Eduard Bacciocco]] bekannt, dass die Stelle, die mit 300 Talern Gehalt und 70 Talern Schreibgeld bzw. Brandentschädigung für zwei Schulzimmer, freier Wohnung und Garten dotiert war, wieder zu besetzen sei.&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 31 vom 17. April 1869, Mitteilung Nr. 915.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erst am 26. Februar 1870 erfolgte die Meldung über die Stellenbesetzung durch die Regierung im Amtsblatt.&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 9 vom 26. Februar 1870, Meldung Nr. 303.&amp;lt;/ref&amp;gt; Offenbar hatte die Suche nach einem geeigneten Kandidaten nicht den erhofften raschen Erfolg. Nachfolger von [[Hermann Heller]], zunächst provisorisch für zwei Jahre, wurde [[Lorenz Küpper]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Mersch_(Jülich) Mersch (Jülich)]. Seine definitive Anstellung erfolgte zum 30. Oktober 1873.&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 48, 1873, Mitteilung Nr. 1526.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Lorenz Küpper|Küpper]] starb nur ein Jahr später, Ende 1874. Der zu dieser Zeit herrschende Lehrermangel war Anlass dafür, den im Ort bereits pensionierten Lehrer (er hatte vor 1870 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkhoven/Weiler Worringen-Weiler] als Lehrer gearbeitet) [[Christian Schorn]], der im Ort noch als [[Organisten|Organist]] tätig war, vorläufig als Oberlehrer einzusetzen. Er unterrichtete die Ober-Knabenklasse bis zum 1. Juli 1876.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vom 1. Juli 1876 bis Ende Dezember des Jahres unterrichtete der Lehrer G. Heinrich Elsing provisorisch die Ober-Knabenklasse, ohne formelle Anstellung.&amp;lt;ref&amp;gt;Am 30. Juli 1876 ist die Totgeburt eines Kinder von ihm und seiner Frau Maria geborene Jansen in den Zonser Zivilstandsregistern verzeichnet: &#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 870. Wahrscheinlich lebte das Paar nur für die kurze Zeit des Engagements an der Volksschule im Ort.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vom 1. Januar bis zum 1. März 1877 war die Stelle nicht besetzt, und in dieser Zeit unterrichtete der [[Stürzelberg]]er Lehrer [[Wilhelm Carolus Bruch]] die Klasse an den Vormittagen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 9. September 1869 starb in Zons die aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kleinenbroich Kleinenbroich] gebürtige ledige [[Lehrer|Lehrerin]] Clara Stuff im Alter von 32 Jahren.&amp;lt;ref&amp;gt;Sie war die Tochter des zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbenen Ehepaars Bäcker Adolph Stuff und Margarethe geborene Euskirchen: &#039;&#039;Lisken-FBZ&#039;&#039;, S. 889.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist möglich, dass sie als Aushilfslehrerin an der Volksschule tätig war. Aber es ist auch nicht auszuschließen, dass sie als Privatlehrerin für eine wohlhabendere Familie unterrichtet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 1. März 1877 wurde nach Ausschreibung der Stelle Anfang September des Vorjahres&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 86 vom 6. September 1876, Mitteilung Nr. 3165.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Sebastian Braun]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Giesendorf_%28Elsdorf%29 Giesendorf], der zuvor in [https://de.wikipedia.org/wiki/Stommeln Stommeln] unterrichtet hatte, definitiv als Oberlehrer angestellt. Sein Gehalt war auf 1.200 Reichsmark zuzüglich freier Wohnung und Gartenbenutzung und 120 Mark Entschädigung für Schreibgeld und Heizung des Schullokals festgesetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt der Regierung Düsseldorf Nr. 52, 1876, Mitteilung Nr. 1598.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1874/75 wurde die Schule (altes [[Franziskanerkloster]]) durch einen neuen, östlichen Anbau mit einem veranschlagten Kostenaufwand von 4.500 Reichstalern wesentlich erweitert. Die Bauarbeiten wurden wie folgt vergeben: Erdarbeiten, Maurer-Arbeitslohn und Mauermaterial dem Maurer Josef Lenden für 2.207 Reichstaler, Dachdeckerarbeiten an Anton Seburschenich, Klemptner-, Schmiede- und Schlosserarbeiten an Heinrich Gilgen und Schreinerarbeiten an Jacob Richrath (alle aus Zons).&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Do 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 81, Sitzungen vom 30. März und 17. Juni 1874.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Erweiterungsbau kamen die Knabenklasse der Volksschule, das Bürgermeisteramt und die höhere Schule unter, während im älteren Teil die Schulräume für die Unterklasse und die Mädchenklasse und die Wohnungen der Lehrpersonen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:fklost02.jpg|300px|thumb|right|Der Gebäudekomplex der Volksschule um 1960; links ein Teil des 1875 entstandenen Erweiterungsbaus.]]&lt;br /&gt;
Im Zuge des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf Kulturkampfes] mussten die [[Franziskanerinnen]] am 1. April 1877 ihre Lehrtätigkeit wieder an weltliche Lehrkräfte abtreten&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 5–6.&amp;lt;/ref&amp;gt;: Lehrerin an der Mädchenklasse wurde nach Ausschreibung der Stellen im September 1876&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 88 vom 9. September 1876, Mitteilung Nr. 3230.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Sophia Löhse]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Langenholthausen Langenholthausen] (definitiv),&amp;lt;ref&amp;gt;Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 10, 1877, Mitteilung Nr. 638.&amp;lt;/ref&amp;gt; die vorher in [[Stürzelberg]] unterrichtet hatte. Die gemischte Unterklasse wurde von [[Maria Billigmann]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchworbis Kirchworbis in der Provinz Sachsen] übernommen, die vorher den Unterricht in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] erteilt hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ihre Anstellung zum Februar 1877 wurde mitgeteilt im Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 10, 1877, Mitteilung Nr. 638.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden Lehrerinnen erhielten 1.050 bzw. 900 Reichsmark und freie Wohnung. Ebenfalls im Zuge des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf Kulturkampfes] wurde dem [[Pfarrer]], [[Sebastian Schmitz]], die Ortsschulinspektion genommen und dem Zonser [[Bürgermeister]] [[Eduard Bacciocco]]&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt; und später dem Ökonom [[August Aldenhoven]] übertragen. Zum 17. Juli 1882 bekam [[Pfarrer]] [[Sebastian Schmitz|Schmitz]] die Ortsschulinspektion zurück. Auch hatte die Regierung der Pfarrgeistlichkeit die Erteilung des Religionsunterrichts entzogen, im Februar 1880 aber wieder genehmigt.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 90, p. 92; AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die [[Pfarrchronik]] berichtet, ließ sich die traditionelle Verbindung zwischen Schulwesens und Kirche auch noch kurz nach 1900 an der Besoldung der Lehrerschaft ablesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Der Beitrag zum Gehalt des [[Lehrer]]s von 167,31 Mark, der bis dahin vom [[Kirchenrendant]]en an den [[Lehrer]] aus der Kirchenkasse bezahlt wurde, soll laut Beschluß des [[Kirchenvorstand]]es vom 10. Mai 1878 unter Vorbehalt jederzeitigen Wiederrufs künftig durch die Gemeindekasse zur Auszahlung an den [[Lehrer]] gelangen. Der [[Bürgermeister]] [[Eduard Bacciocco|Bacciocco]] hat ein diesbezügliches Gesuch an den [[Kirchenvorstand]] gerichtet. Dieser Betrag ist ein Unicum; es läßt sich aber wegen Verjährung nicht mehr dagegen angehen. Die Sache scheint darin ihren Grund zu haben, daß in alter Zeit Geistliche in Zons den Schulunterricht erteilten und von der Kirche besoldet wurden.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 107.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Krankheit des Lehrers [[Sebastian Braun]] in den Monaten Januar-März 1880 erteilten zunächst die beiden Volksschullehrerinnen auch den Unterricht in seiner Klasse. Von Februar bis März 1880 unterrichtete der Lehrer Meising aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Horrem_%28Dormagen%29 Horrem] vertretungsweise in den Nachmittagsstunden.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 7; DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzung vom 19. März 1880.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 3. Dezember 1880 wurde [[Sebastian Braun|Braun]] zum ersten Lehrer an der Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Longerich_%28K%C3%B6ln%29 Longerich] ernannt. Zum 31. März 1881 beendete er daher seinen Unterricht in Zons.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Nachfolger ab dem 1. April 1881 nach Ausschreibung der Stelle im Dezember 1880&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 145 vom 15. Dezember 1880, Mitteilung Nr. 4700.&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde [[Franz Zanders]], gebürtig aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Frimmersdorf Frimmersdorf].&amp;lt;ref&amp;gt;Seine definitive Anstellung zum Januar 1881 wurde mitgeteilt im Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 7, 1881, Mitteilung Nr. 174.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:fklost04.jpg|300px|thumb|right|Rathaus und Schule von der Mühle aus gesehen ca. 1934/38. Deutlich sind das rechtwinklige Klostergebäude und der etwas höhere Erweiterungsbau aus dem Jahr 1875 zu erkennen. Rechts sind die zum Areal gehörenden Gärten zu sehen.]]&lt;br /&gt;
Lehrerin [[Maria Billigmann]] legte ihr Amt am 15. September 1878 nieder. Bis zur Wiederbesetzung der Stelle erteilten [[Sebastian Braun]] und [[Sophia Löhse]] den Unterricht in der Unterklasse. Am 28. Oktober 1878 übernahm [[Rosa Metzler]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Bludenz Bludenz in Vorarlberg] den regulären Unterricht der gemischten Unterklasse.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zum 2. Januar 1884 wurde sie nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Longerich_%28K%C3%B6ln%29 Longerich] versetzt. Die Regierung ernannte daraufhin die [[Lehrer]]in [[Maria Schornstein]] zur vorübergehenden Nachfolgerin. Während die Regierung sich in der Folge für einen [[Lehrer]] aussprach, favorisierte der Schulvorstand angesichts der Mehrkosten vergeblich eine [[Lehrer]]in. Der [[Stadtrat|Rat]] argumentierte, [[Franz Zanders|Zanders]] sei ein &amp;quot;junger, rüstiger Mann&amp;quot;, so dass die Frage seiner Vertretung im Verhinderungsfalle nicht so schwerwiegend sei.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzung vom 14. Dezember 1883.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Da dies nicht akzetiert wurde, wurde der erst knapp 21-jährige Schulamtskandidat [[Rudolf Claus]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochneukirch Hochneukirch], der die Präparandenanstalt und das Seminar in [https://de.wikipedia.org/wiki/Odenkirchen Odenkirchen] besucht hatte, zum 1. Mai 1884 Nachfolger an der gemischten Unterklasse.&amp;lt;ref&amp;gt;Seine Ernennung wurde mitgeteilt im Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 24, 1884, Mitteilung Nr. 478.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein anfängliches Jahresgehalt von 975 Reichsmark wurde im April 1891 auf 1.050 Reichsmark erhöht.&lt;br /&gt;
[[Datei:clausr1.jpg|200px|thumb|right|Rudolf Claus, 1884–1898 Lehrer der Unterklasse, 1898–1916 Lehrer der Mittelklasse.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Februar 1895 genehmigte der [[Stadtrat|Gemeinderat]] den Betrag von 36,- Reichsmark zu Händen des [[Bürgermeister]]s [[Hermann Heckmann]] zur Einrichtung einer Schülerbibliothek, die von den Schülern aus Zons und [[Stürzelberg]] benutzt werden sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzung vom 26. Februar 1895.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheitsbedingt wurde [[Lehrer]]in [[Sophia Löhse|Löhse]] Anfang 1898 pensioniert.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im selben Jahr erhielt die Volksschule eine neue, dreistufige Struktur: Im Grunde war nämlich die bisherige Volksschule zweistufig, wobei die obere Stufe nach Geschlechtern getrennt wurde. In letzterer war das Unterrichten sehr schwierig, da hierin viele Jahrgänge versammelt waren. Nachfolgerin von Frau [[Sophia Löhse|Löhse]] wurde am 18. April 1898 [[Katharina Huppertz]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberkassel_%28D%C3%BCsseldorf%29 Oberkassel]. Mit ihrer Einführung an diesem Tag durch den Lokalschulinspektor [[Pfarrer]] [[Adam Otten|Otten]] wurde das gemischt-dreiklassige Schulsystem eingeführt: Hauptlehrer [[Franz Zanders|Zanders]] unterrichtete nun die Oberklasse, [[Lehrer]] [[Rudolf Claus|Claus]] die Mittel- und [[Lehrer]]in [[Katharina Huppertz|Huppertz]] die Unterklasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:fklost05.jpg|300px|thumb|right|Grundriss des Gebäudekomplexes zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Erdgeschoss.]]&lt;br /&gt;
Im Frühjahr 1910 trat Hauptlehrer [[Franz Zanders]] in den Ruhestand. Am 5. April 1910 übernahm die Schulamtsbewerberin [[Maria Pohl]], Tochter des verstorbenen Schulvorstandmitglieds Wilhelm Pohl aus Zons, den stellvertretenden Unterricht in der Oberklasse.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 145.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenige Monate später, am 10. Oktober 1910, übernahm [[Albert Höver]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCcheln_%28Frechen%29 Hücheln] den leitenden Unterricht der Oberklasse, den er bis zu seinem Fortgang nach Köln am 1. April 1913 versah. Sein Nachfolger wurde [[Peter Capellmann]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Meiderich Duisburg-Meiderich/Würselen]. Dieser wurde am 17. Juni 1915 zum Kriegsdienst einberufen und konnte daher erst wieder am 16. Januar 1916 den Unterricht weiter erteilen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 150.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:pohlm.jpg|200px|thumb|right|Maria Pohl, stellvertretende Lehrerin der Oberklasse April–Oktober 1910.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:hoever1.jpg|200px|thumb|right|Albert Höver, Lehrer der Oberklasse 1910–1913.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:lohmann1.jpg|200px|thumb|right|Lidwina Lohmann, Lehrerin der Unterklasse 1908–1912.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:doerr1.jpg|200px|thumb|right|Gerhard Dörr, Lehrer der Unterklasse 1912–1913.]]&lt;br /&gt;
Am 1. April 1908 übernahm [[Lidwina Lohmann]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Gohr Gohr] den Unterricht in der Unterklasse von [[Katharina Huppertz]]. Sie blieb in dem Ort bis zu ihrem Wechsel an die Stürzelberger Schule am 1. April 1912 tätig. Sie wechselte die Stelle mit dem Stürzelberger Lehrer [[Gerhard Dörr]]. Der Wechsel war aufgrund der Überfüllung der Klasse in Zons notwendig geworden, was der Schulvorstand einer Lehrerin nicht zumuten wollte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 148.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings behielten beide Lehrkräfte ihre bisherigen Wohnungen, so dass Frau [[Lidwina Lohmann|Lohmann]] weiterhin in Zons den Handarbeitsunterricht erteilen konnte. [[Lehrer]] [[Gerhard Dörr|Dörr]] unterrichtete nur bis zum 31. Oktober 1913 und verließ den Ort. Sein Nachfolger am 3. November 1913 wurde [[Leo Opaska]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Pniewy Pinne]), der am 3. August 1914 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Er ist am 12. August 1917 bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Ypern Ypern] gefallen. Am 1. April 1914 wurde nach Bemühungen des Schulvorstandes seit 1908 eine vierte Klasse (Stufe) eingerichtet, deren Unterricht von [[Helene Seiff]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Koblenz-Arenberg Koblenz-Arenberg] übernommen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 150.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 1. Juli 1916 wurde Lehrer [[Rudolf Claus]] pensioniert. Seine Nachfolgerin an der Mittelklasse war [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Maria Elisabeth Werle]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 151–152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:werlee1.jpg|200px|thumb|right|Maria Elisabeth Werle, Lehrerin der Mittelklasse 1916–1928.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:fklost03.jpg|300px|thumb|right|Lehrpersonal (Kaplan Robert Hortmanns, Lehrer Rudolf Claus, Lehrerinnen Lidwina Lohmann und Maria Pohl) mit Schulkindern (Teil der SchülerInnen der Unter-, Mittel- und Oberklasse) vor dem Schulgebäude im Jahr 1910.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1908 waren von den 217 Schulkindern 21 Waisenkinder, die in dem von den [[Vinzentinerinnen]] betreuten Waisenhaus wohnten. In diesem Jahr wurde das von den nicht einheimischen Kindern erhobene Fremdenschulgeld von 12 auf 18 Reichsmark jährlich erhöht, um die Kinder zum Schulwechsel bzw. das Kloster zur Aufgabe des Waisenhauses zu bewegen. So heißt es in einem Schreiben vom 12. August 1908: &#039;&#039;&amp;quot;Der einfache Weg, der Überfüllung abzuhelfen, wäre immerhin der Abschub der fremden Kinder, die die schlechten Schulresultate der hiesigen Volksschule ohnehin nur ungünstig beeinflussen.&amp;quot;&#039;&#039; 1911 besuchten bereits keine Waisenkinder aus dem Kloster mehr die Schule. Die Hälfte der Waisenkinder hatte das Kloster entlassen müssen. 20 Kinder sind dort verblieben, um dem Kloster wenigstens noch ein paar Grundeinnahmen zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fanden die Schul- und Entlassungsprüfungen durch den Schulvorstand im Frühjahr (März/April) und im Herbst (September) statt, zeitgleich mit dem Wechsel der Kinder aus den unteren Abteilungen in die oberen und der Aufnahme der Schulneulinge. Schulpflicht bestand bis zum Ende des 14. Lebensjahres. Noch in den 1890er Jahren wurden viele Schulkinder auf Bitten der Eltern, die ihre Sprösslinge dringend zur häuslichen Arbeit oder zur Feldarbeit benötigten, vorzeitig entlassen. 1899 waren dies beispielsweise 55% der Mädchen. Die Genehmigung setzte die positiv verlaufene Prüfung der schulischen Leistungen und der häuslichen Verhältnisse durch den Schulvorstand und die Genehmigung durch die Regierung voraus. Ab 1908 wurden keine derartigen Gesuche mehr eingereicht. Unterrichtet wurde von 8–11 und von 13–16:30 Uhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zur Entwicklung der höheren Knabenschule (&amp;quot;Höhere Communalschule&amp;quot; bzw. &amp;quot;Höhere Privatschule&amp;quot;) ===&lt;br /&gt;
==== Erste Phase: unter kirchlicher Leitung 1849–1861 ====&lt;br /&gt;
Nachdem der Zonser [[Vikare|Vikar]] [[Martin Schloßmacher]] bereits seit 12 Jahren mehrere Jungen erfolgreich im Privatunterricht auf die Quarta und Tertia des Gymnasiums bzw. auf die Aufnahme in das Schullehrerseminar vorbereitet hatte, entschied sich der Schulvorstand aufgrund der zunehmenden Zahl interessierter Schüler, eine höhere Knabenschule bzw. &amp;quot;Fortbildungsklasse&amp;quot; zu gründen. Der Vikar erklärte sich bereit, in dieser Klasse mit Unterstützung der beiden Elementarschullehrer zu unterrichten, wozu der Kirchenvorstand dessen Gehalt von 234 auf 430 Taler erhöhte, welches Gehalt auch die Amtsnachfolger erhielten. Die zwei anderen Pfarrgeistlichen erklärten sich bereit, die Seelsorge an den Wochentagen allein zu übernehmen. Am 25. Juli 1849 erteilte die erzbischöfliche Behörde, am 12. September 1849 die Regierung die Genehmigung zur Eröffnung. Das nun allmählich entstandene Gymnasium mit Internat in der ersten Etage des ehemaligen [[Franziskanerkloster]]s wurde von der Kirchenverwaltung finanziell unterhalten. 1852 wurden in der Schule 42 Schüler vom Rektor und zwei &amp;quot;Hilfslehrern&amp;quot; unterrichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 195.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Vikare|Vikar]] [[Martin Schloßmacher]] unterrichtete bis zu seinem Weggang 1856/57 an der Schule. Seit dem 23. September 1853 versah neben ihm dort der neu angestellte [[Vikare|Vikar]] [[Christian Bücker]] (1853–1880) den Unterricht, der 1856/57 sein Nachfolger als Schulleiter wurde. Noch am 2. Februar 1855 beschloss der [[Kirchenvorstand]] für beide [[Vikare]] eine persönliche Zulage: Das Gehalt von [[Martin Schloßmacher|Schloßmacher]] sollte für 1854 und die folgenden Jahre auf 600 (bisher 430), das von [[Christian Bücker|Bücker]] auf 500 (bisher 300) Taler erhöht werden.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 138, unpagin.&amp;lt;/ref&amp;gt; Offenbar waren die steigenden Schülerzahlen ausschlaggebend für diese Maßnahme. 1856/57 rückte [[Christian Bücker|Bücker]] auf die erste [[Vikare|Vikarsstelle]] nach, und sein Nachfolger wurde der neue [[Vikare|Vikar]] Aeymans.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt forderte das Generalvikariat den [[Kirchenvorstand]] 1857 auf, dem [[Vikare|Vikar]] [[Christian Bücker|Bücker]] eine neue Wohnung zu besorgen, um das Interesse an der Schule zu heben. Der Plan sah einen Neubau der [[Vikarie]] am bisherigen Standort für [[Christian Bücker|Bücker]] sowie den Bau eines neuen Schulhauses nebst Wohnung vor dem [[Feldtor]], gegenüber dem [[Friedhof]], für den zweiten [[Vikare|Vikar]] Aeymans vor, wobei der [[Kirchenvorstand]] den [[Pfarrer]] [[Sebastian Schmitz|Schmitz]] mit den weiteren Verhandlungen beauftragte.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 138, unpagin. (Sitzung vom 5. Juli 1857).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ersteres Vorhaben wurde in der Folge erst sehr viel später, zweiteres Vorhaben gar nicht umgesetzt. [[Vikare|Vikar]] Aeymans bewohnte ein Haus der Zivilgemeinde zur Miete (s.u.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeugnislisten aus den Jahren 1856–1861 belegen das beachtliche Einzugsgebiet der Schule: Es handelte sich in dem Zeitraum um 22 Schüler aus Zons, 30 aus Dormagen, 12 aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Grefrath Grefrath], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich], [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6llen Höllen], [https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BClsdorf Lülsdorf], [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim], [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen] und jeweils einen Schüler aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Baumberg_%28Monheim_am_Rhein%29 Baumberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath], [https://de.wikipedia.org/wiki/Buer_%28Westfalen%29 Buer], [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven], [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen], [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChlingen Fühlingen], [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCckeswagen Hückeswagen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserswerth Kaiserswerth], [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln], [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigshoven Königshoven], [https://de.wikipedia.org/wiki/Krefeld Krefeld], [https://de.wikipedia.org/wiki/Lich-Steinstra%C3%9F_%28J%C3%BClich%29 Lich], [https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Mickeln Mickeln], [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberembt Oberembt], [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinberg Rheinberg], [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6dingen Rödingen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Roggendorf/Thenhoven Roggendorf], [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnersdorf_%28Pulheim%29 Sinnersdorf], [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesseling Wesseling]. Der Unterricht reichte von der Sexta bis zur Untersekunda mit den Fächern Latein, Griechisch (ab der Quarta), Deutsch, Französisch, Englisch (ab der Quarta), Religion, Geografie, Geschichte, Mathematik, Physik, Zeichnen und Singen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 19. Juni 1861 beriet der [[Kirchenvorstand]] aufgrund einer Mitteilung des Landrats, wonach der [[Stadtrat|Gemeinderat]] beschlossen hat, das bisher an die Kirchenverwaltung vermietete und von [[Vikare|Vikar]] Aeymans bewohnte Haus künftig für Gemeindezwecke (Wohnung für den [[Bürgermeister]] [[Eduard Bacciocco]]) nutzen zu wollen. Der Landrat erwartete die Mitteilung, bis wann das Gebäude geräumt sei. Mit einer Gegenstimme ([[Gottfried Schmitz]]) schloss sich das Gremium dem Votum des Mitglieds [[August Aldenhoven]] an, die höhere Schule bis zum nächsten Schuljahr eingehen zu lassen: Die Kirche, so argumentierte er, habe für die Schule und die zwei dort tätigen Vikare hohe Ausgaben zu tragen, und sie könne für die Beschaffung einer neuen Wohnung für Aeymans keine zusätzlichen Ausgaben tätigen, da sie einen Fonds für die beabsichtigte [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|Kirchenerweiterung]] ansparen müsse. Das Gremium beantragte beim Generalvikariat die baldige Abberufung Aeymans und antwortete dem Landrat, dass das genannte Gebäude bis zum Oktober geräumt sei.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 138, unpagin.; der Gemeinderat hatte am 23. April 1861 beschlossen, das Gebäude an [[Bürgermeister]] [[Eduard Bacciocco|Bacciocco]] zu vermieten (AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 81, unpagin.).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zweite Phase: die höhere private Knabenschule 1876–1893 ====&lt;br /&gt;
Am 26. Februar 1868 schenkte [[Elisabeth Haack]] geborene Aldenhoven (1798–1872), Ehefrau des herzoglich Arembergschen Ober-Forstinspektors Johann Haack, durch eigenhändiges Testament der Stadt Zons 5.000 Taler zur Eröffnung einer höheren Knabenschule, wie sie vorher unter kirchlicher Leitung bestanden hatte. Konkret sollten die Zinsen dieses Betrages zur Finanzierung dienen. Kurze Zeit nach ihrem Tod, am 19. Mai 1873, informierte der Vorsitzende die [[Stadtrat|Gemeinderatsmitglieder]] über dieses Vermächtnis. Der [[Stadtrat|Gemeinderat]] setzte im April 1875 ein Kuratorium für die Planung und Aufsicht der höhere Schule unter Vorsitz des [[Bürgermeister]]s [[Eduard Bacciocco]] ein, dem die Gemeinderatsmitglieder [[Wilhelm Kiepels]] und [[Hubert Heinemann]] aus Zons und Franz Erkelenz aus [[Stürzelberg]] angehörten. Dem Gremium wurden für drei Jahre jährlich, beginnend Herbst 1875, 1.800 Mark zur Verfügung gestellt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 81, Sitzung vom 7. April 1875.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Konsortium wurde 1880 um den Rektor der Schule sowie [[Hubert Aldenhoven]] und Peter Rosendahl aus Zons erweitert.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzung vom 13. Februar 1880.&amp;lt;/ref&amp;gt; Später wechselte die Besetzung noch mehrfach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule wurde am 1. April 1876 im neu errichteten Erweiterungsbau der Schule unter dem Schulleiter [[Anton Bergmann]] eröffnet.&amp;lt;ref&amp;gt;1876–1877 existierte auch im benachbarten Stürzelberg eine Fortbildungsschule. Der Gemeinderat beschloss im Juni 1877, diese wieder eingehen zu lassen, da die Zonser Fortbildungsschule genüge (AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 81, Sitzung vom 5. Juni 1877.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er war mit halbjährlicher Kündigungsfrist angestellt. Das Schulgeld betrug 90,- Reichsmark pro Jahr. Noch im selben Jahr wurde [[Bernhard Westarp]] (1876–1883) neuer Schulleiter. Er erhielt einen separierten Teil des Schulgartens hinter der Knabenschule zur Benutzung.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 81, Sitzung vom 7. April 1875.&amp;lt;/ref&amp;gt; In seiner Zeit, so berichtet die [[Pfarrchronik]], erhöhte sich die Zahl der Schüler von 17 (1881) auf 25 (1883). In dieser Zeit wurden auf seinen Antrag (1881) umfangreichere Lehrmittel und Utensilien für die weitere Schulentwicklung 1882–1885 angeschafft.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzungen vom 25. Oktober und 15. November 1881.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zusätzlich sorgte er dafür, dass das ursprüngliche Schulgeld von 90,- Reichsmark auf 60,- Reichsmark für die Sexta und 80,- Reichsmark für die Quinta herabgesetzt wurde, wodurch die Schülerzahl zunahm und gleichzeitig die Einnahmen stiegen. Nach Ablauf der von der Gemeinde gewährten Gehalts-Garantiezeit führte der Rektor die Anstalt ab dem 1. April 1882 auf eigene Rechnung (Vertrag vom 25. November 1881).&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzung vom 12. Januar 1886.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rektor [[Bernhard Westarp|Westarp]] entzog sich einer Inhaftierung wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch die Flucht aus dem Ort.&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 145 vom 29. August 1883, Mitteilung Nr. 7027.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Nachfolger wurde der Westfale [[Friedrich Werdite]] (1883–1889).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die umgerechnet 15.000 Reichsmark, die [[Elisabeth Haack]] 1868 testamentarisch der Gemeinde zur Unterhaltung der Schule vermacht hatte, bot [[Bürgermeister]] [[Hermann Heckmann]] am 11. April 1882 der Kirche als Anleihe zu 4,5 % Zinsen an. Der [[Kirchenvorstand]] fasste am 16. Juli 1882 einstimmig den Beschluss, diese Anleihe aufzunehmen, und zwar unter der Bedingung einer beiderseitigen halbjährlichen Kündigungsfrist, die jedoch seitens der Gemeinde erst nach Ablauf von 10 Jahren, gerechnet ab dem 6. März 1883, erfolgen durfte.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 107–108.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich nicht zufällig fast zeitgleich mit dem Fristende des Anleihevertrages seitens der Gemeinde wurde mit dem Weggang des Rektors [[Bertram Mückenhausen]] (Rektor 1889–1893) wenige Monate später, am 6. Oktober 1893, die höhere Knabenschule geschlossen. Die Rektorwohnung im 1875 errichteten Erweiterungsbau überließ man dem [[Bürgermeister]] als Dienstwohnung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rektoren der höheren Knabenschule 1874–1893 waren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1. April 1876–Herbst 1876: [[Anton Bergmann]], ein Westfale, der zuvor in [https://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%BClpich Zülpich] unterrichtet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 81, Sitzung vom 24. Juli 1875.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Herbst 1876&amp;lt;ref&amp;gt;Laut Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 10, 1877, Mitteilung Nr. 638, erfolgte seine provisorische Anstellung erst zum Februar 1877.&amp;lt;/ref&amp;gt;-3. August 1883: [[Bernhard Westarp]], ein Geistlicher, aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Oelde Oelde] in Westfalen, den der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf Kulturkampf] zuvor nach Bayern verschlagen hatte. Er floh aus dem Ort, da gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs (§§ 174 Nr. 1 und 176 des Strafgesetzbuches) ermittelt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Öffentlicher Anzeiger Nr. 145 vom 29. August 1883, Mitteilung Nr. 7027. Über den Weggang des Rektors berichtete auch die Neuß-Grevenbroicher Zeitung in ihrer Ausgabe Nr. 218 vom 26. September 1883.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oktober 1883–28. August 1889: [[Friedrich Werdite]], ein Westfale, der vorher am Gymnasium in [https://de.wikipedia.org/wiki/Paderborn Paderborn] als Lehrer tätig gewesen ist. Er wurde am 25. September 1883 zum Rektor gewählt und verließ Ende August 1889 Zons, um seinen Dienst an der höheren Schule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Geldern Geldern] aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 23. September 1889&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 45; seine Anstellung wurde im Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 31, 1889, Mitteilung Nr. 724, publik gemacht.&amp;lt;/ref&amp;gt;-6. Oktober 1893: [[Bertram Mückenhausen]], aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Issum Issum], bis dahin Rektor an der höheren Schule [https://de.wikipedia.org/wiki/Issum Issum]. Er zog 1893 nach [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnster_%28Westfalen%29 Münster], um dort an einer anderen Schule zu unterrichten. Laut der [[Pfarrchronik]] starb er in [https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt_am_Main Frankfurt/M.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Bemühungen zur &amp;quot;Wiederbelebung&amp;quot; ab 1895 und &amp;quot;Lateinkurs&amp;quot; 1906–1910 ====&lt;br /&gt;
[[Pfarrer]] [[Adam Otten|Otten]] wie auch später der [[Stadtrat|Gemeinderat]] bemühten sich seit Mitte der 1890er Jahre vergeblich um die Wiederbesetzung der Rektorenstelle durch einen Geistlichen. Im Mai 1901 versprach Generalvikar [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Carl_Aloys_Kreutzwald Dr. Kreutzwald] dem [[Bürgermeister]], Ostern des folgenden Jahres einen Vikar nach Zons zu senden, der auch die Leitung der höheren Schule übernehmen sollte. Dies blieb ein leeres Versprechen. Ende 1903 wurde die Fortbildungsschule aufgrund der von [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Franz Zanders|Zanders]] entworfenen Statuten unter der Leitung von [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] wieder eingerichtet. Das Aufgabenspektrum wurde folgendermaßen umrissen: &#039;&#039;&amp;quot;Die Fortbildungsschule soll den Zweck haben, die Volksschulbildung ihrer Zöglinge zu befestigen, zu ergänzen und, soweit sich die Möglichkeit dazu bietet, in Rücksicht auf Gewerbe und Betriebe im Orte zu erweitern und in Verbindung hiermit die sittliche Tüchtigkeit der Zöglinge nachhaltig zu gestalten.&amp;quot;&#039;&#039; Im Regelfall sollten die Schüler maximal 16 Jahre alt sein, doch Ausnahmen kamen vor. Der Unterricht fand an Sonntagen vormittags um 11 Uhr im Klassenraum von Hauptlehrer [[Franz Zanders]] statt, erstmals am 25. Oktober 1903 mit 25 Jungen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 103.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mittlerweile (seit 1903) war der Schulraum der höheren Schule dem [[Bürgermeister]] zur Wohnung überlassen worden. So wurde das direkt benachbarte Haus Nr. 26 als Schulhaus zur Verfügung gestellt. Die Schule bestand nur bis Anfang 1904, da der Gemeinderat die von [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] erbetene finanzielle Unterstützung verweigerte.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 136–137; AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 106.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1906 wurde ein Kuratorium gebildet, mit dem [[Bürgermeister]] als Vorsitzender, dem [[Pfarrer]] als geborenes Mitglied sowie den Mitgliedern [[Hubert Aldenhoven]], [[Johann Kolvenbach]] und [[Anton Hesemann]]. Der [[Stadtrat|Gemeinderat]] wählte den Mittelschullehrer [[Josef Klingebiel]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn] zum neuen Rektor und beauftragte den [[Bürgermeister]], mit diesem den entsprechenden Vertrag abzuschließen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzung vom 21. Februar 1906.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch sollte ein Vertrag mit einem geeigneten Schuldiener abgeschlossen werden. Der Vertrag kam jedoch nicht zustande, die Gemeinde trat noch im selben Jahr wieder mit dem Generalvikariat in Verhandlung, das die Versetzung eines geeigneten Geistlichen für Ostern 1908 in sichere Aussicht stellte. Tatsächlich besprach der [[Stadtrat|Gemeinderat]] Ende April des Jahres die Details für die Bezahlung des [[Vikare|Vikars]] [[Aloys Oertgen]] hinsichtlich der Abhaltung eines &amp;quot;Lateinkursus&amp;quot; aus den Einkünften der [[Elisabethstiftung]]: Er sollte jeweils eine in Vierteljahresraten im Voraus gewährte Jahresvergütung von 700,- Mark erhalten, wovon er auch die Kosten für Reinigung und Heizung des Schulraumes, den er zu stellen hat, bestritten werden sollten. Für anzuschaffende Utensilien erhielt der [[Bürgermeister]] 300,- Mark aus dem Stiftungskapital. Das Schulgeld sollte 30,- Mark jährlich betragen. Der Bürgermeister wurde mit dem Einholen der höheren Genehmigung beauftragt, die offensichtlich auch erfolgt ist. Doch [[Aloys Oertgen]] verließ den Ort bereits nach wenigen Tagen, und so beschloss der [[Stadtrat|Gemeinderat]] am 18. Mai eine gleich lautende Abmachung mit dem neuen [[Vikare|Vikar]] [[Carl Schütz]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, fol. 1–2, 5–6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Carl Schütz|Schütz]] gab an zwei Nachmittagsstunden wöchentlich Lateinunterricht in der Volksschule. Es handelte sich um 9 Schüler. Daneben unterrichtete er auch Volksschulkinder in Latein, neben seinem Religionsunterricht.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 171.&amp;lt;/ref&amp;gt; Kritisch notierte [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Franz Zanders]] hierzu in der Schulchronik: &#039;&#039;&amp;quot;Die hiesige Lehrerschaft wurde bei Einrichtung etc. der Fortbildungsschule ganz ausgeschaltet, ja sogar geringschätzend behandelt. - [[Bürgermeister]] [[Nicolaus Kohl|Kohl]] hielt in der Fortbildungsschule Vorträge etc.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 139.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Lateinkurs wurde mit Beschluss des [[Stadtrat|Gemeinderats]] vom 30. Juli 1909 zum 1. April 1910 eingestellt. Zuletzt hatte der [[Vikare|Vikar]] [[Robert Hortmanns]] hier unterrichtet.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, fol. 36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zur Entwicklung von der Weimarer Republik bis heute ==&lt;br /&gt;
=== Die katholische Volksschule von der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ===&lt;br /&gt;
Am 20. August 1918 trat [[Heinz Riffel]] das Lehramt an der Volksschule an.&amp;lt;ref&amp;gt;LAV_NRW_R, NW 1014-EF, Nr. 3132.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er war ein Lehrer, der sich in den folgenden Jahren vielfältig engagierte, insbesondere im Bereich der Ortsgeschichte und des Fremdenverkehrs.&lt;br /&gt;
Am 15. November 1919 wurde der [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Capellmann]] an die Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukirchen_%28Grevenbroich%29 Grevenbroich-Neukirchen] versetzt. Durch Stellentausch kam der Lehrer [[Peter Breuer]] als neuer [[Lehrer|Hauptlehrer]] von Neukirchen nach Zons.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 53–54.&amp;lt;/ref&amp;gt; Unter dem Datum seines ersten Arbeitstages an der Volksschule am 20. November 1919 schildert [[Peter Breuer|Breuer]] die schwierigen Verhältnisse der Schule in der Nachkriegszeit&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 55.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Wie überall, so hatte auch der Krieg hier dem Schulbetrieb tiefe Wunden geschlagen. Besonders in Bezug auf Zucht und Ordnung ließ viel zu wünschen übrig. Auch mögen die unglücklichen Schulverhältnisse dazu beigetragen haben. Denn eine [[Lehrer]]in [[Helene Seiff|Seiff]] ist vom 1. Oktober 19 bis zum 1.4.20 beurlaubt. Die 3 Lehrpersonen&amp;lt;ref&amp;gt;Gemeint sind [[Peter Breuer, [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Maria Elisabeth Werle]] und [[Heinz Riffel]].&amp;lt;/ref&amp;gt; müssen ohne Vertretung den Unterricht aufrecht erhalten. Trotzdem mehrere Wochen&amp;lt;ref&amp;gt;Unsichere Lesung des Wortes.&amp;lt;/ref&amp;gt; um Ersatz eingekommen ist, wurde doch bis zum Tage keine Vertretung geschickt.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Quellen deuten darauf hin, dass die längere Beurlaubung von [[Helene Seiff]] und die Versetzung von [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Capellmann]], beides Ende 1919, in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Beziehung des Ortsschulinspektors [[Pfarrer]] [[Ludolf Schmitz]] zu [[Helene Seiff]] standen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hierauf gehen die Artikel über [[Ludolf Schmitz]] und [[Helene Seiff]] näher ein.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst am 26. Januar 1920 kam mit [[Lehrer]] [[Franz Michels]] eine Vertretung für die &#039;&#039;&amp;quot;angeblich erkrankte Lehrerin Seiff&amp;quot;&#039;&#039;, wie es [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]] in der Schulchronik ausdrückt. Die Lehrerschaft atme angesichts dieser Entlastung erleichtert auf.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 60.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:riffelh1.jpg|200px|thumb|right|Lehrer Heinz Riffel 1938.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:breuerp1.jpg|200px|thumb|right|Hauptlehrer Peter Breuer 1920.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Michels1.jpg|200px|thumb|right|Lehrer Franz Michels 1920.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Franz_Nauen_1922.jpg|200px|thumb|right|Lehrer Franz Nauen 1922.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Hanns_Dederichs.jpg|200px|thumb|right|Lehrer Hanns Dederichs um 1923.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 15. April bis zum 1. September 1921 wurde [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Maria Elisabeth Werle]] von der Regierung für eine Weiterbildung beurlaubt. Ihre Vertretung versah die auswärtige Schulamtsbewerberin Maria Henel.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 66–67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 1. November 1921 wechselte [[Lehrer]] [[Franz Michels|Michels]] auf eigenen Wunsch an eine Schule nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Anrath Anrath]. Durch Stellentausch kam der Anrather Lehrer [[Franz Nauen]] an die Zonser Volksschule.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 68.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. April 1922 wechselte [[Lehrer]] [[Heinz Riffel]] durch Stellentausch von Zons nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Kempenich Kempenich]. Für ihn kam am 25. April des Jahres der dortige Lehrer [[Hanns Dederichs]] an die Zonser Volksschule.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Lehrer]] [[Franz Nauen]] wechselte zum 1. April 1923 an die katholische Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Korschenbroich Korschenbroich]. Sein Nachfolger in Zons wurde [[Jakob Steves]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 77.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Wirkung zum 1. Oktober 1924 schloss der [[Stadtrat|Gemeinderat]] mit der Provinzialoberin der [[Vinzentinerinnen]], Schwester Alfonsa Reis, und der Oberin des Zonser Klosters Anna Vogel einen Mietvertrag über das bisher als &amp;quot;Bewahrschule&amp;quot; (Kindergarten) genutzte Gebäude am [[Rheintor]] ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Der Kirchenvorstand genehmigte die Vereinbarung in seiner Sitzung vom 12. Oktober 1924 (PfAZ, Nr. 139, unpagin.).&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit einer Laufzeit von 10 Jahren, jedoch vorzeitiger Kündigungsmöglichkeit seitens der Gemeinde, sollte hierin eine Volksschulklasse unterkommen. Der Raum bot Platz für maximal 40 Schüler. Für bauliche Veränderungen und Instandsetzungsarbeiten kam die Gemeinde auf. Der monatliche Mietpreis betrug 20,- Reichsmark. Die Gemeinde sah sich angesichts des mittlerweile sehr unzureichenden baulichen und Ausstattungs-Zustands der Volksschule zu diesem Schritt veranlasst. Der Kreisarzt hatte in dieser Zeit darauf hingewiesen, dass die Schulkinder aufgrund der schlechten Schulbänke bereits an Knochenmissbildungen litten. Diesem Missstand wurde durch einen Geldzuschuss der Regierung Abhilfe geschaffen. Und so konnten in der Schule im Februar 1926 neue Schulbänke aufgestellt werden. Unter dem 15. Februar 1926 notiert [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]]&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 83.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Jedem Fremden, sogar bei den Eingesessenen regte sich das Mitleid mit der hiesigen Schule. Standen in den Klassen Bänke, deren Geburt überhaupt nicht zu bestimmen war. Bestimmt ist, daß selbige aus der alten Klosterschule zum Teil mit  hinüber genommen wurden. Wie ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Elfen Alp] drückten sie auf die Kinder und Lehrer. Wieviel Generationen mögen sich auf diesen Bänken gequält haben. Bänke, in denen 9 Schüler Platz finden konnten, gebrechlich, schwankend in ihren Grundfesten, so standen sie da und erwarteten den Tag der Ablösung: Endlich kam der ersehnte Tag für alle. Heute zieren neuzeitliche, allen Anforderungen entsprechende Bänke die Schule, wie erleichtert atmet die ganze Schülerschar mit ihren Lehrern auf. Dank der unermüdlichen Arbeit des [[Bürgermeister]]s [[Stephan Güsgen|Güßgen]], der mit wachsender Sorge die trostlosen Zustände in der Schule beobachtete, ihm ist der Fortschritt an der hiesigen Schule zu verdanken.&amp;quot;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz dieses Fortschritts musste der Kreisarzt immer wieder feststellen, dass der Gesundheitszustand der Zonser Schulkinder deutlich schlechter war als in anderen Orten. Immer wieder wurde daher, auch wegen der steigenden Schülerzahlen, der Plan eines Schulneubaus diskutiert. Trotz der zusätzlichen Nutzung der &amp;quot;Bewahrschule&amp;quot; konnte schon bald nur noch die Hälfte der schulpflichtigen Kinder eingeschult werden. Obwohl Sachverständige der Regierung die Notwendigkeit eines Schulneubaus betonten, kam es zunächst nur zu einem Umbau: Da der Wohnsitz des [[Bürgermeister]]s nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] wechselte, konnte man dessen Wohnung im Westflügel für eine vierte Klasse und einen Lehrmittelraum nutzen. Der Mietvertrag für die Bewahrschule wurde somit zum 1. April 1934 gekündigt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 112–113; Christa Gladden, &#039;&#039;Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: &#039;&#039;BlGZSt&#039;&#039;, Bd. V (1987), S. 16–40, hier: S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von September 1925 bis zum Frühjahr 1926 war die [[Lehrer]]in [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Maria Elisabeth Werle]] erkrankt. Eine Stellvertretung wurde nicht geschickt, so dass die [[Lehrer]] [[Peter Breuer|Breuer]], [[Jakob Steves|Steves]] und [[Hanns Dederichs|Dederichs]] ihren Unterricht mit übernehmen mussten.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 81.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 1. September 1927 wechselte [[Lehrer]] [[Hanns Dederichs]] an eine Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln]. Für ihn kam zum 1. Oktober 1927 [[Heinz Riffel]] wieder an die Volksschule Zons, der bereits 1918–1922 hier unterrichtet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 86–87.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Riffel_Klasse.jpg|400px|thumb|right|Lehrer Heinz Riffel mit Schulklasse um 1930.]]&lt;br /&gt;
