Helene Blum-Spicker: Unterschied zwischen den Versionen
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''' | '''Helene Blum-Spicker''', geb. Blum (* 18.01.1942 in [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6nchengladbach Mönchengladbach]; † 22. Juli 2009) war eine Kunsthistorikerin (M.A.), die von 1972 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 das [[Kreismuseum]] als dessen erste Direktorin leitete. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Haus zu einem überregional anerkannten Spezialmuseum für Angewandte Kunst und Kunsthandwerk. | ||
== Aufbau und Leitung des Kreismuseums Zons (1972–2007) == | |||
Blum-Spicker übernahm die Leitung des Museums im Jahr 1972, als die Einrichtung in der Vorburg von [[Burg Friedestrom]] ohne Sammlungsbestände und ohne gewachsene Tradition feierlich eröffnet wurde. [https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Patt Landrat Dieter Patt] beschrieb diese Entscheidung bei ihrer Verabschiedung rückblickend als mutig: Sowohl die Museumsgründung selbst als auch die Berufung einer so jungen Frau in eine Leitungsposition seien für die damalige Zeit ungewöhnlich gewesen. Sie verfolgte von Beginn an eine konsequente Sammlungs- und Ausstellungspolitik, ohne ein vorab ausgearbeitetes Konzept: Wie Patt weiter betonte, hatte sie "einfach angefangen und losgelegt" – und daraus ergab sich das Museumskonzept. | |||
Eine Bilanz der ersten zehn Amtsjahre bis 1982 zeigt das Ergebnis dieser Arbeitsweise: | |||
* 84 Ausstellungen, 92 Vorträge und Dichterlesungen sowie über 40 Konzerte | |||
* Rund 600.000 Besucher in der ersten Dekade – eine Spitzenstellung unter den mittleren Museen im Rheinland | |||
* Pädagogische Programme für Kinder und Senioren, Exkursionen und Filmabende | |||
Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit galt der wissenschaftlichen Aufarbeitung und gezielten Erweiterung der Museumsbestände: | |||
* '''Jugendstil-Zinn''': Im Jahr 1979 setzte Blum-Spicker den Ankauf von mehr als 1.000 Zinnobjekten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendstil Jugendstils] durch – erworben als Sammlung "Zinn des Jugendstils" von [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Silzer?action=edit&redlink=1 Giorgio Silzer]. Diese Erwerbung veränderte das Sammlungsprofil des Museums grundlegend und legte den Grundstein für eine der bedeutendsten Jugendstil-Zinnsammlungen in der Region. Später integrierte sie ergänzend die renommierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Orivit ORIVIT-Sammlung] von Gertrud Funke-Kaiser als Dauerleihgabe. | |||
* '''Nachlass [[Theo Blum]]''': Zwischen 1976 und 1983 organisierte sie die Inventarisierung und Katalogisierung des umfangreichen Werkes des Zonser [[Ehrenbürger]]s [[Theo Blum]], das über 4.500 Blätter umfasst. | |||
* '''Sammlung [https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Hahn_(K%C3%BCnstler) Helmut Hahn]''': 1989 sicherte sie dem Museum durch eine Schenkung des Künstlers Helmut Hahn ein zweites Standbein: rund 900 Objekte aus dem Bereich des Textildesigns. | |||
* Archäologie: Sie förderte die '''Präsentation archäologischer Funde''' aus dem [[Burg Friedestrom|Zonser Burgbereich]] und arbeitete eng mit dem Amt für Bodendenkmalpflege zusammen. | |||
