Friedrich von Saarwerden: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Friedrich III. von Saarwerden''' (* um 1348; † 9. April 1414 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Poppelsdorf Bonn-Poppelsdorf]) war von 1370 bis zu seinem Tode im Jahr 1414 [https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_K%C3%B6ln Erzbischof von Köln] und damit einer der mächtigsten Kurfürsten. Er ist der [[Stadtrecht|Gründer der Stadt Zons]], deren historisches Gesicht und Bedeutung als mittelalterliche [[Rheinzoll|Zollfeste]] vollständig auf seine Initiative, Entschlossenheit und planerische Weitsicht zurückgehen. Unter seiner 44-jährigen Amtszeit erlebte das Kölner Erzstift eine Phase der Konsolidierung und wirtschaftlichen Blüte. Friedrich von Saarwerden gilt als einer der fähigsten und tatkräftigsten Kirchenfürsten des spätmittelalterlichen Reiches.
 
== Herkunft und wissenschaftliche Ausbildung ==
Friedrich entstammte dem angesehenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Saarwerden Grafengeschlecht der Saarwerden], das an der oberen Saar in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Trier#Erzbistum_Trier Erzdiözese Trier] ansässig war. Er wurde um 1348 als zweites Kind und erster Sohn des späteren Grafen [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_II._(Saarwerden) Johann II. von Saarwerden] und dessen Ehefrau Klara von Vinstingen geboren. Sein Großvater war Graf Friedrich II. von Saarwerden, nach dem der spätere Erzbischof benannt wurde. Eine bedeutende familiäre Verbindung ergab sich über seine Großtante Johanna, die die Mutter [https://de.wikipedia.org/wiki/Kuno_II._von_Falkenstein Kunos von Falkenstein] war, der 1362 Erzbischof von Trier wurde.
 
Kuno von Falkenstein sollte zum wichtigsten Förderer des jungen Friedrich werden. Unter seinem Einfluss schlug Friedrich früh die geistliche Laufbahn ein. Seine hohe Geburt war im Spätmittelalter die entscheidende Eintrittskarte für den schnellen Aufstieg zu höchsten kirchlichen Würden. Im Jahr 1368 wurde Friedrich an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Bologna Universität Bologna] immatrikuliert, der ältesten und im Bereich des kanonischen Rechts renommiertesten Hohen Schule Europas. In Bologna widmete sich Friedrich rund zwei Jahre dem intensiven Studium der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kanonistik Kanonistik]. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Propst des [https://de.wikipedia.org/wiki/St._Maria_ad_Gradus_(K%C3%B6ln) Stifts St. Mariengraden] in [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln Köln] und Kanoniker an der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Kölner Domkirche].
 
== Der Aufstieg zum Kölner Erzbischof ==
Nach dem Tode des [https://de.wikipedia.org/wiki/Engelbert_III._von_der_Mark_(K%C3%B6ln) Erzbischofs Engelbert III. von der Mark] im Jahr 1368 postulierte das Kölner [[Domkapitel]] am 23. September 1368 den erst 20-jährigen Friedrich von Saarwerden zum neuen Erzbischof. Diese Wahl wurde maßgeblich von seinem Großonkel [https://de.wikipedia.org/wiki/Kuno_II._von_Falkenstein Kuno von Falkenstein] vorangetrieben, der während der Sedisvakanz als Administrator des Erzbistums fungierte.
 
Der Amtsantritt stieß jedoch auf heftigen Widerstand durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_IV._(HRR) Kaiser Karl IV.] Der Kaiser verfolgte eigene dynastische Pläne: Er wollte seinen Sohn [https://de.wikipedia.org/wiki/Wenzel_(HRR) Wenzel] zum deutschen König wählen lassen und versuchte, die rheinischen Kurstimmen durch die Einsetzung seines Verwandten [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Luxemburg-Ligny Johann von Luxemburg (Bischof von Straßburg)] als Kölner Erzbischof abzusichern. Durch diese kaiserliche Intervention verzögerte sich die päpstliche Bestätigung Friedrichs durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Urban_V. Papst Urban V.] bis zum November 1370. Die Zustimmung des Papstes war zudem an immense finanzielle Verpflichtungen geknüpft. Friedrich musste neben den eigenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Servitien Servitiengeldern] von 11.200 Gulden auch die Altschulden seines Vorgängers [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_III._von_der_Mark Adolf von der Mark] übernehmen, was eine jährliche Zahlung von 20.000 Gulden auf sechs Jahre bedeutete.
 
