Horrem: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Horrem''' ist ein Stadtteil von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dormagen Dormagen] im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhein-Kreis_Neuss Rhein-Kreis Neuss]. Der Ort zeichnete sich historisch durch eine administrative und kirchliche Sonderstellung aus, da er über Jahrhunderte zwischen der kurkölnischen Zollfeste Zons und der jülichschen Enklave Dormagen geteilt war.


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== Geografische Lage ==
Der Stadtteil Horrem liegt geografisch gesehen zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Köln Köln] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Düsseldorf Düsseldorf]. Östlich von Horrem befindet sich der Kernort Dormagen, südlich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Chempark_Dormagen Chempark (ehemals Bayer-Werk)] und südwestlich der Stadtteil [https://de.wikipedia.org/wiki/Delhoven Delhoven]. Die Autobahnanbindung (A 57) und der Bahnhof "Dormagen" grenzen unmittelbar an Horrem.
 
== Ursprung und Namensgebung ==
Der Name Horrem wird mehrheitlich vom althochdeutschen Wort "horo" (Sumpf) in Verbindung mit dem Suffix "-heim" abgeleitet (woraus Formen wie "Horheim", "Horchem" oder "Horchheim" entstanden). Dies deutet auf eine Besiedlung in feuchtem Gelände während der [https://de.wikipedia.org/wiki/Fränkische_Landnahme fränkischen Landnahmezeit] ab etwa 500 n. Chr. hin. Eine alternative, jedoch historisch weniger gestützte Deutung vermutet den Ursprung im lateinischen Wort "horreum" (Speicher).
 
Die urkundliche Erwähnung des Ortes variiert in den historischen Quellen leicht:
* Laut späteren Chroniken soll Horrem bereits "um 1005" als Gut des [https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Knechtsteden Klosters Knechtsteden] unter dem Namen ''Horchem'' erwähnt worden sein.
 
* Die erste gesicherte und im Wortlaut überlieferte urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr '''1155''' in einem Privileg von [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] für das Kloster Knechtsteden. Dort wird bestätigt, dass das Kloster im Ort "Horheim" einen Hof besitzt.
* Im Jahr '''1232''' wird der Ort als "Horchheim" aufgeführt.
* Der heutige Name "Horrem" wurde erstmals '''1239''' von Abt Gottschalk von Knechtsteden beurkundet, als eine Frau namens Alveradis der Abtei 12 Morgen Land bei Horrem für ein jährliches Seelenamt überließ.
 
Eine Nachricht über eine dem heiligen Nikolaus geweihte Kapelle auf dem Hof Mertenshofen im Kirchspiel Dormagen reicht bis in das Jahr 1366 zurück.
 
== Territoriale und rechtliche Zugehörigkeit ==
Historisch war Horrem ein geteiltes Dorf und ein wichtiger Grenzort zwischen dem rheinischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kurköln Kurfürstentum Köln (Kurköln)] und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Jülich Herzogtum Jülich]: Die Grenze zwischen dem jülichschen Amt Bergheim/Dormagen und dem kurkölnischen Amt Zons verlief mitten durch die Ortschaft und spaltete sogar einzelne Gehöfte.  
 
Der zum [[Amt Zons]] gehörige Teil umfasste im Jahr 1663 sieben bäuerliche Wohnplätze sowie bedeutende Güter wie den [[Knechtstedener Hof]] und den adeligen [[Limburger Hof]] (im Besitz der Herren von Mülheim). Vom adeligen Hof der Herren von Plittersdorf gehörte lediglich das Land zum Amt Zons, während das Hofgebäude selbst auf Dormagener (jülichschem) Gebiet stand.
 
'''"Lebendig nach Zons, tot nach Dormagen"''': Eine Besonderheit war die rechtliche Stellung der Einwohner des Zonser Teils. Sie wurden traditionell als "lebendig nach Zons, tot aber nach Dormagen" gehörig umschrieben. Dies bedeutete, dass sie im Alltag der weltlichen Gerichtsbarkeit und Verwaltung von Zons unterstanden, kirchlich jedoch zur Pfarrei St. Michael in Dormagen gehörten und dort auch bestattet wurden. In diesem Zusammenhang kam es in der frühen Neuzeit häufiger zu Streitigkeiten über die Beteiligung der Horremer an den Baukosten der Dormagener Kirche.
 
