Feldtor

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Das Feldtor, auch Kölner Tor genannt, war das westliche Stadttor, das im ausgehenden 14. oder beginnenden 15. Jahrhundert errichtet worden ist. 1841 wurde das Tor für einen Hausbau abgebrochen. Erhalten geblieben ist nur ein Teil der südlichen Umfassungsmauer.

Name, erste urkundliche Erwähnungen und Funktion

Das Tor ist erstmals 1406 als "Coelner portz" urkundlich belegt. 1460 taucht die Bezeichnung "Veltportz" erstmals auf.[1]

Der Name "Feldtor" ist dahingehend zu interpretieren, dass dieses Tor seit den ältesten Zeiten in erster Linie dem landwirtschaftlichen Verkehr diente (dementsprechend auch der Straßenname Feldstraße für die hindurch verlaufende Straße). Das einzige weitere Tor, das den Zugang zur innerstädtischen Zivilbebauung bildete, das Rhein- oder Zolltor, war das Tor, das bei der Zollabfertigung eine bedeutende Rolle spielte, durch das aber seit ältesten Zeiten auch das Vieh zur Lämmerweide getrieben wurde (was seit um 1600 zu Auseinandersetzungen mit den Zollbeamten führte). Dementsprechend befanden sich die Häuser der Zollbeamten nahe hierzu in der Rheinstraße. Insofern bildeten die beiden Tore sozialtopografische Bezugspunkte. Die größere Bedeutung des Feldtores für die Zivilbevölkerung zeigt sich auch daran, dass sich der Schlüssel zu diesem Tor um 1600 in den Händen der Bürgerschaft, im Haus des Bürgermeisters, und nicht im Rathaus befand. Der Schlüssel des Zolltores lag hingegen zur Hälfte auf dem Schloss.[2] Das Domkapitel ließ um 1600 das Feldtor einen längeren Zeitraum geschlossen, um eine Verbesserung des Wachtdienstes zu erwirken. Da die Bevölkerung dadurch gezwungen war, ihren land- und viehwirtschaftlichen Verkehr vollständig durch das Zolltor zu treiben, wurde diese Maßnahme von der Bevölkerung als besonders bedrückend empfunden, und so war die Maßnahme wirkungsvoll, wie zwei Wachtordnungen von 1599 und 1604 belegen.[3] Auch nach der Aufhebung des Rheinzolls blieb das Feldtor das Tor, durch das der größte Teil des landwirtschaftlichen Verkehrs führte.[4]

Auch die Bezeichnung "Kölner Tor" für dieses Westtor bildete einen Gegenbegriff zum "Neußer Tor" für das Zolltor: Durch das eine Tor ging es in Richtung Köln, durch das andere in Richtung Neuss.

Die Bezeichnung Feldtor hat sich sehr langfristig gehalten: Sie ist bis heute üblich geblieben, obwohl das eigentliche Tor längst abgebrochen worden ist. Die Ortsangabe "vor dem Feldtor" war bis in das 20. Jahrhundert für das Areal zwischen dem Tor und der heutigen Deichstraße üblich. Die benachbarte Gaststätte "Zum Feldtor" erinnerte ebenfalls lange an das ehemalige Stadttor.

Baubeschreibung

Das Feldtor auf der Urkarte von 1818/19 (später fortgeschriebene Karte im AiRKN): Die Bereiche 1, 2 und 3 (hellgrün markiert) zeigen vermutliche zusammenhängende Tore, wobei Gebäudeteil 2 wohl das beschriebene Haupttor mit Madonna war. Das innere Feldtor wird den gesamten Bereich 2-3 umfasst haben.
Das Feldtor in einer zeichnerischen Rekonstruktion (1960).

