Freilichtbühne

Aus ZonsWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Freilichtbühne in einer Zeichnung von Architekt Hans Hansen aus dem Jahr 1937.
Zeitungsanzeige des Zonser Wirts Gerhard Schorn im "Neußer Intelligenzblatt" vom 2. Oktober 1852.

Die Freilichtbühne wurde 1935 im Zwinger von Schloss Friedestrom als Maßnahme des Verkehrs- und Verschönerungsvereins zur Belebung des Fremdenverkehrs angelegt. Mit kriegsbedingter Unterbrechung 1941-1951 gab und gibt es dort jedes Jahr Aufführungen, anfangs mit Themen aus der Stadtgeschichte, später verlegte man sich zunehmend auf Märchen.

Hintergrund

Die Aufführung von Theaterstücken hat in Zons eine mindestens bis in das 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition. Immer wieder warben Zonser Gastwirte in Zeitungs-Anzeigen für Theateraufführungen: So wies z.B. der Wirt Gerhard Schorn im "Neußer Intelligenzblatt" vom 2. Oktober 1852 auf ein "Liebhaber-Theater" "zum Besten der Armen" hin, das in seiner Gaststätte "St. Peter" an drei Tagen aufgeführt wurde (siehe Abbildung).

Zonser Theaterverein im Jahr 1928. Die Aufnahme entstand auf dem Areal der Gaststätte "Zum Stern" in der heutigen Schloßstraße, Ecke Mühlenstraße, wo die Gruppe für das Stück "Der Frühlingstraum" probte. Die Aufführungen fanden jeweils sonntags vor Zonser Publikum statt.

Auch gab es in Zons bereits Jahrzehnte vor der Eröffnung der Freilichtbühne Theatervereine: So gründete sich am 25. Juli 1918 der Theaterverein "Germania" unter der Leitung von H. Fleischhauer. Und es existiert ein Foto eines Zonser Theatervereins (möglicherweise war es derselbe) aus dem Jahr 1928 (siehe Abbildung).

Festpostkarte zum Stromfest 1934 nach dem Entwurf von Theo Blum.
Die Freilichtbühne diente beim Erntedankfest 1936 als Kulisse für das Stück "Mutter Erde".

Die Eröffnung der Zonser Freilichtbühne 1935 steht in Zusammenhang mit einer Reihe von planmäßigen Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Ortes für den Fremdenverkehr seit Ende der 1920er Jahre (1929 großes Stadtfest mit historischem Festzug, gleichzeitig Beginn der Anstrengungen zur Einrichtung eines Heimatmuseums, das 1931 verwirklicht wurde, Werben des Verkehrs- und Verschönerungsvereins um Mittel zur Denkmalpflege usw.). Dabei war der Bürgermeister Hans Michael Flücken, seit 1928 im Amt, eine treibende Kraft, aber auch der Lehrer Heinz Riffel, der Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Heinrich Berchem und der Maler und spätere Zonser Ehrenbürger Theo Blum. Es wird berichtet, dass diese und andere Personen, auch Künstler wie der Kölner Dichter Michel Becker, sich in der Gaststätte "Stadt Zons" trafen, um derartige Pläne auszuarbeiten. Auch der Wirt der Gaststätte, Peter-Josef Schmitz, der nicht nur als Gemeinderat, sondern auch im Verkehrs- und Verschönerungsverein tätig war, engagierte sich in besonderer Weise. Er ließ gut sichtbar an der Straßenseite an seine Gaststätte den Schriftzug "Künstlerheim" aufpinseln.

"Zonser Stadtlied" nach dem Text von Dichter Michel Becker aus Köln, Melodie: Musiker und Dirigent Willi Hahn aus Zons. Im oberen Teil ist eine Zons-Zeichnung von Maler und Radierer Theo Blum aus Köln zu sehen. Das Lied dürfte um 1930 entstanden sein und ist ein weiterer Beleg für die große Verbundenheit der Künstler Becker und Blum mit dem Ort.