'''"Dienste für das Amt Zons"''': Die Horremer Untertanen des Amtes Zons genossen zeitweise Steuerfreiheiten, waren im Gegenzug jedoch mindestens seit dem Zeitraum 1570/80 zu spezifischen Diensten an den Zonser Richtstätten verpflichtet. Sie mussten die [[Galgen]] des Gerichts Zons aufrichten, Hingerichtete bestatten und Gefangene nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn] transportieren. Da diese Arbeiten im Mittelalter und der Frühen Neuzeit als "unehrlich" (ehrlos) galten, weigerten sich die Bewohner oft vehement, diese Dienste auszuführen, was regelmäßig zu Strafandrohungen durch die Zonser Beamten führte. Ein belegter Fall einer solchen Weigerung stammt aus dem Jahr 1718 anlässlich einer Hinrichtung durch das Schwert.
 
== Neuzeit bis zur Moderne ==
Nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg Dreißigjährigen Krieg] war das Verhältnis zwischen den Bewohnern von Horrem und der Stadt Zons gespannt. Es kam oft zu Klagen wegen zu hoher Kriegseinquartierungen (besonders 1671). Zum Schutz des [[Schloss Friedestrom|Schlosses]] in Zons quartierte das Kölner [[Domkapitel]] 1674 sechs Soldaten ein, von denen die Horremer zwei beköstigen und entlohnen mussten. Im Jahr 1679 wurde Horrem bei der französischen Besetzung von Zons ebenfalls geplündert.
 
Ab 1753 verfügte Horrem über einen eigenen Dorfvorsteher. Im Oktober 1794 besetzten französische Revolutionstruppen das Dorf. Horrem kam im Zuge der neuen französischen Verwaltung zunächst zum Kanton Zons in der Munizipalität Zons, später zum Kanton Dormagen.
 
Im Jahre 1815 wurde Horrem preußisch und der Bürgermeisterei Dormagen im Kreis Neuss zugeordnet. Die erste Schule wurde 1843 errichtet, gefolgt von einem einklassigen Neubau im Jahr 1905 an der Knechtstedener Straße (1967 erweitert). Im März 1945 besetzten amerikanische Truppen den Ort.
 
Im Jahr 1992 erhielt Horrem mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Bayer AG ein Bürgerhaus. Vom 26. bis 28. August 2005 feierte der Ort seine 850-Jahr-Feier.
 
== Wirtschafts- und Sozialstruktur ==
Horrem war über Jahrhunderte hinweg rein landwirtschaftlich geprägt. Eine Volkszählung von 1799 ergab für den Zonser Teil 83 Einwohner, wobei 65 % der Erwerbstätigen Bauern und 35 % Tagelöhner waren. Bis in die frühe Nachkriegszeit (um 1950) gab es im Ort rund 15 aktive bäuerliche Betriebe.
 
Zu den bedeutenden historischen Hofanlagen zählten:
* der '''Knechtstedener Hof''' (ehemals Limburger Hof) – 1949 von den Eheleuten Breuer der katholischen Kirchengemeinde vermacht.
* der '''Lindenhof''' (ehemals Nussbaum-Hof) – 1972 abgerissen; an seiner Stelle entstanden Wohnungen, eine Gaststätte und Geschäfte.
* der '''Horremer Hof''' – dessen Scheune und Viehställe wurden bis 1975 abgerissen.
* der '''Coenenhof''' – die Wirtschaftsgebäude wurden 1972 abgerissen, das Wohnhaus blieb erhalten.
 
Ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor war das Mühlengewerbe: Nach dem Krieg 1870/71 baute Peter Rosendahl eine mechanische [https://de.wikipedia.org/wiki/Dampfm%C3%BChle Dampfmühle], die fortlaufend modernisiert wurde. Exakt 100 Jahre lang – bis 1971 – wurde in Horrem Getreide gemahlen.
 
