Johann Peter Delhoven 2
Fortsetzung der "Rheinischen Dorfchronik" Johann Peter Delhovens für die Jahre ab 1801
1801–1810
1801
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- Januarius
- Am 2ten – Das neue Jahr bringt uns friedliche Nachrichten. Gemäß der lezten Frankfurter Zeitung ist's Waffenruhe, bis ein von Wien nach Paris geeilter Kourier zurückkömmt, der das Ultimatum des Wiener Hofes überbringt. Die Franzosen stehn zu Linz an der Donau, beynahe 40 Stund von Wien. In Italien ist noch nicht hauptsächlich geschlagen worden.
- Am 10ten – Vor 6 Tagen war der Rhein ausgetreten, doch nur so weit, daß man vom Welferhof durch die Benden mit Stiefel durchkommen konnte. Hier oben am Steinbüchel, wo wir vorigen Herbst in den zerbrochenen Damm einen Sommerdeich gemacht hatten, kame kein Wasser durch. Am Monheimer Weeg und auf Rheinfeld zu triebe das Wasser an Welfen hin. Es ist nun wieder am fallen.
- Am 13ten – Wir hatten ausser dem achttägigen neulichen Frösten noch keinen Frost. Zwar wehet seit einiger Zeit beständig der Wind vom Nöthstein, dennoch friert es sehr wenig. – Der Kayser hat nun mit den Franzosen einen neuen Waffenstillstand getroffen. Die Franzosen stehn auf 15 Stund nach vor Wien. Man hat die gegründeste Hofnung, daß es nun Friede wird. Tirol wird von den Kayserlichen geräumt und von keinen Truppen besezt. Die Vestungen Würzburg, Braunau, Kufstein und alle Zugänge und Verschanzungen zu Tirol werden den Franzosen eingeräumt.
- Am 24ten – Heut fienge es etwas an zu frieren. – Es werden wieder Früchte zu Wasser nach Holland geführt. Deswegen gillt das Korn pro Malder 3 Kronthaler französisch hier zu Dormagen, und das Weitz 8 Reichstahler 30 Stüber. Am 26ten Regen.
- Februar
- Am 1ten – Seit einigen Tagen hatten wir solch ungestümes Wetter, daß der Rhein wieder heute Morgen den Welferhof abgeschnitten hat. – Gestern um den Mittag ward die Frau des Caspar Odendahl von Straberg auf dem Anxeler Broich durch einen Messerstich am Halse getödtet. Ihr Mann hatte sich schon seit einiger Zeit von ihr getrennet. Er ließ ein falsches Attestat mit der Unterschrift des Pastoren von Nivenheim verfertigen und gienge damit ins Preussische, wo er sich mit einem jungen Mädchen, ebenfals von Straberg, trauen ließ. Er kame zurück, der Friedensrichter beredete ihn, daß er die erste, rechtmässige Frau wieder zu sich nehmen sollte. Er nahm sie wieder zu sich und schlief einige Nächte zwischen den zwey Frauen. Dann juge er die eine wieder fort, welche sich zu Vanicum aufhielt und in der Abdey Knechsteden Brodt bettelte. Gestern schliche er, Odendahl, sich um den Mittag in die Gesträuche, und als seine erste Frau von Knechsteden kam, ergriff und warf er sie in
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- eine nahe Torfgrube. Sie arbeitete sich zweymahl wieder heraus, und da sie groß und stark war, wehrete sie sich lange, biß endlich ein Messerstich durch den Hals ihr Leben endigte. Eine Frau von Anxel stand mit einem Mägdchen in der Nähe und sahe der Geschichte zu. Und als der Mörder sich entfernte, eilte die Anxeler Frau dahin, der Unglücklichen beyzustehn. Sie zohe sie aus dem Wasser, aber es ware schon alles Leben von ihr gewichen. Da kame der Mörder nochmahl aus dem Gebüsch hervor und drohete mit dem Messer in der Hand der Frau, daß er sie gleichfals ermorden werde, wofern sie nicht fortgienge oder etwas sagte. Sogleich ward die Geschichte in der Nachbarschaft kund. Der Maire von Nettesheim fertigte heute Früh den Bericht an den Friedensrichter, welcher sogleich Verdacht auf den Odendahl hatte und die Gensdarmen nach Straberg beorderten, um den Odendahl einzuladen, mit zum Friedensrichter zu gehn, oder, dafern sie nur vernähmen, daß er, Odendahl, um die Zeit des Factums abwesend gewesen seye, so sollten sie ihn gleich arettiren. Dies geschah, und er blieb in Gewahrsam von 10 Bauern die Nacht in Straberg.
- Am 2ten – Zwischen der Predigt bracht ein Gensdarm den Odendahl wohl geschlossen an einer Kette herein. Der Friedensrichter ließ ihn im Verhör einen blauen Kittel anlegen, und sogleich erklärten die Frau und das Mädchen, daß er der Mörder sey. Dennoch läugnete der Mörder immerfort, obschon er auf die Fragen sehr zweydeutig antwortete. Den 3ten und 4ten dauerte das Verhör fort, am 5ten ward er nach Kölln ins Correctionel gebracht. Kornpreis 5 Reichstahler 45 Stüber, Weitz 9 Reichstahler hier.
- Am 8ten – Heute fienge es stark zu frieren an. – Auch kame der Director des Jury den Commissair vom Zuchtgericht mit einem Friedensrichter und Huissier von Kölln hieher, um die Odendahlische Geschichte näher in Straberg selbst zu untersuchen.
- Am 12ten wurde die Kapelle zu Straberg vom Pastor (Dechant) in Gohr eingeweiht und die erste Messe darin gehalten. Die Gemeinde hat Erlaubniß, auf 3 Jahr an Werktagen darin Meß zu haben.
- Am 21ten – Vom 11ten bis hieher hatten wir ein artiges Frostbähnchen. Es thauet nun aber wieder auf. Der Weitzen gillt hier 10 Reichstahler, Korn 6 pro Malder.
- Am 28ten – Der Frühling rückt an. Lerchen und Buchfinken trillern ihre Lieder. Friede lachet unsern Fluren, und wir bleiben Republikaner. Es wird hier am Rhein so viel Geld verdient, daß unsere künftige Verfassung immer mehr Anhänger findet. Die Früchten stehn noch im hohen Preise. Das Paar Korn und Weitzen wird hier im Dorf zu 16 Reichstahler bezahlt.
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- Merz
- Am 11ten – Es ist schon alles am Wachsen. Wenn nur späthe kalte Nächte es nicht verderben! – Gestern Abend 9 Uhr fuhren 3 Mann vom Sturzelberg mit einem Nachen Haber und Gerst auf die andere Seythe. Als sie in der Mitte des Rheines waren, bekame der Nachen von hinten ein Loch. Der Eigenthümer ertrank gleich, der sogenannte Kart-Gerard rief noch lange um Hilf. Derjenige, so ruderte, 20 Jahr alt, ergrif einen Sack mit 3 Faß Haber, worauf er mit dem Kinn ruhte. Auch war der Ruderriemen von hinten unter seinem Kopf. Unter entsetzlichem Hülfrufen triebe er von Stürzelberg bis gegen die Kirch von Himmelgeist, wo vier Nachen, dies und jenseits, ihn retteten. Es ware stockfinster. Die Leuthe waren mit bloßen Hemden aus den Betten in die Nachen gefallen. Die zwey andern aber sind ertrunken.
- Am 14ten – Gemäß dem 6ten Articel des Friedens von Lüneville werden die darin benannte Vestungen auf dem rechten Rheinufer geschleift den deutschen Fürsten zurückgegeben. Es sind deshalben zu Düsseldorf 3.000 Mann aus dem Bergischen beschäftigt, die Batterien und Werken zu zerstöhren. Die Mauren der Citadelle werden gesprengt durch Pulver.
- Am 19ten – Täglich fällt etwas Regen, ohne daß es warm dabey ist. – Das Paar Korn und Weitzen gillt dermahlen in Monheim 16 Reichstahler. Vor drey Wochen ward das Paar noch dafür hier in Dormagen verkauft.
- Am 25ten – Einige Tage war es wüst und windiges Wetter. Gestern wuchs der Rhein so sehr, daß schon heut Morgen die Gemeinschaft mit Welfen und Rheinfeld abgeschnitten war. Es schwoll so hoch an, daß man es mit Mühe durch ein aufgeworfenes Dämmchen wehrete, daß es nicht über die Landstraße ins Bixem kam. Am 26. und 27ten waren es sehr feine Frühlingstage. Am 28ten konnte man noch nicht anders als mit einem Nachen nach Welven kommen. Das Malder Korn gilt zu Monheim 6 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 11 ½ Reichstahler Kölnisches Maas.
- Am 31ten – Angenehme Frühlingstage. – Die Franzosen verlassen allmählich die Kayserliche Staaten. Hingegen rüsten sich die Russen, Schweden, Dänen und Franzosen gemeinschaftlich gegen England, um auch diese zum Frieden geneigt zu machen.
- April
- Am 9ten – Die Schweden, Dänen und Russen sind ein Bündniß eingegangen, um die Herrschaft der Engländer zu Wasser zu beschränken. Deshalb sind die Engländer mit einer Flotte den Sund passirt, um friedlich gegen jene Mächte zu agiren. – Die Engländer haben während diesem Krieg folgende Insulen weggenommen: 1793 Tabago, Miquelon, Pondycheri, einen Theil von St. Domingo und die Touloner Flotte; 1794 Martinique, Guadalupe, St. Lucie, Maria Galante und Corsica; 1795 Trinquemale und das Cap der guten Hofnung; 1796 Amboina, Berbice und Demerara; 1797 Trinidad; 1798 Minorca; 1799 Surinam; 1800 Gorea, Maltha und Curaçao.
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- 1801
- April
- Bisher trocken-kalt.
- Am 11ten – Heute kame die Reserv-Artillerie der holländischen Armee. Es blieben 40 Pferd und 160 Mann hier, die übrige wurden auf Nivenheim, Zons, Worringen, Hakenbroich und Delven verlegt. – Die Früchten sinken wieder. Man verkauft hier das Paar zu 15 Reichstahler.
- Am 12ten kame die holländische reitende Artillerie, der Stab mit 40 Pferden blieb hier.
- Am 13ten folgte ein Regiment batavische Husaren, wovon nur der Stab hier logirte.
- Am 18ten – Es ist seit anfangs Aprill sehr trocken und nordwindig kalt mit Frost und Reif. Der Commendant von Kölln foderte 18 Carolin von den Maierien Dormagen, Worringen, Zons und Nivenheim. Es kame für Dormagen und Horm 10 Kronthaler, Nivenheim wollte nichts zahlen. Dagegen verbindet sich gemellter Commendant, die noch folgende holländische Armee über die Gillbach zu schicken. Es sind auch wirklich mehrere Züge über die Gillbach passirt. – Der König von Preussen ist der Nord-Coalition (siehe 9ten April) beygetreten. Dagegen ist Kayser Paul von Rusland den 26ten Merz plötzlich gestorben, wahrscheinlich durch eine Vergiftung.
- Am 20ten – Heute musten in hiesigem Canton die öffentliche Beamten das Fest des Friedens und der Vereinigung der vier Departemente mit der Französischen Republick feyern. Diesen Morgen ward gebeyert, um den Mittag die Gemeinde-Klocke gezogen, und vom Mayer Neesen die Friedensartikel und zwey Proclamationen von Bonnaparte und dem Präfect vorgelesen, wobey zwey Gensdarmes mit blanken Säbeln paradirten. Die Commisen machten verschiedene Salven aus kleinem Gewehr, und der hiesige Barrier-Empfänger bliese vermittels einer Trompette Tusch dazu. Am 21ten abends 7 Uhr ward in der Kirche die Complet mit einem "Te Deum" abgesungen, wobey der Pfarrer eine kurze Rede hielt, zur Danksagung des wohlthätigen Friedens. Nachdem hielten die öffentliche Beamten eine Zeche bey Steinberger.
- Am 22ten kame ein Escadron Chasseur vom 23ten Regiment. Sie giengen heute von Kölln bis Neus hierdurch. Bey der Bagage hatten sich viele Chasseur zugesellt. Diese stürmten zu Fühlingen ein Haus und beuteten eine Schunke. Die Inhaberin kame hieher, und der Friedensrichter ließ die Wägen visitiren, worauf man die Schunke fand und selbe der Frau wiedergab. Der Friedensrichter berichtete sogleich den Vorfall an den General nach Kölln. – Es ziehn anhaltend Truppen hinab. Die stärksten Züge gehn über die Gillbach. Hingegen kömmt doch alle zwey bis drey Tage ein Zug gallo-batavischer Auxiliar-Truppen hierdurch, wovon dann jedesmahl etwas hier behalten wird.
- Am 26ten, Jubilate – Gestern, heut und morgen wird das 40-stündige Gebeth gehalten. Vor dem Hochamt hielten wir die Stationen: die erste vor der hinteren Kirchenthür an der Mauer und die 3 andern an den Altären. Abends nach der Complet fängt der Tanz an, bey Pannes, Heinrich Meuser, Arnold Nusbaum und bey Cremerius im Grünenwalde. – Es friert und reift noch alle Nächte. Im Tage ist's trocken und warm.
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- 1801
- Mey
- Am 1ten – Heute fiel der so sehnlichst erwartete Regen. Inzwischen ist das Bitzkorn mager aufgeschossen. Weitzen 10 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 30 Stüber.
- Am 3ten – Verflossene Nacht wurden verschiedene Meyen aufgesezt. Gegen der Nettergaß errichtete man deren einen auf ein sechster Tannenstrich. Es sind oben Kronen von Palm gewunden, mit Eyerschahlen vergoldet, angebracht, und nebst verschiedenen kleineren paradirt auch an jedem Meybaume eine 3-farbigte große Nationalfahne. Oben am Lämbchen steht der schönste. Eine Parthie Dorfjungen hielten Musick im Pflug, wo sie diesen Nachmittag tanzend um den Mey spielten, während die Gensdarmen Salve schossen.
- Am 11ten – Der Wind hällt wieder im Norden. Diese Nacht war es gereift und gefroren. Heut kame das 4te Dragoner-Regiment und 3 Bataillon Holländer, welche auf der Gillbach logirt wurden, so daß wir hier nichts bekamen.
- Am 23ten – Vorige Woche hatten wir verschiedene Donner mit Regen. – Seit dem Tode des Kaysers Paul von Rußland hat dessen Sohn, der Kayser Alexander der Erste, sich wieder sehr freundschaftlich gegen England gezeigt. Die Franzosen sind zwar aus Düsseldorf, doch sind noch 30 Mann als Sauvegarde da in einem Wirthshause logirt, bis die Pfälzer ankommen.
- Am 30ten – Es regnet zu viel. Der Rhein ist am Anschwellen. – Diesen Morgen, als die hiesige Händler um 4 Uhr anfiengen Früchten zum Rheine tragen zu lassen und schon 25 Malder in einem Nachen waren, sprangen die Soldaten von Zons am Steinbüchel aus dem Korne hervor. Der Eygenthum Peter Schüllgen riefe dem Fährman zu, er sollte mit dem Nachen abfahren, die Soldaten hätten die Gewehre nicht geladen. In dem schoß ein Soldat den Schiffman durch den Kopf, daß das Hirn heraustriebe. Gleich ware er todt. Die Monheimer hohlten den Verunglückten auf Monheim, und die Soldaten fuhren mit der Frucht nach Zons. Der Gebliebene nennt sich Fitgen und ist verheyrathet. – Kornpreis hier 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber.
- Juni
- Am 15ten – Diese 14 Täge war es meistens kalt und naß, verschiedenmahl fiel Hagel, ohne zu schaden. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.
- Am 27ten – Seit 3 Tagen ist es heisses Wetter. Man hoffet auf Regen.
Es liegt jetz in Kölln dasKornpreis 6 Reichstahler.
- Julius
- Am 4ten – Seit dem 1ten haben wir stets Donner mit viel Regen, so daß wir nun wieder gut Wetter bedürfen. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber hier.
- Am 6ten starb allhier die Elisabeth Cremerius, unverheyrathet zwar, dennoch hatte sie 3 Kinder zur Welt gebohren, wovon eins noch lebt. Ihr ausschweifender Lebenswandel machte sie ganz gichtrisch und elend, so daß sie einige Jahre von den Almosen lebte. Da nun ihr Schwager Henrich Nusbaum sich durch den Früchtenhandel einiges Vermögen erworben hat, so gab der den Todtenläuten einen Zech, worauf diese ein Stück aus der alten Klocke läuteten.
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- 1801
- Julius
- Am 18ten – Erst heute fieng das Wetter an, sich aufzuhellen, nachdem es bisher alle Tage geregnet hat. Viel Heu hat darunter gelitten. Auch hat man seit 6 Tagen fleissig Korn gemähet. Der Preiß vom alten ist hier 6 Reichstahler, Weitzen in Monheim 12 Reichstahler 30 Stüber. Am 20ten Regen.
- Am 26ten – Der hiesige Bürger Anton Schmitz, ehmals Schweinhirt, hatte sich vor geraumer Zeit durch verschiedene kleine Diebstähle in Wäsche etz. berühmt gemacht. Die vormalige Scheffenregierung sahe ihm dieses jedesmahl durch. Vor beyläufig 6 Wochen entwendete er von Neuem der Witwe Küpper einige Hemder von der Bleiche, worüber man ihn erwischte. Er warf die Hemde dahin und floh. Die Gensdarmen suchten ihn auf, allein, er entkam ins Bergische. So, wie der Vogel da am liebsten ist, wo er geheckt wurde, so schliche er sich vor 14 Tägen des sontags Nachmittags zwischen der Piwitte an mir vorüber, und heute brachten ihn die Gensdarmen gefänglich ein, um ihn morgen auf Kölln zu führen. – Bis 28ten anhaltender Regen. Kornpreiß 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 12 Reichstahler 30 Stüber.
- Am 29ten – Schön Wetter. Man fährt fleissig Korn ein.
- August
- Am 1ten – Donner mit Regen. Das Korn gibt sehr schlecht, doch ist viel Stroh.
- Am 14ten – Seit sechs Tagen hatten wir große Hitze. Der meiste Weitzen ist eingescheuert, doch steht dessen und Korn noch ein Theil draussen. Es gibt viel Stroh, aber der beste Drescher trägt nur ein halb Malder Korn auf. Sommerfrucht geräth auch die Menge, und man findet allenthalben Fruchtbäume gesezt. – Gestern brachte uns ein Gewitter starken Regen. – Vor 8 Tägen ward der Weitzen vor 13 Reichstahler hier verkauft, jetz ist er bis auf 10 herunter gekommen. Korn 6 Reichstahler.
- Am 24ten – Der August ist sehr heiß, doch gibt es alle 8 Täge einen heilsamen Regen. Die Sommerfrüchten sind treflich gerathen und Gemüse ohne gleichen. Alle Scheuren sind voll und viele Bärme gesezt. Obschon die Frucht nur sehr mittelmässig aufs Denn gibt, so thut doch das viele Stroh und die hohe Preisen viel dazu, daß dieses dem vorigen guten Jahre gleich kommen wird. Das neue Korn gillt beynahe 6 Reichstahler, und der Weitzen 10 und ein halben.
- September
- Am 16ten – Diese Zeit hindurch hatten wir immer heiße Tage mit nothdürftigem Regen. – Die Schifarth auf dem Rhein ist auch im Preußischen seit 3 Wochen gesperrt. Deswegen ist jetz keine Nachfrage und kein Preiß von Korn und Weitzen. Auch sind unser Commisen alle suspendirt und durch neue ersezt, so daß seit 18 Tagen fast keine Frucht über den Rhein gegangen ist. Der Odendahl von Straberg ist zu Trier guillottinirt worden (siehe am 1ten Februar 1801).
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- 1801
- September
- Am 29ten, Michaelis – Da durch den starken Handel viel Geld unter alle Stände geflossen ist, so sieht man vorher, daß die Kirmes sehr lustig seyn wird, so wie das heutige Patronsfest stattlich. – Allein, mit Tagesanbruch ward der Jacob Steinberger, Peter Pannes und Jacob Küpper theils durch Köllnische, theils hiesige Gensdarmen mit ihren Briefschaften arrettirt, und zwar auf Befehl des französischen Gouvernements, weil sie beschuldigt sind, Früchten und englische Waaren aus- und eingeführt zu haben. Die Ordre waren grade gegen die französischen Gesetze, denn die Gensdarmen nahmen sie in Arrest ohne Maier, vor Sonnenaufgang etz. Sie wurden einsweilen in das Wirthshaus "Zum weissen Pferd" (vormals Cremerius-Haus) gesezt. Bis gen 8 Uhr brachten die Gensdarmen von Üdesheim den Sohn aus dem Hof-Besitz Baaden, den Röttgen, Esser, Witges und Kucks von Grimlinghausen und den Mattheisen vom Illkhauser Hof. Um 11 Uhr wurden sie alle auf Kölln ins allgemeine Arresthaus gesezt. Joseph Küpper sollte auch mit fort geführet werden, allein, der ware im Bergischen.
- October
- Am 1ten – Der öfentliche Ankläger Keihl in Kölln untersuchte die Papiere der Staatsgefangenen. Diejenige, so schuldig befunden und aus deren Briefschaften sich ergiebt, daß sie geschmuckelt haben, werden nach dem Schloß Hamm in der Picardie geführet. Dies trafe schon den Röttgen von Grimmlinghausen.
- Am 7ten – Heut erhielte ich die ganz unvermuthete, sehr willkomme Nachricht, daß der Friede zwischen Frankreich und England unterzeichnet ist. Die Engländer geben alle Eroberungen ausser die Insel Zeylan und St. Trinitas zurück. Dagegen behält Frankreich den Rhein zur Gränze. Dieser Friede kann bald das Schicksal der Staatsgefangenen beendigen.
- Am 24ten – Jacob Steinberger und Witges sind auch nach Hamm abgeführt. Unter des ersten seinen Papieren befindet sich ein Brief von seinem Schwager Colpin von Oberaussem an Steinberger, wo derselbe anfrägt, ob der gesendete Weitzen alle über dem Rheine ist. – Der Früchtenhandel liegt ganz darnieder. Jeder Schmuckler ist bang, daß auch er solle gehohlt werden. Desfals zirkulieren oft Gerüchte, welche die Veranlassung sind, daß fast alle Händler die Nacht ins Bergische schlafen gehn. – Zu Kölln bezahlen die Staatsgefangene täglich 1 Reichstahler für Kost und Bettung. Dan haben sie auch die Freyheit, in dem Köllnischen Hof frey umher zu gehen. Die diesjährige Kirmes ware wegen der Geschichte sehr einfach.
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- 1801
- November
- Am 1ten – Das Wetter ist noch immer naß, zuweilen sehr stürmisch, und Würmer verderben viel von der früh gesäheten Frucht, doch hat das zum zweytenmal Gesähete gut gehalten. – Als der Pannes auf Kölln geführet war, da ware des Stehlens von seinen Erdäpfel und Mohrenäckern kein gleichen. Er hatte einen Ziegelofen fertig, wo noch die Geräthschaften umher lagen. Des Hilger Gärtners Frau und die Sophie Bükendorf machten sich auf und trugen des Abends einige Bord nach Hause. Des andern Morgens hielt der hiesige Mayer Haus-Visite und fand die Bord. Sogleich wurden die beyden Menscher zum Friedensrichter und von da auf Kölln geführt. Dem Pannes begegneten sie im Arresthaus, wo er zum grösten Erstaunen ihr Dahinkommen vernahm. Sie sind auf ein Monath Gefängnißstraf verurtheilt. – Im Schloß Hamm, schreibt Jacob Steinberger, ist es nicht so schlimm, als das Gerücht ausgestreuet hatte. Der Commendant ist ein gefälliger Mann. Sie dürfen frey herum gehen, auch mit einer Schildwache durch die Stadt sich alles Nöthige kaufen gehen. Essen und Trinken wird ihnen für Geld auf die Vestung gebracht.
- Am 6ten – Der Küster in Nivenheim, Wimmar Schneider, welcher seit der Municipalitäts-Zeit Agent und izt Maier ist, hat sich dadurch, weil er etwas zu stark von der republikanischen Parthie war, mit dem Pastor und dessen Familie verfeindet. Unter diesen befindet sich der Witgenshalfen Schmitz, der sonst die Gemeinde verwaltet und nun seit lange nur dahin trachtete, den Schneider zu stürzen. Als nun die französische Regierung gegen die Fruchtschmuckler so ausserordentlich strenge verfuhr, so ergrif Schmitz die Gelegenheit, um den Schneider darein zu ziehen. Schneider hatte nicht gehandelt, aber er hatte Certificate gegeben, Früchten von Kölln auf Nivenheim zu führen, ohne mit den Leuthen zu sprechen, für welche die Früchten gefodert wurden. Schmitz lies sich von diesen bescheinigen, daß sie kein Certificat genommen hatten, und nun war Schneider überzeugt. Es erfolgte also vorerst die Absetzung als Maier, mit dem Zusatz, das er, Schneider, gerichtlich verfolgt werden soll. – Unglücklicherweise hatte Schneider, in einer Nacht, als er von unser Kirmes nach Hause gieng, einen Arm zerbrochen und einen Fuß verrenkt, so daß er seit dieser Zeit das Bett hüten muste. Demungeachtet kame der Befehl an ihn auf Kölln und von da nach Schloß Hamm in die Picardie zu transportiren. Allein, als man ihn nach Kölln brachte, fand es sich, daß dieses unmöglich war. Seitdem sitzt er noch bey Pannes, Küpper, Matheisen, Baaden und Kucks im Arresthause zu Kölln. – Das Malder Korn gilt hier [...][1].
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- 1801
- November
- Am 18ten – Unser Damm ist durch den Präfecten zu Aachen vergantet worden. Einer von Achen, ein Köllner und Durener haben selbigen zu machen angenohmen, womit sie heute den Anfang machten. Sie zahlen an Taglohn für ein Pferd und Karrig ein Reichstahler, für einen Schüppenman 15 Stüber. Morgens 7 Uhr bis 11, dann von 1 bis Sonnenuntergang wird gearbeitet. Sie wollen in zwey Monath damit fertig seyn.
- Am 21ten – Gestern und heut wüthete ein solcher Sturm, Regen, Schnee, Frost und wieder Regen, daß am Damm gar nicht gearbeithet werden konnte.
- Am 29ten – Diesen ganzen Monath ware es sehr naß mit immerwährendem Sturm begleitet, so daß der Rhein schon wieder unseren Damm ausgetreten war. Wir machten doch gestern einen Damm von dem unsrigen quer auf den Rhein. Da dieses aber über des Gerhard Strack sein Stück Land gienge, so wollte dieser solches nicht zulassen. Die Arbeit unterblieb also. Die Arbeit am Damm wird mit 17 Karren im lezten Loch am Bodenkreutzer Weg fortgesezt.
- Am 30ten – Der Rhein brach durch den Monheimer Weg und dehnte sich diesseits dem Damme aus, doch fällt es im Strome wieder.
- December
- Am 3ten – Das stürmische Wetter hat den Rhein so stark an das Wachsen gebracht, daß Walhoven und Rheinfeld abgeschnitten sind. Die Arbeit am Damme hört seit heute auf. Kornpreis hier 6 Reichstahler, Weitzen 9 Reichstahler. Zu Amiens werden sich dieser Tage die Gesandten der wechselseitigen Höfe versammeln, um den allgemeinen Frieden zu schliessen. Wahrscheinlich werden erst nachher die hiesige Staatsgefangene in Freyheit gesezt werden.
- Am 8ten – Seit gestern erst scheint der Sturm sich zu legen, doch wächst der Rhein so sehr, daß der Bixem schon voll stehet. Auch liefe es gestern Abend durch das erste Loch im Damm neben der Landstraße, worin vor 2 Jahren und jüngst durch die Damm-Enteprenneurs ein Sommerdämmchen gemacht worden war, welches sehr stark rauschte. Auch schrieb mir gestern mein Freund Jacob Steinberger aus dem Schloß Hamm, daß ihr Schicksal sehr erträglich seye, daß sie in die Stadt gehen dürften.
- Am 9ten – Das Wetter ist wieder so unbändig, als es seit zwey Monathen ohne Unterlaß gewesen ist. Der Rhein ist so hoch angeschwollen, daß unten im Feld nur zwey kleine Fleckchen trocken sind. Inzwischen werden die Früchten aus unserm Ort fleissig fortgeschift. Man gibt vom Malder 40 Stüber, dann übernehmen es die Schmuckler auf ihre Gefahr frey nach Monheim zu transportiren. Korn wird noch hier verkauft zu 6 Reichstahler 15 Stüber und der Weitzen zu 9 Reichstahler 15 Stüber, kleine Bohnen zu 5 Reichstahler.
- Am 11ten – Heute kame Peter Pannes, Jacob Küpper und der Baaden von Uedesheim von Kölln zurück, wo sie frey gesprochen worden sind.
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- 1801
- December
- Am 12ten – Sturmwind mit Schnee, am 13ten Schnee, etwas Frost und Sturm.
- Am 14ten – Frost mit Schnee. – Der Rhein ist noch sehr hoch. Am 17ten starker Frost.
- Am 24ten – Regen, Schnee und Frost wechseln auf den andern Tag. Der Rhein ist wieder in seine Ufer zurückgetreten. Am 26ten: Der Rhein ist wieder so hoch, daß man mit Nachen unten in die Gärten fahren kan.
- Bis 31ten – Abwechselnd mit Regen. Diesen Abend fängt es an zu frieren. – Dieses abgeflossene Jahr ware nicht unter die fruchtbahrsten, aber auch nicht zur Klasse der Mißwachsenen zu rechnen. Stroh gab es sehr viel, aber nach Verhältniß weniger Frucht. Von der Sath im Rheinfelde werden wir uns nicht viel versprechen können, da der Rhein so oft wächst und fällt. Er ist jetz wieder in seinen Ufern eingeschlossen. Allein, die aus der Schweitz eingegangene Nachrichten von übervielem Schnee lassen eine abermalige Ueberschwemmung vorhersehen.
1802
- 1802
- Januar
- Am 1ten – Starker Frost, am 2ten Frost und Schnee. Heut fienge der Rhein wieder stark zu wachsen an, ohnerachtet des Frostes, so daß man am 3ten schon wieder mit Nachen in die Gärten anfahren konnte.
- Am 5ten – Frost. Der Rhein ist wieder so viel weggefallen, daß man mit Stiefel nach der Piwitt gehen konnte. – Die englische und französische Gesandte sind izt zu Amiens, um den Definitiv-Frieden zu schließen.
- Am 10ten – Anhaltender Frost und Schnee. – Ich ware am 7ten und 8ten Jury am Tribunal-Criminel in Kölln, wo der berüchtigte Joan Albert Platt, ehmals Gerichtscheffen zu Gohr und nachher wegen der Goldmacher-Geschichte zu Delven bekannte Mörder des Leonard Martio (siehe das Registers zwey lezten Decaden vorigen Jahrhunderts), zu achtjähriger Kettenstrafe verurtheilt wurde. Diesesmahl hatte er eine falsche Obligation gemacht und beym Kaufmann Herstadt in Kölln wirklich 1.000 Reichstahler aufgenommen. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 8 Reichstahler 15, Haber 18 Schilling.
- Am 17ten fienge es an zu isselen, am 18ten und 19ten Thauwetter. Der Rhein würde sich bey länger anhaltenem Frost in zwey Tägen gesezt haben.
- Am 24ten – Diese Nacht fienge es wieder etwas zu frieren an. Wir glaubten zuverlässig bey diesem Aufthanen, daß der Rhein unsere Felder nochmal überschwemmen würde, aber schon ist das Obereis fort.
- Am 31ten – Es wintert noch sehr leidlich. Im Tage ist es angenehm. Die Früchten schlagen auf. Alles wird nach Frankreich geführt, wo im Inneren Mangel ist. Deswegen sind die Preisen diesseits am niedrigsten in der Nähe vom Rhein. In Nivenheim wird der Weitz mit 9 Reichstahler und das Korn zu 6 Reichstahler 50 Stüber verkauft.
- Februar
- Vom 1ten bis 9ten abwechselnd bald Regen, bald angenehm.
- Am 12ten – Es friert ein paar Tage. – Die Gefangenen in Hamm haben nun gute Hofnung, bald erlöset zu werden. Wirklich ist der Kaufman Basellar in Maynz in Freyheit gesezt. Der Illkhauser Halfen Matheisen ist in Ham aus Melankolie gestorben.
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- 1802
- Februar
- Am 14ten – Anhaltender Frost. – Voriges Jahr hatte der hiesige Müller Pannes bey dem Domeinen-Empfänger supplicirt, daß die Scheffenlehner verpfachtet werden sollten. Der Maier nahm dieses Geschäft in Beyseyn der Munizipalräthe vor, und die Besitzer sowie Herman Hambloch, der das Lehn des Schefen Fix unter dem Pflug hatte, pfachteten den Morgen zu 3 Faß Korn. Nun wurde vor 14 Tagen dieser Pfacht auf den Meistbiethenden versteigert, und das Malder wurde zu 7 Reichstahler 18 Stüber zugeschlagen. Nun hatten wieder Einige angestanden, daß die Schefenlehnen öffentlich auf den Meistbiethenden ausgestellt wurden. Dies geschahe am 6ten dieses. Engel Kranz pfachtete das Lehn vom seehligen Scheffen Schmitz, Jacob Küpper eins vom Scheffen Steinberger, so er bisher nebst seinem Lehn von der Gemeinde in Pfacht hatte. Die Übrige behielten zwar ihre Lehner, aber der Pfacht wurde greulich aufgetrieben, so daß Theodor Bremer 17 Reichsthaler pro Morgen jährlichs zahlen muß. Mithin beträügt der Pfacht in toto ungefähr 800 Reichstahler, die Pfachtzeit dauret 9 Jahre.
- 19ten – Der Frost hält noch sehr schwach an, im Tage ist's dann schönes Wetter. Das Korn schlägt so sehr auf, daß man schon auf dieser Seythe 8 Reichstahler für das Malder bezahlt. Der Weitzen wird zu 10 Reichstahler verkauft.
- 20ten – Regen. – Auch des Gerichtsbothen Länderey 5 Morgen werden dem Meistboethenden ausverpfachtet. – Der hiesige Früchtenschmukler Engel Kranz, der die Tochter des Theodor Schüllgen geheyrathet hatte und von seiner Seythe ohne Vermögen war, hat so viel durch den Fruchtenhandel gewonnen, daß er die Leuf neben der Kirche, wo ehmals der Scheffen Fix und nachher der Jud Mendel wohnte, um 1.300 Reichstahler an sich gekauft, von den Erben Sturm.
- Merz
- Am 9ten – Seit einigen Tagen haben wir Frühlingswetter. Der Rhein fängt wieder an zu fallen, da seit 8 Tagen das ganze Feld überschwemmet war.
- 13ten – Heut kamen die ersten Merzerstürme, da man bey dem schönen Wetter diese Woche dicke Bohnen und Salat unter die Erde gebracht hat. Vor 3 Tagen wurde auch die Länderey unseres Gerichtsbothen 5 ½ Morgen auf den Meistbiethenden verpfachtet. Der Sohn des Gerichtsbothen both zu lezt auf das Ganze 31 Liver pro Jahr. – Da bey der neulichen Verpfachtung auf das Lehn des Jacob Sturm nach dem Zuschlage noch geothen wurde, so supplicirte der Maire, daß diese Länderey von Neuem ausgestellt wurde. Diese 11 ½ Morgen wurden nun dem Posthalter 50 Reichstahler gringer zugeschlagen als jüngst.
- Am 16ten – Heut wurde hier die Domainen-Länderey des Cantons ausgepfachtet. Es waren meistens kleine Pfachtungen, welche fast alle für den Tax zugeschlagen wurden. Da der Fremden sehr viele waren und kein Zimmer im Ort großgenug war, so geschahe es in der Kirche.
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- 1802
- Merz
- 23ten – Angenehme Frühlingstage, mitunter Merzerstürme. Die Staatsgefangene auf dem Schloß Ham sehen mit jedem Tage ihrer Befreyung entgegen. Wirklich schrieben sie an ihre Familien, daß sie ihnen keine Beriefe mehr nach Ham schicken sollen, weil sie glauben, daß selbige sie nicht mehr dort finden werden. Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber.
- 30ten – Die Nächte sind noch kalt mit Frost und Reif. – Kornpreis 8 Reichstahler, Weitzen 10 Reichstahler. Heute 11 Uhr kündigte das Geläute aller Klocken der Stadt Kölln die Nachricht an, daß der Definitiv-Friede mit England geschlossen ist.
- April
- Vom 1ten bis 8ten – Schöne Tage und kalte Nächte. Am 9ten etwas Regen. Die Damm-Enteprenneurs haben das lezte Loch auf Rheinfeld zu bereits fertig. Sie fahren mit Pferdskarren und zahlen pro Tag für jedes Pferd und Karrig 1 Reichstahler. Indessen muß der Knecht mit laden. Jeder Arbeitsmann bekömmt 15 Reichstahler. Sie haben bisher noch nichts als Sand in den Damm gefahren. Deswegen werden die Meistbeerbte sich beschweren.
- 15ten – Seit einigen Tagen gab es anhaltende Merzerstürme, heut aber fienge es warm zu regnen an. – So sehr man sich geschmeichelt hatte, daß die Gefangene vom Schloß Ham in den ersten Tagen ihre Freyheit erhalten würden, so still ist jetz wieder diese Geschichte geworden.
- 20ten – Das Concordat zwischen dem Pabst und der französischen Regierung wird uns merkliche Veränderungen in der Religion hervorbringen. Der öffentliche Gottesdienst ist erlaubt. Weil aber das Gesetz noch nicht an die Beamten geschickt worden ist, so haben wir diese Ostern noch keine Prozession um die Kirch gehalten, obschon die benachbarte Ortschaften alle dies gethan haben. – Kornpreis 8 Reichstahler hier.
- Mey
- Am 9ten – Weil das Concordat noch nicht officiel publiziert ist, so hielten wir die Gottestracht in der Kirche. Das Hochwürdige wurde um 6 Uhr ausgesezt und bliebe bis nach dem Hochamt stehen. Nach der Elevation wurde das "Te Deum" gesungen, und diesen Nachmittag ware Bruderschaft.
- Am 10ten wurde der Hagelfeyer wie gestern gehalten, nur war diesen Nachmittag keine Andacht in der Kirche. – Da wir seit lange keinen durchtringenden Regen hatten, so ist es entsetzlich trocken und hart. Die späthe Haber liegt unverwesen in der Erde.
- 12ten – Heut kame Jacob Steinberger und alle Gefangene vom Schloß Hamm zurück. Des Ersteren Aussehen ist sehr gut. Das Hinführen ware für sie sehr unangenehm, indem sie die Gendarmen durch Geld und kostspielige Gelage dahin bringen musten, daß sie nicht geschlossen wurden. Übrigens durften sie im Schloß frey herum gehen und konnten für ihr Geld alles haben, was sie begehrten. Dem Staatsrath Rigal von Crefeld und dem Expresidenten Pape von Kölln, welche beyde in Paris sind, haben sie vorzüglich ihre Freylaßung zu verdanken.
- 18ten – Es ist noch immer der Wind aus Norden, Merzerstürme im Tage und des Nachts Reif und Frost, welcher alle Erdäpfel und Bohnen sind alle über der Erd erfroren, Kirschen und Trauben sind ebenfalls dahin. Das Korn hat viel gelitten. Deswegen steigt solches im Preise und wird schon hier im Dorf zu 8 Reichstahler 30 Stüber bezahlt.
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- 1802
- Mey
- Am 24ten – Das Wetter bleibt noch immer trocken, nur sind die Nächte nicht mehr so kalt. Viel Korn ist erfroren. Im Bergischen an den Wäldern wird solches schon vor das Vieh abgemähet. Deswegen steigen die Früchtenpreise enorm. Man gibt schon gern hier im Dorf 10 Reichstahler für das Malder Korn. Heu stieg auch seit 8 Tagen von 40 Stüber auf ein Reichstahler das 100 Pfund.
- 30ten – Alles vertrocknet. Menschen und Vieh stehn in Gefahr, Mangel zu leiden. In Zons werden 14 Pfund Brodt zu 40 Stüber verkauft. Im Bergischen ist der Mangel noch größer. Man verkaufte schon in Monheim das Malder Korn zu 16 Reichstahler. In den Bergen hat auch der Frost ungeheuren Schaden angerichtet. Der einzige Frohnhalfen in Monheim muß 40 Morgen Korn desfals abmähen.
- 31ten – Die Nacht und heut hatten wir etwas Regen. Auch fiengen wir heute an, um 5 Uhr eine Benedictions-Messe in der Kirch zu halten.
- Juny
- Am 5ten – Diese Täge waren heiß mit Regen. – Das Malder Korn wird hier zu 10 ad 11 Reichstahler verkauft, Gerst 8 ad 9 Reichstahler, Buchweitz 10, auch 12 Reichstahler. In Monheim gillt das Kölnische Malder Korn 16 Reichstahler, Buchweitz 18 Reichstahler. Der Weitzen ist dies- und jenseits beynah ein Reichstahler wohlfeiler als das Korn.
- 6ten, Pfingsten – Heut giengen wir zuerst mit dem Hochwürdigen um die Kirche. Es giengen so viele Leuthe mit, daß sich der Zirkel an der hintersten Kirchthüre schloß.
- 13ten – 13ten: Es trocknet wieder sehr stark, und wir hoffen Regen. Die Früchten stehn noch im nähmlichen Preiß. Hier werden 14 Pfund Brodt um 36 Stüber verkauft, in Zons aber zu 40. – Kaffebohnen das Pfund 26 Stüber. Es wird jetz mit 16 Pferdskarren am Damm gearbeithet.
- 24ten – Aller Regen, der seit dem Frühjahr gefallen ist, drang nicht über 2 Zoll in die Erde. Nun ist wieder der Wind so falsch aus Norden, daß alles vertrocknen muß. Das Malder Korn gillt noch 10 Reichstahler, der Weitzen aber 11 hier in Dormagen. Jenseit des Rheins wird das Malder Korn zu 14 Reichstahler verkauft. Es ist izt nicht mehr möglich, etwas hinüber zu schmuckeln, da izt Tag und Nacht zwey Commisen an der Piwitte sind, welche jeden hinüberkommenden Nachen visitiren.
- 25. – Diese Nacht hat es weis gereift, so daß viele Strauchbohnen, Erdäpfel und Buchweitz entweder ganz verdorben oder doch sehr viel gelitten haben.
- 27ten – Diese Nacht halb zwölf starb mein geliebter Vater an den Folgen der Entkräftung im 77ten Jahre seines Alters. Er war 56 Jahre Küster und Organist allhier: Herman Delhoven.
- Am 28ten – Zu der erledigten Küsterstelle hatte die gesammte Gemeinde mich ausersehen; theils, weil ich meinem Vater in seinem Alter beygestanden, theils auch, weil ich seit zwanzig Jahren die Küsterey wohl versehen hatte. Weil ich aber noch ungeheyrathet bin und das Zutrauen der ersten Kaufleuthe der Gegend habe, womit ich in solcher Verbindung stehe, daß ich auf verschiedene Art mein Brodt gewinnen kann, mein Bruder hingegen schon 7 Kinder hat, so entschloß ich mich aus Liebe zu ihm, meine Ansprüche auf den Dienst an ihn abzutreten. Wir giengen also heut
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- Junius
- durch die Pfarr von Haus zu Haus um die Stimmen um. Alle ohne Unterschied unterzeichneten, so daß keiner eine unwillige Miene machte.
- 29ten – Heut ward hier von verschiedenen mit dem Kornhauen angefangen.
- Julius, Sontag, den 4ten – Gestern Abend kame ein Commissair extraordinair von Kölln hier an, der den Auftrag hatte, alIe Effecten der Klöster und Kirchen zu versiegeln. Er ritte mit dem Mair Neesen und 3 Gensdarmen auf Knechstein. Der Friedensrichter gienge desfals auf Zons und der hiesige Secretair Adolf Verhagen ward für Hackenbroich und unsere Kirche beauftraget. Gemäß dem Aretté müssen alle Klostergeistliche in Zeit von zehn Tagen die Klöster räumen und weltgeistliche Kleidung anziehen. Was sie eigenthümlich auf ihren Zellen haben, das dörfen sie mitnehmen. Auch ward in den Pfarrkirchen nur das nöthige Meßgewand, so alle Tage gebraucht wird, nicht versiegelt. Alle Canonici und Geistliche, wes Ordens sie sind, müssen ihre von einer Fundation herrührende Wohnungen räumen. Sie, die Bischöfe, Nonnen und Bettelmönche sollen von der Nation ohne Unterschied salarisirt werden; das ist: Alle, so 60 Jahre alt sind, bekommen 600 Frank jährlich, alle anderen 500 Frank. In zehn Tagen Zeit nach der nun bald erfolgenden Publication müssen sie alle weltgeistliche Kleider anziehen und ihre Klöster verlassen. – Kornpreis 10 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber. Es ist noch anhaltend nordwindig kalt. Sogar hat es in der Nacht auf den 26ten dieses, Juni, noch gereift. Dabey ist es so trocken und dürr seit dem Frühjahr, als es wahrscheinlich bey Menschen Gedenken nicht gewesen ist. Der Weitzen ist alle nur zwey Fuß hoch geworden, doch hat er vom Frost nichts gelitten. Der Kappus ist so voller Milben, daß auch davon nicht viel zu hoffen ist.
- July
- 19ten – Erst gestern Abend fienge es kräftig zu regnen an, das den Erdäpfeln vorzüglich gut zu statten kömmt. Es ist nur weniges Korn eingefahren.
- 29ten – Vermischtes Regenwetter, doch sähet man das Korn in trockenen Stunden ein. Auch wird fleissig am Weitzen gemähet.
- 7ten August – Dieser Tage ware es grausam heiß. Die Milben, die den Kappus beynahe ganz verdorben haben, lassen darin nun nach und sind so stark in den Buchweitzen gefallen, daß derselbe nur ein Drittel von der zu erwartenden Saath beybringen wird. Das neue Korn wird dermahlen hier zu 8 Reichstahler verkauft.
- 8ten, Sontag – Heute nach dem Hohenamte geschah die Wahl eines neuen Küsters. Der Maier, Pastor und Vicarius saßen auf dem Kohr an einem Tisch, und die Nachbarn erklärten einer nach dem andern, so wie sie um den hohen Altar giengen, daß sie dem Thomas Delhoven ihre Stimme gäben. Keiner bliebe zurück oder erinnerte etwas, obschon Einige Einwendung machen wollten, daß 14 Pfund Brodt zu viel seye. Demnach erklärte der Maier, daß Thomas Delhoven einstimmig zum Küster erwählt seye, fragte dann diesen, ob er bereit wäre, den Eid zu schwören, worauf derselbe schwur, den Dienst nach altem Herkommen oder nach den vom Bischof neu zu erwartenden Statuten zu verrichten und die ihm anvertraute Güter so wie seine eigene zu bewahren. Dann gienge der Maier mit ihm an der hinteren Kirchenthür heraus, gab ihm den Kirchenschlüssel, worauf
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- August
- er die vordere Kirchenthür öfnete, demnächst die Sacristey, läutete dann mit einer Klocke, gienge ins Kohr, stimmte das "Te Deum" an und begleitete selbiges mit der Orgel, worauf dann der Maier, Friedensrichter, Pastor und Vicarius beym neu erwählten Küster speiseten.
- 12ten – Gleich nach 11 Uhr fuhre ein Gewitter aus Westen herauf. Es schien abwärts zu ziehn. Man hörte ein Rauschen in der Luft, desgleichen sich kein Mensch erinnert, und in einem Nun brach unter entsetzlichem Wind und Regen ein dichter Hagel aus. Die Steine waren von ausserordentlicher Dicke, alle Glaßfenster wurden zerschmettert. Der Buchweitzen, Haber und alles Gemüse sind total zusammengeschlagen. Der Strich ist grade so breit als das Dorf. Es gieng von hier über Monheim. Unter dem Dorf und auf dem Höhenberg ist alles verschont geblieben. Das Laub an den Erdäpfeln ist auch sehr zerhackt. Man hoft aber noch, daß es ihnen nicht viel schadet.
- 24ten – Anhaltend heisse Tage. Obschon bey dem neulichen Gewitter ein entsetzlicher Regen fiel, so ist doch das Erdreich durch diese äusserst heisse Tage so trocken geworden, daß wir sehr nach Regen hoffen. Das Malder Korn gillt hier 7 Reichstahler, in Monheim 11 Reichstahler 30 Stüber. Die Commisen sind in Betref der Frucht so strenge, daß selbst der Wirth auf der Piwitte seine Frucht nicht nach Monheim bringen kann.
- September
- 8ten – Das Wetter ist noch vortreflich. Seit einigen Tägen hatten wir Donner mit heilsamen Regen. – Die Regierung läst in den aufgehobenen Klöstern alles, was frist und gefressen kann werden, verpfachten und verkaufen. Einige Knechsteder haben das Kloster mit der Länderey um 2.100 Franc für 3 Jahre verpfachtet. Auch die Zonser gehn jetz in weltgeistlicher Tracht.
- 29ten – Bisher waren zwar die Nächte kalt mit Reif, doch ware es im Tage warm und trocken, so daß die gesähete Frucht nicht alle heraus kommen kann, bis es regnet. Wegen dem schönen Wetter haben sich die Bitzen vortreflich gerüstet, und die Saath ist beynahe vollends bestellt. Das Malder Korn und Weitzen wird hier zu 9 Reichstahler verkauft.
- October
- Dieser Monath ware hell, warm und trocken. Am Ende bekamen wir etwas Regen, und die Saath steht vortreflich. Der Rhein ist kleiner als jemalen. Man geht trockenes Fußes auf das Worringer Werth. Auch ist die Mauer dort im Rheine von Weitem sichtbar. Sie kann 40 Fuß lang und 24 Fuß in der Breite haben. Die Worringer brechen viele Steine dort aus. Es sind meistens Unkelsteine. Auch ist anno 1795 auf dem Werth zu Worringen ein Oberländisch Schif gelandet, welches zu der Zeit nicht konnte gelandet werden, wegen den jenseits stehenden Kayserlichen Schildwachen. Nun ist besagtes Schif so sehr mit Sand beschossen, daß man nur die oberste Bord herausbringen konnte.
- November
- Am 1ten – Heut wurde des Morgens und Nachmittags die gewöhnliche Prozession um die Kirche gehalten. – Unser Damm ist schon ein Monath fertig. Die Republik läst nun die Landstraße von Kölln bis Neus per Enteprise prächtig herstellen. Auch wird die hiesige Nettergaß dienstweis durch die Nachbahren vorsichtig gemacht.
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[Eingeklebter Totenzettel von Friedrich Steinberger:]
- Betet für die Seele des Wohlachtbaren Friedrich Steinberger in Dormagen
- Welcher nach einer, mit ausgezeichneter Geduld ausgestandenen Abnehmungs-Krankheit, vorab mit den Sakramenten der krist-katholischen Kirche versehen, den 26ten Frimär J. II, (17ten Dezember 1802) Nachts ein Viertel vor zwölf Uhr, verschieden ist.
- Er ward geboren 1736 den 8ten April, vereheligte sich 1761 den 29ten Junius, ward Wittwer den 17ten Julius 1800.
- Seine Seele ruhe im Frieden.
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[Rückseite des Totenzettels mit Abbildung und religiösem Text]
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- 1802
- November
- Am 20ten – Das Wetter ist noch immer angenehm und trocken. Nur ein paar Nächte hat es etwas gefroren. Der Rhein bleibt noch immer klein, so daß keine holländischen Waaren heraufkommen, als mit kleinen Schiffen. Der schwarze Brand wird rar, indem die Kohlnachen nicht aus der Ruhr gehen können. – Korn und Weitzen wird noch immer hier um 9 Reichstahler verkauft, das Malder Haaber 3 Reichstahler.
- 29ten – Es regnet zuweilen, doch ist es mitunter angenehm Wetter. Der Rhein bleibt noch immer sehr klein.
- December
- 11ten – Gestern wurden in Kölln 6 vom Specialgericht zum Todt verurtheilte Diebe durch die Guilottine hingerichtet. Ein Frauenzimmer wurde zuerst, nach ihm 3 Juden und dann Mommeskamp und Jungbluth hingerichtet. Der eine Jude, Nathan Hirz, wollte sich nicht bekehren, unerachtet ein Rabiner ihm herzlich zusprach. Er begehrte, seine junge Frau von 21 Jahren zu sprechen. Als die Henkersknechten ihn an das Brett schnallten, schrie er mit lauter Stimme: "O mein". Nichtsdestowenigeer schoben sie ihn auf das Brett. Und als er schon den Kopf durch die Guilottine hatte, schrie er nochmal sehr laut und sahe aufwärts. Da fiel das Messer.
