Johann Peter Delhoven

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Johann Peter Delhoven.

Johann Peter Delhoven (* 5. Februar 1766 in Dormagen; † 1. Januar 1824 in Dormagen) war ein Dormagener Landwirt, Kaufmann, Küster und Gutsbesitzer. Aufgrund seines ausgeprägten historischen Interesses hat er archäologische Funde der Gegend gesammelt und ein sehr umfangreiches Tagebuch über lokale und regionale Ereignisse und Entwicklungen 1783-1823 hinterlassen, das auch von herausragender Bedeutung für die Erforschung der Zonser Geschichte ist.

Herkunft und Schulbesuch

Johann Peter Delhoven kam am 5. Februar 1766 in Dormagen als Sohn der wohlhabenden Eheleute Landwirt, Küster und Organist Hermann Delhoven (~ 5. Dezember 1725 in Dormagen; † 27. Juni 1802 in Dormagen) und Anna Elisabeth geborene Sturm (~ 23. April 1726 in Dormagen; † 11. September 1769 in Dormagen) zur Welt.[1] Das elterliche Haus war das Haus "Im Lämmchen". Johann Peter hatte neun Geschwister:

  • Maria Margarethe (~ 4. März 1752 in Dormagen)
  • Anna Margarethe (~ 1. März 1753 in Dormagen; † 3. Januar 1814 in Dormagen), Rentnerin, die ledig blieb
  • Anna Helene (~ 29. September 1754 in Dormagen; † 1800 in Dormagen), die ledig blieb
  • Thomas (~ 1. März 1756 in Dormagen; † 25. April 1816 in Dormagen), der ab 1796 Gemeindevorsteher und ab 1803 Bürgermeister von Dormagen sowie ab 1802 Küster war; er war verheiratet mit Anna Sophia Coenen, und Nachkommen des Paares wohnten in Zons
  • Jakob (~ 20. April 1759 in Dormagen; † 11. September 1823 in Dormagen), Privatier, der ledig blieb
  • Maria Margarethe (~ 28. Januar 1761 in Dormagen)
  • Cäcilia (~ 26. September 1762 in Dormagen)
  • Johannes (~ 29. März 1764 in Dormagen)
  • Johann Heinrich (~ 21. September 1767 in Dormagen)

Johann Peter Delhoven hat ganz sicher eine höhere Schulbildung genossen. Wo er die Schule besucht hat, ist nicht bekannt.

Familie

Johann Peter Delhoven heiratete am 26. Mai 1803 in Dormagen Anna Catharina Hendrichs (~ 9. Oktober 1778 in Nievenheim; † 28. Juli 1816 in Dormagen). Mit ihr hatte er drei Kinder, von denen zwei das Erwachsenenalter erreichten:

  • Margarethe Jakobine (* 18. September 1808 in Dormagen; † 30. November 1885 in Dormagen), die mit dem Landwirt Adolf Sturm verheiratet war

Erwerbstätigkeit

Über mehrere Generationen, fast 200 Jahre lang, hat die Familie Delhoven das Küster- und Organistenamt an der Pfarrkirche St. Michael in Dormagen versehen. Bereits noch zu Lebzeiten des Vaters Hermann Delhoven versah auch Johann Peter Delhoven stellvertretend den Küster- und Organistendienst. Nach dem Tod des Vaters im Juni 1802 bot man ihm daher die Küsterstelle an. Er verzichtete jedoch darauf zugunsten seines Bruders Thomas, da er im Gegensatz zu diesem keine Familie zu versorgen und als Kaufmann (Handel mit Getreide) bereits ein hinreichendes Einkommen hatte. In Quellen des beginnenden 19. Jahrhunderts wird Johann Peter Delhoven auch als Landwirt bzw. später Rentner (Privatier) geführt. Nach dem Tod der Frau (1816) hat er den Kaufhandel aufgegeben und sich fast gänzlich seinen historisch-archäologischen Interessen gewidmet, die sich auf den Sohn Johann Jakob übertrugen.[2] Auch Thomas Delhoven, der Bruder Johann Peters, sammelte archäologische Funde, und seine Sammlung ist höchstwahrscheinlich nach dessen Tod (1816) in die Johann Peter Delhovens übergegangen.

Johann Peter Delhoven wohnte Zeit seines Lebens im elterlichen Haus "Im Lämmchen" (zuletzt Kölner Str. 31; Anfang der 1990er Jahre abgerissen). 1807 ersteigerte er den "Sasserhof" nahe Hackenbroich nebst zugehörigen 250 Morgen (ca. 80 ha) Ackerland, Tannenbusch und Fischerei. Er wohnte jedoch weiter im elterlichen Haus in Dormagen und überließ die Bewirtschaftung als Gutsherr einem Pächter.[3]

Titelseite der Edition 1926.

Überlieferungsgeschichte des Tagebuchs und Editionen 1926 und 1967

Das Tagebuch, das für die ersten Monate des Jahres 1824 und dann wieder für den Zeitraum 1845-1875 vom Sohn Johann Jakob Delhoven fortgesetzt wurde, gelangte nach dessen Tod (1884) in das Eigentum der Nichte Johann Jakob Delhovens, Gertrud Sturm, die die Aufzeichnungen beim Dormagener Notar Bremer hinterlegte. Nach ihrem Tod (2. Februar 1916) gingen diese in das Eigentum der Gemeinde Dormagen über. Der Rechtsnachfolger der Gemeinde, die heutige Stadt Dormagen, verwahrte sie im städtischen Archiv, das heute Teil des Archivs im Rhein-Kreis-Neuss ist.

1906 machte eine Urenkelin Johann Peter Delhovens, Agnes Kuehner, den jungen Historiker Reiner Müller erstmals auf die Aufzeichnungen Johann Peter Delhovens aufmerksam. Einige Jahre später, 1919, konnte er diese dank der Vermittlung des Rentmeisters Wilhelm Heinen für einige Monate ausleihen, um eine maschinenschriftliche Abschrift (312 Seiten zu etwa 65 Zeilen) zu machen. Diese Abschrift ist heute verschollen. 1921 konnte Reiner Müller den Experten Hermann Cardauns für eine gemeinsame Herausgabe gewinnen, die sich jedoch durch die Inflation noch verzögerte. 1926 erschienen so große Auszüge des Tagebuchs als Edition unter dem Titel "Die rheinische Dorfchronik des Joan Peter Delhoven aus Dormagen (1783-1823)" im Verlag der "Gesellschaft für Buchdruckerei" in Neuss. 1967 ließ die Gemeinde Dormagen eine Neuauflage des längst vergriffenen Buches drucken, wobei der Haupttext der Erstauflage unverändert übernommen wurde.[4]

Transkription

Transkriptionshinweise

Das Tagebuch des Johann Peter Delhoven liegt heute im Archiv im Rhein-Kreis Neuss unter der Signatur S068/1. Es folgt die vollständige Transkription des Textes (erheblich umfangreicher als die bekannte Edition von Cardauns/Müller), wobei folgende Transkriptionsgrundsätze gelten:

  • Die Groß- und Kleinschreibung wird dem heutigen Gebrauch angepasst.
  • Die Interpunktion wird zum besseren Verständnis angepasst.
  • Kürzel, auch Namenskürzel (sofern bekannt), werden entsprechend der Schreibweise der Zeit ohne besondere Kennzeichnung aufgelöst (insbesondere Währungs- und Gewichtsangaben).
  • Der Buchstabenbestand bleibt wie im Originaltext bestehen.
  • In einem Wort niedergeschriebene Worte werden entsprechend der Vorlage wiedergegeben, auch wenn die Zusammenschreibung befremdlich wirkt (z.B. "Wallhoverhalfen")
  • Die von anderer Hand nachträglich vorgenommene Paginierung wird in eckigen Klammern wiedergegeben.
  • Absätze werden wiedergegeben. Unterteilungen innerhalb eines Absatzes werden durch "–" wiedergegeben. Solche Textunterteilungen hat Delhoven entweder durch längere Striche oder den Beginn einer neuen Zeile markiert.
  • Die Absätze beginnen im Autografen für gewöhnlich mit der herausgestellten Datierung als Beginn der ersten Zeile, die folgenden Zeilen des Absatzes sind eingerückt. Um diese Struktur wiederzugeben, wird hinter der Datierung grundsätzlich ein "–" gesetzt, es sei denn, die Datierung ist eindeutig Bestandteil des folgenden Satzes.
  • Abgeschriebene oder eingebundene Fremdtexte werden eingerückt wiedergegeben.
  • Durchgestrichene Textpassagen werden in Anmerkungen wiedergegeben, wenn sie von inhaltlichem Interesse sind (also keine bloßen Schreibfehler).
  • Auf Unterstreichungen Delhovens im Text (nicht solche jüngeren Datums von dritter Hand) wird im Anmerkungsapparat hingewiesen.

Die Transkription hat das Ziel, den Tagebuchtext erstmals vollständig frei zugänglich zu machen. Die Absicht ist somit keine wissenschaftliche Edition. Dementsprechend werden Personen, Ereignisse, Orte und unklare Begriffe in dieser ersten Textvorlage nicht in Anmerkungen erläutert oder kommentiert. Eine solche Bearbeitung ist jedoch an dieser Stelle möglich und wünschenswert.


1783-1790

Vorbemerkungen (Januar 1800), 1783

[1]

Kronick meines Geburthsorthes Dormagen
Der gänzliche Abgang an Beweisen der Neuzeit und die Neigung, mit der ich mich immer der Vergangenheit erinnerte, veranlaßten mich, eine Art von Tagebuch niederzuschreiben, das zwar sehr unvollkommen und oft gar zu weitschweifend seyn mag, das aber doch für die Zukunft sehr interessant werden wird, da auch noch izt sich keiner damit befaßt, etwas von unserer Geschichte niederzuschreiben und dieselbe vor Vergessenheit zu schützen.
Da man oft von Kriegen, vom Hessischen, vom 7jährigen, vom Krieg, als die ungarische Husaren hier auf Execution waren etz. sprechen hört, ohne daß die alten Leuthe wissen, woher dieser Krieg entstand, so fande ich es für höchst nothwendig, die vorfallenden Kriege in Europa und deren Fortgang mitaufzuzeichnen, weil sie vielleicht durch ihre Ausdehnung auf uns mit Bezug haben können.
Nebstdem werde ich mich bemühn, alle alte Geschichten, die sich durch mündliche Traditionen bis auf uns erhalten, so wie alle Briefe, welche zur Alterthumskunde etwa beytragen können, zu sammeln und daraus ein Fragment formiren, das aber auch hin und wieder voller Lücken seyn wird, dennoch in Ermangelung aller andern Nachrichten auch für jetzige Zeit so wie für die Nachwelt interessant seyn muß. Schon in meiner frühern Jugend finge ich an, merkwürdige Begebenheiten aufzuzeichnen, die verlohren gegangen sind, nachher ward ich durch die verschiedenen Zweifel, die sich wegen der Zeitrechnung ereigneten, bewogen, diese Blätter zu schreiben, deren Unvollkommenheit sich aber leicht entschuldigen lässete, da ich damit in der Blüthe meiner Jugend, wo ich noch keine volle 18 Jahr zählte, begann. Tausend Gegenstände, die Herz und Geist fesseln, die unschuldigen süßesten Freuden,

[2]

die Sympathie und Zartgefühl geben, erlaubten es dem überglücklichen Jüngling nicht, ein Geschäft zu vollenden, das nur für einen gesezten Mann bestimmt ist. Nachher häuften sich die häusliche Geschäften so sehr, daß ich auch die Mühe nicht drauf verwenden konnte, die zur Organisirung der Gedanken und des Styls erforderlich war.
Zur Gutenlezt bitte ich denjenigen, der nach mir kömt und in dessen Hände diese Blätter gerathen, doch wenigstens die Merkwürdigkeiten nachzutragen und, so viel wie möglich ist, dieses Werk fortzusetzen.
Geschrieben im Jänner 1800 von
Joan Peter Delhoven[5][6]

[3]

[Gedruckte Verordnung von Kurfürst Karl Theodor: "Erneuertes Verboth wider die übernachtenden Prozeßionen" (4. Juni 1782)]

[4]

Kronick für die Nachwelt
1783
Monath November
Den 15ten November – Bisher hatten wir noch wenig Frost. Dazu ist auch noch jezt kein Anschein vorhanden. – Die Passage hier durchs Dorf ist durch anhaltende nasse Witterung allen Unbequemlichkeiten ausgesetzt, seit ungefähr 10 Jahren ware kein Grind gefahren worden, die Gemeinde erhielt deshalben von Düsseldorf den gemessenen Befelch, die Passage durchs Dorf in chossemässigen Stand zu setzen, ein jeder, so Pferde hat, muß dienen. Rheinfeld und Walhoven weigerten sich anfänglich, allein, der Ortsvorstand oder vielmehr die Scheffen wusten sie wohl hinzu zu vermögen. Der Sand wird unter der Piwitte im Kulck geholt.
18ten – Es wechselt noch immer Regen, Sturmwind und schönes Wetter. Der Rhein ist sehr klein, die holländische Schife müssen an der Piwitte überschlagen. – Das Malder Korn gilt 3 Reichstahler 7 Schilling.
19ten – Auf die Supplication der hiesigen Gemeinde ist der Befelch erfolgt, daß das ganze Amt hier im Dorf dienen mus, deswegen waren heut schon verschiedene Karren von Pulheim, Gless etz. mit am fahren.
Der Rhein beginnt zu wachsen, mithin steht zu besorgen, daß nit lange mehr der grobe Sand im Kulk zu haben ist. Dem vorzubeugen, so wird jetz nur der Sand aus dem Kulk diesseits der Piwitte auf den Berg gefahren, einige Ortschaften auf dem Amt haben ihre Dienste dahier accordirt.
27ten bis am 30ten anhaltender Frost. – Das Malder Korn wird um 13 Gülden verkauft.
December
Vom 1ten bis 9ten abwechselnde nasse Witterung.
10ten stelte sich Frost ein, am 13ten gehn schon die schweresten Wagen drüber.
17ten – Das erste Eiß im Rhein.
25. – Es ist bitter kalt diese Tage, es fienge diesen Abend ein wenig an zu schneen. Das Korn gilt 17 Gülden.
26. – Man glaubt, in einigen Tagen über den Rhein zu gehen, allein, der heutige Regen hat dieses vereitelt. Am 27ten Dauwetter.
28ten. – Es fror diese Nacht wieder sehr stark, auch kommt schon das Eiß vom Oberrhein.
30ten. – Dergleichen Kälte wie heut weis sich kein Mensch zu erinnern.
31ten. – Es ist nicht so kalt als gestern, und doch wollen in den wärmsten Stuben die befrorenen Fensterscheiben nicht aufdauen. – Das Dienen im Dorf ist eingestellt. – Zu Köln stand am 27ten December der Wärmemesser 1 ¼ Grad unter dem Gefrierpunkte. Am 29ten 3 Grad, abends aber 10 Grad. Am 30ten 15 ⅘ Grad, am 31ten 15 Grad.

1784

[5]

1784
Januar
am
1ten - Die Kälte ist aller Orten merkwürdig an den zwey letzten December-Tagen gewesen, diese Nacht hatten wir Schnee und später Regen. – Im abgewichenen Herbst ward zu Worringen ein reisender Herr namens Jean Piere Brion in Verhaft genohmen und bis heran auf dem Thurm der Unterpforte bewacht, er war die zeither verschiedenmal im Verhör und fand heute Früh Gelegenheit, zu entwischen. Er gab vor, einen Abtritt zu thuen, und verriegelte die Thüre von aussen. Die Worringer setzten seiner Spuhr im Schnee nach, trafen ihn aber wirklich zu Knechstein in Freyheit, die den Klöstern eigen ist. Sehe weiter am 15. Januar.
2ten – Dauwetter – am 3ten wieder Frost, am 5ten ebenso.
5ten – Es friert stärker, und man vernimmt, daß sich zu Grimmlinghausen das oberrheinische Eiß festgesetzt hat.
6ten – Der Rhein schwillt so stark an, daß schon diesen Mittag das ganze Feld bis in den Bixem überschwemmt ist, es liegt schon vieles Rhein-Eiß in den Kuhbenden. Der Rhein bliebe am Treiben bis halb 4 nachmittags, als das Eiß sich am Platthals festsetzte. Zu Monheim hörte man Klocken schlagen.
7ten – Es hat diese Nacht so stark gefroren, daß man von hier bis an die Zonser Mauren schlitten kann. Theodor Bremer ist heut an der Piwitte hinüber gegangen.
8ten – Frost. Heute ist der Postwagen zu Grimmlinghausen schon hinüber gefahren. Die Eißdecke unten durchs Feld ist so glatt zugefroren, das lockt Jung und Alt mit Eißstühlen zur Schlittenfahrt, die Schreiner arbeiten fast Tag und Nacht an neuen Schlittstühlen. Auch hatten Einige sich eine Schlitte machen lassen, worauf 5 à 6 Personen von einem Pferde gezogen werden. Das will aber doch auf dem allzu glatten Eise nicht gut von statten gehen. Das Wasser ist unter dem Eiß binnen des Dammes stark weggefallen, und die Eißdecke liegt auf dem Boden.
10ten – Der Fluß ist wieder angeschwollen, das Wasser läuft längs dem Deich schon über das Eiß bis an den Pflug.
11ten, sontags – Das gestern Abend ausgetretene Wasser trägt heute schon wieder über. Deswegen zählte man heute über 80 Schlittstühle auf der Schlittenbahn. Der Pastor konnte nicht kristliche Lehr halten, er hätte dann auf das Eiß gehen müssen, denn es war außer einigen alten Leuten kein Zuhörer da. Zu Monheim ist heut ein Kind von 12 Jahren unter dem Eise ertrunken.
13. – Es ist noch kalt. – Die Monheimer hatten einen Weg an der Piwitte über den Rhein gehauen, doch so, daß man jenseits über eine offene Lücke mit dem Nachen fahren mußte, die Worringer machten aber einen Weg daneben, der ohne einiges Hinderniß hinüber führt.

[6]

Januar
Am 13ten – Im Jahr 1781, im Julio[7], hatten wir ein erschröckliches Donnerwetter mit Hagel, der die ganze Winter- und Sommerfrüchten totaliter darnieder schluge. Der Sturmwind war so heftig, daß die Windmühle, so unten Ends den Kuhbenden auf dem Berge stand, um- und in die Benden stürzte. Zwey Jungen, der Sohn Peter des Heinrich Kollerbroich und Winand, Sohn des Joan Jussenhoven, befanden sich auf der Mühle, sind zwar verwundet, aber nicht tod geblieben.
Anno 1782 in der Fasten ist die neue Thurn-Windmühle, so jetz an Schwanen Heiligen-Häuschen steht, vergantet worden. Peter Pannes von Junkersdorf hat sie gegen 4400 Reichstahler an sich gehalten, hernach aber durch eine Supplicke noch einigen Zusatz erhielt, für die steinerne Bahn am Krühwerk und die Ausdehnung der Damm-Mauer an beiden Pforten.
Im Jahr 1783 anfangs Junii ware die Mühle fertig und von Kurfürstlichen Baumeistern gutgeheissen. – Jacob Cremerius als Müller beschwerte sich bey der Hofkammer, daß die Mühle nicht im Stand wäre für hiesige Gemeinde hinlänglich zu mahlen.Deswegen ward heute ein Commission, so aus dem Herrn Voigten von Monheim und einigen Baumeisteren bestand, gehalten.
14ten – Kalt. – Diesen Morgen um neun Uhr wurden die Meistbeerbten in das Posthaus berufen, um vor den Commissarien zu bekennen, ob ihnen seit der Existens der neuen Mühle gut geholfen worden.
15ten – Es isselte diesen Morgen, und um neun Uhr fieng’s an zu regnen. – Der J. P. Brion ist von Gerichts wegen edictaliter abgeladen, er ist wegen eines zu Francfort begangenen Diebstahls in Verdacht, verfolgt, zu Worringen angehalten, gefangen, aus dem Kerker entwischt, und soll sich nun rechtfertigen oder seine hinter dem Gericht liegende Effeckten confiscirt werden. – Am 16ten Nebel und Regen.
17. – Frost.
18ten – Das Wasser, so auf dem Eisse binnen des Dammes zusammen gelaufen, trägt heute wieder über, so stark war der nächtliche Frost. Mithin war diesen Nachmittag die ganze Schlittengesellschaft wieder complet. das währet dann bis in die Nacht hinein. Von der Piwitte ist das Vieh schon hiehin geflüchtet, auch einiges von Rheinfeld, Walhoven hat die Schaafe nach Nivenheim in Sicherheit gebracht, die Leute werden bang, weil der Rhein sich mit so hohem Wasser festsetzt, oder vielmehr das Eiß unten und drüber in ungemeiner Dicke zusammengeschoben, mithin muß höheres Waßer kommen, ehe die Eisdecke flott werden kann. – – Zu Köln hat der Rhein sich erst am 10ten gesetzt.
19. – Das Wasser wächst wieder und läuft schon über das Eiß bis an die Kölnische Straaß. Es friert und schneet dabey.
21. – Frost – Das Wasser fällt wieder. – Von Gohdorf oben Bonn wird berichtet, daß das Rheinwasser dorten schon 4 Fuß höher gestanden als im Jahre 1740. – im Bergischen hat das Wasser sich 4 Stund beiseits ausgedehnet.

[7]

Januar
22ten – Es friert noch als fort, dabey hatten wir heute Schnee. Mann ist besorgt, der Damm wird dem bevorstehenden Eisdrange nicht wiederstehen können, die Perschen liegen voll Rheineis, und die Erde ist so felsenhart gefroren, daß auch das aufdauende Wasser nicht verschlingen kann. – Der Damm wird erhöhet, wo Wege hinüber gehen, weil er sich an diesen Orten merklich ausgefahren hatte.
25ten – Frost und dunkle Luft. – Gegen Zons liegt ein Knie von einer Holzflootze im Eiß. Diese Hölzer werden jetz mit 50 Mann Flötzer und übrigens von Zonser und Dormager aus dem Eisse gehauen und dann auf den Berg gezogen. Ein Mann verdient 20 Kreutzer.
26ten – Die Passage geht am Stürzelberge sehr stark über den Rhein. Die Dormager, welche viel Holz in den Mickeler Dörnen gekauft haben, fahren dasselbige nun über das Eiß hiehin. Von jedem Wagen wird 5 Stüber bezahlt. Zu Köln darf auf Befehle der Magistrat nichts genohmen werden.
31ten – Die beiden letzten Tage dieses Monaths war es wieder ungemein kalt. Vielen Leuten sind die Füsse erfroren. Am Abend Schnee.
Februar
Den 1ten – Sontags, herzlich kalt. – Es sind 2 Edickten von der Kanzel, oder, weil wir selten Predig haben, am Altar abgelesen worden. Der Inhalt des Ersten befiehlt, daß, wenn Streitigkeiten in einer Gemeinheit vorfallen, von keiner Privat-Person eine Klage angenohmen werden solle, sonderen die ganze Gemeinheit soll zum Protocoll vorgeladen werden. – Das andere ist eine Erneuerung des Verboths, mit Stroh zu decken. Wenn ein nach dem Befehl mit Stroh gedecktes Hauß abbrennt, so hat der Eigenthümer keinen Nachlas zu gewarten.
3. – Die beiden Tage hat es ein Fuß tief geschneet, und am 4ten wieder stark gefroren. – Das Wasser ist 9 Fuß gefallen, und das Eiß nachgesunken. Nachmittags Schnee aus Westen.
6ten – Schnee und Frost. Gestern Abend gienge Joan Meurer, ein betrunckener Schneider, von hier zu seiner Heimath Delven. Er legte sich am Delver Sandberg schlafen und ist nicht mehr erwacht, folglich erfroren.
9ten – Es wüthet ein entsetzlicher Sturm, mit häufigem Schnee begleitet. Auf dem Felde liegt allenthalben bey 2 Fuß Schnee.
11ten – Frost und Schnee. Am 12ten haben 30 Mann dienstweise den Schnee von der Landstrasse schaffen müssen. 3 ledige Karren musten den Weg auf Neus und Köln auffahren.
13ten – Ein bitterlich kalter Tag. Verschiedene Vögel findet man todt.
15ten – Heut, sontags, haben wir 13stündiges Gebeth gehalten, um die bevorstehende Wassernoth von uns abzuwenden.
16ten – Schnee und Frost.

[8]

Februar
21. – Diese Tage war der Frost noch erträglich, zuweilen gabs ein wenig Schnee.
22ten – Diese Nacht hatte es noch ein wenig gefroren, späther in den Morgen fienge es an aufzudauen. Zu Kölln, wo am 3ten Januar die Eißdecke 17 Fuß im Durchmesser hielt, befand sie sich am 20ten Februar nur 4 ½ Fuß dick.
23.-24. – Frühlingswetter. Die Sonne schmeltzt den Schne häufig weg.
25ten – Oben im Feld steht in den Gründen allenthalben 2 Fuß Wasser. Zu Horm ware des Gerhard Wolff seine Scheuer ein Fuß mit Wasser gefüllt.
26. – Der Rhein fängt schon an aufzuschwellen, es regnete heut ohne Aufhören. Der Rheinfelder Halfen hat seine Schaafe hier im Schwanen aufgestellt, Walhoven die Pferde bey Steinberger, das Horn-Vieh wollen beide dort behalten, und selbst mit diesem sich der bevorstehenden Fluth ergeben. Verschiedene Leuthe haben sie gewarnt, alles, was lebt, von den Höfen in Sicherheit zu bringen, allein das ist vergebens.
27ten – Diesen Morgen ist das Wasser höher als es noch dieses Jahre war. Das ganze Rheinfeld ist überschwemmt, Walhoven, Rheinfeld und die Piwitt sind voneinander abgeschnitten, doch steht das Eiß im Strome noch mauerfest. Das Wasser wächst alle 2 Stunden ein Fuß. Diesen Mittag war ein Postilion von Köln gefahren. Als er am Nippes war, brach am Rieler Hauß der Damm, das Wasser kame 3 Fuß hoch fortgewallen, so geschwind, daß kaum der Postilion aus der Tiefe kommen konnte. Um 4 Uhr war der Langeler Damm schon gebrochen. Das Wasser kame, wo man es am wenigsten vermuthete, neben Worringen auf Westen zu, hinab. Am Abend liefe es schon über den Worringer Damm. Hackenbroich war unter Wasser, und dicke Eisschollen waren aus dem Rhein dahin geschwemmt. Um 6 Uhr zu Abend liefe auch das Wasser schon allenthalben über unseren Damm. Walhoven hatte einen Nachen, den mein Bruder Thomas Delhoven dahingebracht hatte. Peter Düpper von Horm, Everhard Lang und noch verschiedene waren mit dahin gefahren, konnten aber auch wegen dem Sturm und eintretender Nacht nicht fortkommen.
Das Wasser wuchs so schnell, daß um 8 Uhr der Pflug bis in die untere Fensteren im Wasser stand. Cornelius Straub, Joan Görgens und die übrigen kponnten nicht aus ihren Häuseren kommen, das Wasser stand bis an Schwanen-Pforte. An der Hellbüchelsgasse der Trup Häuser war auch im Wasser. Peter Fix sahe auch schon Spuhren in seinem Hause, und Neuswerts neben ihm an dem Heiligenhäuschen stand es schon über die Landstraße, zum Oberfeld hinein.
Man hörte ringsumher Hülfe rufen, aber was war da anzufangen? Klockenschlagen – wo doch niemand helfen konnte, die einbrechende Nacht und ein Gewitter, als wenn der Himmel sich von unten oben zu kehren drohte, alles dieses vergrösserte die Angst.

[9]

Februar
28ten – Sobald die Nacht verschwunden war, sahe man nichts mehr von unserem Damme, das Wasser ware hoch drüber hingeschwellt. Schon kamen Nachen, Stücker von Gebäuden und allerhand Holzwerk durch die Aue getrieben, wohin der Stroom und alles Rheineis seinen Weg genommen hatte. Aus den Walhover Söllerfenstern ward jämmerlich um Hülf gerufen. Man schickte desfals einen auf Stürzelberg und einen zweiten über den Höhenberg auf Worringen zu Pferd, um einen Nachen zu holen, aber der Rhein ware unten Zons ausgebrochen und bis an Delrath über die Heide ausgetreten, und um Worringen bis Hackenbroich ware alles Wasser. – Das Eiß triebe nun getrost vom Nöthsteine directe hier durch die Aue bis auf Zons. Vom Plathalse stund die Eisdecke noch fest bis ins Kulk. – Mittags 11 Uhr kame ein Nachen von Walhoven unten dem Dorfe an. Sie hatten grosse Mühe, sich durch den Stroom von Eiß durchzumachen, jedoch ist keiner auf dem Hofe gewesen, der nicht weis, wie es dem Menschen in der Todesangst zu Muth ist. Gestern Abend hatten sie den Nachen vor die Hausthüre an den Pütz gebunden, die Halbschied Menschen gienge in die Scheuer, zu dem auf Schanzen und Stroh aufgesteigertem Hornvieh, die übrigen giengen ins Hauß. Das Wasser war bei ihnen, ehe sie sichs versahen, und triebe sie ins zweetere Stockwerk, folgte ihnen dann von Stufe zu Stufe, das endlich nur noch zwei trockene übrigblieben. Unter dem Gebrüll orkanischer Winde und dem Geräusch ungeheurer Eisklumpen konnten sie nicht vernehmen, was um sie vorgieng. Indessen ahndete ihnen doch die Gefahr, worin sie sich befanden. Das veranlassete sie zu den brünstigsten Gebetheren und der Vorbereitung zum nahen Tod.
In der Scheure war des Elends nichts weniger. Nach Mitternacht war ihnen das Licht verlöscht. Das Gerüst, worauf das Vieh stand, begann flott zu werden, das Vieh trat durch das Stroh. Allmählig gab eins nach dem andern den Geist auf. Um 5 Uhr des morgens waren schon 17 Stück Hornvieh todt, 2 Ochsen und so viel Kälber sind aber noch geborgen. Ein Füllen stand auch dabey. Ein Kettenhund biß selbiges in das Bein, und das Thier sprang herunter und ist auch todt.
Als es begann, Tag zu werden, wollten die im Hause denen in der Scheuer um Hülf Rüfenden zueilen, aber der Nachen ware von dem umgestürzten Brunnen-Dach unten gesunken. – Die Lage war kritisch. Mein anwesender Bruder ließ sich ein Stück Tuch um den Leib binden, stieg durch das Fenster hinunter und schöpfte hangend den kaum sehbaren Nachen ledig. Nun konnten sie erst das Schreckbare der Lage betrachten, worin sie sich die Nacht durch befunden hatten. Die steinerne Mauer, welche den Hof vom Baumgarten abschliest, war niedergestürzt, die grosse Linde am Kreutz lag zu Boden und weit umher

[10]

Februar
28ten – sahen sie nichts als Himmel, Eißberg und Wasser. Der Hof hätte unmittelbar ein Preis der Fluth und des Eisgedränges werden müssen, wenn sich [nicht] vor den Bilsen das Eiß festgesetzt hätte, und Heil dem Manne, der diese Bäume pflanzte.
Nachmittags 3 Uhr wuchs das Wasser aufs Höchste. Ein starkes Eisgedränge war mit unzahlbaren groß und kleinen Nachen, Bäumen, Holz aller Arten und halben Gebäuden vermischt. Man sahe die gröste Bilsen sich wie ein Kornhalm niederlegen, nun folgten 3 holländische Schiffe hintereinander; das erste, als es auf den Damm kame, richtete sich ganz vorn in die Höhe, zertrümmerte und trieb fort. Das andere hatte ein ähnliches Schicksal, nur, daß die Trümmer seitwärts trieben und an Boden-Kreutz versank. Das Letzte kame in dem nämlichen reissenden Stroom angefahren, ein Schiffer stand am Steuer und rauchte aus einer langen Pfeiffe Toback. Der Mann sahe sein Schicksal vor seinen Augen. – Das auf dem Hohenberg versammelte Volk fiel auf die Knie und betete zur Erhaltung des Unglücklichen. Unbeschädigt triebe das Schif dem Strome nach, der Schiffer schmauchte sorgenlos seine Pfeiffe fort. Vor Walhoven fiel das Steuer, hinter dem Hof hielte das Schif eine halbe Stunde still und trieb weiter. Auf dem Rheinfelder Hof und der Wittib Bremer ist auch das Hornvieh versoffen. Der Sandhalfen aber hat alles erhalten. – Das Malder Korn gilt 13 Gülden. Hier ware das Wasser 4 ½ Fuß höher als anno 1740.
29ten – Es hat diese Nacht stark gefroren. – Das Dorf ist voll Reisende, die nicht hinauf und nicht hinunter kommen können, weil überall der Rhein durchgebrochen ist. Auch kamen ganze Karavanen von der Gillbach hiehin, um die Verwüstung anzusehen. Es kommen keine Brief und kein Postwagen, es liegt alles still. Nur hat man durch einen Umweg über Delven und Brauweiler die Nachricht von Köln erhalten, daß die Stadtmauer am Rhein umgestürzt, die Eisbreche fortgetrieben. Von 39 holländischen Schiffen nur noch 16 übrigblieben, zu Mülheim 163 Häuser zertrümmert und dort 28 Menschen todt geblieben sind. In Köln sind auch verschiedene Häuser eingestürzt. Es ist eine Menge Holz, Mobilien aller Art, Kleidung, Kisten, ganze Nachen, kurz über 20 Karren voll hier gefischet worden. Einige, die allzu sehr damit beschäftiget waren, haben heut sogar kein Meß gehört. In den Benden lag ein Bönnisches Schif, es war noch im brauchbarsten Stande. Ihrer 3 machten sich daran und hieben es in drei Theile.
Die Abdey Knechstein hat nach Zons verschiedene Karren Brod geschickt. Der Praelat von Brauweiler vernahm auch die Beträngniß in Zons und schickte desfals 2 Kannen Wein und 2 Reihen Kölnisch Röggelchen dem Herren Pastor Bodife in Zons.

[11]

Merz
Den 1ten – Frost. – Heute sind wohl 30 Karren Holz von dem Eise, so in den Benden und am Höhenberge zusammen getrieben, getragen worden.
2ten – Der Strom geht noch durch die Aue Walhoven vorbey auf Zons. Die hier vom Ausfluß des Rheins aufgehaltenen Reisende können noch nicht fortkommen. Seit dem Freitag haben die meiste Leuth hier Feyertag, denn es arbeitet fast niemand.
3ten – Das zu Walhoven verunglückte Rindvieh ist heute abgezogen, hiehin bracht und unter die Dürftige vertheilt worden. – In Zons sind 33 Stück Hornvieh verunglückt. Die Stadt ist nicht beschädiget, nur die Mauer ist umgestürzt. Das Wasser fällt alle 24 Stunden kaum ein Fuß.
4ten – Frost, doch thauet es im Tage wieder auf. Das Schif, so am 28ten an Walhoven das Steur verlor, gehörte dem Schiffer Weil; er selbst war es, der troz aller Gefahr drauf Taback rauchte. – Ein Schif ist am Boden-Kreutz liegen blieben, gehört dem Schipper Schallenberg von Kölln. – Am Abend Dauwetter.
5ten – Wo man im Feld etwas blosse Erde sieht, da ists Sand, und an sonst ebenen Orten sind tiefe Höhlen getrieben. – Der Stroom geht noch durch die Aue. Heut sind zuerst die Brief hinauf geritten, über den Blumenberg. Das Thum-Kapitul zu Köln hat 460 Brodt, 8 Holländische Käse und 1 Malter Salz nacher Zons geschickt, zur Nahrung der dürftigen Bürger.
6ten – Ein schöner Frühlingstag. – Die Leute tragen noch eine Menge Holz aus dem in den Benden und unter den Perschen liegen gebliebenem Eise beisammen, wozu einige Nachen behülflich sind.
7ten – Das dem titulierten Schallenberg zugehörige Schif wird mit Nachen ledig gefahren. Es sind keine Waaren drin, sondern nur Schifgeräth und Mobilien, welche bey Scheffen Fridrich Steinberger niedergelegt werden.
Am 8ten – Warmes Wetter. – Der Fluß treibt wieder seinen ordentlichen Ufer nach. – Heute ist der Düsseldorfer Wagen wieder kommen.
9ten – Frost. – 10ten Wind, Schnee und Regen.
11ten – Wüstes Wetter. – Jetz seht man erst, wie das Feld verdorben ist. Am Platthals ist das Ufer über 30 Fuß ausgespühlt. Auf 5 Platzen sind Löcher getrieben, worin man Häuser setzen kann. Aus diesen Höhlen ist der Sand in die Aue bis an Walhoven geschossen, der Damm ist vom Steinbüchel biß ein Schuß weit unter den Monheimer Weg fortgetrieben. Die auf dasiger Anhöhe stehende Bilsen haben das Eiß abgekehret; deswegen ist dort der Damm und das Dörfchen Rheinfeld conservirt worden. Unter Rheinfeld, wo der Damm tiefer ins Thal fiele und aus purem Sand verfertiget war, ist er wieder einige 300 Schritt fortgetrieben. Dieser Sand ist auf das Kranenorth und in die Kempen niedergeschossen.

[12]

Merz
Unter diesem Sande werden jetz noch Kleidungstücke, ganze Rollen Tuch, Schiftauen, Anker, Säcke Mehl und ganze Schif-Segel gefunden.
12ten – Heute ward im Kulk jenseit des Dammes eine todte Weibsperson gefunden. Die Scheffen fuhren mit dem Chyrurgus Eller dahin und brachten die Todte bis Walhof. Sie hatte ein silbern Kreutz am Halse und ein Rosenkranz bey sich. – Eine zwote ward auf dem Werth im Sand gefunden. Ihre kostbarere Kleidung läst vermuthen, daß sie eine Halbwinners-Tochter sein mus.
13ten – Nachtfröste. – Diesen Morgen sind die zwo ertrunkene Personen begraben worden. Erstere ward in eine viereckichte Kist und die andere in eine ordentliche Todtenlade gelegt und auf dem Kirchhof in der Ecke an der Leufen eingesenckt worden. – Unten im Feld ist auf etlichen Platzen der Grund 3 à 4 Fuß fortgetrieben. Da ist izt ein schwerer leimartiger Grund, wo man noch die Furchen sehen kann, die vormals gebauet waren. Vermutlich ware das, was jetz weggetrieben ist, vormals auch durch eine Überschwemmung daraufgeschossen.
15ten – Frostig. – Das auf dem Werth todtgefundene Frauenzimmer ist von Büsdorf zu Haus, ware zu Köln bey ihrer Schwester und nennt sich Sibilla Helwig.
Zu Rheinfeld ist dem Adolf Schwieger sein altes Haus eingestürzt, die Piwitte aber stark beschädigt.
17. Frostig. – In den mehristen Garten ist noch nichts gegraben. Zu Xantes ist ein Kind in einer Wiege schwimmend gefunden und glücklich bey Leben aus dem Eise gerettet worden. – In den Kempen in einem Grunde ist heute ein Salmen gefangen worden.
21. – Kalte Nächte, nordwindig. – Es ist eine Verordnung von München hier publizirt worden; der Inhalt ist: Ob auch die Überschwemmung des Rheins Schaden angerichtet? Ob Ländereyen verdorben? Ob Menschen verunglückt, Elteren von ihren Kinderen ertruncken? Wer die Hinterlaßenen ernährt? Und letzters wie den Beschädigten am besten aufzuhelfen seye. Hierüber solle jeder Orts-Vorstand berichten und in 3 Wochen, mit Hindansezung aller Geschäften, alles Vorgegangene genau specificiren, wem und wessen Geschlecht und Standes der Schaden anheim gefallen. Ferner soll alles, was in der Überschwemmung aufgefischet, genau notirt und an einen dritten Ort gefahren werden, den sich meldenden Eigenthümer auf sichere Kennzeichen anhalten und nach richtig Befinden ohnentgeltlich ausliefern. – Die Frau, welche im Kulk am 12ten gefunden wurde, war aus Mülheim und ist dem Peter Bitter zu Worringen verwandt.
22. – Frostig. Das Schiff des titulierten Schallenberg hat der Scheffen Steinberger käuflich an sich gebracht. Das Malder Sommerrab kostet 110 Reichstahler, das Pfund 100 Stüber.

[13]

Merz
23. – Man fährt mit Karren und Wagen über den gefrorenen Grund.
24ten – Frost und Schnee. – 25. Regen und warm.
26ten – Im Kulk ist in einer Kaule wieder ein Salm gefangen worden. Mann sieht jetzt erst, welchen Schaden der Rhein angerichtet. Von der Rheinfelder Linde über den Rheinfelder Acker bis Walhoven über den Kranenorth bis an den Posthalters Deichkamp ist 3 – 2 und 1 Fuß Sand, in den Kempen sind die oberste Berg und der erste Grund mit feinem Sand, der unterste Grund aber mit Lett beschossen. In der Aue sind viele hundert Bäume fortgetrieben, an verschiedenen Orten, besonders an Boden-Kreutz, wo das Schiff lag, ist der Grund 3 ad 4 Fuß tief ausgetrieben. – Das Malder Korn wird verkauft umb 5 Reichstahler 15 Stüber.
28. – Es friert wieder ein halben Zoll dick Eiß, dabey fängt es an zu schneen.
30ten – Kalt. Heute ist im Schwanen das Herren-Geding gehalten worden.
31ten – So stark gefroren als am 28ten. Das Bauschen Stroh kostet 8 Reichstahler.
Aprilis
Am 1ten – Es ist noch December-kalt, ein Zoll dick gefrorenes Eiß, häufiger Schnee und der schneidend kalte Nordwind sollte uns bald zweiflen machen, daß es Aprill wäre. – Diesen Nachmittag ward unter der Piwitte wieder eine Frauenpersohn gefunden. Sie hatte ein Paar schwer silberne Schuhschnallen, ein ditto Haarnadel und Kinders-Hosen und -Strümpfe in ihren Schooß gebunden. Sie ward nach Worringen gebracht.
3ten – Schnee. – Am 4ten Palmsontag[8]. Es war sehr unangenehm, und doch sind viele Menschen mit die heut gewöhnliche Römerfahrt gegangen.
5ten – Kalt. – Es ist eine Prophezeiung im Umlauf, morgen soll von Wien bis Amsterdam Berg und Thal gleich werden.
6ten-7ten Frost und Schnee. Der von vielen so sehr gefürchtete 6te April ist glücklich übergegangen. – O die Brodtpropheten!
8ten – Schon einige Tage ist ein Düsseldorfer Herr bey Schefen Steinberger, nahmens Hager. Er soll eine Plane vom ganzen untersten Felde machen. Ein jeder mus angeben, wie viel Länderey und wo gelegen, ganz verdorben, ob die übrige in 12 – 10 oder wenigeren Jahren wieder gut werden kann.
10. – Frostig. Am 11ten, Ostertag, warmes Frühlingswetter. Am 12ten angenehm.
13.-14. – Reif und nordwindig. Der von der heurigen Überschwemmung unten im Feld liegende Sand weht thürmhoch in die Luft.
16. – Man vernimmt sicher, daß seine Kuhrfürstliche Gnaden von Köln Maximilian wirklich Todes verblichen ist. Er war ein gütiger Herr. Übrigens kann mann nichts mehr sagen, als: Er war Kurfürst.
18. – Reif. – Den 19. angenehm, den 20. Regen.
21ten – Regen. Heut ist der Damm mit Pfählen ausgezeichnet worden. Überhaubt ist der ganze Damm in der Krone stark beschädigt.

[14]

Aprilis
22.-24. – Sturmwind und Regen.
26. – Frost. – 27ten angenehm. Das war lezt irrig gemeldet: Die Maaß Sommerrab kostet 40 Stüber, das Malder Haber 9 Gülden, Korn 4 Reichstahler, ein Bausch Stroh 5 Stüber.
30. – Frost. – Vom hohen Thum Kapitul in Köln ward verordnet, daß jeder Priester in der Messe für den verstorbenen Erzbischof eine Collecte halten soll. Dann soll auch 6 Wochen alle Abend von 7 biß 8 Uhr geläutet werden. Ersteres findet statt, das Letztere aber unterbleibt, weil wir Jülisch sind.
May
1ten – Regen. Am 27ten Aprill sind seine Königliche Hohheit Maxmilian Franz, Coadjutor von Köln, in 6 Tagen von Wien zu Bonn angekommen, Es heist, hochdieselbe hätten einen Minister mitbracht, welcher die Einrichtung in den Kölnischen Landen machen soll. Das Korn ist noch so klein wie im December.
2ten – Gottestracht. Durch die heurige Überschwemmung ware der Weg an der obersten Drenke für die heutige Prozession sehr fatal. Der Pastor liesse demnach dem Joan Langel andeuten, die erste, statt sonst der lezten Station, sollte an seinem Heiligen-Häuschen gehalten werden, dann sollte die Procession von Rheinfeld gerad unten am Dorf hinein geführet werden. Joan Langel protestirte dagegen, aus welchen Gründen? Das weis ich nicht. Deshalben ließ er den Weg von Rheinfeld noch gestern Abend dienstweise machen, denn er ist Vorsteher. Die Station ware nicht geziehret, als wir beym Ausgehen da vorbey giengen, dennoch nahmen wir den Weg von Rheinfeld unten in der Hellbüchels-Gasse her ein, dann gieng der Zug neben der Kirche vorbey oben um das Heyligenhäußchen, wo die lezte Station doch gehalten wurde. Beym Ausgang der Procession hatten wir kalten Nordwind, auf dem Zonser Damm wurden wir alle durchnaß. – Das Spielhalten unterbleibt diese Gottestracht wegen dem Wasserschaden.
3ten – Hagelfeier. Diesen Morgen war es zu naß und kalt, als daß wir die Procession ausführen konnten. Wir giengen also diesen Nachmittag.
4ten – Kalter Regen. Das Korn wird um 4 Reichstahler 2 Schilling verkauft, Sommergerste 3 Reichstahler 30 Stüber, Haber 9 Gülden.
5ten – Diesen Mittag um 11 Uhr ist seine Königliche Hohheit der Coadjutor von Köln mit einer Jagd hier vorbey den Rhein hinunter nach dem Münsterlande gefahren. Der Wind war stark aus Norden, und deswegen ward das Schif von 7 Pferden hinunter gezogen. Um 5 Uhr diesen Morgen waren sie Köln vorbeygefahren.
7ten – Angenehm. – Man fängt an, die Sommersath unten im Feld zu besorgen. Auf dem Kranenorth die Gründe, zum Mittelwegen hin, sind stark belettet. Da wird Sommergersten gesähet, auf die Berge Haber. Der Rheinfelder Acker ist aber gar zu stark beschossen, und der Sand ist auch gröber als auf dem Kranenorth und in den Kempen. Auf dem Werth, wo meistens Lett liegen blieben ist, da wird Sommergersten und kleine Bohnen gesähet. In den Kempener Gründen stehet noch Wasser. Der mittelste Berg ist noch sehr beschädigt, auf dem vordersten aber wird Haber gesähet. Die noch stehen gebliebenen Weiden müssen alle geschoren werden.

[15]

Mey
8ten – Warm, doch wäre Regen nothwendig.
9ten – Sontags hatten wir dreizehnstündiges Gebeth zur Danksagung, daß die Stadt Köln noch in so weit von den gefährlichen Folgen der Überschwemmung frey geblieben ist. Heute sah ich die erste Kirschenblüh.
10ten – Angenehm. – Die Plane, wovon am 8ten Aprill gedacht ward, ist bereits zu ihrer Reife gediehen. Sie besteht aus 6 grossen aneinander geklebten Papierbogen. Man schätzt den Schaden auf 150.000 Reichstahler. Heut die erste Kornähren.
11.-12. – Schön warm. Der Sand unten im Feld jagt stark fort. Von den Bergen ist schon ein halben Fuß hoch weg. Dieser landet nun in den Gründen.
13. – Das Wetter ist schön, aber nicht gut. Wenn es nur einst regnete, dann wäre die Witterung schön und auch gut.
Unten im Felde ist nirgend Korn stehen geblieben als von der obersten Drenke über die Leimkaule hin, und dann unter den Perschen etwas weniger.
16. – Warm und trocken.
20., Kristi Himmelfahrt – Wegen der anhaltenden Dürre hat der Pastor beschlossen, diese 8 Tag morgens 5 Uhr eine Benedictions-Meße zu halten. – Das Malder Korn 13 Gülden 6 Stüber.
21ten. – Diese Nacht ist die Worringer Kirch bestohlen worden. Das Vermißte besteht aus den Kleidungen deren wegen der gestrigen Procession noch gezierten Bilderen, die Borden von der Kohrkappe, die Pfenningen vom Venerabel und dann ein silbernes Ciborium. Die darin befindliche Hostien lagen auf einem Tuch auf dem Altar. Ober der Kanzel sind die Diebe am Fenster hereingestiegen. Der Diebstahl soll 200 Reichstahler antragen.
23. – Grosse Hitze und keinen Regen. Am 25ten wird der seelige Erzbischof zu Köln begraben werden. Deswegen wurden gestern hier am Posthause 49 Pferde gewechselt. Heute geht es ebenso stark.
24ten – Donner ohne Regen. – Heut habe ich die erste Kornblühe gesehen.
25ten – Etwas Regen. – 27ten sind die Küh in die Benden getrieben worden.
28ten – Von gester Abend bis diesen Morgen hats geregnet. Das Korn ist in voller Blüh.
30ten – Pfingsttag. Sehr warm. 31. schön und gutes Wetter.
Junius
Am 1ten – Der Nordwind trocknet den Regen wieder weg. Die Haber, welche gesähet ist, wo der Sand tief liegt, ist jetzt schon vertrocknet. In den Kempen werden die Gründe mit Sommergersten besähet.
7ten – Trocken, und wir hofen wieder Regen. Heute sind diejenige, welche Land unter den Perschen haben, bey Scheffen Steinberger zitirt worden, um bey den dort anwesenden Worringer Scheffen ihren Schaden anzugeben.
10ten – Fronleichnam[9]. Die Nacht hindurch und diesen Morgen hatten wir Regen. Die heut gewöhnliche Procession hielten wir diesen Nachmittag.
11ten – Naß. Es ist jezt Furage genug für alles Vieh. Etwas früher haben die Rheinfelder immer oben im Felde Kraut geholt, weil die Überschwemmung unten alles verdorben hatte.

[16]

Junius
13. – Fruchtbar Wetter. Es ist schon Kappus gepflanzt.
19ten – Dunkle aber warme Tage, wobey es zuweilen regnet.
20.-22. – Trocken. Die Haber beginnt, in Schnoden zu kommen.
27. – Abwechselnd trocken und Regen. Der Kornpreis ist 5 Reichstahler.
31. – Einige kälterich nasse Tage.
Julius
1ten – Kalt nordwindig. Den 2ten wie gestern. Heut hat der Sasserhalfen Korn lassen hauen.
Am 4ten – Sontags[10]. Diesen Morgen umb 2 Uhr ward das erstemal und ¼ auf 3 zusammen geläutet. Um halb 4 gieng der Herr Paster und Vicar an den Altar die Meßen lesen, nach gegebenem Segen um 4 Uhr ward eine zahlreiche Prozession nacher Bethlehem ausgeführt. Weil die sonst von hier mit den Worringer auf Kevelar geführte Procession jetz von geist- und weltlicher Obrigkeit verbothen ist, so ist diese das 3te Jahr, daß wir auf Bethlehem gehen. Ohne zu rasten, waren wir um 9 Uhr am Gnadenorte, zu Oberaussem ward Mittag gehalten, zu Stommel einst getrunken – und um 7 Uhr zu Abend waren wir theils gesund und wohlbehalten alle wieder hier. Es war ein ganz schöner Sommertag.
5ten – Heut wird bey dem herrlichen Wetter auch hier Korn gemähet.
7ten – Wir hofen wieder auf Regen, die Grashäuer auff gutes Wetter. Wer wollte da Herrgott sein? – 9ten ein wenig Regen.
13. – Trockene Tage. Das Korn wird häufig reif und abgemähet.
14. – Ein jeder ist am scheuern. Die Frucht leget sehr kurz beisammen.
20ten – Erst heute erhielten wir den so sehnlich gewünschten Regen.
21. – Man kann nicht einscheuren wegen der gestrigen Nässe. 22., 23. trocken.
25. – Heute ist eine Verordnung abgelesen worden, daß keiner, auch selbst die Eigenthümere, vor Bartholomei nicht in die Jagd gehen sollen. Am 27ten soll bey Scheffen Steinberger der Damm vergantet werden. Die Orts-Vorstände und Pfarrer sollen keine Kolleckt-Patente mehr ertheile, sondern selbige sollen höhern Orts nachgesucht werden.
26. – Trocken. – 27.-28ten, 29. etwas Regen, aber warm dabey. Die Ausbesserung des Dammes hat der Schefen Steinberger, Sturm, Jacob Cremerius, Joan Langel und der Rheinfelder Halfen, Heinrich Dahmen, übernommen. Der Damm soll in 3 Monathen fertig seyn. Dafür erhalten die Enteprenneurs 10.500 Reichstahler.
Augustus
Am 1ten – Sehr heiß – am 4ten Donner und Regen. Heute ist der neue Kuhrfürst zu Köln gehuldiget worden. – 6.-8ten Regen.
12ten – Warme Tage. Es ist Haber unten im Feld und besonders in den Kempen, welche 23 Hand hoch ist.
16ten – Es wäre wieder Regen nothwendig. Dem strengen Verboth gegen die übernachtenden Prozessionen ungeachtet, kame doch heute wieder eine Truppe von einigen 100 Personen, meistens Leuthe um Bonn herum, welche auf Kevelar gehen.