Aufgrund von innerstädtischen Weberunruhen in Köln konnte Friedrichs Inthronisation erst am 21. Juni 1372 stattfinden. In der Folgezeit nutzte Friedrich seine Position als Kurfürst bei der bevorstehenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Wenzel_(HRR) Königswahl Wenzels] geschickt aus, um den Kaiser zur kirchenpolitischen Unterstützung zu zwingen.
 
== Die Verlegung des Rheinzolls von Neuss nach Zons (1372) ==
Die spektakulärste und für Zons bedeutendste Maßnahme in Friedrichs Regierungszeit war die Verlegung des erzstiftischen [[Rheinzoll]]s von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neuss] nach Zons im August 1372. Der [[Rheinzoll]] war seit dem 12. Jahrhundert eine der wichtigsten Geldquellen der Kölner Erzbischöfe, da der Schiffsverkehr auf dem Rhein als zentraler Handelsader hochgradig lukrativ war.
 
Für die Verlegung des Zolls gab es handfeste politische, wirtschaftliche und geografische Gründe:
* Das Autonomiestreben der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Neusser]: Die wohlhabenden Neusser Bürger verweigerten dem vom erzbischöflichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_H%C3%BClchrath Amtmann in Hülchrath] eingesetzten Schultheißen zunehmend die Anerkennung und bestritten die erzbischöfliche Gerichtsherrschaft. Zudem hatte die [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuss Stadt Neuss] versucht, durch ein unbefugt erhobenes [https://de.wikipedia.org/wiki/Rollgeld Rollgeld] an ihrer Schiffslände, das sogenannte Bestättergeld, einen eigenen Stapel einzurichten und damit die landesherrlichen Zolleinnahmen zu schmälern.
* Der mangelnde Schutz der Zollstätte: Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts duldete Neuss keine landesherrliche Befestigung mehr innerhalb der Stadtmauern. [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_von_Hochstaden Erzbischof Konrad von Hochstaden] hatte sich nach der Zerstörung seiner Zollburg am Rheintor 1255 verpflichten müssen, keine neue ''Veste'' in Neuss zu errichten.
* Geografische Veränderungen: Der Rhein hatte im Laufe des 14. Jahrhunderts sein Bett verlagert und floss nicht mehr unmittelbar an der Neusser Stadtmauer vorbei, was das Einziehen der Zölle für die Beamten erheblich erschwerte.
 
Friedrich von Saarwerden entzog den Neussern die Zollfreiheit und verlegte die Zollstätte an seinen landwirtschaftlichen [[Fronhof]] nach Zons, wo die ortsansässige Bevölkerung keinen nennenswerten Widerstand leisten konnte und der Rhein zu dieser Zeit direkt an der Terrassenkante vorbeiströmte. Das Recht zur Zollverlegung an einen beliebigen Ort zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Andernach Andernach] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Rees Rees] war den Erzbischöfen bereits 1346 durch kaiserliches Privileg verliehen worden, was [https://de.wikipedia.org/wiki/Wenzel_(HRR) König Wenzel] im Jahr 1376 für Zons ausdrücklich bestätigte.
 
== Die Gründung von Zons (1373) ==
Um die neue [[Rheinzoll|Zollstätte]] militärisch abzusichern und die Einnahmen vor äußeren Feinden zu schützen, erhob Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden das bisherige Dorf Zons mit Urkunde vom 20. Dezember 1373 zur [[Stadtrecht|Stadt]]. In der Gründungsurkunde wird der Zusammenhang von Zollschutz und Stadterhebung ausdrücklich betont.
 
