Katharina Henot: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Katharina Henot''' (* ca. 1570/75 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln]; † 19. Mai 1627 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Melaten-Friedhof Köln-Melaten]), auch "Catharina Henoth" geschrieben,  war eine Kölner Patrizierin, die das bekannteste Opfer der Kölner [https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung Hexenverfolgungen] ist. Lange von der Forschung übersehen, hatte sie im Zeitraum von der Jahreswende 1604/05 bis 1617 ihren Lebensmittelpunkt in Zons, wo sie die Herberge "In der Trappen" in der [[Rheinstraße]] erwarb und wohl weiter betrieb und ihr erster Ehemann [[Heinrich Neuden]] († Oktober 1605) als [[Zollschreiber]] und [[Kellner]] (Dezember 1604 - Oktober 1605) und ihr zweiter Ehemann [[Johann Albert Maints]] († wahrscheinlich um den 1./2. Juli 1614) als [[Zöllner]] und [[Kellner]] (wohl Frühjahr 1607 - Januar 1614) amteten. Wegen gesundheitlicher Beschwerden ihres Ehemanns übertrug das [[Domkapitel]] im Januar 1614 auf dessen Bitte beide Ämter auf einen Schwager der Katharina, [[Wilhelm Stroe]], der [[Johann Albert Maints|Maints]] bereits seit 1611 unterstützt und vertreten hatte.
'''Katharina Henot''' (* ca. 1572/77 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln]; † 19. Mai 1627 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Melaten-Friedhof Köln-Melaten]), auch "Catharina Henoth" geschrieben,  war eine Kölner Patrizierin, die das bekannteste Opfer der Kölner [https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung Hexenverfolgungen] ist. Lange von der Forschung übersehen, hatte sie im Zeitraum von der Jahreswende 1604/05 bis 1617 ihren Lebensmittelpunkt in Zons, wo sie die Herberge "In der Trappen" in der [[Rheinstraße]] erwarb und ihr erster Ehemann [[Heinrich Neuden]] († Oktober 1605) als [[Zollschreiber]] und [[Kellner]] (Dezember 1604 - Oktober 1605) und ihr zweiter Ehemann [[Johann Albert Maints]] († wahrscheinlich um den 1./2. Juli 1614) als [[Zöllner]] und [[Kellner]] (wohl Frühjahr 1607 - Januar 1614) amteten. Wegen gesundheitlicher Beschwerden ihres Ehemanns übertrug das [[Domkapitel]] im Januar 1614 auf dessen Bitte beide Ämter auf einen Schwager der Katharina, [[Wilhelm Stroe]], der [[Johann Albert Maints|Maints]] bereits seit 1611 unterstützt und vertreten hatte.


Seit dem Frühjahr 1614 gerieten die Zonser Familienzweige der Henots und insbesondere Katharina in massive Auseinandersetzungen mit dem Zonser [[Amtmann]] [[Wilhelm Salentin zu Salm-Reifferscheidt|Wilhelm Salentin Graf zu Salm-Reifferscheidt]], die so sehr eskalierten, dass ihr das [[Domkapitel]] auf ihre Bitte hin im Dezember ein Geleitschreiben ausstellte und [[Wilhelm Salentin zu Salm-Reifferscheidt|Reifferscheidt]] befahl, sie vor jedweder Gewalt zu beschützen. Wiederholt war sie im Laufe des Jahres von einem seiner Diener attackiert und verletzt worden. Das ungewöhnliche Maß an Härte und Zielstrebigkeit, mit dem man 1626/27 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] gegen sie als vermeintliche Hexe vorging, gipfelnd in ihrer Hinrichtung am 19. Mai 1627 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Melaten-Friedhof Köln-Melaten], hat möglicherweise einen Ursprung in diesen Auseinandersetzungen.
Seit dem Frühjahr 1614 gerieten die Zonser Familienzweige der Henots und insbesondere Katharina in massive Auseinandersetzungen mit dem Zonser [[Amtmann]] [[Wilhelm Salentin zu Salm-Reifferscheidt|Wilhelm Salentin Graf zu Salm-Reifferscheidt]], die so sehr eskalierten, dass ihr das [[Domkapitel]] und der kurkölnische Hofrat auf ihre Bitte hin im Dezember jeweils ein Geleitschreiben ausstellten und [[Wilhelm Salentin zu Salm-Reifferscheidt|Reifferscheidt]] befahlen, sie vor jedweder Gewalt zu beschützen. Wiederholt war sie im Laufe des Jahres von einem seiner Diener attackiert und verletzt worden. Das ungewöhnliche Maß an Härte und Zielstrebigkeit, mit dem man 1626/27 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] gegen sie als vermeintliche Hexe vorging, gipfelnd in ihrer Hinrichtung am 19. Mai 1627 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Melaten-Friedhof Köln-Melaten], hatte seinen Ursprung in diesen Auseinandersetzungen und Machtkämpfen zwischen den Familien Henot und Salm-Reifferscheidt, die jahrelang auch im Kölner Domkapitel ausgetragen wurden.