[17]

Augustus
17ten – Trocken. – Gestern ist am Damme angefangen worden. Vom Steinbüchel hinab wird das neue Stück mehr Dormagenwärts gelegt, ebenso im Kulk, auf beiden Platzen, wo der alte Dam aufgehört hat wegzutreiben, sind tiefe Löcher ausgetrieben.
19ten – Gestern und heut unausstehliche Hitze. Heut abends ein schwer Donnerwetter mit Regen.
20ten – Es ist schon viele Haaber gehauen, in den Kempen und auf guten Gründen ist sie 7 ½ Fuß hoch, und muß alle mit dem Sicht gehauen werden.
23.-26. – Regen. Des sind wir aber auch schon müd, weil die Sommerfrucht gut Wetter verlangt.
28ten – Ein heisser Tag. Deswegen ward auch viel eingescheurt.
29.-31. – Stürmend nasses Wetter.
September
1ten – Schön Wetter. Unten im Feld steht schöne Frucht und in den Kempen auf den mit seinem Sand beschossenen Beogen prächtige Haber, allein, wo der Sand zu hoch liegt und in ausgetriebenen Gründen ist alles schlecht.
2ten – Es wird mit etlichen 100 Schupkarren am Damme gefahren. Morgens 5 Uhr und abends 7 mus der Küster Ave Maria läuten. Das ist das Arbeitszeichen. Jeder bekömt täglich 18 Stüber.
Von dem Worringer Diebstahl (am 21. Mey des Jahres) ist das Kupferwerk im Hittorfer Feld gefunden worden.
14ten – Eine anhaltende Hitze, und man sehnt sich nach Regen, weil das Korn sich zu Schörnen baut. Die neue Haaber ist für 100 Stüber verkauft worden.
20. – Trocken. Es steht noch viele Haaber und kleine Bohnen unten im Feld. Am Damm wird mit 140 Schuppkarren gearbeitet. Joan Steinberger, Sohn des Scheffen Friderich Steinberger, und Joseph Sturm, Sohn des abgelebten Scheffen Peter und Brudes des nunmehrigen Scheffen Jacob Sturm, sind ditto.
21ten – Regen. Es ist wirklich viel Korn gesähet. Am 22ten trocken, 23. Regen.
24ten – Trocken, 25ten Regen, 26ten dunkel. Die Haber unten im Feld ist aufgehäufet, um nach der Kirmes einzuscheuren.
28. – Reif. Den Monat beschliest ein kalter Nordwind.
Octobris
Vom 1ten bis den 10ten kalt mit Nachtfrösten. Ein rasender Kettenhund biß die auf der Piwitten als Magd wohnende Tochter des hiesigen Joseph Fitgen. Von da kame er hiehin, biß ein dem Vicario und ein dem Peter Lorbag zugehöriges Schwein. Ein Kerpener Brudermeister hat den Schweinen etwas eingegeben, daß, wenn selbige auch wüthend würden, doch keinen Schaden thun könnten. Der Hund ward todgeschossen.
11ten-14ten – Schöne warme Tage. Vom 15ten bis den 19ten frostige Tage. 20ten gelind. – das Malder Weitz gillt 7 Reichstahler 20 Stüber, Korn 4 Reichstahler 15 Stüber, Sommergerste 11 Gülden, Haaber 19 Schilling.
25. – Trockene Tage. Am Damm verdient jeder von morgens 6 bis abends 6 Uhr pro Tag 15 Stüber. Mit einigen Pferdskarren wird auch gefahren, und da wird von jedem Pferd pro Tag 40 Stüber bezahlt.

[18]

Octobris
26ten – Frost. – Vom 27. bis 31. naß. Der Rhein ist grundklein. Das 100 Bauschen Stroh 7 Reichstahler.
Novembris
Am 1ten – Angenehm, bis den 4ten, am 5ten Frost. Der Rhein wächst.
6ten-7ten Frost. In einer Kuhrfürstlichen Verordnung wird befohlen, daß, weil das im vorigen Herbst angefangene Chosse nicht zustande gekommen, auch nicht wegen der allzu starken Passage kommen kann, so soll hiesiges Dorf 32 Fuß in der Mitten paveet werden. An den Häusern soll jeder Anschiessende selbst machen, das Amt soll die Kösten tragen. Indessen soll hiesige Gemeinde die Beyfuhren thun. Damit aber jeder zu seinen Kösten wieder gelange, so soll das Amt berechtiget seyn, das neue, statt dem bisherigen Wegegelde, erichtet werdende Barrier einige Jahren einzunehmen. Des Endes sollen allinge Scheffen und Vorstehere des Amts am 12ten dieses zu Bergheim erscheinen. In einer Zeitfrist von 20 Jahren ist Dormagen mehr dann sechsmal gemeßen worden, um das Pavee anzulegen, aber nie ist etwas draus geworden.
8ten – Angenehm Wetter. Und unangenehm sind die Nachrichten von Krieg: Der Keyser will mit den Holländern anbanden. Joseph denkt, die General-Staaten haben Geld, und dann – wie das Sprichwort sagt: – Man hat leicht einen Stock, wenn ein Hund geworfen soll werden. Diesmal begehrt der Keyser die Schiffahrt auf der Schelde ohne Abgaben. Die Herren Zeitungsschreiber setzen noch dazu, nach Indien[11], weil der Kaffe dardurch wohlfeil werden soll. Mithin wär es eigentlich ein Kaffe-Krieg. Nun, das gilt gleich. Der Keyser besteht auf seiner Foderung, und fals die Herren Käßsoveräinen sich wiedersetzen, sollen 30.000 Kayserlichen hinunter kommen, und dann gehts a la Holland – laufen gegangen.
10ten-11ten – Frost. – 12ten-13ten Sturmwind mit Regen. 15ten angenehm Wetter. Die Scheffen und Vorsteher dieses Amts Bergheim haben wegen dem Pavee durch hiesiges Dorf nicht einig werden können.
16.-17. – Allerliebst Wetter. Der Rhein ist grundklein. Darauf soll nach unseren Brodtpropheten Meinung eine grosse Überschwemmung folgen.
19. – Frost, Schnee und hernach Regen. 21ten angenehm, 22. Frost, 23. naß.
26. – Fruchtbares Wetter. Der Damm wird vor dem Winter nicht fertig.
27ten-30ten – Reif und ein Tag Sonnenschein.
December
Am 1ten – Etwas Frost. Am Damm verdient jeder pro Tag 12 Stüber.
Das dem Peter Lorbag zugehörige Schwein ist rasend worden, hat doch keinen Schaden gethan. Es ward im Stall todgeschlagen, sehe am 10ten October[12].
3ten bis 9ten – Nasses, zuweilen stürmisches Wetter. Die Keyserliche Truppen werden doch den Herren Holländeren die Visite machen. Zu Köln wird ein Magasin gemacht. – Der Damm ist bald bis an das Weschpfädchen fertig. Dort wird selbiger mit Faschinen belegt, das Wegtreiben zu verhüten.

[19]

December
Am 1ten – Frost. – Der Kölnische Kuhrfürst ist jetz auf 6 Wochen zu Köln im Seminario, um den Geistlichen mit einem guten Exempel vorzugehen. Auch hat er befohlen, daß hinführo jeder Geistliche anstatt 1 jetz 2 Jahr im Seminario bleiben soll, und nun jährlichs 40 statt sonst 80 Reichstahler Kosten zu bezahlen. Das Malder Haber kostet 19 Schilling, Sommergerst 28 ditto.
Vom 11ten bis den 13ten – Frost mit ein wenig Schnee. Den 14ten Schnee, den 15ten Frost. Am Damme wird noch mit 30 Mann gearbeitet.
16ten – In der Donnerstagsmesse ist das Landsperr von Heu, Haber und Stroh verkündiget worden. Der Kornpreis ist 4 Reichstahler 15 Stüber.
17ten – Heute sind die Scheffen von Haus zu Haus umgegangen und haben einen jeden Vorrath von Frucht specificirt. Man vermuthet, es würden Magasine angelegt werden. – Ein ordentlicher Drescher kann alle Tag 9 bis 10 Faß Korn auftragen. Den 18.-19ten Schnee.
21ten – Dauwetter. Gestern ward der Peter Kluth von Rheinfeld hier begraben. Im Spethsommer kame er aus dem Stockhaus von Kaiserswerth zurück, wo er drey Jahre Arrest hatte. Sein Vergehen bestund in einem im Bergischen begangenen kleinen Diebstahl. Er war krum und elend, als er loskame, arbeitete einige Zeit am Damm, und die übrige Mittarbeiter liessen ihm eine Seelenmesse halten.
Am 26ten dieses soll zu Köln die erste Transport Keyserlichen über den Rhein kommen. Die Mülheimer Schifbrück soll bey die Kölnische gelegt werden.
Am 22ten – Ein Circularschreiben meldet, daß auf jeden steurbaren Morgen eine Ration von 8 Pfund Haber, 10 Pfund Stroh und 15 Pfund Heu bereit gemacht werden solle. Wohin dies alles geliefert werden soll, steht zu erwarten. Desfalls ward heute die Sturmklocke gezogen. Jacob Cremerius hat sich erbothen, jede Ration für 32 Stüber zu lieferen.
25. – Sehr kalt mit Schnee. Den 28ten ist schon viel Eiß im Rhein.
29ten – Ein heut eingegangenes Circulare bestimmt die zu liefernde Rationen: das Heu auf 10 ½ Pfund, Haaber à 8 Pfund, das Stroh nur 3 ½ Pfund. Der umgehende Gerichtsboth kündigte dieses jedem an. 116 Rationen sollen erstens nach Angelsdorf geliefert werden. Um also alles in Ordnung zu bringen, soll jeder seine Rationen in des Peteren Pannes Scheure liefern. Einige bringen ihr Quantum dahin, andere aber wollen nicht. Zu Zündorf oben Köln waren die Mülheimer und Kölnische Schifbrück angelegt. 3 Regimenter waren herüber, als das kommende Eiß die Schifbrücken nöthigte in Sicherheit zu bringen.
Am 30ten-31ten – Sehr kalt.

1785

[20]

1785[13]
Januarius
Am 1ten – Frost.
Am[14] – Wegen der schlimmen Jahren haben der Scheffen Sturm und Steinberger die 116 Rationen zu Bergheim gekauft.
Am Damme wird nicht mehr gearbeithet. Im Kulch ist er bald fertig. Hier oben vom Waschpäthchen auf Rheinfeld zu ist noch eine Lücke offen. Am 27ten vorigen Jahres war noch kein Eiß im Rhein, und am 30ten hatte er zu Düsseldorff schon 3 Stunden gestanden.
Das nunmehr zurück gelegte Jahr war unstrittig vor hiesige Gegend das merkwürdigste dieses Jahrhunderts: nie erhörte Kälte, häufiger Schnee, verderbliche Überschwemmung. Desgleichen sich niemand erinnert.
2ten – Frost. – Am 3ten Thauwetter. Zu Köln gehen noch immer Kaiserliche über den Rhein. Die ganze Armee soll 30.000 Köpfe zählen.
4ten-6ten – Anhaltender Regen, 7ten bis am 10ten starker Frost.
Am 13ten – ist schon Eiß im Rhein. Am 14ten Thauwetter, am 15ten ditto.
16ten-19ten – Anhaltende angenehme Tage. Die Feldfrüchten sehen schön aus.
23.-24. – Frost. Alles Gefähr gehet drüber.
28. – Die Scheffen haben publizieren lassen, daß jeder seine Hunde fest halten soll. Und derjenige, der einen herumlaufenden Hundt tödtet, bekömmt 1 Reichstahler Belohnung. Dieses und die Brüchtenstraaf mus der Eigenthümer des Hundes zahlen. 29ten Regen, 30. Frost.
31ten – Thauwetter.
Februar
Am 1ten etwas Frost, am 2ten Schnee, 3ten und 4ten kalt. Die Keyserliche Völker ziehen noch immer abtheilungsweise durch Köln, die Gegend von Bergheim auf Gülich oder Aachen nacher Brabant. – Es ist noch kein römischer König erwählt. Die Kuhr-Fürsten können noch nicht darüber einig werden. Der Keyser Joseph der Zweete will seinem Nefen, den Erzherzog Franz Sohn, des Keyserbruders Leopold Großherzog in Toscana zum Nachfolger haben. Preussischer seits weis man die Vorschläge noch nicht.
6ten – Abwechselnder Frost und Regen, am 9ten Frost und Schnee.
10ten – Regen, 11ten Frost, 12ten kalt, den 13ten kälter.
14ten – Gelind. Heute ist wieder eine Kommission von Düsseldorf hier gehalten worden. Es betrifft die Windmühle. Den 15ten Regen.
17ten – Frost und Schnee, so auch den 18ten, den 19ten der stärkste Frost in diesem Winter.
20ten – Kalt. 22ten: Heute, als am gewöhnlichen Wahltag der Bürgermeisterstelle, ward der bisher regierende Heinrich Tröster ab- und Cornelius Straub angesezt. Zur Erleichterung dieses schweren Amtes ist ihm der Joseph Fitgen als Feldschütz beygeordnet.
23ten – Frost. Heute morgens 10 ¼ Uhr wurden wir durch das Sturmklockeschlagen und Hülferufen in äussersten Schrecken versetzet. Die Wittib Vogel hatte diesen

[21]

Februar
Morgen eine Menge faules Holz bey den Stuben-Ofen zum Trockenen gelegt und war hinaus gegangen. Das Holz fieng Feuer, und der aufsteigende Dampf war die Veranlassung zu all dem Lerme. Die herbeieilende Menge Menschen half dem Unglück vorbeugen, und das Haus ist noch theils unbeschädigt geblieben.
24ten – Regen, 26ten Frost, welcher für den Rabsamen schädlich ist.
27ten – Heute ist, weils Sontag war, nach der Bruderschaft das Te Deum gesungen worden, zur Danksagung der vorigjährigen Überschwemmung.
28ten – Frost. Dieses ist das dritte Jahr, daß uns der Erzbischof erlaubt hat, die Fasten-Mittwoche, den Palmsonn-, -Mon- und –Dienstag Fleisch zu essen.
Martius
Am 1ten bis 4ten – starker Frost, der Rhein geht steif mit Eiß.
Am 5ten – Nit so kalt. Der Rhein ist kleiner als im 1783ziger Herbst. Auf das Wertchen neben Worringen kann man trockenen Fusses gehen, und die unweit im Rhein befindliche Mauer ist sichtbar. Die meiste Brunnen im Dorf sind wasserleer.
6ten-11ten – Nachtfröste. – Das Militäre zu Düsseldorf bekömbt nun weiße Röcke, so lang als ein Mann mit dem Daumen herab reichen kann, ohne sich zu biegen. Vor diesem waren sie dunkelblau, jetzt hellblau und ordentlich lang.
12ten – Schnee und Frost. Der Rhein wächst. Der Gerichtsboth kündigte allen Ländereibesitzern an, daß: wenn die große Klock gezogen würde, sich alsdann ein jeder bey Scheffen F. Steinberger einzufinden hat. Das geschahe diesen Nachmittag 3 Uhr. Der Herr Voigt und Gerichtschreiber saßen mit den Scheffen im Steinbergers Hofe an einem Tisch. Der Voigt fragte die versammelte Gemeine, ob sie bereit wären, den angegebenen Wasserschaden eidlich zu beschwören. Das wurde bejahet, jedoch zogen viele sich beiseite und liessen die nächst Beystehende die Eidesformel nachbethen. – Das Malder Haber 18 Schilling.
13ten – Für diese Jahreszeit ist es ungemein kalt. Kornpreis 28 Schilling. Ein landesherrliches Edickt verbiethet, mit Kupfer oder Blei stark begossene und unten beschlagene Stöcke zu tragen.
15ten – Angenehm. – Am 16ten Frost, 17ten dunkel. Es wird erst heute mit der Gartenarbeit der Anfang gemacht. 18ten Merzerschauren.
20., Palmsontag – Vormittag stürmte es, späther wards heiter, und die nachmittägige Prozession ware sehr zahlreich. 21ten und 22ten Frost.
23., Mittwoch – Kalt. Anstatt der heute gewöhnlichen Römerfahrt ward eine Andacht in der Kirche gehalten. Das Wetter war gar zu unfreundlich.
24. – Kein Stall noch Hauß ist vor dem Frost sicher. Karren und Wagen gehen drüber.
25ten – Die Kahrfreitagsprozession war sehr stark. Am 26ten angenehm.
27., Ostern – Es hat den ganzen Tag mit Schnee und Regen abgewechselt.

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Martius
Am 28ten – Starker Frost und Schnee, am 29ten ditto, am 30ten sehr kalt.
Am 31ten – Annoch eben kalt, starker Nordwind und Schnee. – Kornpreis 29 Schilling.
Aprilis
Am 1ten Sturm und Regen, den 2ten Schnee ohne Frost. Wir haben jetzt das 40stündige Gebeth.
3ten bis 6ten – December-kalt, 7.-8. unangenehm, 9ten-11ten starker Frost.
12. – Das Korn ist noch so klein, als es im Herbste war. Saamen und Herbstgerst ist erfroren. – 14ten Regen. Es sind schon Schwaalben hier.
15ten-16ten – Warm, 17ten, Gottestracht, trocken und sehr warm. Die Prozession hat ihren alten Weg wieder eingenohmen. Den 18ten schönes Wetter.
19ten-21ten – Kälteriches Wetter. Es ist schon viel Haaber gesähet.
Das Conclusum der Hofkammer über die der hiesigen Windmühle gehaltenen Commissionen ist dahin ausgefallen, daß der Peter Pannes ein neues Krühwerk, ein neues Bruststück und zwei Flügeln neu machen muß.
20.-26ten – Angenehme Tage, das Korn beginnt zu schiessen. Den 27ten Nachtsfrost.
28. – Reif. – Heut ist an hiesigem Damme die Arbeit wieder vorgenohmen worden.
29. – Es wird ein Siegelofen an dem Schwanen-heiligen-Häuschen auf der Wittib Scheffen Peter Sturms Stück errichtet.
30. – Der Kölnische Kuhrfürst reiste heut hiedurch von Münster auf Bonn.
Majus
Die erste Nacht reifte es stark, im Tage ists nordwindig kalt. Den 2ten kalt.
Am 3ten bis 7ten angenehm und trocken, man hoffet Regen.
Die Herren Missionarien werden am 18ten dieses hiehin kommen, um uns die Buße zu predigen.
8ten – Trocken und warm. Heut sah ich die erste Kornähren. Der Kuhrfürst von Köln begehrt von allen Pfarrern seines Bißthums ein 13stündiges Gebeth zu halten und den lieben Gott für ihn zu bitten, daß er zu der bevorstehenden Consecration würdig und zu dem beschwerlichen Amte fähig werde. Unser Pastor hielt eine bündige Gelegenheits-Rede. Er hatte zum Vorspruch gewählt: Ego sum pastor bonus, bonus pastor animam suam dat pro ovibus. Cognosco oves meas et cognoscunt me mea. Die Ausführung übertrafe aller Erwartung. – 9.-10. warm.
11.-13. – Reif und Nachtfröste. Das Malder Korn gilt 30 Schilling, Haber 19 ditto.
15. – Etwas Regen. Heut, als am Pfingsttag, hat der neue Fürst zu Köln im Thum das erste Hochamt gehalten. Nach dessen Endigung ertheilte er dem auf dem Dohmhof versammelten Volk den päbstlichen Seegen. Jeder muste aber zuvor beichten.
16.-18. – Schön Wetter, zuweilen regnet es ein wenig. 19ten Reif. Der Küster von den Missionarien ist schon hier angelangt.
20ten – Dunkel. Die Bagage deren Bußprediger ist mit einigen Karren an der Schiffbrücke abgeholt worden. Kurz hernach kam ein Expressen, der den Missionsküster wieder zurück ruft, weil der Pater Beut krank ist. Ihre Hiehinkunft bleibt also biß den Sontag nach Fronleichnam ausgestellt.

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Mey
Am 21ten – Es hat diese Nacht gereift, im Tage ists trocken, am 22ten heiß.
Am 23ten – Reif. – Am 25ten etwas Regen, 26ten, Fronleichnamstag, sehr heiß. Der Küster der Herren Missionarien ist angelangt. Morgen kommen sie selbst auch, eine ausführliche Beschreibung der ganzen Mission ist am Ende in der Beylag Numero 1 nachzusehen.
27ten – Etwas Regen. Es ist ein elender Frühling, noch immer trocken und zuweilen kalt. Es ist deshalben eine Sacramentalische 8tägige Messe von geistlicher Obrigkeit mit Abbettung der Litanie von allen Heiligen verordnet worden. Mit dieser Messe ward heut umb halb 5 Uhr angefangen.
28ten-29ten, Sontag – Es stürmte zuweilen. Deswegen sind heute, als am ersten Bußtage, keine Prozessionen hiehinkommen.
30ten – Reif und kaltes Wetter. – Unser gnädigster Landsherr Karl Theodor wird morgen in Düsseldorf erwartet. Die Reise geht durchs Langenfeld. Deswegen sind heut 20 Dragoner und 4 Ofizier hier, die seine Kurfürstliche[15] Durchlaucht jenseit des Rheins ihre Aufwartung machen müssen.
31. – Reif und verderbliche Witterung. Allenthalben heitzet man die Stubenofen.
Junius.
Am 1ten – Das Korn beginnt zu blühen, 2ten und 3ten naß und kalt.
5ten – Durchdringender kalter Regen, 6ten Regen, am 7ten warm und heiter.
Vom 8ten bis 11. – Fruchtbar schönes Wetter. Am 12ten sehr heiß, zuweilen Regen.
Den 13ten, Sontag – Die Herren Missionarien halten heut zu Gohr die erste Bußpredigen; deshalben ward heut umb 5 die erste, umb 5 die zwote Messe gehalten, nach welcher wir mit einer sehr zahlreichen Prozession auf Gohr wahlfartheten. Der Zug ging über Nivenheim, durch den Mühlenbusch, kamen wir um 9 Uhr da an. Wir wohnten den Predigten bey und traten umb 5 Uhr die Heimreise in auferbaulichster Ordnung an. Dormagen hat sich ganz geändert und führt nach Aussage der Herren Missionarien jezt ein englisches Leben. Um also das Andenken der Mission beständig neu zu erhalten, werden morgens in der Frühmesse die Mission-Gebethe und –Gesänge gehalten, auch verrichtet der Küster nach dem Abendklockläuten die in dem Missionsbuch vorgeschriebene Abendsandacht am Missions-Kreutz auf dem Kirchhof. Die Leute wohnen sehr zahlreich bey.
14.-15ten – Es ist heiß im höchsten Grad, bis am 18ten warmer Regen, man pflanzet Kappus.
Am 19ten, sontags – Ha[l]b 4 zu Morgen giengen wir wieder mit einer Prozession von 200 Seelen auf Gohr, die mehristen communizierten da, und um 8 Uhr abends waren wir wieder hier. Es war schön Wetter.
Am 20ten-25ten – Warm und zuweilen regnet es dabey.
26ten, Sontag – Heut machen die Missionarien zu Gohr den Beschluß. 27ten heiß.
29. – Grosse Hitze.
30ten – Durchdringlicher Regen.

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Pro Memoria deren Begebenheiten, so sich anno 1785 dahier bey dem Besuche deren Herren Missionarien eräuget haben. Dormagen[16]
Am 26ten Mey – Nemlich am heiligen Fronleichnams-Tage, ist der Küster deren Herren Missionarien dahier eingetroffen, nahmens Michael Schiffer.
Am 27ten dito – Morgens 11 sind die bey den Herren Missionarii, nemlich der Herr Pastor von Grimlinghausen, Herr Zimmermann, mit Herrn Camps, mit einer einspännigen Schaise à corande, da wir ihre Bagage schon vor 8 Tägen abhohlen musten (vide diarium 85) im Gasthause zum Lämbchen abgestiegen, wo sie nach genohmenem Mittagmahle die hiesige Kirche in hohen Augenschein nahmen. Es wurden also 2 Dienstleuthe bestelt, welche die Anstalten zu denen zwey Bühnen, eine auff dem Kirch-Hofe unweith dem Kirchgäßchen, errichtet, die zwote wurde in die Kirche gerade vor die Kantzel neben den Kreutzaltar auff die Bänke aufgestelt.
Am 28ten, Samstag[17] – Heute morgens 9 Uhre, als vorhero 3 mahlen geläutet worden, wurde daß Liedchen "Alles meinem Gott zu Ehren" gesungen, undt nach Endigung dessen wurde die Benediction gegeben, demnach die Missionsgesang-Messe. Diesen Abend 5 Uhr wurde wieder wie auch im Halbbunt[18] precise 6 Uhr geleuthet, demnach wardt wieder "Alles meinem Gott zu Ehren" 1 Verse gesungen und ferner die

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die Litanie der Mutter Gottes. Soforth wardt der Seegen gegeben, wobey eine Predig, nemlich "Warum sie hiehin gekommen", also erstens um unserem Herrn Seelsorgeren in etwa behülflich zu sein. Übrigens um die Verstokte wieder in ihr Gewissen zurückzuführen, letzten die hiezu dienlichen Mittel, wornach etlichen Lieder-Versen der Seegen gegeben wurde.
29., Sontag – Heute morgens 6 Uhr ward von Herrn Camps die erste heilige Messe mit Abbettung eines Roosenkrantzes gehalten, wozu zweymahl der Seegen gegeben wardt, und demnach hielt ermelter Camps eine Predigt, also: "Quid prodest homani, si universum mundum lucratur, anime vero sua detrimentum patiatur". Umb halb 9 wurde mit der kleinsten Gloke ein Zeichen gegeben, worauf um 9 mitt allen Glocken zusammengeläutet, demnach wardt der Segen gegeben, wo sogleich die in den Büchlein aussgezeignete Missions-Messe erfolgte undt hiemit durch die Benediction beschlossen. Demnach hielt Herr Zimmerman wieder eine Predig: "Deum tuum adores et solum ei servies", undt als diese zur Endschaft gediehen, hielt unser Herr Vicar wieder eine Benedictions-Messe, wobey die Litanie vom Nahmen Jesu abgesungen wardt. Nachmittagß 1 Uhr wardt von hiesigem Pfarrer die kristliche Lehre gehalten, um 2 Uhr die erste Predigt, eine Unterweisung "Fugite fornicationem" von Herrn Zimmerman, der 1ste Theil wardt in der Kirche, der 2te aber aufm Kirch-Hofe gehalten. Unt als solche zur Endschaft gediehen, hielte

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Herr Camps die Bußpredigt auf der Kirch-Hofsbühne: "Mors peccatoris pessima est". Als solche vollendet, wardt daß Venerabul von hiesigem Herrn Pfarrer in pluviali mit 4 Buben mit 2 Schössen mit Flambauen mit 2 Leuchten mit dem Rauchfasse zur Bühne auf den Kirch-Hof getragen, wozu der Herr Zimmerman eine kurtze Anrede hielte. Inzwischen ist der Herr Schönenbusch, ein alter frommer Jesuit, angekommen, welcher ein mehr englisch als heilig Leben führet: Er isset nichts als Gemüß, Wasser undt Brodt. Abends halb sechß wardt mit der kleinster Kloke ein Zeichen gegeben, worauf um 6 mit allen Gloken geleutet wurde, undt so gienge die Abendts-Andacht wie im Missions-Büchlein gezeichnet vor sich, wonach Herr Schönenbusch eine kurze Anrede hielte: "Cor contritum et humiliatum deus non despicies".
30ten, Montag – Heute wie gewöhnlich ware umb 6 Uhr die erste Mese, hernach hielte Herr Camps eine Unterweisung: "Factum est hominibus semel mori, et post hac est judicium", ansonsten wirdt heute die Andacht wie gesteren gehalten. Die 2te Morgen-Predig hielt Herr Zimmerman: "Reddite omnibus debita", als schon zuvor Herr Schönenbusch um acht Uhr die christliche Lehre gehalten hatte, darnach wieder eine Messe. Um 1 nachmittagß hielt Herr Schönen-Busch die kristliche Lehre, hernach Herr Zimmerman noch den 3ten Theil seiner Morgenpredigt aufm Kirch-[H]of, hernach Herr Camps die Bußpredig daselbst:

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"Nobis jussit predicare populo et testificare, quoniam ipse lit judex mortuorum atque vivorum", undt bey der Abends-Andacht hielt Herr Schönenbusch eine Unterweisung: "Querite primum regnum coelorum"
Den 31ten, Dienstag – Die gantze Andacht wie gestren. Die erste Morgenpredig von Herrn Camps: "Du solst wissen, daß Gott durch die Sünt beleidiget wirdt, welche es verdient, gestrafft zu werden". Die 2te Morgen-Predig von Herrn Zimmerman: "Hüte dich, daß du mit der Zunge nit sündiges, damit dein Fall unheilbahr werde". Die erste Nachmittagßpredig von Herrn Camps: "Lasset uns unsere Wege erkündigen unt suchen, uns mit dem Herren wieder zu vereinigen". Die Bußpredig von Herrn Zimmerman: "Der Reiche starb und wardt begraben in die Hölle". Bey der Abends-Andacht die Anrede von Herrn Schoenenbusch: "Undt ihre Zeit wirdt sein in Ewigkeit"
Am 1ten Juny, Mittwoch – Heute frühe ware keine bestimte Messe, sonderen die Herren Missionarii sassen Beicht, der Herr Zimmerman bey Joan Adolff Fix, Herr Camps bey Joan Krahn und Herr Schönenbusch bey Orban Meisen. Heute schon haben einige communiciert. Um 9 Uhr ware die Missions-Messe, wobey Herr Zimmerman predigte: "So jemandt die seinen nicht, sonderlich seine Haußgenossenen nit versorget, der hat den Glauben verleugnet unt ist ärger als ein Unglaubiger". Nachmittagß 2 Uhr unt morgens 8 die christliche Lehr von Herrn Schönenbusch, die Abents-Andacht mit einer Predig von Schönenbusch: "Ihr dient und gehorchet euren leiblichen Oberen". Die Missionarii sitzen Beicht von morgens 5 biß abents 7 Uhr.

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Am 2ten Juny, Donnerstag – Der General-Communion-Tag. Heute wurdt die Donnerstagß-Messe-Fundatio morgens 4 Uhr gehalten, wornach die Communion außgetheilet wurde. Um 6 Uhr hielt Herr Camps die erste Missions-Messe mit der Benediction mit daß Hochwürden Guth blieb außgesetzt, wobey eine Anrede: "Der Mensch prüfe sich selbst, unt also esse er von diesem Brodt". Darauf wardt die Communion daß 2te mahl außgetheilt. Um 9 Uhr war wieder eine Missions-Messe, wornach Herr Zimmerman eine Predig hielte, wieder den Thema: "Der Mensch prüffe sich selbst undt als denn esse er von diesem Brodt", darnach wieder eine heilige Messe. Um 2 Uhr nachmittagß die kristliche Lehre, um 6 Uhr abents die Andacht, wieder den Thema der Predig von Zimmerman: "Ihr Diener gehorchet euren leiblichen Oberen".
Am 3ten Juny, Freitag – Heute morgens 5 wurden die Lesse-Messen gehalten, um 8 die kristliche Lehre, um 9 die Missions-Messe mit einer Predig von Herrn Zimmerman: "Daß Sacrament der Ehe ist heilig in Christo undt in der Kirche". Bey der Abends-Andacht hielte Herr Camps eine Predig, Thema: "Ihr Elteren, reitzet eure Kinder nit zum Zorn, sonderen haltet sie in der Zucht unt Gottesforcht".
Am 4ten – Heute um 9 Uhr morgens war die Missions-Messe, nach selbiger eine Predig von der Mutter-Gottes: "Erfreuet euch mit Jerusalem unt seydt frölich mit ihr, alle, die sie lieb habet". Bey der Abends-Andacht hielt Herr Camps eine Predigt, Thema: "Ihr Kinder, gehorsamet euren Elteren".
Am 5ten, Sontag – Heute 6 Uhr war die erste Missions-Messe mit einer Predig, Thema: "Ich will die Gebotte Gottes folgen unt sie behalten", von Herrn Schönenbusch.

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Um 9 Uhr ware die 2te Missions-Messe, wobey Herr Zimmerman eine Predig hielte: "Du solst deinen Nechsten lieben wie dich selbst", demnach eine Segens-Messe. Nachmittagß 1 Uhr war die christliche Lehre auffm Kirchhof, worüber aber ein heftiger Regen erfolgte. Um 2 Uhr hielt Herr Camps die erste Predig in der Kirche: "Wehe dem Menschen, durch welchen Ergerniß kömbt", um 3 hielt Her Zimmerman die 2te Predigt in der Kirche, von der büßenden Magdalena: Sie hatte ein Alabaster-Büchß mit köstlichen Salben, gosse sie auß über die Füsse des Herren, benetzte ihn mit ihren Zähnen, trocknete mit den Haaren ihres Hauptes. Diesen Morgen um 9 Uhr kame eine Prozession von Grimlinghausen, ungefehr 200 Man stark. Nachmittagß um 3 Uhr kame wieder ein Prozession vom Stürtzelberg. Abends 6 Uhr hielt Herr Camps bey der Abends-Andacht eine Predig: "Wer die Gefahr liebet, kömbt drin um".
Am 6ten, Montag – Heute morgens 9 Uhr ware die Missions-Messe, nach welcher Herr Schönenbusch ein Predig von den Verstorbenen hielte, Thema: "Die Hant deß Herrn hat mich getroffen", nach dem noch ein Meß vor die Verstorbene. Nachmittagß 2 die kristliche Lehre, umb die Abends-Andacht mit einer Predig von Zimmerman: "Daß Reich Gottes besteht nit im Esen unt Trinken, sonderen in der Gerechtigkeit, in Friede und Freude". Diesen Nachmittag hat der Küster von den Missionarien prozesionsweise die Kinder, so erst-communicieren, zu den Beicht-Häuseren geführt, laut bethent.

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7ten, Dienstag – Heute sieben Uhr waren alle Kinder, so zu erst communicieren, in der Kirche, wo eine Bühne über alle Bänke am Weihsteine auf der Linken Seite biß an die Kantzel aufgeschlagen ware. Zu erst gienge Herr Camps mit den Kinderen prozessionweys biß an den Schwanen, von da zurück auf die Bühne. So gienge die Missions-Messe an, nach selbiger eine Anrede, demnechst giengen die Kinder communicieren, hernach eine Messe mit einer Anrede. Nachmittagß 3 Uhr sint wir mit den Kinderen, 33 an der Zahl, auf Worringen gangen. Alle Pfargenossenen haben sich hiebey sehr zahlreich eingefunden. Die Prozession erstrekte sich vom Pflug biß auf den Dam. Zu Worringen hielten wir eine Andacht wie gewöhnlich mit einer Predig von Herrn Zimmerman: daß wir die gegenwertige Zeit wohl brauchen müsten undt durch gute Werke die verflossene zurück rufen könten.
8ten, Mittwoch – heute morgens 9 Uhr ware die Missions-Messe, nach selbiger die kurtze Auslegung des Wassers, sogleich darauf aufm Kirch-Hof gesegnet ward, ungefehr 3 Ahmen wardt gehohlt. Zu Abent 6 Uhr war die Abents-Andacht mit einer Predig von Zimmerman: "Du solst den Sabbath heiligen".
9ten, Donnerstag – heute morgens 6 wardt die Donnerstags-Messe gehalten wie gewöhnlich um 9 Uhr die Missions-Messe, nach selbiger die Auslegung: "Weßwegen man ein neues Missions-Kreutz aufgerichtet, die Bildtnis ist geblieben". Nach dem wardt daß Kreutz wie auch alle Hauß-Kruzifixer gesegnet.

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Daß Venerabel wardt zugleich auf ein hiezu errichtetes Tischchen vor daß Missions-Kreutz hingetragen mit den Himmel, 2 Fähnchen, 6 Flambauen, 2 Leuchten, dem Rauchfaß undt grossen Fahnen. Sofort gienge man prozessionsweise auf die Bühne, wo eine Predig von Zimmerman: "Wer verharret biß zum Endt, der wirdt seelig werden". Demnach giengen wir mit einer sehr zahlreichen Prozeßion oben am Dorfe hinauß mit dem Hochwürdigsten Guth, sambt der gantzen Staat, unter immerwehrenden Geleute aller Glocken, undt kehrten an der sogenannten Nettergasse um 12 Uhr wieder herein. Wir haben 1400 Hostien gebraucht.
Mitthin dienet es dem zeitlichen Küster zur Warnung, niemahlen bey einer Mission einen Vorkeufer abzugeben, zum Beyspiel mit Missionsbücher, Kreutzer unt so weiter. Denn bey solchen Fällen borget einer, ein ander bezahlt nit, unt so gibt es allerhant Schwierigkeiten. Heute Abend hielte Herr Schönenbusch am Kreutz-Weg eine Andacht.

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Julius
Am 1ten – Dunkel. Es wird Saamen geschnitten. Am 2ten starker Regen.
Am 3ten bis 11ten – Warm, aber alle Tag regnet es. Für die Heuarbeiter verdrüslich Wetter.
Am 12ten – Es ist heute schön warm. Am 13ten sehr heiß.
Am 14ten – Etwas Regen. Man fangt an, Korn zu mähen. Vom 15ten bis 19ten Regen.
Am 21ten – Regen. – Heut starb hier eine arme Frauenpersohn, Anna Maria Heupens. Sie war vor 8 Tagen von Worringen dienstweise hiehin gebracht und in des Joan Deusters Scheure logirt. Der Pastor hörte sie beicht, aber als unser Chyrurgus Eller entdeckte, daß sie an der Venerischen Krankheit darnieder läge, die sehr ansteckend ist, deswegen ward sie nicht mit den übrigen Sacramenten versehen. Sie ware in einem Alter von beynah 40 Jahren, hatte vor 17 Jahren ihren Ehmann verlassen, schwärmte diese Zeit mit Husaren und Soldaten herum, gebahr vor 8 Jahren ein Kind, das gestorben ist, und war so elend, daß die Würmer ihren Unterleib zerfressen hatten.
22.-23. – Regen. Am 24ten, Sontag: schön Wetter. Deswegen wurde heut in der Frühmesse jedem erlaubt, im Heu zu arbeiten. 25. heiß, aber etwas Regen.
26ten – Es ist sehr heiß, und doch vergeht kein Tag, daß man nicht Regen spührt.
28. – Es wird fleissig Korn gemäht. 31ten heiß, doch etwas Regen.
Augustus
Am 1ten – Schön Wetter. Heut ist das erste Korn eingefahren worden. Das Heu ist überflüssig gerathen, aber wegen dem langwierigen Regen ist’s schlechte Waare und sehr unwerthlich. Vom 30ten Junius bis hieher sind keine 3 Tage vergangen ohne zu regnen.
Am 2.-5ten – Trocken. Es ist vieles Korn eingefahren. 7ten bis 10ten Regen. Es steht noch viel Korn unten im Feld auf dem Halm fest, Weitzen und Haaber sind reif, allein, das wiedrige Regen-Wetter ist hinderlich im Fortkommen mit der Arbeit. Das Malder Rabsahm gilt 7 Reichstahler.
11ten – Mann hat etwas einfahren können. 12ten schön Wetter. Am Damme ist an einem Monath nicht gearbeithet worden, wegen der Ärndte.
Am 14ten – Regen. – 15ten: Es regnet Tag und Nacht.
19ten – Wegen dem anhaltenden Regen ist an einer ganzen Woche nichts eingescheuert und wenig abgehauen worden. Es steht noch Korn fest.
20ten – Wenn man des Morgens aufsteht, dan regnet es, und abends hört es noch nicht auf. Der Frühling ware kalt und der Sommer naß. So schlechtes Wetter weis sich nicht zu erinnern, jemalen erlebt zu haben, und jeder ist unwillig darüber. Am 21ten und 22ten Regen. Wäre das Wetter nicht so fatal, so könnte mann dieses Jahr unter die vollkommensten zählen. Winter- und Sommerfrucht ist treflich gerathen, aber Korn und Weitz wachsen auf den Gästen. Gemüß ist in Überfluß und von aller Art.
Vom 23ten bis 26ten anhaltender Regen. Am 27ten – Man hat doch etwas eingescheurt, besonders das Korn, welches auf Gästen immer umgesezt worden.

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Augustus
Am 28ten – Schönes Wetter. Heut ist es Sontag, und es ist wieder jedem erlaubt, einzuscheuren. Am Abend Regen. 29ten trocken. – Kornpreis ist 26 Schilling, Haaber 18 ditto, Weitzen 4 Kronenthaler.
Am 31ten – Dunkel. – Es stehn noch bey 200 Gäst Korn unten im Feld.
September
Am 1ten – Starker Regen. Gemäß einem Kuhrfürstlichen Befehl mus hinfort von Apfeltrank und Dünnbier Accise bezahlt werden. – Der bisherige Secretair unseres Amtmannes, Herr Schweren, ist als Amtsverwalter ernannt worden. Den 2ten sehr heiß, den 3ten Regen, den 4ten heiß.
Am 5ten – Gestern Abend wurden die Einwohner von Horm in grossen Schröcken versezt. Schlechte Menschen hatten die Wohnung des Bernard Braun im Rauch aufgehen lassen wollen. Im Abfange der Scheure war durch eine kleine Öfnung Feuer angebracht. Doch die Menge helfender Nachbarn dämpften die Gluth. Es war bereits eine Karre Gersten in Asche verwandelt. Man vermuthet die in Herperzhofe sich beständig aufhaltende Bettler seyen die Thäter.
6ten und 7ten – Heiß. Heut ist das letzte Korn eingefahren worden.
Vom 8ten bis 11ten – Schöne Tage. Die Haaber wird fleissig eingefahren. – Die 5 Damm-Enteprenneurs hatten im Frühjahr die Theile des Dammes, welche im Herbst fertig waren, mit Haaber und Kleesamen besahmet. Diese wird jetzt gemähet. Auch ist gestern wieder mit der Arbeit am Damme angefangen worden. Am 13ten heiß, auch 14ten so.
16. – Diese Tage sind sehr heiß, und den 17ten regnet es den ganzen Tag. Kornpreis ein Ducaten. Neuer Weitzen 6 Reichstahler, Haaber 2 ditto. Am 15ten ist das erste Korn gesähet worden. Die Kayserliche Truppen cantoniren noch in Brabant, bisher ohne Operation. Den 18ten Regen, den 19ten trocken.
Am 21ten Regen, der ununterbrochen bis den 24ten anhaltet. Auf dem Kranenorth wird auf den Sand gesähet und dan untergebaut. – Es gibt viel Grummet, und der in Arbeit ist, wird bald alle faul.
25ten – Der Regen hat den heutigen hohen Kirmes-Tag nicht einmal verschonet. Es sind 11 Musikanten hier, 3 bey Scheffen Steinberger im Anker, 3 bey Herman Schmitz im Göldnen Stern, 3 bey Anton Giehr im Adler und 2 bey Heinrich Cremerius im Grünen Wald, einquartiert.
26ten – Regen. Obschon die Missionarien so stark gegen die Bauren-Reyen geeifert hatten, so hat doch eine Companie Jungen ihre alte Gewohnheit nicht geändert. Mathias Weingarten agirt als Herr mit einigen Korporäls und Läufer bey Herman Schmitz.
27ten – Es ist schön Wetter. Die Kirmes hinket gewaltig. Allenthalben ist die Arbeit wegen dem Regenwetter zurückgeblieben, und diese wird der Kirmes vorgezogen.

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Septembris
Am 28ten, mitwochs – Es wird gebaut, gesähet, geegt, Grummet gemacht und am Abend getanzt und sich lustig gemacht. Der Rhein schwoll so stark an, daß diesen Nachmittag schon die Gründe in den Kempen überschwemmt waren.
29ten, Michaeli-Tag[19] - Heut ists noch recht Kirmes, aber diese Nacht wird der Beschluß seyn. Den 30ten warm. Es stehn noch ungefehr 30 Karren Haaber und Buchweitzen unten im Feld, die kleinen Bohnen noch alle.
October
Am 1ten – Kälterich, aber trocken. Das Korn gibt dies Jahr vollkommen, ein ordentlicher Drescher bringt alle Tage 8-9, auch 10 Faß reinen Korns auf den Süller.
Am 2.-3ten – Kalt. Man fängt an, die Stuben-Ofen einzuheitzen. Am 4ten Regen.
Vom 5ten bis 9ten – Regen-Wetter. – Von hoher geistlicher Obrigkeit ward verordnet, eine 8tägige Segens-Messe mit Abbettung der Litanie von allen Heiligen zu halten, damit der liebe Gott das Weingewachs segne. Das halten wir nun diese Woche, doch weil die Bauern nit so gerne Wein trinken als die geistliche Herren in der Stadt, so fand der Pastor es für schicklicher, die Intention auf die Feldfrüchte anzulegen.
Am 11ten – Regen. Vom 12ten bis 15ten sehr schöne Tage. – Im Jahr 1609 ist eine landesherrliche Verordnung ergangen, daß Geistliche keine Güther mehr kaufen dörfen. Nun ist allen geistlichen Pächtern angedeutet worden, in Zeit 14 Tägen ihre Pachtbriefe einzubringen und die Höfe oder sonstige Güther, welche nach der benennten Jahrzahl gekauft worden sind, sollen eingezogen werden.
16ten – Schön Wetter. Diesen Nachmittag ward die grosse Klock gezogen, und als die Gemeinde versammelt war, wurd vorgetragen: 1tens soll jeder die anschliessende Feldwege in brauchbare Stand setzen, 2tens soll in 3 Wochen Zeit der Dreck im Dorf aufgeschlagen und herausgefahren werden, 3tens soll in jeder Nachbarschaft ein Brunnenmeister ernennt und die Nachbarpfützen in brauchbare Stand gesetzt werden, 4tens soll eine aus zwey Mann bestehende Nachtwacht errichtet werden. Das hiezu einstweilen bestimmte Kühhorn mus alle Abend bey Vorsteher Joan Langel abgeholt und morgens 3 Uhr wiederbracht werden. Diesen Abend ist damit der Anfang gemacht worden.
Am 18ten – Angenehm. Den 19ten und 20sten etwas kalt, bis am 25ten angenehm.
26ten – Es hat ein wenig gefroren. – Der Kayser hat mit den Holländern Friede gemacht. Es ist kein Mann verblieben, es müste sich dann ein Wurmser Husar an Speck und Saurkraut tod gefressen haben. Der Kayser darf auf der Schelde frei fahren bis Saftingen. Also ist aus der Indienfahrt nichts geworden. Kafe und Zucker bleiben theur. Die Ansprüche auf Mastricht werden dem Kayser mit 5 Milionen abgekauft.

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October
Eben so viel wird für die Kriegskosten bezahlt, und die Keyserliche Truppen ziehen wieder nach Haus. Am 28ten Frost, ditto am 29ten.
Den 30ten angenehm. – Alle Abende wird die Missions-Andacht am Kreutz auf dem Kirchhofe gehalten, die Nachbarn finden sich zahlreich dabey ein. Wenn’s regnet, so gehen wir in die Kirch.
31ten – Kalt. – Das Malder Korn wird um 26 Schilling verkauft, Gerst 1 Ducat. Am Damme wird mit 100 Mann gearbeithet. Jeder verdient 15 Stüber. Das Korn, welches auf dem Kranenorth untengebauet worden, ist schon alle vom wehenden Sand verdorben.
November
Den 1ten schön Wetter, am 2ten ist es sehr warm vor diese Jahreszeit.
Am 3ten – Regen. – Den 4ten angenehm. Das Malder Gerist wird jetz ein Stüber theurer als vorher, folglich zu 43 Stüber, in Zons verkauft. Am 5ten warm, den 7ten naß. Jetz wird auch am Damm mit 8 Pferds-Karren gearbeithet.
Am 10ten - am 11ten – Frost. Am 12. und 13ten Regen. Am 15.-16ten Frost. – Im Stüttgens Busch zwischen Neuß halten sich Spitzbuben auf. Verschiedene Personen sind ausgezogen worden, ein Diener von Knechstein attakirt, dem Grimmlinghauser Förster das Geld abgenohmen und noch verschiedene Exzessen vorgegangen. Es sind Leuthe von dem Kayserlichen von Steinischen, nunmehr in Brabant abgedankten Freykorps, die sich nun nach Haus betlen müssen, und deswegen verfallen sie auf so niedrige Handlungen. Am 19ten Frost. Vom 20ten bis 29ten offen Wetter ohne Frost. Allen abgedankten Kayserlich-Königlichen Soldaten ist zur Warnung kund gemacht, sich binnen 4 Tagen aus dem Land zu machen. Auf der Gülischen Gränze werden ihre Pässe unterschrieben und datirt.
Am 18ten – Es geht allenthalben drüber, der Frost ist sehr stark. Am 20ten Regen.
Vom 21ten bis 30ten – Angenehme Tage, zuweilen Regen. – Der Damm ist bald fertig, ausser vom Piwitten-Pätchen bis unten in die Ecke, da hat er seine Höhe noch nicht, wird auch vor dem Winter nicht fertig werden. Wo der Monheimer Weg hinübergehen soll, da muß die Gemeinde dienstweis auf beiden Seythen anhöhen. Kornpreis 25 Schilling.
December
Am 1ten nasse rauhe Witterung. Am 2ten – heut wird mit 8 Dienstkarren die Landstrasse vom Pflug bis über den Damm gemacht, dann wird der Monheimer Weg vorgenohmen. Am 4ten Regen und Schnee.
Am 7ten – Continuierliche nasse Tage. Am Damm wird noch gearbeithet.
Am 10ten Frost. Am 12.-13. Regen. Diese Nacht haben 300 Kayserliche zu Nivenheim übernachtet. Wir sahen sie über Horm und Jussenhoven auf Worringen zu dem Oberlande hinreisen.

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December
Am 16ten – Die Nachtwacht ist jetz rund gewesen, folglich alle Jahr sechs mal. Man hört noch immer neue Anfälle auf reisende Personen im Stütchen. Kornpreis 2 Reichstahler 12 Stüber, Gersten 3 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 2 Reichstahler, guter Weitz 19 Gülden, 100 Strohbauschen 4 Reichstahler. – Das Holz steigt sehr stark im Preise: Ein Seil auf dem Gohrbusch, das man vormals um 25 bis 30 Reichstahler kaufte, ward dieses Jahr zu 40 Reichstahler erhöht. Am 17ten Frost. – Die Missions-Gebethe in der Frühmesse ist nunmehr abgestellt. Der Pfarrer fande es, aus mir unbekannten Ursachen, forthin nicht dienlich. An Regen-Abenden ist es uns auch zugleich verbothen, in die Kirche zu gehen. Deswegen müssen wir bey unangenehmen Wetter die Abendsandacht kurz abbrechen. Die Leuthe stellen sich sehr häufig ein.
‘‘Am 18ten – Frost bis am 21. anhaltend, aber doch nicht beträchtlich. Das Pfund Schweinenfleisch kostet 6 Stüber in albis. Am 22ten dunkel, am 23. und 24ten stärkerer Frost, 25. Schnee.
27ten – Gar nicht kalt. Heut, als am Joannistag, ward vorhin der Joannis-Wein vom Priester am Altar aus einem Kelch gereicht, die Leuthe giengen als wie zum Opfer, empfiengen dann aus der Hand des Priesters den gesegneten Wein. Seit dem Jahr 1781 wird gemelter Wein an der Kommunions-Bank und aus dem Communicanten-Becher ausgetheilt. – Es ward am Damm noch gearbeithet, und am Monheimer Weg noch gedient. Am 29ten kalt, am 30ten kälter, am 31ten starker Frost. Der Rhein geht steif mit Eiß. Am Damm wird mit der Arbeit eingehalten, und der Monheimer Weg ist fertig.
Der Kuhrfürst von Köln will eine neue Landstraße auf Holland anlegen. Es ist bereits ein neuer Postwagen errichtet, der von Köln bey Posthalter Pauli abgeht und über Hackenbroich, Neus und Venlo die Route macht. Dahin soll auch die Landstraße gemacht werden. Von Köln bis an unsere Limitten ist der Weg schon mit Weidenbäumen besetz und in fahrbarem Stande. Das wäre dan überflüssig, wenn der Zug über Hackenbroich gehen sollte.
Vom Keyser Joseph ist der Befelch ergangen, daß fürohin die Gerichtsbarkeit der päbstlichen Nuntien im Reich aufhören solle, und die Nuntien wären bloß als Legaten zu politischen und jenen Gegenständen, welche unmittelbar den Pabst oder die Kirche betrefen, zu betrachten. Alle Dispensationen sollen beym Erzbischof und nicht beym Pabst nachgesucht werden, damit das Geld im Lande bleibt.

1786

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1786
Januarius
Am 1ten – ist es sehr kalt. – Im Jahre 1782 ward durch ein landesherrliches Edict das Neu-Jahr und Hochzeit-Schiessen verbothen, um den gewöhnlich dabey entstehenden Unglückeren vorzubeugen. Dieses wird auch pünktlich befolgt. Man hört keinen einzigen Schuß.
Am 2ten – Schnee und Frost. Das Malder Korn gilt 3 Reichstahler.
3ten - den 4ten – Frost. Der Rhein hat sich zu Düsseldorf gesetzt.
5. – Kalt, zu Grimmlinghausen und auch am Stürzelberg steht die Eisdecke fest. Des in der Beylage C 1786 gedachte und flüchtig gewordene Scheffen Platt von Gohr seine Habschaften sind confiscirt und zur Bestreitung der Gerichtskosten verwendet worden. Die Nachstellungen der goldmachenden Familie hören noch nicht auf. Vor einigen Tagen ward der junge Georg Martio auf Grimlinghausen bestellt, ein Kind aus der Taufe zu heben, dann sollte er unterwegs aufgeschnappet werden. Martio merkte den Possen und bliebe zu Haus.
Am 6ten – Bitter kalt. Am Abend fienge es an zu isselen und ist den 7ten morgens so glatt, das man nicht wohl über die Strasse gehen kann, ohne zu fallen. Diesen Mittag um 2 Uhr steht die Eisdecke an der Piwitte schon fest und landet immer höher an. Das Wasser wächst.
8ten – Langsamer Regen. Der Rhein hat gestanden bis an die Worringer Drenk und ist jetz wieder am Treiben. Den 9ten Regen.
Am 10ten ist schon das Obereis passirt. – Die Feldfrüchten sehen gut aus. Sahm und Gersten haben noch vom Frost nichts gelitten. Das Malder Korn 3 Reichstahler.
Vom 11ten bis 16ten – Angenehme Frühlingstage. Das 100 Pfund Heu gilt 30 Stüber.
Am 17. und 18ten Regen, am 19ten ists so stark gefroren, daß alles drüber geht. Am Monheimer Weg am Damm wird jetz wieder mit 6 Karren gedient. – Die Steuer-Nachlasse wegen der vierundachtziger Überschwemmung ist herausgekommen und hatt alle unsere Erwartung übertrofen: Ganzer 25 nacheinander folgende Jahre ist das Rheinfeld steuerfrey, und 6 Jahr bezahlt das oberste Feld an das ünterste. Mithin bekömt derjenige, welcher mehr Ländereyen unten als oben im Feld hat, jährlichs noch Geld in die Hände, und an 6 Jahren bekömt der Fürst von Dormagen nichts, die 25 Jahr aber nur die Steuren vom obersten Feld. Dieses hat Dormagen besonders den beyden Schefen Sturm und Steinberger zu verdanken, welche bey dem Geheimbden Rath und Gesandten von Grein gut accredirt sind. Durch dessen Bewirkung diese so äusserst vortheilhafte Nachlaß herausgekommen ist.