- 19ten – Heut fienge es zuerst an, kalt zu werden. In einzelnen Nächten hat es zwar etwas gefroren, dann änderte sich's aber auch gleich wieder. Nunmehr aber scheint es weiter zu wollen.
- 20ten – Gemäß dem Gesetz müssen nun auch aus den hiesigen neu vereinigten Departementen Recruten ausgehoben werden. Das Roer-Departement stellt deren 150 für die Armee und 150 für die Reserve. Die Maierien Dormagen und Worringen stellen 2 Mann für die Armée und 2 für die Reserve. Die erste gehen gleich auf Maynz, die 2 lezten bleiben hier und müssen alle Sonntage im Exerciren hier zu Dormagen sich üben, wohin auch alle gezogene Conscribirten sich einfinden müssen, um von einem hier schon anwesenden Sergeanten das Exerciren zu lernen. Hier wurden die 4 Recruten für Geld gekauft: Mathias Schmitz, Deuster, einer von Delven und einer von Thienhoven gehen für die zwey hiesige Meyerien und bekommen jeder 134 Reichstahler. Weil die Ziehung hier zu Dormagen war, so kamen die Worringer Jungen mit Musick hieher.
- 24ten – Der Frost hällt noch an. – Der Sandhalfen Joan Dick, der vor einigen Jahren seiner ersten Frauen Schwester Kind geheyrathet, hat nun der lezteren Schwester heut zur Frau bekommen. Es muste deswegen eine Dispens vom Legaten Caprara und vom Bischof zu Aachen nachgesucht werden. Die ganze Geschichte mit Copulationsgebühren etz. beträgt an Unkosten beynahe 50 Reichstahler. – Korn und Weitzen hier 9 Reichstahler [...][2]
- 30ten – Der Frost hört wieder auf, und der Rhein fällt stark. – Das scheidende Jahre war eins mit der schlechtesten für den Ackersman. Der Rhein hat das untere Feld hart verdorben. Demnach kame der Frost und verheerte das blühende Korn, die Dürre die Sommerfrucht, der noch zulezt der Hagel so wie den Gemüsen den lezten Stoß gabe. Nur einzig der Weitzen war, häufig gesähet, sehr ergiebig und, so wie das Korn, im Preise zu 8 Reichstahler das Malder.
1803
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- 1803
- Januar
- 1ten – Es ist noch nicht Winter gewesen. Auch zeigt es sich noch nicht zum Werden. Die Früchtenpreisen erhalten sich noch wie jüngst. Das Korn und der Weitzen hier 9 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler das Malder.
- 10ten – Diese Nacht fienge es etwas zu frieren an, den 11ten stärker, und am 12ten ware schon ein Viertheil vom Rhein mit Eiß bedeckt. Am 12. und 13ten starker Frost.
- 30ten – Der Frost hällt immerfort an. Einige 14 Täge ware es zwar sehr leidlich, dafür waren die lezte fünf auch desto bitterer. Der Rhein sezt sich schon bis diesseits Grimlinghausen.
- Februar
- Am 1ten fiel etwas Schnee, am 2ten etwas Regen mit Thauwetter, am 3ten wenig Frost. Der Rhein steht bis an Uedesheim, von unten auf, von Stürzelberg bis Zons steht er wieder. Hieher ist ausser den Säumen kein Eiß im Rhein.
- Am 4ten fror es die Nacht wieder hart. – Am 5ten morgens 2 Uhr sezte sich der Rhein bis an das Werthhaus zu Monheim. Um 6 ½ Uhr schob er sich wieder und sezte sich um 9 Uhr an der Piwitte vest. Vom Plathalse bis auf Worringen zu ware nur wenig Eiß im Rhein, das sich allgemein an die stehende Eißdecke anschloß. Es ware diese Nacht stärker gefroren als noch diesen Winter.
- 6ten – Gestern am Abend schob sich der Rhein wieder bis unten Monheim, und heute kamen schon diesseits Baumberg ein paar Bergische herüber.
- 7ten – Heut Nachmittag gienge ich, von einem Knecht mit einem langen Hacken begleitet, zuerst über den Rhein an der Piwitte. Demnach folgten mehrere den nähmlichen Weg ein. Der Rhein hat sich mit schifbahrem Wasser gesetzt. Deswegen befürchtet man den Aufbruch. Unser frisch fertig gewordene Damm ist noch nicht stark genug und auch etwas zu niedrig.
- 9ten und 10ten ware es entsetzlich kalt. Die Commisen haben viel aufzupassen. Deswegen ist die ganze zweite Linie an den Rhein verlegt. Sontag zeigte sich ein Meerschif, am 14ten fienge es an zu thauen. Heut Nachmittag ward der Peter Reil, Leinweber von Rheinfeld, zwischen der Piwit und Rheinfeld todt gefunden. Als ich gestern Abend von Monheim zurückkame, saß er noch auf der Piwitt berauscht am Kartentisch und sang bis 10 Uhr lustige Lieder. Er liebte Zeit seines Lebens das Trinken und machte in der Gesellschaft den Hanswurst. Er gieng allein von der Piwitt, und da viel Schnee fiel, so hat er wahrscheinlich den Weg verlohren.
- 15ten – Es regnet fast anhaltend. Dennoch kamen heute viele Bergische herüber und hohlten hier Brodt, wovon in Dormagen das 14 Pfund zu 30 Stüber und jenseits 12 Pfund 36 Stüber verkauft werden. Die Commisen lassen die Bergische mit Brodt passiren, Frucht aber geht izt keine hinüber.
- 16ten – Es ist entsetzlich stürmisches Wetter, doch ware heut noch ein Monheimer über den Rhein gekommen. Peter Reil ward heute begraben. Wie der Zug in der Au war, da donnerte es unter gräßlichem Schaan und Hagel.
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[1803]
- Februar
- Am 18ten – Morgens mit Tagesanbruch ware der Rhein ungefehr zwey Fuß gewachsen. Zwischen 8 und 9 Uhr triebe schon das Eiß schnell fort. Der Aufbruch ward von keinem bemerkt, weil eben die Meß in der Kirche gelesen wurde. Dann stremmte sich das Eiß an der Piwitte, und das Wasser schwoll augenscheinlich. Am Abend war das Wasser bey 4 Schuh gefallen und nur wenig Eiß im Rhein. Um 10 Uhr in der Nacht hörte man zu Düsseldorf sieben Kanonenschüsse.
- Am 19ten, samstags, triebe von morgens bis in die Nacht der Rhein dicht mit Eiß. Das Wasser schwoll an, stand am Abend jenseits wieder dem Dam und von Zons herauf bis an das Herren-Bendchen. Zu Grimlinghausen steht der Rhein noch vest. Die Brücke über die Erft ist fortgerissen und die Neusser Weide mit Eiß bedeckt. Hier geht indessen das Eiß noch alle dem Strome nach.
- 21ten – Der Rhein geht noch anhaltend mit Eiß. In der Gegend von Ürdingen steht derselbe noch maurenvest. Das Wasser ist hier wieder alles im Stroom. – Am 24ten ware noch viel Eiß im Rhein. – Schön Wetter.
- 27ten, 1ter Sonntag in der Fasten – Heut wurde hier eine in Kölln gedruckte Fastenverordnung verkündigt, vermög welcher alle Mitwoch, Frey- und Samstäge in der Fasten, dann auch ausser dem Palmsontag die ganze Kahrwoche das Fleischessen verbothen ist. Auch sind alle Feyertäge, ausser den Sontägen, Kristmeß, Kristihimmelfarth, Mariä-Himmelfahrth und Alerheiligen abgesetzt. Drey Königen, Fronleichnam und der Kirchenpatronstag sind auf den Sontag, der darauf folgt, gestellt, und die Kirchweihe wird den Sontag nach Allerheiligen gehalten.
- Merz
- 1ten bis 4ten – Sehr stürmische Tage mit viel Regen, am 5ten Frost. Der Rhein war so hoch angeschwollen, daß er jenseits neben dem Damm über den Monheimer Weg und diesseits von Zons her in die Kühbenden lief. Die Früchten fangen an, etwas aufzuschlagen. Korn und Weitzen gillt hier das Malder 9 Reichstahler 15 Stüber, zu Monheim aber 13 Reichstahler 30 bis 40 Stüber.
- 11ten – Verflossene Nacht starb hiesiger Posthalter Jacob Sturm, der im Jahr 1796 die Frau seines Vettern Adolf Sturm heyrathete. Am 6ten dieses kame er abends von Kölln, legte sich schlafen und ward um 10 Uhr vom Schlage gerührt, der ihm die rechte Seythe lähmte und den gänzlichen Gebrauch der Sinnen versagte. Er schlief anhaltend, nur durch halbstündiges Schütteln konnte man ihn nur soviel munter machen, daß er Brechmittel einnahm, um ihn dadurch wach zu erhalten. Vorgestern ware er so weit, daß ihm die heiligen Sacramenten gereicht wurden. Drauf überfiel ihn wieder die Schlafsucht so sehr, die ihn beinahe bis ans Ende seines Lebens nicht verließ. – Er war der wohlgebildeste Mann im Dorf und besaß geschärften Verstand. Vor dem Kriege ware er mit Beystimmung des seehligen Scheffen Steinberger Dictator der Gemeinde und Gerichtsscheffen, und da bis jetz der Mayer Neesen bey ihm ißt, so geschahe auch da alles unter seiner Leitung. Seine Frau scheint untröstlich und liegt vor Schmerz darnieder. Sie hat von ihm vier Kinder und vom Adolf einen Sohn. – Der Frost hält mit Schnee an. Die Fourage ist nie so rar gewesen.
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- 1803
- Merz
- Sontags, am 13ten um 5 Uhr nach Mittag wurde die Leiche des Posthalters von 6 Nachbarn zu Grabe getragen. Vorauf giengen die Schuhl- und andere Kinder, dann die Kohrsänger und nach diesen die Geistlichen ohne Ornat (doch hatte der Pastor einen schwarzen Talar an), welcher über die Straße einen lateinischen Psalmen bethete. Die Leiche ward auf dem Kirchhof niedergesezt, dan gienge die begleitende Menge Trauerleuthe in die Kirch, wo die Todtenvesper gesungen wurde. Demnach wurde der Sarg auf dem Kirchhof begraben, weil der Friedensrichter es nicht zugeben wollte, dieselbe in die Kirche zu begraben. – Frost.
- 17ten – Heute erst fienge es an aufzuthauen. – Frühlingstage.
- 19ten, Josephi – Da von der Regierung alle Feyertäge ausser den benennten vieren abgesezt sind, so wollte der Pastor heute kein Hochamt halten, auch sogar nicht einmal für Geld, auf Begehren meines Bruders Jacob Delhoven. Da er aber vernahm, daß die benachbarte Pastoren alle den Gottesdienst wie vorher halten wollten, so verkündigte er gestern Abend in der Miserere, daß heute der Gottesdienst wie am Sontage gehalten werde. Deswegen konnte man den heutigen Feyertag unter die erste zählen,
daund niemand arbeitete.
- 25ten, Freytag – Diese 3 Tage wird das 40-stündige Gebeth gehalten.
- Aprill
- Am 2ten – Seit dem 13ten ist es anhaltend warm und trocken. Korn und Weitzen wird hier um 9 Reichstahler 30 Stüber verkauft. Die Fourage ist rarer als jemahlen.
- 17ten, Sontag in albis – Diese Woche war unser Pfarrer mit dem Maier Neesen in Aachen, um eine Petition einzugeben, daß zu Dormagen die Hauptkirche vom Canton etablirt werde. Sie brachten auch zugleich die Erlaubniß mit, daß wir durch das Dorf Procession und öfentlich zum Krancken-Gehn dürfen. Deswegen giengen wir heute mit dem Venerabel um die Kirche. – Es ist noch anhaltend trocken. Das Korn schießt mager auf, und der Weitzen sieht schlecht sich an. Der Sahmen wird so sehr von kleinen schwarzen Thierchen zerfressen, daß man in Betrachtung zieht, ob man selbigen auskrauten soll. Korn- und Weitzenpreis hier 8 Reichstahler 30 Stüber.
- 19ten – Endlich fällt etwas Regen, der doch vielem Korne oben im Feld zu späth kömt. Käfern und Raupen, die in Menge auf den Bäumen hausen, hofet man, werden durch den Regen in den Ruhestand versezt.
- 30ten – Diese Täge hat es stark geregnet, so daß man wieder gutes Wetter hoft. Korn wird schon von Stommeln das Malder hieher geliefert zu 7 Reichstahler 3 Schilling.
- Mey
- Am 1ten, Gottestracht – Das Wetter ware nicht sehr angenehm. Schon früh drohte es zu regnen, und es war kalt. Zwischen dem hohen Amt machten 5 Musikanten mit der Orgel Musick, demnächst gienge die Prozession aus. 5 Soldaten begleiteten das Venerabel, und 5 Commisen giengen mit ihren Gewehren vor dem Kohr. Diese machten Feuer an jeder Station.
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- Mey
- Auch ward beym Ein- und Ausgehen und zwischen dem hohen Amt aus schweren Böllern geschossen, die wir von der Burg zu Hakenbroich hatten kommen lassen. Weil wir nicht ausser unserer Gemeinheitsbahn mit der Procession gehen dürfen, so giengen wir von Horm dem Dielrather Wege nach bis gegen die alte Mühle, von da über eine Brach durch die Benden, dem Zehendwege nach bis auf den Zonser Damm und dann über Rheinfeld nach Hauß.
- Am 2ten ward der Hagelfeyer mit Umtragung des Hochwürdigsten gehalten. Am Sasser Hof ward mehr dann 30mal vom Halfen geschossen. Von da gienge der Zug auf Horm. An Statt bey der Linde diesseit des Dorfes war die Station an dem Theisen-Kreutz gehalten, weil wir dem Dielrather Wege nach unten auf das Dorf zugiengen. Da nunmehr der Mühlenpfad zu der alten Mühle ganz vergänglich ist, so nahmen wir jenen Weg, um die Früchten nicht zu verderben. Die beyden Nächte ward unten an Küppers getanzt.
- Am 8ten – Die drey verflossene Tage war es schön Wetter. Heute aber Regnen. Die Früchten fangen an, hier wieder etwas aufzuschlagen, Korn und Weitzen das Malder 8 Reichstahler 30 Stüber.
- 20ten – Der Mey ist noch immer kühl und naß. Die Saath im Felde sieht sich so vortreflich an, als noch nicht an langen Jahren. Weitzenpreis 8 ½. Vom Bischof ist der Befehl gekommen, daß man an allen Freytägen kein Fleisch essen darf. Heut war der erste. Kornpreiß 8 ½. – Der Krieg mit England ist von Neuem beschlossen. Die Engländer können es nicht leiden, daß Bonnaparte in Europa über die andere Potentaten so Herrscher ist. Deswegen wollen sie jetz Krieg, obschon Bonnapart sich alle Mühe gab, Frieden zu haben. Nun ziehen die Franzosen auf Hanover durch das Holländische, weswegen wir dieser Tage ein paar Durchmärsche hatten. – Anhaltend kühl und naß. Indessen sehn die Winterfrüchten sich so treflich an, als sie's bey Menschengedenken noch nie thaten. Auf schlechten Gründen stehn gesegnete Korn- und Weitzenäcker.
- Junius
- 6ten – Diesen Morgen arretirte ein hiesiger Gendarm einen jungen Menschen ohne Paß. Er ward dem Friedensrichter vorgeführt und erklärte, daß er ein Schweitzer von Geburt und Faßbinder von Profession, daß er in einem Wahnsinn seine Heymath verlassen, in holländische Dienste getreten, krank geworden, desertirt seye und, glücklich durch die französische Armee in Holland durchgegangen, hier endlich arrettirt worden. Er bath, der Richter möchte ihn doch loslassen, weil er todtgeschossen würde, wenn er wieder in Holland käme. Jener versprach ihm ein Empfehlungsschreiben an den General in Kölln mitzugeben, der ihm einen Paß ertheilen würde, womit er ungehindert nach seiner Heymath zurückkehren könne. Er bezeigte, einen Anfall von Melankolie zu haben. Man führte ihn ins Arresthaus zurück. Der Concierg Gerhard Rauschen fragte ihn nach Mittag, ob ihm das Essen nicht geschmeckt. Er klagte, daß er krank wäre. Nach einer Stunde besuchte er ihn wieder. Da hatte er sich an sein Halstuch an den Thürn der Thüre aufgehenkt. Er saß beynah auf den Knien, weil der Thürn nur 3 ½ Fuß von der Erde war. Man begrub ihn diesen Abend heimlich in die oberste Ecke des Kirchhofs. Er war 19 Jahre alt.
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- Junius
- Am 9ten – Da von der Regierung der heutige Fronleichnamstag auf den folgenden Sontag versezt ist, so ward heute um 6 Uhr die Frühmeß und um 9 Uhr ein hohes Amt gehalten, welches mein Bruder Jacob bezahlte. Keiner arbeitete anheut. Um halb 7 ward eine Abendsandacht gehalten. – Korn und Weitzen 9 Reichstahler pro Malder hier.
- 18ten – Das Regenwetter hällt noch immer mit Wärme an, welches man für das frisch ausgeblühte Korn nicht zuträglich hällt. Die Franzosen haben Hanover besezt, doch ziehn zuweilen Truppen hiedurch, ohne hier zu logiren.
- 30ten – Am Johannistag, den 24ten dieses, klärte sich das Wetter auf. Seitdem haben wir heisse Tage.
- Julius
- 3ten, Sontag – Da das Petri- und Paulifest den Sontag, der darauf folgt, gehalten wird, so ward selbiges heute gefeyert. Und weil es seit dem Fronleichnamstag nicht schicklich wegen der Nivenheimer Andacht war, die wegen dem Regenwetter zurückgestellte Procession zu halten, so hielten wir selbige heut. Vom Prefecten ist zwar verbothen, Processionen ausser dem Dorf zu halten. Da unser Pastor als Pfarrer der Hauptkirche dieses Cantons vor einigen Tagen zu Aachen den Eyd schwören muste, so befragte er sich beym Bischof, welcher ihm rieth, mit den Processionen so viel wie möglich die Hauptlandstraße zu meiden. Deswegen giengen wir heute am Lämchen hinaus, dem Dorfe vorbey, hielten an der Nettergaß die Hormer Station, am Welverhof die zweyte, giengen dann dem Welfer Kirchweg hinauf, bis wo der Weg auf das Boden-Kreutz geht. An diesem Kreutz hielten wir Station.
- 17ten – Heiß mit Donner und Regen. Man hat ein wenig angefangen, Korn zu hauen; morgen aber wird allgemein damit fortgefahren. Sommer- und Winterfrüchten stehn so schön, als man sie noch nie sah. Auch die Gemüse sehn sich vortreflich an. – Korn und Weitzen 8 Reichstahler.
- August
- Sontag, den 7ten – Heut wurde hier die Cantonal-Versammlung gehalten, wo die Meirie Worringen und Dormagen ihre Stimmen abgeben musten, als 2 Candidaten für den Friedensrichter. Hiezu wurden die Bürger Meyer, bisheriger Friedensrichter, und Schmitz, Witgeshalfen von Nivenheim, hier einstimmig gewählt. Die Maierie Zons stimmte mit Nivenheim und Straberg zu Zons. Einige 50 stimmten auf den Aldenhoven. Der Notaire Steinberger ist General-President des Cantons. Es waren hier viele Fremde von Langel, Merkenich und der Gegend.
- 13ten – Wir verlangten sehnlich auf Regen. Da zohe heut ein Gewitter vorüber, welches sehr ersprieslich den Gemüsen und dem Buchweitzen war.
- 14ten – Da die Mairen der Dörfer Rommerskirchen, Nettesheim, Gohr etz. es abgelehnt hatten, bey den Sextionsversammlungen zu presidieren, so kamen heute auch bey 700 Bürger aus jener Gegend hieher, um auf ihre Stimmen abzugeben. Die Frühmes wurde wie heut 8 Täg um 5 Uhr, das Hoheamt um 8 Uhr und keine Nachmittagsandacht gehalten, weil die Versammlung in der Kirche statt hatte. – Die Kornpreise sind verschieden, zwischen 5 ad 6 Reichstahler das Malder, Weitzen beynahe 7 Reichstahler hier.
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- August
- Am 18ten – Gestern Nachmittag verkündigten das Beyern auf dem Kirchenthurm und des Abends das Geläute der Klocken, das Losbrennen der Böller die heutige Installation unseres Pfarrers Lambert Josef Dahmen als Cantons-Pastor. Diesen Morgen 4 Uhr wurden wieder bey dem Klockengeläute und um 9 bey der Ankunft des Dechanten aus dem Dom zu Aachen die Böller gelöset. Demnach hohlten die eingeladene Pastores aus der Conferenz den Dechant an der Pastorat ab, deren Eingang mit Blumenkränzen gezieret war. Die Kohrsänger sangen abwechselnd "Veni Creator" etz. Kreutz und Fahnen wurden vorgetragen. Nun begann ein feyerliches Hochamt, wobey der Pastor von Hakenbroich nebst Diacon und Subdiacon mit der Kohrkappe Ceremoniarius war. Beym Hochamt und zum Gesundheit-Trinken an der Taffel wurden die Böller gelöset, und abends acht Uhr ward die Pastorat illuminiret. Bis in die oberen Fenster brannten Lichter, colorirte Glaßkugeln strahlten in hier nie gesehener Pracht. Der Abend war heiß und windstill. Bis Mitternacht wanderten die Einwohner auf der hellen Straße. In Monheim und Hakenbroich konnte man die Illumination an der Luft sehen. – Thomas Delhoven, Expresident, ist zum Maire für die hiesige Maierie ernannt.
- September
- 8ten – Es ist eine zeither immer heiß und trocken gewesen, so daß alles anfängt zu verdorren. – Man kann die Früchtenpreise nicht bestimmen. Es ist gar keine Nachfrage. In Kölln wird das Malder Korn zu 2 Kronthaler verkauft.
- 14ten – Diese Nacht ware es weis gereift und gefroren. Erdäpfellaub und Bohnen sind verdorben.
- November
- 3ten – Einige Täge fror es so stark, daß die Erdäpfel denjenigen verdorben sind, welche selbige noch nicht ausgemacht haben. Auch werden bey diesem sehr kleinen Wasser oben neben der Landstraße drey Krippen gelegt. – Kornpreis 4 Reichstahler 20 Stüber.
- 15ten – Ein vor einiger Zeit hier angekommener Gensdarm logirt bey dem hiesigen Düppenbecker Anton Loeven. Der Gensdarm ist noch unverheirathet und amusirte sich mit der jungen Frau des Loeven. Dieser merkte das und ließ sich gestern Abend früh Essen geben, um nachher im Wirthshause zu gehen. Er ließ eine hintere Fenster offen und schloß die Thüre ab, riefe drey Nachbar-Männer und stieg mit ihnen zu dem Fenster hinein, wo er schon den Gensdarm mit seiner Frau in einer höchst verbothenen Lage fand. Sie drangen in die Stube und prügelten Gensdarm und Frau tüchtig. Heut ist die Geschichte rund umher kund. Der Gensdarm hat sich ein anderes Logis gesucht.
- Bis 20ten – Stürmisch mit Regen. Der Rhein fängt an zu wachsen, der einige Zeit so klein war, daß die meiste Brunnen im Dorf kein Wasser hatten. Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber. Das Pfund Caffé in Düsseldorf 44 Stüber, in Kölln 52 Stüber.
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- 1803
- December
- 22ten – Das Wetter hält noch immer mit Regen und Wind und zuweilen mit einem nächtlichen Frost und etwas Schnee an, doch so, daß wir bis jetz nur Herbstwetter hatten. – Da jetz in Kölln und auf dem Lande die Klostergebäude, Kirchen, Orgeln, Altäre und sonstige Effecten verkauft werden, so supplicirte der hiesige Maier, daß wir für 600 Franc die Orgel aus Sanct Margrethen und aus St. Laurenz binnen Kölln einen Altar, Communion-Bank und Kantzel bekommen haben. Diese Gegenstände haben die hiesige Meistbeerbte mit Karren und Wagen unentgeldlich hierher gefahren. Nun wird projectirt, eine neue Kirche zu bauen oder die alte zu vergrößern. – Das Franziskanerkloster in Zons hat hiesige Notair Steinberger für die Summe von 5.000 Frank und die 3 Altäre für 60 Frank gekauft. Das ehmalige Antonius-Bild und die Muttergottes mit den übrigen Bildern wurden auch verkauft. Bevor sie ausgestellt wurden, vereinigten wir Dormager uns mit den Zonser, daß wir das Antonius-Bild nach Dormagen und die Zonser die übrige Bilder haben sollten. Nun werden wir sorgen, daß eine Dienstags-Messe hier fundirt wird, und daß wir den Ablaß hieher bekommen, der sonst so viele zum Wahlfarten an Dienstägen nach Zons bewog. – Die Früchtenpreise stehn hier das Malder Korn 4 Reichstahler 30 Stüber, in Monheim 6 Reichstahler 30 Stüber. Unerachtet die Commisen zum Theil alle hier sehr scharf bey Tag und Nacht wachen, so gehn doch von Zeit zu Zeit schwere Transporte bey Nacht über den Rhein.
- Am 31ten – Die abgesezte Feyertage, als Conceptionis- und Stephanus-Tag, werden allgemein gefeyert. Am ersten Tage wurde des Nachmittags um 3 Uhr Complet gehalten und am Stephanus-Tag die halbjährige Versammlung von der Jesus-Maria-Josef-Bruderschaft. – So neigt sich das Jahr seinem Ende, ohne daß die gedrohte Landung der Franzosen in England ausgeführt wurde. Alle Anstalten werden mit gröster Thätigkeit betrieben. Auch scheint ein matter Friedensstrahl die Kriegsvorkehrungen zu vereiteln. – Die Arbeiten am Rhein hören seit einem Monath auf, weil seit dieser Zeit immer das Wasser zu hoch war. Auch heute fängt der Rhein an, die Ufer zu übersteigen und sich von Zons herauf in die Kühebenden zu ergiessen.
1804
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- 1804
- Januar
- Am 4ten – Der Rhein schwillt so hoch an, daß man nicht mehr mit Stiefel über die Landstraße gehen kann. Indessen stellt sich Frost ein. Die Früchten werden nicht gesucht. Hier verkauft man das Malder Korn zu 4 Reichstahler 15 Stüber und den Weitzen zu 6 Reichstahler 15 Stüber.
- 10ten – Da wir das Antonius-Bild von Zons gekauft haben, so erhielten wir auch vom päbstlichen Legaten die Abläße für die Hauptkirche zu Dormagen, welche sonst den Patres Franciscanern in Zons verliehen waren. Der Pastor ließ Zetteln drucken und solche durch den ganzen Canton verkündigen. Gestern wurde zur Mittagszeit mit allen Klocken geläutet und den Nachmittag gebeyert. Am Abend wurde von drey Geistlichen Beicht gehöret, wo sich eine Menge Einwohner einstellten. Diesen Morgen wurde Beicht gesessen. Der Communicanten waren bey 400. Weil es aber sehr kalt war, so wurde die Kirche nur von wenig Auswendigen besucht. Der Pastor von Worringen hielt zwischen dem Leviten-Hochamt eine passende Rede, wobey verschiedenmahl die Böller gelöset wurden. Auch wurde vor dem Hohenamt das Hochwürdige um die Kirche getragen. Nachmittags ware Vesper mit "Te Deum". Dieser Tag wurde von allen Einwohnern so gefeyert, als wenn es Ostertag oder eins der höchsten Festen wäre.
- 13ten – Seit 4ten fror es stark. Heut stellte sich Thauwetter ein.
- Februar
- Am 2ten – Seit 14 Tagen hat es nicht gefroren, noch gereift. Alles fängt an zu Grünen. Einen so gelinden Winter haben wir seit lange nicht erlebt. Korn gillt hier 4 Reichstahler und der Weitzen 6 Reichstahler. Jenseits ist es um 2 Reichstahler 30 Stüber theurer. Es geht nicht viel Frucht über den Rhein.
- 12ten – Bisher hatten wir immer angenehmes Wetter, nur erst heute stellte sich Frost ein. – Die Antonius-Andacht an allen Dienstägen des Jahres wird fleissig von Auswendigen besucht. Auch viele Einwohner beichten, und es ist allzeit ein dritter Geistlicher hier, entweder der Deservent Streiter von Straberg oder der Excapuciner Trimborn von
NivenheimWorringen. Meine Schwester Anna Margaretha Delhoven hat ein Capital von 800 bis 1.000 Reichstahler vermacht, wofür an Dienstägen Frühmeß, Hochamt und Complet gehalten werden soll. – Am 17ten ware schon viel Eiß im Rhein.
- 26ten – Abwechselnd mit Sturmwind, Schnee und Frost.
- Merz
- 10ten – Bisher hielte der Frost an. In diesen Tägen ware viel Schnee gefallen, der doch beym hellen Sonnenschein sich alle verlohren hat. Der Rhein ist sehr klein.
- 17ten – 17ten angenehme Frühlingstage. Erst gestern und heute hat man in den Gärten angefangen zu graben. Kornpreis hier 4 Reichstahler 30 Stüber, Malder Weitzen 6 Reichstahler.
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- 1804
- Merz
- Am 30ten, Karfreytag – Die vorige Woche ware der Maier Thomas Delhoven mit dem Pastor und Notair Steinberger von Haus zu Haus durch die Pfarre umgegangen, wo ein jeder sich unterschrieb, wie viel er zum Bau einer neuen oder halb neuen Kirche beytrage wollte. Ich werde zur Zeit die Liste davon nachtragen. Nun waren gestern die Nachbarn wieder in der Kirche versammelt, um ihre Meinung zu sagen, was sie an dem Plane auszusetzen hätten. Pannes glaubte, man sollte auf Kosten der Gemeinde erst einen Ziegelofen bauen, die meisten aber stimmen für eine ganz neue Kirche. – Diese Woche wurden die gewöhnliche Römerfahrten mit der grösten Feyerlichkeit und sehr zahlreich gehalten. Das Wetter ist angenehm.
- Aprill
- Am 20ten – Nordwindig-kalt, Hagel und noch Merzerschauren. Da noch immer sehr wenig Früchten über den Rhein gehen, so steht hier der Kornpreis auf 4 Reichstahler 15 bis 30 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler.
- 22., Jubilate – Wegen dem anhaltenden Regen konnte die Prozession heute nicht ausgeführt werden, obschon wir 5 Musikanten von Düsseldorf mit Paucken hier hatten, welche ein musikalisches Hochamt hielten.
- 23., Hagelfeyer – Der Wind wehete stark, so daß wir mit der Prozession nicht vor das Dorf gehen konnten. Deswegen zohen wir nach dem Hohenammt das Dorf hinauf, hielten am Schwanen die erste Station, giengen dann das Dorf hinunter, hielten unten vor dem Dorf die zwote und an meinem Haus die dritte Station, die vierte in der Kirch. Die beyden Nächte ward im Posthaus getanzt. – Bis Ende Aprill kalt.
- Mey
- 1ten bis 6ten – Sehr heisse Tage. Früchten und Klee sind in diesen Tagen sehr gewachsen. Heut musten alle Succursal-Pfarrer dieses Cantons hier in der Kirche dem Maier von Dormagen den Eyd der Treue schwören. Schon morgens 3 Uhr ward gebeyert, um 10 Uhr kamen die Municipalräthe, Gensdarmen und Secretair mit dem Adjuncten, Maier und Friedensrichter vom Hause des Maiers zur Kirche. Maier und Adjunct waren im Costüm gekleidet. Wie der Zug an den Kirchhof kam, da wurden die Böller gelöset, und die 14 Pastores schlossen sich dem Zuge an. Vor dem hohen Amt gieng die Procession um die Kirche, alle Geistliche in Röckleinen, die Beamten und Räthe trugen Fackeln. Zwischen der Meß, nach dem Credo ward vor den hohen Altar ein Tisch mit 2 Kerzen, Crucifix und Evangelien-Buch gesezt. Der Maier hielt eine Rede an die Pastores, nach diesem unser Cantonal-Pastor eine lateinische. Demnach überreichten die Pastores dem Maier den Eyd, auf Stempelpapier geschrieben. Zwischen dem Amt und "Te Deum" ward verschiedenemahle mit den Böllern geschossen und bey Steinberger von allen Pastoren und Beamten zu Mittag gegessen.
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- Junius
- Am 8ten, Sontag – Heut wurde das Antoniusfest mit vollkommenem Ablaß gefeyert. Es waren viele Fremde hier. Der Pastor von Worringen hielt eine passende Rede. Nach dem Hochamt giengen wir Procession: oben am Lämbchen hinaus, um die Gärten an der Hellbüchelsgasse hinein. Beym Wilhelm Fitgen ware die erste Station, die zweyte war beym Maier Thomas Delhoven, die dritte hier an meinem Hause, die vierte beym Nicolaus Eller, wo die Procession um die Leufe wieder zur Kirche gieng. Abwechselnd wurden die Böller gelöset.
- 27ten – Seit dem 23ten Aprill hatten wir anhaltend trockenes Wetter, zuweilen sehr heisse Tage, so daß schon alle Gartengemüse leiden. Auch wird seit einigen Tagen an den Krippen im Rhein oben an der Landstraße gearbeitet. – Vorgestern hohlte der Pastor und Maier die Kirchenparamenten in Kölln ab, die der Bischof aus den aufgehobenen Klöstern und Kirchen unter die Pfarreyen vertheilet. Wir bekamen eine vollständige mit Gold und Silber besezte schwarz-sammetene Kapelle sammt Vorhang, ein weisse Kapelle mit Gold besezt, eine grüne Kohrkappe, zwey Missalen und 2 Antiphonalen, Weyrauchfaß, Weihkessel und Pollen, sammt zwey Gestühlen vors Kohr. – Auch ist Bonapart zum Kayser der Franzosen erwählt. Deswegen musten vorige Woche alle Commisen, Receveurs, Munizipalräthe, Adjuncten, Wohlthätigkeitsbeamten und Forstbeamten des Cantons hier den Eyd der Treue schwören. Die erste wohlthätige Verordnung des neuen Kaysers ist die Erlaubniß, daß die Früchten ins Ausland geführt werden dürfen. Vom Köllnischen Malder Korn wird ungefähr 20 Stüber und vom Malder Weitzen 40 Stüber zahlt, doch darf die Frucht nur durch die Häfen von Maynz, Coblenz und Kölln ausgeführt werden.
- Julius
- 10ten – Seit einiger Zeit hatten wir entsetzlich heisse Tage. Heut am Abend erhielten wir einen Platzregen, desgleichen an langen Jahren auf einmahl nicht soviel gefallen ist. – Kornpreiß 2 Brabäntische Kronthaler, Weitzen 3 Brabäntische Kronthaler.
- 22ten – Der Julius ware vorzüglich heiß. Vorgestern und gestern zohn heftige Gewitter aus Norden herauf. Gestern am Abend regnete es stark. Der Rhein, der ohnedem ziemlich hoch war, schwoll die Nacht 3 Fuß an. Diesen Morgen ware die Oberfläche des Rheins mit Bäumen, Bauholz, Fenstern, Kesseln und allmöglichem Hausgeräth bedeckt. Das Wasser ware im Rheine so stark gemühlt, daß die Fische wie toll umhersprangen. Nach dem Mittag bis an den Abend ware der Rhein 3 Fuß gefallen. Und am 23ten morgens ware solcher wieder 5 Fuß gewachsen. Alle Einwohner wurden aufgebothen theils oben am Leinufer, theils unten an Zons, Dämme zu machen. – Korn ist noch wenig eingefahren und nur die Halbschied gemähet.
- 24ten – Der Regen hällt an. Da alle Gemeinschaft durch einen Wolkenbruch abgeschnitten ist, so kann man noch nicht wissen, wo eigentlich der Schade geschehen ist; nur hört man, daß es an der Aar gewesen ist.
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- 1804
- August
- Am 1ten, donnerstags wurde das Portiuncula-Fest hier mit vollkommenem Ablaß gefeyert, den der hiesige Pastor für heute sowohl als für das Franziskusfest hat erhalten. Beyern, Klockengeläute mit Böllern-Schiessen wechselten ab, unerachtet wegen dem Regenwetter noch sehr wenig Korn eingefahren und heute Morgen schön Wetter war, so feyerten doch die meisten Einwohner. 5 Geistliche saßen in der Kirche und auf dem Kirchhofe Beicht. Der Poenitenten waren über 500. Auch waren viele Fremden aus dem Grießberg und der Worringer Pfarre hier. Die Pastores von Nivenheim, Gohr, Sinnersdorf und Monheim, in allem 9 Geistliche, waren gegenwärtig. Bey End der Meß regnete es so stark, daß wir die Procession um die Kirche nicht halten konnten. Abends 7 Uhr war Complet, der alle Geistliche noch beywohnten.
- Am 5ten – Alle Tage regnet es mit Donner, so daß man das Korn nicht anhaltend hereinbringen kann.
- September
- Bis Ends August hielt das Regenwetter an, so daß wenig Korn und Weitzen trocken eingebracht wurde. Vor einigen Tagen ist die Ausfuhr der Früchten wieder aufgehoben worden. Man konnte annehmen, daß alle Tage tausend Malder zu Kölln über den Rhein giengen.
- 9ten – Der Kayser Napoleon ist zu Aachen. Er wird über Neus auf Crefeld und von da an den Eugenianischen Kanal bey Rheinberg und dann über Dormagen nach Kölln gehn. Deswegen fuhr ich diese Nacht auf Kölln, um Tapetenpapier zu kaufen, für zwey Triumpfbögen zu verziehren. Und wurde vom Mayer befohlen, daß alle Pföste von der Straße gemacht und die Straßen gekehrt, besprengt und bey der Ankunft des Kaysers mit Blumen bestreuet werden.
- 13ten, Donnerstag – Morgens 6 Uhr kame der Kurier, welcher die Nachricht brachte, daß der Kayser um den Mittag eintreffen würde. Es folgten viele Abtheilungen der Garde und Gensdarmen, Generäle in Wägen mit 6 Pferden. Die 2 Triumpfbögen waren gestern errichtet, auch von den Hakenbroichern viele Karren mit grünen Meyen aus dem Knechsteder Busch dienstweise hieher gebracht, welche sogleich vertheilt und an alle Häuser aufgesteckt wurden, wodurch die Straße eine Allee bildete. Oben gegen der Kirche stand ein 36 Fuß hoher Triumpfbogen, der andere stand unten, auf diesseit des Hellbüchels. Zahllose Schaaren von Auswendigen und aus dem Bergischen strömmten herbey. Couriere folgten schnell aufeinander. Und da noch wenige Postpferde angekommen waren, so ließ der hiesige Meier aus dem Canton 150 Pferde hieher beorderen, welche auch gleich ankamen. Um 4 Uhr kame eine Bande Musikanten von Düsseldorf, welche vor dem Posthaus auf einem erhabenen Gestell jedesmahl bey Ankunft eines Generals sowohl als des Prefecten ein Stück machten. Von dem Herzog von Bayern, welcher zu Benrath residirt, hatten wir 5 kleine Kanonen und 3 Mörser gelehnt, welche unten vor dem Dorf aufgestellt waren.
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- 1804
- September
- Die Tochter des Maier, Anna Margaretha Delhoven, die Tochter des Welfer Halfen, Maria Sibilla Coenen, die Christina Pannes und Anna Margaretha Eller waren weis gekleidet und überreichten dem um 6 Uhr ankommenden Kayser einen Blumenstraus, präsentirten den Ehrenwein und übergaben eine Bittschrift, welche vom Maier, Pastor und den Kirchenmeistern unterschrieben war und worin um eine Beysteuer zur Erbauung einer neuen Kirche angestanden wurde. Der Kayser durchlaß die Petition bis zu Ende, neigte sich dann lächelnd gegen die Kinder, während ein unzähliges „Vivat der Kayser“ erschallte. Maier, Adjunct, Munizipalräthe in Begleitung der Vornehmsten des Orts ritten dem Kayser bis auf die Gränze der Maierie entgegen und begleiteten Seine Kayserliche Majestät bis auf Worringen hin. Als der Kayser am Rhein die Krippen-Arbeit sahen, stieg er aus dem Wagen, schickte einen Mameluk, der den Maier von Dormagen, der schon vorauf war, zurück rief, mit dem der Kayser sich lange unterhielt. Er fragte, wo das Holz hergenohmen würde, ob die Enteprenneurs ihre Schuldigkeit thäten, ob die Arbeit gut wäre und lange dauren könnte, welche Arten von Frucht hier gezogen würden etz. – Auch stand beym Vorbeifahren der Pfarrer mit 2 Vicarien am Eingange des Kirchhofes und reichten unter dem Geläute der Klocken und Lösung der Böller dem Kayser das Weihwasser. – Des Abends und die folgende Nacht ware Ball im Posthause. Das Wetter ware heiß und sehr schön.
- 30ten – Gestern, als am Samstage, ward morgens Hochamt und nachmittags Vesper gehalten. Heute, Sontag, aber eigentlich das Michaelsfest gefeyert. Das Wetter ware sehr schön. 800 beichteten, und eine solche Anzahl Fremden ware nie hier versammelt. Die Prozession zohe erst nach dem hohen Amte aus, und erst um 2 Uhr zohe selbe herein. Der berühmte Prediger Asterius, Excapuciner, jetz Succursal-Pfarrer in Sinnersdorf, hielt eine sehr rührende Rede. Kornpreis 2 Kronthaler.
- October
- Am 8ten – Bisher hatten wir trefliches Wetter. Nun, da es bald Kirmes wird, fängt es an zu regnen.
- Am 24ten – Die ganze Kirmes hindurch war es unangenehm Wetter. Die Jungen im Dorf hatten eine Herrschaft zu Pferd eingerichtet, welche durch Kampf-Streiche die Zuschauer erlustigten. Im Posthauß und im Schwanen ware Musick. Montags und dienstags ward von 22 Musikanten das Hoheamt gespielt, worunter die vorzüglichste Liebhaber von Kölln und Düsseldorf waren. Seit einigen Tagen ist die Ausfuhr des Korns und der Sommerfrucht ins Ausland erlaubt.
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- 1804
- November
- 25ten – Bisher hatten wir abwechselnd Frost mit Sturm und Regen, so daß der Rhein auszutreten drohte, doch jedesmahl durch ein sich einstellendes Fröstchen sich wieder in sein Ufer zurückzog. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber hiesige Maaß, nach Worringen zu liefern.
- December
- 1ten – Auf die am 13ten September dem Kayser übergebene Supplik zur Beysteuer unserer Kirche erhielt der hiesige Maier von Staats-Secretair Hugo Maret aus Maynz einen Brief, worin ihm angezeigt wird, daß die übergebene Supplik an den Minister Portalis abgeschickt seye. Dieser foderte durch den Unterprefecten einen Rapport, worauf der Unterprefeckt dem Maier hieselbst ersuchte, ihm eine Abschrift des Nachlasses einzuschicken, den unser ehmaliger Souverein uns anno 1784 in Betref des verursachten Wasserschadens verlieh. Weil wir in der Supplic sagten, daß wir durch die erlittene Kriegslasten erschöpft, außerstand wäre, unsere Kirche selbst zu bauen, welche jetz um eine Halbscheid zu klein seye, da unsere Gemeinde so sehr an Seelenzahl zugenommen. Uns wäre auch von unserem ehemaligen Souverein im Jahr 1784 ein Nachlaß von 25 Jahren verliehen worden, der ungefähr jährlich 2.000 Reichstahler betrüge, davon wir aber seit 1794 nichts genossen hätten. – Wir haben also jetz gegründete Hofnung, daß wir eine Beysteuer erhalten werden. – Der Frost und Schnee halten seit dem 25ten November an.
- 2ten, Sontag – Heut wird zu Paris der Kayser Napoleon vom Pabste selbst gekrönet. Zu dieser Feyerlichkeit sind aus allen Departementen Deputirte dahin berufen. Es werden dort Feste gehalten, wie solche noch nie gehalten wurden. Auch hier wurde "Te Deum" gesungen. Die öfentlichen Beamte, Gensdarmen und Commisen hohlten den Maier unter Abfeurung der Böller zur Kirche ab. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber. Seit einigen Tagen friert es mit etwas Schnee.
- 23ten – Der Frost hällt an. Gestern Abend halb 9 verkündigte das kleine Klockenschlagen, daß es zu Zons brenne. Die Brandspritzen wurden herausgeführt, und als die Leuthe unter die Gärten kamen, sahe man nur das Lämpchen vor dem Muttergottesbild am Schloß und links etwas Lichtschimmern. Ich gienge doch mit Johan Steinberger dahin, wo nur die Scheuer und Stallung des Küsters an der Kirche niedergebrannt war. Die Brandspritzen und die meisten Einwohner aber kehrten um, ehe sie dahin kamen. – Der Rhein geht dicht mit Eis. Kornpreis 6 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler. In Kölln, Neus und Clev geht noch täglich Korn und Gersten ins Bergische gegen Abgabe von 20 Stüber pro Malder. Weitz darf nicht hinaus gehn.
1805
[353]
- 1805
- Januar
- Am 2ten – Abends 6 Uhr brach in der Scheure des Heinrich Cremer Feuer aus. Der Wind ware nicht stark aus Osten. Gleich wurde auf die Klocke geschlagen, die Brandspritze hier oben aus dem Dorf wurde im Hof des Adolf Schmitz gestellt, wodurch dessen Haus und die Scheuer des Henrich Bochem gerettet wurden. Die unterste Brandspritze wurde in den Hof des Maier Delhoven gesezt. Da aber die kupferne Pfeife sehr lange blieb, so musten wir die Scheuer meines Bruders, des Maier, den Flammen Preis geben, wodurch die Scheuer des Herman Hambloch, dessen Ställe und die Ställe meines Bruders, das Haus des Henrich Cremer und die Scheuer des Adolf Schmitz ein Raub der Flammen wurden. Zwey Brandspritzen von Worringen und eine von Zons verhinderten, daß die dicht angebauete Ställe und Scheuer des Johann Hambloch sich nicht entzündeten. Die Bewohner von Worringen und Zons thaten viel Arbeit. Um 11 Uhr ware der Brand gelöscht.
- Februar
- Am 4ten – Heute fieng es an aufzuthauen, da es seit dem 25ten November gefroren hat. Zwar thauete es oft ein paar Tage, da fror es doch gleich wieder. Der Rhein trieb die meiste Zeit hindurch mit Eiß. Oben Maynz hat das Eiß sich gesezt, und von Rees hinabwärts ebenfals. – Das Malder Weitz Neusmaas gillt 8 Reichstahler 20 Stüber. Korn idem 7 Reichstahler.
- 20ten – Das Eiß vom Oberrhein ist passirt, doch hat es dieser Tage noch anhaltend gefroren, so daß noch kein Pferd zu Acker hat gehen können.
- 21ten – Heut versammelte der Maier die Nachbarn in der Kirche, wo jeder eine Leuchte vorzeigen muste, worauf ihm das Nummero seines Hauses mit Oelfarb gezeichnet wurde. Dann ward die Ernennung des Caspar Esch als Policei-Sergeant und Nachtwächter bekannt gemacht, dessen Gehalt aus der Gemeinde-Cassa bestritten wird. Und der Engel Ferver verrichtet die Feldschütz-Diensten. Dafür erhällt er von jedem Pferdsmann pro Pferd ein Viertel Korn, und von den übrigen, welche Länderey haben, eine Garbe. Auch ward der Vorschlag des Maier genehmigt, daß jedesmahl, wenn jemand krank ist und mit den heiligen Sacramenten versehen werden soll, die zwey nächste Nachbarn den Pastor und Küster bestellen und 2 Stangenleuchten mit zum Kranken hintragen sollen.
- Merz
- Am 3ten – Vom Pabste ist ein Jubiläum ausgeschrieben worden, welches am 1sten Merz anfängt und sich mit dem 30ten schliesset. Am ersten Merz soll in allen Pfarr- und Succursalkirchen eine heilige Geist-Messe gesungen werden. Es kann eine Procession gehalten werden. Ein jeder muß zweymahl die Pfarr-Kirche besuchen. – Wir giengen heut Nachmittags 2 Uhr mit einer 700 Seelen starken Procession nach Worringen. Der Pfarrer von Worringen empfienge uns mit Kreutz und
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- 1805
- Merz
- Fahne vor Worringen. Der Polizei-Sergeant stand an der Kirchthüre, und es durfte kein Einwohner von Worringen in die Kirche gehen. Es ware kalt, doch ohne Regen.
- 5ten, Dienstag – Heute, morgens 10 Uhr kame die Procession von Worringen hieher. Die Kirche war beynahe voll von Worringer. Nach dem hohen Amt kehrten sie auf Worringen zurück. Es hatte stark geregnet.
- 9ten, Samstag – Morgens 8 Uhr giengen wir auf Worringen mit der Procession. Es ware die Nacht etwas gefroren und sehr kalt. Der Rhein hat unsere Felder überschwemmt. Deswegen musten wir über den Höhenberg gehen, so wie am vorigen Sontag, wo wir dann über den Worringer Damm und die Lieverchesberg giengen.
- 10ten, Sonntag – Diesen Nachmittag ward die Bruderschaft um halberzwey gehen. Nach dieser kamen die Worringer mit einer sehr zahlreichen Procession hieher. Als sie fortgiengen, regnete es.
- 12ten, Dienstag – Gestern Abend sassen der Pastor von Sinnersdorf, der Excapuziner von Worringen und unser Pastor bis in die Nacht Beicht. Diesen Morgen früh kamen schon Auswärtige von Worringen, Langel, Hakenbroich schaarenweise hieher. Ich war um 7 Uhr im Garten. Bey dem schönen Frühlingswetter hörte man das laute Bethen weit und nahe. Obschon noch ein Knechsteder Geistlicher zu den oben genannten 3 Beichtvätern gekommen war, so hatten sie doch bis 10 Uhr im Beichtstuhl zu thun. Da fienge das solemne hohe Amt an, zwischen welchem der Pastor von Sinnersdorf (Excapuziner Pater Asterius) eine imposante rührende Predigt hielt. Die Kirche war geproft voll, mehr dann 300 Fremde waren hier. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler 30 Stüber hier.
- 17ten, Sontag – Heute Nachmittag ware die Procession von Hakenbroich hier, und vorgestren, als am Freytag, waren wir mit einer 600 Seelen starken Procession vormittags in Nivenheim. Wir hatten Frühlingswetter.
- 19ten, Dienstag, Josefstag – Schon vor 6 Uhr diesen Morgen waren Fremde hier, die ihre Andacht halten wollen. Obschon 3 Beichtväter sassen, so ware es doch ein Gedränge, so, als es noch nie hier in der Kirche war. Späther saßen 2 Beichtväter auf dem Kirchhofe, um der um 10 Uhr ankommenden Procession von Hakenbroich in der Kirche Platz zu machen. Nach 12 Uhr ward noch die Communion ausgetheilt. Nachmittags 3 Uhr kamen die Nivenheimer mit einer sehr großen Procession hieher. 2 Knechsteiner Geistliche in Levitten begleiteten den Nivenheimer Pastor im Pluviale. Von hieraus giengen 4 Geistliche mit Kohrkappen und 5 Choral-Jungen den Nivenheimer bis auf den Hellbüchel entgegen. In der Kirche ward nach gegebenem Seegen der Ablaß
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- 1805
- Merz
- gebethen, worauf der Pfarrer verkündigte, daß die Procession eine halbe Stunde aufhalte. Während dem hielt der Excapuziner Trimborn eine Predigt, welcher doch sehr wenige beywohnten.
- 20ten – Heute wurden die Conscribirte in Posthalters großem Zimmer gemessen und gemustert. Der Sousprefect ware da. Von 151 wurden soviele wegen körperlichen Gebrechen verworfen. Unter diesen befand sich der hiesige Sohn des Thomas Delhoven, namens Hermann Josef, ferner der Sohn des Isak namens Josef.
- 21ten – Diesen Morgen geschahe die Ziehung in der Kirche. Von 109 Jungen musten 10 zur activen Armee und 9 zur Reserve. Von Dormagen fiel des Johann Brand Sohn an die active Armee und des seeligen Pletsch-Johann Steingass sein Sohn an die Reserve. Mein Bruder, der Maier, hatte einen jungen Menschen von Thienhoven gekauft, der für seinen Sohn Herman Josef marschieren wollte. Er bekam 1 Kronthaler und 25 Reichstahler gleich, wenn er nicht daran fiel. Muste er aber für ihn marschieren, so bekame er 25 Reichstahler Reißgeld und 200 Reichstahler, welche auf Intressen gethan wurden, wovon er die Intressen bekam, das Kapital aber erst nach erhaltenem Abschied. Er sowohl als meines Bruders Sohn zohen sich frey.