Mit der [[Stadtrecht|Stadterhebung]] verlieh der Erzbischof den Bürgern die Rechte, Freiheiten und Privilegien der [https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChl_(Rheinland) Stadt Brühl] von 1285. Dazu gehörten:
* Die Wehrpflicht der Bürger: Zum Schutz des [[Rheinzoll]]s und zur Verteidigung der neu gegründeten [[Burg Friedestrom]] waren die Bürger verpflichtet, sich je nach ihrem Vermögen zu bewaffnen und im Notfall als Verteidiger bereitzustehen.
* Das [[Bürgermeister]]amt: Die Bürger durften alljährlich am 22. Februar ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedra_Petri_(Fest) Petri Stuhlfeier]) einen [[Bürgermeister]] aus ihrer Mitte wählen. Diesem stand ein [[Stadtrat|Rat]] aus [[Ratsverwandte]]n zur Seite.
* Die [[Schöffengericht|Gerichtsbarkeit]]: Zons wurde aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_H%C3%BClchrath Amt Hülchrath] ausgegliedert und erhielt ein eigenes [[Schöffengericht|Stadt- und Schöffengericht]] mit sieben [[Schöffen]] auf Lebenszeit. An der Spitze der städtischen Justiz stand ein vom Erzbischof ernannter [[Schultheiß]].
* [[Markt]]privilegien: Zur Hebung der Wirtschaftskraft erhielt Zons das Recht, wöchentlich einen Wochenmarkt (von Dienstagabend bis Mittwochabend) sowie einmal jährlich einen siebentägigen Jahrmarkt um das Fest des heiligen Matthäus (21. September) abzuhalten, während dessen ein strenger Marktfrieden galt.
 
Zum Schutz der landesherrlichen Oberhoheit behielt sich der Erzbischof jedoch wichtige Vorbehalte vor. Der Umfang und die Ausführung der Stadtbefestigung mussten von Kurköln gutgeheißen werden, und die Stadtschlüssel waren jeden Abend dem erzbischöflichen [[Schultheißen]] auf der [[Burg Friedestrom|Burg]] auszuhändigen.
 
== Der Bau der Zollfeste und der Burg Friedestrom ==
Unmittelbar nach der Zollverlegung im Sommer 1372 begann Friedrich von Saarwerden mit dem planmäßigen Bau der Stadtbefestigung und der herrschaftlichen [[Burg Friedestrom]] (in zeitgenössischen Urkunden meist ''Fritzstrom'' genannt) in der südöstlichen Ecke des Areals. Die Burg, das etwa ein Sechstel der gesamten Stadtfläche einnahm, war durch breite Gräben, Mauern und den mächtigen [[Juddeturm]] auch zur Stadtseite hin als eigenständige Feste gesichert.
 
Friedrich von Saarwerden versuchte in der Folgezeit vergeblich, den Namen Friedestrom bzw. Fritzstrom – ein Wortspiel aus seinem Namen Friedrich bzw. Friede und (Rhein-)Strom – für die neu gegründete Stadt, die auf dem Reißbrett entstanden ist und nicht auf der dörflichen Vorgängersiedlung basierte, zu etablieren.
 
Die äußere Stadtbefestigung wurde im Jahr 1388 weitgehend mit der Fertigstellung des mächtigen, sechsstöckigen [[Rheinturm]]s (auch Peters- oder Zollturm) an der Nordostecke vollendet. Eine dort angebrachte, heute noch sichtbare gotische Steininschrift belegt die Turmvollendung in dem Jahr:
 
Fridericus de Sarwerden archiepiscopus coloniensis me fecit Anno a nativitate domini millesimo trecentesimo octuagesimo octavo
 
(Friedrich von Saarwerden, Erzbischof von Köln, hat mich geschaffen im Jahr nach der Geburt des Herrn 1388)
 
Über der Inschrift befand sich bis Mitte der 1950er Jahre ein kunstvolles Sandsteinrelief, das lebensgroß den knienden Erzbischof in Demutsgeste zeigte, wie er vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Petrus heiligen Petrus], dem Patron der [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Kölner Domkirche], die Stadtschlüssel empfängt. Diese Figuren gingen in den 1950er Jahren zur Restaurierung in eine Steinmetz-Werkstätte in Köln, von wo sie nicht zurückkamen. Die Figuren sind heute verschollen.
 
== Die Ablösung der jülichschen Vogtei ==
Da Zons kein einfaches dörfliches Hofgut mehr war, sondern eine hochgesicherte landesherrliche Zollstadt, war Friedrich von Saarwerden bestrebt, die verbliebenen herrschaftlichen Rechte fremder Mächte in Zons abzulösen. Die Vogtei über Zons lag in den Händen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_J%C3%BClich Herzöge von Jülich], die diese Rechte wiederholt zur territorialen Expansion genutzt hatten.
 