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Januar
Am 19ten bis 22ten – Frost. – Am 23ten Regen, am 24. und 25ten angenehm Wetter. Die Abendsandacht wird seit dem 9ten Junii vorigen Jahres noch alle Abend gehalten. Die Versammlung ist noch immer sehr zahlreich.
26ten – Fruchtbares Wetter. – Im Weddeshof sind viele Mäuse.
28ten – Der Kornpreis ist 3 Reichstahler, Weitzen 5 ditto und Haaber 100 Stüber. Bis den 31ten dunkel, zuweilen Regen.
Februar
Am 1ten Regen, am 2ten Schnee und Frost, am 3ten und 4ten kalt.
Am 5ten und 6ten – Regen. Am 8ten hatten wir ein fürchterliches Donnerwetter. Die liegende Gründe steigen von Tag zu Tag höher im Preise. Es vergeht kein Tag, wo nicht einige Stücker Ackerland eingelöset werden. Die Familien Fix, Joan Hambloch und Heinrich Coenen werden am meisten heimgesucht.
Am 9ten – Etwas Frost. Am 11ten und 12ten Sturmwind und Regen, am 10ten Frost.
Am 11ten und 12ten – Westwind und Regen, den 16ten angenehme Tage bis am 18ten.
Am 20ten – Etwas Frost, am 22ten kälter. – Der heutige Wahltag ist ganz ohne Unruhen abgegangen. Der Cornelius Straub behält noch ein Jahr den Bürgermeisterstab und das Gouvernement über Hand- und Spanndiensten und Balletmeister des tapferen Dragoner-Korps. Der Gerhard Nusbaum ist Nachtwächter und zugleich Feldschütz. Der Joseph Fitgen ist wegen seinem hohen Alterthüms mit dem Titul "Alter Schütz"[20] in den Ruhestand gesetzt worden. Von jedem Hause muß 15 Stüber zum Salarium des Nachtwächters entrichtet werden. Jacob Bückendorf bleibt noch Generalissimus über die gehörnte Armee, und nächstens soll ein Oberkutscher über den Speckwagen angestellt werden. – Am 23. und 24ten nordwindig kalt, dito am 25ten.
26ten – Heute ist die Fastendispens verlesen worden, und es darf Fleisch gegessen werden: am ersten Fastensonntag zu erst, dann mon-, dienstags, Mitwoch und donnerstags, bis den Karwochen-Dienstag mit eingeschlossen, doch bleibt der Quatertember-Mitwoch ausgeschlossen. Auch darf an den dispensirten Tagen morgens und abends Fett gegessen werden.
28ten – Anhaltender Frost.
Merz
Am 1ten - 2ten etwas Schnee, am 3ten ist viel Eis im Rhein.
Am 4ten – Schnee, am 5ten ist kälter noch als es diesen Winter war, am 6ten kalt.
Am 8ten – Frost. – Heute ist bey Neuwirthen Schmitz das Weggeld verpfachtet worden. Der Henrich Nusbaum hatte es bisher für 37 Reichstahler. Er beschwerte sich, daß wegen der neuen Hackenbroicher Landstrass die Passage hiedurch schlecht gehe. Keiner wollte den Heinrich Nusbaum hintergehen, und also bliebe es ihm für 13 Reichstahler. Der noch lebende Conrad Sand hatte es vor 25 Jahren für 5 Reichstahler im Pfacht.
Am 9ten – Heut wurd zuerst in der Donnerstags-Messe statt dem "Tantum ergo" das Liedchen "Kommt her, ihr Kreaturen all" zum Segen gesungen worden.

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Martius
Am 10ten - Etwas Schnee. Dabey frieret es noch stark. Der Pastor hat dem Küster angerathen, die Missions-Andacht zu unterlassen, um eine Possession zu verhüten. Deswegen bleibt der Küster vom ersten Fastensontag an zurück. Die Leuthe gehen doch noch hin, aber es ist keine Ordnung mehr dabey. Das Malder Korn wird zu 22 Schilling, Haaber zu 12 ditto verkauft.
Vom 11ten bis 14ten – Frost. Am 15. bis 17ten angenehm, am 18ten Regen bis 20ten.
Den 21ten – Es fiel den ganzen Tag häufiger Schnee, in den Gärten ist noch nichts gegraben worden. – Des Anton Giehr im Adler sein Hund ist rasend geworden, hat seinen Sohn Jacob und noch verschiedene andere gebissen, welchen zu Köln geholfen wird.
Am 22ten – Es liegt allenthalben 2 Fuß tief Schnee, hat auch etwas gefroren.
23ten – Angenehm, der Schnee schmelzt. 24ten, heute erst ist gegraben worden.
25ten und 26ten – Schön Wetter. Den 27ten hats wieder einen halben Zoll Eis aufs Wasser geisert. Der Scheffen Küpper als ältester Schefen und Jacob Cremerius wollen die Ausschreibung der Nachlässe als Betrug behaupten und desfals ihre Klagen gegen den Scheffen Steinberger als Steurempfänger einbringen.
Bis am 31ten – Angenehme Tage. Heute blühten die ersten Violen.
Aprilis
Am 1ten – Feines Wetter. Am 3ten – heut ist am Damm wieder die Arbeit vorgenohmen worden.
Ein am 15ten Octobris ergangenes Edickt erlaubet jedem, die von Geistlichen seit anno 1609 gekaufte Güther einzuziehen, gemäß den Lex amortisationis. Hier ist in diesem Fach nichts vorzunehmen, als unsere Kirch hat unter benennter Jahrzahl 18 Morgen Land von der Bertrams-Familie für einen civilen Preiß gekauft. Der Scheffen Küpper hat im Nahmen des Wolter Böss als Erben desfals beym Gericht eingesprochen. Der Schulteiß und Obersteurempfänger Meyer machte zugleich Ansprüche. Nun steht es dabey, ob die Erben für den Fremden mehr Recht haben. – Einen Theil des Burggardt, welcher der Pastorat von Zons eigen ist, will der Küpper auch einlösen. Den 5ten und 6ten sehr schöne Tage. Es müste doch bald regnen.
Am 7ten – Heute ist der Herr Amtsverwalter, der Herr Voigt und Gerichtschreiber hier. Sie sollen die von uraltersher strittige Gränzen mit den Zonser berichtigen. Auf dem Zonser Wertchen hat ein Kreutz gestanden. Ein Schifman liesse dieses aus einem devoten Gedanken auf der Gränze errichten. Dieses Kreutz ist vor einigen 50 Jahren von da weg und vor die Worringer Kirchhofsthüre gesetzt worden. Nun sind auch die Fundamenta nicht mehr wiederzufinden.
Am 8ten hatten wir ein starkes Donnerwetter mit heilsamen Regen.

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Aprilis
Am 9ten, Palmsontag[21] ist die Prozession wegen dem üblen Wetter hierblieben und an deren statt der Rosenkranz und die 7 Stationen in der Kirchen gehalten worden. Am 10ten – es hat Eis aufs Wasser gefroren.
Am 11ten – Frost. Den 12ten ditto. Diesen Nachmittag umb halb 5 giengen wir mit der Prozession aus und waren um 6 Uhr schon wieder in der Kirche.
Am 13ten – Frost und Reif, im Tag ists warm. Am 14ten – die heutige Kahrfreitags-Prozession ware sehr zahlreich. Es hatte auch die Nacht nichts gefroren.
Am 16ten – Ostern[22] – Es ist ganz schön Wetter, herrlicher war nie ein Ostertag. Der Kuhrfürst und Erzbischof von Köln hat die bißher gewöhnliche 14 Täg dauernde österliche Zeit von nun an biß Kristi Himmelfahrt verlängert, die sonst nur von Palmen biß zum weissen Sontag dauerte.
Am 17ten – Sehr warm, am 18ten biß den 23ten trocken warme Tage.
Am 24ten und 25ten – Zwey regnite fruchtbare Tage. – Heut ist dem Anton Giehr sein Sohn im 15ten Jahre seiner blühenden Jugend elendiglich gestorben. Der Biß des am 21ten Merz rasend gewordenen Hundes hat ihn angesteckt. Er hat zwar zu Köln rathgethan, aber man sagt allgemein, die[23] Mutter habe das auferlegte Gebeth und die hiezu erfoderliche Pflichten vernachlässiget. Doch war die Wuth nur innerlich, also daß der Kranke keinen Schaden thun konnte. Der Pastor gab ihm mit Mühe die heilige Öhlung. Er spie immer weissen Schaum aus dem Mund und muste niedergehalten werden. Die ganze Haußhaltung ist auf Zons, um Rath zu verschafen. Unser Herr Pastor achtet dieses aber für überflüssig.
26ten – Donner und warmen Regen, am 28ten angenehm. Heut sah ich die erste Kornähren. 29ten nordwindig kalt.
30ten – Warm. Die Missionarien halten heut zu Monheim die erste Primiz.
Mey
Am 1ten – Reif und Frost, bis am 4ten anhaltend. Am 5ten Donner und Regen.
Am 7ten – Bey der heutigen Gottestracht hatten wir ganz schönes Wetter.
Am 8ten, Hagelfeier[24] – Schön warm. Der Sasserhalfen hatte sein Heiligen-Häuschen nicht gezieret. Deswegen ward diese Station am Schuhlhaus zu Horm gehalten.
Vom 9ten bis 12ten – Regnerisch und warm. Am 13ten Sturm und Wind, am 14ten dunkel. Das Korn blüht.
Am 17ten – Trocken. Wir sehen sehr nach Regen. Kornpreis 22 Schilling.
Bis am 22ten – Nordwindig kalt. Heut ist das Dorf durch den Hofbaumeister von Düsseldorff gemessen worden, um das oben erwähnte Pavee zu errichten.
Am 23ten und 24ten – Sehr schöne Tage, etwas Regen. Am 25ten, Kristi Himmelfahrt[25] schön Wetter.
28ten – Trocken. Wir haben Regen höchst nöthig.
Die Rationen von Heu und Haber aus der Magasinscheuer des Peter Pannes sind verkauft worden.
Das Militär in Düsseldorff bekömt jetz wieder neue weisse Montur, so lang nur, das, wenn der Soldat auf dem Tisch sitzt, der Rock auch nur bis auf den Tisch reichet.

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Mey
Am 29ten – Trocken, unangenehme Tage. Heut ist eine Commission von Düsseldorff hier gewesen, einen Schleichdamm von der Zonser Vogelsruthe bis an unsern Damm im Kulck zu errichten.
Die Abendsandacht wird noch durch die Nachbarn unterhalten am Missions-Kreutz. Die Nettergasse wird dienstweis gemacht, doch nur so weith bis wo der Weg auf die Mühle sich scheidet. Am 31ten trocken.
Junius
Am 1ten – Der Meymonath hat uns wenig schöne Tage geliefert. Es war trocken und doch nicht warm dabey. – Unser Damm ist fertig.
Am 4ten, Pfingsten[26] – Wir halten das 40stündige Gebeth. Es ist warm ohne Regen.
Am 7ten – Wieder nordwindig kalt. Die Stuben-Ofen werden eingeheitzt.
8ten – Es mus bald regnen, sonst thuts kein gut. Die Haaber steht im Feld, als wenn sie bezaubert wäre.
Am 11ten – Trocken und kühl. – Morgen und die Woche hindurch wird eine Benedictions-Messe um halb 5 gehalten, zur Erhaltung eines heilsamen Regens.
Am 13ten – Es ist heiß und trocken. Die Fourage fürs Vieh wird rar. Am Sontag wird das von geistlicher hoher Obrigkeit ausgeschriebene Gebeth gehalten. Es betrift Regen. Das Malder Rab gilt 20 Rappen.
17ten – Trocken. Es ist noch kein Kappus gepflanzt. Am 19ten und 20ten sehr heis.
21. – Zu Mittag erhielten wir den so lang gewünschten Regen. Am 22ten heis.
23. – Wir hatten ein starkes Gewitter und durchdringenden Regen.
26ten – Diese Tage war es sehr heis. Am 27. und 28. Regen, 29. heis. Der Saam ist reif.
Am 30ten – Es hat die ganze Nacht warm geregnet.
Julius
Am 1ten – Schönes Wetter. Am 2ten Regen, anhaltend bis am 9ten. Es wird schon Korn abgemähet. Am 9ten Regen. Man ist vor eine nasse Erndt besorgt.
Am 16ten – Es regnet alle Tage. Diejenige, welche noch glauben, daß der Regen, so am Maria Heimsuchungs-Tage fällt, 40 nacheinander folgende Tage anhalten soll, sind stolz auf ihr Sistem.
Am 18ten – Nas und kalt. Am 19ten, der heutige Regen war nicht stark, und es trocknet schön. Am 20ten: Heut ist das erste Korn eingefahren worden.
Am 21ten – Regen, vom frühen Morgen bis in die Nacht. 22ten nas.
Am 24. – Ein schöner heisser Tag. Es ist viel Korn eingefahren worden.
25ten bis 29ten – Heisse Tage. Das meiste Korn ist schon herein. Die Leute sind wieder bang für Regen. Am 30. und 31ten Regen. Das neue Korn gilt ein Ducaten, Rabsaam 15 Reichstahler.

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Augustus
Am 1ten – Regen, bis am 4ten anhaltend. Am 5ten trocken, am 7ten ditto. Die Faulenzer bringen auch jetz ihr Korn herein. Fleissige Ackerleute sind schon damit fertig. Am 12ten feine Tage. Es wird Weitz geschnitten.
Am 13ten-15ten –Regen. Am 16ten trocken. Das neue Korn wird zu 25 Schilling gegeben.
17ten – Ein jeder ist am Haaber hauen. Schön Wetter. Am 18.-20ten dunkel. Die Mäuse sind schon im Feld sehr zahlreich, besonders im Weddenhof.
22ten – Sehr schönes Wetter. – Mit diesem Monat August ist ein neuer niederländischer Postwagen errichtet worden. In Köln bey Herrn Pauli ist das Haubt-Comptoir, von da fährt der bey gutem Fahren mit 4, bey schlimmen Wegen aber mit 6 Pferden bespannte Wagen wochentlich 3mal auf Hackenbroich bey Herrn Postmeistern Becker. Da werden die Pferde gewechselt. Dafür erhällt gemelter Beckers 400 Gulden jährlichs. Von Hackenbroich geht der Zug auf Neus, von da auf Venlo. Der Posthalter und Stallmeister Beckers hat seinen mit Stroh gedeckten Hause einen weißen Anstrich gegeben, dan ist auch ein großmächtiges Wapen vor dem Fenster aufgehenkt. Der Herr Schefen Augustinus ist zugleich Postofizier und visitirt jedesmal den Wagen, trägt das Dintenfaß und Papier in der Hand, steckt die Feder in die Haare und geht dann wieder in sein Hotel.
Am 26ten – Immer schöne Tage. Es wird mit dem zur Saatbauen angefangen. Das Malder Korn wird zu 27 Schilling, alter Weitz zu 4 Reichstahler verkauft.
Am 31. – Anhaltendes fruchtbares Wetter. Die Haaber wird fleissig eingefahren.
September
Am 1ten ists kalt und nas. Herbstanfang. Haber wird zu 14 Schilling verkauft.
Am 7ten – Stürmisch kalte Tage. Ein gesunder Man drischt alle Tag 1 Malder Korn.
Am 8ten – Trocken. Am 9ten, 10. und 11ten Regen. Es steht noch viele Haaber und der Buchweitzen noch alle im Feld.
Am 13ten – Regen. Korn gilt 1 Ducaten, Haaber 20 Schilling. Heut ist das erste Korn gesähet worden. Am 16ten Sturmwind und Regen.
Vom 17ten bis 21ten – Anhaltendes Regenwetter, sehr verdrieslich für die Saath.
Am 22ten – Trocken. Am 23. Sturm und Regen, am 24., Kirmestag[27], Regen.
25ten – Ungemein schönes Wetter. Es sind viele Fremde hier. 26.-27. und Donnerstag, am 28ten Regen. Die Kirmes dauert noch immerfort und wird erst heute, freytags, als am Michaeli-Tag, beschlossen. Den 30ten Regen.

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October
Am 1ten – Dunkel. Die Schuppkarren und Schüppen, welche am Damm gebraucht sind worden, sollen verkauft werden. Vom 2ten bis am 7ten abwechselnd nasses Wetter.
Am 8ten – Trocken. Der Rhein ist durch die Kempen und bis an die Kühbenden ausgetreten. Viel Grummet ist fortgetrieben. Am 9ten und 10. trocken.
11ten und 12ten – Regen. Am 13ten angenehm, am 14ten hat es zu erst gereift.
Am 15ten – Regen. Die Feldmäuse nehmen merklich zu. Am 16. und 17ten trocken. Das Malder Korn kauft man für 1 Ducaten, Gerst 11 Gülden.
Bis am 22ten abwechselnd trocken und naß. Weil die Mäuse im Feld immer mehr anpflanzen, so schluge der Schefen Fix dem Pastor eine Prozession auf Köln vor. Der Pfarrer wollte nicht, und so ist der Scheffen Fix, der selbst 2 Bruderstäbe und einen neuen Fahnen vor sein Geld gekauft hat, heute, sontags, mit einer Abtheilung von 88 Seelen auf Köln gewahlfartet.
Der 1784ger Sand auf dem Kranenorth thut noch vielen Schaden. Der Wind treibt selbigen von einem Stück zum anderen, und die Frucht, welche der Sand berührt, verdirbt. Sonsten ist der Sand an sich selbst tragbar, wenn er nur still liegen blieb. Ein grosser Theil hier in der Aue am Monheimer Weg, auf Hamblochs Persch und das Schuhlpäthchen ist noch besandet und untragbar.
Am 23ten hat es zuerst gefroren, anhaltend bis am 31ten, ist also eine Frostbahne.
November
Am 1ten – Frost und Schnee bis am 8ten, am 9ten bitter kalt, am 10ten ditto.
11ten – Diese Nacht fror es kernhaft, als es Tag ward, fienge es an zu isseln, das gienge endlich zum Regen über.
Der Georg Martio (siehe am 5ten Jänner 1786) ist gestern Abend am Nippes still weggestohlen worden – wohin? Das wissen Wenige. Das Korn ist am aufschlagen. Noch gilt das Malder 4 Reichstahler 3 Stüber.
13. – Starker Frost. Es ist viel Eis im Rhein. Am 15ten kalt.
16ten – Regen. Am 20ten offen Wetter. Das Korn gilt 4 Reichstahler 24 Stüber, Haber 18 Schilling.
24ten – Fruchtbares Wetter. – Beytrag zu der Delver Alchimysten-Geschichte, sehe den Jahrgang 1785, Beylage C[28]
Diese Nacht ist die Tochter des Leonard Martio aus ihrem Hause weggestohlen worden. Sie ist ein 18-jährig rasches Ding. Es sind wenige Bauern-Mädchen hier in der Gegend, die schöner sind wie sie. Seit dem, daß ihr Bruder Georg fort ist, ware das Mädchen zu furchtsam, ohne männliche Schütze im Hause zu sein. Sie hatte dazu ihren Liebhaber gewählt, ein Jüngling aus dem Dorf, der sich als ein getreuer Salvist

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November
gestern Abend zeitig eingestellt hatte. – Nachts 11 Uhr ward stark an der Thür gepocht; der junge Mensch wiedersetzte sich. Ein Flintenschuß durch die Thür und wiederholte Stürme öfneten endlich 15 bardischen Männern das Hauß. Sie durchsuchten alles und fanden endlich das Mädchen im nachlässigsten Neglige gekleidet in einer Kiste, worin ihr Amant sie verschlossen hatte. Einige Papiere wurden mitgenohmen, das Mädchen in einen Wagen gesetzt, und der Zug gieng voran. Kein Mensch im Dorf weis, wohin. Der berüchtigte Scheffen Platt soll mit dabey gewesen seyn.
26. – Dunkel, naß und kalt. 28ten angenehm Wetter, am 30ten Regen.
December
Vom 1ten bis 10ten fruchtbares Wetter, ganz ohne Frost.
Am 11ten – Schön Wetter. Das Malder Korn wird zu 13 Gülden verkauft.
12ten – Regen. Die Klevische und Krevelder Wagen fahren jetz bey Peter Pannes im Bäumchen an. Ihr bisheriges Quartier war bey Jacob Cremerius, der seine Haushaltung willens ist niederzulegen.
13ten – Diese Nacht hats gedonnert, mit Wind, Hagel und Schlosen vermischt. Verschiedene Bäume wurden niedergerissen und Dächer abgedeckt.
17ten – Regen. Der Rhein ist ausgetreten und läuft in die Bend-Drenke.
Am 18ten – Es hat etwas gefroren. Der Rhein fällt wieder.
20ten – Frost. Der Kuhrfürst von Köln hat ausser den grossen Städten auch allen Franziskaner-Klöstern befohlen, sontags morgens um 9 Uhr mit ihrem Gottesdienst fertig zu seyn. Es betrift also Zons, Bethlehem, Kempen etz. – Am Sontag wird die neue Franziskaner-Orgel in Zons zuerst gespielt. 21ten kalt, 22ten Schnee, am 23ten ditto. Das Malder Korn wird um 30, Haaber um 17 Schilling verkauft.
24. – Kalt. Der Rhein geht stark mit Eiß. Es schneet zuweilen.
25ten, Kristtag – Es war dieses Jahr noch nicht so kalt als heute. Wir hatten keinen Beichtiger hier. Der Pastor Küpper seehlig hatte wegen vielen Diensten den Franciscanern in Zons jährlichs ein Malder Korn zugesetzt. Unser Herr Pfarrer hatte diese Gewohnheit bisher beybehalten, jetz aber weigert er sich, ferner das Malder Korn zu geben, und die Patres schicken keinen Beichtiger hiehin. Am 26ten sehr kalt.
Am Sontag ist die Delver Goldmachers-Tochter wiedergekommen. Sie ist zu Frechen aufbewahret worden, und es war bloß darum zu thuen, daß Geheimniß des Stein der Weisen[29] von ihr zu erforschen. Sie ist 16 Tage auf einer Platz gewesen, gegeisselt und gepeitscht worden, sie muste ganze Nächte auf einem Beyn stehen. 3 Tage hatte sie nichts gegessen, noch getrunken. Man gab ihr Häring, aber keinen Trank, doch ward ein Schüssel Milch auf den Tisch gesetzt, welche ihr dann erst gegeben werden sollte, wenn sie das Nöthige zu dem Geheimniß niedergeschrieben hätte. Das Mädchen schrieb, was sie wuste, nemlich die Zubereitung des Arboris Dianee[30]. Das hiezu Nöthige ward geholt,

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December
aber es kam nicht heraus als eine blendende, doch artige Erscheinung, wo man zwar das Silber wachsen sieht, wo aber auch nach einigen Stunden wieder alles zu Asche wird. – Sie ward nachts von einem Ort zum anderen geführt und glaubt auch, einmal Köln oder Bonn passiert zu seyn. Ein gewisser Schulteiß Fischer war die Haubt-Triebfeder der ganzen Bande. Zuletzt war das Mädchen bey einem gewissen Valentin, der auf der Trarer Heyde wohnt, in Verhaft. Noch 3 Kerls waren zur Sicherheit mit dabey. Es kamen 25 Ducaten an. Darüber wurden die vier Interessenten im Theilen uneinig, worunter der Hüttenhalbwinner von Barrenstein sich mit befande. Valentin, der von den 25 Ducaten ein Theil für sich begehrte und es nicht erhielt, machte sich endlich auf und brachte das Mädchen nach Delven, dem er doch eingebunden hatte, ihn als unschuldig zu erklären. Vom Georg Martio ist alles still.
Am 27ten – Frost – am 28.-29. und 30ten Thauwetter. Am 31ten dunkel.
Der Kuhrfürst von Köln hat die Gerichtbarkeit der Päbstlichen Nuntien aufgehoben. Alle Dispensationen, Prozesse etz. sollen jetz vom Erzbischof von Köln abhangen, statt daß sie bisher durch den päbstlichen Nuntius auf Rom befördert wurden. Der Kuhrfürst von Pfalz-Bayern ist mit dieser Neuerung nicht zufrieden, sondern zu München wird ein Nuntius für Bayern und in Düsseldorf ein Internuntius residieren.

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C
Eine sonderbahre Begebenheit
Ein in dem 1 Stund von hier entlegenem Dorffe Delven ist ohngefehr in dem 1774sten Jahre eine Persohn, eine Schwester des Leonard Martio, durch ein ungefehres Glück in Paris sehr glücklich verheyrathet worden. Ihr Gemahl hatte sich dorten bey Vielen den Nahmen erworben, daß er daß Laborieren oder auß Kupfer Gold machen verstünde, und da der Man mit Tode abgegangen, so wird angegeben, daß er noch vor seinem Tode seine Frau in der Chimie unterwiesen. Und von dieser Frau sollte ihr Bruder Lonard die Grundregelen erhalten haben, indeme solcher sehr freygebig mit dem Gelde eingienge. Er gienge hin zum Herrn Graffen von Neuwied undt begehrte einige 300 Reichstahler Geld für die nöthigen Instrumenten, undt also wollte er ihn daß Goldmachen lernen. Der ohnehin geldbegierige Graff wiese ihm die 300 Reichstahler an, in Hoffnung, einen endlich grossen Nutzen davon zu geniessen. Der Georg Martio, ein Sohn deß Leonarden, ware es, der daß Geld empfienge, undt als er nur so weith Herr drüber geworden war, machte er sich bey Nacht auß dem Staube, doch hatte er zuvor einige kleine Proben dem Graffen vorgelegt.
Der Graff, gantz auffgebracht hierüber, wurde gleich den Auffenthaltsort seines Betrügers gewahr. Es kamen in kurtzer Zeit wochentlich Brieffe an die von hie nach Delven befördert wurden, deren Inhalt verschwiegen blieb.
In eben der Zeit kamen zween Leuthe von Paris (sie hatten schon die Brieffe des Leonard undt seiner Schwester auffgefangen), undt endlich kamen sie bey dem Leonard zu Delven an, mit dem Aufftrag, sie wären von seiner Schwester geschickt. Er sollte sie daß Laborieren lernen. Der Leonard, klüger als sie, wiese sie gleich ab, daß sie beym Unrechten angekommen wären. Der Herr Vogt von Grevenbroich besuchte den Leonard schon 2 mahl, mit der Hoffnung, von ihm auch etwaß zu profitieren, alles vergebens.

[47]

Am 19ten Septembris 1784 ware der Georg Martio zu Gohr auf der Kirmes. Als er zu Nacht nach Hause gehen wollte, ward er von vier zwar bekenten Leuthen habhaft genohmen. Sie fuhren ihn die gantze Nacht hin und her, schlugen ihn tüchtig, mit dem Vorbehalte, er sollte ihnen daß Laborations-Recept auffschreiben. Er schriebe, undt damit waren sie zufrieden, doch sie brachten ihn gefänglich in ein unbenentes Hauß, als er schon 1 Tag undt ein Nacht geführet worden war. In diesem Hause solte er wieder ein Recept schreiben mit dem Aufftrag, es wäre ihnen daß Erstere entkommen.
Die ihm angethane hefftigen Schmerzen undt Schläge bewegten ihn, seinen Führeren ein neues Recept zu schreiben. Allein, seine Vorgesetzten hielten die zwey Recepten gegeneinander, fanden aber grossen Unterschied darin. Sie führten ihn wieder herauß, schlugen ihn hefftiger, undt als es Nacht ward, brachten sie ihn wieder in ein Hauß gefänglich.
Seine Wächter waren vom Schaffen angefochten, weil sie schon 2 Nächte schlafloß zugebracht hatten. Der Gefangene machte sich dieser Gelegenheit zu Nutz undt sprang am Fenster hinauß, stiege auff einen Baum, biß es Morgen wardt, stiege er herunter undt schlenderte lustig davon. Allein, seine Führer erwischten ihn undt brachten ihn in einen Busch, wo er ihnen glücklich entkame. Sie hatten ihn aber so zugericht, daß sein gantzer Leib wundevoll ware. Es bliebe also alles still biß im Julio 1785.
Es hielten sich Leuthe hier im Dorffe auff. Die waren von Neuwied. Sie liessen den Leonard ruffen, allein, er kame nicht. Endlich richteten sie ein Bündnis auff. Der Scheffen Platt von Gohr, ein ehedem ruchtloser Kerl, ware daß Oberhaubt unter dieser Versammlung. Jeder bekam ein Kronthaler Handgeld undt wenn sie den Leonard oder dessen Sohn Georg auff Neuwied brächten 100 Karolin Belohnung. Sie wusten

[48]

ohnedem noch ihre tägliche Besoldung.
Diese Compagnie wuchß täglich, so daß sich in Kurzem bey 50 Man unterschrieben hatten, theils von Gohr, Hosten undt Nivenheim. Es gienge um, alle Abend musten Einige auff Delven auff die Wacht. Sontages imgleichen waren die Kirchwege besetzt, undt der Leonard und sein Sohn hörten manchen Sontag keine Meß. Sie wurden zerschiedene mahle angegriffen, entkamen aber jedesmahl.
Am Gerich konnte keiner waß außrichten, dan es ware Pignus genohmen über des Leonarden gantzen Eigenthum. In seinem Hauße ist er sicher, weil sie haben Gewehr genug. Am Sontage, am 27ten November 1785, als der Leonard nach Hackenbroch Meß-Hören gehen wollte, kamen unterweges 15 Man mit Gewehre auff ihn loß, die vor ihm gehende Leuthe dorfften nit umsehen, so wie jene, so hinten ihm waren, undt es ware der alte Leonard. Er zohe eine Pistole hervor, undt da er schiessen wilt, brent der gewesene Scheffen Platt loß, dem Leonarden durch daß Bein. Sie wollten ihn mitnehmen, allein, er ware schon halb todt. Sie hatten ihn mit Hagel undt einer Kugel durch einige Geld-Müntzen in der Tasche durchs Beyn geschossen. Die Mörder machten sich davon, doch ein Man undt 2 Weibleuthe kanten den Platt sehr guth, undt heute, den 28ten ist der Leonard schon im Herren entschlaffen.
Die gantze Kunst, so sie verstanden, ware diese: Sie könten den wachsenden Berg, eine Figur in einem Glase, machen. Wer dieses Vorspil nun sahe, glaubte sicher, sie verstunden alles, Den Herrn Bischoff zu Köln haben sie um 100 Karolin betrogen. Vom sehligen Belderbusch erhielten sie weith mehr. Kurtz, sie haben ihren Handel 50 Stunden außgebreithet undt überall Leuthe betrogen.
Es soll also morgen zum Protocoll geschritten werden. Doch glaubt man, der Platt wird sich in daß sogenannte Stütchens-Büschen begeben, wo schon einige Räuberein vor sich gegangen, welches Nachbahr-Leuthe sein sollen.

[49]

Der Schefen Platt von Gohr hat sich wircklich weggegeben und ist auff Wesel.
Am 5ten Decembris sind wieder 5 Man mit Gewehre gesehen worden, welche auff den Georg Martio gelauret haben. Es wird itz alle Montags Gerichts-Tag hierüber gehalten, und die Mitschuldigen müssen ins Verhör kommen. Der Weihbischoff liesse auch ehdem den Leonard kommen. Er sollte für ihn arbeiten. Er wollte also den Nutzen davon unter die Armen vertheilen. Allein, als Leonard ein Theil Gelder vom Herrn Weihbischoff empfangen hatte, machte er sich davon.
Der Herr Vogt von Grevenbroich soll mit unter die Plattenische Versammlung gehören, doch daß Gericht wird allenthalben nichts außrichten. Es ist kein Geld vorräthig, womit dieser Prozeß soll getrieben werden.

1787

[50]

1787
Januarius
Dunkel Wetter. – Im abgeschiedenen Jahr sind wenig Merkwürdigkeiten vorgefallen. Wir hatten vielen Regen und Mäuse im Feld, die auch noch nicht vergehen wollen. Es warden 40 Kinder gebohren, 19 Leichnamen begraben, 6 Mädcher wurden zu Weibern und ebensoviel Jünglingen hat unser Pastor Bürg ein Hauskreutz aufgeladen. – Der Nachtwächter geht am heutigen Morgen um, bläst vor jedem Hause das Neujahr und erhält dafür ein Trinkgeld.
Bis am 6ten – Nasses, dunkles Wetter. Das Malder Korn gilt 13 Gülden.
Am 7ten – Frost. – Am 5ten dieses kame ein gewisser Jacob Schaaf zu Delven am Martioschen Goldmacherhause an. Er ist einer derjenigen, welche das Mädchen mit entführt und eine wichtige Rolle in dieser Geschichte gespielt hat. Weil jetz stark über diese Sache inquirirt wird, so begehrte der Jacob Schaaf nur ein Zeugniß, daß er an den Torturen keinen Theil hätte, wie er dann auch wirklich dem Mädchen während seiner Gefangenschaft viele Schläge abgewendet hatte. Für den Hüttenhalfen begehrte er gleichfals ein Attest, daß jener noch den Abend selbst abholen wollte. Der Vorfall ward auf der Burg gemeldet, und der Jacob so lang aufgehalten, bis die vom Kelner aufgebothene Schützen ankamen, welche jenen ins Gefängniß brachten. Die Wache war wieder von der Burg zurückgekommen und in dem Martiolischen Hause versteckt, als der Hüttenhalbwinner vor der Thürre pochte. Er ward eingelassen und zu seinem Kameraden in den Kerker zu Hackenbroich geworfen. Am 8ten-9ten und 10ten leidentlicher Frost.
Am 19ten – Es friert, aber nicht stark. Die Kälte ist für die Armen wohl auszumachen.
20ten – Diesen Morgen isselt es stark, später stellte sich Thauwetter ein.
22ten – Regen. Am 23ten fror es wieder von Neuem. Der Jacob Schaaf sitzt mit seinem Kollegen noch zu Hackenbroich. 15 Bauern des Dorfs müssen das Gefängniß und 8 das Dorf bewachen.
Das Malder Korn wird um 30 Schilling, Haaber um ein Kronthaler verkauft.
25. – Der Rhein treibt stark mit Eiß.
Der Alchymist Schaaf ist von Hackenbroich auf Lechnich geführt worden, weil da noch 7 seines Gelichters eingehaftet sind. Der Doctor Fischer aus Köln, der zugleich Schulteis zu Frechen ist, wird als den Anführer dieser Bande angegeben, und ich glaube, aus der ganzen Inquisition wird wenig werden.
Bis am 30ten – Leidendlich kalte Tage. Das Malder Haaber gilt izt 2 Reichstahler.

[51]

Februar
Am 1ten – Etwas Frost. – Der Saamen hat viel durch die Abwechselungen von Frost und Regen gelitten. Der Öhl würde merklicher im Preis gestiegen seyn, wenn nicht der im vorgen Jahr erfundene Häringsöhl so stark gebrennt würde. Besagter Öhl ist dem andern an Wirkung gleich, ausser daß er bey der mindesten Kühle erfriert und einen etwas thranartigen Geruch hinterläst. – Bis am 8ten hat es immer gelind gefroren. Am 9ten Regen. Das Malder Korn wird zu 30 Schilling, Haaber zu 2 Reichstahler gegeben.
Die Holländer sind uneinig unter sich. Der Prinz wird tief herabgesetzt. Er bleibt zwar Oberhaubt, aber er soll wenig zu befehlen haben. Die Veranlassung ist, weil der Prinz gerne Burgunder-Weine trinkt und dann im Rausch Geheimnisse ofenbahrt, die für das Wohl des Staats unumgänglich verschwiegen bleiben müsten. Einige, die für das Oranische Hauß sind, nennen sich Prinzgesinnte, andere, die mit den Generalstaaten halten, sind Patrioten. Täglich fallen Scharmützel vor, wo bald diese, bald jene Parthie gewinnt.
Vom 10ten bis 14ten – Sehr angenehme Tage. Der Hüttenhalfen ist durch 4 Husaren von Hackenbroich auf Lechnich gebracht worden. Der Georg Martio ist wieder zum Vorschein gekommen. Er ist die ganze Zeit zu Köln in einem Keller gebunden aufbewahret worden. Er hat unsägliche Tormenten gelitten, fand endlich Gelegenheit, als seine Wächter schliefen, zu entwischen, und ist itzt im Waysenhause zu Köln in Sicherheit.
Am 15ten und 16ten – Frühlingstage. Der Rhein ist klein. Das Ufer ist am Plathalse stark mitgenohmen worden. Von der Köllnischen Straße bis unter die Piwitte ist keine einzige Krippe, doch ist nun eine neue unter der Köllnischen Straße angelegt worden, denen nun mehrere folgen sollen. Auch waren im Jahre 1784 durch die merkwürdige Ueberschwemmung am Plathalse verschiedene Plätze so sehr ausgedrieben, daß die Stücker des Schefen Steinberger neben dem Herrn Pastor Mathias Hack und Joan Sand zu Fischweihern umgeschaffen waren. Diese Löcher lassen die Eygenthumer izt mit Erdhölz bepflanzen.
Die Abendsandacht am Missionskreutz erlischt allmälig. Der Schulmeister Heinrich Bochem bleibt auch weg. Nur versammeln sich doch abends eine Herde Kinder, zuweilen schleicht auch ein altes Mütterchen hinzu.
Am 17ten – Es bleibt angenehm. Man fängt in den Gärten zu graben an.
Am 18ten, Fastnacht – Die frohe Jugend feiert die Bachanalien in ausgelassenster Lustigkeit. Nur bey Schefen Steinberger waren 2 Musikanten. Es gienge frielich zu. Es ward diese 3 Tage getanzt, geliebt und geküßt bis am Aschermitwoch, als der Tag anbrach.

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21ten, Aschermitwoch[31] – Der Wind ist im unfreundlichen Norden.
Die Fastendispens ist kund geworden. Folgende Tage darf Fleisch gegessen werden: morgen, das noch nie war, als am Donnerstage nach Aschermitwoch darf Fleisch gegessen, dieses Jahr zum ersten mal, sodenn – montags, dienstags, mitwochs und donnerstags, den Quatuor Tempor-Mitwoch ausgenohmen. Diese Dispens erstrecket sich bis Dienstag in der Karwoche einschlieslich.
Am 22ten, Peter Stuhlfeyr[32] – Es hat diese Nacht etwas gefroren.
Weil der vorigjährige Bürgermeister Cornelius Straub sein Amt so treflich verwaltet hat, so ward er einhellig fernerhin bestättigt. Der Nachtwächter Gerhard Nusbaum bleibt zugleich noch ein Jahr Feldschütz, und Jacob Bückendorf oder der sogenannte Sand Kobes hütet noch ferner das Horn-Vieh, jedoch unter dem Beding, seine Kühe nicht ausser der Herde grasen zu lassen. Anton Schmitz oder in der Localsprache: Pletsch-Anton ware zwar um die Schweinsstimmen umgegangen, doch wollte Fortuna seine Wünsche nicht erfüllen. Der Jacob Vogel oder Pens Kobes[33] erhielt seine Stelle. Am 23ten friert es so stark, daß alles drüber geht.
Zu Kölln sieht es mit der Martioischen Geldmachergeschichte verwirrt aus. Der Doctor Fischer, der zugleich Schulteis zu Lechnich ist, wird als Mitschuldiger angegeben. Er und noch 8 andere haben ihr Heil in der Flucht gesucht.
Am 25ten – Starker Frost. Später fieng es an zu schneen, der sich zulezt in Regen verwandelte. Die Irrungen zwischen dem päbstlichen Nuntius zu Kölln und den Erzbischöfen Trier, Mainz und Bonn beginnen ernsthafter zu werden. Die Bischöfe wollen das zwote Grad in Ehesachen dispensiren. Deswegen ist zu der Fastendispens eine Beylage zugelegt, worin der Erzbischof den Pastores aufbürdet, den gesamten Pfarrgenossenen beizubringen, daß die Erzbischöfe diese Macht unmittelbar von Kristo erhalten hätten. Der Keyser unterstützet die Bischöfe, Kurpfalz und der König von Preussen wollen die Rechten der Nuntien behaubten.
Am 28ten – Regen und Wind. Das Malder Korn gillt 30 Schilling.
Martius
Am 1ten – Wind. Es beginnt alles zu wachsen. Am 2ten-3ten Merzerschauren.
Am 4ten – Angenehme Frühlingstage. Den 5ten naß und kalt. Den 6ten angenehm. Ein Köllnischer Astronomius vergleicht das 1787te Jahr an Fruchtbarkeit mit dem Jahre 1779. Der Verfasser hat es in die öfentliche Zeitung eingerückt, daß wir einen schönen Früling zu erwarten hätten. Am 9ten April 1779 waren Kornähren, den 15ten Rosenknospen, den 17ten Mey Rosen- und Kornblühe. Am 23.-[2]4. und 25ten Mey ware große Hitze. Im Junius ward das Korn reif, und im Julius zeitige Trauben.
Am 8ten – Sehr angenehm. Der in der Delver Alchimisten-Geschichte bekannte Jacob Schaaf, welcher zu Hackenbroich erst und leztlich zu Lechnich im Kerker saß, fand Gelegenheit, zu entkommen, und wird nun durch die Zeitungen edictaliter abgeladen.

[53]

Merz
Am 9ten – Die Natur bringt den Frühling zurück, wo jedes Wesen zu leben und zu lieben beginnt. Es blühn schon Veilchen, und die Lerchen jubeln in steter Frölichkeit himmelan. Alles fühlt den gewaltigen Einfluß des Lenzes. Es sind aber unbeschreiblich schöne Tage; umsomehr, wer dafür Gefühl hat.
Am 10ten – Warmer Regen. Den 12ten bis 15ten reifte es in der Nacht. Am 16ten bis 21ten sehr schön. Der Wittib Sturm im Schwanen wurden diese Nacht die Pflüge voneinander geschlagen. Die Thäter bleiben verschwiegen. Gemelte Sturm hat ein Üebel unter ihren Pferden, welches dem Rotz sehr ähnlich ist. Von Zeit zu Zeit krepieren etliche. Man sagt, sie hätte schon über 400 Reichstahler verdocktort.
24ten – Anhaltende Frühlingstage. Heut Morgen und am Muttergottestage haben wir das 40stündige Gebet.
Am 31ten – Der Merz schliesset sich mit ungemein schönem Wetter. Die Schwalben sind schon angekommen. Korn gillt ein Ducaten.
Aprilis
Am 1ten, Palmsontag – Es war etwas nordwindig kalt. Dennoch hatten wir eine zahlreiche Prozession, welche vom Posthaus bis an die Kirch reichte.
Am 7ten – Sehr angenehm. Den 8ten, Ostern: Heut haben wir keinen Beichtiger von Zons hier.
Am 12ten – Wir haben Regen nöthig. Es wird fleissig Haber gesähet.
Am 15ten – Etwas Regen. Heute ist der Pastor Esser von Worringen gestorben.
Am 17ten – Nordwindig kalt. Unter dem Hornvieh herrscht eine unbedeutende Krankheit. Auf der Zunge tief im Hals zeigt sich eine Blatter. Wenn solche nicht geöfnet wird, so soll dem Vieh die Zunge abfaulen. Nun nimmt man ein Stück dünnes Silbergeld, faßt dieses in ein hölzern Stecken ein und beschabet damit die Zunge, daß sich die Blatter öfnet. Alsdann reibt man die Wunde mit Essig und Salz, so heilet es. Einige nehmen auch noch zu dem Essig und Salz noch Alaun, Vitrol, Pfefer, Ofenruß und Honig, doch ist dieses überflüssig. An andern Orten nimmt man ein Stück von einem Ziegelpfann zum Aufreiben und zum Auswaschen Wasser und Salz. Vor 50 Jahren ist diese Krankheit auch hier gewesen.
Am 19ten – Schnee, Hagel und Sturmwind. Am 21ten hat es einen halben Finger dick Eiß gefroren. Am 24ten Regen und Wind.
Der Pastor in Zons wollte den Hagelfeier, der am Montag nach der Gottestracht gefeiert wird, auf den nächstfolgenden Sonntag verschieben, weil dann die Prozession durch Umtragung des Venerabels verherrlichet werden könnte. Der Montag erschien, in der Kirche war alles still, die Stürzelberger aber kamen in einer Karavanen zum Städchen. Die Zonser Bürgerschaft gesellte sich zu ihnen und läutete die Klocken. Sie begehrten den Pastor, welcher aber seinen Kaplan zur Kirch schickte und auch die Prozession wie gewöhnlich begleitete.

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[Gedruckte Verordnung von Kurfürst Karl Theodor: Verbot des "Leichenzechens" (15. Juni 1787)]

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1787
Aprilis
Am 25ten bis 28ten – Regen und Wind.
Heute, am 28ten, sollten die Kuhrfürstlichen Speicher, welche bisher Jacob und Heinrich Cremeius im Pfacht gehabt, auf den Meistbiethenden verpachtet werden. Der Herr Kellermeister Frenz ware mit verschiedenen Pfachtlustigen im Schwanen versammelt, als gedachter Cremerius eintrat und anzeigte, daß er noch ein Nachjahr hätte, weil der Eißgang vom Jahr 1784 ihn zu hart getrofen. Mithin muste die Versammlung unverrichter Sache auseinander gehen. Der Henrich Nusbaum pachtete das Weggeld um 12 Reichstahler.
29ten, Gottestracht. Am 30ten Hagelfeier. Die beiden Tage ware es bis Mittag trocken, des nachmittags aber regnete es anhaltend. Die Prozessionen waren jedoch zahlreich, obschon es sehr dreckicht ware. – Der Kornpreis ist 29 Schilling, Haber ein Kronthaler, 100 Pfund Heu 50 Stüber.
Mey
Am 1ten – Regen. Heute sahe ich die ersten Kornähren. Den 3ten sehr schön und warm.
4ten bis 7ten – Kalt und naß. Am 9ten trocken und kalt. Am 10ten bis 13ten warme Lenztage. Der Hüttenha[l]fen ist wegen der Delver Goldmacher-Geschichte auf Bonn ins Stockhaus verwiesen worden.
14ten bis 20ten – Heisse Frühlingstage. Der Mey macht das wieder gut, was der Aprill verdorben hat. Alles ist Blum und Blüthe. Eine unvergleichlich schöne Zeit. Das Malder Korn wird um 4 Reichstahler verkauft.
Am 22ten sind die Küh in die Benden eingetrieben worden. Am 24ten warm.
25. und 26ten – Warmer Regen. Es wird Kappus gepflanzt. – Das Korn blüht.
27ten – Naß und kälterich bis am 29ten. Am 31ten warm.
Junius
Am 1ten bis 5ten trocken und warm. Am 7ten, Fronleichnamstag, sehr heiß biß am
11ten heiß und trocken. Das Malder Korn gillt 4 Reichstahler 30 Stüber.
Heute pfachteten die beiden Keyserlich Königlichen Posthaltere von Kölln und Dormagen die hiesige Kuhrfürstliche Speichen um 510 edictmässige Reichstahler. Die beiden Cremerius müsten abstehen, welche solche bisher für 350 Reichstahler in Pfacht hatten. Am 13ten große Hitze.
Am 13ten – Warmer Regen. Am 15ten Donner mit Regen. Am 18ten ist Wintersahm gemähet.
Am 25ten – Vermischt mit Regen und Sonnenschein. Dies Jahr ist fast kein Klee im Felde. Deswegen wird das 100 Pfund Heu mit 2 Gulden bezahlt, 100 Bauschen Stroh 7 Reichstahler. Den Cremerius ist vom diesjährigen Kuhrfürstlichen Speicher-Genuß ein Drittheil zur Entschädigung von 1784 zugesezt worden.
Vor einigen 8 bis 10 Jahren ist ein hiesiges Pfarrkind, Engelbert Nelsen, in den Eremitten-Orden getreten. Erst war er Bauer, hernach Husar und zulezt Zollreuter. Sein ausschweifender Wandel und die damit verbundene Hartherzigkeit macht seinen bisherigen Verwaltungen wenig Ehre. Als er vom Zolldienste abgesezt ward, entschloß er sich, weil arbeiten beschwerlich ist, auf Rom zu gehen. Er kame als Bruder Felix zurück, seitdem ist er noch ein paarmal nacher Rom gewahlfartet, und nun hällt er sich unablässig im Wirthshause auf. Der Pastor hielt gestern eine Rede vom heiligen Eremitten Joannes, und indem er diesen erhabenen Büsser gnugsam ins Licht gestellt hatte, schilderte auch das unartige Betragen der heutigen Eremitten, und das Original dazu ware Bruder Felix.

[56]

Junius
Am 29ten, Peter- und Paulstag[34] – Heut Morgen und am Sonntag wird das 40stündige Gebeth gehalten. Es ist Regenwetter.
Julius
Am 2ten – Sehr heiß und schön bis den 7ten, den 8ten Regen, den 9ten, 10. und 11ten Regen und Wind.
12ten anhaltender Regen. Es verdirbt vieles Heu, welches in Arbeit ist. Das 100 Pfund gilt 3 Reichstahler.
In Holland geht’s toll zu. Dem Prinzen von Oranien als Statthalter sind fast alle Gerechtsame benommen worden. Das Volk sträubt sich gegen seine Befehle, weil er zu sehr den Burgunder-Wein liebt und sich im Rausch zuweilen vergißt. Die Provinzen Geldern, Zeeland, Overissel und Utrecht sind für den Prinzen, die Stad Utrecht mit den übrigen Provinzen agiren unter dem Namen der Patrioten. Die Prinzessin von Oranien wollte vor einigen Tagen zum Haag reisen. Die Patrioten führten sie aber in Arrest, entliessen sie doch nach einer 36-stündigen Gefangenschaft wieder. In den Städten wird abwechselnd von der Prinzen- und Patrioten-Armee alles verwüstet.
Den 14ten – Regen. – Seit 8 Tagen sind die Kafebohnen von 23 auf 28 Stüber gestiegen. Es rührt daher, weil der König von Preussen 50.000 Mann auf Holland schickt, um den Prinzen wieder in seine Rechte einzusetzen und den Schimpf der Prinzessin, seiner Schwester, zu rächen. Den 20ten müssen alle Kohlschife zu Wesel sein, um Kanonen zu laden und eine stehende Schifbrücke zu formiren.
Am 15ten – Trocken. Deswegen gab der Pastor Erlaubniß, im Heu zu arbeiten, ob es schon Sonntag war.
Ein lutherisch gebohrener Jüngling namens Jacob Engelman that heut in hiesiger Kirche sein öfentliches Glaubensbekäntniß, nach einem jahrlangen Instruction, erst bey den Patres Franciscanern in Zons, hernach bey hiesigem Pfarrer, lase Lezterer ihme nach der Frühmesse die Glaubensformel vor, als im Kohre "Veni Creator" gesungen war. Die Ceremonien geschahn wie gewöhnlich, ausser das Taufen mit Wasser, welches unterbliebe. Nachdem empfienge der Neubekehrte das heilige Abendmahl. – Er ist 17 Jahre alt, aus dem Oberlande bürtig und wohnte bisher auf dem Rheinfelder Hof. In der Früh- und Hochmesse gienge der Küster für den armen Jüngling mit dem Klingelbeutel um und erhielt bey 8 Reichstahler, wofür ihm Kleidung angeschaffet wird.
Am 16ten und 17ten – Regen. Der gemähete Sahmen liegt noch alle im Feld.
Am 18ten – Dunkel. Es wird fleissig Korn gehauen. Am 20ten-21ten Regen.
Am 23ten – Etwas trocken. – Es ist ein allgemeiner Brodmangel. Nur auf dem Wallhover Hof ist Korn für 5 Reichstahler 30 Stüber zu haben. Verschiedene Familien weinen um Brodt, dessen sie an drey Tägen kein hatten. Es ist etwas naß eingescheurt worden, welches die Leuthe im Backofen trocknen und so nach der Mühl schicken. Bis am 26ten vermischt mit Regen. Das Malder Korn gilt 6 Reichstahler 15 Stüber. Wegen dem Regen wird sehr langsam Korn gehauen.

[57]

1787
Julius[35]
Am 27ten – Es ware sehr heiß. Deswegen ist heut viel Korn gefahren worden.
Am 29ten, Sontag[36] – Sehr schön Wetter. Am 30ten Regen. Das Malder gilt zu Knechsteden 7 Reichstahler, Sahmen 9 ditto. Am 31ten trocken.
Augustus[37]
Am 1ten – Heiter. Es ward viel eingescheuert, am 2ten anhaltend. Es steht noch ein Drittel Korn fest auf dem Halme. So wie es gehauen wird, ladet man es auf. Im Griesberg fahren die Leute das nasse Korn aus den Scheuren auf das Feld, um selbes zu trocknen. Anhaltend trockenes Wetter. Am 7ten wird Weitz geschnitten. Am 10ten dunkel. Das Malder Korn wird zu 4 Reichstahler verkauft, Sahmen 10 Reichstahler, Haaber 4 ditto. Diese ist deswegen so theuer, weil im Klevischen ein Magasin für die Preussischen Truppen angelegt wird, welche nach Holland gehen.
Am 11ten – Es wird Haber gehauen. Bis am 25ten warm mit wenig Regen. – Die in der Delver Goldgeschicht berüchtigte und zu Hackenbroich eingehaftete Personen sind ins Stockhaus zu Bonn abgeführt worden. Jacob Schaaf fährt 10 und der Hüttenhalbwinner 7 Jahr die Schubkarre.
31ten – Abwechselnd nasses Wetter. Kornpreis ist 5 Reichstahler.
September
Vom 1ten bis 9ten – Sehr schöne Tage. Den 10ten Herbstwetter mit kleinen Nachtfrösten. Am 16ten verlanget man sehnlich nach Regen. Der Rheinfelder Halbwinner hat seinen im Jahr 1784 mit Sand beschossenen Acker mit Korn besamet und selbiges untengebaut. Seit jenem Jahr hat er noch nichts darauf gezogen.
Vom 17ten bis 21ten – Viel Regen. Am 22ten trocken.
Am 23ten, Kirmes – Es ist heiter und ungemein lustig im Dorf. Viele Fremde wahlfahrteten hieher. Montags, am 24ten wieder schön. Es sind 29 Spielleute im Kirchsprengel und doch allenthalben voller Menschen, nur wurden die Lustbarkeiten auf einige Zeit unterbrochen: Des Arnold Schwab aus Zons sein Knecht namens Hünerbach trat im Tanzen dem Wolter Boes aus Rheinfeld auf den Fuß (siehe am 4ten April 1784), worauf dieser dem Hünerbach mit einer Kanne auf den Kopf schluge, daß er leblos dahin sank. Der Vorfall ware im Stern bey Mathias Schmitz. Sogleich ward der Pastor herbeygerufen, der den Kranken mit der lezten Oelung versah, der sprachlos nur in einzelnen Zuckungen seinen wüthenden Schmerz verrieth. Ein eben anwesender Düsseldorfer Chyrurg unternahme mit unserm Eller den Verband, in einem Kreise jamernden Menschen, zu deren grösten Verwunderung Hühnerbach sich aufrichtete und so frey dahingienge, als ob ihm nichts geschehen wäre. Nun ertönten Flöt und Saytenspiel wieder, und die frohe Jugend hub den Tanz von neuem an, der bis Mitternacht unterhalten wurde.
25ten – Der Stabs-Chyrurgus Nageler ware von Düsseldorf beschrieben und trafe zeitig ein. Der Hühnerbach hat bey den Pfälzern Dienst genohmen, um auf Regimentskosten kurirt zu werden, ist er heut auf Düsseldorf gegangen.