- 26ten – Es ist noch immer nordwindig, und des Nachts friert es anhaltend.
- 30ten, Samstag – Heut Nachmittag hielten wir zum Beschluß des Jubiläums eine Prozession um das Dorf. Vornehmlich waren die Kinder eingeladen, welche auch zwey Fähncher trugen, doch ware die Procession sehr stark.
- Aprill
- 8ten – Heut Abend 9 Uhr brach zu Delven im oberen End des Dorfs Feuer aus. Es wurde hier auf die kleine Klocke geschlagen. Sogleich eilte der Maier zu Pferde mit 2 Brandspritzen dahin, denen viele Einwohner folgten. Wie wir hinkamen, standen schon 7 Häuser in Flammen. Da wegen dem trockenen Wetter das Wasser im Broich gehohlt werden muste, so ware Geschier zum Schöpfen zu wenig. Um 10 Uhr ware der Brand gelöscht.
- 15ten April, Ostermontag – Heut wurde die Emaus-Prozession gehalten.
- 16ten – Gestern und heute fienge es an zu regnen, nachdem es seit dem 10ten Merz nicht geregnet hatte. Kornpreis 7 Reichstahler 3 Schilling, Weitzen 8 Reichstahler 30 Stüber hier.
- Mey
- 1ten – Es gab noch anhaltend kalte Nächte, zuweilen fror es Eiß auf's Wasser.
- 5ten – 6ten – Gestern und heute hielten wir unsere Gottestracht. 8 Musikanten mit Paucken und Trompeten begleiteten den Zug. Vorzüglich spielten sie gestern an Zons, wo wir dem alten Wege nach dicht an den Mauern vorbey zohen. Das Wetter war prächtig. Die beyden Nächte ward im Posthause getanzt.
- 8ten – Der Notar Steinberger läst die Franciskaner-Kirche in Zons abbrechen. Der dortige Leydecker Schüller fiel heut vom Kirchendach herunter und blieb auf der Stelle tod. Der Kramp des Dachstuhls riß ein Stück aus dem Bord, worin er eingekrämpft war. – Kornpreis 8 Reichstahler, Weitz 5 französische Kronthaler.
[356]
- 1805
- Junius
- 1ten – Nur höchstens drey angenehme Tage hatten wir im Mey. Man hat nur noch selten Kornblühe gesehen. Viele Nächte waren von Reif und Frost begleitet, fast alle Täge der Wind aus Norden. Es ist so kalt und trocken, daß der zweite Schnitt vom Klee nicht gedeihen kann. Weil von Stommeln bis hinten Gülich, von Erkelenz bis ins Vorgebirg die Mäuse alle Winterfrucht und Klee aufgefressen haben, so ist das 1.000 Pfund Heu zu 10 Reichstahler 30 Stüber gestiegen. Korn gillt in Neus 8 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 10 Reichstahler 30 Stüber und Sommergerste 6 Reichstahler 30 Stüber.
- 24ten – Noch immer ist es trocken und nordwindig-kalt, daß sogar in den Köllnischen Zeitungen darüber raisonnirt wird, daß wir dieses Jahr keinen Frühling haben, sondern aus dem Winter in den Sommer treten. Dennoch sieht die Winterfrucht sich treflich an. – Die nun beendigte Nivenheimer Andacht ward zahlreich von Fremden besucht. Das Antoniusfest, das auf den Fronleichnams-Donnerstag fiel, ward hier sehr festlich gehalten. Die Fronleichnams-Procession hielten wir des Sontags drauf, wie das Gesetz befiehlt. – Kornpreis hier 9 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 6 Kronthaler, Haaber 5 Reichstahler.
- Julius
- 20ten – Der Wind war die ganze Zeit hindurch aus Norden und kalt. Nur in einzelen Nachmittagsstunden hatten wir Hitze. Hier und da hat man etwas noch unreifes Korn gehauen, aus Mangel an Brodt, da man das Korn eine Zeither zu 10 Reichstahler und den Weitzen zu 11 Reichstahler 30 Stüber verkauft hat. Der meiste Mangel besteht in Gemüß und Fourage. Der zweite Schnitt vom Klee kann wegen Trockenheit nicht gedeihen. Die dicke Bohnen sind von den Milben verdorben, und die Sommerfrüchten verdienen allgemein umgebauet zu werden.
- 21ten fienge es etwas zu regnen an. Am 23ten erst folgte eine durchtringende Schauer. Man fängt jetz allenthalben an, Korn zu hauen. – Der neue Sahmen gillt 12 Reichstahler, das 1.000 Pfund Heu 8 Reichstahler.
- August
- Vor dem Portiunculafeste lud der Pastor in der Sontags-kristlichen Lehre die Jungen und Mädcher ein, nach derselben zu ihm in die Pastorat zu kommen und eine Beysteuer zu Ehren des heiligen Franciscus zu bringen. Es kamen ungefähr 30 Reichstahler zusammen. Des folgenden Tages fuhr der Mayer Thomas Delhoven auf Kölln und kaufte ein paar silberne Pollen und Teller, 72 ¾ Loth schwer, für 72 Reichstahler 45 Stüber, ein Weyhrauchfaß mit Schifchen 3 Pfund 22 ½ Loth schwer, pro Loth 57 Stüber. Die übrige Gelder hat der Herr Pastor, theils auch mein Bruder Jacob Delhoven, vorgeschossen.
- 10ten – Anhaltend nasse Witterung. Das Korn fängt an zu wachsen.
[357]
- 1805
- August
- 24ten – Ein so späthes Jahr weis man sich nicht zu erinnern. Noch steht viel Korn und fast aller Weitzen im Feld. Alle Früchten sind feucht eingefahren worden. Das neue Korn wird zu 6 Reichstahler 30 Stüber verkauft, Weitzen 9 Reichstahler, Rabsahmen 11 Reichstahler, das 1.000 Pfund Heu 9 Reichstahler.
- September
- Am 8ten – Bisher hatten wir immer abwechselnd nasses Wetter. So wie die Winterfrucht muste auch die Sommerfrucht in seltenen guten Stunden halb trocken eingefahren werden, doch scheint die Witterung sich nun zur Trockenheit zu neigen.
- 13ten – Die Franzosen hatten durch platte Transportschiffe ihre Seemacht so vergrößert, daß sie bereit waren, eine Landung in England zu wagen. Die Engländer, bange für den guten Erfolg, suchten die Russen, Österreicher und Türken dahin zu vermögen, daß sie sich gegen Frankreich rüsten, um selbes zu einem annehmlichen Frieden mit England zu zwingen. Es stehn 200 tausend Kayserliche und eine starke Anzahl Russen im Felde, um gegen Frankreich zu kämpfen. Nun gehn die Kouriere noch immer, und die wechselseitige Gesandten sind noch immer zu Wien und Paris. Indessen läßt der französische Kayser beträchtliche Armeen von den Küsten gegen die Kayserliche Gränze ziehen. So kömmt nun auch die französich-holländische Armee herauf an den Oberrhein. Heut kame die erste Division nach Neus, 7.000 Mann stark. Die Neusser schickten ein Bataillon Infanterie hieher, wovon 2 Compagnien nach Worringen verlegt wurden.
- Am 14ten – Am 14ten passirte morgens die Division hiedurch auf Kölln, und mittags kame wieder ein Bataillon hieher, wovon 1 Compagnie auf Horm und vier nach Delven und Hakenbroich detachirt wurden.
- Am 15ten – Sontags Nachts am 15ten um 1 Uhr kame ein Ordonanz vom Colonell Hinüber aus Osteraths, welcher ankündigte, daß um den Mittag ein Regiment holländische Husaren hier logieren würde. Der Maier schickte den Conrad Sand zu Pferd nach Osteraths, um dem Commendanten anzudeuten, daß er besser mit seinem Regiment in Rommerskirchen, Nettesheim und Stommeln logirt wäre, weil auch hier ein Bataillon Infanterie angesagt wäre. Morgens 6 Uhr fienge die Division an, hiedurchzuziehen. Um halb acht ward die Frühmeß und um halb 10 eine Leßmeß an Statt des hohen Ammt gehalten. Da kamen die Quartiermacher von den Husaren an, und der Conrad Sand brachte die Ordre mit, daß das Regiment über die Gillbach ziehen werde. Wir bekamen also heute nichts.
- 24ten – Dieser Tage zohen täglich einige hundert Franzosen und Holländer mit Bagage hiedurch, ohne zu logiren. Die Maierie Dormagen muß einen Wagen mit vier Pferden zu der Armee stellen. Dieses wurde gekauft, und 2 Knechte von Monheim sind damit auf Maynz abgegangen. Die Kosten wurden auf den Steuerfuß repartirt und gleich bezahlt. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 9 Reichstahler, 100 Bauschen Stroh 6 Reichstahler. Das Korn gibt vortreflich. – Es ist anhaltend trocken Wetter, etwas kalt.
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- 1805
- September
- 29ten, Sontag – Das heutige Michaelsfest ware sehr glänzend. 10 Geistliche begleiteten die Prozession, welche bey dem schönen Wetter durch die vielen Fremde ausserordentlich zahlreich war.
- October
- 12ten, Kirmesabend – Diese Nacht hat es stark gereift und dickes Eis gefroren. Bisher ware es immer kalt.
- 8ten – Die zwey erste Kirmes-Tage war es des Nachts gefroren und im Tage schön Wetter, drauf fienge es anhaltend zu regnen an.
- Vom 12ten bis 15ten November – Kalt mit Frost und Reif. Kornpreis 7 Reichstahler. – Die französische Armee unter Anführung des Kaysers Napoleon hat die österreichische Armee unter Anführung des General Mack vernichtet. 50 bis 60 tausend Mann sind als Gefangene in Frankreich gefangen, in Ulm capitulirte der General Mack, 24 Generäle und 33 tausend Man. Drauf ist der Kayser Napoleon am 13ten November in Wien eingezogen und verfolgt die Russen bis Olmütz.
- Am 5ten December – Kornpreis 7 Reichstahler 45 Stüber.
- 11ten – Bisher ware es anhaltend offenes Wetter, doch ohne viel Regen.
- 12ten fienge es herzlich zu frieren an. Das Malder Geriß kostet 1 Reichstahler 24 Stüber.
- 19ten – Der Frost war diese Tage so stark, daß der Rhein dicht mit Eiß triebe, heut aber ist es Thauwetter. – Die Franzosen verfolgen ihre Siege gegen die österreichische und russische Armee von mehr als 100 tausend Mann, zohe der Kayser Napoleon zwischen Brünn und Olmütz mit seiner Armee. Am 2ten December ware die große Schlacht, welche die Schlacht von Austerlitz genannt wird: 45 tausend Österreicher und Russen wurden getödtet oder gefangen. Drauf ist mit dem deutschen Kayser ein Waffenstillstand geschlossen worden.
- 25ten – Angenehm Wetter. – Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.
- 31ten – Am 26ten dieses ist der Friede zwischen Frankreich und Österreich geschlossen worden. Die Kuhrfürsten von Würtemberg und Bayern sind zu Königen erklärt worden und erhalten ansehnliche Vergrößerungen. Die Russen gehn nach Hause. – Durch das eine Zeither so starke Regenwetter schwillt der Rhein an. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber. – Die Erndte des verflossenen Jahrs ware sehr ergiebig. – Der Jussenhover Hof ist an den ehmaligen Zollbeseher in Zons, Herrn Fischer, um 6.000 Reichstahler verkauft. – Der Welferhalfen hat ebenfals seinen Hof gegen 8 tausend Reichstahler gekauft.
1806
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- 1806
- Januar
- Am 25ten – Der Rhein, der zu Anfang dieses Jahres an die Landstraße ausgetreten und wieder etwas gewichen war, hat durch das seit vorigem Kristag ununterbrochene, durch heftigen Wind und Regen wüste Wetter wieder neuen Wuchs erhalten. Der meiste Theil vom untersten Feld ist unter Wasser. Der nun aufhörende starke Wind verdirbt am meisten die Frucht durch das Pletschen der Wellen. Und da die Früchten durch den gelinden Winter schon am Wachsen waren, so befürchtet man, daß die Überschwemmung selbigen sehr nachtheilig seyn wird.
- Februar
- 1ten bis Anfangs Merz – Meist nasses Wetter ohne Frost. Alles wächst. Korn wird nach Kölln zu 6 Reichstahler 15 Stüber verkauft. Die Früchten haben dennoch durch die Rhein-Überschwemmung nicht so viel gelitten, als man glaubte. Nur in den Gründen, wo das Wasser versinken muste, und auf den Bergen, wo der Wind spühlte, ist's verdorben.
- Merz
- 1ten bis 8ten – Frost. – Vom 10ten bis 20ten Regen mit Sturm. Deswegen ist seit ein paar Tagen der Rhein ausgetreten und sich fast durch das ganze Feld ausgedehnet hat. – Die holländische Truppen, welche den lezten Feldzug mitmachten, sind dieser Tage hiedurch gezogen.
- Am 21ten logirte der Stab und die Grenadiere von einem Bataillon hier, sonst giengen sie alle in einem Tage auf Neus.
- Am 22ten giengen 600 Franzosen hiedurch über Grimmlinghausen nach Düsseldorf, wo gestern ein Kourier ankame, mit der Ordre, daß alle pfälzische Regierungsglieder im Bergischen abgesezt und das Land dem Kayser von Frankreich abgetreten seye. Drauf zohen die pfälzische Soldaten aus nach Ratingen, von wo sie nach Bayern gehen. – Kornpreis 5 Reichstahler.
- April
- 24ten – Seit einem Monath ist es anhaltend kalt-nordwindig-trocken. Der im Merz ausgetretene Rhein hat alles Korn verdorben, welches unten im Felde überschwemmt war. Auch das obere Feld sieht erbärmlich aus. Der Schwager des französischen Kaysers Napoleon, der Prinz Murat, hat Besitz von dem Bergischen und jenseitigen Klevischen Lande genommen.
- 27ten, Gottestracht, und am 28ten, Hagelfeyer – Zwey nordwindig regnerische Tage. Die Dusseldorfer Musicanten, welche im Posthause zum Tanz spielen, machten im Hohenamte Musick. Gestern giengen wir mit der Prozession im Regen das Dorf hinab, hielten an einem Hause, bey meinem Bruder (Maier), bey Wilhelm Fitgen und am Posthause Station. Hagelfeyer ward erst den Sontag hernach bey schönem Wetter gehalten.
- Mey
- 10ten, Samstag – Verflossene Nacht, als eine Parthie Jungen mit einem Mey aus dem Busch kamen, sahen sie um halber drey in Zons Feuer ausbrechen. Sie liefen hieher und machten Lärm. Sogleich eilte eine Brandspritze mit vielen Bewohnern dahin. Des Wilhelm Fleischhauers Haus und ein Theil eines Juden-Hauses giengen verlohren. Ersterer hatte Holzasche auf den Speicher getragen, die noch glühend ware.
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- 1806
- Mey
- 15ten, Himmelfahrt – Seit ein paar Tagen hatten wir Regen, so wie heute. Sonst ware es seit dem 1ten Mey trocken und warm.
- 30ten – Anhaltend trocken und heiße Tage. Man hoffet auf Regen.
- Junius
- Am 5ten, Fronleichnam – Da dieses Jahr in Nivenheim das Jubelfest gefeyert wird und heute in den umliegenden Pfarren zwar gefeyert, aber kein öffentlicher Gottesdienst gehalten wird, so ware es in Nivenheim entsetzlich voller Menschen. Auf Horm zu, auf die Weye und am Witgenshof waren 3 Triumpfbögen errichtet, der ganze Ort mit Meyen bepflanzt und in der Kirche an allen Pilaren und auf dem Hohenaltar Tafeln mit Inschriften aufgehängt. Des Nachmittags wurde die Prozession gehalten und die Salvators-Bildniß von vier Geistlichen umgetragen. 36 Jungen trugen Gewehre und begleiteten die Bildniß und das Hochwürdigste. Die Prozession ware so zahlreich, daß sie den ganzen Umweg einnahme.
- Am 8ten, Sontag – Weil heute in allen Gemeinden Prozession gehalten wird, so wurde in Nivenheim nicht Procession gegangen. Kornpreis 5 Reichstahler.
- Am 13ten, Freytag – Heute ward hier das Antonius-Fest gefeyert. Keiner arbeitete, und es waren viel Fremden hier. Der Tag war bey dem schönen Wetter so festlich wie Ostertag. J. W. Fitgen und Nicolaus Eller schenkten jeder bey seiner Station ein Pfenning an das Venerabel.
- 15ten – Heute ward in Nivenheim die Salvators-Andacht beschlossen. Es ware so voller Menschen in der Kirch, auf den Straßen und in den Häusern, daß man sich nicht weichen konnte. Des Nachmittags wurde wieder die Bildniß des St. Salvators von vier Geistlichen umgetragen. – Der vor 2 Monath verstorbene Pastor Dahmen hatte voriges Jahr durch gedruckte Zettel ankündigen lassen, daß dieses Jahr die Andacht 30 Täge dauren werde. Allein, der neue Pastor Asterius hatte es anders beschlossen. Dennoch kamen heut Nachmittag die Processionen von Brühl und Niederziehr dahin.
- 24ten, Joannis – Seit einem Monath verlangten wir auf Regen. Frühe Haber, Erbsen und Sommergerst sind fast ganz verdorben, und in den Gärten sieht es traurig aus. Der zweite Schnitt vom Klee ist vertrocknet, da fienge es heut zu regnen an. – Seit 8 Tagen ist es wieder erlaubt, Früchten in Kölln und Neus gegen Erlegung von 20 Stüber pro Malder ins Bergische gehen zu laßen. Deswegen wird das Malder Korn hier wieder zu 5 Reichstahler 30 Stüber verkauft.
- 29ten – Diese Nacht zwischen zwey und 3 Uhr brannte zu Hackenbroich ein Haus nieder. Es war nächst bey der Pastorat. Der Mann, der das Vieh retten wollte, vergaß, seine Frau, Kinder und Mutter herauszubringen. Erst als die Dormager dahin kamen, ward man Gewahr, daß sie noch in der Kammer waren,
[361]
- welche schon rundum in Flammen stand. Man konnte wegen dem Rauch und Flammen nicht zu der Kammer kommen. Deswegen reichte man ein Holz an der Fenster hinein und zohe sie halbverbrennt heraus. Sie hatten sich in einer Ecke zusammen auf einen Haufen gelegt und erwarteten den Todt, da man wegen dem Lärm sie Rufen nicht hören konnte. Viele Dormager waren da mit unsern zwey Brandspritzen.
- Julius
- Am 5ten – Seit einigen Tagen hatten wir heilsamen Regen, doch ist es noch nicht an die Wurzel gekommen.
- August
- Am 15ten – Die ganze Erndte hindurch ware es meistens regnerisch, so daß man mit Mühe die Früchten einscheuren konnte. Korn und Weitzen ist ergiebig, aber wenig Stroh. Die Sommerfrüchten hingegen sehen sich gut an. Man bezahlt hier aufm Platz das Malder Korn um 6 Reichstahler. – Heut ware gebothen, in allen Kirchen das Fest des heiligen Napoleon als Namenstag des Kaysers und die Gedächtniß des Concordats zu feyern. Es muste Procession gehalten werden, doch durfte aus Befehl des Bischofs das Venerabel nicht mitumgetragen werden, wohl aber die Bildniß der Muttergottes. Alle öffentliche Beamte musten mitgehen. Der Vicar von Nettesheim hielte das hohe Amt und ein junger Geistlicher namens Frizdorf aus dem Bergischen die Predigt. Nach der Messe giengen wir das Dorf hinauf um Lämmches Heiligen-Häuschen, dann wieder das Dorf hinab und kehrten am Grünwald um und zohen in die Kirche. Des Nachmittags ware kein Gottesdienst.
- 30ten – Das Wetter ist vierzehn Tage heiß und schön.
- September
- Dieser Monath ware anhaltend trocken und heiß. Nur mit dem Ende und der Anfang des Octobers waren regnerisch, so auch der 5te October, wo am Zonser Kirmessontage das Michaelsfest hier gefeyert ward. Kaum konnten wir wegen dem Regen die gewöhnliche Procession halten. – Alle französische Truppen ziehen wieder auf Strasburg und Maynz, um mit der noch in Schwaben seit vorig Jahr cantonirenden großen Armee gegen Preußen zu ziehn, der in Sachsen eingefallen ist, um den neu errichteten Rheinischen Bund zu bekriegen, der vom Kayser von Frankreich in Schutz genommen ist.
- October
- 12ten bis 18ten – Die Kirmes ware glänzend. Bey dem schönsten Wetter waren viele Fremde hinzugeströmet, an allen Enden des Dorfes ward getanzt. Der Rhein ist seit dem 24ten October wieder gesperrt. Bisher ward das Korn hier zu 4 Brabäntische Kronthaler verkauft, es schlägt aber nun wieder ab.
- 2ten November – Das Wetter ist noch ausserordentlich schön. Die Straße ist so trocken. Alle Tage ist's warm und hell, ohne Frost. – Am 14ten October hat Kayser Napoleon die Preußen bey Jena geschlagen, mit Verlust von 20 Generälen, 300 Kanonen und 30 tausend Gefangenen. Die Preußische Armee ist gesprengt, und am 23ten October zohen die Franzosen siegreich in Berlin ein. – Hier ist diese Woche von den Hormer, Dormager und Rheinfelder der Kirchhof dienstweise gleich gemacht worden. Man fängt nun an einem Ende mit Begraben an.
[362]
- 1806
- November
- Am 12ten – Jetz wird hier die Auffahrt dies- und jenseits dem Damm gemacht, wo der Monheimer Weg hinübergeht. Fuhren und Schüppenarbeit geschehen durch Dienstfuhren. Kornpreis 6 Reichstahler. – Abwechselnd Regenwetter.
- December
- 7ten – Durch das anhaltende Regenwetter ist der Rhein ausgetreten und hat sich bis in den Bixem ausgebreitet. – Kornpreis 5 Reichstahler. – Die Frenzosen haben Posen und einen Theil von Pohlen besezt. Jetz ziehen sie gegen die Rußen, die in Warschau sind.
- 25ten – So einen gelinden Herbst hatten wir seit langen Jahren nicht. Weil es noch nicht gefroren hat, so ist alles am Wachsen. Viele Frühlings-Blumen blühen, und der heutige Krist-Tag ware ordentlich warm. Wir haben jetz einen ehemaligen Carmelit namens Streiter hier. Er hällt Schuhle und ist Gehülf in der Kirche. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber.
- 31ten – Es ist noch immer angenehm, oft mit Sturm und Regen gemischtes Wetter. Das verflossene war ein gesegnetes Jahr, nur daß das Rheinfeld durch das im Merz erfolgte Austreten des Stromes viel an der Wintersath verlohren hat. – Das emalige kuhrfürstliche Speich, bestehend aus 78 Morgen, theils Bauland, theils Wiesen, ist am 23ten Dezember zu Kölln am Tribunal für die ungefähre Summe von 8.400 und etliche Reichsthaler meistbiethend an Speculanten von Lüttich verkauft worden. Die ehemalige Pfächter Josef Sturm, Steinberger und Posthalter bothen bis 6.000 Reichstahler. – Nun hat Josef Sturm solches der Lütticher Compagnie gegen geringes Aufgeld wiedergekauft.
Ein Tabakshändler namens Dorf aus Hittorf hat ihnen das Geld gegen 4 pro Cent vorgeschossen– Diesen Abend beym Sonnenscheiden ward in der Kirche Complet und dann eine kurze Dankrede gehalten und das alte Jahr mit dem "Te Deum" beschlossen. Demnach begehrte der Caplan noch 5 "Vater unser" als Danksagung zur Ehre der heiligen Agatha, als Danksagung, daß unsere Pfarr dieses Jahr von Feuer und Brandt beschützt geblieben.
1807
[363]
- 1807
- December
- Januar
- Am 1ten – Das Neujahr-Schiessen ware streng verbothen. Gleich nach 6 Uhr diesen Morgen hörte ich in der Nachbarschaft einen Schuß fallen. Gleich darauf hörte ich auf der Straße Schreyen. Anfangs glaubte ich, die Gensdarmen wären hinter dem Thäter her. Da aber das Schreyen in lautes Hülfrufen ausartete, da sahe ich, daß es beym Pannes ein Brandt ware. Es ware angenehm stilles Wetter, der Wind triebe die Funken aufwärts, häufig auf die Scheuer des Vicarius. Gleich waren die Brandspritzen da. Eine ward unerachtet des Feuer und Dampf doch in den Nebenhof des Pannes gebracht, wodurch die nur durch 2 Tritte von dem Brande entfernte Scheuer des Johann Geyr gerettet wurde, die doch nur in Stroh gedeckt war. – Der Brand ware oben auf dem Brennhaus des Pannes auf dem ersten Stock ausgebrochen; entweder durch einen Riß im Schornstein oder durch die Malzeste. Obschon der Pannes erklärte, daß die Magd mit der Leuchte den Brandt im Kühestall veranlast habe, welches deswegen nicht seyn könnte, weil die Douanier wirklich um 2 Uhr nachts den Brandt gerochen hatten. – Die Kühe waren versengt. Einer musten sie gleich den Hals abschneiden und ein Schwein todt stechen. – Ausser unsern 2 Brandtspritzen kamen die Hormer mit einer und die Worringer mit 2 Brandspritzen hieher. Ein Knecht, der die Worringer Brandspritze hieherführen wollte, fiel an der Worringer Drenke vom Pferd und ware gleich todt. Man vermuthet, er habe ein Schlagfluß bekommen. – Um 8 Uhr morgens ware schon alles gelöscht.
- 6ten – Ein paar Tage hat es etwas gefroren. Nun folgte bis den 20ten wieder Herbstwetter. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Haber 1 Brabäntischer Kronthaler. – Die Franzosen haben hinter Warschau die Russen geschlagen. Der gelinde Winter und die schlechte Wege aber hindern sie im Verfolgen.
- Februar
- Am 1ten – Der Monath Jänner ist unter stetem Herbstwetter hingeflossen. Die Franzosen haben die Russen und Preußen am Fluße Bug in Pohlen geschlagen. Wegen dem schlechten Wetter und den schlechten Wegen aber können Erstere nicht weiter vordringen. Sie haben also Winterquartier machen müssen. Und das französische Hauptquartier ist in Warschau. Die mit den Franzosen alliirte Bayern und Würtemberger haben die Stadt Breslau in Schlesien eingenohmen. – Kornpreis 5 Reichstahler, Haaber 1 Brabäntischer Kronthaler.
[364]
- 1807
- Februar
- In der Nacht vom 9ten auf den 10ten nach 12 Uhr stürmte es entsetzlich. Regen und Hagel strömten wild hernieder, und es ward wieder ruhig. Da zohe um 2 Uhr ein gräßliches Wetter herauf, Flammenblitze strömmten durch die schwarze Nacht unter Donner und einem Wind hernieder, den viele vor ein Erdbeben hielten. Viele Dächer im Dorf wurden sehr beschädigt. Allein, was jeder für unglaublich hielt, ist: Die zweyhundert und fünfzig Fuß lange und beynahe 60 Fuß breite, von Ziegelstein stark gebaute Scheuer des Welferhalfen stürzte zusammen. Die starke Tannenbalken rissen den oberen Giebel und die lange beyden Seythen-Mauren nieder, so daß nur der Giebel auf Zons zu stehen blieb. Die Seythen-Mauren sind auf etlichen Platzen mit den Fundamenten herausgerissen. – Was noch den Schaden des Welferhalfen vermehret, ist, daß er die Schaise, Wagen und Karren auf die Scheuren-Tenner gesezt hatte, welche nun insgesammt zertrümmert sind. Nun kömmt noch der Umstand, daß der Rhein ausgetreten ist und rund um den Hof treibet, wodurch wahrscheinlich die Wintersath verdorben wird, da die Frucht noch stets am Wachsen ist, weil es diesen Winter noch nichts gefroren hat. Der Maier hat die Nachbarn eingeladen, die Trümmer auf Seythe machen zu helfen, welche sich auch fleissig einstellen.
- 28ten – Das Wetter ist abwechselnd regnerisch, den ganzen Winter ohne Frost.
- Merz
- Am 1ten – Der Rhein, der sich wieder in seine Ufer zurückgezogen hatte, tritt wieder aus und hat heute, den 1ten Merz, von Neuem das ganze Rheinfeld höher überschwemmet als seit 10 Jahren. Kornpreis 5 Reichstahler, Weitzen 6 Reichstahler.
- 12ten – Der Rhein ist wieder im Stroom. Allein, die Früchten im Rheinfeld haben viel gelitten.
- 30ten – Seit halben Merz hat es alle Nächte gefroren, wodurch das Korn unten im Felde viel gelitten hat. Der Weitzen aber sieht noch gut aus.
- April
- 10ten – Bisher war es noch alle Morgen gefroren und gereift. – Die französische Armee hat in Preussisch Pohlen die Winterquartiere bezogen. Die Russen und der Rest der Preußen stehn bey Königsberg. Kornpreis 5 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler.
- 19ten – 20ten – Diese beyde Tage ward die Gottestracht und Hagelfeyer gehalten. Das Wetter ware schön, nur am Hagelfeyerstage etwas zu kalt. Vier Musicanten, welche im Schwanen zum Tanz spielten, begleiteten die Prozession. An Zons waren sehr viele Bewohner herausgekommen, denen zu verschiedenenmahlen der Segen gegeben wurde.
- Vom 22ten an fienge es an, warm zu werden. Korn 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 6 Reichstahler 15 Stüber.
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- 1807
- Mey
- 1ten bis 6ten – Sehr heisse Tage. – Die Franzosen, verbündet mit Bayern, Würtenberg, Sachsen, Italien, Holland etz., stehen noch in Pohlen um Warschau und belagern die Vestungen Dantzig und Kolberg.
- Vom 8ten bis 13ten – Viel Regen. – Kornpreis 5 Reichstahler, Weitzen 6 Reichstahler.
- 17ten, Pfingstag – Heiß und schönes Wetter. Diesen Morgen that die Frau des Johann Peter Fuss aus Rheinfeld Glaubensbekenntniß. Sie ware reformirter Religion, aus dem Bergischen gebürtig. Nach der Frühmeß wurde sie unter dem Geläute der Klocken mit Kreutz und Fahnen oben an der Drenkgasse von 3 Geistlichen und einer Menge Menschen abgehohlt. Vier Mädchen begleiteten sie, die ein weisses Kleid truge. Auf dem Kohr war ein Tisch mit einem Kreutz und 2 Kerzen errichtet. Wie die Prozession unter dem Gesang "Veni Creator" in die Kirche kam, kniete sie da, und als der Pastor in der zweiten Messe das Evangelium gesungen hatte, hielt er eine Rede, und sie sagte ihm ein langes Glaubensbekentniß nach. Nachdem wurde das "Te Deum" gesungen. In dieser und in der hohen Messe ward mit dem Klingelbeutel umgegangen, und die Neubekehrte erhielt ungefähr 10 Reichstahler. Am 23ten wurden die Küh in die Benden. Voriges Jahr wurden um die Drenk und längs dem Mühlenberg 212 Bilsen-Plänzlinge gesezt. Da derselben verschiedene dorr wurden, so wurden solche dieses Jahr ausgebessert und neben dem Ackerland Rothweiden gepflanzt. Man hat einige Morgen Graß verkauft, um die Kosten zu bestreiten.
- Junius
- Dieser Monath ware trocken und nordwindig. Das Korn fängt an zu reifen, und da die Erndte sich treflich ansieht, so werden die Früchte spottwohlfeil werden, wenn die Ausfuhr nicht erlaubt wird. Es liegt noch entsetzlich viel altes Korn.
- Julius
- Am 27ten – Die Dürre ware ausserordentlich. Gemüß und Fourage waren rar geworden, da fienge es heut Morgen zu regnen an. – Die Franzosen hatten am 14ten Junius die Russen bey Friedland in Pohlen total geschlagen. Darauf begehrten Leztere Waffenstillstand. Es wurde bewilligt. Der Kayser von Rußland und der Kayser der Franzosen, so wie der König von Preußen, wohnten 20 Tage in Tilsit am Niemen zusammen, wo der Endfriede geschlossen und ratificirt wurde.
- August
- 24ten – Seit der Habersath hat es nicht beträchtlich geregnet. Wohl zohen Donner rechts und links vorüber, welche auch zuweilen eine Schauer Regen mitbrachten. Allein, die darauf folgende mehr als gewöhnliche Hitze trocknete selbigen gleich wieder auf. Seit dem Jahr 1783 ist es nicht so anhaltend und entsetzlich heiß gewesen. Die Gemüse sind sehr rar, die Erdäpfel haben noch nichts an, und die Bohnen sind alle reif. Grüne Fourage vor’s Vieh gibt es keine mehr. Das Heu, welches vor einem Monath um 4 Reichstahler verkauft wurde, gillt izt eine Louisdior. Da brachte uns heut Nachmittag ein Gewitter aus Westen einen starken, mit etwas Hagel vermischten Regen.
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- 1807
- September
- Bis 25ten ware es heiß und trocken. Da hat es anhaltend geregnet bis 1ten October, so daß viele Saath schlecht in die Erde gebracht worden ist.
- 13ten bis 19ten – Die Kirmes ware glänzend, den Dienstag ausgenohmen, sonst ware es schön Wetter und voller Fremden. – Schon seit ungefähr zwey Monathen ist die Ausfuhr von Korn, Gerst und Weitz, mit Korn vermischt, erlaubt, doch steht hier das Korn auf 5 Reichstahler 30 Stüber.
- December
- Am 1ten – Zwey Nächte hat es ein wenig gefroren. Sonst ist es den verflossenen Monath abwechselnd Regenwetter gewesen. Das Korn wird jetz fleißig eingeladen. Hiesige Maas gillt 3 Brabäntische Kronthaler, auch 3 französische Kronthaler. – Der Pastor hat seit einem Jahr einen ehmaligen Carmeliten namens Josef Streiter als Caplan hier. Dieser ward vor einiger Zeit am faulen Fieber krank und starb diesen Abend 6 Uhr im 36ten Jahre seines Alters. Er hielt französische und lateinische Schuhle und ware im Dorf gut gelitten.
- Am 2ten – Am Abend ward er begraben. Die Schuhlen so wie die Kinder des Dorfs eröfneten den Zug. Vier Laternen wurden um die Bahre getragen, und der Pastor von Worringen ware Ceremoniarius, weil unser Pfarrer am Podagra krank liegt.
- 31ten – Das Jahr schliesset sich, ohne daß es noch einmal recht gefroren hat. Die Erndte war mittelmässig, viel Stroh, ohne ergiebig zu seyn. Das Malder Korn gillt 5 Reichstahler 30 Stüber. Hier an der Piwitt wird wochentlich eingeladen und den Rhein bis gegen Neus herabgeführt, wo die ausgehende Rechte bezahlt werden. – Das Jahr war wegen der Hitze und schönem Wetter merkwürdig: von anfangs Mey bis in den späthen Herbst heiß und angenehm. Die Erdäpfel, welche am 24ten August nur so dick als Erbsen waren, haben noch reichlich beygebracht, aber sie sind nicht reif geworden. Viele sind wässericht und wenige von gutem Geschmack. – Diesen Herbst zeigte sich ein Comet. Er ware des Abends sichtbar und stand westlich zwischen Straberg und Nivenheim. Der Schweif stand aufwärts, doch ware er nicht sehr hell.
1808
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- 1808
- Januar
- Am 13ten – Bisher ware es noch ein fauler Winter. Erst heute fieng es zu frieren an. Am 14ten ware schon der Rhein dicht voll Eiß. Am 28ten: Seit 3 Tagen hat es tief geschneet. Heute fienge es an zu regnen. Kornpreis 5 Reichstahler. – Vor 8 Tagen ist auch die Erlaubniß eingetroffen, daß der Weitzen ins Ausland geht.
- Februar
- Am 2ten, Dienstag Lichtmeß – Heute ware es ausserordentlich voller Fremden hier, so daß bis halb 11 Beicht gesessen wurde. Vor dem Hohenamt wurde mit den Lichtmeßkerzen um die Kirch gegangen.
- 3ten – Der Rhein ist so stark gewachsen, daß er dem Dorf vorbey bis hinter Pflugs-Garten gelauffen ist, doch fiel das Wasser gleich wieder weg.
- 6ten bis 14. hat es auf die offene Erde sehr stark geschneet, so daß derselbe wohl 3 Fuß hoch gelegen hätte, wenn er nicht mitunter geschmolzen wäre. Indessen sind doch die Weege so verschneet, daß noch viele Dienstbothen aus den hintern Gegenden ihren neuen Dienst nicht bezogen haben.
- 20ten – Die Nächte friert es etwas, und im Tage schmilzt der Schnee von der Sonnenwärme, so daß wir Hofnung haben, daß der Rhein nicht austreten wird. Da die Franzosen und Engländer noch nicht zu Frieden kommen können und keine Colonial-Waaren in Frankreich, Holland etz. kommen dürfen, so steigt der Caffé ausserordentlich im Preise. Jenseits wird das Pfund Caffé zu 1 Reichstahler 8 Stüber verkauft, da er doch vor einem Monath noch um 44 Stüber zu haben war.
- 25ten – Es friert so stark, daß das Eiß überträgt. Der Rhein ist sehr klein.
- 26ten thauete es auf – 28ten, Fastnacht. Das Loth Caffé kostet hier 3 Stüber, auf der Gillbach 3 ½ Stüber.
- Merz
- 23ten – Es friert noch alle Nächte. Man kann in den Gärten noch nichts graben. Der Wind ist im Tage stets Nord und sehr kalt. – Das Korn gillt hier 6 Reichstahler, das 1.000 Pfund Heu 10 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler. Die Halbwimner vom Rheinfelder und Welferhof haben dieser Tage bey 60 Morgen Land meistbiethend verkauft. Auf dem Werth wurde der Morgen zu 70, auch zu 100 Reichstahler verkauft. Die alte 2 Morgen große Leimkaul wurde zu 180 Reichstahler verkauft.
- 24ten – Diese Nacht ware ein halber Fuß tief Schnee gefallen. Dabey ware es gefroren. Zu Grimmlinghausen wird ein Canal gegraben, um den Rhein mit der Maas zu verbinden.
- April
- 3ten – Alle Nächte friert es so hart, daß die Knechte des Morgens nicht bauen können. In den Gärten ist noch sehr wenig gethan. – Heute, als am Sontag Judica, hielten wir die sonst am Mitwoch in der Karwoch gewöhnliche Römerfahrt, weil an diesem Mitwoch die Prozession nicht zahlreich zu seyn pflegte. Es ware eine Prozession, so groß, wie sonst bey schönem Wetter am Palmsontag zu seyn pflegt.
- Am 4ten – Diese Nacht hat es nicht gefroren. Der Wind ist aus dem Süden. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler 15 bis 30 Stüber Neusmaaß.
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- 1808
- April
- 27ten – Die Nächte sind noch immer kalt. Es wächst nichts, doch regnet es heute aus Norden. – Die 1.000 Pfund Heu kosten 10 Reichstahler, das Malder Haber 2 Kronthaler.
- Mey
- Der Mey ware schön und trocken, doch hofet man am Ende auf Regen. Unser Feld sieht sich gut an. Das Worringerfeld hat viel von den Mäusen gelitten und sieht sehr elend aus. Dies ganze Frühjahr haben die Worringer mit Schürchkarren hier im Felde Quichen gehohlt, und einige haben auf dem Spich Klee gekauft pro Morgen 24 Reichstahler.
- Junius
- Am 1ten bis 3ten – Donner mit etwas Regen. Kornpreis 6 Reichstahler 45 Stüber.
- 20ten – Das trockene Wetter läst uns nicht viel von der Haber hoffen. Auch die Gemüse fangen an, rar zu werden. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber.
- 25ten, 26ten und 27ten – Regen, doch ist es noch nicht an die Wurzel gekommen.
- Julius
- 14ten – Die ganze Zeit hindurch trocken und nordwindig-kühl, am 10., 11. und 12ten waren sehr heiße Tage. Der Buchweitz, der sich besonders treflich ansahe, hat viel in diesen 3 Tagen gelitten. Kornpreis 7 Reichstahler, neues Heu 7 Reichstahler die tausend Pfund, Rabsahmen 14 Reichstahler.
- 24ten – Die Trockenheit verdirbt alles. Früh gepflanzte Erdäpfel sind schon reif. Die Hitze ist fast unausstehlich. Am 25. und 27ten etwas Regen.
- 29ten – Diesen Morgen hatten wir bis Mittag einen so starken Regen, der beynahe an die Wurzel gekommen ist.
- August
- 2ten – Unerachtet man in voller Erndte begriffen ist, so waren doch diesen Morgen viele Fremde hier. Auch 10 Gestliche lasen Meß. Diesen Nachmittag 3 Uhr zohe ein Gewitter vorbey, daß uns einen äusserst starken Regen hinterließ. Rabsahmen gillt 16 Reichstahler hiesiges Malder.
- 4ten, 5ten und 6ten – Sehr heiße Tage. Fleissige Ackersleuthe haben Korn und Weitzen diese Tage herein, doch steht noch eine Menge Winterfrucht im Felde. Diesen Nachmittag zohe ein Gewitter herauf, das von Widdersdorf zwischen Fühlingen und Merheim auf Wisdorf durch den Hagel alle Sommerfrüchten total zerschlagen hat.
- 7ten, 8ten – Donner mit viel Regen. – Am 9ten zohe ein Gewitter vorbey, welches durch den Hagel alle Sommerfrüchten zwischen Worringen und Fühlingen gänzlich zerschlagen hat.
- September
- Dieser Monath brachte meistens schönes Wetter. Der Weitzen ist besser als Korn gerathen und gibt vortreflich aufs Tenn. Buchweitz aber hat sich so erhohlt, das ein Morgen 8 Malder beybringt. Man verkauft das Malder zu 3 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 7 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 30 Stüber.
- October
- Des Freytags vor der Kirmes fienge es zu regnen und stürmen an, welches bis nahe am End October währte. Der Kirmes-Montag ware etwas trocken, sonst ware es durchaus unangenehm.
- November
- Bis 12ten – Sehr schöne Tage. – Kornpreis 5 Reichstahler, Weitz 7 Reichstahler höchstens. Die Erdäpfel, die dieses Jahr sehr gut gerathen sind, wurden fast alle ends October und anfangs November ausgemacht, waren aber wassericht.
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- December
- 9ten – Um den Mittag fienge es an zu frieren, und am 10ten giengen schon Karren und Wagen drüber. Am 11ten Schnee. – Der Kayser von Frankreich ist jetz mit zweymahl hundert tausend Mann nach Spanien, um die dort ausgebrochene Rebellion zu stillen und seinen Bruder Josef auf den Thron von Spanien zu setzen. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.
- 11ten – Regen. – Am 12ten fienge es an zu frieren.
- 25ten – Der Frost ist anhaltend. Vor ein paar Tagen hatte der Rhein sich schon zu Düsseldorf gesezt. Da aber das Wasser noch mittelmässig groß ist, so brach die Eißdecke wieder loß. – Das Jahr schliesset sich anhaltend mit Frost. Als diesen Abend die Andacht beendiget war, da sahe man am Roth der Luft, daß im Westen ein Brand ausgebrochen war. Hinter der Kirch konnte man die helle Flammen lodern sehen, und man vermuthete, daß es zu Stommeln war, welches auch richtig eintraf, da es die Scheune des Henrich Henk, noch zwey andere Scheuren und 2 Häuser waren. – Das eben verflossene war ein mittelmässiges Jahr. Stroh ware genug gerathen, aber nicht viel Korn. Der Weitzen hingegen ware sehr ergiebig. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 3 Brabänter Kronthaler, Haaber 2 Reichstahler 7 ½ Stüber.
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- 1809
- Januar
- Am 1ten – Der Winter ist nicht hart. Indessen friert es alle Nächte auf die trockene Erde. Am 4ten fiele ein Fuß tief Schnee.
- Am 8ten fienge es an aufzuthauen. Am 10ten kame schon das Obereis. In der Gegend von Rees hat der Rhein gestanden. Am Abend wuchs der Rhein, daß er hinter dem Damm von der Landstraße an bis an das Piwitten-Pättchen die Gegend überschwemmte.
- 11ten ware der Rhein schon um das Dorf bis in den Bixem ausgetreten.
- 14ten – Nachmittags fienge es wieder an zu frieren. Am 15ten truge schon das Eis über. Am 18ten ware schon wieder der Rhein in den Stroom weggefallen und triebe stark mit Eis. Von St. Goar hinauf stand jüngst der Rhein, und von der holländischen Gränze bis Wesel. Am 12ten brach bey Ossenberg ein Damm. Der Rhein hat vielen Schaden angerichtet. Die Eisdecke ist am 12ten dieses zu Wesel aufgebrochen.
- 23ten – Diese Tage wechselten Frost und Schnee ab. Am 24ten lage ¾ Fuß Schnee. Des Abends fienge es mit Regen an aufzuthauen. Am 25ten morgens ware schon der Schnee alle geschmolzen, abends 10 Uhr konnte man noch directe auf Zons gehen, und am 26ten morgens 8 Uhr triebe das Wasser schon dem Dorf vorbey in den Bixem.
- 28ten – Der Rhein wächst fürchterlich. Auf einigen Plätzen, besonders gegen dem Platthals, kann der Damm nur noch stark einen Fuß hoch das Wachsen vertragen, sonst geht es drüber. Es ist deshalben Tag und Nacht 6 Mann Wacht auf dem Damm. – Zu Worringen am Dorf und an den drey Kaulen wird schon heut den dritten Tag und Nacht mit 40 Karren und vieler Mannschaft der Damm erhöht. Vorzüglich nimmt man Mist dazu.
- 28ten – Heut um den Mittag fienge der Rhein an still zu stehen. Im ganzen Feld ist keine Handbreit mehr trocken. Die Rheinfelder und Walhover haben ihr Vieh hiehergebracht. – Das geschmolzene Schneewasser hat in der Nacht vom 24ten auf den 25ten Januar auf der Gillbach vielen Schaden angerichtet. Pulheim ware so vom Wasser umzingelt, daß man nicht hinzukommen konnte. Zu Stommeln standen viele Häuser bis 7 Fuß im Wasser. Der Kreutzhalfen allda hat über 1.000 Reichstahler in der Scheuer an den Früchten Schaden gelitten. Viele Schweine sind ersoffen: dem Imelshalfen zu Ingendorf 29 Schweine, dem Nothauser Halfen über 100 Schafe etz. An der neuen Brücke bey Wevelinghoven ertrank der Meisterknecht vom Aldenbrükerhof: Er fiele aus dem Nachen, klammerte sich an einen jungen Weidenbaum, der bis der Krone gleich in der Erft stand, hienge 4 Stunde bis an den Mund im Wasser, ware von den treibenden Eisschollen zerschunden und wurde endlich von einer großen Eisscholle fortgerissen, nachdem der in der Nähe stehende Capellan von Capellen ihm die General-Absolution in Beyseyn vieler 100 Menschen ertheilt hatte. Alle Rettungsmittel waren vergebens.
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- 1809
- Januar
- 29ten – Der Rhein fällt, aber langsam; in 24 Stunden 1 Fuß.
- 31ten – Herr Lamark, Astrolog in München, hat mit dem neuen Jahr eine Wettervorhersagung in die öfentliche Zeitungen einrücken lassen, die bisher nur halb und halb eingetroffen ist. Indessen bemerkte er auf den 31ten einen drohenden Umstand wegen dem Zusammentreffen zweyer Planeten Auch hörte man seit einigen Tagen aus Kölln, daß am 31ten ein starker Wind wüthen werde. Der Peter Pannes lies daher zur Vorsicht seine Delver Mühle mit Seilen an Pfähle anbinden. Gestern Abend hob sich schon der Wind, der zwischen 2 und 3 Uhr zum Morgen so stark wurde, daß unten im Dorf zwey Scheuren umgeworfen, verschiedene Bäume entwurzelt und fast alle Dächer beschädiget wurden. Es ware einem Erdbeben ähnlich. Die heutige Zeitung von Kölln meldet, daß man in Kölln am 30ten des Abends rührenden Abschied voneinander genommen, in der Meinung, die Welt würde vergehen. Und als endlich der Wind sich so sehr hob, das Kamine einstürzten und die meiste Dächer beschädigt wurden, da glaubte man zuverlässig ans nahe Ende.
- Februar
- 2ten – Es ist Frühlingswetter. Der Wind hat viel Schaden gethan. Da auch der Rhein wegen dem langsamen Fallen noch fast das ganze unterste Feld überschwemmt hatte, so sind die Früchten durch das Wellenschlagen losgeschwemmt.
- 27ten – Es ware eine zeither abwechselnd Frühlingswetter mit Nachtfrösten.
- Merz
- Vom 1ten bis 8ten – Nachtfröste und im Tage schön Wetter. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber.
- Am 19ten, Sontag Judaica – Diesen Nachmittag wurde die Römerfahrt sehr zahlreich bey schönem Wetter gehalten. Bis den 24ten schön Wetter mit Nachtfrösten.
- 25ten – Regen.
- April
- Am ten[3], Ostertag – Diese 3 Täge ward das 40-stündige Gebeth gehalten. Am Ostermorgen um 4 Uhr ward das Hochwürdigste ausgesezt, dann die Prozeßion mit dem Kreutz um die Kirche gehalten. – Die Gottestracht und Hagelfeyer wurden wie gewöhnlich gehalten, doch ohne Umtragung des hochwürdigsten Gutes.
- Mey
- 1ten – Die Nächte sind noch kalt mit Reif und zuweilen Frost. Der Wind hällt im Norden. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber.
- 1ten Juny – Der Mey war trocken und warm. Dieser Tage und besonders heut gabe es mit Donner heilsamen Regen. – Der deutsche Keyser hatte mit diesem Frühjahr nochmal den Krieg gegen Frankreich begonnen. Im Merz fielen sie in Bayern ein und besezten München, worauf die Franzosen, vereint mit den Bayern, anrückten, die Kayserliche schlugen, verfolgten und am 12ten Mey in Wien einrückten. Am 18. Mey gienge der größte Theil der französischen Armee bey Wien über die Donau. Der österreichische Generallissimus Prinz Karl, Bruder des Kaysers Franz II., stand Wien gegenüber. Beym Anrücken der Franzosen wichen die Kayserliche. Man schluge sich am 21ten und 22ten. Allein, in der Nacht vom 22ten auf den 23ten Mey liessen die
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- Österreicher durch Schiffe und Holz, welche sie oberhalb den Brücken die Donau herabtreiben liessen, die französische Brücken zerstöhren, wodurch der französischen Armee die Zufuhr von Pulver und Kugeln abgeschnitten wurde. Die Kayserlichen griffen nun mit 200.000 Man die französische Armee an und beschossen sie von morgens 9 bis abends 7 Uhr mit 40 tausend Schüssen aus 200 Kanonen, worauf der Kayser Napoleon mit der Armee auf das rechte Donau-Ufer zurück gienge. Dies ist die erste Schlacht, die Kayser Napoleon verlohren, während er als General commandirt hat.
- Am 15ten – Es ist des Nachts kalt. – Die Früchten im Feld sehen sich so gut an, als man nur wünschen kann. Kein Theil, sowohl Sommer- als Winterfrucht, ist unvollkommen. Klee ist ausserordentlich viel, und man erinnert sich nie, daß sie so treflich war.
- 19ten – Der Wind ist diese Tage aus dem Norden stark und kalt, so daß in mehreren Stuben eingeheizt wird. Kornpreis 5 Reichstahler. – Es ist wieder erlaubt, daß die Colonialwaaren gegen Abgaben herein kommen dürfen. Der Caffé hat schon jenseits 94 Stüber und hier 108 Stüber pro [Pfund] gestanden. Hier verkaufte man das Loth zu 4 ½ Stüber. Jetz wird jenseits das Pfund zu 50 Stüber verkauft. Man verkaufte schon das Loth zu 5 Stüber im Lande.
- July
- Am 2ten fienge es an zu regnen, da es bisher immer trocken war. Am 3ten und 4ten Regen. – Die Franzosen stehn noch seit dem 22ten Mey in und um Wien.
