Rheinturm: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Rhein-, Zoll- oder St. Petersturm''' ist der nordöstliche Eckturm der Stadtbefestigung und gilt als deren größtes und wertvollstes Bauwerk. Er diente über Jahrhunderte als zentrale [[Zollstätte]] für den [[Rheinzoll]] sowie als wehrhafter Verteidigungsturm, Landmarke und Repräsentationsbau des Landesherrn.


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== Baugeschichte ==
Der Bau des Turms begann im Zuge der Verlegung des erzbischöflichen Rheinzolls von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons im Jahr 1372 unter Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]]. Gemäß einer erhaltenen Bauinschrift an der Südseite wurde das Bauwerk im Jahr 1388 vollendet. Es bildete den krönenden Abschluss der unter Friedrich von Saarwerden errichteten Befestigungsanlagen.
 
== Architektur ==
Der Turm erhebt sich auf einem quadratischen Grundriss mit einer äußeren Seitenlänge von etwa 9,50 m. Er umfasst sechs Stockwerke und erreicht eine heutige Höhe von rund 26,90 m. Das Mauerwerk besteht in der unteren Hälfte aus massiven Basaltquadern mit dazwischenliegenden Tuffziegelreihen, während der obere Teil primär aus Tuff mit vereinzelten Basalten gefertigt wurde. Die Kanten sind durch starke Eckverklammerungen aus Trachyt verstärkt.
 
Den oberen Abschluss bildet ein vorkragender Fries auf zehn Kragsteinen und nasengeschmückten Spitzbögen. Die drei mittleren Bogenlaibungen auf jeder Seite sind als [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrerker Gußlöcher] ausgebildet. Das heute sichtbare pyramidenförmige Dach wurde 1827 aufgesetzt und ersetzte eine ursprünglich wesentlich höhere, spitzere Haube mit einer achtseitigen Laterne. Im obersten Stockwerk befand sich an der Ostseite eine zum Rhein hin offene Plattform, die als Ausguck für die Zollwächter diente.
 
== Stifterrelief und Bauinschrift ==
An der Südseite des Turms befindet sich in Höhe des ersten Stockwerks eine ca. 2 x 3 Meter große doppelbogige Nische. Bis zu den Restaurierungsarbeiten ab Mitte der 1950er Jahre standen dort lebensgroße Skulpturen des heiligen Petrus (Patron des Erzbistums) und des davor knienden Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Diese Figuren wurde zur Restaurierung in eine Kölner Steinmetz-Werkstatt gebracht, von wo sie nie zurückkamen. Sie sind heute verschollen. Erhalten blieb lediglich die Atlantenfigur eines "Hockemännchens", welche als Konsole die Spitzbögen trägt.
 
Unterhalb der Nische befindet sich eine zweizeilige lateinische Bauinschrift in gotischen Minuskeln, die übersetzt lautet: "Friedrich von Saarwerden, Erzbischof von Köln, errichtete mich im Jahre 1388 nach der Geburt des Herrn". Eine künstlerisch freie Nachbildung dieses Reliefs wurde 1992 auf Initiative des Dormagener Geschichtsvereins im inneren Tordurchgang des Rheintors angebracht.
 
== Zollverwaltung ==
Als Zollturm diente das Bauwerk zur Überwachung der Schifffahrt und zur Sicherung der Einnahmen, die in einer eisenbewehrten Zolltruhe (Teke) mit drei verschiedenen Schlössern verwahrt wurden. Das Personal bestand aus einem [[Zöllner]], einem [[Beseher]], einem [[Zollschreiber]] und mindestens zwei Zollknechten. Zur Signalisierung ankommender Schiffe wurde eine Glocke im Turm geläutet. Unmittelbar nördlich an den Turm schließt das 1760 auf dem Standort des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus neu errichtete [[Zollhaus]] an, das als Wohn- und Amtsgebäude diente.
 
