Hannepützheide: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Hannepützheide''' (historisch auch "Hahnepütz-Heide" oder "Heydt" genannt) ist ein Teilbereich der Zonser Heide, die westlich zwischen Zons und [[Stürzelberg]] auf der Niederterrasse der Kölner Rheinebene liegt. Gemeinsam mit dem benachbarten [[Wahlerberg]] bildet sie einen für den Niederrhein seltenen Komplex aus eiszeitlich entstandenen Binnendünen. Das Areal ist heute ein bedeutendes Natur- und Bodendenkmal sowie ein wichtiges Naherholungsgebiet.


== Geographie und Etymologie ==
Die Hannepützheide erstreckt sich als Dünengelände entlang des historischen [[Rochusweg]]es. Geologisch entstanden diese Dünenzüge nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCrm-Kaltzeit Würm-Eiszeit] durch Sandverwehungen aus den damaligen Altrheinarmen.
Der Name leitet sich von einem dort ehemals vorhandenen Ziehbrunnen ab (mundartlich "Pütz" für Brunnen), der bis Anfang des 20. Jahrhunderts intakt war. In der lokalen Forschung wurde kontrovers diskutiert, ob es sich dabei um eine natürliche Quelle oder lediglich um eine künstlich angelegte Wildtränke handelte, die durch die Absenkung des Grundwasserspiegels durch den Braunkohletagebau versiegte.
== Archäologie und Geschichte ==
Das Gelände zählt zu den bedeutendsten Fundstellen für die Vor- und Frühgeschichte im Raum Dormagen:
* '''Steinzeit:''' Funde von Silexartefakten belegen eine Besiedlung im [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelsteinzeit  Mesolithikum] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Jungsteinzeit Neolithikum] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Michelsberger_Kultur Michelsberger Kultur]). Ein bemerkenswerter Einzelfund ist ein Veluwe-Glockenbecher.
* '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Bronzezeit Bronzezeit] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenzeit Eisenzeit]:''' Siedlungsspuren und Keramikfragmente der [https://de.wikipedia.org/wiki/Urnenfelderkultur Urnenfelder-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hallstattzeit Hallstattkultur] wurden nahe dem [[Wahlerberg]] nachgewiesen.
* '''Militärgeschichte:''' Durch digitale Kartografie konnten Überreste eines kaiserlich-bayerischen Heerlagers von 1642 ([[Dreißigjähriger Krieg]]) lokalisiert werden. Im Zweiten Weltkrieg befand sich zudem eine Flakstellung im Gebiet.
Historisch diente die Heide als Allmende. Bereits 1246 gestattete [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_von_Hochstaden Erzbischof Konrad von Hochstaden] dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Gnadental_(Neuss) Kloster Gnadental] das Weiderecht.
== Naturschutz und aktuelle ökologische Entwicklung ==
Die Hannepützheide ist Teil des Landschaftsschutzgebietes "Zonser Heide". Die extrem trockenen, nährstoffarmen Sandböden bieten Lebensraum für spezialisierte Arten wie Heidekraut ("Calluna vulgaris"), Silbergras ("Corynephorus canescens"), Berg-Sandrapunzel ("Jasione montana") und seltene Flechten.
* '''Waldumbau:''' Der Baumbestand bestand lange Zeit aus Kiefern und Fichten. Aufgrund von Hitzeperioden und Borkenkäferbefall findet ein gezielter Waldumbau statt: Abgestorbene Fichten werden entnommen und durch klimaresiliente Traubeneichen ersetzt. Die Finanzierung dieser Maßnahmen erfolgt maßgeblich aus dem Ökokonto der Stadt Dormagen.
* '''Pflegemaßnahmen:''' Zur Erhaltung der Heideflächen werden Entkusselungsmaßnahmen (Entfernung von Gehölzen) durchgeführt und eine Beweidung mit Heidschnucken durchgeführt.
* '''Kontroversen:''' Im Jahr 2024 lösten forstwirtschaftliche "Läuterungsarbeiten" eine öffentliche Diskussion aus. Anwohner kritisierten den Einsatz schwerer Maschinen im Naturschutzgebiet. Die Stadt verwies auf die Notwendigkeit der Eingriffe für die natürliche Verjüngung und die Verkehrssicherheit.
== Denkmäler und Infrastruktur ==
* '''[[Jüdische Begräbnisstätte|Jüdischer Friedhof]]:''' Der denkmalgeschützte Friedhof der Zonser jüdischen Gemeinde aus dem 17. Jahrhundert liegt am südöstlichen Rand.
* '''[[St. Rochushäuschen]]:''' Ein 1850 errichteter Bildstock, Ziel einer traditionellen Bittprozession.
* '''Erholung:''' Seit Januar 2023 informiert eine neue Tafel über die Geologie. Die Heide ist zudem in touristische digitale Angebote wie die "Kultohr"-App eingebunden. Neue Ruhebänke (z.B. am Jüdischen Friedhof und am Heide-Spielplatz) steigern die Aufenthaltsqualität. Der angrenzende Waldkindergarten nutzt das Gebiet regelmäßig für pädagogische Zwecke.
== Quellen und Literatur ==
* [[Aenne Hansmann]]: ''Geschichte von Stadt und Amt Zons.'' Düsseldorf 1973
* Gudrun Malcher: ''Jungneolithische Silexartefakte von der Hannepützheide bei Stürzelberg.'' In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Bd. II. Dormagen 1984, S. 39–48
* [[Norbert Grimbach]]: ''Die Veränderung der Binnenlanddünen und umliegenden Ackerfluren zwischen Stürzelberg, Zons und Dormagen''. In: Der Niederrhein, Jg. 56. Krefeld 1989
* [[Norbert Grimbach]]: ''Die Landschaftsgeschichte von Dormagen (Kreis Neuss)'', Dormagen 1993
* [[Jost Auler|Auler, Jost]]/ Bruns, Peter: ''Die Lokalisierung des Feldlagers der kaiserlichen und kurbayerischen Truppen bei Zons von 1642'', in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2026 (2025), S. 36–45
[[Kategorie:Landschaft und Umwelt]]