Leider existiert keine zeitgenössische Abbildung des Tores. Eine erste ausführliche Baubeschreibung liefert Paul Clemen 1895.[5] Er düfte sich dabei wohl in erster Linie auf Zeitzeugenberichte bzw. mündliche Überlieferungen gestützt haben. Angesichts des großen Zeitabstandes seit Abbruch des Tores (etwa 60 Jahre) ist eine gewisse Skepsis gerechtfertigt. Nach dieser Beschreibung war das Tor (es ist beim Stadtbrand 1464 beschädigt und in den folgenden Jahren wiederaufgebaut worden[6]) ein Doppeltor, das dem Schlosstor sehr ähnelte: Das äußere Tor hatte neben dem Hauptportal (nach Kohl (1904) mit zwei schweren eichenen Torflügeln[7]) eine kleine Pforte. Über diesem äußeren Tor befand sich ein 1,5 m hoher, vorkragender Laufgang mit Schießscharten, seitlich flankiert von zwei gotischen Türmchen mit schlanken Helmen. Der Laufgang war über eine steinerne Treppe zu erreichen. Das innere Tor war ein aus Basalt und Ziegelsteinen erbauter offener Rundbogen im Zuge der westlichen Stadtmauer. Darüber befand sich eine Nische mit einer Madonna.

Eine Notiz des Zonser Küsters und Chronisten Johannes Peter Schwieren von 1758 belegt, dass die Baubeschreibung so nicht korrekt sein kann: In der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1758 kletterten einige Hannoveraner Husaren, um in die Stadt zu gelangen, zunächst über das äußere Feldtor und machten sich anschließend daran, die kleine Nebenpforte des inneren Tores zu durchbrechen, wobei sie durch das zeitgleiche Metteleuten der Franziskanerpatres erschreckt wurden, woraufhin sie wieder das Weite suchten.[8] Demnach hatte das innere Tor eine Nebenpforte. Möglicherweise handelte es sich um die "Parier-Pforte", die Bürgermeister Johannes Eberle wenige Jahre später, im September 1766, von Grund auf mit Mauer- und Holzwerk neu errichten ließ.[9] Dass es eine solche auch im äußeren Tor gab, darf aufgrund der Schilderung des Vorgehens der Husaren angezweifelt werden, denn dann hätten sich die Soldaten wohl eher durch dieses gebrochen, statt mühsam das gesamte äußere Tor zu übersteigen. Demnach ist anzunehmen, dass bei der Beschreibung von Clemen eine Verwechslung von innerem und äußerem Tor vorliegt: Nicht das äußere Feldtor entsprach in Aufbau und Gliederung weitgehend dem Schlosstor, sondern das innere. Und in diesem Kontext macht auch die Madonna über dem inneren Tor, wie von Clemen beschrieben, mehr Sinn, wenn man einen ähnlichen Aufbau wie beim Schlosstor annimmt.

Die Urkarte von 1818/19 gibt den Grundriss des Tores wieder (siehe Abbildung): Demnach war das äußere Tor etwa 11,20 m breit, und der Abstand der Umfassungsmauer verjüngte sich bis zur Westmauer bis auf 4,30 m. Das gesamte Tor war bis zur Westmauer 31 m (nördliche Umfassungssmauer) bzw. 34,5 m (südliche Mauer) lang. Zwischen der Westmauer ist wohl der beschriebene große Torbogen (ohne Nebenpforte) anzunehmen. Das innere Feldtor dürfte mit der westlichen Begrenzungslinie des mittig an der Nordwand eingezeichneten Gebäudes begonnen haben. Auch in der südwestlichen Ecke des äußeren Tores ist ein Gebäude eingezeichnet. Es ist anzunehmen, dass es sich um die ehemaligen Wachtstuben handelte. Wahrscheinlich sind diese beiden Gebäude (Flurbezeichnungen Q 276 und Q 277) nach 1800 anderweitig weiter genutzt bzw. verpachtet worden.[10] Die Darstellung des Feldtor-Grundrisses lässt einen dreiteiligen Tor-Aufbau vermuten, wie ihn eine 1960 erstmals veröffentlichte zeichnerische Rekonstruktion wiedergibt (die übrigens auch das beschriebene Hauptportal mit der Madonna auch im mittleren Teil annimmt; siehe Abbildung). Allerdings berücksichtigt diese Rekonstruktion nicht die Durchgängigkeit der nördlichen bzw. südlichen Umfassungsmauer und nimmt stattdessen einen dazwischen durchlaufenden Fuhrweg zwischen äußerem und innerem Feldtor an. Sicherlich verlief ursprünglich zwischen den einzelnen Teilen des Tores ein Kanal (oder mehrere), so dass ein Torteil als Wassertor diente. Als das Tor 1841 auf Abbruch verkauft wurde, bestand der Innenraum dementsprechend zur Hälfte aus einer Wasserlache.