Beim großen Stadtfest 1929 traten kostümierte Gruppen zur Geschichte des Ortes in einem großen Festzug auf, nach künstlerischen Entwürfen von Maler und Radierer Theo Blum aus Köln und nach historischen Recherchen von Lehrer Heinz Riffel aus Zons. Für das während des Festes aufgeführte Weihespiel "Schwur am Strom" des Kölner Dichters Michel Becker nutzte man die Festwiese vor dem Rheintor. Eine richtige Bühne für solche Aufführungen fehlte. Das war auch noch 1934 so, als man das "Stromfest" veranstaltete: Wieder war es der Künstler Theo Blum, der die bunte Vorlage für die Festpostkarte lieferte (siehe Abbildung). Im Laufe des Festes (4., 5. und 12. August) veranstaltete man ein Feuerwerk und eine "Stadtbeleuchtung". Angeblich kam auf der Festwiese am Rhein auch wieder das Stück "Schwur am Strom" von Michel Becker zur Aufführung. Becker war es auch, der die ersten Stücke für die Freilichtbühne schrieb, und er schrieb um 1930 auch den Text für das "Zonser Stadtlied", für das der Zonser Dirigent Willi Hahn die Melodie beisteuerte.[1]

Die Freilichtbühne in der NS-Zeit

Bau der Freilichtbühne und Richtfest

Die Arbeiten zum Bau der Bühne im Zwinger begannen im Februar 1935. Angeblich hatte Bürgermeister Hans Michael Flücken die Idee zum Bühnenbau. Nach den Plänen des Kölner Architekten Hans Hansen wurde ein 1.300 qm großer Bühnenraum geschaffen, mit einer Spitzbogenhalle (sie trägt das 2,5 m hohe Bühnenpodium), die aus Abbruch-Mauermaterial aus dem Schlossgelände errichtet wurde. An der Halle befestigte man einen sehr großen, eigens hergestellten Teppich mit verschiedenen historischen Wappen, u.a. das von Kurköln, und Darstellungen der beiden Zonser Pfarrpatrone Hubertus und Martinus. Hinter dem Bauwerk verläuft ein 50 m langer Bühnengang, der es den Schauspielern ermöglicht, sich ungesehen zu bewegen. Den Zuschauerraum bildeten 1.600 ansteigend angeordnete und durchnummerierte Sitzplätze sowie mehrere hundert Stehplätze, insgesamt somit etwa 2.000 Besucherplätze.

Am Mittwoch, dem 22. Mai 1935 fand nachmittags das Richtfest statt. Es waren Hunderte von Gästen (auch viele Zonser, die beim Bau der Bühne mitgeholfen haben) und viele Journalisten anwesend, und der "Reichssender Köln" hatte den Reporter Dr. Bernhard Ernst mit Team zu einer Livereportage gesandt. Unter den Gästen waren u.a. der Spielscharleiter Raymund Kayser, Bürgermeister Hans Michael Flücken, Pfarrer Johannes Klüwer, Schlossbesitzer Baron von Diergardt, der Pächter des Schlossgeländes Wilhelm Meller und der Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Heinrich Berchem. Singend und musizierend zog eine Schülergruppe, angeführt von Lehrer Heinz Riffel, mit dem Richtbaum auf die Bühne. Am Schlosstor waren drei Mörser aufgestellt, die zur Errichtung des Baums gezündet wurden. Ein Schauspieler in Zimmermannstracht sprach dazu den Richtspruch, in dem es unter anderem hieß: Ein Festsaal, so schön ihn keine Stadt, vom Belt bis an die Memel hat. Zweitausend Menschen gehen hinein, dafür ist selbst der Gürzenich zu klein, und auch des Planetariums Sternenfeld ist klein gegen unser blaues Himmelszelt. Es folgten einige Lieder und Begrüßungsansprachen, u.a. von Bürgermeister Hans Michael Flücken und Ortsgruppenleiter Franz Erkelenz. Zum Abschluss wurden den Gästen in der Bühnenhalle Bier, Schnaps und belegte Brote gereicht.[2]

In den Aufführungsthemen der Anfangszeit der Zonser Freilichtbühne finden sich typische Elemente des Theaters in der NS-Zeit: die Erweckung eines Volksbewusstseins, die starke Betonung eines Heldentums usw. Und so war die Bühne ohne Frage auch ein politisch-ideologisches Instrument im Sinne des Nationalsozialismus. In seiner Rede zum Richtfest sprach Ortsgruppenleiter Franz Erkelenz u.a. davon, dass der Held des ersten Bühnenstücks, der Schmied, der Bevölkerung Mut zum Aushalten gegeben und sie dadurch zum Sieg geführt habe. In der Gegenwart sei ein Führer (Adolf Hitler) entstanden, der im deutschen Volk einen neuen Glauben erweckt habe und zum "Schmied der deutschen Einheit" geworden sei. Und Bürgermeister Hans Michael Flücken betonte in seiner Ansprache, dass das Freilichtspiel die Aufgabe habe, den Rheinländern ein Stück "Volkstum und Volksgeschichte" zu vermitteln. In diesem Zusammenhang sei auf die folgenden Bemerkungen zum Stück "Der Freiheitsbaum von Zons" 1937 hingewiesen. Und man erkannte in der folgenden Zeit auch das Potential der Bühne als Kulisse für ideologische oder ideologisch vereinnahmte Veranstaltungen wie das Erntedankfest.