== Spätere Nutzung und Erhaltung ==
Nach der Aufhebung des Zolls 1798/99 wurde der Turm zusammen mit dem [[Zollhaus]] im Jahr 1803 als französisches Domänengut an den Arzt [[Lambert Josef Kauhlen]], der für seinen Onkel [[August Wiesen]] bot, versteigert. Spätestens mit dem Tod des August Wiesen wurde Kauhlen Eigentümer. Nach dessen Tod 1843 wurden Turm und Zollhaus zunächst von dessen Erben an den Wirt [[Anton Füssgen]] verpachtet. 1854 verkauften die Erben Kauhlen den Komplex für 2.000 Taler an [[Elisabethstiftung|Elisabeth Kierwald]], die ihn
gelangte das Gebäude 1859 der katholischen Pfarrkirche schenkte. Von 1855/56 bis 1882 und von 1896 bis 1960 beherbergte der Komplex eine Niederlassung von [[Franziskanerinnen]] und später [[Vinzentinerinnen]]. In dieser Zeit dienten Räume im Turm unter anderem als Schlafsäle für Kranke.
 
Zwischen 1931 und 1958 war im dritten Obergeschoss ein [[Heimatmuseum]] untergebracht, das auf Initiative des [[Lehrer]]s [[Heinz Riffel]] entstand. Nach einer umfassenden Sanierung der Außenhülle in den 1960er Jahren wurde der Turm u.a. für kirchliche Jugend- und Seniorenarbeit genutzt. Ab 2001 war das Bauwerk aufgrund eines fehlenden zweiten Rettungswegs für die Öffentlichkeit gesperrt. Nach umfangreichen Brandschutzertüchtigungen und dem Einbau einer neuen Treppenanlage 2025 wurde der Turm als heimatgeschichtlicher Erlebnisort wiedereröffnet.
 
== Quellen und Literatur ==
* Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023
 
* Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973
 
* Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 3: Kreis Neuss. Düsseldorf 1895
 
* Hermann Kienle: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: BlGZSt II (1984)
 
* Marion Roehmer: Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle. Dormagen 2025
 
 
[[Kategorie:Denkmalpflege]]
[[Kategorie:Denkmäler]]
[[Kategorie:Türme]]
[[Kategorie:Stadtbefestigung]]

Aktuelle Version vom 21. Mai 2026, 11:53 Uhr

Der Rhein-, Zoll- oder St. Petersturm ist der nordöstliche Eckturm der Stadtbefestigung und gilt als deren größtes und wertvollstes Bauwerk. Er diente über Jahrhunderte als zentrale Zollstätte für den Rheinzoll sowie als wehrhafter Verteidigungsturm, Landmarke und Repräsentationsbau des Landesherrn.

Baugeschichte

Der Bau des Turms begann im Zuge der Verlegung des erzbischöflichen Rheinzolls von Neuss nach Zons im Jahr 1372 unter Erzbischof Friedrich von Saarwerden. Gemäß einer erhaltenen Bauinschrift an der Südseite wurde das Bauwerk im Jahr 1388 vollendet. Es bildete den krönenden Abschluss der unter Friedrich von Saarwerden errichteten Befestigungsanlagen.

Architektur

Der Turm erhebt sich auf einem quadratischen Grundriss mit einer äußeren Seitenlänge von etwa 9,50 m. Er umfasst sechs Stockwerke und erreicht eine heutige Höhe von rund 26,90 m. Das Mauerwerk besteht in der unteren Hälfte aus massiven Basaltquadern mit dazwischenliegenden Tuffziegelreihen, während der obere Teil primär aus Tuff mit vereinzelten Basalten gefertigt wurde. Die Kanten sind durch starke Eckverklammerungen aus Trachyt verstärkt.

Den oberen Abschluss bildet ein vorkragender Fries auf zehn Kragsteinen und nasengeschmückten Spitzbögen. Die drei mittleren Bogenlaibungen auf jeder Seite sind als Gußlöcher ausgebildet. Das heute sichtbare pyramidenförmige Dach wurde 1827 aufgesetzt und ersetzte eine ursprünglich wesentlich höhere, spitzere Haube mit einer achtseitigen Laterne. Im obersten Stockwerk befand sich an der Ostseite eine zum Rhein hin offene Plattform, die als Ausguck für die Zollwächter diente.