[58]

September
Am 26ten, Mitwoch[38] – Die Kirmes ware seit lange nicht so festlich als die jetzige. Ausgesuchtes Wetter, viele Fremde und ein heimischer Friede trugen das Ihrige reichlich bey.
29ten, Samstag Michaeli[39] – Heut wurde die Prozession zum Kreutzberg unter den Befehlen des Original-Brudermeisters und Schefen Joann Adolph Fix ausgeführet, welcher hierzu einen eigenen Fahnen machen lies. Die ganze Karavane bestand aus 62 Köpfen.
Es verbreitete sich das Gerücht, als ob der Hühnerbach wirklich gestorben seye. Der Wolter Boes, welcher sich in dem Kulk bisher aufhielt, ist sofort in keyserliche Dienste getreten und auf Wien abgegangen. Nun vernimmt man näher, daß der Hühnerbach kurirt wird.
October[40]
Naß und kalt. Die Schnecken haben in schweren Gründen etwas verdorben.
Vom 3ten bis 11. sehr angenehme Herbsttage.
Bey Annäherung der preussischen Truppen haben die holländische Patrioten Utrecht und alle äussere Besitzungen verlassen. Sie behaupten nur noch Amsterdam besezt. Auch diese Stadt wurde angegrifen und gleich darauf Wafenstillstand gemacht. Vom 12ten-15ten viel Regen. Das Malder Korn gillt 16 Gülden, Haaber 19 Schilling.
Die Preussen bleiben den folgenden Winter in Holland, und der Prinz-Stadthalter wird wieder in all seine vorigen Rechte gesezt.
Bis 14ten – Naß und trocken, ohne kalt zu seyn, anhaltend bis den 21ten. Kornpreis 16 Gülden, Haaber 18 Schilling.
Die beyden Keyserhöfe Wien und Petersburg beginnen Krieg gegen die Türken. Die Ursachen sind so unbedeutend, daß sie nicht wohl anzugeben sind. Die verbundene Keyserhöfe wollen den Türken schlagen, um Eroberungen zu machen. Die Haaber steigt schon auf 21 Schilling.
Vom 25ten bis 30ten – Regen. Weil zu befürchten steht, daß der Rhein unsere Felder überschwemmen wird, so werde[n] alle Gemüse aus dem üntersten Felde hereingeschafft.
Am 31ten – Der Rhein läuft schon in die Leimkaule. – Es ist für den Ackersmann ein gutes Jahr: Sommer- und Winterfrüchten so wie alle Zugemüse sind vortreflich gerathen, und das Gedreschene wird theuer bezahlt.
November
Am 1ten – Trocken und angenehm. Das Rheinwasser zieht sich zurück.
Am 3ten bis 5ten – Schön Wetter. Vom 6ten bis 9ten naß, 10ten-15ten besonders angenehm. 4000 Preußen bleiben den Winter in Holland. 12 Mitglieder der Schonhovischen Regierung, welche die Prinzessin von Oranien arretirt hatten, sind Landes verwiesen worden. Übrigens wird in Holland alles wieder auf den alten Fuß gesezt, wie es vor der Revolution ware. – Bis 19ten kalt mit kleinen Nachtfrösten.

[59]

November
16ten bis 25ten – Vermischtes naß und trockenes Wetter. Am 26ten etwas Schnee und Frost.
28ten – Starker Frost. Der Boden ist so fest gefroren, daß die schwersten Lastwägen hinüber rollen. Weil das früh gesähete Korn gar zu rauh geworden ist, so liessen heut einige die Schafe darüber weiden.
Man sagt, die Regulierte Kohr- oder sogenante Fronleichnams-Herrn in Kölln sollen aufgehoben werden, weil ihre Schulden den Eygenthum überwiegen. Es mus aber bestättiget werden. – Bis 30ten kalt.
December
Am 1ten und 2ten starker Frost mit Schnee, am 3ten Regen. – Viele preussische Ausreisser kommen aus Holand mit Ducaten und Uhren belorbert hier durch. Korn und Haber ist am Sinken.
Am 4ten – Angenehmes Wetter. – Heut wurde die Anna Maria Fix gebohrne Sturm zu Grabe getragen. Sie war an den Schefen Fix (unter der Leufen neben dem Kirchhof) verheiratet, mit dem sie in kinderloser, friedlicher Ehe lebte. Vorauf wurde das Kreutz getragen, dem einige und 300 Schuhl- und andere Kinder folgten, demnach das Kohr, die Geistlichkeit und die Leiche, wo ein 110 Personen starkes Leichengefolge sich anschlos. Der Zug gienge oben hinauf und sollte dem Heiligenhäuschen am Lämchen herumgezogen werden. Weil es aber allzu morastig war, so wurde am Schwanen umgekehrt und zu der Stätte, wo die Selige nunmehr ruhet. Nach dem feyerlichen Hochamte wurde Stutten unter die Kinder und Brod unter die Armen vertheilt. Erstere mochten 3 Stüber an Werth halten, und Leztere wogen 7 Pfund. – Vom 5ten bis 7ten Regen.
Vom 8ten bis 15ten angenehme Tage. Zu Emmerich und Calcar im Klevischen werden die preussische Magazine verkauft. Das Malder Haber zu 2 Reichstahler, Heu zu 20 Stüber und das Hundert Bauschen Stroh zu 3 Reichstahler.
Bis Ends December ists Herbstwetter, zuweilen mit kleinen Nachtfrösten. Eine Kuhrfürstliche Verordnung beschränkt das Interessewuchern und sezt die Zinsen fest, welche dörfen genommen werden, als von beweglichen Gütern, Kleidungsstücken und so weiter. Wenn’s nicht über 10 Reichstahler beträgt, thut der Reichstahler monatlich 8 Stüber. Kömts aber auf 10 Reichstahler, dörfen die Kristen vom Reichstahler 4, die Juden aber 5 Heller nehmen. Der Pfandgeber erhällt einen Schein, was er verpfändet, ohne den er seine eigene Sachen nicht fodern darf.
Am 30ten abends zeigte sich über dem Delver Sandberge ein gräslicher Brand. Es ward mit der kleinen Klocke Sturm geschlagen, man sah in die lodernde Flamme, die den westlichen Himmel erleuchtete. Auch in Worringen und Hackenbroich wurde Sturm geläutet. Viele Winwohner liefen dahin, welche die Nachricht brachten, daß der Brand nicht zu Delven, sondern zu Frixem war, wo 8 Häuser und 7 Scheuren im Rauch aufgiengen.
Für den Ackersmann ware das eben scheidende ein sehr gutes Jahr, weil alles wohlgerathen und in hohem Preise ist.

1788

[60]

1788
Januarius
Am 1ten – Es stehn uns große Dinge bevor, wenn die Weissagung eintrifft, welche vor geraumer Zeit dieses 88ste Jahr für ganz Europa traurig schildert. Das hat nun denk ich eh keine Noth, und ich fürchte nicht weniger als das, wenn es anders nicht im Lauf der Dinge beschlossen ist. Wir genießen noch bisher der ungestöhrtesten Ruhe, und die Begebenheiten der Welt versprechen Dauer. Es hat bisher noch sehr wenig gewintert, und es ist auch itzt so gelinde, daß man in den Stuben nur schwach einheitzet.
Bis 11ten – Vermischtes Herbstwetter ohne Frost.
Der neue Venlo-Wagen, welcher bey Herrn Pauli in Kölln abfährt und bisher zu Hackenbroich bey Postmeistern Beckers die Pferde wechselte, und dan neben Nivenheim über Neus geht, fährt jetzt der seit 1784 vom Dohmkapitul verbesserten, mit Gräben und Bäumen besezten Landstraße durch Merheim und Fühlingen auf Worringen, wechselt da beym Schefen Trimborn die Pferde und fährt dan über die Heerstraße auf Neus.
Der Magistrat in Kölln erlaubte den dasigen Reformirten ein stilles Bethhaus. Die Bürgerschaft setzet sich aber dagegen, und der Kurfürst hilft leztern, ihre Sache durchzusetzen. Den 12ten etwas Frost, den 13ten Regen.
Am 17ten – Vermischtes Wetter. Am 19ten Sturmwind. Kornpreis 14 Gülden, Haber 1 Kron.
Den 20ten, Septuagesima. Den 21ten das gestern eingefalle Sebastianusfest wurde heut gefeyert. Kornpreis 15 Gülden, Haaber 18 Schilling.
Bis 27ten wechseln Regen, Wind und Schnee einander ab.
Am 28ten – Frost. Kornpreis 5 Reichstahler.
Februar
Am 1ten – Der Frost hat die Erde gepflastert, daß alles drüber rollt.
Im Kölnischen Lande ist eine Verordnung erschienen, kraft welcher keiner heyrathen darf, er habe dann 150 Reichstahler eigenthümliches Vermögen. Die Schefen müssen die Taxa unentgeldlich machen, und der Amtsverwalter läst sich für das Unterschreiben 2 Reichstahler zahlen. Allenthalben macht dieses Edict wegen dem Unvermögen einige Hochzeiten hinterstellig, die sich dan ins Gülische wenden, um das hier zu werden, was sie dort nicht werden konnten, nemlich Braut und Bräutigam. Jedoch werden die Richter zuweilen hintergangen. So liehe zum Beyspiel der hiesige Sandhalfen Johann Dick seinem getreuen Knecht die nothwendige 150 Reichstahler, welche dieser zu Hackenbroich zeigte, und nach der Hochzeit solche seinem Herrn wiedergab. Am 2ten Regen.
Am 3ten, Fastnacht – Es ist sehr angenehmes Wetter. – Nur im Adler spielen drey Musikanten, sonst herschet im Dorf einsames Schweigen. Den 4ten – Es sind wirklich Frühlingstage. Die Natur beginnt, aus ihrem Winterschlaf zu erwachen. Kraut und Laub fängt an zu grünen, Lerche und Buchfink stimmen ihre Lieder an.

[61]

1788
Februar
Am 5ten, Fastnachtsdienstag[41] – Das heut gewöhnliche Kohrfest zur Ehre der heiligen Agatha wurde sonst von dem Pastoren nicht für die Gemeinde gehalten. Nun beschlossen die Schefen, daß dem Pastor und Küster die Meß bezahlt werden sollte. Zu dem End gienge der Schefen Fix mit dem Klingelbeutel um und erhielt noch bey 4 Reichstahler Ueberschus, welche zu einer Kerze verwendet werden, die auf dem Kohr aufgesteckt wird. – Die Fastendispens ist wie vorig Jahr.
Die Studenten in Kölln hatten zu ihren gewöhnlichen Fastnachts-Masqueraden die Vorstellung der am 11ten Januar gedachten reformirten Kirche gewählt. Es sollte nämlich eine Art von Kirche umgetragen werden. Der Bürgermeister von Hilgers, D. Luther und eine Menge Engeln aus dem zehnten Kohr sollten in Bildern aus den Fenstern schauend vorgestellt werden, und das Ganze sollte vor des Bürgermeisters von Hilgers Haus in Flammen auflodern. Weil aber der Magistrat davon Nachricht bekame, so wurde den Soldaten Befehle gegeben, die Acteurs gefänglich einzuziehen, worauf die Kirche nicht zum Vorschein gekommen ist.
Bis 13ten – Sehr angenehmes Wetter. Diesen Winter ist noch kein Eis im Rheine gewesen. – Das Malder Korn gillt 4 Reichstahler 25 Stüber, zahme[42] Kleesahmen pro Pfund 10 Stüber 8 Heller, reiner Wilden ditto, das Malder 115 Reichstahler.
14ten bis 17ten – Kalt. Am 18. konnte man kaum das Eis von den Stubenfenstern aufgedauet erhalten.
20ten – Regen. Am 22ten – Cornelius Straub, welcher 2 Jahr Bürgermeister war, ist abgesezt und sein Amt dem J. W. Verhagen übertragen worden. Anton Schmitz oder Pletsch Anton hütet die Schweine. Jacob Böckendorf bleibt Kuhhirt, doch soll er morgens 5 Uhr aus- und abends 7 Uhr eintreiben.
Bis 29ten – Anhaltende Frühlingstage. Die Saath im Feld sieht sich gut an.
Merz[43]
Vom 1ten bis 6ten – Frost und etwas Schnee. Am 7ten Regen mit Sturm.
Am 9ten – Frost. Am 11ten geht alles drüber. Am 14ten sehr kalt.
Am 15ten – Weil das Josephs-Fest in der Karrwoche fällt, wird es heute, samstags vor Palmen, gefeyert.
Am 16ten, Palmsontag – Wegen dem kalten Nordwind schuf der Pastor die nachmittägige Procession in einen Kirchen-Andacht um. Nach dem Seegen wurde der Rosenkranz gebethen, zwischen jedem Gesatz "O Crux ave" mit einer Strophe aus "Jesus ruft dir, o Sünder mein"[44] gesungen und 5 "Vater unser" mit ausgestreckten Armen gebethen.
Am 17ten – Dauwetter. Am 21ten Frühlingstage. Heut und am Mittwoch wurden die gewöhnliche Processionen nachmittags 4 Uhr zahlreich gehalten.
22ten, Osterabend – Sehr angenehm. Am Abend hatten wir ein Donnerwetter.

[62]

1788
Merz
Am 23ten, Ostertag – Unangenehm kalt.
Am 24ten – Bey der Emausprozession ware es unfreundlich, drauf folgte aber ein über allen Ausdruck schöner Nachmittag. – Das Malder Korn gillt 5 Reichstahler 1 Schilling.
Vom 25ten bis 31. – Sehr feine Frühlingstage.
Aprilis
Am 1ten – Warmer Regen. Gestern Abend ist die Pastoralbehausung zu Rommerskirchen abgebrennt.
Am 2ten bis 7ten – Sturm und Regen. Das Malder Korn gillt 5 Reichstahler 15 Stüber.
Vom 8ten bis 12ten – Unvergleichlich schöne Tage. Alles ist am wachsen.
Am 13., Gottestracht[45] – Vom Morgen bis Abend ware es heiter und warm, so auch den 14ten.
15ten bis 17ten – Kälterich mit Regen. Vom 18ten bis 21ten warm, am 22ten Regen. Es gibt schon Korn-Ähren. Bis 27ten warmer Regen, am 28ten bis lezten heis.
Mey
Am 1ten, Kristi Himmelfahrt[46] – Früh, ehe noch die Sonne aufgegangen war, tönte Philomele ihren schmelzenden Gesang in dem Garten des Pfarrhofes. Drauf erfolgte ein heisser Tag und ein göttlicher Abend, den die Mädcher im Dorf mit Gesang und Fröhlichkeit feyerten bis in die späthe Nacht. Alles fröhnte der Wiederkehr des Lenzes. – 100 Pfunf Heu 24 Stüber. Am Platthalse werden 4 neue Krippen angelegt, welche Aldenhoven von Zons und Boes von Worringen an sich genohmen haben.
Bis 8ten – Sehr heiß. Am 9ten Regen, 10ten bis 13ten kalt.
16ten – Heiß. Heut nachmittags brach zu Sinnersdorf im Brauhaus beym Wirth Jan Feuer aus, wodurch 13 Wohnungen eingeäschert wurden. Am 18ten Kornblühe.
Am 19ten – Anhaltende Hitze. Am 20ten Regen. Heut sind die Küh eingetrieben worden.
22., Frohnleichnam[47] – Die Procession ware sehr zahlreich. Wegen dem Sand unten in der Aue sind wir mit der Procession zu Rheinfeld auf den Damm gegangen und den Monheimer Weg hinab oben herein.
27ten – Trocken und sehr heiß. Man hofet sehnlich auf Regen.
Am 30ten regnete es von morgens 5 bis abends 6 Uhr.
Junius
Am 1ten – Dunkel und kühl. Es wird in einer Kurfürstlichen Verordnung befohlen, daß die Soldaten inskünftig mehr hochgeachtet und ihnen von den Landleuten vor allen andern Arbeit verschafet werden solle. Es sollen alle hinfort freywillig angenohmen werden. Mehrere sollen jährlichs 8 Monath auf Urlaub gehn. Wo eine Hauptarbeit vorfällt, sollen Soldaten gebraucht werden. Auch werden alle Vagabunden und ehrlose Leute vom Soldatenstande ausgeschlossen. Bis 3ten sehr warm.
Am 9ten hällt der König von Preussen zu Wesel Revue. – Heut passierte hie der Gallawagen des Köllnischen Nuntius, welcher leztere zum König seine Beschwerden einbringen wird. Über die Eingrife des Keysers und Kuhrfürsten von Kölln in die Rechte der Nuntiatur.
Es gehen viele Herrschaften hindurch auf Wesel zur Revue. Am 7ten sehr heis.

[63]

1788
Junius
Vom 8ten bis 12ten – Nordwind.
15ten – Sehr heiß. – Den 16ten Donner und Regen. Kornpreis 13 Gülden.
17ten, 18ten und 19ten – Unerträgliche Hitze. Am 20ten Donner mit Regen.
Am 21ten – Nachmittags 4 Uhr hatten wir ein fürchterliches Gewitter mit durchdringendem Regen bis tief in die Nacht hinein.
Am 22ten regnete es den ganzen Tag, so daß einigen Leuthen schon das Wasser auf dem Scheuern-Tenne steht. – Bis 25ten anhaltender Regen. Man befürchtet eine Ueberschwemmung des Rheins. – Am 26. bis 28ten Regen.
Am 29ten – Trocken und warm.
Kuhrfürstliche Edicten[48]
Erstens[49] – Werden alle Hazardspiele verbothen.
2tens[50] – Das Herumstreichen der Bettler, Eremitten, Vagabunden etz.
3tens[51] – Warmgemachtes Getränk mit Kesseln für Kälber in die Ställe tragen wird gänzlich untersagt, zur Verhütung der Feuersbrünste.[52]
Am 30ten regnete es wieder. – Vieles Klee-Heu ist faul geworden. Die Leuthe fahren solches nach Haus in die Mist. – Vom Erft- und Gillbachfluß vernimmt man, daß solche bey Menschen-Gedenk nicht so groß waren als heuer. Vieles Heu ist da weggeschwemmt und die nahe Äcker verdorben worden. – Der Schefen Fix hielte eine Kolleckt im Dorf, wofür ein neues Agatha-Bild in Kölln gemacht wurde. Sonst ware deren keines hier. Das Bild ist aus Thon geformt, weis angestrichen, mit vergoldeten Säumen und kostet 8 Reichstahler. Es ward auf der Epistel-Seithe neben dem hohen Altar aufgestellt. Alle Morgen brennt in der ersten Meß eine Kerz dabey.
Julius
Am 1ten – Trocken. – Heut ist das erste Korn gemähet worden. Am 2ten heiß ohne Regen. Das Korn oben im Feld ist schlecht und voller Reif. Hingegen ist das ünterste Feld treflich. Auf dem Werth und Kranenorth liegt die Frucht, als wenn eine Welle hinüber gerollet wäre. Am 4ten Donner.
Am 5ten hat es fast den ganzen Tag gedonnert und etwas geregnet.
Am 7ten ist das erste Korn eingefahren worden. 8ten Regen, am 9ten-10ten heis.
Am 11ten zohe ein fürchterliches Gewitter vorüber, welches zu Richrad in die Kirch einschlug.
Am 13ten, Sontag[53] – Sehr heis. – Am 13ten wurde allgemein eingescheuert.
Am 19ten – Die Hausleuthe haben ihre Früchten alle herein. Das neue Korn gillt 2 Kronenthaler.
Bis 31ten – Sehr heis. Man hofet nichts so sehr als Regen. In diesen Tagen ist viel Heu gemacht worden. – Das Korn gibt sehr schlecht, der Gast 1 Faß.
August
Am 1ten – Anhaltende Dürre. Es sind noch sehr wenig Rübweiden gebaut. Izt ist es zu hart, und wenn’s nicht bald regnet, so ist es zu späth.
4ten – Heiß und trocken. – Der Rheinfelder Halfen hatte seinen Acker vor dem Hof mit Korn besäht, welches bis auf etwas Weniges vom Sand verdorben ist. – Bis 9ten trocken. Am 12ten regnete es unbedeutend.
Die Stoppeln liegen noch fast alle ungebaut. Es wird ein schlechtes Rüben-Jahr werden.
Am 13ten und 14ten – Regen, doch kömmt es noch nicht an die Wurzel.

[64]

1788
Augustus[54]
Am 15ten, Maria Himmelfahrt[55] – Am Abend hatten wir ein schnell vorüberrollendes Gewitter, wobey wieder zum erstenmal geläutet wurde seit 1784. Damahls wurde von Düsseldorff aus befohlen, bey herannahendem Donneren mit der großen Klocke 3mal anzuschlagen und nicht mehr wie sonst zu läuten.
20ten – Warm und Regen. – Es wird fleissig Haaber eingescheuert.
Bis 31. – Schöne Tage. – Der Kappus wird schlecht gerathen.
Das Malder Korn wird verkauft zu 4 Kronthaler.
September[56]
Am 1ten und 2ten – Dunkel mit Regen. Es steht noch viele Haaber im Feld.
Vom 3ten bis 6ten – Heisse Tage. – Von dem im verflossenen Späthsommer ausgebrochenen Türkenkrieg habe ich bisher geschwiegen. Die keyserliche Soldatesen, vereinigt mit der russischen, zohen einen Gränzkordon von Ckzakow bis Dubiza. Der römische Kayser Joseph und der Fürst Lichtenstein kommandiren die Oesterreicher. Die Türken brachen durch den Kordon ins Bannat, tödteten 1.500 Keyserliche und eroberten 13 Kanonen. Da es den keyserlichen Herführern an Muth und Kenntniß gebrach, so ist jetz der berühmte General Loudon bey der Armee, welcher den Gränzkordon in eine fliegende Armee umgeschaffen hat. Man verspricht sich alles von seinen Unternehmungen. – Der König Gustav von Schweden hat den Russen den Krieg erklärt. Der Monarch kommandiret selbst die große schwedische Flotte, die russische hingegen der Grosfürst Paul Potcowa.
Vom 7ten bis 15ten – Dauerhaft angenehme Tage. Vom 16ten bis 21ten warm mit Regen.
Bis 27ten – Schönes Wetter. Die Saath ist fast alle in der Erde.
Wenn man jemals eine Menge fröhlicher Gemüther findet, so ist es an dem jetzigen Kirmesabend: Alles geht in Trapp und Galop, selbst greise Müttercher haben ihren Schneckengang mit unglaublicher Leichtigkeit verwechselt. Hier kommen Dutzende mit Hefenkrügen, dort ganze Karavanen mit Fleischbündeln. Alles wird geschmückt, und Winkeln, die das Jahr hindurch selten eines Menschen Fuß betrat, werden ausgepuzt. Jüngling und Mädchen, alt und jung, reich und arm, kurz: jede lebende Kreatur freuet sich auf diese Tage, wo alte Verwandte und Gefreunde noch einmal beysammen kommen, die sich seit Jahr und Tag nicht gesehen haben. – Wäre mir ein Blick in die Vorzeit vergönnt, vor hundert Jahren an diesem freudigen Abend, wie es da gewesen seyn mag? Auch unsere Vorfahren waren jung und feyerten diese Tage, wo nicht festlicher, doch gastfreyer als wir. Ihre Tänze, Versammlungen und Gästmähler, davon wünschte ich mir eine wahre, lebhafte Schilderung. – Abends 9 Uhr.
Soeben geschieht der freudige Auszug, vorauf ertönen Flöt- und Saytenspiel, ihnen folget eine große Schaar frölicher Jugend. Vom Einfluß des großen Festes belebt, erschallt das allgemeine Jubelgeschrey: "Es lebe die Jugend"[57].

[65]

1788
September
Am 28ten, Kirchweihe[58] – Es ist ein Tag, so schön, als jemalen der Herbst hervorbringen kann. Die schöne junge Welt aus der Gegend umher hat sich hier versammelt. In allen Gegenden des Dorfes ertönt freudige Musick, und das jubelnde Gelächter und das Schlüpfen des Tanzes aus den Sälen der Frölichkeit. Im Adler[59] lockte ein Seiltänzer unzählige Zuschauer herbey, obschon seine Geschicklichkeit nicht zu bewundern war.
29ten – Das heutige Michaeli-Fest und das schöne Wetter lockten viele Fremden von den benachbarten Ortschaften herbey. Nachmittags kame Regen.
October
Freytags, am 3ten – Die Kirchweihe ist in friedlicher Harmonie vorüber gegangen. Musik und Tanz währeten die ganze verflossene Nacht bis an den Morgen.
Am 4ten – Regen. Die Schnecken hausen sehr stark in schweren Gründen.
Am 5ten bis 10ten – Sehr angenehme Herbsttage.
12ten – Heut trete ich eine Lustreise ins Klevische an, um meine geistliche Schwester im Kloster Schledenhorst bey Rees zu besuchen.
November
Am 12ten abends 8 Uhr brach in der Scheune des Rulandshalfen zu Horrm Feuer aus. Der ganze Rulandshof, die Scheuer, Stallung und ein Theil des Theisen oder Wittib Wolfs Behausung, die Stallung des Martin Panzer, die Häuser des Mathias Rensing, Joann Malsburg, Heinrich Trost, Agnes Nusbaum, Egidius Richards und die Scheune des Henrich Weiler wurden ein Raub der Flammen. Wenn nicht die ungeheure Menge Menschen und die Brandspritzen von Zons, Straberg und Nivenheim der Flamme Einhalt gethan hätten, so würde das Uebel ungemein größer geworden seyn.
Am 29ten November kame ich von meiner niederländischen Reise zurück. Es ware die Zeit hindurch sehr angenehmes Wetter. Erst am 25ten dieses fienge es an zu frieren und bis heute mit jedem Morgen heftiger, so das wirklich Eis im Rheine ist.
December[60]
Vom 1sten bis 4ten sehr kalt. Am 10ten hat sich das Rheineis zu Grimmlinghausen festgesezt so wie oben am Kasselberg. Deswegen ist hier sehr wenig Eiß im Rhein.
15ten – In den wärmsten Stuben kann das Eis auf den Fenstern nicht schmelzen. Verschiedene Vögel sind erfroren. Am 16ten sezte sich der Rhein am Stürzelberg. Die meiste Brunnen sind wasserleer, in Zons sind deren nur noch 2, wo man schöpfen kann. Der Rhein ist kleiner noch als 1783. – Zu Bethlehem gienge am Sonntag ein Pater auf ein nachbahrliches Dorf Messe lesen. Er verirrte sich auf der Heimreise im Wald und sank vor Källte an einem Steg nieder, wo ihn vorübergehende Wanderer todt fanden.
17ten – Heut nach Mittag um 4 Uhr sezte sich auch hier am Platthalse der Rhein. Die Källte ist unbeschreiblich und viel Elend unter den Armen.

[66]

1788
December
Am 18ten – In diesem Jahrhundert ware es nicht so kalt als jetz. Die Jahre 1709, 1740, 1766 und 1784 waren in diesem Falle nicht so merkwürdig.
Am 19ten – Diese Nach fiel ½ Fuß tiefer Schnee. – Zu Düsseldorf ist eine arme Frau mit ihrem Kinde in ihrer Stube erfroren. Der Policei-Director hielt zum Behuf der Armen eine Kolleckte, wozu der Graf Spee 25 Reichstahler beytruge.
Am 20ten ist’s etwas milder. – Sontag, am 21ten, schneet es den ganzen Tag.
Am 22. und 23ten wieder sehr kalt. Am 24ten morgens 9 Uhr begann es zu regnen.
25ten, Kristtag[61] – Es dauert noch fort. Dabey ist es auf der Straße so glatt, daß die Leuthe nur mühsam zur Kirch kommen können.
26ten hat es wieder kernhaft gefroren.
28ten, Sontag[62] – Weil das Kirchengehen so beschwerlich ist, so fienge die Frühmeß erst um acht Uhr an.
30ten – Die Kälte ist heut unbeschreiblich streng.
31. – Etwas gelinder. – Auf der Gillbach ist ein Schäfer vor Kälte rasend geworden. Aus allen Gegenden Europens sind die Nachrichten von diesem harten Winter einstimmig sehr betrübend. So schreibt man aus Wien vom 22ten[63]: Der Winter ist dieses Jahr höchst merkwürdig. Bey dem 2 Fuß hohen Schnee hat man schaarenweis die Rebhühner in die Stadt herabfliegen sehen, Hirsche kamen bis in die Vorstädte und suchten Nahrung. Sogar bis Wienerisch-Neustadt liessen sich Wölfe sehen. Man zählt in 6 Tagen hier in der Stadt 16 Erfrorene, ohne diejenige, welche man auf der Landstraße erstarrt gefunden. 9 Personen zerbrachen auf dem glatten Steinpflaster die Bein.
Am 18ten vorigen Monaths kame hier am Posthause ein Herr zu Pferd an. Seine Glieder starreten vor Frost. Unser Chirurg Eller verordnete, daß 2 Personen ihn durch ein kaltes Zimmer schleppen musten. Drauf kame er wieder zu sich und ward in einigen Tagen genesen. Zu Gerresheim im Bergischen sind zwey arme Frauen erfroren. Zu Rommerskirchen im Peeckenhof kame ein köllnisches 12-jähriges Kind betteln. Nach dem Essen liessen sie das Kind in die Scheuer schlafen gehen. Es wurde seiner nicht ehender gedacht bis am andern nachmittags, als es wirklich todt war.
Der reaumürische Wärmemesser auf[64] der Jesuiter-Sodaliteet zeigte:
November Grad
am 25ten 5 ½
26ten 7 ⅓
27ten 9
28ten 7 ⅓
29ten 7 ¾
30ten 3 ⅘
December
am 1ten 4
2ten 4
3ten 8 ¾
4ten 10 ¼
5ten 5 ½
December Grad
am 6ten 5
7ten 8 ½
9ten 10 ⅓
10ten 6 ½
11ten 6
12ten 2 ½
13ten 7
14ten 10 ⅕
15ten 12 ¼
16ten 14
17ten 12 ½
18ten 15 ¼
19ten 5
December Grad
am 20ten 6
21. 4 ⅕
22. 6
23. 11 ¾
24. 1
25. 2 ⅔
26. 3
27. 7
28. 9 ½
29. 11 ⅘
30. 13 ¼
31. 9
Zu München zeigte der Thermometer am 18ten December 18 Grad, am 19ten früh 21 Grad.

1789

[67]

1789
Januarius
Am 1ten – Wegen der noch anhaltenden strengen Kälte war das eben verflossene Jahr sehr merkwürdig. In Ansehung der Feldfrüchten ware es ein mittelmässig gutes Jahr. Das Korn gab schlecht aufs Denn, hingegen ware mehr Stroh gewachsen, und der hohe Preis hält den Ackersman schadlos. In Europa herscht allenthalben Friede und Ruh, ausser die Fehde zwischen den Türken mit den verbundenen Kayserhöfen Wien und Petersbourg, doch haben die Krieger schon vor einiger Zeit die Winterquartiere bezogen, als Held Loudon kurz zuvor die Türken aus dem Bannat vertrieb und ihnen die Vestungen Novi und Debiza abnahme.
Obschon der Rhein am Stürzelberg schon lange zugefroren ist, so hat sich doch bis izt kein Fuhrmann darüber gewagt.
2ten – Etwas gelinder. Am 3ten bitterkalt. Am 5ten kalter Nordwind.
6ten – Sehr kalt. Am 7ten etwas Schnee. – Es wird jetz am Stürzelberg viel Holz über den Rhein gefahren. Diejenige, welche den Weg geebnet haben, wollen von jedem Nummer Holz 30 Stüber Passagegeld haben.
8ten, Donnerstag[65] – Diesen Morgen ließe der Pastor in der Kirche verkündigen, daß die arme Leuthe, welche an Brand Mangel leiden, sich bey ihm melden sollen. Ihrer meldeten sich 28. Jede Familie bekömmt ein halbes Malder Geriß und 8 Stüber Geld. Wo ihrer aber zwey in einem Hauß und Stube beysammen wohnen, so bekommen sie unter sich beyden ½ Malder Geriß und 16 Stüber Geld.
9ten und 10ten – Etwas gelind. – Sontags, am 11ten Schnee. – Weil die Gelder in dem Armenstock herausgenohmen wurden, so gienge der Küster in der Frühmesse mit dem Klingelbeutel um. Es ward 1 Reichstahler 52 Stüber hineingeworfen. Im Hohenamte war auch die Kollekte anstatt sonst gewöhnlich 25 bis 30 Stüber jetz zu 1 Reichstahler 18 Stüber angewachsen.
Von geistlicher Obrigkeit ward verordnet, 8 Tage hindurch alle Morgen eine sacramentalische Messe zu halten, wobey die Lytanie von allen Heiligen gebeten wird, welche morgen 7 Uhr anfängt.
12ten – Schnee. Am 13ten starker Frost, am Abend stellte sich Thauwetter ein.
14ten – Regen. – Die Rheinfelder wollen ihre Heuser verlassen und hier bey uns Sicherheit suchen. Der Rheinfelderhalfen hat Schweinströge auf den Pferdsställen machen lassen. Das übrige Vieh bringt er alle hieher. Man hat zwar keine schädliche Eisfahrt zu befürchten, weil der Rhein bey kleinem Wasser zufror, allein, die Jammerscenen von 1784 sind noch allzu neu und fürchterlich, um sich nicht auf jeden Fall gefast zu machen. Auch meldeten sich Zonser um Herberg, allein, Dormagen versorget zu erst die Rheinfelder.
Aus Lemberg im Kayserlichen wird berichtet, daß dort in 3 Tagen 37 Personen vor Frost gestorben und 2 Juden von Wölfen zerrissen wurden.

[68]

1789
Januar
Am 15ten – Die Dormager haben gestern ihr Holz fast alle aus den Mickler Dörnen am Stürzelberg herübergefahren. – So heftig auch der Frost war, dennoch fand man hie und da noch Oefnungen in der Rheindecke.
16ten – Es stürmt mit Regen. – Das Malder Korn wird um 5 Reichstahler gegeben. Bey der heurigen Källte lies das Thumkapitul zu Kölln 500 und der dasige Generalvicar 100 Malder Geris unter die Armen theilen.
Der Kuhrfürst von Bonn hat wieder Zwistigkeiten mit der Stadt Kölln. Er begehrt die Rheinmühlen und die Butterwag. Darüber verlohr der Fürst den Process. Nun begehrt der Kuhrfürst denjenigen Theil von der Stadt, welcher späther dazugebauet ward, weil vor alters die Pfaffen-Pforte[66], Krieg-, Würfel und Marktpforte die Stadt einschlossen.
In voriger Woche waren rund um das Schloß zu Bonn brennende Lunten angelegt, um selbiges in Flammen aufgehn zu lassen. Um das Löschen zu hindern, waren die Röhre an den nahen Pumpen abgeschnitten, und es brannte wirklich ein Thor bis auf den Grund ab, das Übrige ward mit Schnee gelöscht.
Am ersten Jenner zeigte der Thermometer 9 ¾ Grad.
am 2ten 10 Grad
3ten 10 ⅓
4ten 14 ⅔
5ten 15 ½
6ten 8
7ten 12
8ten 11 ½
9ten 10 Grad
Die russische Armee unter Anführung des Fürsten Potemkin nahm am 6ten December vorigen Jahres die türkische Vestung Okzakow mit Sturm ein. Viele tausend Russen fanden dabey ihr Grab.
Kornpreis 5 Reichstahler. – Am 17ten angenehmes Thauwetter.
Am 18ten, Sontag[67] – Bis um die Mittagszeit blieb der Rhein noch vest in seiner niedrigen Lage, dann aber fienge das Wasser alle Stund 8 Zoll zu wachsen an. Das Eis im Zonser Strome brach erst abends 6 Uhr, jedoch hielt sich das Wasser zwischen den Ufern, wo auch an beyden Seithen ein breiter Saum Eis stehen blieb, wodurch das mittlere Eiß mit fürchterlichem Geprassel forttriebe. Zu Baumberg, Piwit, Monheim, Worringen und Hittorf waren unzählige Lichter an dem Ufer. Auf unserm Damm ware es auch voller Menschen mit Leuchten, die dort verweileten bis tief in die Nacht. Zu Zons wurden die Kanonen auf dem Schloß gelöset. Man sahe den Blitz und hörete den Schall, auch jener, so etwas späther zu Düsseldorf abgebrennt wurden.
Am 20ten morgens 5 Uhr trieb das Eis im Rheine noch voran. Das Wasser fienge an zu wachsen, und der Fluß trat über die Ufer. Um 6 Uhr sezte daß Eis sich wieder und stand, weil der Rhein jählings anschwoll, hoch oben dem Ufer.

[69]

1789
Januar
Nun befürchteten wir, wenn das Eis wieder anfienge zu treiben, so würde es in grader Linie auf unsern Damm stossen und sich da Öfnung verschafen. Als diese Nachricht in Zons erscholl, so verliesen die meisten Einwohner die Stadt und stürzten mit Sack und Pack und all ihrem Vieh hier zum Dorfe hinein. Worringen und Stürzelberg that ein Gleiches, an lezterm Orte blieben nur 10 Seelen zurück.
Diesen Morgen wurden 2 Wächter auf unsern Damm gestellt, welche durch einen Flintenschuß die Losung geben musten, wenn das Eis rückte. Um 11 Uhr mittags fiele wirklich ein Schuß, und als die Eisdecke in der Mitte einige Minuten getrieben hatte, sezte es sich von neuem wieder. Es ware auf dem Damm und Höhenberg unzählig voller Menschen, welche den nahen Ausbruch erwarteten.
Um halb 4 nachmittags schwoll das Wasser höher an. Zu Worringen wurde auf die Klocke geschlagen, weil das Wasser den Damm hinter der Kirch zu übersteigen begann. Da bewegte sich das Eis von oben an der Köllnischen Straße und gleich darauf unter dem Leimufer. Haußhohe Klumpen Eiß brachen an beyden Orten aus und bedeckten die Gegend vor und hinten dem Monheimer Weg, wodurch die seit 1784 daselbst gepflanzten jungen Weiden gänzlich ruinirt wurden. Besonders litte dabey der neu angelegte Pesch des Schefen Steinberger, welcher ungefehr 8 Morgen unter sich hat, schiessend auf den Rhein, zwischen dem Platthals und Piwittenblech. Das Wasser wuchs von 4 bis halb 5 vier Schuhe hoch, und gleich drauf fiel es so schnell wieder hinweg, und das Eiß trieb dem Strome nach fort. An den Ufer ware solches sehr hoch aufeinander geschoben. Wenn das Wasser noch anderthalben Fuß gewachsen wäre, so würde es unsern Damm überstiegen haben.
Am 21ten – Das Wasser fiel diese Nacht so stark, daß man heute ungestiefelt gerade auf Zons gehen kann. Nur unten im Feld in den Schlenken stehet solches noch, welches auch dort versinken muß. Viele Menschen suchten schon früh diesen Morgen unter den Peschen zwischen dem Eiß, doch ward nur ein Tönchen Pech und ein Steurruder und ein Tönnchen Pech gefunden. Heute verlassen uns die Flüchtlinge wieder, welche hier Sicherheit fanden.
Die Frucht des Rheinfelds sieht sehr lebhaft aus. Nur an den Gründen wird solche verdorben. – Heut ist jedem Dürftigen aus der Armenkasse ein 7-pfündiges Brodt gegeben worden.
Am 22. und 23ten – Angenehmes Wetter. Das Piwittenblech ist sehr stark vom Rhein ausgespühlet. Vorne, wo es noch vor 15 Jahren 90 Schritt breit war, hällt es deren izt noch kaum 10.

[70]

1789
Januar
Am 24ten – An den Rheinufern liegt das aufeinandergeschobene Eis noch haushoch. Bey der wiederkehrenden Frühlingssonne stürzt solches gleichfals mit einem Kanonenschall nieder in den Rhein und wirft Wellen bis an das gegenseitige Gestade. Deswegen wird auch noch an der Piwitte nicht übergefharen.
Die heutige Köllnische Zeitung meldet, das die Rheindämme zu Worringen, Dormagen und Zons durchgebrochen und daß die Einwohner sich nach Hackenbroich geflüchtet hätten. Sonderbahr! Den als im Jahr 1784 das Wasser neben Worringen westwärts herabkame, sezte solches das Dorf Hackenbroich unter Wasser, wozu es hier doch noch 4 Fuß hätte wachsen müssen. Am 27ten Sturmwind.
Kuhrfürstliche Edicten
1mo – Sollen die Begräbniße von halben Merz bis halben September längstens bis 9 Uhr morgens und zur Winterzeit längstens um 10 Uhr anfangen.
2do – Soll keiner soll keiner sich Freyherr, Edler oder "von" Schreiben, ohne dazu legitimirt zu seyn.
3tio – Falsche Werber und Werberinnen sollen arretirt und dem Anzeiger 150 Gulden abgereicht werden.
Am 28ten – Heut kame das Obereis. Der Rhein wächst und läuft heute schon in den Bixem. Am 30ten etwas Frost. Der Rhein fällt.
Februar
Am 1ten und 2ten Frühlingstage. Am 3ten hatten wir ein Donnerwetter.
Am 5ten, Agatha[68] – Weil es heut Donnerstag ist, so ward das Kohrfest anstatt der Donnerstagsmesse um 9 Uhr gehalten. Der Schefen Fix gienge mit dem Klingelbeutel um, und aus diesen Geldern wurde das Hochamt bezahlt und das Übrige zu einer Kerze verwendet. – Sturmwind.
11ten – Abwechselnd Wetter. – Seit einiger Zeit hatten wir viele Leichen, doch immer alte, abgelebte Menschen, denen keine Thränen nachgeweinet werden. Es ist allgemein geworden, daß bey Begräbnißen die Orgel spielen zu lassen. Sogar Dürftige lassen ihren Verstorbenen noch etwas orgelen. Um diese Feyerlichkeit nur für vornehme Reiche zu erhalten, so verordnete der Pfarrer, daß ausser der Organisten-Jura auch nebenhin von jedem Seelenamt 15 Stüber zur Unterhaltung der Orgel zahlt werden muß. Allein, die Leuthe zahlen auch dieses, weil sie wollen etwas georgelt haben.
Auch werden izt meistens die Sechswochenmessen gleich nach dem Begräbnistage gehalten. Man geht dann noch ein paar Sontage zum Opfer, und einige thuens gar nicht.
15ten – Sturmwind wechselt mit angenehmen Frühlingswetter bis 21ten.
22ten, Fastnacht – Es geht recht lustig im Dorfe zu. Die am heutigen Peter-Stuhlfeyrstag gewöhnliche Bürgermeisterwahl und sonstige Dienste sind nicht verwechselt worden. Jeder bleibt, was er ist, bis auf bessere Zeiten.
Es ware von der geistlichen Obrigkeit der Befehl eingegangen, daß ein Dankfest wegen der glücklichen Eisfahrt sollte gehalten werden. Zu dem End

[71]

1789
Februar
wurde diesen Nachmittag nach der kristlichen Lehre die Benediction gegeben, die Lythanie vom süssen Namen gebethen, ein Rosenkranz hinzugesezt, da "Te Deum" gesungen und mit der Benediction beschlossen.
25ten – Frühlingswetter. Die Fastendispens ist wie vorm Jahr.
Merz[69]
Am 1ten – Es werden schon dicke Bohnen gesteckt. – Am 3ten kalt und windig.
5ten – Schnee und Frost. – Der Rabsahmen ist alle erfroren.
Die heurige Ueberschwemmung hat hinter dem Damm merklichen Schaden angerichtet. Von einigen Stückern ware der 1784ger Sand abgefahren, von andern noch nicht. Nun ist wieder alles untereinander geschwemmt, Löcher ausgetrieben und andere Ländereyen beschossen. Hinter dem Damm vom Monheimer Weg bis über das Piwittenpättchen liegt 3 Zoll fruchtbaren Lett. Der Bodenkreutzer Weg ist auch ausgespühlet, sonsten aber diesseit des Dammes kein merklicher Schaden geschehe. – 6ten und 7ten Schnee und Frost.
10ten – Es ist noch December-kalt mit Schnee. – Kornpreis 5 Reichstahler. Am 14ten Regen.
15ten, Sontag – Angenehmes Frühlingswetter. – Bis 20ten Frost. Am 21ten Schnee. Am 22ten Regen. Das Malder Korn gillt 16 Gülden, 100 Bauschen Stroh 1 Ducaten, 100 Pfund Heu 30 Stüber.
Am 28ten – Frost. Diese Nacht sind 7 vermummte Männer Brodt fodern gegangen. Sie begehrten um Gottes Willen auf dem Jussenhoverhof 2 Brodt, auf dem Sandhof 7. Der Halfen reichten ihnen 3 am Fenster hinaus, und sie giengen dankbar vorüber, im Mondenlicht dem Damme nach. Man sagt, sie wären von Delven zu Haus.
Am 31ten – Schnee und Frost. Kornpreis 18 Gülden, Stroh 4 Reichstahler 15 Stüber, Rabsahm 14 Reichstahler.
Aprill[70]
Vom 1ten bis 4ten – Regen. Dieser ist Schuld daran, daß der Rhein anschwillt und wirklich halbeswegs den Kühebenden ausgetreten ist.
5ten, Palmsontag[71] – Heiter und kälterich. Die Prozession am Nachmittag ware sehr zahlreich. – Der Rhein steht wirklich bis an den Höhenberg.
11ten – Diese Woche hatten wir sehr angenehme Frühlingstage. Die gewöhnliche Römerfahrten waren zahlreich. Heut Nachmittag hatten wir ein Donnerwetter.
12ten, Ostertag[72] – Es war ein herrlicher Morgen. Die Gesänge und das Gebeth in der Frühe um die Kirch ward dadurch ungemein verschönert. Späther fienge es sehr warm zu regnen an. – Bis 16ten Frühlingstage.
Heinrich Henk zu Horm machte gestern an dem Bildstocke zwischen Nivenheim einen Graben längs seinem Stück am Wege. Da fand er eine Strahlenplatte von einem Venerabul. Es ware das hinterste Theil von Kupfer, doch stark vergoldet. Die vordere Verziehrungen waren abgeschraubet und nicht dabey. Wahrscheinlich hatten Diebe es vor 25 oder 30 Jahren in den Graben geworfen, denn es ware in halb vermoderten rothen Sammet und Seyde von Fahnen eingewickelt. 26ten regnicht kalt.
26ten – Heute sind 2 Edicten von Manheim, wo unser Kuhrfürst jezt residirt, verlesen worden. Erstens sollen 160 Mutterpferde in Gülch und Berg vertheilet werden. Der Bauer erhällt solche umsonst, muß selbiges aber jährlich mit einem angewiesenen Hengste belegen lassen. Die Füllen sind dem Bauer seyn Eygenthum. Wenn’s aber Krieg giebt, so muß er ein Pferd abliefern, wenn ihm auch schon das Mutterpferd verünglückt ist.

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1789
Aprill
Zweytes Edict[73]: Um den Soldatenstand beliebter zu machen, kann man sich selbigem einverleiben und das ganze Jahr auf Urlaub gehn, ausser die 6-wöchentliche Exercierzeit. Die Capitation ist auf 8 Jahre höchstens vestgesezt, und die Invaliden erhalten Gnadenbrodt.
Seit 1784 ist das Meyläuten Kuhrfürsten verbothen. Die Gemeinde sähe solches doch gerne wieder eingeführt. Deswegen wurden heimlich Rheinfelder bestellt, die gestern Abend und diesen Morgen anhaltend läuteten. Der Pastor, welcher dieses so wie das Beyern in der Allelujazeit nicht gerne hört, fragte sie, wer ihnen die Ordre ertheilt habe. Die Antwort war, daß sie solches aus freyem Willen und ohne jemands Befehl gethan hätten. Da geboth der Pastor von neuem, daß das Meyläuten so lange unterbleiben soll, bis das Edict von 1784 wiederrufen würde.
Mey
Am 1ten – Sehr schönes Wetter.
2ten – Der Rhein schwillt an und läuft schon in die unterste Drenke.
Keyser Joseph der 2te ist sterbekrank. Und weil noch kein römischer König erwählt ist, so könnte dieses leicht mit Preussen zum Krieg kommen.
3ten, Jubilate[74] – Weil der Rhein ausgetreten ist, so giengen wir mit der heutigen Gottestrachts-Prozession von Horm den Dielrader Weg hinab, unten am Dorf hinein, die Hellbüchelsgasse hinab auf Rheinfeld, links neben dem Hofe vorbey, um das Haus der Wittib Bremer neben der Burg hinab auf unsern Damm am Monheimer Weg hinab die Dreckgasse herein. Sonst giengen wir von Rheinfeld auf Bohden-Kreutz. Nun soll aber in die Zukunft die Prozession auf immer über den Damm gehen, so wie am Frohnleichnamstag.
4ten – Schön Wetter. – Am 13ten: Das Feld ist wieder rein von Wasser. Die vor der Ueberschwemmung gesähete Sommerfrüchten stehn wie behext. Das Malder Korn gillt 6 Reichstahler, Weitzen 11 ditto.
Der Kayser und die Russen rüsten sich gegen die Türken, als wenn die Pforten der Hölle zu bestürmen wären. Haddick und Loudon führen das kayserliche und Potemkin mit Souwarau das russische Heer an.
19ten – Bisher hatten wir sehr warme Tage. Nun regnet es aber seit gestern anhaltend. Das Korn blühet, und man wünscht, daß es schon reif wäre, da das Malder Korn schon 8 Reichstahler gillt.
22ten – Warm und schön. Das Korn schlägt stark ab. Man kauft das Malder um 7 Reichstahler 30 Stüber. Es ist die Ausfuhr der Früchten ausser Lands verbothen worden.
29. – Trocken. Das Malder Korn gillt 6 Reichstahler 45 Stüber.
31ten, Pfingsttag[75] – Diese 3 Täge haben wir das 40-stündige Gebeth. Regen.
Junius
Am 3ten – Es regnete einige Täge anhaltend. Deswegen schwillt der Rhein so sehr an, daß er wirklich in die Kühbenden treibt. Am 4ten trocken.
7ten – Der von Neüem eingetretene Regen machte den Rhein wieder wachsen. Die Bend-Erben beschlossen daher gestern am Abend, gegen der alten Mühle einen Sommer-Damm zu machen, um die Kühbenden zu schonen. Auch am Plathalse gegen das Leimufer zu ist in diesen Tagen ein Sommer-

[73]

1789
Junius
Damm angelegt worden. Dadurch wird die Hütte vor und rüber dem Monheimer Weg von Wasser geschüzt. – Der Schefen Küpper hat die Erlaubniß erhalten, von dem restirenden Mühlenpfacht des Jacob Cremerius 25 Malder pro 5 Reichstahler edictmässig an Taglöhner und Betrangte zu verkaufen, welches um Lichtmeß bezahlt werden muß.
Am 8ten – Regen. Der Rhein wächst noch. Der Damm am Platthalse haltet schon 4 Fuß Wasser. Gestern Abend späth wollte es drübergehn. Die dabey aufgestellte Wacht both Verstärkung auf, welche sehr gute Dienste that.
Der Damm in den Benden ist von einem Böswicht durchgestochen worden.
Am 9ten – Warm und schön. Der Rhein fällt. – Kornpreis 6 Reichstahler 45 Stüber.
10ten – Regen. Der Sommerdamm am Plathalse hat Dormagen wenigsten 500 Reichstahler genutzt.
Am 11ten, Fronleichnamstag[76] – Wegen dem vielen Regen konnten wir mit der Prozession den gewöhnlichen Weg nicht gehn. Obschon der Morgen still und warm war, so stand doch im Kirchfeld in einem Grunde blankes Wasser. Wir giengen also am Lämmchen hinaus, neben Schwanen-Garten und die Nettergasse vorbey dem Hormer Kirchwege nach auf Horm und dann den gewöhnlichen Weg.
Diesen Nachmittag fieng der Rhein wieder stark zu wachsen an. Sogleich eilten wieder viele mit Schüppen zum Platthalse, um den Damm zu verstärken.
13ten – Schön Wetter. Der Rhein läuft in die Bendtrenke, fällt aber im Strome. Die Kühe gehen noch in die Benden.
Bis 18ten – Heiße Tage. Das Graß in den Kempen, worüber der Rhein stand, ist ganz verdorben und wird jetz abgemähet. – Es regnet doch fast alle Tage etwas.
Julius
1ten – Regen. Am 4ten sehr heiß. Am Abend hatten wir ein gräsliches Gewitter.
5ten – Der Buchweitz ist kaum eine Hand hoch und blühet schon. Überhaubt sahn sich die Sommerfrüchten wegen dem vielen Regen schlecht an.
Am 6ten – Heute sind wieder 25 Malder Kellnereykorn an Unvermögende ausgeborgt worden. Die Leuthe thun, als wenn sie es geschenkt bekämen, denn es sind wenige, welche mit dem Brodtkorn auskommen.
7ten – Regen. Heute ist das erste Korn gehauen worden.
8ten – Heute hats nicht geregnet. Das ist seit dem 28ten Mey der erste regenlose Tag. Wegen der vielen Nässe ist das Ackerwerk zurückgeblieben, denn erst jetz fängt man an zu reyen und Mist zu fahren.
Am 11ten – Schön. Am 12ten viel Regen. Am 18ten Regen. Die geistliche Obrigkeit hat ein 13-stündiges Gebeth zur Erhaltung guten Wetters ausgeschrieben.
Am 23ten – Es wird Korn eingefahren und Heu gemacht, wovon das 100 Pfund zu 1 Reichstahler verkauft wird.
Am 28ten – Regen. Das Korn fängt an zu wachsen.