[[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Maria Elisabeth Werle]] schied zum 1. Januar 1929 zwecks Heirat aus dem Schuldienst aus. Für sie kam die Schulamtsbewerberin [[Klara Bergmann]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 93.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Steves.jpg|200px|thumb|right|Lehrer Jakob Steves um 1930.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende 1931 wurde die Empfehlung der Regierung Düsseldorf zur Einrichtung einer Zonser „Fortbildungsschule“ im [[Stadtrat|Gemeinderat]] diskutiert: Das Gremium lehnte diese für den Fall ab, dass die Gemeinde die Kosten zu tragen habe. Falls jedoch die Regierung Düsseldorf sämtliche Kosten übernehme, habe man keine Einwände.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 308–309 (Sitzung vom 30. November 1931).&amp;lt;/ref&amp;gt; Folglich kam es nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mai 1933 sah die Verteilung der SchülerInnen auf die Lehrkräfte folgendermaßen aus: I. Klasse, [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]], Jahrgänge 6–8, 31 Jungen und 38 Mädchen, insgesamt 69; II. Klasse, [[Lehrer]] [[Jakob Steves]], Jahrgänge 4–5, 25 Jungen und 27 Mädchen, insgesamt 52; III. Klasse, [[Lehrer]] [[Heinz Riffel]], Jahrgänge 2–3, 28 Jungen und 25 Mädchen, insgesamt 53; IV. Klasse, [[Lehrer]]in [[Klara Bergmann]], 1. Jahrgang, 17 Jungen und 19 Mädchen, insgesamt 36.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 110.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zum 1. April 1934 wurde der vorgesetzten Behörde vom Schulvorstand eine neue Klasseneinteilung in fünf Klassen mit einer Klasse ohne feste Lehrperson zur Genehmigung vorgelegt, was diese auch genehmigte: I. Klasse, [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]], Jahrgänge 7–8 (46 SchülerInnen); II. Klasse, [[Lehrer]] [[Jakob Steves]], Jahrgänge 5–6 (55 SchülerInnen); III. Klasse, [[Lehrer]] [[Heinz Riffel]], Jahrgänge 3–4 (53 SchülerInnen); IV. Klasse, &amp;quot;Wanderklasse&amp;quot;, Jahrgang 2 (36 SchülerInnen); V. Klasse, [[Lehrer]]in [[Klara Bergmann]], 1. Jahrgang (40 SchülerInnen).&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 112.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. April 1935 wurden die &amp;quot;Schulneulinge&amp;quot; wie traditionell in der Kirche mit ihren Müttern empfangen, mit Ansprache, Gebet und Weihe. Vorneweg mit dem großen Schulkreuz, zogen die Teilnehmenden anschließend zur Schule, wo das Kreuz wieder aufgehängt wurde. Kurz darauf erhielt Schulleiter [[Peter Breuer]] von vorgesetzter Stelle einen Verweis, dass er dies gestattet hatte. [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] bemerkte dementsprechend: &#039;&#039;&amp;quot;Der Kulturkampf geht um die Schule&amp;quot;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 215.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Klara Bergmann]] wurde zum 1. Oktober 1935 an eine Schule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Solingen Solingen] versetzt. Für sie kam die [[Lehrer]]in [[Hildegard Wolters]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf].&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 220–221.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom 8. bis zum 25. November 1936 musste [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer|Breuer]] einen &amp;quot;weltanschaulichen Lehrgang&amp;quot; in der Gauschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedewald_%28Westerwald%29 Friedewald (Westerwald)] besuchen. Diese Lehrgänge dienten dazu, Lehrpersonen im Sinne der pädagogischen Leitbilder der NS-Ideologie (Rassenkunde, Nationalismus etc.) zu schulen. Vertreten wurde er in der Zeit von den drei anderen Lehrpersonen, die somit fünf Klassen unterrichten mussten.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 117.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Schreiben vom 23. Juli 1937 unterrichtete der Kreisschulrat den Zonser [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] im Auftrag des Regierungspräsidenten, dass der lehrplanmäßige Religionsunterricht an den Volksschulen mit Wirkung zum 31. August des Jahres durch die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen übernommen wird. Gleichzeitig sprach er ihm den Dank des Regierungspräsidenten aus.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 231.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Johannes Klüwer|Klüwer]] begann daher im November des Jahres, die Mütter der Kinder wöchentlich eine Stunde zu unterweisen, dass sie selbst ihren Kindern den Religionsunterricht erteilen konnten.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 233.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider schweigt die Zonser Schulchronik für den Zeitraum des Zweiten Weltkriegs. Der letzte Eintrag vor Ausbruch des Krieges datiert vom 9. November 1938. Nicht die Ereignisse der [https://de.wikipedia.org/wiki/Novemberpogrome_1938 Reichspogromnacht], die auch im Ort spürbar wurde, sind Thema des Eintrags, sondern der &amp;quot;Tag der Gefallenen für die Bewegung&amp;quot;, der mit Gedichten und Liedern in der [[Gaststätte &amp;quot;Zum Stern&amp;quot;]] (Schönen) gefeiert wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 121.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der folgende Eintrag datiert dann erst wieder vom 5. November 1946.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 123.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zu seinem Weggang aus dem Ort 1941 führte [[Lehrer]] [[Heinz Riffel]] eine (Schul-)Kriegschronik, die den Krieg leider nicht überstanden hat: Im März 1943 sollte die Zonser [[Lehrer|Volksschullehrerin]] [[Liesel Rasten]], seine Nachfolgerin, diese Chronik fortsetzen. Dazu wurde auch das Fotomaterial zur Chronik von [[Heinz Riffel|Riffel]] aus seinem Haus in [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf] nach Zons gebracht. Am 28. Juni 1943 schreibt [[Heinz Riffel|Riffel]] an den Zonser [[Bürgermeister]], er wolle in der kommenden Zeit eine Reinschrift der Kriegschronik verfassen. Dies sei jedoch aufgrund der Zeitumstände schwierig. Am 6. Juni 1944 schreibt er, sein Haus sei bei einem Fliegerangriff getroffen worden, wobei sein gesamtes ortsgeschichtliches Material vernichtet wurde. Offenbar ist dabei auch die Kriegschronik zerstört worden, weshalb heute nur noch das Fotomaterial erhalten ist.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, Augias 146.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Beginn des neuen Schuljahres im April 1939 wurden alle Kreuze und religiösen Bilder aus der Volksschule entfernt. Die Religionsstunden fanden nur noch in den Randstunden statt, und die Lehrerschaft durfte die Schülerinnen und Schüler nicht mehr in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Kirche]] beaufsichtigen.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 239.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Elisabeth_Kegel.jpg|200px|thumb|right|Lehrerin Elisabeth Kegel um 1939/40.]]&lt;br /&gt;
Im September 1939 wurde [[Lehrer]] [[Jakob Steves]] als Hauptmann zur &amp;quot;Westfront&amp;quot; eingezogen.&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 6, p. 245.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist anhand der Schulchronik nicht überliefert, ob und wann er wieder an die Schule zurückkehrte. In der NS-Zeit hat ab Anfang Juli 1936 auch zumindest für mehrere Jahre die [[Lehrer]]in [[Elisabeth Kegel]] an der Volksschule unterrichtet. Leider ist hierzu nichts Näheres anhand der Schulchronik überliefert. 1943 trat die Lehrerin [[Hildegund Tasch]] ihr Lehramt an der Volksschule an.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die katholische St. Martinus-Volksschule/Grundschule nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1968 ===&lt;br /&gt;
Die Volksschule war unmittelbar nach Ende des Weltkrieges in einem schwierigen Zustand: Aufgrund von Beschädigungen waren die Klassenräume nur notdürftig benutzbar, an Decken und Wänden war Putz abgefallen, die Öfen waren teils nicht aufgestellt und teils nicht benutzbar, die Fenster behelfsmäßig repariert und teilweise mit Notglas versehen. Schränke und Pulte waren nicht mehr verschließbar. Der Zustand der Schule wirkte auf alle Beteiligten, so der Schulchronist, niederdrückend und entmutigend.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 124.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Mathieu_Fausten_1948.jpg|200px|thumb|right|Hauptlehrer Mathieu Fausten 1948.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Agnes_Breuer_1948.jpg|200px|thumb|right|Lehrerin Agnes Breuer 1948.]]&lt;br /&gt;
[[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]] starb am 14. Oktober 1946 im Dormagener Krankenhaus. Am 5. November 1946 übernahm sein Nachfolger, [[Mathieu Fausten]], der vorher die Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] geleitet hatte, die provisorische Schulleitung. Zu diesem Zeitpunkt unterrichteten neben ihm die folgenden Lehrkräfte an der Volksschule&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 123.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Agnes Breuer]], die Witwe des [[Peter Breuer]], als Aushilfslehrerin (sie hatte mit Kriegsbeginn die Unterrichtung an der Volksschule übernommen)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hildegund Tasch]] als Amtsanwärterin &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Margarethe Iven]] als &amp;quot;Schulhelferin&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] als katholischer Religionslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pastor Voßwinkel aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] als evangelischer Religionslehrer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den bereits in der Zeit des Weltkriegs unterrichtenden Lehrpersonen waren somit nach Kriegsende nur noch [[Peter Breuer]] (kurzzeitig) und seine Frau [[Agnes Breuer]] aktiv. Wie lange [[Jakob Steves]] und [[Hildegard Wolters]] unterrichtet hatten, ist anhand der Schulchronik nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schulchronik berichtet über die schlechte Ernährungslage der Bevölkerung und der Schulkinder im Winter 1946/47&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 124–125.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Die Weihnachtsferien dauern vom 21.12.46–8.1.47. Auch während dieser Zeit wird die Schulspeisung ausgegeben. – Durch die Besatzungsmacht wurde für die Schulkinder eine zusätzliche warme Mahlzeit angeordnet. Der Ernährungszustand des Volkes war sehr schlecht und die laut Lebensmittelkarte zustehenden Lebensmittel (Wert 1500 Kalorien) konnten nicht einmal ausgegeben werden (tatsächliche Ausgabe etwa 900 Kalorien). Die zusätzliche Mahlzeit für die Schulkinder betrug etwa 300 Kalorien und bestand aus verschiedenen präparierten Gemüsesuppen, Haferflockensuppe usw. Dann und wann, in unregelmäßiger Folge, wurden Schokolade und Nährstangen ausgegeben, die natürlich sehr beliebt waren.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund des kalten Winters und des Mangels an Kohle und Brennholz musste die Schule im Januar 1947 geschlossen werden. Erst am 24. Februar begann man wieder mit einem stark gekürzten Schulunterricht, indem zwei Klassen vormittags geheizt wurden und die Kinder alle zwei Tage Unterricht hatten. Erst ab dem 16. März konnte wieder regulär unterrichtet werden.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen Überlastung und aus gesundheitlichen Gründen musste der evangelische Religionslehrer Pastor Voßwinkel Ende Januar 1947 das Unterrichten aufgeben. Für ihn übernahm Helene von Wilpert den Religionsunterricht, die als Katechetin auch die umliegenden Schulen betreute.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 125.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Juli 1947 bestand Lehrerin [[Hildegund Tasch]] ihre zweite Lehramtsprüfung an der Volksschule. Als neue, fünfte Lehrkraft wurde zum 1. September des Jahres der Schulamtsbewerber [[Wilhelm van der Zander]] eingewiesen, der die Akademie in [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen] besucht hat. Einen Monat später, zum 1. Oktober, verließ [[Margarethe Iven]] zwecks weiterer Ausbildung die Volksschule. Am 20. Oktober kam zur Entlastung der Schulamtsbewerber [[Klaus Scrzyba]], der die Akademie in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn] besucht hat.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 126.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 22. Oktober 1948 bekam die Schule als sechste Lehrkraft die Lehrerin [[Elisabeth Drost]] zugewiesen, die vorher an der Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Norf Norf] unterrichtet hatte. Sie übernahm die zweite Klasse.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 128.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 1. Januar 1949 erhielt [[Mathieu Fausten]] die Bestätigung der definitiven Anstellung als [[Lehrer|Hauptlehrer]]. Aus diesem Anlass veranstaltete die Schule in der Oberklasse eine kleine Feier, an der die Kinder der Oberklasse, das Lehrerkollegium, der Elternbeirat, [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]] und als Vertretung für den [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer]] der Rendant der Amtskasse, Herr Baum, teilnahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 128–129.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. April 1949 wechselte [[Lehrer]] [[Wilhelm van der Zander]] an eine Schule in seiner Heimatstadt [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchengladbach]. Für ihn kam am 18. Juni des Jahres der [[Lehrer]] [[Hans Burzik]], der an der Pädagogischen Hochschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Vechta Vechta] ausgebildet worden ist. Die Stelle in Zons war seine erste Lehrerstelle.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 129–130.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang März 1950 zählte die Volksschule 340 Kinder, die sich auf sieben Klassen und nur vier Klassenräume verteilten. Bereits vor dem Weltkrieg gab es Überlegungen für einen &#039;&#039;&#039;Schulneubau&#039;&#039;&#039;. Ein erster Nachkriegsplan sah vor, das bestehende Schulgebäude durch den Anbau von zwei Klassen zu vergrößern. Dieser Plan, der ca. 60.000,- DM Kosten vorsah, wurde von der Regierung abgelehnt. [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Mathieu Fausten]] konnte im Zuge der Wiederaufnahme der Neubaupläne den Architekten Emil Baumanns aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Wevelinghoven Wevelinghoven] für eine Mitarbeit gewinnen. Der Regierung wurden mehrere Pläne in vielfach variierter Form vorgelegt, von denen einer zum Zuge kam. Ein erster Bauabschnitt des Neubaus auf einem 87 ar großen Grundstück an der [[Steinstraße]] mit vier Klassen und je einem Nebenraum, Lehrerzimmer, Amtszimmer, Badegelegenheit etc. wurde noch 1950 in Angriff genommen. Der Gesamtkomplex umfasste 8 Klassen und eine Turnhalle.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 131.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 12. Juni 1950 war der feierliche Spatenstich für die neue Schule, ausgeführt durch [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer]]&amp;lt;ref&amp;gt;AIRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 133–134.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:IMG 0874.jpg|300px|thumb|right|Feierlicher Spatenstich zum Neubau der Volksschule am 12. Juni 1950.]]&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Die ganze Schule war am geschmückten Bauplatz anwesend, um dieses Ereignis mit zu erleben. Nach Ansprachen des Herrn [[Stadtdirektor]]s, des Herrn [[Johannes Klüwer|Pfarrers]] und des [[Mathieu Fausten|Hauptlehrers]] erklang ein frisches Lied aus freudig bewegten Kinderherzen, die nun hoffen, teilweise zu Ostern 1951 den Neubau beziehen zu können.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 29. Juli 1950 war die feierliche &#039;&#039;&#039;Grundsteinlegung zum Schulneubau&#039;&#039;&#039;, die in der Schulchronik folgendermaßen beschrieben wird&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 135–136.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Heute nachmittag wurde in Gegenwart von Vertretern der Regierung Düsseldorf, des Kreises und der Stadt Zons, der Schulkinder und vieler Zonser Bürger in feierlicher Form der Grundstein für den Schulneubau an der [[Steinstraße]] gelegt. An der fahnengeschmückten Baustelle konnte [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] neben den Einheimischen viele Ehrengäste begrüßen. Besonderer Gruß galt u.a. dem alten Zonser Freund Regierungs Bau-Direktor Schaeffer. [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer|Klüwer]] segnete den Grundstein, und [[Bürgermeister|Amtsbürgermeister]] [[Bernhard Kamm|Kamm]] verlas die kunstvoll auf Kalbfell gefertigte Urkunde. Der Zinkblechbehälter wurde nach Einfügung derselben und einiger Münzen verlötet und im Grundstein vermauert. Gedichte und Lieder der Kinder gaben der Feier einen würdigen Rahmen. Ein kurzer gemütlicher Umtrunk hielt Gäste, Stadtvertretung und Schule noch eine Weile beisammen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Möge sich erfüllen, was [[Bürgermeister|Amtsbürgermeister]] [[Bernhard Kamm|Kamm]] zu seinen drei Hammerschlägen sagte: &#039;Mit Gott&#039; – &#039;Für unsere Jugend&#039; – &#039;Für eine glückliche deutsche Zukunft&#039;, dem Regierungs Bau-Direktor Schaeffer in seiner Ansprache hinzufügte: &#039;Stehe, Grund!&#039; – &#039;Wachse, Stein!&#039; – &#039;Künde, Werk!&#039;.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 1. Dezember 1950 wurde der [[Lehrer]] [[Hans Burzik]] nach langen Bemühungen der Zonser Stadtverwaltung nach [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCttgen Büttgen] versetzt. Eltern von Schulkindern hatten sich wiederholt über sein Verhalten im Schuldienst und im Privatleben beschwert. Für ihn kam am selben Tag der [[Lehrer]] [[Erich Schindler]] von der Akademie in [https://de.wikipedia.org/wiki/Aachen Aachen].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 136.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Oktober 1951 konnte der &#039;&#039;&#039;Schulneubau an der [[Steinstraße]] eingeweiht&#039;&#039;&#039; werden. Die Schulchronik führt dazu aus&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 139–140.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Nach einem feierlichen Gottesdienst der Schulgemeinde wurden die Schulkinder mit Tambourkorps und Musikkapelle zur neuen Schule gebracht, auf deren Vorplatz die Fahnen bei herrlichem Sonnenschein die Farben der Bundesrepublik, des Landes Nordrhein-Westfalen und das [[Stadtwappen|Wappen von Zons]] zeigten. Alle, Schulkinder, Eltern und Ehrengäste erfreuten sich an dem schmucken Bild dieser im weiten Umkreis einmaligen Schule.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Unter den Ehrengästen sah man [[Pfarrer]] [[Hermann Joseph Lennartz|Lennartz]], Kaplan Roßlenbroich, Oberkreisdirektor Dr. Silka, [[Bürgermeister]] [[Bernhard Kamm|Kamm]], [[Stadtdirektor]] [[Johann Scheer|Scheer]] und Schulrat Sittard. Nachdem Kinder Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen hatten, kamen Dr. Silka, Schulrat Sittard und [[Bürgermeister]] [[Bernhard Kamm|Kamm]] zu Wort. [[Pfarrer]] [[Hermann Joseph Lennartz|Lennartz]] weihte die neuen Kreuze und kennzeichnete in einer Ansprache die Bedeutung derselben. [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Mathieu Fausten|Fausten]] gab einen geschichtlichen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Zonser Schule.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ihm wurden durch den [[Bürgermeister]] die Schlüssel überreicht, und er übernahm damit die Schlüsselgewalt über den neuen Schulbau.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Januar 1952 musste der reguläre Unterricht wegen des Mangels an Heizmaterial ausfallen: So kamen die Schulkinder morgens um 9 Uhr zur Schule, um ihre Hausaufgaben entgegenzunehmen und die alten Hausaufgaben kontrollieren zu lassen, dann wurden sie wieder nach Hause entlassen. Erst eine größere Lieferung Koks für die neue Schule brachte wieder geordnetere Verhältnisse, obwohl das Unterrichten von sieben Klassen in vier Klassenräumen gewisse Beschwerlichkeiten mit sich brachte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Beginn des neuen Schuljahres am 17. April 1952 verblieben die Klassen 1–4 in der alten Schule, die Klassen 5–8 wurden im Schulneubau unterrichtet..&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Oktober 1952 wechselte [[Lehrer]] [[Klaus Scrzyba]] nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg], wo er die Leitung der Volksschule übernahm. Für ihn kam am 6. Oktober 1952 der Lehrer [[Fritz Gallus]], der vorher in [https://de.wikipedia.org/wiki/Weselerwald Weselerwald] unterrichtet hatte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 153.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Fritz Gallus|Gallus]] wurde 1855 oder 1956 an eine andere Schule versetzt, und für ihn kam 1956 der Lehrer [[Peter Georg Jungnitz]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 157.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Ende des Schuljahres 1953/54 musste [[Lehrer]]in [[Agnes Breuer]] wegen Erreichens der Altersgrenze aus dem Dienst ausscheiden. Sie wurde in einer Feierstunde geehrt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 155.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 4. Oktober 1956 war die &#039;&#039;&#039;Grundsteinlegung für einen Erweiterungsbau der Volksschule&#039;&#039;&#039; an der [[Steinstraße]] durch den Architekten Emil Baumanns aus Wevelinghoven, bestehend aus zwei Klassenräumen mit Nebenräumen. Die Baumaßnahme wurde auf Kosten der Stadt Zons mit Unterstützung der Regierung durchgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 158.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Erweiterungsbau mit geräumiger Pausenhalle, einem Werk- und einem Nebenraum im Erdgeschoss, zwei Klassenräumen sowie einer Schüler- und Volksbibliothek und einem Konferenzzimmer im Obergeschoss sowie einem repräsentativen Feierraum im Dachgeschoss (Platz für ca. 200 Personen) konnte am 20. Dezember 1947 eingeweiht werden. In die neuen Klassenzimmer konnten nun die zweite und dritte Klasse einziehen, die bis dahin noch in der alten Schule am [[Juddeturm]] unterrichtet worden waren.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 160–161.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unmittelbar nach ihrem feierlich begangenen 40-jährigen Dienstjubiläum am 25. September 1957 schied [[Elisabeth Drost]] aus gesundheitlichen Gründen aus dem Schuldienst aus.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 159–160.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätherbst 1958 begannen die Arbeiten für den &#039;&#039;&#039;Turnhallen-Neubau&#039;&#039;&#039;, der am 5. Juni 1959 im Beisein von Vertretern der Landesregierung, der Kreisleitung, des Stadtrates und der Stadtverwaltung sowie der gesamten Zonser Lehrerschaft eingeweiht werden konnte. Die Kosten beliefen sich auf 140.000,- DM.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 165.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Jungnitz.jpg|200px|thumb|right|Lehrer Peter Georg Jungnitz ca. 1957.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Helga_Hinz.jpg|200px|thumb|right|Lehrerin Helga Hinz um 1963.]]&lt;br /&gt;
Am 1. Juli 1959 verließ [[Erich Schindler]] die Volksschule, um die Leitung der Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Straberg Straberg] zu übernehmen. Sein Nachfolger am 12. August 1959 wurde [[Albert Laufs]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 168–169.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings erhob sich in der Straberger Bevölkerung ein so großer Widerstand gegen Schindler, dass sich die Regierung veranlasst sah, ihn im September des Jahres wieder nach Zons zurück zu versetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 169.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wann er wieder wechselte ist anhand der Schulchronik nicht überliefert. Jedenfalls war er Anfang 1964 Hauptlehrer in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosellen_%28Neuss%29 Rosellen].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN; DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ostern 1960 wurde [[Lehrer]] [[Peter Georg Jungnitz]] an die Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kelzenberg Kelzenberg bei Jüchen] versetzt. Damit waren an der Zonser Volksschule nur noch vier Lehrkräfte für sieben Klassen vorhanden, so dass ein kaum vertretbarer Zustand entstand. Auf energisches Eintreten von Schulleitung, Verwaltung und Schulpflegschaft erhielt die Schule darauf zwei neue Lehrkräfte von der katholischen Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] und der katholischen Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfeld Rheinfeld], von denen eine, die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen], nur sehr kurz in Zons unterrichtete.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 169.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ostern 1961 wurde auch Lehrer Branner, der von der Volksschule in Rheinfeld gekommen war, wieder zurück versetzt. Für ihn wurde der Lehrer [[Hermann Trost]] von Dormagen provisorisch nach Zons versetzt. Ab dem 13. April 1961 unterrichtete ferner [[Johanna Mießen]] an der Zonser Volksschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schuljahr 1960/61 gab es einige Änderungen in der [[Lehrer|Lehrerschaft]] der Volksschule: Schulleiter [[Mathieu Fausten]] wurde 1962 zum Rektor ernannt, Lehrerin [[Helga Hinz]] (Eintrittsdatum unbekannt) bestand am 26. September 1961 ihre zweite Lehrprüfung, Lehrer [[Albert Laufs]] desgleichen am 23. März 1962.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 174.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 1. Mai 1962 wurde die Lehrerin [[Eva Wande]], deren Eintrittsdatum die Schulchronik nicht überliefert, nach [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] versetzt. Ergänzt wurde das Lehrerkollegium durch die neu eintretende Lehrerin [[Elisabeth Klopfer|Elisabeth Klopfer geborene Gessner]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Merl_%28Zell%29 Merl im Kreis Zell/Mosel].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 175.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die evangelische Lehrerin [[Johanna Mießen]] wurde auf den 8. April 1964 zur neu errichteten evangelischen Volksschule versetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 9. April 1964 trat [[Waltraut Wagner]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Straelen Straelen] ihr Lehramt an der katholischen Volksschule an. Mit Beginn des Schuljahres sah die Klassenaufteilung somit folgendermaßen aus: 1. Schuljahr [[Waltraut Wagner]], 1./2. Schuljahr [[Elisabeth Klopfer]], 2./3. Schuljahr Rektor [[Mathieu Fausten]], 3./4. Schuljahr [[Helga Hinz]], 5./6. Schuljahr [[Albert Laufs]], 7./8. Schuljahr Konrektorin [[Hildegund Tasch]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 186.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 19. März 1965 konnte ein &#039;&#039;&#039;Erweiterungsbau der katholischen Volksschule eingeweiht&#039;&#039;&#039; werden, der aufgrund der gestiegenen Schülerzahlen notwendig geworden war. Er umfasste u.a. vier zusätzliche Klassenzimmer, einen Werkraum, eine Aula, einen Hauswirtschaftsraum und erforderliche Nebenräume.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 196.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ostern 1965 wechselte [[Hildegund Tasch]] auf eigenen Wunsch auf eine Lehramtsstelle an einer Volksschule in [https://de.wikipedia.org/wiki/Essen Essen]. Etwa zeitgleich, am 22. April des Jahres, trat mit [[Claudia Kammel]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Halle_%28Saale%29 Halle (Saale)] eine neue Lehrerin ihren Dienst an den Schule an.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 196–197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schwimmunterricht war traditionell ein &amp;quot;Stiefkind&amp;quot; der katholischen Volksschule. Da ein eigenes Schwimmbecken fehlte, fand der Unterricht in den ersten Nachkriegsjahren in einem abgetrennten Flussabschnitt des Rheins (an der &amp;quot;Badekribbe&amp;quot;) statt. Da dies gefährlich war und zum anderen die Verschmutzung des Rheinwassers zunahm, gingen die jüngeren Lehrkräfte dazu über, mit kleineren Kindergruppen nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] ins Hallenbad zu gehen. Dies bedeutete einen großen Zeitverlust für An- und Abreise, hinzu kamen die Fahrtkosten und die Kosten für die Badbenutzung. Später wechselte man zum neu erstellten Lehrschwimmbecken in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rosellen_%28Neuss%29 Rosellen], so dass Zeit- und Kostenaufwand, auch dank Unterstützung der DLRG, Ortsgruppe Zons, reduziert werden konnten. Erst im Januar 1966 konnte ein eigenes kleines &#039;&#039;&#039;Lehrschwimmbecken&#039;&#039;&#039; nach den Plänen des Zonser Architekten [[Rudolf Norff]] in der Schule fertiggestellt werden, dessen Kosten sich auf ca. 70–80.000,- DM beliefen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 199–200.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im März 1966 wurden letztmals Schülerinnen und Schüler zu Ostern aus der Schule entlassen. Aufgrund eines Erlasses des Kultusministeriums wurde das allgemeine &amp;quot;Kurzschuljahr&amp;quot; eingeführt, das nur noch 8 Monate (bis zum 1. Dezember 1966) umfasste. Das folgende Schuljahr ging dann bis zum 1. August 1967, und dann erfolgte die Einschulung jeweils regelmäßig zum Herbst jeden Jahres.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 200–201.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ostern 1966 gab es mehrere personelle Veränderungen im Lehrerkollegium: [[Lehrer]]in Simons (Eintrittsdatum unbekannt) beantragte ihre Entlassung aus dem Dienst, [[Lehrer]] [[Albert Laufs]] wurde nach [[Stürzelberg]] versetzt, gleichzeitig wechselte [[Lehrer]] [[Dierk Simons]] von [[Stürzelberg]] nach Zons, [[Lehrer]]in [[Liselotte Laufs]] wurde von [[Stürzelberg]] nach Zons versetzt und zur Konrektorin ernannt. Damit unterrichteten an der katholischen Volksschule ab Ostern 1966 die folgenden Lehrkräfte: 1. Schuljahr [[Lehrer]] Simons, 1./2. Schuljahr [[Lehrer]]in [[Elisabeth Klopfer|Klopfer]], 2. Schuljahr [[Lehrer]]in [[Claudia Kammel|Kammel]], 3. Schuljahr &amp;quot;Durchziehklasse&amp;quot;, 3./4. Schuljahr Rektor [[Mathieu Fausten|Fausten]], 5./6. Schuljahr Konrektorin [[Liselotte Laufs|Laufs]], 7./8. Schuljahr [[Lehrer]]in [[Helga Hinz|Hinz]].&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 201–202.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 10. Januar 1967 bekam die katholische Volksschule mit [[Klemens-Josef Winkelmann]] eine neue Lehrkraft zugewiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 205.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 29. September 1967 fand die feierliche Grundsteinlegung für einen Erweiterungsbau der katholischen Volksschule nach den Plänen der Architekten Alois Bauers und Euler im Kostenumfang von 900.000,- DM (mit Unterstützung von Kreis und Land) statt, im Beisein von [[Stadtdirektor]] [[Artur Elicker]], [[Bürgermeister]] [[Georg Lerch]], [[Pfarrer]] [[Heinrich Wipperfürth]], Rektor [[Mathieu Fausten]], dem Hauptlehrer der evangelischen Zonser Volksschule Bucher, dem Lehrerkollegium, zahlreichen Vertretern des Stadtrates und vielen anderen Teilnehmern. Der Plan umfasste sechs Klassenräume mit Nebenräumen und einem Schutzraum.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 213.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der Fertigstellung 1968 wurde dieser neue Komplex aufgrund des Beschlusses des Landtags vom 1. August 1968 organisatorisch für die Klassen 5–9 als &#039;&#039;&#039;Gemeinschafts-Hauptschule&#039;&#039;&#039; von der Volksschule getrennt. Ab dem 1. August 1968 existierten also an folgenden Orten Grundschulen in Zons: die städtische St. Martinus-Grundschule (katholisch), Stürzelberger Straße 70, unter der Leitung von Rektor [[Mathieu Fausten|Fausten]] und die Städtische Gemeinschaftsgrundschule, Kurfürstenstraße 27, unter der Leitung von Hauptlehrer Bucher daneben. Frau Konrektorin [[Liselotte Laufs]] übernahm zum 1. August die Leitung der katholischen Grundschule St. Aloysius in [[Stürzelberg]]. Der Schulkomplex an der [[Steinstraße]] war nun eine Gemeinschafts-Hauptschule.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 215–216.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum 1. April 1968 erhielt die katholische Volksschule mit [[Irmintrud Graf]] eine neue Lehrkraft zugewiesen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 214.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im selben Jahr ging Rektor [[Mathieu Fausten]] in Pension.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die evangelische Paul Gerhardt-Volksschule/Grundschule an der Stürzelberger Straße (1964–1968) ===&lt;br /&gt;
Der evangelische Teil der Zonser Bevölkerung wuchs durch den Zuzug von Heimatvertriebenen von ca. 4% 1945 auf ca. 25% 1962. Vor diesem Hintergrund bemühten sich die Stadtverwaltung und das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde seit Ende der 1950er Jahre um den &#039;&#039;&#039;Bau einer evangelischen Volksschule&#039;&#039;&#039; für den gesamten Amtsbezirk, also inklusive [[Stürzelberg]]. Eine Elternbefragung 1960 unterstützte das Vorhaben. Am 6. Oktober 1962 wurde der Grundstein für diesen Schulbau an der [[Stürzelberger Straße]] nach den Entwürfen des Zonser Architekten [[Rudolf Norff]] und mit wesentlicher Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Landkreises Grevenbroich feierlich gelegt. Der Plan umfasste vier Klassenräume, einen Gymnastikraum, einen Werkraum, eine Aula und einige weitere Nebenräume. An der Grundsteinlegung nahmen [[Bürgermeister]] [[Georg Lerch]], Architekt [[Rudolf Norff]], Amtmann [[Jean Schmitz]], Rektor [[Mathieu Fausten]], Pastor Keller und zahlreiche weitere Personen teil.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 175–178.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. April 1964 beging die Stadt die &#039;&#039;&#039;Eröffnung der evangelischen Volksschule&#039;&#039;&#039; (&amp;quot;Paul Gerhardt-Schule&amp;quot;) mit einem öffentlichen Besichtigungstermin. Am folgenden Tag begann der Schulunterricht. Die evangelische Lehrerin [[Johanna Mießen]] wurde von der katholischen zur evangelischen Volksschule versetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 183.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da noch einige Arbeiten am Schulgebäude zu erledigen waren, fand die offizielle, feierliche Übernahme erst am 15. Oktober 1964 statt.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 189–191.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erster Leiter (Hauptlehrer) der Schule wurde Lehrer Rudolf Bucher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herbst 1965 starteten die Arbeiten für ein umfangreiches neues, geschlossenes Wohngebiet &amp;quot;Zons-West&amp;quot;, das den benötigen Wohnraum für die Mitarbeitenden des neuen Werks der &amp;quot;[https://de.wikipedia.org/wiki/Ineos_K%C3%B6ln EC Erdöl-Chemie GmbH]&amp;quot; in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]/[https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen] bieten sollte. Angesichts der Planungszahlen war für die evangelische Volksschule ein Neubau in Arbeit (zwei Klassen und zwei Klassen &amp;quot;Hilfsschule&amp;quot;). Auch für die katholische Volksschule gab es Erweiterungsplanungen.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 198–199.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Erweiterungsbau der evangelischen Volksschule wurde zum 1. Dezember 1966 fertig. Die ursprünglich geplante zweiklassige &amp;quot;Hilfsschule&amp;quot; (Sonderschule) darin wurde nicht realisiert, da der [[Stadtrat]] diese Räume für die Übergangszeit zwischen dem geplanten Abbruch des alten und der Fertigstellung eines neuen [[Rathaus]]es in Zons nutzte.&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 203–204.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1968 wurde die evangelische Grundschule im Zuge der Schulreform zu einer Gemeinschaftsgrundschule umgebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gemeinschafts-Hauptschule (&amp;quot;Arnold-von-Manderscheid-Schule&amp;quot;) an der Deichstraße (1968–1989) ===&lt;br /&gt;
Aufgrund der Schulreform und eines durchgeführten Abstimmungsverfahrens entstand zum Schuljahr 1968/69 in den Gebäuden der früheren katholischen St. Martinus-Grundschule an der [[Steinstraße]] eine Gemeinschafts-Hauptschule, die später den Namen &amp;quot;Arnold-von Manderscheid-Schule&amp;quot; erhielt. Im Zuge der [[Kommunale Neugliederung|Kommunalen Neugliederung]] 1975 wurde die Schule eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagener] Schule. Erste Schulleiterin wurde die frühere Konrektorin der Volksschule, [[Liselotte Laufs]]. Auf diese folgte Horst Baumann als Schulleiter von 1984 bis 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen der abnehmenden Schülerzahlen beschloss der Rat der Stadt [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] am 30. September 1986, die beiden Hauptschulen in Zons und [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim] zusammenzulegen. Diese Zusammenlegung wurde jedoch von der Bezirksregierung mit Verfügung vom 7. April 1987 untersagt. Im Schuljahr 1987/88 konnte aufgrund der geringen Schülerzahl keine neue Eingangsklasse mehr gebildet werden. Daraufhin wurde die Schule zum Schuljahr 1989/90 aufgelöst und mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagener] [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Gmeiner Hermann-Gmeiner]-Schule/[https://de.wikipedia.org/wiki/UNESCO-Projektschule UNESCO-Projektschule] in Dormagen zusammengelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zusammenstellung der Daten aufgrund der Angaben von [[Hermann Kienle]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gemeinschafts-Grundschule (&amp;quot;Friedestrom-Schule&amp;quot;) an der Kurfürstenstraße (1968–2005) ===&lt;br /&gt;
Im Zuge der Schulreform und eines durchgeführten Abstimmungsverfahrens wurde der Schulkomplex an der [[Stürzelberger Straße]] bzw. Kurfürstenstraße neu in eine Gemeinschafts-Grundschule und eine katholische Grundschule eingeteilt. Die Gemeinschafts-Grundschule an der Kurfürstenstraße unter der Leitung des Hauptlehrers Rudolf Bucher erhielt etwa Ende der 1970er Jahre den Namen &amp;quot;Friedestrom-Schule&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die [[Kommunale Neugliederung]] 1975 wurde die Schule eine Dormagener Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Schulleiter Rudolf Bucher ab 1964 folgten Philipp Weismantel, Ursula Nolten (bis 1999) und Ursula Lauer (1999–2004).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die katholische St. Martinus-Grundschule an der Stürzelberger Straße (1968–2005) ===&lt;br /&gt;
Im Zuge der Schulreform und eines durchgeführten Abstimmungsverfahrens 1968 wurde der Schulkomplex der evangelischen Grundschule an der [[Stürzelberger Straße]] bzw. Kurfürstenstraße neu in eine Gemeinschafts-Grundschule und eine katholische Grundschule eingeteilt. Die katholische St. Martinus-Grundschule zog vom Schulkomplex an der [[Steinstraße]], der für die neue Gemeinschafts-Hauptschule genutzt wurde, zur Stürzelberger Straße 70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgerin von Schulleiter [[Mathieu Fausten]] wurde Elisabeth Klopfer, auf sie folgten Mechthild Krebs und Ingrid Grochla bis zur Schließung der Schule 2004. Dazwischen war Michael Girreßer kommissarischer Schulleiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die [[Kommunale Neugliederung]] 1975 wurde die Schule eine Dormagener Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Friedrich-von-Saarwerden-Gemeinschaftsgrundschule an der Deichstraße (eröffnet 2006) ===&lt;br /&gt;
Wegen der seit Jahren rückläufigen Schülerzahlen der beiden Zonser Grundschulen und aufgrund des Zustandes der Schulgebäude (bei Rheinhochwasser drückte regelmäßig Wasser in die im Keller genutzten Schulräume, und eine Sanierung war nicht möglich) gab es ab 2000 Überlegungen, diese Schulen an einem neuen Ort zusammenzulegen. 2001 starteten Untersuchungen, den Komplex der ehemaligen Hauptschule an der [[Deichstraße]] für eine zweizügige Ganztagsgrundschule zu sanieren und umzubauen. Am 29. Juli 2003 beschloss der Stadtrat die Zusammenlegung der beiden Zonser Grundschulen zum Schuljahr 2004/2005 (1. August 2004) und den Umbau der alten Hauptschule. Die Bezirksregierung stimmte dem Vorhaben zu. Ein Abstimmungsverfahren erbrachte ein deutliches Votum für die Gemeinschaftsgrundschule. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Umbauarbeiten unter der Leitung von Wilhelm Brömmelsiek starteten im April 2004, zunächst mit einem Teilausbau des Dachgeschosses. Zuvor mussten die in den Gebäuden lebenden Flüchtlinge in anderen Unterkünften untergebracht werden. Der umfangreiche Kostümbestand der Spielschar der [[Freilichtbühne]] fand im [[Bürgerhaus]] ein neues Domizil. Im Zuge des Umbaus wurden neue Fenster eingebaut, die Wärmedämmung verbessert, die Elektroinstallation erneuert und ein neuer Eingangsbereich geschaffen. Die Arbeiten wurden durch den Verkauf der bisherigen Grundschul-Grundstücke an der [[Stürzelberger Straße|Stürzelberger-]] bzw. Kurfürstenstraße refinanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen waren (es standen noch Arbeiten im Gebäude, in der Turnhalle mit Umkleideräumen und der Außenanlage an), konnte der Schulbetrieb in der neuen Schule nach den Sommerferien, am 9. August 2006 beginnen. Am 16. Oktober 2006 fand die feierliche Einweihung im Beisein der Schulministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Sommer Barbara Sommer], statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schuljahr 2006/2007 zählte die Grundschule unter der Leitung von Ursula Lauer 204 Schülerinnen und Schüler.&amp;lt;ref&amp;gt;Zusammenstellung der Daten aufgrund der Angaben von [[Hermann Kienle]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf Ursula Lauer folgte Renate Zündorf als Schulleiterin (bis 2024), anschließend Carmen Pielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulwesen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungswesen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Stadtfest_1929&amp;diff=4358</id>
		<title>Stadtfest 1929</title>
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		<updated>2026-07-04T19:59:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:1929_03.jpg|300px|thumb|right|Button zum Zonser Stadtfest 1929 (Entwurf wohl von Theo Blum).]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 20. und 21. Juli 1929 veranstaltete der Zonser [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Verkehrs- und Verschönerungsverein]] ein großes [[Stadtfeste|&#039;&#039;&#039;Stadtfest&#039;&#039;&#039;]] anlässlich der Verleihung des [[Stadtwappen]]s 1904 und der 555-Jahr-Feier der [[Stadtrecht|Stadterhebung]] 1373.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hintergrund ==&lt;br /&gt;
Am Samstag und Sonntag, dem 20. und 21. Juli 1929, veranstaltete der [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Verkehrs- und Verschönerungsverein]] ein großes [[Stadtfeste|Stadtfest]] anlässlich des Silberjubiläums der Verleihung des [[Stadtwappen]]s 1904 und der 555-Jahr-Feier der [[Stadtrecht|Stadterhebung]] 1373 durch [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] (Letzteres eigentlich um ein Jahr verspätet). Für die künstlerische Durchführung des Festzuges und des gesamten Festprogramms war der Kunstmaler und Radierer [[Theo Blum]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] verantwortlich, die historischen Recherchen für die einzelnen Festzugsgruppen führte der Zonser [[Lehrer]] [[Heinz Riffel]] durch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_01.jpg|300px|thumb|right|Titelblatt der Broschüre zum Zonser Stadtfest 1929.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Festschrift und Organisation ==&lt;br /&gt;
=== Festschrift ===&lt;br /&gt;
Anlässlich des Stadtfestes wurde eine 40-seitige Festschrift herausgegeben, gedruckt bei Emil Fandreyer in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss], der viele Details zur Organisation des Festes zu entnehmen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Broschüre &#039;&#039;&amp;quot;Zonser Stadtfest 1373 - 1929&amp;quot;&#039;&#039;, Neuss 1929.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veröffentlichung beginnt mit einem lyrischen Festgruß durch die Zonser [[Lehrer]]in [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Maria Elisabeth Werle]], gefolgt von einem Geleitwort des in Zons aufgewachsenen Studienrats Dr. [[Josef Zanders]] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]. Die beachtliche Liste der Ausschussmitglieder des Festes liest sich wie ein &amp;quot;Who&#039;s who?&amp;quot; der regionalen Prominenz aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Kultur; ein geschickter Schachzug der Veranstalter, denn so sicherte man sich einen honorigen Kreis von Freunden und Unterstützern des örtlichen Fremdenverkehrs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Organisation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Protektorat ====&lt;br /&gt;
Dem Protektorat gehörten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Schulte Erzbischof Dr. Karl Joseph Schulte], [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Fuchs_%28Politiker%29 Oberpräsident der Rheinprovinz, Reichsminister a.D. Dr. h.c. Johannes Fuchs], [https://de.wikipedia.org/wiki/Koblenz Koblenz].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ehrenausschuss ====&lt;br /&gt;
