Helene Blum-Spicker

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Helene Blum-Spicker, geb. Blum (* 18.01.1942 in Mönchengladbach; † 22. Juli 2009) war eine Kunsthistorikerin (M.A.), die von 1972 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 das Kreismuseum als dessen erste Direktorin leitete. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Haus zu einem überregional anerkannten Spezialmuseum für Angewandte Kunst und Kunsthandwerk.

Herkunft und Ausbildung

Helene Blum wurde 1942 in Mönchengladbach geboren. Bereits 1944 zog sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach Pommern, bevor die Familie 1946 in Kiel bei einem Onkel Aufnahme fand. Schon mit fünf Jahren eingeschult, legte sie 1960 ihr Abitur ab und studierte anschließend Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Alte Geschichte. Drei Wochen nach ihrer Magisterprüfung trat sie eine Stelle am Rheinischen Landesmuseum in Bonn an, die ihr durch einen Gastdozenten vermittelt worden war. Nach anderthalb Jahren wechselte sie in die Kultur- und Pressearbeit der niederländischen Botschaft, kehrte jedoch bald in den Museumsbereich zurück. Den entscheidenden Hinweis auf die vakante Stelle in Zons gab ihr Mentor Professor Hugo Borger.

Ihre Mutter war Helene Blum-Gliewe (1907–1992), eine wegweisende Künstlerin, die als erste weibliche Bühnenbildnerin Deutschlands Theatergeschichte schrieb. Von 1928 bis 1939 leitete sie als Ausstattungsleiterin sämtlicher städtischer Bühnen in Mönchengladbach-Rheydt ein Team von 40 Mitarbeitern und entwarf Bühnenbilder für rund 400 Stücke. Nach Krieg und Flucht baute sie sich in Schleswig-Holstein eine zweite Karriere als Kunst-am-Bau-Künstlerin auf und hinterließ über 50 großformatige Wandmalereien, Sgraffitos, Mosaike und Glasfenster im öffentlichen Raum, vor allem im Raum Kiel und Lübeck. Im Alter von 70 Jahren begann sie zudem zu schreiben und veröffentlichte drei Romane, darunter Die Kaschubenbraut. Ihre Lebensgeschichte wurde 2019 in der Biografie Helene Blum-Gliewe – Vom Bühnenbild zur Kunst am Bau von Sabine Leonhardt dokumentiert.

Aufbau und Leitung des Kreismuseums Zons (1972–2007)

Anfänge

Als Helene Blum-Spicker 1972 die kommissarische Leitung des neugegründeten Museums in der Vorburg von Burg Friedestrom übernahm, stand sie vor einer ungewöhnlichen Ausgangslage: kein Sammlungsbestand, keine gewachsene Tradition, kein ausgearbeitetes Konzept und in unmittelbarer Nachbarschaft die etablierten Museumsstädte Köln, Düsseldorf und Bonn. Ein zeitgleich vorgesehener Kreisarchivar, der die Einrichtung mitverantworten sollte, wurde zunächst nicht besetzt. Bereits drei Wochen nach ihrem Dienstantritt legte Blum-Spicker ein vollständiges Programm für das erste Jahr vor.

Landrat Dieter Patt beschrieb bei ihrer Verabschiedung rückblickend sowohl die Museumsgründung als auch die Berufung einer so jungen Frau in eine Leitungsposition als für die damalige Zeit ungewöhnlich. Sie habe "einfach angefangen und losgelegt" – und daraus sei das Museumskonzept gewachsen. Ihren Wohnsitz verlegte sie früh nach Zons; eine erste Wohnung an der Mauerstraße brachte ihr den Spitznamen "Mauerblümchen" ein, der in der Lokalpresse noch Jahrzehnte später zitiert wurde. Als Blum-Spicker 1982 nach ihrer Heirat für vier Jahre nach Hackenbroich zog, fand dies in der Örtlichkeit lebhafte Beachtung; sie kehrte nach Zons zurück.

Erste Dekade: Programm und Publikum

Die ersten sieben Jahre arbeitete Blum-Spicker ausschließlich mit Wechselausstellungen, da eigene Sammlungsbestände fehlten. Parallel dazu baute sie ein museumspädagogisches Programm auf, das neben Angeboten für Kinder – darunter Töpfern und Maskenmalen – auch Konzerte, Vorträge und Dichterlesungen umfasste. Eine Bilanz der ersten zehn Amtsjahre bis 1982 zeigt das Ergebnis dieser Arbeit:

  • 84 Ausstellungen, 92 Vorträge und Dichterlesungen sowie über 40 Konzerte
  • Rund 600.000 Besucher in der ersten Dekade – eine Spitzenstellung unter den mittleren Museen im Rheinland
  • Pädagogische Programme für Kinder und Senioren, Exkursionen und Filmabende

Neben dem Museumsalltag war Blum-Spicker an der Entstehung der Quilt-Biennale beteiligt, die mehrfach in Zons präsentiert wurde. Der jährliche Ostereier- und der Adventsmarkt erlangten weit über den Rhein-Kreis Neuss hinaus Bekanntheit. Das alljährliche Schützenfest wurde auf dem Hof des Kreismuseums eröffnet.