Über dem Feldtor erhob sich ein hoher steinerner Giebel. Dieser ist im Februar 1760 bei einem Sturm eingestürzt, nachdem französische Soldaten zuvor einige stützende Holzbalken und Eisenanker ausgebrochen hatten.[11] Es ist anzunehmen, dass an dem Tor, wie an dem Rheintor, im Laufe der Jahrhunderte gelegentlich Ausbesserungs- oder Änderungsarbeiten stattgefunden haben.

Der Zonser Chronist Josef Hugo berichtet 1815, über dem Feldtor habe Erzbischof Friedrich von Saarwerden die Inschrift anbringen lassen: "Wer will zo uns bauen, der soll Sitz und Stimme auf dem Lande haben".[12]

Die Feldtor-Madonna

Die Feldtor-Madonna.

Die Madonna des Feldtores, eine Marienfigur mit Jesuskind aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert, ist erhalten geblieben und heute im Besitz des Kreismuseums (siehe Abbildung). Mit dem Abbruch des Feldtores wurde diese zunächst in der Ecknische des Fleischhauer’schen, später Kolvenbach’schen Hauses am ehemaligen Feldtor (heute Schloßstraße 46) aufgestellt.[13] In den 1890er Jahren ließ der Landeskonservator Paul Clemen sie im Düsseldorfer Kunstmuseum restaurieren, wobei ihr hoher künstlerischer Wert festgestellt wurde.[14] 1919 ging die Madonna aufgrund des Vermächtnisses des ehemaligen Gemeinderendanten Johann Kolvenbach (* 4. Juli 1842 in Zons; † 3. April 1919 in Köln) in das Eigentum der Stadt über[15], die sie zunächst als Leihgabe an das "Städtische Museum für Alterthümer der Umgegend" in Neuss, das heutige Clemens-Sels-Museum, weitergab. Im Zuge der Planungen für das Zonser Heimatmuseum ging die Madonna 1929 wieder zurück nach Zons[16]. Sie wurde mit der Eröffnung des Museums im Rheinturm 1931 bis zur Schließung 1959 dort ausgestellt. Nach einigen Jahren der Zwischenlagerung fand sie schließlich als städtische Dauerleihgabe ihre Aufstellung im Kreismuseum in Zons.

Die Figur ist mit einiger Sicherheit um 1400 im Auftrag des Erzbischofs Friedrich von Saarwerden in einer Bildhauer-Werkstatt des Kölner Domes hergestellt worden.[17] Sie weist noch heute Reste einer ehemals farbigen Bemalung auf.

Abriss 1841 und Bau von Wohnhäusern am ehemaligen Standort 1841/44

Bereits im Februar 1829 beriet der Zonser Gemeinderat über den Verkauf bzw. Abbruch des Feldtores, um Einnahmen für den beabsichtigten Bau einer neuen Schule zu erzielen.[18] Der fortifikatorische Zweck des Tores war ohnehin nicht mehr gegeben. Zudem soll es zu eng und beschwerlich für die immer größer und breiter werdenden landwirtschaftlichen Wagen geworden sein, wie es mündlich überliefert wurde. Für Letzteres fehlen allerdings zeitgenössische Belege.

Es war der Landeskonservator Paul Clemen, der 1895 erstmals schrieb, dass das Feldtor in zwei Zügen (1833 das äußere und 1842 das innere) abgebrochen worden sei.[19] Jüngere Zons-Publikationen haben dann diese Angaben übernommen, die auch in die Chronologie herausragender Ereignisse des Ortes Eingang gefunden haben. Auf welche Quellen sich Clemen hierbei stützte, ist nicht bekannt. Unstrittig ist die große Bedeutung der Publikation seinerzeit als Ausgangspunkt für die wenige Jahre später einsetzenden umfassenden Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten im Ort, wie auch für den Fremdenverkehr. Dem stehen jedoch offensichtlich erhebliche wissenschaftliche Mängel gegenüber.[20] Zahlen und Fakten sind dementsprechend immer kritisch zu hinterfragen, insbesondere, wenn sie sich auf zeitlich weiter zurück reichende Ereignisse beziehen.