- 12ten July – Seit 8 Tagen haben wir Regen, welcher viel Heu verdorben hat. Inzwischen ist es dennoch nicht tief ins Erdreich gedrungen, obschon man wegen dem Heu- und dem schon angefangenen Kornhauen auf heisses Wetter hoft. – Kornpreis 5 Reichstahler.
- 24ten August – Immer trocken. Die Winterfrüchten sind gut eingekommen, viel Stroh und viel Frucht. Die Franzosen hatten am Anfang July die Kayserliche bey Wagram jenseits Wien geschlagen, drauf wurde Waffenstillstand gemacht. Die Franzosen besetzen bis zum Frieden Brünn, Presburg etz. Die Fourage vor's Vieh verdorret, Erdepfel werden schlecht.
- 25ten – Die Engländer sind auf der Insel Walchern in Zeeland gelandet. Sie bombardieren Fliessingen. Die Gendarmen aus dem ganzen Departement sind dahin, und weil die Truppen alle bey Wien und in Spanien sind, so sind Nationalgarden ausgehoben worden, welche dahin in die Gegend von Antwerpen marschiert sind. Es befinden sich izt zwey Douaniers von Stommel hier, welche den Dienst der Gensdarmen versehen. Zudem sind 30 der Reichsten als Nationalgarden ernannt aus der Mayerie, welche den Gensdarmen behülflich sein müssen. Man hat hier 3 Mann accordirt, welche den Dienst versehen und welche durch die Vornehmsten bezahlt werden.
- September
- 1ten bis 12ten – Meistens Regen. Der Rhein ist so stark gewachsen, daß vom 10ten bis 12ten in den Kempen die Gründe und hinter dem Damm die Länderey bis über das Waschpättchen überschwemmt sind. Die Leuthe haben den Buchweitz aus der Gegend auf den Damm getragen.
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- September
- Am 23ten – Seit dem 17ten, als dem Tage, wo man hier anfängt zu sähen, hat es ohne Aufhören geregnet, so daß noch fast nichts gesähet ist. Der Rhein ware bis bald an die mittelste Drenk ausgetretten. Hinter dem Damm stand das Wasser bis über das Piwitten-Pättchen. Viele Gemüse sind in der Gegend überschwemmt gewesen. Die Erdäpfel werden faul; wahrscheinlich, weil es warmes Wetter ist. Heut heiterte sich der Himmel etwas, und man hat angefangen zu sähen.
- 30ten – Noch regnet es alle Tage. Die Saath ist noch nicht zum vierten Theil bestellt.
- October
- 8ten, Kirmes – Diese Woche ist es anhaltend ausserordentlich schön Wetter gewesen. Die Saath ist meistens vollendet. Nur Wenige haben an den Erdäpfeln gearbeitet.
- 13ten – Die Kirmes ware nicht so sehr besucht wie die vorige Jahre und wie sie gemäß dem prächtigen Wetter muste geworden seyn. Da ware nun das Zusammentreffen der Zonser Kirmes Schuld. Nachts friert es.
- 25ten – Der October ist so warm und heiter, als er je seyn kann. Seit 10 Tagen thauet es des Nachts. Kornpreis 3 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 7 Reichstahler 15 Stüber, Heu 6 Reichstahler 40 Stüber.
- 28ten – Es ist so warm, als man es sich nie erinnert, um diese Jahreszeit gewesen zu seyn. Die Kinder spielen bis in die Nacht barfuß auf der Straße. Abend find man häufig die leuchtende Johanniswürmchen.
- Friedens-Tracktat
- zwischen Kayser Napoleon und Kayser Franz dem 2ten
- Articel 1: Es soll vom Tage der Auswechslung dieses Tracktates Friede seyn.
- 2. Gegenwärtiger Friede ist gleichfals mit den Königen von Spanien, Holland, Neapel, Bayern, Würtemberg, Sachsen, Westpfahlen, Fürst Primas, den Großherzogen von Baden, Berg, Hessen-Darmstadt, Wirzburg und allen Alliirten des Rheinischen Bundes gemeinschaftlich.
- 3. Der Kayser von verzichtet auf folgende Besitzungen:
- 1) Er tritt ab an den Kayser der Franzosen, um einen Theil des Rheinischen Bundes zu machen und um zu Gunsten dieser Souveraine zu verfügen: das Land von Salzburg und Berchtolsgaden, den Theil von Oberösterreich jenseits der Linie gelegen, die von der Donau bey dem Orte Stass abgeht, und Weissenkirch, Widersdorf, Michelbach, Greist, Minkenhoven, Heff, Jeding, Beginn von da die Straße hin bis Schwanstadt, die Stadt Schwanstad an der Alter und diesen Fluß hinauf und den See, bis dort, wo dieser See an die Gränze von Salzburg stöst. Der Kayser von Österreich wird die Wälder vom Salzkammergut, welche einen Theil des Landes Mondsee ausmachen, nebst dem Recht, da Schläge auszuführen, ohne Souveränitäts-Recht behalten.
- 2) Österreich tritt ebenfals ab: die Grafschaft Görz, Montsfalcone, die Stadt und Gouvernement Triest, Krain, den Kreis von Villach in Kärnthen und alles Land an der Sau rechts von da an, wo dieser Fluß aus Krain tritt, bis an Bosnien, nemlich im Theil des Provinzial-Kroatiens, 6 Districte des Militair Kroatiens, Fiume und das ungarische Littorale, das österreichische Istria oder Castua, die abhängende Insuln, die Herschaft Radzuns, die im Graubünder Lande eingeschlossen ist. Der Thalweg der Sau macht die Gränze.
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- 3) Er trit ab an Sachsen: das umschlossene Land, welches von Böhmen abhängt und in Sachsen liegt, nemlich die Pfarreien Guntersdorf, Traubentrank, Gerlachsheim, Lenkersdorf, Schirgeswalde, Winkel.
- 4) Er tritt ab an Sachsen, um mit dem Herzogthum Warchau vereinigt zu werden: das ganze Ost- oder Neugallizien, einen Bezirk um Cracau am rechten Weichselufer vor Podgorze. Die Demarcations-Linie geht durch Wieliczka und lehnt sich westlich an die Scawina an und östlich an den Fluß, der sich zu Bizdegy in die Weichsel ergiest. Wieliczka und das Gebieth der Salzmienen gehört gemeinschaftlich Österreich und Sachsen. Es kann eine Grenzbestimmung gemacht werden, so daß die San von da, wo er den Kreis von Zamosk berührt, bis zum Einfluß in die Weichsel zur Grenze dient.
- 5) Er tritt an Rußland ab: in dem Theil von Alt-Galizien ein Gebiet von 400.000 Seele, worin die Stadt Brody nicht begriffen ist.
- Articel 4: Der Kayser von Österreich verzichtet auf den Teuschen Orden in seinen Staaten.
- 5) Die Schulden folgen den abgetretenen Provinzen.
- 6) Die an Österreich zurückgegeben Provizen werden auf seine Rechnung vom Tage der Ratification an und die Domainen vom 1ten November verwaltet. Die Archive werden ausgeliefert. Frankreich verspricht den Tyrolern, welche im Aufstande waren, Pardon. Mähren soll in 15 Tagen, Hungarn, Wien etz. in einem Monath, Niederösterreich in 2 Monathen und die andre an Österreich zurückgegebene Provinzen in 2 ½ Monath Zeit von den Franzosen geräumt werden. Die Gefangene werden ausgewechselt. Frankreich garantirt die Besitzungen Österreichs, wie sie sich nach gegenwärtigem Tractat befinden, der in 6 Tagen ausgewechselt werden soll.
- Gegeben Wien, den 14ten October 1809, Champagny, Fürst Lichtenstein.
- November
- Bis 15ten – Angenehm schöne Tage. Kornpreis 4 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.
- 31ten December – Ein paar Tage hat es im December gefroren, übrigens ist das Wetter ausser einigen stürmischen Tagen sehr warm und angenehm gewesen. Die Nachbarn fahren anhaltend Sand durch's Dorf auf die Fußwege längs den Häusern, erst oben aus der Grindskaul und jetz von Merzkirchen aus der dasigen Grindkaul. – Dieses Jahr ware fruchtbar. Die Früchte sind alle wohlgerathen und sehr ergiebig. Weitzen gillt das Malder 7 Reichstahler 30 Stüber, Korn 4 Reichstahler. – Der Kayser Napoleon ist von der Kayserin geschieden, weil sie keine Erben haben. Er wird von Neuem heyrathen.
1810
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- 1810
- Januar
- Bisher ware der Winter beynahe ohne Frost. In der Nacht vom 5ten auf den 6ten fienge es an zu frieren. Am 16ten sezte sich der Rhein zu Düsseldorf, am 17ten bis Grimmlinghausen.
- Am 20ten sezte sich nachmittags der Rhein an Zons. Am 21ten, sontags Morgens 9 Uhr schloß sich die Eisdecke ober der Piwip. Es kame wenig Eiß von oben. Nach dem Mittag ware es heiter und angenehm. Eine Menge Menschen hatten sich auf dem Ufer versamelt. Der Rhein ware wieder am Treiben, sezte sich und triebe wieder. Erst am Abend sezte er sich im Platthalse vest.
- 22ten – Der Rhein steht bis Hittorf. Diesen Abend ward es milde und
- 23ten – diese Nacht hat es sehr wenig gefroren.
- 25ten – Es ist gelinde ohne Frost. Das Wasser im Rhein ist gewachsen, so daß man nicht mehr auf das Eiß kommen kann. Der künftige Pächter der Piwip, Engel Kranz, hat einen Weg gebahnet. Sehr wenige sind noch hinüber gegangen.
- 27ten – Am 27ten fror es wieder stärker. – Vorgestern ward dem Jacob Bükendorf, Sohn der Sophia Bükendorf von hier, ein Bein oben dem Knie abgenohmen. Er ist ungefähr 18 Jahr alt, wohnte bey Richarz in Horm und fiel mit einem Sack Haber die Treppe hinab. Der Chirurg Lindgens von Zons heilte schon seit mehr als einen Monath den Beinbruch. Da aber die Würmer Überhand nahmen, so ward der Prosector Klöcker von Kölln befördert, welcher die schmerzhafte Operation übernahm. Er brachte das Bein im Wagen mit hieher, wo es einstweilen in das Beinhaus niedergelegt wurde, bis man in die Erde kommen kann.
- Februar
- 2ten – Ein paar Tage ware es ein wenig zum Thauen geneigt. Deswegen stand heute schon Wasser auf dem Rhein. Demungeachtet passirten doch viele Einwohner den Rhein an der Piwitte, wo der künftige Pfächter Engel Kranz einen Weg gehauen hat, welcher das Passagegeld von dieser Seythe, und die Monheimer von der andern Seythe empfangen.
- 5ten – Frost. Diese Nacht starb der Jacob Bükendorf, dem das Bein abgenohmen worden ware.
- 10ten – Diese Tage waren abwechselnd bald gelinde zum Thauen geneigt, gestern aber wieder sehr kalt. Diesen Morgen fienge es wieder alles Vermuthen zu regnen an. Der Rhein steht von Düsseldorf bis Hittorf. Höher hinauf und eben unten Düsseldorf fährt man mit Nachen hinüber.
- 11ten, Sontag – Regen. Es giengen noch verschiedene Leuthe an der Piwip über den Rhein.
- 13ten – Das Eis von Hittorf bis oben der Piwip ist fort. Es ist unter der Eisdeke fortgetrieben. Von dem Werth-Hause bis Grimlinghausen steht das Eis noch vest.
- 15ten – Am 15ten: Verflossene Nacht um 12 Uhr ist der Rhein auch an der Piwip losgebrochen. Die Rheinfelder waren fast alle an der Piwip. Zu gleicher Zeit hörte man am Stürzelberg Läuten, als Signal, daß auch der Rhein dort am treiben.
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- Februar
- Am 15ten – Die Nacht hatte es wieder stark gefroren. Der Rhein ist heute sehr klein. Im Strom ist er seit verflossener Nacht 3 Fuß gefallen. Es ist kein Wasser, noch Eis aus dem Ufer gekommen, so klein ist der Rhein, auch beym Aufbruch geblieben. Um 2 Uhr die Nacht ist zu Kölln der Oberrhein gekommen, und heute trieb den ganzen Tag der Rhein hier mit Eiß.
- 16ten – Gestern Abend sahen wir einen starken Brand hier in der Gegend von Rommerskirchen. Heut vernimt man, daß der Blöchershof mit Scheuer und Stallung der Erde gleich niedergebrannt. Ausser 4 Pferden ist alles Vieh und Mobilien ein Raub der Flammen geworden. Von dem gegenüber liegenden Sonshof ist eine Scheuer und eine Reihe Ställe mit einem Rindchen verbrand. Eine Reihe Ställe, eine Scheuer und das Haus, welche mit Pfannen gedeckt waren, sind verschont geblieben. Der Brand ist in der Scheune des Blöchers-Halfen ausgebrochen. Der Wind ware stark und triebe grade auf's Haus. Der ganze Hof ware mit Stroh gedeckt und im Viereck kurz zusammen gebauet.
- 19ten – Sehr kalt mit stürmischen Schnee. Es ist wieder viel Eis im Rhein.
- 22.–23ten – Sehr kalt. – Am 24ten verflossene Nacht stellte sich Thauwetter ein. Der Rhein, welcher sehr klein ist, triebe diese Tage sehr dicht mit Eis, so daß er sich vorgestern zu Düsseldorf sezte, und nachdem er eine Stunde lang gestanden, fienge er wieder zu treiben an.
- 28ten – Der Rhein ist bis 12 Fuß gewachsen, da kame heut das Obereis.
- 1ten Merz – Das Wasser ist heute ausgetreten bis gegen die Mitte des Dorfs, doch fienge es im Strome im Mittag an zu fallen. Es ist angenehm Wetter.
- Bis 18ten – Nordwindig-kalt. – Am 31ten: Seit dem 26ten ware es schön Wetter.
- April
- Am 28ten Merz, nachmittags 4 Uhr brach im Brennhaus der Wittib Dahmen zu Rheinfelderhof Feuer aus. Der Schornstein ware gebarsten und das Dach mit Stroh gedeckt. Man schluge hier auf die alte Klock, und da der Wind aus Norden die Flamme von den übrigen Gebäuden hinwegtriebe, so ward es noch zeitig gelöscht. Nur ein Theil des Dachs ist abgebrennt. Man legte nasse Bettücher über das anschiessende Dach, wovon noch 2 Paar Laacken verbrennten. Kornpreis 4 Reichstahler, Weitz 9 Reichstahler.
- 30ten April, 1er Sontag nach Ostern – Der Aprill ware trocken und kalte Nächte mit Reif. – Der Bischof von Aachen ist todt. Nun hat der General-Vicarius ein Rundschreiben an die Pastores erlassen, worin er befiehlt, daß die abgesezte Festtage in den Kirchen nicht gefeyert und keine Prozession, ausser 3 in der Kreutzwoch, die Fronleichnamsprozession und am Patronstage, mehr gehalten werden sollen. Zu Neus und Köln hatte man die Römerfahrten gehalten, und da von der weltlichen Obrigkeit hierüber kein Verboth existirt, haben wir auch die Ostertage das 40-stündige Gebeth gehalten. So beschlosse der Maier, daß heute nach der Frühmeß die Emausprozession gehalten werde. Wir waren jenseit der
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- Nettergasse hinter Posthalters Garten gekommen, als wir zu Hakenbroich einen Brand aufsteigen sahen. Circa 50 Mansleuthe verliessen die Prozession, welche ¼ Stund still stand und dann ihren Weg wie gewöhnlich fortsezte. Die hiesige oberste Brandspritze, welche von 2 Pferden des Posthalters gezogen wurde, ware in Zeit 8 Minuten zu Hakenbroich, wo eben die Leuthe bey deren Ankunft aus der Frühmeß kamen, und wo man eben erst auf die Klocke schlug. Der Brand ware gräßlicher anzusehen, als man noch nie gesehen hatte. Der Wind ware beynahe still. In Zeit einem Viertel-Stund waren 9 Häuser und 8 Scheuren zugleich in Flammen. Es ist bey dem Henrich Jennenger angegangen. Bekers, Gruben, Schneider etz. haben dabey am meisten verlohren.
- Der Kayser Napoleon hat am 22ten April, als am Ostertage, des Kaysers Franz von Österreich Tochter Lou[i]se geheyrathet. Zugleich sollen 6.000 Soldaten, welche wegen Blessuren Gnadengehalt bekommen, in ganz Frankreich heyrathen, so daß in jedem Kanton eine Hochzeit seyn wird.
- Mey
- 13., Gottestracht – Ein Conscribirter von Delven namens Worringen hat in einer Bataillie im lezten Krieg gegen die Kayserliche einen Finger verlohren. Dieser ward heute mit Maria Catharina Coenen aus Zons hier zur Gedächtniß der kayserlichen Hochzeit copuliert. Die Braut bekömmt 100 Kronthaler als Geschenk. Gestern Abend und heute Früh wurde mit Böllern und mit kleinen Kanöncher von Benrath kanonirt. Um 5 Uhr war die erste Meß, um 7 die zweite, und nach dieser gienge die Prozession aus, von hier auf Grünwalds-Kreutz, von da auf Horm und dan dem Dielrather Wege nach unten am Dorf herein. Am Hause des Maiere waren die öffentliche Beamte, verschiedene Maiern des Cantons und nebst der Prozession eine ungeheure Menge Fremde versammelt. Das "Te Deum" wurde angestimmt, und die Brautleuthe nebst den Autoritäten folgten unter Vorhergehung einer Bande Düsseldorfer Musikanten den Mädcher in der Mitte der Prozession. Trompeten und Paucken gaben das Signal zum Zug, dann wurden unter dem "Te Deum" abwechselnd Märsche geblasen. – Am Kirchhof wartete der Pastor mit dem Hochwürdigen und trat in den Zug, der nun unter Abfeurung der Böller zur Kirche eintrat. Das hohe Amt begann, und nach dem geschahe die Einsegnung, der eine passende Predigt vorhergieng. Das "Te Deum" beschloß die kirchliche Feyerlichkeit. Im Posthause bey Herrn Adolf Verhagen ward Tafel gehalten, wobey circa 50 Persohnen assen. Es waren die Brautleuthe, die Geistliche, öffentliche Beamte, die Angesehensten des Orts und mehrere Fremde. Beym Gesundheit-Trinken des Kaysers und der Kayserin stand die ganze Gesellschaft auf, hob die Gläser in die Höhe, und es erschallte ein herzliches "Vivat". Trompeten, Paucken und der Donner des Geschützes stimmte alles zur enthusiastischen Freude.
[378]
- 1810
- Mey
- 13ten – Nach aufgehobenen Tafel fienge das Tanzen an, welches bis an den Morgen dauerte.
- 14ten, Hagelfeyer – Nach der zweyten Meß um 7 Uhr gienge die Prozession dem alten gewöhnlichen Wege nach aus. Sie ware sehr zahlreich, doch ohne Geistliche. Um 3 Uhr nachmittags versammelte sich eine Menge Fremde und fast alle Bewohner des Dorfs ausserhalb an den Kühbenden. Es ware ein seltener Anblick, die Hügel des Judenberges mit so vielen Menschen pyramidenformig gezieret zu sehen. 4 Halstücher wurden zum Preis ausgesezt, und 24 Mädchen liefen 200 Tritte. Wer zum ersten am Ziel war, erhielt einen. 6 und 6 liefen zusammen. Nachdem folgten die vier Mädcher tanzend der Bande Musikanten, nach diesen der Friedensrichter, der Mayer, die Vornehmste des Dorfs und eine ungeheure Menge Volks. – Nun wurde auf der Straße unter der Kirche die Gans aufgehangen, und die Jungesellen zohen solcher reitend den Kopf ab. Die Nacht wurde bis an den Morgen getanzt. Die Jungen hatten freie Musick und eine Ahm Bier. Es ware heut wieder entsetzlich voller Menschen, das Wetter schön, und alles nahm herzlichen Antheil an dem Feste. Den Armen wurde Brodt und Geld gegeben. Die Hausarmen bekamen jeder 1 Reichstahler
und alle Arme erhielten Brodt.
- Vom 18ten Mey bis 8ten Juny ware es trocken und kalt, so daß in der Nacht vom 29ten auf 30ten die Erdäpfel und alle Bohnen erfrohren sind.
- Juny
- Am 10ten, Pfingstag – Gestern und heute ware es heiß. Heut Nachmittag nach der Vesper hatten wir ein Donnerwetter mit köstlichem Regen.
- 30ten Juny – Vom 10ten bisher ware es entsetzlich heiß, so daß die Sommerfrüchte und Gemüse darunter leiden.
- July
- 2ten, als am Maria Heimsuchungstage, hatten wir einen kleinen Regen. Das Korn darf nicht mehr ins Ausland gehen. Der Weitzen bezahlt doppelte ausgehende Rechte. Kornpreis 4 Reichstahler, Weitzen 11 Reichstahler hier.
- 18ten – Alle Tage ziehen Gewitter vorüber, und wir verlangen nach Regen. In andern Gegenden hat man dessen zu viel.
- August
- Am 4ten – Das Korn ist alle gehauen, aber sehr wenig eingefahren, weil es alle Tage regnet, doch ziehn die schwere Schauren und Gewitter alle oben und unten uns vorbey, so daß es hier noch nicht einmal durchgegangen hat. In den Gegenden, wo die Gewitter hinziehen, ist es so naß, daß sie dort kein Pferd auf den Acker bringen können. – Das alte Korn gillt 4 Reichstahler 21 Stüber. – Am Portiunkule-Tage war es voll Menschen hier, mehr denn 500 communicirten.
[379]
- August
- Die ganze Nacht vom 10ten auf den 11ten regnete es ausserordentlich, und die folgende Tage kamen noch so starke Schauren, daß es durchgeregnet hat. – Am 15ten, als am Maria Himmelfahrtstage, konnten wir wegen dem Regen die Prozession nicht halten.
- Am 20. bis 24ten – Sehr heis. – Dormagen hat ein so ohne Ausnahm gesegnetes Frühjahr, daß man sich desgleichen nicht erinnert.
- 4ten September – Die Tage bisher waren entsetzlich heiß, und man hofte sehnlichst auf Regen. Heute morgens fienge es zu regnen an, der den Erdäpfeln, dem Grummet und den Weiden sehr zu statten kömmt. Das Malder neu Korn gillt 3 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 7 Reichstahler, Heu 7 Reichstahler die 1.000 Pfund.
- 29ten – Gestern hatten wir Regen, sonst ware der September heiß und trocken. Heut, Samstag, als am Michaelstag, arbeiteten Jacob Steinberger, Johann Langel, Josef Sturm und der Welferhalfen. Die übrige Gemeinde feyerte.
- 30ten, Sontag – Heut wurde die Procession gehalten. Unerachtet des schönen Wetter, waren doch nicht viel Fremde hier.
- October
- 14ten, Kirmes, bis 21ten trocken und des Nachts kalt. Man wandelt trocken durch die Mitte des Dorfs. Einen so schönen Herbst hatten wir seit langen Jahren nicht. Weil jetz Holland mit Frankreich vereinigt ist, so gehn die Früchten ohne Abgaben dahin. Deswegen ist das Korn auf 5 Reichstahler und der Weitz auf 9 Reichstahler gestiegen. – Dormagen hat ein äusserst gutes Jahr; es stehn mehr dann 20 große Fruchtbärme um das Dorf, und alle Scheuren sind vollgestopft.
- November
- Bis 30ten abwechselnd Herbst-Wetter, zuweilen stürmisch, zuweilen noch recht angenehme Her[b]st-Tage. Seit Ends October ward die Ausfuhr der Früchten nach Holland und ins Ausland verbothen. Nun ist solche vor drey Tagen wieder nach Holland erlaubt. Das Korn, welches auf 3 Reichstahler 54 Stüber heruntergekommen ware, steht nun wieder zu 4 Reichstahler 30 Stüber, eben so der Weitz, welcher von 6 Reichstahler 30 Stüber jetz auf 7 Reichstahler 30 gestiegen ist. Da man auch im Bergischen so wie in ganz Deutschland 40 pro Cent von den Colonial-Waaren bezahlen läst, so steht jetz der Caffé beynahe hier wie im Ausland gleich im Preise. Es sind so strenge Maaßregeln gegen das Schmuklen genommen, daß solches jetz ganz aufhört. Diesseits kostet der Café 80 Stüber.
- December
- 24ten, Kristabend – Es ist noch immer offen Wetter. Nur ein paar Nächte hat es etwas gefroren. – Es werden noch 3 neue Departemente zu Frankreich genohmen, worin die Städte Hamburg, Bremen und Lübeck gehören. Von Hamburg wird ein Canal in den Rhein gegraben, um aus dem Baltischen Meere nach Paris zu Wasser zu fahren. Der französische General Bernadotte ist zum Kronprinz von Schweden ernannt.
- 31ten – Gestern fienge es an zu frieren.
1811–1823
1811
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- 1811
- Januar
- Am 1ten – Es hat stark gefroren und ist heute sehr kalt. – Neuerdings ist es wieder verbothen, daß die Früchten den Rhein hinunter nach Holland gehn. Deswegen steht hier das Malder Korn Neusmaas 3 Reichstahler 45 Stüber, der Weitzen 7 Reichstahler. – Seit etlichen Jahren ist durch das Überschwemmen des Rheins neben dem Damm unter dem Piwittenpättchen der Grund ausgetrieben. Deswegen hat die Regierung diesen Herbst angefangen, gemelltes Loch mit Erdholz zu bepflanzen. Den Eygenthümern soll der Grund bezahlt werden. Auch ist diesen Herbst von der Feldpforten zu Zons bis durch die Schindskaule ein Damm angelegt worden. – Der Krieg in Spanien geht noch immer fort. Die Engländer helfen den rebellirenden Spanier, die Franzosen belagern Cadise. – Vor Kristmeß ware der Rhein so stark angeschwollen, daß er in die oberste Drenk liefe. Dieses Wasser, welches jetz zugefroren ist, dienet zur Schlittenbahn.
- 6ten, Sontag – Diesen Morgen waren zwey Wölfe aus dem Pulheimer in den Stommeler Busch gekommen. Beynahe 50 Treiber und Jäger von Hakenbroich und Stommeln hielten Klopfjagd. Erst am Abend schoß der Her Franz Joseph Püllen von der Burg zu Hakenbroich die Wölfin davon an Brüngerrath.
- Am 9ten – Morgens setzte sich der Rhein hier am Platthalse. Am Abend fienge er wieder an zu treiben, und in der Nacht auf den 10ten setzte er sich vest. Das Eiß steht höher als das Ufer, und das Wasser ist so hoch angeschwollen, daß es bald in die mittelste Drenk läuft. Es friert ein wenig.
- Am 10ten – Abends schob sich der Rhein von Neuem und triebe wohl eine Stunde. An der Piwitt blieb die Eisdecke unverrückt stehen. Es isselt.
- Am 11ten – Mittags 1 Uhr trieb der Rhein wieder, doch nur bis an die Piwitt. Um 2 Uhr sezte er sich wieder. Der Rhein steht nur bis an Langel.
- 12ten – Mittags 2 Uhr gienge der Rhein stark durch. Das Wasser fiel im Strome bey 2 Fuß. Es ware sonderbahr, daß seit 3 Tagen das Wasser hinter dem Damm 4 bis 5 Fuß höher ware als es diesseits hätte seyn müssen. Das kame daher, weil das Eis an der Piwitt so stark untereinander getrieben ware, daß das Wasser nicht durchkommen konnte. Als nun diesen Mittag das Eis auch im Kolk bis unter Zons losbrach, da kame das Wasser so schnell von Zons herauf, als wenn man eine Schleuse aufgemacht hätte. Kein Mensch erinnerte sich, ein Gleiches je gesehen zu haben. Sogleich lief der Bixem voll Wasser. Das Eis hat unter Zons ausgebrochen, und das Grund steht voll Eis.
[381]
- 13ter Januar, Sontag – Gestern am Abend setzte sich der Rhein wieder und steht auch heute den ganzen Tag. Früh regnete es etwas. Da es hernach schön Wetter ware, so giengen viele Bewohner über den Damm. Es wurden mehrere Hasen todtgeschlagen. Im Abend brachten noch die Rheinfelder ihr Vieh hieher. Jenes von Wallhoven ware schon seit gestern hier.
- 15ten – Das Eiß ist alle fort, nur steht die Decke noch von Sturzelberg herauf bis oben der Piwip an das Werthaus. – Viele Kinder von 10 bis 14 Jahren gehen von hier nach Zons in die Schuhle, um Französisch zu lernen. Die Benden stehen voll Wasser, und an den Enden liegen große Eisschollen. Einer von den Studenten, der Johan Lang, Sohn des Schreiners Johan Lang, gieng auf einer Scholle, stieß mit einem Stock vom Lande, und der Wind triebe ihn mehr dann einen Flintenschuß weit vom Lande. Es ware Ends den Kühbenden, wo der Limittenstein steht. Es konnte halbe 4 nachmittags seyn. Zonser Heukarren, welche von Kölln kamen, sahen das Elend und das Jammer der übrigen am Wasser stehenden Studenten. Einer ritt zu Pferde ins Wasser. Allein, als das Pferd zu schwimmen begann, da kehrte er um. Eine Menge Menschen liefe heraus. Man machte Anstalt zur Rettung, hohlte eine Backmolde etz. Indessen faßte ein Douanier von der hiesigen Brigade, Franz Husser, aus Kölln gebürtig, den Entschluß und stürzte sich ins Wasser und hohlte den Jungen schwimmend heraus.
- 16ten – Gestern Abend ist das Eiß alle fort und der Rhein im Strome diese Nacht 11 Fuß gefallen. Regen. Kornpreis 3 Reichstahler 45 Stüber.
- 17ten – Am Abend fienge es an, stark zu schneen. Am 18ten morgens ware es etwas gefroren. Morgens 10 Uhr kame das oberländische Eis, worin eine Mühle eingefroren mit getreiben kame.
- 20ten und 21ten – Starker Frost. – Am 26ten treibt der Rhein dicht mit Eis.
- 27ten – Es ist heute Thau-Wetter. Kornpreis zu Neus 4 Reichstahler, Weitz 7 Reichstahler 30 Stüber.
- Februar
- Am 2ten – Es ist hell und hat nur ein wenig gefroren. – Der Maier berichtete den Vorfall vom 15ten dieses an den Douanen-Directeur in Kölln, worauf dieser den Douanier Franz Husser zum Unterleutnant ernannte und ein sehr verbindliches Schreiben an den Mayer erlies.
- 6ten – Der Frost hört auf, der Rhein ist bis ins Bixem ausgetreten.
- 15ten – Es ist wieder eine Frostbahne. Das ganze Aufschwellen des Rheins hat alles Saumnis mit fortgenohmen.
- 27ten, Aschermitwoch – Die Karnevalstage ware es Frühlingswetter, doch ware es sehr still im Dorf. – Kornpreis in Neus 4 Reichstahler 20 Stüber, Buchweitz 7 Reichstahler 20 Stüber.
- Merz
- Anfangs kalt, hernach etwas naß, doch sehr wenige Schauren. Kornpreis zu Kölln 11 ½[4].
- April
- 1ten bis 20ten – Sehr warme Frühlingstage. Es gibt schon Kornähren. Zu Stommeln haben gestern Nacht die Wölfe ein Pferd zerrissen.
[382]
- 1811
- Aprill
- 21ten bis 26ten – Nordwindig-kalt. – Am Palmsontage, als der Kaplan des Morgens die Bruderschaft für den Nachmittag publizirt hatte, versammelten sich die Bewohner um 2 Uhr auf dem Kirchhofe und giengen die gewöhnliche Römerfahrt, welche Prozession sehr zahlreich ware, und in der Kirche ware nichts zu thun. Wie wir wiederkamen, betheten wir die lezte Station am Missionskreutz. Kornpreis 3 Reichstahler 28 Stüber, in Neus 3 Reichstahler 45 Stüber. Am Kahrfreytag hielten wir ebenfals die Römerfahrt und die Emaus-Prozession des Sontags nach Ostern nach der Frühmeß, weil an dem Ostermontag das Gebeth ware.
- Bis 1ten Mey heiter, trocken-kalt. Kornpreis in Neus 4 Reichstahler.
- 5ten, Gottestracht – Weil die Geistliche nicht mit der Prozession gehen dörfen, so hielten wir die erste Benediction um 9 Uhr am hohen Altar, giengen dann um die Kirche, wo die erste Station am Missions-Kreutz gehalten wurde. Dann giengen wir in die Kirche, hielten die zweite Station am hohen Altar, und das hohe Amt begann. Nach dessen Ende ward die dritte Station ebenfals am hohen Altar gehalten, nach deren Beendigung fienge das Kohr das "Veni Creator" an. Die Prozession gienge das Dorf hinunter durch die Mähebenden bis wo der Limittenstein auf dem Zonser Damm steht, von da auf Rheinfeld, oben am Dorf herein. Wie wir wieder in die Kirch kamen, wurde die vierte Station gehalten. Die Prozession ware sehr zahlreich; nur schade, daß zwischen Zons bald an Rheinfeld es zu regnen anfienge!
- 6ten, Montag Hagelfeyer – Weil es die Nacht geregnet hatte, so ward um 8 Uhr eine Messe zu Ehren der heiligen Agatha und keine Prozession gehalten.
- 7ten, Dienstag – Unser Friedensrichter, Herr Johann Jacob Meyer, von Ratingen gebürtig, ward heute um 8 Uhr auf seinem Zimmer todt gefunden. Er ist, weil er sehr dick ware, am Schlagfluß gestorben. Um 12 Uhr gestern Abend gienge er erst zu Bette, bevor er mit dem Maier noch wie alle Abend sehr aufgeräumt die Zeit hinbrachte. Er lag rücklings auf dem Bett, ein Fuß auf der Erde, das Nachtgeschier neben ihm zerbrochen auf dem Boden, und ware schon kalt.
- 8ten – Am Abend ward der seelige Friedensrichter begraben. Die ganze Pfarre, die Pastores von Worringen, Hakenbroich, Straberg, Nivenheim und Zons mit seinem Caplan wohnten dem Trauergefolge bey. Auch waren die Herren Maier von Worringen, Nivenheim und Zons mit unter den Begleitenden. Er wohnte an Steinbergers, und weil nun der Zug sehr lang ware, so giengen wir das Dorf hinauf bis bald am Schwanen, dann über den Fuhrweg diese Seythe hinaus über den Kirchhof in die Kirche, wo die Todten-Vesper gesungen und dann die Leiche vor dem Missionskreutz versenkt wurde.
[383]
- Mey
- Das Grab ware mit Lille- oder Meyenblumen bestreut und das Tuch über der Bahre mit Frühlingsblumen geschmackvoll geziert. 3 Pastores trugen Kohrkappen, 2 Levittenröcke und 4 Röchlinen. – Am 12ten Kornblühe.
- 15ten und 16ten wurden die Seelenmessen für den seeligen Friedensrichter gehalten. Die Pastores waren aus dem ganzen Canton eingeladen, welche auch alle ausser dem Pastor von Stommel gegenwärtig waren. Der Altar ware ganz schwarz behangen, nur waren hier und da Schwerdlilien und weisse Blumen angebracht. Die Pastores speiseten mit den Freunden, den Herren Maieren von Zons und Nivenheim und den Trägern bey Steinberger. Der Selige hatte kein Testament gemacht, sonst würde er wahrscheinlich alles dem Jacob Steinberger, seinem Wirthen, bey welchem er circa 13 Jahr logirte, vermacht haben. Jetz erbt seiner Schwester Tochter, welche es nothwendig hat. Er hat verschiedene ausstehende Capitalien, welche sich mit seinen Mobilien zwischen 2.500 bis dreytausend Reichstahler belaufen werden. – 18. und 19. entsetzlich heis.
- 20., 21. und 22ten – Diese 3 Täge und Nächte hatten wir anhaltende Donnerwetter mit vielem Regen.
- 25ten, Kristi Himmelfahrt – Um 9 Uhr fienge das hohe Amt an, nach dessen Beendigung giengen wir die gewöhnliche Procession, doch ohne die Geistliche. Um halber eins waren wir wieder in der Kirche, wo wir das "Der Engel des Herren" betheten und ohne Benediction nach Hause giengen. Da fienge es an zu regnen.
- Am 20ten Merz hat die Kayserin von Frankreich einen Sohn gebohren, dem die Namen Franz Josef Karl Napoleon beigelegt wurden. Die zeremonielle Taufe ist auf heute festgesezt, als am Dreyfaltigkeitstage, am 2ten Juni. Es wurde verordnet, daß in allen Gemeinden von ganz Frankreich dieser Tag so froh als möglich gefeyert werden solle. Es wurde demnach gestern Abend eine Stunde geläutet, die Böller gelöset und heut Morgen um 4 Uhr wieder geläutet und um 4 geschossen. Der frühe Morgen weissagte einen schönen Tag. Allein, um 10 Uhr fienge es so stark zu regnen an, daß die Leuthe nur mit Mühe in die Kirche kommen konnten. Beym Hochamte war keine Predigt, nach dessen Beendigung ward das hohe Amt gesungen. – Um 2 Uhr hohlten die Jungen den Maier mit Musick und einer großen Fahne an ihrer Spitze ab. Die meisten hatten Gewehr, weil unten vor dem Dorf zum Vogel geschossen werden sollte. Wie der Zug dahin kame, wurde von 25 Mädcher um vier Halstücher um die Wette gelaufen. Drey erhielten die erste Preise, welche auch voriges Jahr Tücher erhalten hatten, das vierte war von Hakenbroich und wohnte zu Horm. Den Mädcher wurde an dem Wirthshaus unten am End, "Zur Willmuth" genannt, Wein gegeben.
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- 1811
- Juni
- Am 9ten – Da tanzten sie und wurden von den Musikanten durchs Dorf geführt bis an die Maierie, wo sie nochmal tanzten. Nun fienge das Vogelschiessen an. Als der Maier den ersten Schuß im Namen des Kaysers that, erscholl ein lautes "Vivat der Kayser". Der Einsatz von jedem Schuß ware 12 Stüber, und es waren zwischen 80 und 90 Loosen. Um den Ertrag wurde geschossen. Da aber der Vogel sehr stark war, so blieb ein Theil vom Rumpf und die Platte stehen, wornach also am Donnerstag, als am Fronleichnamstag, geschossen wird. – Um 8 Uhr ward im Posthause von circa 25 Personen soupirt. Vier Köllnische Musikanten spielten über Tisch. Um 10 Uhr war das Posthaus illuminirt. In der Mitte waren transparente Figuren und in allen Fenstern Piramiden von 150 Kerzen. Bey Steinberger brennten 33 Lichter. Das Missions-Kreutz ware rundum mit Leuchteren geziert, und oben an dem Fenster oben den Schallöchern am Kirchenthurm hieng eine große Leuchte. Das Douanenbureau, das alte Posthaus und die Fenster des Grefier waren beleuchtet. Der Maier hatte ausser vielen Lampen 2 transparente Figuren mit der Innschrift unter dem Adler "optimo principi Napoleoni". An meinem Hause hieng oben ein großer Spiegel mit dem Namenszuge des Kaysers, von vielen Lichtern umgeben. In zwei transparenten Seythen-Figuren glänzte "Austria foelix" und am Posthaus "Renascens Roma". Vor dem Posthaus hatten sich um 10 Uhr mehr dann 300 Menschen versammelt. Da erhob sich die Gesellschaft auf die Straße, es war 10 Uhr, und machten einen Zug durch das Dorf bis an die Maierie. Die Musikanten spielten vorauf, dann der Maier mit dem Adjunct, ihren Frauen und den Frauenzimmern der Gesellschaft. Dann folgte eine unzählige Volksmenge. Unter die Musick mischte sich ein Jauchzen, so froh, als es noch nie gehört wurde. Vor dem Hause des Maiers wurde das beliebte Lied "Es kann ja nicht immer so bleiben" gesungen. Und so wie der Zug im Posthause zurückkame, fieng der Ball an, der sich erst mit dem Morgen endigte.
- Am 13ten, Fronleichnamstag – Des Nachmittag wurde der Rest vom Vogel durch den Metzger Christian Schmitz abgeschossen. Sie hielten einen Zug durchs Dorf mit Musick und tanzten die Nacht.
- 26ten – Bisher hatten wir trocken Wetter. Kornpreis 3 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler.
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- Juny
- Am 22ten dieses kamen circa 12 Husaren und Gensdarmen mit 1 Oficier und 21 Voltigeur auf Execution hieher, um die Deserteurs und Refracteurs beyzuschaffen. Sie wurden am 25ten in den Canton vertheilt, und man arretirte die Eltern, Schwester, Brüder, Oheime, Vettern der Deserteurs etz. und setzte solche oben in das Haus des Jacob Delhoven. Sie bekamen nur Wasser und Brodt, bis sie anzeigten, wo die Deserteurs sind. Viele schaften solche bey, und die Arrestanten kamen gleich loß. Dormagen muß alle 5 Tage 235 Francs Execution bezahlen und die Soldaten beköstigen, so auch die andere Maierien nach Verhältniß. Am 3ten Julius zohen sie ab nach Aachen.
- Julius
- Am 15ten – Es ist sehr heiß, doch hatten wir mitunter Regen, besonders am 28ten vorigen Monaths, wo es einem Wolkenbruch ähnlich ware. – Das Korn ist alle ab und schon ein großer Theil eingescheuert. Man hauet Weitzen. Man erinnert sich, nie ein so frühes Jahr erlebt zu haben. Auch der Weinstock ist so sehr vorgerückt, am Johannistag ist schon neuer Wein getrunken worden.
- 20ten, Samstag – Diesen Nachmittag machten zwey Kinder in der Küche des Johann Hambloch Feuer am Herd mit Roggenstroh. Das Feuer ergrif eine Bausche Stroh und einen in der Nähe stehenden Korb, welches einen starken Rauch verursachte. Man riefe Hülf und schluge auf die Klock. Zwey Worringer Fischer kamen just mit einer Zing Wasser, um in der Nähe des Hauses die Erde zu besprengen, damit sie dort die folgende Nacht Würmer lesen können, denn es war sehr heiß und trocken. Die Fischer liefen sogleich mit dem Wasser herein und löschten glücklich das Feuer, das um so verderblicher gewesen wäre, da sich eben in dem Augenblick ein heftiger Wirbelwind erhob, der den Staub auf der Straße thurmhoch erhob und die herbeyeilenden Menge Menschen in Ungewißheit sezte, wo der Brand seye.
- 21ten, Sontag – In dem Hohenamte ward beym Evangelio geläutet. Das Seil packte die hölzerne Büchse von der kleinen Klocke, welche im Gewölbe bevestiget war, und es fielen einige Scherben und Staub herunter. Es enstand ein Gemurmel. Die ganze Volksmenge erhob sich und stürzten meistens auf die kleine Kirchthüre hin, wo es natürlich ein solches Gedränge wurde, daß der eine über den anderen hergienge. Ein alter Taglöhner von Delven wurde so zugerichtet, daß er mit den Sterbsakramenten versehen werden muste. Einige glaubten, der Thurm wolle einstürzen; andere vermutheten Brand. Ferner sprach man von einem rasenden Hunde, von einem rasenden Menschen etz. In der Halle und zwischen den Thüren lagen Menschen übereinander auf der Erde, worüber sich die Menge der Fliehenden fortmachte. Viele Frauenzimmer standen mit blosem Kopf und hatten die Treckmützen verlohren, mehrere waren ohne Schuhe, und anderen sind die Kleyder so zerrissen, daß sie nicht mehr
[386]
- 1811
- Julius
- gemacht werden können. Der Kaplan hatte das Meßgewand ausgethan, und kein Mensch wuste, was zu thuen war. Auch waren schon einige an den Fenstern herausgesprungen, bis man endlich gewahr wurde, daß nichts zu thun ware, und die Messe wurde ausgelesen. – Kornpreis zu Neus 3 Reichstahler 50 Stüber, Sahmen 10 Reichstahler 45 Stüber.
- 28ten – Entsetzlich heis. – Der Augustus ware sehr trocken und entsetzlich heis. Nur am Bartholomai-Tag regnete es etwas. Alles ware früh zeitig. Im August hat man zum Andenken einigen Wein gekeltert. Man verspricht einen so guten Wein, wie er seit 1540 nicht gewesen ist.
- September
- Der ganze Monath ware so trocken und heiß, als es bey Menschengedenk nie ware. Die Erdäpfel sind reif, allein, man kan sie nicht ausmachen, es müste dann mit Schüppen geschehen. Die Saath kann nicht heraus kommen, doch hat es ein paar Tage etwas wenig geregnet. Kornpreis zu Neus 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber, das Pfund Rabsahmen 14 Reichstahler, das Pfund Butter 14 Stüber, frisch Schweinefleisch 7 ½ Stüber.
- October
- Am 1ten fienge es abends mit Donner und Blitz zu regnen an.
- 12ten – Kein Mensch gedenkt einen so schönen Herbst, selbst die Nächte sind warm. Die kleine Regenschauern oder vielmehr die Donnerwetter haben die Saath prächtig herausgetrieben.
- 13ten, Kirmes – Einen so großen Zusammenfluß von Menschen hatten wir nie. Selbst die lezten Tage, Mitwoch und Donnerstag, ware es voller Fremden hier. Die vornehme Musick ware in der sogenannten Willmuth bey Peter Strak. Das Dorf ist so trocken, daß man eben so gut durch den Fuhrweg als neben den Häusern passirt. Die Nacht vom Donnerstag auf den Freytag ward noch bey vollen Sählen getanzt bis an den Morgen. – Der bisherige Grefier Blasius ist Friedensrichter geworden.
- 31ten – Das Wetter ware bisher sehr warm und schön. Weitz zu Neus 10 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 25 Stüber.
- November
- Am 1ten – Gestern bekame der hiesige Maier Ordre, aus dem Canton 230 Pferde zur Verstärkung der Post aus dem Canton aufzubiethen, welche morgen hier seyn sollen, um bey der Durchreise des Kaysers als Vorspann zu dienen. Zugleich musten Anstalten getrofen werden zu Ehrenbezeugungen. Die Hormer errichteten einen Triumpfbogen vor dem Dorf gegen den Kühbenden, wir einen vor der Maierie und einen am Lämbchen. Zudem wurden 2.000 Meyen und 12 schwere Meyen durch die Einwohner von Hakenbroich aus dem Gohrbusch gehauen und hiehergefahren, womit alle Häuser garnirt werden sollen.
- 2ten kamen die mehrste Pferd aus dem Canton an. Es ware ein sehr schöner Nachmittag. Der Posthalter probirte 8 Pferde an einem Wagen und fuhr in die Benden, wo alle Pferde versammelt waren und gemustert wurden. Es ware eine Menge Fremder und Einheimische versammelt, welche wegen dem heitern Wetter dem Schauspiele zusahen.
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- November
- Am 3ten, Sontag – Es ward diesen Morgen nur eine Lesemesse an statt dem hohen Amte gehalten. Die Passage geht sehr stark. Gestern ist die Kayserin und heute der Kayser in Düsseldorf angekommen. Um 11 Uhr abends kame der Prefect von Aachen hiedurch. Ich sprach mit ihm über die Anstalten des Festes, nähmlich, daß wir durch Kinder 18 silberne römische Münzen der Kayserin als Geschenk für den König von Rom ihren Sohn presentiren wollen. Der Prefect kame am 4ten mittags zurück, besahe die Münzen und fand solche ihrer Bestimmung würdig.
- 5ten fuhre der Kayser und die Kayserin von Düsseldorf über Mühlheim durch das Bergische nach Kölln. Die Zonser, welche das Kanonieren hörten, strömten in Menge hieher, im Glauben, die Passage würde hiedurch gehen. Es kamen aber nur einige Wagen und Kouriere.
- Am 6ten sahe ich die junge Kayserin in Kölln. Der Kayser ware auf Bonn, welche Stadt zu einer Vestung umgeschaffen werden soll. Den 7ten fuhren sie über Aachen auf Paris. – Die Berliner Zeitung sagt, daß am 16ten October auf einem Platz der Stadt Magdeburg ein Kastanienbaum Blüthe getragen. Es scheint, schreibt man aus Paris, daß die Hitze in Deutschland wie in Frankreich im October eben groß ware. – Wir hatten hier zu Dormagen des Sontags nach der Kirmes ein Sträuschen Violen, und an den Hecken konnte man ganze Hände voll Käfern sammeln. Des Abends summten sie über die Straße, und die Jungen fiengen solche mit den Hüthen. – Regenwetter.
- 10ten – Heut rückte hier das erste Carabinier-Curassier-Regiment ein. Sie wurden zwar vertheilt, weil aber der Stab hier blieb, so ware doch fast in jedem Hause ein Mann und Pferd, wo nur ein Scheuren-Tenn oder ein Plätzchen vor ein Pferd war. Am 11ten brachen sie auf Neus und Creveld auf.
- 12ten kame das 10te Regiment Curassier hier an. Sie wurden wohl in 80 Dörfer vertheilt und sollen einsweilen cantonniren. Hier blieben 20 Mann und 3 Oficier. Im alten Posthause wurden Ställe zurecht gemacht, wo die Pferd alle beyeinander gesezt werden. Wir müssen 11 Pfund Heu, 11 Pfund Stroh und ein Viertel Haaber pro Ration bey den Vicarius ins Magacin liefern. Dafür wird 16 Stüber zahlt. – Kornpreis zu Neus 5 Reichstahler 40 Stüber, Weitz 9 Reichstahler 50 Stüber, Haber 2 Reichstahler 25 Stüber.
- Am 22ten – Morgens musten die Truppen aufbrechen. Sie gehn ins Bergische. Der Prefect hat in die Departements-Zeitung Folgendes einrücken lassen:
- "Aus Eschweiler, Stollberg, Neus, Dormagen schreibt man, daß große Zurüstungen daselbst gemacht worden sind, in der Hofnung, daß Ihre Majestäten durch diese Gemeinden ziehen würden. Der Maire von Dormagen nahm sich vor, höchstdenselben silberne Münzen mit dem Brustbilde von vielen römischen Kaysern, welche in seinem Bezirk gefunden worden, zu überreichen, in der Zuversicht, daß der erstaunenswürdige Mann, vor welchem aller Ruhm verschwindet, dieses Schärflein der Wittwee nicht verschmähen würde."
- 22ten, 23ten, 24ten starker Frost.
[388]
- 1811
- December
- 8ten – Wir haben jetz Curassiere vom 1ten Regiment hier. Sie sind so dünne auseinander gelegt, daß wir deren nur 10 hier haben. Die 80 Centimes für die Ration wird den Leuthen, welche liefern, richtig ausgezahlt. – Kornpreis 6 Reichstahler, Weitz 10 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber in Neus.
- 25ten, Kristtag – Nie ware bey meinem Gedenck der heutige Tag so angenehm Wetter ohne Frost. Die Frucht im Feld ist zu mächtig. Vieles Korn wird faul. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 10 Reichstahler 30, Haber 22 Schilling in Neus.
- 26ten fiel etwas Schnee. Am 27ten Frost und Schnee, am 30ten Frost.
- 31ten – Es friert noch immer, aber nicht stark. Rabsahmen 12 Reichstahler das Malder. – Dieses Jahr ware nicht viel Frucht und Stroh gewachsen, zum Glück, daß die Preisen ordentlich sind. – Der Welferhof wurde vor einigen Jahren um 9.000 Reichstahler an einen Franzosen namens Boismar verkauft. Dieser Boismar verkaufte den Hof um 13.000 Reichstahler an den Pächter Christian Coenen, wenn er die Kaufschilling in Zeit von 5 Jahren erlegte, sonsten sollte er schwere Intressen von den 13 tausend Reichstahlern zahlen. Der Welferhalfen fienge einen Process an mit dem Boismar und bewiese, daß der Hof nur um 9 tausend Reichstahler. Dem Boismar ward durch ein Urtheil 9.000 Reichstahler zuerkant, welche Coenen ihm schuldig ist. Der Hof wurde am Tribunal von Neuem verkauft, mit der Saath und mit allem Eygenthum für 36 tausend Franc an Boismar. Nun muß der Welferhaifen abziehen. Er hat kein Handbreit Land mehr, was seyn Eygen ist, und weis nicht, wohin.
1812
- 1812
- Januar
- Bis 18ten meistens Frost mit etwas Schnee. Zuweilen macht es Miene zum Aufthauen. Kornpreis in Neus 6 Reichstahler 25 Stüber, Heu 1.000 Pfund 14 Reichstahler.
- 20ten – Frost mit etwas Schnee. Im Hakenbroicher und Stommelerbusch sind diesen Winter schon sieben Wölfe geschossen worden.