Der Ehrenausschuss zählte folgende Mitglieder: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Generaldirektor der Provinzial-Feuerversicherungs-Anstalt Clemens Adams, [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Adenauer Kölner Oberbürgermeister Dr. h.c. Konrad Adenauer]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sanitätsrat und Vorsitzender des Vereins &amp;quot;Alt Köln&amp;quot; Dr. Josef Bayer, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stürzelberg]]er Gemeindeverordneter [[Franz Bebber]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Michel Becker|Kölner Schriftsteller Michel Becker]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Prof. Dr. Bender, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Maler und Radierer Franz Bender, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sanitätsrat Dr. Bentler, [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Arzt Dr. Hubert Bentler, [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringen Worringen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Bergemann Regierungspräsident Karl Bergemann, Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Arzt Dr. Karl Bergenthal, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Definitorium Definitor] Gustav Biesenbach, [[Stürzelberg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Theo Blum|Landschaftsmaler und Radierer Theo Blum, Köln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Dekan_(Kirche) Dechant] Böckels, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Landesfinanzamtspräsident und Ministerial-Direktor a.D. Dr. von Brandt, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hauptlehrer i.R. Michael Breuer, [[Stürzelberg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stadtrat|Gemeindeverordneter]] Peter Breuer, Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schriftsteller [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Br%C3%BCes Otto Brües], [https://de.wikipedia.org/wiki/Klettenberg_(K%C3%B6ln) Köln-Klettenberg]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Landesverwaltungsrat Dr. Joseph Busley, [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Direktor des [https://de.wikipedia.org/wiki/Pfeifer_%26_Langen Rheinischen Aktienvereins für Zuckerfabrikation] [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] Dr. phil. Dr. ing. e.h. Hermann Claaßen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Lehrer i.R. [[Rudolf Claus]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochneukirch Hochneukirch] (früher Lehrer der [[Schulwesen|Zonser Volksschule]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vorsitzender des Denkmalrats der Rheinprovinz Geheimrat Prof. Dr. [[Paul Clemen]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister von [https://de.wikipedia.org/wiki/Benrath Benrath] Dr. Erich Custodis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Lehrer]] [[Hanns Dederichs]], [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] (früher [[Lehrer]] an der [[Schulwesen|Zonser Volksschule]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeindeverordneter von [[Stürzelberg]] Johann Doeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Veterinärrat Dücker, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kaufmann Josef Dünbier, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Großkaufmann Jan Piet van Endert, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schriftsteller Dr. [http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Eulenberg Schriftsteller Dr. Herbert Eulenberg, Kaiserswerth]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Direktor Eulenstein, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kaufmännischer Direktor Ferda, [https://de.wikipedia.org/wiki/Siegen Siegen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erster [[Beigeordnete]]r Fleischhauer, Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Direktor Frommer, [[Stürzelberg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oberregierungs- und Oberbaurat sowie Rheinschifffahrtsinspektor Paul Gelinsky, [https://de.wikipedia.org/wiki/Koblenz Koblenz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Prof. Dr. Franz Gescher, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pfarrer Dr. Paul Goldberg, [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regierungs-Assessor Dr. Gotthardt, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister [[Albert Granderath]], Willich (früher [[Bürgermeister]] Zons)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regierungsbaurat Grochtmann, [https://de.wikipedia.org/wiki/Duisburg Duisburg]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Landrat Dr. Simon Nikolaus Stephan Groener, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister Robert Grootens, [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCttgen Büttgen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister [[Stephan Güsgen]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Geilenkirchen Geilenkirchen] (früherer Zonser [[Bürgermeister]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rektor Hausmann, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_von_Hatzfeld Schriftsteller Dr. Adolf von Hatzfeld, Godesberg]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kreis-Medizinalrat Dr. Heinze, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pfarrer Franz Heller, [https://de.wikipedia.org/wiki/Longerich_(K%C3%B6ln) Köln-Longerich]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regierungs-Assessor Dr. Herfeld, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Herzog Schriftsteller Rudolf Herzog, Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Horion Landeshauptmann Dr. Johannes Horion, Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_H%C3%BCpper Oberbürgermeister Heinrich Hüpper, Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Syndikus Syndikus] Dr. Jansen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Direktor der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstakademie_D%C3%BCsseldorf staatlichen Kunstakademie Düsseldorf] [http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kaesbach Dr. Walter Kaesbach]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beigeordneter Kaiser, [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCderich_(Meerbusch) Büderich]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Landrat i.R. und Rittergutsbesitzer [https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Wittgenstein_(Bornheim) Haus Wittgenstein] [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Kesseler Dr. Friedrich von Kesseler-Pattern]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Direktor der Geschäftsstelle für katholische Familienerziehung Franz Kettenhofen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Emil Kirchhoff|Bürgermeister Dr. Emil Kirchhoff, Rommerskirchen]] (früher Zonser [[Bürgermeister]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beigeordneter und Mitglied des Rheinischen Provinziallandtags Leo Klövekorn, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kaarst Kaarst]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]], Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rentner J. Klüwer, Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Constantin Koenen|Archäologe Dr. phil. h.c. Constantin Koenen, Neuss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schriftsteller Raoul Konen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Lindenthal_(K%C3%B6ln) Köln-Lindenthal]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* königlicher Musikdirektor Felix Krakamp, [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Dekan_(Kirche) Dechant] Joseph Kreuer, [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BClheim_(K%C3%B6ln) Köln-Mülheim]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oberingenieur Adolf Krus, [[Stürzelberg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Kruse Regierungspräsident a.D. Dr. Francis Kruse, Godesberg]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rheinstrombau-Direktor Joseph Langen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Koblenz Koblenz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schulrat Langenberg, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Lehr Oberbürgermeister Dr. Dr. h.c. Robert Lehr, Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Landrat a.D. Freiherr Friedrich von der Leyen zu Bloemersheim, [https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Meer Haus Meer]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Helmuth_Liesegang Maler Prof. Helmuth Liesegang, Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Direktor Lorenz, [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* General-Präses der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_historischen_deutschen_Sch%C3%BCtzenbruderschaften rheinisch-westfälischen Schützenbruderschaften] Pfarrer Dr. Peter Louis, [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrrig Wiesdorf-Bürrig]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_L%C3%BCninck Präsident der Landwirtschaftskammer der Rheinprovinz Hermann Freiherr von Lüninck, Bonn]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Marx Reichskanzler a.D. und Mitglied des Reichstags Dr. Wilhelm Marx, Berlin]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Mathar Schriftsteller Dr. Ludwig Mathar, Monschau]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stadtrat|Gemeindeverordneter]] [[Wilhelm Meller]], Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Meerfeld Beigeordneter und Mitglied des Staatsrats Johannes Meerfeld, Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Wolff-Metternich Provinzialkonservator der Rheinprovinz Franz Graf Wolff Metternich, Bonn]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_M%C3%B6lders Domkapellmeister Prof. Johannes Mölders, Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schriftsteller [http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_M%C3%BCller-Schl%C3%B6sser Schriftsteller Hans Müller-Schlösser, Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Arzt Dr. Nußbaum, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Tierarzt Dr. J. Offermanns, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pfarrer [[Aloys Oertgen]], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kettwig Kettwig vor der Brücke] (früher Zonser [[Vikare|Vikar]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schriftsteller Dr. [http://de.wikipedia.org/wiki/Alfons_Paquet Schriftsteller Dr. Alfons Paquet, Frankfurt/M.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schriftsteller Dr. Albert Paß, [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Postmeister Wilhelm Peters, [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regierungs-Assessor Rademacher, [https://de.wikipedia.org/wiki/Opladen Opladen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Raederscheidt Akademie-Direktor Prof. Georg Raederscheidt, Bonn]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister Johannes Rahmen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stadtrat|Gemeindeverordneter]] Caspar Remmer, [[Stürzelberg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stadtrat|Gemeindeverordneter]] Josef Richrath, [[Stürzelberg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Direktor der [https://de.wikipedia.org/wiki/I.G._Farben I.G. Farbenindustrie] [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] Roßbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Seyppel Maler Hans Seyppel, Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Präsident der Oberpostdirektion Walter Georg Karl Schenk, [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister Josef Scherer, [https://de.wikipedia.org/wiki/Glehn_(Korschenbroich) Glehn]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Steueramtmann Schiering, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Baron von Schlotheim, Schloss Roland&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Arzt Dr. Schmitten, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Schmittmann Landesfinanzamtspräsident Dr. Heinrich Schmittmann, Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schulrat Dr. Schmitz, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sparkassendirektor Schmitz, [https://de.wikipedia.org/wiki/Steele_(Essen) Steele]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ludolf Schmitz|Oberpfarrer Dr. Ludolf Schmitz, Bergheim]] (früherer Zonser [[Pfarrer]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stadtrat|Gemeindeverordneter]] [[Peter-Josef Schmitz]], Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hauptlehrer Friedrich Schnitzler, [[Stürzelberg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zweiter [[Beigeordnete]]r Schoenen, [[Stürzelberg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister Josef Schönenbrücher, [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hüttendirektor Dipl.-Ing. Schüphaus, [https://de.wikipedia.org/wiki/Nievenheim Nievenheim]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister Heinrich Schürholz, [https://de.wikipedia.org/wiki/Monheim_am_Rhein Monheim]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister Wilhelm Stefen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Fischeln Fischeln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister Stefen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kl%C3%BCppelberg Klüppelberg]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oberingenieur Stein, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stadtrat|Gemeindeverordneter]] Gottfried Stelzmann, Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oberdeichinspektor Regierungsbaurat Stracke, [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%BCsseldorf Düsseldorf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritaner C. S. Sp.] Superior Dr. Peter Strerath, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Knechtsteden]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regierungsdirektor Dr. de Terra, [https://de.wikipedia.org/wiki/Arnsberg Arnsberg]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Handelskammer-Präsident Cornelius Thywissen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Landrat Peter Trimborn, [https://de.wikipedia.org/wiki/Opladen Opladen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schriftsteller Fritz Vater, [https://de.wikipedia.org/wiki/Biedenkopf Biedenkopf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Handelsgerichtsrat und Schatzmeister der Handelskammer [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] Vell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oberregierungsrat Vogels, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Vogts Baurat Dr. Ing. Hans Vogts, Köln]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Wallraf Staatsminister a.D. und Mitglied des Reichstags Exzellenz Max Wallraf, Berlin]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fabrikant Gottfried Wegelin, Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürgermeister Hans Weitz, [https://de.wikipedia.org/wiki/Holzheim_(Neuss) Holzheim]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Wenz Schriftsteller und Rektor Richard Wenz, Köln-Nippes]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Wildemann Provinzialbaurat Theodor Wildemann, Bonn]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Landwirtschaftsrat Wolff, [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Direktor der Aktienbrauerei [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] Rudolf Wülfinghoff&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Josef Zanders|Studienrat Dr. Josef Zanders, Neuss]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kaufmann Franz Zanders, [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederlahnstein Niederlahnstein]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Festausschuss ====&lt;br /&gt;
Dem Festausschuss gehörten an: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* stellvertretender Zonser [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken|Hans Flücken]] als Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zonser [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]] als stellvertretender Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zonser [[Pfarrer]] [[Johannes Klüwer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Theo Blum|Landschaftsmaler und Radierer Theo Blum aus Köln]] als Künstlerischer Beirat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zonser Gemeindeobersekretär [[Heinrich Berchem]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zonser [[Lehrer]] [[Heinz Riffel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zonser Gastwirt [[Peter-Josef Schmitz]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ausschmückungsausschuss ====&lt;br /&gt;
Den Ausschmückungsausschuss bildeten die folgenden Personen (alle aus Zons): &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Lehrer|Hauptlehrer]] [[Peter Breuer]] als Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johann Bedbur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wilhelm Fleischhauer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Heinrich Gilgen sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Heinrich Gilgen jun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hubert Geiler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Richrath&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anton Seburschenich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wilhelm Steinbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sebastian Steinbach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Henriette Flücken (die Frau des [[Hans Michael Flücken|Bürgermeisters]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Agnes Breuer]] (Frau des [[Peter Breuer|Hauptlehrers]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Festzugsausschuss ====&lt;br /&gt;
Der Festzugauschuss setzte sich aus folgenden Mitgliedern zusammen (alle aus Zons): &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Lehrer]] [[Heinz Riffel]] als Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fritz Bebber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Heinrich Gilgen sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Peter Gilgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Karl Kluth&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Peter Köppinger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johann Longerich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wilhelm Peters&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Franz Ross&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hubert Stelzmann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Cornelius Wolter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Finanz- und Rechnungsausschuss ====&lt;br /&gt;
Den Finanz- und Rechnungsausschuss bildeten (alle aus Zons): &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeindeobersekretär [[Heinrich Berchem]] als Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Willi Dick&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Peters&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Lehrer]] [[Jakob Steves]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Josef Vogel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jakob Vonden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verkehrsausschuss ====&lt;br /&gt;
Dem Verkehrsausschuss gehörten folgende Mitglieder an (alle aus Zons): &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeindeobersekretär [[Heinrich Berchem]] als Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Willi Dick&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Lehrer]] [[Jakob Steves]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verpflegungsausschuss ====&lt;br /&gt;
Im Verpflegungsausschuss saßen die folgenden Herren (alle aus Zons): &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* stellvertretender [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken|Hans Flücken]] als Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wilhelm Hell&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Peters&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Heinrich Scheer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wirt [[Peter-Josef Schmitz]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_04.jpg|300px|thumb|right|Bei der Aufführung des Weihespiels &#039;&#039;&amp;quot;Schwur am Strom&amp;quot;&#039;&#039; von Michel Becker.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erster Festtag: Samstag, 20. Juli 1929&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel &#039;&#039;&amp;quot;Festliche Tage in Zons&amp;quot;&#039;&#039;, in: NGZ vom 22. Juli 1929.&amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Das Festprogramm startete am Samstag, dem 20. Juli 1929 um 20 Uhr mit der Musikkapelle der 68er aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] unter der Leitung von Kapellmeister Hermann Schmidt. Der Festakt auf der Wiese vor dem [[Rheintor]] startete um 21 Uhr: Dort kam es zu einem Aufmarsch von Turnern, einem &amp;quot;Zigeunerinnenreigen&amp;quot; und einem &amp;quot;Fackelreigen&amp;quot;. Dazu wurde der [[Rheinturm]] sehr feierlich beleuchtet. Im Anschluss wurde unter der musikalischen Führung der 68er-Kapelle ein Fackelzug durch die sehr festlich mit Girlanden geschmückte Stadt veranstaltet, der schließlich wieder am Rhein endete. Überall hingen Fähnchen mit den kurkölnischen Farben. Den Höhepunkt des Abends bildete die Aufführung des Weihespiels &amp;quot;Schwur am Strom&amp;quot;, das der Kölner Heimatdichter [[Michel Becker]] eigens für diesen Anlass geschrieben hatte. Bauern und Handwerker traten hier als Repräsentanten des traditionellen Gewerbes auf, Industriearbeiter als Repräsentanten der modernen Zeit. Zusammen mit den auftretenden Frauen gelobten sie, der Gemeinschaft &#039;&#039;&amp;quot;Dienst zu tun, im alten Geiste dem neuen Bund&amp;quot;&#039;&#039;. Sie schworen: &#039;&#039;&amp;quot;Hass der Parteiung, Treu dem Lande, Wacht sei der Freiheit, Hut sei dem Frieden&amp;quot;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich trafen sich die Teilnehmer zum &amp;quot;Festabend&amp;quot; im Saal des &amp;quot;[[Bergischer Hof (Gaststätte)|Bergischen Hofes]]&amp;quot;. Das Programm sah für dort folgende Punkte vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Einzug der Gäste auf der Wartburg, Marsch aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Tannh%C3%A4user_und_der_S%C3%A4ngerkrieg_auf_Wartburg Oper &amp;quot;Tannhäuser&amp;quot;] – [https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Wagner Richard Wagner]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Eröffnungsrede durch den stellvertretenden [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken|Flücken]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In seiner Rede ging der [[Bürgermeister]] auf die alte Geschichte der Stadt und die archäologischen Funde ein. Bedeutend sei die mittlerweile 555-jährige Stadtgeschichte. Der Geist des Bürger- und Gemeinschaftssinns spreche aus den Türmen. Das Fest solle die Vorfahren ehren. Er dankte den Vertretern des Gemeinderates, aber auch allen Mitbürgern, die einig und geschlossen wie Mauern und Türme der Stadt zusammenstanden, und schloss mit einem dreifachen &amp;quot;Hoch&amp;quot; auf [http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Hindenburg Reichspräsident von Hindenburg].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. Ouvertüre zur Operette &amp;quot;Dichter und Bauer&amp;quot; – [http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Supp%C3%A9 Franz von Suppé]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. Die Himmel rühmen (Chor und Orchester), durch den [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Männergesangsverein Cäcilia Zons]] (Leitung: Musikdirektor [[Willi Hahn]]) – [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_van_Beethoven Ludwig van Beethoven]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. Rheinische Kürassier-Ballade, komponiert und vorgetragen von Hermann Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Lied &amp;quot;Ewig liebe Heimat&amp;quot;, durch den [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Männergesangsverein Cäcilia Zons]] – Carl Hirsch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Militärisches Tongemälde mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Zapfenstreich großem Zapfenstreich] – Hermann Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweiter Festtag: Sonntag, 21. Juli 1929&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel &#039;&#039;&amp;quot;Festliche Tage in Zons&amp;quot;&#039;&#039;, in: NGZ vom 22. Juli 1929.&amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vom Wecken bis zum Mittag ===&lt;br /&gt;
Der Festsonntag, der 21. Juli 1929, begann mit dem Wecken um 5 Uhr morgens. Es war ein sehr schöner, sonniger Tagesbeginn. Um 9:30 Uhr startete ein Festgottesdienst in der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|Pfarrkirche St. Martinus]], zelebriert vom Vertreter des Kölner Erzstifts Monsignore Domkapitular August Höller, Diözesanpräses [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heinrichsbauer Johannes Heinrichsbauer] aus Köln hielt die Festpredigt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Heinrichsbauer Heinrichsbauer] mahnte in seiner Predigt die Bürgerschaft, heimattreu den Pflichten, die eine ruhmvolle Tradition auferlege, gegründet auf Christus und seine Kirche, nachzugehen. Von 11 Uhr bis 12:30 Uhr wurde ein Konzert auf der Festwiese vor dem [[Rheintor]], wieder ausgeführt durch die Kapelle der 68er aus Köln, veranstaltet. Das Konzert umfasste folgende Programmpunkte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:1. Rheinischer Festmarsch – Hermann Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:2. Die Hermannsschlacht, Ouvertüre – Lakin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:3. a) Pilgerchor und Lied an den Abendstern aus der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tannh%C3%A4user_und_der_S%C3%A4ngerkrieg_auf_Wartburg Oper &amp;quot;Tannhäuser&amp;quot;] – [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Wagner Richard Wagner]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::b) Steuermannslied und Matrosenchor aus der Oper [http://de.wikipedia.org/wiki/Der_fliegende_Holl%C3%A4nder &amp;quot;Der fliegende Holländer&amp;quot;] – [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Wagner Richard Wagner]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:4. musikalische Seifenblasen, Potpourrie – Urban&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:5. zwei Fanfarenmärsche für Feldtrompeten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::a) Festmarsch des Neusser Reiterkorps zur Hundertjahrfeier 1928 – Hermann Schmidt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::b) Parademarsch der 18. Husaren (im Trab) – Alwin Müller&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:6. Großer alt-historischer Marsch, Potpourrie – Pieske&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:7. Marsch der Zonser Zinkenbläser aus den Jahren des 16. Jahrhunderts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_02.jpg|300px|thumb|right|Annonce der Firma Peter von Bongardt aus Köln, die die historischen Kostüme und Ausrüstungsgegenstände für den Festzug stellte.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_47.jpg|300px|thumb|right|Den Anfang des Festzuges, hier vorweg zwei berittene Polizisten, bildeten ein Herold zu Pferd mit dem Banner von Zons&lt;br /&gt;
sowie zwei Fanfarenbläser zu Pferd. Hier ist der Festzug auf der Feldstraße beim Zug auf den Rathausplatz am Juddeturm zu sehen.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_05.jpg|300px|thumb|right|Darsteller der Gruppe I (Zons zur Römer- und Frankenzeit) auf der Feldstraße nach dem Festakt auf dem Rathausplatz.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_06.jpg|300px|thumb|right|Darsteller der Gruppe I: fünf gefangene Germanen, bewacht von drei römischen Soldaten, vor Beginn des Festzuges auf der Steinstraße.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_07.jpg|300px|thumb|right|Darsteller der Gruppe I: zwei Mann Gefolge des fränkischen Gaugrafen zu Pferd auf der Steinstraße.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Festzug und Festansprachen am Nachmittag ===&lt;br /&gt;
Um 15 Uhr sollte der große historische Festzug mit anschließender Schlussfeier auf der Festwiese stattfinden. Jedoch zog unmittelbar davor ein schweres Unwetter mit Regen auf, so dass der Festzug um über eine Stunde verschoben werden musste. Sämtliche Kostüme und Ausrüstungsgegenstände für den Festzug stellte die Firma Peter von Bongardt aus [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] zur Verfügung. Der Festzug, bestehend aus insgesamt 236 Teilnehmern, neben den Musikkapellen, stellte sich in der [[Steinstraße]], der heutigen [[Deichstraße]], mit der Spitze an der [[Gartenstraße]], der heutigen [[Parkstraße]], auf. Er zog zunächst durch die [[Gartenstraße]] und anschließend durch das [[Rheintor]] in die [[Rheinstraße]], am [[Marktplatz]] bog der Zug in die [[Feldstraße]], die heutige [[Schloßstraße]], um auf dem [[Rathaus]]platz am [[Juddeturm]] zusammenzukommen. Auf diesem Platz schloss sich ein kleiner Festakt an, bei dem ein als Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Friedrich III. von Saarwerden]] verkleideter Darsteller die [[Stadtrecht|Stadternennungsurkunde vom 20. Dezember 1373]] vorlas und sie zusammen mit dem Stadtschlüssel dem [[Bürgermeister]] übergab. Daraufhin verlas der [[Bürgermeister]] im Beisein der sieben [[Schöffen]] die Kabinettsorder zur Verleihung des [[Stadtwappen]]s vom 12. Mai 1904. Anschließend erfolgte die Nagelung einer Erinnerungstafel, die später am [[Rathaus]] angebracht werden sollte, mit der Inschrift: &#039;&#039;&amp;quot;Dieses Haus haßt die Schlechtigkeit, liebt den Frieden, straft Haß und Verbrechen, schützt das Recht, ehrt die Rechtschaffenen.&amp;quot;&#039;&#039; Dies ist eine historisch überlieferte lateinische Inschrift, die sich ehemals am alten [[Rathaus]] auf dem [[Marktplatz]] befand. Nach diesem Festakt zog der Festzug weiter über die [[Feldstraße]] durch das ehemalige [[Feldtor]], in den [[Wiesenstraße|Wiesenweg]], an der Zonser Südseite vorbei durch das [[Schlosstor]] und das für Besucher gesperrte [[Schloss Friedestrom|Schlossgelände]], wieder über die [[Rheinstraße]] zur Festwiese vor dem [[Rheintor]], wo alle zu einer bunten Menschenmenge zusammenkamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Festzugsgruppen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Großteil der Fotos des Festzugs wurde von Karl Kress aufwendig aufbereitet.&amp;lt;/ref&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
Der Festzug gliederte sich in 8 Gruppen (es handelt sich hier um die Planung nach der Festbroschüre, von der man in der Umsetzung etwas abwich):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gruppe 1: Zons zur Römer- und Frankenzeit:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Page mit Gruppenschild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Herold zu Fuß mit rheinischem Feldzeichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*6 römische Fußsoldaten&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
*1 Feldherr auf römischem Kriegswagen&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
*2 römische Reiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*6 gefangene Germanen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 römische Fußsoldaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 fränkischer Gaugraf zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Mann Gefolge zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*5 fränkische Fußsoldaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gruppe 2: Die Tempelherren in Zons&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Page mit Gruppenschild&lt;br /&gt;
*6 Tempelherren zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gruppe 3: Die Schlacht bei Worringen 5. Juni 1288&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Page mit Gruppenschild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Tambourmajor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*10 Trommler und Pfeifer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Kapellmeister&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*12 Musiker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Herzog von Brabant zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Graf von Berg mit Banner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 die Grafen von Jülich und Virneburg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 die Grafen von Berg und Tecklenburg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 die Grafen von Mark und Flandern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Gebhard Overstolz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Pagen mit Schild und Banner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*6 Kölner Kriegswagen mit 6 Kriegern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Kölner Krieger als Wagenführer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Laienbruder Dotte zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Laienbruder mit Kreuz als Pferdeführer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*6 Landleute aus dem Bergischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*3 Gefangene (Erzbischof, Reinhold von Geldern, Adolf von Nassau)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Landleute aus dem Bergischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Kölner Krieger zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gruppe 4: Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden erbaut das Schloss Friedestrom und erhebt am 20. Dezember 1373 Zons zur Stadt&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Page mit Gruppenschild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]] mit [[Stadtrecht|Stadternennungsurkunde]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Mann Gefolge zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Mann Gefolge mit Banner zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 [[Schultheiß]] von Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 [[Bürgermeister]] von Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*7 [[Schöffen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Zollmeister mit 2 Zollknechten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Wagen mit der alten Zolltheke&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Zollknechte als Wagenführer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Zollknechte hinter dem Wagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gruppe 5: Handwerk, Handel und Verkehr&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Page mit Gruppenschild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Bannerträger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Zunftmeister der Wollweber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*3 Wollwebermeister&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Geselle mit 2 Lehrlingen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Reisige zu Fuß als Wagenführer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Hansawagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Insassen (1 auf dem Bock, 1 als Lugaus)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Reisige zu Fuß an beiden Seiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Reisige zu Pferd hinter dem Wagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 kleiner Wagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Reisige als Führer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Insassen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*3 reiche Kaufleute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gruppe 6: Der Kölner Kurfürst Clemens August schießt den Königsvogel in Zons&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Page mit Gruppenschild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Tambourmajor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*8 Trommler und Pfeifer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*10 Musiker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*3 Jäger zu Pferd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Fahnenabordnung der Hubertuskompanie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Fahnenabordnung der Hohenzollernkompanie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Fahnenabordnung des Jägerzuges&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*12 Mann der alten [[St. Sebastianus-Schützenbruderschaft|Sebastianusbruderschaft]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*3 Jungen mit Königsvogel und 2 Zielscheiben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Kammerdiener als Vertreter des [[Clemens August (Kurfürst)|Erzbischofs Clemens August]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Bruderschaftsmeister mit goldenem Schild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*3 Stadtsoldaten von Zons unter Gewehr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gruppe 7: Der truchsessische Krieg 1583-1589&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Page mit Gruppenschild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Chorbischof Friedrich von Sachsen Lauenburg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Mann Gefolge als Schild- und Bannerträger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*10 Zonser Stadtsoldaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Gruppe 8: Zons im Dreißigjährigen Krieg&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Page mit Gruppenschild&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Tambourmajor&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*12 Trommler und Pfeifer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 kaiserlicher Feldherr Lomboy&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 kaiserliche Generäle Hatzfeld und Wahl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Reitergeneral Jan von Werth&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*6 Reiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Oberst [[Goltstein]], der Verteidiger von Zons&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Zonser Stadtsoldaten (Fleischer)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Zonser Stadtsoldaten (Weber)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Zonser Stadtsoldaten (Schreiner)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Zonser Stadtsoldaten (Bäcker)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Zonser Stadtsoldaten (Maurer)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*2 Zonser Stadtsoldaten (Brauer)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 hessisches Geschütz mit 2 Führern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 hessischer Oberst [[Rabenhaupt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*1 Begleiter als Bannerträger&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*12 Mann Soldateska&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery centered mode=&amp;quot;wide&amp;quot; caption=&amp;quot;Festumzug&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
1929_08.jpg|Darsteller der Gruppe I.&lt;br /&gt;
1929_09.jpg|Darsteller der Gruppe I und Darsteller anderer Gruppen.&lt;br /&gt;
1929_56.jpg|Ein Teil der Darsteller der Gruppe I mit Darstellern der Gruppe VII.&lt;br /&gt;
1929_10.jpg|Einzelne Darsteller der Gruppe I vor dem Schlosstor.&lt;br /&gt;
1929_11.jpg|Darsteller der Gruppe II auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_12.jpg|Darsteller der Gruppe II auf der Feldstraße.&lt;br /&gt;
1929_13.jpg|Darsteller der Gruppe II vor dem ehemaligen Feldtor.&lt;br /&gt;
1929_14.jpg|Die Gruppe III wurde angeführt vom Zonser Tambourcorps.&lt;br /&gt;
1929_15.jpg|Das Zonser Tambourcorps beim Festzug vor dem ehemaligen Feldtor.&lt;br /&gt;
1929_17.jpg|Darsteller der Gruppe III vor dem Losmarsch auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_16.jpg|Darsteller der Gruppe III.&lt;br /&gt;
1929_18.jpg|Darsteller der Gruppe III.&lt;br /&gt;
1929_19.jpg|Darsteller wohl auch der Gruppe III.&lt;br /&gt;
1929_20.jpg|Darsteller der Gruppe III vor dem ehem. Feldtor.&lt;br /&gt;
1929_54.jpg|Entwurfszeichnung von Theo Blum.&lt;br /&gt;
1929_21.jpg|Darsteller der Gruppe III auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_22.jpg|Darsteller der Gruppe III auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_23.jpg|Darsteller der Gruppe III vor dem Rheintor.&lt;br /&gt;
1929_24.jpg|Darsteller der Gruppe III vor dem ehemaligen Feldtor.&lt;br /&gt;
1929_25.jpg|Darsteller der Gruppe III auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_26.jpg|Darsteller der Gruppe III auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_27.jpg|Darsteller der Gruppe III beim Zug über den Marktplatz.&lt;br /&gt;
1929_28.jpg|Darsteller der Gruppe IV auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_29.jpg|Darsteller der Gruppe IV vor dem ehemaligen Feldtor.&lt;br /&gt;
1929_30.jpg|Darsteller der Gruppe IV.&lt;br /&gt;
1929_31.jpg|Darsteller der Gruppe IV.&lt;br /&gt;
1929_32.jpg|Darsteller der Gruppe IV.&lt;br /&gt;
1929_33.jpg|Darsteller der Gruppe V.&lt;br /&gt;
1929_34.jpg|Darsteller der Gruppe V vor dem Feldtor.&lt;br /&gt;
1929_35.jpg|Darsteller der Gruppe V.&lt;br /&gt;
1929_36.jpg|Darsteller der Gruppe V auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_37.jpg|Darsteller der Gruppe VI auf der Steinstraße.&lt;br /&gt;
1929_38.jpg|Dieselben Darsteller der Gruppe VI vor dem Feldtor.&lt;br /&gt;
1929_39.jpg|Darsteller der Gruppe VI vor dem Rheintor&lt;br /&gt;
1929_40.jpg|Darsteller der Gruppe VI.&lt;br /&gt;
1929_41.jpg|Darsteller der Gruppe VI.&lt;br /&gt;
1929_42.jpg|Darsteller der Gruppe VI vor dem Rheintor.&lt;br /&gt;
1929_43.jpg|Darsteller der Gruppe VII.&lt;br /&gt;
1929_44.jpg|Darsteller der Gruppe VII vor dem Schlosstor.&lt;br /&gt;
1929_45.jpg|Darsteller der Gruppe VIII vor dem ehemaligen Feldtor.&lt;br /&gt;
1929_46.jpg|Darsteller der Gruppe VIII vor dem Rheintor.&lt;br /&gt;
1929_48.jpg|Darsteller der Gruppe VIII vor dem Rheintor.&lt;br /&gt;
1929_49.jpg|Darsteller der Gruppe VIII.&lt;br /&gt;
1929_55.jpg|Entwurf von Theo Blum.&lt;br /&gt;
1929_50.jpg|Darsteller der Gruppe VIII&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_51.jpg|300px|thumb|right|Festversammlung auf der Wiese vor dem Rheintor am Schluss des Festzuges.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_52.jpg|300px|thumb|right|Ehrengäste und Zugteilnehmer auf der Festwiese.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:F1929_01.jpg|300px|thumb|right|Ehrengäste und Zugteilnehmer auf der Festwiese.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:1929_53.jpg|300px|thumb|right|Bei der Rede von Studienrat Dr. Josef Zanders.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Festansprachen auf der Festwiese ====&lt;br /&gt;
Auf der Festwiese begrüßte [[Bürgermeister]] [[Hans Michael Flücken|Flücken]] die zahlreich erschienenen Ehrengäste, u.a. Herrn Monsignore Domkapitular Höller (als Vertreter des Erzbischofs), Herrn Regierungsdirektor Cajus Hermann Ludwig Karl von Rantzau (als Vertreter des [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Fuchs_%28Politiker%29 Ober- und Regierungspräsidenten]), Herrn Geheimrat [http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Redlich_%28Historiker%29 Otto Reinhard Redlich] (als Vertreter des [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Horion Landeshauptmanns]), Landesfinanzamtspräsident Dr. [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Schmittmann Heinrich Schmittmann], Herrn Landrat Dr. Simon Nikolaus Stephan Groener, die Herren Beigeordneten Dr. [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Meerfeld Johann Meerfeld] und Dr. Fritz von Hansemann (als Vertreter des Oberbürgermeisters von Köln bzw. Neuss), Herrn Landrat a.D. von der Leyen, Herrn Landrat a.D. von Kessler-Pattern, Herrn Pater Superior des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Missionshauses Knechtsteden], Herrn Dechant Böckels (Dormagen), Herrn Prof. Albrecht (als Vertreter des Düsseldorfer [http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kaesbach Kunstakademiedirektors]), den früheren Zonser [[Pfarrer]] Herrn Oberpfarrer Dr. [[Ludolf Schmitz|Schmitz]], die früheren Zonser [[Bürgermeister]] [[Albert Granderath|Granderath]] und [[Stephan Güsgen|Güsgen]], den deutschlandweit bekannten Schriftsteller [http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Herzog Rudolf Herzog], den Archäologen Dr. [[Constantin Koenen]] und zwei der Hauptinitiatoren des Festes: Kunstmaler [[Theo Blum]] und Dichter [[Michel Becker]]. Der [[Bürgermeister]] rief in seinem Schlussplädoyer dazu auf, mitzuhelfen, das alte Zons zu erhalten, dass es eine Ruhe- und Erholungsstätte bleibe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Festrede Dr. Josef Zanders ====&lt;br /&gt;
Die lange Festrede, die Studienrat Dr. [[Josef Zanders]] aus Neuss im Anschluss an die Rede des [[Bürgermeister]]s hielt, ist überliefert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Hochansehnliche Festversammlung! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Stadtjubiläen sind keine Seltenheit, zumal nicht in unserem rheinischen Heimatlande, die sich im Laufe einer zweitausendjährigen und reichen Geschichte mit einem blühenden Kranze von Städten und Dörfern schmückte. Nicht allzuviele sind es, die ihre Geschichte nicht zweitausend Jahre zurückführen können, in jene Zeiten, da der römische Legionär mit ehernem Schritte die rheinischen Lande durchzog und das freie Volk in seinen Niederungen wie auf seinen Höhen zum ersten Male das Joch des Eroberers tragen mußte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Damals tauchte auch Sunnium, unsere gute alte Stadt, deren Jubelfeier wir heute begehen, aus nebelhaften Fernen ins Land des Lichts. Wo sich die römische Heerstraße hinabzog ins niederrheinische Land Durnomagus (Dormagen) nach Novaesium (Neuß), da erstand auch Sunnium (Zons) im Schatten des tractus militaris (Militärbezirk) von Dormagen. Wie die vorgenannten römischen Stützpunkte, war auch Zons einer der zahlreichen Eckpfeiler in dem gewaltigen Festungsringe, den Roms großer Feldherr Drusus an den Ufern des Rheines türmte, zur Sicherung der römischen Zwingherrschaft und vor allem zur Sicherung seiner rückwärtigen Verbindungen in dem bevorstehenden Kampfe mit den rechtsrheinischen germanischen Stämmen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wo sich heute vor unsern Augen Turm und Mauer recken, da erklang um jene Zeiten der siegesstolze Kommandoruf römischer Zenturionen. Ihres Grabes Urnen, darinnen sie ausruhen von ihres Lebens unruhvollen Zeiten, fand man jüngst vor den Toren unserer alten Stadt und fand also auch des alten Sunniums älteste Zeichen, Zeugen einer zweitausendjährigen wechselvollen Zeit.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Dann taucht das alte Sunnium aufs neue hinab in das Meer des Vergessens, erst vom 10. Jahrhundert ab mehrt sich der Annalen Kunde, bis dann Siegfried von Westerburg, der auf Kölns Erzstuhl lieber das Schwert denn den Krummstab führte, als Schutz- und Trutzwehr gegen die Grafen von Berg die Burg Sontium erbaute. Ihr sollte kein langes Leben beschieden sein: Im Bunde mit Kölns Bürgern zerstörten die Bergischen nach der berühmten [[Schlacht bei Worringen]] die verhaßte Zwingfeste von Grund aus. Zwei Jahre nachher erstand die Burg aus ihrer Asche. Jedoch erst hundert Jahre später sollte derjenige kommen, der das alte Sunnium auf den Schild der Ehren erhob: [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Friedrich von Saarwerden]], in dem unsere alte Stadt ihren Bannerträger, Schirmherrn und Wohltäter verehrt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In jenen Zeiten war der Übermut der Neußer allzuhoch gestiegen: kein Landesherr, so ließen sie sich von Erzbischof Konrad I. beurkunden, durfte innerhalb ihres Mauerrings eine Burg oder Feste erbauen. Hundert Jahre später verlegte der Erzstuhl die nördliche Zollstätte des Erzstifts mit kaiserlicher Genehmigung von Neuß nach Zons.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Seitdem verkündet am [[Zollturm]]e der Stadt eine verwitterte Inschrift: &#039;Fridericus de Sarwerdena, archiepiscopus Coloniensis columen me fecit – Friedrich von Saarwerden, Erzbischof von Köln, schuf dies steinerne Bild.&#039; – Ein Jahr nach der Zollverlegung [[Stadtrecht|erhob der Erzbischof die Zollstätte zur Stadt]].&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Am 9. April 1414 verstarb der große Bischof, tief betrauert vom ganzen Erzstift, dem er ein guter und starker Hirte gewesen war.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;50 Jahre nach dem Hinscheiden [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Friedrichs von Saarwerden]] schloß auf der gewaltigen Bischofsburg von [[Schloss Friedestrom|Schloß Friedestrom]] der Schwestersohn Friedrichs, Erzbischof [http://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_II._von_Moers Dietrich von Mörs], seine unruhigen Augen zum ewigen Frieden. Fortan ward Stadt und Burg von Zons zum Zankapfel zwischen Bischof und [[Domkapitel]], welch letzterem der Erzstuhl stark verschuldet war. 1471 bemächtigte sich Erzbischof [http://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_von_der_Pfalz_%28K%C3%B6ln%29 Ruprecht] mit Waffengewalt und Überfall des dem [[Domkapitel]] verpfändeten Städtchens. Zwei Jahre später sagte sich der Landtag des Erzstifts auf Betreiben des [[Domkapitel]]s von [http://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_von_der_Pfalz_%28K%C3%B6ln%29 Ruprecht] los, und es kam infolge der Parteinahme [http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_K%C3%BChne Karls des Kühnen] für den ihm verwandten Erzbischof zum [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Stiftsfehde Burgundischen Kriege]; der kühne Herzog scheiterte vor den Mauern des alten Novaesium. Zwischen Neuß und Köln gefährdete damals das unbezwungene Zons ständig die rückwärtigen Verbindungen des Burgunders und leistete so der Quirinusstadt wertvolle Waffenhilfe. Damals sah die alte Bischofsburg den glänzendsten Besuch ihrer Geschichte; [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._%28HRR%29 Kaiser Friedrich III.] verweilte 14 Tage auf [[Schloss Friedestrom|Schloß Friedestrom]], während vor den Mauern von Zons ein Heer von 40.000 Mann lagerte. – Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Truchsessischer_Krieg truchsessischen Kriege], gegen Ausgang des 16. Jahrhunderts, trotzte die alte Feste unter Führung des hochgemuten Chorbischofs [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Sachsen-Lauenburg Friedrich von Sachsen-Lauenburg] allen Anschlägen des der alten Kirche abtrünnigen Erzbischofs [http://de.wikipedia.org/wiki/Gebhard_I._von_Waldburg Gebhards von Waldenburg], und es dürfte nicht zuviel behauptet sein, zu sagen, daß unser altes Zons es war, welches damals dem Erzbischof und der von ihm entfachten neuen Glaubenslehre das Rückgrat brach.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In den Stürmen des [[Dreißigjähriger Krieg|30-jährigen Krieges]] erlebte das alte Zons zu Ausgang des schier endlosen und verheerenden Völkerringens das ruhmvollste Kapitel seiner kriegerischen Geschichte: Die Hessen zogen damals sengend und brennend durch das Erzstift. Am 27. Januar 1641 ergab sich ihnen die Stadt Neuß nach nur 3-tägiger Belagerung. Dann zog das gefürchtete und völlig verwilderte Hessenheer unter Führung des &#039;wilden&#039; [[Rabenhaupt]], des Schreckens des Erzstiftes, vor die alte Bischofsfeste. Ihre Aufforderung, sich zu ergeben, wies Zons mit Stolz zurück. Unsägliche Kriegsnot kam damals über das alte Sunnium; in zahllosen Stürmen lief der Hesse gegen es an. Zons trotzte unter Führung seines heldenmutigen Kommandanten, des Obersten [[Goldstein]], allen Stürmen, und der wilde [[Rabenhaupt|Hessengeneral]] mußte endlich unverrichteter Sache abziehen. Seitdem vermeldete eine Inschrift am alten [[Rathaus]]e der Stadt: &amp;quot;[[Rabenhaupt]] me oppugnavit, [[Goldstein]] me prepugnavit adjuvante populo Zontinensi – [[Rabenhaupt]] bestürmte mich, [[Goldstein]] beschirmte mich, das Volk von Zons half tapfer dazu.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Zwar vergaß in den Nöten der kommenden Jahrhunderte die Kriegsnot auch des wehrhaften Städtchens nicht und pochte noch öfters an seine Tore, jedoch waren die schlimmsten Stürme vorüber, und in geruhigerem Laufe verlief fortan des Städtchens Geschichte. Die stolze Feste verlor, eine natürliche Folge moderner Kriegskunst, völlig ihre Bedeutung und versank schier im Meer des Vergessens. Die schweren Brände, in denen die Stadt zu Beginn des 17. Jahrhunderts heimgesucht wurde [gemeint ist der [[Stadtbrand 1620]]], taten ein Besonderes dazu, indem die reichen Geschlechter der Stadt den Rücken kehrten und sich glücklicheren Zonen zuwandten. Arme Weber aus dem Bergischen traten an ihre Stelle, mit warmem Herzen zwar und mutigem Sinn – das bewiesen sie schon wenige Jahre später im Kampfe gegen den wilden [[Rabenhaupt]]; der Wohlstand war aber dahin, und Armut und Not klopften hinfort an die Tore der Stadt. Kein Wunder, daß man sich nachgrade in Zons selber nicht mehr auf die große Vergangenheit der Stadt besann und sich geduldig damit abfand, daß man der alten Stadt auch das Letzte nahm, was ihr geblieben, Wappen und Würde einer Stadt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Um die Wende unseres Jahrhunderts klopfte dann die neue Zeit gebieterisch an die Tore unserer stillen Stadt. Immer enger ballten sich ringsherum die Menschenmassen zusammen, immer größer wurde ihre Sehnsucht, aus den Steinhöhlen der Großstädte hinauszustreben in Gottes freie Natur. Gar bald kam die Zeit, da unsere gute alte Stadt der beliebteste Ausflugsort für das große Industriegebiet wurde, das sich mit den Namen Düsseldorf, Köln und Bergisches Land umschreibt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nun aufs neue in die große Welt hineingestellt, erinnerte man sich in Zons auch wieder der früheren stolzen Vergangenheit, und alsbald setzten unter Führung des damaligen [[Bürgermeister]]s [[Claus Kohl|Klaus Kohl]] die Bestrebungen ein, die alten Rechte wiederzugewinnen und die ehrwürdige Bischofsfeste aufs neue zum Range einer Stadt zu erheben. Die Wiederverleihung von [[Stadtwappen|Wappen]] und Stadtrechten erfolgte am 11. Mai des Jahres 1904 und trägt das neu verliehene und nur unwesentlich geänderte alte [[Stadtwappen|Wappen]] der Stadt die persönliche Unterschrift des damaligen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._%28Deutsches_Reich%29 Kaisers Wilhelm II.]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wir stehen heute an der ersten großen Wegeswende jener bedeutungsvollen Tage; ein Vierteljahrhundert ist seitdem hinabgesunken in den tiefen Schoß der Zeiten. Die wiedererstehende Stadt trägt heute den Silberkranz einer kurzen jungen Zeit; er kann die Schönheit des Lorbeers, den sie seit 555 Jahren als Stadt des Kölner Erzstuhls, seit nahezu 1300 Jahren als Salhof des ersten Erzbischofs von Köln, seit nahezu zweitausend Jahren als Drususfestung im Kranz der Römersiedlungen am Rhein trägt, nur erhöhen und mit dem ehrwürdigen Schimmer des Alters überstrahlen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Wiederum wie so oft in ihrer wechselvollen Geschichte, sieht die Stadt zahlreichen und hohen Besuch in ihren Mauern. Sie sind alle gekommen, alt und jung, hoch und niedrig, sich mit uns zu vereinen in der Liebe zu unserer alten Stadt, an der wir alle hängen mit ganzer Seele, mit der Seele dessen, der seine Heímat ehrt, schätzt und liebt. Wir danken vor allem dem hohen Vertreter des Kölner Erzstuhles, mit dem uns so enge und innige Bande seit nunmehr dreizehnhundert Jahren verknüpfen. Wir danken an dieser Stelle dem allverehrten Oberhirten unserer großen Erzdiözese, daß er vor wenigen Jahren bei der Neueinteilung der Dekanate, eingedenk der Geschichte unserer Stadt, dem neuen Dekanate den Namen unserer Bischofsfeste gab. Wiederum erfuhr das alte Sunnium die Huld und Gunst des Kölner Erzstuhls; es wird sie sicherlich wie ehedem mit unwandelbarer Treue lohnen. Wir danken aufrichtig den hohen Vertretern der Staatsregierung. Seit mehr denn hundert Jahren ist unsere Stadt mit den Geschicken Preußens verknüpft, sie trug mit dem Vaterlande Leid und Freud, sie sah den glanzvollen Aufstieg des Reiches wie das bittere Ende zu Ausgang des großen Krieges. Nimmer wurde sie wankend in ihrer Treue zum leidgequälten Vaterlande; was sie den Kölner Erzbischöfen in einem halben Jahrtausend gehalten, das hielt sie in der gleichen Liebe und unwandelbaren Treue dem größeren Vaterlande.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Ich fühle mich eins mit allen, die unsere alte Stadt lieb haben, wenn ich dieses Treugelöbnis hier vor aller Welt und insbesondere vor den Vertretern der Staatsregierung ablege. Wir danken an dieser Stelle der Staatsregierung, daß diese über den Nöten des großen gemeinsamen Vaterlandes im vergangenen Jahrhundert auch unserer alten Stadt nicht vergaß und mehr als einmal sichtbar Zeugnis dafür gab. Wir fügen dem nur die große Bitte an, in den besonderen Nöten der trüben Gegenwart unser nicht ganz zu vergessen, uns zu helfen, die Heimat zu erhalten als Kleinod und Stätte der Erholung und Freude für die ungezählten Tausende, die in ihrem Bannkreis des Lebens Schwere tragen, und in den wenigen Stunden der Muße sehnsüchtig nach blauem Himmel und einem stillen ruhigen Plätzchen in der Unrast unserer Tage und dem ewig ruhelosen Räderwerk des gewaltigen Industriegebietes der Erde ausschauen. Allein kann unsere alte Stadt, die seit den [[Stadtbrand 1620|großen Bränden des Jahres 1620]] mit Glücksgütern nimmer gesegnet war, den Wiederaufbau und die Erhaltung ihres Burgberinges wie ihres Festungsgürtels nicht tragen; wir nehmen aber zuversichtlich die Hoffnung vorweg, daß Kreis, Provinz und Staat, wie vordem, unsere Bestrebungen auf Erhaltung der Heimat warm und tatkräftig unterstützen, damit noch in den fernsten Zeiten das alte Sunnium stehe als sichtbares Denkmal der Heimatliebe unseres Geschlechtes.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Nicht besser glaube ich meine Ausführungen beschließen zu können als mit der Mahnung des Dichters: &amp;quot;Seid einig, einig, einig!&amp;quot; Einig in der Liebe zum Vaterlande, zur engeren Heimat, einig in einer Treue, für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_von_Hindenburg Hindenburgs] schöner Wahlspruch Sinn und Symbol ist: &amp;quot;Die Treue ist das Mark der Ehre!&amp;quot; Dann wird noch in den fernsten Zeiten auch für unsere alte Stadt und ihre heimatbewußte Bürgerschaft sich die Wahrheit des schönen Dichterwortes erfüllen, das drüben am Deutschen Eck in Koblenz geschrieben steht:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Nimmer wird das Reich – und ich füge hinzu – eure Heimat – zerstört, wenn ihr einig seid und treu.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rede von [[Josef Zanders|Zanders]], die man über eine Lautsprecheranlage verbreitete, wurde begeistert aufgenommen. Es folgten kurze Ansprachen der Vertreter des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Joseph_Schulte Erzbischofs], des [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Fuchs_%28Politiker%29 Ober- bzw. Regierungspräsidenten], des [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Horion Landeshauptmanns] und des Landrats. Insbesondere die Rede des Landrats fand wegen der Perspektiven, die sie für Zons aufzeigte, besonderen Beifall. Am Schluss stimmte die Menge in das Hoch auf das Vaterland ein. Während das Deutschlandlied gesungen wurde, ließ man Hunderte Luftballons in die Luft steigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Abendveranstaltungen ===&lt;br /&gt;
