Gereon Joseph Löhr

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Unterschrift von Gereon Joseph Löhr.

Wilhelm Joseph (Gereon) Löhr (* 2. September 1750 in Köln in der Pfarre St. Maria in Lyskirchen; † 20. März 1833 in Zons), ein Benediktiner aus der Abtei Brauweiler, war von 1795 bis zu seinem Tod 1833 in Zons als Geistlicher tätig: 1795-1801 als Vikar, 1801-1826 als Pfarrer und nach seiner Versetzung in den Ruhestand 1826 bis zu seinem Tod 1833 als zweiter Vikar. Er war der letzte Zonser Pfarrer, der aus der Abtei Brauweiler stammte. Sein Vorgänger als Pfarrer war Beda Cleven, sein Nachfolger Andreas Aegidius Mevissen.

Herkunft und Verwandtschaft

Wilhelm Joseph Löhr wurde am 2. September 1750 in Köln in der Pfarre St. Maria in Lyskirchen geboren. Über sein Elternhaus ist nichts Definitives bekannt. Aber die Annahme ist naheliegend, dass es sich bei den folgenden beiden in Zons verstorbenen Frauen um Schwestern des Wilhelm Joseph Löhr handelte:

  • Anna Gertrud Therese Löhr, † 7. Januar 1827 in Zons im Alter von 79 Jahren, Ehefrau von Anton Forst (* ca. 1742 in Köln; † 3. Januar 1831 in Zons, zuletzt ohne Gewerbe), geboren in Köln als Tochter von Christian Löhr und Elisabeth geborene Schwierens[1]
  • Maria Clara Löhr, † 8. November 1826 im Alter von 82 Jahren, ledig, Nonne bzw. Lehrerin in Zons/Köln, Tochter von Christian Löhr und Elisabeth geborene Schwierens[2]

Dies würde auch eine Verwandtschaft von Wilhelm Joseph Löhr mit der Zonser Küsterfamilie Schwieren nahelegen, die höchstwahrscheinlich auch ursprünglich aus Köln stammte. In dieser Hinsicht ist es bemerkenswert, dass Wilhelm Joseph Löhr und Johannes Hermann Schwieren am 21. Juni 1796 bei der Hochzeit des Ehepaars Zoll-Nachgänger Theodor Lenders und Katharina Tils in Zons gemeinsam als Trauzeugen auftraten.[3]

Geistliche Laufbahn und Wirken in Zons

Wilhelm Joseph Löhr trat am 10. September 1769 in das Benediktinerkloster Brauweiler ein. Hier nahm er den Ordensnamen Gereon an. Am 16. September 1770 legte er seine Profess ab, und am 11. März 1775 erfolgte die Priesterweihe. 1795 ist er als Rektor der Laurentiuskapelle (Gotteshaus für die Laien der Klostersiedlung nördlich der Abteikirche) belegt. Noch im selben Jahr wurde er auf die Vikarsstelle in Zons berufen, die durch den Tod des Wendelin Göbbels († 22. April 1795 in Zons) vakant geworden war.[4]

Nach dem Tod des Zonser Pfarrers Beda Cleven († 26. März 1801 in Zons) erfolgte auf Anordnung der französischen Behörden am 16. April 1801 erstmals die Wahl seines Nachfolgers durch die Zonser Bürgerschaft, die zugunsten von Wilhelm Joseph Löhr ausfiel. Da diese Wahl gegen altes Herkommen verstieß, gab es in der Bürgerschaft Bestrebungen, diese zu verhindern. Der Zonser Küster und Chronist Johannes Hermann Schwieren schreibt:

"Den 16. April [1801] ist der Herr Capellan Gereon Löhr plurima vota von den Bürger erwohlt worden, wegen der franslösischen Zeit hatt der Statt-Diener die Stimmen schriftlich eingeholt, des Tags zuvor hatt er auff allen Gassen dieß verkündigt, des Morgen 9 Uhr der Herr Pastor instellirt würde, so ist des Morgens nach der Donnersttagsmeß der Titz Johannes et Henrich Schneider in die Pastorath kommen zum Official und anderen anweßenden Herren und haben dargegen prodestirt. Bey der 2ter Meß hatt der Herr Aldenhoven mir befohlen, unter der Halbmeß die Bürger-Klock zu ziehen, nach der Meß hatt der Herr Aldenhoven als Marie den Bürger noch vorgestelt ein freye Wahl oder bleibet ihr noch bey dem, waß ihr geschrieben hatt, da riefe alle: 'Ja, wir wollen den Herrn Cappellein zum Herrn Pastor haben!' 'Nun, so gebe ich dem Herrn Official die Einführung nach Gebrauch, wie es pflegt zu geschehen', die Bürger geruffen: 'Ja.' Die Gegen-Partie waren aber abwesend, sie sahen, das 10 oder 12 doch nichts könten ausrichten. Bey diesen haben die Bürger verzehrt bey Henrich Bös 5 Reichstahler, 40 Stüber Weißbrott, 70 Stüber, Heideman 6 Reichstahler, 40 Stüber Weißbrott, 100 Stüber, beym Meyer 5 Reichstahler, 34 Stüber, beym Geuer 2 ½ Ahm Bier, 15 Reichstahler, Simons 2 Ahmen, 12 Reichstahler, Stürtzelberger im Schwanen, ein beym Schnee, ein Ahm facit 12 Reichstahler, die Muttergottes-Methger 2 Cron, die Anna ein Cron, die Jungesellen 6 Reichstahler, dem Chor ein Cron und dem Offerman 2 eysene Bänth, wo vor er aber dem Herrn Pastor zahlt hatt 20 Stüber, bey dem Bier auch Pfeifen und Taback, hier in Zons 2 Reichstahler, 11 Stüber, Stürtzelberg weiß aber nit wie viel, facit 69 Reichstahler, 43 Stüber. Nota bene: Den 1. Julii hab ich ein Brabändische Cron bekommen, facit 76 Reichstahler, 34 [Stüber], ohne die letzte Cron."[5]

Nach seiner Wahl erfolgte die Vorstellung durch den Offizial und die Einführungszeremonie:

"16. [April 1801] ist der Herr Capellan Gereon Löhr vom Herrn Official dem Volck vorgestelt worden als Pastor, hatt er die Kirchthur auffgethan, mit der großen [p. 402] Klocken geklept, in die Tauff, in den Beichtstuhl, an den hohen Altar, das Tabernacul umgewenden und auff den Predigstuhl, wider an den hohen Altar und das 'Te Deum' angefangen worden von Herrn Official, der Herr Capella[n] ein Rocklein angezohgen und das Venerabel ausgesetzt und die Collect gesungen, und auch die Benediction gesungen. So war alles geendiget. [...] Nota: 17. zu Bürgel, so hat der Herr Lector Joseph Meurer aus Commission des Herrn Official i[h]m Possession gegeben. Ich bin mit gewesen."[6]

Nach der Wahl fechteten die Zonser Familien Titz und Kiepels das Ergebnis aufgrund formeller Einwände erfolgreich an. Daher kam es am 18. Juli[7] zu einer Neuwahl, bei der Löhr nochmals bestätigt wurde. Schwieren schreibt hierzu:

"Nota bene: Weilen aber die Schneiders-Familie Titz et Kiepels nicht zu Frieden waren und nach Achen zu dem Praefect sich gewendet, als wäre diese Wahl nit recht gehalten worden, so ist ein Befehl kommen, ein neue Wahl anzustellen, und der Jacob Sturm von Dormagen als Beysitzer, das die Stimmen abgehört worden, Mathias Aldenhoven als Merie, Matthias Schmitz Secreter, alle Stimmen waren Gereon Löhr, Pastor, Adolphus Kolgen, Capellan, aber die andere sind aus der Kirchen gegangen, haben ihre Stimm nit abgegeben, weilen sie kein Zufahl hatten, der Jacob Sturm sagt aber, das ist schlecht, sie hätten nur angestiefft und kämen nit zum Vorschein. Man vor Man legte sein Stimm ab in der Sacristey. Die Bürger haben noch diesen Morgen 22 Reichstahler, etliche Stüber an Brandewein et Weißbrott [konsumiert]."[8]