Der Zonser Lehrer Heinz Riffel soll Anfang der 1930er Jahre den Spielkreis der Katholischen Arbeiterbewegung aus Köln unter der Leitung von Raymund Kayser bei einem Passionsspiel in den Kölner Messehallen kennengelernt und den Kontakt hergestellt haben. Die Spielschar trat in den ersten beiden Jahren der Freilichtbühne auf.

"Der Schmied von Zons" (1935)

Szene aus dem Stück "Schmied von Zons" (1935). Im Hintergrund ist ein Teil des großen Wandteppichs zu sehen.

Das Stück wurde von Dichter Michel Becker als erster Teil einer projektierten Trilogie geschrieben, die er in den Jahren 1934-1936 zu Papier brachte. Becker widmete das Stück Lehrer Heinz Riffel für seine "Verdienste um die Stadt Zons". In dem Stück geht es um die Auseinandersetzungen zwischen dem Domkapitel und Erzbischof Dietrich von Moers wegen des Rheinzolls. Im Stück spielten 170 Darsteller, hauptsächlich aus dem Spielkreis der Katholischen Arbeiterbewegung aus Köln, ergänzt durch Zonser Laiendarsteller und Statisten. Der Zuschauerraum wurde in das Stück mit einbezogen, indem Fürsten und Soldaten durch das Schlosstor und Bürger, Bauern und Handwerker aus einem in der östlichen Ecke geschaffenen Tor die Bühne betraten und das Kommen und Gehen also durch den Zuschauerraum verlief. Die Kostüme hatte man überwiegend geliehen. Premiere des Stücks war am Sonntag, dem 26. Mai 1935, und seitdem wurde das Stück bis zum 15. September sonntags alle 14 Tage aufgeführt. "Der Schmied von Zons" wurde in der Nachkriegszeit, und zwar in der Saison 1957, nochmals gezeigt.[3]

"Der Wächter von Zons" (1936)

Szene aus dem Stück "Der Wächter von Zons" (1936).
Szene aus dem Stück "Der Wächter von Zons" (1936).

Das Stück von Michel Becker, das er unter das Motto stellte: "Die Ehre gilt uns mehr als Leben!", behandelt die Belagerung von Zons durch die Hessen im Dreißigjährigen Krieg und die erfolgreiche Verteidigung der Stadt unter Oberst Goltstein. Bis zum 6. September wurde das Stück fast an jedem Sonntag des Sommers aufgeführt. Darsteller waren hauptsächlich Mitglieder des Spielkreises der Katholischen Arbeiterbewegung aus Köln, ergänzt durch Zonser Laienspieler.[4]

"Der Freiheitsbaum von Zons" (1937)

Das Stück von Michel Becker behandelt historisch deutlich freier als die beiden vorherigen Stücke, wie Lehrer Heinz Riffel in den Vorbemerkungen zum Skript schreibt, die Ereignisse in der Region in Folge der Französischen Revolution (Einmarsch der Franzosen 1794 bis zum Ende der französischen Zeit 1814/15), mit Schwerpunkt auf dem angeblich großen Widerstand der Bevölkerung gegen die französische Obrigkeit. Riffel betont in seinen Erläuterungen, ganz im Einklang mit der nationalsozialistischen Vorstellungswelt: "Es [das Stück] zeigt uns im Spiel die Idealgestalt der deutschen Mutter und die Familie als Keimzelle allen staatlichen Lebens. Wir spüren und erleben die Bedeutung der Erbmasse sowohl nach der guten, als auch nach der schlechten Seite hin, und erkennen, wie aus der Verwurzelung mit Blut und Boden der wahrhaft heldische Geist entspringen muß." Gleichermaßen äußert sich auch Michel Becker im Geleitwort: "Jedes Volk hat seine Gesetze, und die Treue zu ihnen verbürgt seinen Bestand von den Urvätern her. Ein heiliges Erbgut bleibt jedem zu verwalten, der sich zu diesem Volke zählt und aus den Kräften seines Blutes, seiner Erde und seines Geistes lebt." Der Spielkreis der Katholischen Arbeiterbewegung ist wahrscheinlich kurz nach der Saison 1936 zwangsaufgelöst worden. Bis 1936 waren Zonser Darsteller nicht in tragenden Rollen, sondern nur als Ergänzung bzw. Statisten aufgetreten. In der mit der Auflösung entstandenen Notlage kam es zur Gründung einer "Kraft durch Freude-Laienspielgruppe Zons", die bis 1939/40 die Aufführungen machte. Die Gesamtzahl der Schauspieler war dadurch seit der Saison 1937 offenbar deutlich geringer als noch 1935/36, was nicht nur die Fotos, sondern auch der seit 1937 auf den Werbeaufklebern fehlende Hinweis auf die Zahl der Mitwirkenden nahelegt. Angesichts des plötzlichen Darstellermangels musste man offenbar sehr improvisieren, und so ist es symptomatisch, dass Lehrer Riffel nun auch selbst als Darsteller mitwirkte (siehe Foto unten zum Stück "Der Fähndelschwenker von Zons").[5]