[74]

1789
August
Am 1ten – Regen. Der Rhein hat diese Nacht wieder die Kempen überschwemmt und läuft schon den Benden zu. Das Korn ist noch nicht halb herein und wächst schon auf den Gästen.
Am 5ten bis 7ten – Schön Wetter. Das Korn ist fast alle herein.
Am 9ten, Sontag[77] – Von heute an wird in der Frühmesse nicht mehr mit dem Klingelbeutel für die Armen umgegangen.
Am 10ten – Es wird bey diesem schönen Wetter schon Haaber gehauen. Das Korn gibt ein 5tel mehr als vorig Jahr. Hingegen ist ein 3tel Stroh weniger. Das Malder gillt 6 Reichstahler, Weitzen 11 Reichstahler 30 Stüber, Sahmen 12 Reichstahler.
23ten – Heisse Tage. Das Sperr ist aufgehoben. Das Korn gillt schon 6 Reichstahler 27 Stüber. Die Protestanten in Kölln haben auf eine zu errichtende reformirte Kirche Verzicht gethan.
Am 28ten – Es ist noch trocken, und wir haben nichts nötiger als Regen. – Gestern Nacht um 12 Uhr brach zu Rheinfeld im Schweinestalle des Peter Bückendorf Feuer aus, wodurch des Bückendorf sowohl als Gerhard Auweiler sein Haus niederbrannte. Unser Nachtwächter bließe Lärm, und gleich wurde mit der alten Klocke Sturm geschlagen. Als die hiesige Einwohner dahinkamen, ware schon alles in Schutt verwandelt, ausser einigem Holzwerk, das durch unsere Brandeymer gelöschet wurde. – Der Türkenkrieg geht langsam von statten. Loudon hat Berbir eingenohmen.
September
Am 5ten – Es regnete ein kleines Schäurchen. Der Sahmen steht sehr blind. – Kornpreis 7 Reichstahler 3 Schilling, Haaber 14 Schilling. – Sommerfrüchte jeder Art sind vollkommen gerathen.
Am 14ten – Trocken und warm. – Es ist wieder Sperr angelegt. Sogar darf keine Pfachtung in Kölln geliefert werden. Heute muste jeder angeben, wie viel Korn, Weitz, Haaber und Gersten er zu verkaufen hat. Reines Sahm-Korn wird zu 8 Reichstahler 20 Stüber verkauft.
In Paris ist im Monath Julius eine Revolution ausgebrochen, die sich durch ganz Frankreich verbreitet. Der König, seine Brüder und die vorlezten Könige haben durch ungeheuren Aufwand viele Milionen Schulden gemacht, die izt bezahlt werden sollten. Die Geistlichkeit und der Adel, welche ihre Güter von allen Abgaben frey genießen, wollen auch die jetzigen Schulden dem Bauer- und Bürgerstande aufbürden. Leztere wiedersezten sich. Der Minister Necker war für sie und der König für den Adel und die Geistlichkeit. Diese, um ihre Sache durchzusetzen, faßten den kühnen Entschluß, Kanonen aufzupflanzen, um Paris in einer Stunde zum Steinhaufen zu verwandeln. Dann sollten heimlich Mäher bestellt werden, welche das unreife Korn um Paris abmähen sollten. Auch waren alle Früchten umher aufgekauft, um eine allgemeine Hungersnoth zu bereiten, wodurch der dritte Stand gezwungen

[75]

September
würde, zu unterschreiben, daß Bauer und Bürger die Schulden allein bezahlen wolle. Necker bekam den Befehl, um Mitternacht Paris und sodann das Königreich unverweilt zu verlassen. Er befolgte den Befehl und ware schon Kölln paßirt. Die Soldaten standen unter dem Gewehr und feuerten schon auf die über die Abreise Neckers aufgebrachte, sich zusammenrottende Bürgerschaft. Der Gouverneur ließe 30 der vornehmsten Bürger in die Bastille werfen und ließ mit Kardetschen unter das Volk feuern. Diese hatten sich indessen einiger Kanonen bemächtiget und schossen die Zugbrücke der Bastille nieder, stürmten hinein und enthaupteten den Gouverneur mit dem vorsitzenden Bürgermeister, deren Köpfe sie im Jubel durch Paris zur Schau umhertrugen.
Die Söldner zagten, als sie ihre Anführer gesunken sahn. Vom Königsregiment waren nur noch 16 Mann beym Leben. Die Patrioten erlöseten alle Gefangene und machten die Bastille so wie das Hauß des Gouverneurs zum Steinhaufen. Alles gienge unten und oben. Der Adel und die Geistlichkeit flüchteten aus dem Königreich, meistens auf Coblenz. Diejenige, welche von Patrioten eingeholet wurden, musten auf der Stelle sterben. Der junge Bertier ward mit Füssen todt getreten. Selbst der König war in Gefahr. Er gienge ins National-Hauß und bewilligte den Modus per totum und alles, was das Volk verlangte. Das ganze Ministerium wurde abgesezt und der abgesezte Minister Necker zurückberufen, der sogleich ein Gesetzbuch von 40 Artickuln entwarf, worinn der Bürgerschaft eine Wache von achtzigtausend Mann gegeben wird. Der gringste Bürger kann zur höchsten Ehrenstelle gelangen. Adel und Bauer soll nach einem und dem nähmlichen Gesätz gestraft und gerichtet werden. Jeder soll das freye Jagdrecht geniessen und im ganzen Königreich kein Zehnden mehr gegeben werden. Von Paris aus pflanzte sich der Freyheitsgeist von Stadt zu Dorf durchs ganze Königreich fort.
18ten – Es war bisher noch immer warm und trocken. Erst heute wehet Regen von Norden herüber. Im Kölnischen ist das Brandweinbrennen verbothen.
20ten – Die Sperr-Verordnung ist wieder geschärft. Der Anbringer eines Uebertreters erhällt die halbe Frucht. Karr und Pferd werden verkauft und der Fuhrmann schwer gestraft. Dormagen darf also durchs Kulk ins Bergische liefern, der Eigenthümer aber muß einen Schein von hiesigen Schefen haben, wie viel und an wen er liefert. Dieser Schein muß dem Schifmann mitgegeben werden, welcher solchen dem Monheimer Voigten zeigt und wieder an hiesige Schefen zurücksendet. Am 22ten Regen. Kornpreis 4 Kronthaler, Gersten 3 Reichstahler, Buchweitzen zu Neus 6 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler, 1 Pfund Speck 13 Stüber.
27ten, Kirmes[78] – Das Wetter ist so warm und schön, als es nur seyn kann. Viele Fremde wahlfahrteten hieher und nahmen Theil an Freud und Lust.
Eine Kuhrfürstliche Verordnung untersagt der Geistlichkeit, Mo- und Immobiliar-Güter zu verkaufen. Kornpreis 8 Reichstahler.

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1789
September
Am 29ten, Michaeli[79] – Das Wetter ist so schön, als es je im September war.
Kuhrfürstliche Verordnungen[80]
1mo[81]: Diejenige, welche bescheinigtes Korn aus einem Amt ins andere oder aus dem Jülischen ins Bergische nicht passiren lassen, sollen gestraft werden.
2do[82] ist das Brandweinbrennen gänzlich verbothen, sogar sollen die Helme an die Orts-Obrigkeiten eingebracht werden.
3tio[83] sollen die Halfen zum Ausdreschen der Früchten und zum Verkaufen gegen den laufenden Preiß angehalten werden.
4to[84] sollen alle überflüssige Hunde todt geschossen werden.
October
Bis 6ten trocken und kühl. Kornpreis 8 Reichstahler 15 Stüber.
Am 15ten – Sehr angenehm. – Das Malder Korn ist bis auf 4 Kronthaler herabgekommen. Die Kayserlichen haben unter Anführung des Prinzen Koburg einen herrlichen Sieg über die Türken erfochten, und Loudon hat am 8ten dieses Belgrad eingenohmen. Der Kuhrfürst von Kölln gibt allen müssigen Taglöhnern Arbeit und hat sich eine Specification vorlegen lassen, wie viel der Aufwandt zu seinem Namenstage erfordert. Dann soll dieses erspahret und unter die Dürftigen vertheilet werden. In allen köllnischen Städten werden Magazine errichtet. Das Malder Korn wird zu 17 Gülden dahin geliefert und den Unterthanen jedesmal nur 1 Malder ausgeliefert werden. Auch auf dem Schloß zu Zons ist ein Magazin.
Am 24ten – Anhaltend schönes Wetter. Gestern verbreitete sich das Gerücht, als sollte eine neue Früchtesperr-Verordnung erscheinen, worin die Ausfuhr aus einem Amt ins andere verbothen würde. Deswegen liessen die hiesige Einwohner ihre ausgedroschene Früchten nach Monheim fahren. Heut erfährt man erst, daß die Veranlassung dazu ein Märchen war. Kornpreis 7 Reichstahler.
Am 29ten – Heute Nachmittag ist Henrich Cremerius, Wirth im Grünenwald, durch 4 Bergische Dragoner auf Monheim gefänglich abgeführet worden. Im lezten Frühjahr wurden 2 Anspachischen Dragonern von 3 Freyspielern im Grünenwald 300 Gulden abgenohmen, woran der Wirth Cremerius mitschuldig seyn soll.
Im Junius wurde ein mit Goldwaaren handelnder Kaufmann all seine Haabe beraubt. 2 Freyspieler waren auch die Nacht im Grünenwald, welche der Kaufmann die Nacht hindurch leise mit dem Cremerius im Hause reden hörte. Als der Kaufmann frühe aufstand, waren seine Waaren entwendet und die Freyspieler entwichen. Der Wirth wollte den Kaufmann auf Kölln bereden, wo er sicher die Spieler im Gasthaus zum Geist antrefen würde. Ohnehin warnte er ihn, den ganzen Vorfall geheim zu halten, weil er sonsten selbst arrestirt würde. Er sollte also still am Garten hinaus auf Kölln gehen. Der Kaufmann merkte den Betrug und ware, als es Morgenklock-läutete, ware der Kaufmann schon vor der Wohnung des Schefen Steinbergers und klagte seinen Unfall unter Thränen auf die rührendste Art. Der Schefen Steinberger nahme den Unglück-

[77][85]

lichen auf in seyn Hauß und pflegte seiner mit Speis und Trank, Rath und That und allem, was trösten und den tiefen Schmerz lindern konnte.
Die folgenden Tage hielt unser Amtsverwalter Verhör über den Cremerius. Die Nachbarn umher wurden gleichfalls abgehört. Unter die Fragpunkte gehörte auch, ob sich im Grünenwald liederliche Weibsbilder aufgehalten. Das Protocoll ward an den Voigten von Monheim geschickt, der auch noch vor 14 Tagen ein zweites Verhör abhielt.
Die Frau des Cremerius sollte gleichfalls mit fortgeführt werden, wozu schon eine Dienstkarr bestellt war. Weil sie aber hoch schwanger geht, so ist sie diesmal verschont worden.
Am 30ten ist der Cremerius von Monheim auf Düsseldorf zum neuen Bau gebracht worden. Um 11 Uhr ware der Voigt von Monheim schon hier und nahm in Begleitung unserer Schefen den Grünenwald in Augenschein. – Angenehmes Wetter.
November[86]
Im Köllnischen gillt das Malder Korn 6 Reichstahler, allhier aber 7. Deswegen flüchten die Hormer, Straberger, Nivenheimer, kurz aus der ganzen Gegend, bey Nacht Korn hieher.
Am 6ten – Regen. Gerst kostet das Malder 4 Reichstahler 15 Stüber, Buchweitz 4 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 10 Reichstahler, Haber 17 Schilling.
Am 8ten – Heute ward eine Verordnung verlesen, vermöge welcher das Brandweinbrennen von holländischer Frucht unter genauer Aufsicht der Obrigkeit erlaubt ist. Auch ward angesagt, daß am Dienstag 100 Heidelberger Dragoner hier eintrefen werden, welche in Vereinigung 2000 Kayserlicher, 6000 Preussen und einigen Münsterischen Truppen die aufrürische Lütticher bändigen sollen.
Am 9ten kame der Marschkommissarius mit einer mit 2 Dienstpferden bespannten Schaise hier an.
Am 10ten um 12 Uhr rückten die 100 Dragoner, 1 Rittmeister und 2 Lieutnants hier ein. An der Leufen nächst der Kirche wurden die Biletter ausgetheilt.
13ten – Regen. – Die Frau des Henrich Cremerius hat sich wegbegeben. Die 4 Kinder hausen noch allein im Grünenwald und leben vom Weggeld, welches ihr Vater gepfachtet hatte. Abel, der Ältiste, ist 16 Jahr alt. Haaber gillt das Malder 18 Schilling.
Am 16ten – Angenehm Wetter. – Im Weddenhof finden sich Mäuse ein. Kornpreis 7 Reichstahler 7 Stüber.
Am 22ten marschierten die Heidelberger Dragoner mit noch 600 Düsseldorfer Infanteristen über Gatzweiler auf Lüttich. Die eigentliche Veranlassung war, daß das Lütticher Volk zu sehr gedrückt wurde. Der Fürst merkte die im Stillen glimmende Gährung des Volks und bewilligte viele Punckten zur Wiederherstellung der Volks-Freyheit. Der Pöbel, dennoch unzufrieden, überlies sich allen Ausschweifungen, so daß der Fürst die Flucht nehmen und beym Reich Schutz suchen muste. Deswegen ist jetz die Reichsarmee im Anmarsch.
Am 23ten – Bisher hatten wir noch keinen Frost. Diese Nacht erst hat es damit angefangen. Die Saath im Feld sieht sich gut an, und das Malder Korn wird noch zu 4 Kronthaler verkauft.

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1789
November[87]
24. – Auch in Brabant wüthet der Patriotismus in allen Provincien. Die eigentliche Veranlassung ist nicht wie im Lütticherland und in Frankreich, sondern bloß die sogenannte neue Lehre in der Theologie, die auf Befehl des Kaysers durch von Wien geschickte Professoren nach lutherischen Autoren gelehrt werden soll. Alle Seminarien in den vereinigten Niederlanden sollen aufgehoben werden und nur das einzige neu zu errichtende General-Seminarium zu Löwen bestehn. Der Kardinal-Erzbischof von Mecheln, der sich wiedersezte, bekam den Befehl, die Faculteet zu untersuchen. Der Kardinal fragte die Professoren:
1. Worin besteht die kirchliche Obergewallt des Pabstes?
2. Ob der Pabst aus göttlichem Rechte die oberste Gerichtbarkeit über die ganze Kirche und alle Bischöfe habe?
3. Wem steht es zu, die Schlüsse der allgemeinen Kirchenversammlung auszulegen?
und 4. ob die Kirche in Glaubenssachen durch den Beystand des heiligen Geistes geleitet werde?
Kein Professor antwortete dem Kardinal ein einziges Wort. Vielmehr zeigte man ihm das Verboth, nichts weiter zu untersuchen, da der Kayser diese Lehre in besondern Schutz genommen hat. Die sich wiedersetzenden Abteyen wurden aufgehoben, ungeachtet man die dringendsten Bittschriften voller Unterwürfigkeit zum Kayser schickte, so wollte der Kayser einmal nicht von seinem Entschluß abgehen. Als das Volk sahe, daß Güte nichts half, stieg Unmuth und Mißvergnügen in ihre Herzen. Sie grifen zu den Wafen und formirten eine flüchtige Armee, die vor einigen Tagen dem Kayserlich Königlichen General Bender in der Gegend von Gent ein Trefen lieferten und siegten. Der Kayserlich Königliche General D’Arberg ware mit seiner Armee noch in Gent. Die Bürger, welche doch verstelt kayserlich gesinnt schienen, bathen den General d’Arberg, dem Beträngte beyzustehn. Kaum ware er auf dem Marsch, als die bewafnete Bürgerschaft ihn im Rücken angrifen und ein gräsliches Gemetzel anrichteten.
26ten – Frost. – Am 27ten Regen, am 28ten Frost.
Der Kayser hat ein Ermahnungs-Schreiben an die Niederländer geschickt, worinn er sie um Ruhe bittet. Das General-Seminarium soll aufgehoben werden.
December[88]
Etwas Frost. Auch auf dem Pfälzischen ist gebothen, das Korn pro Köllnisch Malder zu 22 Gülden verkauft werden soll. – Noch wird viel Korn vom Kölnischen hieher geflüchtet.
Am 5ten – Diese Nacht um 2 Uhr starb die Frau des auf dem neuen Bau zu Düsseldorf sitzenden Henrich Cremerius im Kindbet, ohne das Kind zur Welt zu bringen. Ihr Leben ware ein dichtes Gewebe von Leiden und Kümmernissen jeder Art, und als sie erst anfangen, froh zu seyn und die Freuden des häuslichen Segens zu genießen, ward sie aus dem Zirkel des gesellschaftlichen Lebens hinweggenohmen. Ihr im Stockhause sitzende Mann warb um sie und suchte die Eltern durch sein geborgtes Geld zu täuschen. Sie gaben ihre Tochter zum Schlachtopfer des Geitzes und bereiteten ihr ein qualvolles Schicksal auf alle ihre Lebenstage.

[79]

1789
December
Sie bezohe den Grünenwald und sah von Zeit und Umständen umgekehrt, wie ihre Eltern sich hatten blenden lassen. Ihr Mann verpraßte das mütterliche Antheil, ohne daß sie dagegen Einwendungen machen durfte. So verlohr sich eins nach dem andern, bis ein ausbrechendes Feuer ihre Scheuer und Stallung in Asche legte und sie ganz zu armen Leuten machte.
Der Henrich Cremerius war dem Trunk ergeben und überlies sich allen Ausschweifungen, welche ihn auf den neuen Bau nach Düsseldorf brachten. Mithin blieb ihrer Frau nichts übrig als die Flucht, und fliehn von 5 unschuldigen Kindern, Blut von ihrem Blut, das Denkmal all ihrer mütterlichen Sorgen. Da sie aber nun einmal mit in die Intrigue verwickelt war, muste sie doch von hinnen. Die Unbequemlichkeiten der nahen Niederkunft erschwerten ihr jeden Tritt. Sie gienge schweigend und gedultig tragend ihre Last und kame vor 3 Wochen in ihrem Geburthsort Büsdorf an.
Den Unglücklichen heist niemand Willkomm. Er ist allenthalben fremd. Man kennt ihn nirgendwo. Das war hier der Fall.
Ihr Vater und Mutter wollten sie nicht mehr Tochter nennen, und ihre Gespielen der Jugend und ehmalige Freunde hatten sie schon längst vergessen. Als niemand sie haben wollte, entschloß sie sich auf Kölln zu gehn, wo sie sich von reichen Verwandten eine gütige Aufnahme versprach oder doch wenigstens eine milde Beysteuer erwartete. Weder das eine noch das andere erfolgte. Sie muste fort durch Regen und Wind. Unter dem Arm truge sie die Leinwand, worin sie den zukünftigen Säugling wickeln wollte.
Es war für sie noch einiger Trost in den Gedanken, da, wo sie zuerst das Licht der Welt erblickte, vielleicht zu sterben oder doch, was ebenso schmerzlich oder schmerzlicher ist, in einer so düstern Zukunft länger zu leben. Sie gienge wieder auf Büsdorf. Die väterliche Schwelle durfte sie nun nicht betreten. Ihre Schwester und Gefreundte schlossen vor ihr die Thüren. So gienge sie von Haus zu Haus, bis ein armer Schneider aus kristlicher Milde einen abgelegenen Ort zu ihrem Aufenthalt bestimmte.
Kein Freund und Anverwandter besuchte sie in ihrem Jammer. Selbst ihre Mutter war so versteinert, daß sie ihre Tochter nicht sehen wollte. Sie hatte niemand, dem sie sagen konnte, wo es ihr wehe that, der ihre Schmerzen lindern konnte. Grenzenloses Elend und innere Martern ware der Kalender ihrer fernern Lebenszeit.
Die Stunde der Niederkunft kame immer näher, da erinnerte sie sich ihrer Kinder. An einem trüben Morgen wanderte sie wieder fort und kame am Abend zu ihrer Schwägerinn nach Zons. Allein, hier herschte zu sehr Dürftigkeit, als daß sie hätte bleiben können. Da wagte sie sich wieder hieher und überlies sich ganz ihrem Schicksal, weil kein Mensch helfen wollte.

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1789
December
Es ware am 4ten Dezember abends 9 Uhr, als sie an einem Nachbarhause anklopfte. Es stürmte zwischen Regen und Schnee, und der Westwind triebe in zügelloser Wildheit sein Spiel. Sie ware barfus durch den tiefen Morast gewandert und fragte zuerst, ob ihre Kinder noch lebten.
Die Nachbarn brachten sie in ihre Wohnung zum Grünenwald und bereiteten ihr ein sparsames Lager von Stroh. Und da ihre Geburth nahe war, so warf die Hebamme und der Arzt gerufen, welche gleich einsahen, daß die Unglückliche würde sterben müssen.
Ich war selbst bey dieser traurigen Geschichte zugegen. Ein Herz von Stein hätte sich erbarmen müssen. Da lage sie in Schmerzen, rundumher standen ihre weinende Kinder, und im ganzen öden Hause herschte Dürftigkeit. Sie erzählte den Nachbarn noch all das Elend und Wiederwärtigkeit, das ihr in diesen Tagen der Trübsal begegnet ware, wobey sie die Umstehenden bath, für sie zu bethen und sich ihrer Kinder anzunehmen. Dann nahme sie Abschied, gab jedem die Hand und bath um Verzeihung, wenn sie jemand beleidigt haben sollte.
Sie blieb vernünftig bis auf die lezten Augenblicke. Da richtete sie sich im Bette auf und klagte, daß ihr das Herz nicht brechen wollte. Diese Nacht um 2 Uhr erfolgte ihr Scheiden, und bey der Abend-Dämmerung ward die Leiche zu Grabe getragen. Traurig ware der Leichenzug, und wo der Sarg vorübergetragen wurde, floß manche Thräne des Mitleids im Stillen.
Am 6ten - Angenehm Wetter. – Zur Tilgung der Schleichhändel im Früchtensperr erschiene: Kein Paß darf älter als 3 Tage seyn und nicht mehr als auf 6 Malder sprechen.
10ten – Noch kein Frost. – Allen angewendeten Sorgen und Verordnungen von Seythen der Regierung zu Düsseldorff ungeachtet, will das Korn doch nicht wohlfeil werden. Der Tax ist zwar 22 Gülden in Köllnischer Maaß. Weil aber das Dormager Faß so viel größer ist, so muß dafür 7 Reichstahler zahlt werden. Andere verkaufen zwar vor den Tax, sie lassen sich aber für jedes Malder 24 Stüber Fracht zahlen. In Zons hat der Köllnische Kuhrfürst ein Magazin von 8000 Malder Korn auf dem Schloß angelegt. Es wird für 17 Gülden hineingeliefert und zu 18 an die Bürger ausverkauft.
Zwischen dem Kayser und den Brabäntischen Patrioten ist bereits ein Wafenstillstand auf 2 Monath geschlossen. Die Preeliminarien sind:
Alle Privilegien, deren die Provinz Limburg und Brabent genossen, sollen allen Provincien gelten. Kein Keyserliches Gesätz soll anders als durch die Räthe von Brabant publizirt werden.
Kein Ausländer soll eine Bedingung erhalten. Alle 2 Jahre soll ein National-Concibium unter dem Vorsitz des Erzbischof von Mecheln gehalten werden, welcher die Kirchenzucht zu besorgen hat.
Jeder soll auf seinem Eigenthum freyes Jagdrecht, Fischfang und Taubenschlag geniessen.

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1789
December
Alle bisher ergangene kirchliche Verordnungen sollen aufgehoben werden. Hiehin gehören die Wiedereinführung der aufgehobenen Brüderschaften, die Vertilgung des neuen Ehe-Edicts und die Wiedereinsetzung des päbstlichen Nuntius Engel. – Holland, Preussen und Frankreich garantieren diesen Bund.
13ten – Regen. – Kornpreis 7 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 19 Schilling.
Es ist wieder ein Edict in Ansehung der Theurung des Korns ergangen. Der Tax ist aufgehoben, hingegen sollen die Abteien ihre halbe Pfachtung nach Düsseldorff ins Magazin liefern, pro Malder à 6 Reichstahler.
25ten - Warm und schön. Die Friedensvorschläge der Brabänter zum Frieden sind wieder vereitelt. Die Patrioten haben Brüssel und Mecheln eingenohmen. Nun heißt es: Der Kayser will mit den Türken Friede machen und dann mit gesammter Macht auf Brabant loßziehn, die Patrioten zu bändigen. Deswegen sind wir in hiesiger Gegend für Unruh besorgt.
31ten – das Jahr schließt sich mit angenehmen Wetter.

1790

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1790
Januar[89]
Am 1ten – Es ist ein Neujahrstag, so schön, als ich mich noch nie erinnere erlebt zu haben. Es scheint, als wolle es nicht Winter werden.
3ten – Regen. Es sollen hundert Tausend Kayserliche nach Brabant kommen, um die Patrioten zu bändigen. Kornpreis 7 Reichstahler 20 Stüber, Haber 19 Schilling. Die hiesige Schefen dürfen nun auch keine Fruchtscheine mehr geben. Solche müssen nun alle gedruckt zu Bergheim gehohlt werden. Indessen stöhret sich hier niemand daran. Die Einwohner liefern nun ohne Scheine ins Kulk.
Am 12ten, Dienstag[90] – Heut ward der geistliche Herr Jacob Sturm begraben. Er ware früher Vicar zu Baumberg, nachher lebte er als Pensionarius theils bey seinem Bruder, dem Schefen Peter Sturm, theils beym Posthalter und zulezt beym Vorsteher Mathias Häck gegen der Kirche. Um 10 Uhr diesen Morgen wurde zusammengeläutet, und der Klerus erhob sich zum Sterbhause. Dieser bestand aus dem Pfarrer von Worringen mit seinem Frühmeßner, dann der Pater Guardian mit zwey seiner Gesellen von Zons und dann unsere zwey Geistliche. Über der Todtenlade hieng das schwarze Bahrtuch, hierüber ein weisses niedlich geziertes weisses, auf dessen Gipfel ware der Kelch angebracht.
Die Kinder des Dorfs, auch jene von Horm, eröfneten den Zug, dem folgte das Kohr, die Geistlichkeit, die von 6 Junggesellen getragene Leiche, und das Trauergefolge schloß den Zug, der das Dorf hinauf gienge, an Cremerius herüber, auf den Kirchhof, an der hintersten Kirchthüre herein, und der Sarg wurde mit der Bahre in die Mitte aufs hohe Kohr gesezt, wo er das Solemne Hochamt hindurch stehen blieb und dann vor dem Muttergottesaltar versenkt wurde. Es wurde Brodt unter die Armen, Stutten unter die Kinder und Bier den Nachbarn gegeben. Der Verstorbene war im 74ten Jahre seines Lebens. Es waren in allem 300 Kinder und eben so viele Stutten, die aus 7 Faß Weitzen gebacken und so schwer als drittehalb Franzbrödtchen waren.
17ten – Angenehmes Wetter. – In der Abdey Knechstein ist izt der Zulauf der Armen bey der gewöhnlichen Mitwochsspende sehr stark. Leztens waren deren 1005.
18ten – Frost. – Im Jahre 1784 in 5 sind alle ehemalige Profereyen am Platthalse zerstöhret worden. Jetz wird wieder allda geproft.
21ten – Es fror diese Tage so stark, daß jetz einiges Eis im Rheine ist. Kornpreis 7 Reichstahler 1 Schilling, Rabsam 9 Reichstahler 30 Stüber, der noch vor Kurzem mit 14 Reichstahler bezahlt wurde. Haaber 19 Schilling.
24ten – Regen bis 31ten.
Februar[91]
3ten – Nasses Wetter. Es wurde schon vor 8 Tagen Sand ins Dorf gefahren. Die Landstraße zwischen dem Damm solte auch dienstweis gemacht werden. Da aber Viele nicht daran wollten, so ist einstweilen das Dienen aufgehoben.

[83]

1790[92]
Februar[93]
Am 6ten – Angenehme Frühlingstage. – Brabant hat mit allen Provincien einen Freystaat errichtet und dem Kayser abgeschworen. Nur Luxemburg vertheidigt noch die Parthie des Kaysers.
14. – Fastnacht. Es ist allenthalben Jubel im Dorf. Das Wetter ist unvergleichlich schön.
22ten – Am heutigen Wahltage ward der alte Bauermeister Verhagen bestättigt. Der Gerhard Nusbaum bleibt auch Nachtwächter. Die vorigen Jahre ware er zugleich Feldschütz. Dafür hütet er nun die Kühe. Thomas Thron hütet die Schwein und der Pletsch Anton ist Feldschütz geworden.
27ten – Bey dem schönen Wetter fängt alles zu sähen und pflanzen an.
Der Kayser Joseph der 2te ringt mit dem Tode. Seine Nichte, die Gemahlin des Toskanischen Prinzen Franz ist vor Betrübniß im Kindbet gestorben.
Die Kaminfegerei dieses Amts ist an einen Düsseldorfer verpachtet worden, welcher heut die hiesige Kamine gegen 6 Stüber gefeget hat. Kornpreis 7 Reichstahler 20 Stüber.
Merz[94]
Am 4ten – Etwas Frost. – Am 20ten Februar ist Kayser Joseph gestorben. Man besorgt Krieg, weil noch kein römischer König erwählt ist.
Am 30ten – Die am 5ten Merz angetretene und am 27ten dieses geendigte Klevische Reise hat diese Lücke verursacht. Es ware fast immer angenehmes Wetter, nur etwas trocken. Deswegen hofet man Regen. Kornpreis 8 Reichstahler.
Aprill
Bis 8ten – Frühlingstage, zuweilen Nachtfröste.
15ten – Das Wetter hällt noch immer so an. Regen wäre höchst nothwendig.
16ten – Die erste Kornähren. Das Malder wird zu 9 Reichstahler 3 Stüber verkauft.
Mey
Am 2ten – Trocken. Die Mäuse thun noch vielen Schaden, besonders im Weddenhof. Deswegen wird diese Woche alle Morgen um 5 Uhr eine Benedictions-Messe gehalten. Am 8ten kamen 1500 Mainzische Truppen in 14 Oberländischen Schifen den Rhein hinab. Sie steigen diesen Abend zu Neus an Land und gehen zu der Executionsarmee nach Lüttich. – Regen.
Am 16ten – Die erste Kornblühe. – Trocken schönes Wetter. Viel Korn hat sich gelegt.
20ten – Das Korn steht voller Blüthe. Man rechnet 14 Tage Blühe, 14 Körnen und 14 zum Reifen. Folglich wird am 15ten Julius neues Korn getroschen seyn.
Gestern sind 1200 Manheimer Soldaten über Bergheim nach Lüttich gegangen.
24ten – Warm. Eine Kuhrfürstliche Verordnung befiehlt, daß müssige arme Leuthe, die nicht arbeitsam sind, vom Pfarrer nicht sollen kopulirt werden, ohne sich vorher bey den Beamten gemeldet zu haben. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber.
Unser Kuhrfürst hat hiesiger Gemeinde 20 Malder Korn für die Armen vorgeschossen. Dieses muß um Bartholomeei mit 5 edictmässigen Reichstahlern zahlt werden. Diejenige, welche sich dieses Korns bedienen wollen, müssen sich beym Pastoren anschreiben lassen.
Am 28ten – Das Wetter könnte nicht schöner seyn. Man verspricht sich eine gesegnete Erndte.

[84]

1790
Mey
Am 31ten – Warmes, zuweilen mit Regen vermischtes Wetter.
Junius
Am 3ten, Fronleichnamstag[95] – Der Pastor besorgte große Hitze und ließ deswegen ein Viertel auf 4 Uhr in die Frühmesse läuten. Um 6 Uhr begann das hohe Amt ohne Predig, und um 10 Uhr ware die Prozession wieder hier. Dunkel und angenehmes Wetter.
Am 4ten – Die Abendsandacht wird ¼ auf 7 statt sonst um 8 Uhr gehalten. Die Reichs-Executions-Armee richtet mit Lüttich nicht viel aus. Einige hundert zohe vor Hasselt und liessen das Städtchen auffodern, aber die patriotische Besatzung antworte durch einen Kugel-Regen, und wer von den Reichstruppen sich retten konnte, der rettete sich.
Am 6ten – Es ist wirklich Sahmen gemähet. Regen. Am 8ten schön Wetter. – Diese Nacht sind von hier 32 Pferd auf den Dienst gefahren. Sie laden zu Grimmlinghausen Korn für die Reichsarmee und laden zu Gatzweiler ab, fahren nochmal auf Grimmlinghausen und wieder beladen auf Gatzweiler.
Am 10ten – Fürchterliche Donner mit hartem Regen. Es gibt Kornähren, welch 8 ½ Fuß lang sind. – Bis 14ten heis. Heut ist der erste Wintersahm eingefahren worden. – Die Mäuse finden sich im Felde zahlreich ein. – Am 11ten dieses Monaths ist der hiesige Einwohner Henrich Cremerius vom neuen Bau zu Düsseldorf ins Stadthaus zu Kayserswerth abgeführet worden.
Am 22ten – Warm. Am 23ten wärmer, am 24ten heiß, am 25ten große Hitze. – Diese Nacht hat es Hönig gethauet; eine Erscheinung, die man nur bisher aus einem alten Sprichworte kennt. An den Kornähren hiengen ganze Tropfen reinen Hönig, der, wie ich vermuthe, nicht vom Himmel thauet, sondern durch große Hitze aus den Ähren quillt. Am 24ten kamen 180 Trierische Jäger hiedurch. Sie gehn über Neus zu der unthätigen Reichsarmee auf Ruremönd. Am 25ten kühl. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber.
Der König von Preussen will, daß der Kayser mit den Türken Friede machen soll. Da Letzterer dagegn taub ist, zieht der Preuße mit einer zahlreichen Armee gegen die Kayserliche Staaten zu Feld.
Am 30ten – Der Walhover Halbwinner läst heute Korn hauen.
Julius
Am 2ten – Regen. Der Wilhelm Cremer ließ heute eine Meß mit Sang und Klang zu Ehren der Mutter Gottes halten und will solche hinfort fundiren.
Die Kayserliche Armee machet in Brabant große Fortschritte gegen die Patrioten. – In Frankreich werden hingegen die Rechte des Königs immer mehr geschmälert. Nach der neuen Konstitution sind alle Adelbriefe verbrannt worden. Keiner darf sich mehr Comte, Marquis, Baron, Monsieur etz. tituln lassen. Alle Wagenschilde werden abgerissen, und unter allen Ständen soll eine Gleichheit herschen.

[85]

1790[96]
Julius
Am 6ten – Regen. – Der General-Kaminfeger ist wieder mit 2 schwarzen Gesellen hier und feget von Haus zu Haus. Weil er so oft kömmt und jedesmal bezahlt sein will, so sehn die Leute ihn so gern als den Herrn Teufel.
Am 8ten – Es wird noch immer Korn gehauen, und das Einscheuren wird von dem anhaltenden Regen hinterstellig gemacht.
Das Heu steigt im Preise. Alle Tag sind Wägen von Stommeln und der Gillbach hier, welche gern das 100 Pfund mit einem Gulden bezahlen, weil in den Gegenden alle Fourage von den Mäusen verheeret wurde.
Am 14ten – Immer Regen. Das Korn wächst auf den Gästen, und das Malder gillt 7 Reichstahler.
Am 15ten – Ist das nicht ein Elend, wenn man nicht fort kann? Korn wächst auf dem Halme, das Heu wird faul, Acker und Pflug liegen still, und die Mäus treiben ihr Geschäft immer stärker. Dazu kömmt noch ein dritter Umstand, der bedenklicher als alles ist: Der Rhein schwillt an und drohet seine Ufer zu übersteigen. Korn ist fast keines mehr, und das Brodt wird rar. Auch ist noch keine Hofnung zu heitern Tagen. Zudem ist der Wahrsagergeist von unsern Propheten gewichen, denn der Jussenhover Halfen Johann Witges hatte uns am 13ten dieses heisses Wetter geweissaget. Die Art, womit er dies sagte, und die Bedeutenheit des Orakelspruches liessen nicht an dem Erfolge zweifeln. Aber seitdem die Propheten Brodt essen, ist ihren Offenbahrungen eben so wenig zu glauben als den Schwüren eines Mädchens.
Es ist nirgend Hilfe als beym allgemeinen Erbarmer im Himmel, und deswegen wird am Sonntag das zu dem Ende ausgeschriebene 13-stündige Gebeth gehalten werden.
Am 16ten – Bis 2 Uhr nach Mittag regnete es heftig. Da wehete der Wind aus Norden, und der Himmel ward heiter.
Am 17., Samstag[97] – Es war heiß und schön. Jeder fuhre Korn ein, und viele fiengen gleich an zu dreschen, im Backofen zu trocknen, um geschwind Brodt zu essen. Am 19ten und 20ten heiß, bis 28ten.
Am 30ten – Donner mit Regen. Das neue Korn gillt 4 Reichstahler 15 Stüber.
August[98]
Bis 6ten – Heiß. – Am 7ten hörte ich eine starke Kanonade aus Westen. Am 10ten heiß. Die Mäuse thun viel Schaden, auch an der Sommerfrucht. Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber.
Am 16ten – Man läst den Haaber recht reif werden, hauen und geschobert auf Gäste setzen, als das nützlichste Mittel gegen die Mäuse. Rabsahm gillt 8 Reichstahler.
Bis 23ten – Heiß. – Der König von Hungarn, Böhmen, Erzherzog zu Österreich hat mit den Türken und dem König von Preussen zu Reichenbach Friede gemacht. Die Türken bekommen alle vom Kayser Joseph gemachte Eroberungen zurück. Haaberpreis 20 Schilling, Gersten 26 ditto. Am 23ten Regen.
Bis 30ten – Alle Tage Regen. Das Sperr ist wieder aufgehoben, und die Brandweinbrenner holen bey den Schefen ihre Helme ab.

[86]

1790
September
Am 1ten – Regen. Kornpreis 5 Reichstahler, Buchweitzen 23 Schilling. Bis am 10ten kühl und naß.
Am 11ten – Heute kamen über 500 Anhaltische Truppen von Neus hiedurch. Sie führten einige Kanonen und 15 Bagage-Wagen mit sich. Sie treten in Kayserlich Königlichen Sold unter das Loudonsche Freykorps und gehn auf Luxembourg.
Vom 12ten bis 15. – Angenehm warm. Man fängt langsam an, Korn zu sähen.
Am 20ten – Heiß mit Donner und Regen. Kornpreis 5 Reichstahler 9 Stüber.
Am 26ten Regen. An dem heutigen Kirmestage waren wenig Fremde hier.
Am 27ten und 28ten – Herrliches Wetter. Am 29ten, Michaeli[99]: Der Pastor von Worringen hielt Hochamt und Predig. Ed war schönes Wetter. Kornpreis 18 Gülden.
October
Am 2ten ist zu Kölln der Kurier angekommen, das Leopold der Zweite Kayser ist. Dieser ware Grossherzog in Toscana und Bruder des seehligen Josephs des 2ten.
Bis 10ten – Trocken. Dennoch haben die Schnecken, der Schlich und die Mäuse der jungen Saath so hart zugesezt, daß man vermuthet, es werden im obersten Feld nicht über 100 Morgen Korn stehn bleiben. Was jetz fort ist, das wird mit Weitzen oder gar nicht besähet. Eine Methode, die unverbesserlich ist.
Am 12ten – Es reifet mit kleinen Nachtfrösten. Kornpreis 3 Kronthaler, Haaber 21 Schilling.
Am 17ten – Trocken. Die Feldmäuse vermehren sich noch täglich. Viele fangen an zu füttern, mit Rattenkraut und klein geschnittenen Mohren.
19ten zeigte sich gleich nach Mittag ein Brand, den man zu Worringen zu seyn vermuthete. Es wurd auf die kleine Klocke Sturm geschlagen und eine Karrig bestellt, welche die Brandeimer dahin führen sollte. Da legte sich der Brand, und einige Stunden nachher vernahme man, daß die Nolen-Höfe am Nippes in der Asche liegen.
Am 20ten brennte auch der Konenhof zu Vacum ab. – Schönes Wetter.
Bis 31ten – Kalt mit Regen.
November[100]
Es kommen 30 Tausend Kayserliche hinab, um die brabäntische Patrioten zu bändigen. Täglich kommen deren zu Kölln an, welche über Bergheim ins Niederland ziehn. Hingegen geht die Executions-Armee unverrichteter Sache auseinander. Die 100 Heidelberger, welche voriges Jahr allhier übernachteten, sind über Oberaussem nach Haus gegangen. Der Kayser will nun durch seine Truppen auch dem Lütticher Lande Ruh verschafen.
Bis 9ten – Regen. Am 11ten Frost bis 17ten. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.
Vom 18ten bis 30ten – Trocken mit Regen. Heut, am 30ten, hörte man hier ein anhaltendes Kanonenfeuer aus der Ferne in Westen.

[87]

1790
December[101]
Bis 4ten – Regen. Die Kayserliche Truppen in Brabant siegen fast allenthalben über die Patrioten, deren Haupträdelsführer, van der Noot und van Eupen, geflüchtet sind. Die am 30ten gehörte Kanonade war bey der Einnahme von Löwen, wo beyderseits hart gestritten wurde.
Bis 11ten – Meist nasse Tage. – Bey dem Reichenbacher Frieden wurde beschlossen, daß der Kayser alle über die Türken gemachte Eroberungen, als Belgrad, Novi, Dubiza etz. wieder abtretten muß. Hingegen will der König von Preussen behülflich seyn, daß Brabant wieder unter Österreichischen Zepter zurückkehre. Engel und Holland garantieren, daß alles wieder auf den alten Fuß, wie's unter Maria Theresia war, gesezt werde. Kornpreis 5 Reichstahler, Weitzen 18 Gülden, Haaber 18 Schilling.
Am 20ten – Regen. Der Rhein ist ausgetreten und läuft in die Leimkaul.
Am 21ten – Frost. – Der Rhein fällt. Am 28ten dunkel, am 30. und 31ten Frost.

1791-1800

1791

1791[102]
Januar
Vom 1ten bis 7ten – Abwechselnd mit Regen, Frost und Schnee.
Am 8ten – Stürmisch. – Die Junfer Anna Margaretha Schneider, Tochter des hiesigen Quirin Schneider, lage heut Morgen todt in der Grindkaule an den Kuhbenden. Sie lebte aus den Almosen und ware gestern auf den benachbarten Ortschaften betteln gewesen. Von langer Zeit her hatte sie ein Zittern und Kopfschütteln, als Überbleibsel eines Schlagflusses. Nun kann es seyn, daß ein zweiter Schlagfluß sie getrofen, oder der grausam wüthende Wind mag sie gestern Abend von dem Berge hinabgestürzt haben. Sie liegt noch in ihrem Hause gegen dem Brunnen Gerhard Nix über. Man erwartet den Amtsverwalter.
Am 9ten – Von Bergheim ist die Ordre ergangen, die Verunglückte zu begraben.
Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber. Nota bene: Die Wohnung der Anna Margaretha Schneider hat Peter Delhoven um 140 Reichstahler gekauft.
Bis 14ten – Regen. Der Rhein ist ausgetreten und läuft schon in den Bixem.
Bis 20ten – Stürmisch. Am 21ten angenehm. Bis 30ten stürmischer Regen.
In diesem Monath sind hier 18 Personen an der grassirenden hitzigen Krankheit gestorben.
Die Kayserlichen werden auch nun die Execution mit Lüttich vollziehn, denn Brabant ist nun ruhig. Die Türken und Russen liegen sich noch immer in den Haaren. Die Fehde ist hartnäckig.
Februar
Bis 7ten – Regen, Schnee und Frost. Kornpreis 5 Reichstahler, Haaber 9 Gülden.
Am Agatha-Tag ward in der ersten und lezten Messe mit dem Klingel-Beutel umgegangen. Der Betrag ware 8 Reichstahler 31 Stüber, wovon eine Kerze gemacht wird. – Der Peter Pannes hat diese Woche die Windmühl vom Jacob Cremerius in Empfang genohmen.
14ten – Regen, bis 20ten Frühlingstage mit Nachtfrösten.

[88]

1791[103]
Februar
Bis 28ten – Regen. – Unsere Kirch wurde im Jahr 1779 geweißt, anstatt der gemalten und runden Scheiben-Gläser neue eingesetzt, das Hallen-Häuschen neu erbauet, der große Gang mit neuen Platten belegt und das Kohr mit Hausteinen abgesezt. Auch wurde die Orgel, welche vor langen Jahren vor dem Kreutzaltare stand, nachher aber gegen Süden auf dem Kohr oben dem Geistlichen Letter gehangn wurde, jetz über dem großen Gang auf die Gallerie versezt. So auch die Kanzel, welche sonst zwischen dem Michaelibilde und der Sacristeien-Thür stand, jetz gegenüber neben das Katharinen-Bild, aufgestellt. Der große Bogen, wo das Kohr anfängt, ware mit einem Balken verbunden, worauf ein Kruzifix mit 2 zinnernen und einem grossen kupfernen Leuchter angebracht ware. Der Balken kame weg, und das Kreutz hängt nun auf dem Kohr neben der Sacristey. Die Thurmtreppe fieng sonst unten auf der Erde an. Da nun das Duxal oder die Gallerie noch unter den Thurm hin vergrößert wurde, so ware es schicklich, daß der Eingang in den Thurm von der Gallerie gebrochen wurde. Die Gallerie hieng sonst in 4 eysernen Stangen; sie ruht nun auf 4 hölzernen Pfeilern. Die neue hölzerne Bänke in der Kirch wurden im Jahr 1780, [178]1 und [17]82 durch die hiesigen Schreiner Everhard und Joan Lang verfertigt. Diese kostete jeden Eygenthümer einer Platze beynah 3 Reichstahler. Auch wurden auf jeder Seyth die Bänk zusammengeschoben, daß eine ganze Bank mehr gemacht und diese Platz für Platz zu 16 bis 20 Reichstahler verkauft wurden. Diese und mehr andere kleine Veränderungen wurden damals gemacht. Das Gewölbe auf dem Kohr ware damals gebarsten. Die Risse schmierte man wieder zu. Selbige öfneten sich bisher wieder. Die hiesige Schefen liessen deswegen das Gewölb durch einen Mauermeister besehen. Darüber fiel wirklich Einiges herab, und in der Fastenabendsandacht in der vorigen Woche fielen noch einige Steine herab, so daß die Einwohner mit Küster und Pfarrer vor Schrecken aus der Kirch entfliehen wollten, doch ist es wahrscheinlich und – – – Es hätte vielleicht sich jemand oben auf das Gewölb geschlichen, welcher diesen blinden Lärm machte, um die hiesigen Schöfen anzuspornen, daß wir eine neue Kirche bekämen. Der Bruch ist oben dem Opfergange neben der Epistelseythe. Der Vicar hielt gestern das Hochamt am Muttergottesaltar.
Merz
Bis 9ten – Stürmische Tage. Vom 10ten bis 24ten Frühlingstage mit Nachtfrösten.
Der Kuhrfürst von Kölln hat den Process mit der Stadt Kölln verlohren. Der Fürst begehrte die Rheinmühlen, die Butterwaag etz. Um sich nun an dem Magistrat zu rächen, hat der Fürst die fliegende Schifbrücke zwischen der Stadt und Deutz weggenohmen und selbige oben dem Beyen-Thurm angelegt und dort eine Landstraß um die Stadt errichtet.

[89]

[Gedruckter Erlass des Generalvikars Horn-Goldschmidt vom 26. Februar 1791: "Dispensatio super Absentia Quadragesimali Pro Anno 1791"]

[90]

1791
Merz
Am 25ten – Das Tabackrauchen auf offener Gasse, in Schreiner-, Schneider- und allen feuerfangenden Werkstuben wird schärfest verbothen, und die Edicte gegen das Strohdecken schark [sic.] erneuert. Kornpreis 5 Reichstahler.
Aprill
Bis 3ten - Nachtfröste. Bis 22. angenehm mit Frühlingsregen.
Am 21ten, Ostertag – Diese Woche und diese Nacht wurden die gewöhnlichen Prozessionen gehalten. Seit Menschengedenk erinnert sich keiner, daß jemal die Prozession in der Osternacht nicht gegangen wurde. Diesen Morgen und am Palmtag ward die Communion auf dem Kirchhof an dem Missionskreutz ausgetheilt, weil auf dem hohen Kohr kein Gottesdienst gehalten wird. Anhaltend schön Wetter. Am 11ten April die ersten Kornähren.
Mey
Vom 1ten bis 8ten lieblich mit Nachtfrösten.
Die Kirch wird reparirt, das Kohr in ein neues Dach gesezt, das Loch im Gewölb wieder zugemacht und das Ganze sauber geweißt. Auch die Sacristey läst das Kapitul St. Andreas binnen Kölln neu decken. Am 14ten Kornblüh.
Am 15ten, Gottestracht – Angenehme Tage. – In dieser Gegend grassiret stark das Flecken-Fieber. Zons liefert besonders viele Todte. In Horm starb gestern der Herperzhalfen Joan Peter Broichman mit seiner Schwiegerinn auf einen Tag. Die Halbwinnerin ist auch dem Sterben nahe.
Bis 25. – Kühl und naß. Am 26. warm, am 27ten wärmer, am 28ten heiß, am 29. bis 31. große Hitze. Das Feld sieht sich besser an als man erwartet hatte. Vieles Korn hat sich schon gelegt. Weitz und Gersten weissagen trefliches Gedeihen. Heut, am lezten Mey, zeigte mir der Schefen Steinberger einen Kornhalm, der mit der Ähre 8 Fuß und 5 Zoll lang war. Kornpreis 15 Gülden, der Zentner Heu 40 Stüber.
Junius
Am 2ten starb auch zu Horm die Herperzhalbwinnerin. Sie wurde nicht gewahr, daß ihr Mann schon todt war. Sehr heisse Tage.
Am 7ten ist der erste Wintersahme eingefahren worden. Am 8ten starb zu Horm die Haushälterin des Henrich Weiler in Horm. Da sie vom Stürzelberg zu Hause war, so begehrte ihr Vater Caspar Schei daselbst, daß die Leiche nacher Zons begraben wurde, welches hiesiger Pastor bewilligte, doch wurde allhier zum Todten geläutet und die Begräbniß-Jura bezahlt. In Zons hauset das Fleckenfieber noch stark. Daselbst wurden seit dem ersten Januar schon 37 Leichen begraben.
Am 11ten – Heut ist die hinterste Kirchen-Thür von Ei[c]henholz neu gemacht und mit 15 Reichstahler bezahlt worden. Am 12ten Pfingstag. Diese Nacht hat es etwas gereift.
Am 13ten ist Henrich Cremerius, ehmaliger Wirth im Grünenwald, aus dem Stockhause zu Keyserswerth wiedergekommen und unter Thränen von seinen Kindern wiedererkant worden.
Aller Brandwein, welcher ausser diesem Territorio gekauft wird, muß pro Maas ¼ Stüber Molter an hiesigen Müller Peter Pannes entrichten.
Bis 21. – Kühl und naß.
Bis 30ten – Heiße Tage. – Kornpreis 15 Gülden.

[91]

1791
Junius
Frankreichs Bürger haben eine Gleichheit unter allen Ständen eingeführt. Die Adelbriefe sind verbrannt, die herschaftlichen Wappen von allen Gebäuden abgerissen, und der Edelmann wie der Bauer hat gleiches Recht zu öfentlichen Bedienungen, und alle werden von einem Gericht gerichtet. Jeder Einwohner von Frankreich hat den Bürgereid, der Nation und dem Gesätze treu zu bleiben[104], ausschwören müssen. Die Geistlichkeit glaubt, dieser Eid gehe wider die katholische Religion, und der Pabst hat über alle jene, welche selbigen ausschwören, die Excommunication ergehen lassen. Die meisten Bischöfe und die reichen Geistlichen wandern aus. Viele haben sich nach Rom geflüchtet. Gemäß einem Edickt gehören alle geistliche Güter der Nation, und die Geistlichen bekommen Pension. Auch vieler ausgewanderten Adelichen ihre Güter werden zum Vortheil der Nation eingezogen. Da viele deutsche Edelleuthe und Geistliche im Elsas Besitzungen haben, welche auch wirklich sequestrirt sind, so haben diese den Kayser um Schutz angerufen. Graf Artois und Prinz Condé sammeln in der Gegend von Worms und Coblenz eine Emigranten-Armee, um vereint mit 30 Tausend Mann Kayserlicher, welche in Brabant stehen, in Frankreich einzudringen. – In der Nacht vom 20ten auf den 21ten Junius hat sich der König und die Königin mit ihren Kindern in Bauerntracht verhüllt von Paris auf die Flucht gegeben. Im ganzen Königreich ward auf die Klocke geschlagen, und der Posthalter zu Varennes arettirte den König. Man brachte die königliche Familie durch National-Truppen gefänglich nach Paris.
Am 30ten – Warmer Regen. Das Korn ist bald reif.
Julius
Am 1ten – Heut ward mit dem Kornhauen angefangen. Bis 8ten Regen. Am 6ten dieses wurden zu Zons auf dem Rath-Hauß die Mobilien im Herperzhof zu Horm verkauft. Das Ganze betrug 237 Reichstahler. Die Leuthe waren tief in Schulden gerathen, welche nicht den vierten Theil bezahlt werden. – Der Bernard Braun, welcher seit ungefehr 20 Jahren die Halbscheid vom Hof und Länderey bewohnte, wird nun den ganzen Hoff einnehmen, obschon noch eine Tochter und Sohn von dem seligen Herperzhalfen zugegen sind, denen aber Fleiß und Mittel fehlen, den Hoff anzubauen. Der Sohn Joann Breuer heyrathete vor einiger Zeit ein Mensch von einer Parthie Vagabunden, die sich abwechselnd im Herperzhof aufhielten. Kurz nach der Hochzeit war die Braut gefänglich eingezogen und zu Bonn gezüchtiget, da sie schon als Mädchen zu Zons gefangen saß. Sie hat sich nun von ihrem Mann getrennt und bewohnt zu Neus eine Kammer. Vor und nach der Hochzeit hat sie 3 Kinder gebohren.