Stifterrelief und Bauinschrift

An der Südseite des Turms befindet sich in Höhe des ersten Stockwerks eine ca. 2 x 3 Meter große doppelbogige Nische. Bis zu den Restaurierungsarbeiten ab Mitte der 1950er Jahre standen dort lebensgroße Skulpturen des heiligen Petrus (Patron des Erzbistums) und des davor knienden Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Diese Figuren wurde zur Restaurierung in eine Kölner Steinmetz-Werkstatt gebracht, von wo sie nie zurückkamen. Sie sind heute verschollen. Erhalten blieb lediglich die Atlantenfigur eines "Hockemännchens", welche als Konsole die Spitzbögen trägt.

Unterhalb der Nische befindet sich eine zweizeilige lateinische Bauinschrift in gotischen Minuskeln, die übersetzt lautet: "Friedrich von Saarwerden, Erzbischof von Köln, errichtete mich im Jahre 1388 nach der Geburt des Herrn". Eine künstlerisch freie Nachbildung dieses Reliefs wurde 1992 auf Initiative des Dormagener Geschichtsvereins im inneren Tordurchgang des Rheintors angebracht.

Zollverwaltung

Als Zollturm diente das Bauwerk zur Überwachung der Schifffahrt und zur Sicherung der Einnahmen, die in einer eisenbewehrten Zolltruhe (Teke) mit drei verschiedenen Schlössern verwahrt wurden. Das Personal bestand aus einem Zöllner, einem Beseher, einem Zollschreiber und mindestens zwei Zollknechten. Zur Signalisierung ankommender Schiffe wurde eine Glocke im Turm geläutet. Unmittelbar nördlich an den Turm schließt das 1760 auf dem Standort des spätmittelalterlichen Vorgängerbaus neu errichtete Zollhaus an, das als Wohn- und Amtsgebäude diente.

Spätere Nutzung und Erhaltung

Nach der Aufhebung des Zolls 1798/99 wurde der Turm zusammen mit dem Zollhaus im Jahr 1803 als französisches Domänengut an den Arzt Lambert Josef Kauhlen, der für seinen Onkel August Wiesen bot, versteigert. Spätestens mit dem Tod des August Wiesen wurde Kauhlen Eigentümer. Nach dessen Tod 1843 wurden Turm und Zollhaus zunächst von dessen Erben an den Wirt Anton Füssgen verpachtet. 1854 verkauften die Erben Kauhlen den Komplex für 2.000 Taler an Elisabeth Kierwald, die ihn gelangte das Gebäude 1859 der katholischen Pfarrkirche schenkte. Von 1855/56 bis 1882 und von 1896 bis 1960 beherbergte der Komplex eine Niederlassung von Franziskanerinnen und später Vinzentinerinnen. In dieser Zeit dienten Räume im Turm unter anderem als Schlafsäle für Kranke.

Zwischen 1931 und 1958 war im dritten Obergeschoss ein Heimatmuseum untergebracht, das auf Initiative des Lehrers Heinz Riffel entstand. Nach einer umfassenden Sanierung der Außenhülle in den 1960er Jahren wurde der Turm u.a. für kirchliche Jugend- und Seniorenarbeit genutzt. Ab 2001 war das Bauwerk aufgrund eines fehlenden zweiten Rettungswegs für die Öffentlichkeit gesperrt. Nach umfangreichen Brandschutzertüchtigungen und dem Einbau einer neuen Treppenanlage 2025 wurde der Turm als heimatgeschichtlicher Erlebnisort wiedereröffnet.

Quellen und Literatur

  • Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023
  • Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973
  • Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 3: Kreis Neuss. Düsseldorf 1895
  • Hermann Kienle: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: BlGZSt II (1984)
  • Marion Roehmer: Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle. Dormagen 2025