Um 20 Uhr war Beginn der Festbälle in allen Zonser Sälen, und um 21:30 Uhr sollte ein Feuerwerk mit Beschießung und Beleuchtung der Befestigung starten: Es sollte die Beschießung der Stadt Zons darstellen, beginnend mit Feuerwerksdarbietungen auf der Festwiese mit Lichtersonnen, Wirbelfeuerbatterien, die Trommelfeuer imitieren, und römischen Lichtern, die bunte Leuchtkugeln durcheinander werfen. Nach einer kurzen Pause sollte dann die Zahl &amp;quot;555&amp;quot; als Erinnerung an die [[Stadtrecht|Stadterhebung 1373]] erleuchten. Als Finale des Feuerspiels sollte dann als Folge der fiktiven Beschießung ein Stadtbrand simuliert werden. – Das Feuerwerk musste jedoch abgesagt werden, da unmittelbar nach den Festansprachen ein schweres Unwetter mit Regen aufzog, und so endete das Stadtfest weniger feierlich als geplant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erinnerungen des Schriftstellers Dr. Albert Paß&amp;lt;ref&amp;gt;PfAZ, Nr. 162 (Zeitungsartikel &#039;&#039;&amp;quot;Zonser Stadtfest&amp;quot;&#039;&#039; von Albert Paß, leider ohne nähere Angaben).&amp;lt;/ref&amp;gt;===&lt;br /&gt;
Kurz nach dem Stadtfest erschien ein Artikel des Kölner Schriftstellers Dr. Albert Paß, der dem Ehrenausschuss angehörte und die besondere Ehre hatte, beim Stadtfest als Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Friedrich III. von Saarwerden]] aufzutreten. Dem Artikel sind ein paar interessante Details zu den &amp;quot;Strippenziehern&amp;quot; hinter dem Fest und zur Geschäftstüchtigkeit der Zonser Wirte zu entnehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Als ich noch [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden]]...&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Daß man auch in unsrer demokratischen und republikanischen Zeit, wenn auch nur für die Dauer eines zweitägigen Stadtfestes, Landesherr werden kann, das habe ich, so sonderbar es klingen mag, am eignen Leibe erfahren. Als mir vor etwa drei Wochen unser rheinischer Dichter und Schriftsteller [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Wenz Richard Wenz] mitteilte, der K. K. K. habe in seinem hohen Rate beschlossen, mir für die am 20. und 21. Juli 1929 stattfindenden 555. Jahrfeier und Silberjubiläum der Stadt Zons die Rolle des Erzbischofs [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Friedrich von Saarwerden]] zu übertragen, da habe ich mich erst einen Augenblick an der Lehne meines Schreibtischsessels festgehalten und laut gelacht. Aber [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Wenz Richard Wenz] eröffnete mir, es handle sich um keinen Scherz, und zudem sei ich auch bereits als Mitglied des Ehrenausschusses benannt. Im übrigen hänge von der Durchführung meiner Rolle sozusagen das ganze Gelingen bzw. Nichtgelingen des Stadtfestes ab. Ich fühlte mich also kollossal gebauchpinselt und unterließ jeden nutzlosen Einwand, zudem im übrigen bereits der Kölner Landschaftsmaler und Graphiker [[Theo Blum]] unangemeldet, wie stets, zur Tür hereinkam, mit riesigen Zeichenrollen bewaffnet, und mich restlos breitschlug. [[Theo Blum]], der bereits im dritten Jahrzehnt in Zons alljährlich Quartier nimmt, teilte sich mit dem Zonser Lehrer [[Heinz Riffel]] in die Vaterschaft des Stadtfestgedankens, und beide hatten in wochenlanger Vorarbeit und selbstlosem Idealismus etwas geplant, das, wenn es gelang, sich sehen lassen durfte. In der Hand von [[Theo Blum]] lag die künstlerische Durchführung des ganzen Festprogramms und des Festzuges, während die Aufstellung der einzelnen Gruppen sowie die Skizzierung der ihnen zugrunde liegenden geschichtlichen Tatsachen [[Heinz Riffel]] besorgt hatte. Dazu hatte der junge Kölner Dichter [[Michel Becker]] ein Weihespiel &#039;Schwur am Strom&#039; geschrieben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Selbstverständlich war ich einige Male in der Woche vor dem Fest in das alte, liebliche Zons gefahren, sei es auf dem angenehmern Wege zu Schiff, mit den Dampfern der Köln-Düsseldorfer, sei es auf dem schnellern mit den Autobussen der Kölner Kraftwagen-Verkehrsgesellschaft, die den müden Reisenden zum mindesten gründlich wachrütteln. Da ich inkognito war und niemand in mir den für zwei Tage wiedererstandenen Landesherr vermutete, so hatte ich reichlich Gelegenheit, auch hinter die Kulissen zu blicken, um später von den erworbenen Kenntnissen Gebrauch machen zu können.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Während der beiden Festtage selbst war das verschlafene Zons gründlich aufgeweckt worden. Vielleicht zu gründlich, denn eine Anzahl von Wirten glaubten auf einmal, ihr Schäfchen ins Trockene bringen zu müssen und sich daher berechtigt, ihre Preise denjenigen erster Luxushotels gleichzustellen. Daß man auf solche Weise keinen Fremdenverkehr anzieht, geschweige denn hebt, ist selbstverständlich, und es wäre bedauerlich, wenn es nicht gelingen sollte, hier für Änderung zu sorgen. Bedauerlich aus dem Grunde, weil das mittelalterliche Städtchen Zons so recht angetan ist, den Großstädter dort einige Stunden des Ausruhens von der Hast der heutigen Zeit verbringen zu lassen. Will doch der Kreis im Einvernehmen mit der preußischen Regierung besondere Mittel zur Verfügung stellen, nicht nur, um den Charakter der Stadt zu wahren, sondern darüber hinaus zum Ausbau und zur Wiederherstellung der alten Stadtmauer und -Gräben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[[Theo Blum|Blum]], [[Heinz Riffel|Riffel]] und [[Michel Becker|Becker]], dieses Triumvirat, hatten nicht nur in Zons mobil gemacht, was mobil zu machen war, sondern darüber hinaus aus Köln, Düsseldorf und Bonn an Künstlern herbeigerufen, was notwendig war, um das Fest durchführen zu können. Samstags fand auf der Wiese vor dem [[Rheintor]] der Aufmarsch der Turner statt, den Zigeunerinnenreigen, getanzt von Zonser Mädels, ablöste und auf den zum Schluß ein Fackelreigen folgte. Dann konnte im magischen Scheine der Pechfackeln unmittelbar am Ufer des Rheins vor einer großen, auf dem Damm lagernden Zuschauermenge das Weihespiel von [[Michel Becker]] seine vorzüglich gelungene Aufführung erleben. Man muß diesem Spiel um so mehr Anerkennung zollen, als sämtliche Gruppen von Zonser Bürgern dargestellt wurden, und nur die einzelnen Sprecher jeder Gruppe sowie der Herold und der Darsteller des Wanderers von jungen Kölner Künstlern übernommen worden war. Wer einmal einer Probe an den Vortagen beigewohnt hatte, der weiß, wieviel Mühe das Gelingen dieses Spiel verursacht hat, aber auch, wieviel urwüchsiger, bodenständiger Humor in Zwischenrufen dabei zum Durchbruch kam.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Den Höhepunkt des Stadtfestes bildete der am Sonntagnachmittag, allerdings wegen des einsetzenden Gewitterregens mit 1 1/2-stündiger Verspätung abgehaltene historische Festzug, dessen acht Gruppen Bilder aus der Geschichte von Zons zeigten, von der Römerzeit bis zum Dreißigjährigen Krieg. [[Theo Blum]] hatte dafür gesorgt, daß ein farbenfrohes und prächtiges Bild zustande kam, und die Kölner Firma Peter v. Bongardt, die sämtliche Kostüme und Ausrüstungsgegenstände gestellt hatte, erleichterte ihm die Durchführung seines Planes. Mitte und Mittelpunkt des Zuges bildete die Gruppe, die die [[Stadtrecht|Erhebung des Dorfes zur Stadt am 20. Dezember 1373]] durch Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Friedrich III. von Saarwerden]] darstellte. Der damalige Kölner Erzbischof und Erzkanzler hatte den [[Rheinzoll]] von Neuß nach Zons verlegt, und die etwa 100 Jahre vorher nach der [[Schlacht bei Worringen]] zerstörte Burg durch eine neue, das [[Schloss Friedestrom|Schloß Fredestroym]], ersetzt und die neue Zollstadt, der gleichzeitig Marktrecht verliehen wurde, mit einer starken Festungsmauer umgeben.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Als Darsteller des Erzbischofs lag mir ob, hoch vom Roß herab vor der vor dem [[Rathaus]] versammelten Zahl der Ehrengäste die [[Stadtrecht|Stadternennungsurkunde]] zu verlesen. Als mir der augenblickliche [[Hans Michael Flücken|stellvertretende Bürgermeister]] vorab den Ehrentrunk reichte, blinzelte mir der unter den Ehrengästen als Vertreter des Oberbürgermeisters Dr. h.c. [http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Adenauer Adenauer] anwesende Kölner Kunstdezernent Dr. h.c. [http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Meerfeld Meerfeld] listig zu, und mir war, als wollte er mich an das eben zustande gekommene Konkordat erinnern. Wir beide aber setzten pflichtgemäß unsre Amtsmienen auf, und ich machte einige Minuten in Geschichte.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Bei der anschließenden Schlußfeier auf der Festwiese wurde etwas reichlich viel geredet, so daß der [[Hans Michael Flücken|stellvertretende Bürgermeister]] nicht einmal dazu kam, den drei Hauptpersonen der Veranstaltung zu danken. Dies am Abend im kleinen Kreise nachzuholen, war meine letzte Amtshandlung, die ich als bereits wieder im bürgerlichen Gewand zurückgekehrter Landesherr vorgenommen habe. Sicher aber ist, daß ich an diese beiden Tage meiner Herrschaft recht gerne zurückdenke und, wie alle Teilnehmer des Festes, auch noch recht oft nach Zons zurückkehren werde, dem ich wünsche, daß es von dem damals 1373 von [[Friedrich von Saarwerden (Erzbischof)|Friedrich III. von Saarwerden]] verliehenen Recht, sich einen geeigneten [[Bürgermeister]] zu wählen, nach den in diesem Herbst stattfindenden Wahlen einen guten Gebrauch machen wird.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik durch Hauptlehrer Peter Breuer ==&lt;br /&gt;
[[Peter Breuer]] schreibt zum Stadtfest in der Schulchronik&amp;lt;ref&amp;gt;AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 94.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Beteiligung der Bevölkerung sei nur zufriedenstellend gewesen und im Allgemeinen sei eine freudige Arbeit nicht aufgekommen. Einige Kölner hätten sich darüber mokiert, dass sie nicht ganz besonders bedacht worden seien: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&amp;quot;Wie allerorts Fehler gemacht werden, so soll es auch hier zugegeben werden, aber daß Außenstehende nun glauben, durch ihre gütige Mitwirkung sei es erst etwas geworden, grenzt an Größenwahn. Ich habe persönlich die feste Überzeugung, mit weniger fremden Geiste wäre das Ortsfest schöner und natürlicher geworden.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtfeste]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feste und Feiern]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Zons-Literatur&amp;diff=4357</id>
		<title>Zons-Literatur</title>
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		<updated>2026-06-23T11:16:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die folgende Literaturliste führt Publikationen (Monografien, Aufsätze, Rezensionen, &amp;quot;Graue Literatur&amp;quot;) zur Geschichte von Zons (auch Stürzelberg und St. Peter als Stadtteile der bis 1975 selbstständigen Stadt Zons und das heute rechtsrheinische Haus Bürgel) in den jeweiligen Rubriken nach Verfasser(inne)n in alphabetischer Ordnung auf. Nicht berücksichtigt sind Mundart-Publikationen. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wird aber laufend aktualisiert und ergänzt. Texte jeglicher Art zum Ort Stürzelberg finden sich gesammelt in der Kategorie [[Zons-Literatur#Ortsgeschichte_Stürzelberg/_St._Peter|&amp;quot;Ortsgeschichte Stürzelberg/ St. Peter&amp;quot;]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Ortsgeschichte, übergreifende Darstellungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Monografien und Sammelbände ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Baumgarten, Jörg H.: &#039;&#039;Zons – Ein Stadtführer&#039;&#039;, Köln 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Helene Blum-Spicker|Blum-Spicker, Helene]]: &#039;&#039;600 Jahre Stadt Zons&#039;&#039;. 1373 – 1973, Dormagen 5. Aufl. 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach|Emsbach, Karl]]: &#039;&#039;Zons – Portrait einer alten Stadt&#039;&#039;. Hrsg. vom Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V., Dormagen 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach|Emsbach, Karl]]: &#039;&#039;Zons&#039;&#039; (= Rheinische Kunststätten, Heft 496; Hg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz), Neuss 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Grashoff, Ehler W.: &#039;&#039;Zons am Niederrhein&#039;&#039; (= Deutsche Kunstführer an Rhein und Mosel, Bd. 6), Köln/ Wien 1927.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Aenne Hansmann|Hansmann, Aenne]]: &#039;&#039;Geschichte von Stadt und Amt Zons&#039;&#039;. Mit einem Beitrag von [[Artur Elicker]], [[Jakob Justenhoven]] und [[Herbert Milz]]. Düsseldorf 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Aenne Hansmann|Hansmann, Aenne]]/ Wensky, Margret: &#039;&#039;Rheinischer Städteatlas Zons&#039;&#039;, Lieferung IV, Nr. 25, 1978, 2. verb. und erg. Aufl. Köln 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Kirchhoff-Werle, Maria Elisabeth]]/ [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Zons. Werden und Schicksal einer alten Stadt&#039;&#039;, Düsseldorf o.J. [1960].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Kirchhoff-Werle, Maria Elisabeth]]/ [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Zons – Geschichte und Geschichten&#039;&#039; (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Bd. 11), Dormagen 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kisky, Hans: &#039;&#039;Zons&#039;&#039; (= Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz, Rheinische Kunststätten), Neuss 1962.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klapheck, Richard: &#039;&#039;Zons&#039;&#039; (= Rheinische Heimat, Rheinische Kunst, Bd. 2), Düsseldorf o.J. [1929].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Nicolaus Kohl|Kohl, Claus]]: Zons am Rhein – Beiträge zur Geschichte der Stadt Zons, Zons 1904. [Mikrofiche-Ausgabe: Dresden, Alpha Com 2007]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kremer, Karl: &#039;&#039;Zons. Das [[Rheinisches Rothenburg|Rheinische Rothenburg]]&#039;&#039;, hrsg. v. [[Peter Norff]], Köln 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Libertus, Heinz: &#039;&#039;Zollfeste Zons mit ihrer Stadtgeschichte&#039;&#039;, Kaarst 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Libertus, Heinz: &#039;&#039;Das damalige Leben in Zons anhand alter Fotografien&#039;&#039;, Neuss 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Libertus, Heinz: &#039;&#039;Zons, älter als gedacht&#039;&#039;, Neuss 2021.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Libertus, Heinz: &#039;&#039;Festschrift zur 650-Jahrfeier der Stadt Zons. Von den Römern in Zons bis zum Königshof der Königin Richeza&#039;&#039;, Kaarst 2022.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Libertus, Heinz: &#039;&#039;Festschrift zum 650-Stadtfest Zons. Königin Richeza aus der rheinischen Adelsfamilie der Ezzonen, Verwalterin des Fronhofs Zons&#039;&#039; (&amp;quot;zweite erweiterte Auflage&amp;quot;), o.O. [Kaarst], o.J. [2023].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Libertus, Heinz/ Bauers, Martin: &#039;&#039;Im Reich der Ezzonen. Alte Thesen neu durchdacht. Weitere Erkenntnisse zum Zons der Ezzonen&#039;&#039;, Kaarst 2023.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nida, E. von (Hg.): &#039;&#039;Zons und seine Stadtmauer&#039;&#039;, 3. Aufl., Essen o.J. [1912]; (2. Aufl. o.J. [1909]; 1. Aufl. o.J. [1907]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Adam Otten|Otten, Adam]]: &#039;&#039;Zons am Rhein&#039;&#039;, Düsseldorf 1903. [Mikrofiche-Ausgabe: Dresden, Alpha Com 2007]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pankalla, Heinz A.: &#039;&#039;Zons – Ein [[rheinisches Rothenburg]]. Festschrift 90 Jahre Heimat- und Verkehrsverein Zons&#039;&#039;, Dormagen 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Poschmann, Erika: &#039;&#039;Ihr Ausflugsziel Feste Zons&#039;&#039;, Wesel 1978.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Heinz Riffel|Riffel, Heinz]]: &#039;&#039;Zons und seine Stadtmauern&#039;&#039;, hg. v. [[Peter Norff]] (Köln), Köln-Deutz o.J. [1933].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Scheuss, Sigrid/ Wilms, Birgit: &#039;&#039;Zons am Rhein&#039;&#039;, Goch o.J. [2009].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): &#039;&#039;Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt&#039;&#039; (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schütz, Constantin: &#039;&#039;Der Bürgermeister von Zons. Historische Erzählung&#039;&#039;. Text-Illustrationen aus der kulturhistorischen Sammlung &amp;quot;Zons&amp;quot; von Paul Faulstich. Kopfleisten von H. Waltenberg. 114 S., Elberfeld o.J. [1915]; 2. Aufl. Witten 1931 (142 S.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Die [[Schwieren (Familie)|Schwieren]]-Chroniken aus Zons. Bemerkenswertes aus einer niederrheinischen Kleinstadt und ihrer Umgebung 1733–1823&#039;&#039; (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes Neuss e.V. Nr. 15), Köln 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sparkassenstiftung im Rhein-Kreis Neuss (Hg.): &#039;&#039;Auf nach Zons! Mittelalter zum Anfassen&#039;&#039;, Neuss 2018.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Verkehrsverein Zons am Rhein]] (Hg.): &#039;&#039;Zons – ein Idyll am Niederrhein&#039;&#039;, Düsseldorf 1927. [Mikrofiche-Ausgabe: Dresden, Alpha Com 2007]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Verschönerungs- und Verkehrs-Verein der Stadt Zons]] (Hg.): &#039;&#039;Zons am Rhein. Kleiner Führer, den Freunden der Stadt gewidmet&#039;&#039;, Neuss o.J. [1908]. [Mikrofiche-Ausgabe: Dresden, Alpha Com 2007]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zenk, Detlev: &#039;&#039;Zons – alte Zollfeste am Rhein&#039;&#039;, Düsseldorf 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufsätze, Artikel, Sonstiges ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Verschollenes Tagebuch wird neu vorgelegt. Ehemaliger Zonser Stadtdirektor bearbeitet Zonser Küstertagebuch aus dem 18. Jahrhundert&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 1/1988, S. 23–24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Besprechung zu: [[Karl Emsbach]], Zons. Portrait einer alten Stadt. Dormagen 2000&#039;&#039;, in: Düsseldorfer Jahrbuch 71 (2000), S. 400–402.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Der Söldnerchronist Peter Hagendorf vor Zons im Hessenkrieg 1642&#039;&#039;, in: Düsseldorfer Jahrbuch 79 (2009), S. 315–334.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;&amp;quot;Das kölliesse landt, alles verderbet, wir so wol als der feindt&amp;quot;. Ein kaiserliches Militärlager vor Zons im Hessenkrieg 1642&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 2/2019, S. 58–64.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Bruns, Peter: &#039;&#039;Die Lokalisierung des Feldlagers der kaiserlichen und kurbayerischen Truppen bei Zons von 1642&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2026 (2025), S. 36–45.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Fischer, Martin: &#039;&#039;&amp;quot;ind seulde yme sulch syn anslach veryndert syn wurden&amp;quot;. Die Stadt Zons während der Kölner Stiftsfehde und die burgundische Militäraktion vom 13. April 1475&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2024 (2023), S. 20–39.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Brauckmann, Hanns: &#039;&#039;Zons am Rhein&#039;&#039;, in: Rheinische Heimatblätter, 5. Jg. (1928), H. 7, S. 278–280.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Cremer, M.: &#039;&#039;Zons – das [[Rheinisches Rothenburg|niederrheinische Rothenburg&#039;&#039;]], in: Heimatkalender Kreis Grevenbroich 1952 (hrsg. vom Oberkreisdirektor), Grevenbroich 1951, S. 62.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Doering, O.: &#039;&#039;Aus Zons&#039;&#039;, in: Sonntag ist&#039;s (München), 2. Jg. (1916/17), S. 199–202.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erdmann, August: &#039;&#039;Zons. Ein niederrheinisches Stadtbild&#039;&#039;, in: Die neue Welt. Illustriertes Unterhaltungsblatt, Jg. 1907, Nr. 24, S. 188–190.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift Zonser [[Stadtfest 1929|Stadtfest 1373–1929&#039;&#039;]] [mit verschiedenen Beiträgen], o.O. 1929.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Frohn, Joseph: &#039;&#039;Zons am Rhein, ein Stück Mittelalter&#039;&#039;, in: Alte und neue Welt, H. 24 (1907), S. 656–659.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fuchs-Hartmann, W.: &#039;&#039;Wiedergeburt einer alten Stadt&#039;&#039; [Zons], in: Die Propyläen (München), 36. Jg. (1939), S. 137.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ganske, Willy: &#039;&#039;Zons am Rhein&#039;&#039;, in: Vom Fels zum Meer, 24. Jg. (1904), H. 7, Berlin, S. 485–488.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ganske, Willy: &#039;&#039;Ein Malernest am Rhein&#039;&#039; [Zons], in: Die Woche, 6. Jg. (1904), H. 38, Berlin, S. 1704–1705.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gelenius, Aegidius: &#039;&#039;De admiranda, sacra et civili magnitudine Colonie Claudiae Aggrippinensis augustae ubiorum urbis. Libri IV&#039;&#039;. Köln 1645. Darin: &#039;&#039;Notatio III: De Sons Sunicis, et vetere alueo Rheni&#039;&#039;, S. 355.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gutenberger, W.: &#039;&#039;Zons am Niederrhein&#039;&#039;, in: &amp;quot;Durch alle Welt: Länder-, Völker- und Naturbetrachtungen, Reisen und Abenteuer&amp;quot; (Berlin), Jg. 1929, H. 35, S. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Heimat- und Verkehrsverein der Feste Zons e.V.]] (Hg.): &#039;&#039;Zonser Stadt-Kurier. Historische Zeitung der Feste Zons 13.–17. Jahrhundert&#039;&#039;. 1. Ausgabe vom 1.8.1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hübner, Paul: &#039;&#039;Zollfeste Zons – Die Meuterei von Neuss&#039;&#039;, in: Der Rhein – von den Quellen bis zu den Mündungen, Frankfurt 1974, S. 414–419.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ilgen, Theodor: &#039;&#039;Die Entstehung der Städte des Erzstiftes Köln am Niederrhein&#039;&#039;, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 74 (1902), S. 1–26.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;Der [[Rheinturm]] in Zons mit Turmanlage, [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;|Kapelle]], Vincentinerinnenhaus und [[Heimatmuseum]]&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. II (1984), S. 18–24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Römisch-fränkische Kontinuität im Raum Dormagen-Zons&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. X (2005), S. 41–50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Kirchhoff-Werle, Maria Elisabeth]]: &#039;&#039;Im Glanze des Krummstabes. Aus der Geschichte von Zons&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 4/1951, S. 85–88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klapheck, Richard: &#039;&#039;Zons&#039;&#039;, in: Eine Kunstreise auf dem Rhein von Mainz bis zur holländischen Grenze, Bd. 2: Niederrhein, 2. verm. und überarb. Aufl., Düsseldorf 1928, S. 286–295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Korschelt, Fr. M.: &#039;&#039;Zons am Rhein&#039;&#039;, in: Jan Wellem, Monatsschrift für Düsseldorf, Niederrhein und Bergisches Land, 5. Jg. (1930), H. 4, S. 126–127.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Lentzen, Johannes Peter: &#039;&#039;Aus dem Tagebuche eines [[Johannes Peter Schwieren|Küsters]] in Zons&#039;&#039;, in: Heimathskunde, Zeitschrift für niederrheinische Geschichte und Altertumskunde, Nr. 17, Nr. 18 (1880); Der Niederrhein, Beiträge zur Geschichte und Naturkunde, Nr. 22, Nr. 24–35, Nr. 38–40 (1885); Nr. 41–42, Nr. 44 (1886); Nr. 46 (1887); &amp;quot;Düsseldorfer Sonntagsblatt&amp;quot;, Beilage zum &amp;quot;Düsseldorfer Volksblatt&amp;quot;, Nr. 4–5, 7–8, 10, 12, 15, 17, 19–21, 26 (1881).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Lieveling, Peter: &#039;&#039;Die Geschichte einer Stadt. Das alte Zons am Niederrhein&#039;&#039;, in: Stadtgeschichte und Heimat Museum Zons, o.O., O.J. [1999], S. 4–11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mariaux, H.: Zons (am Rhein): &#039;&#039;Kleinod aus Backstein und Basalt&#039;&#039;, in: Diplomatischer Kurier (Köln), 4. Jg. (1955), S. 716–720.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Merten, Ruth/ Merten, Christoph: &#039;&#039;Zollfestung am Rhein&#039;&#039; [Zons], in: ADAC-Freizeitatlas Historische deutsche Kleinstädte. 23 Porträts von Zons bis Zittau, Gütersloh 1993, S. 26–27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Neisser, Hans-Joachim: &#039;&#039;Das &amp;quot;[[Rheinisches Rothenburg|rheinische Rothenburg]]&amp;quot; lohnt einen Ausflug. Die alte kurkölnische Landesfeste Zons setzt auf sanften Tourismus&#039;&#039;, in: Das Tor 70 (2004), S. 6–8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Opheys, Sabine: &#039;&#039;Selbst 650 Kanonenkugeln konnten Zons nichts anhaben&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 94/2003, S. 8–9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pankalla, Heinz A.: &#039;&#039;Die Revolution von 1848 im Spiegel der Rheinischen Dorfchronik des [[Johann Jakob Delhoven]]&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. VII (1989), S. 10–23.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pohl, Hans: &#039;&#039;Die Stadt Zons in der Zeit der französischen Herrschaft (1794–1814), Teil 1&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. IV (1986), S. 25–44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pohl, Hans: &#039;&#039;Die Stadt Zons in der Zeit der französischen Herrschaft (1794–1814), Teil 2&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. V (1987), S. 41–60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Redlich, Otto: &#039;&#039;Wanderungen an Rhein und Ruhr&#039;&#039;, in: Düsseldorfer Jahrbuch, Bd. 31 (1925), 1920/24, S. 13ff.; S. 25–29 über Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ritzerfeld, Ulrich: &#039;&#039;[[Rabenhaupt|Karl Freiherr Rabenhaupt von Sucha]] – Ein Heer- und Söldnerführer des 17. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 275–281.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sassen, Otto von: &#039;&#039;Zons am Rhein&#039;&#039;, in: Monatshefte für Literatur, Kunst und Wissenschaft, Zeitschrift der Buchgemeinde, 8. Jg. (1932), S. 476–479.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schell, Otto: &#039;&#039;Zons am Niederrhein&#039;&#039;, in: Wandern und Reisen, 1. Jg. (1903), H. 8, S. 241–244.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schell, Otto: &#039;&#039;Zons, das niederrheinische Rothenburg&#039;&#039;, in: Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins, 22. Jg. (1915), Nr. 2, S. 34–38; Nr. 3, S. 42–44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schlager, Patricius: &#039;&#039;Ein geschichtliches Lied über die Belagerung der Stadt Zons im Jahre 1646&#039;&#039;, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 81 (1906), S. 137–139.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schröder, Ulrich J.: &#039;&#039;Zons&#039;&#039;, in: Neues Rheinland, Jg. 36 (1993), Nr. 7, S. 28–33.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schubert, Walther: &#039;&#039;Benrath – Zons – Eller Forst – Hildener Heide – Neanderthal – Mettmann&#039;&#039; (= Kleiner Führer vom Niederrhein, Bd. 4), Düsseldorf o.J. [1914]. [Mikrofiche-Ausgabe: Dresden, Alpha Com 2007]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Aus der Chronik des Zonser Küsters [[Johannes Peter Schwieren|Johannes-Petrus Schwieren]]&#039;&#039;, in: Dormagener Historische Beiträge, Bd. 1 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 7), Dormagen 1992, S. 49–80.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Libri baptizatorum, copulatorum et mortuorum parochiae Zontinensium – Die Matrikeln der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus Zons als historische Quelle&#039;&#039;, in: Festschrift 400 Jahre Pfarrei St. Martinus Zons 1593–1993 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 10), Langwaden 1993, S. 49–67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Wandel zur Touristenattraktion: Die Wurzeln des [[Fremdenverkehr]]s in Zons (Auszug aus einem Vortrag zum 100-jährigen Bestehen der Volksbank Dormagen)&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 56/1997, S. 3–4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – Von den kleinen Zwistigkeiten der Patres mit den [[Pfarrer|Orts-Pfarrern]]&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Zonser Franziskaner, Teil 1], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 77, 2000, S. 10–11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – Hochwasser 1658: Messe wurde auf dem Dach des Rohbaus gefeiert&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Zonser Franziskaner, Teil 2], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 78, 2000, S. 7–8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – Unter Kanonendonner wurde die [[Franziskanerkirche|Kirche]] in Zons am 4. März 1666 endlich eingeweiht&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Zonser Franziskaner, Teil 3], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 79, 2000, S. 14–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – Über die Intrigen des Zonser Vikars&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Zonser Franziskaner, Teil 4], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 81, 2001, S. 14–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – Verlockende Düfte während der Fastenzeit&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Zonser Franziskaner, Teil 5], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 82, 2001, S. 10–11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – &amp;quot;Weiber&amp;quot; öffneten den Franzosen das Stadttor&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Zonser Franziskaner, Teil 6], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 83, 2001, S. 14–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – Franziskaner tranken heimlich das selbst gebraute Bier&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Franziskaner in Zons, Teil 7], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 84, 2001, S. 6–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – Ein Hirsch und fünf Pistolen für das Kloster&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Franziskaner in Zons, Teil 8], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 85, 2001, S. 14–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;[[Franziskaner|Franziskanerkloster]] – Wassermassen warfen 1784 die Stadtmauern an der Rheinstraße um&#039;&#039; [Auszüge aus den Annalen der Franziskaner in Zons, Teil 9], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 87, 2002, S. 14–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;&amp;quot;Zoonser Ursprunck&amp;quot;: Die Chronik-Notizen von [[Josef Hugo]] (1739–1823)&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. X (2005), S. 51–60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sonnen, Wilhelm Joseph: &#039;&#039;Um eine Belagerung von Zons im Dreißigjährigen Krieg&#039;&#039;, in: Die Heimat. Zeitschrift für niederrhein. Heimatpflege, 16. Jg. (1937), H. 4, S. 281–288.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stadtgeschichte und Heimat Museum Zons&#039;&#039;, o.O., o.J. [1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Steinmann, Mark: &#039;&#039;Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden|Friedrich III. von Saarwerden]]&#039;&#039;, in: Stadtgeschichte und Heimat Museum Zons, o.O., o.J. [1999], S. 12–14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Strevesdorff, Martin Henriquez von: &#039;&#039;&amp;quot;Zontina&amp;quot;&#039;&#039;, Kap. XIV, in: Archidioecesis Coloniensis descriptio historica, Köln 1662, unpagin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Strevesdorff, Martin Henriques von: &#039;&#039;Historisch geographische Beschreibung des Erzstifts Köln&#039;&#039;, Köln 1740; darin Kap. &#039;&#039;&amp;quot;Zontina&amp;quot;&#039;&#039;, S. 140–143 und &#039;&#039;&amp;quot;Zons&amp;quot;&#039;&#039;, S. 108–111.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Zons im Truchsessischen und Burgundischen Krieg, Teil 1&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 26/1992, S. 12–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Zons im Truchsessischen und Burgundischen Krieg, Teil 2&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 27/1992, S. 8–13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Das wehrhafte Zons&#039;&#039; (Broschüre, hrsg. vom Heimat- und Verkehrsverein der Feste Zons), Neuss 1993 [entspricht den beiden vorherigen Aufsätzen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Teich, O.: &#039;&#039;Benrath und Zons, Perlen des Niederrheins&#039;&#039;, in: Hamburger Nachrichten. Belletristisch-literarische Beilage, Jg. 1908, Nr. 51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zons e.V.|Verkehrs- und Verschönerungsverein der Stadt Zons e.V.]] (Hg.): &#039;&#039;Mittelalterliche Zollfestung am Niederrhein Zons&#039;&#039;; Text: A. Elicker, H. Scholten, o.O., o.J.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wietzorek, Paul: &#039;&#039;Zum Titelbild: 100 Jahre [[Stadtwappen]] Zons – 1904–2004 (Stadt Dormagen, Kreis Neuss)&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 1/2004, S. 2–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wingels, Susanne: &#039;&#039;Mittelalterliche Zollfeste. Zons&#039;&#039;, in: Heimatschätze. Historische Orte am Niederrhein entdecken, Essen 2022, S. 98–101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zanders, Josef: &#039;&#039;Sunnium, die Geschichte einer alten Stadt&#039;&#039;, in: Heimatvolk und Heimatflur, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 27, 1926, S. 1–4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Zons&#039;&#039;, in: Trierischer Bauernkalender, 46. Jg. (1932), S. 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologie, Vor- und Frühgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vor- und Frühgeschichte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ur- und frühgeschichtliche Funde und Fundstellen im Gebiet um Zons und Stürzelberg, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 4–26.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Michelsberger Funde von der [[Hannepützheide]] bei Zons/ Stürzelberg, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: Archäologisches Korrespondenzblatt, 15 (1985), H. 4, S. 425–429.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein Veluwe-Glockenbecher von der [[Hannepützheide]] bei Zons, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. IV (1986), S. 4–8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Das erste urgeschichtliche Fundstück aus der Epoche des Neanderthalers vom Kellerhof bei Dormagen-Zons&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 3/1987, unpagin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein jungneolithisches Steinbeil aus Lousberg-Feuerstein von der [[Hannepützheide]] bei Zons, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. V (1987), S. 9–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein fragliches mittelpaläolithisches Quarzitartefakt von der Flur &amp;quot;Taubenacker&amp;quot; am Kellerhof bei Zons, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. V (1987), S. 4–8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Betrachtungen zur urgeschichtlichen Besiedlungsgeschichte der Dünenzüge im Zonser Gebiet&#039;&#039;, in: Almanach für den Kreis Neuss 1987, S. 88–97.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Eine Hofstelle aus der frühen Eisenzeit bei Dormagen-St. Peter&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. X (2005), S. 5–13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein früheisenzeitliches Gehöft nahe Dormagen-St. Peter&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/2005, S. 147–151.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Sauer, Sabine: &#039;&#039;Fragment einer bronzenen Absatzbeilklinge von der Niederterrasse des Rheines&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2002 (2003), S. 64.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Sauer, Sabine: &#039;&#039;Eine Absatzbeilklinge von Dormagen-Nachtigall&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. X (2005), S. 14–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Stachowiak, Heinz: &#039;&#039;Eine bemerkenswerte Fundstelle der späten Bronze- und frühen Eisenzeit am [[Wahlerberg|Wahler Berg]] bei Stürzelberg – St. Peter, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. IV (1986), S. 9–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Weiner, Jürgen: &#039;&#039;Ein eigenwilliger jungneolithischer Kratzer aus Stürzelberg&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2006 (2007), S. 69–70.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Malcher, Gudrun: &#039;&#039;Jungneolithische Silexartefakte von der [[Hannepützheide]] bei Stürzelberg, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. II (1984), S. 39–48.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sicherl, Bernhard: &#039;&#039;Eine urnenfelderzeitliche Fundstelle am [[Wahlerberg|Wahler Berg]]&#039;&#039;, in: Fund und Deutung – Neuere Archäologische Forschungen im Kreis Neuss (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes Neuss, Bd. 5), Neuss 1994, S. 42–49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Römische Zeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Das römische Urnengräberfeld von Zons, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. II (1984), S. 6–17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein frühkaiserzeitliches Gräberfeld in Zons, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: Archäologische Informationen, Mitteilungen zur Ur- und Frühgeschichte 9 (1986), H. 2, S. 137–143.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Neu bekanntgewordene Altfunde: Römische Gefäßfragmente, Münzen und Schmuckelemente aus der Altstadt von Zons?&#039;&#039; In: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 3/1987, unpagin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein neu bekanntgewordener Altfund: Eine römische Bronzemünze aus dem Rhein bei Stürzelberg, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 3/1987, unpagin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Arbeiter machten 1926 bei Ausgrabungen in Zons interessante Entdeckungen. Urnengräber an der Steinstraße bargen auch Überbleibsel von Scheiterhaufen&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 62/1998, S. 6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Wertvolle römische Schüssel aus Zons im [[Kreismuseum]]. Terra Sigillata aus Gallien ist fast 1900 Jahre alt&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 66/1998, S. 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Scheiterhaufen, Graburnen und Knochenbrand – Zu frühkaiserzeitlichen römischen Bestattungen eines Militärlagers an der Deichstraße in Zons&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2009 (2008), S. 8–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Römische Bronzefunde vom Taubenacker am Grenzhof bei Zons&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 35.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Große, Hans: &#039;&#039;Ist Zons eine römische Anlage?&#039;&#039;, in: Heimatwarte (Hilden), 3. Jg. (1926/27), Nr. 9, Juni 1927, S. 65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kaiser, Michael: &#039;&#039;Römische Straßen zwischen den Militärlagern Neuss und Dormagen&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. X (2005), S. 32–40 [mit wichtigen Anmerkungen zum röm. Straßenverlauf bei Zons].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kaiser, Marlene/ Kaiser, Michael: &#039;&#039;Eine TS-Schüssel im &#039;IOENALIS&#039;-Stil aus Dormagen-Zons, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. VI (1988), S. 15–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sommer, Markus: &#039;&#039;Römische Funde aus Stürzelberg, Kreis Neuss&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 73.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mittelalter/ Neuzeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Andrikopoulou-Strack, Nora/ Kunow, Jürgen/ Lichtenthal, Leo/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Archäologische Untersuchungen im [[Schloss Friedestrom|Burggelände Friedestrom]] in Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 135–138.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Eine Siegburger Kanne aus Zons, Kreis Neuss?&#039;&#039; In: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 1/1988, S. 20–22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Eine mittelalterliche Pilgermuschel aus Zons&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 4/1996, S. 211–216.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Zufallsfund bei Renovierungsarbeiten. Altholländische Fliesen aus der Zonser Altstadt&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 65/1998, S. 9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Rezension zu: Marion Roehmer, [[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung&#039;&#039; (= Rheinische Ausgrabungen, Bd. 42). Köln/ Bonn 1998, in: Düsseldorfer Jahrbuch 96 (1998), S. 364–368.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein mittelalterlicher Wetzstein aus Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2017 (2018), S. 163–164.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Hupka, Dieter: &#039;&#039;Altholländische Fliesen mit Schiffsdarstellungen aus der Zonser Altstadt&#039;&#039;, in: Fund und Deutung – Neuere archäologische Forschungen im Kreis Neuss (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes Neuss 5), Neuss 1994, S. 114–120.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein mittelalterlicher Wetzstein aus Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2017 (2018), S. 163–164.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Pflanzenfunde in einer spätmittelalterlichen Latrine der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts im Schloßhofbereich von Zons&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 20–22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jülich, Patrick/ Schletter, Hans-Peter: &#039;&#039;Zwischen Burg und Stadt – Neue archäologische Untersuchungen in der Zollfeste Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2010 (2011), S. 187–189.