Sammlungsaufbau

Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit galt der wissenschaftlichen Aufarbeitung und gezielten Erweiterung der Museumsbestände:

  • Jugendstil-Zinn: Im Jahr 1979 stand die Sammlung "Zinn des Jugendstils" für 1,2 Millionen Mark zum Verkauf. Blum-Spicker setzte sich gegenüber der Kreisverwaltung für den Ankauf ein und sicherte so den Erwerb von mehr als 1.000 Zinnobjekten des Jugendstils von Giorgio Silzer. Diese Erwerbung veränderte das Sammlungsprofil des Museums grundlegend und legte den Grundstein für eine der bedeutendsten Jugendstil-Zinnsammlungen der Region. Später integrierte sie ergänzend die renommierte ORIVIT-Sammlung von Gertrud Funke-Kaiser als Dauerleihgabe.
  • Nachlass Theo Blum: Zwischen 1976 und 1983 organisierte sie die Inventarisierung und Katalogisierung des umfangreichen Werkes des Zonser Ehrenbürgers Theo Blum, das über 4.500 Blätter umfasst.
  • Sammlung Helmut Hahn: 1989 sicherte sie dem Museum durch eine Schenkung des Künstlers Helmut Hahn ein weiteres Sammlungsstandbein: rund 900 Objekte aus dem Bereich des Textildesigns. 1996 kamen außerdem Grafiken von Walter York Koenigstein hinzu.
  • Archäologie: Sie förderte die Präsentation archäologischer Funde aus dem Zonser Burgbereich und arbeitete eng mit dem Amt für Bodendenkmalpflege zusammen.
  • Die florale Trilogie (1999–2006): Als ihr künstlerisches Spätwerk gelten drei thematisch verbundene Ausstellungen: Mohn (1999), Iris (2002) und Tulpe (2006), jeweils mit eigenem Katalog. Dr. Roland Krischel, Leiter der mittelalterlichen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, würdigte diese "florale Trilogie" bei Blum-Spickers Verabschiedung als ihr "Meisterwerk" und hob hervor, welch "übermenschliche Energie" vonnöten gewesen sei, "noch am Ende der Berufskarriere ein solches Feuerwerk abzubrennen".

Ruhestand und weiteres Engagement

Im Januar 2007 wurde Helene Blum-Spicker anlässlich ihres 65. Geburtstages durch Landrat Dieter Patt offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dem Museum blieb sie jedoch verbunden: Als Gründungsgeschäftsführerin des Vereins "Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e.V." (gegründet 1979) engagierte sie sich weiterhin für die Jugendstil-Zinnsammlung und das Museumsprogramm. Kurz vor ihrem Tod gestaltete sie noch das Jubiläumsprogramm zum 30-jährigen Bestehen des Fördervereins.

Publizistisches Wirken

Helene Blum-Spicker verfasste zahlreiche Schriften zur Zonser Geschichte und zur Kunstgeschichte. Sie war Herausgeberin und Autorin des Katalogs 600 Jahre Stadt Zons 1373–1973, der in mehreren erweiterten Auflagen erschien (zuletzt 5. Aufl. Dormagen 1985).

Bedeutung

Helene Blum-Spicker gilt als die prägende Gestalt in der Geschichte des Kreismuseums Zons. Der Nachruf des Fördervereins betont ihre "hohe Kompetenz, Kreativität und ihr unermüdliches Engagement" sowie ihren Spürsinn für bedeutende Sammlungsstücke. Zeitgenössische Berichte beschreiben sie als eine „überaus engagierte und willensstarke Persönlichkeit", deren Leistungen in der rheinischen und niederrheinischen Museumslandschaft als prägend bewertet werden.

Literatur und Quellen

  • Helene Blum-Spicker: 600 Jahre Stadt Zons. 1373–1973. 5. Aufl. Dormagen 1985
  • Zeitungsartikel NGZ von Anneli Goebels vom 4. Juni 2002: "Mauerblümchen" voller Tatendrang
  • Angelika Riemann: Kontinuität und Wandel im KreisMuseum Zons. In: Der Niederrhein, H. 1/2011
  • Zeitungsbericht zur Verabschiedung: Helene Blum-Spicker wurde als Direktorin des Zonser Kreismuseums verabschiedet. 9. Januar 2007
  • Nachruf: Langjährige Museumsleiterin Helene Blum-Spicker ist gestorben. 26. Juli 2009
  • Nachruf des Vereins "Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons e.V.", Juli 2009