- 30ten – Gelinder Frost mit Schnee. – Gestern Abend mit dem Dunkel zeigte sich ein Brand. Man schäzte solchen auf Fliesten oder Büsdorf. Heut vernimmt man, daß es die Scheuer und Ställe des Maier Esser von Stommeln, am Heiligen-Häuschen, war. Mann ist einstimmig der Meinung, daß daß[5] der Brand angestochen ist, weil der Maier einen Proces mit der kleinen Gemeinde wegen der Theilung des Gemeinde-Holzes hat. – Das Korn ist gestiegen bis auf 9 Reichstahler 15 Stüber in Neus. So eben wurde mir vor Dormager Maas hier auf der Platz 9 Reichstahler gebothen. – Es ist in Frankreich Mangel, und die meiste Frucht geht auf Aachen.
- 31ten – Thauwetter. Heute am Abend sahe der Johan Haas, Adolf Schmitz, Jacob und Johann Henrich Coenen, welche sich auf dem Weg zwischen Zons und Welfen befanden, Feuer auf den Rheinfelderhofs-Ställen. Sie liefen nach Rheinfeld und sahen nichts. Die Bewohner des Hofes, welche an Vorgeschäfte glauben, sind sehr in Schrecken gesezt. Ich glaube aber, daß die untergehende Sonne den Glanz in den Scheiben des Dachfensters gemacht hat, welches oft wie Brand aussieht.
- 1ten Februar – Thauwetter.
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- 1812
- Februar
- 2ten – Angenehm Wetter mit etwas Wind und Sonnenschein. – Die Alten hielten darauf, wenn es am Lichtmeßtag hell und klar ist, so gibt es viel Heu und Stroh. Wenn der Bär seinen Schatten sieht, so kriecht er noch 40 Tag in sein Loch. Wind an diesem Tag bedeutet Krieg. Dunkel Wetter deutet auf Sterben. – Gestern ward in Kölln das Pfund Korn zu 10 Reichstahler verkauft.
- 8ten – Frost. Das Korn ist wieder bis auf 8 Reichstahler Neusser Maas abgeschlagen.
- 14ten – Bis heut hat es gefroren, drauf regnete es. Diesen Abend Sturmwind. Kornpreis hier Neussermaas 10 Reichstahler 30 Stüber, Haber Kölnische Maas hier 3 Reichstahler 30 Stüber.
- Merz
- Am 1ten – Abwechselnd mit Frost, Schnee und Regen. Kornpreis in Kölln 8 Reichstahler.
- 12ten – Merzenstürme. Man hat in den Gärten noch nichts gegraben. – Kornpreis in Kölln 7 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler hier aufm Platz.
- 29ten, Ostern – Der Merz und besonders die Kahrwoche waren sehr stürmisch. Es sind noch wenige Kleedrieschen gebauet. Auch diese 3 Ostertage hat es ohne Unterlaß gestürmt. Kornpreis in Neus 8 Reichstahler.
- April
- Sontag, den 5ten fienge der Rhein so stark an aufzuschwellen, daß er am Abend schon dem Dorf vorbey triebe. Am 6ten stand schon der Bixem voll. Es ist wenig trocken Land mehr unten im Feld.
- 7ten fienge der Rhein an zu fallen. Am 8ten konnte man schon mit Stiefeln am Kirchgäschen in die Aue gehen. Weil es windstill war, so steht das Korn recht frisch, welches aus dem Wasser kömt. Am 9ten, 10ten Frost.
- 16ten Regen aus Norden, am 17ten und 18ten starker Frost mit Schnee. Kornpreis in Kölln 7 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 14 Reichstahler, Sahmen 10 Reichstahler.
- 30ten – Trocken und kalte Nächte. Am Gottestags-Tage hielte der Pastor morgens 5 Uhr die erste Meß. Das Venerabel wurde ausgesezt, und es wurde gebetten bis an das hohe Amt. Nach demselben giengen wir 3 mahl um die Kirche, wo an einer am Missions-Kreutz errichteten Station die gewöhnliche Evangelien etz. gesungen wurden. Die lezte Station ware in der Kirche. Des Nachmittags ware Vesper. Am Hagelfeyerstage wollte der Pastor ein Anniversarium halten. Er entschloß sich doch, für Geld des Morgens 5 Uhr eine Leßmeß und um 9 Uhr das hohe Amt. Obschon das Hochwürdige nicht ausgesezt wurde, so betheten doch die Leuthe stundenweis vom Morgen 5 Uhr bis an das hohe Amt.
- Mey
- Meistens trocken und kalt. Dieses Jahr ist zum erstenmahl nicht in den Mey geläutet worden.
- Junius
- Bis 15ten trocken. Am Ende des Monaths hat es fast immer geregnet, so daß noch fast kein Heu gemacht worden. Kornpreis hier 6 Reichstahler 15 Stüber. Am Johannistag wurden die Ländereyen des Josef Sturm verkauft. Die Bedingnisse sind 8 Jahr darüber zu bezahlen. Es waren circa 140 Morgen, und der Morgen wurde im Durchschnitt zu 100, 120, sogar 165 Reichstahler ohne Saht verkauft.
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- 1812
- Julius
- Am 1ten – Nordwindig-kalt mit Regen. Heut wurde Rabsahmen gehauen.
- 30ten – Erst halben July wurde mit dem Kornhauen. Das Wetter ware bisher so unbeständig, daß man gleichfals das Korn hereinstehlen muste. Indessen ist der öftere Regen der Sommerfrucht sehr ersprieslich. – Krieg. Weil der Kayser von Rußland den Friedenstraktat von Tilsit nicht gehalten und die Einfuhr der englischen Waaren in seine Staaten erlaubt, so hat Frankreich an Rußland den Krieg erklärt. Der Kayser Napoleon ist mit seiner ganzen Macht in Pohlen eingerückt und hat fast ganz Lithauen, welches der russische Antheil Pohlens ist, besezt. Die Russen sind zurückgezogen und stehen an der Düna. Der Kayser von Österreich, Preußen, Bayern, Westphalen und der ganze Rheinbund haben ihr Contingent zur französischen Armee geliefert.
- August
- 2ten August, Sonntag Portiuncula – Dieses Fest zohe heute eine Menge Fremde herbey, besonders von Zons, wo heut keine Frühmeß ware, weil der dasige Capellan nach Widdersdorf versezt ist. Unser Capellan hielt eine gute Rede über den Ablaß. Abends 5 Uhr ware Complet mit "Te Deum".
- 10ten – Wenn es einen Tag gut Wetter ist, so regnet es den andern wieder. Est steht noch viel Korn auf Gästen. Der Weitz ist alle ab und schon Haaber gemähet. Das neue Korn gillt 6 Reichstahler 24 Stüber, Weitz 12 Reichstahler.
- 15ten – Heut erst ist es ein heisser Tag. Es steht noch Korn und viel Weitz im Feld. 16ten-19ten sehr heisse Tage. Kornpreis 6 Reichstahler in Neus.
- 26ten – Bisher sehr heisse Tage. Sahmpreis in Neus 9 Reichstahler, Korn 6 Reichstahler 15 Stüber, Sommergerst 5 Reichstahler, Weitzen 10 Reichstahler.
- September
- Bis 22ten – Kalte Nächte, im Tage warm und sehr trocken. – Kornpreis 6 Reichstahler 15 Stüber in Neus, Sahmen 10 Reichstahler, Weitzen 10 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler. – Die Armee hat eine Schlacht gewonnen bey Schmolensko und geht vorwärts auf Moscau. Die Russen wehren sich entsetzlich. In bemelter Schlacht wurden 12 Generäle getödtet oder verwundet von französischer Seythe. Auch von den Russen wurden bis 20 Generäle getödtet oder verwundet.
- 24ten – Regen. 25ten schön Wetter. Der gestrige Regen hat der Trockenheit ein End gemacht. Es ist izt recht gut eggen.
- October
- 11ten, Kirmes – Des Nachts regnet es, und im Tage ist es schön Wetter.
- 16ten – Diese Tage ware es voller Fremden im Dorf. Unten bey Müller und in der Willmuth bey Deutz ware die vornehme Musick. Kornpreis in Neus 6 Reichstahler 30 Stüber, Sahmen 11 Reichstahler, Weitz 10 Reichstahler 50 Stüber, Buchweitz 5 Reichstahler das Pfund, Haaber in Kölln 3 Reichstahler 30 Stüber.
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- October
- 22ten – Die Franzosen sind in Moscau. Als sie 2 Tage darin waren, so steckten die Russen die Stadt an 500 Enden in Brand. Der Kayser ware mit 80 tausend Mann im Kremlin; das ist die mittelste Stadt. Am 17ten ware hier die Ziehung der Conscribirten.
- November
- 4ten – Viel Regen. – Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler 45 Stüber, Haaber dorten 4 Reichstahler.
- 19ten fienge es an zu frieren. Am 22ten gienge schon alles drüber.
- 25ten – Starker Frost. Korn in Kölln 7 Reichstahler, Haaber 12 Gülden, Weitz 10 Reichstahler. Die Franzosen verlassen Moscau und ziehen zurück in Pohlen, wo sie wahrscheinlich Winterquartier machen werden.
- 29ten – Gelind ohne Frost.
- December
- 3ten und 4ten – Frost. Heute, am 4ten, als am Barbara-Tag, abends halb 6 Uhr gienge in der Scheuer des Hufschmidt Christian Schmitz Feuer auf. Es ware etwas gefroren. Der stille, kaum merkbahre Wind kame von Nivenheim. Die Flamme stieg himmelan, Funken flohen in die Gärten. Der Brand schien sehr groß zu seyn. In dem Augenblick ware eine unserer Spritzen und so viel Menschen da, daß man eine und gleich nachher zwey doppelte Reihen formierte, um mit Eymern aus dem Mistpfuhle des Hern Vicarius Wasser herbeyzuschaffen. Eine Spritze, welche Adolf Coenen dirigirte, that in dem Hof des Gerhard Strak trefliche Wirkung. Die Scheuer des Schmitz, welche an die Scheuer des Adam Otto dicht angebauet ware, brennte schon nieder, ehe jene des Adam Otto zu lodern anfienge. Diese wäre ganz gerettet worden, wenn die andere Spritze dabey gewesen wäre. Allein, der Spritzenmeister Jacob Steinberger hatte solche in dem Hof des Herman Schmitz aufgestellt, wo sie nichts nützen konnte. Er hatte die Absicht, wenn der Brand weiter um sich greifen sollte, das oberste End zu schützen, wo seine Wohnung war. Da nun bey dem stillen ohnehin günstigen Winde gar nichts zu befürchten ware, so ließ der Maier Thomas Delhoven diese Spritze von hinten an die Scheuer des Adam Otto aufstellen, wodurch nicht allein die Scheuer des Gerhard Strak ganz gerettet, sondern auch noch der beträchtlichste Theil von der Scheuer des Otto gerettet wurde. In einer guten halben Stunde ware schon der Brand ganz gelöscht. Indessen thaten die Einwohner alle mögliche Anstrengung, so daß bey Ankunft der Hormer mit ihrer Spritze schon alles gestillet ware. Auch die Hakenbroicher kamen mit ihrer Spritze hieher, sonst keine. Wahrscheinlieh ist der Brand durch das Abfüttern der Kühe, entweder mit einer Leuchte oder durch einen Pott, entstanden.
- 17ten December – Es ist seit 14 Tagen anhaltende Kälte. Vier Täge fiel etwas Schnee. In viele Keller ist es gefroren.
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- 1812
- December
- 25ten – Seit 8 Tägen ware es dunkel und fror wenig, heut aber ware es wieder sehr kalt. Zu Wesel stand schon der Rhein am 19ten und zu St. Goar früher. Hier ware gestern äusserst wenig Eiß im Rhein. – Korn gillt hier Neussermaas 6 Reichstahler, Haber idem 3 Reichstahler 30 Stüber, Heu 9 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 9 Reichstahler 50.
- 28ten – Frost. Diesen Abend 5 Uhr kame der Wilhelm Hovel und zeigte dem eben bey mir gegenwärtigen Maier an, daß es gefährlich wär, daß der Thomas Rensing in seinem alten Brauhaus braue. Indem der Sergeant gerufen wurde, um dahin zu gehen, da hörte man schon Hülfe-Schreye. Sogleich versammelte sich eine Menge Menschen. Es wurde, weil es schon finster war, mit der großen Klocke geläutet. Der Nachtwächter bliese Sturm. Eine Brandspritze wurde hingebracht. Die Funken flohen in die Straße. Nun ware es aber weiter nichts, als daß ein kleiner Balken, woran der Hielhog ehmals gehangen, Feuer fieng. Das Ganze ware im Kamin. Der Maier stellte doch zur Beruhigung der Nachbarn 6 Mann Wache bey Rensing.
- 29ten – Diesen Morgen regnete es, und es thauet mit dem Ausgang des Jahres vollends auf. – Die französische, kayserlich-österreichische, preußische, sächsische, bayrische, würtembergische etz. etz. Armee ist noch immer am Retirieren. Das 29. Bülletin sagt selbst, daß sie in Zeit von etlichen Tagen an Kanonen, Bagage etz. etz. 30 tausend Pferde verlohren haben, selbst, daß ihre Cavallerie auf einmahl zu Fuß gewesen war. Das Elend muß auf's äusserste gestiegen seyn. Der Kayser Napoleon selbst ware 24 Stund in Gefahr und gleichsam gefangen. 600 Ofiziere, welche noch Pferde hatten, bildeten die Garde und schlugen sich mit dem Kayser durch. Der Kayser ist am 18ten December in Paris angekommen. Man schäzte die vereinte französische Armee vor dem Einmarsch in Rußland auf 6 oder achtmahl hundertausend Mann. – Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler.
1813
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- 1813
- Januar
- 1ten bis 4ten – Angenehm Wetter. Es thauet gelinde auf. Der Rhein steht noch vest von Rotterdam bis nahe bey Rheinberg, von St. Goar bis hinauf steht die Eisdecke ebenfals noch. Am 5ten und 6ten etwas Frost.
- 7ten – Regen. Am 10ten kame das Mosel-Eis. Am 11ten etwas Frost. Heut kame das Mosel-Eis. Das Wasser blieb so klein, daß es noch wohl 8 Fuß hätte wachsen müssen, ehe es über das Ufer gegangen wäre. Der Rhein triebe den ganzen Tag so dicht, daß eine Katze drüber hätte laufen können.
- 13ten – Der Frost fängt an stärker zu werden. – Bey der fünfjährigen Wechselung ist hier mein Bruder Thomas Delhoven wieder als Maier bestättigt worden. In Zons ist Her Aldenhoven ab- und der Heckhalfen Anton Baden eingestellt. Der hiesige Posthalter Adolf Verhagen ist als Adjunct ab- und der Her Püllen auf der Burg zu Hakenbroich für die hiesige Maierie angestellt.
- 15ten und 16ten – Thauwetter. Am 17ten, 18ten, 19ten stärkerer Frost. Am 20ten ist viel Eiß im Rhein. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler, Weitz idem 9 Reichstahler 40, Haaber 4 Reichstahler 6 Stüber, 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler.
- 26ten – Der Frost hällt an. Auch fällt etwas Schnee. Der Rhein, welcher sehr klein ist, treibt schon seit etlichen Tägen dicht mit Eiß.
- 28ten – Der Krieg gegen Rußland hat noch immer sehr üble Folgen. Der Kayser von Frankreich übertrug bey seiner Abreise von der Armee das Kommando dem König von Neapel, seinem Schwager Murat. Auch dieser wird noch anhaltend geschlagen. Als Königsberg verlohren war, lieferte er eine Bataillie bey Mehlsak. Auch diese war unglücklich, so daß die französische Armee sich izt in Preußen befindet. – Indessen hat der Kayser von Frankreich die vor 3 Monathen ausgehobene 100 tausend Nationalgarden zur Armee beordert. Zugleich sollen 100 tausend Mann aus den Jahren 1809, [18]10, [18]11 und [18]12 ausgehoben werden, ferner 150.000 Mann aus dem Jahr 1814 gezogen werden. – Auch im Bergischen wurde eine neue Ziehung befohlen. Man zohe in Düsseldorf ruhig. Allein, in Sohlingen wurde gleich die Urne, worin die Nummern waren, zertrümmert. Man zohe die Sturmklocke, und augenblicklich versammelten sich einige tausend Consribirte, brodlose Fabricanten-Purschen, Gesindel etz. Der Prefect mit den Meieren musten sich flüchten. Nun zohe dieser Schwarm von Orth zu Orth. Auch kamen ihrer gestern 700 nach Langenfeld. Sie werfen überall die Schilde, wo Tabak und Salz verkauft wird, in Stücke, zerstöhren den Tabak, welcher aus den kayserlichen Fabriken kömmt, und suchen
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- 1813
- Januar
- Recruten anzuwerben. Viele haben doppelte, andere einfache Gewehre, Pistolen oder große Messer. Plündern thun sie nicht, aber Essen und Trinken lassen sie sich geben. – Düsseldorf ist von Soldaten leer.
- Am 28ten – Nun sind gestern einige hundert Mann von Gülich dahingekommen, und heute Abend 6 Uhr hörten wir von oben herab Trommeln. Wir wusten nicht, ob es die bergische Rebellen (welche auch Trommeln und Pfeifen haben) oder ob es Franzosen waren. Bald vernahmen wir, daß es 160 Mann von der lezten Conscription waren, welche von dem Köllnischen Depot nach Düsseldorf beordert wurden. Sie schliefen hier und zohen am 29ten über Düsseldorf nach Wald, wo sie übernachteten. Ihrer waren nun 800 mit 2 Canonen. – Gemäß Nachricht aus Kölln ware der Rhein am 24ten Januar dort am Maasstabe 2 Fuß 6 Zoll, also kleiner, als er bey Menschen-Gedenken gewesen ist. – Die Rebellen sind auf Elberfeld gezogen.
- 31ten, Sontag – Kalt. Am 1ten Februar erhielt ich per Expressen folgenden Brief:
- Elberfeld, den 31ten Januar 1813
- Wir haben hier die verflossene 3 Tage in solcher Angst und Schrecken erlebt, das nicht zu beschreiben ist. Am Donnerstag kame die erste von den sogenannten Sohlinger Russen hier ins Quartier, die Bürger blieben alle die Nacht auf. Die Rebellen foderten alle Gewehre, den Stadtfahnen, die Conscriptionsliste, 6.000 Reichstahler Geld etz. Alles wurde ihnen abgeschlagen. Freytags bekamen wir noch mehrere von Ronsdorf, Lüttringhausen, Lennep und Schwelm. Es konnten ihrer wohl zweytausend sein.
- Samstags um 9 Uhr kamen wieder etliche hundert, gegen 12 Uhr folgte ein zweiter Zug. Sie wollten dem Maier das Haus stürmen, allein, dafür ware gesorgt: Dieses ware von Bürgern so gut besezt, daß es unmöglich war. Endlich gieng der Zug nach dem neuen Markt. Sie stellten sich in Ordnung. Auf einmahl kame Befehl vom Maier, daß alle Weiber und Kinder sich von der Straße entfernen sollten, und die Bürger schlossen die Fensterläden. Es blieb noch eine Viertelstunde ruhig. Auf einmahl sprengte eine Truppe Kavallerie mit geladenen Pistolen in der Hand auf den Markt. Sie gaben Feuer. In Zeit von einer Viertelstunde ware die Geschichte vorbey. Sie warfen ihre Gewehre weg. Es wurden erobert: 2 Fahnen, 2 Trommeln, 2 Commendanten-Pferde, mehrere Gewehre, einige tödlich und mehr dan hundert verwundet, 50 Gefangene, und selbiger werden noch immer eingebracht. Die Cavallerirten sprengten mit bloßem Säbel durch alle Straßen. Gleich wurde ausgetrommelt, daß keiner sich auf der Straße sollte sehen lassen, und mehrere 100 Bürger machten Patroullen. Damit hatte die Revolution ein Ende.
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- 1813
- Februar
- 3ten – Der Winter ist sehr hart. Seit dem 19ten November hällt der Frost an. Der Rhein ist so klein, daß an der Kölnischen-Casselbergischen Wassermaas die Höhe am 22ten Januar 1 Fuß 7 Zoll war. – Die französische Armee zieht sich noch immer zurück. Die Russen sind in Königsberg, Elbing und Marienwerder.
- 6ten – Thauwetter. 9ten idem. Am 10ten angenehm windig. Der Canton muß 8 Pferd liefern, welche mit 300–400 und die besten mit 450 Francs bezahlt werden. Nebstdem muß jede Maierie freywillig einen Chasseur mit Pferd und Geschirr samt Montour als freywilliges Geschenk liefern.
- 11ten – Heute um 8 Uhr wehete ein äusserst starker Wind aus Westen. Als die Donnerstags-Messe aus war und die Leuthe aus der Kirche giengen, ware es ein wahres Spectakel anzusehen: Viele Weiber, welche noch jung und stark waren, wurden umgeworfen, rollten vom Wind fortgeweht in ihrer Blöse über den Kirch-Hof. Auch Männer und Kinder trafe ein ähnliches Schicksal.
- 18ten – Man arbeitet in den Gärten, und die schöne Jahrzszeit nehet heran.
- 27ten – Die Merzerstürme kommen. Fast alle Nachbarn haben dicke Bohnen gesetzt. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler 12 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 45 Stüber, das 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler.
- 27ten – Heute ward die Conscribtion für das Jahr 1814 gehalten.
- Merz
- Am 7ten – Bisher ware es etwas kalt, doch ohne Frost. Man arbeitet fleissig im Feld und in den Gärten. Dies Jahr ist der Rhein noch nicht aus dem Ufer gewesen.
- Am 11ten – Die Nacht hat es stark gefroren, drauf fiel den ganzen Tag viel Schnee. Heut zohe ein Bataillon Truppen hiedurch. Sie gehen auf Hamburg. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber in Kölln. Am 12ten angenehm naß Wetter. – Die französische Armee steht diesseit der Elb. In Hamburg ware ein Auflauf gegen die Douanen, doch sind noch keine Russen, aber auch keine Franzosen da. Es versammelt sich eine starke Armee bey Leipzig. Französische Garnisone sind in Danzig, Kolberg, Glogau, Zamozk, Stettin, Küstrin etz. von den Russen eingeschlossen.
- 4ten April – Der Merz ware kühl und naß. Das Feld sieht sich so prächtig an, als noch je ein Mensch sich erinnert. Die 4 Tage im April waren falsch. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler, Heu 11 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 6 Stüber. Man ware eine Zeitlang besorgt, die Russen möchten über den Rhein kommen. Es kamen viele Flüchtlinge von Hamburg etz. hiedurch.
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- 1813
- April
- Am 13ten – Acht Tage ware es sehr warm. Heut ist der Wind im Norden. Kornpreis 6 Reichstahler 12 Stüber in Kölln, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler 30 Stüber.
- 22ten – Es ist nordwindig eine Zeither. Auch kommen noch Merzerschauren. Vorgestern hatten wir die erste Kornähren. – Die Russen sind in Leipzig bis Lüneburg, und der König von Preußen, der dem französischen Kayser meineydig worden, hat sich mit den Russen vereinigt. Nun ist Kayser Napoleon seit dem 17ten in Maynz. Kouriere, Stafetten, Generäle etz. passiren hiedurch und machen die Straße sehr lebhaft. Auch kamen am 20ten bey 100 zweyspännige Karren aus dem Canton Neus hiedurch, welche jede 6 Kanoniere geladen hatten. Sie musten in zwey Stund von Neus bis hieher fahren. Das Hauptquartier von der Reserv-Armee des General von Damm ist in Wesel.
- 28ten – Seit einigen Tagen ist es schön Wetter, mit Donner.
- Mey
- Bis 8ten trocken. Man hoft Regen. Korn in Kölln 5 Reichstahler 40 Stüber, Haaber 4 Reichstahler 6 Stüber.
- 9ten, Gottestracht – Um 6 Uhr ware Frühmeß mit Benediction. Es wurden Bettstunden gehalten, Levitten-Meß und Predigt. Nach dem Hohenamt giengen wir mit dem Hochwürdigen 3mahl um die Kirch, am Missions-Kreutz wurden die 3 erste Stationen gehalten, die lezte in der Kirch. Um halber drey ware Vesper mit Regen.
- 10ten, Montag Um 6 Uhr ware Frühmeß, keine Bettstunde und um 9 Uhr hohes Amt ohne Benediction, zur Beschützung unserer Felder für Hagelschlag. Diese Messe habe ich halten lassen. – Im Posthause wurde getanzt. – Regenwetter. – Die französische Armee ware seit der Räumung von Rusland bis über die Elb und Saale retirirt. Nun ist der Kayser selbst bey der Armee, das Hauptquartier in Erfurt. Die Russen sind in Leipzig.
- Am 12ten – Die erste Kornblühe. Bis 15. alle Tage Donnerwetter mit Hagel und Regen. Weil aber kein Wind dabey ist, so hat es der Frucht nicht geschadet, nur daß sich vieles Korn gelegt hat. Kornpreis in Kölln 19 Gülden. – Am 2ten Mey ware eine Schlacht bey Leipzig, zu Lützen. Von beyden Seythen ist viel Volks gemordet worden. Die Franzosen haben aber das Feld erhalten, und die Russen retiriren mit den Preussen auf Dresden. Die Franzosen geben selbst ihren Verlust auf 10 tausend Mann.
- 24ten – Es regnet alle Tage, so daß wir befürchten, der Rhein werde austreten. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler, Haaber 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 8 Reichstahler 36 Stüber.
- 30. – Vom 24ten bis heute Donner mit Regen und Hitze. Heut Nachmittag regnet es ungewöhnlich stark bey Donner. Zu Reyd auf der Gillbach, Büsdorf, Kerpen etz. hat der Hagel viel Schaden gethan.
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- Junius
- 1ten bis 5ten – Kalt mit Regen. Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler 21 Stüber, Weitz 9 Reichstahler. Die französische Armee geht noch immer vorwärts; sie gehn auf Schlesien. Ganz Sachsen ist von den Russen und Preussen befreyt.
- 13ten – Heiß mit Donner und Regen. Das Malder Haber kostet hier 5 Reichstahler Köllnisches Maas.
- Vom 14ten bis 24. – Sehr trocken, nordwindig-kalt. Am 25ten sehr heiß. Wir hofen sehr auf Regen.
- 28ten, Petri und Paul – Es ware sehr heiß, da regnete es eine Schauer, drauf erfolgte ein angenehmer Abend. Kornpreis hier Köllnisch Malder 6 Reichstahler 12 Stüber, Haber 5 Reichstahler idem.
- July
- 6ten – Es ist wieder nordwindig-trocken, obschon es alle Tage etwas weniges regnet. – Am 4. Juny ist zwischen den Franzosen ein Waffenstillstand bis zum 20. July geschlossen worden. Die Franzosen haben Hamburg, Magdeburg, Dresden etz. besezt. Die Russen und Preußen stehn an der Oder. Oesterreich rüstet sich indessen zum Krieg, und man fürchtet, daß diese Macht auf dem Fall, daß es nicht zum Frieden kommen sollte, sich gegen Frankreich erklären werde. Haber das Malder in Köln 5 Reichstahler 18 Stüber.
- Am 8ten – Sehr heiß und trocken. Am 10ten Regen. – Am 8ten wurde von vielen Korn gehauen.
- 12ten – Durchtringender Regen. Am 13ten sehr heiß. Am 14. ein Gewitter aus dem Bergischen mit starkem Regen. Am 15ten Vormittag eine äusserst starke Regenschauer, welcher mehr als an die Wurzel gekommen ist.
- Am 16ten, 17. bis 18ten – Heiß. Man fährt Korn ein. Der starke Regen am 15ten hat vieles Heu verdorben. Es hat in Tausende von Hausten bis in die Mitte durchgeregnet, und weil der Regen anhielt, so ward schon vieles faul. Am 20ten viel Regen.
- 22ten und 23ten – Heiß und schön. Heut ist viel Korn eingefahren worden. Am 25ten Regen.
- 31ten – Es ist schönes Beuwetter, jedoch ist man noch lange nicht mit dem Korn fertig. Es ist aber auch entsetzlich viel Stroh, so daß jederman es nicht unterzubringen weis. Das neue Korn gillt in Kölln 6 Reichstahler.
- 5ten August – Es ware sehr heiß, als ich heute um den Mittag die Kayserin von Frankreich zu Kölln in den Wagen steigen sahe. Sie hatte in Maynz eine Zusammenkunft mit dem Kayser Napoleon gehabt, worauf dieser wieder nach Dresden und sie nach Paris giengen. Der Waffenstillstand ist bis zum 15ten August verlängert. Korn in Kölln 19 Gülden, Weitzen 7 Reichstahler. – Der Wafenstillstand ist bis 15. August verlängert worden. – Am 8ten und 9ten Regen, bis 15ten schön Wetter.
- 16ten – Nordwindig-trocken. Kornpreis in Kölln 4 Reichstahler 20 Stüber, in Neus 5 Reichstahler. Die Sommergerst gillt in Kölln 2 Reichstahler 42 Stüber. Es heist, die Stadt Kölln soll zur Festung umgeschaffen werden. Heu das 1.000 Pfund 6 Reichstahler 50 Stüber.
- 27ten – Der Wind ist noch immer aus Norden. Haaber wird eingefahren. Heute wurde von dem Sousprefect in Kölln die hiesige Gemeinde-Länderey verkauft. Der Posthalter kaufte die oberste Drenk mit 2 anschiessenden Stückern. Auch wurden noch einige Kleinigkeiten verkauft. Das Meiste aber wurde untengestochen, weil niemand darauf bothe.
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- 1813
- August
- 28. – Heut morgens 8 Uhr brennten auf dem Lieverges-Berge zu Worringen zwey Häuschen ab. Es war Staubregen. Deswegen konnte man nur etwas Rauch sehen, und wir glaubten, es wäre der Worringer Ziegelofen am brennen. Späther schickten wir eine Btrandspritze hin, welche halbweg umkehrte. Die Leuthe hatten einen neuen Backofen gemacht, denselbigen mit Stroh gedeckt und diese Nacht ausgebrennt, um die Kirmesweck darin zu backen, wodurch das Stroh sich entzündete, welches an’s Haus angebauet war.
- September
- Vom 1ten bis 6ten – Warme, trockne Tage. Alles wird dürre, man hoft auf Regen. Seit dem 17ten August hört der Waffenstillstand auf. Die Franzosen haben Dresden bevestigen lassen. Der Kayser schluge die Russen, Preußen und Österreicher über Görlitz nach Schlesien zurück.
- 30ten September – Dieser Monath ware meistens trocken und schön, erst am Ende erhielten wir etwas Regen. Die verbündete Mächte haben einigemahle bald den rechten, bald den linken Flügel der französischen Armee geschlagen. Der Kayser Napoleon steht schon seit einem Monath mit seiner ganzen Armee bey Pyrna und hauptsächlich in Dresden. Kornpreis in Kölln 4 Reichstahler 36 Stüber.
- October
- Am 9ten – Diese Täge waren meistens naß, und heute stürmt es bey starkem Westwinde, obschon es morgen Kirmes ist. Das Malder Haber gillt 2 Reichstahler. Kosacken-Korps haben sich hinter die französische Armee verbreitet. In Hessen-Kassel hatten sie beynah den König von Westpfahlen, Hieronimus Napoleon, aufgehoben. Deswegen kommen seit dem 5ten ausserordentlich viele Flüchtlinge über Düsseldorf und Wesel hierdurch, so daß alle Wägen hier am Posthause wenigstens 24 Stunden auf Pferde warten müssen. In Benrath und Düsseldorf ist schon alles eingepackt. – Runkelrüben der Centner am Rhein 24 ½ Stüber, die weisse und rothe zu 20 Stüber.
- 18ten – Der erste und dritte Kirmestag waren mittelmässig Wetter. Des Montags ware so ein Wind und Regen, daß kein Mensch vor die Thür gehen konte. Überhaupt ware die Kirmes sehr schlecht.
- 26ten – Vier Tage ware es sehr schönes Wetter. Heute ist’s nordwindig-kalt. Korn in Neus 5 Reichstahler, Weitz 7 Reichstahler.
- 27ten – Die verflossene Nacht hat es Eis gefroren. Am 28ten hat es den ganzen Tag geschneit. Die Rüben sind gut gerathen, sind aber noch fast alle im Feld.
- November
- 4ten – Heut Mittag kamen 400 Mann Leibgarden vom König von Westfalen von Düsseldorf hier an. Der Stab und 100 Husaren blieben hier, der Rest gieng auf Worringen, Delven und Hakenbroich. Am 5ten morgens 8 Uhr verzohen sie auf Kölln. Der Kayser ist vom 15. bis 19. bey Leipzig und an der Saale hart geschlagen worden, so daß die Armee sich über den Rhein ziehen wird. Kornpreis 4 Reichstahler 40 Stüber in Kölln.
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- 1813
- November
- 5ten – Es ist schönes Wetter. Indessen ware es seit lange nicht so unruhig als jetz: Flüchtlinge von jenseits füllen die Landstraße, tausend und abermahl tausend Blessirte kommen in Kölln an.
- 6ten – Es herscht eine dumpfe Stille. Flüchtlinge eilen auf und ab, so daß man nicht weis, wo der Drang am stärksten ist. Gerüchte durchkreutzen sich und verschlingen eins das andere, ohne daß man eygentlich weis, woran man ist und wie die Sachen stehen. Bald heißt es, die Russen wären in Düsseldorf, bald der französische General Davoust (Prinz von Eckmühl) seye zu den Russen übergegangen, bald, der Kayser seye eingeschlossen oder in Maynz, oder man erwarte ihn in Kölln. Gestern ware ich noch in Monheim, wo man in banger Erwartung der Zukunft entgegen sieht. Man hatte schon einige Tage die Kosacken erwartet, und nun hieß es, es kämen noch 30 tausend Franzosen über Elberfeld auf Düsseldorf. Indessen stehen wieder heut zum erstenmahl französische Militaire als Vorposten auf dem diesseitigen Rheinufer; ein Zeichen, daß der Feind nahe ist. Worringen und Zons ist mit einigen Compagnien besezt, welche die Wachen am Rheine versehen. Dormagen ist davon noch frey.
- Am 7ten hatten wir über 100 Mann Kavallerie, von Düsseldorf kommend, logirt.
- Am 8ten und 9ten hatten wir jedesmal eine 100 Cavalleristen und soviel Infanterie, daß alle Häuser besezt waren. Wir haben jetz 130 Mann Infanterie für am Rhein.
- Am 10ten logirte das 24te Chasseur-Regiment hier. Es waren 180 Chasseur und sehr viele Ofiziere. Der General ware bey Herman Hambloch eingezogen; weil es ihm aber nicht gefiel, so gienge er auf Zons. Der Posthalter ist frey vom Logiren.
- 11ten – Ausser einigen Passanten und 150 Man für die Rheinwache wurde heute nichts logirt. Nur kamen 5 Chasseur zu Pferd für die Correspondenz hiehin. Gegen Köln, zu Deutz und Mühlheim, stehen fremde Truppen Schildwach. Auch wurden heut zu der auf der Piwip stationirten Infanterie-Wacht noch 5 Cavalleristen directe vom General geschickt, welche da verbleiben sollen. Korn in Kölln 5 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 40 Stüber, das Pfund Café 68 Stüber.
- 12ten – Heut 11 Uhr sahe ich einen russischen Kosacken an der Kapelle zu Monheim zu Pferd. Nach dem Mittag ware ich lange mit der Perspective an der Piwitt. Man sahe aber keine feindliche Truppen. – Die Hakenbroicher und Delver müssen Holz aus dem Busch für die hiesige Rheinwachen im Busch abhauen und hiehinfahren.
- 16ten – Wir haben 60 Mann für die Rheinwachen und 8 Chasseur für die Correspondenz hier logirt. Es zieht nichts mehr die Strassen, jedoch sind gestern 6.000 Man von oben herab nach Kölln gekommen. Am 13ten wagten sich 45 Russen und Kayserliche im hellen Nachmittag am Mühlheimer Häuschen in 3 Nachen auf diesseit des Rheins. Die französische Wache, welche daselbst aufgestelt war, nahm die Flucht. Die Kosacken nahmen 4 daselbst wandelnde Bürger mit nach der andern Seithe. – Der Kayser ist nach Paris.
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- 1813
- November
- 17ten – Daß Wetter ist entsezlich stürmisch. Schnee und Regen wechseln ab, und die Wege sind äusserst schmutzig. Gestern und heute zohe viel Volk auf und ab. Wir bekamen ein ganzes Bataillon hieher, daß aber nur aus 130 Mann bestunde, so sehr hat das Regiment bey Dresden und Leipzig gelitten. Jenseit des Rheins sieht man selten einen feindlichen Soldaten.
- 18ten – Gestern Abend 5 Uhr kamen die Quartiermacher von einem Bataillon, 600 Mann stark, hier an. Die Truppen kamen erst um halb eilf. Da es den ganzen Tag gräßlich gestürmt hatte und viel Regen gefallen war, so musten wir die Truppen alle hier behalten. Sie betrugen sich doch gut, obschon alle Häuser besezt waren.
- 20ten, Samstag – Am Abend kamen 3 Bataillon von Kölln hieher, nach Horm kamen wohl 200 Artillerie-Pferde und nach Hakenbroich noch späth ein Bataillon. Es wurden hier ungefähr 2.200 Man logirt. Der General Marie blieb im Posthaus. Da wir die Truppen mit Fleisch und Brodt beköstigen musten, so gabe es in einigen Häusern Disput. Korn in Köln 5 Reichstahler 15 Stüber.
- 21ten zohe alles fort, nur blieben 2 Compagnien für die Rheinwacht hier. Den ganzen Tag muste ein Soldat auf dem Kirchthurm oben im Thurm in dem Dachfenster Wache halten, und des Abends waren 40 Mann unten im lezten Hause bey Dütz auf dem Tanzsaal schlafen, um bey einem Ueberfall beysammen zu seyn. – An der Piwip sind 20 Husaren logirt. Der Bewohner Engel Kranz hatte sie einige Tage beköstiget, da brachte der Maier von Worringen es dahin, daß der Maier von Dormagen die Piwip fournieren solle. Es bestand in 20 Rationen Fleisch, Brodt, Brandwein, Fouragen, Salz, Holz und Wein für den Oficier. Der hiesige Maier supplicirte aber an den General, und nun muß Worringen wieder die Piwip fournieren.
- 22ten – Am Abend bekamen die hiesige 2 Compagnien Ordre, gleich auf Neus zu marchieren. Die Nacht hatten wir keine Soldaten im Dorf, nur die Douanen und 20 Husaren an der Piwip thaten die Wachen am Rhein.
- 23ten und 24ten musten des Nachts 20 Mann am Rheine auf die Wache ziehen. Ich visitierte gestern Abend späth noch die Posten. Man sahe jenseits kein einziges Wachtfeuer, die hiesigen hingegen loderten hoch auf. – Gestern passirte der Herzog von Tarent (General Macdonald) hiedurch aur Clev. Ihm folgte viel Kavallerie. Korn in Kölln 5 Reichstahler 12 Stüber, Haber 11 Gülden.
- 25. und 26ten – Angenehm Wetter. Es passirt noch viel Volk herab. Indessen haben wir noch keine stete Einquartierung.
- 27ten hatten wir ein Regiment Cavallerie mit dem Stab logirt. Obschon das Regiment nur aus 130 Mann bestand, so machte doch die Menge Ofizir, daß alle Häuser voll wurden.
- Sontag, den 29ten logirte ein General am Posthause und 1 Regiment im Dorf, Hakenbroich 1 Regiment, Straberg und Delven mit Knechstein 1 Regiment, Nivenheim ein Kanonenpark. Es hat recht gefroren.
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- 1813
- November
- 30ten kamen 7 Regimenter hieher. Allein, einige waren 50, andere nur 6 Mann stark mit den Ofizieren. Es ist unglaublich, wie die Armee zusammengeschmolzen ist. Man sollte glauben, es müste Friede werden. – Frost.
- December
- 1., Mitwoch – Heut wurden ungefähr 30 Dragoner als Garnison hier einlogirt, in Zons und Worringen bekamen sie nebstdem noch Fußvolk.
- 2ten, donnerstags – Diesen Morgen 10 Uhr kame ein Ofizier von unten auf und begehrte eine Karrig auf Kölln. Er sagte, die Preußen sind zu Grimlinghausen über den Rhein. In dem Augenblick kame der Bruder des Herrn Gerichtschreibers Busch von Zons und sagte das Nähmliche. Wie ein Blitz verbreitete sich diese Nachricht durch’s Dorf. Alle Bewohner standen auf einmahl auf der Straße. Es herschte dabey eine Todte-Stille. Die Nachbahrn liefen zusammen und staunten sich ängstlich an. Ich stieg auf den Kirchthurm und sahe französische Reiter und Fußvolk auf dem Judenberge zwischen Zons und dem Stüttchens-Busche. Es kame Infanterie von unten auf, welche in Nivenheim etz. geschlafen hatten. Drauf kame ein General von Zons gesprengt, welcher sagte, daß schon zu Grimlinghausen 3.000 Mann herüber wären. Um 11 Uhr kamen unsere Gensdarmen von einer Recognoscirung zurück und sagten, daß alles nur ein blinder Lärm gewesen, das zwar 2 Nachen Kosaken zu Walscheid gewesen, daß sie aber wieder auf die andere Rheinseithe zurückgegangen. Nun wurde alles wieder ruhig, und man lachte über die Geschichte. Um halb zwölf kamen aber blessirte Dragoner, welche aussagten, daß die Stadt Neus schon von Preußen besezt seye. Es kamen einige blessirte Franzosen. Da musten die hiesige Dragoner alle aufsitzen. Es kame ein General de Division hier von Kölln an. Einige 100 Infanteristen wollten nach Neus. Der General gabe Ordre, daß sie hier Biletter bekamen. Ehe sie aber in ihren Quartieren waren, da musten sie auf Kölln, weil sie keine Patronen hatten. Unsere und die Worringer Dragoner musten auf die Heyde. Da kame am Abend ein Bataillon von oben herunter, welche hier logirt wurden. Abends 10 Uhr wurde Kavallerie von Merkenich, Niehl etz. einlogirt. Alle Bewohner des Dorfs wurden auf die Wacht gebothen: ein Drittel in den Pflug, ⅓tel beym Maiere und ⅓tel an Küppers. Bürger und Soldaten patrollierten die ganze Nacht, und alles blieb ruhig.
- Freytag, den 4ten – Früh kamen verschiedene Generäle an, doch blieb alles in Cantonierung bis Mittag. Es kamen 2 Bataillons von Kölln, welchen nebst den hiesigen 30 Maaß Brandwein ausgetheilt. Auch kamen 5 Kanonen, ein Bomben-Mörser und verschiedene Kavalleristen, unter andern ein starkes
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- 1813
- December
- Detachement Kürassier an. Da sezte sich um 1 Uhr alles in Marsch. Man bekame Nachricht, daß die preußischen Vorposten zu Grimlinghausen auf der Erft-Brücke ständen. Man vernahm von Neus, daß der ganze Betrag der ausgeschiften Preußen sich an 1.500 Mann Fußvolk und 120 Pferde ohne Kanonen beliefe. Am Abend hörten wir einige Kanonenschüsse. Es kamen noch 250 Mann Fußvolk, welche sich oben und unten dem Dorfe lagerten. Ihnen wurde jedem 1 Schoppen Bier und eine Butteramme gebracht. Späth erhielten wir die Nachricht, daß beyde Armeen sich am Thor zu Neus geschlagen hätten, daß die Franzosen nach Grimmlinghausen und die Preußen sich in Neus zurückgezogen hätten. Die Nacht wurde wieder patrouillirt, doch waren nur 36 Mann aufgebothen. Frost.
- 4ten, Samstag – Es wurde 10 Uhr, ehe wir etwas von der Armee vernahmen: Da sprengte ein Chef de Bataillon hiedurch, welcher aussagte, daß Neus eingenohmen und die Preußen sich die Nacht wieder über den Rhein gemacht hätten. Um den Mittag kamen die Dragoner wieder zurück und nahmen ihre alte Quartiere ein. – Henrich Fasbender, der Eydam des Herman Burbach, hatte vor 9 Wochen und vier Tagen einen Schäfershund aufgefangen. Er wollte selbigen seinem Vater in Monheim bringen, welcher Schäfer ist. Unterwegs riß der Hund sich loß, biß seinen Führer und nahm die Flucht. Dieser suchte die gewöhnliche Mittel nach, welche die katholische Religion vorschreibt, welche er genau erfüllte. Indessen hatte er Zweifel an der Ächtheit und nahm als Gegenmittel medicinische Pulver von einem reformirten Prediger aus dem Bergischen. Darauf ward er vor vier Tagen rasend und starb gestern Abend. – Es ware gut, daß wir trocken Wetter und des Abends bis späth in die Nacht Mondlicht hatten. – Heut stellt sich Thauwetter ein.
- 5ten und 6ten – Es sind circa 50 Dragoner im Dorf logirt. Sie betragen sich sehr gut, und der Commendant ist ein kreuzbraver Mann: Er weiset alles ab, was keine Ordre, hier zu logiren, hat. Es ist schönes Wetter mit etwas Nachtfrost, welches besonders gut ist, weil man die so häufig gerathene Rüben noch nicht alle herein hat. Korn in Kölln 18 Gülden, Weitz 6 Reichstahler 40 Stüber, Haaber 11 Gülden.
- 12ten – Seit 2 Tagen friert es stark. Es ist jetz ziemlich ruhig auf der Straße. Die Franzosen stehn bis Nimwegen. In Holland machen die alliirte Armeen Fortschritte auf Antwerpen[6].
- 18ten – Gestern thauete es auf. Der General Macdonald steht noch in Clev, hingegen rücken die Alliirte in Brabant, und man ware von jener Seythe in Aachen für einen Überfall bange. 1.000 Pfund Heu kosten hier 10 Reichstahler.
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- 25ten December – Es ist dunkel ohne Frost und Regen. – Die alliierte rußisch-österreich und schwedische Armee steht von Holland aus über das rechte Rheinufer durch Italien bis Venedig. In Italien und in Holland scheint ihre Hauptstärke zu seyn. – Haber 11 Gülden.
- 31ten – Seit 3 Tagen hat es stark gefroren. Korn in Kölln 5 Reichstahler 24 Stüber, Weitz 6 Reichstahler 40 Stüber. – Das scheidende Jahr hat an Fruchtbarkeiten wenige seines gleichen: Mehr wie 30 große Fruchtbärme standen vor dem Dorf, welche noch nicht alle hereingebracht sind wegen Mangel an Platz in den Scheuren. Wir haben circa 50 Dragoner hier logirt, welche die Wachen am Rheine versehen. Sie betragen sich äusserst gut. Die Delver und Hakenbroicher müssen für sie Holz aus dem National-Busch hiehinbringen. – Der Kayser von Frankreich hat 300.000 Mann von 22 bis 32 Jahren auszuheben beschlossen. Hiervon sind aber die 4 Departemente am Rhein ausgenohmen. Indessen meldet heute Abend die Zeitung, daß 160 tausend Österreicher und Bayern durch die Schweitz in Frankreich eingetrungen sind. Die alliirte Nordarmee steht bey Breda und die Franzosen in Nimwegen. – Nie war die Polizei so scharf. Der Engel Kranz, welcher auf der Piwippe wohnt, wurde am Kristtag arettirt und ins Innere von Frankreich geführt, weil er über den Rhein mit dasigen Bürgern gesprochen hat. – Die Contribution ist erhöhet, und wir haben schon über 4.000 Rationen Heu, Haber, Fleisch und Brod an die Truppen gegeben. Auch müssen wieder Pferde geliefert werden.
1814
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- 1814
- Januar
- Am 1ten – Die Gegenwart geht mit der Zukunft schwanger, und die Zeit der Entbindung kann nicht fern seyn. Große Dinge werden gebohren werden, und man schaudert voll Erwartung der Dinge, die da kommen sollen, wenn nicht das Sehnen so vieler Milionen erfüllet wird. – Friede, süssester unter allen denkbahren Gedanken, ist die einzige Hofnung, die uns die Gegenward erträglich macht. Der Kayser von Frankreich biethet alles an, was zu diesem Zweck einigermassen führen kan; er will Opfer bringen, die kein Mensch früher zu denken wagte. Vielleicht ist die Zeit nahe, wo ein allgemeiner Friede die Welt beglückt. – Frost.
- 3ten – Der Senat und das Gesetzgebungs-Korps haben Landsturm beschlossen. Auch sollen Kohorten von Nazional-Garden in allen Bezirken errichtet werden. Senatoren werden mit ausgedehnten Vollmachten in die Departemente geschickt, um alle Mittel anzuwenden, das Vaterland zu retten. Alles steht ihnen zu Geboth; selbst die Militär-Macht muß ihre Decrete ausführen helfen.
- 4ten – Diesen Mittag kamen einige 100 Preußen bey Kölln am Mühlheimer Häuschen in Nachen herüber, um die dortige Batterien zu zerstöhren, woran viele Bauern arbeiteten. Sogleich strömten beynahe 1.000 Franzosen am Eygelsteins-Thor heraus, und die Preussen flüchteten in die Nachen. Der Commendant und viele ertranken, 30 oder 60 wurden zu Gefangenen gemacht.
- Am 3ten – Nachmittags 4 Uhr starb meine Schwester Anna Margaretha Delhoven im 61ten Jahre unverheyrathet. Sie hat tausend Reichstahler zur Stiftung der Antonianischen Andacht vermacht.
- 6ten, 7ten – Dunkel und naß. 8ten starker Frost. – In der Nacht vom 6ten auf den 7ten blies um 12 Uhr der Trompetter. Die Dragoner musten die Pferde satteln und eine Wache am üntersten Ende des Dorfs aufstellen, weil ein Douanen-Capitain gesagt hatte, daß die Russen in Neus wären. Dieser Capitain kame späth von Dormagen. Nächst bey Neus begegnete ihm ein Bauer mit einer Kuh. Auf die Frage "Wohin für Dich?" antwortete der Bauer in gebrochenem Französisch, daß er eine Kuhe dem Metzcher Rüssgen auf dem Markt in Neus verkauft habe, und da er nun an das Thor komme, habe man ihn nicht hereingelassen, da doch der Metzcher Rüssgen die Kuhe morgen schlachten müsse. Der Capitain verstand aus dem "Rüsgen in Neus", die Russen wären in Neus, galloppirte hieher und machte den Lärm.
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- 1814
- Diesen Mittag hörten wir stark Kanonieren, von oben her. Es ware nicht möglich, daß es von einem Übergang der alliirten Truppen herkame, weil der Rhein dicht mit Eiß trieb. In Zeit von einer halben Stunde vernahmen wir, daß die Franzosen auf die jenseits dem Kasselberg liegende Nachen schossen, um solche zu zernichten. Diesen Abend kamen noch 260 Man Fußvolk hier ins Logis. Sie gehn auf Neus.
- 13ten – Man vernahm, daß die Alliirte in Rheinberg seyen. Diesen Abend wurden die hier liegende 15 Dragoner mit Kranken und allem nach Kölln berufen. Auch die Gendarmen musten die Nacht noch fort, und der Douanen-Receveur erklärte, daß von nun an der Maier die Pasavants gebe.
- 14ten – Die verflossene Nacht giengen die Douanen und alles fort. Als der Tag anbrach, da ware kein Franzos mehr im Dorf. Um 8 Uhr passirten noch die Dragoner, welche in Zons und Sturzelberg gelegen hatten. Obschon der Rhein dicht mit Eis triebe, so hatten sich doch mehrere tausend Kosacken zu Düsseldorf eingeschift, welche zu Neus landeten. Die Franzosen in Neus, Crefeld etz. giengen auf Gülich. Die Kosacken betragen sich sehr gut. Viele musten schon von Neus aufbrechen und die Gülicher Straße einschlagen. Auch wurden Patroullen geschickt nach Zons, Stürzelberg etz., doch kamen keine hieher. Am Abend kame der Jacob Cremer und ein Knecht des Herrn Fischer zu Goussenhoven von Neus zurück und beruhigten uns für die Ankunft der alliirten Truppen. – Sehr kalt.
- 15ten – Am Abend kamen 12 Kosacken von Worringen herab hierdurch. Sie giengen auf Neus, ohne hier still zu halten, waren aber doch sehr freundlich und küsten junge Weiber und Mädcher auf der Straße.