[92]

1791
Julius
Vom 1ten bis 15ten regnet es alle Tage, welches dem Kornhauen sehr zuwieder kömmt. Kornpreis 5 Reichtahler 6 Stüber, Sahmen 3 Kronthaler.
Am 16ten – Sehr heiß. – Wegen dem vielen Regen ist das meiste Heu verdorben.
17ten – Alles ist bey dem schönen Wetter am Kornhauen. Am 21ten wurde das erste neue Brodt gebacken.
Am 26ten – Das neue Korn ist zu 15 Gülden verkauft worden. Am 23ten ist eine Holzfloß unten Worringen auseinander gegangen. Tannen- und Eichenbäume liefen fern aufs Land. Einige stachen 10 Fuß im Leimufer, unten der Landstraße. – Bis 31ten sehr heiß.
August
Bis 7ten sehr heiß. – Am 8ten etwas Regen. – Der Welferhalfen hat die Erndte hindurch bis itzt zwey Kuhrpfälzische Dragoner auf dem Hof, welche das Sümmern hinter dem Wagen den armen Leuthen verbiethen. Sogleich werden die Schweine nachgetrieben. Biß am
15ten sehr heiß. – Die Gemeinde läst das Beinhauß neu in Dach setzen.
Am 19ten – Die große Hitze hat die Äpfel auf den Bäumen an der Sonnenseite braun gebacken. Haaber ist die Menge und gut gerathen.
Am 27ten – Man hofft sehnlich auf Regen. Kornpreiß 15 Gülden.
Am 28ten – Heute ward von der Kanzel abgelesen, daß die Scheffen, Vorstehere und Meistbeerbten übereingekommen, unsere Kirmes auf den zweiten Sonntag im October zu versetzen, theils, weil die Kirmes so früh kame, daß man die Saath nicht ordentlich bestellen konnte, theils auch, weil der Michaeli-Tag oft in der Kirmes fällt und durch Schwärmereyen entheiliget wird. Der Pastor hat von Rom einen ewigwährenden Ablaß auf den Michels-Tag erhalten, und durch ein Decret von Bergheim darf niemand die alte Kirmes feyern. Am 29ten, 30. und 31ten viel Regen.
September
Am 1ten – Regen. – Kornpreis 2 Kronthaler, Haaber 2 Reichstahler, Sahmen 7 Reichstahler 15 Stüber. Der Theodor Bremer ist in die Scheffenstelle des seligen Joan Küpper eingesezt worden. – Der König von Frankreich wird mit seiner Familie im Schloß zu Paris bewacht. Indessen flüchten sich Adel und Geistlichkeit anhaltend nach Deutschland. Coblenz und Trier sind voller Emigrirte. Deswegen geht auch hier die Post stärker als jemahlen. – Der Kayser hat mit den Türken Friede gemacht. Die Türken bekommen alle Eroberungen ausser Alt-Orsowa zurück. Auch die Kayserin von Rußland scheint die Vermittlung Preussens anzunehmen und sich mit den Türken auszusöhnen. Vom 3ten bis 27ten schön heiß Wetter.
Am 28ten – Die alte Kirmes ist ganz incognito dahingangen. Nur wenige unbedeutende Gäste waren hiehin gekommen, die sich auch still wieder fortmachten. Heut Nachmittag ward gebeyert, und drey Geistliche sassen von 3 Uhr bis Abend Beicht.

[93]

1791
September[105]
Am 29. – Das heutige Michaels-Fest wurde sehr feyerlich gehalten. Um 6 Uhr fiengen die Messen an. Zwey Mönche von Zons und der dasige Kaplan lasen Meß, der Pastor von Worringen hielt das Levittenamt und Predig. Auch ward vorher eine Collecte gehalten, woraus drey neue scharlachene Koral-Kleidungen angeschaft wurden. Nach dem Hochamt ward die Prozession ausgeführt. Am Schwanen war die erste Station, dann gienge die Prozession den nähmlichen Weg wie die Römerfarth. Unten links zum Westen, am lezten Hause, hatte Peter Fix die zwote, der Posthalter die dritte und Scheffen Fridrich Steinberger die lezte Station errichtet. Peter Fix und der Posthalter hatten Pfenninge an das Venerabel geschenkt. Das Dorf war so trocken, daß die Prozession in der Mitte durch den Fuhrweg geführet wurde.
October
Vom 1ten bis 6ten – Trocken mit Nachtfrösten. Am 7ten-8ten Regen.
Am 9ten, Kirmes[106] – Es regnete anhaltend bis heute, den 14ten. Die Kirmes ware sehr still. Die Wittib Küppers zapfte zuerst Wein. Da es aber beständig regnete, so war dort nicht viel zu thun.
Am 16ten, als den ersten Sonntag nach der Kirmes, ward die 30 Personen starke Prozession zum Kreutzberge ausgeführt. Bis 22ten Regen.
Am 23ten – Heiter. Kornpreis ein Ducaten. – Der Rhein ist sehr klein. Die meiste Brunnen sind wasserleer. Bis 31ten hell und Frost.
November[107]
Am 3ten – Regen. Am 4ten Frost. Am 7ten gehen Karrn und Wägen drüber. Am 10ten Regen. Das Malder Weitz gillt 5 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 100 Stüber. In der Nacht vom 17ten auf den 18ten wollten Diebe bey J. W. Verhagen einbrechen. Weil es dort aber nicht gelang, so brachen sie an der Pastorat durchs Spühlloch herein und nahmen 4 Kessel und 4 Schüsseln.
Am 18ten – Sturmwind. – Eine Bande einheimischer Diebe sezt die Nachbarn in Verlegenheit. Dem Henrich Coenen ward ein Pferd gestohlen, welches den andern Morgen loß im Felde lief. Am 23ten dunkel. Es wird seit 3 Wochen im Dorf gedient.
December
Bis 10ten – Herbstwetter. Am 11ten Frost. Das Malder Haber gillt 14 Schilling. Bis 17ten ist im Dorf gedienet worden.
Regen und Frost wechslen ab biß zu End des Jahrs.

1792

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1792
Januarius
Noch nie waren in diesem Jahrhundert die Zeiten so unruhig als beym Eintritt in dies neue Jahr, von Auf- bis Niedergang der Sonnen. In den entlegenen Indien herscht Rebellion. Die schönsten Provinzien Teutschlands gehen durch innere Unruhen zugrunde. Allenthalben wieglen sich die Unterthanen auf gegen ihre Herren. So ungerecht auch dieses seyn mag, so ist im Gegentheile auch viel Unterdrückung im Lande.
Die Geistlichkeit und der Adel haben zum Theil ihre Güter frey von allen Abgaben. Der arme Bauer mus im Schweis seines Angesichts sein Brod gewinnen, für jene die Steuern bezahlen und die Lasten des Landes tragen. Ist er Pachter und er gewinnt etwas mehr als sein karger Unterhalt fodert, so werden seine Pachtungen erhöht, als wenn geschrieben stünde, der Bauer soll darben.
Wenn nun der Mann am Pfluge mit solchen Abgaben beladen wird, daß er ungeachtet seines Fleisses nicht so viel gewinnen kann, die Seine[n] vor Dürftigkeit zu schützen, wenn er sich von allen verachtet siehet, wenn jedes Vergnügen der Natur i[h]m verwähret wird, dann sinkt der gedrückte Geist zur Muthlosigkeit nieder. "Ich war jahrelang ehrlich", sagt sich der Mann, der mit gekränktem Herzen sich auf den Pflug lehnt und den Himmel seines harten Schicksals halber anklagt. "Ich war jahrelang ehrlich", sagt er, "habe keine Mücke betrübt, gab dem Fürsten getreu meine Abgaben, und kann ich mir sagen, daß eine meiner guten Thaten belohnt ward?"
Endlich erwacht Verzweiflung in seinem Herzen. "Was will ich länger schwitzen? Wohnen nicht Reiche in Städten, die sich im Müssiggange mit unserm Fleis mästen, die Tag und Nacht sinnen, wie sie das, was wir ihnen geben musten, durchbringen? Lasset uns die Bande zerreissen und uns in den Schoos des Ueberflusses setzen." So beginnt das Unheil eines Mannes, einer Gemeinde, ganzer Nationen. Das Volk begehrt seine Rechte. Diese werden ihm verwährt. Es kömmt in Gährung, vergißt alles, was ihm noch heilig war, und überläst sich den zügellosesten Ausschweifungen.
So musten sonst die armen Leuthe in Hackenbroch, wo keine Reiche sind, so musten diese, sage ich, abwechselnd wie Leibeigene die Arbeiten auf der herschaftlichen Burg verrichten. Mit jedem halben Tage wurden sie abgelöset. Dafür reichte mann ihnen einen Stüber. Izt müssen sie einen ganzen Tag dienen, und man reicht ihnen doch nicht mehr als einen Stüber; zwar ein armer Betrug, der aber nur einen armen Mann drücken kann.
Zwar erwacht doch bey manchem redlichen Manne das Gefühl von Menschlichkeit. So wurden neulich in Düsseldorff einige Bauern eingezogen, die in der Gegend ihr Eygenthum bewachten und bey der Nacht auf Haasen schossen, die ihnen die Gartengemüse wegfrasen. Der versammelte Adel des Landes beleuchtete die Sache und verordnete, daß die allzu große Anzahl wild niedergeschossen ward. Wie traurig ist hingegen ein Blick in eine Gerichtsstube, wie noch neulich der Vorfall war: Im kalten Vorgemach weileten unzählige Klienten auf die Ankunft des Beamten. Dieser, der endlich

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1792
Januar
späth erschien, setzte sich in seinen Amtsstuhl und – lase die Zeitung, während das so viele, die 5 Stünden weith gekommen waren, in schmerzlicher Ungeduld seufzten, vorgelassen zu werden.
So wohlmeinend der Fürst auch immer sich zu seinen Untergebenen herab läst, ob es gleich an manchem Hofe beginnt, hell zu werden, so verhüllen dennoch dicke Nebel die niederen Hörsäle der Gerechtigkeit, die dann auch eigentlich ein merklicher Beytrag sind zu den traurigen Empörungen dieser sonst so blühenden Zeiten.
Am 1ten – Es ist in diesem Winter noch nicht ernstlich kalt gewesen. Wenn es auch ein paar Nächte etwas friert, so tritt gleich wieder Regen ein. So ist’s auch bis den 3ten dunkel Wetter.
Am 4ten fienge es etwas an zu frieren. Am 5ten trat etwas Schnee ein.
Das Malder Korn gillt höchstens ein Ducaten, Haber einen Konventionsthaler.
Am 6ten und 7ten – Etwas Frost. Fienge es im Mittage an zu regnen, und doch war am 8ten wieder gefroren. Am 9ten war’s bitter kalt. Abends Schnee. Am 10ten Regen, am 11ten Schnee, am 12ten Frost, am 12ten Schnee, am 13ten kalt, am 14ten kälter. Am 9ten dieses ware schon Eiß im Rhein, heut ist dessen aber so viel, daß von jedem Pferd 1 Reichstahler Überfahrgeld bezahlt werden muß. Am 15ten stellte sich Thauwetter und Regen ein.
Am 16ten – Angenehm. Der Rhein treibt noch dicht mit Eiß. Am 17ten feucht.
Am 18ten fienge es wieder an zu frieren. Am 19ten und 20. stärkerer Frost.
Vor ein paar Tagen liessen die Erben Bremer zu Rheinfeld einige Ländereien durch den Schefen Steinberger im Anker meistbiethend verkaufen. Ein Morgen im Merheimer Lehn hinter Rheinfeld ward gegen 154 Reichstahler zugeschlagen. Das Malder Korn wird gegen 11 Gülden verkauft.
Am 23ten – Anhaltender Frost. Am 24ten Regen.
Die Kirchenrechnungen sowie die Armenrechnungen sind an 32 Jahre nicht abgehalten worden, nemlich so lange, als der zeitliche Pastor J. Godfrid Bürg hier ist. Alles liegt verwirrt untereinander. Der Amtsverwalter ist schon ein paarmahl hier gewesen und will izt alles in Ordnung bringen.
Am 27ten – Es stürmt unbändig, der Rhein schwillt an. Am 28ten läuft schon das Wasser unter den Garten bis in die öberste Drenke. Eh noch der Damm errichtet war, kame das Wasser durch den Bixem hinab. Damals, nemlich vor dem Jahre 1740, ware zwar ein Damm vom Höhenberge über die Landstraße bis an die Weidenplätze. Von unten durch die Mehbenden kame auch das Wasser hinauf, welches mit dem von oben unten Schefen Steinbergers Garten gegen der Kirche zusammen trafe.
Adamus Otto, wohnhaft gegen dem Vicarius Schmitz, neben Eller, wo zwischen durch der Wasserkanal geht, pflanzte heut einen jungen Lindenbaum vor seiner Thüre. Vor einigen Jahren stunde auch noch ein Lindenbaum vor dem Schwanen. Gegenüber stetht noch eine alte Linde vor Joan Görgens Thüre.
Seit einiger Zeit ward in Kölln verschiedentlich eingebrochen und gestohlen, ohne, daß man eigentlich etwas entdecken konnte, bis gestern Abend, am 27ten, wurden 4 handfeste Kerle zu Worringen durch die Husaren arretirt, als sie eben in der Theilung von Zitz, Katun etz. begrifen waren. Eine Frau mit 2 Kindern hatte ihrer schon etliche Täge gewartet. Diese, 7 an der Zahl, sind am 28ten verhört worden, wo einer

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1792
Januar
Am 28ten – aussagt, daß er von Berlin zu Hause sey; ein junges, wohlgekleidetes 20-jähriges Pürschchen, der sich Wilhelm nennt. Ein anderer, von Wesel, einer von der Compagnie, ist vor 8 Tagen mit noch 7 andern aus dem Stockhause zu Bonn disertirt.
29ten, Sontag[108] – Heut wurden ihrer zween hiedurch auf Zons ins Schloßgefängniß gebracht. 4 Husaren bedeckten sie. Die Delinquenten waren mit beiden Daumen aneinandergeschraubt und an eins der Pferden gebunden. Der Zug gieng durch den Fuhrweg, der sehr morastig war. Der erstgedachte Wilhelm weinte unablässig. Am Kirchhof stellte sich ein Husar gegen den Eingang zur Sicherheit. Am 30ten brachten die Husaren auch den Dritten, den sie aber neben den Häusern vorbey führten. Diese sind nun zu Zons in guter Verwahrung. Der, so im Stockhause gesessen, bewohnt izt den Nieder-Thurm zu Worringen, wo das Frauenzimmer mit den 2 Kindern ihm Gesellschaft leisten. Auch ist ein wandernder Kaufman aus Kölln namens Holz zu Worringen arretirt, den man aber doch für unschuldig glaubt.
Am 31ten – Es sind zuweilen angenehme Frühlingstage, doch stürmts mitunter. Der Rhein schwillt immer höher an, Walhoven ist eine Insel.
Februar
Am 1ten – Angenehm Wetter. Der in der Delver Martioischen Goldmachergeschicht berühmte Jacob Schaaf (siehe die Jahren 1786 und 1787) ist mit aus dem Stockhause zu Bonn entwichen. Er ist 63 Jahr alt.
Der Rhein schwillt noch an. Rheinfeld hat noch kaum den Ausgang auf den Damm. Im Kulk gegen dem Burggard und am Monheimer Wege zwischen dem Waschpättchen hat der Damm Gefahr durchzugehen. Es wird also daselbst gewacht. Am 2ten, als am Lichtmeß-Tage, war das Wasser wieder gewachsen. Deswegen ließ der Wallhoverhalfen seine Schaafe mit einem Nachen hiehin übersetzen und solche in den Schwanen aufstellen, wo seine Pferde sich schon befanden, doch am 3ten fängt der Rhein allmählig an zu fallen. – Das Malder Weitz wird um 4 Reichstahler 48 Stüber verkauft.
Am 6ten – Ein besonders schöner Frühlingstag. Diese Nacht hat sich der zu Worringen bewachte Deserteur aus dem Bönnischen Stockhause namens Kristian Moers aus dem Gefängniß wegbegeben. Seine Frau sitzet aber noch. Die Öfnung der Thurnmauer ist von aussen geschehen. Die Thäter sind wahrscheinlich Leute aus Worringen gewesen, welche des Wachtens müde waren. Um 3 Uhr diese Nacht ware der Entwichene schon vor der Klosterpforte zu Knechsteden. Der Prior von da ließ heut den Worringer Scheffen sagen, wenn sie die Ketten und Schlösser wieder haben wollten, so könnten sie solche abholen. Der Gefangene hätte solche da gelassen und wäre schon von der Abdei weg.
Am 7ten – Regen. Der Rhein ist bereits in seine Ufer zurückgetreten. Unter den Perschen und im Kulk ist Verschiedenes verdorben. Sonst sieht das Feld noch gut aus. Das Malder Korn gillt 3 Reichstahler 12 Stüber. Der Damm hat in der Gegend vom Monheimer Wege viel gelitten. Auch im Kulk ist etwas ausgespühlt. Gegen dem Burggard auswärts waren 2 Conserva-Dämmcher hintennach angelegt. Diese sind ganz weggetrieben.

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1792
Februar
Am 8ten – Regen[109]. Zu Zons hatte sich ein Arrestant gestern Abend beinahe durch die Mauer gebrochen, doch ward es noch zur rechten Zeit entdeckt.
Der Jacob Schaaf sizt von Neuem im Stockhaus zu Bonn.
Am 9ten, 10ten-12ten – Angenehme Tage. 13ten-15ten feucht, am 16ten finge es stark an zu frieren, späther trat Schnee ein. Das Korn beginnt etwas im Preise zu steigen, doch giebt man noch nicht gerne einen Dukaten fürs Malder. Haaber steht noch auf dem Konventionsthaler.
Der Zucker ist schrecklich im Preise hinaufgekommen. Die Sorte, wovon man noch vor einem halben Jahr das Pfund um 18 Stüber kaufte, gillt izt 28. Die Ursache ist diese: Als die Nationalversammlung die Freiheitsgesetze gab, vermöge dessen die Adelsbriefe verbrennt und Exelenzen, Barons, Bürger und Bettler alles in gleichen Rang gesetzt und frey erklärt wurden, so kamen diese Gesetze auch endlich in die entlegenen Indien auf den französischen Kolonien an. Die schwarzen Sklaven, die so lange Jahren unter dem despotischen Joche der Weissen geseufzet hatten, waren nun nach diesen Gesetzen freye Leuthe. Sie hatten nun mit den Weissen gleiche Ansprüche auf die Güther, die ihre Väter von jeher ungestöhrt besassen, ehe die Europaier diese Landschaften entdecket hatten. Allein, die Weissen wollten die neue Freiheits-Gesetze nicht anerkennen, weil sie vorsahen, daß mit deren Bekantmachung sich ihre Herrschaft verlohr. Sie hielten die National-Decreten geheim, und doch blieb es den Schwarzen nicht verborgen, daß ihre Sklavenkette auf der Rednerbühne zu Paris gelöset worden war. Die Schwarzen, die bisher wie das Vieh behandelt worden und abends, wenn sie ermüdet aus den Plantagen kamen, in elende Hütten zusammengetrieben wurden, wollten nun frey seyn. Sie wiegelten sich gegen ihre Herren auf. Es gab blutige Treffen die Menge. Der Sieg war auf der Schwarzen ihrer Seithe. Diese überliessen sich den zügellosesten Ausschweifungen, verbrannten die blühendesten Kaffe- und Zucker-Pflanzungen und –Behältnisse. Überall, wo sie hinkamen, ware Verwüstung ihr Werk, Sengen und Brennen ihre Lust. So stehen die Sachen noch bis izt. Die Zeitungen liefern immer traurigere Nachrichten, besonders von Domingo. Und so steigen die Kaffe- und Zucker-Preise mit jedem Tage höher.
Am 17ten gehen die schwersten Wägen drüber. Am 18ten bitterkalt. Zu Zons ist kein Geriß mehr vorräthig. Viele arme Leuthe leiden große Kälte. Schnee.
Am 19ten – Kälter. Am 20ten geht der Rhein dicht mit Eiß. Am 21ten ists etwas milder. Um die Mittagszeit fiel ¾ Fuß Schnee. In diesen Fastnachts-Tagen ist es still im Dorf.
Am 22ten – Frost mit Schnee. Jacob Clemenz ist Bürgermeister geblieben. Anton Schmitz oder Pletsch Anton Schweinhirt, Gerhard Nusbaum Kühhirt und zugleich Nachtwächter. Leonard Mentz, seiner Profession ein verschlissener Schuster, ward Feldschütz. – Auf dem Feld liegt knietief Schnee.

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1792
Februar
Am 23ten – Kälter noch als die vorige Tage. Man hat schon Vögel mit den Händen gefangen. Am 24ten sehr kalt., am 25ten etwas milder.
Zu Worringen sizt noch des entwichenen Dieb, Christian Mörs, Hausfrau mit 2 Kindern. Der Gerichtsboth Wilhelm Bitter sollte selbige schliessen und füttern. Da dies aber unehrlich ist, so dankte besagter Wilhelm ab. Einer aus der Lohnemans-Familie nahm die Stelle an. Nun trafe es sich, daß der neue Gerichtsbott mit im Wirthshause karten wollte. Man wies ihn aber zurück, putzte den Stuhl, worauf er gesessen, mit einem Tuche ab, ehe ein anderer sich hinsezte. Der Gerichtsbott fienge an zu weinen und dankte die Stelle ab. Nun hat sich doch wieder ein Dritter ansetzen lassen.
Der Rhein treibt noch dicht voll Eiß.
Am 26ten fienge es allmählich zu regnen an. Der Rhein hat sich hoch oben gesezt. Am 27ten Regen. Diesen Abend kame das Obereis. Am 28ten Frühlingswetter.
Am 29ten – Nachtfrost und Reif.
Merz
Am 1ten, 2ten, 3ten – Frühlingstage. Am 4ten und 5ten Regen und Sturmwind.
Am 8ten friert es den ganzen Tag, und es schneet dabey.
Nach den Berichten öfentlicher Blätter ist der Kayser Leopold der 2te in der Nacht vom 29ten auf den ersten dieses an einem Erbrechen gestorben. Man vermuthet, daß hier eine Vergiftung statt haben soll, die wahrscheinlich von Seiten der Brabänter veranstaltet worden, wo die Gährungen noch nicht gedämpfet sind. Am 10ten Frost. Am 11ten trägt das Eiß über. Schnee.
Am 12ten – Es friert in Häuser und Ställe. – Diese Nacht ist beym Mondenschein ein Arrestant aus dem 32 Fuß tiefen Schloßthurme zu Zons entwichen. Es ist der nähmliche, welcher jüngst beynahe sich durchgebrochen hatte. Damals ward er zu mehrerer Sicherheit in die Tiefe hinabgelassen, wo man ihm vermittels einer Rolle das Essen reichte. Bey der heurigen Kälte begehrte der Gefangene immer mehr Stroh, wovon er sich ein Seil, das eine Art von Leiter vorstellte, verfertigte. Oben ihm saß sein Mittgesell an einen schweren Stein geschlossen. Die beyden konnten zusammen reden, und so begehrte der Ünterste, der da oben möchte auch ein dünnes Seilchen drehen. Als dieses fertig war, liesse er dieses hinab, und der Unterste band die stroherne Leiter an dasselbe, welches der Oberste wieder hinaufzohe, denn die Lücke zu dem Untersten ware vermittels einer Fallthüre in dem oberen Gefängniß angebracht. Der Oberste befestigte die stroherne Leiter, und in wenig Minuten ware sein Mittgesell aus der Tiefe hinauf gestiegen. Er wollte gerne auch ihn retten, aber die Schlösser zu lösen ware unmöglich. Sie schieden voneinander, der Gerettete nahm das Strohseil mit. Alle Fenster waren gegittert. Er versuchte nun, aus dem ehemals durchgebrochenen Loche hinabzusteigen, allein, die Leiter ware zu kurz. Nun gienge er wieder hinauf und lösete das Uhrseil, band die Leiter daran und liesse sich in der Nähe des Franziskaner-Klosters nieder, überstieg die Klostermauer und fand bey den frommen Vätern Sicherheit. Man sagt, daß er schon aus der Stad seye.
13ten – Sehr kalt. Das schwerste Fuhrwerk geht drüber. Am 14ten Regen.

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1792
Merz
Am 14ten – Leopold der 2te, Römischer Kayser, ist am ersten dieses gestorben. Am 27ten oder, wie einige wollen, am 28ten klagte er sich zuerst. Die Krankheit wird wohl auf zehnerley Art angegeben, und man kann sicher schließen, daß er vergiftet worden. In Brabant sind die Unruhen noch nicht gedämpft. Während der Revolution ward nichts an den Keyser bezahlt. Das verlangte nun Leopold alle zurück, und niemand will bezahlen. In den Erblanden sind unter Joseph II. über 300 Klöster aufgehoben worden, und von den 400, die noch bestehn, ware vom Leopold die Halbschied zum Aufheben bestimmt. Das ist aber auch der einzige Fehler der beyden lezten Kaysern, daß sie zu wenig Religion haben. Sonst waren Joseph und Leopold sehr gute Regenten. Joseph war gebohren am 13ten Merz 1741, zum Römischen König erwählt am 26ten Merz 1764, bestieg den Keyser-Thron nach Absterben seines Vaters Franciscus am 18ten August 1765, starb am 20. Februar 1790. – Leopold II. war geboren am 5ten Mey 1747, zum Römischen Keyser erwählt am 30ten September 1790, vermählte sich am 5ten August mit Maria Louise, Infantin von Spanien.
Vom 15ten bis 17ten – Regen und Wind. Am 18ten schönes Wetter bis am 21ten anhaltend. Man fängt in den Gärten fleissig zu graben an. Kornpreis 27 Schilling.
Vom 23ten bis 25ten – Schöne Tage. Am 26ten Regen, am 27ten heiter. Die Gründe unten im Feld sind stark verdorben. Die Berge haben auch viel gelitten.
Bis am 28ten – Schöne Tage, am 29ten und 30ten mit Regen vermischt.
April
Am 1ten, Palmsontag – Weil es fast den ganzen Tag regnete, so blieben wir diesen Nachmittag in der Kirche und hielten die 7 Stationen, so wie es bey der Prozession zu geschehen pflegt. Zwischen jedem Gesang wurden 5 "Vater unser" und ein Gesatz aus dem Rosenkranz gebeten.
Am 2ten und 3ten – Schöne Tage, den 4. Regen, am 5ten und 6ten, als am Karfreitage, wüthet gräslicher Regen, von Sturmwinde begleitet, so daß dieses Jahr keine einzige Römerfahrt gehalten werden konnte. In den Köllnischen Landen wird alle Mittage von 11 bis 12 Uhr 6 Wochen lang für Leopold 2ten geläutet. Hier ist auch das bischöfliche Edict angekommen, allein, wir stöhren uns nicht daran.
Am 7ten klärte das Wetter sich auf. Am 8ten, Ostertag, ists ausserordentlich warm.
Vom 9ten bis 13ten – Sehr heiß. Den 14ten nordwindig trocken. Das Feld sieht schlecht aus.
Der König von Schweden, der große Gustav, ist im Merz auf ofenem Ball von dem Baron Ankerström mit einer Pistole ins Eingeweide geschossen worden und einige Tage darauf gestorben. Der Thäter will nichts bekennen. Es sind noch 111 Personen von Adel mit in Verhaft genommen worden, welche mit zu der Verschwörung gehören sollen. Bey dem lezten Frieden mit Rußland hat diese Monarchie den Gustav als Souverein anerkannt. Das besagte dem Adel nicht, und wird die Ursache seyn, das der grosse König und noch größerer Held im 47. Jahre sein Leben verlor. Am 14ten bis 17ten schrafes Wetter.
Am 18ten bis 20ten – Regen und Schnee und kalt. Es ist viel Haber gesähet.

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1792
Aprilis
Am 21ten hat es Eiß aufs Wasser gefroren. Kirschenblüh, Eschen- und Eichenlaub ist erfroren. Am 22ten Reif. Am 23. – bis 26ten sehr warme Täge.
Der Christian Moeurs, welcher heuer aus dem Gefängniß zu Worringen entwischte, hat unter dem Namen von Venlo einen Brief ans Thumkapitul zu Kölln geschrieben. Er drohet, Worringen in Brand zu stecken, wofern man ihm seine Frau nicht herausgiebt. Es hat sich aber befunden, daß der Brief zu Wesel aufgegeben worden war, und jetz schon sizt der Delinquent zu Wesel geschlossen. Und man erwartet, daß er ausgeliefert werde. Am 27ten warm und schön.
Am 29ten - Die heutige Gottestracht ware sehr glänzend und feyerlich. Das Wetter ware besonders schön, überflüssig warm. Den Nachmittag fanden sich viele Fremden ein, die bey Tanz und Spiel sich gütlich thaten.
Am 30ten – Der Hagelfeier war so festlich als gestern. Am Abend fienge es sanft zu regnen an, den wir izt so sehr bedörfen.
Es trefen izt wieder einige Österreichsche Regimenter zu Kölln ein, die alle über Bergheim und die Gegend umher sich zu den Spanischen Niederlanden hineinziehen, um die Gränzen vor dem Einfalle der französischen Patrioten zu sichern. Am 22ten dieses zeigten sich Kornähren.
Mey[110]
Am 1ten – Warm mit Regen. Am 2ten kalt nordwindig trocken. Am 3ten hat es die Nacht Eiß gefroren. Am 4ten bis 6ten naß und kalt.
Den 6ten – Heute um 4 Uhr ward nach gegebenem Seegen die Prozession nach dem Kreutzberge ausgeführt, welche noch voriges Jahr nach der Kirmes vollzogen wurde. Weil dann aber die nasse Witterung zu verdrieslich ist, so fand die Abänderung statt. Vor ungefähr 30 Jahren gingen sie auch um diese Zeit. Allein, damals wie izt waren nicht mehr als 60 Pilgrimme. Die Haaber ist auf 2 Reichstahler kommen, Korn verkauft man gerne um 1 Ducaten, aber es kömmt niemand.
Bis am 8ten – Anhaltend kalt, falsches Wetter. – Die französische Nazional-Versammlung hat dem König von Hungarn den Krieg angekündet, weil dessen Vater die französische Auswanderer im Reiche duldet und die alten Verträge nicht beobachtet. Wirklich sind einige Scharmützel vorgefallen.
Vom 9ten bis 12ten – Kalte Nächte mit Reif. Am 13ten etwas gelinder, am 15ten naß und angenehm.
Am 10ten – Ausserordentlich warm. Nach Mittag zohen einige Gewitter über uns, die einen erwünschten Regen hinterliessen. Am 17ten, als am Himmelfahrts-Tage, ware es dunkel, aber warm. Am 18ten Regen. Gestern blühte das erste Korn. Am 19ten sehr heis. Am 21ten zohe ein Gewitter vorbey, welches uns warmen Regen hinterließe. Dieses hat zu Oberaussem, Pulheim, Stommel, Roggendorf, das Worringer Espel, Fühlingen, Hittorf und hoch im Gebirg schrecklichen Schaden gethan. Es fielen Hagelsteine von 18 Loth. Ein Wagen unsers Posthalters ward im ledernen Überzug durchlöchert.
Haaber gilt 2 Reichstahler, Korn 4 ditto.
Dem schwedischen Königsmörder Ankerström ist erst eine Hand und dann der Kopf abgehauen. Verschiedene von Adel sind ihrer Ämter und Tituln entsetzet worden. Den 23ten reifte es die Nacht, im Tage heiter.

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1792
Mey
Am 24ten bis 26ten – Kalte, nasse Tage. – Der Mey hat uns diesmal keinen einzigen wahren Meytag geliefert. Nur einzelne sparsame Abendstunden waren schön. Am 25ten sind die Kühe in die Benden eingetrieben worden. Der Pfachttax ist 5 Reichstahler. Es bliebe noch eine Kuhweide übrig. Mithin ward der halbe Morgen aus den Gebrechen nicht verpfachtet, und folglich, weil nichts zu strafen war, so war auch nichts zu zechen. Die Nachbarn entschlossen sich also, einen halben Morgen Gebrechen, für Heu zu machen, an Peter Pannes zu überlassen. Dieser wird längst den Mehbenden abgemessen und zu 4 Reichstahler bezahlt.
Am 27ten, am Pfingsttage, ware es des Nachmittags angenehm. Am 28ten kalt.
Am 29ten – Regen. Am 30ten und 31ten ausserordentlich schöne Tage. Gestern gienge ich mit dem Schefen Steinberger in die Gegend von Bergheim. Vor Stommel ware schon der zehnte Theil vom Korn zerschlagen. Je weiter linker Hand, desto stärker ware der Schaden. Höher auf Fliesten ware alles total zerschlagen, Gerst, Korn und Sahmen, als wenn eine Armee darüber marschieret wäre. Auf einem Acker waren mehr denn 30 Menschen am mähen, binden und hinwegfahren, um zu trocknen. Einige bauen die Stoppeln in die Brach, andere bauen und sähen Sommergerst, Buchweitz und Erbsen darin.
Es war ein betrübter Anblick: hie auf einer Brachlagen ganze Haufen grünes Korns, dort standen Hausten getrocknet. Überall ward gemähet, was keine Frucht bringt. Büsdorf, Oberaussem, Bergheim und Ziverich ist nur an der linken Feldseithe getroffen. Allenthalben versicherte man uns, das Wetter habe schon hinten Eschweiler wie in diesen Gegenden alles verwüstet. Auch sagten mir viele, daß sie die Hagelsteine 5/4 Pfund schwer befunden haben. Es wären platte Schollen gewesen, rundum zackicht und inwendig ein schwarzer Stern, kurz: Solchen Hagelschlag haben wir bey Menschengedenk nicht erlebt.
Junius
Am 1ten – Sehr warm. Am 2ten fängt der Wallhover Halbwinner an, Sahmen zu schneiden. Am 3ten heiß, am Abend war ein dunkler, stinkender Nebel. – Zu Coblenz wird ein Magasin errichtet. Haaber gillt wirklich 2 Reichstahler 30 Stüber, Korn 4 Reichstahler 30. Am 4. hitzig.
Am 5ten – Dunkel. Am 6ten trocken, am 7., Frohnleichnamstag, sehr angenehm. Diese Nacht um 1 Uhr hatten Frefler sich erkühnet, die Kirche einzubrechen. Unten, wo die alte Thurm-Thur zugemauert ist, hatten sie in der Fenster so viel Scheiben herausgenohmen, um hindurch zu kommen. Das Loch ware zum Einsteigen bereit, als Dorfjungen über den Kirchhof kamen, die ihre Mädcher besucht hatten, welche versichern, etwas laufen gehört zu haben. Und so vermuthet man, das die Diebe hiedurch verjagt worden sind. Des Morgens stand noch ein Leiterchen an dem Loche, welches dem Orban Meissen zugehört. Ein Kolter vom Pfluge des Hermann Hambloch, welcher an der oberen Hellbüchelsgasse gestanden, lage dabey.'
Am 6ten bis 9ten – Kalt, naß und angenehm, nit Stunden, vermischt.

[102]

1792
Junius
Den 9ten – Regen. Es ist die Halbscheid Kappus gesetzt und der Wintersahme fast alle gemähet. – Heute kamen 7 Schiffe mit Anspachischen Truppen den Rhein hinab. Am 10ten bis 12ten abwechselnd kühl und naß.
Am 13ten bis 14ten – Wind und Regen treiben ihr Spiel in ausschweifender Wildheit. Der Rhein schwillt an und wird bald austreten, wenn's sich nicht ändert.
Am 15ten – Heiter und heiß, so am 16ten. Heute kamen 10 Kohlschife den Rhein hinauf. Ihre Ladung bestand in Preussischen Soldaten, Weibern und Kindern, vom Regiment Ekartsberg, welches bisher in Wesel lag und nun nach Bayreuth verlegt worden ist und über Opladen seinen Weg genommen hat.
Es wird viel Haaber zu 3 Reichstahler aufgekauft und nach Koblenz gefahren.
Am 18ten bis 21ten – Kalt mit kleinen Regenschauern. Am 15ten dieses ist die zu Worringen eingehaftet gewesene Frau des Christian Mörs aus dem Gefängnis entwichen. Sie hatte die Schlösser durchgefeilt und den Zeitpunkt morgens 5 Uhr benuzt, als die Wächter abgegangen waren, ehe die neue da waren.
Am 23ten und 24ten – Schöne Tage. Die Früchten wollen etwas abschlagen, weil eine Menge Preussischer Fruchtschiffe den Rhein hinauf kommen.
Am 22ten ist der berühmte Bandit Kristian Moers unter einer Bedekung von 6 Husaren in Zons eingebracht worden. Er saß auf einem Pferd, die Füße waren unten dem Pferd zusammen geschlossen, und ist im Judenthurm herabgelassen worden, wo der eine sich diesen Winter mit einem strohernen Seil erlöset hat.
Vom 25ten bis 30ten – Heisse Tage mit fruchtbarem Regen. Der Stein Woll wird zu 8 Reichstahler speties verkauft.
Julius
Am 1ten – Angenehm Wetter. Am 2ten kalt, am 3ten wärmer. – Heute ist zu Zons der Schmits Jacoben Sohn gestorben. Er wurde am Sontag nachts geschlagen. Die Geschichte ist diese: Er hatte ein Mädchen 6 Jahre lang geliebt und liebte sie noch. So saß er dann, weil der Abend schön war, mit noch einigen seiner Gespielen vor des Nachgängers Thüre, wo das Mädchen wohnte, die ihm Gesellschaft leistete. Conrad Schoch, Sohn des Peter Schoch und Agnes Sand, hier aus Dormagen gebürtig, wohnte auf der Zonser Mühl als Junge und sahe auch das Mädchen gern. Den Abend ware er etwas betrunken. Als er jenes Beysammenseyn vernahm, erwachten Eifersucht und Rache in seinem Busen. Er gienge mit andern hin, machte etwas Lerm, das auch so viel früchtete, daß das Mädchen zu Bette gehen muste. Conrad wollte nun zur Mühle schlafen gehn. Seine Gegner kamen ihm aber zuvor. Er flüchtete in Begleitung anderer sich wieder in die Stadt. An der Paterkirche kamen beide Parthien zusammen. Conrad ware unbewafnet, der Schmidt aber hatte eine Kar-Runge, womit er nach dem Conrad schluge, der ihm aber das Holz aus den Händen wand und ihme einen Schlag aufs Haupt anbrachte. Nun verstärkten sich beyde Parthien. Es ward heftig geschlagen, wovon dem Schmit aber das Meiste zu Theil ward, der sich nun zu Bette begab, ohne daß seine Mutter etwas davon vernahm.

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1792
Julius
Am andern Morgen (es ware gestern, am 2ten Julius), als es schon späth war, hörte die Mutter, daß die Nacht geschlagen wurde. Sie erinnerte sich ihres Sohnes, den sie in noch zu Bette und sprachlos im Blute fand. Sogleich wurden Ärzte herbeigerufen, aber alle Hofnung zum Leben ware dahin. Ein Schlag auf den Kopf ware tödlich, ein anderer aufs Herz hatte die Brust hoch aufgeschwellet. Die Finger waren an einer Hand zerschlagen, und da der Kranke ohne Sprache war, so durfte der Pastor ihm nur die lezte Oehlung geben. Der Conrad Schoch flüchtete sich hiehin, wo er so lange bleibt, bis im Städtchen zum Todten geläutet wird. Der Kranke lebte durch kaum sichtbare Zuckungen noch bis heute, den 3ten, wo er im Mittage verschied.
Conrad erwarte die Nacht, welche seine Flucht decken wird. Nun ists doch hart für den jungen Menschen, der in seinem 20sten Lebensjahre wieder seinen Willen zu diesem Unglück gekommen ist. So wie der heutige Tag sich neigte, näherte sich immermehr der Augenblick, wo er scheiden und sein Vaterland, Freund und Anverwandte wahrscheinlich auf ewig verlassen muß. Im dunkeln Abend sagte er seinen Schwestern "Lebe wohl". Dann fiel er mit ausgestreckten Armen und starrem Blick gen Himmel auf die Knie und betete, ob's nicht möglich wäre, den bittern Kelch des Scheidens von ihm zu nehmen. Aber es durfte, konnte nicht seyn. Er muste fort und wäre es noch so hart gewesen. Nun wird dem Conrad freyes Geleith verschafet werden, damit er sich vor dem Gericht rechtfertigen kann, denn als er den ersten unglücklichen Schlag gethan hatte, warf er das Holz weg und flohe. Und da der Verstorbene 5 tödtliche Schläg erhielt, so haben wahrscheinlich des Conrads Kameraden ihm diese versezt.
Am 3ten – Heut Mittag kamen 800 Preussen vom Regiment von Woldek aus Minden in Monheim an, wo sie übernachten. Ich fuhr hinüber, in Begleitung des Scheffen Sturm, Jacob und Joann Steinberger und meines Bruders Jacob Delhoven. Es waren schöne junge Leuthe, von artiger Lebensart und auszeichnender Mannszucht. Am 4ten schön Wetter.
Am 5ten und 6ten – Regen. Am 7ten dunkel, am 8ten sehr heiß.
Am 9ten – Heut ist das erste Korn gehauen worden. Am 10ten anhaltende Hitze. Am 5ten dieses ist Franz, der Ungarn König und Erzherzog von Oesterreich, zum Römischen Kayser erwöhlt worden. Am 11ten und 12ten heiß.
Am 13ten – Kühl. Am 14ten heiß mit durchdringendem Regen. Kornpreis 4 Reichstahler 1 Schilling.
Am 17ten – Es war ein schwüller, sehr heisser Tag, drauf folgte eine fürchterliche Nacht. Schon mit dem dämmernden Abend stiegen Gewitter-Thurme herauf, in West und Norden. Dies zog sich zusammen in eine weite Wolke. Um Mitternacht dumpf rollten Donner, und ringsumher erleuchtete der Blitz den pechschwarzen Horizont in unermeslicher Ferne, dann immehr näher und schröcklicher, bis es sich zertheilte, dann oben und neben uns mit majestätischem Krach hinabfiel und sich immer ferner und endlich kaum hörbar hoch im Gebirge sich verlohr. In der Kirche ward geläutet, und die Bewohner des Dorfs

[104-107] ["Kaiserliche Reichs-Ober-Postamts-Zeitung zu Köln" Nr. 131, 1792.]

[108]

1792
Julius
beteten mit ängstlicher Andacht in ihrem Kämmerlein fromme Gebete. Ströme von Blitz und Feuer kreisten durch die Luft und erhellten die finstere Nacht, die dann wieder schwärzer und gräslicher wurde. Dabey regnete es einem Wolkenbruch ähnlich. So häufige Blitzstrahlen sähe ich noch nie mein Leben lang.
Es ward wieder ruhig, und die Nachbarn löschten die Lichter aus. Kaum war alles in süssem Schlummer eingewiegt, als ein doppelt bohler Donnerknall herniederfuhr und den allgemeinen Schlaf in ängstiges Wachen verwandelte. Ich sprang auf und ans Fenster, weil ich einen Einschlag vermuthete, das aber nicht war. In der Kirche ward wieder geläutet, und die bange Andacht begann von Neuem. Plötzlich erhob sich der Westwind und truge die Schröcken verbreitende Wolken hastig vorüber. Zu Horm die Linde vor dem Dorf ward in der Spitze vom kalten Blitz getrofen, den sich um den Baum hinabschlängelte und sich in der Erde verlor. Die Schaale ist allenthalben gelöset, und die Splitter waren ringsumher verbreitet.
Am 18ten – Heiß. Es ist neues Brodt gebacken und Weiden gebaut.
Am 20ten-[2]1 und 22ten – Sturmwind mit Regen. Die Korngäste jagen alle um.
Am 23ten – Warm und trocken. Es wird langsam eingefahren. Am 24ten stärker. Das Korn ist unten im Feld sehr schlecht, und oben ist viele Reiff darin. – Der neue Kayser ist am 21ten bey dem König von Preussen zu Maynz gewesen. Die Preussische Armee, 52.000 Mann stark, steht in und um Koblenz. Die Franzosen fahren fort, ihren König zu beschimpfen und ihn wie einen Gefangenen im Schloß zu bewachen. In ersten Tagen wirds drauf los gehn. Kornpreis 11 Gülden.
Am 25ten – Schön Wetter. Es ist den Leuthen mit dem Einscheuren noch nicht ernst, denn es geht schläfrig zu. Am 26ten Regen, am 27ten bis 30ten anhaltender Regen. Es steht noch viel Korn fest, und das, was auf der Erde liegt, fängt an zu wachsen. Heu gillt das 100 Pfund 45 Stüber, Korn 11 Gülden, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber. Am 31ten sehr heiß.
August
Am 1ten ist wieder eingefahren worden. Am 2ten und 3ten große Hitze.
Die Preussische Truppen sind von Koblenz auf die französische Gränze gezogen. Kornpreis 4 Reichstahler, Haaber 3 ditto.
Am 4ten – Heiß. Am 1ten dieses ist an der Kirche mit dem Weissen angefangen worden. Die lezte Renovation geschah 1779 und die davor anno 1723. Das Korn ist bald alle herein. Anhaltende Hitze bis am 12ten.
Am 13ten – Zu Düsseldorff sind neue 2- und 3 Stüber-Stücke geprägt worden. Die Preußischen hingegen von 1, 2 und 3 Stüber sind verrufet. Kornpreis 4 Reichstahler, Sahm 9 Reichstahler 10 Stüber.
Am 15ten – Anhaltende Hitze. Am 16ten und 17ten dunkel, am 18ten Regen, so auch am 19ten. Die Prozessionen nacher Kevelaer sind dieses Jahr sehr stark. Das thut, weil um das 150ste, nehmlich das 3te Jubeljahr, gefeyert wird.
In Frankreich geht es noch immer traurig zu. Ein Beweis davon gibt die beyliegende Zeitung. Die Preussen stehn an der Gränze. Der Herzog von Braunschweig ist Generallissimus über die Keiserliche, Prinzische und Preussische Armee. England und Holland sind noch neutral. Man vermuthet aber, daß sie bald der Coalition beitreten werden. Spanien und Sardinien rüsten sich gleichfals.

[109]

1792
Augustus
Am 20ten – Regen. – Der König von Frankreich ist nun vollends abgesetzt und als ein Verräther des Vaterlands in einen Thurm, wo sonst Bankrotierer gesezt werden, eingehaftet und wird stark bewacht. Am 21. und 22ten Regen.
Am 23ten – Dunkel, warm, so auch am 24. bis 26ten. – Am 27ten Regen.
Der Conrad Schok wird in der Reichszeitung edictaliter abgeladen, um sich über den am Jacob Stelzman in Zons verübten Todtschlag am 2ten Julius dieses Jahres in Zeit von 6 Wochen zu rechtfertigen. Wie ich höre, so wird freies Geleith für ihn bewirkt. – Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber. Bis am 31ten vermischt Regenwetter, warm und zuweilen Sonnenschein.
September[111]
Am 1ten – Heiß. Am 2ten Regen, am 4ten heiß, am 5ten viel Regen. – Es steth noch eine Menge Haaber draussen. Wir hofen gutes Wetter. Die vereinigte Preussische und Keyserliche Armee hat Longwi oder Longwick eingenohmen und die Besatzung zu Kriegsgefangenen gemacht. Der Herzog von Braunschweig ist Generallissimus über alle Truppen, die gegen Frankreich stehen.
Am 11ten – Es ist ein betrübtes, armseliges Wetter; immer Regen mit abwechselnd warmen Stunden und dann wieder Regen, Tag und Nacht. Die Haaber ist noch lange nicht alle herein, Buchweitz und Bohnen noch fast keine. Alles fängt zu wachsen und zu faulen an. So habe ich's noch nicht erlebt. Wenigstens kann ich mich dessen nicht erinnern. – Die Feldmäuse finden sich allmälig wieder ein, und der Rhein beginnt merklich zu wachsen. Das Saamen Korn steth auf 5 Reichstahler, das andere etwas drunten. Auch wird die neue Haaber zu 20 Schilling verkauft. Das Heu hingegen ist bis auf 40 Stüber hinuntergekommen.
Am 16ten – Es ist noch immer elendes Wetter. Gestern schmeichelte es zwar ein wenig, drauf folgte aber eine stürmische Nacht. Es ist noch wenig Land zur Sath gebauet, und wenn's gut wird, dann muß die Sommerfrucht zuerst herein. – Die Preussen und Keyserliche werden von den französischen Patrioten öfter zurückgeschlagen. Hingegen ist jetzt Longwi, Brienne, Sedan und St. Amand in ihren Händen.
Am 17ten – Schon gibt es kalte Nächte und doch Regen im Tag. Die vereinigte Armee beschießt Diedenhoven mit Bombarden und glühenden Kugeln.
Am 20ten – Nach Mitternacht um halber zwey ward diese Nachbarschaft in einen lebhaften Schrecken versezet. Gegen mir über hatten Diebe in die Stube des Joan Wilhelm Verhagen eingebrochen und wollten durch ein Fensterchen in den Winkel einsteigen, wo das Ellenwaaren-Lager war. Die Kerls waren so dreist, dass sie sogar ein Licht angezündet hatten, welches Verhagen sogleich erblickte. Noch sähe er einen da stehn, beschäftigt, die geräumige Öfnung zu erweitern. Mit Geschrei sprang er auf. Alsbald riefe die Magd oben aus dem Dachfenster um Hilf. Die Stubenthür ware von Innen verriegelt. Verhagen sprang an der Thüre hinaus, zerbrach die Pforte des Peter Schock, worunter die Oefnung war, aber von den Dieben liesse sich

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1792
September
keine Spur mehr sehen.
3 Hemder, welche in der Stube lagen, nahmen sie nur mit, und ließen 2 eichene Stöcke mit ledernen Riemen da stehen. Man vermuthet doch, daß es Einheimische gewesen sind.
Am 22ten – Zwey Täge ware es gut, drauf regnet es wieder Tag und Nacht. Kornpreis 15 Gülden. Am 23ten bis 26ten vermischt und Regen.
Am 27ten bis 28ten – Trocken. Am 29ten heiter. Am heutigen Michaeli-Tag waren verschiedene Fremde hier, die an dem vollkommenen Ablaße Theil nahmen. In allem haben an an diesem Tage 560 Personen gebeichtet. Die Prozession ware sehr zahlreich. Am Schwanen schenkte die Wittib Schefen Peter Sturm einen schweren vergöldeten Pfenning.
October
Vom 1ten bis 7ten – Trocken schöne Tage. Der hiesige Schneidermeister Thomas Müller kame heute von Neus zurück. In dem Grunde diesseits Grimmlinghausen fiele er unter die Mörder, die ihm das Messer auf die Brust sezten und seine Habschaften foderten. Drauf fienge er zu schreien an und entwande sich aus ihren Händen. Vier Holländische Söldner, die auch dieselbige Straße hinabzohn, eileten herbey und retteten ihn. Die Strassenräuber nahmen seinen Hut und flohen davon.
Am 8ten – Heut ist Conrad Schock (siehe am 3ten Junius) unter freiem Geleithe hier angekommen, um sich vor dem Gerichte zu Zons zu verantworten. Kornpreis 5 Reichstahler, Sahmen 10 Reichstahler, Haber 22 Schilling.
Der Herzog von Braunschweig rückt mit 150.000 Mann ganz nahe auf Paris. Hingegen haben 20.000 französische Patrioten einen Ausfall gewagt. Speier und Wormbs ist in ihren Händen, wo sie starke Brandschatzungen begehren.
Am 12ten – Regenrich. – Die Unternehmungen der vereinigten Preussischen und Keiserlichen Armee wieder Frankreich scheinen nicht glücklich abzugehen. Der Herzog von Braunschweig ist wirklich auf dem Rückzug begrifen, und die Franzosen zu Speyer erhalten immer neuen Zulauf.
Am 14ten, Kirmes[112] – Es regnete ohn Unterlas den ganzen Tag. Deswegen waren der Fremden wenig. Im Schwanen, bey Schefen Steinberger im Anker, bey Mathias Schmitz im Goldenen Stern, bey Peter Pannes im Bäumchen, bey der Wittib Kupper im Rothen Leuen ware Musik.
Am 15ten ware es erträglich gutes Wetter, doch kame am Abend ein Donnerwetter mit entsetzlichem Regen.
Am 19ten – Diese Täge war’s immer mit etwas Regen vermischt. Die Musik und der Tanz währeten die ganze Nacht hindurch bis heute, Freitag morgens.

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1792
Octobris
Am 23ten – Die Preussen, Keyserliche und Hessen sind so von den Franzosen zerschlagen, daß sie sich nicht mehr helfen können. Sie retiriren noch immer zurück ins Trierische hinein. Dagegen vermehren sich die Patrioten am Oberrhein so sehr, daß man ihre Zahl auf Hunderttausend angibt. Sie haben wirklich Maynz eingenohmen und wollen auf Coblenz. Deswegen sind izt 100 Pferd mit 18 prächtigen Wagen des Kuhrfürsten von Trier hier, welche übernachten. Sonst folgt ein Wagen dem andern. Alles flieht tiefer hinab. Wahrscheinlich kommen auch die Franzosen hieher. Kornpreis 5 Reichstahler.
Am 24ten – Schönes Wetter. – Der Rhein ist mit Schifen bedeckt. Alles flieht von oben herab. Die Köllner werden auch loß. Heute sind 79 vier- und zweyspännige Wagen hiedurch gekommen, die viele Karrigen mit Geld und Silberwerk ungerechnet. Auch kamen in 24 Stunden Zeit 9 Stafetten. Die Preussen haben Verdün und Longwi den Franzosen überlassen.
Am 26ten und 27ten – Anhaltend trockenes Wetter. – Der Adel und die Geistlichkeit fliehen noch häufig hiedurch auf Düsseldorff und Neus. Vor ein Bauernpferd wird bis Düsseldorf ein Kronenthaler Postgeld bezahlt, welches viele verdienen. Auch kommen noch immer Karrigen mit Pretiosen.
Am 28ten – Die vereinigte Armeen rücken an. Die Franzosen stehn zu Bingen und werden nicht tiefer hinab ziehn. So hört auch nun das Auswandern auf. Am 29ten Regen. Am 30ten angenehm. Der geflüchtete Adel aus Kölln und den obern Rheinstädten kehrt nun wieder nach Hause. So hatte sich auch die Bönnische Kanzley in Zons bey Meyer zum Hirschen in Activitaet gesezt. Der schreibenden Herren sind 18. Doch gehn sie bald wieder nach Bonn, weil die Hessen und Preußen schon in Coblenz eintrefen. Die Franzosen sind abgewichen ins Hessenland, wo sie die Stadt Hanau einzunehmen gedenken, von der hessischen Besatzung aber viermal zurückgeschlagen worden.
November
Vom 1ten bis 4ten – Kühl und trocken. Kornpreis 5 Reichstahler 3 Stüber.
Am 8ten – Es ist gewünschtes Wetter für’s Feld. Wegen dem vielen Regen fiengen wir dieses Jahr späther zu sähen an. Mithin konnte dafür dieses schöne Wetter nicht nützlicher seyn. Da nun die äusserliche Arbeiten allmälig aufhören und der Reiz der Natur sich vollends seiner Zerstöhrung nahet, so fängt das Kriegen hinter den Stubenöfen wieder an. Obschon die Franzosen sich nach Maynz hinaufziehn und die vereinigte Armee am Rhein ankommen, so sind wir hier noch nicht außer Sorgen, weil man vernimmt, daß eine ungeheure Menge Franzosen aus dem Herzen von Frankreich zu den Rheinufern im Anmarsch sey, welche wahrscheinlich die Preussen und Keyserliche zum weichen bringen würden, und dann könnte leicht diese Gegend zum Kriegstheater werden. Übrigens begegnen die Franzosen den Landleuten um Maynz mit Lieblichkeit und Güte.

