Krötschenturm: Unterschied zwischen den Versionen
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''' | Der '''Krötschenturm''' (früher auch Kreutz-, Kreutschturm) ist ein denkmalgeschützter Rundturm in der nordwestlichen Ecke der Stadtbefestigung von Zons. Er wurde im Zuge des planmäßigen Ausbaus der Zollfeste unter Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]] im ausgehenden 14. Jahrhundert als Teil des Verteidigungsrings errichtet. | ||
== Etymologie == | |||
Die Herkunft des Namens ist nicht sicher geklärt. Die wahrscheinlichste Deutung leitet die Bezeichnung von einem ehemals in der Nähe befindlichen Wegekreuz ("Krützchen") ab, worauf auch Belege für die Namen Kreutschturm oder Kreuzturm sowie der Flurname Kreuzgärten für das benachbarte Gartenareal hindeuten. Eine bloße Legende ist die Deutung, der Namen ginge auf den mundartlichen Begriff "Krötsch" für eine kränkelnde Person zurück, da der Turm in Zeiten der [[Pest]] oder anderer Epidemieen zur Quarantäne infizierter Personen genutzt worden wäre. Auch eine Ableitung von "Kröten", die sich im wasserführenden [[Wallgraben]] befunden haben sollen, ist wenig wahrscheinlich. In historischen Dokumenten erscheint das Bauwerk unter verschiedenen Bezeichnungen wie Rurortztorn (1468), Kreutz (1590) sowie Creutsch- oder Kreutzthurm (1658/60). | |||
== Architektur und Baugeschichte == | |||
Der zweigeschossige Turm weist einen Außendurchmesser von 6,60 Metern auf. Die Mauerstärke beträgt im Erdgeschoss etwa 1,70 bis 1,80 Meter und verjüngt sich im Obergeschoss auf rund 1,40 Meter. Das Mauerwerk der Außenhaut besteht überwiegend aus horizontal gelagerten Blöcken von Säulenbasalt mit Einschüben von Tuff. Die der Stadt zugewandte Innenseite war ursprünglich als offener Halbturm konzipiert und wurde erst später mit einer Wand aus Backsteinen geschlossen. Den oberen Abschluss des Turmes bildet ein auf einem Klötzchenfries ruhender, vorkragender Zinnenkranz aus Backsteinen. | |||
Im Erdgeschoss befinden sich drei schmale Schießscharten, die mit Nischen für die Auflage einer Armbrust versehen sind. Das obere Geschoss verfügt über drei größere Rundbogenfenster und war über schmale, etwa 60 Zentimeter breite Durchgänge mit den angrenzenden Wehrgängen der nördlichen und westlichen Stadtmauer verbunden. | |||
== Funktion und Geschichte == | |||
Der Krötschenturm diente primär als massiver Defensivkampfturm zur Sicherung der landseitigen Flanke der Stadt. Längere Zeit wurde das Bauwerk zudem als städtisches Gefängnis genutzt. So ist für das Jahr 1741 ein Vorfall dokumentiert, bei dem ein Jugendlicher nach einer Brandstiftung an einem Baum vor dem [[Feldtor]] in den Turm geführt wurde. Zeitweise diente ein an den Turm angebautes kleines Häuschen als Wohnung für den Gerichtsdiener. | |||
Das Bauwerk gilt heute als eines der am besten erhaltenen Beispiele spätmittelalterlicher Wehrarchitektur im Rheinland. In den Jahren 1906 bis 1908 erfolgte unter der Leitung des Provinzialkonservators [[Paul Clemen]] eine umfassende Instandsetzung, bei der unter anderem der Zinnenfries aus Backstein gesichert und ergänzt wurde. | |||
== Quellen und Literatur == | |||
* Marion Roehmer: Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung. In: Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023, S. 70–123. | |||
* Karl Emsbach: Zons. Rheinische Kunststätten, Heft 496, Köln 2006 | |||
* Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973 | |||
* Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuss. Düsseldorf 1895, S. 111–123 | |||
* Thomas Schwabach (Hrsg.): Die Schwieren-Chroniken (1733–1823). Neuss 2005 | |||
[[Kategorie:Denkmalpflege]] | |||
[[Kategorie:Denkmäler]] | |||
[[Kategorie:Türme]] | |||
[[Kategorie:Stadtbefestigung]] | |||
Aktuelle Version vom 18. Mai 2026, 19:48 Uhr
Der Krötschenturm (früher auch Kreutz-, Kreutschturm) ist ein denkmalgeschützter Rundturm in der nordwestlichen Ecke der Stadtbefestigung von Zons. Er wurde im Zuge des planmäßigen Ausbaus der Zollfeste unter Erzbischof Friedrich von Saarwerden im ausgehenden 14. Jahrhundert als Teil des Verteidigungsrings errichtet.