In zähen, langjährigen diplomatischen Verhandlungen gelang es Friedrich von Saarwerden in den Jahren 1388 und 1395, die jülichschen Herzöge zum endgültigen Verzicht auf die Vogteirechte über [https://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%BClpich Zülpich] und Zons zu bewegen. Als Ausgleich für diesen Verzicht musste der Erzbischof die beiden kurkölnischen Dörfer [https://de.wikipedia.org/wiki/Merzenich Merzenich] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Girbelsrath Girbelsrath] an das Herzogtum Jülich abtreten. Damit war die Stadt Zons auch rechtlich vollständig in das Territorium des Kölner Erzstifts integriert.
 
[[Datei:Kirche14.jpg|300px|thumb|right|Der Schlussstein mit dem Saarwerden'schen Wappen aus der alten Pfarrkirche.]]
== Die Vollendung des Zonser Kirchenbaus (um 1400) ==
Nachdem beim Bau der [[Burg Friedestrom]] die alte Hofkapelle bis auf den Turm abgebrochen worden war, veranlasste Friedrich von Saarwerden den Neubau einer dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_von_Tours heiligen Martinus] geweihten [[Pfarrkirche St. Martinus (alte)|spätgotischen Pfarrkirche]] im Stadtzentrum, die um 1400 vollendet wurde. Der in den späteren [[Pfarrkirche St. Martinus (neue)|neugotischen Nachfolgebau]] übernommene Schlussstein im Gewölbe zeigt das Saarwerdensche Wappen mit dem Doppeladler. Das Patronatsrecht über die neue Kirche und die Pfarre Bürgel/Zons lag gemäß den von Friedrich bestätigten Verträgen bis zur Säkularisation im Jahr 1802 bei den Äbten der [[Brauweiler (Kloster)|Benediktinerabtei Brauweiler]].
 
[[Datei:Saarwd1.jpg|300px|thumb|right|Das Saarwerden-Denkmal von Bert Gerresheim auf dem Rheintorvorplatz.]]
== Tod und Nachleben ==
Zons gehörte zu den Lieblingsorten des Erzbischofs. Während seiner 44-jährigen Regierungszeit sind nicht weniger als 125 längere Aufenthalte Friedrichs auf seiner Burg Friedestrom urkundlich belegt. Er erkor die Zollfeste zu seiner bevorzugten Residenz außerhalb Kölns.
 
Friedrich von Saarwerden verstarb nach längerer Krankheit am Ostermontag, dem 9. April 1414, auf seinem Schloss in [https://de.wikipedia.org/wiki/Poppelsdorf Poppelsdorf] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonn Bonn]. Er hinterließ seinem Neffen und Nachfolger [[Dietrich von Moers]] ein hervorragend geordnetes, wehrhaftes Erzbistum sowie einen Staatsschatz von über zwei Millionen Goldgulden in bar.
 
Friedrich fand seine letzte Ruhestätte in der Marienkapelle des [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Dom Kölner Doms]. Sein dortiges Hochgrab mit einer lebensgroßen Liegefigur aus Bronzeguss, die porträthafte und individualisierte Züge aufweist, gilt als eines der bedeutendsten Meisterwerke des [https://de.wikipedia.org/wiki/Weicher_Stil plastischen Weichen Stils] im Rheinland.
 
Im Jahr 1999 brachten die Zonser [[Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V.|Kultur- und Heimatfreunde]] unter dem [[Rheintor]] eine bronzene Gedenkplatte an, die an die Stadterhebung durch den Erzbischof am 20. Dezember 1373 erinnert. Am 22. April 2010 wurde zudem auf dem Rheintorvorplatz eine 2,20 Meter hohe [[Saarwerden-Denkmal|Bronzeskulptur des Erzbischofs]] enthüllt, die vom Düsseldorfer Bildhauer [https://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Gerresheim Bert Gerresheim] geschaffen wurde und den Stadtgründer in feierlicher Bischofskleidung über einer schweren Metallrüstung zeigt.
 