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Knörzer, Karl-Heinz: &#039;&#039;Pflanzenfunde in einer spätmittelalterlichen Latrine in Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 138–140.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kunow, Jürgen/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Die Kirchengrabung in Zons. Dokumentation&#039;&#039;, Dormagen 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kunter, Manfred/ Hollack, Barbara: &#039;&#039;Anthropologische Untersuchung der menschlichen Skelettreste&#039;&#039;, in: Marion Roehmer: [[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung (= Rheinische Ausgrabungen, Bd. 42), Köln 1998, S. 181–231.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Müller, Gustav/ Wentscher, Jürgen: &#039;&#039;Archäologische Untersuchungen im [[Schloss Friedestrom|Schloß Zons]]&#039;&#039;, in: Ausgrabungen im Rheinland 1979/80, Köln/ Bonn 1981, S. 183–186.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Roemer, Marion: &#039;&#039;[[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] – Geschichte in archäologischen Funden&#039;&#039;, Dormagen 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;[[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] in Zons. Archäologische Untersuchungen in einer mittelalterlichen Festung&#039;&#039;, in: Fund und Deutung – Neuere archäologische Forschungen im Kreis Neuss (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes, Nr. 5), Neuss 1994, S. 100–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Die Kirchenbauten im Bereich der späteren Zollfestung [[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]]&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993 (1994), S. 149–151.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;[[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung&#039;&#039;. Mit Beitr. v. Barbara Hollack, Manfred Kunter und Frank Siegmund (= Rheinische Ausgrabungen, Bd. 42), Köln 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]/ Koschik, Harald: &#039;&#039;Zur Pilgermuschel aus der [[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] oder vom richtigen Umgang mit Weichtieren&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 2/1997, S. 88.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schneider, Peter Conrad: &#039;&#039;Zahn- und Kieferbefunde an menschlichen Skelettresten aus der mittelalterlichen [[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] in Dormagen-Zons (Kreis Neuss)&#039;&#039;. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Zahnheilkunde des Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Gießen 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Marion Roehmer &amp;quot;[[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] in Zons&amp;quot;. Skelette schließen auf einen Männerüberschuß&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 65, 1998, S. 4–5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Siegmund, Frank: &#039;&#039;Die merowingerzeitlichen Funde aus [[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]] in Zons&#039;&#039;, in: Roehmer, Marion: Burg Friedestrom in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung (= Rheinische Ausgrabungen, Bd. 42), Köln 1998, S. 177–180.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ortsgeschichte Stürzelberg/ St. Peter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Der Heckhof – Die Geschichte eines Niederrheinischen Rittergutes im Wandel der Zeiten&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. I (1983), 35 S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Einige neue Erkenntnisse zum Rittergut Heckhof, Teil 1&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 1/1988, S. 14–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Einige neue Erkenntnisse zum Rittergut Heckhof, Teil 2&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 1–9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Einige neue Erkenntnisse zum Rittergut Heckhof, Teil 3&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 10–11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Zu den geschichtlichen Anfängen von Stürzelberg. Historische Karten zeigen eine bescheidene Siedlung&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 64/1998, S. 6–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Stürzelberg – Ein Lesebuch von Rheinfischern, Getreideschmugglern und Galgenvögeln&#039;&#039;, Dormagen 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Stürzelberg – Plaudereien von gestern, Bilder von heute&#039;&#039;, Dormagen 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;175 Bilder aus dem alten Stürzelberg 1900–1970&#039;&#039;, Dormagen 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Beobachtungen an der Kapelle in Dormagen-Stürzelberg&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2011 (2010), S. 22–31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Eine Hofstelle der älteren vorrömischen Eisenzeit mit botanischen Resten von Dormagen-St. Peter, Rhein-Kreis Neuss&#039;&#039;, in: Natur am Niederrhein, H. 1/2014, S. 56–64.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Die &#039;Vischerey auf dem Stürzelberg&#039;. Fischfang auf dem Rheinstrom im ehemaligen Amt Zons&amp;quot;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/2017, S. 112–119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Kleine Geschichte der St. Aloysius-Schützenbruderschaft Stürzelberg von 1868 – &amp;quot;hatt ihn abgeschossen der Johannes Hendrig Falckenberg, Jungergesell vom Stürtzelberg&amp;quot;&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/2019, S. 95–103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Baubeobachtungen an der Biesenbachstraße 7 in Dormagen-Stürzelberg, Rhein-Kreis Neuss&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/2018, S. 108–111.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein deponierter Kinderschuh. Ein Fund aus dem späten 19. Jh. aus Dormagen-Stürzelberg und seine Deutung&#039;&#039;, in: Rheinische Heimatpflege, H. 3/2018, S. 199–208.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Stürzelberg. 18 Geschichtssplitter aus dem Rheindorf&#039;&#039;, Dormagen 2022.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Schwarzes Holz und weißes Bein – Ein Domino-Spielstein aus napoleonischer Zeit aus Dormagen-Stürzelberg&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 1/2024, S. 17–22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Hiller, Petra: &#039;&#039;Ein Kinderschuh des 19. Jahrhunderts aus Dormagen-Stürzelberg (Rhein-Kreis Neuss)&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 65–73.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Hiller, Petra: &#039;&#039;Milchsatten, Ziegenknochen und ein Darrenfragment – (Boden)funde von einem historischen Nebenerwerbshof in Dormagen-Stürzelberg&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 1/2014, S. 16–23.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Hiller, Petra: &#039;&#039;Gürtelschnallen, Messerfragment und ein Dominostein – (Boden)funde von einem historischen Nebenerwerbshof in Dormagen-Stürzelberg&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 2/2015, S. 54–60.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Hiller, Petra: &#039;&#039;Buchweizen und Ziegenmilch. Beobachtungen zum Alltagsleben auf einem niederrheinischen Ackererhof in Dormagen-Stürzelberg im 19. und frühen 20. Jahrhundert&#039;&#039;, in: Festschrift für Dr. Christoph Reichmann, Krefeld 2015, S. 37–57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Hiller, Petra: &#039;&#039;Buchweizenpfannkuchen, Maifischfilet und Ziegenkäse. Zur Eigenversorgung einer kleinen dörflichen Hofstelle im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2016 (2015), S. 30–43.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Hiller, Petra: &#039;&#039;Geschichte eines ehemaligen Ackererhofes in Dormagen-Stürzelberg. Sechs Aufsätze&#039;&#039;, Dormagen 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Hiller, Petra: &#039;&#039;Knochen, Scherben und Pflanzenreste. Funde von einem ehemaligen neuzeitlichen Ackererhof in Dormagen-Stürzelberg&#039;&#039;, in: Natur am Niederrhein, H. 1/2015, S. 3–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ [[Jakob Justenhoven|Justenhoven, Jakob]]: &#039;&#039;Stürzelberg in alten Ansichten&#039;&#039;, Zaltbommel (NL) 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Filbry, Hans (überarb. v. Hubert Weber): &#039;&#039;Zur Firmengeschichte der &amp;quot;Stürzelberger Hütte&amp;quot; GmbH&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 27–31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Haas, Reimund/ Sinderhauf, Monica: &#039;&#039;Zur Kirchengeschichte und zum Pfarrarchiv von Stürzelberg&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. IX (2001).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jakob Justenhoven|Justenhoven, Jakob]]: &#039;&#039;Kriegswirren und Ende des Zweiten Weltkrieges in Stürzelberg&#039;&#039;, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1982 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 3), Köln/ Bonn 1982, S. 109–111.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jakob Justenhoven|Justenhoven, Jakob]]: &#039;&#039;Die Treidelschifffahrt in Stürzelberg. Broschüre zur Einweihung des Treidelschifffahrts-Denkmals in Dormagen-Stürzelberg am 1. Mai 2001&#039;&#039;, Dormagen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Herbert Milz|Milz, Herbert]]: &#039;&#039;St. Aloysius Stürzelberg – 150 Jahre Kapelle und Kirche an der Oberstraße&#039;&#039;, Dormagen 1988.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pieper, Peter/ Schlüter, Britta/ [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Ein &amp;quot;Runenstein&amp;quot; aus Dormagen-Stürzelberg, Rhein-Kreis Neuss: &amp;quot;Original&amp;quot; oder &amp;quot;Fälschung&amp;quot;?&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 1/2010, S. 12–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Seeling, Hans: &#039;&#039;Die Eisenhütte Stürzelberg am Rhein. Roheisen aus Drehtrommelöfen&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. II (1984), S. 49–53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Stürzelberg und die St.-Aloysius-Schützenbruderschaft. Festschrift zum 100 jährigen Bestehen&#039;&#039;. [Text: [[Jakob Justenhoven]]/ [[Herbert Milz]]], o.O. 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte Haus Bürgel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Dormagener Geschichtsjournal – Haus [[Bürgel]] bei Zons: Römerfeste und mittelalterlicher Herrensitz&#039;&#039;, in: Dormagazin, H. 4/2001, S. 36–37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Archäologisches Museum Haus [[Bürgel]] – Betrachtungen zur Situation des Raumes Dormagen in der Römerzeit&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2006 (2005), S. 8–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beyer, Brigitte: &#039;&#039;Fortuna te adiuvet&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 83–84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bürschel, Peter/ Gechter, Michael: &#039;&#039;Ausgrabungen in Haus [[Bürgel]]&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 1993, S. 94–96.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Cramer, Franz: &#039;&#039;Buruncum – Worringen, nicht [[Bürgel]]&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 107 (1901), S. 190–202.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Neue Forschungen im spätrömischen Kastell &amp;quot;Haus [[Bürgel]]&amp;quot;, Stadt Monheim, Kreis Mettmann&#039;&#039;, in: Nicolae Gudae (Hg.): Roman Frontier Studies – Proceedings of the XVIIth International Congress of Roman Frontier Studies, Zalau 1999, S. 337–347.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Fischer, Thomas: &#039;&#039;Zur Herstellung militärischer Bronzen im spätrömischen Kastell Haus [[Bürgel]]&#039;&#039;, in: H. Friesinger/ K. Pieta/ J. Rajtár (Hgg.): Metallgewinnung und –verarbeitung in der Antike (Schwerpunkt Eisen), Nitra 2000, S. 113–116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Freudenberg, Johannes: &#039;&#039;Rezension zu: Anton Rein: Haus [[Bürgel]] – das Römische Burungum&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 23 (1856), S. 141–153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gechter, Michael: &#039;&#039;Neufunde aus Haus [[Bürgel]]&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2003, S. 81–83.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Haberey, Waldemar: &#039;&#039;Kastell Haus [[Bürgel]]&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 157 (1957), S. 294–304 und Taf. 38–44.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Herchenbach, Wilhelm: &#039;&#039;Haus [[Bürgel]]&#039;&#039;, in: Monatsschrift des Vereins für die Geschichts- und Alterthumskunde von Düsseldorf und Umgegend (1881), Nr. 4, S. 31–34; Nr. 5, S. 35–38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Koenen, Constantin: &#039;&#039;Miscelle &amp;quot;Zum Verständnis von Haus [[Bürgel]]&amp;quot;&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande LXXXIX (1890), S. 213–218.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ohligschläger: &#039;&#039;Über Niederlassungen der Römer im Bergischen&#039;&#039;, in: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande V/ VI (1844), S. 235–251.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rein, Anton: &#039;&#039;Haus [[Bürgel]], das Römische Burungum, nach Lage, Namen und Alterthümern&#039;&#039;. Krefeld 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Hier Zons – hier Haus [[Bürgel]] – Zur Frage des gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisses der Kirchen von Zons und Bürgel im Mittelalter&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 283–290.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Stein, Simone: &#039;&#039;Viehhaltung, Jagd und Fischfang im &amp;quot;Haus [[Bürgel]]&amp;quot;, einem spätantiken Kastell am Niederrhein&#039;&#039;, Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, München 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Tegtmeier, Ursula: &#039;&#039;Verkohlte Hainbuchenhölzer aus römischen Gräbern bei Haus [[Bürgel]]&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2005, S. 74–76.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Tutlies, Petra: &#039;&#039;Das römische Haus [[Bürgel]] und sein Weiterbestehen bis in unsere Zeit&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 76–86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte einzelner Bauwerke, Hofgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kreiner, Ralf: &#039;&#039;Die Windmühle von Zons. Eine technikhistorische und typologische Studie zu einer &amp;quot;hollandisierten&amp;quot; Turmmühle des 14. bis 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 124–153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Heinz Riffel|Riffel, Heinz]]: &#039;&#039;Historische [[Windmühle]] in Zons am Rhein&#039;&#039;, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160–161.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Vollendete Technik wie aus einem Guß. Mehr als ein Fünftel der Gesamtfläche von Zons&#039;&#039; [über die [[Schloss Friedestrom|Burg Friedestrom]]], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 2/1989, S. 5.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Als [[Schloss Friedestrom|Schloß Friedestrom]] noch ein Bauernhof war&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 10/1989, S. 6–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Ein ganzes Jahrhundert im Besitz der Familie Schmitz. Erst Festungsturm, dann [[Windmühle]] in Zons&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 15/1990, S. 5–8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Kleine bäuerliche Betriebe hatten keine Chance – Hof der Familie Könen in Zons noch völlig erhalten&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 52/1996, S. 14–15.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Ortsname &amp;quot;Zons&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kaspers, W.: &#039;&#039;Ortsnamenkundliches aus der Kölner Gegend&#039;&#039;, in: Zeitschrift für Namenforschung, Bd. XVII (1941), S. 97–115.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schnetz, Joseph: &#039;&#039;Der Name der Ortschaft Zons am Rhein&#039;&#039;, in: Zeitschrift für Namenforschung, Bd. XVII (1941), S. 115–127.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schützeichel, Rudolf: &#039;&#039;Zons in Dormagen&#039;&#039;, in: wortes anst – verbi gratia, donum natalicium gilbert a.r. de smet. (Hgg.: H. L. Cox/ V. F. Vanacker/ E. Verhofstadt), Leuven/ Amersfoort 1986, S. 439–448.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wiltsch, Christian: &#039;&#039;Zons – ein Name mit Klang. 400 Jahre Suche nach seiner Bedeutung&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 14–33.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historische Kartografie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Die Karte &amp;quot;C 129&amp;quot; im Kölner Erzdiözesanarchiv: Vorstudie oder Plagiat der Karte des Amtes Zons von Mathias Ehmans (1751)?&#039;&#039; In: K. Goebel/ J. Hoffmann/ K. Lampe/ D. Tiemann: Festschrift für Hans Georg Kirchhoff zum 60. Geburtstag, Bochum 1990, S. 191–201.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Eine neue Karte zu Zons aus dem 18. Jahrhundert&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 4/1991, S. 233–234.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Eine historisch-kartographische Aufnahme von Stadt und Amt Zons aus einem Kölner Archiv&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 4/1992, S. 217–220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Zur Zonser Stadtansicht von Braun und Hogenberg 1575&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/1993, S. 182–188.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Eine Militärkarte zu Zons aus dem Jahre 1642&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 2/1994, S. 97–103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Aus dem Kölner Kirchenarchiv über den Kreis Neuss. Eine neue Karte zur Deichbaugeschichte&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 69/1999, S. 18–19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Renier Roidkin – Werke zu Zons und Haus Bürgel um 1735&#039;&#039;, in: Rheinische Heimatpflege, H. 3/1999, S. 211–217.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Zons und Stürzelberg auf &amp;quot;Charten vom Rheinstrohm&amp;quot; anno 1749&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Kreis Neuss 2002 (2001), S. 60–63.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;&amp;quot;seint die limitten ... gegangen worden&amp;quot; – Historische Kartenaufnahmen um die Mitte des 18. Jahrhunderts am Beispiel des Amtes Zons&#039;&#039;, in: Düsseldorfer Jahrbuch, Bd. 78 (2008), S. 269–284.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;&amp;quot;... streitiger jagd Limiten in dem so genandten stutgen ...&amp;quot; – Eine [[Altkarten|Altkarte]] des Amtes Zons aus dem Kölner Stadtarchiv&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2012 (2011), S. 66–75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Eine [[Altkarten|Altkarte]] des Amtes Zons aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Kreis Neuss 2000 (1999), S. 98–111.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Architektur, Bauwesen, Denkmalpflege ==&lt;br /&gt;
* Altena, Andreas/ Rosellen, Stefan: &#039;&#039;Ein fast vergessener Bunker in Zons gab den Anstoß zur Gründung des Vereins Luftschutzanlagen Rhein Kreis Neuss e.V.&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2022 (2021), S. 72–81.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Kleinod am Rheinufer bei Stromkilometer 717,48. Alter Myriameterstein bei Zons ist nur noch Denkmal&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 66/1998, S. 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Paul Clemen|Clemen, Paul]]: &#039;&#039;Zons – Sicherungsarbeiten an der Stadtbefestigung&#039;&#039;, in: Bonner Jahrbücher 119 (1910), S. 58–71.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Drozdzewski, Günter/ Waldmann, Georg: &#039;&#039;Zum Titelbild: Die Stadtbefestigung von Zons und ihr römisches Erbe vom Kastell Bürgel – Untersuchungen zur Gründung einer mittelalterlichen Stadt am Niederrhein&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 1/2024, S. 2–9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach|Emsbach, Karl]]: &#039;&#039;Maler als &amp;quot;Dokumentare&amp;quot;. Veränderungen des Stadtbildes in historischen Ansichten und Gemälden&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 312–331.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Oberkreisdirektor Kreis Grevenbroich (Hg.): &#039;&#039;Planung Zons – Aufgabe und Ziel&#039;&#039;, Grevenbroich 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach|Emsbach, Karl]]: &#039;&#039;Der Neubau des [[Archiv im Rhein-Kreis Neuss|Kreisarchivs]] Neuss in Zons&#039;&#039;, in: Archivgebäude. Umwandlung und Einrichtung für Archivzwecke (= Landschaftsverband Rheinland, Archivberatungsstelle, Archivhefte 26), Köln 1993, S. 37–41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hinz, Daniel/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Digitale 3D-Rekonstruktion des ehemaligen Franziskanerklosters in Dormagen-Zons&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2026 (2025), S. 46–75.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Janßen-Schnabel, Elke: &#039;&#039;Denkmalbereich Zons&#039;&#039;, in: Denkmalpflege im Rheinland, 25. Jg. (2008), H. 4, S. 177–181.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;Die [[Windmühle]] in der Stadt Zons&#039;&#039;, o.O. 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kuhn, Boskamp + Partner: &#039;&#039;Stadtkernsanierung Zons, Niederrhein&#039;&#039;, in: Baumeister. Zeitschrift für Architektur, Planung, Umwelt, 71. Jg. (1974), H. 12, S. 1320–1323.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Meyer, Gundolf: &#039;&#039;[[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|St. Martinus Zons]]&#039;&#039;, Dormagen 1978.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Palm, Rainer: &#039;&#039;Die Konsolfigur von 1388 am Rheinturm in Zons&#039;&#039;, in: Kölner Domblatt, Jahrbuch des Zentral-Dombauvereins, 42. Folge, Köln 1977, S. 310–313.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Prisac, Wilhelm: &#039;&#039;Zons und sein mittelalterlicher Festungsbau unter dem Einfluß der Kölner Dombauschule&#039;&#039;, in: Kölner Domblatt Nr. 96, 1844.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Renard, Edmund: &#039;&#039;Mittelalterliche Stadtbefestigungen und Landesburgen am Niederrhein&#039;&#039;, in: Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, Jg. 2 (1908), H. 3, S. 135–161.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 70–123.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle&#039;&#039;, Dormagen 2025.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rusinowska-Trojca, Jolanta: &#039;&#039;Umsetzung der Denkmalbereichssatzung am Beispiel des Denkmalbereiches &amp;quot;Historischer Ortskern von Dormagen-Zons&amp;quot;, in: Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege 45 (2015), S. 179–182.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schmidt, Hans-Willi: &#039;&#039;Die Zonser [[Windmühle]]&#039;&#039;. Kurzführer, Köln 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schmidt, Hans-Willi: &#039;&#039;Die Zonser [[Windmühle]] im Mittelalter als Vorbild für andere Stadtmühlen&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 67–72.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schmidt, Hans Willi: &#039;&#039;Die [[Windmühle|Zonser Mühle]]&#039;&#039;, in: Stadtgeschichte und Heimat Museum Zons, o.O., o.J. [1999], S. 17–20.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Passionskreuz soll originalgetreu nachgebildet werden. Zons: Die Inschrift eines verschwundenen Kreuzes&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 58/1997, S. 18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wiltsch, Christian: &#039;&#039;&amp;quot;Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobt der Name des Herrn&amp;quot;&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2016 (2015), S. 56–65 [über die Ausrichtung der ehemaligen Zonser Kirchenbauten]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtsgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Das Zonser [[Schöffengericht]] und seine Galgen im 17. und 18. Jahrhundert&#039;&#039;, in: Almanach für den Kreis Neuss 1986, S. 76–85.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Januar 1739: Mord in [[Haus Bürgel]] bei Zons&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 1/1987, S. 14–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Tod am [[Galgen]] – Eine Räubergeschichte aus dem spätmittelalterlichen Stürzelberg (1. Teil)&#039;&#039;, in: Dormagazin, H. 1/1989, S. 27–29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Tod am [[Galgen]] – Eine Räubergeschichte aus dem spätmittelalterlichen Stürzelberg (2. Teil)&#039;&#039;, in: Dormagazin, H. 2/1989, S. 28–29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Januar 1739: Mord in [[Haus Bürgel]] (1. Teil)&#039;&#039;, in: Dormagazin, H. 10/1989, S. 27–28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Januar 1739: Mord in [[Haus Bürgel]] (2. Teil)&#039;&#039;, in: Dormagazin, H. 11/1989, S. 27–28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Schurken, Schmuggler und Gerichte. Auf den Spuren historischer Kriminalfälle im alten Zons&#039;&#039;, Dormagen 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;&amp;quot;...jüngsthin durchs Schwerdt justificierte Malefiz-Persohnen&amp;quot; – Zur letzten Hinrichtung an der Zonser Richtstätte vor rund 300 Jahren&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2020 (2019), S. 12–25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;&amp;quot;Ist der Stütger Busch von bösen Leuthen angestochen worden&amp;quot; Von Bäumen, Bränden und Banden im Stüttger Busch&#039;&#039;, in: Novaesium. Neusser Jahrbuch für Kunst, Kultur und Geschichte 2020, S. 329–348.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;&amp;quot;Bleibet Capitulum bei alsolcher gefhelter Urtheill und ... befhollener Execution&amp;quot; – Ein Kölner Verfahren zur Hexenverfolgung in Zons&#039;&#039;, in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins, Bd. 84 (2021), S. 127–146.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bückendorf, Hans: &#039;&#039;Flucht aus dem [[Juddeturm]] auf dem Schloßgelände zu Zons&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 39/1994, S. 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jarren, Volker: &#039;&#039;Schmuggel um Dormagen und Zons. Beobachtungen aus der Sicht des Dorfchronisten [[Johann Peter Delhoven|Joan Peter Delhoven]]&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Kreis Neuss 2001, Neuss 2000, S. 78–93.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Zons und Stürzelberg im Tagebuch des [[Johann Peter Delhoven|Johann Delhoven]] (1783–1823), Teil 3, Kriminalfälle&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. IV (1986), S. 16–24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Hermann von Weinsberg (1518–1598): Strafrechtspflege. Flucht mißlang – Verbrecher wurde in Zons &amp;quot;gespießt&amp;quot;&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 65, 1998, S. 6–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur(geschichte), Schulwesen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Dormagener Geschichtsjournal: &amp;quot;Starker Tobak&amp;quot; – von Tonpfeifen und dem &amp;quot;tabaktrincken&amp;quot;&#039;&#039;, in: Dormagazin, H. 6/2001, S. 34–35 [u.a. über eine Pfeife aus dem Verlies des [[Juddeturm]]s in Zons].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Dormagener Geschichtsjournal: Einblicke in die Zonser Burgküche&#039;&#039;, in: Dormagazin, H. 1/2002, S. 28–29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Helene Blum-Spicker|Blum, Helene]]: &#039;&#039;Erste Bilanz des neuen [[Kreismuseum]]s Zons. Ein Publikum erfährt Geschichte und Kunst&#039;&#039;, in: Rheinische Heimat, H. 10/1973, S. 313–316.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach|Emsbach, Karl]]: &#039;&#039;10 Jahre [[Kreismuseum]] Zons&#039;&#039;, in: Almanach für den Kreis Neuss 1983, S. 5–11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gladden, Christa: &#039;&#039;Die Entwicklung des [[Schulen|Schulwesens]] in Zons seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. V (1987), S. 16–40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Heer, Maria: &#039;&#039;&amp;quot;Was ein Museum alles kann ...&amp;quot;. Zons als Modell: Denkmalpflege und moderne Architektur schufen ein Kulturzentrum für die Region&#039;&#039;, in: Neues Rheinland, 40. Jg. (1997), Nr. 7, S. 12–13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;Zum [[Heimatmuseum]] in Zons 1931–1958&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2006 (2005), S. 84–89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klütsch, Margot: &#039;&#039;Vom rheinischen Rothenburg zum Experiment – Motive der Zollfeste Zons in der Düsseldorfer Malerschule&#039;&#039;, in: Christiane Pickartz (Hg.): Walter Ophey. Die Düsseldorfer Malerschule um 1900, Petersberg 2024, S. 78–99.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Klütsch, Margot: &#039;&#039;Ziel Zons. Zwischen Tradition und Moderne: Die Zollfeste im Blick der Malerei vom späten 19. bis ins 20. Jahrhundert&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2026 (2025), S. 146–167.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Angelika Riemann|Riemann, Angelika]]: &#039;&#039;Zum Titelbild: Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 1/2011, S. 2–4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: &#039;&#039;Zu Gast an der Tafel des Erzbischofs. Mittelalterliche Tafelkultur im Spiegel der Tischzuchten&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2021 (2020), S. 52–67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Bühne frei für die Geschichte der Stadt Zons&#039;&#039; (über die Zonser [[Freilichtbühne]]), in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 38/1994, S. 8–10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;In der Schloß-Destille entsteht Heimatmuseum&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 56/1997, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;[[Theo Blum]] – Ein deutscher Maler&#039;&#039;. Ausstellung Zons – St. Martinus-Schule 22. März bis 5. April 1964, Köln 1964.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Natur, Landschaft, Umwelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Waldvernichtung durch [[Ziegeleien|Ziegeleigewerbe]] in der frühen Neuzeit&#039;&#039; [[Stüttger Busch]] und Zonser [[Ziegeleien]], in: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Dormagen e.V. (Hg.): Landschaftsgeschichte, -entwicklung Dormagens (in 14 Haltepunkten beschrieben). Ein Wegweiser. Neuss 2002, S. 25–26.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]: &#039;&#039;Vom Rotten und Rösten der Leinpflanze. Das Rittergut Heckhof im Amt Zons und seine Flachskaulen&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2026 (2025), S. 76–87.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Braun, Thomas: &#039;&#039;650 Jahre alt und doch voller Leben. Die mittelalterlichen Mauern von Zons als wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2023 (2022), S. 190–211.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Breimann, Eduard: &#039;&#039;Die [[Hochwasserschutz|Deichgeschichte]] – 75 Jahre Deichverband Dormagen/Zons 1928–2003&#039;&#039; (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 21), Neuss 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Landeskulturamt Nord-Rhein, Staatliches Kulturamt: &#039;&#039;Flurbereinigung Zons, Kreis Grevenbroich mit Aussiedlung, Anliegersiedlung, Neusiedlung&#039;&#039;, o.O. 1955.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Bericht über die Exkursion der Botanischen Arbeitsgemeinschaft in die Dünenlandschaft zwischen Stürzelberg und Zons&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 4/1985, S. 226–231.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Floristische Untersuchungen der alten Stadtmauern von Zons&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1987.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Floristische Untersuchungen der alten Stadtmauern von Zons&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/1987, S. 161–171.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Entstehung und Rekultivierung unserer Dormagener Binnensanddünen- und Heidegebiete&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 23–29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Die Veränderung der Binnenlanddünen und umliegenden Ackerfluren zwischen Stürzelberg, Zons und Dormagen&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/1989, S. 141–154.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Floristische Untersuchungen im Raum Neuss – Ein Beitrag zur Unterschutzstellung einer Dünenlandschaft&#039;&#039;, in: Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins in Wuppertal, H. 42 (1989), S. 72–76.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Bestandsveränderungen bei Pflanzen und Tieren im NSG [[Wahlerberg|Wahler Berg]] bei Dormagen von 1972 bis 1988&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 1/1990, S. 8–16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Naturschutz und Landschaftspflege bei historischen Objekten. Praxisbeispiel: Feste Zons, Rheinland&#039;&#039;. In: Naturschutz und Landschaftspflege bei historischen Objekten. Landschaftsverband Rheinland, Umweltamt, 3. Fachtagung (7.–8. Oktober 1993), Köln 1994, S. 79–94.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Das Naturschutzgebiet [[Grind]]&#039;&#039;, in: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Dormagen e.V. (Hg.): Landschaftsgeschichte, -entwicklung Dormagens (in 14 Haltepunkten beschrieben). Ein Wegweiser. Neuss 2002, S. 27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;Alle Jahre wieder [[Hochwasser]]&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 1/1988, S. 26–28.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Zur Datierung der Rheinlaufveränderungen bei Dormagen und Zons&#039;&#039;, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1985 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 5), S. 88–107.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Zons und Stürzelberg im Tagebuch des Johann Delhoven (1783–1823), Teil 1, Rheinüberschwemmungen&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. II (1984), S. 25–38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Zons und Stürzelberg im Tagebuch des [[Johann Peter Delhoven|Johann Delhoven]] (1783–1823), Teil 4, Wetter&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. VI (1988), S. 20–27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Leitterstorf, Hans: &#039;&#039;Dormagen Gestern: Tod der [[Gerichtsbäume]]&#039;&#039;, in: Dormagazin 5/1990, S. 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Remmen, Karl: &#039;&#039;Dünen und Wälder bei Zons. Wie der Mensch die Landschaft in der Geschichte verändert&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2008 (2007), S. 226–237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schmidt, Hans-Willi: &#039;&#039;Die Veränderungen des Rheinlaufs zwischen Worringen und Stürzelberg&#039;&#039;, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1981 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 2), Köln/ Bonn 1981, S. 40–89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Strasser, Rudolf: &#039;&#039;Die Veränderungen des Rheinstromes in historischer Zeit, Bd. 1: Zwischen der Wupper- und der Düsselmündung&#039;&#039; (= Publikationen der Gesellsch. für Rhein. Geschichtskde., LXVIII), Düsseldorf 1992 [mit eingehender Darstellung des Stromabschnitts bei Zons].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Striedter, Klaus: &#039;&#039;Zwei bestimmende Landschaftselemente des Dormagener Stadtgebiets – Rheinauen und alte Flussläufe&#039;&#039;, in: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Dormagen e.V. (Hg.): Landschaftsgeschichte, -entwicklung Dormagens (in 14 Haltepunkten beschrieben). Ein Wegweiser. Neuss 2002, S. 30–31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Das Jahr 1784 wird das &amp;quot;erschreckliche&amp;quot; genannt&#039;&#039; [über [[Hochwasser]]], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 44/1995, S. 5–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Werner, Willy/ Gödde, Michael/ [[Norbert Grimbach|Grimbach, Norbert]]: &#039;&#039;Vegetation der Mauerfugen am Niederrhein und ihre Standortverhältnisse&#039;&#039;, in: Tuexenia 9 (1989), S. 57–73.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zepp, Josef: &#039;&#039;Die linksrheinische Terrassenlandschaft bei Zons&#039;&#039;, in: Topographischer Atlas Nordrhein-Westfalen (hrsg. v. Landesvermessungsamt NRW), Düsseldorf 1969, S. 134–135.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaft und Gewerbe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Engler, Karl-Heinz: &#039;&#039;Immer auf Achse. 75 Jahre [[Industriebahn Zons-Nievenheim G.m.b.H.|Industriebahn Zons-Nievenheim]]&#039;&#039;, Dormagen 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ewe, Klaus: &#039;&#039;Rezension zu: [[Thomas Schwabach]], Die Entwicklung des [[Ziegeleien|Zieglergewerbes]] in Zons (15.–20. Jahrhundert) mit ausführlicher Darstellung der allgemeinen Entwicklung des Gewerbezweiges&#039;&#039;, Dormagen 2004, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. X (2005), S. 76–77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Francke, Ursula: &#039;&#039;Ein Dachziegelofen des 19. Jahrhunderts aus Zons&#039;&#039;, in: Archäologie im Rheinland 2002 (2003), S. 188–191.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;Das Korbflechterhandwerk in Zons&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 32–40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;[[Leinpfad]] Zons-Stürzelberg&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 1/1988, S. 29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;Die Kopfweide – mein Lieblingsbaum. Kopfweidenanbau und das Korbweidenhandwerk in Zons&#039;&#039;, in: Stadtgeschichte und Heimat Museum Zons, o.O., o.J. [1999], S. 21–26.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;Der Lein- oder Treidelpfad&#039;&#039; [bei Zons], in: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Dormagen e.V. (Hg.): Landschaftsgeschichte, -entwicklung Dormagens (in 14 Haltepunkten beschrieben). Ein Wegweiser. Neuss 2002, S. 28–29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Looz-Corswarem, Clemens von: &#039;&#039;Die Fähranstalten zu Urdenbach und Zons – Ein Beitrag zur Zonser [[Fähre]] im 19. Jahrhundert&#039;&#039;, in: Franz-Josef Radmacher/ Stefan Kronsbein: Archiv und Erinnerung im Rhein-Kreis Neuss – Festschrift für Karl Emsbach (= Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Neuss, Nr. 18), Neuss 2011, S. 179–196.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Plassmann, Max: &#039;&#039;Der Rheinzoll in Zons&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 34–69.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]: &#039;&#039;Die Nutzbarmachung der Heide im frühen 20. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Zons-Nievenheimer Industriebahn G. m. b. H.&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2021 (2020), S. 88–109.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]: &#039;&#039;Vom Werden einer &amp;quot;Fremdenverkehrsstadt&amp;quot;. Entstehung und Entwicklung des Tourismus in Zons von den Anfängen im späten 19. Jahrhundert bis zum Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 332–393.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Die Entwicklung des [[Ziegeleien|Zieglergewerbes]] in Zons, Stadt Dormagen, Rhein-Kreis Neuss (15.–20. Jahrhundert) – mit ausführlicher Darstellung der allgemeinen Entwicklung des Gewerbezweiges&#039;&#039; (= Zeitsprünge – Dormagen von der Steinzeit bis zur Gegenwart 3/04), Dormagen 2004 [153 S. und Falttafel; überarbeitete Fassung der gleichnamigen Dissertation, Düsseldorf, Nov. 2000].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;[[Friedrich von Saarwerden|Friedrich III.]] errichtete an strategisch wichtiger Stelle eine starke Bastion&#039;&#039; [über den Zonser [[Zoll]]], in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 45/1995, S. 6–7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;5 Jahrzehnte [[Industriebahn Zons-Nievenheim G.m.b.H.]]&#039;&#039;, Düsseldorf-Benrath 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Religion, Kirche, Weltanschauung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift Männergesangverein &amp;quot;Cäcilia&amp;quot; Zons 1880–1950&#039;&#039;, o.O. [Zons] 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 100 Jahre Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot; Zons&#039;&#039;, 1980.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 70 Jahre Katholische Frauengemeinschaft Zons, 1929–1999&#039;&#039;, o.O. [1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 1928–1998 – 70 Jahre [[Paramentenverein]] St. Martinus Stadt Zons&#039;&#039; [Text und Gestaltung: Peter Heidkamp und Christa Bals], Langwaden-Grevenbroich [1998].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gasten, Elmar/ Haas, Raimund/ Kolewa, Herbert: &#039;&#039;Kirchengeschichte und Pfarrarchiv St. Martinus Zons (Findbuch)&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. VIII (1996).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Peter Heidkamp|Heidkamp, Peter]]: &#039;&#039;Mönche aus Brauweiler als [[Pfarrer]] in Zons. Series Pastorum Zontinensium ex Monasterio Brauweilerense&#039;&#039;, in: Pulheimer Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde 19 (1995), S. 65–77.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kempis, Inken: &#039;&#039;[[Beda Groten]] – [[Pfarrer]] von Zons und 49. Abt des Klosters Brauweiler&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 3/1987, unpagin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kerz, Friedrich von: &#039;&#039;Über das vermeintliche oder wirkliche [[Wundermadonna|Wunder]] in Zons&#039;&#039;, Mainz 1823.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: &#039;&#039;Geschichte der Schwesternschaft der [[Vinzentinerinnen|Vincentinerinnen]] in Zons 1895–1960&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. VII (1989), S. 4–9.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Von Haus [[Bürgel]] nach Zons. Zur Geschichte der Pfarreien St. Maternus und St. Martinus&#039;&#039;, in: Aus Mittelalter und Neuzeit. Gesammelte Aufsätze zur Geschichte des Kreises Neuss 1961–1995 (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes Neuss e.V., Nr. 7), S. 91–98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kistenich, Johannes: &#039;&#039;Bettelmönche als Schullehrer in Neuss, Zons und Evinghoven&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2004, S. 16–29.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Leitterstorf, Hans: &#039;&#039;Dormagen Gestern: Vincentinerinnen lösen Zonser Kloster auf&#039;&#039;, in: Dormagazin 3/1990, S. 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Herbert Milz|Milz, Herbert]]: &#039;&#039;Sankt Martinus zu Zons – eine Kirche im Wandel der Zeiten&#039;&#039;, in: Stadtgeschichte und Heimat Museum Zons, o.O., o.J. [1999], S. 14–17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pankalla, Heinz A.: &#039;&#039;Kommerz Ursache für Skandal&#039;&#039;, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1981 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 2), S. 121–122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Pfarrgemeinde St. Martinus Zons: &#039;&#039;Festschrift 400 Jahre St. Martinus Zons (1593–1993)&#039;&#039;, Langwaden 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schmidt, Hans-Willi: &#039;&#039;Ärger mit einer alten Scheune&#039;&#039;, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1981 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 2), Köln/ Bonn 1981, S. 119–121.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schmidt, Hans-Willi: &#039;&#039;Zonser [[Pfarrer]] kamen aus Brauweiler&#039;&#039;, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1981 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 2), Köln/ Bonn 1981, S. 117–119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Schmidt, Hans-Willi: &#039;&#039;Das Rätsel im [[Rathaus]]&#039;&#039;, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1981 (= Historische Schriftenreihe der Stadt Dormagen, Nr. 2), Köln/ Bonn 1981, S. 116–117.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Zonser [[Gottesurteile]] im 19. Jahrhundert – Erster Teil: Die Kapelle und die Engelsfigur am Rheintor&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 48/1995, S. 5–6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Zonser [[Gottesurteile]] im 19. Jahrhundert – Zweiter Teil: Der mysteriöse Tod des Wilhelm Dittgen&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 49/1995, S. 8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Zonser [[Gottesurteile]] im 19. Jahrhundert – Dritter Teil: Die Reue des ungläubigen Nagelschmieds Johann&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 51/1996, S. 10–11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Zonser [[Gottesurteile]] im 19. Jahrhundert – Vierter und letzter Teil: Zonser [[Pfarrer]] [[Adam Otten]]&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 52/1996, S. 19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Marienbildnisse machen Zons zur &amp;quot;Madonnenstadt&amp;quot; – Muttergottesfiguren zeugen von besonderer Verehrung&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 54/1996, S. 17–18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;Zonser Pfarrer und späterer Dechant [[Johannes Klüwer]] – Nicht nur seine exzellente Predigt bleibt unvergessen&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 58/1997, S. 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Volkskunde ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bückendorf, Hans: &#039;&#039;Die &amp;quot;Wasserseite&amp;quot; in Zons diente auch als Schlittschuhbahn. Nur das Gewässer am Wallgraben nannte sich &amp;quot;Wassersick&amp;quot;&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 34/1993, S. 14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bückendorf, Hans: &#039;&#039;`Henger dem Werft` war der ideale Platz zum Toben&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 38/1994, S. 10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bückendorf, Hans: &#039;&#039;Die Jresshött in Zons&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 41/1994, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bückendorf, Hans: &#039;&#039;Erinnerung an wirkungsvolle Zonser Legende – &amp;quot;Kruff hehm&amp;quot;-Wein nach geheimnisvollem Rezept&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 46/1995, S. 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Heller, Erwin/ Pazynski, Elisabeth (Bearb.): &#039;&#039;Geschichten aus Zons. Senioren erzählen&#039;&#039; (Hg.: [[Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V.|Kultur- &amp;amp; Heimatfreunde Stadt Zons e.V.]]), o.O [Dormagen], o.J. [2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]]: &#039;&#039;Zons und Stürzelberg im Tagebuch des [[Johann Peter Delhoven|Johann Delhoven]] (1783–1823), Teil 2, Brand und Brandbekämpfung&#039;&#039;, in: [[Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg]], Bd. III (1985), S. 41–47.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Ein bemerkenswerter Lepra-Untersuchungsfall vor der Medizinischen Fakultät der Universität Köln in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: Die Klapper. Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V. 1/1998, S. 8–10.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politik, Verwaltung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]: &#039;&#039;Die drei Zonser Ehrenbürgerwürden der Jahre 1932/33 – Vorgeschichte, Verleihung und späterer Umgang&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 446–473.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ströher, Peter: &#039;&#039;Das &amp;quot;rote Zons&amp;quot;. Die Kommunisten in der ehemaligen Zollfeste während der Weimarer Republik&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 394–445.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Festschriften, Vereine ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 40 Jahre (1911–1951) Fußball-Club Zons 1911&#039;&#039;, Dormagen 1951.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 75 Jahre St. Hubertus Schützengesellschaft 1898 Zons&#039;&#039;, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 75 Jahre Freiwillige [[Feuerwehr]] Löschzug Feste Zons&#039;&#039;, 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 60 Jahre Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; Zons&#039;&#039;, 1984.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 100 Jahre [[Kindergarten]] St. Martinus Zons&#039;&#039;, 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 50 Jahre 1911–1961 [[Fußballclub Zons|Fussball-Club Zons 1911]]&#039;&#039; (Text: Josef Blömacher/ Peter Bückendorf), Dormagen 1961.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 60 Jahre [[Fußballclub Zons|FC Zons]]&#039;&#039;, Dormagen 1971.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;80 Jahre 1880–1960 [[Kirchenchor &amp;quot;Cäcilia&amp;quot;|Kirchenchor Cäcilia]] an Sankt Martinus Zons am Rhein&#039;&#039;, 1960.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 20 Jahre [[Sportgemeinschaft Zons 1971 e.V.]] Leichtathletikabteilung 1973–1993&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 70 Jahre Jägerzug &amp;quot;Gut Ziel&amp;quot; 1924–1994&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Festschrift 60 Jahre 1953 bis 2013 [[Freilichtbühne|Märchenspiele Zons e.V.]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Zur Geschichte des Schützenvereinswesens in Zons. Festschrift anläßlich des 100-jährigen Bestehens der [[St. Hubertus-Schützengesellschaft]] 1898 Zons e.V.&#039;&#039;, Neuss 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Sürtenich|Sürtenich, Hans]]: &#039;&#039;[[St. Hubertus-Schützengesellschaft]] Zons feiert 100jähriges Bestehen. Die 537jährige Schützentradition wurde während der Zeit der französischen Verwaltung unterbrochen&#039;&#039;, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 64/1998, S. 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Thissen, Michael: &#039;&#039;Festschrift 100 Jahre [[Feuerwehr]] in der Stadt Zons (1908–2008). Vom Löscheimer zum Tanklöschfahrzeug&#039;&#039;, o.O. [Dormagen] 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Genealogie, Geschichte einzelner Familien ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Familienverband Broich: &#039;&#039;Chronik der Familie Broich. Geschichte der Familie [[Aldenhoven (Familie)|Aldenhoven-]]Broich in Zons am Niederrhein&#039;&#039;, 3. Jg., Nr. 8, Dez. 1956.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Lambertz, Martin: &#039;&#039;Gutsbesitzer Franz Aldenhoven (1803–1872) – Ein Lebensbild des überregional (wohl) bekanntesten Zonsers des 19. Jahrhunderts&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 268–311.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Werner Lisken|Lisken, Werner]] (Bearb.): &#039;&#039;Die Familien der historischen Stadt Zons und der katholischen Pfarre St. Martin (mit den Ortsteilen Bürgel, Grind, Nachtigall, Sankt Peter und Stürzelberg) von 1664 bis 1900. Ein genealogisches Nachschlagewerk&#039;&#039; (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Familienkunde e.V., Sitz Köln, Bd. 293; Deutsche Ortssippenbücher der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Frankfurt/Höchst Nr. 00.781), Köln 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]]: &#039;&#039;Die vergessenen Lebensjahre der Kölner Patrizierin und &amp;quot;Hexe&amp;quot; Katharina Henot († 1627) in Zons und die spätere Verschwörung gegen sie und ihre Geschwister – Neue Erkenntnisse zur Lösung eines Justizmord-Rätsels&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 182–267.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sticker, Johannes: &#039;&#039;Lieb Vaterland – Dear Fatherland. Eine Zonser Familiengeschichte&#039;&#039; [über die Familie Sticker], Eigenverlag [1995].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sozialgeschichte, Demographie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Lüttgen, Willy: &#039;&#039;Bevölkerungspolitische Studien über die Stadt Zons/Niederrhein&#039;&#039;, Med. Dissertation, Med. Akademie Düsseldorf 1944. [eine antisemitische Hetzschrift]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sierck, Michael: &#039;&#039;Zur wirtschaftlichen und sozialen Situation der Müller in Zons in der Frühen Neuzeit (bis 1692)&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 154–181.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literatur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quellen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<updated>2026-06-23T09:56:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: Die Seite wurde neu angelegt: „&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Dies ist ein Thema, zu dem noch kein Artikel geschrieben wurde.&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;   Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;ZonsWiki&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; lebt von der Mitarbeit. Wenn Du beim Erstellen dieses Artikels oder anderer Artikel im &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;ZonsWiki&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; helfen willst, bist Du dazu herzlich eingeladen! So kannst auch Du einen Beitrag dazu leisten, das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;ZonsWiki&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; zu einem umfassenden Zons-Lexikon auszubauen.“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Dies ist ein Thema, zu dem noch kein Artikel geschrieben wurde.&#039;&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;&#039;ZonsWiki&#039;&#039;&#039; lebt von der Mitarbeit. Wenn Du beim Erstellen dieses Artikels oder anderer Artikel im &#039;&#039;&#039;ZonsWiki&#039;&#039;&#039; helfen willst, bist Du dazu herzlich eingeladen! So kannst auch Du einen Beitrag dazu leisten, das &#039;&#039;&#039;ZonsWiki&#039;&#039;&#039; zu einem umfassenden Zons-Lexikon auszubauen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Kategorie:Landschaft_und_Umwelt&amp;diff=4355</id>
