Pfarrhaus: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Kirche Pfarrhaus-38.jpg|300px|thumb|right|Das 1770 errichtete Pfarrhaus von St. Martinus.]]
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Das historische katholische '''Pfarrhaus''' (auch als Pastorat bezeichnet) befindet sich an der [[Hubertusstraße]] unmittelbar gegenüber der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|katholischen Pfarrkirche St. Martinus]] im Zentrum der Altstadt von Zons. Das im Spätbarock errichtete Gebäude bildet zusammen mit der Pfarrkirche, der [[Pfarrscheune]] und dem Gebäude der ehemaligen [[Vikarie]] ein Ensemble des geistlichen Lebens. Seit seiner Errichtung im 18. Jahrhundert dient das Gebäude ununterbrochen als Residenz der Zonser [[Pfarrer]].
Das historische katholische '''Pfarrhaus''' (auch als Pastorat bezeichnet) befindet sich an der [[Hubertusstraße]] unmittelbar gegenüber der [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|katholischen Pfarrkirche St. Martinus]] im Zentrum der Altstadt von Zons. Das im Spätbarock errichtete Gebäude bildet zusammen mit der Pfarrkirche, der [[Pfarrscheune]] und dem Gebäude der ehemaligen [[Vikarie]] ein Ensemble des geistlichen Lebens. Seit seiner Errichtung im 18. Jahrhundert dient das Gebäude ununterbrochen als Residenz der Zonser [[Pfarrer]].



Aktuelle Version vom 22. September 2026, 10:25 Uhr

Das 1770 errichtete Pfarrhaus von St. Martinus.
Portal des Pfarrhauses.

Das historische katholische Pfarrhaus (auch als Pastorat bezeichnet) befindet sich an der Hubertusstraße unmittelbar gegenüber der katholischen Pfarrkirche St. Martinus im Zentrum der Altstadt von Zons. Das im Spätbarock errichtete Gebäude bildet zusammen mit der Pfarrkirche, der Pfarrscheune und dem Gebäude der ehemaligen Vikarie ein Ensemble des geistlichen Lebens. Seit seiner Errichtung im 18. Jahrhundert dient das Gebäude ununterbrochen als Residenz der Zonser Pfarrer.

Vorgängerbauten und historische Entwicklung

Die Geschichte eines eigenständigen Pfarrhofs in Zons reicht bis in das Spätmittelalter zurück. Nachdem Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden den Rheinzoll im Jahr 1372 nach Zons verlegt und den Ort 1373 zur Stadt erhoben hatte, wurde auch die kirchliche Infrastruktur innerhalb der neuen Stadtmauern ausgebaut. Im Jahr 1381 wird unter dem Brauweiler Priestermönch und Zonser Pfarrer Arnold Warfengel erstmals ausdrücklich ein neu erbauter Pfarrhof im Stadtinneren urkundlich erwähnt.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Pfarrhaus mehrfach durch kriegerische Ereignisse und Stadtbrände schwer in Mitleidenschaft gezogen:

  • Stadtbrand 1464: Beim ersten großen Stadtbrand wurde das Anwesen beschädigt und anschließend wieder instand gesetzt.
  • Stadtbrand 1547: Nach der Zerstörung des Pfarrhauses beim zweiten Stadtbrand kam es zu langwierigen Auseinandersetzungen über die Baupflicht. Das Kölner Domkapitel forderte von der Benediktinerabtei Brauweiler den Wiederaufbau der kirchlichen Gebäude. Der Abt von Brauweiler lehnte dies zunächst ab, da Zons kirchenrechtlich formal noch eine Filiale der Mutterkirche in Bürgel sei. Schließlich einigte man sich darauf, dass die Abtei 100 Taler beisteuerte und das Domkapitel die übrigen Kosten übernahm.
  • Stadtbrand 1620: Beim verheerenden dritten Stadtbrand brannte das Pfarrhaus mitsamt den Wirtschaftsgebäuden und fast der gesamten Stadt bis auf wenige Häuser vollständig ab. Pfarrer Franz Heusser und sein Nachfolger Andreas Winckens ließen das Gebäude in den Folgejahren aus eigenen Mitteln und Erträgen der Pfarrei schrittweise wieder aufbauen.

Der Neubau von 1770 unter Pfarrer Ferdinand Bodifé

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wies der alte Bau aus dem 17. Jahrhundert erhebliche bauliche Mängel auf. Der aus Brühl stammende Benediktinermönch Ferdinand Bodifé, der von 1762 bis 1785 als Pfarrer in Zons wirkte, veranlasste daher einen vollständigen Neubau.