== Quellen und Literatur ==
* [[Helene Blum-Spicker|Blum-Spicker, Helene]]: ''600 Jahre Stadt Zons. 1373-1973.'' 5. Auflage, Dormagen 1985.
* [[Paul Clemen|Clemen, Paul]]: ''Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuss'' (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band III). Düsseldorf 1895.
* [[Aenne Hansmann|Hansmann, Aenne]]: ''Geschichte von Stadt und Amt Zons.'' Düsseldorf 1973.
* [[Hans Georg Kirchhoff|Kirchhoff, Hans Georg]] / [[Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle|Kirchhoff-Werle, Maria Elisabeth]]: ''Zons – Geschichte und Geschichten.'' Dormagen 1993.
* Lacomblet, Theodor Joseph: ''Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln.'' 4 Bände, Düsseldorf 1840-1858.
* Picot, Sabine: Kurkölnische Territorialpolitik am Rhein unter Erzbischof Friedrich von Saarwerden 1370-1414 (= Rheinisches Archiv, Band 99). Bonn 1977.
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: ''Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung'', in: [[Stephen Schröder|Schröder, Stephen]]/ [[Thomas Schwabach|Schwabach, Thomas]] (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 70–123.
* [[Marion Roehmer|Roehmer, Marion]]: ''Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle'', Dormagen 2025.
* Waldecker, Christoph: ''Friedrich von Saarwerden (1348–1414), in: Kreisheimatbund Neuss e.V. (Hg.), Lebensbilder aus dem Kreis Neuss, Bd. 4 (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes Neuss e.V. Nr. 12), Dormagen 1999, S. 32–43.
 
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Aktuelle Version vom 4. September 2026, 17:18 Uhr

Friedrich III. von Saarwerden (* um 1348; † 9. April 1414 in Bonn-Poppelsdorf) war von 1370 bis zu seinem Tode im Jahr 1414 Erzbischof von Köln und damit einer der mächtigsten Kurfürsten. Er ist der Gründer der Stadt Zons, deren historisches Gesicht und Bedeutung als mittelalterliche Zollfeste vollständig auf seine Initiative, Entschlossenheit und planerische Weitsicht zurückgehen. Unter seiner 44-jährigen Amtszeit erlebte das Kölner Erzstift eine Phase der Konsolidierung und wirtschaftlichen Blüte. Friedrich von Saarwerden gilt als einer der fähigsten und tatkräftigsten Kirchenfürsten des spätmittelalterlichen Reiches.

Herkunft und wissenschaftliche Ausbildung

Friedrich entstammte dem angesehenen Grafengeschlecht der Saarwerden, das an der oberen Saar in der Erzdiözese Trier ansässig war. Er wurde um 1348 als zweites Kind und erster Sohn des späteren Grafen Johann II. von Saarwerden und dessen Ehefrau Klara von Vinstingen geboren. Sein Großvater war Graf Friedrich II. von Saarwerden, nach dem der spätere Erzbischof benannt wurde. Eine bedeutende familiäre Verbindung ergab sich über seine Großtante Johanna, die die Mutter Kunos von Falkenstein war, der 1362 Erzbischof von Trier wurde.

Kuno von Falkenstein sollte zum wichtigsten Förderer des jungen Friedrich werden. Unter seinem Einfluss schlug Friedrich früh die geistliche Laufbahn ein. Seine hohe Geburt war im Spätmittelalter die entscheidende Eintrittskarte für den schnellen Aufstieg zu höchsten kirchlichen Würden. Im Jahr 1368 wurde Friedrich an der Universität Bologna immatrikuliert, der ältesten und im Bereich des kanonischen Rechts renommiertesten Hohen Schule Europas. In Bologna widmete sich Friedrich rund zwei Jahre dem intensiven Studium der Kanonistik. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Propst des Stifts St. Mariengraden in Köln und Kanoniker an der Kölner Domkirche.

Der Aufstieg zum Kölner Erzbischof

Nach dem Tode des Erzbischofs Engelbert III. von der Mark im Jahr 1368 postulierte das Kölner Domkapitel am 23. September 1368 den erst 20-jährigen Friedrich von Saarwerden zum neuen Erzbischof. Diese Wahl wurde maßgeblich von seinem Großonkel Kuno von Falkenstein vorangetrieben, der während der Sedisvakanz als Administrator des Erzbistums fungierte.

