St. Antoniusbruderschaft
Die St. Antonius-Bruderschaft in Zons ist eine im 15. Jahrhundert gegründete Vereinigung, die ursprünglich als Zunftbruderschaft der Schneider (Schröder) entstand. Sie diente sowohl der wirtschaftlichen Förderung ihrer Mitglieder als auch der Pflege des religiösen Lebens.
Gründung und Zunftcharakter
Die Bruderschaft wurde am 18. Mai 1466 durch den Kölner Kurfürsten Ruprecht von der Pfalz auf Bitten der in der Stadt Zons ansässigen Schneider urkundlich bestätigt. Die Gründungsurkunde enthielt Bestimmungen, die sowohl den Lebensunterhalt der Handwerker sichern als auch ihr religiöses Wirken ordnen sollten. In der Anfangszeit war die Aufnahme in die Bruderschaft an den Besitz von Haus und Hof in Zons gebunden. Die Aufnahmegebühr betrug fünf Mark, wobei Personen, die ausschließlich für den erzbischöflichen Haushalt auf der Burg arbeiteten (sogenannte Kemmerlinge), von dieser Gebühr befreit waren.
Zur Sicherung des Schneiderhandwerks sah die Satzung vor, dass unberechtigtes Wirken im Ort mit einer Strafe von zehn Mark belegt wurde, die hälftig an den Landesherrn und die Bruderschaft fiel. Bei der Aufnahme eines Lehrlings hatte der Meister ein Pfund Wachs zu Ehren des heiligen Antonius zu stiften.
Religiöses Leben und Antoniusaltar
Im Jahr 1471 wurde in der Zonser Pfarrkirche der Antoniusaltar errichtet. Die Errichtung basierte auf einer testamentarischen Stiftung des Zonser Bürgers Fredericus Voß, der hierfür eine Erbpacht von 46 Gulden aus der Stadt Linz einsetzte. Mit der Stiftung war eine Vikarie verbunden, die dem jeweiligen Inhaber (Vikar) auch ein kleines Wohnhaus zur Verfügung stellte. Der Altarist war verpflichtet, an drei Tagen der Woche (Montag, Dienstag, Donnerstag) eine Messe zu lesen.
Die Bruderschaft feierte alljährlich am 17. Januar das Fest ihres Patrons, des heiligen Antonius. An diesem Tag wurde eine Singmesse gehalten, und die Mitglieder opferten Kerzen für das Antoniusbild. Zu den religiösen Pflichten der Mitglieder gehörte zudem die Teilnahme an den Begräbnissen verstorbener Mitbrüder und Mitschwestern. Ein Fernbleiben ohne triftigen Grund wurde im 19. Jahrhundert mit einer Geldstrafe belegt.
Das Antoniushäuschen
Die Bruderschaft war für den Unterhalt einer eigenen Kapelle, des sogenannten Antoniushäuschens ("St. Thönnes-Häuschen"), verantwortlich. Diese Kapelle befindet sich an der Ecke Herrenweg und Deichstraße. Historisch war die Kapelle eine Station bei der Fronleichnamsprozession sowie bei Flurprozessionen.
Die Kapelle wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach instand gesetzt, so etwa in den Jahren 1872 und 1874. Im Jahr 1960 wurde der alte Vorgängerbau abgerissen und durch ein neues, fünfeckiges Gebäude nach Entwürfen des Architekten Rudi Norff ersetzt. Der Neubau wurde am 13. Juni 1961 durch Pfarrer Franz Freistedt geweiht.
Organisation und soziale Aspekte
Die Bruderschaft wurde ursprünglich von zwei jährlich am Antoniustag gewählten Brudermeistern geleitet. Ab dem 18. Jahrhundert wandelte sich die Führung zu einem Gespann aus einem Brudermeister und einem Amtsmeister des Schneiderhandwerks. Nachdem die Rechnungslegung an das Domkapitel erfolgt war, wurde der finanzielle Überschuss der Bruderschaft traditionell von den Mitgliedern gemeinschaftlich in Bier investiert und vertrunken.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts öffnete sich die Vereinigung auch für Personen außerhalb des Schneiderhandwerks. Während die Zahl der lebenden Mitglieder im Jahr 1717 noch bei 90 Personen lag (darunter auch Frauen), stieg sie bis zum Jahr 1790 auf 177 an. Im Jahr 1907 verzeichnete die Bruderschaft 223 Mitglieder.
Am 10. Juni 1900 feierte die Vereinigung ihr 450-jähriges Bestehen, wobei eine neue Bruderschaftsfahne geweiht wurde. Die Patenschaft bei dieser Zeremonie übernahmen der Beigeordnete Johann Kolvenbach und Maria Nolden. Die Bruderschaft bestand über die Umbrüche der Weltkriege hinaus fort und zählte auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch über hundert Mitglieder.
Quellen und Literatur
- Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973
- Elmar Gasten / Reimund Haas / Herbert Kolewa: Kirchengeschichte und Pfarrarchiv St. Martinus in Zons (Findbuch). In: BlGZSt, Bd. VIII (1996)
- Thomas Schwabach: Die Schwieren-Chroniken (1733–1823). Neuss 2005
- Adam Otten: Zons am Rhein. Düsseldorf 1903