		<title>Kategorie:Landschaft und Umwelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Kategorie:Landschaft_und_Umwelt&amp;diff=4355"/>
		<updated>2026-06-23T09:55:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: Leere Seite erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Hannep%C3%BCtzheide&amp;diff=4354</id>
		<title>Hannepützheide</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Hannep%C3%BCtzheide&amp;diff=4354"/>
		<updated>2026-06-23T09:54:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die &#039;&#039;&#039;Hannepützheide&#039;&#039;&#039; (historisch auch &amp;quot;Hahnepütz-Heide&amp;quot; oder &amp;quot;Heydt&amp;quot; genannt) ist ein Teilbereich der Zonser Heide, die westlich zwischen Zons und [[Stürzelberg]] auf der Niederterrasse der Kölner Rheinebene liegt. Gemeinsam mit dem benachbarten [[Wahlerberg]] bildet sie einen für den Niederrhein seltenen Komplex aus eiszeitlich entstandenen Binnendünen. Das Areal ist heute ein bedeutendes Natur- und Bodendenkmal sowie ein wichtiges Naherholungsgebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geographie und Etymologie == &lt;br /&gt;
Die Hannepützheide erstreckt sich als Dünengelände entlang des historischen [[Rochusweg]]es. Geologisch entstanden diese Dünenzüge nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCrm-Kaltzeit Würm-Eiszeit] durch Sandverwehungen aus den damaligen Altrheinarmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name leitet sich von einem dort ehemals vorhandenen Ziehbrunnen ab (mundartlich &amp;quot;Pütz&amp;quot; für Brunnen), der bis Anfang des 20. Jahrhunderts intakt war. In der lokalen Forschung wurde kontrovers diskutiert, ob es sich dabei um eine natürliche Quelle oder lediglich um eine künstlich angelegte Wildtränke handelte, die durch die Absenkung des Grundwasserspiegels durch den Braunkohletagebau versiegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologie und Geschichte == &lt;br /&gt;
Das Gelände zählt zu den bedeutendsten Fundstellen für die Vor- und Frühgeschichte im Raum Dormagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Steinzeit:&#039;&#039;&#039; Funde von Silexartefakten belegen eine Besiedlung im [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelsteinzeit  Mesolithikum] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Jungsteinzeit Neolithikum] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Michelsberger_Kultur Michelsberger Kultur]). Ein bemerkenswerter Einzelfund ist ein Veluwe-Glockenbecher.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;[https://de.wikipedia.org/wiki/Bronzezeit Bronzezeit] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenzeit Eisenzeit]:&#039;&#039;&#039; Siedlungsspuren und Keramikfragmente der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urnenfelderkultur Urnenfelder-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hallstattzeit Hallstattkultur] wurden nahe dem [[Wahlerberg]] nachgewiesen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Militärgeschichte:&#039;&#039;&#039; Durch digitale Kartografie konnten Überreste eines kaiserlich-bayerischen Heerlagers von 1642 ([[Dreißigjähriger Krieg]]) lokalisiert werden. Im Zweiten Weltkrieg befand sich zudem eine Flakstellung im Gebiet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch diente die Heide als Allmende. Bereits 1246 gestattete [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_von_Hochstaden Erzbischof Konrad von Hochstaden] dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Gnadental_(Neuss) Kloster Gnadental] das Weiderecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Naturschutz und aktuelle ökologische Entwicklung ==&lt;br /&gt;
Die Hannepützheide ist Teil des Landschaftsschutzgebietes &amp;quot;Zonser Heide&amp;quot;. Die extrem trockenen, nährstoffarmen Sandböden bieten Lebensraum für spezialisierte Arten wie Heidekraut (&amp;quot;Calluna vulgaris&amp;quot;), Silbergras (&amp;quot;Corynephorus canescens&amp;quot;), Berg-Sandrapunzel (&amp;quot;Jasione montana&amp;quot;) und seltene Flechten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Waldumbau:&#039;&#039;&#039; Der Baumbestand bestand lange Zeit aus Kiefern und Fichten. Aufgrund von Hitzeperioden und Borkenkäferbefall findet ein gezielter Waldumbau statt: Abgestorbene Fichten werden entnommen und durch klimaresiliente Traubeneichen ersetzt. Die Finanzierung dieser Maßnahmen erfolgt maßgeblich aus dem Ökokonto der Stadt Dormagen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Pflegemaßnahmen:&#039;&#039;&#039; Zur Erhaltung der Heideflächen werden Entkusselungsmaßnahmen (Entfernung von Gehölzen) durchgeführt und eine Beweidung mit Heidschnucken durchgeführt.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Kontroversen:&#039;&#039;&#039; Im Jahr 2024 lösten forstwirtschaftliche &amp;quot;Läuterungsarbeiten&amp;quot; eine öffentliche Diskussion aus. Anwohner kritisierten den Einsatz schwerer Maschinen im Naturschutzgebiet. Die Stadt verwies auf die Notwendigkeit der Eingriffe für die natürliche Verjüngung und die Verkehrssicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Denkmäler und Infrastruktur ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;[[Jüdische Begräbnisstätte|Jüdischer Friedhof]]:&#039;&#039;&#039; Der denkmalgeschützte Friedhof der Zonser jüdischen Gemeinde aus dem 17. Jahrhundert liegt am südöstlichen Rand.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;[[St. Rochushäuschen]]:&#039;&#039;&#039; Ein 1850 errichteter Bildstock, Ziel einer traditionellen Bittprozession.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Erholung:&#039;&#039;&#039; Seit Januar 2023 informiert eine neue Tafel über die Geologie. Die Heide ist zudem in touristische digitale Angebote wie die &amp;quot;Kultohr&amp;quot;-App eingebunden. Neue Ruhebänke (z.B. am Jüdischen Friedhof und am Heide-Spielplatz) steigern die Aufenthaltsqualität. Der angrenzende Waldkindergarten nutzt das Gebiet regelmäßig für pädagogische Zwecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur == &lt;br /&gt;
* [[Aenne Hansmann]]: &#039;&#039;Geschichte von Stadt und Amt Zons.&#039;&#039; Düsseldorf 1973&lt;br /&gt;
* Gudrun Malcher: &#039;&#039;Jungneolithische Silexartefakte von der Hannepützheide bei Stürzelberg.&#039;&#039; In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Bd. II. Dormagen 1984, S. 39–48&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach]]: &#039;&#039;Die Veränderung der Binnenlanddünen und umliegenden Ackerfluren zwischen Stürzelberg, Zons und Dormagen&#039;&#039;. In: Der Niederrhein, Jg. 56. Krefeld 1989&lt;br /&gt;
* [[Norbert Grimbach]]: &#039;&#039;Die Landschaftsgeschichte von Dormagen (Kreis Neuss)&#039;&#039;, Dormagen 1993&lt;br /&gt;
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Bruns, Peter: &#039;&#039;Die Lokalisierung des Feldlagers der kaiserlichen und kurbayerischen Truppen bei Zons von 1642&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2026 (2025), S. 36–45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Landschaft und Umwelt]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Rheintor&amp;diff=4353</id>
		<title>Rheintor</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Rheintor&amp;diff=4353"/>
		<updated>2026-06-23T08:53:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das &#039;&#039;&#039;Rheintor&#039;&#039;&#039; (historisch auch &amp;quot;Zolltor&amp;quot;, &amp;quot;Peters portze&amp;quot; oder &amp;quot;Rynportzen&amp;quot;) ist das nordöstliche Stadttor der ehemaligen Zollfeste Zons. Es bildet gemeinsam mit dem unmittelbar anschließenden [[Rheinturm|Rheinturm (Zollturm)]] ein prägendes Ensemble der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte und Bauweise == &lt;br /&gt;
Die Errichtung des Tores steht in direktem Zusammenhang mit der Verlegung des Rheinzolls von Neuss nach Zons im Jahr 1372 durch Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]]. Die Toranlage wurde planmäßig als Teil der Stadtbefestigung konzipiert und vermutlich zeitgleich mit der Vollendung des [[Rheinturm]]s im Jahr 1388 fertiggestellt. Urkundlich ist das Tor erstmals im Jahr 1459 als &amp;quot;Peters portze&amp;quot; erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war das Rheintor als Doppeltoranlage mit zwei getrennten, durch Parallelmauern verbundenen Torbauten ausgeführt. Beim großen Stadtbrand von 1464 wurde die Anlage beschädigt und in den Folgejahren wiederaufgebaut. Im Jahr 1761 ließ das [[Domkapitel]] das Fallgitter (Falltor) entfernen, um Platz für den Bau einer neuen Wachtstube zu schaffen, die als Übergang zwischen dem 1760 neu errichteten [[Zollhaus]] und der Toranlage noch heute existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1860 wurde das äußere Tor weitgehend abgetragen, um Platz für den Bau der neuromanischen [[Kapelle &amp;quot;Maria von den Engeln&amp;quot;]] (Rheintorkapelle) zu schaffen. Erhalten geblieben ist im Wesentlichen das stadtseitige (innere) Tor sowie ein Torbogen des äußeren Tores aus Hausteinen. In den Angeln des verbliebenen Bogens hängen noch schwere Eichenflügel, die früher allabendlich verschlossen wurden. Die Torschlüssel mussten nachts auf dem [[Schloss Friedestrom]] hinterlegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Material und Architektur ==&lt;br /&gt;
Die Toranlage wurde aus Basalt, Trachyt sowie Tuff- und Backsteinen errichtet. Der Durchgang ist von einer flachen Tonne überspannt. Über der Einfahrt befindet sich eine Schutzengelfigur, die im Jahr 1860 zusammen mit der Kapelle nach Entwürfen des Franziskanerbruders Paschalis angebracht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur == &lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer]]: &#039;&#039;Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung&#039;&#039;, in: [[Stephen Schröder]] / [[Thomas Schwabach]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023, S. 70–123.&lt;br /&gt;
* [[Aenne Hansmann]] / Margret Wensky: &#039;&#039;Rheinischer Städteatlas Zons.&#039;&#039; 2. Aufl. Köln 1990&lt;br /&gt;
* [[Karl Emsbach]]: Zons – &#039;&#039;Portrait einer alten Stadt.&#039;&#039; Dormagen 2000&lt;br /&gt;
* [[Marion Roehmer]]: &#039;&#039;Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle.&#039;&#039; Dormagen 2025&lt;br /&gt;
* Udo Mainzer: Stadttore im Rheinland. Neuss 1976&lt;br /&gt;
* [[Hermann Kienle]]: &#039;&#039;Der Rheinturm in Zons mit Toranlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum.&#039;&#039; In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Bd. II. Dormagen 1984, S. 18–24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tore]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadttore]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtbefestigung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Anton_F%C3%BCsgen&amp;diff=4352</id>
		<title>Anton Füsgen</title>
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		<updated>2026-06-22T14:35:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: Die Seite wurde neu angelegt: „&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Dies ist ein Thema, zu dem noch kein Artikel geschrieben wurde.&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;   Das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;ZonsWiki&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; lebt von der Mitarbeit. Wenn Du beim Erstellen dieses Artikels oder anderer Artikel im &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;ZonsWiki&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; helfen willst, bist Du dazu herzlich eingeladen! So kannst auch Du einen Beitrag dazu leisten, das &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;ZonsWiki&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; zu einem umfassenden Zons-Lexikon auszubauen.“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Rheinturm&amp;diff=4351</id>
		<title>Rheinturm</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Rheinturm&amp;diff=4351"/>
		<updated>2026-06-22T14:34:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der &#039;&#039;&#039;Rhein-, Zoll- oder St. Petersturm&#039;&#039;&#039; ist der nordöstliche Eckturm der Stadtbefestigung und gilt als deren größtes und wertvollstes Bauwerk. Er diente über Jahrhunderte als zentrale [[Zollstätte]] für den [[Rheinzoll]] sowie als wehrhafter Verteidigungsturm, Landmarke und Repräsentationsbau des Landesherrn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
Der Bau des Turms begann im Zuge der Verlegung des erzbischöflichen Rheinzolls von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons im Jahr 1372 unter Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]]. Gemäß einer erhaltenen Bauinschrift an der Südseite wurde das Bauwerk im Jahr 1388 vollendet. Es bildete den krönenden Abschluss der unter Friedrich von Saarwerden errichteten Befestigungsanlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Architektur ==&lt;br /&gt;
Der Turm erhebt sich auf einem quadratischen Grundriss mit einer äußeren Seitenlänge von etwa 9,50 m. Er umfasst sechs Stockwerke und erreicht eine heutige Höhe von rund 26,90 m. Das Mauerwerk besteht in der unteren Hälfte aus massiven Basaltquadern mit dazwischenliegenden Tuffziegelreihen, während der obere Teil primär aus Tuff mit vereinzelten Basalten gefertigt wurde. Die Kanten sind durch starke Eckverklammerungen aus Trachyt verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den oberen Abschluss bildet ein vorkragender Fries auf zehn Kragsteinen und nasengeschmückten Spitzbögen. Die drei mittleren Bogenlaibungen auf jeder Seite sind als [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrerker Gusslöcher] ausgebildet. Das heute sichtbare pyramidenförmige Dach wurde 1827 aufgesetzt und ersetzte eine ursprünglich wesentlich höhere, spitzere Haube mit einer achtseitigen Laterne. Im obersten Stockwerk befand sich an der Ostseite eine zum Rhein hin offene Plattform, die als Ausguck für die Zollwächter diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stifterrelief und Bauinschrift ==&lt;br /&gt;
An der Südseite des Turms befindet sich in Höhe des ersten Stockwerks eine ca. 2 x 3 Meter große doppelbogige Nische. Bis zu den Restaurierungsarbeiten ab Mitte der 1950er Jahre standen dort lebensgroße Skulpturen des heiligen Petrus (Patron des Erzbistums) und des davor knienden Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Diese Figuren wurde zur Restaurierung in eine Kölner Steinmetz-Werkstatt gebracht, von wo sie nie zurückkamen. Sie sind heute verschollen. Erhalten blieb lediglich die Atlantenfigur eines &amp;quot;Hockemännchens&amp;quot;, welche als Konsole die Spitzbögen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhalb der Nische befindet sich eine zweizeilige lateinische Bauinschrift in gotischen Minuskeln, die übersetzt lautet: &amp;quot;Friedrich von Saarwerden, Erzbischof von Köln, errichtete mich im Jahre 1388 nach der Geburt des Herrn&amp;quot;. Eine künstlerisch freie Nachbildung dieses Reliefs wurde 1992 auf Initiative des Dormagener Geschichtsvereins im inneren Tordurchgang des Rheintors angebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zollverwaltung ==&lt;br /&gt;
Als Zollturm diente das Bauwerk zur Überwachung der Schifffahrt und zur Sicherung der Einnahmen, die in einer eisenbewehrten Zolltruhe (Teke) mit drei verschiedenen Schlössern verwahrt wurden. Das Personal bestand aus einem [[Zöllner]], einem [[Beseher]], einem [[Zollschreiber]] und mindestens zwei Zollknechten. Zur Signalisierung ankommender Schiffe wurde eine Glocke im Turm geläutet. Unmittelbar nördlich an den Turm schließt das 1760 auf dem Standort des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus neu errichtete [[Zollhaus]] an, das als Wohn- und Amtsgebäude diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spätere Nutzung und Erhaltung ==&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Zolls um 1800 wurde der Turm zusammen mit dem [[Zollhaus]] im Jahr 1803 als französisches Domänengut an den Arzt [[Lambert Josef Kauhlen]], der für seinen Onkel [[August Wiesen]] bot, versteigert. Spätestens mit dem Tod des August Wiesen wurde Kauhlen Eigentümer. Nach dessen Tod 1843 wurden Turm und Zollhaus zunächst von dessen Erben an den Wirt [[Anton Füsgen]] verpachtet. 1854 verkauften die Erben Kauhlen den Komplex für 2.000 Taler an [[Elisabethstiftung|Elisabeth Kierwald]], die ihn &lt;br /&gt;
gelangte das Gebäude 1859 der katholischen Pfarrkirche schenkte. Von 1855/56 bis 1882 und von 1896 bis 1960 beherbergte der Komplex eine Niederlassung von [[Franziskanerinnen]] und später [[Vinzentinerinnen]]. In dieser Zeit dienten Räume im Turm unter anderem als Schlafsäle für Kranke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1931 und 1958 war im dritten Obergeschoss ein [[Heimatmuseum]] untergebracht, das auf Initiative des [[Lehrer]]s [[Heinz Riffel]] entstand. Nach einer umfassenden Sanierung der Außenhülle in den 1960er Jahren wurde der Turm u.a. für kirchliche Jugend- und Seniorenarbeit genutzt. Ab 2001 war das Bauwerk aufgrund eines fehlenden zweiten Rettungswegs für die Öffentlichkeit gesperrt. Nach umfangreichen Brandschutzertüchtigungen und dem Einbau einer neuen Treppenanlage 2025 wurde der Turm als heimatgeschichtlicher Erlebnisort wiedereröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 3: Kreis Neuss. Düsseldorf 1895&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hermann Kienle: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: BlGZSt II (1984)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Marion Roehmer: Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle. Dormagen 2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmalpflege]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmäler]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Türme]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtbefestigung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Rheinturm&amp;diff=4350</id>
		<title>Rheinturm</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Rheinturm&amp;diff=4350"/>
		<updated>2026-06-22T14:22:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Spätere Nutzung und Erhaltung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der &#039;&#039;&#039;Rhein-, Zoll- oder St. Petersturm&#039;&#039;&#039; ist der nordöstliche Eckturm der Stadtbefestigung und gilt als deren größtes und wertvollstes Bauwerk. Er diente über Jahrhunderte als zentrale [[Zollstätte]] für den [[Rheinzoll]] sowie als wehrhafter Verteidigungsturm, Landmarke und Repräsentationsbau des Landesherrn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
Der Bau des Turms begann im Zuge der Verlegung des erzbischöflichen Rheinzolls von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons im Jahr 1372 unter Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]]. Gemäß einer erhaltenen Bauinschrift an der Südseite wurde das Bauwerk im Jahr 1388 vollendet. Es bildete den krönenden Abschluss der unter Friedrich von Saarwerden errichteten Befestigungsanlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Architektur ==&lt;br /&gt;
Der Turm erhebt sich auf einem quadratischen Grundriss mit einer äußeren Seitenlänge von etwa 9,50 m. Er umfasst sechs Stockwerke und erreicht eine heutige Höhe von rund 26,90 m. Das Mauerwerk besteht in der unteren Hälfte aus massiven Basaltquadern mit dazwischenliegenden Tuffziegelreihen, während der obere Teil primär aus Tuff mit vereinzelten Basalten gefertigt wurde. Die Kanten sind durch starke Eckverklammerungen aus Trachyt verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den oberen Abschluss bildet ein vorkragender Fries auf zehn Kragsteinen und nasengeschmückten Spitzbögen. Die drei mittleren Bogenlaibungen auf jeder Seite sind als [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrerker Gusslöcher] ausgebildet. Das heute sichtbare pyramidenförmige Dach wurde 1827 aufgesetzt und ersetzte eine ursprünglich wesentlich höhere, spitzere Haube mit einer achtseitigen Laterne. Im obersten Stockwerk befand sich an der Ostseite eine zum Rhein hin offene Plattform, die als Ausguck für die Zollwächter diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stifterrelief und Bauinschrift ==&lt;br /&gt;
An der Südseite des Turms befindet sich in Höhe des ersten Stockwerks eine ca. 2 x 3 Meter große doppelbogige Nische. Bis zu den Restaurierungsarbeiten ab Mitte der 1950er Jahre standen dort lebensgroße Skulpturen des heiligen Petrus (Patron des Erzbistums) und des davor knienden Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Diese Figuren wurde zur Restaurierung in eine Kölner Steinmetz-Werkstatt gebracht, von wo sie nie zurückkamen. Sie sind heute verschollen. Erhalten blieb lediglich die Atlantenfigur eines &amp;quot;Hockemännchens&amp;quot;, welche als Konsole die Spitzbögen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhalb der Nische befindet sich eine zweizeilige lateinische Bauinschrift in gotischen Minuskeln, die übersetzt lautet: &amp;quot;Friedrich von Saarwerden, Erzbischof von Köln, errichtete mich im Jahre 1388 nach der Geburt des Herrn&amp;quot;. Eine künstlerisch freie Nachbildung dieses Reliefs wurde 1992 auf Initiative des Dormagener Geschichtsvereins im inneren Tordurchgang des Rheintors angebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zollverwaltung ==&lt;br /&gt;
Als Zollturm diente das Bauwerk zur Überwachung der Schifffahrt und zur Sicherung der Einnahmen, die in einer eisenbewehrten Zolltruhe (Teke) mit drei verschiedenen Schlössern verwahrt wurden. Das Personal bestand aus einem [[Zöllner]], einem [[Beseher]], einem [[Zollschreiber]] und mindestens zwei Zollknechten. Zur Signalisierung ankommender Schiffe wurde eine Glocke im Turm geläutet. Unmittelbar nördlich an den Turm schließt das 1760 auf dem Standort des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus neu errichtete [[Zollhaus]] an, das als Wohn- und Amtsgebäude diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spätere Nutzung und Erhaltung ==&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Zolls um 1800 wurde der Turm zusammen mit dem [[Zollhaus]] im Jahr 1803 als französisches Domänengut an den Arzt [[Lambert Josef Kauhlen]], der für seinen Onkel [[August Wiesen]] bot, versteigert. Spätestens mit dem Tod des August Wiesen wurde Kauhlen Eigentümer. Nach dessen Tod 1843 wurden Turm und Zollhaus zunächst von dessen Erben an den Wirt [[Anton Füssgen]] verpachtet. 1854 verkauften die Erben Kauhlen den Komplex für 2.000 Taler an [[Elisabethstiftung|Elisabeth Kierwald]], die ihn &lt;br /&gt;
gelangte das Gebäude 1859 der katholischen Pfarrkirche schenkte. Von 1855/56 bis 1882 und von 1896 bis 1960 beherbergte der Komplex eine Niederlassung von [[Franziskanerinnen]] und später [[Vinzentinerinnen]]. In dieser Zeit dienten Räume im Turm unter anderem als Schlafsäle für Kranke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1931 und 1958 war im dritten Obergeschoss ein [[Heimatmuseum]] untergebracht, das auf Initiative des [[Lehrer]]s [[Heinz Riffel]] entstand. Nach einer umfassenden Sanierung der Außenhülle in den 1960er Jahren wurde der Turm u.a. für kirchliche Jugend- und Seniorenarbeit genutzt. Ab 2001 war das Bauwerk aufgrund eines fehlenden zweiten Rettungswegs für die Öffentlichkeit gesperrt. Nach umfangreichen Brandschutzertüchtigungen und dem Einbau einer neuen Treppenanlage 2025 wurde der Turm als heimatgeschichtlicher Erlebnisort wiedereröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 3: Kreis Neuss. Düsseldorf 1895&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hermann Kienle: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: BlGZSt II (1984)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Marion Roehmer: Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle. Dormagen 2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmalpflege]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmäler]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Türme]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtbefestigung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Rheinturm&amp;diff=4349</id>
		<title>Rheinturm</title>
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		<updated>2026-06-22T14:21:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Architektur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der &#039;&#039;&#039;Rhein-, Zoll- oder St. Petersturm&#039;&#039;&#039; ist der nordöstliche Eckturm der Stadtbefestigung und gilt als deren größtes und wertvollstes Bauwerk. Er diente über Jahrhunderte als zentrale [[Zollstätte]] für den [[Rheinzoll]] sowie als wehrhafter Verteidigungsturm, Landmarke und Repräsentationsbau des Landesherrn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
Der Bau des Turms begann im Zuge der Verlegung des erzbischöflichen Rheinzolls von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons im Jahr 1372 unter Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]]. Gemäß einer erhaltenen Bauinschrift an der Südseite wurde das Bauwerk im Jahr 1388 vollendet. Es bildete den krönenden Abschluss der unter Friedrich von Saarwerden errichteten Befestigungsanlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Architektur ==&lt;br /&gt;
Der Turm erhebt sich auf einem quadratischen Grundriss mit einer äußeren Seitenlänge von etwa 9,50 m. Er umfasst sechs Stockwerke und erreicht eine heutige Höhe von rund 26,90 m. Das Mauerwerk besteht in der unteren Hälfte aus massiven Basaltquadern mit dazwischenliegenden Tuffziegelreihen, während der obere Teil primär aus Tuff mit vereinzelten Basalten gefertigt wurde. Die Kanten sind durch starke Eckverklammerungen aus Trachyt verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den oberen Abschluss bildet ein vorkragender Fries auf zehn Kragsteinen und nasengeschmückten Spitzbögen. Die drei mittleren Bogenlaibungen auf jeder Seite sind als [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrerker Gusslöcher] ausgebildet. Das heute sichtbare pyramidenförmige Dach wurde 1827 aufgesetzt und ersetzte eine ursprünglich wesentlich höhere, spitzere Haube mit einer achtseitigen Laterne. Im obersten Stockwerk befand sich an der Ostseite eine zum Rhein hin offene Plattform, die als Ausguck für die Zollwächter diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Stifterrelief und Bauinschrift ==&lt;br /&gt;
An der Südseite des Turms befindet sich in Höhe des ersten Stockwerks eine ca. 2 x 3 Meter große doppelbogige Nische. Bis zu den Restaurierungsarbeiten ab Mitte der 1950er Jahre standen dort lebensgroße Skulpturen des heiligen Petrus (Patron des Erzbistums) und des davor knienden Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Diese Figuren wurde zur Restaurierung in eine Kölner Steinmetz-Werkstatt gebracht, von wo sie nie zurückkamen. Sie sind heute verschollen. Erhalten blieb lediglich die Atlantenfigur eines &amp;quot;Hockemännchens&amp;quot;, welche als Konsole die Spitzbögen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhalb der Nische befindet sich eine zweizeilige lateinische Bauinschrift in gotischen Minuskeln, die übersetzt lautet: &amp;quot;Friedrich von Saarwerden, Erzbischof von Köln, errichtete mich im Jahre 1388 nach der Geburt des Herrn&amp;quot;. Eine künstlerisch freie Nachbildung dieses Reliefs wurde 1992 auf Initiative des Dormagener Geschichtsvereins im inneren Tordurchgang des Rheintors angebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zollverwaltung ==&lt;br /&gt;
Als Zollturm diente das Bauwerk zur Überwachung der Schifffahrt und zur Sicherung der Einnahmen, die in einer eisenbewehrten Zolltruhe (Teke) mit drei verschiedenen Schlössern verwahrt wurden. Das Personal bestand aus einem [[Zöllner]], einem [[Beseher]], einem [[Zollschreiber]] und mindestens zwei Zollknechten. Zur Signalisierung ankommender Schiffe wurde eine Glocke im Turm geläutet. Unmittelbar nördlich an den Turm schließt das 1760 auf dem Standort des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus neu errichtete [[Zollhaus]] an, das als Wohn- und Amtsgebäude diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spätere Nutzung und Erhaltung ==&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Zolls 1798/99 wurde der Turm zusammen mit dem [[Zollhaus]] im Jahr 1803 als französisches Domänengut an den Arzt [[Lambert Josef Kauhlen]], der für seinen Onkel [[August Wiesen]] bot, versteigert. Spätestens mit dem Tod des August Wiesen wurde Kauhlen Eigentümer. Nach dessen Tod 1843 wurden Turm und Zollhaus zunächst von dessen Erben an den Wirt [[Anton Füssgen]] verpachtet. 1854 verkauften die Erben Kauhlen den Komplex für 2.000 Taler an [[Elisabethstiftung|Elisabeth Kierwald]], die ihn &lt;br /&gt;
gelangte das Gebäude 1859 der katholischen Pfarrkirche schenkte. Von 1855/56 bis 1882 und von 1896 bis 1960 beherbergte der Komplex eine Niederlassung von [[Franziskanerinnen]] und später [[Vinzentinerinnen]]. In dieser Zeit dienten Räume im Turm unter anderem als Schlafsäle für Kranke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1931 und 1958 war im dritten Obergeschoss ein [[Heimatmuseum]] untergebracht, das auf Initiative des [[Lehrer]]s [[Heinz Riffel]] entstand. Nach einer umfassenden Sanierung der Außenhülle in den 1960er Jahren wurde der Turm u.a. für kirchliche Jugend- und Seniorenarbeit genutzt. Ab 2001 war das Bauwerk aufgrund eines fehlenden zweiten Rettungswegs für die Öffentlichkeit gesperrt. Nach umfangreichen Brandschutzertüchtigungen und dem Einbau einer neuen Treppenanlage 2025 wurde der Turm als heimatgeschichtlicher Erlebnisort wiedereröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 3: Kreis Neuss. Düsseldorf 1895&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hermann Kienle: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: BlGZSt II (1984)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Marion Roehmer: Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle. Dormagen 2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmalpflege]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmäler]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Türme]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtbefestigung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Helene_Blum-Spicker&amp;diff=4348</id>
		<title>Helene Blum-Spicker</title>
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		<updated>2026-06-22T14:17:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Helene Blum-Spicker&#039;&#039;&#039;, geb. Blum (* 18.01.1942 in [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchengladbach]; † 22. Juli 2009) war eine Kunsthistorikerin (M.A.), die von 1972 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 das [[Kreismuseum]] als dessen erste Direktorin leitete. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Haus zu einem überregional anerkannten Spezialmuseum für Angewandte Kunst und Kunsthandwerk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft und Ausbildung == &lt;br /&gt;
Helene Blum wurde 1942 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Mönchengladbach Mönchengladbach] geboren. Bereits 1944 zog sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Pommern Pommern], bevor die Familie 1946 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kiel Kiel] bei einem Onkel Aufnahme fand. Schon mit fünf Jahren eingeschult, legte sie 1960 ihr Abitur ab und studierte anschließend Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Alte Geschichte. Drei Wochen nach ihrer Magisterprüfung trat sie eine Stelle am [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Landesmuseum_Bonn Rheinischen Landesmuseum in Bonn] an, die ihr durch einen Gastdozenten vermittelt worden war. Nach anderthalb Jahren wechselte sie in die Kultur- und Pressearbeit der niederländischen Botschaft, kehrte jedoch bald in den Museumsbereich zurück. Den entscheidenden Hinweis auf die vakante Stelle in Zons gab ihr Mentor [https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Borger Professor Hugo Borger].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Mutter war [https://de.wikipedia.org/wiki/Helene_Blum-Gliewe Helene Blum-Gliewe (1907–1992)], eine wegweisende Künstlerin, die als erste weibliche Bühnenbildnerin Deutschlands Theatergeschichte schrieb. Von 1928 bis 1939 leitete sie als Ausstattungsleiterin sämtlicher städtischer Bühnen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheydt Mönchengladbach-Rheydt] ein Team von 40 Mitarbeitern und entwarf Bühnenbilder für rund 400 Stücke. Nach Krieg und Flucht baute sie sich in [https://de.wikipedia.org/wiki/Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein] eine zweite Karriere als Kunst-am-Bau-Künstlerin auf und hinterließ über 50 großformatige Wandmalereien, Sgraffitos, Mosaike und Glasfenster im öffentlichen Raum, vor allem im Raum [https://de.wikipedia.org/wiki/Kiel Kiel] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Lübeck Lübeck]. Im Alter von 70 Jahren begann sie zudem zu schreiben und veröffentlichte drei Romane, darunter &#039;&#039;Die Kaschubenbraut&#039;&#039;. Ihre Lebensgeschichte wurde 2019 in der Biografie &#039;&#039;Helene Blum-Gliewe – Vom Bühnenbild zur Kunst am Bau&#039;&#039; von Sabine Leonhardt dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufbau und Leitung des Kreismuseums Zons (1972–2007) ==&lt;br /&gt;
=== Anfänge === &lt;br /&gt;
Als Helene Blum-Spicker 1972 die kommissarische Leitung des neugegründeten Museums in der Vorburg von [[Burg Friedestrom]] übernahm, stand sie vor einer ungewöhnlichen Ausgangslage: kein Sammlungsbestand, keine gewachsene Tradition, kein ausgearbeitetes Konzept und in unmittelbarer Nachbarschaft die etablierten Museumsstädte [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln], [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn]. Ein zeitgleich vorgesehener Kreisarchivar, der die Einrichtung mitverantworten sollte, wurde zunächst nicht besetzt. Bereits drei Wochen nach ihrem Dienstantritt legte Blum-Spicker ein vollständiges Programm für das erste Jahr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Patt Landrat Dieter Patt] beschrieb bei ihrer Verabschiedung rückblickend sowohl die Museumsgründung als auch die Berufung einer so jungen Frau in eine Leitungsposition als für die damalige Zeit ungewöhnlich. Sie habe &amp;quot;einfach angefangen und losgelegt&amp;quot; – und daraus sei das Museumskonzept gewachsen. Ihren Wohnsitz verlegte sie früh nach Zons; eine erste Wohnung an der [[Mauerstraße]] brachte ihr den Spitznamen &amp;quot;Mauerblümchen&amp;quot; ein, der in der Lokalpresse noch Jahrzehnte später zitiert wurde. Als Blum-Spicker 1982 nach ihrer Heirat für vier Jahre nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich] zog, fand dies in der Örtlichkeit lebhafte Beachtung; sie kehrte nach Zons zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Dekade: Programm und Publikum === &lt;br /&gt;
Die ersten sieben Jahre arbeitete Blum-Spicker ausschließlich mit Wechselausstellungen, da eigene Sammlungsbestände fehlten. Parallel dazu baute sie ein museumspädagogisches Programm auf, das neben Angeboten für Kinder – darunter Töpfern und Maskenmalen – auch Konzerte, Vorträge und Dichterlesungen umfasste. Eine Bilanz der ersten zehn Amtsjahre bis 1982 zeigt das Ergebnis dieser Arbeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 84 Ausstellungen, 92 Vorträge und Dichterlesungen sowie über 40 Konzerte&lt;br /&gt;
*Rund 600.000 Besucher in der ersten Dekade – eine Spitzenstellung unter den mittleren Museen im Rheinland&lt;br /&gt;
* Pädagogische Programme für Kinder und Senioren, Exkursionen und Filmabende&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Museumsalltag war Blum-Spicker an der Entstehung der Quilt-Biennale beteiligt, die mehrfach in Zons präsentiert wurde. Der jährliche Ostereier- und der Adventsmarkt erlangten weit über den Rhein-Kreis Neuss hinaus Bekanntheit. Das alljährliche Schützenfest wurde auf dem Hof des Kreismuseums eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sammlungsaufbau === &lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit galt der wissenschaftlichen Aufarbeitung und gezielten Erweiterung der Museumsbestände:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jugendstil-Zinn&#039;&#039;&#039;: Im Jahr 1979 stand die Sammlung &amp;quot;Zinn des Jugendstils&amp;quot; für 1,2 Millionen Mark zum Verkauf. Blum-Spicker setzte sich gegenüber der Kreisverwaltung für den Ankauf ein und sicherte so den Erwerb von mehr als 1.000 Zinnobjekten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendstil Jugendstils] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Silzer?action=edit&amp;amp;redlink=1 Giorgio Silzer]. Diese Erwerbung veränderte das Sammlungsprofil des Museums grundlegend und legte den Grundstein für eine der bedeutendsten Jugendstil-Zinnsammlungen der Region. Später integrierte sie ergänzend die renommierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Orivit ORIVIT-Sammlung] von Gertrud Funke-Kaiser als Dauerleihgabe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nachlass [[Theo Blum]]&#039;&#039;&#039;: Zwischen 1976 und 1983 organisierte sie die Inventarisierung und Katalogisierung des umfangreichen Werkes des Zonser [[Ehrenbürger]]s [[Theo Blum]], das über 4.500 Blätter umfasst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sammlung [https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Hahn_(K%C3%BCnstler) Helmut Hahn]&#039;&#039;&#039;: 1989 sicherte sie dem Museum durch eine Schenkung des Künstlers Helmut Hahn ein weiteres Sammlungsstandbein: rund 900 Objekte aus dem Bereich des Textildesigns. 1996 kamen außerdem Grafiken von Walter York Koenigstein hinzu.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Archäologie&#039;&#039;&#039;: Sie förderte die Präsentation archäologischer Funde aus dem [[Burg Friedestrom|Zonser Burgbereich]] und arbeitete eng mit dem Amt für Bodendenkmalpflege zusammen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die florale Trilogie (1999–2006)&#039;&#039;&#039;: Als ihr künstlerisches Spätwerk gelten drei thematisch verbundene Ausstellungen: &#039;&#039;Mohn&#039;&#039; (1999), &#039;&#039;Iris&#039;&#039; (2002) und &#039;&#039;Tulpe&#039;&#039; (2006), jeweils mit eigenem Katalog. [https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Krischel Dr. Roland Krischel], Leiter der mittelalterlichen Abteilung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Wallraf-Richartz-Museum_&amp;amp;_Fondation_Corboud Wallraf-Richartz-Museums in Köln], würdigte diese &amp;quot;florale Trilogie&amp;quot; bei Blum-Spickers Verabschiedung als ihr &amp;quot;Meisterwerk&amp;quot; und hob hervor, welch &amp;quot;übermenschliche Energie&amp;quot; vonnöten gewesen sei, &amp;quot;noch am Ende der Berufskarriere ein solches Feuerwerk abzubrennen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ruhestand und weiteres Engagement == &lt;br /&gt;
Im Januar 2007 wurde Helene Blum-Spicker anlässlich ihres 65. Geburtstages durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Patt Landrat Dieter Patt] offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dem Museum blieb sie jedoch verbunden: Als Gründungsgeschäftsführerin des Vereins &amp;quot;Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e.V.&amp;quot; (gegründet 1979) engagierte sie sich weiterhin für die Jugendstil-Zinnsammlung und das Museumsprogramm. Kurz vor ihrem Tod gestaltete sie noch das Jubiläumsprogramm zum 30-jährigen Bestehen des Fördervereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Publizistisches Wirken == &lt;br /&gt;
Helene Blum-Spicker verfasste zahlreiche Schriften zur Zonser Geschichte und zur Kunstgeschichte. Sie war Herausgeberin und Autorin des Katalogs &#039;&#039;600 Jahre Stadt Zons 1373–1973&#039;&#039;, der in mehreren erweiterten Auflagen erschien (zuletzt 5. Aufl. Dormagen 1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung == &lt;br /&gt;
Helene Blum-Spicker gilt als die prägende Gestalt in der Geschichte des [[Kreismuseum]]s Zons. Der Nachruf des Fördervereins betont ihre &amp;quot;hohe Kompetenz, Kreativität und ihr unermüdliches Engagement&amp;quot; sowie ihren Spürsinn für bedeutende Sammlungsstücke. Zeitgenössische Berichte beschreiben sie als eine „überaus engagierte und willensstarke Persönlichkeit&amp;quot;, deren Leistungen in der rheinischen und niederrheinischen Museumslandschaft als prägend bewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur und Quellen ==&lt;br /&gt;
* Helene Blum-Spicker: &#039;&#039;600 Jahre Stadt Zons. 1373–1973&#039;&#039;. 5. Aufl. Dormagen 1985&lt;br /&gt;
* Zeitungsartikel NGZ von Anneli Goebels vom 4. Juni 2002: &#039;&#039;&amp;quot;Mauerblümchen&amp;quot; voller Tatendrang&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* [[Angelika Riemann]]: &#039;&#039;Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons&#039;&#039;. In: Der Niederrhein, H. 1/2011&lt;br /&gt;
* Zeitungsbericht zur Verabschiedung: &#039;&#039;Helene Blum-Spicker wurde als Direktorin des Zonser Kreismuseums verabschiedet&#039;&#039;. 9. Januar 2007 (Dormago)&lt;br /&gt;
* Nachruf: &#039;&#039;Langjährige Museumsleiterin Helene Blum-Spicker ist gestorben&#039;&#039;. 26. Juli 2009 (Dormago)&lt;br /&gt;
* Nachruf des Vereins &amp;quot;Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e.V.&amp;quot;, Juli 2009&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Blum-Spicker, Helene}} &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforscher]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Anna_Karina_Hahn&amp;diff=4347</id>
		<title>Anna Karina Hahn</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Anna_Karina_Hahn&amp;diff=4347"/>
		<updated>2026-06-22T14:05:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Historikerin und Kuratorin &#039;&#039;&#039;Anna Karina Hahn&#039;&#039;&#039; (* 1983 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]) leitet seit dem 1. Januar 2017 das [[Kreismuseum]] als Nachfolgerin von [[Angelika Riemann]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werdegang == &lt;br /&gt;
[[Anna Karina Hahn]] wuchs in [[Stürzelberg]] auf und besuchte dort die Grundschule. Nach dem Abitur am Bettina-von-Arnim-Gymnasium in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] absolvierte sie ein Studium der Geschichte und Germanistik an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Friedrich-Wilhelms-Universität_Bonn Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn], das sie mit dem Magistra Artium abschloss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre berufliche Laufbahn am [[Kreismuseum]] begann im Januar 2009 mit einem Volontariat. In der Folge war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin des Hauses unter der Direktorin [[Angelika Riemann]] tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leitung des Kreismuseums Zons == &lt;br /&gt;