Der Amtsantritt stieß jedoch auf heftigen Widerstand durch Kaiser Karl IV. Der Kaiser verfolgte eigene dynastische Pläne: Er wollte seinen Sohn Wenzel zum deutschen König wählen lassen und versuchte, die rheinischen Kurstimmen durch die Einsetzung seines Verwandten Johann von Luxemburg (Bischof von Straßburg) als Kölner Erzbischof abzusichern. Durch diese kaiserliche Intervention verzögerte sich die päpstliche Bestätigung Friedrichs durch Papst Urban V. bis zum November 1370. Die Zustimmung des Papstes war zudem an immense finanzielle Verpflichtungen geknüpft. Friedrich musste neben den eigenen Servitiengeldern von 11.200 Gulden auch die Altschulden seines Vorgängers Adolf von der Mark übernehmen, was eine jährliche Zahlung von 20.000 Gulden auf sechs Jahre bedeutete.

Aufgrund von innerstädtischen Weberunruhen in Köln konnte Friedrichs Inthronisation erst am 21. Juni 1372 stattfinden. In der Folgezeit nutzte Friedrich seine Position als Kurfürst bei der bevorstehenden Königswahl Wenzels geschickt aus, um den Kaiser zur kirchenpolitischen Unterstützung zu zwingen.

Die Verlegung des Rheinzolls von Neuss nach Zons (1372)

Die spektakulärste und für Zons bedeutendste Maßnahme in Friedrichs Regierungszeit war die Verlegung des erzstiftischen Rheinzolls von Neuss nach Zons im August 1372. Der Rheinzoll war seit dem 12. Jahrhundert eine der wichtigsten Geldquellen der Kölner Erzbischöfe, da der Schiffsverkehr auf dem Rhein als zentraler Handelsader hochgradig lukrativ war.

Für die Verlegung des Zolls gab es handfeste politische, wirtschaftliche und geografische Gründe:

  • Das Autonomiestreben der Neusser: Die wohlhabenden Neusser Bürger verweigerten dem vom erzbischöflichen Amtmann in Hülchrath eingesetzten Schultheißen zunehmend die Anerkennung und bestritten die erzbischöfliche Gerichtsherrschaft. Zudem hatte die Stadt Neuss versucht, durch ein unbefugt erhobenes Rollgeld an ihrer Schiffslände, das sogenannte Bestättergeld, einen eigenen Stapel einzurichten und damit die landesherrlichen Zolleinnahmen zu schmälern.
  • Der mangelnde Schutz der Zollstätte: Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts duldete Neuss keine landesherrliche Befestigung mehr innerhalb der Stadtmauern. Erzbischof Konrad von Hochstaden hatte sich nach der Zerstörung seiner Zollburg am Rheintor 1255 verpflichten müssen, keine neue Veste in Neuss zu errichten.
  • Geografische Veränderungen: Der Rhein hatte im Laufe des 14. Jahrhunderts sein Bett verlagert und floss nicht mehr unmittelbar an der Neusser Stadtmauer vorbei, was das Einziehen der Zölle für die Beamten erheblich erschwerte.

Friedrich von Saarwerden entzog den Neussern die Zollfreiheit und verlegte die Zollstätte an seinen landwirtschaftlichen Fronhof nach Zons, wo die ortsansässige Bevölkerung keinen nennenswerten Widerstand leisten konnte und der Rhein zu dieser Zeit direkt an der Terrassenkante vorbeiströmte. Das Recht zur Zollverlegung an einen beliebigen Ort zwischen Andernach und Rees war den Erzbischöfen bereits 1346 durch kaiserliches Privileg verliehen worden, was König Wenzel im Jahr 1376 für Zons ausdrücklich bestätigte.

Die Gründung von Zons (1373)

Um die neue Zollstätte militärisch abzusichern und die Einnahmen vor äußeren Feinden zu schützen, erhob Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden das bisherige Dorf Zons mit Urkunde vom 20. Dezember 1373 zur Stadt. In der Gründungsurkunde wird der Zusammenhang von Zollschutz und Stadterhebung ausdrücklich betont.

