Bernhard Westarp

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Johann Bernhard Heinrich Westarp (* 4. Juli 1845 in Oelde), ein Geistlicher, war von 1876 bis 1883 Rektor der höheren privaten Knabenschule in Zons, als Nachfolger von Anton Bergmann und Vorgänger von Friedrich Werdite. Aufgrund von Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs floh er 1883 aus dem Ort.

Geburt

Bernhard Westarp wurde am 4. Juli 1845 in Oelde als Sohn des Konditors Franz Westarp und der Margarethe geb. Vehringmeier geboren.[1]

Lehrtätigkeit

Nach seiner Priesterweihe am 24. Dezember 1869[2] wirkte Bernhard Westarp zunächst als Kaplan in Recklinghausen. 1874 floh er wegen eines eingeleiteten Verfahrens gegen ihn im Zusammenhang mit den Maigesetzen (Kulturkampf) nach Kirchberg in Oberbayern, wo er als "Cooperator" der Diözese tätig war.[3]

Im Herbst 1876 übernahm Westarp das Amt des Rektors der höheren privaten Knabenschule in Zons von Anton Bergmann.[4]

Ab dem 16. Juli 1880 übernahm Westarp auch den Religionsunterricht in der Knabenklasse der Volksschule. An diesem Unterricht nahmen auch die Schüler der höheren Schule teil.[5]

Unter seiner Leitung erhöhte sich die Zahl der Schüler der höheren Knabenschule von 17 (1881) auf 25 (1883).[6] Dies erreichte er durch eine Reduktion des Schulgeldes und die Anschaffung zusätzlicher Lehrmittel.[7]

Nach Ablauf der von der Gemeinde gewährten Gehalts-Garantiezeit führte der Rektor die Anstalt ab dem 1. April 1882 auf eigene Rechnung (Vertrag vom 25. November 1881).[8]

Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs und Flucht

Im August 1883 lief ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen (§§ 174 Nr. 1 und 176 des Strafgesetzbuches). Er entzog sich einer Untersuchungshaft durch die Flucht aus dem Ort am 3. August des Jahres. Das Amtsgericht Neuss schrieb ihn daher am 24. August öffentlich zur Verhaftung und Einlieferung in das Neusser Kantonsgefängnis aus und fügte eine ausführliche Beschreibung seiner Person bei[9]:

"Alter, 38 Jahre; Größe, 5 Fuß 8 Zoll [ca. 1,63 m]; Statur, sehr untersetzt; Haare, schwarz (Tonsur); Stirn, breit; Bart, ohne; Augenbrauen, schwarz; Augen, blau; Nase, gewöhnlich; Mund, dick; Zähne, defekt; Kinn und Gesicht, rund; Gesichtsfarbe, gesund; Sprache, münsterländischer Dialekt; Kleidung, gewöhnliche geistliche Kleidung und schwarzer Filzhut; besondere Kennzeichen, keine."

Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Belege

  1. Kirchenbuch St. Johannes der Täufer Oelde, Taufen 1844-1875, fol. 10v.
  2. Schematismus der Geistlichkeit des Bistums Regensburg für das Jahr 1877, Regensburg 1877, S. 23.
  3. Schematismus der Geistlichkeit des Bistums Regensburg 1878, S. 116; Theo Kemper, Die katholische Kirche in Recklinghausen unter preußischer Herrschaft, in: Günter Beckmann/Peter Burkowski (Hgg.), Auf den Spuren kirchlicher Zeitgeschichte. Festschrift für Helmut Geck zum 75. Geburtstag (= Recklinghauser Forum zur Geschichte von Kirchenkreisen 5), Berlin 2010, S. 147-164; hier: S. 158.
  4. PfAZ, Nr. 6, p. 6; laut Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 10, 1877, Mitteilung Nr. 638, erfolgte seine provisorische Anstellung erst zum Februar 1877.
  5. AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 7.
  6. PfAZ, Nr. 6, p. 6.
  7. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzung vom 12. Januar 1886.
  8. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, Sitzung vom 12. Januar 1886.
  9. Öffentlicher Anzeiger (der Regierung Düsseldorf) Nr. 145 vom 29. August 1883, Mitteilung Nr. 7027.