Die Chronik des Zonser Küsters Johannes Peter Schwieren überliefert den genauen Ablauf der Baumaßnahme im Frühjahr 1770:

  • Abbruch des Altbaus: Am 18. April 1770 (dem Mittwoch nach Ostern) wurde mit dem Abbruch des alten baufälligen Pfarrhauses begonnen.
  • Grundsteinlegung: Am 8. Mai 1770 vollzog Pfarrer Ferdinand Bodifé die feierliche Benediktion des Grundsteins. In die Fundamentecke zur benachbarten Vikarie hin wurden dabei zwei heilige Reliquien eingemauert. Den anwesenden Kindern der Stadt wurde aus diesem Anlass Weckgebäck ausgeteilt.

Das neu errichtete Pfarrhaus präsentiert sich als zweigeschossiger, spätbarocker Backsteinbau mit rosa Anstrich, Sandsteingewänden und einem geschwungenen Walmdach. Das künstlerisch gestaltete Portal an der Schauseite wird von einer aufwendigen Sandsteinkartusche bekrönt. Die darin eingemeißelten Initialen "F. B." sowie die Jahreszahl 1770 erinnern bis heute an den Bauherrn Ferdinand Bodifé.

Nutzung und Ereignisse im 19. und 20. Jahrhundert

Bis zum Ende des Alten Reiches und der Aufhebung der Abtei Brauweiler im Zuge der Säkularisation (1802) bewohnten die aus dem Brauweiler Konvent entsandten Mönche das Pfarrhaus. Mit Pfarrer Gereon Joseph Löhr endete 1826 diese jahrhundertelange Tradition. Ihm folgten Kölner Diözesanpriester wie Andreas Aegidius Mevissen, Franz Anton Vaßen, Carl Joseph Neesen und Sebastian Schmitz.

Im 19. Jahrhundert war das Pfarrhaus mehrfach Schauplatz besonderer Vorfälle:

  • Das Wunder von Zons (1822): Als im Sommer 1822 wundersame Lichterscheinungen an einer Marienfigur in der Pfarrkirche Tausende Pilger nach Zons lockten, griff das Kölner Generalvikariat ein. Das Gnadenbild wurde auf Anordnung der Kirchenbehörde vorübergehend aus der Kirche entfernt und im Pfarrhaus unter Verschluss gehalten, ehe es 1857 wieder feierlich aufgestellt werden konnte.
  • Einrichtung einer Schutzwache (1852): Wegen einer Serie von Einbrüchen und Kirchendiebstählen im Kreis Neuss bewilligte der Zonser Kirchenvorstand unter Bürgermeister Josef Hanstein im Dezember 1852 jährliche Mittel für eine nächtliche Schutzwache. Der städtische Wegewärter Wilhelm Baum (1825–1871) patrouillierte fortan nachts im Ort, um insbesondere die Kirche und das Pfarrhaus zu schützen, in dem das wertvolle Kirchensilber aufbewahrt wurde. Der Wachtdienst wurde im April 1854 offiziell wieder eingestellt.

Im Inneren des Gebäudes hat sich unter anderem ein wertvoller barocker Schrank erhalten. Im 20. Jahrhundert wurden mehrfach umfangreiche Renovierungs-, Sanierungs- und Trockenlegungsarbeiten durchgeführt (unter anderem 1925 sowie in den Jahren 1955 bis 1960 und 1983 bis 1985), um die historische Bausubstanz zu sichern.

Die 1753/54 errichtete Pfarrscheune von St. Martinus Zons (s. Eisenanker "1754").

Das Pfarrareal und die Pfarrscheune

Zum Komplex des Pfarrhauses gehört auch das rückwärtige Grundstück mit dem Kirchengarten sowie die angrenzende historische Pfarrscheune an der Wendelstraße. Diese Scheune wurde in den Jahren 1753/54 unter dem damaligen Pfarrer und späteren Brauweiler Abt Beda Groten erbaut.

Nachdem die Scheune ihre landwirtschaftliche Funktion verloren hatte, veranlasste Pfarrer Peter Heidkamp Ende der 1980er Jahre in Abstimmung mit dem Landeskonservator eine umfassende Restaurierung. Im März 1993 wurde das Gebäude als modernes Pfarrheim und Begegnungsstätte eingeweiht. Seitdem dient die ehemalige Pfarrscheune als geschätzter Veranstaltungsort für das kirchliche und kulturelle Leben in Zons.

Literatur

  • Emsbach, Karl: Zons – Portrait einer alten Stadt. Dormagen 2000.
  • Gasten, Elmar / Haas, Reimund / Kolewa, Herbert: Kirchengeschichte und Pfarrarchiv St. Martinus Zons (Findbuch). In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band VIII, Dormagen 1996.
  • Hansmann, Aenne: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973.
  • Heidkamp, Peter: Mönche aus Brauweiler als Pfarrer in Zons. In: Pulheimer Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde, Band 19, Pulheim 1995, S. 65–77.
  • Schwabach, Thomas: Die Schwieren-Chroniken aus Zons. Bemerkenswertes aus einer niederrheinischen Kleinstadt und ihrer Umgebung 1733–1823. Neuss 2005.