Mit der Stadterhebung verlieh der Erzbischof den Bürgern die Rechte, Freiheiten und Privilegien der Stadt Brühl von 1285. Dazu gehörten:

  • Die Wehrpflicht der Bürger: Zum Schutz des Rheinzolls und zur Verteidigung der neu gegründeten Burg Friedestrom waren die Bürger verpflichtet, sich je nach ihrem Vermögen zu bewaffnen und im Notfall als Verteidiger bereitzustehen.
  • Das Bürgermeisteramt: Die Bürger durften alljährlich am 22. Februar (Petri Stuhlfeier) einen Bürgermeister aus ihrer Mitte wählen. Diesem stand ein Rat aus Ratsverwandten zur Seite.
  • Die Gerichtsbarkeit: Zons wurde aus dem Amt Hülchrath ausgegliedert und erhielt ein eigenes Stadt- und Schöffengericht mit sieben Schöffen auf Lebenszeit. An der Spitze der städtischen Justiz stand ein vom Erzbischof ernannter Schultheiß.
  • Marktprivilegien: Zur Hebung der Wirtschaftskraft erhielt Zons das Recht, wöchentlich einen Wochenmarkt (von Dienstagabend bis Mittwochabend) sowie einmal jährlich einen siebentägigen Jahrmarkt um das Fest des heiligen Matthäus (21. September) abzuhalten, während dessen ein strenger Marktfrieden galt.

Zum Schutz der landesherrlichen Oberhoheit behielt sich der Erzbischof jedoch wichtige Vorbehalte vor. Der Umfang und die Ausführung der Stadtbefestigung mussten von Kurköln gutgeheißen werden, und die Stadtschlüssel waren jeden Abend dem erzbischöflichen Schultheißen auf der Burg auszuhändigen.

Der Bau der Zollfeste und der Burg Friedestrom

Unmittelbar nach der Zollverlegung im Sommer 1372 begann Friedrich von Saarwerden mit dem planmäßigen Bau der Stadtbefestigung und der herrschaftlichen Burg Friedestrom (in zeitgenössischen Urkunden meist Fritzstrom genannt) in der südöstlichen Ecke des Areals. Die Burg, das etwa ein Sechstel der gesamten Stadtfläche einnahm, war durch breite Gräben, Mauern und den mächtigen Juddeturm auch zur Stadtseite hin als eigenständige Feste gesichert.

Friedrich von Saarwerden versuchte in der Folgezeit vergeblich, den Namen Friedestrom bzw. Fritzstrom – ein Wortspiel aus seinem Namen Friedrich bzw. Friede und (Rhein-)Strom – für die neu gegründete Stadt, die auf dem Reißbrett entstanden ist und nicht auf der dörflichen Vorgängersiedlung basierte, zu etablieren.

Die äußere Stadtbefestigung wurde im Jahr 1388 weitgehend mit der Fertigstellung des mächtigen, sechsstöckigen Rheinturms (auch Peters- oder Zollturm) an der Nordostecke vollendet. Eine dort angebrachte, heute noch sichtbare gotische Steininschrift belegt die Turmvollendung in dem Jahr:

Fridericus de Sarwerden archiepiscopus coloniensis me fecit Anno a nativitate domini millesimo trecentesimo octuagesimo octavo

(Friedrich von Saarwerden, Erzbischof von Köln, hat mich geschaffen im Jahr nach der Geburt des Herrn 1388)

Über der Inschrift befand sich bis Mitte der 1950er Jahre ein kunstvolles Sandsteinrelief, das lebensgroß den knienden Erzbischof in Demutsgeste zeigte, wie er vom heiligen Petrus, dem Patron der Kölner Domkirche, die Stadtschlüssel empfängt. Diese Figuren gingen in den 1950er Jahren zur Restaurierung in eine Steinmetz-Werkstätte in Köln, von wo sie nicht zurückkamen. Die Figuren sind heute verschollen.

Die Ablösung der jülichschen Vogtei

Da Zons kein einfaches dörfliches Hofgut mehr war, sondern eine hochgesicherte landesherrliche Zollstadt, war Friedrich von Saarwerden bestrebt, die verbliebenen herrschaftlichen Rechte fremder Mächte in Zons abzulösen. Die Vogtei über Zons lag in den Händen der Herzöge von Jülich, die diese Rechte wiederholt zur territorialen Expansion genutzt hatten.