Am 16. Mai 1804 legte Löhr, wie die übrigen Pfarrer des Kantons, vor dem Hauptpfarrer in Dormagen den Eid ab. Am Tag darauf nahm er wieder in der üblichen Form (wie am 16. April 1801) Besitz von der Pfarre Zons.[9]

Wilhelm Joseph Löhr war nach anfänglichen Zweifeln 1822 einer der Hauptakteure, die den Glauben an die Zonser "Wundermadonna" unterstützten, wobei er auch gegen Weisungen des Generalvikars bzw. des vorgesetzten Kantonspfarrers in Dormagen verstieß. Daher drängten der Landrat und die Regierung Düsseldorf auf seine "Entfernung". Bürgermeister Anton Baaden schreibt in diesem Zusammenhang, Löhr sei "ein alter frommer, aber durchaus unwissender Mann, der, obzwar andere geistlichen sich bemüht, ihn von dem Irthum zu überzeugen, er dennoch sich bereden und ihnen Glauben beygemessen habe." Aufgrund einer Eingabe von Landrat und Regierung angesichts der fortdauernden Unruhen im Ort im Zusammenhang mit dem Wunderglauben beschloss der Erzbischof am 10. Januar 1826, Löhr vorzeitig in den Ruhestand zu versetzen: Er erachtete, so schreibt er, "die Entfernung des alten nicht gutwilligen Pfarrers Loehr für notwendig, damit der unter und gewissermaßen durch ihn anstatt der wundervollen Verehrung der Heiligen als Fürbitter bey Gott eingerissenen in das Religionswidrige übergegangene Bilderdienst aufhören und nicht vollends in lärmenden Unfug ausbrechen [werde]." Für eine Versetzung auf eine andere Pfarrstelle sei er jedoch zu alt und schwach. Er befürworte daher eine Versetzung in den Ruhestand. Als früherer Ordensgeistlicher stehe ihm eine Pension zu. Und "in der Überzeugung, daß er aus Geistes-Einfalt eher als aus übler Absicht so ungebehrdig und irrthumvoll handelt", bat er die Regierung um eine Pensionsunterstützung. Nach der schriftlichen Einverständniserklärung zur Pensionsunterstützung (30. Januar) – der Landrat hatte zuvor im Auftrag der Regierung die Vermögensverhältnisse des Pfarrers festgestellt – konnten die notwendigen Formalia in die Wege geleitet werden. Am 4. März 1826 berichtet der Erzbischof der Regierung von der Pensionierung des Pfarrers und der Einsetzung seines Nachfolgers, Andreas Aegidius Mevissen, zum 1. März.[10] Löhr erhielt die Stelle des zweiten Zonser Vikars, und so blieb er in dieser Funktion noch weiter als Hilfsgeistlicher tätig.

Löhr, der das Pfarrhaus verlassen und eine andere Wohnung beziehen musste, ließ am 15. März 1826 einen großen Teil seines Mobiliars notariell versteigern bzw. verkaufen. Der Erlös belief sich auf 144 Taler und 24 Silbergroschen.[11] Bereits am 20. Oktober bzw. 3. November 1824 hatte er sein Testament notariell beurkunden lassen.[12] Er starb am 20. März 1833 in Zons und wurde dort am 23. März beigesetzt.

Belege

  1. Lisken-FBZ, S. 878, S. 871.
  2. Lisken-FBZ, S. 878; Herbert M. Schleicher, 80.000 Totenzettel aus Rheinischen Sammlungen (= Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V., Sitz Köln, Neue Folge, Nr. 37), Bd. 3, Köln 1988, S. 288.
  3. Lisken-FBZ, S. 410.
  4. Peter Schreiner, Die Geschichte der Abtei Brauweiler bei Köln 1024-1802, Pulheim 2001, S. 439-440.
  5. Schwieren-Chr., <1084>.
  6. Schwieren-Chr., <A20>.
  7. Schwieren-Chr., <A20>.
  8. Schwieren-Chr., <1085>.
  9. Schwieren-Chr., <1093>-<1094>.
  10. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf 4356, unpagin.
  11. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Notare, Rep. 428, Nr. 5059.
  12. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Notare, Rep. 428, Nr. 4431 und 4432.