Katharina Henot hatte sich im Laufe der Jahrzehnte durch ihr Geschäftsgebaren mit extremem Gewinnstreben zahlreiche Feinde gemacht. Einige ihrer Erzfeinde, darunter ihre ehemalige Magd Magdalena Raußrath, bezichtigten sie 1627 der Zauberei.<ref>Thomas Schwabach, ''Die vergessenen Lebensjahre der Kölner Patrizierin und "Hexe" Katharina Henot († 1627) in Zons und die spätere Verschwörung gegen sie und ihre Geschwister – Neue Erkenntnisse zur Lösung eines Justizmord-Rätsels'', in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ Schwabach, Thomas (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 182-267.</ref>
Katharina Henot war weit mehr als ein passives Opfer; sie agierte als ökonomisch hochaktive Angehörige der Oberschicht, die von 1604 bis 1617 in Zons das lokale Wirtschaftsgefüge maßgeblich prägte. Dort betrieb sie nicht nur die Herberge "In der Trappen", sondern forcierte im Auftrag des Domkapitels eine radikale Neuordnung der Lehen- und Kirchenregister, was zu massiven Pachtsteigerungen und der Enteignung mehrerer lokaler Honoratioren führte. Diese rücksichtslose Expansionspolitik sowie erbitterte Konflikte mit dem Amtmann Wilhelm Salentin von Salm-Reifferscheidt schufen ein dauerhaftes Verfolgungsmilieu, das die Basis für ihre spätere Denunziation bildete.
 
Ihre Hinrichtung am 19. Mai 1627 wird heute als systematischer Justizmord eingestuft, da fundamentale Schutzbestimmungen der Constitutio Criminalis Carolina – wie das Verbot wiederholter Folter ohne neue Indizien nach dreimaliger Standhaftigkeit – von den Hochgerichtsschöffen vorsätzlich missachtet wurden. Hinter dem Verfahren stand eine machtpolitische Allianz: Hinter dem Verfahren stand eine machtpolitische Allianz: Am 18. Januar 1627, dem Tag der definitiven Ratsentscheidung über ihre Überstellung an das Blutgericht, unterzeichnete der Konkurrent Leonhard von Taxis einen für die Stadt Köln sehr vorteilhaften Vergleich über Postprivilegien und -taxen. In Verbindung mit der koordinierten Racheaktion der Grafenhäuser Salm-Reifferscheidt und Limburg-Styrum, wesentlich koordinierend unterstützt durch den Kölner Offizial Zachäus ab Horrich (ein Neffe des Zonser Schultheißen Reinhard Gressenich, mit dem sich Katharina Henot angelegt hatte), die zeitgleich auch gegen ihre Schwester Margarethe im Kölner Klarenkloster und ihren Bruder Seraphin im Elsass, kurz später auch gegen den Bruder Hartger vorgingen, diente der Hexereivorwurf als Instrument zur vollständigen sozialen und physischen Vernichtung der Familie Henot.<ref>Thomas Schwabach, ''Die vergessenen Lebensjahre der Kölner Patrizierin und "Hexe" Katharina Henot († 1627) in Zons und die spätere Verschwörung gegen sie und ihre Geschwister – Neue Erkenntnisse zur Lösung eines Justizmord-Rätsels'', in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ Schwabach, Thomas (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 182-267.</ref>