Obwohl der Gemeinderat bereits 1829 über einen möglichen Verkauf bzw. Abbruch des Feldtores beriet (s.o.), wurde dieses Vorhaben mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit erst 1841 umgesetzt. Wenn das äußere Tor bereits 1833 abgebrochen worden ist, wie Clemen schreibt, stellt sich die Frage, wieso es dafür keinerlei archivische Belege gibt: In den Gemeinderatsprotokollen bis 1833 findet sich hierauf kein Hinweis. Dabei hat das Gremium einem so gravierenden Schritt, der auch eine vertragliche Vereinbarung mit dem Ankäufer vorausgesetzt hätte, mit Sicherheit zustimmen müssen. Zum anderen bewilligte das Gremium noch 1836 einer Anwohnerin für das wöchentlich zweimalige Reinigen des Tores in der gesamten Länge eine feste Vergütung (s.o.). Dies lässt annehmen, dass das Tor noch 1836 vollständig vorhanden war. Und schließlich legen auch die späteren Verkaufs- und Abbruchverhandlungen (1840/41) nahe, dass erst 1841 das gesamte Tor auf Abbruch verkauft worden ist:

Am 29. September 1840 informierte der Zonser Bürgermeister Peter Matthias Schumacher den Landrat schriftlich über eine "Veräusserungs-Verhandlung über die Bau-Materialien vom Abbruche des Feldthores": Der gebotene Ankaufspreis sei deutlich unter dem erhofften Betrag geblieben, und er erhoffe sich von einer nochmaligen öffentlichen Ausschreibung einen höheren Erlös. Der Landrat stimmte dem zu.[21] Am 19. März 1841 schloss die Gemeinde mit dem Schiffer Peter Josef Fleischhauer (* 13. September 1812 in Zons; † 22. Februar 1872 in Zons), seit dem 5. Oktober 1839 mit Anna Maria geborene Füsgen (* 6. April 1812 in Zons; † 13. September 1884 in Zons) verheiratet[22], einen Verkaufs-Vertrag über die Baumaterialien des Feldtores. Fleischhauer plante auf dem Areal den Bau eines Wohnhauses für seine Familie.[23] Hierauf beauftragte der Landrat einen Bausachverständigen (Johannes Fuchs) mit der Überprüfung vor Ort, ob das Kaufangebot angemessen sei. Dieser empfahl dem Landrat am 26. März 1841, das Angebot unbedingt zu befürworten: Ein höherer Preis sei nicht zu erwarten, da das Grundstück zum einen zur Hälfte ein bloßes "Wasserloch" sei. Zum anderen sei auch der Abbruch des Tores mit erheblichen Aufwänden verbunden, wobei der größte Teil zu unbrauchbarem "Schutt" zerschlagen werde.[24] Der Landrat befürwortete daraufhin den Verkauf am 29. März, und die Regierung genehmigte diesen am 3. April 1841 mit der Auflage an die Gemeinde, die 70 Reichstaler entweder zur Schuldentilgung oder "rentbar" (mit Zinsertrag) anzulegen, was der Landrat am 8. April verfügte. Das verkaufte Feldtor hatte nach der Genehmigung der Regierung eine Fläche von 15 Quadratruten und 70 Quadratfuß, was ca. 220 m2 entspricht.[25] Betrachtet man die Maße des Feldtores nach der Urkarte von 1818/19 (s.o.), wird deutlich, dass es sich um das gesamte Feldtor, also nicht nur den inneren Teil desselben, gehandelt haben muss.

Rest des ehemaligen Feldtores mit den 1841 (vorne) und 1844 errichteten Wohnhäusern.
Der Bereich des ehemaligen Feldtores aus östlicher Richtung.