"Der Fähndelschwenker von Zons" (1938)

Bootsfahrt auf dem Rhein anlässlich der Vorbereitungen für das Stück "Der Fähndelschwenker von Zons" (1938).
Zonser Sonderstempel zu den Freilichtspielen.
Szene aus dem Stück "Der Fähndelschwenker von Zons" (1938).
Darsteller aus dem Stück "Der Fähndelschwenker von Zons" (1938).

Das von Georg Reimann ("Schorsch vom Rhein") geschriebene Stück behandelt die Zeit des Kurfürsten Clemens August (1723-1761) und speziell seine Teilnahme am Vogelschießen der Zonser St. Sebastianus-Schützenbruderschaft im Jahr 1739. Reimann stellte den "Fähndelschwenker" in den Mittelpunkt der Handlung, der mit der Geschichte des Schützenwesens verbunden ist. Uraufführung war am 29. Mai 1938, die weiteren Aufführungen fanden an den Sonntagen der Monate Juni und Juli statt. Für "Betriebe und Gesellschaften" bot man jedoch auch Sonderaufführungen an Samstagen an. Die künstlerische Leitung für die politische Organisation "Kraft durch Freude" hatte Gaureferent Walter Heppner, Spielleiter war, wie in den vorangegangenen Jahren, Raymund Kayser. Architekt Hans Hansen hat den Bühnenbau und die Kostüme entworfen. Choreografin war Anny Damm aus Köln.[6]

"Die Schweinefehde von Zons" (1939)

Szene aus dem Stück "Die Schweinefehde von Zons" (1939).
Szene aus dem Stück "Die Schweinefehde von Zons" (1939).

Das von Martin Schaefer aus Solingen geschriebene Stück spielt im Jahr 1577 und behandelt den Raub der Zonser Schweineherde durch Soldaten des Kölner Erzbischofs Salentin von Isenburg im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit dem Kölner Domkapitel, dem Zons verpfändet war. Das Stück wurde auch im Jahr 1940 und dann nochmals in der Nachkriegszeit, in der Saison 1953, aufgeführt.[7]

Die Freilichtbühne nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Weltkrieg war die Bühne in einem baulich sehr schlechten Zustand: Sie ist unmittelbar nach Kriegsende erheblich zerstört worden. 1947 kursierte das Gerücht, auf dem Freilichtbühnengelände solle ein "Behelfsheim" (für die Heimatvertriebenen) gebaut werden. Stadtdirektor Johann Scheer schreibt Heinz Riffel in diesem Zusammenhang am 16. Juni 1947:

"Ihre Befürchtung, daß auf dem Gelände der Freilichtbühne ein Behelfsheim etc. gebaut würde, ist unbegründet. Kein Mensch hat dieser Angelegenheit zugestimmt, noch dieselbe befürwortet. Das[s] eine Verschandelung dieses Geländes stattgefunden hat, ist erwiesen und werden wir dafür Sorge tragen, daß der Platz wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt wird. Im Übrigen wird die hiesige Verwaltung darauf achten, daß alles das, was in mühevoller Arbeit zusammengetragen wurde und soviel Kosten verursachte, zum mindesten erhalten bleibt. Ich hoffe, daß zu gegebener Zeit die Freilichtbühne ihrer Bestimmung wieder zugeführt werden kann, wenn auch im Moment die Aussichten nicht allzu hoffnungsvoll sein mögen."[8]