- 16ten, Sontag – Um die Mitternachtsstunde kamen die Kosacken wieder von Neus zuruck. Sie tranken Brandwein beym Maier. Auch hatten sich ihrer 10 mit einem Capitein unten im Dorf bey Haas gelagert. Um 4 Uhr diesen Morgen brachen sie auf nach Kölln. – Am Abend kamen wieder 11 Kosacken mit einem Ofizier von Neus unten bey Müller. Sie foderten eine Chaise mit 2 Pferden. Ich gienge als Bruder des Maier zu ihnen, lies ihnen Wein, Brandwein und Fleisch geben. Sie waren sehr artig und ritten um 8 Uhr auf Kölln. Rebellische Bauern mishandelten den Gerichtschreiber und Huissier. Unter diesen waren an der Spitze: Michael Kranz, Christian Schmitz (der Metzcher), Wilhelm Bremer Sohn, Adolf Koenen, Wilhelm Nusbaum etz. Sie hohlten dem Friedensrichter zu Delven auf seinem Gut Pferd, Karre, einige Säcke Haber etz.
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- 1814
- Januar
- Am 17ten – Etwas Frost und Schnee. – Zu Neus und Kölln passiren viele Kosacken. Es geht alles über Bergheim und von Neus auf Elsen, um Gülich abzuschneiden. Wir wohnen einstweilen sehr gut allhier, weil wir keine Einquartirung haben. – Heut hielten sich die hiesige Rebellen still, doch ward in den Wirthshäusern Tag und Nacht gesofen. Die Zonser hatten dem Friedensrichter die Schaafe gehohlt, welche er zu Delven auf der Zonserfuhrt hatte.
- 18ten – Schnee und Thauwetter. – Heut Abend erhielt der Maier eine Ordre vom General-Gouvernement, welche er noch am nähmlichen Abend in allen Wirthshäusern publizieren lassen muste, des Inhalts, daß jeder sich ruhig verhalten und daß die Stöhrer und Frevler von National-Waldungen ihrer gerechten Strafe nicht werden entgehn.
- 19ten – Am Abend kamen 7 Kosacken mit einem Ofizier und 2 Karren. Sie hatten Pulver geladen und wurden hier einlogirt. Der Posthalter bekame den Ofizier mit einem Kosacken. Sie betrugen sich doch sehr gut.
- 20ten – Heut passirte ein Kosack, dem zwey Pferde gegeben werden musten. Am Abend wurde einer einlogirt. Am Abend fiel Schnee. – Die 100 Pfund Heu kosten hier 10 Reichstahler, das Korn in Köln 5 Reichstahler 24 Stüber.
- 21ten – Die Nacht hat es gefroren. Der Rhein passirte gestern dicht mit Obereis.
- 22ten – Am Abend trieb der Rhein schon unserm Dorf vorbey bis an die Landstraße, obschon es die Nacht kernhaft gefroren hatte.
- 23ten – Starker Frost. Die Franzosen halten sich noch in Gülich.
- 25ten – Der Rhein treibt dicht mit neuem Eis. Es ist keine Nachfrage nach Früchten, weil der Rhein noch durch die Blokade von Wesel gesperrt ist. Eine österreichische Armee zieht über Dion, Langres etz. auf Paris. 26. und 27. Schnee und Frost.
- 28ten – Thauwetter. Das Korn steigt. Hier kostet das Malder Neusmaas, nach Zons geliefert 6 Reichstahler 18 Stüber, Haber in Neus 3 Reichstahler 7 ½ Stüber.
- Februar
- Am 1ten – Eine Nacht friert es etwas, und dan thauet es wieder. – Die alliirte Armee steht zu Nancy und Langres, die brabantische in Lüttich. Gülich hällt sich noch.
- Am 2ten, als am Lichtmeßtage – Der gichtrische Herr Pastor hielt zur Noth die Frühmeß. Der Kaplan Herr Breuer ist schon seit 3 Wochen krank. Nun liegt auch unser Herr Vicar Peter Josef Schmitz seit gestern Abend zu Bett. Mithin hatten wir heute keine zweite Messe. Der Pastor, welcher um 10 Uhr die Lichtmeßkerzen segnen wollte, muste um diese Stunde nach Horm sich zu den Kranken fahren lassen. Kalt und viel Schnee.
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- 1814
- Februar
- 5ten – Der Christian Schmitz, Michel Kranz, Henrich Nusbaum und Johann Annas hatten am 16ten des vorigen Monaths dem Friedensrichter auf der ihm zugehörigen Zonser Furth zu Delven fast alle Meublen gehohlt. Währender Zeit formirte sich ein Klub in der Gemeinde, der aus den Vornehmsten bestand. Sie beschuldigten den Friedensrichter allerhand Sachen, unter andern, daß er bey den Franzosen den Spion gegen die Alliirte gemacht etz. Zugleich wollten sie auch den Maier absetzen. Indessen hatte der Friedensrichter seine Klage am Tribunal in Kölln eingebracht. Der Commendant von Klemmert in Kölln gab vorgestern dem Friedensrichter 4 Kosacken mit, um die oben benennte Thäter zu arretiren. Kranz und Schmitz nahmen die Flucht, Nusbaum und Annas wurden heute auf Kölln geführt.
- 8ten – Es regnet ein Tag, dan folgt wieder Schnee und Frost. Täglich ziehen jetz russische und schwedische Truppen zu Kölln und Xanten über den Rhein. Die Armee in Brabant dringt auf Brüssel, die Österreicher, welche durch die Schweitz gekommen sind, ziehn über Chalons auf Paris.
- 10. und 11ten – Angenehme Tage. Es sangen die ersten Lerchen. Am 10ten abends kame der schwedische Kronprinz (ehemals der französische General Bernadotte) in Kölln an. Die Stadt ware illuminirt, das Rheinufer mit Pechkränzen erleuchtet, und zahlreiche Kanonensalven zu Deutz und Kölln unter dem Vivatrufen mehrerer tausend Menschen und einer köllnischen, russischen und schwedischen Musick schaften einen sonderbahren imposanten Anblick. Es waren so viele Truppen jenseits, daß die ganze Nacht übergefahren werden muste. – Am 12ten und 13ten Frost.
- 13ten – Gestern schrieb der Maier von Neus an den hiesigen Maier, daß er 60 doppelspännige Karren vor heute bereit halten soll, um schwedische Truppen fortzubringen. Der hiesige Maier antwortete, daß die Karren durchfahren müsten. Am dunkeln Abend kamen die Truppen an. Die hiesige Pferde waren alle versteckt. Die Bauren wollten nicht weiter fahren und waren sehr frech. Die schwedische Soldaten betrugen sich ausserordentlich gut. Starker Frost. Kornpreis 6 Reichstahler.
- 24ten – Es friert anhaltend so stark, daß der Rhein dicht mit Eise geht. Der Kronprinz von Schweden ist noch immer in Kölln. Deswegen sind schon seit seiner Ankunft daselbst aus allen Gemeinden viele Dienstpferde zu dessen Abfahrt in Kölln aufgestellt. Auch unser Posthalter hat seit dem 10ten dieses 12 Postpferde zu Kölln stehen, welche nichts verdienen und viel verzehren. – Die alliirte Armee hat die Franzosen bey Brienne in Frankreich geschlagen und rückt über Sens auf Paris. – Haaber 3 Reichstahler.
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- 1814
- Merz
- Am 8ten – Es friert noch immer anhaltend und so stark, daß noch immer Eis im Rheine ist. Der Mangel an Kohl und Geriß ist bey Arm und Reich äusserst drückend. – Täglich passiren zu Düsseldorf und Kölln viele Truppen, jetz meistens Schweden, die sehr gesittet sind. Die Armeen schlagen sich bey Troyes täglich, Napoleon hat die Armee aus Spenien an sich gezogen und wehret sich hartnäckig. – Kornpreis hier Neusmaas 6 Reichstahler 15 Stüber, Heu 11 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler.
- 9ten – Heut Nachmittag 4 Uhr kamen 10 russische Cosaken von Köllen bey den Maier und fragten nach Neus. Sie tranken und assen. Überdem kamen noch 600 zu Pferd an, sprachen mit den ersten und begehrten Logement. Der Maier brachte es doch soweit, daß nur 200 hier blieben, die übrigen wurden nach Zons, Hakenbroich und Delven verlegt. Sie hatten sich verritten und musten wieder hinauf über Düren nach Aachen.
- 13ten – Es ist noch eben kalt, und dieser Monath könnte für dem December bestehen. Kornpreis hier Neusmaas 6 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler 50 Stüber. – Vorgestern ist Michael Kranz (siehe 5ten Februar 1814) zu Kölln verhaftet worden.
- 20ten – Es ist noch über 2 Fuß tief in die Erde gefroren. So anhaltend und stark für diese Jahrszeit that es das seit meinem Gedenken nicht.
- 21ten – Diesen Abend ward es gelinder. Am 22. und 23ten warm.
- 24ten – Der Frost geht aus der Erde, ohne daß es einen Tropfen geregnet hat. In den Gärten ist noch nichts gegraben, und heute gienge der erste Pflug zu Felde.
- 26ten, samstags Nachmittag wurden Billetter gemacht für 400 Mann Landwehr aus dem Nieder-Bergischen. Es kame doch nur eine Compagnie von 150 Mann. Sie waren ziemlich insolent und kostspielig.
- 27ten, sontags – Heut 5 Uhr fienge das zu Erhaltung des Friedens und Wieder-Einsetzen des Pabstes ausgeschriebene 40-stündige Gebeth an. Es ware kaum halber sechs, als in der Scheure des Herrn Vicarius Feuer ausbrach. Der Anton Schmitz rief die Leuthe aus der Kirche, die Soldaten kamen herbey, und augenblicklich waren eine Menge Menschen versammelt. Der Wind ware still und trieb auf Nivenheim. Da aber die Scheuer des Vicar sehr hoch und voller Stroh war, so fiengen die Ställe und das bis an die Straße mit Stroh gedeckte Backhaus an zu brennen. Zugleich fiengen die diesseits auf die Kirche hin liegende Scheuren des Reiner Mick, des Wilhelm Langenfeld und abwärts die Scheuren des Josef Schmitz und jene der Erben Reiner Zander Feuer und wurden der Erde gleich gemacht. Es ist kein Vieh verbrennt. Und als die 6 aus der Nachbarschaft ankommende Brandspritzen hier waren, da ware schon dem weiteren Einreissen der Flamme Einhalt gethan.
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- 1814
- 5ten April – Diesen Abend 8 Uhr hörten wir abwärts in Neus und Düsseldorf Kanonieren. Etwas späther läuteten zu Zons alle Klocken. Der Bürgermeister schickte eine Ordonanz nach Zons, welche die Antwort mitbrachte, daß Paris von den Alliirten eingenohmen seye. Sogleich wurden hier die Böller gelöset. Darauf läuteten alle Klocken. Der Vicarius gab um halb 11 die Benediction und stimmte das "Te Deum" an. Das Klockengeläute, Schiessen und Beyeren dauerte bis des Morgens 4 Uhr. – Warm Wetter.
- 7ten, Gründonnerstag, bekamen wir 40 Kosaken mit 50 Pferden blos für Dormagen in Kantonirung; alle benachbarte Gemeinden bekamen deren ebenfals, welche liegen bleiben. Kornpreis 6 Reichstahler 18 Stüber.
- 11ten, Ostermontag – Verflossene Nacht um 12 Uhr kame ein Kourier mit der Nachricht, daß Napoleon gefangen, die französische Armee die Waffen abgelegt und daß der Friede unterzeichnet ist. Sogleich wurden die Klocken geläutet und mit den Böllern geschossen. Auch giengen gleich in der Nacht Expressen nach allen Gemeinden des Kantons, welche diese Nachricht kund thaten. Der Pastor von Zons gienge mit dem Hochwürdigen Prozession durch alle Gassen der Stadt, alle Bürger begleiteten den Zug mit Kerzen, so daß kein Pfund mehr in der Stadt zu haben war. An dem Kreutz vor dem Rheinthor wurde Station gehalten, und erst als der Tag anbrach, kehrten sie zur Kirche zurück. – Kornpreis hier 6 Reichstahler 10 Stüber Neusmaas.
- Dominica in albis – Gemäß Befehl des Herrn Kreisdirektoren muß heute allenthalben das Fest der Einnahme von Paris gefeyert werden. Wir hielten Hochamt mit Paucken und Trompetten und nachdem "Te Deum". Des Abends war Ball in Panneshaus.
- 20ten – Es ist anhaltend schönes Wetter. Die am 7ten hier in den Kanton gequartierte Kosacken sind den 16ten nach Hülchrath, Evinghoven etz. verlegt worden.
- 27ten – Einige Tage ware es kühl und naß, welches man für das Feld zuträglich hällt, da bey den warmen Tagen das Korn spitz aufschoß. Verfloßenen Sonntag hielten die Zonser ihre Gottestracht wie vor Alters sehr feyerlich. Des Abends waren alle Häuser in der Stadt illuminirt, und vor dem Feldthor wurde ein Feuerwerk abgebrennt.
- Mey
- 1ten – Die Kirchmeistere fragten vor einigen Tagen beym Herrn Pastor an, ob er erlauben wolle, daß am heutigen Tage Prozession gehalten werde, weil der Bürgermeister zur Feyer der Einnahme von Paris ein Fest halten wolle. Der Pastor erklärte, daß er selbst das Hochwürdigen austragen wolle. Es wurden Anstalten gemacht, Herr Rekinger von Knechsteden bestellt, Musicanten accordirt und alles angewendet, um dieses religiöse Fest mit unserer alten Gottestracht zugleich zu feyern.
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- 1814
- 1ten Mey, Gottestracht – Allein, gestern Nachmittag, als der Hülfsgeistliche ankam, läugnete der Pastor die den Kirchmeistern und mehreren andern gethane Erklärung; und weil die General-Vicarien von Aachen noch vor 14 Tagen das Processionen-Gehen verbothen hätten, so protestierte er gegen die zu haltende Gottestracht. – Die ganze Gemeinde war unwillig. Man beschloß dennoch, die Procession zu gehen. Nach dem hohen Amt zohen wir ohne Geistliche aus, an der Lämbchens-Station beteten wir 5 "Vater unser", von da gienge der Zug um das Dorf, auf Horm, neben der Windmühle vorbey. – 8 zurückgekommene Soldaten begleiteten die Procession unter Anführung des Commendanten Lützenrath. Jacob Cremer trug eine eigends verfertigte große dreyfarbigt alliirte Fahne. Die Soldaten feuerten bey jeder Station. Das Wetter ware sehr schön und die Procession zahlreich. Hier ward mit Böllern gefeuert. Die Hormer hatten solche ebenfals gleich nach dem Auszug der Procession dahin bringen lassen, wobey auch 7 Hormer Jungen aus Flinten feuerten. Düsseldorfer Musikanten spielten bey der Procession, die in schönster Ordnung unten am Dorf einzohe. Wie wir auf den Kirch-Hof kamen, da empfieng uns der Pastor mit dem Venerabel. – Abends waren fast alle Häuser erleuchtet; besonders zeichnete sich jenes vom Maier, Steinberger und das Posthaus aus, wo die Nacht und ein Theil des 2ten Mey bis 7 Uhr getanzt wurde.
- 2ten, Hagelfeyer – Die Procession wurde nicht gehalten. Diesen Nachmittag kamen die Zonser mit einer transparenten Fahne, worauf eine Chicane gegen Napoleon angebracht war, hieher. Die hiesige Bürgerwache mit Gewehr und Fahnen, von der Musick und einer Menge begleitet, hohlten sie zwischen Walhoven ab. Am Abend wurde die transparente Fahne am Hause des Wirthen Rensing aufgestellt und rückwärts illuminirt. Um 8 Uhr, wie im Posthause alles am tanzen war, da hörte man Hülfe-Rufen. Die Fahne brannte fürchterlich und hatte mehrere Puppen am Dach gezündet, doch ward in Zeit von ein paar Minuten alles vorüber.
- 3ten bis 6ten – Nachtfröste. 7ten Regen. Kornpreis in Kölln 5 Reichstahler 7 ½ Stüber, Weitz 6 Reichstahler 20.
- 18ten – Es ist kalt und nordwindig. Klee kann noch nicht wachsen.
- 19ten, Kristi Himmelfahrt – Wir bekamen heut in die Maierie 150 Baskiren, eine Art von Kosaken. Sie wurden nach Hakenbroich und Delven verlegt,
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- Mey
- so daß hier nur 150 Mann blieben. Den 20ten mittags kame die Ordre, daß sie fort musten.
- 22ten, Sontag – Heut kamen 130 Kosaken hieher. Die Halbscheid gienge nach Hakenbroich und Delven, und die Halbscheid bliebe hier. Im Posthaus, wo der Obriste logirte, gienge es toll zu. Der Obrist hat selbst einen Koch, welcher die Küche versieht. Die Gemeinde muß alle Tage 2 Masen Wein liefern. Sie bekommen 10 Pfund Heu und ein Viertel Haaber. Nach Horm ist durch ein Versehen nichts gekommen; dafür liefert Horm alle Tag 30 Rationen Heu und 30 Faß Haaber hieher.
- 25ten – Kalter Regen. Korn hier das Neusser Malder 5 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 7 Reichstahler.
- 31ten – Die Kosaken kosten das Dorf entsetzlich viel: alle Tage 10 Malder Haber und 160 Rationen Heu zu 10 Pfund, wovon das 1.000 Pfund zu 10 Reichstahler 30 Stüber bezahlt wird. In allen anderen Gemeinden, als Zons, Worringen, Hakenbroich etz., müssen sie 15 Pfund Heu und 1 ½ Reichstahler, theils ein Faß Haber auf das Pferd, geben. Gemüß essen die Kosaken keins, ausser sauren Kappus, hingegen destomehr Fleisch. Brandwein trinken sie ohne Maas. Indessen ist hier im Dorf noch keiner von ihnen geschlagen worden, welches rund um her doch häufig geschieht.
- 3ten [Junius] – Heut Morgen 7 Uhr musten die Kosaken aus der ganzen Gegend fort. Seit lange ware es trocken und kalt. Fienge es auch zuweilen aus Norden zu regnen an, so nahme der schraffe Wind doch gleich wieder alles dürre. Erst heut Nachmittag fängt es aus Süden warm zu regnen an. Kornpreis hier 5 Reichstahler 30 Stüber, Haber 28 Schilling, 1.000 Pfund Heu 14 Reichstahler. 4ten warm und trocken.
- 14ten – Acht Tage hindurch hatten wir die in Magdeburg eingeschlossene französische Garnison in verschiedenen Abtheilungen logirt. Sie gehn auf Metz.
- Am 20ten logirten hier und in der Gegend 3.000 Sachsen. Sie waren kostspielig für den Bürger. – Zu Wien wird ein Congress eröfnet, wo die Angelegenheiten Deutschlands ins Reine gebracht werden sollen. Einstweilen besezt Preussen die hiesige Lande, und alle Abgaben fliessen in die Königliche Kasse.
- Am 17ten, 19ten, 20. und 21ten hatten wir Regen, doch ist solcher noch nicht an die Wurzel kommen. Kornpreis 6 Reichstahler.
- 30ten – Überflüssiger Regen.
- 1ten Julius – Der Kayser von Rußland soll morgen hier passiren. Dewegen sind 105 Pferde aus dem Kanton hier, worunter 8 Postpferde von Bergheim und 8 von Langenfeld mit einbegriffen. Am 3ten-4ten sehr heisse Tage.
- 6ten – Heut um 1 Uhr passirte der Kayser von Rußland hierdurch. Schon seit dem 2ten ware es alle Tage voller Fremde hier, welche dieselbe sehen wollten. Alle Häuser waren mit Meyen gezirt und die ganze Strasse mit Laub und Blumen bestreut. Am Posthause presentirten 4 Kinder seiner Majestät einen Blumenstraus.
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- 1814
- Julius
- Es waren die 2 Töchter des Bürgermeisters, Jacobina und Helena Delhoven, dann die zwey Töchter aus dem Posthaus, Catharina und Gertrud Sturm. Auch wurden 5 oberländische reisende Musikanten angehalten, welche während dem Pferdewechseln aufspielten.
- 12ten-14ten – Heisse Tage. Kornpreis 5 Reichstahler 50 Stüber, das 1.000 Pfund neue Heu in Kölln 11 Reichstahler 36 Stüber.
- 29ten – Die ganze Zeit über ware es trocken, die 3 lezte Tage aber übermässige Hitze. Man hat, weil die Erndte späth gekommen, erst vorgestern angefangen, Korn einzufahren. Das meiste steht aber noch vest. Klee ware wenig und diese sehr schlecht. Die ausserordentliche Hitze hat vollends alles Futter verbrennt, so daß fast jederman Stroh für die Kühe füttert. Das alte Korn gillt kaum 4 Reichstahler 30 Stüber, neues ist noch kein gedroschen. Heut Mittag brachte ein Donnerwetter uns Regen, den wir so nöthig hatten.
- August
- 10ten – Das Korn ist noch nicht alle ab. Dieser Täge ware es schön Wetter, zuweilen ein wenig Regen. Seit 14 Tägen haben wir preussische Infanterie hier logirt; es sind bey 60 Mann. Sie betragen sich sehr gut. Das neue Korn gillt 5 Reichstahler 7 ½ Stüber, neuer Weitz 9 Reichstahler 20 Stüber.
- 13ten – Donner mit Regen. – Der Kayser Napoleon, der auf der Insel Elba als souverainer Kayser regiert, hällt sich ruhig. Frankreich ist von alliirten Truppen verlassen, Holland durch den Prinz von Oranien, Brabant durch die Engländer und die nieder-rheinische Lande durch Preußen besezt. Es soll zu Wien ein Kongreß gehalten werden, welcher anfangs October von den alliirten Monarchen selbst besucht werden soll.
- 26ten – Plötzlich schluge das Malder Weitzen auf bis 10 Reichstahler 15 Stüber hier in loco. Korn hat sich auch bis 6 Reichstahler gehoben. Wir hatten eine Zeither nothdürftigen Regen mit schönem warmem Wetter.
- 8ten September – Nöthige Regen und kühl. – Weitz ist bis 8 Reichstahler 30 Stüber gefallen.
- 14. bis 17. – Sehr schöne Sonnentage. Kornpreis 6 Reichstahler 15 Stüber, welches rein ist.
- 1ten October – Es ist anhaltend trocken Wetter. Die Fourage ist so rahr, daß kein Mensch sich dessen erinnert. Das 1.000 Pfund Heu gillt 15 Reichstahler, in Kölln das Pfund Butter 29 Stüber. Das gesähete Korn kan nicht heraus kommen.
- 9ten, Kirmes – Bis 14ten kälterich-trocken. Die Kirmes ware schön, aber doch nicht viel von Fremden besucht. Seit Anfangs August haben wir preussische Einquartirung. Die Ofizier waren viel bey der Musick im Posthaus und bey Perea in Panneshaus, die gemeine Soldaten aber durften nicht dahin kommen. – Weitzen-Preis 9 Reichstahler.
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- 1814
- November
- 1ten – Vor vierzehn Tägen hatten wir soviel Regen, daß die Saath heraus kommen kan. Seitdem ist es immer warm. Auch fängt das Rübkraut etwas an zu wachsen, welches bisher noch so klein war, das es ungebunden in Körbe gekrautet oder mit Säcken heimgetragen wurde. In Kölln gillt das Pfund Butter 30 Stüber. Die meiste Halfen müssen selbst die Butter kaufen, weil die Kühe Stroh fressen und weil jederman noch Einquartirung hat. – Kornpreis 6 Reichstzahler 15 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 28 Schilling.
- 18ten, Freytag – Heut Abend 6 Uhr, als wir bey Perea in Pannes-Haus im Zirkel unserer Abendgesellschaft sassen, hörten wir auf einmal draussen Lärm. So wie wir die Thüre öfneten, sahen wir, daß es die Scheure des Pannes war, welche in lichten Flammen stand. Der Wind kame vom Nöthstein und ware günstig, jedoch ergrif die Flamme sogleich die Scheuer des alten Posthauses, worin der Wilhelm Coenen und Wolter Schülgen mehr dan für tausend Reichstahler Frucht liegen hatten. In der Pannes-Scheuer hatte Peter Strak, Wilhelm Hövel, Johan Görges und Joan Boeser Frucht liegen und Letzterer mit Wilhelm Hövel heut bis 4 Uhr gedroschen. Vermuthlich ist eine Tabackspfeife liegen geblieben, denn angestochen ist es nicht. – Weil es noch anhaltend trocken ist, so ware das Wasser rahr. Zweymahl verstopften sich unsere Brandspritzen, weil wir aus Mistpfühlen schöpfen musten und viele Pumpen und Brunnen trocken waren. Der Rhein ist äusserst klein. Es komt kein Geriß, weil der Roerfluß ausgetrocknet ist. – Seit Ends September sind der Kayser von Rußland, der König von Preußen, Bayern, Würtemberg, Dännemark nebst vielen Fürsten und Großen in Wien, halten täglich Bälle und Lustbarkeiten, ohne noch den Congress eröfnet zu haben. Der französische Gesandte hat eine Note übergeben, und man fürchtet wieder neuen Krieg. Wir haben jetz den Obristen mit 14 Musicanten und etwa 20 Mann nebst 2 Ofizieren hier und in Horm und Rheinfeld, die sich gut betragen. Das 1.000 Pfund Heu gilt 13 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 30 hier, Weitz 8 Reichstahler 20 Stüber, Haaber 26 Schilling.
- December
- Am 8ten – Noch immer ohne Frost mit wenig Regen. Indessen ist der Rhein gewachsen, das jetz erst schwarzer Brand herauskommen kann, woran bisher drückender Mangel ware. Viele Ackerleuthe haben bey dem trockenen Herbst ihre Consumption zu Eschweiler gehohlt.
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- 1814
- December
- 8ten – Die Tochter des ehmaligen Scheffen Küpper hatte früher den Herman Müller von Mühlheim an der Ruhr geheyrathet, welcher Protestant ware. Dieser starb und wurde am Sontag Nachmittag auf dem Kirchhof in der Hütte am Beinhaus begraben. Die Nachbarn geleiteten die Leiche, doch ohne sich wie sonst zu bethen. Indessen liefen eine Menge jauchzende Kinder vorher und lärmten, als wenn sonst ein Jude begraben wird.
- 22ten – Diese Nacht fienge es zuerst an zu frieren, da es bisher stets warmes Wetter war. Wir hatten einige Regentage, welche den Rhein den Ufern gleich anschwellten, der doch dies Jahr kleiner als Menschengedenken war. Auch wehete vorige Woche ein entsetzlicher Wind. Am 15ten abends giengen 6 Häuser zu Blie gegen Worringen in Brand. Da der Wind so sehr stark war, so ware an kein Löschen zu denken. Nur die Scheuer vom Blierhof wurde mit vieler Müh gerettet.
- 27ten – Starker Frost. Am 28ten Regen. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber hier Neusmaas. – 31ten – Das verflossene ware ein merkwürdiges Jahr: Die Regierungs-Abwechslung und der Abzug der Franzosen, so wie die Ankunft der Alliirten und Kosaken giengen glücklich vorüber. Indessen sind seit deren Ankunft der Auflagen und Lieferungen sehr viele geworden, so daß, wenn nicht so viele Früchten gerathen und diese nicht so gut im Preise gestanden, so würden viele Bewohner ruinirt worden seyn.
1815
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- 1815
- Januar
- Unser Land wird noch provisorisch verwaltet, und daß wir von der französischen Despotie erlößt sind, werden wir im Bezahlen der Abgaben noch gar nicht gewahr. Nur, daß viele junge Leuthe aus dem französischen Dienst und aus der Gefangenschaft zurück kommen, erleichtert den Ackersman, dem Arbeiter fehlen, welche durch die Conscription ihm genommen worden.
- 7ten – Heut wurden die Rebellen vom vorigen Jahre (Michel Kranz, Christian Schmitz, Wilhelm Nusbaum und Johann Annas) zu Köln verurtheilt: Christian Schmitz, auf flüchtigem Fuß, wurde zu 3 Jahr Prison, Michel Kranz zu 6 Monath und die beyde andere zu 3 Monath verurtheilt. Es waren 23 Zeugen von hieraus nach Kölln citirt, welche von der Regierung jeder mit 4 Francs bezahlt wurden.
- 10ten – Bisher hatten wir anhaltenden Frost, diesen Morgen Regen. Kornpreis hier 5 Reichstahler 33 Stüber Neusmaas, Weitz 8 Reichstahler, Haaber 25 Schilling.
- 15ten – Es stürmte zwischen Regen und Schnee bis gestern, heut Frost.
- 27ten – Vom 15ten hat es gefroren bis heut. Auch fiel alle Tage etwas Schnee. Die 1.000 Pfund Heu werden in Kölln mit 16 à 17 Reichstahler bezahlt. – Vorige Woche, am 18ten, hielten von den hierumher kantonierenden Preußen 800 ihr Abendmahl hier in der Kirche. Erst war eine Predigt über das Thema: "Gib mir Herr ein reines Herz". Dann wurden Lieder gesungen und communicirt. Der reformirte Prediger theilte Hostien wie die unsrige an einer Seythe des Altars aus, und an der andern reichte der luthrische aus einem zinnernen Kelch den Wein. Sie wurden nicht einlogirt, ausser die 2 Predicanten.
- 31ten – Thauwetter. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 8 Reichstahler 20 Stüber, Haber 26 Schilling.
- Februar
- 20ten – Anhaltend offenes Wetter.
- 1ten Merz – Der Februar ware sehr gut. Fast in allen Gärten ist schon gepflanzt und gesähet. Kornpreis 5 Reichstahler 25 Stüber. – Noch dauert der Congress in Wien fort, ohne daß man weis, was verhandelt wird. Wir haben noch stets 50 Mann Preußen hier, 5 Gensdarmen und 5 Reuter für die Correspondenz.
- 10ten – Die Merzerstürmen sind im Anzuge. Alles fängt an zu wachsen. – Bey dem Pariser Frieden wurde Napoleon mit dem Titul Kayser nach der Insel Elba transportirt, wo er als Souverain regiert. Die Kayserin mit ihrem Sohn gienge zu ihrem Vater, dem römischen Kayser, nach Wien. Sie regiert zu Parma und Pinzenze als Kayserin.
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- 1815
- Merz
- Der König von Neapel, Joachim Murat, Schwager von Napoleon, blieb König von Neapel. Er organisirte diesen Winter seine Armee, die aus achtzigtausend Mann besteht. – Nun ist Napoleon am 26ten Februar von der Insel Elba fort und am 1ten Merz zu Frejus mit 1.100 Man gelandet. Er marschieret auf Lion zu. – Kornpreis hier 5 Reichstahler 15 Stüber.
- 18ten – Haber 3 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu in Kölln 11 Reichstahler, kostete vor 1 Monath 17 Reichstahler. Wir haben seit 8 Tägen anhaltend stürmisches Wetter, so daß der Rhein auszutreten drohet.
- 19ten, Palmsontag – Heut ware es kalt, doch trocken. Der jetzige Kaplan, Herr Lützler, hielt heut Nachmittag die vor Alters gewöhnliche Römerfahrt. Die Prozession ware sehr zahlreich. – Napoleon ist in Lion, die französische Truppen laufen ihm zu.
- 21ten und 22ten – Sehr angenehme Tage. Der Rest der Kahrwoche war stürmisch, doch giengen wir am Karfreytag Prozeßion, musten aber wegen dem Regen an der Hellbüchels-Gasse hereingehen.
- 25ten, Osterabend – Napoleon ist am 19ten in Paris eingezogen, der König ist fort, und die Monarchen sind noch zu Wien auf dem Kongreß versammelt.
- 26ten – Heut musten die hier den ganzen Winter gelegene Preussen fort. Sie ziehen auf die französische Gränze. Auch kommen viele Preussen von der andern Rheinseite zu Wesel, Kölln und Düsseldorf herüber. Zu Kölln werden zwey Brücken geschlagen. Kornpreis Neusmaas 5 Reichstahler 50 Stüber. Am 8ten Kornähren.
- April
- 16ten, Gottestracht – Um fünf Uhr war die erste und um 7 die hohe Messe. Der Kaplan, der die Prozession mit dem Venerabel begleiten wollte, bekam gestern Abend Nachricht vom Pastor von Nivenheim, daß, wenn der Kaplan mit Procession gienge, so würde er verklagt werden. Wir giengen also alleine, und zwar den alten Weg. Hinter dem Kohr giengen die Kinder, welche zum ersten communicirt hatten, 40 an der Zahl, unter Vortragung zweyer gezierten Kerzen, jede von 3 Pfund, und 1 Fähnlein. Die Prozession ware sehr groß und nahme sich vorzüglich schön aus an Zons, wo die gesammte Bürgerschaft Zuschauer ware.
- 17., Hagelfeyer – Heute wurde die Prozession wieder dem alten Weg nach an Sassen vorbey gehalten. Am 19ten und 20ten Nachtfrost.
- 30ten – Der Aprill ware fast anhaltend nordwindig-trocken. Nur sontags, den lezten April hatten wir nachmittags einen durchdringenden Regen. Kornpreis hier auf der Platz 6 Reichstahler.
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- Mey
- Die Stadt Kölln soll bevestigt werden. Zu dem Ende arbeiten 7.000 Bauern daran. Unsere Maierie muß täglich 14 Mann stellen. Sie bekommen von der Regierung 12 Stüber. Auch ist es auf dem Congress zu Wien beschlossen, daß wir nun preussisch sind. Napoleon sizt zu Paris, und die preussische Truppen stehn auf der französischen Gränze. Allen Anschein nach wird es Krieg. – Wir müssen jetz stark ins Magasin zu Kölln liefern, die Maierie Dormagen 130 Malder Korn, 400 Malder Haber, 10 Kühe etz. Es sind 8 Milionen extra ausgeschlagen. Daraus soll diese Lieferung bezahlt werden.
- 14ten, Pfingstag – Kornblüh, gestern Regen, heut schön Wetter. Sieben Täge muß die Maierie nacheinander jedesmahl 17 doppelspännige Karren nach Kölln in den Park stellen.
- 15ten – Verflossene Nacht starb unser Pastor Lambert Josef Dahmen, von Spiel bey Jülich gebürtig. Seit 1795 lebte er hier. Er ware ein Mann von eingeschränktem Verstand, karg wie fast alle Geistliche. Übrigens hat die Geschichte sehr weniges von ihm aufzuzeichnen, was merkwürdig ist. – Heute musten aus jedem Canton der Oberbürgermeister und ein von den übrigen Bürgermeistern gewählter Deputirter zu Aachen erscheinen, um der Eydesleistung dem Königs von [Preußen] beyzuwohnen. Sie musten alle in schwarzen Röcken, seidenen schwarzen Unterkleidern und Degen erscheinen. Von hier ist mein Bruder Thomas Delhoven und als Deputirter der reiche Bürgermeister Cremerius von Worringen dahin.
- 21ten, Dreyfaltigkeit – Heut leistete hier die Bürgermilitz den Eyd. In Posthalters Bongart stellte sich nachmittags 2 Uhr das Bataillion auf, gienge dan im Zug in die Kühbenden, von da wieder nach der Bürgermeisterey, wo der Adler aufgepflanzt wurde. Demnach ward im Posthause an einer Tafel von 50 Gedecken gespeiset und bis an den Morgen getanzt. – Schön Wetter. Kornpreis hier 6 Reichstahler.
- 31ten – Es ist seither so trocken gewesen, daß Klee und Gemüse verdorren. Weitzen 8 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler, ein Pfund Café 19 Stüber.
- Juny
- Am 5ten hielten wir um 7 Uhr eine Segens-Messe zur Erhaltung eines fruchtbaren Regens. Um 11 Uhr brachte ein vorbeyziehendes Donnerwetter auch wirklich eine stundenlange Schauer, welche beynah an die Wurzel drang.
- Am 27ten – Es regnet alle Tage. Wir hoffen auf gutes Wetter. – Zu Kölln ist ein großes Magazin angelegt, wozu von allen Gemeinden bis in die Gegend von Nimmegen geliefert werden muste. Kornpreis 6 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 9 Reichstahler.
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- 1815
- Junius
- 27ten – Am 15ten dieses haben die Feindseligkeiten zwischen den Franzosen und Preussen angefangen, wo mit lezteren die Engländer vereiniget waren. Der erste Angriff geschahe auf Charleroi und Namur. Am 18ten wurden die Franzosen wieder zurückgeschlagen, nachdem sie in die Gegend von Brüssel und Lüttich vorgedrungen waren. – Am 23ten musten die hiesige junge Leuthe von 17 bis 40 Jahren zu Kölln ziehen. Die Geheyrathete blieben fast alle hier, wofür der hiesige Bürgermeister zohe, doch wurden die Männer ins Depot gesezt. Die Meyerey Dormagen, das heißt Dormagen, Hakenbroich, Delven, Horm und Rheinfeld, müssen 52 Conscribirte stellen. – Zu Kölln ist seit April eine stehende Brücke.
- Julius
- Dieser Monath ware meistens naß, so daß bis Ende des Monaths noch wenig Korn eingefahren ware. Die Preußen und Engländer sind nach der gewonnenen Schlacht vom 18ten Junius wieder in Paris eingerückt. Nachdem sind auch die Österreicher und Russen in Paris eingezogen. Napoleon hat sich eingeschift und den Engländern ergeben. Er wird auf die Insel St. Helena gebracht.
- August
- 1ten – Das alte Korn gillt 7 Reichstahler, das neue ein Schilling weniger.
- 2ten – Bey Gelegenheit des heutigen Portiunculafestes wurde der bisherige Pastor von Pulm, Herr Kessel, als Kantons-Pfarrer hier eingeführt. Er wurde mit der Prozession bis an der Pastorat abgehohlt, dann das Dorf hinauf bis um Lämbgens Heiligenhäuschen geführt. Als wir bald an den Kirchhof kamen, überraschte uns eine Regenschauer, so daß die Procession auseinander lief. Nun nahme er Possession und hielte dann das Hohe Amt. Zehn Geistliche waren im Ornat. Im Posthaus wurde das Tractement gehalten, worauf der Friedensrichter, Bürgermeister und President vom Kirchenrath eingeladen waren, und wo der Pastor für jeden Mitessenden ¾ Kronthaler, einschlieslich 1 Boutollin Wein pro Tete, bezahlen muste.
- 12ten – Anhaltend Regen. Es ist einer von den nassesten Sommern seit 50 Jahren. Korn und Weitz wird halb trocken eingefahren. Das 1.000 Pfund Heu gillt in Kölln 10 Reichstahler.
- 28ten – Heut erst fienge es an, trocken zu werden. Die Brach im Feld sieht übel aus. Es gibt Stücker im Feld, wo man mit der Sense das Unkraut abhauen muß.
- September
- Am 1ten – Diese Täge waren trocken und entsetzlich heiß. Das neue Korn gibt erbärmlich schlecht. Das Neusser Malder kostet an 7 Reichstahler.
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- 1815
- 20ten September – Das Wetter ist anhaltend trocken und heiß, welches der wüsten Brache sehr gut zu statten kömmt. – Daß das Korn so schlecht gibt, schreibt man den kalten Nächten Ends April zu, wo die Ähren erfrohren sind.
- 21ten – Diese Nacht hat es Eis gefroren und ware weis gereift. Alles Bohnen- und Erdäpfellaub ist erfrohren. Das neue Korn gillt 8 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 9 Reichstahler, die 1.000 Pfund Heu in Kölln 10 Reichstahler.
- 27ten – Die Russen ziehen gröstentheils aus Frankreich, doch ist der Friede noch nicht abgeschlossen.
- October
- Am 2ten, Montag – Gestern wurde das Michaels-Fest bey schönem Wetter gefeyert. Erst um halber zwey zohe die Prozession ein. Der neue Pfarrer hatte einige Meistbeerbte zum Abendessen geladen. Da ich mich auch dabey befand und etwas späth schlafen gegangen war, so schreckte mich das Rufen auf unserer Treppe von einer Magd ("Hülf, es brennt!") aus dem Schlaf. Es ware diesen Morgen bald 5 Uhr. Ich glaubte, es wäre in unserm Hause. So wie ich auf die Straße kam, sahe ich den Brand unten im Dorf. Es ware der Stall des Winand Gussenhoven und das Dachwerk des Henrich Brinkempen seines Hauses, welches in Zeit von einem kleinen halben Stündchen ganz gelöschet war. Nie in meinem Leben habe ich den Rauch so pfeilgrade in die Luft steigen sehen. Es ware so windstill, daß kein Blättchen sich an einem Baume bewegte. Man vermuthet, daß es angestochen ist, denn acht Tage vorher klagte der Winand Gussenhoven mir, daß der Heinrich Klütsch i[h]m damit gedrohet. – Der Brand ware so geschwind gelöscht, daß keine Fremde hiehin kamen. Kornpreis 7 Reichstahler 10 Stüber.
- 15ten – Die am 8ten angefangene Kirmes währte bis der Tag anbrach am Freytag Morgen. Das Wetter ware so schön, als man wünschen konnte. Im Posthaus, bey Perea im Panneshaus und bey Jacob Witges neben der Kirche war Musick. Das Malder Haber 18 Schilling.
- 23ten – Das Wetter ist anhaltend und lieblich. Kornpreis in Neus 7 Reichstahler 36 Stüber.
- November
- Vom 1ten bis 4ten – Frost. 7ten, 8ten Regen. Am 11ten Kornpreis in Neus 8 Reichstahler 30 Stüber.
- 18ten – Herbstwetter – Heut hatte ich Gelegenheit, durch Schefen Hugo von Zons alte Nachrichten von diesem Städtchen zu erhalten. – Als der Kayser Neus entsezte und ihm zu Ehren sein Bildniß auf dem Markt zu Neus auf dem Markt errichtet wurde, welche von den Franzosen bey ihrer Ankunft zerstöhret wurde, schenkte er dem Kuhrfürsten von Kölln den
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- 1815
- Neusser Rheinzoll, weil der Rhein, der damals an der Stadt Neus vorbey triebe, sein Bett verändert und nun Neus zu weit vom Strome entlegen war, mit dem Beding, daß der Kuhrfürst ein Schloß am Rhein bauen soll. Darauf bauete der Kuhrfürst das alte Schloß zu Zons und die Ringmauern, sezte auf das Feldthor diese Innschrift: "Wer will zo uns bauen, soll Sitz und Stimme auf dem Lande haben". Damals triebe der Rhein dicht an Dormagen und Zons vorbey, in den Jahren von 1300 und späther. – Demnach brach der Rhein oben Worringen durch, und das jetzige Rheinfeld ward zur Insel. Das Dorf Rheinfeld oder vielmehr der leere Platz hiesse damals das Rheinort. Ein gewisser Junker von Rheinfeld bauete den Rheinfelderhof, der damals neben dem Sandthof muß gestanden haben und "die Burg" hiesse. Da, wo Wallhoven steht, ware noch ein tiefes Loch, wo bey starkem Winde das Wasser große Wellen schluge. Es hatte deswegen den Namen Welloch. Ein Bruder des Junker von Rheinfeld bauete den Wellverhof, gienge späther in das Stift St. Andreas, dem er den Wellhof so wie sein Bruder sein Rheinfeld den Antonitern in Kölln schenkte, wo er sich ins Kloser aufnehmen ließ.
- 20ten – Kalt. Die Rüben sind bey Menschengedenk nicht so gut gerathen. Indessen sind deren noch sehr viel im Feld.
- 26ten – Es ist so hart gefroren, daß man das Rübkraut nicht mehr loskriegen kann. Korn in Neus 7 Reichstahler 15 Stüber.
- 30ten – Harter Frost und sehr kalt. Wir hatten lange keine Einquartierung.
- December
- 1ten – Gestern Abend fienge es an zu regnen.
- Am 4ten hatten wir 400 Münstrische Landwehr für 1 Nacht logirt. Regen.
- 7ten – Morgens 8 Uhr fienge es nach einem nächtlichen Regen streng zu frieren an.
- 8ten – Harter Frost und am 9ten sehr kalt. Am 13ten Regen. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitz 8 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu hier 8 Reichstahler, Malder Haber hier 2 Reichstahler 30 Stüber. 16ten viel Regen.
- 18ten kamen 180 Pferde und 130 Kanoniere in die hiesige Mayerie. Auch kamen gestern Abend noch die Quartiermacher von 800 Mann Fußvolk. Um 10 Uhr fuhr der Her Posthalter mit dem Jacob Cremer auf Kölln und brachten eine Ordre vom Etappen-Commendanten, daß das Bataillon Fußvolk auf Zons gehen sollte. Sie thaten's aber nicht, und es ward sehr voll. Das Fußvolk hatte Rastag und gienge am 20ten fort. – Regen. Am 23ten Frost.
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- 1815
- December
- 23ten – Abends 10 Uhr kamen 26 Mann mit Wagen, woran 56 Pferde waren, hier ins Quartier. Sie hatten heut Rasttag und giengen am 24ten auf Düsseldorf. Jetz passirt viel preussische Cavallerie über Kölln nach Hause, so daß wir ohne die gewöhnliche 6 Park-Karren gestern noch 15 Karren in der Nacht nach Kölln stellen musten.
- 31ten – Abwechselnd Wetter, 2 Täge Frost und wieder einige Regentage. Das verflossene Jahr ware besonders rauh an Fourage. Den ganzen Sommer hindurch bis späth in den Herbst konnte man den Klee nicht meisteren. Viel wurde davon zu Heu gemacht, der gröste Theil aber verdarb durch das immerwährende nasse Wetter. Rüben gab es so viel, daß noch für einen ordentlichen Winter genug davon im Felde steht. Die Frühen sowohl als die Späthen wurden gut. Die Winterfrüchten sind äusserst wenig ergiebig. Es ware Stroh genug gewachsen, aber Korn oder Weitzen drischt keiner mehr als ein halbes Malder, Haaber hingegen ist sehr ergiebig. – Das Malder Korn wird zu 7 Reichstahler 15 Stüber verkauft, Weitzen 8 Reichstahler 30, Haber 21 Schilling, das Pfund Butter 12 Stüber, 1 Pfund Café 20 Stüber, frisches Schweinfleisch 9 Stüber, Rind- und Schaaf-Fleisch 7 Stüber, 100 Bauschen Stroh 4 Reichstahler 30 Stüber. – Nach dem im Herbst zu Paris geschlossenen Frieden bleiben Russen, Preussen, Engländer und Österreicher in Frankreich. Es können wohl zweymahl hundert-tausend Mann seyn. Sie besetzen mehrere Gränzvestungen 5 Jahre lang, und in dieser Zeit bezahlt Frankreich 700 Milionen. – Die Truppenmärsche sind nun beynahe als beendigt anzusehen. In vielen hiesigen Gegenden haben die Preussen in den Quartieren übel gehauset, so daß der König desfals eine strenge Ordre hat ergehen lassen. Man verspricht sich im künftigen Jahre süssen Frieden.
1816
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- 1816
- Januar
- Am 1ten – Frost. Heut kamen in hiesige Bürgermeisterey 800 Münstersche Landwehr vor ein Nacht ins Quartier. Sie betrugen sich gut.
- 2ten logirten wir nur 90 Mann, weil der Rest auf Nettesheim muste. Sie hatten Rastag. Am 4ten Regen, abwechselnd Frost.
- 14ten – Das stürmische Wetter hatte den Rhein so angeschwellt, daß die Leimkaule vollgeloffen war. Drauf fienge es heut an zu fallen.
- 15ten kame unsere Landwehr mehrentheils in ihre Heymath auf Urlaub. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Haber 2 Reichstahler 30 Stüber.
- Februar
- 9ten – Der Winter wechselt mit 8 Tagen ab, dan Frost, dan Regen.
- 24ten – Auch bis heute hat das Wetter alle 3 Tage abgewechselt. Vom 17ten bis 20ten fror es herzlich, und der Rhein triebe dicht mit Eis. Die Früchten stehen noch still. Korn in Neus 7 Reichstahler 20 Stüber, Weitzen 8 Reichstahler 20 Stüber, Haber 2 Reichstahler 30 Stüber.
- 29ten Februar – Merzerschauren folgen aufeinander. Dabey friert es seit 3 Tagen für diese Jahrzeit stark.
- Merz
- Am 8ten Merz trat der Rhein aus bis an die Landstraß, oben dem Pflug.
- Bis 10ten – Merzerstürme. Heut, am 11ten, hatte man eben angefangen, in den Gärten etwas zu graben, da fienge es am 12ten wieder an zu regnen. Am 15ten konnte man etwas graben. Kornpreis 7 Reichstahler 30 Stüber in Neus, Weitz 8 Reichstahler 30 Stüber.
- 20ten – Alle Tage Regen, so daß in den meisten Gärten noch nichts gegraben und viele Pflüge noch nicht zu Felde gegangen sind.
- 21ten – Mit der Tag- und Nachtgleiche ist der Wind in Norden gegangen, und es friert seit dem 21ten bis heute, den 2ten April[7], alle Nächte sehr stark, so daß man diesen Morgen mit dem Anspannen noch nicht bauen konnte. Die Frucht im Feld verliert sich, besonders auf leichten Gründen. Der Weitzen ware am 25ten Merz in Neus auf 10 Reichstahler 30 Stüber gegangen, steht aber nun wieder zu 9 Reichstahler 30 Stüber, das Korn 8 Reichstahler und die Haber 18 Schilling.
- 7ten, Palmtag – Weil das Wetter gar zu unfreundlich war, so ward eine Andacht in der Kirche gehalten.
- 12ten, Karfreytag – Um fünf Uhr hielten wir die Prozession sehr zahlreich. Weil aber an der Hellbüchelsgasse eine Hagelschauer heranzohe, so giengen wir da herein und hielten die übrige Stazionen in der Kirche. Der Pastor gienge nicht mit, weil es den Geistlichen vom General-Vicariat in Aachen untersagt ist. – Graf Solms-Laubach ist in Kölln angekommen, um als Ober-President zu regieren und das Land nach preussischem Muster ganz von Neuem zu organisiren.
- 14ten, Ostertag – 15. und 16ten kalt mit Frost, Schnee, Hagel und Regen.
[423]
[Eingebundener gedruckter Totenzettel von Thomas Delhoven:]
- Jesus, Maria, Joseph, Michael
- Ehrwürdige Priester! Fromme Christen!
- opfert und bethet
- für die Seele
- des Hochedelgebohrnen Herrn
- Thomas Delhoven,
- Seit 22 Jahr gewesener Vorsteher, Präsident der Municipalität, Maire, und Bürgermeister des Hauptortes des Canton Dormagen, und Küster dasiger Pfarrkirche.
- Welcher den 25ten April 1816. zwischen 7 und 8 Uhr Abends von einem Schlagfluße getroffen, vorhin durch die österliche Kommunion vorbereitet, im 61ten Jahre seines Alters, und im 34ten seines friedlich geführten Ehestandes, plötzlich dahin starb.
- Sein thätiges christliches Leben, sein anhaltendes uneigennütziges Bestreben zum Wohl seiner Verwalteten bey so manchen kritischen Stürmen des nun glücklich geendigten langwierigen Krieges, sein leutseliger Umgang mit jedermann machte ihn bey Großen und Gringen beliebt und achtungswerth.
- Heil seinem Andenken!
- Friede seiner Seele!
- Köln, gedruckt bey Christian Everaerts unter Goldschmidt N. 19 (2040.)
[Rückseite mit christlichem Motiv]
[425]
[Eingebundener gedruckter Totenzettel von Nicolaus Eller:]
- Jesus, Maria, Joseph, Michael
- Ehrwürdige Priester! Fromme Christen!
- opfert und bethet
- für die Seele
- des Hochedelgebohrnen Herrn
- Nicolaus Eller,
- Doktor der Heilkunde zu Dormagen.
- Welcher den 28ten April 1816. Nachmittags 4 Uhr, mit den Hh. Sakramenten der Sterbenden mehrmalen und heilsam versehen, gänzlich in den Willen Gottes ergeben, an den Folgen einer langwierigen Abnehmungs-Krankeit, im 60ten Jahre seines Alters und im 29ten seines friedlich geführten Ehestandes sanft und gottselig in dem Herrn entschlief.
- Unverbrüchliche Treue seiner Standespflichten, rastloses uneigennütziges Bestreben den leidenden Menschen bey Tag und Nacht zu Hülf zu eilen, ächt religiöser Sinn für alles heilige zeichneten ihn im Leben und im Sterben aus.
- Wohl den Dieneren, die der Herr bey seiner Ankunft wachend findet. Luc. 12. V. 37
- Er ruhe sanft im Frieden.
- Köln, gedruckt bey Christian Everaerts unter Goldschmidt N. 19. (2040.)
[Rückseite mit christlichem Motiv]
[427]
- 1816
- April
- 24ten – Anhaltend trocken-schraffes Wetter. Das Korn verliehrt sich alle Tage im Feld. Deswegen kostet das Malder schon 10 Reichstahler, Weitzen 11, Haber 3 Reichstahler.