Am 27. Mai 1841 informierte das Gemeinderatsmitglied Franz Aldenhoven den Landrat schriftlich, dass der Verkauf des Tores an Fleischhauer erfolgt sei und diesem eine Stelle zur Errichtung eines Wohnhauses überlassen worden sei. Er bitte, diesen Beschluss bei der Regierung zu befürworten und die Genehmigung alsbald zu erwirken, damit Fleischhauer noch die gute Jahreszeit zum Hausbau nutzen könne. Der Landrat stimmte dem Vorhaben umgehend zu, und wenig später erfolgte die Genehmigung durch die Regierung.[26] Der Abbruch des Tores (bis auf den noch heute vorhandenen Sockelrest der südlichen Begrenzung) sowie der Bau des Wohnhauses erfolgten noch 1841.[27] Es handelt sich um das heutige Haus Schloßstraße 46. Josef Fleischhauer stellte die Feldtor-Madonna in eine Ecknische des Hauses.

Der Zwischenraum zwischen dem Haus Fleischhauer und der Stadtmauer machte nach dem Abbruch des Tores einen sehr unansehnlichen Eindruck, so dass die Gemeinde hier eine dauerhafte Lösung suchte. Am 17. September 1843 informierte Bürgermeister Schumacher den Landrat über einen Beschluss des Gemeinderats: Der Raum biete dem Vorübergehenden ein "ödes, widerliches Ansehen", weshalb der Rat entschieden habe, die Parzelle von 10 Quadratruten 30 Quadratfuß (ca. 145 m2) dem Zonser Nagelschmied Theodor Kolvenbach (* 18. März 1806 in Zons; † 10. Juni 1847 in Zons), der am 16. Januar 1842 in Zons Elisabeth geborene Rodenkirchen (* 7. Mai 1810 in Zons; † 21. Juli 1888 in Zons) geheiratet hatte[28], zur Errichtung eines Wohnhauses zu verkaufen. Das Haus werde wesentlich zur Verschönerung des Ortes beitragen.[29] Der Landrat beauftragte daraufhin am 19. September den Dormagener Bürgermeister Hesse, den beabsichtigten Verkauf an Kolvenbach öffentlich bekannt zu geben und über mögliche Einsprüche zu informieren.[30] Am 12. Oktober informierte Hesse den Landrat, dass es keine Einsprüche gegeben habe.[31] Darauf berichtete der Landrat am 17. Oktober 1843 der Regierung über den Verkauf: Der Gemeinderat habe beschlossen, Kolvenbach das Grundstück für 10 Reichstaler zu verkaufen. Dieser sei im Gegenzug verpflichtete, dort ein Wohnhaus zu errichten, einen für die Abwasserleitung notwendigen "Abzugskanal" zu bauen und die Kosten des Situationsplans und der "Abgrenzung" zu übernehmen. Ferner müsse er den Anpächter des Stadtgrabens für den verloren gegangenen Raum entschädigen. Hierauf erfolgte die Genehmigung der Regierung (27. Oktober 1843).[32] Das Haus (heute Schloßstraße 44) wurde 1844 errichtet.[33]

Der Sohn des Theodor Kolvenbach, der Rendant Johann Kolvenbach (* 4. Juli 1842 in Zons; † 3. April 1919 in Köln), war später Eigentümer der beiden benachbarten Häuser Schloßstraße 44-46.

Das Feldtor als Wachttor

Das Feldtor spielte bei den städtischen Wachtdiensten, die zu den Bürgerpflichten gehörten, eine wichtige Rolle. Nach einer Wachtordnung von 1604 mussten nachts jeweils 8 Personen aus der Bürgerschaft, davon zwei Gefreite aus dem Rat, dieses Tor bewachen. Eine gleiche Anzahl war für das Rheintor zuständig.[34] Mindestens seit 1612 gab es auch einen Feldtor-Pförtner, der in städtischen Diensten stand und jährlich 20 Gulden erhielt. Auffälligerweise erhielt der gleichzeitig aktive Pförtner des Rheintores nur 12 Gulden jährlich.[35] Dies lässt auf eine deutlich höhere Frequenz am Feldtor und einen entsprechend höheren Kontrollaufwand schließen. Spätestens seit Ende der 1720er Jahre waren die Bürger nur noch zu Wachtdiensten am Feldtor verpflichtet, während das Rheintor von den Schlosssoldaten bewacht wurde.[36] Noch 1790 wurde eine neue Wachtordnung für das Feldtor erlassen.[37] Die Torwache stand unter Leitung eines sogenannten Bürgeroffiziers, der 1793 belegt ist: Die Stadt zeigte ihn in diesem Jahr beim Domkapitel wegen Versäumnissen bei der Wache am Tor an.[38] Wahrscheinlich handelte es sich um den 1718 erstmals belegten Bürgerhauptmann, der der gesamten waffenfähigen Bürgerschaft vorstand.[39]