Im Antwortschreiben von Heinz Riffel vom 19. Juni 1947 geht dieser näher auf die Zerstörungen der Bühne ein:

"Bezüglich der Freilichtbühne ist leider nicht mehr viel zu erhalten, da man in sinnloser Zerstörungswut alles vernichtete, was Gemeinschaftsarbeit, Opfersinn und Hingabe an eine edle Sache mühevoll in fünfjähriger Arbeit aufgebaut hatten. Es blutet mir jedesmal das Herz, und ich schäme mich für Zons, wenn ich die Stätte der Verwüstung sehe. Es wäre nicht notwendig gewesen, dass es so weit kam, wenn man rechtzeitig dagegen eingeschritten wäre. Im Sommer 1945 waren die Aufbauten noch alle vorhanden, und mit ganz geringen Mitteln hätte man die Bühne wieder bespielbar machen können. Soviel mir bekannt ist, sind sogar diesbezügliche Vorschläge von Herrn Kaiser und Herrn Lingen an Sie herangetragen worden. Bei dem heutigen Zustand der Bühne ist es natürlich sehr viel schwerer, wenn nicht sogar unmöglich, irgendwelche Pläne ins Auge zu fassen. Trotzdem stelle ich mich Ihnen jederzeit gern zur Verfügung, wenn Sie irgendwie meinen Rat in dieser Angelegenheit benötigen."[9]

Die Stadtratsmitglieder Theodor Derendorf und Matthias Weiler sollen sich in den ersten Nachkriegsjahren besonders für den Wiederaufbau eingesetzt haben. Fünf Jahre später, im Jahr 1952, feierte die Bühne dank der finanziellen Unterstützung des Kreises und des Landes ihre Wiedereröffnung mit dem Stück "Die verlorene Liebesmüh" von Shakespeare (für Erwachsene), von einer Düsseldorfer Theatergruppe gespielt. In dem Jahr wurde auch das Stück "Bruder lustig" der Gebrüder Grimm (für Kinder) aufgeführt, doch es konnte in dem Jahr wegen der in der Gegend grassierenden Kinderlähmung nur einmal gespielt werden. Im folgenden Jahr, 1953, wurde mit "Der gestiefelte Kater" erstmals ein Märchenstück aufgeführt, neben dem Stück "Die Schweinefehde". Bereits im Mai /Juni des Jahres wurden im Erdgeschoss der neuen Volksschule an der Steinstraße die ca. 100 Kostüme für die Laienspielschar geschneidert.[10] "Die Schweinefehde" und der "Schmied von Zons" (1957) waren die einzigen Stücke aus der Vorkriegszeit, die man nach dem Krieg wieder aufführte. Mit der Aufnahme von Märchen in das Repertoire setzte 1953 eine neue Ära der Freilichtbühne ein. Die Märchenstücke verdrängten im Laufe der Jahre die lokalhistorischen Stücke vollständig, wie die Auflistung unten zeigt. In den Jahren 1954 (anlässlich des Stadtfestes) bzw. 1958 ("Zons, des Bischofs Lieblingsstadt", geschrieben von Dr. Josef Zanders aus Neuss), 1956 ("Feuer über Zons", von Gustav Molsberger aus Köln) und 1960 ("Zons, Burg des Friedens", geschrieben von Martin Schaefer aus Solingen) kamen auch nochmals neue Stücke zur Zonser Geschichte zur Aufführung. Mit der Saison 1960 wurde jedoch die Tradition lokalgeschichtlicher Stücke endgültig beendet.

Nach dem Ausscheiden von Raymund Kayser übernahm der Zonser Lehrer Peter Georg Jungnitz mit Frau Greta 1958 die Spielleitung. Im Jahr 1960 lag die Leitung für das Stück "Zons, Burg des Friedens" bei Kurt Malchers aus Köln, ab "Rumpelstilzchen" im selben Jahr bei Heinz Knops, der die Leitung 20 Jahre innehatte. 1981 folgte Hans-Georg Bögner als Leiter, bis 1998, 1999-2000 war Ralf Dümmling Spielleiter, 2001-2007 Rolf Koch, seit 2008 ist Jürgen Reinecke Spielleiter.[11]