Der fundamentale Strukturwandel begann bereits im 19. Jahrhundert mit der Eröffnung der Bahnlinie Neuss–Köln im Jahr 1855, wodurch Horrem über den direkt östlich an den Ort grenzenden Bahnhof "Dormagen" Anschluss an den Fernverkehr erhielt. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Ort durch die unmittelbare Nähe zum Bayer-Werk (heute Chempark) und den massiven Zuzug von Industriearbeitern rasant weiter. Im Jahr 1962 wurde in Horrem das erste Hochhaus Dormagens errichtet. Aus dem ländlichen Dorf entstand ein urban geprägter Stadtteil. Heute befindet sich in Horrem mit dem ''TOP West'' das größte Gewerbegebiet der Stadt Dormagen.
 
'''Bevölkerungsentwicklung'''
{| class="wikitable" style="text-align: right;"
! Jahr !! Einwohnerzahl !! style="width: 20px;" | !! Jahr !! Einwohnerzahl !! style="width: 20px;" | !! Jahr !! Einwohnerzahl
|-
| 1939 || 712 || || 1995 || 5.790 || || 2013 || 8.097
|-
| 1974 || 6.835 || || 2000 || 6.112 || || 2016 || 8.925
|-
| 1980 || 6.829 || || 2004 || 5.955 || || 2017 || 9.171
|-
| 1990 || 6.479 || || 2007 || 8.315 || || 2010 || 8.155
|}
 
== Kirchengeschichte ==
Kirchlich gehörte Horrem als Teil des [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_K%C3%B6ln Erzbistums Köln] zunächst zur [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Michael_(Dormagen) Dormagener Pfarrei St. Michael]. Die alte St.-Nikolaus-Kapelle (auf dem Mertenshofen) verfiel nach 1710 und galt 1735 als völlig zerstört.
 
Im Jahr 1897 wurde an der Knechtstedener Straße die Kapelle "Zur Heiligen Familie" durch den Ehrendomherrn Dechant Tillmann Heimbach benediziert. Erst im Jahr 1938 wurde Horrem eine eigenständige Pfarrei mit dem Patrozinium "Heilige Familie". Das zugehörige Pfarrarchiv enthält Dokumente, die bis 1894 zurückreichen. Im Jahr 1941 lebten im Ort 665 Katholiken und 56 Nichtkatholiken.
 
Das heutige Pfarrhaus wurde 1953 anstelle einer alten Scheune des Knechtstedener Hofes errichtet. 1957 folgte die Grundsteinlegung für eine neue, größere Kirche, die 1958 durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Cleven Weihbischof Wilhelm Cleven] konsekriert wurde. Die alte Kapelle von 1897 wurde daraufhin im Jahr 1969 abgerissen. Im Jahr 2006 stellte die römisch-katholische Kirche mit 2.404 Mitgliedern die größte Glaubensgemeinschaft, gefolgt von der evangelischen Kirche (1.285 Mitglieder).
 
Zudem befindet sich im Ort das Gotteshaus der "Neuapostolischen Kirchengemeinde Dormagen". Die Kirche wurde 1972 geweiht und bietet Platz für rund 250 Besucher.
 
== Kultur und Freizeit (Vereinswesen) ==
Das gesellschaftliche Leben in Horrem wird maßgeblich durch die lokalen Vereine getragen:
* '''IG Horrem''' (Interessengemeinschaft der Bürger)
* '''St. Hubertus Schützenbruderschaft Dormagen-Horrem e. V. 1920'''
* '''Tambourkorps "Germania" 1925 Dormagen-Horrem'''
* '''Rasensport Horrem 1919 e.V.''' (Sportverein)
* '''TTC Dormagen 1955''' (Tischtennisverein)
* '''Türkische Jugend Dormagen''' (Fußballverein)
 