- 25ten – Abends 7 Uhr bekame mein Bruder Thomas Delhoven einen Schlagfluß und ware in Zeit von einigen Minuten todt. Er hinterläst eine Wittib mit 6 Kindern, wovon die älteste nur noch mit dem Gerichtschreiber Busch verheyrathet ist.
- 27ten – Am Abend wurde der Bürgermeister begraben. Die ganze Pfarrei gieng mit. – Die Gottestracht, so am 5ten Mey einfiel, ward dieses Jahr nicht mit einer Procession gefeyert. Bis Mittag wurde Gebeth gehalten und des Nachmittags Vesper. Des Montags wurden die Exequien für den seeligen Bürgermeister gehalten. Kornpreis 10 Reichstahler, Weitz 11 Reichstahler.
- Mey
- 8ten – Regen, anhaltend. Am 18ten nordwindig und trocken. – Der Posthalter Adolf Verhagen ist zum Bürgermeister ernannt. Das Land wird jetz organisirt, wir stehen künftig unter dem Landtrath von Neus, und die Hauptregierung ist zu Düsseldorf.
- Mey meist naß und kalt. Kornpreis 10 Reichstahler, Weitz 12.
- 14ten Juny – Sehr heiß mit Donner und Regen. Kornpreis 9 Reichstahler.
- 26ten Juny – Anhaltend naß. Die Witterung während der ganzen Kornblüh ware naß und kalt, woraus man nichts Gutes schließt.
- July
- Der Regen läst noch nicht nach. Der Rhein will austreten. Deswegen wurde am 2ten, 3ten und heut, am 4ten, zu Zons mit 30 Mann und mehreren Karren gearbeitet. Der erste Sommerdamm ware am Rhein zu Zons, der 2te auf dem kleinen Schleuschen am Schloß daselbst, ein dritter wurde über den Rheinfelder Damm gemacht. Jener am Rhein brach in der Nacht vom 3ten auf den 4ten, wo auch ein unbedeutendes Dämmchen am Plathalse brach, wodurch die ganze Hütte hinter unserm Damm vollgelaufen ist. Da diese Strecke alle mit Gemüß und Frucht treflich besezt war, so kan man den Schaden gerne auf tausend Reichstahler ansetzen.
- Am 5ten – Der Rhein wächst noch immer, und das Regnen hört nicht auf. Heut waren wieder 40 Mann und 10 Karren an dem Sommerdamm zu Zons in Arbeit. Die Zonser aber sind in solchen Notfällen ein träges Völklein, meist Schuster, Schneider und kleine Krämer, denen es gleich viel gillt, ob Heu und Weitzen verdirbt oder gedeihet. Die Brach im Feld liegt wüst, Erdäpfel können nicht gegraben werden, das Unkraut wächst drüber her.
[428]
- 1816
- Julius
- Am 6ten – Heut um die Mittagsstunde kame ein Expressen von Zons mit der Nachricht, daß der Zonser Damm gegen dem Schloß durchgebrochen seye. Der Sergeant liefe mit der Schelle durchs Dorf und verkündete im Laufen, was vorgegangen war. Ohne zu essen, liefe alles mit Schüppen zu dem Zonser Damm, das heist dem Weg, der von Rheinfeld nach Zons führt. Wie wir hinkamen, da liefe der Rhein schon an mehreren Stellen quer durch. Auch sahen wir vor, daß wir in Zeit von einigen Stunden noch 4 Fuß Wasser mehr haben würden. Dies brachte uns anfangs auf den Entschluß, umzukehren und in den Kühbenden einen Damm zu machen. Indessen, da unserer so viele waren, fast alle Manspersonen aus dem Dorf, voll Kraft und Muth, so versuchten wir, einen Damm anzufangen. Man foderte einige Karren und Mann von Zons, allein, diese wurden abgeschlagen. Von Rheinfeld kamen doch gleich zwey Karren, und ein von hier geschickter Expressen zu Pferd brachte gleich von Delven und Hakenbroich eine Menge Karren und Arbeiter dahin. – Muth und Fleis liessen uns an dem Erfolg nicht zweifeln. Indessen, da die Leuthe nichts gegessen hatten, so liessen wir von Zons und Rheinfeld einige 20 Maaß Brandwein und mehrere in Stücke geschnittene Brode austheilen, entliessen am Abend 40 Mann, welche um 9 Uhr wiederkommen und die gesammte Mannschaft ablösen muste, theils, um die Nacht zu wachen, daß der Damm nicht durchbreche, theils auch, damit die Zonser unsern Damm nicht durchbrechen, denn diese beneideten uns, daß wir in so kurzer Zeit dasjenige fertig brachten, was sie aus Mangel an Gemeingeist vernachlässigt hatten.
- 7ten, Sontag – Der Rhein blieb schwach am wachsen, den ganzen Tag wurde mit Karren und Mann an dem Damm gearbeitet. Das Malder Korn gillt in Kölln 13 Reichstahler.
- 8ten – Der Rhein fällt, doch wird noch Tag und Nacht am Damm bey Zons gewacht.
- 12ten – Heut fienge der Rhein wieder ½ Fuß an zu wachsen. Das Grundwasser diesseit des Dammes läuft von oben aus der Grundkaule dem Dorf vorbey bis nah an die Leimkaule.
[429]
- Julius
- Am 13ten – Seit dem 14ten Juny hat es alle Tage geregnet. Das Korn ist noch grün, Erdäpfel und dicke Bohnen wegen dem vielen Regen noch zu jung. Korn ist keines mehr als in Kölln. Deswegen war einige Tage kein Brodt im Dorf zu haben. Nur Witges backte die 14 Pfund zu 45 Stüber. Jetz aber hat der Müller Bremer angefangen zu backen, zu 39 Stüber das Brodt. Viele brave Leuthe kommen am Abend und sprechen in wohlhabenden Häusern um Brodt an. Die Noth ist sehr dringend, weil das alte Gemüß alle aufgezehret ist.
- 18ten – Das Wasser fällt schwach, und das Grundwasser thut diesseits den Damm mehr Schaden als der Rhein. Noch immer Regen. Der Bürgermeister Cremerius zu Worringen verkauft das Malder Korn zu 14 Reichstahler.
- 19ten – Heut hat es nicht geregnet. Einige Leuthe hatten Korn nach Hause getragen, die Ähren davon im Backofen getrocknet und dan gedroschen. Im Feld ist noch keins gehauen.
- 20ten – Sehr heis. Das Heu in den Kempen-Gründen wird alle faul.
- 31ten – Seit dem 20ten hat es alle Tage geregnet. Der Brodtmangel ist groß. Der Bürgermeister zu Worringen verkauft das Malder Korn zu 13 Reichstahler.
- August
- 2ten, Portiuncula – Der Pastor hielt das heutige Fest sehr feyerlich. Noch ist kein Korn eingefahren. Fast die Halbscheid steht noch auf dem Halme. Heut ware es gut Wetter.
- 8ten – Gestern und vorgestern ist einiges Korn eingefahren worden, da kame heut morgens 8 Uhr ein Donnerwetter mit viel Regen. Korn neues 10 Reichstahler 20 Stüber. Alle Tage Regen. 1.000 Pfund Heu hier 10 Reichstahler.
- 22ten – Eben ware es gut Korn einfahren, da regnete es wieder. Korn 11 Reichstahler.
- 23ten – Alle Tage Regen. Heut gillt neues Korn 10 Reichstahler Köllnisch Maas, Weitz 16 Reichstahler.
- September
- 10ten – Regen. Seit 10 Wochen wird noch alle Sontage abends 6 Uhr in der Kirche Rosenkranz mit Benediction gehalten, um gutes Wetter von Gott zu erbitten. Wenn es einen Tag etwas trocknet, so wird Korn und Weitzen halb naß eingefahren. Die Haber ist reif, kann aber noch nicht eingefahren werden. Deswegen wird das Malder alte Haber zu 8 Reichstahler verkauft. Korn gillt 13 Reichstahler. Auch hat der Kranz auf der Piwip reines Sahmkorn das Malder zu 18 Reichstahler verkauft. Der neue Weitz 14 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu in Kölln 15 Reichstahler.
- 20ten – Am 12ten fienge es an, gut Wetter zu werden. Man fuhr Weitzen ein. Haber ist aber noch alle draussen und wird jetz fleissig gehauen. Sie ist treflich gerathen. Buchweitz ist hingegen im ganzen Lande so erbärmlich schlecht, daß das Malder zu 25 Reichstahler verkauft wird. Am 16ten wieder Regen. Es bleibt kaum 2 Tage gut. Das Malder Haber verkauft Steinberger zu 6 Reichstahler, in Kölln 8 Reichstahler.
[430]
- 1816
- September
- Am 29ten, Michaeli – Weil die Wege wegen dem vielen Regen schlecht waren, so gienge die Prozession durch's Dorf hinab und hinauf. Kornpreis 12 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 13 Reichstahler 30 Stüber. Abwechselnd Regenwetter. Deswegen ist noch wenig und dies wenige schlecht zur Saath bearbeitet.
- October
- Am 8ten – Die Haber fängt alle an, sogar auf den Gästen grün zu wachsen. In Kölln kostet das Malder neue Haber 5 Reichstahler.
- 12ten, Kirmesabend – Ich ware diese Nacht gleich vor 2 Uhr aufgestanden, weil mein Hund bellte. Ich sahe hinaus auf die Straße und hörte, daß die meiste Bewohner noch wach und mit Putzen, Mehlsieben und Backen beschäftigt waren. Als ich mich eben niedergelegt hatte, bließe der Nachtwächter zwey Uhr, und in Zeit von einer halben Minute bließ er zweymahl hintereinander und riefe Hülf. In der Scheure des Wilhelm Fix loderte die Flamme hoch auf, wodurch die Scheure des Gerhard Gyla im Adler ebenfals Feuer fienge, denn es ware eigentlich nur eine Scheuer, welche unterschlagen worden. Die Brandspritzen waren gleich dabey. Der Wind spielte leise von Zons, und die örtliche Hilfe verhinderte, daß die dicht nebenstehende Ställe des Gerhard Gyla unversehrt blieben. Zudem hatte es gestern Abend noch stark geregnet, wodurch die angränzende Strohdächer nicht zündeten. Es waren keine Fremde hier, denn der Brand ware schwind verzehrt.
- 13ten, Kirmes – Sehr schönes Wetter. 14ten und 15ten, Kirmesdienstag, wurde viel Haber eingefahren. Die vornehme Musick ist unten am Ende in der Willmuth. Den 16ten, des Mitwochs, durfte im Tag keine Musick seyn, nur des Abends ward es zum Schluß erlaubt.
- 20ten – Anhaltend schönes Wetter. Die Haaber ist noch nicht alle gehauen, vielweniger herein. Diese ist allein dieses Jahr gut gerathen. Es ist verkauft worden, ohne das Stroh zu 50 Reichstahler pro Morgen. – Kornpreis 12 Reichstahler, Weitzen 13 ½, Haber 4 Reichstahler, 1.000 Pfund Stroh 6 Reichstahler.
- November
- Am 4ten – Das vortreflichste Wetter seit der Kirmes. Es wird noch immer gesähet und vieles ausgebauet, was die Schnecken und der Schlich verdorben haben. Das Malder Korn in Kölln 15 Reichstahler.
- 14ten fienge es an zu frieren. Es fiel Schnee und wechselte ab mit Regen. Man macht noch fleissig Erdäpfel aus. Kornpreis in Kölln 12 Reichstahler.
- 22ten – Es hat diese Nacht so stark gefroren, daß es allenthalben drüber geht. – 24ten starker Frost. Verschiedene Leuthe haben die Erdäpfel nicht aus. Rübkraut ist noch fast alle im Felde, weil solches späth gesähet wurde. Haaber 4 Reichstahler, schöner Weitzen 20 Reichstahler, Korn 12 Reichstahler 30 Stüber, Gerst 8 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 13 Reichstahler hier, Erbsen 18 Reichstahler 14 ½ Stüber, Brod 50 Stüber.
[431]
- 1816
- 30ten November – Der Frost hällt an und vermehrt noch die Beklemmung, denn wo man sonst bis Weynachten das Vieh aus dem Felde ernährt, fängt man diesmahl früh am Winterfutter an. Es ist ein Jahr, das vielleicht nie ein ähnliches so merkwürdig war. Das Malder Korn habe ich gestern noch in Kölln zu 14 Reichstahler 15 Stüber verkauft, Weitzen 17 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber, 1.000 Pfund Heu 15 Reichstahler 30 Stüber. – Es ist nicht möglich, daß die arme Leuthe am Essen bleiben, da auch die Gemüße alle misrathen sind und viel Kappus und Erdäpfel vom Rhein und Grundwasser ganz verdorben sind. Seit 3 Tagen ist schon viel Eis im Rheine. Die Aussichten für die künftige Erndte sind auch sehr schlimm, denn hier wie in allen Gegenden dieses Landes sieht die Saath schlecht aus. Bey dem nassen Wetter haben Schnecken und Schlich Vieles verdorben. In allen Gemeinden am Rhein, auf der Gillbach, im Jülicher Lande bis ans Vorgebirg liegen hunderte Morgen, so wegen dem nassen Wetter nicht besähet werden.
- December
- 12ten – Bisher hatten wir zwey oder 3 Tage Frost und dan wieder Regen. Gestern thauete es vollends auf. Kornpreis Reichstahler 14, Weitzen 15 Reichstahler, Haber 4 Reichstahler.
- 20ten fienge es stark an zu frieren. Nach anhaltendem Regen ware der Rhein längs dem Dorf bis an die Landstraße ausgetreten.
- 22ten, Sontag – Der starke Frost machte das Eis übertragen und brachte den Rhein im Strome ausfallen. Es ware heut Nachmittag eine unzählige Menge Jung und Alt auf dem Eise.
- 24ten – Regen.
- 31ten – Das in Hinsicht des vielen Regen und der äussersten Theurung so sehr merkwürdige Jahr schliesset sich mit Nässe. Der Rhein, wieder in seinen Ufern, trägt wieder Schiffe, welche Frucht aus Danzig und aus Rußland bringen, deren noch eine große Menge unterwegen ist, die allein eine allgemeine Hungersnoth hemmen kann. Jene Frucht ist sehr gut und wird deswegen in Kölln um 2 Reichstahler theurer verkauft als die innländische. Das hiesige Korn gillt in Kölln 14 Reichstahler, Weitz 15 Reichstahler, Haaber 4 ¼ Reichstahler, Gersten 9 Reichstahler. Die Köllnische Zeitung macht die Bemerkung:
Der Januar brachte 13 gute 18 Regentage Februar 15 14 Merz 28 3 April 27 3 Mey 5 26 Juny 7 23 July 10 21 August 18 13 September 14 16 October 16 15 November 18 17 December 16 15
- also 182 gute und 184 Regentage.
1817
[432]
- 1817
- Januar
- Hunger und Kummer stehen am Eingang ins neue Jahr. Der Taglöhner geht müssig, weil wenig Frucht zu dreschen war. Öffentliche Arbeiten am Rhein und auf den Landstrassen gibt es keine. Die Noth kann einen sehr hohen Grad erreichen.
- 5ten, Sontag – Die Nacht ware äusserst windig, so daß die meiste Bewohner schon frühe auf gestanden waren. Drey Scheuren, ein paar Ställe und verschiedene Bäume wurden umgeworfen, auch an vielen Dächern großer Schaden angerichtet.
- 9ten – Frost. Kornpreis 13 Reichstahler 30 Stüber, Haber 5 Reichstahler 30 Stüber Kölnisches Maas.
- 13ten – Abwechselnd, vom 14ten bis 27ten angenehme Frühlingstage. Haber 5 Reichstahler 30 Stüber.
- Februar
- Am 5ten – Fast den ganzen Monath Januar und bis heute waren alle Pflüge im Feld am Bauen, wodurch die Stoppeln jetz erst alle aus dem Ganzen sind. Auch kamen täglich Schife den Rhein hinauf, deren verschiedene russisches Korn bringen.
- 14ten – Meist stürmisches Wetter ohne Frost. Kornpreis 13 Reichstahler 30 Stüber, Haber 5 Reichstahler 45, guter Weitzen 17 à 18 Reichstahler, 1.000 Pfund Stroh 9 Reichstahler.
- 25ten – Anhaltend Sturm und Regen, Donner, Hagel und Merzerschauren.
- 27ten – Heute wurden die Exequien für Arnold Nusbaum gehalten. Als Schneider von Profession heyrathete er die Wittib des Franz Engels mit 3 Kindern, Catharina, Gudula und Andreas. Er ware Wirth, pfachtete die Delver Mühle und konnte recht gut leben. Allein, er ergab sich dem Trunck und ward Säufer. – Frau und Kinder accordirten mit ihm, daß er täglich 30 Stüber verzehren sollte. Das hielte er nicht lange, mißhandelte Frau und Kinder, und drohete mehreremahle, selbige todzuschiessen. Die älteste Tochter ist mit Franz Daniel verheyrathet. Eines Abends, vor circa 2 Jahren, ware er wieder im Wirthshaus, wüthete wild umher und drohete wieder, zu Haus alles todt zu schiessen. Man benachrichtete die Frau davon, und der Eydam that den Pulver von der Pfanne. Es währte nicht lange, da stürmte Nusbaum herein, wollte mehr Geld haben, und da man es ihm nicht gab, ergrif er die Flinte und drückte auf seine Frau ab. Das Gewehr gienge nicht los. Da ergrif er den Eydam und biß ihm einen Finger ab. – Nusbaum wurde verurtheilt zu 5 Jahr Arrest in Aachen, wo er am 11ten Merz vorigen Jahres starb, welches die Seinigen erst vor 14 Tägen gewahr wurden.
[433]
- Merz
- Am 5ten – Mehr Wind als Regen. Gestern Nacht stürmte es wieder gräßlich, so daß viele tausend Pfannen zertrümmerten und einer armen Frau das Dach gleich den Mauern ganz einstürzte. Die meiste Bewohner unten im Dorf giengen nicht schlaffen, und mehrere verliessen ihre Häuser. – In Kölln gillt das Malder Korn 16 Reichstahler, Weitz 18, Haber hier 7 Reichstahler, das Malder Erbsen 20 Reichstahler, Schwein in Kölln 12 Stüber pro Pfund. – Der Rhein steht hinter dem Damm bis auf die Landstraße. Die Dormager haben an Zons die Schleuse verstopft und den Damm vom vorigen von der Schleuse auf Rheinfeld ausgebessert.
- 8ten – Anhaltend Regen und Sturm. Der Rhein treibt dem Dorf vorbey ins Bixem. – Das Malder Gerst 11 Reichstahler.
- 13ten – Das Wasser ist so hoch, als es seit kurzen Jahren nicht gewesen ist. Unten im Feld ist wenig trockenes Land mehr. Korn kostet in Kölln 17 Reichstahler, Weitzen 20, Erbsen 20 Reichstahler. Hier gillt das Malder Haber 7 Reichstahler. – Regen. – Das Malder Erdäpfel 7 Reichstahler.
- 14ten – Das Wetter bessert sich. Heut ware es trocken.
- 16ten und 17ten – Starke Nachtfröste und schöne Tage. Man fängt an, in den Gärten zu arbeiten, welches wegen dem langen Regen nicht geschehen konnte.
- 24ten – Starke Nachtfröste, daß man des Morgens nicht bauen kann. Die Frucht ist abgeschlagen, weil in Holland Vorräthe aus Rusland angekommen sind. Korn gillt in Kölln 14 Reichstahler, Weitz 17 Reichstahler, Haber 6 Reichstahler. Hier werden 12 Pfund Brodt zu 56 Stüber verkauft.
- 25ten – Regen. Bis lezten Merz Regen.
- April
- Am 1ten – Sehr schönes Wetter. Am 4ten, Kahrfreytag: Es wurde statt der Procession Miserere gehalten. Ostertag anhaltend schönes Wetter. Die Nächte sind etwas kalt mit Reif. Der Wind ist stets Nord. Die angefangene Festungsarbeiten um die Stadt Kölln werden fortgesezt. Und um den Taglöhnern Arbeit zu verschaffen, wurde in allen Gemeinden verkündiget, daß ein Arbeiter bey 10 Stund Arbeit 6 gute Groschen, 11 Stund Arbeit 7 gute Groschen, 12 Stund Arbeit 8 gute Groschen verdienen. Maurer und Zimmerleuth verdienen bey 10 Stund Arbeit 10 gute Groschen und so weiter. – Die Noth ist anhaltend groß. Nächtlich wird auf dem Sasser Hof und anderwärts Brodt gefodert und gegeben. Des Bettlens ist kein Ende.
[434]
- 1817
- April
- 9ten – Es friert des Nachts, besonders am 11ten, so stark, daß man des Morgens gleich nicht bauen oder eggen konnte. Späther hat es gestern,
- am 10ten bis 12ten sehr gestürmt mit Hagel und Schnee, bis 19ten anhaltend. Es kömmt russisches Korn. In Neus wird das Malder zu 15 Reichstahler 30 Stüber und das innländische zu 14 Reichstahler verkauft, Haaber 6 Reichstahler, Weitz 18 Reichstahler, das Pfund Butter hier 24 Stüber. Am 15ten am Abend kamen mehrere Oberländische Schiffe mit 15 hundert Schweitzer aus Basel hier am Platthalse an. Sie strömten zu Hunderten zum Dorf und suchten Quartier. Fast in allen Häusern wurden sie aufgenohmen, bezahlten gut und blieben bis den 18ten, des stürmischen Wetters wegen, hier. Sie verzehrten viel Geld an Wein, Zucker, Weisbrodt etz. Sie wandern nach America aus.
- 20ten – Trocken, bis 26ten schraf nordwindig mit etwas Schnee und Hagel.
- Mey
- Am 1ten – Gestern Mittag gienge der Wind in Süden. Am Abend fiel ein warmer Frühlingsregen. Heute angenehm mit etwas Regen. Das Malder russisch Korn gillt noch in Kölln 16 Reichstahler 30 Stüber, der Weitzen 20 Reichstahler, Haaber 6 Reichstahler, Gerst 10 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu 16 Reichstahler. Ich sahe heut selbst in Kölln das Pfund Butter zu 40 Stüber verkaufen.
- 4ten – Kühl mit Schauren. – Dormagen hat 5 Malder 6 Faß preußisches Korn bekommen, welches in Düsseldorf empfangen und zu 11 Reichstahler bezahlt werden muß. Der König hat dieses für die Rheinprovinzen geschickt. Dieses soll zu Brodt gebacken und die Kosten mit dem Kaufpreis berechnet, alsdann dieses wohlfeile Brodt an die Dürftige verkauft werden. – Von den General-Vicarien zu Aachen ist eine 3-stündige Andacht mit Aussetzung des Hochwürdigen auf einen Tag in jeder Woche bis Ends September ausgeschrieben. Der hiesige Pastor hat hiezu den Dienstag bestimmt. Morgens 5 Uhr wird das Hochwürdige ausgesezt, ein Rosenkranz gebethen, dann lase der Vicarius seine Messe, um 7 Uhr fienge des Dienstags Hochamt an. Am 30ten April ware die erste Andacht mit viel Zulauf. Der Zweck ist zu Erhaltung einer gesegneten Erndte und um Abwendung der Hungersnoth. Bis 9ten trocken.
- 10ten, 11ten und 12ten – Heilsamer Regen. Das Malder Korn gillt 18 Reichstahler in Kölln, Weitz 22 Reichstahler, Haber 6 Reichstahler, das Malder Erbsen 20 Reichstahler. – In Düsseldorf werden ganze Körbe mit Krähefuß, Disteln und dergleichen Kräuter, so in den Hecken wachsen, auf dem Markt gebracht und an statt Spinat zu Muß gegessen. Mehrere aus
[435]
- hiesigem Dorf sind schon polizeilich bestraft worden, weil sie anderer Leuthe Sahmen geblättert und die Blätter schaarenweise nach Kölln auf den Markt getragen. – Es sterben viele Leuthe. Man kann zwar nicht sagen vor Hunger, aber schlechte Kost, und halb satt bringt sie beym geringsten Anstoß von Krankheit ins Grab. Es gibt Leuthe, welche 3 Pferd zu Acker gehen haben, die an 8 Tagen kein Gemüß als Disteln und Brennesseln und an 3 Tagen kein Brod assen.
- 25ten – Anhaltend gutes Wetter. Am 28ten Regen. – Zu all' dem Elend kömmt nun noch ein Umstand, der das Maas voll macht: Es muß im Oberland ein Wolkenbruch gewesen seyn, so sehr schwillt der Rhein an. Von Zons schickte man hieher um Beystand, einen am Rhein über den Jägersberg angefangenen Damm zu vollenden. Da aber der morastige Boden keine Aussicht gab, daß da der Zweck erreicht würde, so fiengen die Dormager mit Pferd und Karren gleich an, den im vorigen Jahr angefangenen Damm gegen dem Schloß auszubessern. Auch wurde ein Dämchen hier am Platthalse angelegt, um die Hütte hinterm Damm zu schützen.
- 29ten – Gestern Abend brach der von den Zonser angefangene Damm am Rhein. Es wurde also vereint mit den Zonser am Schloßdamm gearbeithet und hier am Platthalse bis den 30ten am Abend der Damm gehalten, der aber um 8 Uhr brach und die ganze Strecke bis an das Piwitten-Pättchen unter Wasser sezte, welche mit Gemüsen und Sommerfrucht bepflanzt war. Der Rhein wächst regelmässig alle Stunde ein Zoll.
- 31ten – Zu Zons wurde heut wieder gearbeithet. Am Abend hörte das Wachsen auf und am 1ten[8] war der Rhein 1 ½ Zoll gefallen. Durch den gegen dem Schloß errichteten Damm sind alle unsere Grasereyen in den Kempen, das Kranenort, Werth und die Kühbenden gerettet; ein großer Vortheil für unser Heu, da alle niedrige Grasereyen am Rheine verdorben sind. – In Kölln ware Mangel an Korn. Es ware gestern verbothen, Brodt aus der Stadt bringen. Am Stürzelberg lage ein Schif mit russischer Frucht. Da hatte man gestern zwey kleine Oberländer mit 400 Malder beladen. Bey jedem waren 20 Mann, welche dieselbe heraufzohen, und wenn sie kamen, wo der Rhein ausgetreten war, da fuhren sie die Leine mit einem kleinen Nachen eine Strecke vorwärts, bevestigten solche mit einem Pfahl auf's Land, und die 12 Mann zohen auf dem Schif sich höher. Vom Stürzelberg bis Zons bekame der Mann 40 Stüber, von Zons bis Worringen 40 und so weiter. Die Leuthe wurden requirirt.
[436]
- 1817
- Junius
- Die Bürgermeisterey Dormagen bekame 500 Francs ehmalige Einquartirungs- und Fourage-Gelder. Die Meistbeerbte unterschrieben sich, daß sie diese Summe den Dürftigen schenken. Dafür wurden zu Hittorf Erdäpfel gekauft, die 100 Pfund zu 2 Reichstahler 40 Stüber, und denjenigen Taglöhnern etz. vertheilt, welche Land bereit haben, um solche darauf zu setzen. – Bis 6ten trocken, am 7ten sehr heis.
- 8ten, Sontag – Diesen Morgen 4 Uhr hatten wir starken Regen mit Donner. Deswegen konnten wir heut die gewöhnliche Fronleichnams-Procession nicht halten, welche bis Sontag verschoben ist. Kornpreis 21 Reichstahler halb russisch, halb einländisch, Haber 7 Reichstahler.
- 10ten – Schön trocken Wetter. 15ten, Sontag: Heut wurde die Procession gehalten. Weil aber viele Leuthe auf Nivenheim waren, so ware dieselbe sehr klein. Wir sahen unterwegs im Korn Raderblumen, welche anzeigen, daß wir in Zeit von 4 Wochen reif Korn haben. Am 20ten Mey blühete der erste Schlehdorn; alsdan muß nach Aussage der Alten am 20ten July reifes Korn seyn. – Russisch Korn gillt 22 Reichstahler, Haber 8 Reichstahler, Weitz 27 Reichstahler hier.
- 20ten – Sehr heisse Tage. Bis Ends Juny warm mit etwas Regen.
- Julius
- Vom 1ten bis 9ten hatten wir den dritten Tag Regen. Es ist schon Korn geschnitten, nur ist es nicht allgemein. Indessen ist das Korn von 22 Reichstahler auf 14 Reichstahler abgeschlagen. Das Brodt, welches an geringe Leuthe zu 6 Stüber pro einzelnes Pfund von Verkäufern verkauft wurde, gillt jetz 4 Stüber, Haber 6 Reichstahler 30 Stüber.
- 10ten – Am Abend zohe ein Gewitter vorüber ins Norden. Um 10 Uhr kehrte solches um und brachte uns unter fürchterlichem Donner sehr starken Regen. Die Halbschied von Sahmen ist eingescheuret; der noch draussen ist, hat viel von dem harten Regen gelitten. – Es komt eine ungeheure Masse von Korn aus der Ostsee; dieses hat den Kornpreis auf 13 Reichstahler vom besten gerösteten russischen Korn heruntergedrückt.
- 11ten bis 16ten – Viel Regen. Es ist einiges Korn gehauen, doch noch hier kein neues Brodt gebacken. 1.000 Pfund Heu in Kölln 8 Reichstahler.
- Bis 19ten – Alle Tage Regen. Man hällt mit dem Kornhauen noch ein, obschon es reif ist, weil wegen dem nassen Wetter und der Wärm selbiges leicht ans Wachsen komt. Es ist sehr vieles Heu in Arbeit, das dem Verderben nahe ist.
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- Julius
- Es ist nicht zu begreifen, wie die Leuthe noch alle dies harte Jahr am Essen geblieben sind. Indessen haben viele ihre Kühe verkauft, andere haben Geld gegen Hypothek aufgenohmen, und circa 40 haben ihre Kinder längs die Thüren betteln geschickt. Auch ist sehr Vieles an Hausarmen gegeben worden. Besonders zeichnete sich der hiesige Müller Theodor Bremer aus, der eine Zeither alle arme Kinder wochentlich 2- bis 3-mahl des Mittags mit einer Suppe von Haabergrütze und Erdäpfel speisete. Es waren deren gemeinlich an der Zahl 40 bis 50.
- 21ten – Schön Wetter. Man hauet allenthalben Korn. Allein, dessen ist sehr wenig, weil man voriges Jahr wegen dem nassen Wetter das Land nicht ackeren konnte. Es kommen noch immer Schife mit russischem Korn, welches zu 13 Reichstahler verkauft wird.
- 28ten, 29ten – Schön Wetter. Man fährt fleissig ein und backet neues Brodt. Indessen gibt das Korn schlecht; man kann rechnen, der Gast ein Faß. Am 31ten: Vor vier Tagen wurde das Korn zu 10 Reichstahler 30 Stüber bezahlt, jetz gillt es schon wieder 12 Reichstahler.
- August
- Bis 7. – Schön heiß, im Nachmittag Donner mit Regen. Bis 15ten schön. 18ten: Korn 13 Reichstahler, Weitz 16, Haber 6 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu in Kölln 9 Reichstahler.
- 25ten bis 28ten – Regen. Am 29ten heis. Korn in Neus 12 Reichstahler 9 Stüber, neue Haber 5 Reichstahler 30.
- 1ten bis 10ten September – Sehr heis und trocken. Korn 11 Reichstahler, Haber 4 Reichstahler, Sommer-Gerst 7 Reichstahler.
- 11ten – Abends Donner mit viel Regen. 15ten bis 25ten schön Wetter, am 30ten und
- 1ten Octobris Regen, bis 10ten schön Wetter für die Saath mit Reif und etwas Frost.
- 1ten, Kirmesabend fienge es des Nachmittags an zu regnen. – Kornpreis in Kölln 11 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 13 Reichstahler, Haber 4 Reichstahler, Sommergerst 7 Reichstahler 15 Stüber.
- 17ten – Anhaltend schön Wetter. Bey Perca in Pannes-Haus spielten die Duisburger Juden, in der Willmuth unten am Ende, welches Haus jetz unbewohnt ist, hatte Rensing den Saal und die obere Zimmer gemiethet und lies Neusser Musikanten spielen, bey Witges neben der Kirch ware der Rey.
- 7ten November – Anhaltend trocken-schönes Wetter. Das Malder Weitz gillt in Neus 16 Reichstahler, Korn 12 Reichstahler 30 Stüber, Haber 4 Reichstahler 45, Gerst 8 Reichstahler 15 Stüber, das Pfunf Erdäpfel 2 Reichstahler 15 Stüber, 1.000 Pfund Heu hier 7 Reichstahler.
- 25. – Schön Wetter ohne Frost, zuweilen etwas Regen. Korn in Kölln 12 Reichstahler 9 Stüber.
- December
- Am 6ten – Frost. Korn in Kölln 11 Reichstahler 30 Stüber, Haber 4 Reichstahler, Gerst 7 Reichstahler 30 Stüber. 8ten Regen.
- 13. – Frost. Am 14ten geht es drüber. Weitz in Neus 15 Reichstahler 30 Stüber, Buchweitz und Sommergerst 8 Reichstahler.
- 14ten – Abends Regen, welcher bis 21ten anhällt. – Die Gendarmen und das Prison wurden gestern an die Willmuth verlegt. Seit die Alliierten hier sind, waren sie bey den Bürgern. Die vornehmste Einwohner der Bürgermeisterey musten die Meublen liefern.
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- 1817
- December
- Am 22ten – Frost. Am 26. Regen. Am 27ten bis zum Schluß Frost und Schnee. – Kornpreis in Kölln 11 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 10 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler 30 Stüber, Gerst und Buchweitz 7 Reichstahler. – Korn ist hier wenig zu verkaufen, Sommergerst, Buchweitz und Haber ist sehr wohlgerathen. Fast jederman backt Gerst unter das Brodt, selbst die Reichesten. – Nie ware ein Jahr so merkwürdig wie dieses! Von Hunger ist zwar niemand gestorben, aber aus der gringern Klasse sind verschiedene zum Kirch-Hof gewandert, weil anhaltender Mangel sie nicht einmahl satt essen liesse. Auch waren die Gemüse rar und nicht zeitig, folglich nicht nahrhaft geworden. Jetz hingegen ist dieses Jahr alles von vorzüglicher Güte. Die gringen Leuthe essen jetz statt des Brodes Erdäpfelskuchen. Überhaupt hört man bey den noch bestehenden hohen Früchtenpreisen keine Klagen über theures Brodt; das thut aber: Jederman hat Erdäpfel genug, und es gibt viele Taglöhner, welche deren 40 Malder haben.
1818
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- 1818
- Januar
- 1ten bis 5ten – Anhaltender Frost. 6ten Regen. Das Korn schlägt etwas ab, in Kölln 10 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 13.
- 5ten Februar – Abwechselnd nasses Wetter mit etwas Frost. Heut Schnee und Frost.
- 13ten – Vom 5ten bis heut ist es eine starke Frostbahn. Über Feld liegt etwas Schnee. Korn in Kölln 10 Reichstahler.
- 19ten – Bis gestern hielt der Frost gelinde an, heut aber ist der erste Frühlingsmorgen. Korn in Kölln 9 Reichstahler 30 Stüber, Haber 3 Reichstahler, Heu 10 Reichstahler 15 Stüber.
- 22ten, Sontag oculi – Gestern Abend fienge es an zu regnen und hielte mehr als 24 Stunden an. – Bis 26ten Sturm und Regen. 27ten Schnee und etwas Frost.
- 1ten Merz bis 10ten – Sturmwind mit Regen, zulezt Schnee. Kornpreis 9 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler, Weitzen 13.
- 19ten, Gründonnerstag – Der heut einfallende Josephs-Tag ward nur von sehr wenigen gefeyert. In und um Kölln ward derselbe von vielen des Samstags[9] vor Palmsonntag gehalten.
- 20ten, Karfreytag – Der Pastor willigte ein, daß wir Prozession gehen mögten. Er selbst durfte aber nicht mitgehen. Den ganzen Nachmittag regnete es, um halber fünf hörte es etwas auf. Da begaben wir uns auf den Weg. Da es aber wieder zu regnen anfieng, so hielten wir nur 2 Stationen und kehrten an der Hellbüchelsgasse herein und hielten noch 2 Stationen in der Kirche.
- 21ten – Heut fienge man bey schönem Wetter in den Gärten an.
- April
- 22ten [Merz] bis 6ten April – Kalt und trocken mit Nachtfrösten. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber in Neus, Weitz 12 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler.
- 7ten April – Etwas Regen. Vom 8ten bis 16ten trocken mit Nordwind.
- 16ten bis 25ten – Warm und trocken, man hoft etwas Regen. Kornpreis in Neus 9 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 13 Reichstahler 15 Stüber, Haber 3 Reichstahler, Sommergerst 5 Reichstahler 30 Stüber.
- 26ten, Sontag – Die Nacht hatte es schön geregnet, der Tag ware heis und schön. Bey Rensing wurde zum Vogel geschossen.
- Bis 30ten – Heiß mit etwas Regen. Korn in Neus 9 Reichstahler.
- Mey
- 2ten bis 6ten – Alle Tage Regen mit Wärme, bis 16ten.
- 15ten – Heut wurden die Kühe eingetrieben. Alle Beerbte, welche nicht bey der Ablesung an den Benden waren, musten eine Teute Bier mit 18 Stüber als Strafe bezahlen. Der Johan Lorbach ließ sagen, er könnte nicht gehen. Sogleich wurde der Sohn der Wittib Meuser beordert, ihn mit seinem Ochsen dahin zu fahren. Lorbach flüchtete sich und wurde hinter dem Kamin auf dem Speicher im Hecksel gefunden und durch den Gendarmen-Wachtmeister und
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- 1818
- Mey
- durch den Unterofizier Jacob Cremer von der Militz ins Wirthshaus bey Adolf Schmitz geführt, wo er eine Kuhweide als Straf mit 4 Reichstahler bezahlen muste. Es ward bis 11 Uhr daselbst gezecht.
- 17ten – Regen. Korn in Kölln 8 Reichstahler, Weitz 11 ½, Haber 3 Reichstahler, Heu 9 Reichstahler die 1.000 Pfund.
- 20ten bis Ends Mey – Trocken-nordwindig-kalt mit Nachtfrösten.
- Juny
- Bis 7ten – Sehr heis. Man hoffet auf Regen. 18ten – Die Trockenheit hällt an.
- July
- Am 12ten hatten wir etwas Staubregen. Allein, die am 13ten und die folgende Täge eingetretene Dürre läst keine Spur davon übrig. Das Heu wird alle frisch fertig, das Malder Haber kostet in Kölln 5 Reichstahler, Weitzen in Neus 16.
- 20ten – Die Hitze hällt an. Man weis nicht mehr das Vieh zu erhalten. Das neue Korn ward heute in Kölln zu 9 Reichstahler verkauft, Heu in Kölln 9 Reichstahler, Rabsahmen Neusmas hier 16 Reichstahler. Die Erdäpfel verdorren; viele haben solche nicht graben lassen, damit sie Fruchtigkeit halten.
- 25ten – Die Hitz ware diese Tage unausstehlich, da brachte uns ein Gewitter eine prächtige Schauer Regen. Am 26ten Donner mit etwas Regen.
- 27ten-28ten – Auch an diesen Tagen erhielten wir bey einigem Donner warmen Regen. Es sind die Rübweiden fast alle gesähet, aber noch keine heraus. – Die lange Dürre hat hier das Heu auf 5 Reichstahler steigen gemacht.
- August
- Vom 1ten bis 12ten – Sehr heiß und trocken. Korn in Kölln 7 Reichstahler 10 Stüber.
- 20ten – Regen bis 28ten, 29ten schön Wetter. Kornpreis in Kölln 8 Reichstahler, Weitz 12 Reichstahler 46.
- September
- Vom 29ten bis 1ten September – Schön Wetter. Am 1ten und 2ten Regen. Weitz in Neus 13 Reichstahler.
- 12ten – Schön Wetter. 13ten viel Regen. 14ten schön. Am 15ten fangt man zu sähen an. Korn in Neus 8 Reichstahler, Weitz 12, Haber 4, Buchweitz 8 Reichstahler, Heu hier 10 Reichstahler.
- 29. – Bis heute schön Wetter. Der Grummet ist alle frisch aus der Spreite aufgesezt worden und die Saath vollendet.
- October
- 7. – Vom 1. bis heute Regen. Am 8ten, 9ten treflich Wetter.
- 11ten, Kirmes – Diesen Nachmittag 2 Uhr sahen wir einen starken Brand zu Nettesheim. Im Commerzhofe fienge es an, und in einigen Minuten zündete das vom Wind fortgetragene Strohe in der Mitte des Dorfs, wodurch sogleich circa 20 Häuser, die Pastorat und der Frohnhof in Brand geriethen. Der Commerzhof und Frohnhof loderten in hellen Flammen. Man sollte geglaubt haben, es brennten zwey Dörfer. Der Wind ware stark. Im Commerzhofe sind 2 Stiere und 6 Schwein verbrant. Abends 12 Uhr sahe man noch die beyden Höfe in Flammen lodern.
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- 1818
- 16ten October, Freytag – Diesen Morgen 5 Uhr wurde die Kirmes begraben. Das Wetter ware seit 20 Jahren nicht so warm und schön. Das Dorf ist ganz trocken, und sehr viele Fremde kamen hieher. Bey Weyer im ehemaligen Pannes-Haus waren die vornehme Musik, bey Rensing in der Zelte der Rey, und Kranz zapfte neben der Kirche Apfeltrank. – Korn in Kölln 8 Reichstahler, Weitz 10 Reichstahler, Haber 4, Gersten 6 Reichstahler.
- November
- Am 2ten – Es ist noch immer schön Wetter. Das Dorf ist ganz trocken. Man hoffet etwas Regen vor die Saath. So ein Herbst gedenkt kein Mensch. – Die Erdäpfel sind ausserordentlich gut gerathen; man kann annehmen, daß in Dormagen zehntausend Säcke eingethan worden sind. Korn in Neus 8 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 11 Reichstahler.
- 8ten, Sontag – Seit dem 7ten October fiel heute Morgen der erste Regen, welcher bey dem warmen Wetter alles erfrischt. Korn in Kölln 8 Reichstahler 32 Stüber. Am 11ten und 12ten Frost. Am 15ten Regen. Korn in Kölln 8 Reichstahler 39 Stüber. – Die drey Monarchen, Österreich, Preußen und Rußland, welche seit 1. October in Aachen auf dem Kongreß versammelt sind, haben beschlossen, daß die alliirte Truppen, welche seit der Ent-Trohnung Napoleons verschiedene Vestungen in Frankreich besezt hatten, nach Hause ziehen.
- 30ten – Anhaltend schön Wetter. Zuweilen friert es ein paar Nächte, dan wechselt etwas Regen mit angenehmen Herbsttagen. Korn in Kölln 7 Reichstahler 51 Stüber.
- 11ten [December] – Zuweilen friert es ein paar Nächte, dan wechselt wieder gelindes Wetter ab. Der Rhein ist sehr klein, und verschiedene Brunnen haben kein Wasser. Wir haben von den russischen Durchzügen nichts erfahren, als daß in der Gegend von Neus und Kölln die Bürger kostspielige, höchst unangenehme Gäste an ihnen hatten. Bey Düsseldorf schluge ein Wirth sich mit ihnen, ein russischer Dragoner blieb auf der Stelle todt, und der andere starb im Spital.
- 12ten – Starker Frost. 16ten anhaltend mit Raureif. 1.000 Pfund Heu hier 9 Reichstahler 30 Stüber.
- 25ten – Es friert fortwährend und heute besonders stark. Noch ist kein Schnee gefallen. Der Rhein ist ausserordentlich klein.
- 31ten – Regen. Das Jahr ware sehr ergiebig, besonders ist viel Wein gewachsen, der sehr gut ist. – Korn in Neus 7 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, Buchweiz 6 ½ Reichstahler, 1.000 Pfund Heu hier 10 Reichstahler.
1819
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- 1819
- Januar
- Vom 3ten bis 8ten – Starker Frost, am 9ten-12ten Thauwetter. Der Rhein ist ausserordentlich klein, die meiste Brunnen haben kein Wasser. Die Gemeinde Rheinfeld hat dieses Jahr statt einem verfallenen nun zwey Nachbar-Brunnen neu gemacht. – Kornpreis in Kölln 6 Reichstahler 45, Weitzen 8 Reichstahler 30 Stüber, Heu 12 Reichstahler.
- 20ten – Regenwetter. Weil der Rhein sich der Schiffarth wieder öfnet, fangen die Früchten an zu steigen. Korn in Kölln 7 Reichstahler 10 Stüber.
- 25ten – Angenehmes Wetter. Korn in Kölln 7 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 9 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler 50 Stüber.
- Februar
- Am 4ten – Zuweilen etliche Nachtfröste, meist abwechselnd Wetter. Es sind diesen Winter circa 900 Karren in der Grindkaul durchgeworfenen Kiesel hier ins Dorf gefahren worden. Es wurde pro Karre 7 ½ Stüber fern und nahe Fuhrlohn und 5 Stüber pro Karre für durchzuwerfen bezahlt.
- 17ten – Anhaltend nasses Wetter. Korn in Neus 7 Reichstahler 40 Stüber.
- 21., Fastnacht – Diese Tage waren äusserst stürmisch. Am 25. und 26ten Frost.
- Merz
- 6ten – Nachtfröste und Nordwind. Korn in Neus 7 Reichstahler 40, Weitz 9 Reichstahler 15 Stüber.
- 12ten – Angenehme, doch kühle Tage. Bis 29. viel Regen mit Wind. Korn in Neus 7 Reichstahler. Es sterben viele Kinder von 8 oder 9 Jahr am Husten.
- April
- 8ten – Die Nächte sind kühl, im Tage trocken.
- 11ten, Ostern – Diese Tage waren so warm und schön, als wir noch je Ostertage hatten. Am 13ten die erste Kornähren. Weitz in Neus 8 Reichstahler 15 Stüber.
- 24ten – Einige Nächte hat es gereift und gefroren. Korn in Neus 7 Reichstahler 10 Stüber.
- Mey
- 2ten, Gottestracht. 3ten: Heut hielten wir die Hagelfeyerprozession, die circa 600 Seelen stark ware. Da der Pastor um 9 Uhr ein Seelenamt hielte, so giengen wir späth aus, verkürzten also den Weg und giengen längst Sasserhof über die Heerstraße den Holzweeg herab auf die Hellbüchelsgasse, dan um das Dorf unten herein. Um 1 Uhr ware alles geschehen. Das Wetter war schöner als je, die beyden Tage.
- 4ten und 5ten – Warmer Regen. Am 7ten und 8ten heiß und trocken. Am 7ten ware die erste Kornblühe.
- 6ten, Trinitas – Der Mey ware so wie der Anfang des Junius ohne Regen, heiß und trocken, so daß dicke Bohnen und Salath gänzlich versagen. Es ist wenig Klee, und der Mangel an Futter vors Vieh ist äusserst drückend. Das Heu wurde dieser Tage mit 18 Reichstahler pro 1.000 Pfund hier bezahlt und ist gar nicht mehr zu haben. Da senkte sich bey Anfang der Frühmesse heut ein wohlthätiger Regen hernieder, der zwar nicht an die Wurzel kömmt, aber doch erfrischet.
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- 1819
- Juny
- 8ten – Es ist wieder trocken. Das Vieh leidet Mangel. Haber gillt 5 Reichstahler 15 Stüber, Korn in Kölln 7 Reichstahler 15 Stüber, hier das Paar Korn und Weitz 18 Reichstahler Neusmaas. Die Bendtrenke wird ausgemuttet.
- 30ten Juni – Der Monath blieb trocken und heiß. Man hauet Korn.
- Julius
- Der 5te und 6te waren heiß, als man gedenkt. Diese beyde Tage wurde der Rest der Domainen-Ländereyen hier im Posthaus durch die Regierungsräthe Klinge und Hatzfeld verkauft. Unter denselben ware auch der Nusbaums-Hof zu Horm, herkommend vom Seminarium zu Kölln. Dieser wurde dem bisherigen Pächter Gerhard Bollig für 6.360 Berliner Thaler zugeschlagen; es sind etwas mehr als 100 Morgen. – Das Heu gillt 14 Reichstahler die 1.000 Pfund auf den Stückern. Der Morgen Graß auf den Zonser und Dormager Spicher wurde zu 36 bis 42 Reichstahler verkauft. Es ist sehr wenig Heu auf den Stückern, meistens kann man die Halbscheid rechnen gegen sonstige Jahren. Das thut aber, weil es seit dem Frühjahr nicht einmahl bis an die Wurzel geregnet hat. – Das neue Korn gillt 8 Reichstahler.
- 13ten – Gestern und heute hat es etwas geregnet. – Seit Anfang dieses Monaths sieht man alle Abend einen Kometen auf Norden über Zons. Er hat einen sehr lang und hellen Schweif; dieser aber steht aufwärts. Neues Korn 7 Reichstahler 30 Stüber.
- 19ten – Anhaltende Dürre. Korn in Neus 7 Reichstahler, Haaber hier 5 Reichstahler 15 Stüber.
- 21ten hatten wir einen ordentlichen Regen. 2., 3., 4. und 25ten heiß. Der Weitzen ist fast alle herein.
- 1ten August – Heiß. Korn in Kölln 4 Reichstahler 50 Stüber, Weitz 7 Reichstahler 45 Stüber.
- 5ten August – Um 2 Uhr Nachmittag hatten wir einen Schauer Regen.
- 7ten – Verflossene Nacht hatten wir nach 2 sehr heissen Tagen eine tüchtige Schauer Regen. Das Korn schlägt auf. Hier wird das Neusser Malder mit 5 Reichstahler 45 Stüber bezahlt. Die 1.000 Pfund Heu auf den Stückern, frisch gemacht und gebunden, 14 Reichstahler.
- 24ten – Alles verdorrt. Die Hitze ist unausstehlich und verbrennt die Rübweiden, die sich so treflich ansehen. Die Haaber ist alle herein; das Malder gillt 3 Reichstahler 30 Stüber. In Kölln in den Wirthshäusern ist der Preis vom Heu und Brodt gleich, beydes das Pfund 1 ¼ Stüber.
- 31ten – Der Mangel unter dem Vieh ist äusserst drückend. Die Mäuse nehmen überhand und fressen die Stoppelklee vollends hinweg. Bäume verdorren, und im Felde und Gärten verbrennt alles, was grün ist.
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- 1819
- September
- Dieser ganze Monath ware dem August vollkommen gleich. Nur sehr selten hatten wir ein kleines Schäuerchen Regen, daß nur ein Finger tief in die Erde drang. Die Saath kömmt gut heraus, aber die Mäuse vermehren sich ausserordentlich. Rüben gibt es keine, und die Erdäpfel kann man nur zur halben Saath rechnen. Einige haben nur pro Morgen 12 Malder. Hingegen ist der Wein vortreflich gerathen, sowohl an Güte als Vielheit.
- October
- Heute, am 3ten October, ist es noch so warm wie im August. Korn gillt hier das Neusser Malter 5 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 7 Reichstahler 30, Haber 4 Reichstahler.
- Am 4ten – Diese Nacht hatten wir eine ordentliche Schauer Regen, so 3 Finger tief in die Erde gedrungen ist. Im Tage war es wieder schön Wetter. Am 5ten, 6ten und 7ten anhaltender Regen.
- Am 8ten, Freytag vor der Kirmes – Hell und schön. – Heut wird angefangen, durch den Entreprenneur Schée von Neus, das Dorf zu machen: Oben und unten der Hellbüchelsgasse wird die Straß anderthalben Fuß losgehackt und der Grund in die Vertiefung an der Hellbüchelsgasse gefahren, wo ein Kanal hindurch gemauert wird.
- 10ten, Kirmes – Das Wetter ist prächtig, viele Fremde sind im Dorf.
- 12ten, Kirmesdienstag – Nach Mittag giengen die Jungen mit Musick durchs Dorf um die Kirmesweck. Am Abend vermißte der Maurer Stofel Bloemer eins von seinen Kindern, Marie Catharina, sieben Jahre 6 Monath alt. Das Kind hatte mit andern Kindern zu Walhoven die Küh gehütet, kame wieder und sagte seiner Mutter: "Ich will mein bestes Kleidchen anthun und mich etwas lustig machen", folgte also der Musick ins Dorf hinauf, ward gegen der Kirche noch gesehen und war fort.