Zum 1. Januar 2017 übernahm Hahn die Leitung des Kreismuseums als Nachfolgerin der in den Ruhestand getretenen [[Angelika Riemann]]. In ihrer Amtszeit setzt sie verstärkt auf eine Verbindung von Tradition und moderner Vermittlung, um das Museum für breitere Zielgruppen zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Digitalisierung der Bestände. So initiierte sie Projekte zur schrittweisen Online-Inventarisierung der umfangreichen Jugendstil-Zinnsammlung sowie der Fliesenbestände. Unter ihrer Führung wurde zudem die Zusammenarbeit mit dem [[Archiv im Rhein-Kreis Neuss]] unter Leitung von [[Stephen Schröder]] und dem [[Internationales Mundartarchiv &amp;quot;Ludwig Soumagne&amp;quot;|Internationalen Mundartarchiv Ludwig Soumagne]] intensiviert, unter anderem durch den Aufbau eines gemeinsamen Online-Bibliothekskatalogs (Web-OPAC).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den bedeutenden Erweiterungen der Sammlung während ihrer Leitung gehört die Schenkung der Sammlung von Dr. Beatrix Vater-Dobberstein im Jahr 2017, durch die das Museumsprofil um Jugendstil-Objekte aus Keramik, Glas und Holz sowie rund 900 Fliesen ergänzt wurde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirken und Projekte ==&lt;br /&gt;
Anna Karina Hahn verantwortete bereits zahlreiche Sonderausstellungen zu kulturgeschichtlichen Themen, darunter Präsentationen über japanische Kinderkimonos (&amp;quot;Gute Wünsche in Seide&amp;quot;), die Geschichte der Barbie-Puppe (&amp;quot;Busy Girl&amp;quot;) oder Naturfotografien aus der Region (&amp;quot;Wildes Zons&amp;quot;). Ein besonderes Anliegen ist ihr die Museumspädagogik, für die sie Formate wie &amp;quot;Baby an Bord&amp;quot; für Eltern mit Kleinkindern oder interkulturelle Workshops für Migrantinnen entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2021 gehörte sie zum Organisationsteam des 1. Zonser Komponistinnen-Festivals, das sich der Förderung von Werken weiblicher Komponisten widmet. Zudem begleitete sie die Akquise von Fördermitteln des [https://de.wikipedia.org/wiki/Landschaftsverband_Rheinland Landschaftsverbandes Rheinland] für die multimediale Aufarbeitung der Dialektdichtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
Dormago-Artikel:&lt;br /&gt;
* Kreismuseum Zons – ein Ausflugziel für die ganze Familie, 25.07.2025&lt;br /&gt;
* Karina Hahn führt jetzt das KreisMuseum, 20.01.2017&lt;br /&gt;
* Zugang zum Zonser Bibliotheksgut erheblich erleichtert, 14.11.2022&lt;br /&gt;
* Wertvolle Schenkung für das Kreismuseum, 04.12.2017&lt;br /&gt;
* KreisMuseum: Digitalisierung der Zinnobjekte schreitet voran, 08.02.2021&lt;br /&gt;
* Aus Komponistinnen-Konzert wird 2021 ein Festival in Zons, 27.01.2021&lt;br /&gt;
* Kulturzentrum Zons erhält Finanzspritze, 11.04.2020&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Wildes Zons&amp;quot;: Eindrucksvolle Fotografien, Kunst und Zinn, 04.07.2020&lt;br /&gt;
* Verena Göbel verstärkt das Team des Kreismuseums, 24.07.2017&lt;br /&gt;
* Beim Hansetag Werbetrommel für den Tourismus gerührt, 30.05.2022&lt;br /&gt;
* Zonser Komponistinnen-Festival: &amp;quot;Tolle Frauen, tolle Musik&amp;quot;, 25.10.2021&lt;br /&gt;
* Pädagogische Praxis im Museum präsent, 20.03.2017&lt;br /&gt;
* Barbie-Ausstellung mit Baby besuchen, 28.08.2018&lt;br /&gt;
* Gelungener Workshop mit Migrantinnen, 14.03.2016&lt;br /&gt;
* Schönes und Glänzendes im Kreismuseum Zons, 13.01.2020&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Hahn, Anna Karina}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Angelika_Riemann&amp;diff=4346</id>
		<title>Angelika Riemann</title>
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		<updated>2026-06-22T13:52:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Angelika Riemann&#039;&#039;&#039; (* 1951) ist eine ehemalige Leiterin und Kuratorin des [[Kreismuseum|Kreismuseums Zons]]. Sie leitete die Einrichtung von 2007 bis Ende 2016 und prägte deren Profil im Bereich der Angewandten Kunst sowie der regionalen Kulturgeschichte maßgeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werdegang ==&lt;br /&gt;
Angelika Riemann war zunächst als stellvertretende Leiterin des Kreismuseums tätig. Im Januar 2007 übernahm sie nach der Verabschiedung der langjährigen Direktorin [[Helene Blum-Spicker]] die kommissarische (und spätere reguläre) Leitung des Hauses. Im Laufe ihrer Amtszeit verfolgte sie das Prinzip &amp;quot;Kontinuität und Wandel&amp;quot;, indem sie etablierte Sammlungsschwerpunkte pflegte, bei Wechselausstellungen jedoch neue Wege ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Jahresende 2016 trat Riemann nach rund 27 Jahren Museumsarbeit in den Ruhestand. Ihre Nachfolge trat [[Anna Karina Hahn]] an, die zuvor bereits als ihre Stellvertreterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin gewirkt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Berufliches und gesellschaftliches Wirken ==&lt;br /&gt;
Während ihrer Zeit als Museumsdirektorin verantwortete Angelika Riemann zahlreiche kulturgeschichtliche und kunsthandwerkliche Ausstellungen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Pflege und Präsentation der weltweit umfangreichsten Jugendstil-Zinnsammlung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den bedeutenden von ihr kuratierten oder begleiteten Projekten gehörten unter anderem:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausstellungen zur Kulturgeschichte der Handtasche (2006)&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Griechenland 1958&amp;quot; mit Fotografien von [https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Hahn_(Künstler) Helmut Hahn] (2008)&lt;br /&gt;
* Präsentationen über internationalen Schmuck (&amp;quot;Schönheit &amp;amp; Magie&amp;quot;, 2008)&lt;br /&gt;
* Eine umfassende Werkschau zur deutschen Keramik der 1950er Jahre (2008)&lt;br /&gt;
* Die 16. Internationale Silbertriennale (2011)&lt;br /&gt;
* &amp;quot;In der Bar zum Krokodil&amp;quot; über die Schlagerwelt der 1920er Jahre (2015)&lt;br /&gt;
* Japanische Färbeschablonen (&amp;quot;Katagami – Der andere Blick&amp;quot;, 2016)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zentrales Anliegen Riemanns war die museumspädagogische Arbeit. Sie entwickelte spezielle Programme für Kindergärten und Schulen, um jüngere Generationen spielerisch für die Kultur des Mittelalters und die [[Burg Friedestrom|Burganlage Friedestrom]] zu begeistern. Zudem etablierte sie gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten des Rhein-Kreises Neuss das Format &amp;quot;Frauen führen Frauen&amp;quot;, das Rundgänge aus speziell weiblicher Perspektive anbot. Im Rahmen der Vorbereitungen zum Krimifestival &amp;quot;Criminale&amp;quot; arbeitete sie mit Autorinnen wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Glaser Brigitte Glaser] zusammen und initiierte Lesungen sowie Tatortbesichtigungen im Bereich des Museums. Sie trat zudem regelmäßig als Moderatorin wissenschaftlicher Fachvorträge auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Publikationen ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Der Niederrhein. Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern&#039;&#039;, Heft 1/2011, S. 2–4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Literatur ==&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons&#039;&#039;. In: &#039;&#039;Der Niederrhein. Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern&#039;&#039;, Heft 1/2011, S. 2–4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dormago-Artikel:&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Helene Blum-Spicker wurde als Direktorin des Zonser Kreismuseums verabschiedet&#039;&#039;, 09.01.2007&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Angelika Riemann kommissarische Leiterin&#039;&#039;, 09.01.2007&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Gelungener Griechischer Abend im Museum&#039;&#039;, 06.03.2008&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Kreismuseum: Schmucke Reise von Ost nach West&#039;&#039;, 21.06.2008&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Umfassender Überblick über die deutsche Keramik&#039;&#039;, 24.09.2008&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Geschenk vom Jubilar - Förderverein überreicht Jugendstil-Vase&#039;&#039;, 25.11.2009&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Tatort Zons: Krimi „Rippenbiest“ ein Beitrag zur „Criminale“&#039;&#039;, 27.11.2009&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Originelle Ausstellung mit Aktion für alle Sinne im Kreismuseum&#039;&#039;, 04.05.2010&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Museumstag: Kulinarisch und kriminalistisch&#039;&#039;, 14.05.2010&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Kurz-Krimi spielt in Zons: Emma setzt den „Sissi-Stich“&#039;&#039;, 25.05.2010&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;KreisMuseum präsentiert Internationale Silbertriennale&#039;&#039;, 24.08.2011&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Gelungene Zeitreise durch das Mittelalter&#039;&#039;, 22.05.2013&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„In der Bar zum Krokodil“ - Erinnerungen an wilde Zeiten&#039;&#039;, 07.02.2015&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Katagami - Die atemberaubende Vielfalt&#039;&#039;, 02.05.2016&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Karina Hahn führt jetzt das KreisMuseum&#039;&#039;, 20.01.2017&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;„Frauen führen Frauen“ im Kreismuseum&#039;&#039;, 11.03.2019&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Riemann, Angelika}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Norbert_Grimbach&amp;diff=4345</id>
		<title>Norbert Grimbach</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Norbert_Grimbach&amp;diff=4345"/>
		<updated>2026-06-17T10:09:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Publikationen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:N_Grimbach.jpg|300px|thumb|right|Norbert Grimbach (2023)]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Norbert Grimbach&#039;&#039;&#039; (* 1951 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]) ist ein pensionierter Realschullehrer in Zons, der für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement in den Bereichen Landschafts-, Natur- und Artenschutz, Landschaftsentwicklung, Denkmalpflege und Archäologie zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schullaufbahn und Studium ==&lt;br /&gt;
Nach dem Abitur am [https://de.wikipedia.org/wiki/Quirinus-Gymnasium_Neuss Staatlichen Quirinus-Gymnasium in Neuss] 1972 und anschließendem Wehrdienst (1972/73) studierte er zunächst an der Pädagogischen Hochschule Neuss die Studienfächer Mathematik, Biologie und Kunst mit dem Abschluss des 1. und 2. Staatsexamens am 22. September 1978 für das Lehramt für Grund- und Hauptschule. Nach dem 2. Staatsexamen erfolgte das Aufbaustudium mit weiteren Staatsexamen an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-Heine-Universit%C3%A4t_D%C3%BCsseldorf Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf] und die Ernennung zum Lehrer für die Sekundarstufe I mit Wirkung vom 3. November 1980 (Fachbereiche Mathematik, Biologie und Kunst).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Berufliche Laufbahn ==&lt;br /&gt;
1973 bis 1979 wirkte Norbert Grimbach als Hilfskraft für den Förderunterricht an der Städtischen Realschule Dormagen, zuletzt (1978) auch als Lehrkraft an weiteren Schulen im heutigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Kreis_Neuss Rhein-Kreis Neuss]. 1979 erfolgte die Einstellung als Lehrkraft an der Städtischen Realschule Dormagen für die Fächer Biologie, Mathematik und Kunst. Die Pensionierung war 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Familie ==&lt;br /&gt;
Norbert Grimbach ist verheiratet mit der aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] stammenden Gabriele Grimbach geborene Sels. Mit ihr hat er eine Tochter und einen Sohn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archäologische Forschung == &lt;br /&gt;
Grimbach erforscht seit mehreren Jahrzehnten die archäologischen Zeugnisse im Dormagener Stadtgebiet. Seine Sammlung umfasst Fundstücke von der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit bis hin zur römischen Epoche und dem Mittelalter. Er entdeckte unter anderem Münzen, Schmuckstücke und Alltagsgegenstände auf Äckern und in Baugruben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu seinen bedeutenden Leistungen zählt die Sicherung und Dokumentation von Fundkomplexen, die oft unter dem Widerstand von Bau- oder Abgrabungsprojekten stattfand. Ein besonderes Highlight seiner Arbeit ist die Bergung des bisher größten zusammenhängenden römischen Grabfundes im Bereich &amp;quot;Unter den Hecken&amp;quot; in der Dormagener Innenstadt. Er stellt seine Funde regelmäßig als Leihgeber für Ausstellungen im Historischen Rathaus Dormagen und im Römerkeller an St. Michael zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2024 veröffentlichte er das Buch &amp;quot;Verloren und wiedergefunden&amp;quot;, das archäologische Funde aus Dormagen, hauptsächlich aus seiner eigenen Sammlung, dokumentiert. Das Werk wurde vom Kreisheimatbund Neuss herausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ehrenamtliche Tätigkeit ==&lt;br /&gt;
Norbert Grimbach engagierte und engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich. Zu nennen sind u.a.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ordentliches Mitglied im Naturschutzbeirat des Rhein-Kreises Neuss (seit 1985), seit 2021 Erster Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ordentliches Mitglied im Jagdbeirat des Rhein-Kreises Neuss als Vertreter für den Natur- und Artenschutz (seit 1994)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sachkundiger Bürger im Umweltausschuss der Stadt Dormagen (1986–2009; 2021–)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beauftragter für Denkmalpflege der Stadt Dormagen (seit 1986)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kreiskoordinator der Landesgemeinschaft Natur und Umwelt (LNU) im Rhein-Kreis Neuss&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beiratsmitglied im Kreisheimatbund Rhein-Kreis Neuss seit 2002, seit 2017 als Vizepräsident&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mitglied der SDW e.V. Dormagen seit 1980, 2011–2019 als 2. Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vorstandsmitglied im Gemeinschaftsnetzwerk Natur und Umwelt Rhein-Kreis Neuss e.V. (nun) (seit 2005)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gründungsmitglied der Lokalen Allianz Dormagen – Wirtschaftsraum mit Perspektive (2010)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landschaftsverband Rheinland, Amt für Bodendenkmalpflege (Overath) bis 2025&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Internationales Engagement:&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grimbach engagierte sich in verschiedenen internationalen Projekten. Gemeinsam mit dem ehemaligen [https://de.wikipedia.org/wiki/Chempark_Dormagen Chempark]-Leiter Dr. Walter Leidinger unterstützte er den Aufbau eines naturwissenschaftlichen Labors im Kinderdorf Munaychay bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Cusco Cusco in Peru]. Hierfür überarbeitete er ehrenamtlich 16 ausgediente Labormikroskope der Realschule am Sportpark, die anschließend nach Peru verschifft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus organisierte er Exkursionen für Schüler in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Toro_(Spanien) spanische Partnerstadt Toro]. Die dabei am Ufer des [https://de.wikipedia.org/wiki/Duero Flusses Duero] entdeckten steinzeitlichen Werkzeuge und Keramiken aus dem 15. Jahrhundert restaurierte er und übergab sie dem dortigen Museum der Fundación González Allende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auszeichnungen ==&lt;br /&gt;
Im Laufe der Jahrzehnte bekam Norbert Grimbach für sein ehrenamtliches Engagement einige Auszeichnungen. Hierzu zählen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Umweltschutzpreis der Stadt Dormagen (1985, 1989)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Wissenschaftspreis Albert-Steeger-Preis] (Stipendium) für naturwissenschaftliche Verdienste durch den LVR (1987)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Umweltschutzpreis des Rhein-Kreises Neuss (1986, 1989)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Heimatpreis der Stadt Dormagen (2019)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinlandtaler Rheinlandtaler] durch den LVR (2022)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Publikationen ==&lt;br /&gt;
Seit 1985 hat Norbert Grimbach zahlreiche Publikationen zum Landschafts-, Natur- und Artenschutz, zur Landschaftsentwicklung, Denkmalpflege und Archäologie in Aufsatz- und teils auch in Buchform vorgelegt. Hier eine Auswahl:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Bericht über die Exkursion der Botanischen Arbeitsgemeinschaft in die Dünenlandschaft zwischen Stürzelberg und Zons&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 4/1985, S. 226–231&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Floristische Untersuchungen der alten Stadtmauern von Zons&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1987&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Floristische Untersuchungen der alten Stadtmauern von Zons&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/1987, S. 161–171&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Pflanzenfunde in einer spätmittelalterlichen Latrine der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts im Schloßhofbereich von Zons&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 20–22&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Entstehung und Rekultivierung unserer Dormagener Binnensanddünen- und Heidegebiete&#039;&#039;, in: Vereinsmitteilungen des Geschichtsvereins für Dormagen, Nievenheim und Zons, H. 2/1988, S. 23–29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Die Veränderung der Binnenlanddünen und umliegenden Ackerfluren zwischen Stürzelberg, Zons und Dormagen&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/1989, S. 141–154&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Floristische Untersuchungen im Raum Neuss – Ein Beitrag zur Unterschutzstellung einer Dünenlandschaft&#039;&#039;, in: Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins in Wuppertal, H. 42 (1989), S. 72–76&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (mit Willy Werner und Michael Gödde) &#039;&#039;Vegetation der Mauerfugen am Niederrhein und ihre Standortverhältnisse&#039;&#039;, in: Tuexenia 9/1989, S. 54–73&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Bestandsveränderungen bei Pflanzen und Tieren im NSG Wahler Berg bei Dormagen von 1972 bis 1988&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 1/1990, S. 8–16&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Die Landschaftsgeschichte von Dormagen (Kreis Neuss)&#039;&#039;, Dormagen 1993&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Haus Tannenbusch – Strom- und Siedlungsgeschichte zwischen Wasser und Wald&#039;&#039;, in: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Dormagen e.V (Hrsg.), Der Tannenbusch Dormagen, Dormagen o.J. [1993], S. 12–15&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (mit Peter Schütz) &#039;&#039;Auswirkung von Koppelschafhaltung auf Sandmagerrasen&#039;&#039;, in: LÖBF-Mitteilungen 3/1994, S. 51–54&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Natur und Landschaft im südöstlichen Kreisgebiet&#039;&#039;, in: Natur und Landschaft im Kreis Neuss, Köln 1995, S. 109–129&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (mit Peter Schütz) &#039;&#039;Zur Vegetation der rheinischen Binnendüne &amp;quot;Wahler Berg&amp;quot; (Kreis Neuss) mit näherer Betrachtung der Sandtrockenrasen&#039;&#039;, in: Beiträge zum Natur- und Landschaftsschutz 2/1995, S. 59–68&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* (mit Hermann-Josef Kremer und Klaus Striedter) &#039;&#039;Der Tannenbusch – Naturkunde und Naherholung in Dormagen&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2004 (2003), S. 240–249&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Pflanzennachweise aus einer Brandschicht im südwestlichen Randbereich des römischen Hilfstruppenkastells in Dormagen&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2016 (2015), S. 18–29&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Straßenbegleitgrün als Indikator alter landwirtschaftlicher Nutzung&#039;&#039;, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2020 (2019), S. 190–213&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Verloren und wiedergefunden – Archäologische Funde aus Dormagen am Limes von der frühen Eisenzeit bis zur Herrschaft der Franken&#039;&#039; (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes Neuss e.V., Nr. 21), Oppenheim a. Rh. 2024&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Ein Pilgergefäß mit jüdischen Symbolen&#039;&#039;, in: Der Niederrhein, Zeitschrift für Heimatpflege und Wandern, H. 3/2026, S. 102–105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Grimbach, Norbert}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Denkmalpflege]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Naturschutz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artenschutz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Archäologie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg&amp;diff=4344</id>
		<title>Dreißigjähriger Krieg</title>
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		<updated>2026-06-16T10:07:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Lied der Belagerung von 1646 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der &#039;&#039;&#039;Dreißigjährige Krieg&#039;&#039;&#039; (1618–1648) markiert für die Stadt Zons eine der schwersten und zugleich schicksalhaftesten Epochen ihrer Geschichte. Während der Niederrhein in den ersten Jahrzehnten des Konflikts weitgehend verschont blieb, wurde Zons in der Endphase des Krieges (ab ca. 1640) zum Schauplatz intensiver militärischer Auseinandersetzungen und Belagerungen. Obwohl die Stadt militärisch unbesiegt blieb, erlitt sie während dieser Zeit immense soziale und wirtschaftliche Schäden, die ihren Niedergang für die folgende Zeit einleiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorfeld und frühe Kriegsjahre (1609–1640) ==&lt;br /&gt;
Bereits vor dem offiziellen Beginn des Dreißigjährigen Krieges war die Region von zunehmenden Spannungen und militärischen Vorbereitungen geprägt. Im Jahr 1609 erwog das [[Domkapitel]] angesichts des [https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BClich-Klevischer_Erbfolgestreit Jülich-Klevischen Erbfolgestreits] eine Erhöhung der Truppenzahl in Zons. [https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_V._(%C3%96sterreich-Tirol) Erzherzog Leopold] betonte die strategische Bedeutung von Zons, da es die Versorgung der Fürsten von [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] abschneiden konnte, doch das Kapitel lehnte eine Besatzung auf Kosten des Erzstifts ab. Stattdessen wurden bis 1610 kleinere Kontingente von Soldaten aufgenommen und die Bürger zu fleißigem Wachtdienst ermahnt. 1611 wurde die Zonser Garnison auf die friedensübliche Stärke von sechs Soldaten reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfänglichen Jahre des Dreißigjährigen Krieges verschonten das Rheinland und damit auch Zons weitgehend von direkten Kampfhandlungen. Die Stadt sah sich jedoch mit anderen schweren Katastrophen konfrontiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Große Stadtbrand von 1620 ===&lt;br /&gt;
Am 17. Mai 1620 zerstörte ein verheerender [[Stadtbrand 1620|Stadtbrand]] nahezu die gesamte Wohnbebauung bis auf fünf Häuser – die größte Zerstörung in der Geschichte von Zons. Das [[Domkapitel]] reagierte unmittelbar mit Soforthilfe: Erlenstangen aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Worringer_Bruch Worringer Bruch] sollten Notunterkünfte ermöglichen, fünfzig [https://de.wikipedia.org/wiki/Muskete Musketen] ersetzten die verlorenen Waffen der Bürger, Steuererleichterungen wurden gewährt und Bauholz aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt_am_Main Frankfurt] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Mainz Mainz] organisiert. Ein vom Amtmann Graf Wilhelm Salentin zu Salm-Reifferscheidt (1580–1634) verfasste Memorial zeigt die enge Zusammenarbeit von Amtmann, Kapitel und Bürgerschaft beim Wiederaufbau. Infolge der Katastrophe wurden zunächst die Einquartierungen von Soldaten ausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pestepidemien ===&lt;br /&gt;
In der Folgezeit litt die bereits geschwächte Bevölkerung unter massiven [[Pest]]epidemien. Eine erste Welle 1623/24 forderte zahlreiche Todesopfer; der damalige [[Pfarrer]] [[Andreas Winckens]] (Zonser Pfarrer 1624–1649) soll über 600 Beerdigungen vorgenommen haben. 1635 wütete eine weitere Pestepidemie in Zons. Diese Wellen rafften Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte der Bürgerschaft dahin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Hessenkrieg und das kaiserliche Heerlager (1640–1642) ==&lt;br /&gt;
Bereits nach 1632 gab es erste Überlegungen zur Stärkung der Zonser Befestigungen gegen schwedische, französische und hessische Truppen. Die eigentliche schwere Zeit des Dreißigjährigen Krieges begann für den Niederrhein erst um 1640, als das Kriegsgeschehen durch den sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Hessenkrieg Hessenkrieg] unmittelbar an den [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederrhein_(Region) Niederrhein] heranrückte. Hessische, schwedische und französische Truppen drangen in das Gebiet vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur militärischen Entwicklung im Dreißigjährigen Krieg siehe v.a.: &#039;&#039;GStAZ&#039;&#039;, S. 62–66.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Bedrohung rückt näher (1641–1642) ===&lt;br /&gt;
Am 27. Januar 1641 kapitulierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach nur dreitägiger Belagerung vor hessischen Truppen, wurde aber 1642 von kaiserlichen Truppen zurückerobert. Nachdem die strategisch wichtige Stadt im Januar 1642 erneut an hessische Truppen gefallen war, blieb Zons als kurkölnische Zollfeste ein wichtiger Stützpunkt der kaiserlich-katholischen Seite. Zons hingegen wies die Aufforderungen zur Kapitulation stolz zurück und blieb zunächst unbehelligt. Am 17. Januar 1642, nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_auf_der_Kempener_Heide verheerenden Niederlage eines kaiserlichen Heeres bei St. Tönis], sandten die siegreichen Generale eine erneute Aufforderung zur Kapitulation nach Zons, die ebenfalls abgelehnt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das kaiserliche Heerlager (1642) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Heerlager_1642.jpg|300px|thumb|right|Flugblatt des Heerlagers in Zons 1642.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Heerlager_1642a.jpg|300px|thumb|right|Ein anderes Flugblatt des Heerlagers in Zons 1642.]]&lt;br /&gt;
Von Juni bis Oktober 1642 schlugen rund 20.000 kaiserliche und bayerische Soldaten unter den Generälen [https://de.wikipedia.org/wiki/Melchior_von_Hatzfeldt von Hatzfeldt] und dem berühmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Werth Reitergeneral Jan von Werth] ein befestigtes Lager zwischen Zons und [[Stürzelberg]] auf. Das Lager umschloss dabei die Siedlung [[Stürzelberg]], den [[Heckhof|Rittersitz Heckhof]], wo Jan von Werth sein Quartier bezog, sowie die Stadt Zons selbst. Die Befestigung bestand aus einer aufwendigen Anlage mit neun Toren und sternförmigen Bastionen für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Artillerie Artillerie]. Die Truppen führten eine Schiffsbrücke mit sich und schlugen sie zwischen Zons und dem [[Heckhof]] über den Rhein, wo auf der rechten Rheinseite in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urdenbacher_K%C3%A4mpe Urdenbacher Kämpe] ein befestigter Brückenkopf errichtet wurde. Damit diente das Lager als massive Barriere gegen die in [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] festgesetzten hessischen Truppen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kam zu keiner offenen Schlacht; stattdessen standen sich die Armeen wochenlang beiderseits der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erft Erft] gegenüber, die als Frontlinie fungierte. Die Anwesenheit dieser gewaltigen Truppenmasse führte zu extremem Proviantmangel und zur weitgehenden Verwüstung der umliegenden Felder. Das etwa 20.000 Mann starke Heer litt unter massiven Versorgungsproblemen, da die Ernteerträge des Amtes Zons nur für etwa einen Monat ausgereicht hätten. Die Soldaten zogen durch die Landstriche, um Nahrung zu finden, und verbrannten oder zerstampften die Ernte. Der Söldner Peter Hagendorf, der in diesem Lager stationiert war, berichtete in seiner Chronik von schweren Krankheiten und drastischen Strafen innerhalb der Truppe. Er bezeichnete dies als &amp;quot;Getreide verderben&amp;quot;. Die Zivilbevölkerung sah einem entbehrungsreichen Winter entgegen. Während dieser Zeit wurde 1642 ein Soldat vor dem Zonser Lager zusammen mit seinem Pferd wegen [https://de.wikipedia.org/wiki/Sodomie Sodomie] auf dem Scheiterhaufen verbrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Aufsatz von [[Jost Auler]] und Peter Bruns zur Lokalisierung des kaiserlichen und kurbayerischen Feldlagers&amp;lt;ref&amp;gt;Jost Auler/Peter Bruns, &#039;&#039;Die Lokalisierung des Feldlagers der kaiserlichen und kurbayerischen Truppen bei Zons von 1642&#039;&#039;, in: JbRKN 2026 (2025), S. 36–45.&amp;lt;/ref&amp;gt; gelang es durch moderne Forschungsmethoden, die genaue Lage und Struktur des Lagers zu rekonstruieren. Durch die Nutzung digitaler Schummerungskarten konnten die Autoren mit Unterstützung von Volker Kuhlmann bisher unsichtbare lineare Strukturen im Gelände der Zonser [[Heide]] identifizieren, die sich als Wall-Graben-Anlagen des ehemaligen Lagers interpretieren lassen. Mittels [https://de.wikipedia.org/wiki/Georeferenzierung Georeferenzierung] des bekannten Kupferstichs von [https://de.wikipedia.org/wiki/Matth%C3%A4us_Merian Matthäus Merian d. Ä.] aus dem Jahr 1642 und der Verwendung von Passpunkten wie dem Lagerwall am Rheinufer bei [[Stürzelberg]] und dem Zonser [[Mühle]]nturm konnte die historische Darstellung exakt auf die heutige Karte übertragen werden. Bei einer Begehung im Juni 2025 bestätigten die Autoren einen konkreten Befund: Ein Teil des Lagergrabens ist unmittelbar parallel zur Westmauer der [[Jüdische Begräbnisstätte|jüdischen Begräbnisstätte]] noch heute trotz dichten Unterholzes im Gelände deutlich sichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Belagerungen durch Oberst Rabenhaupt (1645–1646) ==&lt;br /&gt;
=== Erste Angriffe (1645) ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Rabenhaupt_(KI).png|300px|thumb|right|Carl von Rabenhaupt (1602–1675).]]&lt;br /&gt;
Am 14. Juli 1645 in der Nacht unternahm der gefürchtete [[Rabenhaupt|hessische Oberst Carl von Rabenhaupt]] einen ersten Überraschungsangriff auf Zons. Es gelang ihm, die Fallbrücken herabzulassen, doch die Wachsamkeit der Zonser vereitelte die vollständige Überrumpelung. Dieser erfolglose Versuch führte dazu, dass andere Ämter im Oberstift den hessischen Kontributionsforderungen nachgeben mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Angriffe im Frühjahr 1646 ===&lt;br /&gt;
Anfang 1646 folgten weitere erfolglose Angriffe Rabenhaupts. Am 19. März 1646 erschien [[Rabenhaupt|Oberst Rabenhaupt]] erneut vor den Mauern von Zons und griff die Stadt zweimal unter starkem Beschuss an, wurde aber von der Besatzung unter [[Goltstein|Oberst Goltstein]] zurückgeschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die große Belagerung (Herbst 1646) ===&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;ruhmvollste Kapitel&amp;quot; der Zonser Kriegsgeschichte war die erfolgreiche Abwehr der hessischen Belagerung im Herbst 1646. Ab Ende März 1646 begann [[Rabenhaupt|Oberst Rabenhaupt]] eine regelrechte Belagerung der Stadt, die mit Unterbrechungen ein halbes Jahr lang, bis zum Oktober 1646, andauerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigentliche große Angriff [[Rabenhaupt]]s auf Zons fand im Herbst 1646 statt, als er mit starker Streitmacht einen Belagerungsring um die Stadt zog. Zons wurde während dieser Zeit einer kräftigen Beschießung durch schweres Geschütz ausgesetzt, unter der die Stadt sehr zu leiden hatte. Am 28. September 1646 erlebte die Stadt ein heftiges Bombardement, bei dem laut Überlieferung 671 Kanonenkugeln und 300 Feuerbälle in die Stadt gefeuert wurden und schwere Schäden an [[Schloss Friedestrom]] und den Häusern anrichteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Goltstein_(KI).jpg|300px|thumb|right|Johann Wilhelm Freiherr von Goltstein (1605–1657).]]&lt;br /&gt;
Unter der Leitung des kaiserlichen Kommandanten [[Goltstein|Johann Wilhelm Freiherr von Goltstein]] leistete die Besatzung gemeinsam mit der Zonser Bevölkerung erbitterten Widerstand. Die Verteidigung der Stadt wurde vom Oberst sehr geschickt geleitet. Obwohl seine Mannschaft den hessischen Truppen zahlenmäßig stark unterlegen war, gelang es ihm, die Stadt gegen alle Angriffe zu halten. Die Verteidiger hatten die Stadt zuvor mit Kriegsmaterial und Vorräten versorgt, und Goltstein hat die Stadtgräben verbreitern lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zonser Bürger unter Goltsteins Führung verteidigten sich &amp;quot;heldenmütig&amp;quot;. Die Verteidiger beschränkten sich nicht nur auf die passive Abwehr, sondern führten auch unter häufigeren Ausfällen angriffsweise gegen den Feind vor. Berühmt wurde der Einsatz der Zonser Frauen, die von der Höhe des [[Rheinturm]]s aus glühende Holzstücke auf die Angreifer warfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hessischen Angriffe konzentrierten sich auf die Ostseite der Stadt, wo sich der Rhein zurückgezogen hatte und ein &amp;quot;Werth&amp;quot; (Rheininsel) entstanden war, von dem aus die Belagerer feuerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Befreiung ===&lt;br /&gt;
Nach zweiwöchiger Belagerung zwang ein kaiserliches Entsatzheer unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Melander_von_Holzappel General Melander] die Hessen zum Rückzug, und Zons wurde Ende Oktober 1646 befreit. [[Rabenhaupt|Oberst Rabenhaupt]] musste unverrichteter Sache abziehen, und trotz der schweren Belagerung wurde Zons nicht eingenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Ereignis wird als Höhepunkt in der militärischen Geschichte von Zons und als einzige Bewährungsprobe für die Festungsanlagen [[Friedrich von Saarwerden]]s angesehen. Zum Gedenken an diesen Sieg wurde am alten Rathaus die lateinische Inschrift angebracht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:RABENHA&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;BT &#039;&#039;&#039;M&#039;&#039;&#039;E OPP&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;GNA&#039;&#039;&#039;VI&#039;&#039;&#039;T,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:GO&#039;&#039;&#039;LD&#039;&#039;&#039;STE&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;N PROP&#039;&#039;&#039;V&#039;&#039;&#039;GNA&#039;&#039;&#039;VI&#039;&#039;&#039;T&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;IVV&#039;&#039;&#039;ANTE POP&#039;&#039;&#039;VL&#039;&#039;&#039;O ZONT&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;NENS&#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(= Rabenhaupt griff mich an, Goltstein verteidigte (mich) mit Hilfe des Volkes von Zons).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das enthaltene [https://de.wikipedia.org/wiki/Chronogramm Chronogramm] ergibt die Jahreszahl 1646.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lied der Belagerung von 1646 ===&lt;br /&gt;
Es wurde eigens ein Lied gedichtet, das den Sieg 1646 feierte und in den Annalen der Zonser [[Franziskaner]]&amp;lt;ref&amp;gt;Archiv der deutschen Franziskanerordensprovinz, AKF 1, Tr. 5, p. 12–15.&amp;lt;/ref&amp;gt; überliefert ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width:100%; border-collapse:collapse;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width:50%; vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;1&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Golstein, last euch zu Hertzen gahn,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
darvon will ich euch singen:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie daß der Raab in kurtzer Zeit&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
vor Zooß ins Feldt thet springen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width:50%; vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;2&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist kommen beym hellen Tag,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
vor Zooß sich thet verschantzen;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
der Adler mit seinn Klawen scharf,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
lehrnte den Raben dantzenn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;3&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Waß machstu Hess im Cölschen Landt,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
daß Gelt hastu gestohlen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
daß Stift hört Churfürst Ferdinand&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er wirt es widerholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;4&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du zeuchs zu Felt mit seinem Gelt,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
daß hastu in der Taschen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
du muß mit Schanden auß dem Landt,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
dein Macht wirt all zu Aschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;5&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach Neuß, ach Neuß hets du gewist,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
waß dir würd uberkommen;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
wehrs nicht worden sein Rabennäst&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
sein Raub nicht eingenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;6&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Raab der flug wohl bey der Nacht&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
mit etlich seinen Jungen,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
sein Nest hat er nicht recht gemacht,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
die Schantz war ihm mißlungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;7&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er lockt sein Jungen auß dem Nest,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
er wolt sie lehrnen fliegen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Mawren vor Zonß wahren vermest,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
der Adler sie palt kriegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;8&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lieffen sturmweiß allzugleich,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
mit ihrem Wehr und Wapfen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Adler gab ihm manchen Streich,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
der Raab bald heimgieng schlaffen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;9&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Raab bekam daß Podagram,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
in einer kurtzer Weilen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Iungen er palt mit sich nam,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
nach Neuß thett widrumb eylen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;10&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat gemust uf seinem Nest,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
viel iunger stoltzer Raaben.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Viel Officier, viel Cavallier,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
vor Zonß ligen begraben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;11&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Raab gedacht mit aller Macht,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
er schwur bei seinem Leben.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich starcker Held will in daß Feld&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
der Adler muß sich geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;12&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor Zonß er starck schlug auf sein Zelt&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
die Statt wolt er gewinnen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er lawrt auf einen dapfern Held&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Golstein der war darbinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;13&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Adler hoch mit einem Fluch&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
sein Angesicht zu sehen;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Klawen uf die Trummen schluch,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
er hieß den Raab willkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;14&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er praesentirt ihm einen Trunk&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
auß einen gulden Pokallen&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
laß ab, du Raab, du bist zu iung,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
daß du die Statt solst haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;15&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor dich bin ich noch starck genug,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
mein Flügel kan ich schwingen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mein Adler iung mit einem Sprung&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
dich werden bald umbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;16&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lig zu starck wohl in dem Feld&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
dich, Golstein, muß ich haben,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
sol es schon kosten all mein Geld,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
dienen du solst dem Raaben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;17&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach nun schab ab, du junger Raab,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
daß Gelt wirt wenig blicken,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
geschwind mit dir ins Raabennest&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
der Adler lest sich blicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;18&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahm Sontag umb die achte Stundt&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
der Raab thet sich verschleichen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit seinen Jungen zu seinem Nest,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
von Zonß must er abweichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top; padding-right:1.5em;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;19&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Zonß ihr Obristen zugleich&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Soldaten all darneben.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ihr habt Lob, Preiß und Ehr zugleich,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
so lang ihr habt daß Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;20&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer ist, der uns dieß Liedlein sang,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
er hat es frei gesungen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er hats dem Raab zu wohl gemacht,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
und ist ihm wohl gelungen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sprach-/Sachglossar (kurz):&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sturmweiß: in Sturmordnung / sturmweise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Podagram: Gicht; hier Spott für &amp;quot;plötzliche Fußschwäche&amp;quot; (= Flucht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klawen: Klauen (Adlerkrallen); &amp;quot;auf die Trommeln schlagen&amp;quot; = zum Gefecht rufen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schab ab: Hau ab, verschwinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geld wird wenig blicken: Das Geld hilft dir nichts / ist bald aufgebraucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lied ist ein klassisches Spott- und Propagandalied, das den militärischen Erfolg der Zonser Verteidiger unter [[Goltstein|Oberst Goltstein]] feiert. Die durchgängige Tiermetaphorik prägt die gesamte Erzählung: Goltstein erscheint als majestätischer Adler mit scharfen Klauen, während der hessische Belagerer [[Rabenhaupt|Carl Rabenhaupt von Sucha]] – dessen sprechender Name die Bildsprache geradezu vorgibt – als Rabe dargestellt wird, der mit seinen &amp;quot;Jungen&amp;quot; (Truppenteilen) vergeblich versucht, die Stadt einzunehmen. Diese Gegenüberstellung ist keineswegs neutral: Der Adler symbolisiert Stärke, Legitimität und Wehrhaftigkeit, während der Rabe traditionell mit Diebstahl und Aasfresserei assoziiert wird. Bereits in den Eingangsstrophen wird der politische Rahmen abgesteckt: Die Hessen operieren unrechtmäßig im kurkölnischen Territorium mit gestohlenem Geld, während Kurfürst Ferdinand von Bayern als legitimer Landesherr erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung folgt einem dramatischen Spannungsbogen, der mehrere Angriffswellen schildert. Nach einem ersten gescheiterten nächtlichen Manöver, bei dem die Feldschanzen misslingen und die Zonser Mauern sich als zu stark erweisen, müssen die Belagerer unter erheblichen Verlusten nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] zurückweichen – das Lied spricht spöttisch von einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Gicht &amp;quot;Podagram&amp;quot; (Gichtanfall)], der den eiligen Rückzug beschönigen soll. Besonders eindrücklich ist die theatralische Inszenierung der Konfrontation in den mittleren Strophen: Der Adler schlägt mit seinen Klauen auf die Trommeln, präsentiert dem Raben höhnisch einen &amp;quot;goldenen Pokal&amp;quot; und erklärt ihn für zu jung und schwach. Als [[Rabenhaupt]] trotz der Niederlagen erneut angreift und mit seinem Geld droht (&amp;quot;sol es schon kosten all mein Geld&amp;quot;), kontert Goldstein kühl, das Geld werde &amp;quot;wenig blicken&amp;quot; – es werde ihm nichts nützen. Die präzise Zeitangabe des endgültigen Rückzugs &amp;quot;am Sonntag um die achte Stund&amp;quot; verleiht dem Geschehen dokumentarische Glaubwürdigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Lied endet mit dem traditionellen Lobpreis der Verteidiger und einer bemerkenswerten Sängerformel: Der anonyme Verfasser reflektiert selbstironisch, er habe es dem Raben vielleicht &amp;quot;zu wohl gemacht&amp;quot; – möglicherweise ein Zugeständnis, dass selbst der Feind mit einem gewissen Respekt behandelt wurde. Insgesamt erfüllt das Lied mehrere Funktionen zugleich: Es dient der Legitimation der kurkölnischen Position, der Stärkung der Moral der eigenen Truppen, der Verspottung des Gegners und nicht zuletzt der Verewigung eines lokalen militärischen Triumphs im kollektiven Gedächtnis der Zonser Bevölkerung. Als historische Quelle gewährt es Einblick in die Mentalität und Propaganda des Dreißigjährigen Krieges auf lokaler Ebene.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, soziale und demografische Auswirkungen ==&lt;br /&gt;
Die Kriegsjahre und die damit verbundenen Katastrophen führten zu einem tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Niedergang von Zons:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zerstörung und Schäden ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Weisser_Turm.jpg|300px|thumb|right|Der Weiße Turm noch mit deutlich sichtbaren Einschusslöchern von Kanonenkugeln der Belagerung 1646, ca. 1905/15.]]&lt;br /&gt;
Zahlreiche Gebäude, darunter das [[Schloss Friedestrom|Hochschloss]], wurden durch den Kanonenbeschuss 1646 schwer beschädigt. Der Mitteltrakt der Burg blieb danach mehr oder weniger ruinös, und die Schlossmauer zum Rhein hin wurde zerstört. Der damalige [[Schultheiß]] [[Matthias Nolden]] berichtete nach 1684, dass von den 128 Hausplätzen in Zons &#039;&#039;verschiedene woist liegen thuen, so durch die heßische belagerungen theils eingeäschert worden&#039;&#039;. Nach der Belagerung mussten in den Jahren 1646 und 1647 Breschen an der rheinwärtigen Schlossmauer ausgebessert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Liebfrauentor.jpg|300px|thumb|right|Das Liebfrauentor ca. 1905/15.]]&lt;br /&gt;