== Belege ==
== Belege ==

Version vom 17. April 2026, 11:35 Uhr

Katharina Henot (* ca. 1572/77 in Köln; † 19. Mai 1627 in Köln-Melaten), auch "Catharina Henoth" geschrieben, war eine Kölner Patrizierin, die das bekannteste Opfer der Kölner Hexenverfolgungen ist. Lange von der Forschung übersehen, hatte sie im Zeitraum von der Jahreswende 1604/05 bis 1617 ihren Lebensmittelpunkt in Zons, wo sie die Herberge "In der Trappen" in der Rheinstraße erwarb und ihr erster Ehemann Heinrich Neuden († Oktober 1605) als Zollschreiber und Kellner (Dezember 1604 - Oktober 1605) und ihr zweiter Ehemann Johann Albert Maints († wahrscheinlich um den 1./2. Juli 1614) als Zöllner und Kellner (wohl Frühjahr 1607 - Januar 1614) amteten. Wegen gesundheitlicher Beschwerden ihres Ehemanns übertrug das Domkapitel im Januar 1614 auf dessen Bitte beide Ämter auf einen Schwager der Katharina, Wilhelm Stroe, der Maints bereits seit 1611 unterstützt und vertreten hatte.

Seit dem Frühjahr 1614 gerieten die Zonser Familienzweige der Henots und insbesondere Katharina in massive Auseinandersetzungen mit dem Zonser Amtmann Wilhelm Salentin Graf zu Salm-Reifferscheidt, die so sehr eskalierten, dass ihr das Domkapitel und der kurkölnische Hofrat auf ihre Bitte hin im Dezember jeweils ein Geleitschreiben ausstellten und Reifferscheidt befahlen, sie vor jedweder Gewalt zu beschützen. Wiederholt war sie im Laufe des Jahres von einem seiner Diener attackiert und verletzt worden. Das ungewöhnliche Maß an Härte und Zielstrebigkeit, mit dem man 1626/27 in Köln gegen sie als vermeintliche Hexe vorging, gipfelnd in ihrer Hinrichtung am 19. Mai 1627 in Köln-Melaten, hatte seinen Ursprung in diesen Auseinandersetzungen und Machtkämpfen zwischen den Familien Henot und Salm-Reifferscheidt, die jahrelang auch im Kölner Domkapitel ausgetragen wurden.

Katharina Henot war weit mehr als ein passives Opfer; sie agierte als ökonomisch hochaktive Angehörige der Oberschicht, die von 1604 bis 1617 in Zons das lokale Wirtschaftsgefüge maßgeblich prägte. Dort betrieb sie nicht nur die Herberge "In der Trappen", sondern forcierte im Auftrag des Domkapitels eine radikale Neuordnung der Lehen- und Kirchenregister, was zu massiven Pachtsteigerungen und der Enteignung mehrerer lokaler Honoratioren führte. Diese rücksichtslose Expansionspolitik sowie erbitterte Konflikte mit dem Amtmann Wilhelm Salentin von Salm-Reifferscheidt schufen ein dauerhaftes Verfolgungsmilieu, das die Basis für ihre spätere Denunziation bildete.

Ihre Hinrichtung am 19. Mai 1627 wird heute als systematischer Justizmord eingestuft, da fundamentale Schutzbestimmungen der Constitutio Criminalis Carolina – wie das Verbot wiederholter Folter ohne neue Indizien nach dreimaliger Standhaftigkeit – von den Hochgerichtsschöffen vorsätzlich missachtet wurden. Hinter dem Verfahren stand eine machtpolitische Allianz: Hinter dem Verfahren stand eine machtpolitische Allianz: Am 18. Januar 1627, dem Tag der definitiven Ratsentscheidung über ihre Überstellung an das Blutgericht, unterzeichnete der Konkurrent Leonhard von Taxis einen für die Stadt Köln sehr vorteilhaften Vergleich über Postprivilegien und -taxen. In Verbindung mit der koordinierten Racheaktion der Grafenhäuser Salm-Reifferscheidt und Limburg-Styrum, wesentlich koordinierend unterstützt durch den Kölner Offizial Zachäus ab Horrich (ein Neffe des Zonser Schultheißen Reinhard Gressenich, mit dem sich Katharina Henot angelegt hatte), die zeitgleich auch gegen ihre Schwester Margarethe im Kölner Klarenkloster und ihren Bruder Seraphin im Elsass, kurz später auch gegen den Bruder Hartger vorgingen, diente der Hexereivorwurf als Instrument zur vollständigen sozialen und physischen Vernichtung der Familie Henot.[1]

Belege

  1. Thomas Schwabach, Die vergessenen Lebensjahre der Kölner Patrizierin und "Hexe" Katharina Henot († 1627) in Zons und die spätere Verschwörung gegen sie und ihre Geschwister – Neue Erkenntnisse zur Lösung eines Justizmord-Rätsels, in: Schröder, Stephen/ Schwabach, Thomas (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 182-267.