Liste der 1935-2000 aufgeführten Stücke

  • 1935 Der Schmied von Zons
  • 1936 Der Wächter von Zons
  • 1937 Der Freiheitsbaum von Zons
  • 1938 Der Fähndelschwenker von Zons
  • 1939 Die Schweinefehde von Zons
  • 1940 Die Schweinefehde von Zons
  • 1952 Bruder Lustig
  • 1952 Die verlorene Liebesmüh
  • 1953 Der gestiefelte Kater
  • 1953 Die Schweinefehde von Zons
  • 1954 Das tapfere Schneiderlein
  • 1954 Die Metzelsupp
  • 1954 Zons, des Bischofs Lieblingsstadt
  • 1955 Der Baumeister von Zons
  • 1955 Schneewittchen
  • 1956 Feuer über Zons
  • 1956 Hänsel und Gretel
  • 1957 Der Froschkönig
  • 1957 Der Schmied von Zons
  • 1958 König Drosselbart
  • 1958 Zons, des Bischofs Lieblingsstadt
  • 1959 Dornröschen
  • 1960 Rumpelstilzchen
  • 1960 Zons, Burg des Friedens
  • 1961 Rumpelstizlchen
  • 1962 Die zertanzten Schuhe
  • 1963 Der Schweinehirt
  • 1964 Des Kaisers neue Kleider
  • 1965 Die drei Rätsel
  • 1966 Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
  • 1967 Der arme Peter
  • 1968 Das tapfere Schneiderlein
  • 1969 Das Salzmännlein
  • 1970 Rumpelstilzchen
  • 1971 Der Reisekamerad
  • 1972 Die zertanzten Schuhe
  • 1973 Der Schweinehirt
  • 1974 Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
  • 1975 Der arme Peter
  • 1976 Des Kaisers neue Kleider
  • 1977 Allerleirauh
  • 1978 Schwan kleb an
  • 1979 Das Salzmännlein
  • 1980 Dornröschen
  • 1981 Aschenputtel
  • 1982 Zwerg Nase
  • 1983 Der gestiefelte Kater
  • 1984 Schneewittchen
  • 1985 Das tapfere Schneiderlein
  • 1986 Schneeweißchen und Rosenrot
  • 1987 Rapunzel
  • 1988 König Drosselbart
  • 1989 Rumpelstilzchen
  • 1990 Der Froschkönig
  • 1991 Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
  • 1992 Des Kaisers neue Kleider
  • 1993 Der Schweinehirt
  • 1994 Dornröschen
  • 1995 Die Prinzessin auf der Erbse
  • 1996 Frau Holle
  • 1997 Der falsche Prinz
  • 1998 Die zertanzten Schuhe
  • 1999 Aschenputtel
  • 2000 Zwerg Nase

Belege

  1. Hans Sürtenich: "Bühne frei für die Geschichte der Stadt Zons", in: Heimatland, Beilage zur NGZ, Nr. 38/1994, S. 8-10; Artikel von Hans Sürtenich "Wo Männer mit Weitblick beherzte Pläne für die Entwicklung von Zons schmiedeten - Der Maler Theo Blum und das ehemalige 'Künstlerheim'", aus: RA vom 11. Oktober 2000.
  2. Artikel "Vorbereitungen zu den Zonser Freilichtspielen - Im Rheinischen Rothenburg, Ein Bühnenrichtfest mit historischem Hintergrund", aus: "Köln am Rhein" vom 23. Mai 1935; Artikel "Richtfest in Zons - Die Freilichtbühne an der alten Stadtmauer" vom 23. Mai 1935 (Zeitung unbekannt); Artikel von Michael Gorgs "Vor 60 Jahren begann der Bau der Freilichtbühne - Reichsfunk sendete 'live' vom Richtfest", in: NGZ vom 21. April 1994.
  3. Skript "Der Schmied von Zons" (erschienen 1934) von Michel Becker.
  4. Artikel "Zons, die älteste Zollfeste spielt ihre Geschichte", in: Heimatvolk und Heimatflur (Beilage zur NGZ) Nr. 25 vom 3. Juli 1936; Skript "Der Wächter von Zons" (erschienen 1935) von Michel Becker.
  5. Skript "Der Freiheitsbaum von Zons" (erschienen 1936) von Michel Becker.
  6. Skript "Der Fähndelschwenker von Zons" (erschienen 1937) von Georg Reimann.
  7. Skript "Die Schweinefehde von Zons" (erschienen wohl 1938) von Martin Schaefer.
  8. AiRKN, Augias 145.
  9. AiRKN, Augias 145.
  10. AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 154.
  11. Artikel "Heute Festzug: 40 Jahre Zonser Märchenspiele - Vom Gestiefelten Kater bis zum Schweinehirt", in: NGZ vom 21. August 1993.