Besonders schwer traf es das [[Liebfrauentor]] (Südtor), das bis zu den Wiederherstellungsarbeiten Anfang der 1970er Jahre beschädigt blieb. Um dieses Tor rankt sich eine bemerkenswerte Legende: In seiner Chronik berichtet [[Josef Hugo]], dass die in der gotischen Nische thronende Sandsteinmadonna aus dem 14. Jahrhundert trotz mehrfacher Treffer während des schweren Beschusses keinerlei Schaden genommen habe. Laut seinen Aufzeichnungen sei ein Wunder geschehen: Die Kugeln wären von der Statue zurückgesprungen und hätten die hessischen Angreifer selbst verletzt. Die Spuren dieses Beschusses seien an den Ziegelsteinen des Tores noch deutlich sichtbar gewesen, bis man es um 1820 mit Kalk überweißt habe. Die rationale Erklärung für diesen Wunderglauben liegt in der Zerstörung selbst: Die Belagerer hatten die beiden seitlichen Verteidigungstürmchen des Stadttores komplett zerstört, sodass nur noch das mittlere Mauerwerk mit der Madonna in ihrer Nische stehen geblieben war – ein optisch besonders auffälliger Umstand, der bei den Zonsern den Eindruck erweckt haben wird, die Statue habe die Kugeln abprallen lassen. Diese Legende begründete die große Verehrung der Madonna (im Volksmund als &amp;quot;Bildchen&amp;quot; bezeichnet) in der Zonser Bevölkerung bis weit ins 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hohe Lasten und Schulden ===&lt;br /&gt;
Zons litt unter endlosen Einquartierungen, Requisitionen von Vieh, Heu, Getreide, Holz und hohen Kontributionen, die von allen kriegführenden Parteien erhoben wurden. Diese Lasten führten zu extremer Armut unter der Bevölkerung. Die ständigen finanziellen Belastungen führten dazu, dass die Stadt hohe Schulden machte. Die &amp;quot;Hessenkriege&amp;quot; von 1642 bis 1649, mit ihrer praktisch ununterbrochenen Folge von kaiserlichen Besatzungen und wiederholten hessischen Belagerungen, von Befestigungsausbau und Plünderungen, trugen maßgeblich zum &#039;&#039;miserrimum ... statum&#039;&#039; (elendsten Zustand) der Stadt bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Demografischer Wandel und Bevölkerungsrückgang ===&lt;br /&gt;
Die [[Pest]]seuchen und Kriegsfolgen führten zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang. Bei Kriegsende im Jahr 1648 befand sich Zons in einem desolaten Zustand. Die Einwohnerzahl war auf lediglich 172 steuerpflichtige Personen gesunken (mit Stürzelberg waren es 221 steuerpflichtige Einwohner). Wohlhabende Einwohner wanderten ab, da die Unsicherheit des Krieges und die Zerstörungen den Wiederaufbau verzögerten. Noch 80 Jahre später lag die Hälfte der Wohnplätze leer und wüst. Um dem entgegenzuwirken, wollte das [[Domkapitel]] nach dem Krieg mit der Aussicht auf massive Steuervergünstigungen arme Weber aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Bergisches_Land Bergischen] ansiedeln, um die Stadt wiederzubeleben, allerdings mit maßigem Erfolg.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;GStAZ, S. 132, 138–140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beeinträchtigung der Wirtschaft ===&lt;br /&gt;
Handel und Handwerk erholten sich nur langsam. Die [[Zoll]]einnahmen, die für Zons von großer Bedeutung waren, waren während des Krieges stark reduziert. Die wirtschaftliche Situation nach dem Krieg war fatal, und die Rückstände in der Instandhaltung der Infrastruktur waren enorm. Weite Teile der Stadt sowie der [[Burg Friedestrom]] lagen in Trümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nach dem Krieg und langfristige Folgen ==&lt;br /&gt;
=== Gründung des Franziskanerklosters (1646–1658) ===&lt;br /&gt;
Um die durch den Krieg demoralisierte Bevölkerung moralisch und geistig zu stärken, bemühten sich der [[Stadtrat|Rat]] und die [[Bürger]]schaft ab 1645 um die Ansiedlung von [[Franziskaner]]n. Von der Klostergründung erhoffte man sich eine Hebung der sittlichen und wissenschaftlichen Bildung. Nach der Initiierung der Stiftung (1646) konnte der Klosterbau 1658 abgeschlossen werden. Trotz des erhofften Nutzens regte sich jedoch Widerstand in der Bevölkerung: Die Bürgerschaft kritisierte den Ausfall von Steuer- und Dienstleistungen, da der Klerus von diesen Lasten befreit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Langsame Erholung und neue Belastungen ===&lt;br /&gt;
Die Erholungsphase nach dem Krieg war schwierig und langwierig. Noch 1660 beschwerte sich der Magistrat über die Belastungen durch den Hessenkrieg. Die verzögerte Reparatur des [[Zollhaus]]es im Jahr 1657 zeigte das geringe Engagement für die Stadt. Zudem wurde Zons auch in den folgenden Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts (z.B. Raubkriege [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIV. Ludwigs XIV.], [https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_Erbfolgekrieg Spanischer Erbfolgekrieg]) wiederholt zum Kriegsschauplatz und litt unter Einquartierungen und Kontributionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verlust der militärischen Bedeutung ===&lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg und der technische Fortschritt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Artillerie Artillerie] beendeten die militärische und wirtschaftliche Glanzzeit von Zons. Dieser doppelte Umbruch führte die Stadt in einen jahrhundertelangen Niedergang, der die strategische Bedeutung der Festung tilgte, aber eine wesentliche Ursache dafür bildete, dass das mittelalterliche Stadtgefüge für die Nachwelt erhalten blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belege ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kriege]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stadtverteidigung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Karl_Kress&amp;diff=4343</id>
		<title>Karl Kress</title>
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		<updated>2026-06-10T11:15:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Politisches Wirken und Positionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Karl Kress&#039;&#039;&#039; (* 19. März 1945 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]) ist ein Politiker der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands CDU] und ein lokaler Ehrenamtsträger. Er war von 2000 bis 2010 Abgeordneter im [https://de.wikipedia.org/wiki/Landtag_Nordrhein-Westfalen Landtag von Nordrhein-Westfalen]. Darüber hinaus prägt er seit Jahrzehnten das politische und kulturelle Leben der Stadt Dormagen, insbesondere des Stadtteils Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben und Beruf ==&lt;br /&gt;
Karl Kress wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] geboren, wohnt seither in Zons und gilt dort als stark verwurzelt. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine Ausbildung im chemisch-technischen Bereich, die unter anderem die Abschlüsse als Chemielaborjungwerker und Chemielaborant umfasste. Im Anschluss folgten eine Weiterbildung am Institut für [https://de.wikipedia.org/wiki/Polymerphysik Polymerphysik] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gutenberg-Universität_Mainz Universität Mainz] sowie der Besuch der Chemotechnikerfachschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beruflich war Kress seit den 1960er Jahren bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG Bayer AG] in Dormagen tätig. Er arbeitete dort zunächst als Chemielaborant, später als Chemotechniker. Zwar wurde er zum Pharmareferenten ernannt, trat die entsprechende Stelle jedoch nicht an und übernahm stattdessen die Leitung eines physikalischen Labors.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Kress ist mit Irmgard Kress verheiratet und Vater von zwei Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Laufbahn ==&lt;br /&gt;
Seine politische Arbeit begann im Jahr 1972 mit dem Eintritt in die CDU Dormagen-Zons. Innerhalb der Partei übernahm er früh Führungsaufgaben: Von 1972 bis 1975 war er Vorsitzender der Jungen Union Zons und von 1974 bis 1977 Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Zons. Insgesamt gehörte er dem Vorstand des Ortsverbandes über 50 Jahre lang kontinuierlich an; im April 2013 übernahm er dessen Vorsitz erneut von Wiljo Wimmer. Gleichermaßen war er über 50 Jahre lang im Vorstand des CDU-Stadtverbandes aktiv, den er zudem 14 Jahre lang als Vorsitzender leitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommunalpolitik ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1975 wurde Kress in den Rat der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Stadt Dormagen] gewählt, dem er zunächst bis 1988 und später erneut von 2014 bis 2020 angehörte. Ab 1988 war er Mitglied im Kreistag des [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Kreis_Neuss Kreises Neuss (heute Rhein-Kreis Neuss)], wo er bis 2009 verblieb und zudem als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion fungierte. Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag kehrte er verstärkt in die lokalen Gremien zurück, übernahm den Vorsitz des städtischen Kulturausschusses Dormagen und engagiert sich weiterhin als sachkundiger Bürger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen seiner Kreistagstätigkeit war Kress unter anderem in folgenden Gremien vertreten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Neuss&lt;br /&gt;
* Mitglied im Beirat der Sparkasse Neuss&lt;br /&gt;
* Mitglied im Kuratorium der Sparkassenstiftung &amp;quot;Kulturpflege und Kulturförderung&amp;quot;&lt;br /&gt;
* Mitglied im Aufsichtsrat der Kreiswerke Grevenbroich GmbH — in dieser Funktion setzte er sich erfolgreich für die Entkarbonisierung des Trinkwassers in Zons durch&lt;br /&gt;
* Mitglied im Aufsichtsrat und Verwaltungsrat der Kreiskrankenhäuser&lt;br /&gt;
* 8 Jahre Vorsitzender des Polizeibeirates in der Kreispolizeibehörde Neuss&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Landtag ==&lt;br /&gt;
Bei der Landtagswahl im Jahr 2000 zog Kress für den Wahlkreis Neuss II (später Rhein-Kreis Neuss II) als direkt gewählter Abgeordneter in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Landtag_Nordrhein-Westfalen Landtag von Nordrhein-Westfalen] ein. Er gehörte dem Landesparlament über zwei Legislaturperioden vom 2. Juni 2000 bis zum 8. Juni 2010 an. Bei der Landtagswahl 2010 trat er nicht mehr an; sein Nachfolger im Wahlkreis wurde Wiljo Wimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Landtagstätigkeit engagierte sich Kress in verschiedenen überregionalen Gremien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 11 Jahre Mitglied im Landesvorstand der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzgemeinschaft_Deutscher_Wald Schutzgemeinschaft Deutscher Wald]&lt;br /&gt;
* 10 Jahre Mitglied im Immissions- und Emissionsbeirat des Umweltministeriums NRW&lt;br /&gt;
* 9 Jahre Mitglied im Polizeibeirat beim Regierungspräsidium Düsseldorf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politisches Wirken und Positionen ==&lt;br /&gt;
Karl Kress vertrat über Jahrzehnte hinweg die Interessen der Region Dormagen und Zons auf verschiedenen politischen Ebenen. Neben seiner Arbeit als Fachmann für Umweltpolitik, bei der er im Beirat für Immissionsschutz mitwirkte und sich mit Themen wie Feinstaubanalytik und Hygienestandards befasste, setzte er mehrere lokale Initiativen um:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Trinkwasserqualität: Er setzte sich als Kreistagsabgeordneter für die Entkarbonisierung des Trinkwassers für Zons ein. Nach langjährigen Verhandlungen beschloss der Aufsichtsrat der Kreiswerke Grevenbroich im Jahr 1997 die Umsetzung.&lt;br /&gt;
* Verkehrsplanung: Im Rahmen des &amp;quot;11. Forum Zons&amp;quot; schlug er den Bau einer Umgehungsstraße vor, um den historischen Ortskern vom innerörtlichen Verkehr zu entlasten und gleichzeitig neue Baugebiete im Norden und Westen der Stadt zu erschließen.&lt;br /&gt;
* Innere Sicherheit: Kress forderte erfolgreich die dauerhafte Wiederbesetzung des zuvor vakanten Zonser Polizeipostens mit einem Bezirksdienstbeamten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In städtebaulichen und gestalterischen Fragen bezog Kress ebenfalls Stellung. Er kritisierte die moderne Architektur des [[Theo-Blum-Haus]]es auf dem [[Burg Friedestrom|Schlossgelände]] als wenig akzeptabel für das historische Gesamtensemble, setzte sich jedoch gleichzeitig nachdrücklich für die Bewahrung des künstlerischen Nachlasses des Malers [[Theo Blum]] ein. Zudem moderierte er öffentliche und sensible Debatten, wie etwa den Ausbau von Parkflächen vor dem [[Rheintor]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Heimatpflege ==&lt;br /&gt;
Neben seiner politischen Laufbahn bildet die regionale Kultur- und Heimatpflege einen Schwerpunkt von Kress’ Tätigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur- und Heimatfreunde Stadt Zons e.V. ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 gehörte Kress zu den Gründungsmitgliedern des Vereins [[Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V.]], dessen Vorsitz er über viele Jahre ununterbrochen innehatte. Unter seiner Leitung trieb der Verein zahlreiche Projekte zur Vermittlung der Ortsgeschichte voran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1999: Anbringung einer Bronzeplakette für den Stadtgründer Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]] am [[Rheintor]].&lt;br /&gt;
* 2010: Aufstellung einer lebensgroßen Bronzestatue ([[Saarwerden-Denkmal]]) auf dem Rheintor-Vorplatz.&lt;br /&gt;
* Geschichtsvermittlung: Er initiierte die &amp;quot;Zons-Comix&amp;quot;, eine populärwissenschaftliche Heftserie zur Stadtgeschichte (von der ein Heft erschien), die in Zusammenarbeit mit dem Historiker und Archivar Dr. [[Karl Emsbach]] herausgegeben wurde. Zudem gehen Veranstaltungen wie die &amp;quot;Lebende Krippe&amp;quot; in Zons auf seine Initiative zurück.&lt;br /&gt;
* Ausstellungen: Organisation historischer Fotoausstellungen und Exkursionen, beispielsweise zur rheinischen Flussbettverlagerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Vereinsgründungen und Engagement ===&lt;br /&gt;
Kress entwickelte die Idee zur Gründung des Vereins „[[Förderverein Denkmalschutz Stadt Zons e.V.]]“ mit, unter dessen Federführung unter anderem die Überdachung des südlichen Wehrgangs umgesetzt wurde. Er gründete zudem einen Verein zur Förderung der regionalen Mundart im Rhein-Kreis Neuss und zählt zu den Mitgründern des [[TTV Zons 1972 e.V.|Tischtennisvereins Zons (TTV Zons 1972 e.V.)]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Betätigungsfeld ist die internationale Verständigung, insbesondere die Pflege der Städtepartnerschaft mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Powiat_Mikołowski polnischen Kreis Mikołów]. Hier initiierte er einen deutsch-polnischen Literaturpfad und förderte den kulturellen Austausch durch Gemeinschaftsprojekte wie Kochbücher und Fotoausstellungen. Er nutzte er seine Kontakte, um Förderer und Schirmherren für lokale Vorhaben zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auszeichnungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 2001: [https://de.wikipedia.org/wiki/Verdienstorden_der_Bundesrepublik_Deutschland Bundesverdienstkreuz am Bande] (verliehen durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Rau Bundespräsident Johannes Rau] für sein langjähriges politisches und ehrenamtliches Engagement)&lt;br /&gt;
* Silberne Ehrennadel der Stadt Dormagen&lt;br /&gt;
* 2021: Goldener Ehrenring der Stadt Dormagen (die zweithöchste Auszeichnung der Stadt) für sein Lebenswerk in Politik und Ehrenamt&lt;br /&gt;
* Partnerschafts-Ehrungen: Mehrfache Auszeichnungen für den Einsatz im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit durch den Landrat des Rhein-Kreises Neuss sowie durch die polnischen Partner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Kress, Karl}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politiker]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforscher]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Karl_Kress&amp;diff=4342</id>
		<title>Karl Kress</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Auszeichnungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Karl Kress&#039;&#039;&#039; (* 19. März 1945 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen]) ist ein Politiker der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich_Demokratische_Union_Deutschlands CDU] und ein lokaler Ehrenamtsträger. Er war von 2000 bis 2010 Abgeordneter im [https://de.wikipedia.org/wiki/Landtag_Nordrhein-Westfalen Landtag von Nordrhein-Westfalen]. Darüber hinaus prägt er seit Jahrzehnten das politische und kulturelle Leben der Stadt Dormagen, insbesondere des Stadtteils Zons.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben und Beruf ==&lt;br /&gt;
Karl Kress wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] geboren, wohnt seither in Zons und gilt dort als stark verwurzelt. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine Ausbildung im chemisch-technischen Bereich, die unter anderem die Abschlüsse als Chemielaborjungwerker und Chemielaborant umfasste. Im Anschluss folgten eine Weiterbildung am Institut für [https://de.wikipedia.org/wiki/Polymerphysik Polymerphysik] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gutenberg-Universität_Mainz Universität Mainz] sowie der Besuch der Chemotechnikerfachschule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beruflich war Kress seit den 1960er Jahren bei der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG Bayer AG] in Dormagen tätig. Er arbeitete dort zunächst als Chemielaborant, später als Chemotechniker. Zwar wurde er zum Pharmareferenten ernannt, trat die entsprechende Stelle jedoch nicht an und übernahm stattdessen die Leitung eines physikalischen Labors.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Kress ist mit Irmgard Kress verheiratet und Vater von zwei Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Laufbahn ==&lt;br /&gt;
Seine politische Arbeit begann im Jahr 1972 mit dem Eintritt in die CDU Dormagen-Zons. Innerhalb der Partei übernahm er früh Führungsaufgaben: Von 1972 bis 1975 war er Vorsitzender der Jungen Union Zons und von 1974 bis 1977 Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Zons. Insgesamt gehörte er dem Vorstand des Ortsverbandes über 50 Jahre lang kontinuierlich an; im April 2013 übernahm er dessen Vorsitz erneut von Wiljo Wimmer. Gleichermaßen war er über 50 Jahre lang im Vorstand des CDU-Stadtverbandes aktiv, den er zudem 14 Jahre lang als Vorsitzender leitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kommunalpolitik ==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1975 wurde Kress in den Rat der [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Stadt Dormagen] gewählt, dem er zunächst bis 1988 und später erneut von 2014 bis 2020 angehörte. Ab 1988 war er Mitglied im Kreistag des [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Kreis_Neuss Kreises Neuss (heute Rhein-Kreis Neuss)], wo er bis 2009 verblieb und zudem als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion fungierte. Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag kehrte er verstärkt in die lokalen Gremien zurück, übernahm den Vorsitz des städtischen Kulturausschusses Dormagen und engagiert sich weiterhin als sachkundiger Bürger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen seiner Kreistagstätigkeit war Kress unter anderem in folgenden Gremien vertreten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse Neuss&lt;br /&gt;
* Mitglied im Beirat der Sparkasse Neuss&lt;br /&gt;
* Mitglied im Kuratorium der Sparkassenstiftung &amp;quot;Kulturpflege und Kulturförderung&amp;quot;&lt;br /&gt;
* Mitglied im Aufsichtsrat der Kreiswerke Grevenbroich GmbH — in dieser Funktion setzte er sich erfolgreich für die Entkarbonisierung des Trinkwassers in Zons durch&lt;br /&gt;
* Mitglied im Aufsichtsrat und Verwaltungsrat der Kreiskrankenhäuser&lt;br /&gt;
* 8 Jahre Vorsitzender des Polizeibeirates in der Kreispolizeibehörde Neuss&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Landtag ==&lt;br /&gt;
Bei der Landtagswahl im Jahr 2000 zog Kress für den Wahlkreis Neuss II (später Rhein-Kreis Neuss II) als direkt gewählter Abgeordneter in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Landtag_Nordrhein-Westfalen Landtag von Nordrhein-Westfalen] ein. Er gehörte dem Landesparlament über zwei Legislaturperioden vom 2. Juni 2000 bis zum 8. Juni 2010 an. Bei der Landtagswahl 2010 trat er nicht mehr an; sein Nachfolger im Wahlkreis wurde Wiljo Wimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Landtagstätigkeit engagierte sich Kress in verschiedenen überregionalen Gremien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 11 Jahre Mitglied im Landesvorstand der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzgemeinschaft_Deutscher_Wald Schutzgemeinschaft Deutscher Wald]&lt;br /&gt;
* 10 Jahre Mitglied im Immissions- und Emissionsbeirat des Umweltministeriums NRW&lt;br /&gt;
* 9 Jahre Mitglied im Polizeibeirat beim Regierungspräsidium Düsseldorf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politisches Wirken und Positionen ==&lt;br /&gt;
Karl Kress vertrat über Jahrzehnte hinweg die Interessen der Region Dormagen und Zons auf verschiedenen politischen Ebenen. Neben seiner Arbeit als Fachmann für Umweltpolitik, bei der er im Beirat für Immissionsschutz mitwirkte und sich mit Themen wie Feinstaubanalytik und Hygienestandards befasste, setzte er mehrere lokale Initiativen um:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Trinkwasserqualität: Er setzte sich als Kreistagsabgeordneter für die Entkarbonisierung des Trinkwassers für Zons ein. Nach langjährigen Verhandlungen beschloss der Aufsichtsrat der Kreiswerke Grevenbroich im Jahr 1997 die Umsetzung.&lt;br /&gt;
* Verkehrsplanung: Im Rahmen des &amp;quot;11. Forums Zons&amp;quot; schlug er den Bau einer Umgehungsstraße vor, um den historischen Ortskern vom innerörtlichen Verkehr zu entlasten und gleichzeitig neue Baugebiete im Norden und Westen der Stadt zu erschließen.&lt;br /&gt;
* Innere Sicherheit: Kress forderte erfolgreich die dauerhafte Wiederbesetzung des zuvor vakanten Zonser Polizeipostens mit einem Bezirksdienstbeamten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In städtebaulichen und gestalterischen Fragen bezog Kress ebenfalls Stellung. Er kritisierte die moderne Architektur des [[Theo-Blum-Haus]]es auf dem [[Burg Friedestrom|Schlossgelände]] als wenig akzeptabel für das historische Gesamtensemble, setzte sich jedoch gleichzeitig nachdrücklich für die Bewahrung des künstlerischen Nachlasses des Malers [[Theo Blum]] ein. Zudem moderierte er öffentliche und sensible Debatten, wie etwa den Ausbau von Parkflächen vor dem [[Rheintor]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur und Heimatpflege ==&lt;br /&gt;
Neben seiner politischen Laufbahn bildet die regionale Kultur- und Heimatpflege einen Schwerpunkt von Kress’ Tätigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kultur- und Heimatfreunde Stadt Zons e.V. ===&lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 gehörte Kress zu den Gründungsmitgliedern des Vereins [[Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V.]], dessen Vorsitz er über viele Jahre ununterbrochen innehatte. Unter seiner Leitung trieb der Verein zahlreiche Projekte zur Vermittlung der Ortsgeschichte voran:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1999: Anbringung einer Bronzeplakette für den Stadtgründer Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]] am [[Rheintor]].&lt;br /&gt;
* 2010: Aufstellung einer lebensgroßen Bronzestatue ([[Saarwerden-Denkmal]]) auf dem Rheintor-Vorplatz.&lt;br /&gt;
* Geschichtsvermittlung: Er initiierte die &amp;quot;Zons-Comix&amp;quot;, eine populärwissenschaftliche Heftserie zur Stadtgeschichte (von der ein Heft erschien), die in Zusammenarbeit mit dem Historiker und Archivar Dr. [[Karl Emsbach]] herausgegeben wurde. Zudem gehen Veranstaltungen wie die &amp;quot;Lebende Krippe&amp;quot; in Zons auf seine Initiative zurück.&lt;br /&gt;
* Ausstellungen: Organisation historischer Fotoausstellungen und Exkursionen, beispielsweise zur rheinischen Flussbettverlagerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Vereinsgründungen und Engagement ===&lt;br /&gt;
Kress entwickelte die Idee zur Gründung des Vereins „[[Förderverein Denkmalschutz Stadt Zons e.V.]]“ mit, unter dessen Federführung unter anderem die Überdachung des südlichen Wehrgangs umgesetzt wurde. Er gründete zudem einen Verein zur Förderung der regionalen Mundart im Rhein-Kreis Neuss und zählt zu den Mitgründern des [[TTV Zons 1972 e.V.|Tischtennisvereins Zons (TTV Zons 1972 e.V.)]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Betätigungsfeld ist die internationale Verständigung, insbesondere die Pflege der Städtepartnerschaft mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Powiat_Mikołowski polnischen Kreis Mikołów]. Hier initiierte er einen deutsch-polnischen Literaturpfad und förderte den kulturellen Austausch durch Gemeinschaftsprojekte wie Kochbücher und Fotoausstellungen. Er nutzte er seine Kontakte, um Förderer und Schirmherren für lokale Vorhaben zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auszeichnungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 2001: [https://de.wikipedia.org/wiki/Verdienstorden_der_Bundesrepublik_Deutschland Bundesverdienstkreuz am Bande] (verliehen durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Rau Bundespräsident Johannes Rau] für sein langjähriges politisches und ehrenamtliches Engagement)&lt;br /&gt;
* Silberne Ehrennadel der Stadt Dormagen&lt;br /&gt;
* 2021: Goldener Ehrenring der Stadt Dormagen (die zweithöchste Auszeichnung der Stadt) für sein Lebenswerk in Politik und Ehrenamt&lt;br /&gt;
* Partnerschafts-Ehrungen: Mehrfache Auszeichnungen für den Einsatz im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit durch den Landrat des Rhein-Kreises Neuss sowie durch die polnischen Partner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Kress, Karl}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politiker]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforscher]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Helene_Blum-Spicker&amp;diff=4341</id>
		<title>Helene Blum-Spicker</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Helene_Blum-Spicker&amp;diff=4341"/>
		<updated>2026-06-10T10:20:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: /* Literatur und Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Helene Blum-Spicker&#039;&#039;&#039;, geb. Blum (* 18.01.1942 in [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchengladbach]; † 22. Juli 2009) war eine Kunsthistorikerin (M.A.), die von 1972 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 das [[Kreismuseum]] als dessen erste Direktorin leitete. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Haus zu einem überregional anerkannten Spezialmuseum für Angewandte Kunst und Kunsthandwerk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft und Ausbildung == &lt;br /&gt;
Helene Blum wurde 1942 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Mönchengladbach Mönchengladbach] geboren. Bereits 1944 zog sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Pommern Pommern], bevor die Familie 1946 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kiel Kiel] bei einem Onkel Aufnahme fand. Schon mit fünf Jahren eingeschult, legte sie 1960 ihr Abitur ab und studierte anschließend Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Alte Geschichte. Drei Wochen nach ihrer Magisterprüfung trat sie eine Stelle am [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Landesmuseum_Bonn Rheinischen Landesmuseum in Bonn] an, die ihr durch einen Gastdozenten vermittelt worden war. Nach anderthalb Jahren wechselte sie in die Kultur- und Pressearbeit der niederländischen Botschaft, kehrte jedoch bald in den Museumsbereich zurück. Den entscheidenden Hinweis auf die vakante Stelle in Zons gab ihr Mentor [https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Borger Professor Hugo Borger].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Mutter war [https://de.wikipedia.org/wiki/Helene_Blum-Gliewe Helene Blum-Gliewe (1907–1992)], eine wegweisende Künstlerin, die als erste weibliche Bühnenbildnerin Deutschlands Theatergeschichte schrieb. Von 1928 bis 1939 leitete sie als Ausstattungsleiterin sämtlicher städtischer Bühnen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheydt Mönchengladbach-Rheydt] ein Team von 40 Mitarbeitern und entwarf Bühnenbilder für rund 400 Stücke. Nach Krieg und Flucht baute sie sich in [https://de.wikipedia.org/wiki/Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein] eine zweite Karriere als Kunst-am-Bau-Künstlerin auf und hinterließ über 50 großformatige Wandmalereien, Sgraffitos, Mosaike und Glasfenster im öffentlichen Raum, vor allem im Raum [https://de.wikipedia.org/wiki/Kiel Kiel] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Lübeck Lübeck]. Im Alter von 70 Jahren begann sie zudem zu schreiben und veröffentlichte drei Romane, darunter &#039;&#039;Die Kaschubenbraut&#039;&#039;. Ihre Lebensgeschichte wurde 2019 in der Biografie &#039;&#039;Helene Blum-Gliewe – Vom Bühnenbild zur Kunst am Bau&#039;&#039; von Sabine Leonhardt dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufbau und Leitung des Kreismuseums Zons (1972–2007) ==&lt;br /&gt;
=== Anfänge === &lt;br /&gt;
Als Helene Blum-Spicker 1972 die kommissarische Leitung des neugegründeten Museums in der Vorburg von [[Burg Friedestrom]] übernahm, stand sie vor einer ungewöhnlichen Ausgangslage: kein Sammlungsbestand, keine gewachsene Tradition, kein ausgearbeitetes Konzept und in unmittelbarer Nachbarschaft die etablierten Museumsstädte [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln], [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn]. Ein zeitgleich vorgesehener Kreisarchivar, der die Einrichtung mitverantworten sollte, wurde zunächst nicht besetzt. Bereits drei Wochen nach ihrem Dienstantritt legte Blum-Spicker ein vollständiges Programm für das erste Jahr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Patt Landrat Dieter Patt] beschrieb bei ihrer Verabschiedung rückblickend sowohl die Museumsgründung als auch die Berufung einer so jungen Frau in eine Leitungsposition als für die damalige Zeit ungewöhnlich. Sie habe &amp;quot;einfach angefangen und losgelegt&amp;quot; – und daraus sei das Museumskonzept gewachsen. Ihren Wohnsitz verlegte sie früh nach Zons; eine erste Wohnung an der [[Mauerstraße]] brachte ihr den Spitznamen &amp;quot;Mauerblümchen&amp;quot; ein, der in der Lokalpresse noch Jahrzehnte später zitiert wurde. Als Blum-Spicker 1982 nach ihrer Heirat für vier Jahre nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich] zog, fand dies in der Örtlichkeit lebhafte Beachtung; sie kehrte nach Zons zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Dekade: Programm und Publikum === &lt;br /&gt;
Die ersten sieben Jahre arbeitete Blum-Spicker ausschließlich mit Wechselausstellungen, da eigene Sammlungsbestände fehlten. Parallel dazu baute sie ein museumspädagogisches Programm auf, das neben Angeboten für Kinder – darunter Töpfern und Maskenmalen – auch Konzerte, Vorträge und Dichterlesungen umfasste. Eine Bilanz der ersten zehn Amtsjahre bis 1982 zeigt das Ergebnis dieser Arbeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 84 Ausstellungen, 92 Vorträge und Dichterlesungen sowie über 40 Konzerte&lt;br /&gt;
*Rund 600.000 Besucher in der ersten Dekade – eine Spitzenstellung unter den mittleren Museen im Rheinland&lt;br /&gt;
* Pädagogische Programme für Kinder und Senioren, Exkursionen und Filmabende&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Museumsalltag war Blum-Spicker an der Entstehung der Quilt-Biennale beteiligt, die mehrfach in Zons präsentiert wurde. Der jährliche Ostereier- und der Adventsmarkt erlangten weit über den Rhein-Kreis Neuss hinaus Bekanntheit. Das alljährliche Schützenfest wurde auf dem Hof des Kreismuseums eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sammlungsaufbau === &lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit galt der wissenschaftlichen Aufarbeitung und gezielten Erweiterung der Museumsbestände:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jugendstil-Zinn&#039;&#039;&#039;: Im Jahr 1979 stand die Sammlung &amp;quot;Zinn des Jugendstils&amp;quot; für 1,2 Millionen Mark zum Verkauf. Blum-Spicker setzte sich gegenüber der Kreisverwaltung für den Ankauf ein und sicherte so den Erwerb von mehr als 1.000 Zinnobjekten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendstil Jugendstils] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Silzer?action=edit&amp;amp;redlink=1 Giorgio Silzer]. Diese Erwerbung veränderte das Sammlungsprofil des Museums grundlegend und legte den Grundstein für eine der bedeutendsten Jugendstil-Zinnsammlungen der Region. Später integrierte sie ergänzend die renommierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Orivit ORIVIT-Sammlung] von Gertrud Funke-Kaiser als Dauerleihgabe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nachlass [[Theo Blum]]&#039;&#039;&#039;: Zwischen 1976 und 1983 organisierte sie die Inventarisierung und Katalogisierung des umfangreichen Werkes des Zonser [[Ehrenbürger]]s [[Theo Blum]], das über 4.500 Blätter umfasst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sammlung [https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Hahn_(K%C3%BCnstler) Helmut Hahn]&#039;&#039;&#039;: 1989 sicherte sie dem Museum durch eine Schenkung des Künstlers Helmut Hahn ein weiteres Sammlungsstandbein: rund 900 Objekte aus dem Bereich des Textildesigns. 1996 kamen außerdem Grafiken von Walter York Koenigstein hinzu.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Archäologie&#039;&#039;&#039;: Sie förderte die Präsentation archäologischer Funde aus dem [[Burg Friedestrom|Zonser Burgbereich]] und arbeitete eng mit dem Amt für Bodendenkmalpflege zusammen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die florale Trilogie (1999–2006)&#039;&#039;&#039;: Als ihr künstlerisches Spätwerk gelten drei thematisch verbundene Ausstellungen: &#039;&#039;Mohn&#039;&#039; (1999), &#039;&#039;Iris&#039;&#039; (2002) und &#039;&#039;Tulpe&#039;&#039; (2006), jeweils mit eigenem Katalog. [https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Krischel Dr. Roland Krischel], Leiter der mittelalterlichen Abteilung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Wallraf-Richartz-Museum_&amp;amp;_Fondation_Corboud Wallraf-Richartz-Museums in Köln], würdigte diese &amp;quot;florale Trilogie&amp;quot; bei Blum-Spickers Verabschiedung als ihr &amp;quot;Meisterwerk&amp;quot; und hob hervor, welch &amp;quot;übermenschliche Energie&amp;quot; vonnöten gewesen sei, &amp;quot;noch am Ende der Berufskarriere ein solches Feuerwerk abzubrennen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ruhestand und weiteres Engagement == &lt;br /&gt;
Im Januar 2007 wurde Helene Blum-Spicker anlässlich ihres 65. Geburtstages durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Patt Landrat Dieter Patt] offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dem Museum blieb sie jedoch verbunden: Als Gründungsgeschäftsführerin des Vereins &amp;quot;Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e.V.&amp;quot; (gegründet 1979) engagierte sie sich weiterhin für die Jugendstil-Zinnsammlung und das Museumsprogramm. Kurz vor ihrem Tod gestaltete sie noch das Jubiläumsprogramm zum 30-jährigen Bestehen des Fördervereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Publizistisches Wirken == &lt;br /&gt;
Helene Blum-Spicker verfasste zahlreiche Schriften zur Zonser Geschichte und zur Kunstgeschichte. Sie war Herausgeberin und Autorin des Katalogs &#039;&#039;600 Jahre Stadt Zons 1373–1973&#039;&#039;, der in mehreren erweiterten Auflagen erschien (zuletzt 5. Aufl. Dormagen 1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung == &lt;br /&gt;
Helene Blum-Spicker gilt als die prägende Gestalt in der Geschichte des [[Kreismuseum]]s Zons. Der Nachruf des Fördervereins betont ihre &amp;quot;hohe Kompetenz, Kreativität und ihr unermüdliches Engagement&amp;quot; sowie ihren Spürsinn für bedeutende Sammlungsstücke. Zeitgenössische Berichte beschreiben sie als eine „überaus engagierte und willensstarke Persönlichkeit&amp;quot;, deren Leistungen in der rheinischen und niederrheinischen Museumslandschaft als prägend bewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur und Quellen ==&lt;br /&gt;
* Helene Blum-Spicker: &#039;&#039;600 Jahre Stadt Zons. 1373–1973&#039;&#039;. 5. Aufl. Dormagen 1985&lt;br /&gt;
* Zeitungsartikel NGZ von Anneli Goebels vom 4. Juni 2002: &#039;&#039;&amp;quot;Mauerblümchen&amp;quot; voller Tatendrang&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* [[Angelika Riemann]]: &#039;&#039;Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons&#039;&#039;. In: Der Niederrhein, H. 1/2011&lt;br /&gt;
* Zeitungsbericht zur Verabschiedung: &#039;&#039;Helene Blum-Spicker wurde als Direktorin des Zonser Kreismuseums verabschiedet&#039;&#039;. 9. Januar 2007&lt;br /&gt;
* Nachruf: &#039;&#039;Langjährige Museumsleiterin Helene Blum-Spicker ist gestorben&#039;&#039;. 26. Juli 2009&lt;br /&gt;
* Nachruf des Vereins &amp;quot;Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e.V.&amp;quot;, Juli 2009&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Blum-Spicker, Helene}} &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforscher]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Zadmin</name></author>
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		<id>https://zons-geschichte.de/zonswiki/index.php?title=Helene_Blum-Spicker&amp;diff=4340</id>
		<title>Helene Blum-Spicker</title>
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		<updated>2026-06-10T10:18:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Zadmin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Helene Blum-Spicker&#039;&#039;&#039;, geb. Blum (* 18.01.1942 in [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchengladbach]; † 22. Juli 2009) war eine Kunsthistorikerin (M.A.), die von 1972 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 das [[Kreismuseum]] als dessen erste Direktorin leitete. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Haus zu einem überregional anerkannten Spezialmuseum für Angewandte Kunst und Kunsthandwerk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft und Ausbildung == &lt;br /&gt;
Helene Blum wurde 1942 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Mönchengladbach Mönchengladbach] geboren. Bereits 1944 zog sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Pommern Pommern], bevor die Familie 1946 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kiel Kiel] bei einem Onkel Aufnahme fand. Schon mit fünf Jahren eingeschult, legte sie 1960 ihr Abitur ab und studierte anschließend Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Alte Geschichte. Drei Wochen nach ihrer Magisterprüfung trat sie eine Stelle am [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Landesmuseum_Bonn Rheinischen Landesmuseum in Bonn] an, die ihr durch einen Gastdozenten vermittelt worden war. Nach anderthalb Jahren wechselte sie in die Kultur- und Pressearbeit der niederländischen Botschaft, kehrte jedoch bald in den Museumsbereich zurück. Den entscheidenden Hinweis auf die vakante Stelle in Zons gab ihr Mentor [https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Borger Professor Hugo Borger].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Mutter war [https://de.wikipedia.org/wiki/Helene_Blum-Gliewe Helene Blum-Gliewe (1907–1992)], eine wegweisende Künstlerin, die als erste weibliche Bühnenbildnerin Deutschlands Theatergeschichte schrieb. Von 1928 bis 1939 leitete sie als Ausstattungsleiterin sämtlicher städtischer Bühnen in [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheydt Mönchengladbach-Rheydt] ein Team von 40 Mitarbeitern und entwarf Bühnenbilder für rund 400 Stücke. Nach Krieg und Flucht baute sie sich in [https://de.wikipedia.org/wiki/Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein] eine zweite Karriere als Kunst-am-Bau-Künstlerin auf und hinterließ über 50 großformatige Wandmalereien, Sgraffitos, Mosaike und Glasfenster im öffentlichen Raum, vor allem im Raum [https://de.wikipedia.org/wiki/Kiel Kiel] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Lübeck Lübeck]. Im Alter von 70 Jahren begann sie zudem zu schreiben und veröffentlichte drei Romane, darunter &#039;&#039;Die Kaschubenbraut&#039;&#039;. Ihre Lebensgeschichte wurde 2019 in der Biografie &#039;&#039;Helene Blum-Gliewe – Vom Bühnenbild zur Kunst am Bau&#039;&#039; von Sabine Leonhardt dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufbau und Leitung des Kreismuseums Zons (1972–2007) ==&lt;br /&gt;
=== Anfänge === &lt;br /&gt;
Als Helene Blum-Spicker 1972 die kommissarische Leitung des neugegründeten Museums in der Vorburg von [[Burg Friedestrom]] übernahm, stand sie vor einer ungewöhnlichen Ausgangslage: kein Sammlungsbestand, keine gewachsene Tradition, kein ausgearbeitetes Konzept und in unmittelbarer Nachbarschaft die etablierten Museumsstädte [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln], [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn]. Ein zeitgleich vorgesehener Kreisarchivar, der die Einrichtung mitverantworten sollte, wurde zunächst nicht besetzt. Bereits drei Wochen nach ihrem Dienstantritt legte Blum-Spicker ein vollständiges Programm für das erste Jahr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Patt Landrat Dieter Patt] beschrieb bei ihrer Verabschiedung rückblickend sowohl die Museumsgründung als auch die Berufung einer so jungen Frau in eine Leitungsposition als für die damalige Zeit ungewöhnlich. Sie habe &amp;quot;einfach angefangen und losgelegt&amp;quot; – und daraus sei das Museumskonzept gewachsen. Ihren Wohnsitz verlegte sie früh nach Zons; eine erste Wohnung an der [[Mauerstraße]] brachte ihr den Spitznamen &amp;quot;Mauerblümchen&amp;quot; ein, der in der Lokalpresse noch Jahrzehnte später zitiert wurde. Als Blum-Spicker 1982 nach ihrer Heirat für vier Jahre nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Hackenbroich Hackenbroich] zog, fand dies in der Örtlichkeit lebhafte Beachtung; sie kehrte nach Zons zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erste Dekade: Programm und Publikum === &lt;br /&gt;
Die ersten sieben Jahre arbeitete Blum-Spicker ausschließlich mit Wechselausstellungen, da eigene Sammlungsbestände fehlten. Parallel dazu baute sie ein museumspädagogisches Programm auf, das neben Angeboten für Kinder – darunter Töpfern und Maskenmalen – auch Konzerte, Vorträge und Dichterlesungen umfasste. Eine Bilanz der ersten zehn Amtsjahre bis 1982 zeigt das Ergebnis dieser Arbeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 84 Ausstellungen, 92 Vorträge und Dichterlesungen sowie über 40 Konzerte&lt;br /&gt;
*Rund 600.000 Besucher in der ersten Dekade – eine Spitzenstellung unter den mittleren Museen im Rheinland&lt;br /&gt;
* Pädagogische Programme für Kinder und Senioren, Exkursionen und Filmabende&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Museumsalltag war Blum-Spicker an der Entstehung der Quilt-Biennale beteiligt, die mehrfach in Zons präsentiert wurde. Der jährliche Ostereier- und der Adventsmarkt erlangten weit über den Rhein-Kreis Neuss hinaus Bekanntheit. Das alljährliche Schützenfest wurde auf dem Hof des Kreismuseums eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sammlungsaufbau === &lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit galt der wissenschaftlichen Aufarbeitung und gezielten Erweiterung der Museumsbestände:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Jugendstil-Zinn&#039;&#039;&#039;: Im Jahr 1979 stand die Sammlung &amp;quot;Zinn des Jugendstils&amp;quot; für 1,2 Millionen Mark zum Verkauf. Blum-Spicker setzte sich gegenüber der Kreisverwaltung für den Ankauf ein und sicherte so den Erwerb von mehr als 1.000 Zinnobjekten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendstil Jugendstils] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Silzer?action=edit&amp;amp;redlink=1 Giorgio Silzer]. Diese Erwerbung veränderte das Sammlungsprofil des Museums grundlegend und legte den Grundstein für eine der bedeutendsten Jugendstil-Zinnsammlungen der Region. Später integrierte sie ergänzend die renommierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Orivit ORIVIT-Sammlung] von Gertrud Funke-Kaiser als Dauerleihgabe.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Nachlass [[Theo Blum]]&#039;&#039;&#039;: Zwischen 1976 und 1983 organisierte sie die Inventarisierung und Katalogisierung des umfangreichen Werkes des Zonser [[Ehrenbürger]]s [[Theo Blum]], das über 4.500 Blätter umfasst.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Sammlung [https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Hahn_(K%C3%BCnstler) Helmut Hahn]&#039;&#039;&#039;: 1989 sicherte sie dem Museum durch eine Schenkung des Künstlers Helmut Hahn ein weiteres Sammlungsstandbein: rund 900 Objekte aus dem Bereich des Textildesigns. 1996 kamen außerdem Grafiken von Walter York Koenigstein hinzu.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Archäologie&#039;&#039;&#039;: Sie förderte die Präsentation archäologischer Funde aus dem [[Burg Friedestrom|Zonser Burgbereich]] und arbeitete eng mit dem Amt für Bodendenkmalpflege zusammen.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Die florale Trilogie (1999–2006)&#039;&#039;&#039;: Als ihr künstlerisches Spätwerk gelten drei thematisch verbundene Ausstellungen: &#039;&#039;Mohn&#039;&#039; (1999), &#039;&#039;Iris&#039;&#039; (2002) und &#039;&#039;Tulpe&#039;&#039; (2006), jeweils mit eigenem Katalog. [https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Krischel Dr. Roland Krischel], Leiter der mittelalterlichen Abteilung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Wallraf-Richartz-Museum_&amp;amp;_Fondation_Corboud Wallraf-Richartz-Museums in Köln], würdigte diese &amp;quot;florale Trilogie&amp;quot; bei Blum-Spickers Verabschiedung als ihr &amp;quot;Meisterwerk&amp;quot; und hob hervor, welch &amp;quot;übermenschliche Energie&amp;quot; vonnöten gewesen sei, &amp;quot;noch am Ende der Berufskarriere ein solches Feuerwerk abzubrennen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ruhestand und weiteres Engagement == &lt;br /&gt;
Im Januar 2007 wurde Helene Blum-Spicker anlässlich ihres 65. Geburtstages durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Patt Landrat Dieter Patt] offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dem Museum blieb sie jedoch verbunden: Als Gründungsgeschäftsführerin des Vereins &amp;quot;Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e.V.&amp;quot; (gegründet 1979) engagierte sie sich weiterhin für die Jugendstil-Zinnsammlung und das Museumsprogramm. Kurz vor ihrem Tod gestaltete sie noch das Jubiläumsprogramm zum 30-jährigen Bestehen des Fördervereins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Publizistisches Wirken == &lt;br /&gt;
Helene Blum-Spicker verfasste zahlreiche Schriften zur Zonser Geschichte und zur Kunstgeschichte. Sie war Herausgeberin und Autorin des Katalogs &#039;&#039;600 Jahre Stadt Zons 1373–1973&#039;&#039;, der in mehreren erweiterten Auflagen erschien (zuletzt 5. Aufl. Dormagen 1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung == &lt;br /&gt;
Helene Blum-Spicker gilt als die prägende Gestalt in der Geschichte des [[Kreismuseum]]s Zons. Der Nachruf des Fördervereins betont ihre &amp;quot;hohe Kompetenz, Kreativität und ihr unermüdliches Engagement&amp;quot; sowie ihren Spürsinn für bedeutende Sammlungsstücke. Zeitgenössische Berichte beschreiben sie als eine „überaus engagierte und willensstarke Persönlichkeit&amp;quot;, deren Leistungen in der rheinischen und niederrheinischen Museumslandschaft als prägend bewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur und Quellen ==&lt;br /&gt;
* Helene Blum-Spicker: &#039;&#039;600 Jahre Stadt Zons. 1373–1973&#039;&#039;. 5. Aufl. Dormagen 1985&lt;br /&gt;
* Zeitungsartikel NGZ von Anneli Goebels vom 04.06.2002: &amp;quot;&#039;Mauerblümchen&#039; voller Tatendrang&amp;quot;&lt;br /&gt;
* [[Angelika Riemann]]: &#039;&#039;Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons&#039;&#039;. In: Der Niederrhein, H. 1/2011&lt;br /&gt;
* Zeitungsbericht zur Verabschiedung: &#039;&#039;Helene Blum-Spicker wurde als Direktorin des Zonser Kreismuseums verabschiedet&#039;&#039;. 9. Januar 2007&lt;br /&gt;
* Nachruf: &#039;&#039;Langjährige Museumsleiterin Helene Blum-Spicker ist gestorben&#039;&#039;. 26. Juli 2009&lt;br /&gt;
* Nachruf des Vereins &amp;quot;Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e.V.&amp;quot;, Juli 2009&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Blum-Spicker, Helene}} &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Öffentliche Einrichtungen]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforscher]]&lt;/div&gt;</summary>
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