== Quellen und Literatur ==
* [[Jost Auler]]: ''Die Horremer und die Richtstätten des Amtes Zons.'' In: 850 Jahre Horrem. Ein Buch voller Geschichte(n). Dormagen 2005
* Karl Heinz Engler: ''Dormagen, Skizzen aus einer jungen Stadt.'' Dormagen 1969
* Karl Heinz Engler: ''Von einer Wirtschaft zur anderen.'' Dormagen 1996
* [[Karl Emsbach]]: ''Zu Ersterwähnung und Topographie des alten Horrem (bis 1800).'' In: 850 Jahre Horrem. Ein Buch voller Geschichte(n). Dormagen 2005
* [[Aenne Hansmann]]: ''Geschichte von Stadt und Amt Zons.'' Düsseldorf 1973
* [[Hermann Kienle]]: ''Die alten Höfe in Dormagen-Horem, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1982. Köln 1982, S. 122-132
* Arno Janzen/Paul Wierich: ''Dormagen. Stadt zwischen Wasser und Wald.'' Duisburg 1969
* Walter Lorenz: ''Gohr, Nievenheim, Straberg.'' 2 Bde., Bonn 1973/74
* [[Thomas Schwabach]]: ''Die Schwieren-Chroniken (1733–1823).'' Neuss 2005

Version vom 26. Mai 2026, 14:34 Uhr

Horrem ist ein Stadtteil von Dormagen im Rhein-Kreis Neuss. Der Ort zeichnete sich historisch durch eine administrative und kirchliche Sonderstellung aus, da er über Jahrhunderte zwischen der kurkölnischen Zollfeste Zons und der jülichschen Enklave Dormagen geteilt war.

Geografische Lage

Der Stadtteil Horrem liegt geografisch gesehen zwischen Köln und Düsseldorf. Östlich von Horrem befindet sich der Kernort Dormagen, südlich der Chempark (ehemals Bayer-Werk) und südwestlich der Stadtteil Delhoven. Die Autobahnanbindung (A 57) und der Bahnhof "Dormagen" grenzen unmittelbar an Horrem.

Ursprung und Namensgebung

Der Name Horrem wird mehrheitlich vom althochdeutschen Wort "horo" (Sumpf) in Verbindung mit dem Suffix "-heim" abgeleitet (woraus Formen wie "Horheim", "Horchem" oder "Horchheim" entstanden). Dies deutet auf eine Besiedlung in feuchtem Gelände während der fränkischen Landnahmezeit ab etwa 500 n. Chr. hin. Eine alternative, jedoch historisch weniger gestützte Deutung vermutet den Ursprung im lateinischen Wort "horreum" (Speicher).

Die urkundliche Erwähnung des Ortes variiert in den historischen Quellen leicht:

  • Laut späteren Chroniken soll Horrem bereits "um 1005" als Gut des Klosters Knechtsteden unter dem Namen Horchem erwähnt worden sein.
  • Die erste gesicherte und im Wortlaut überlieferte urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1155 in einem Privileg von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) für das Kloster Knechtsteden. Dort wird bestätigt, dass das Kloster im Ort "Horheim" einen Hof besitzt.
  • Im Jahr 1232 wird der Ort als "Horchheim" aufgeführt.
  • Der heutige Name "Horrem" wurde erstmals 1239 von Abt Gottschalk von Knechtsteden beurkundet, als eine Frau namens Alveradis der Abtei 12 Morgen Land bei Horrem für ein jährliches Seelenamt überließ.

Eine Nachricht über eine dem heiligen Nikolaus geweihte Kapelle auf dem Hof Mertenshofen im Kirchspiel Dormagen reicht bis in das Jahr 1366 zurück.

Territoriale und rechtliche Zugehörigkeit

Historisch war Horrem ein geteiltes Dorf und ein wichtiger Grenzort zwischen dem rheinischen Kurfürstentum Köln (Kurköln) und dem Herzogtum Jülich: Die Grenze zwischen dem jülichschen Amt Bergheim/Dormagen und dem kurkölnischen Amt Zons verlief mitten durch die Ortschaft und spaltete sogar einzelne Gehöfte.

Der zum Amt Zons gehörige Teil umfasste im Jahr 1663 sieben bäuerliche Wohnplätze sowie bedeutende Güter wie den Knechtstedener Hof und den adeligen Limburger Hof (im Besitz der Herren von Mülheim). Vom adeligen Hof der Herren von Plittersdorf gehörte lediglich das Land zum Amt Zons, während das Hofgebäude selbst auf Dormagener (jülichschem) Gebiet stand.