* Die '''florale Trilogie (1999–2006)''': Als ihr künstlerisches Spätwerk gelten drei thematisch verbundene Ausstellungen, die sie in den Jahren 1999, 2002 und 2006 realisierte: ''Mohn'', ''Iris'' und ''Tulpe''. Zu jeder dieser Ausstellungen erschien ein Katalog. [https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Krischel Dr. Roland Krischel], seinerzeit Leiter der mittelalterlichen Abteilung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Wallraf-Richartz-Museum_&_Fondation_Corboud Wallraf-Richartz-Museums in Köln], würdigte diese "florale Trilogie" in seiner Laudatio anlässlich Blum-Spickers Verabschiedung als ihr "Meisterwerk" – zumal sie am Ende einer langen Berufskarriere entstanden war. Er hob hervor, welch "übermenschliche Energie" vonnöten gewesen sei, "noch am Ende der Berufskarriere ein solches Feuerwerk abzubrennen". | |||
== Ruhestand und weiteres Engagement == | |||
Im Januar 2007 wurde Helene Blum-Spicker anlässlich ihres 65. Geburtstages durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Patt Landrat Dieter Patt] offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dem Museum blieb sie jedoch verbunden: Als Gründungsgeschäftsführerin des Vereins "Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e. V." (gegründet 1979) engagierte sie sich weiterhin für die Jugendstil-Zinnsammlung und das Museumsprogramm. Kurz vor ihrem Tod gestaltete sie noch das Jubiläumsprogramm zum 30-jährigen Bestehen des Fördervereins. | |||
== Publizistisches Wirken == | |||
Helene Blum-Spicker verfasste zahlreiche Schriften zur Zonser Geschichte und Kunstgeschichte: Sie war Herausgeberin und Autorin des Katalogs ''600 Jahre Stadt Zons 1373–1973'', der in mehreren erweiterten Auflagen erschien (zuletzt 5. Aufl. Dormagen 1985). | |||
== Bedeutung == | |||
Helene Blum-Spicker gilt als die prägende Gestalt in der Geschichte des [[Kreismuseum]]s Zons. Der Nachruf des Fördervereins betont ihre "hohe Kompetenz, Kreativität und ihr unermüdliches Engagement" sowie ihren Spürsinn für bedeutende Sammlungsstücke. Zeitgenössische Berichte beschreiben sie als eine "überaus engagierte und willensstarke Persönlichkeit", deren Leistungen in der rheinischen und niederrheinischen Museumslandschaft als prägend bewertet werden. | |||
== Literatur und Quellen == | |||
* Helene Blum-Spicker: ''600 Jahre Stadt Zons. 1373–1973''. 5. Aufl. Dormagen 1985 | |||
* [[Angelika Riemann]]: ''Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons''. In: Der Niederrhein, H. 1/2011 | |||
Zeitungsbericht zur Verabschiedung: ''Helene Blum-Spicker wurde als Direktorin des Zonser Kreismuseums verabschiedet''. 9. Januar 2007 | |||
* Nachruf: ''Langjährige Museumsleiterin Helene Blum-Spicker ist gestorben''. 26. Juli 2009 | |||
* Nachruf des Vereins "Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e. V.", Juli 2009 | |||
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[[Kategorie:Geschichtsforscher]] | |||
Version vom 24. Mai 2026, 09:32 Uhr
Helene Blum-Spicker, geb. Blum (* 18.01.1942 in Mönchengladbach; † 22. Juli 2009) war eine Kunsthistorikerin (M.A.), die von 1972 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 das Kreismuseum als dessen erste Direktorin leitete. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Haus zu einem überregional anerkannten Spezialmuseum für Angewandte Kunst und Kunsthandwerk.
Aufbau und Leitung des Kreismuseums Zons (1972–2007)
Blum-Spicker übernahm die Leitung des Museums im Jahr 1972, als die Einrichtung in der Vorburg von Burg Friedestrom ohne Sammlungsbestände und ohne gewachsene Tradition feierlich eröffnet wurde. Landrat Dieter Patt beschrieb diese Entscheidung bei ihrer Verabschiedung rückblickend als mutig: Sowohl die Museumsgründung selbst als auch die Berufung einer so jungen Frau in eine Leitungsposition seien für die damalige Zeit ungewöhnlich gewesen. Sie verfolgte von Beginn an eine konsequente Sammlungs- und Ausstellungspolitik, ohne ein vorab ausgearbeitetes Konzept: Wie Patt weiter betonte, hatte sie "einfach angefangen und losgelegt" – und daraus ergab sich das Museumskonzept.