[112]

1792
November
Am 12ten – Die Stafetten und die Post gehn sehr stark, so daß die Einwohner viel Geld verdienen, weil der Posthalter keine Pferd genug hat. Die Franzosen stehn zu Maynz und die Preussen zu Coblenz. Die Keyserliche stehn in Brabant, vor Mons ist ein blutiges Trefen zum Nachtheil der Keyerlichen vorgefallen. Die Franzosen haben Mons eingenohmen. Das Malder Korn gilt an 6 Reichstahler. Alles schlägt auf.
Am 17ten – Es ware einige Tage windig-kühl, doch trocken. Die Saath im Felde sieht sich vortreflich an, Wenn wir sie nur ruhig einscheuren. In dem Trefen vor Mons sind 15.000 Österreicher und Franzosen geblieben. Die erstere ziehen sich schon hinter Brüssel zurück. So glaubet man, daß die Franzosen nach der gänzlichen Einnahme Brabants den Rhein hinauf zu uns kommen werden, weil auch der Befehl von Düsseldorff hier eingegangen ist, auf die Landstraßen an die Gränzen Pfähle zu setzen, mit der Ueberschrift: "Kur-Pfalz, Herzogthüm Gülch"[113]. Haaber 26 Schilling[114]. Am Damme ist eine kleine Verhöhung auf der Krone gemacht worden. Es fängt am Monheimer Wege an und endiget sich am Bodenkreutzer Weg. Das Ganze ward ruthenweis an Schefen Jacob Sturm, Schefen Friderich Steinberger und Vorsteher Joan Langel vergantet.
Am 23ten – Kälterich Wetter, zuweilen naß. Die Franzosen haben ausser Löven, Antwerpen und noch etlichen Städten ganz Brabant eingenohmen. Die Prinzenarmee steht im Lütticherlande. Heute sind hier 2 Pfähle, welche das hiesige Territorium anzeigen, gesezt worden: Einer steht auf dem Damme und der andere auf der untern Grenze in der Gegend des Zonser Galgens. – Die Arrestanten sitzen noch zu Zons.
Das Korn schlägt etwas ab. – Die Preussen stehn zu Koblenz.
Am 25ten – Heute hat es sich zu erst an’s Frieren gegeben, am 26ten etwas stärker. Weitzen gilt 5 Reichstahler 5 Schilling, Haaber 25 Schilling.
Am 26ten – An den Grenzpfahl oben auf dem Damm hatte ein Spaßvogel einen Arm in Form eines Wegweisers angebracht: Ein Finger wiese auf Knechsteden. Die Aufschrift war diese: "A[btey] KNEGSTEIN, grand ecu" – welche durch den Vorsteher Langel weggenohmen wurde.
December
Am 1ten – Dunkel, kühl und naß. – Es stehn uns große Dinge vor. Um Neujahr werden wir viel mehreres wissen, und vielleicht werden wir schon in dieser Zeit manche kummervolle Stunde erleben. Die Österreicher haben nun ganz Brabant und Lüttich verloren. Als die Armee so viel Kreuz und Wiederwärtigkeit erlitten hatte, erlosch Muth und Unerschrockenheit in den sonst so glühenden Kriegern. Anfangs wiederstunden sie den Franken. Als sie aber allenthalben geschlagen wurden, sagten sie ihren Führern, daß sie nicht mehr fechten wollen. Wirklich sind 60 Wagen Blessirte in Kölln angekommen, und diesen Nachmittag rückte die Keyserliche Ritterschaft, welche noch mit dem Leben davongekommen sind, in Kölln ein. Nun steht den Franken der freye Eingang zu uns offen, welche wirklich in Aachen sein sollen.

[113]

1792
December
Am 2ten – Frostig. Heut Mittag kame ein 30 Mann starke Abtheilung Bönnische Soldaten hier an. Sie assen in Wirthshäusern für Geld zu Mittag und giengen nach Münster.
Am 3ten – Heut kame die Bagage des Kurfürsten von Kölln hier an; 12 Wägen mit 80 Pferden. Am 4ten folgte die Bagage der Gouvernantin aus Brabant, welche wie die gestrige hier übernachtet haben. Zu Nivenheim schliefen diese Nacht 300 Ausgewanderte, welche nun alle von der Armee abgedankt sind und sich gleichfals durch die Welt betteln müssen. In ihr Vaterland dörfen sie nicht zurückkehren, weil die Nationalversammlung die Todesstrafe über die verhängt hat.
Am 7ten – Es hagelt und stürmt mit Schnee und Regen zügellos durcheinander, als wenn die Welt vergehen wollte. Die Saath im Feld sieht sich vortreflich an. Die Früchten steigen, weil zu Deutz ein Magasin angelegt wird. Das 1000 Pfund Heu wird zu 13 Reichstahler und drüber verkauft, schlecht oder gut, wenn’s nur Heu ist, Korn das Malder zu 3 Kronenthaler, Haaber zu 11 Gülden. Indessen schliesset sich der Krieg sich immermehr rings um uns her zusammen. Brabant ist nun vollends in den Händen der Franzosen. Die Keyserliche Armee steht zu Aachen und schicket unablässig ihre sehr elendig Verwundete über die Bergheimer Straß auf Kölln, wo sie in den Stiftern und Klöstern aufgenohmen werden. Bergheim und die Gegend umher ist hart mitgenohmen durch die anhaltende Züge, so daß in einem Hause oft hundert Soldaten essen und schlafen musten. Mühlheim, Hittorff, Monheim, Baumberg – allenthalben lieget es voller Keyserliche, und wir bleiben noch immer frey.
Es sind noch 3 Grenzpfähle mit der bekanten Aufschrift "Kurpfalz"[115] gesezt worden: Einer steht an Sassen, einer vor dem Hormer Heilgenhäusgen und der andere an dem Lymittenstein auf dem Zonser Damm.
Am 18ten – Es friert zuweilen, doch meistens nur eine Nacht, dan ändert sich wieder. Indessen haben wir an Sturmwind und Regen keinen Mangel, so daß wir eine Rheinüberschwemmung fürchten.
Die Keyserliche Armee aus Brabant steht noch in der Gegend von Bergheim. Aus dem Jufernkloster Königsdorf sind die Nonnen auf Kölln entflohen. Die Keyserliche hausen da sehr übel. Auch in der Abdey Brauweiler haben sie ihr Wesen schon viele Wochen lang und lassen sich auf Kosten der reichen Mönche sehr wohl seyn. Nun kömmt eine Kolonne Franken von unten auf. Xanten, Geldren, Creifeld sind so wie Erkelenz und Aachen von Franzosen besezt. Der König von Preussen ist noch immer zu Coblenz und Frankfurt. Das Malder Korn wird um 6 Reichstahler gegeben, Haber 28 Schilling. Man ist schon bedacht, die besten Sachen zu verstecken; aus Furcht der Franzosen nicht so sehr als der Keyserlichen, deren noch eine starke Abtheilung zu Grevenbroich stehen, die leicht hierüber auff Kölln gehen dörften.

[114]

1792
December
Am 27ten – Es ist noch immer regenriches, zuweilen angenehmes Wetter. Wegen dem anhaltenden Sturm und Nässe ward der Rhein gereizt, seine Ufer zu uebebersteigen und sich hier ums Dorf bis über die Köllnische Straße auszudehnen, doch fällt es izt wieder allmälig fort. – Ich hätte es nur nicht vorgestellt, daß wir noch so lange von Soldaten frey geblieben wären. Die Franzosen haben das Klevische Land sehr hart gebrandschatzet und sind wieder fort auf Ruremönd. Gülich haben sie dreymal aufgefodert, worauf der Commendant antwortete, daß, weil sein Hof die genaueste Neutralitaet beobachte, so könnte ersteres nicht statthaben. Das Keyserliche Haubtquartier steht noch zu Bergheim. Die Gegend umher wird rein ausgefressen, so daß Menschen und Vieh wahrscheinlich Mangel leiden werden. – Das Malder Korn steht noch auf 6 Reichstahler, Haber 1 Ducat.
Zu Zons bestand die Garnison bisher aus zwölf Soldaten und einem Wachtmeister, welche am Rheinthore schildwachteten. Diese sind nun abgedanket worden. – Diese Nachricht ist irrig. Nur ist den Soldaten bedeutet worden, daß, wenn fremde Truppen einrücken sollten und hiedurch leicht Unordnung unter jenen und der Zonser Besatzung entstehen könnte, so sollten sie einstweilen Aufschläg, Knöpf und Kragen von ihren Röcken absöndern und alle militärische Zeichen vermeiden.
Am 31ten – Es scheint, als ob wir keinen Winter haben sollten. Es ist noch angenehmes Wetter. Der Rhein hat sich wieder in sein gewöhnliches Lager zurückgezogen, und die Sath last vieles hoffen.
Diesen Nachmittag kamen vier Keyserliche Reiter mit 3 Weiber hier an. Sie bleiben hier liegen, um Ordonanzen und Stafetten fortzubringen. Es sind sehr artige Leuthe, und man vernimmt izt von guter Hand, daß die Keyserliche so übel nicht sind, als man sie anfangs geschildert hatte. Heu wird für die Keyserliche Armee zu 20 Reichstahler das 1.000 Pfund gekauft und das Malder Haaber zu 4 Reichstahler. Korn steth noch an 6 Reichstahler, Gersten 4 und der Rabsahm eine Karolin.

1793

[115]

1793
Wer sollte das gedacht haben, vor einem Jahre, daß wir um diese Zeit der Kriegsbühne so nah wären? Es ist so weit gekommen, daß man mit keinem Finger in die Runde weisen kann, wo nicht nahe und fern streitende Krieger zum Kampf bereit stehen. Stommeln ist nun auch mit einigen Hunderten besezt, und im Bergischen wimmelt es von frischen Preussen, die ihrem König zur Hilfe eilen. Dennoch geniessen wir bis auf diese Stunde süsse Ruh. Daß wir im angefangenen Jahre in ihrem ungestöhrten Besitz verbleiben sollten, scheint unmöglich zu seyn. Die große Furcht vor den Keiserlichen ist auch zum Theil verschwunden, seitdem man erfahren hat, daß, wenn sie bey ordentliche Menschen kommen, sie sich auch ordentlich betragen. – Die Nationalversammlung zu Paris hatte schon vor langer Zeit ein Edict ergehen lassen, daß jeder Bewohner Frankreichs den neuen National-Eid, dem Gesätz und der Constitution getreu zu bleiben[116], ausschwören sollte. Da nun verschiedene Artikul des neuen Gesätzes geradezu dem Pabst und der katholischen Religion wiedersprechen, so weigerten sich gute Priester zu schwören. Man untersagte ihnen, den Gottesdienst zu halten, und ernannte endlich neue Bischöfe, neue Pfarrer und Subalternen an ihre Stelle. Die liegende geistliche Güter wurden eingezogen und den neuen Priestern eine jährliche Löhnung abgereicht. Die von ihren Ämtern verdrängte und zum Bettelstab herabgewürdigte Priester musten nun auswandern und kommen hier durch. Vor 8 Tagen kamen zwey von diesen abgesezten Pastoren im Dunkeln vor hiesiger Pfarrwohnung an. Der Pastor, der ohnehin kein Freund von armen Fremden ist, ließe sie durch seine Köchin abweisen. Die Art, womit dies geschah, mocht wohl etwas grob seyn. Sie waren von Knechsteden herabgekommen, wo der fromme Kellner ihnen aus kristlicher Milde 27 Stüber verehrte und sie mit der feinen, zu des reichen Klosters Nutzen wohlgemeinten Warnung abspeisete, daß die Franzosen nur 2 Stunde vom Kloster entfernt wären. Denen nun zu entgehen, müsten sie sich eiligst über den Rhein begeben. In dieser Stimmung kamen sie hier an.
Es ware ein stürmischer Abend, als dieses vorging. Regen, Schnee und Wind trieben ihr Spiel in zügelloser Wildheit. Alle Unbequemlichkeiten der Elementen schienen sich verbunden zu haben, die müden Wanderer zu quälen. Da standen die beide arme Herren durchnäßt vor dem Eingange des Pfarrhofes und hielten einen Rath, wo sie die Nacht ihr Haupt niederlegen sollten.
Der gegenüber wohnende Schefen Steinberger vernahm ihre traurige Rede, gienge zu ihnen und nahm sie auf in seyn Haus, pflegte ihrer mit

[116]

Januar[117]
allem, was stärken und trösten konnte.
Den folgenden Sontag versammelte sich eine angesehene Gesellschaft in dem Steinbergischen Hause, und man wurde eins, eine milde Beysteuer beysammen zu legen. Der Schefen Sturm gabe ausser einem Geschenk an Geld noch Wollenstof für ein Unterwest. Der Posthalter eine Krone, Joan Hambloch 1 Kron, Herman Hambloch eine halbe Kron, ein Reisender ½ Kron, Joseph Sturm ½ Kron, Jacob Steinberger einen Gulden, Joann Steinberger ein halbe Kron, der Chirurgus Eller 30 Stüber, ich selbst eine Krone. – Der Schefen Steinberger hielte sie noch einen Tag bey sich, während daß Jacob Steinberger mit mir nach Zons giengen, um sie dort bey den Zollherrn zu empfehlen. Am Kristabend schieden sie mit Tränen der Freude und Dankbarkeit von hier auf Nivenheim. Der dasige Pastor hielte sie die Feyertäge bey sich, lies ihre Kleider bessern und machen, gab dann jedem eine Krone mit auf die Reis. Und so kamen sie in Zons an. Der dasige Professor der lateinischen Schuhle, Hr. Sourilliot, führte sie ins Zollhaus, wo sie lieb und werth waren. Am Sontag kamen die beyden Herren noch einmal hieher, um uns zu sagen, wie glücklich sie wären. Im Zollhause haben sie alles, was sie verlangen, und werden bey allen Freunden des Herrn Zollverwalters empfohlen, so daß sie, mit Geld und allen Bedürfnissen versehen, dem Ausschlag des Krieges ruhig entgegen sehen.
Am 3ten fienge es ein wenig an zu frieren, den 5ten stärker.
Am 6ten trat etwas Schnee ein, drauf erfolgte Regen. Es ist so viel Eis im Rhein, daß eine Person 8 Stüber Fährgeld zahlen muß. Am 7ten und 8ten wieder Frost. – Das Heu ist noch entsetzlich im Preise. Die geringe Leuthe verkaufen das in den Stoppeln und was mit der Egge Herausgebrachte pro 100 Pfund zu 1 Reichstahler. Das Keyserliche Hauptquartier steth noch zu Bergheim. Stommeln ist noch besezt.
Am 8ten – Schnee und Frost. Am 10ten stellte sich mit dem Abend Schnee ein, der sich zulezt in Regen verwandelte. Am 11ten fror es wieder. Gestern kamen 9 Düsseldorfer Soldaten auf Werbung hieher. Sie müssen 6 Wochen hier bleiben, werden bilettirt gegen Zahlung, welche die meiste Einwohner ihnen schenken, und verändern alle 8 Tag ihr Quartier.
Am 17ten – Anhaltender Frost. Das Malder Korn gillt 6 Reichstahler 30 Stüber, Haber 4 Reichstahler 30 Stüber, 1.000 Pfund Heu 25 Reichstahler zu Köln in der Stadt.
Am 20ten stellte sich wieder Regen ein. Im Gohtischen herscht izt eine Windstille. Preussen sizt in Frankfurt, Custine in Maynz, Clairfait in Bergheim und der junge Keyserbruder Prinz Karl in Kölln.
Die Früchten steigen: Korn 7 Reichstahler, Weitzen nur 6 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 5 Reichstahler, wildes Kleeheu das 1.000 Pfund 2 Karolin.

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1793
Am 21ten, Montag – Das gestern eingefallene Sebastianus-Fest ward heut gefeiert.
Am 22ten – Abends 8 Uhr kamen Quartiermeister vom Keyserlichen Infanterieregiment von Esterhazi hier an. Am 23ten um 12 Uhr mittags rückten wirklich 300 hier ins Dorf ein. Auf den Wallhover Hof wurden 32 Gemeine und 1 Offizier gelegt, Rheinfeld bekam deren 25 auf den Hof und nach Masgab mehrere ins Dörfchen. Hier im Schwanen der Oberst, bey Schefen Steinberger der Feldpater, bey Herman Delhoven der Hauptman Graf von Manz, bey Thomas Delhoven der Hauptmann Patsani, im Posthaus ein Major, im Pflug ware das Lazareth, bey Peter Pannes die Arestanten und bey Jacob Cremerius die Wachtstube. Am 24ten ware Rasttag und am 25ten brachen sie morgens von hier auf nacher Grevenbroich. Bessere Mannszucht und schönere Ordnung kann in Europa nicht anzutreffen seyn als bey diesen Hungaren. Die Einwohner haben sie herrlich bewirthet und sich nichts zahlen laßen. Der Abschied ware rührend, und die Einwohner wünschen, daß diese Völker den Winter durch hier bleiben mögten. – Angenehmes Wetter.
Ich war schon zu Bette gegangen, als mich der Schefen Steinberger noch zu sich rufen lies, um die heutige Extra-Zeitung zu lesen, welche die schon lange gefürchtete Nachricht vom Tode des Königs enthielt. Seit dem 10ten August 1792 ward der König, seine Schwester, die Königin und die beyde Kinder im Tempelthurm, einem ehemaligen Kloster der Tempelherren, Tag und Nacht bewacht. In dieser Zeit wurde dem König von der National-Versammlung der Prozes gemacht. Die Klagpunkte bestehen meistens in Beschuldigungen, eine Gegenrevoluzion zu bewirken. Hiehin gehören Briefe vom König an die emigrirte Prinzen und das geheime Einverständniß mit dem Keyser und den vereinigten Armeen. Die Verantwortung des Königs wäre nicht hinreichend, und nun ward in der National-Versammlung abgestimmt. 360 stimmten, der König sollte erst nach dem Krieg gerichtet werden, 365 stimmten, der König sollte in Zeit 24 Stunden gerichtet werden. Nun wurde am 20ten dieses dem König angedeutet, daß er morgen sterben müsse. Der König begehrte, daß die Königin und seine Kinder bey ihm seyn dürfen. Zwey Beichtväter sollten gleichfals zu ihm ins Gefängniß kommen und die Schildwachen vor der Thüre bleiben. Zulezt begehrte er 3 Tage Lebenszeit, um seine Seele zu Gott und zur Ewigkeit vorzubereiten. Das Erstere wurde ihm bewilligt, das Leztere abgeschlagen.
Am 21ten, morgens 10 Uhr ward der König aus dem Gefängnis nach dem Königsplatz geführt. Ruhig lies er sich die Hand auf den Rücken binden.

[118]

1793
Er wollte noch eine Rede an das Volk halten. Plötzlich aber fienge das Trommeln und das Pfeifenspiel so heftig an, daß nur die Nachstehende die Worte "Ich verzeihe meinen Feinden. Möchte mein Todt Frankrichs Rettung seyn"[118] vernehmen konnten. Und nun war schon der Kopf von dem Leichnam getrennt. Nun erscholl ein lautes "Es lebe die Nation!"[119], und die Patrioten färbten ihre Tücher in dem Blute des Königs, der in der Magdalena-Kirche begraben wurde.
Am 31ten – Es gibt schon angenehme Frühlingstage. – Die Truppen, welche hier in Quartier lagen, hatten eigen Brodt und Fourage. Was ihnen sonst gereicht wurde, musten sie selbst zahlen, welches ihnen doch die meiste Einwohner geschenkt haben.
Februar
Am 1ten – Nachmittags 2 Uhr rückten 600 Keyserliche vom Regiment Brechoinville Infanterie hier ein. Sie hatten 170 Bagage-Pferde bey sich, blieben die Nacht hier und sezten am 2ten, als am Lichtmeß-Tage, ihren Marsch auf Wevelinghoven fort. Sie hatten keine Fourage und Brodt bey sich. Jedem Soldaten musten 2 Pfund Brodt, ½ Pfund Rindfleisch, Suppe, Gemüß und ½ Maas Bier gegeben werden. Dafür ward dem Bürgermeister 8 Kreutzer bezahlt. Gestern musten Rationen geliefert werden: 6 Pfund Haaber, 10 Pfund Heu und 3 Pfund Stroh. Dafür wird 18 Kreutzer zahlt und für jedes Vorpferd bis Wevelinghoven 30 Kreutzer. Schöne Mannszucht der Offiziere sowohl als der Gemeinen herschte bey diesen Völkern, welche seit dem 1ten December 1792 aus Böhmen auf dem Marsch sind.
Am 2ten – In Zons wird Mehl aus dem Keyserlichen Magazin zu Kölln von den Einwohnern zu Brodt gebacken. Für den Centner wird 50 Stüber zahlt.
Am 3ten – Tag und Nacht müssen vier Dienstleuthe beym Bürgermeister sitzen, um dem Ordonnanzen die Wege zu weisen. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler 15 Stüber, Haber nicht gerne 5 Reichstahler. Es gehen immerfort starke Truppen-Abtheilungen hiedurch auf Zons, Stürzelberg und tiefer hinab. Auch passirten einige 40 Husaren zweimal hiedurch.
Am 4ten kamen 3 Compagnien vom Infanterie-Regiment Kahlenberg hier in Quartier. Der Stab und das Lazareth gienge durch auf Zons. Sie haben kein Brodt und Fourage bey sich. Es ist keine so gute Lebensart unter ihnen als unter denen, die bisher hier waren.
Am 5ten – Heut haben die Soldaten Brodt bekommen. Es ward mit 6 Dienstkarren von Zons hiehergebracht. Am 6ten marschierten die 3 Kompagnien, so hier lagen, auf Nivenheim und Uedesheim. Hingegen rückten 3 andere von Nivenheim und Stürzelberg hier ein. Man gibt den Gemeinen Gemüß umsonst, das Fleisch bezahlen sie. Sie haben wieder besonders gute Mannszucht. – Angenehm Wetter.

[119]

1793
Februar
Am 8ten – Regen. – Die Soldaten sind wirklich als wie hier zu Haus. Sie vertragen besonders gut mit Jederman. Morgens, mittags und abends wird getrommelt. Bey Henrich Cremer unter der Leufen gegen dem Keyserlichen Posthaus steht die Schildwache, welche abends nach dem Zapfenstreich jeden Vorübergehenden mit "Wer da?"[120] anruft. Dafür, daß die Leuthe dem gemeinen Soldaten das Gemüß schenken, verkaufen sie ihnen das Pfund Brodt, so sie übrig haben, um einen Stüber, das doch sonst mehr dann 2 Stüber gillt. Mit diesen Truppen ist vieles Kreutzer-Geld ins Dorf gekommen, darunter ist eine Art sogenannte Siebzehner, worauf Keyser Leopold der Erste in XV Kreutzer geprägt ist. Diese wollen einige nur für 11 Stüber, andere vor 14 Stüber nehmen. Das macht viele Confusion. – In der Scheune des Jacob Cremerius und noch in verschiedenen andern wurden die Recruten exerciert.
Am 9ten – Weil es heute angenehmes Wetter war, so musten 2 Compagnien draussen exercieren: eine vor dem Wallhover Hof, die andere in den Kuhbenden. – Nachts gehn Patroullien um das Dorf.
Am 10ten, sontags[121] – Um 9 Uhr zohn die hiesige Truppen auf den Kirchhof. Sie wurden auf den Weg in Reihen gestellt, und so giengen sie in die Kirch, wo nur für sie allein Messe gelesen wurde. Nach diesem begann das Hoheamt.
Am 13ten – Nie gienge die Fastnacht so still vorüber wie diese. Im ganzen Dorf ist keine Musick, und die Soldaten betragen sich sehr gut. In Horm, Zons, Stürzelberg, Uedesheim, Nivenheim, Hackenbroich und Delven ist alles mit Soldaten besezt. – Frühlingswetter.
Am 18ten muste das hier und rundumher liegende Regiment Kahlenberg auf der Stürzelberger Heyde sich morgens 8 Uhr zur Musterung versammeln. Es schworen sie alle den Eid. Demnach wurden sie verlesen, und nun marschierten die Compagnien wieder in ihre Cantonirungen. Es waren viele Einwohner aus Zons, Dormagen, Nivenheim und Uedesheim zugegen.
Am 20ten – Anhaltendes Frühlingswetter. Die Herren Ofizier und gemeine Soldaten betragen sich unvergleichlich. Der Krieg bringt Geld ins Land.
Am 26ten musten unsere brave Kahlenberger Soldaten uns verlassen, früh um 3 Uhr ware schon alles in Bewegung, und um halber 6 waren sie in den Kühbenden aufgestellt. Von da gieng der Zug über Neuenberg auf Wevelinghoven. Die Ofiziere waren alle mit 4-rädrigen Wagen hieher gekommen. Nun kame der Befehl, daß die Wagen abgeschaft und die Equipage auf einige Pferde gepackt werden sollte. Verschiedene kauften die Wagen mit dem Pferdegeschirr um 4 Kronthaler. Der Abschied fiel mir besonders schwer, da ich mit den Ofiziers die Zeit hindurch wie Brüder lebten. Bald werden blutige Schlachten erfolgen, und die Vorstellung betrübt mich so sehr, daß mancher dieser redlichen Männern fallen wird. – Kornpreis 4 Kronthaler.

[120]

1793
Februar
Am 26ten – Mit den heut abmarschierenden Truppen musten 8 Dienstkarren auf Grevenbroich fahren, und gestern musten um 5 Uhr früh morgens 24 Pferde mit Karren zu Kölln seyn und dort Heu und Haaber auf Bergheim fahren. Sie kamen heute zeitig wieder, abends 8 Uhr aber kamen 170 zweyspännige Karren mit Haaber, welche auf Zons fahren musten. Sie waren aus den Ämtern Bergheim, Brühl, Hülchrad und Düren.
Am 28ten musten wieder 18 Karren auf Kölln fahren. Sie laden dort Fourage und fahren auf Bergheim. Am 27ten abends 10 Uhr muste die vereinigte Armee aufbrechen und die Nacht im Mondschein über die Ruhr gehen.
Merz
Am 1ten – In der Gegend von Bergheim, Grevenbroich, Crefeld etz. ist kein Mann mehr. Heute hörten wir entsezlich Kanonieren. Viele wollen, es soll zu Mastricht seyn, welche Stadt die Franzosen belageren.
Am 2ten – Windiges Wetter. – Zu der Nacht vom lezten Februar auf den 1ten dieses um 12 Uhr machten die Keyserlichen Anstalt, um über die Ruhr zu setzen. Die Franzosen nahmen dieses gleich wahr und zohn sich dahin, wo die Keyserliche lebhaft feuerten. Während dem waren andere Keyserliche in entlegenen Orten beschäftigt, viele Bauernkarren in die Ruhr zu schieben, Bretter darüber zu legen, und nun waren die Brücken fertig. Die Keyserliche Armee, welche sich zu Gülich versammelt hatte, gieng nun hinüber, fiel den Franzosen in den Rücken, tödtete viele, eroberten 13 Kanonen und nahm 300 Gefangene mit. In Düsseldorf sind bey 6.000 Emigranten. Die Franzosen haben England, Holland und Spanien den Krieg erklärt.
Am 3ten – Die ganze Keyserliche Armee ist in der Nacht auf den 1sten Merz in den Gegenden von Wassenberg, Gülich und Düren über die Ruhr gegangen. Die Franken hatten die Gränze schwach besezt und verließen sich auf die Stärke ihrer Kanonen, deren 20 blos in der Gegend von Aldenhoven den Keyserlichen zur Beuthe warden. Die Zeitungen geben den Verlust der Franken auf 2.000 an, die Verwundeten aber auf 1.600. Deren sind heute 80 Karren auf Kölln, mit der Kriegskasse, welche mit 16.000 Karolin, einem Sack Kronthaler und vielen Assignaten bespickt ware. Die Keyserlichen sollen bey 100 Gebliebene und etwa 60 Blessirte haben.
Am 4ten – Die Keyserliche verfolgen die Franzosen noch immer auf der Flucht. In Aachen haben die leztern viele Kanonen verlohren, und bey Abgang der Post waren die Keyserliche schon 3 Stunde hinter Achen. Die 18 Karren, welche am 28ten Februar von hier auf Bergheim fuhren, sind noch nicht wieder hier, ausser des Joan Krahn sein Knecht und Pferd, welcher zu Aldenhoven entlassen wurde, weil sein Pferd unbändig ware. Die übrige musten der Armee nachfahren. Deswegen ist heute Joan Derichsweiler dienstweis nachgeschickt worden. Des Joan Krahn sein Knecht hat verschiedne ganz und halbtodte Franzosen am Weg liegen sehen. Die Bauern in der Gegend zohen sie aus und musten sie begraben und die noch lebende auf die Karren heben.
Dieser Sieg sezt uns ausser allen Sorgen, fernerhin von den Franzosen heimgesucht zu werden.

[121]

1793
Merz
Am 5ten – Es sind sehr angenehme Frühlingstage. In den Gärten wird fleißig gepflanzt. Heute kamen einige Dienstkarren wieder, welche eine Stunde von Mastricht abgeladen haben. Die Keyserliche schlugen die Franzosen fast alle todt, welche noch in der Gegend von Achen waren, so das die Franken in allem bey 11.000 Mann verlohren haben. Fast alle sind von Säbeln zerhauen und sehr wenige durch Kugeln getödtet worden. Demnach sezten die Keyserliche ihren Marsch auf Mastricht, worin zehntausend und Holländer lagen, die von den Franzosen belagert wurden. Bey Annäherung der Keyserlichen hoben die Franzosen gleich die Belagerung auf und gingen nach Lüttich, wohin Koburg ihnen folgte.
Schon 3 Tage nacheinander sind viele hundert Karren mit blessirten Franzosen in Kölln gebracht worden, die alle sehr elendig aussehn. Auch wurden täglich einige hundert französische Gefangene nach Kölln gebracht, und wirklich haben die Keyserliche 40 Kanonen erobert, ohne diejenige, so sie bey Mastricht erbeuteten.
Am 6ten – Heut Abend kame der ausgeschickte Joann Derichsweiler zurück. Er ist nicht weiter als Aldenhoven gegangen, weil er nicht wuste, ob die noch übrige Karren auf Mastricht oder auf Lüttich waren.
Gestern wurde ein französischer Spion hiedurch auf Kölln gebracht.
Am 8ten – Weil die noch ausgebliebene 4 Karren nicht eintrafen, so ist heute der Conrad Sand nachgeschickt worden. Die Karren gehören: eine dem Rheinfelder Halfen, eine dem Joan Cremer, dem Heinrich Tröster und eine dem Peter Fix. Es friert alle Nächte noch sehr stark.
Am 9ten kamen 8 gefangene Franzosen unter Keyserlicher Bedeckung hiedurch auf Kölln. Die Preussen haben Ruremund und Venlo eingenohmen, die Keyserliche nahmen Lüttich ein und die patriotische Weiber schütteten kochend Oehl an den Fenstern heraus. Drauf wurde die Stadt geplündert und die Einwohner theils niedergemacht, theils gefangen.
Am 11ten – Heut Abend kamen die noch zu erwartende 4 Karren von Mastricht zurück. Der Joann Sand kame gleich nach ihnen an. Er hatte zu Aachen vernommen, daß die Karren schon fort waren, doch hat er sie nicht getrofen. Das ganze Land muß bey der Keyserlichen Armee dienen. Von Nivenheim giengen gestern 29 zweyspännige und 20 einspännige Karren zur Armee. Davon ist auch das Bergische Land nicht ausgeschlossen.
Heut wurden wieder einige hundert französische Gefangene auf Kölln gebracht. – Es friert noch so stark, daß die schwerste Wägen drüber gehn. Das Malder Korn gilt 4 Kronenthaler, das 100 Pfund Grummet oder Heu 1 Kronthaler, das Malder Haber 4 Reichstahler 45 Stüber.

[122]

1793
Merz
Zwey von den Zonser Arrestanten sind auf Bonn ins Stockhaus gebracht und der große Wilhelm frey entlassen worden.
Die disjährige Fastendispens ist sehr gemildert. Der Ascher- und Quatertember-Mitwoch so wie der Mitwoch und Donnerstag in der Kahrwoche sind vom Fleischessen ausgenohmen, übrigens darf alle Tage mehrmahlen Fleisch gegessen werden, und diejenige, welche an Frey- und Samstägen während der Kriegszeit Fleisch essen wollen, müssen sich beym Pastor melden.
Am 14ten und 15. – Sehr schöne Frühlingstage, anhaltend bis am 22ten.
Noch täglich kommen Dienstkarren von Oerdingen und aus dem Kemperlande hiedurch, welche zu Kölln aufladen und zur Armee auf Löwen fahren. Kornpreis 4 Kronthaler.
Am 24ten, Palmtag – Diesen Morgen regnete es ein wenig. Deswegen blieben wir diesen Nachmittag in der Kirche, wie vor einem Jahr. – Die Keyserliche haben den Franzosen am Josephstag ein Trefen bey Löwen geliefert. Es kostete beyden Theilen viel Volks, doch erhielten die Oesterreicher die Plätz.
Am 25ten – Um die Mittagszeit kamen hier 260 Preussen an. Sie schliefen zu Neus und wurden hier blettirt. Es sind genesene Kranke und Recruten, welche zur Complettirung der Regimenter zu Coblenz bestimmt sind.
Am 27ten, Mitwoch – Diese Nacht hat es sehr stark gefroren. Deswegen blieben wir diesen Nachmittag in der Kirche. Die 7 Stationen wurden gehalten: jedesmal das Liedchen "O crux" und 1 Vers aus dem "Jesus auff dir etc." gesungen und 5 "Vatter unser" gebeten und damit geschlossen. Am Sontag ward auch noch der Rosenkranz dazwischen gebethen.
Am 28ten – Frost. Den 29ten angenehm. Die heutige Karfreytagsprozession ware klein, weil sie um 4 Uhr schon ausgeführet wurde.
Am 31ten, Ostertag – Heute morgens um 5 Uhr musten schon 10 zweyspännige Karren in Kölln seyn, um Proviant für die Armen zu laden. – Der Pastor will das Beyeren mit den Klocken verbiethen, es seye dann, daß ein gesetzter Mann solches thue. Die Schefen und Vorsteher aber wollen sich vom Pastor nichts vorschreiben lassen. Der Pastor ließe sich den Thurmschlüßel vom Küster geben. Es wurde geschickt vom Pastor zu den Schefen und von diesen zu jenem. Es wurde heut nicht gebeiert. – Die 3 Töchter des Peter Schoch neben dem Joann Wilhelm Verhagen, wo der Wasser-Kanal ist, führen ein auffallend verdächtiges Leben: Die Älteste, Magdalena, hat neulich ein vaterloses Kind gebohren, die 2 andern, Anna und Margaretha, wurden ihrer Ausgelassenheit wegen vom Pastor in der Freytags-Miserere mit einem Seil geschlagen. Heut nach der Vesper hatten sich einige Purschen bey den Mädcher zum Kafetisch gesezt. Überdem besuchte sie der Pastor mit einem Stock und theilte kräftige Prügel unter die Gesellschaft, welche sogleich auseinander gieng.

[123]

1793
Aprill
1ter – Frühlingswetter. – Als der Küster diesen Morgen die Kirchenuhr aufwinden wollte, foderte der Schefen Steinberger den Thurnschlüssel. Drauf wurde gebeiert den ganzen Tag.
Am 5ten – Die Frühlingswitterung fällt noch an. Zuweilen reift es des Nachts. Kornpreis 4 Kronthaler, Haaber 15 Gülden.
Am 6ten – Es frieret noch alle Nächte. – Weil das Mutergottesfest auf den 8ten Aprill festgesezt ist, so wird diese 3 Täge das große Gebeth gehalten.
Am 8ten – Kalt. Die 2 französische Geistliche vom 1ten Januar dieses Jahres haben sich die Zeit her zu Lindlar bey einem Anverwandten des Schultheis Mappius aus Zons aufgehalten. Sie haben Briefe erhalten, daß sie bey ihren Freunden so lange bleiben, bis in Frankreich wieder alles ruhig ist. Deswegen kamen sie heut nochmalen hieher, um ihren Gutthäteren zu danken und Abschied zu nehmen.
Die Keyserliche sind nun wieder Meister von ganz Brabant. Des Keysers Bruder Karl ist zum Gouverneur ausgerufen worden. Die Franzosen stunden auf der Gränze. Ihr Anführer Dumurier ward zu Paris als Meineidiger der Republik erklärt, weil er mit dem Keyserlichen General Coburg im Einverständniß stünde. Dumurier sollte abgesezt und nach Paris gebracht werden. Der Kriegsminister Beornonville sollte das General-Commando übernehmen und gienge wirklich zur Armee ab. 4 Nationalglieder begleiteten ihn, um sich der Person des Dumurier zu versichern. Als sie bey den Dumurier kamen, fragten sie ihn, auf wessen Befehle er die Niederlande geräumet habe. Jener antwortete: "Blos auf meinen Befehl". Dann fragte er sie, ob ihnen dann so viel an den Niederlanden gelegen wäre. – Allerdings erwiederten die Pariser. "Nun, so können sie einmal hingehen", sagte Dumurier und gab seinen Husaren Befehl, die 5 in Arrest zu nehmen, welche dem Prinzen Coburg zugeschickt und auf Mastricht transportiert wurden. Wie es mit Dumurier und seiner Armee steht, weis man noch nicht.
Maynz ist von den Preussen eingeschlossen und soll mit Landau zugleich angegrifen werden. Sachsen und Hessen sind mit dabey. Der König von Preussen hat das Commando. Die Engländer greifen mit Spanien Portugal und Holland zu Wasser an.

[124]

1793
Aprill
Alle Morgens ist es weis gereift und hart gefroren. Dem Feld kann es zwar nicht viel schaden, weil es trocken ist, aber es ist so unangenehm, daß die Kälte diese schöne Frühlingstage verbittert.
Das Dienen von Kölln zur Armee hört nun auf, jedoch ist noch nicht bezahlt worden. – General Dumurier ist beym Coburg in Mons. Von seiner Armee sind 20 tausend Mann bey den Keyserlichen. Es ist noch keine Haaber gesähet, weil das Erdreich trocken und kalt ist. – Das 100 Bauschen Stroh gillt 4 Kronthaler. Haaber und Korn werden nicht gefodert, weil es heist, die Magazine in Kölln sollen verkauft werden. – Die am 17ten November 1792 errichtete Neutralitaets-Pfähle sind an der Erde abgesegt und heimlich fortgetragen worden. – Der Conrad Schock (siehe am 5ten October vorigen Jahrs) hat sich in der Gegend von Kölln auf eine Windmühle vermiethet. Sein Prozes wird wahrscheinlich einschlafen.
Am 17ten – Bisher ware noch keine einzige von den Merzerschauren gekommen. Heute brachen sie mit Schnee, Hagel, Regen und Wind aus. Am 19ten regnete es unabläßig. Den 20ten, samstags vor unser Gottestracht, ware es weis geschneet und gefroren. Das sieht sich auf morgen schlecht aus. Kornpreis 7 Reichstahler, Haaber 14 Gülden.
Am 21ten, Sontag Gottestracht[122] – Wieder alles Vermuthen ware es heut schönes Wetter. Um halbe fünf begann die erste Messe, gleich darauf die zweite, und um halb 7 das hohe Amt mit einer kurzen Predigt. Wir giengen aber ganz langsam, weil es morastig war, und kamen nach 12 Uhr wieder. Es sind keine Musikanten im Dorf. Seit lange ist das nicht gewesen. Am 22ten ward die Prozession bey schönstem Wetter vollführt. Pastor Bürg und Küster Herman Delhoven sind Alterthums halber die beyde Täg nicht mitgegangen. – Dumurier ist auf Wien. – Bis 25ten schön Wetter. Heut die 1ste Kornähren.
Am 26. und 27ten kleiner warmer Regen. Das Korn gillt 6 Reichstahler 15 Stüber, Heu 1 Reichstahler.
Am 28ten bis 30ten – Etwas Regen, fruchtbares Wetter. Preussen, England, Holand, Sachsen, Hessen und der Keyser haben die Gränzen Frankreichs eingeschlossen. Rijssel, Maubeuge, Conde, Valenciennes, Landau,, Maynz und mehrere Festungen sollen zugleich angegrifen werden.
Am 30ten – Regen. – Der König von Preussen hat die Städte Danzig und Thoren mit noch einem District Landes von 268 Städten und 8.000 Dörfern in Besitz genommen. Rusland hat ebenfals einen Theil von Polen weggenommen, weil Polen Getreid an Frankreich liefern wollte, oder besser: weil es getheilt werden sollte. Das Malder Haaber gillt 4 Reichstahler.

[125]

1793
Majus[123]
Am 1ten – Diese Nacht um 12 Uhr versammelten sich die Dorfjungen und riefen die Meylehnen aus. Es wird dann jedem Jüngling ein Mädchen zur Meyfrau ausgerufen, dreymal in ein Horn geblasen und dann gefragt, ob’s allen lieb wäre. Die Alten müssen so wohl als wir die Schönheiten des Lenzes empfunden haben, denn ihre Feyer des Wonnemondes beweiset dieses, als da sind: das Meyleuthen, das Beyeren mit den Klocken, sonn- und feyertags abends das Meysingen, wo die Mädcher um hin und wieder im Dorf aufgesteckte grüne Meyen tanzen und Frühlings-Lieder singen, oft bis in die späte Nacht. Die Lieder sind einfach und nach alter Sitte, meistens Lobgesänge auf den Mey, und von Lieb und Treu der Jugend. Fast in allen herscht Anmuth und viele Empfindung und Zartgefühl. Diese Gesänge mögen viele vor manch hundert Jahren zur Feyer des Frühlings bestimmt und von unsern schon zu Staub gewordenen Vorfahren in der Blumenzeit ihres Lebens gesungen worden seyn.
Ich liebe vor allem diese Sitten der alten Deutschen, deren Gebräuche sich viel verlohren haben. Ihre Hochzeiten waren von den unsrigen ganz unterschieden. Jetz werden diese fast alle bey der Abendzeit vollbracht, hingegen ware es noch vor 50 Jahren Sitte, daß solche des morgens in aller Feyerlichkeit gehalten wurden. Die Braut wurde dann schwarz gekleidet, truge einen silbernen Gürtel und auf einer schwarzen Haube einen Blumenkranz oder die silberne Krone der Mutter Gottes. Alle Anverwandten, Freunde und Lieben wurden zur Hochzeit geladen, Baß und Viol fehleten nie dabey. Diese giengen voran, und ihnen folgten die Braut, Bräutigam und Gäste. So zohn sie mit klingendem Spiel in die Kirche, wo ein feyerliches Meßopfer begangen wurde. Dafür giengen Pastor und Küster mit zum Mittagmahl. Wenn dieses bald geendiget war, so reichte einer den Teller herum, worauf ein jeder eine Beysteuer zur Wiege auflegte. Demnach begann der Tanz, der sich mit dem Abend endigte.
Des folgenden Tags wurde eine Seelenmesse gesungen, drauf erfolgte wieder Tanz und Schmaus wie vorhin. Oft wurde noch ein dritter Hochzeitstag zugesezt. Dann giengen die jüngere Gäste durch’s Dorf und schlugen Hüner, Enten etz. todt. Das nannten sie "die Fuck jagen"[124], und das Erbeutete, was sich auf der Straße trefen lies, wurde zum Nachessen angericht. Daß Zusammenkünfte der jungen Welt vielen Einfluß auf ihre Neigungen gehabt haben müssen, bewähret das alte Sprichwort: "Es wird keine Hochzeit vollbracht, wo nicht eine neue erdacht". Noch vor 10 Jahren wurde bey einer Hochzeit mit allen Klocken geläutet.

[126]

1793
Mey
Am 8ten, Sontag[125] – Heute wurd 13-stündiges Gebeth gehalten, um dem Himmel für die glückliche Siege der Österreicher zu danken und über die vereinigten Wafen ferneren Seegen zu erflehen. – Auch wurde die Prozession zum Kreutzberg ausgeführt, die diesmal mit Kinder und alles gerechnet aus 25 Köpfen bestand. Vom 1ten bis 8ten Regen. Es singt nur eine einzige Nachtigall in den Gärten, rheinwarts gegen der Kirche. Im Kulk aber sind sie ohne Zahl. Das Malder Korn gillt 6 Reichstahler 30 Stüber.
Vom 9ten bis 13. – Ausserordentlich feine Meytage. Unsere Felder versprechen trefliches Gedeihen und reichen Segen. Um so gutes Ansehn weis ich mich nicht zu erinnern jemals gesehn zu haben.
Am 14ten – Donner mit Regen. Am 15ten, 16ten naß und unfreundlich bis 20ten.
Am 21ten, Pfingstdienstag[126] – Viele Menschen feyerten heute. Am Abend erheiterte sich der Himmel, und die junge Welt errichtete Meyen im Dorfe. Ich kame mit meinem Freund Jacob Steinberger von einem angenehmen Spaziergange zurück, den wir durch die Aue zwischen gesegneten Kornfeldern unter Philomenens sanften Klagen machten. Schön ware der Abend und Ruhe in der blumenreichen Natur. Wohlgerüche dufteten umher, Abendwinde spielten leise mit einzelnen Blättern. Da stimmeten die Mädcher im Dorf ihre Lieder an. Ich kann nicht sagen, wie seltsam rührend mir ward. Die harmonische Musick kann bey mir nicht so entzückende Empindungen hervorbringen als diese einfache Lieder der Vorzeit. Ein Knabe mit einer melodischen Flöte begleitete den Gesang, der beym Scheine des lieblichen Mondes bis in die Nacht unterhalten wurde.
Am 23ten – Trocken und etwas kalt. – Heut brachte mir der Schefen Steinberger die erste Kornblühe. – Die Preussen, Sachsen und Hessen stehn vor Maynz, die Keyserlichen, Hanoveraner, Engel- und Holländer vor Valencien und Conde. In der französischen Brovinz Bretagne hat sich eine Contrerevolutionsarmee zusammengerottet, welche wirklich Nantes und mehrere Städte eingenohmen haben. – Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler, Haaber 12 Gülden.
Am 24ten sind die Kühe in die Benden getrieben worden. Der Rheinfelder Halbwinner verpfachtet die Seinigen zu 5 Reichstahler pro Morgen. Es wurden auch 2 halbe Morgen Kämpf (den Mehebenden) Gras zum Abmähen verpfachtet worden: einer an Herman Hambloch zu 6 Reichstahler, der andere an Johann Steinberger zu 8 Reichstahler. Dafür sollen im künftigen Frühjahr eine Reihe Billweiden über den Mühlenberg und eine Reihe Rothweiden neben dem Ackerland gesezt werden.
Am 25ten – Es ist noch alle Nächte kalt. Das Feld sieht sich unvergleichlich an. Wenigstens gibt es viel Stroh. In den Häusern ist es sehr voll Ratten und Mäuse. Auf der Gillbach sind sie häufig im Feld.

[127]

1793
Mey
Am 30ten – Am heutigen Frohnleichnamstage war es ungewöhnlich kalt. Zuweilen drohete Regen. Darum ware die Prozession sehr klein. Der Mey hat uns nur 5 angenehme Tage gebracht. Das Korn will noch nicht allgemein blühen. Der Sahm steht wie bezaubert im Feld. Das Malder wird jetz zu 12 Reichstahler verkauft.
Junius
Am 1ten ware es gereift und gefroren und am 2ten wieder, doch wurde es nachher sehr warm. – Wir haben seit 30ten Mey ein Capuciner hier, der für den Pastor die Dienste versieht. Man sagt, er soll hier bleiben.
Bis 5ten – Sehr heis mit etwas Regen. Am 7ten warmer Regen. Heut ist der 80-jährige Anton Krieger, vulgo Bösen Anton[127], von Rheinfeld todt geblieben. Er arbeitete unten Zons auf dem Greend an einer Krippe. Das Seil eines ankommenden holländischen Schifes ergrif ihn, als er eben darüber schreiten wollte, warf ihn erst in die Höhe und dann in den Rhein. Er wurde gleich herausgeholt, und da das Leben von ihm gewichen war, in Zons begraben. Er brachte in Dürftigkeit alle Tage seines Lebens hin und hinterläst eine Tochter, die wegen ihres ausschweifenden Wandels sehr berüchtigt ist.
Am 8ten kamen 3 holländische mit Kanonen beladene Schife herauf. Ihnen folgten 18 Kanonier-Schaluppen, welche Maynz belagern sollen.
Am 11ten – Es folgen nun eine Reihe angenehmer, oft allzuwarmer Tage.
Am 12ten wurde der erste Saamen gemähet. Das Paar Korn und Weitzen gillt 18 Reichstahler, 14 Pfund Brodt 24 Stüber. Am 13ten dunkel. Noch singt die Nachtigall, aber nicht mehr so jubelnd wir im früheren Lenz.
Am 14. bis 16. regnete ohn Unterlaß. – Am 12ten ist die Belagerung von Valenciennes angefangen worden. Die erste Salve geschah mit Tausend Kanonen und Bomben. Die Preussen stehn noch mit den Sachsen, Hessen und Pfälzern gedultig um Maynz. Die Spanier tringen vor, England zu Wasser und zu Land. Die Insel Tabago ist in Englischen Händen. Die Holländer stehn in der Gegend von Rissel, so daß Frankreich rundum eingeschlossen ist. Dennoch haben die Franzosen in der Gegend von Luxemburg eingetrungen und die Keyserliche Stadt Arlon weggenohmen. Das Malder Korn wird um 4 Kronenthaler verkauft.
17. und 18ten – Sturmwind mit kaltem Regen. 19ten und 20ten viel Regen. Am 21ten ware es des Morgens etwas trocken, jedoch fienge es hernach wieder zu regnen an. Am 22ten, 23ten und montags den 24ten, als am Joannis-Tag, wurde das 40-stündige Gebeth, und zwar seit Ostern zum zweetenmale, gehalten. Alle drey Tage regnet es unablässig, und dabey ist’s so kalt, daß in den Stuben die Öfen eingeheitzet werden. Der Rhein wächst dennoch nicht sehr stark. – Das Malder Korn wird zu 8 Reichstahler und der Weitzen zu 11 Reichstahler verkauft. Man ist des Regens ganz und gar müde.

[128]

1793
Junius
Am 25ten bis 27ten – Regen. – Es sind nun 14 Täg, daß es anhaltend geregnet hat. Der Buchweitz und die weisse Bohnen leiden das meiste darunter. Auch wird das Korn viel späther reif, und der Rhein dörfte leicht austreten. Die Mäuse finden sich zahlreich in den Feldfrüchten und im Klee ein. Aus diesen Ursachen ist der Pastor auf den Gedanken gerathen, eine achttägige Andacht zu halten, welche heut, am 27ten, abends halb 8 beginnt. Es wird der Rosenkranz gebethen und zweymal die Benediction gegeben. Der Capuciner, welcher seit 30ten Mey hier ware, ist wieder in Kölln.
Am 28ten – Zu Mittag reinigte sich die Luft, und am 29ten ware es ungemein heis, doch regnete es des Abends wieder. Am 29ten hörte ich schrecklich Kanonieren. Es soll auf die Verschanzungen von Maynz seyn.
30ten – Wieder heis und schön. – Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler, der Weitzen 11.
Julius
Es sind glückliche Zeiten für die reiche Ackersleute: Heu, Stroh und jede Art von Frucht werden ungemein theuer bezahlt, und die Saath im Feld verspricht neue Schätze, weil der Krieg noch so bald nicht diese Gegenden verlassen wird, welche alles verschlingen, und woraus Geld die Menge hervorquillt. Für unser Land hingegen sind es wieder betrübte armselige Zeiten: für den armen Taglöhner, der im Schweis des Angesichts sein Brod gewinnen muß, für den Handwerksmann und für jeden, der nicht auf dem Seinigen ackert und pflüget. Es gibt kein Wunder, daß seit kurzer Zeit auf der Gillbach 14 Kirchen bestohlen wurden, worunter Gohr und Hüchelhoven gehören. Da das Pfund Brodt zu 2 Stüber bezahlt werden muß, ein ehrlicher Mann muß stellen oder betteln. Von dem kargen Taglohn läst sich keine Frau und Kinder ernähren. Allgemein beklaget man sich über den Gemüsmangel, welcher durch die Keyserlichen Einquartierungen enstanden seyn soll. Am 2ten heis mit Regen.
Am 3ten – Dunkel, warm und trocken. Am 4ten sehr heis. Das Malder Korn gilt 8 Reichstahler 30 Stüber. Zu Ordenbach sind Hessische Truppen, welche auf Grimmlinghausen und Grevenbroich zur Koburgischen Armee abgehen.
Am 5ten und 6ten – Dunkel warm. – Die Feldmäuse wirtschaften sehr übel in dem bald reifen Korn. In all unsern Feldern sieht man die traurige Verherungen ihrer Geschäftigkeit. Besonders zeichnet sich das Werth darin aus. Auch sind die Kornähren nicht stark besezt. Deswegen wird vermuthet, daß es nicht sehr gut auf’s Denn geben wird. – Gersten und Rabsamen wird gemähet.
Am 7ten ware es unerträglich heis. Es ist viel Heu in Arbeit.
11ten – Fortdauernde Hitze. Heut wird allgemein Korn gehauen.
Am 13ten – Die Hitze ist unbeschreiblich. – Heut hat der Jussenhover Halfen etwas Korn eingefahren, weil er – kein Stroh mehr hatte für Klee zu binden.
Am 16ten – Der Regen ist sehr nothwendig und die Hitze nicht wohl zu ertragen. Die Nachtfröste vom 1ten und 2ten Junius haben dem aufrecht stehenden Korn nichts geschadet. Was aber sich gelegt hatte, da senkte sich der Reif hernieder und verdarb jene Plätze fast gänzlich. – Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 13 Gülden. Heut rückten hier 200 Pfälzer aus Düsseldorf vormittags ein. Sie gehen auf Kölln und wie man sagt zur Koburgischen Armee. Von Subordination wusten sie wenig, doch waren es übrigens Leuthe: gedultig und – dum wie die Schafe.