"Lebendig nach Zons, tot nach Dormagen": Eine Besonderheit war die rechtliche Stellung der Einwohner des Zonser Teils. Sie wurden traditionell als "lebendig nach Zons, tot aber nach Dormagen" gehörig umschrieben. Dies bedeutete, dass sie im Alltag der weltlichen Gerichtsbarkeit und Verwaltung von Zons unterstanden, kirchlich jedoch zur Pfarrei St. Michael in Dormagen gehörten und dort auch bestattet wurden. In diesem Zusammenhang kam es in der frühen Neuzeit häufiger zu Streitigkeiten über die Beteiligung der Horremer an den Baukosten der Dormagener Kirche.

"Dienste für das Amt Zons": Die Horremer Untertanen des Amtes Zons genossen zeitweise Steuerfreiheiten, waren im Gegenzug jedoch mindestens seit dem Zeitraum 1570/80 zu spezifischen Diensten an den Zonser Richtstätten verpflichtet. Sie mussten die Galgen des Gerichts Zons aufrichten, Hingerichtete bestatten und Gefangene nach Bonn transportieren. Da diese Arbeiten im Mittelalter und der Frühen Neuzeit als "unehrlich" (ehrlos) galten, weigerten sich die Bewohner oft vehement, diese Dienste auszuführen, was regelmäßig zu Strafandrohungen durch die Zonser Beamten führte. Ein belegter Fall einer solchen Weigerung stammt aus dem Jahr 1718 anlässlich einer Hinrichtung durch das Schwert.

Neuzeit bis zur Moderne

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Verhältnis zwischen den Bewohnern von Horrem und der Stadt Zons gespannt. Es kam oft zu Klagen wegen zu hoher Kriegseinquartierungen (besonders 1671). Zum Schutz des Schlosses in Zons quartierte das Kölner Domkapitel 1674 sechs Soldaten ein, von denen die Horremer zwei beköstigen und entlohnen mussten. Im Jahr 1679 wurde Horrem bei der französischen Besetzung von Zons ebenfalls geplündert.

Ab 1753 verfügte Horrem über einen eigenen Dorfvorsteher. Im Oktober 1794 besetzten französische Revolutionstruppen das Dorf. Horrem kam im Zuge der neuen französischen Verwaltung zunächst zum Kanton Zons in der Munizipalität Zons, später zum Kanton Dormagen.

Im Jahre 1815 wurde Horrem preußisch und der Bürgermeisterei Dormagen im Kreis Neuss zugeordnet. Die erste Schule wurde 1843 errichtet, gefolgt von einem einklassigen Neubau im Jahr 1905 an der Knechtstedener Straße (1967 erweitert). Im März 1945 besetzten amerikanische Truppen den Ort.

Im Jahr 1992 erhielt Horrem mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Bayer AG ein Bürgerhaus. Vom 26. bis 28. August 2005 feierte der Ort seine 850-Jahr-Feier.

Wirtschafts- und Sozialstruktur

Horrem war über Jahrhunderte hinweg rein landwirtschaftlich geprägt. Eine Volkszählung von 1799 ergab für den Zonser Teil 83 Einwohner, wobei 65 % der Erwerbstätigen Bauern und 35 % Tagelöhner waren. Bis in die frühe Nachkriegszeit (um 1950) gab es im Ort rund 15 aktive bäuerliche Betriebe.

Zu den bedeutenden historischen Hofanlagen zählten:

  • der Knechtstedener Hof (ehemals Limburger Hof) – 1949 von den Eheleuten Breuer der katholischen Kirchengemeinde vermacht.
  • der Lindenhof (ehemals Nussbaum-Hof) – 1972 abgerissen; an seiner Stelle entstanden Wohnungen, eine Gaststätte und Geschäfte.
  • der Horremer Hof – dessen Scheune und Viehställe wurden bis 1975 abgerissen.
  • der Coenenhof – die Wirtschaftsgebäude wurden 1972 abgerissen, das Wohnhaus blieb erhalten.

Ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor war das Mühlengewerbe: Nach dem Krieg 1870/71 baute Peter Rosendahl eine mechanische Dampfmühle, die fortlaufend modernisiert wurde. Exakt 100 Jahre lang – bis 1971 – wurde in Horrem Getreide gemahlen.