Eine Bilanz der ersten zehn Amtsjahre bis 1982 zeigt das Ergebnis dieser Arbeitsweise:
- 84 Ausstellungen, 92 Vorträge und Dichterlesungen sowie über 40 Konzerte
- Rund 600.000 Besucher in der ersten Dekade – eine Spitzenstellung unter den mittleren Museen im Rheinland
- Pädagogische Programme für Kinder und Senioren, Exkursionen und Filmabende
Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit galt der wissenschaftlichen Aufarbeitung und gezielten Erweiterung der Museumsbestände:
- Jugendstil-Zinn: Im Jahr 1979 setzte Blum-Spicker den Ankauf von mehr als 1.000 Zinnobjekten des Jugendstils durch – erworben als Sammlung "Zinn des Jugendstils" von Giorgio Silzer. Diese Erwerbung veränderte das Sammlungsprofil des Museums grundlegend und legte den Grundstein für eine der bedeutendsten Jugendstil-Zinnsammlungen in der Region. Später integrierte sie ergänzend die renommierte ORIVIT-Sammlung von Gertrud Funke-Kaiser als Dauerleihgabe.
- Nachlass Theo Blum: Zwischen 1976 und 1983 organisierte sie die Inventarisierung und Katalogisierung des umfangreichen Werkes des Zonser Ehrenbürgers Theo Blum, das über 4.500 Blätter umfasst.
- Sammlung Helmut Hahn: 1989 sicherte sie dem Museum durch eine Schenkung des Künstlers Helmut Hahn ein zweites Standbein: rund 900 Objekte aus dem Bereich des Textildesigns.
- Archäologie: Sie förderte die Präsentation archäologischer Funde aus dem Zonser Burgbereich und arbeitete eng mit dem Amt für Bodendenkmalpflege zusammen.
- Die florale Trilogie (1999–2006): Als ihr künstlerisches Spätwerk gelten drei thematisch verbundene Ausstellungen, die sie in den Jahren 1999, 2002 und 2006 realisierte: Mohn, Iris und Tulpe. Zu jeder dieser Ausstellungen erschien ein Katalog. Dr. Roland Krischel, seinerzeit Leiter der mittelalterlichen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, würdigte diese "florale Trilogie" in seiner Laudatio anlässlich Blum-Spickers Verabschiedung als ihr "Meisterwerk" – zumal sie am Ende einer langen Berufskarriere entstanden war. Er hob hervor, welch "übermenschliche Energie" vonnöten gewesen sei, "noch am Ende der Berufskarriere ein solches Feuerwerk abzubrennen".
Ruhestand und weiteres Engagement
Im Januar 2007 wurde Helene Blum-Spicker anlässlich ihres 65. Geburtstages durch Landrat Dieter Patt offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dem Museum blieb sie jedoch verbunden: Als Gründungsgeschäftsführerin des Vereins "Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e. V." (gegründet 1979) engagierte sie sich weiterhin für die Jugendstil-Zinnsammlung und das Museumsprogramm. Kurz vor ihrem Tod gestaltete sie noch das Jubiläumsprogramm zum 30-jährigen Bestehen des Fördervereins.
Publizistisches Wirken
Helene Blum-Spicker verfasste zahlreiche Schriften zur Zonser Geschichte und Kunstgeschichte: Sie war Herausgeberin und Autorin des Katalogs 600 Jahre Stadt Zons 1373–1973, der in mehreren erweiterten Auflagen erschien (zuletzt 5. Aufl. Dormagen 1985).
Bedeutung
Helene Blum-Spicker gilt als die prägende Gestalt in der Geschichte des Kreismuseums Zons. Der Nachruf des Fördervereins betont ihre "hohe Kompetenz, Kreativität und ihr unermüdliches Engagement" sowie ihren Spürsinn für bedeutende Sammlungsstücke. Zeitgenössische Berichte beschreiben sie als eine "überaus engagierte und willensstarke Persönlichkeit", deren Leistungen in der rheinischen und niederrheinischen Museumslandschaft als prägend bewertet werden.
Literatur und Quellen
- Helene Blum-Spicker: 600 Jahre Stadt Zons. 1373–1973. 5. Aufl. Dormagen 1985
- Angelika Riemann: Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons. In: Der Niederrhein, H. 1/2011
Zeitungsbericht zur Verabschiedung: Helene Blum-Spicker wurde als Direktorin des Zonser Kreismuseums verabschiedet. 9. Januar 2007
- Nachruf: Langjährige Museumsleiterin Helene Blum-Spicker ist gestorben. 26. Juli 2009
- Nachruf des Vereins "Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e. V.", Juli 2009