In zähen, langjährigen diplomatischen Verhandlungen gelang es Friedrich von Saarwerden in den Jahren 1388 und 1395, die jülichschen Herzöge zum endgültigen Verzicht auf die Vogteirechte über Zülpich und Zons zu bewegen. Als Ausgleich für diesen Verzicht musste der Erzbischof die beiden kurkölnischen Dörfer Merzenich und Girbelsrath an das Herzogtum Jülich abtreten. Damit war die Stadt Zons auch rechtlich vollständig in das Territorium des Kölner Erzstifts integriert.

Der Schlussstein mit dem Saarwerden'schen Wappen aus der alten Pfarrkirche.

Die Vollendung des Zonser Kirchenbaus (um 1400)

Nachdem beim Bau der Burg Friedestrom die alte Hofkapelle bis auf den Turm abgebrochen worden war, veranlasste Friedrich von Saarwerden den Neubau einer dem heiligen Martinus geweihten spätgotischen Pfarrkirche im Stadtzentrum, die um 1400 vollendet wurde. Der in den späteren neugotischen Nachfolgebau übernommene Schlussstein im Gewölbe zeigt das Saarwerdensche Wappen mit dem Doppeladler. Das Patronatsrecht über die neue Kirche und die Pfarre Bürgel/Zons lag gemäß den von Friedrich bestätigten Verträgen bis zur Säkularisation im Jahr 1802 bei den Äbten der Benediktinerabtei Brauweiler.

Das Saarwerden-Denkmal von Bert Gerresheim auf dem Rheintorvorplatz.

Tod und Nachleben

Zons gehörte zu den Lieblingsorten des Erzbischofs. Während seiner 44-jährigen Regierungszeit sind nicht weniger als 125 längere Aufenthalte Friedrichs auf seiner Burg Friedestrom urkundlich belegt. Er erkor die Zollfeste zu seiner bevorzugten Residenz außerhalb Kölns.

Friedrich von Saarwerden verstarb nach längerer Krankheit am Ostermontag, dem 9. April 1414, auf seinem Schloss in Poppelsdorf bei Bonn. Er hinterließ seinem Neffen und Nachfolger Dietrich von Moers ein hervorragend geordnetes, wehrhaftes Erzbistum sowie einen Staatsschatz von über zwei Millionen Goldgulden in bar.

Friedrich fand seine letzte Ruhestätte in der Marienkapelle des Kölner Doms. Sein dortiges Hochgrab mit einer lebensgroßen Liegefigur aus Bronzeguss, die porträthafte und individualisierte Züge aufweist, gilt als eines der bedeutendsten Meisterwerke des plastischen Weichen Stils im Rheinland.

Im Jahr 1999 brachten die Zonser Kultur- und Heimatfreunde unter dem Rheintor eine bronzene Gedenkplatte an, die an die Stadterhebung durch den Erzbischof am 20. Dezember 1373 erinnert. Am 22. April 2010 wurde zudem auf dem Rheintorvorplatz eine 2,20 Meter hohe Bronzeskulptur des Erzbischofs enthüllt, die vom Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim geschaffen wurde und den Stadtgründer in feierlicher Bischofskleidung über einer schweren Metallrüstung zeigt.

Quellen und Literatur

  • Blum-Spicker, Helene: 600 Jahre Stadt Zons. 1373-1973. 5. Auflage, Dormagen 1985.
  • Clemen, Paul: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuss (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band III). Düsseldorf 1895.
  • Hansmann, Aenne: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973.
  • Kirchhoff, Hans Georg / Kirchhoff-Werle, Maria Elisabeth: Zons – Geschichte und Geschichten. Dormagen 1993.
  • Lacomblet, Theodor Joseph: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln. 4 Bände, Düsseldorf 1840-1858.
  • Picot, Sabine: Kurkölnische Territorialpolitik am Rhein unter Erzbischof Friedrich von Saarwerden 1370-1414 (= Rheinisches Archiv, Band 99). Bonn 1977.
  • Roehmer, Marion: Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung, in: Schröder, Stephen/ Schwabach, Thomas (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 70–123.
  • Roehmer, Marion: Der Rheinturm von Zons. Turmfestung und Zollstelle, Dormagen 2025.
  • Waldecker, Christoph: Friedrich von Saarwerden (1348–1414), in: Kreisheimatbund Neuss e.V. (Hg.), Lebensbilder aus dem Kreis Neuss, Bd. 4 (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes Neuss e.V. Nr. 12), Dormagen 1999, S. 32–43.