- 14ten – Das Kind ist noch nicht ausfindig gemacht, so viele Mühe auch darauf verwendet wird. Die Meinungen sind tausendfach. Die allgemeine herschende ist, daß Juden dieses Kind aufgefangen haben, weil sie zu Zeiten, einer alten Sage nach, Kristen-Blut haben müssen. Und da nun das Verschwinden des Kindes mit dem
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- Lauberhüttenfest-Ende zusammen traf, so finden sich allerhand Zeugen, welche bald den Juden Sekel mit einem Sack, bald den Juden Schimel um Mitternacht an Häusern laurend gesehen haben wollen.
- 15ten und 16ten – Viel Regen. Heute, am 16ten, wurden alle Häuser visitirt. Man klom in alle Brunnen, Mistpfühle waren gar keine, weil es den ganzen Sommer nicht geregnet hat.
- 17ten, Sontag – Schön Wetter. – Der Conrad Sandt geht täglich an den Rhein, also auch heute Nachmittag. Am Plathalse werden neue Krippen angelegt. Da lagen einige Bürden junge Weiden zum Binden. Er glaubte also, man würde diese in dem nahen Holze des Mathias Heck abgeschnitten haben, gieng hinein, und das Kinde lag in den 5 Fuß hohen Schnitweiden an einem Weidenbaum. Ein Schuh stand unten und der andere mehr oben, die Strümpfe waren halb hinuntergestreift und nicht ausgezogen. Es schien, als wenn das Kind so todt hingetragen worden wäre. Der Conrad lief hieher und begegnete eben den aus der Bruderschaft kommenden Kirchenleuthen, die auch sogleich schaarenweise dahinliefen. Das Kind ware mit einer dünnen Bandweide zweymal um den Hals lose gebunden und die noch in der Erde festgewachsene Weide durchgestochen. Der Doctor Kauhlen ware nicht zu Hause, und der erst beym Dunkel ankommende Chyrurg Lindgens von Zons gab beym Licht sein Visum Repertum, daß das Kind genothzüchtigt worden. Man trug das Kind bey den Schwager des Christofel Bloemer in die Nettergasse, damit die Mutter sich nicht erschrecke.
- 18ten – Weil es zu Worringen Kirmes und schön Wetter war, so strömmten Hunderte von da hieher, um das Kind zu sehen. Es wurde nach Kölln und Neus berichtet und am
- 19ten kame der Staatsprokurator Berghaus mit dem Richter Verkenius hieher. Das Kind wurde auf den Hof des Engel Weyer getragen, die Zugänge mit 20 Militz-Männern besezt, und der Doctor Kauhlen und Lindgens fiengen die Untersuchung um Mittag an. Die allgemein verbreitete Sage, dem Kind wäre von Juden das Blut ausgesogen worden, hatte Tausende hieher
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- 1819
- October
- gezogen. Viele waren drey Stunden weit gekommen, von Straberg, Nivenheim, Worringen hatten sich kleine Prozessionen gebildet, welche laut betheten. Da es eben Dienstag war, so ward die Kirche geproft voll. – Allenthalben hatte sich die Sage verbreitet, dem Kinde wäre das Blut ausgesogen, und es hätte an 700 Wunden geblutet. Ich selbst sahe das Kind, die Bein und Arme voll rother Flecken, und ich selbst glaubte, daß Juden die Thäter seyen. Um 11 Uhr hatte sich eine Menge Worringer vor dem Hause des Juden Isak versammelt. Sie riefen "Hep! Hep!", welches die Zerstöhrung Jerusalems bedeutet, und drohten das Hauß zu stürmen. Die Anwesenheit aber des Bürgermeisters und der übrigen Gerichts-Herren von Kölln und hier benahm ihnen den Muth. – Die Ärzte sägeten zu erst die Hirnschale ab. Da fand sich eine Menge Blut, so auch an der Lunge. Kaulen erklärte, daß das Kind genothzüchtigt und ihm die Schaam ausgerissen seye. Die rothe Flecken an Arm und Bein wären durch das Wiederstreben in Stoppeln und das Aufritzen der Finger auf hartem Boden durch Krabelen entstanden.
- 20ten – Um 10 Uhr morgens wurde das Kind vorn auf dem Kirchhof begraben. So wie der Pastor in der Kirche war, kamen noch einige Wagen von Kölln und Crefeld so wie viele Fremde aus der Ründe, um das Kind zu sehen. Der Todtengräber öfnete den Sarg. Man stellte eine Wache hinzu, und erst am Abend wurde das Grab geschlossen. – Aus den abgehörten Zeugen geht nichts hervor, was unsern Juden zur Last fällt, und die That kan eben sogut von einem Kristen als Juden, der besoffen war, verübt worden seyn.
- November
- 14ten – Das Wetter ist anhaltend, ohne Frost, angenehm. Die Früchten schlagen ab: Korn 5 Reichstahler, Weitz beynahe 7, Buchweitzen 5, Haaber 3 Reichstahler 38 Stüber, alles Köllnisches Maas hier; Heu 14 Reichstahler die 1.000 Pfund. – Die Inquisition wegen dem ermordeten Kinde geht noch immer fort. Man scheint auf der Spur zu seyn. Kinder, die mit dem Unglücklichen des Nachmittags wandelten, sollen etwas deponirt haben.
- December
- Bis 7ten – Abwechselnd Wetter. Korn hier Neusmaas 4 Reichstahler 45 Stüber, Haber 3 Reichstahler 15 Stüber.
- 8ten – Es hat die Nacht so stark gefroren, daß die schwersten Wagen über den Dreck fahren.
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- 1819
- December
- 9ten – Etwas Frost, den Abend Schnee, die Nacht viel Regen. Dieses Wetter muß die Mäuse wahrscheinlich vertilgen.
- 10ten bis 21ten – Sturm und viel Regen. Der Rhein tritt aus und läuft diesen Abend durch die Schleuse zu Zons.
- 22ten – Heut um 10 Uhr vormittags liefe der Rhein schon über die Landstraße in den Bixem. Kornpreis in Neus 4 Reichstahler 5 Schilling.
- 24ten – Heut Vormittag habe ich den Damm abgewogen, und es fand sich, daß gegen der Grindkaul der Dam noch 1 Fuß 8 Zoll hielt, ehe es drüber geht. Am Monheimer Weg trägt es noch 2 Fuß. Es regnet, der Rhein bleibt am Wachsen. Tag und Nacht sind Wachen auf dem Damm.
- 25ten, Kristag – Um den Mittag ließ der Bürgermeister ausschellen, daß jeder sich bereit halte, um auf den ersten Wink am Damme behülflich zu seyn. Um 2 Uhr liefe es am Monheimer Weg durch ein Maulwurfsloch. Gleich liefen die Leuthe mit Stroh dahin. Sie stopften diesseits des Dammes, aber je mehr Stroh sie hinein stiessen, desto größer wurde das Loch. Ich kame mit Jacob Steinberger dahin. Dieser erinnerte sich, daß in den 1770ger Jahren auch einmal ein ähnlicher Fall war. Man schluge auf die Klock, und der eben anwesende Rheinaufseher, Schefen Breuer von Worringen, grube oben auf dem Damm in der Mitte einen 2 Fuss breiten Graben, bis man die Öfnung fand, dann wurde dieser Graben mit Stroh und Erde zugestampft, da dieses damals den Damm gegen Rheinfeld gerettet hatte. So verfuhren wir auch heute auf die nähmliche Art, und in Zeit von 6 Minuten ware das Loch verschwunden. Der Damm hatte am Abend an den niedrigsten Stellen noch 8 Zoll Höhe.
- 26., Sontag – Gleich nach dem Mittag wurden circa 30 Karren und aus jedem Hause ein Mann beordert, um in der Schindskaule Rasen auf den Damm zu fahren. Daß Pferd der Wittib Delhoven gienge am Monheimer Weg den Damm hinab und schwamm einen Flintenschuß weit dem Dorfe zu, wo es mit den Vorderfüssen auf einem Hügel Grund faßte und nur der Kopf über dem Wasser hatte. Es währte beynah 2 Stunden, ehe man das Pferd mit einem Nachen von Rheinfeld gerettet hatte. Am 27ten fiel das Wasser. Am 29ten bis 31ten Frost. Es spühlte an niedrigen Örten über unsern Damm.
1820
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- 1820
- Januar
- 1ten – Starker Frost. Das ganze Rheinfeld ist zugefroren und das Wasser stark drunter hinweggefallen. – Unten im Dorf, wo der neue Kanal gemauert ist, wird jetz grober Sand drüber gefahren.
- 12ten – Der Frost ist stark, die Kälte sehr hart.
- 17ten – Heut ware es etwas gelinder, doch ohne aufzuthauen. Am 18ten steht der Rhein schon von Düsseldorf bis an den Walscheiderhof. Heut fienge es mit viel Regen stark an aufzuthauen. Weitz 6 Reichstahler 40 Stüber.
- 20ten – Diese Nacht hat es ausserordentlich geregnet. Korn 5 Reichstahler.
- 21ten – Heut ware schon das ganze Feld überschwemmt. Die Rheinfelder sind mit ihrem Vieh hier. Die Geringeren haben Biletter bekommen.
- 22ten – Frost; uneracht dessen wächst der Rhein noch immer und ist auf einen halben Fuss nah so groß wie am Kristag. Das Obereis ist fort.
- 23ten – Stark gefroren. Heut Morgen erst fienge der Rhein an zu fallen.
- 26ten – Frühlingswetter. – Korn in Neus 5 Reichstahler, Weitz 7.
- Februar
- 1ten-5ten – Frost. Die Perschen hinter dem Damm sind sehr verdorben, Löcher ausgetrieben, ganze Strecken mit Sand beschossen und viele Besserey aus dem Land getrieben.
- Am 10ten, 11ten, 12ten – Frühlingstage. 13. bis 18ten Frost und kalt. Korn 5 Reichstahler, Weitz 7.
- 28. – Kalte Nächte. Es friert so stark, daß morgens alles drüber geht.
- Merz
- 1ten – Schauren. Am 2ten sehr stürmischer Schnee.
- 3ten – Der Schnee ware in der Nettergasse den Hecken gleich aufeinander gejagt. Deswegen musten heute 10 Pferdsmänner denselben mit Schupen aufwerfen, weil diese Mist und zur Mühle dahinfahren.
- 9ten – Anhaltend starker Frost. 15ten bis 25. Merzerstürme, so daß in den meisten Gärten noch nichts gegraben ist. Korn 5 Reichstahler 30, Weitz 8 Reichstahler.
- 27ten – Angenehm Wetter. Es sind keine Römerfahrten gehalten worden.
- April
- 1ten bis 13. – Schöne Tage. Bey der Verpfachtung der Gemeinde-Ländereyen ward ausbedungen, daß hinter der Kirche künftig ein Fahrweg neben den Hecken gelitten werden muß, und daß der quer auf das Bildstöckchen laufende Fußpfad verbothen werde; dieses ist jetz eingerichtet.
- Mey
- Bis 8ten – Reif und Nachtfröste. Korn in Neus 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, Haber 4 Reichstahler 30 Stüber, Erdäpfel das Malder hier am Rhein 2 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu in Kölln 20 Reichstahler.
- 9ten bis 30ten – Sehr heiß und trocken. 14., 15. und 16ten etwas Regen. Das Vieh leidet Mangel; das Graß in den Kühbenden ist kaum einen halben Finger lang.
- 25ten – Die Trockene ist ausserordentlich. Vorgestern sind die Kühe eingetrieben worden. Die Rheinfelder, der Sandhalfen, die Speymans und Boismars haben sich ihre Kühbenden an der Seythe von der Irmerhütte abnehmen lassen.
[449]
- Mey
- 27., 28. und 29ten – Köstlicher Regen. 1.000 Pfund Heu gelten hier 20 Reichstahler.
- Junius
- Vom 1ten bis 9ten regnet es alle Tage. – Die Fourage fürs Vieh ist so rar, daß man zu Delven Strau, das ist saures Graß aus den Brüchen, hieher bringt und die Bürde um 6 Stüber verkauft. Klee ist sehr wenig, und die noch ist, blieb wegen der langen Trockenheit so klein, daß sie kaum drey Finger lang ist.
- Bis den 21ten – Alle Tage Regen. Am 22ten schön Wetter. Am 23. und 24ten sehr heiß.
- Julius
- Bis 12ten – Nordwindig, kühl und sehr trocken. Den 13. bis 17. sehr heisse Tage. Am Abend brachte uns ein schweres Gewitter ein klein wenig Regen, dessen wir sehr bedürftig sind. Am 15. fienge man an, Korn zu hauen. Kornpreis 6 Reichstahler.
- 17. bis 20ten – Regen bis an die Wurzel.
- 25ten – Heut nach Mittag hatten wir einen so starken Regen, als man sich nie erinnert. Viel Heu auf Hausten wird zur Halbscheid faul.
- 27ten – Alle Tagen Regen. Das Korn fängt an zu wachsen.
- 31ten – Sehr heiß.
- August
- 1ten bis 5ten – Heiß. Es ist sehr viel Korn eingefahren worden. 5ten Regen.
- 6ten und 7ten – Viel Regen, bis Ends August schön Wetter, doch alle 8 Tage einen dringenden Regen. Korn 5 Reichstahler 15 Stüber, Haber 2 Reichstahler 30 Stüber, Heu 9 Reichstahler.
- September
- Die 2 lezte Tage im August und die 3 erste Tage im September hat es anhaltend und stark geregnet, so daß der Haber, deren dies Jahr wegen dem Wasserschaden und Mausbiß sehr viel und schön ist, dem Verderben drohet.
- 4. – Heut ware ein schöner Tag. Viel Haber, die gebunden war, muß wieder auseinander gethan werden. Korn Neusmaas 5 Reichstahler, Haber in Kölln 2 Reichstahler 30 Stüber.
- 8ten – Bis heute und heute noch ist es hell und heiß, so das viel Haber herein ist. Auch heute haben viele gearbeitet, obschon es abgesezter Feyertag ware. Gestern ware eine totale Sonnenfinsterniß um 2 Uhr Nachmittags. Es ware eine höchst seltene Erscheinung: Man konnte links neben der Sonne einen Stern sehen. Als die Finsterniß am stärksten war, da blieb nur ein Ring von der Sonne übrig. Und wenn man mit dem blosen Auge dieselbe ansah, so ware die Sonne wunderschön.
- 30ten – Der September lieferte uns trefliches Saath-Wetter. Die Preisen der Früchten sind flau: Korn 5 Reichstahler, Weitz 7, Haber 2 Reichstahler, Buchweitz 5 Reichstahler, Heu die 1.000 Pfund 9 Reichstahler.
- October
- Bis die Kirmes vorüber war, hielt sich das Wetter schön, da fienge es an zu regnen, der bis den 28ten anhielt.
- 30. – Schön Wetter. Der Rhein, der auszutreten drohte, fällt wieder.
[450]
- 1820
- November
- 17ten – Seit 8 Tagen hatten wir Nachtfröste. Vorgestern thauete es. Gestern fiel bis Mittag viel Schnee, drauf kame am 17ten Frost. – Das Malder Haber 2 Reichstahler in Kölln, Korn 4 Reichstahler 56 Stüber, Weitz 7 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 10 Reichstahler.
- 20ten bis 25ten – Frost. Die Erde ware mit Schnee bedeckt. Deswegen sind die viele Rüben vor dem Erfrieren sicher.
- 27ten – Thauwetter. Am 4ten und 5ten December Sturm und Regen.
- December
- Bis 13ten – Thauwetter. Am 14ten, 15ten, 16ten starker Frost. Das Malder Korn stand einige Zeit in Neus 4 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler 30 Stüber. Jetz wird daselbst das Korn wieder zu 5 Reichstahler und der Weitzen zu 7 Reichstahler bezahlt. Haber gillt hier 2 Reichstahler.
- 17ten – Regen bis 23ten. Den 24ten hatte es so stark gefroren, daß alle Wägen drüber gehen. Gestern Abend regnete es noch.
- 25ten – Sehr kalt. Die hiesige Orgel wird renovirt und unter andern kleinen Veränderungen in das obere Manual statt der bisherigen Cornetregister eine Flaut travers eingesezt, auch die Clavitur um 6 Tangenten vermehrt.
- 31ten – Der Frost hällt seit dem 24ten bis heute an, und zwar so stark, daß heute Mittag zu Zons der Rhein sich sezte. Die verflossene Nacht ware an der Piwip das Wasser 2 ½ Fuß gewachsen. – Das verflossene Jahr ist ein sehr merkwürdiges, bloß wegen dem Geldmangel. Dieser ist ausserordentlich und sezte viele Ackersleuthe, die mit dem Lezten auf Terminen gekauft haben, in große Verlegenheit. Das untere Feld ware fast alles, was Winterfrucht war, verdorben. Das, was man stehen ließ, ist nichts geworden als Unkraut; hingegen alles, was mit Haber besähet wurde, selbst magere Brach, gab schöne Haber, so groß und so viel Stroh, als im Jahre 1784, nur nicht ergiebig. – Im Späth-Herbst sind durch das ganze Dorf Gräben langs den Häusern aufgeworfen worden; sie sind 2 ½ Fuß breit und 1 ½ Fuß tief, gewöhnlich 3 Fuß von den Häusern ab, welche 3 Fuß zum Fußpfad dienen. Jeder macht sich gegen der Haußthür eine Brücke hinüber, und gegen der Einfahrt wird der Graben mit Schanzen oder Mist gestopft.
1821
[451]
- 1821
- Januar
- Am 1ten – Diesen Morgen 8 Uhr sezte sich der Rhein am Platthalse mit mittelm Wasser. Er schob sich ganz eben zusammen. Den Nachmittag giengen schon viele an der Piwitt drüber.
- 2ten – Gelinder Frost. Am 4ten: Der Rhein hatte sich bis bey Niel gesezt. Es friert nicht stark. An der Worringer Drenk und etwas höher, wo seit einigen Jahren zwey Wirthshäuser erbaut worden, fienge man diesen Morgen an, einen Weg zu hauen. Sie waren bis bald auf der Halbschied, da sezte sich die Eißdecke in Bewegung und schob sich bis an die 3 Kaulen zusammen.
- Am 5ten fienge es am Abend an zu regnen.
- 6ten – Thauwetter. Der Rhein steht bis Niel.
- 7ten, Sontag – Gleich nach 12 Uhr Mittags ließ der Bürgermeister bey mir 3 Böller lehnen, um den Zonser das Signal zu geben, daß der Rhein hier loßgebrochen seye. So wie wir hinkamen, hatte das Eiß haushohe Berge am Leinufer und Platthalse sich aufgethürmt. Das Wasser wuchs, die Eißberge vergrösserten sich, dann sezte er sich auf einige Minuten und trieb dan wieder. Um 4 Uhr sezte sich die Eisdecke wieder und bliebe unverrückt bis in die Nacht. Am Abend erhielten wir von Neus eine 3-Pfündner-Kanone, um damit beym Losbrechen das Signal zu geben. Thauwetter.
- 8ten – Gestern Abend kündigten uns 6 Kanonenschüsse am Posthaus an, daß der Rhein am Treiben seye. Diesen Morgen stand er wieder. Um 8 Uhr brach er loß. Das Wasser ware ein paar Stunde ausgetreten. Die Gegend am Damm von der Landstraße bis bald gegen Rheinfeld ware überschwemmt. Um den Mittag ware das Wasser wieder binnen Bord.
- 9ten – Der Rhein ist 10 Fuß gefallen. Heut kam viel Obereis.
- 11. – Anhaltender Regen. Korn in Neus 4 Reichstahler 45 Stüber, Weitz 7 Reichstahler, Haber 19 Schilling. Bis 27ten Thauwetter.
- 29. und 30ten – Starker Frost.
[452]
- 1821
- Februar
- Am 2ten – Hell und klar. Korn in Düsseldorf 5 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler, Haber 17 Schilling.
- 3ten, Samstag – Diesen Morgen gleich nach 6 Uhr hörte ich einen Schuß fallen. Ich öfnete ein Fenster, sahe, daß noch alles auf der Straße ruhig war, und schloß wieder zu. Gleich darauf hörte ich Weinen und Jammern. Da ware der Johann Steinberger aus einem oberen Fenster heraus auf den Steinweg gefallen. Es ist der Sohn vom seeligen Scheffen Friedrich Steinberger, beynahe 58 Jahre alt. Da er groß und einer der dickesten Personen im Dorf war, so konnte der Fall wohl nicht anders als tödlich seyn. Man trug ihn herein. Die Haut vom Hirnschädel ware ganz abgestreift. Der Pastor gabe ihm die lezte Oelung. Da kamen die Doctoren Kauhlen und Lindgens von Zons und verbanden ihn. Drauf wurde er wieder so vernünftig, daß er beichten und kommunizieren konnte.
- 4ten, sonntags, kamen seine beyden Brüder von Kölln, und als diese ihn am Abend verlassen hatten, da starb er um 5 Uhr und ward
- am 6ten morgens 10 Uhr versenkt. Er litte lange Jahre schon am Nervenziehen, das der fallenden Krankheit glich. Bey jedem neuen Mondlicht trat dieses ein, und wenn er nicht genau bewacht wurde, so fiel er zur Erde, und manches Mal wurde er mit blutendem Kopf hereingetragen. Er schlief oben auf und ware die Nacht von einem Zimmer ins andere gewandert, fand 6 geladene Gewehre und schoß eins ab, oben durch die Decke des Zimmers. Dann öfnete er ein Fenster und fiel herunter. Er hatte die Jagdtasche noch umhängen. Der Kopf ware ausser der Haut nicht verletzt, aber Brust und Lunge brachten im zum Tod. Früher ware er Steuerempfänger, und bis ans End seines Lebens gab er viel den Armen. Er ware mein Jugendfreund, und bis ins dreysigste Jahr meines Alters waren wir täglich und alle Abend bis zum Schlafengehn beysammen. – Mit 1ten Februar hat das Barrier hier angefangen. Der Barrierbaum ist am Posthaus aufgeschlagen, dessen Stief-Sohn Christian Sturm Empfänger ist.
- 19ten – Seit dem 3ten dieses fror es alle Nächte, doch nicht sehr stark. Der Johann Wilhelm Verhagen im Pflug hat von den Zonser Pfannenbäker übernommen, 3.000 Schanzen aus dem Busch nach Zons zu fahren. Er verdient die dritte Schanz als Fuhrlohn. Dafür ist diese Frostbahn äusserst gut. Die Früchten sind so flau, daß man nicht einmahl den Preiß angeben kann.
[453]
- 1821
- Februar
- 23. – Heut fienge es an aufzuthauen. – Haber in Kölln 7 Gülden.
- 25ten – Abends Regen. Am 26ten morgens ware es so hart gefroren, daß es drüber geht. Gerst hatte schon früher stark vom Frost gelitten. Es werden am Platthals neue Krippen angelegt.
- 27ten – Regen.
- Merz
- Vom 1ten bis 14ten – Regentage. Dieses Wetter hat den Rhein aus seinen Ufern gebracht. Die Hütte hinter dem Damm ist überschwemt, und in den Kuhbenden wird gedeicht. – Es werden hier im Dorf auf jede Minute 160 Karren Kieß, der erst durchgeworfen wird, gefahren. – In den Gärten ist noch nichts gegraben.
- 16ten – Der Rhein ist am Fallen. Bis 21ten Merzerschauren, bis 30ten abwechselnd.
- April
- 1ten bis 12ten – Trocken ohne Nachtfröste. Korn hier Köllnisches Maas 4 Reichstahler 10 Stüber, Weitz Neusmaas 6 Reichstahler 32 Stüber, Haaber idem 15 Schilling. Der Rabsamen ist voll von den kleinen schwarzen Käfercher.
- 13ten – Regen bis 17ten. Am 19. fängt man an, Haber zu sähen.
- 22ten, Ostern – Bis 28ten so heiß, als man es nie um diese Jahrszeit sich erinnerte. Am 29ten, Sontag Nachmittag viel Regen. 30. feucht und warm.
- Mey
- 1ten bis 8ten – Schön Wetter. Korn in Neus 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler, Haber 15 Schilling. Der Hagdorn oder Holzapfel blüht. Am 11ten Mispelblüthe. Bis 13ten kühl und naß.
- 13. – Kornblüh. Am 14ten nachmittags Hagel, der am Rabsahmen, am Salath und Klee Schaden gethan. Bis 26ten nordwindig mit abwechselndem Regen. Am 21. und 22ten starker Reif.
- Junius
- Trocken-nordwindig. Kornpreis 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 15 Stüber.
- Julius
- Straf und kühl. Am 16ten bis 21ten sehr heiß. Am 22ten etwas Regen. Das Korn ist kaum reif. Vor 4 Tägen fienge man erst an zu hauen. Heu ist mehr als je gerathen und bey dem trockenen Wetter fast alle fertig. Die 1.000 Pfund kosten hier 4 Reichstahler. In den Kühbenden wird längst dem Mühlenberg ein Graben gemacht.
- August
- Am 15ten – Weil das Korn so späth reif wurde, so kame in den lezten Tagen sehr viel Korn herein, gestern wohl das meiste. Drauf folgte die Nacht viel Regen. Das neue Korn gillt 4 Reichstahler 15 Stüber, Haber 2 Reichstahler 1 Schilling, 1.000 Pfund Heu hier 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 30 Stüber, Rabsahm 10 Reichstahler 30 Stüber.
- September
- Am 8ten – Schön Wetter. Gestern wurde viel Haber eingefahren.
- 12ten – Viel Regen bis 19ten. Es steht noch viel Buchweitz und Haber dem Verderben nah.
[454]
- 1821
- September
- 30ten – Man muß die Saath in die Erde stehlen. Es regnet alle Tage. Der Buchweitz wird halb naß hereingefahren. Der Weitzen ist auf einen Posttag bis 8 Reichstahler gestiegen, weil die Erndte in England durch den anfallenden Regen mißrathen ist. Korn gillt noch 4 Reichstahler, Haber 2 Reichstahler, Buchweitz 3 Reichstahler 30 Stüber.
- October
- 12ten – Seit dem ersten hat sich das Wetter zum Guten geneigt. Die späthe Saath ist gut, die frühe schlecht in die Erde gekommen. Das Korn schlägt auf und steht 4 Reichstahler 30 Stüber, Buchweitz 3 Reichstahler 45[10] Stüber.
- November
- 16ten – Das Wetter anhaltend gut. Ein paar Nächte hat es etwas gefroren, dan folgt Regen mitunter.
- December
- 15ten – Acht Tage im Beginn dieses Monaths hatten wir Sturm mit Regen, übrigens ist das Wetter angenehm. Korn gillt an der Worringer Drenk das Neusser Malder 4 Reichstahler 13 Stüber, Weitz 6 Reichstahler 30 Stüber, Haber 2 Reichstahler, Heu allhier 5 Reichstahler, Stroh die 100 Bauschen à 11 Pfund 4 Reichstahler 15 Stüber.
- 31ten – Seit dem 18ten hatten wir viel Regen mit anhaltendem Sturm. Ausser ein paar frühern Nachtfrösten hällt der Pflug sich noch immer am Bauen. – Die Früchten sind gut gerathen und ergiebig. Ein Mann drischt von gutem Korn ein Malder. Heu ist die Menge und ward bisher so theuer wie Stroh verkauft, jetz ist es bis 4 Reichstahler 30 Stüber in die Höhe gegangen. Korn steht zu 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 2 Reichstahler. – Wegen der Vielheit, so gerathen ist, könnte der Ackersman noch wohl bestehen; allein, die Abgaben sind so hoch, und der vorrigjährige Wasserschaden haben ihn zurück gesezt. Der Rhein drohete am Ende oft auszutretten, hat es aber nicht gethan. Die späthe oder vielmehr die mittlere Saath scheint die beste zu seyn.
1822
[455]
- 1822
- Januar
- Die Griechen in Morea haben sich gegen die Türken aufgelehnt. Die Türken morden nun in allen Städten, was Grieche ist. Der Kayser von Rusland hat eine zahlreiche Armee an den Pruth marschieren lassen, und es scheint, daß sie das Frühjahr die Türken angreifen werden, um ihren Glaubensgenossen, den Griechen, beyzustehen.
- 5ten – Bisher hatten wir noch keinen Winter. Diesen Nachmittag fiel etwas Schnee, und am 6ten, 7ten und 8ten fror es gelinde.
- 21ten – Es folgt noch kein Frost, und die Früchten wollen nicht aufschlagen. Korn steht wieder 4 Reichstahler, das Heu ist bis 5 Reichstahler die 1.000 Pfund gestiegen.
- 22ten – Das am Sontag eingefallene Sebastianus-Fest wurde heut gefeyert. Heut Nachmittag kame ein Mensch von circa 23 Jahren von Jussenhoven herab bis an das Lämbchen, gienge über den Höhenberg dem Damme nach auf Rheinfeld, foderte bey dem Mathias Broich eine Butteramme. Als dieser ihm solche gegeben hatte, gieng der Broich heraus, um Holz zu hohlen. Zwey Mädchen aus der Nachbarschaft, deren eins 14 Jahr alt ist, sassen bey ihm in der Stube. Wie er am essen war, nahm er das auf dem Tisch liegende Brodtmesser und schnitte sich den Hals ab. Sogleich strömten Hunderte von hier dahin. Er hatte eine Militärhose und -Weste an, circa ein Berliner Thaler Geld, und aus einem Brief von seiner Mutter geht hervor, daß er, aus Halteren gebürtig, zu Kölln unter der Artillerie dient. Seine Mutter schreibt ihm, er möchte doch etwas von seiner Löhnung für sie ersparen, denn sie habe von seinem Bruder nur 3 Stüber bekommen. Wahrscheinlich ist er desertirt. – Er wurde am 24ten nachmittags in eine Lade gelegt, hiehin gefahren und neben dem Beinhaus in die Hütte begraben, wo der verstorbene Müller reformirter Religion begraben liegt.
- Februar
- 3ten – Wenn es auch eine Nacht etwas zu frieren scheint, so stürmt es wieder acht Tage. Heut wüthete ein schrecklicher Sturmwind.
- 22ten – Man pflanzt in den Gärten. Zuweilen reift es mit wenig Frost. Korn, an die Drenk geliefert, Neusmaas, 4 Reichstahler, bester Weitzen 6 Reichstahler 30 Stüber, Haber 14 Schilling, 1.000 Pfund Heu hier 5 Reichstahler 15 bis 30 Stüber.
[456]
- 1822
- Merz
- 1ten bis 5ten – Schöne Frühlingstage. 6ten Sturm und viel Regen. – Einen so gelinden Winter gedenkt keiner. Alle Tage ohne Ausnahme konnte man graben, im Rabsahmen zeigt sich vielfach Blühe, die Violen blühen, und alles grünet. Das Korn steht noch zu 3 Reichstahler 54 Stüber. – Die Mäuse wollen noch nicht vergehen. Was sie früh abgefressen haben, ist wieder schön beygewachsen. Am Klee haben sie den meisten Schaden gethan.
- 12ten – Diese Tage waren entsetzlich stürmisch, harte Donnerschläge mit dem Erdbeben ähnlichen Wind waren fürchterlich. Ganze Nächte hat es geregnet.
- 13ten bis 16ten – Meywetter. 17ten Regen, am 18. Sturm.
- 30ten – Der Merz ware bis zu 23ten angenehm, da stellte sich der Wind ins Nordwesten mit Nachtfrösten und kalten Merzerschauren bis den 6ten.
- April
- 5ten – Man hat schon vor 8 Tagen in Zons Kornähren gehabt.
- 30ten – Der April ware vom 6ten bis zu Ende mehr trocken als naß.
- Mey
- 1ten bis 7ten – Sehr heiß mit Donner. Am 8ten starker Regen. Die erste Kornblühe ware am 5ten Mey. – Die Mäuse thun oben im Feld noch viel Schaden. Kornpreis 3 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler, Haber 15 Schilling, Heu 5 Reichstahler.
- 24ten – Sehr heiße Tage. Man hoft Regen. Es wird schon Korn, Weitz und Gersten für Vieh abgeschnitten, weil die Mäuse so stark darin gehauset. – Am 8ten Mey blühte im Weinland der Weinstock. Heut, am 24ten, wurde der erste kleine Sahm gemähet.
- 25ten, Pfingstabend – Donner und starker Regen. Auf Anordnung des Bürgermeisters müssen in 8 Tagen von jedem Morgen Land oben im Feld 10 Mäuse und von jedem Morgen unten im Feld 5 Mäuse geliefert werden. Um sie zu fangen, werden Löcher gebohrt. Die Hufschmiede verfertigen solche aus einer alten Schüppe.
- 31ten – Vom 26ten bis heute sehr heiß. Kornpreis Neußmaaß hier 4 Reichstahler.
- Junius
- Bis 14ten entsetzlich heiß. Alles verdorret. Am 15ten Donner mit Regen.
- 16. bis 20ten – Trocken mit Nordwind. Korn 4 Reichstahler 30 Stüber hier. Am 15ten ware schon reifes Korn gemähet. Bis 28ten sehr heiß. Wegen Mangel an Fourage wird das 1.000 Pfund neue Heu in den Kempen mit 8 Reichstahler aufm Stück bezahlt.
- 29ten und 30ten – Starker Regen, doch nicht an die Wurzel. So wie das Korn abgemähet ist, wird es auch eingefahren. Die Mäuse thun jetz mehr Schaden und vermehren sich stärker als je. Es geht jetz an die Sommerfrucht.
- Julius
- Am 1ten musten wir den Mausschaden angeben, ob es vielleicht möglich würde, daß wir etwas Nachlaß in den Steuern erhielten.
[457]
- 1822
- Julius
- 21ten – Das Wetter ist anhaltend trocken. Zuweilen bringt ein vorüberziehendes Gewitter etwas Regen. Allein, die lange Dürre ist Schuld, daß nach ein paar Tagen alles wieder welket. Die Mäuse thun noch entsetzlichen Schaden. Viele Haaber wird abgefüttert, andere hauen sie halb reif ab und setzen sie auf Gäste.
- 26ten – Indessen hat sich ein ganz sonderbahrer Zufall in Zons ereignet: Weil die Mäuse auch das Gemüse, z.B. Kappus, Mohren etz. angreifen, so hielte der hiesige Pastor einige Sonntage abends 6 Uhr Rosenkranz, auch seit dem 22ten nachmittags 1 Uhr Rosenkranz mit Benediction. Die Zonser hatten ebenfals den 16ten angefangen, um 1 Uhr Nachmittag eine ähnliche Andacht zu halten. Der vorige Caplan in Zons, Herr Ankenbrand, hatte vielleicht vor 10 Jahren ein Muttergottesbild der Kirche geschenkt. Gesicht und Hände sind von Wachs, den Kopf zirt eine silberne Krone, worauf oben 8 vergoldete Kreutzcher angebracht sind. Diese Kreutzcher geben einen Schein, besonders, wenn die Lichter angezündet sind. Sogleich ergrif der fanatische Pöbel diesen Schein und machte ein Miracul daraus. Nun strömmt täglich eine Menge Menschen dem neuen Gnadenorte zu, von Worringen, Hittorf etz. prozessionsweise, von Bedburg, Düsseldorf, Neus etz. in kleineren Truppen. – Der Landrath von Neus hat 2 Unterofiziere von der Landwehr nebst einem Gensdarm in Zons gelegt, welche wachen sollen, daß keine ungesetzmässige Processionen nach Zons einkehren. Auch machte bemelter Landrath einen Bericht an den General-Vicar in Aachen, worauf der Pastor in Zons Befehl bekame, daß der Gottesdienst (am Sonntag ausgenohmen) in den Wochentagen um 8 Uhr beendigt und die Kirche geschlossen seyn solle. – Der Zufluß nahm täglich mehr und mehr zu. Abends wurde Prozession von den Bürgern veranstaltet. Man gieng mehreremale um die Kirche, dann am Feldthor heraus an das Muttergottesbildchen am Schloß. Hunderte von Dormagen, Rheinfeld etz. giengen dahin und beteten zur Abwendung der Mäusstrafe bis Mitternacht.
- August
- Am 6ten – Wir hatten einige Tage Regen. Kornpreis 6 Reichstahler, Weitz 7 Reichstahler 30, Haber 3 Reichstahler. Auch hier fiengen die Bewohner des unteren Dorfes an, prozessionsweise auf den Kirchhof zu ziehen. Sie gehen siebenmal um die Kirche.
- Am 10ten – Des Abends versammelt sich das ganze Dorf bey der Prozession. Sie gehen von unten auf durchs Dorf, den Römerfahrtsweg ums Dorf bis an Gussenhoven, oben heraus über den Damm etz. Hunderte Lichter werden dabey umgetragen.
[458]
- 1822
- August
- Am 12ten – Das Wetter ist anhaltend trocken. Oben im Feld sind fast keine Rübweiden. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 7 Reichstahler 30 Stüber, Haber 3 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 10 Reichstahler. – Der Landrath hat durch den Bürgermeister die Abendsprozession verbiethen lassen und dagegen mittags von 1 bis 2 oder abends von 6 bis 7 Uhr vorgeschlagen. Demungeachtet kamen heut Abend beym Dunkel die Unterste aus dem Dorf gebethen. Der Bürgermeister lies durch den Sergeanten verschiedene angeben und entboth solche zu sich aufs Bureau. Da sich aber kein Gesätz vorfindet, welches dergleichen Bethen verbiethet, so gehn die Leuthe in großer Zahl abends Prozession, doch ohne Licht.
- 18ten – Der Landrath besuchte unsern Pastor und bath denselben, die Pfarrgenossen zu ermahnen, von den Abendsprozessionen abzustehen. Darauf ersuchte der Pfarrer die Leuthe, daß sie doch im Tage gehen möchten, und wenn sie an Sonntagen um 6 Uhr abends wiederkämen, so wollte er eine Litanie und Rosenkranz in der Kirche bethen und auch die Benediction geben. Den ersten Sonntag geschahe das. Weil aber in der Woche wieder späth gegangen wurde, so befahl am folgenden Sonntag der Pastor dem Küster, die Kirche nicht zu öfnen.
- 26ten – Trocken – Das Prozessioniren abends hällt an, und die Muttergottes in Zons bekömmt täglich mehr Zulauf. Es wird Silber und Gold daran geschenkt, so daß dem Küster sein großer Sohn des Nachts in der Kirche schlaffen muß.
- September
- Am 8ten – Sehr trocken und heisse Tage. Die Mäuse vergehen nicht.
- 20ten – Man bringt die Saath trocken in die Erde und befürchtet, daß sie nicht werde herauskommen können.
- 28ten – Vor ein paar Tagen hatten wir eine ordentliche Schauer Regen. Die Frucht kömmt gut heraus, auch scheinen die Mäuse oben im Feld zu vergehen. Korn 6 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler 30, Sahm 11 Reichstahler 30, Haber 3 Reichstahler, Heu 12 Reichstahler.
- October
- 6ten – Verflossene Nacht hatten wir ein schweres Gewitter mit Regen. Die Mäuse haben an den Erdäpfeln wenig Schaden gethan, sie sind ausserordentlich gerathen.
- 16ten – Schön Wetter, abwechselnd mit Regen. Die Kirmes ware sehr besucht. Bey Johann Cremer oben der Kirche war zu erst Musick. Eine zahlreich ausgesuchte Gesellschaft hatte sich dort vereinigt.
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- 27ten October – Anhaltend schön Wetter, zuweilen etwas Regen. – Die Mäuse thun in der neuen Saath viel Schaden. Von der Regierung ist das Fütteren mit Arsenic verbothen im Kreise Neus, hingegen ist es im Regierungs-Bezirk Kölln erlaubt. Man sucht sich also Futter vom Köllnischen zu verschaffen, und jeder füttert. – Die Andacht zu Zons ist am Ende. Der Landrath von Neus hat nicht geruhet, bis der General-Vicarius den Pastor aus St. Peter und Gereon von Kölln nach Zons sandte, um das Bild zu untersuchen. Sie kamen am Zonser Kirmesmontag hieher, nahmen unsern Pastor mit, liessen das Bild auskleiden, fuhren nach dem Heckhofe bey den Bürgermeister zu Kirmes und kamen am Abend wieder, in einem Zustand, wo man deutlich abnehmen konnte, daß sie keinen Durst gelitten hatten. – Darauf ist vom General-Vicar die Ordre gekommen, das Bild aus der Kirche in die Pastorat zu bringen und der sich um die Andacht viel bemühte Vicar Brings nach der Weiden bey Aachen zu versetzen.
- November
- 1. – Sonderbahr! Der Pastor von Nivenheim, der stark gegen die Andacht zu Zons gepredigt hatte, wurde lezten Sonntag toll, der Bürgermeister von Zons stürzte gefährlich am Sonntag aus der Schaise. Der Chirurg Lindgens fiel bis über die Ohren in den Rhein und der Concionator in eine Erdäpfelgrube und wurde unter Gespött heimgeleitet. Alle vier Contradictoren der Andacht, alle am nähmlichen Tage.
- 10ten – Das Wetter ist wie im Frühjahr, warm und so trocken, daß es auf den Kleedrieschen zum Bauen zu trocken ist. Korn steht in Hittorf das Köllnische Malder zu 6 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 3 Reichstahler.
- 25ten – Seit dem 10ten ware es Frühlings-Wetter. Die Saath ist so rauh, daß man die Kühe aufs Korn treibt und abweiden läst. Auch viele schneiden das zu rauhe Korn ab zum Kuhfutter. Es ist so trocken in der Erde, daß man kaum die Kleedrieschen bauen kann.
- Vom 26ten bis 8ten November[11] – Stürmisch-naß. Am 9ten, 10ten, 11ten und 12ten starker Frost.
- 25ten – Der Frost hällt seit dem 9ten December an. Der Rhein ist sehr klein. Die Säume sind so weit mit Eiß bedeckt, daß nur in der Mitte ein starker Steinwurf breit das Eiß noch durchtreibt. Korn in Kölln 6 Reichstahler 20 Stüber.
- 31ten – Das Jahr schliesset sich mit anhaltendem Frost. Zu Düsseldorf steht der Rhein schon einige Tage und landet langsam an. Das Wasser ist grundklein im Rhein, zu Kölln an der Wassermaas wie am Kasselberg 1 Fuß 1 Zoll. Es ist nicht viel Eis im Rhein. Das eben verflossene Jahr war ein betrübtes Jahr: Die Mäuse haben erst im Feld und nachdem in den Scheuren entsetzlich viel Schaden gethan. Fast alle haben nichts mehr zu dreschen. Die Sath im Feld sieht sich gut an, obschon auch die Mäuse vieles abgeweidet haben.
1823
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- 1823
- Januar
- Vom 1ten bis 11ten – Starker Frost. Schon vor 14 Tagen hatte sich der Rhein zu St. Goar gesezt, späther auch zu Düsseldorf und landete von da aus schon am 5ten dieses bis Stürzelberg. An eben dem 5ten rückte der Rhein wieder durch bis unten Uedesheim, blieb also stehen bis Stürzelberg. Am 6ten sezte sich der Rhein am Grend unten Zons; es blieb also eine Lücke offen vom Grend bis Stürzelberg.
- 9ten – Heut stand der Rhein im Kolk, schob sich aber am 10ten wieder und sezte sich den
- 11ten an der Piwip. Es wurde schon vor Abend ein Weg gehauen und
- 12., sontags, giengen schon Hunderte über den Rhein. Korn 6 Reichstahler 20 Stüber, Weitz 6 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler 15 Stüber, Heu allhier 12 Reichstahler.
- 13ten ist 2 Finger tief Schnee gefallen. – Der Bürgermeister hatte 50 Mann dienstweis aufbiethen lassen, um mit Achsen, Beil oder Hammer die Mäuselöcher im Feld zuzuschlagen. Dieses konnte wegen dem Schnee nicht geschehen. – 14ten, 15ten Schnee, 16ten etwas gelind.
- 22ten – Diese Nacht fror es ziemlich stark, sonst ist das Wetter leidlich. Täglich fällt etwas Schnee. Der Rhein fängt heut zu Kölln an, sich zu setzen. Aus dieser Ursach kame auch heut der Schnellwagen hiedurch. – Am 24ten entsezlich kalte Tage.
- 27ten – Es fiel den ganzen Tag noch etwas Schnee. Mit dem Abend verwandelte sich solcher in Regen, so daß der Frost grade sieben Wochen dauerte. Die Meistbeerbte haben beschlossen, 24 Karren Torf-Knabben bey Frechen unentgeltlich für die Armen zu hohlen und zu bezahlen. Die Karre kostet circa 24 Stüber. Demnach zahlen die Gewerbleuthe und Begüterte auch 24 Karren, welche die Pferdsleuthe ohne Frachtzahlung hohlen. In der ganzen Gegend ist kein Geriß, weil im Herbst die Ruhr nicht schifbar war. Es kamen viele Karren mit Kohl und Geriß von Bardenberg auf den Kauf hieher. Sie erliessen die Karre zu 6 Reichstahler.
- 29ten – Anhaltend Thauwetter.
- 30ten – Abends 8 Uhr hörten wir bey Südwind an dem starken Rauschen, daß der Rhein am Treiben war. Wir hatten eine Kanone von Neus erhalten. Dieselbe ward nun 3-mal gelöset. Das Eis triebe im Ufer, das Wasser wuchs und fiel, oft in einer Minute 3 Fuß. Am Platthals schoben sich hohe Berge aufs Land. Um 9 Uhr sezte sich der Rhein, fienge aber gleich wieder an zu treiben. Da kamen die vom Rheinfelderhof mit ihrem Vieh hieher. Fast alle Bewohner waren mit unzähligen Leuchten am Rhein, so wie zu Monheim, Worringen und Hittorf. Erst nach 10 Uhr gienge der Mond auf. Zwischen 11 und 12 Uhr wurde wieder zu dreyenmalen mit der Kanone geschossen.
- Februar
- Am 2ten – Es thauet fortwährend auf. Am Abend schien das Obereis zu kommen. Es wurden also 3 Kanonenschüsse um 8 Uhr gelöset, doch kame nicht viel Eiß.
- 5ten – Schnee. Am 6ten Frost und Schnee. Das Obereiß geht fort, ohne daß man es gewahr wird.
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- 1823
- Februar
- Am 9ten – Regen. Am 13ten trat der Rhein aus dem Ufer bis hinter dem Damm und bis in die ünterste Drenk. Angenehm Wetter. Haber 3 Reichstahler 45 Stüber, Heu 13 Reichstahler.
- Merz
- Am 1ten-3ten – Sturm und Regen. 4ten-5ten Sturm und wüstes Wetter.
- 10ten fienge man zu erst an, in den Gärten etwas zu graben. Am 11ten Regen.
- 20ten – Merzerwetter mit Schnee und Frost. Korn 8 Reichstahler, Weitz 8 Reichstahler 20 Stüber, Sahm Haber 5 Reichstahler.
- 24ten – Nasses Wetter. Am 25ten bis 28ten sehr schöne Frühlingstage.
- 29ten – Warmer Regen. – Korn und Weitz in Kölln 9 Reichstahler, beide Theile.
- April
- Am 7ten – Schön Wetter und nicht zu warm, welches für das Feld erwünscht ist. Die Frucht steht sehr schön. Viele haben Korn in Kornstoppeln gesähet, was von den Mäusen gelitten hatte, und dieses Korn steht prächtig.
- 8ten – Frost und Reif, hällt an bis den 16ten. Am 17ten Regen. Kornpreis in Neus 9 Reichstahler 40 Stüber. Die Fourage ist so rar, daß vieles Vieh crepirt. Dem Posthalter sind schon 5 Stück Kuhvieh gefallen. Auch Leuthen, die zu füttern haben, denen gehen Küh caput. Man will es der Kälte, andere der Trockenheit im verflossenen Sommer zuschreiben. Stroh gillt 9 Reichstahler, Haber circa 5 Reichstahler, Weitz 9 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 15 Reichstahler.
- 20ten bis Ends April – Nachtfröste mit Reif, unangenehme Tage.
- Mey
- 1ten bis 5ten – Nordwindig-trocken. Am 6ten und 7ten entsetzlich heiß. Die Nacht auf den 8ten Donner und Regen. Am 9ten starker Wind, welcher viel Korn zerknickt.
- 9ten wurde Land verkauft, in 3 Terminen zu zahlen. Der erste ist Anfangs October 1823, der 2te October 1824, der 3te 1825. Davon kamen 3 Viertel hinten Grünenwalds-Garten zu 127 Reichsthaler, 3 Viertel am obersten Sasserweg zu circa 100 Reichstahler, anderthalb Viertel im Kirchfeld zu 64 Reichstahler.
- 22ten – Schön Wetter, zuweilen Regen. 23ten Regen. 24. bis 31ten sehr heiß und schön. Das Malder Korn gillt in Kölln 7 Reichstahler 20 Stüber. Es wird viel Korn aus der Stadt aufs Land gehohlt, weil sogar die meiste Halfen seit lange das Brodkorn haben kaufen müssen. Heu ist fast keines mehr. Es wird noch zu 15 Reichstahler verkauft. Es ist entsetzlich viel Korn frisch abgefüttert worden, für Küh und Pferd. Jetzt muß der Weitzen dran. Gussenhoven, Rheinfeld, Sandhof und fast alle Einspänner haben zur grünen Frucht ihre Zuflucht nehmen müssen.
- Juny
- 1ten bis 5ten – Sehr heiß. Gleich nach Mittag Regen bis an die Wurzel. Frucht und Gemüse haben seit Menschengedenken nicht so schön gestanden. Indessen wird sehr viel von dem schönen Weitzen grün abgefüttert. Korn verkauft der Bürgermeister von Worringen zu 7 Reichstahler 30 Stüber, mit dem Beding, künftigen Martini zu zahlen. Haber 4 Reichstahler 20 Stüber, Heu 15 Reichstahler. Bey allem dem fehlt es an Geld.
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- 1823
- Juny
- Dieser Monath ware meistens naß. Das hällt die Erndte auf, da man doch so sehr auf Brodt harret. Stroh ist fast keins mehr, und es wird noch grüner Weitzen abgemähet für die Pferde.
- Julius
- 14ten – Man fängt an, Korn zu hauen. Das Wetter ist meistens naß, mit einzelnen heissen Tagen vermischt.
- 24ten – Ein Tag schön Wetter und dann wieder drey Regentage. Es wird nun so viel Korn eingefahren, daß die Leuthe etwas Stroh und eine Gebinde[12] Korn bekommen. Das Malder alt Korn gillt noch 6 Reichstahler. Neues ist noch keins zum Verkauf gedroschen.
- August
- 15ten – Abwechselnd Wetter. Die Winterfrucht wird kaum trocken eingefahren. Vorgestern ware es sehr heiß, drauf rollten die ganze Nacht fürchterliche Donner mit Regen, so daß der meiste Weitz noch draussen ist. Neues Korn in Kölln 3 Reichstahler 30 Stüber.
- 25ten – Heut fienge es an, sehr heiß zu werden. Bisher, wenn es 2 Tage gut war, so regnete es wieder. Korn hier 3 Reichstahler 20 Stüber, neue Haber 18 Schilling.
- September
- Am 6ten anhaltend schön Wetter. Korn hier Neusmaas 3 Reichstahler 15 Stüber, neue Haber 100 Stüber. Man hat viel Brach, wo vorig Jahr die Mäuse alles weggefressen, mit Haber besähet, und diese ist unvergleichlich gerathen.
- Am 26ten – Anhaltend gut Wetter. Am 27ten bis 1ten October meistens Regen.
- 4ten bis 11ten October – Schön Wetter. Am 12ten Kirmes mit Regen. Korn 3 Reichstahler 15 Stüber.
- 15ten October bis 26ten – Sehr schöne Tage. Ends October Regen. Haber 90 Stüber.
- November hielt inständig an mit gutem Wetter. In diesem Monath sind wohl halbtausend Karren Rüben eingethan worden.
- 29ten November bis 7ten December – Entsetzlich stürmisch.[13]
Belege und Anmerkungen
- ↑ Durch einen Papierschaden nicht mehr zu entziffern.
- ↑ Betrag durch Papierschaden nicht mehr komplett zu entziffern.
- ↑ Der Schreiber hat den Tag nicht eingetragen.
- ↑ Währung durch Papierbeschädigung nicht lesbar.
- ↑ Wort offenbar versehentlich wiederholt.
- ↑ Es folgt ein unklares Kürzel.
- ↑ Am linken Rand: "April".
- ↑ Am Rand: "Junius".
- ↑ Am Rand: "Merz".
- ↑ Der Schreiber hat versehentlich vor die "45" eine "4" gesetzt.
- ↑ Irrtümlich November statt Dezember.
- ↑ Unsichere Lesung des Worts.
- ↑ Hier enden die Tagebuchaufzeichnungen. Auf der Rückseite finden sich Tagebuchnotizen des Sohnes Johann Jakob Delhoven für den Zeitraum Januar bis März 1824.