Sonstiges

Am 14. Februar 1760 stürzte der hohe steinerne Giebel des Tores bei einem Sturm herab, nachdem französische Soldaten kurz zuvor einige Holzbalken und Eisenanker ausgebrochen hatten. Drei Kleinkinder wurden von den Trümmern erschlagen: die Brüder Paul (~ 28. Juli 1755 in Zons) und Maria Hieronymus Opladen (~ 3. Juli 1757 in Zons), einzige Kinder des Ehepaars Anton Opladen und Magdalene geborene Deutz, und deren Nichte Margarethe Deutz (~ 10. April 1755 in Zons), einziges Kind des Ehepaars Christian Deutz und Gertrud geborene Esser.[40]

Belege

  1. RhStAZ, S. 3.
  2. GStAZ, S. 269, Anm. 413.
  3. GStAZ, S. 293, Anm. 451.
  4. Der Gemeinderat bewilligte in seiner Sitzung vom 23. März 1836 der Witwe Magdalene Frimmersdorf geborene Geuer (~ 22. März 1790 in Zons; † 7. Juni 1863 in Zons) für das wöchentlich zweimalige Reinigen des Tores in der gesamten Länge eine Vergütung von 5 Reichtalern jährlich. Das Tor war durch Menschen und Vieh regelmäßig stark verschmutzt: AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 80, fol. 89v-90r. Eine entsprechende Regelung für das Rheintor wurde nicht getroffen.
  5. Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band III (die Kunstdenkmäler des Kreises Neuss), Düsseldorf 1895, S. 118.
  6. RhStAZ, S. 4.
  7. Claus Kohl, Zons am Rhein, Zons 1904, S. 100.
  8. Schwieren-Chr., <353>.
  9. Schwieren-Chr., <437>.
  10. Der Gemeinderat ließ erst 1862/63 beide Gebäude aus der Mutterrolle der Gemeinde entfernen, da sie bereits seit dem Abbruch des Tores nicht mehr existierten: AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 81, Sitzung vom 10. Dezember 1862.
  11. Schwieren-Chr., <388>.
  12. Wiedergegeben von Johann Peter Delhoven unter dem 18. November 1815.
  13. Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 3,3: Kreis Neuss, Düsseldorf 1895, S. 118.
  14. Claus Kohl, Zons am Rhein, Zons 1904, S. 100.
  15. AiRKN, DO 07, Gemeinderatsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 264-265 (Sitzung vom 30. Juni 1919).
  16. AiRKN, Augias 141.
  17. Jörg-H. Baumgarten, Zons. Ein Stadtführer, Köln 1989, S. 52-53.
  18. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 79, fol. 4r-7r (Sitzung vom 9. Februar 1829).
  19. Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 3,3: Kreis Neuss, Düsseldorf 1895, S. 118.
  20. Beispielsweise sei auf die falsche und lückenhafte Wiedergabe der Inschrift am Rheinturm-Relief hingewiesen (S. 117).
  21. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 12r-v.
  22. Lisken-FBZ, S. 212.
  23. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 13r.
  24. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 10r-v.
  25. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 13r.
  26. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 11r.
  27. Das Haus wurde als 1841 vollendeter Neubau in die Grundsteuerrolle aufgenommen: LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Kataster B 5738 (zum Jahr 1843).
  28. Lisken-FBZ, S. 371.
  29. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 15r-v.
  30. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 15r-v.
  31. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 15v-16r.
  32. LAV_NRW_R, LA Neuss, Nr. 679, fol. 16r-17r.
  33. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Kataster B 5738 (zum Jahr 1847).
  34. GStAZ, S. 62.
  35. GStAZ, S. 116.
  36. GStAZ, S. 114 und S. 293, Anm. 458.
  37. GStAZ, S. 114.
  38. GStAZ, S. 115.
  39. GStAZ, S. 114.
  40. Schwieren-Chr., <388>; Lisken-FBZ, S. 145, S. 538.