Aktuelle Version vom 23. Juni 2026, 09:54 Uhr

Die Hannepützheide (historisch auch "Hahnepütz-Heide" oder "Heydt" genannt) ist ein Teilbereich der Zonser Heide, die westlich zwischen Zons und Stürzelberg auf der Niederterrasse der Kölner Rheinebene liegt. Gemeinsam mit dem benachbarten Wahlerberg bildet sie einen für den Niederrhein seltenen Komplex aus eiszeitlich entstandenen Binnendünen. Das Areal ist heute ein bedeutendes Natur- und Bodendenkmal sowie ein wichtiges Naherholungsgebiet.

Geographie und Etymologie

Die Hannepützheide erstreckt sich als Dünengelände entlang des historischen Rochusweges. Geologisch entstanden diese Dünenzüge nach der Würm-Eiszeit durch Sandverwehungen aus den damaligen Altrheinarmen.

Der Name leitet sich von einem dort ehemals vorhandenen Ziehbrunnen ab (mundartlich "Pütz" für Brunnen), der bis Anfang des 20. Jahrhunderts intakt war. In der lokalen Forschung wurde kontrovers diskutiert, ob es sich dabei um eine natürliche Quelle oder lediglich um eine künstlich angelegte Wildtränke handelte, die durch die Absenkung des Grundwasserspiegels durch den Braunkohletagebau versiegte.

Archäologie und Geschichte

Das Gelände zählt zu den bedeutendsten Fundstellen für die Vor- und Frühgeschichte im Raum Dormagen:

Historisch diente die Heide als Allmende. Bereits 1246 gestattete Erzbischof Konrad von Hochstaden dem Kloster Gnadental das Weiderecht.

Naturschutz und aktuelle ökologische Entwicklung

Die Hannepützheide ist Teil des Landschaftsschutzgebietes "Zonser Heide". Die extrem trockenen, nährstoffarmen Sandböden bieten Lebensraum für spezialisierte Arten wie Heidekraut ("Calluna vulgaris"), Silbergras ("Corynephorus canescens"), Berg-Sandrapunzel ("Jasione montana") und seltene Flechten.

  • Waldumbau: Der Baumbestand bestand lange Zeit aus Kiefern und Fichten. Aufgrund von Hitzeperioden und Borkenkäferbefall findet ein gezielter Waldumbau statt: Abgestorbene Fichten werden entnommen und durch klimaresiliente Traubeneichen ersetzt. Die Finanzierung dieser Maßnahmen erfolgt maßgeblich aus dem Ökokonto der Stadt Dormagen.
  • Pflegemaßnahmen: Zur Erhaltung der Heideflächen werden Entkusselungsmaßnahmen (Entfernung von Gehölzen) durchgeführt und eine Beweidung mit Heidschnucken durchgeführt.
  • Kontroversen: Im Jahr 2024 lösten forstwirtschaftliche "Läuterungsarbeiten" eine öffentliche Diskussion aus. Anwohner kritisierten den Einsatz schwerer Maschinen im Naturschutzgebiet. Die Stadt verwies auf die Notwendigkeit der Eingriffe für die natürliche Verjüngung und die Verkehrssicherheit.

Denkmäler und Infrastruktur

  • Jüdischer Friedhof: Der denkmalgeschützte Friedhof der Zonser jüdischen Gemeinde aus dem 17. Jahrhundert liegt am südöstlichen Rand.
  • St. Rochushäuschen: Ein 1850 errichteter Bildstock, Ziel einer traditionellen Bittprozession.
  • Erholung: Seit Januar 2023 informiert eine neue Tafel über die Geologie. Die Heide ist zudem in touristische digitale Angebote wie die "Kultohr"-App eingebunden. Neue Ruhebänke (z.B. am Jüdischen Friedhof und am Heide-Spielplatz) steigern die Aufenthaltsqualität. Der angrenzende Waldkindergarten nutzt das Gebiet regelmäßig für pädagogische Zwecke.

Quellen und Literatur

  • Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973
  • Gudrun Malcher: Jungneolithische Silexartefakte von der Hannepützheide bei Stürzelberg. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Bd. II. Dormagen 1984, S. 39–48
  • Norbert Grimbach: Die Veränderung der Binnenlanddünen und umliegenden Ackerfluren zwischen Stürzelberg, Zons und Dormagen. In: Der Niederrhein, Jg. 56. Krefeld 1989
  • Norbert Grimbach: Die Landschaftsgeschichte von Dormagen (Kreis Neuss), Dormagen 1993
  • Auler, Jost/ Bruns, Peter: Die Lokalisierung des Feldlagers der kaiserlichen und kurbayerischen Truppen bei Zons von 1642, in: Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2026 (2025), S. 36–45