Etymologie
Die Herkunft des Namens ist nicht sicher geklärt. Die wahrscheinlichste Deutung leitet die Bezeichnung von einem ehemals in der Nähe befindlichen Wegekreuz ("Krützchen") ab, worauf auch Belege für die Namen Kreutschturm oder Kreuzturm sowie der Flurname Kreuzgärten für das benachbarte Gartenareal hindeuten. Eine bloße Legende ist die Deutung, der Namen ginge auf den mundartlichen Begriff "Krötsch" für eine kränkelnde Person zurück, da der Turm in Zeiten der Pest oder anderer Epidemieen zur Quarantäne infizierter Personen genutzt worden wäre. Auch eine Ableitung von "Kröten", die sich im wasserführenden Wallgraben befunden haben sollen, ist wenig wahrscheinlich. In historischen Dokumenten erscheint das Bauwerk unter verschiedenen Bezeichnungen wie Rurortztorn (1468), Kreutz (1590) sowie Creutsch- oder Kreutzthurm (1658/60).
Architektur und Baugeschichte
Der zweigeschossige Turm weist einen Außendurchmesser von 6,60 Metern auf. Die Mauerstärke beträgt im Erdgeschoss etwa 1,70 bis 1,80 Meter und verjüngt sich im Obergeschoss auf rund 1,40 Meter. Das Mauerwerk der Außenhaut besteht überwiegend aus horizontal gelagerten Blöcken von Säulenbasalt mit Einschüben von Tuff. Die der Stadt zugewandte Innenseite war ursprünglich als offener Halbturm konzipiert und wurde erst später mit einer Wand aus Backsteinen geschlossen. Den oberen Abschluss des Turmes bildet ein auf einem Klötzchenfries ruhender, vorkragender Zinnenkranz aus Backsteinen.
Im Erdgeschoss befinden sich drei schmale Schießscharten, die mit Nischen für die Auflage einer Armbrust versehen sind. Das obere Geschoss verfügt über drei größere Rundbogenfenster und war über schmale, etwa 60 Zentimeter breite Durchgänge mit den angrenzenden Wehrgängen der nördlichen und westlichen Stadtmauer verbunden.
Funktion und Geschichte
Der Krötschenturm diente primär als massiver Defensivkampfturm zur Sicherung der landseitigen Flanke der Stadt. Längere Zeit wurde das Bauwerk zudem als städtisches Gefängnis genutzt. So ist für das Jahr 1741 ein Vorfall dokumentiert, bei dem ein Jugendlicher nach einer Brandstiftung an einem Baum vor dem Feldtor in den Turm geführt wurde. Zeitweise diente ein an den Turm angebautes kleines Häuschen als Wohnung für den Gerichtsdiener.
Das Bauwerk gilt heute als eines der am besten erhaltenen Beispiele spätmittelalterlicher Wehrarchitektur im Rheinland. In den Jahren 1906 bis 1908 erfolgte unter der Leitung des Provinzialkonservators Paul Clemen eine umfassende Instandsetzung, bei der unter anderem der Zinnenfries aus Backstein gesichert und ergänzt wurde.
Quellen und Literatur
- Marion Roehmer: Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung. In: Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023, S. 70–123.
- Karl Emsbach: Zons. Rheinische Kunststätten, Heft 496, Köln 2006
- Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973
- Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuss. Düsseldorf 1895, S. 111–123
- Thomas Schwabach (Hrsg.): Die Schwieren-Chroniken (1733–1823). Neuss 2005