Der fundamentale Strukturwandel begann bereits im 19. Jahrhundert mit der Eröffnung der Bahnlinie Neuss–Köln im Jahr 1855, wodurch Horrem über den direkt östlich an den Ort grenzenden Bahnhof "Dormagen" Anschluss an den Fernverkehr erhielt. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Ort durch die unmittelbare Nähe zum Bayer-Werk (heute Chempark) und den massiven Zuzug von Industriearbeitern rasant weiter. Im Jahr 1962 wurde in Horrem das erste Hochhaus Dormagens errichtet. Aus dem ländlichen Dorf entstand ein urban geprägter Stadtteil. Heute befindet sich in Horrem mit dem TOP West das größte Gewerbegebiet der Stadt Dormagen.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl
1939 712 1995 5.790 2013 8.097
1974 6.835 2000 6.112 2016 8.925
1980 6.829 2004 5.955 2017 9.171
1990 6.479 2007 8.315 2010 8.155

Kirchengeschichte

Kirchlich gehörte Horrem als Teil des Erzbistums Köln zunächst zur Dormagener Pfarrei St. Michael. Die alte St.-Nikolaus-Kapelle (auf dem Mertenshofen) verfiel nach 1710 und galt 1735 als völlig zerstört.

Im Jahr 1897 wurde an der Knechtstedener Straße die Kapelle "Zur Heiligen Familie" durch den Ehrendomherrn Dechant Tillmann Heimbach benediziert. Erst im Jahr 1938 wurde Horrem eine eigenständige Pfarrei mit dem Patrozinium "Heilige Familie". Das zugehörige Pfarrarchiv enthält Dokumente, die bis 1894 zurückreichen. Im Jahr 1941 lebten im Ort 665 Katholiken und 56 Nichtkatholiken.

Das heutige Pfarrhaus wurde 1953 anstelle einer alten Scheune des Knechtstedener Hofes errichtet. 1957 folgte die Grundsteinlegung für eine neue, größere Kirche, die 1958 durch Weihbischof Wilhelm Cleven konsekriert wurde. Die alte Kapelle von 1897 wurde daraufhin im Jahr 1969 abgerissen. Im Jahr 2006 stellte die römisch-katholische Kirche mit 2.404 Mitgliedern die größte Glaubensgemeinschaft, gefolgt von der evangelischen Kirche (1.285 Mitglieder).

Zudem befindet sich im Ort das Gotteshaus der "Neuapostolischen Kirchengemeinde Dormagen". Die Kirche wurde 1972 geweiht und bietet Platz für rund 250 Besucher.

Kultur und Freizeit (Vereinswesen)

Das gesellschaftliche Leben in Horrem wird maßgeblich durch die lokalen Vereine getragen:

  • IG Horrem (Interessengemeinschaft der Bürger)
  • St. Hubertus Schützenbruderschaft Dormagen-Horrem e. V. 1920
  • Tambourkorps "Germania" 1925 Dormagen-Horrem
  • Rasensport Horrem 1919 e.V. (Sportverein)
  • TTC Dormagen 1955 (Tischtennisverein)
  • Türkische Jugend Dormagen (Fußballverein)

Quellen und Literatur

  • Jost Auler: Die Horremer und die Richtstätten des Amtes Zons. In: 850 Jahre Horrem. Ein Buch voller Geschichte(n). Dormagen 2005
  • Karl Heinz Engler: Dormagen, Skizzen aus einer jungen Stadt. Dormagen 1969
  • Karl Heinz Engler: Von einer Wirtschaft zur anderen. Dormagen 1996
  • Karl Emsbach: Zu Ersterwähnung und Topographie des alten Horrem (bis 1800). In: 850 Jahre Horrem. Ein Buch voller Geschichte(n). Dormagen 2005
  • Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973
  • Hermann Kienle: Die alten Höfe in Dormagen-Horem, in: Historisches Jahrbuch der Stadt Dormagen 1982. Köln 1982, S. 122-132
  • Arno Janzen/Paul Wierich: Dormagen. Stadt zwischen Wasser und Wald. Duisburg 1969
  • Walter Lorenz: Gohr, Nievenheim, Straberg. 2 Bde., Bonn 1973/74
  • Thomas Schwabach: Die Schwieren-Chroniken (1733–1823). Neuss 2005