[129]

1793
Julius
Am 18ten- Diesen Mittag zohe ein schweres Donnerwetter uns vorbey und hinterließ einen warmen, aber nicht durchdringenden Regen. – Es kommen viele Franzosen todt den Rhein hinabgeschwimmen. Sie sind aufgeschwollen und ekelhaft anzusehen. – Am 11ten dieses hat sich die Besatzung zu Conde zu Kriegsgefangenen ergeben. Die Hungersnoth ware aufs Höchste gestiegen. Als die Keyserlichen in die Vestung einrückten, da theilten die Soldaten ihr Brodt unter die Einwohner aus. – Valenciennes und Maynz werden noch belagert. – Tannenholz ist keins hier zu Land mehr zu haben.
19ten bis 22ten – Dunkel mit etwas unbedeutendem Regen. Am 23ten bis 26ten sehr heis. Wir bedörfen nichts so sehr als einen wenigsten 12 Stund anhaltenden Regen. Es werden einige Kühweiden gebauet, aber wenn es nicht regnet, so kann der Saame nicht wachsen. – Am 22ten dieses Monaths ist Maynz vermittels Capitulation an die Preussische Truppen übergegangen. Die aus 8 Tausend Gesunden und 4.000 Kranen bestehende Besatzung erhällt freyen Abzug mit ihren Wafen. Nur die Kanonen und Munizion müssen sie zurücklassen, so wie die teutsche Ueberläufer, welche sich in der Stadt befinden. Die Klubisten sind in die Gnade des Fürsten empfohlen worden. So sehr die Franzosen auch darauf drangen, daß sie mit abziehen sollten, so ist dieses ihnen nicht gelungen. Es wird viel eingescheuert.
24ten bis 27ten – Sehr heiß und trocken. Am 26ten abends starb allhier der Jud Joseph im 43sten Jahre seines Alters. Er ware der aufrichtigste Jud, den ich in meinem Leben kannte, und hinterläst einen alten Vater, Wolf, dem er an nichts mangeln liesse. Vor 4 Jahren heyrathete er ein Mädchen von Bedbur namens Sörchel, die ihm eine Tochter, Martha, und ein Sohn, Theodor, gebohren hat.
Am 28ten morgens halb 5 wurde er zu Grabe getragen. 24 Juden folgten der Leiche. Dieses geschah deswegen so früh, weil es heut Sonntag war, wo beym Tage der Zulauf unbeschreiblich würde geworden seyn. Dennoch folgte ein Schwarm junger Leuthe dem Leichenzug, und ein Hirtenknab flötete unter ihnen melodische Lieder. Als sie aber tief ins Dorf hinab kamen, da fienge es so sehr an zu regnen, daß alle sich unter einem Dach schüzten. Nur die Juden giengen ungestöhrt dahin und verrichteten unter dem entsetzlichen Regen die Begräbnis. Drauf regnete es den ganzen Tag und die folgende Nacht.
Am 29ten – Regen. Es steht noch vieles Korn auf dem Halme fest.
Bis 31ten – Heiß und schönes Wetter. – Es wird stark eingefahren und hinter den Mähern aufgeladen. Es gibt vieles Stroh. Allenthalben werden Kornbärme gesezt. Am 27ten ist Valenciennes mit Capitulation übergegangen.
August
Vom 1ten bis 3ten – Sehr heiß. Heut kamen 35 Mann vom Regiment Callenberg aus dem Lager von Valenciennes hier an. Sie bleiben bis 5ten hier und gehen nach Prag, um die Recruten zu exercieren. Die Soldaten sind sehr froh, daß sie wieder hier sind, und die Einwohner haben sie mit Freuden aufgenohmen.

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1793
August
Am 4ten – Donner mit Regen. Das neue Korn wird zu 6 Reichstahler 53 Stüber verkauft.
Am 5ten – Warm und heiter. – Es wird noch Korn gemähet. Auch ist wirklich Haaber gehauen.
Am 8ten – Dunkel, aber sehr warm. Auf dem Rheinfelder Acker liegt noch allenthalben und an etlichen Orten 4 Fuß tief der Flugsand, welcher im Jahre 1784 aus dem Damme und von der abgetriebenen Ländereyen dahin geschwemmt ist. Wenn nun der Wind etwas bey trockenem Wetter spielet, so stäubt der Sand hoch in der Luft über die nahe gelegenen Äcker hin, so daß noch Vieles auf dem Kranenorth verdirbt, was auch wirklich noch gut ist. – Das Malder Haaber gillt 1 Ducaten.
12ten – Warm und schönes Wetter. – Heut kame zum erstenmal die Procession von Much hinten Sibourg hie durch auf Kevelaer – sie mochten dritthalb hundert Köpf stark seyn – und speiseten hier zu Mittag. Kornpreis 7 Reichstahler.
13ten – Heut Abend 8 Uhr starb der Jacob Cremerius an einem Schlagfluß, im[128] Jahre seines Lebens. Er hatte eine Art von Krebsgeschwüre am Aug. Zudem ware er wassersüchtig, doch vermuthete niemand seinen nahen Todt. Er stand kurz vorher noch an der Thür und übersah einige juridische Ackten, sezte sich an den Tisch und fiel vom Stuhl auf die Erde. Als die herbey eilende Nachbarn ihn aufrichteten, da ware schon alles Leben von ihm gewichen.
Er ware ein Sonderling, und seinen Karackter und Thaten zu beschreiben, würde ein ganzes Buch füllen. Er ware einer der grösten, wohlgebildesten Männern im Dorf, und in vielen frühern Schlägereien bewieß er seine Stärke, die er auch einst in seinen Jünglingsjahren freventlich misbrauchte, und wofür ein gewisser Rösberg mit dem Leben büßen muste. Hingegen ware er auch zuweilen großmüthig und behandelte Betrunkene oft mit unverdienter Nachsicht. In den vornehmsten Gesellschaften ware er geschäzt und geliebt. Er konnte auf eine ganz eigene Art einen ganzen Zirkel beleben, und aus seinem Betragen konnte man seine Feinde vor seinen Freunden nicht unterscheiden. In den Jahren von 1760 bis 1780 spielte er eine große Rolle hier im Dorf. Der Adler, der Grünenwald und noch einige Häuscher brachte er käuflich an sich. Die Kuhrfürstlichen Speicher und die Windmühle nahme er mit seinem Bruder Heinrich in Pfacht. Die Merteskirchen-Länderey und wo etwas feyl ward, das kaufte er und bezahlte nur den Gottesheller. Meldeten endlich die Verkäufere sich vor Gericht, so ware er sehr geschickt, durch allmögliche Intriguen auch die gerechteste Sache in die Länge zu ziehn. Hieraus entstanden nothwendigerweise auf die Dauer unangenehme Folgen, die er mit unbeschreiblicher Kaltblütigkeit ertrug, und bey Vorfällen, die jeden andern muthlos und lebenssatt machen würden, blieb er sich immer gleich. So fand ich ihn einst auf seinen Lieblingsspatziergängen im Kulk, als ihm die Windmühle, die Kuhrfürstlichen Speicher und die Merteskircher Länderey abgenohmen und seine Kühe auf der Herberg verkauft waren. Da zergliederte er nur, wie er voll Selbstvertrauen

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1793
August
dieses alles durch Processe wieder an sich zu bringen gedacht, und aus dieser Absicht bauete er eine neue Scheuer, die ihm auch bey längerem Leben überflüssig würde gewesen seyn. Immer macht er grosse Planen auf die Zukunft, von denen kein einziger erfüllet ward. Früher wirtschaftete er mit seinen Schwestern, die durch kostspieligen Aufwandt und Schmausereien, durch List und Betrug seinen Untergang beförderten. Erst ackerte er mit 6 Pferden. Wie er allmälig seine Grundstücke verlohr, so fielen auch jene bis auf ein einziges, womit er ein Jahr seine wenige Arbeit verrichtete. Auf Lichtmeß miethete er keine Dienstboten, sondern er nahm mit denen Vorlieb, welche niemand haben wollte. Und da das eben der Auswurf ist, so wurde seine Oekonomie immer elender, zumal, da er oft 14 Täg in Düsseldorf seinen Processen nachgienge. So vereinigte sich alles, seinen Fall zu beschleunigen. Und wer weis, was auf die Zukunft aus ihm würde geworden seyn. Nur das Bedenklichste ist die traurige Gewissenslage, worin er sich an seinem Lebensende befand. Beynahe 10 Jahr hielt er die Anna Catharina Huh zur Haushälterin, die vor 6 a 7 Jahre mit einer Tochter niederkam. Er behielt sie dennoch bey sich mit dem Kinde. In diesem Frühling wiederhohlten sie die nähmliche Geschichte. Der Pastor fragte die Haushälterin um den Vater dieses zweiten Kindes, und sie nannte den Cremerius. Der Pastor gienge selbst zu ihm. Cremerius empfinge ihn sehr freundschaftlich, führte ihn in ein Zimmer und – gienge seinen Garten hinab ins Feld. Der Pastor ward endlich des Wartens müde, und wie er vernahm, daß er hintergangen war, so kehrte er zurück. Weil nun gütliche Unterhandlungen nichts früchten wollten, so verboth der Pastor ihm und seiner Haushälterin, die oesterliche Communion zu halten. Ich überbrachte ihm diese Nachricht, und auch hier ware er sich, wie immer, gleich. Wie er mich vernommen hatte, so antwortete er ganz gleichgültig: "Es ist gut."
Er hinterläst sehr beträchtliche Schulden, welche wahrscheinlich sein Vermögen übersteigen werden, und alles liegt sehr verworren durcheinander. So starb er nun verlassen von der Welt und unbetrauert von seinen Anverwandten, deren keiner um ihn eine einzige Thräne vergoß; zu einer Zeit, wo er noch Anstalten machte, die ihm auf lange, lange Jahren zu gut kommen sollten. Keiner ist wohl unglücklicher, als die, so sich ihm hingab, welche noch immer glaubte, mit ihm verbunden zu werden, und die Vieles erwartete, als sie auf einmal alles verlohr, der nun als der Ärmsten unter den Armen weiter nichts übrig bleibt, als mit ihren zwey vaterlosen Kindern den Bettelstab zu ergreifen und sich daran zu trösten.

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1793
August
Am 15ten – Anhaltende Hitze im Tag, und darauf folgen schöne Abende.
Am 16ten – Regen. Am 17ten trocken, aber kühl. Am 18ten regnete es mit Sturmwind.
19ten – Gestern Abend kamen 12 Preussische Quartiermeister aus Wesel hier an, denen heut 482 Mann Recruten und Wiedergenesene vormittags folgten. Die Halbwinnere zu Wallhoven und Rheinfeld bekamen jeder 30 Mann. Das Betragen ist sehr gut. Es muß ihnen alles gereicht werden, gegen Bezahlung. Sie haben am 20ten Rasttag und gehn auf Maynz zur Ergänzung der Regimenter.
Am 21ten – Morgens 6 Uhr brachen die Preussen bey schönem Wetter auf. Das Batragen ware sehr gut und die Bezahlung schlecht. Gestern Abend wollten 14 Gemeine desertiren. Die Ofiziere sezten ihnen nach und hohlten sie an den Stadtmauren zu Zons ein. Es kame im Mondschein zum Feuern. Ein Gemeiner wurde blessirt, der doch mit neun andern entwischte. Nur vier, welche sich unter die Zonser Brücke verborgen hatten, wurden hier eingebracht und in Ketten fortgeführt.
22ten – Herrliches Wetter. Es wird viel Haaber eingescheuert.
27ten – Zuweilen regnet es ein wenig, das aber die Sonne gleich wieder auftrocknet. Wir hätten einen dringenden Regen nöthig für Grummet und Weiden. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler 1 Schilling, das 100 Pfund Heu 45 Stüber. – Heute kame ein Ofizier mit 40 gemeinen Preussen von oben herab hier an, welche am 21ten heraufgezogen waren. Sie kamen wieder, weil ihr Regiment durch die oben Wiedergenesene schon complet war. Am 28ten giengen sie wieder auf Wesel.
Am 31ten – Gestern und heute ward in der Behausung des Jacob Cremerius der Rest von Meublen und einiges Vieh verkauft. Das meiste hatten die Schwestern und Bruder unter sich getheileit und heimlich weggetragen. Die Schulden werden wieder aller Vermuthen doch alle bezahlt werden, obschon solche sehr hoch kommen. Angenehm Wetter.
September[129]
Am 3ten regnete es mit wüthendem Winde. – Kornpreis 7 Reichstahler 9 Stüber.
5ten – Heiter. – Diese Nacht sind Diebe zu Worringen in die Kirch gebrochen. Nur einiges Leinwand und ein kupferner Kelch haben sie gefunden, weil die besten Sachen anderswo verborgen waren. – Die Preussische Armee steht bey Landau, die Keyserliche bey Quesnoi und die Engel- und Holänder vor Dünkirchen. – Die Königin von Frankreich sizt noch mit ihren 2 Kindern im Gefängniß. Rabsamen gilt 14 Reichstahler.
Bis 9ten – Sehr angenehme Tage. – Das Malder Haaber wird zu 3 Reichstahler 1 Schilling verkauft.
11ten – Seit dem 28ten Junius hatten wir keinen durchtringenden Regen. Die Fourage und das Gemüß hat sehr viel darunter gelitten. Klee ist fast keine mehr, und die Rübweiden sind sehr schlecht, ausser jenen, welche früh gesähet wurden. Dazu vermehren sich die Mäuse ausserordentlich. Das 100 Pfund Heu kostet 1 Reichstahler, das Malder Gerst 5 Reichstahler, Korn 7 Reichstahler 30 Stüber.
12ten – Warm und heiteres Wetter.
13ten – Heute ware es ganz heiß. Im Nachmittag zohe ein Donnerwetter vorbey. Es gehn von Zeit zu Zeit Hanövrische Truppen durch das Bergische über Grimmlinghausen zur Englischen Armee bey Dünkirchen. – Das Malder Weitz 9 Reichstahler.

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1793
September
Am 14ten – Heut um die Mittagszeit ward in Düsseldorf ein Mörder nahmens Peter Schaefer hingerichtet, weil er vor 3 Monathen seine Frau mit 19 Messerstichen ermordet hatte. Er war zu Pulm gebohren, wohnete zu Stommel, Monheim und anderswo bey Sohlingen, wo er auch verheirathet war. Er ware ein bratschigter Kerl mit einer wahren Schelmen-Physiognomie, 50 Jahr alt und mit einem blauen Rock bekleidet. Die Zeugniße seines Verhaltens und verschiedene Annecktoden beweisen, daß er schon in seiner Jugend viel Anlage zum Spitzbuben hatte, worinn er immer weiter gienge. Und da seine tugendhaftere Frau von seinen Diebereyen wuste, so fiel er auf den Gedanken, sie zu ermorden, damit er nicht verrathen würde. Am 12ten wurde i[h]m das Leben abgesprochen und ihm angesagt, daß er über drey Tage sterben müsse.
Sogleich waren die Jesuiten bereit, ihn zum Todt vorzubereiten. Aber dazu ware er gar zu sehr Bösewicht, als daß das eifrige Bestreben der frommen Vätern auf ihn hätte Eindruck machen können. Er wollte von keiner Bekehrung und Buße hören, obschon er katholisch war.
Der Pater Noelles, der viele Jahre her manchen armen Sünder zu Gericht geführt und hierzu sehr geschickt ist, both alle seine Beredsamkeiten auf, um ihm das Schreckliche seines verstockten Endes lebhaft vorzustellen. Er nannte ihm alle fromme Geistliche der Stadt und Gegend mit Namen und fragte ihn dann, ob er bey einem von diesen beichten wollte, worauf er "Nein" antwortete. Viele Geistliche, selbst der anwesende Kardinal-Erzbischof von Paris, besuchten ihn im Gefängniß und bemüheten sich vergebens, sein Gewissen zu rühren. Sogar eine vornehme Dame von Adel gieng zu ihm und bath ihn, sich doch seiner armen Seele zu erbarmen. Aber alle, so hinkamen, kehrten mit dem traurigen Bewustsein zurück, daß hier alles verlohren war.
Die lezte Nacht schlief er sorgenlos. Viele Geistliche beteten bey ihm Tag und Nacht, ohne Unterlaß, für das Heil seiner armen Seele. Und die ganze Klerisey der Stadt vereinigte sich deswegen, heut für ihn Meß zu lesen, damit Gott ihm doch eine glückselige Sterbstunde verleihen möge. Diesen Morgen um 4 Uhr weckte ihn der Pater Nolles und sagte ihm, daß izt für ihn zum Todten geläutet würde. Er richtete sich auf, trat ans Fenster und sahe zu, wie die Leute da vorübergiengen. Der Geistliche verlies ihn und kame mit einer Anzahl Schuhlkindern zurück, welche um ihn aus vollen Herzen betehen, ob vielleicht das Gebeth der unschuldigen Jugend ihn bewegen könnte. Als aber auch diese vergebens gekommen waren, so reichte der Geistliche ihm nochmalen das Kruzifix in die Handt und fragte ihn, ob er dann nicht seelig werden wollte, worauf er wie vorhin "Nein" antwortete, und warf das

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1793
September
Bild seines Heilandes unter die Füß auf die Erde nieder. Allmälig rückte die Stunde heran, wo ihm der Stab gebrochen werden sollte. Am neuen Bau ward er auf einen neuen Schlitten gelegt und rückwärts vor das Rathhaus gebracht, wo die Blutrichter seiner schon warteten. Er kame nicht aus seiner Stellung, als ihm das Urtheil vorgelesen und der Stab gebrochen wurde. Und nun gienge der Zug nach dem Hochgerichte, wo viele tausend Zuschauer versammelt waren. Wie er das Schafott bestieg, so hielt ihm der Geistliche noch eine feurige Rede: Er schilderte ihm mit den lebhaftesten Farben die Freuden des Himmels und die Quaalen der Hölle und stellte ihm vor, daß er noch in diesem Augenblick Engeln oder Teufel zu seinen ewigen Gesellschaftern wählen könnte. Dem Geistlichen stand der Schweiß auf der Stirne, und Thrähnen strömmeten ihm aus den Augen. Als er aber sahe sein unbusfertiges Herz, so verließ er ihn mit den Worten: "So fahre dann zum Teufel." Da erinnerte ihn der Scherge nochmalen zu bedenken, welchen Schritt er wage, und bath ihn, sich zu bekehren, aber er sagte kein einziges Wort.
Nun bemächtigten sich seiner die Henkersknechte und sezten ihn auf den Stuhl, banden seine rechte Hand auf den dabey stehenden Stock, beschnitten sein Haar und entblösten seine Schultern. Da nahme der graue Scharfrichter von Duisburg das Schwerd und hieb. Der Kopf sank ein wenig vorwärts. Die Schergen warfen ihn mit Stock und Stuhl um und hieben den Kopf auf der Erde vollends ab. Dann richteten sie den Rumpf wieder auf und hieben ihm auch die Hand ab. Nun erschiene der Geistliche wieder auf dem Blutgerüst und sprach zum Volk: "Wie gelebt, so gestorben. So geht's, wenn der Sünder seinen Gott verläst, so verläst Gott den Sünder. Nehmt einen Spiegel daran. Ich mag nicht für ihn bethen etz." Es ward auch nicht wie sonst gebethen. Die Schergen flochten den Leib auf ein Rad, steckten Kopf und Hand auf die Stange und richteten selbige in die Höhe, zum schreckhaften Beyspiel der Vorübergehenden. Und alsobald zerstreuete sich das Volk, jeder nach seiner Heymath.
15ten – Dunkel und warm. Am 11ten ist die Vestung Quesnoi von Prinz Koburg mit Kapitulation eingenohmen worden. Die Franzosen haben am 10ten die Engländer vor Dunkirchen geschlagen, und General Wurmser mit dem Herzog von Braunschweig sind in der Gegend von Landau 8 Stund von den Franzosen zurückgeschlagen worden. Zweybrücken ist von den Lezteren wieder überschwemmt. Hingegen hat die englische Flotte die Stadt Toulon[130] eingenohmen.
Am 17ten bis 19ten – Regen. – Kornpreis 4 Kronthaler. – Es gibt noch sehr viele Mäuse im Feld. Wenn die nur nicht in die junge Saath sich nisten!
Vom 20ten bis 28ten – Sehr angenehme, zuweilen dunkle und doch warme Tage. Es ist fast kein grünes Blatt mehr im Feld, so hausen die Mäuse.

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1793
September
Am 29ten – Der heutige Michaeli-Tag wurde sehr glänzend gefeyert, und weil es eben Sontag ware, so hatten auch viele Fremde daran theil genommen. Ein Minorit, von Kölln bürtig und Anverwandter unseres Posthalters namens Jockel, hielt eine kurze, aber bündige, geschmackvolle Rede, die allgemein bewundert und gelobt wurde.
October
Am 1ten und 2ten – Warm mit etwas Regen. – Das Malder Gerst gillt 6 Reichstahler.
Am 6ten – Es ist noch anhaltend warm und dunkel. Kornpreis 4 Kronthaler.
7ten – Heut nachmittags 2 Uhr passirten 800 französische Gefangene unter ungefehr 150 Mann starken preussischer Bedeckung hiedurch. Sie waren im Zweybrückischen den leztern in die Hände gerathen. Es waren einige schöne Leuthe dabey, viele Kinder von 16-17 Jahren, die meisten aber mager und voll Ungezifer. Sie schliefen diese Nacht zu Müllheim am Rhein, die folgende zu Neus und gehn auf Wesel. Der Wirth im Stern Mathias Schmitz stand mit seinem Knecht Wilhelm Hardstein vor der Thür, welchen lezteren die Preussische Ofiziere unerachtet alles Weigerens bis auf Grimmlinghausen als Wegweiser mitnahmen. Angenehmes Wetter.
11ten – In der Kölnischen Zeitung stand, daß der Jud Abraham von Glesch heute mit 40 der auserlesensten Füllen auf Dormagen kommen würde, welcher auch gestern zeitig hier eintrafe und heut beym Schefen Steinberger seine Waare aufstellte. Es waren viele Halfen von der Gillbach zugegen, welche 15 Füllen kauften.
13ten, Kirmes[131] – Es ware das schönste Wetter, das man jemalen um diese Jahreszeit erwarten konnte. Deswegen ware der Zulauf von Fremden unbeschreiblich. 14ten, Montag[132]: Es war heute nur allzuwarm, besonders für die tanzende Jugend. Alles erlustigte sich in Eintracht und Freude.
15ten, Kirmes-Mitwoch[133] – Es ist eine Kirmes, so glänzend und festlich, als man sich einer ähnlichen im Menschenleben nur erinnern kann. Diesen Mittag kamen ganz unerwartet 160 Preussen von Wesel, welche am 7ten die gefangene Franzosen transportirt hatten. Sie wurden umblettirt und waren ganz ordentliche Leuthe. Als aber der Abend einbrach und die Soldaten bedrunken wurden, da gab's mancherley Händel. Bey Pannes im Bäumchen durfte niemand als Soldaten tanzen. Sogar musten einige Dorfjungen sich aus dem Dorf flüchten.
16ten marschierten sie auf Kölln. Diesen Nachmittag wurde die ehemalige Wohnung des Jacob Cremerius dem Meistbietenden verkauft. Der Amtsverwalter hatte die Direction. Erst wurde das Haus mit dem danebenliegenden Stalle ausgestellt und an Henrich Dekoven von Worringen um 1.225 zugeschlagen. Demnach wurde die leere Platz neben Joan Fabels für 400 Reichstahler ausgestellt. Joan Sand both im Rausch 100 Reichstahler auf die vier, und es wurde ihm zugeschlagen. Demnach wurden

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1793
October
beyde Theile zusammen für 1.725 Reichstahler ausgestellt, und der Schefen Steinberger kaufte solches für sich und für meinen Vater Herman Delhoven um 1.753 Reichstahler, jedoch haben die Erben sich die Ratification auf 6 Wochen vorbehalten. Es wurde mehr dan 2 Ahmen Weinkauf in Rothem und Weissen gesofen. Drauf wurde getanzt und gelärmt bis in den lichten Morgen. Kornpreis 4 Kronthaler. Schön Wetter.
18ten – Noch immer angenehme Tage. Am 26ten: Die Erben Cremerius haben ihr 6-wochentliches Reluitions-Recht wegen dem verkauften Erb an die Ankäufere überlassen. Der Schefen Steinberger bekömmt also das leere Erb und Herman Delhoven das Hauß. Die Anna Catharina Huh, wovon am 13ten August dieses Jahres Meldung geschah, ist als Miterbinn von den Schwestern und Bruder Cremerius eingesezt worden. Sie bekömmt nun den sechsten Theil von dem, was nach Abzug der Schulden übrig bleibt. Am 30ten Regen und Wind.
Novembr[134]
Am 1ten stellte sich der erste Frost ein. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler, Haber 2 Kronthaler. Die große Keyserliche Armee unter Koburg wollte Mauberge belagern und ware schon über die Sambre vorgerückt, als die Franzosen ausfielen und die vereinigte Truppen bis in die Gegend von Mons zurückschlugen. Hingegen hat die vereinigte Keyserliche und Preussische Armee in der Gegend von Landau die Weißenburger Linien erobert und beschiessen wirklich Landau. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler.
Endlich ist auch die unglückliche Königin von Frankreich auf der Guillottine am 16ten October hingerichtet worden. Sie ist die Schwester des Kuhrfürsten von Kölln namens Maria Antonia, Tochter der großen Keyserin Maria Theresia.
Am 2ten – Frost. Am 4ten dunkel. Am 5ten Regen. – Der Rhein ist ausserordentlich klein.
8ten – Regen, Wind. Die Preussen haben die Belagerung von Landau aufgehoben und sind gen Sarlouis hinabgewichen, weil die Franzosen dort einfallen. Auch in die Provinz Namur sind sie eingebrochen. Das alles machet die Lage der kombinirten Armee sehr bedenklich, und wir wünschen nichts so sehr als Friede.
Bis 15ten – Regen mit angenehmem Wetter vermischt. Kornpreis 8 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler.
Am 25ten – Angenehme, zuweilen dunkle Tage. Fortluis in Elsas ist vom Kayserlichen General Wurmser eingenohmen worden. Die Preussen wurden hingegen von Bilsch hinweggeschlagen.
December
Am 1ten – Es folgen noch immer angenehme Tage, zuweilen etwas Regen.
Die Franzosen haben den Keyserlichen General Wurmser zurückgedruckt und sind in das Herzogthum Zweybrucken eingefallen. Sie brandschatzen und pressen, wo etwas zu haben ist. Auch bey Trier drohen sie durchzubrechen. Es sollen frische Truppen aus den Keyserlichen Staaten hinabkommen, und dann könnte es leicht geschehen, daß solche im Frühjahr bey uns einige Wochen kantonirten, wie voriges Jahr die brave Kallenberger.

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1793
December
Am 8ten – Das Jahr nahet sich allmählig seinem Ende. Bisher hatten wir noch immer angenehme Tage, nur eine einzige Nacht etwas Frost. Der Rhein ist sehr klein. Deswegen kan man in den meisten Brunnen kein Wasser schöpfen. Die Mäuse im Feld wollen noch nicht vergehn. Viele Stücker sind gänzlich abgefressen.
Am 9ten – Um die Mittagszeit kamen 80 Preussische Blessirte, welche zwar wieder geheilet, aber doch zum fernern Dienst untauglich waren. Einem war der rechte Arm und einem andern beyde Beine abgeschossen. Das alles erhielten sie bey der Belagerung von Maynz.
Am 20ten – Es kömmt noch kein Frost. Sonst wechseln noch immer Regen und Sonnenschein einander ab. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler 20 Stüber. Rabsahm 12 Reichstahler, Haaber ein Dukaten und der Zentner Heu höchstens 1 Reichstahler. Noch immer kommen keyserliche Transporte hinab zur Verstärkung der Koburgischen Armee. Sie ziehn auf Bergheim, andere über Fühlingen auf die Gillbach und dann nach Niederland.
Am 27ten – Die gelinde Witterung hällt noch immer an. Die Mäus im Feld vergehn. Was sie früh abgefressen haben, das ist auch ganz verdorben. In voriger Woche ward wieder von der Länderey des verstorbenen Cremerius vor 2.300 Reichstahler verkauft. 2 und ½ Morgen Kornland auf dem Steinbüchel kaufte Jacob Cremer, Wirth im Pflug, um 500 Reichstahler.
Am 31ten – So schliesset sich das Jahr, ohne Frost zu bringen; nur früh eine einzige Nacht, sonst hatten wir bis heute meist angenehmes Wetter. – Kornpreis ist 7 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, Haaber 11 Gülden. Nach dem Heu wird nicht gefragt. – Es ist für den Ackersmann ein trefliches Jahr, obschon das Korn schlecht aufs Denn gab, so ersetzet der hohe Preis dieses reichlich. Man kann noch nicht sagen, ob wir Soldaten ins Winterquartier bekommen, denn alles, was noch von oben herab kömmt, geht durch zur Koburgischen Armee, welche um Valenciennes auf Dörfern kantonirt, weil die Franzosen keine Winterquartiere beziehn. Ich lase gestern einen Brief des Obristen von Callenberg. Er schreibt, daß schon 22 Ofiziere von diesem Regiment theils todt, theils invalid sind. – General Wurmser und der Herzog von Braunschweig stehn von Landau bis Trier, und die ganze Truppenkette hat retiriren müssen. Für uns wäre Friede der beste Theil, wozu beym Abschied des Jahres keine Hofnung ist.

1794

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1794
Januar
Am 1ten – Noch tobet Krieg und Verheerung rund um uns her. In Süden und Westen fallen die Krieger wie Schnee dahin zu Tausenden, und noch ist von fern und nah keine Hofnung, daß sich Frankreichs Fluren bald in Frieden sonnen werden. Indessen haben wir von den Franzosen keinen Ueberfall zu fürchten wie vor einem Jahr. Aber auf den Frühling könnte es leicht seyn, dass wir wieder Kayserliche Cantonirungen bekämen. Fast alle Wochen kommen kleine Trüppchen Preussen hiedurch, bald hinauf, bald hinunter. So rückten auch heute 28 Kanonier mit 2 Hauptleuthen hier ein. Morgen haben sie Rasttag. Die Preussen bezahlen nichts, betragen sich aber übrigens sehr gut. Droben bey Landau werden alle Tage Schlachten geliefert, in Valenciennes Gegend aber nur Vorpostenscharmützel. Indessen ist dort der Soldatendienst sehr hart; wie mir der Lieutnant von Vetterle, mein guter Freund, schreibt, daß sie in elenden Dörfern an der Sambre cantoniren müssen. Viele wollen behaupten, noch ein Jahr könnte der Krieg dauern, und dannach Friede werden. – Kornpreis 7 Reichstahler, Haaber 11 Gülden. – Es hat diese Nacht treflich gefroren. Es geht auf dem Felde drüber.
Den 4ten – Der Frost hällt an, doch ohne bitter kalt zu seyn. – Die Kriegsnachrichten vom Oberrhein sind für die dasige Gegend sehr traurig und wirklich beunruhigt für uns. Die Keyserliche und Preussen sind von Landau und aus den Weissenburger Linien hinweggeschlagen worden. Wurmser wird Speier und Manheim besetzen, der Herzog von Braunschweig auch in Maynz einziehen. Die preussische Kriegskasse ist nach Frankfurth gebracht, und alle Einwohner von Worms, Speier und Manheim verlassen das Ih...[135] und suchen ihr Heil auf der Flucht. Den Franzosen kann nichts wiederstehen. Allenthalben, wo sie hinkommen, erwartet sie Sieg über Sieg. Brand, Sengen und Brennen sind die traurige Folgen ihres Kommens.
Am 10ten – Der Frost hällt noch immer an. Am 8ten ware schon viel Eis im Rhein, der izt sehr klein ist. Die Kayserlichen und Preussen haben bey der jüngsten Retirade ihre Magazine in Worms[136] geschlossen. Deswegen wird das Malder Korn um 4 Kronenthaler und der Haaber um 1 Ducaten [verkauft][137]
Am 12ten – Starker Frost und Raureif. – Man ist in hiesigen Gegenden wieder besorgt um einen Ueberfall der Franzosen. Sie nähern sich Koblenz, und die Preussen ziehen sich noch immer zurück. Die Kayserliche sollen in den Weissenburger Ländern über 100 Kanonen verlohren haben. Sie sowohl als die Preussen musten Magazine in Brand schiessen. Worms ist von den Franzosen besezt. – Der Rhein geht dicht mit Eis.
Am 13ten bis 15ten – Schwacher Frost. Es ist ein sehr leidlicher Winter. Oben steht der Rhein. Hier ist fast kein Eiß mehr darinn. – Die Franzosen haben sich hinter Kreutznach zurückgezogen. Im Trierischen und jenseit des Rheins müssen alle Bauern die Wafe ergreifen und gegen die Franzosen fechten. Dafür bekommen sie täglich 10 Kreutzer und 2 Pfund Brodt. Wir sind hier gefast, wenn die Franzosen anrücken sollten, keine Wafen zu ergreifen, aber auch nicht wegzugehn, ausser die vornehmsten Schefen.
Am 16ten – Regen. Kornpreis 4 Kronthaler, Haaber 1 Ducaten, Heu der Centner 1 Reichstahler.

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1794
Januar[138]
Am 20ten kamen 130 Preussen und Maynzer von unten auf hier in Quartier. Sie haben morgen Ruhetag und gehn zur Armee. Sie brachten 900 gefangene Franzosen nach Wesel. 5 Ofiziere waren dabey. Einer logierte im Schwanen, einer bey Schefen Steinberger, einer bey Hermann Delhoven, einer beym Posthalter und einer auf dem Wallhover Hof. – Regnicht – zuweilen angenehm Wetter.
Am 25ten – Der Oberrhein ist fort. – Regen und Schnee. Am 26ten starker Frost. Kornpreis 8 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 12 Reichstahler.
27ten fiele den ganzen Tag häufiger Schnee. Es war so wüst, als es lange nicht gewesen ist.
Am 28ten – Etwas Frost. Am 29ten Regen, bis 31ten angenehm.
Februar
Vom 1ten bis 5ten – Frühlingstage. Es sangen Lerchen. Am 6ten und 7ten Frost mit Regen. Kornpreis 8 Reichstahler, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber, Gersten 5 Reichstahler 30, Haaber 30 Schilling, 1 Pfund Butter 14 Stüber.
Am 10ten bis 13ten – Sturmwind mit Regen. – Die Franzosen strömen noch immer in der Gegend von Worms, Manheim und Trier umher. Koburg steht aber noch vest in der Gegend von Landreci und Rissel.
Am 16ten – Diese Tage war ein anhaltender gräßlicher Sturm mit Regen. Deswegen drohet der Rhein unsere Felder zu überschwemmen.
Am 18ten – Um die Mittagszeit kamen 246 Preussische Rekruten von Wesel hier an. Es waren meist Polaken und schöne Leuthe. Den Abend desertirten ihrer schon 36.
Am 19ten soffen sie tüchtig und sprachen laut von Ausreissen. Die Ofiziere stellten die 12 bey sich habende Vertraute ausser dem Dorf auf Posten. Mit dem Abend giengen die Soldaten zu 10 und 20 Mann fort. In der Nacht hörte ich ein paar Schüsse fallen, welche von den Vertrauten auf die Deserteurs geschahn, deren um 11 Uhr nachts noch 7 eingebracht und mit Stricken gebunden wurden. Am 20ten morgens beym Abmarsch waren vom ganzen Trup nur noch 75 Mann übrig. 4 kamen in die Messe, und nachdem in die Sacristei, wo sie vom Pastoren um die Erlaubniß bathen, sich in die Kirche schliessen zu lassen, welches auch bewilligt wurde. Drüber kam die Nachricht, daß die Ofiziere schon von ihrem Aufenthalt benachrichtiget wären, und die Soldaten verliessen die Kirche, als auch gleich die Ofiziere mit einem Korporal in die Kirche kamen und alles durchsuchten. Sogleich versammelte sich eine Menge Einwohner, daß die Soldaten für dienlich fanden, die Kirche zu verlassen. Noch beym Hinausgehn ward der Korporal mit einem halben Ziegelstein geworfen, weil er den Hut nicht abnahme. So marschierten sie um 9 Uhr morgens ruhig auf Köln. Allmählich kamen noch verschiedene Deserteurs zum Vorschein, welche sich versteckt hatten. Um 11 Uhr kame die Nachricht, daß ein Soldat in der Irmer Hütte in den Kuhbenden läge. Dieser hatte gestern Abend auf der Flucht eine Ader am Knie verruckt. Und da noch ein Korporal bey den Karren, welche die Flinten und Ranzeln der Deserteurs nachführen sollten, zurückgeblieben war, so besorgte dieser den Gefangenen mit einer Karrig auf Kölln. – Regenwetter.

[140]

1794
Februar
Am 26ten – Es regnete bey stürmenden Winde vom 5ten dieses bis heute. Der Rhein ist gleichfals durch ein Wunderwerk wieder ans Fallen gekommen. Die Feldmäuse scheinen zu vergehn. Der Schade, den sie anrichteten, ist nicht sehr beträchtlich. Der Schuhmacher Jacob Clemenz ist für dieses Kahr als Bürgermeister bestättigt, so wie der Engel Ferver als Feldschütz.
Merz[139]
Am 2ten, Fastnacht – Dieses Fest wird nicht mehr so stattlich gefeyert als vor 10 und mehrern Jahren. Es ist keine Musick im Dorf und überall so ruhig, als an einem gemeinen Sontage. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler, 100 Pfund Heu 1 Reichstahler. Auf den Grenzen der Kuhbenden längst dem Mühlenberge wird eine Reihe Bilweiden gesezt, unter der Direction des Johann Steinberger. Voriges Jahr ward von 1 Morgen das Graß von den Kuhbenden verkauft. Aus diesen Geldern werden die Kosten bestritten. Am 2ten still und angenehm.
Am 3ten, Fastnachts-Dienstag[140] – Um 12 Uhr kamen 144 Pfälzer von Düsseldorf hier an. Sie waren kernhafte Zechbrüder und machten mit dem Abend vielen Lärm durch komische Gesänge und gienge am 4ten auf Kölln, die Reichsarmee zu verstärken. – Auf dem Köllnischen ist die Verordnung, daß diejenige junge Leuthe zum Militärdienst ausgehoben werden sollen, welche dem Ackerbau nicht obliegen. Die Anzahl beträgt gemäß dem Triplum für Worringen 9 Mann. Die Worringer wollen nicht ziehen, sondern ihre 9 Mann kaufen und das Geld auf die Morgenzahl ausschlagen.
Am 10ten – Der Merz bringt anhaltende schöne Witterung. Kornpreis 8 Reichstahler, Haaber 1 Ducaten.
Am 13ten – Die Merzerschauern kommen schon, doch meistens bey der Nacht. Gestern Abend 10 Uhr bekame die Frau Sturms, Wittib des Schefen Peter Sturm, einen Schlagfluß. Dazu ware ihr die Wasserblase gesprungen, da sie schon 6 Jahr die Wassersucht hatte. Sie wurde mit allen Gerechtsam versehen, schlummerte die Nacht über bis diesen Morgen um 8 Uhr, als sie gottselig im Herrn entschliefe. Kornpreis 8 Reichstahler 10 Stüber.
Am 23ten – So stürmend der Februarius ware, so anhaltend schön ist der Merz. – Bisher waren die Kriegsbegebenheiten unbedeutend. Koburg steht mit der Kayserlichen und Englischen Armee vor Maubeuge an der Sambre, die Franzosen gegenüber. Von Manheim bis Maynz stehn die Preussen mit den Kayserlichen. Diese gehn nun auf Trier, und 25.000 Preussen sollen die Gegend unten Kölln besetzen. Das trift ganz wahrscheinlich uns, aber was das heissen soll, das weis der klügste Politicker nicht.
Am 24ten – Die heutige Zeitung meldet, die erwähnte Preussische Armee soll sich zwischen Bonn und Kölln lagern. In Kölln sollen 6.000 Mann zum Hauptquartier kommen. Also bekämen wir doch etwas mit davon. Die Aussichten in die Zukunft sind traurig. Auch wird es nicht fehlen, daß im Gülich und Bergischen Rekruten gezogen werden.

[141]

1794
Merz
Am 27ten – Es ist ungewöhnlich warmes Wetter. Die Bäume fangen zu blühen und zu grünen an. – Die Preussen, welche ins Köllnische beordert waren, haben Contreordre erhalten. Die Veranlassung zu diesem March ware: Der Kurfürst von Bonn hatte schon öfter den Vortrag nicht durchsetzen können, daß die Geistlichkeit und der Adel von ihren Gründe Simplen bezahlen sollen wie die Bauern. Nun reisete der Fürst vor einem Monath auf Wien, wo er die Sache so einzufädeln wuste, daß ein Theil der Preussischen Armee auf Execution bey die Geistlichkeit und den Adel gelegt werden sollte. Als diese den Braten rochen, da unterschrieben sie folgsam und willig, daß sie mit beytragen wollten, und die Preussen ziehn zurück. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 30 Schilling.
Am 29ten kamen wieder 20 Preußen mit 2 Ofizieren hier an. Sie bleiben die Nacht über hier und gehn auf Wesel. Am 30ten und lezten warmer Regen.
April
Vom 1ten bis 5ten – Stürmische Tage. – Die Nachricht am 17ten Merz, welche die Preußische Execution und Simpeln-Unterschrift der Geistlichkeit und des Adels im Kölnischen betraf, ist noch dunkel und bestättiget sich noch nicht. General Koburg steht noch ruhig mit seiner Arme gegen den Franken hinter Valenciennes. Was aus allem werden wird, ist ein Rätsel.
Am 6ten – Regen. Gestern Nachmittag erhielten wir die von geistlicher Obrigkeit ausgeschriebene 13-stündige Gebethsordnung, welches heute gehalten wurde. Auch kamen heut schon 2 Regimenter Preussen auf Kölln, welche bey den Bürgern blettirt und eine Zeitlang liegen bleiben. Auch um Kölln auf Bergheim zu ist Preussische Kavallerie gelegt. Man sagt, es soll eine Reservarmee für Prinz Koburg seyn. Kornpreis 8 Reichstahler 1 Schilling, Haaber 30 Schilling. – Am 15ten Merz waren zuverlässig zu Monheim die ersten Kornähren. Hier aber sahe ich heut, am 6ten, die ersten. Alles läst sich an zu einem frühen Jahr und Ernte. Im Jülicher Land soll ein Kapuziner geweissaget haben, daß wir um Pfingsten reifes Korn hätten. Ich glaube zwar nicht daran, dennoch geht die Sage im ganzen Land.
Bis 11ten – Regen. Am 12ten sehr schönes Wetter. Es ist noch fast keine Haaber gesähet.
Am 13ten, Palmtag[141] – Das Wetter war schön und die Prozession sehr zahlreich. Als wir um halb vier wieder in der Kirche waren, da wurde die Andacht gehalten, welche zur Abwendung der Kriegsdrangsalen von geistlicher Obrigkeit auf alle Sonntage diesen Sommer hindurch ausgeschrieben ist. Sie besteht aus 4 Gebether, 4 Gesängen und so viel "Vater unser", mit Aussetzung des Hochwürdigsten.
20ten – Alle Tage ist schön und immer schöner. Das Korn ist alle in Ähren. Ein so frühes Jahr ist noch bey Menschengedenk nicht gewesen.
Am 25ten – Es ist schon Kornblühe gesehen worden. Die 2 Regimenter Preußen, welche in Kölln lagen, sind wieder auf Frankfurth marschiert. Schön Wetter.

[142]

1794
April[142]
Am 28ten kamen 30 Gemeine mit einem Ofizier als Quartiermeister des Anspachischen Regiments Reitzenstein hier an. Am 29ten morgens 10 Uhr rückte das ganze aus 1.008 Gemeinen und 32 Ofizieren bestehende Regiment hier ein. Im Posthause ware der General, zu Wallhoven 52 Gemeine, auf dem Rheinfelderhof 50, zu Horm bey Henrich Braun 18, zu Jussenhoven 35 Mann, die übrigen waren alle hier im Dorf. Es muste dem Regiment die Rationen und Portionen gegen Scheine gegeben werden. Es waren sehr schöne, gesittete Leuthe.
Am 30ten brachen sie morgens 6 Uhr auf und giengen auf Fühlingen, Longerich, Merrem und die benachbarte Örtcher, wo sie Rastag haben. – Schön Wetter. – Diese Täge hindurch war's so heiß, das viele junge Leuthe sich im Rhein gebadet haben. Schwere Donnerwetter ziehn täglich vorbey. Es möchte wohl etwas regnen.
Mey
Am 1ten bis 3ten – Heis. Am 4ten starker Regen, worauf sich vieles Korn gelegt hat.
Am 10ten – Diese Tage waren kühl und naß. Dabey blühet das Korn recht schön. – Die Kayserliche Armee unter Prinz Koburg, vereinigt mit der Englisch-Hanöverisch und Holländischen hat die Festung Landrecy den Franzosen weggenommen. Darauf sind Leztere ins Kayserliche Flandern eingefallen. Der junge Keyser Franz ist selbst bey der Armee. – Auf dem Köllnischen werden Recruten gezogen, reich und arm, ohne Unterschied. Nivenheim liefert 3 Mann, Straberg 3 und Dielrath 2, Hackenbroch 3, Delven 2. Auf den meisten Plätzen werden solche gekauft um 100, auch um 200 Reichstahler. Diese Gelder werden[143][144] Alle Tage ziehn Recrutentransporte hiedurch aus den niedern Ortschaften des Köllnischen Landes. Meistens werden solche gekauft und das Geld durch freywillige Beyträge zusammengebracht, wobey dann mehrmalen ausbedungen wird, die Recruten durch Kayserliche Postgefähre auf Bonn zu bringen. Jedoch werden die Kaufgelder zu Bonn deponirt, und der Soldat erhällt solche nicht ehender bis zu Ende des Kriegs. – Kornpreis 7 Reichstahler 30 Stüber. – Gestern sind die Küh in die Benden getrieben worden.
Am 11ten – Gottestracht. Schönes Wetter. Diesesmal sind wir mit der Procession den alten Weg von Rheinfeld hieher gegangen, weil vorig Jahr der Sand in der Auen von denjenigen, welche Land auf dem Kranenort und hinten Rheinfelt haben, vom Weg geschaft wurde, wo wir seit 1784 über den Damm giengen.
Am 12ten – Regen, und doch giengen wir Procession, aber von Horm an der Hellbüchelsgasse herein, und wir wurden durch und durch naß. Haaber gillt 12 Gülden.
Am 13ten kamen 300 Pfälzer von Düsseldorf morgens 10 Uhr hier an. Sie frühstückten etwas in den Wirthshäusern und giengen um 12 Uhr auf Köln zur Reichsarmee.
Bis 12ten – Sehr warm. Am 18ten dunkel, angenehm.

[143]

1794
Mey
Bis 24ten – Kalt mit Regen, Hagel und kleinen Nachtfrösten. – Die Kayserliche, Hessische, Engel- und Holländische Armee hatte bisheran hinter Valenciennes agirt und schon die Festung Landrecy weggenohmen. Die Franzosen aber marschierten in 2 Kolonnen. Die eine nahm Cortrye ein, die andere gieng auf Charleroy. Nun stand die vereinigte, vom Kayser selbst, dann dem Prinzen von Koburg, General Clairfait und dem Herzog von York angeführte Armee Gefahr, abgeschnitten zu werden. Deswegen blieben die eroberten vesten Plätze nur besezt, und die kombinirte Armee muste sich gegen die Franzosen stellen. Sie liefen am 17. dreymal auf Cortrye Sturm, wurden aber jedesmal von dem tapfern französischen General Pichegrü zurückgeschlagen. Am 18ten in der Früh grif Pichegrü den Herzog von York und Keyserlichen General Otto in der Fronte an. Die Besatzung von Rysel faßte sie im Rücken, und eine andere französische Kolonne fiel ihnen in die Seyte. Es gab ein Gemetzel, so blutig, als heuer noch keines gehalten wurde. Die Kayserliche und Engländer verlohren mehr dan 40 Kanonen. Ihre Niederlage ist unbeschreiblich. – Oben am Rhein ist alles ruhig. Die Preussen gehn vorwärts, wenn die Franzosen zurückgehn. Am 26ten ist der erste Wintersahm gehauen worden.
Am 29ten, als am Himmelfahrts-Tage, ward die Prozession wegen dem anhaltenden Regen nicht gehalten, und selbige ist auf künftigen Sonntag festgesezt. – Der Kurfürst von Kölln läst nun auch alle Schwelger, Schläger und kleinen Diebe aus seinen Ländern zur Nachtzeit durch Husaren wegnehmen und macht Soldaten daraus.
Am 30ten – So wurden auch diese Nacht 2 Männer dieses Gelichters aus Zons gehohlt. Einer ist unter dem Namen Stadtfeld oder Stelzman bekant; ein Säufer von Profession, der in die 50 Jahre alt ist und sein Vermögen in Wein, Bier und Brandwein verlaborirte. – Der Mey war dieses Jahr kalt und naß.
Am 1ten, Sontag – Diesen Morgen wurde die Himmelfahrts-Prozession gegangen. Nach dem Mittag regnete es wieder aus Norden. Kornpreis 7 Reichstahler 15 Stüber.
Am 8ten, Pfingsten[145] – Das Wetter ist noch immer kalt, und wenn die Sonne nur ein wenig scheint, so blühet noch Korn, welches überhaupt den ganzen Monath Mey still gestanden. Am 9ten, 10ten und 11ten sehr heiß, bis 18ten anhaltend. – Zwischen den Franzosen und Kayserlichen werden noch immer schwere Trefen gehalten. Erstere beschiessen Ypern mit glühenden Kugeln.
Am 19ten, Fronleichnam[146] – Schwüllig heiß. Am 23ten ist die erste Wintergerst eingefahren worden. Alle Tage wird gemordet und Schlachten gehalten zwischen den Vereinigten und Französischen Armeen, wobey Leztere immer gewinnen und sich näher auf Ostende und Brüssel ausdehnen. Alles Schlagen ist vergebens, schreibt die Neuwieder Zeitung. Eine von den Franzosen verlohrene Schlacht ist doch ein Sieg für sie, weil auch die Kayserlichen dadurch geschwächet werden und die Franzosen ihren Verlust gleich wieder ersetzen können.

[144]

1794
Junius
Am 25ten – Anhaltende Hitze. Heut wurde das erste Korn gehauen. – Man befürchtet nun mit Grund, daß die Franzosen endlich doch hiehin kommen werden, da die Kayserlichen noch immer zurückgeschlagen werden. Das Flüchten von Brüssel über Bergheim ist unbeschreiblich stark, so daß nur an Postpferden jeder Tag an Hundert umgewechselt werden. Kornpreis 8 Reichstahler. Am 30ten heiß.
Am 30ten ist das erste Korn eingefahren worden.
Julius
Am 1ten – Regen. Am 2ten heiß. Die Haaber sieht sich besser an als noch bey Menschengedenken, eben so rein von Korn ware das Dorf, so wie die ganze Gegend. Der Müller verkauft das Malder nach dem Düsseldorfer Preiß zu 10 Reichstahler. Halbwinner musten schon ihr Brodtkorn aus dem Bergischen beziehen, und Brodt ist nur in Zons zu haben.
Am 5ten – Heiße Tage. Das neue Korn wird zu 8 Reichstahler 45 Stüber verkauft, wiewohl dessen noch hier keins zum Verkauf ist. Am 7ten wird allgemein Korn gehauen.
Bis 10ten – Große Hitze. Das Korn wird wieder so schlecht wie voriges Jahr geben. – Die Kayserliche, Holländisch und Englische Armeen sind so oft und nachdrücklich von den Franzosen geschlagen worden, daß sie Braband den Franzosen einräumen müssen. Die Österreicher haben sich diesseits der Maas von Ruremond bis Lüttich zurückgezogen, und die beyden anderen Armeen ziehn in Holand. Die Preußen stehn von Trier über Zweybrücken. Auch gegen diese sind die Franzosen im Anzug, und auch sie werden geschlagen werden.
Am 13ten erhielten wir ein wenig Regen, der doch vor die Gemüse etwas späth kame.
Am 14ten – Heis. Am 15ten wurde wieder stark eingescheuert. – Das Flüchten aus Brabant, Lüttich und Aachen hällt noch immer an. Düsseldorf und Neus sind ganz damit angefüllt, und in Kölln zählt man deren bey dritthalbtausend. So geht auch die Passage hiedurch sehr stark, daß fast alle Reisenden auf die Postpferde warten müssen. Auch kommen Kloster- und Weltgeistliche in unbeschreiblicher Menge hiedurch. 15 und ihr Prälat aus einer Lütticher Abdey wohnen zu Zons auf dem Schloß, und Nonnen kommen schaarenweise und suchen Obdach. Dennoch weis ich nicht, was diese alle zum Entfliehen bewegt, da die Franzosen ihnen nichts zu leide thun und sehr menschlich verfahren.
Am 16ten – Morgens 8 Uhr kamen 35 französische, von den Kayserlichen eroberte Kanonen mit eben soviel Pulverwägen und einigen Kayserlichen Kanoniers von Kölln hiedurch. Solche werden auf der Neusserweide aufgestellt. Nach diesen kamen auch einige und 40 mit Pulver und Kugeln beladene Rüstwägen hier an. Sie spannten aus vom Schwanen an bis ans Posthaus, und fütterten ein paar Stunden. Deswegen konnte keiner aus-, noch einfahren. Beym Auszug luden sie in den Mähbenden das Heu von einem halben Morgen auf und fouragirten rechts und links an der Landstraße. – Heis.
Am 17ten kamen wieder einige und 30 Rüstwägen. Sie schierten in den Kühbenden aus und gehn auf Neus. – Die Franzosen sind in Brüssel und die Kayserlichen zu Talemont.

[145]

1794
Julius
Am 18ten – Abends, als jederman am Einscheuren war, kame der Befehl, daß 16 2-spännige Karren nach Bethlehem auf den Dienst fahren müssen. Sie luden Kayserliche Blessirte und fuhren am 19ten auf Kölln. Am 20ten hielten sie noch geladen auf Andreas-Kloster, und man weis noch nicht, wohin ihre Bestimmung geht. – Das Flüchten aus den westlichen Gegenden dauert noch immer fort. Die Kayserliche Armee zieht sich mehr und mehr zurück und wird zu Kölln über den Rhein gehn, wo schon die Pontons zur stehenden Schifbrücke angelangt sind. Am 18ten kamen 300 Mann von der Condeischen Emigranten-Armee zu Monheim an.
Am 21ten kamen 500 Kayserliche zu Worringen an. Auch die Fühlinger Heyde muste von Früchten gereiniget werden, wo heute mehr dan dreytausend Wagen hinkommen. Die Besorgniße für unsere Wohlfarth und Ruhe steigen aufs Höchste, Muth und Fleiß zur Arbeit sinkt, da uns vielleicht das gröste Elend bevorsteht. Dennoch ist bis izt niemand entschlossen, seine Heymath zu verlassen, weil unter den Emigrirten, die kommen, keine Bauern sind. Nachmittags kame der Oberlieutnant von Ziegenhain des Regiments Gemmingen hier an, um für die Kriegskanzley Quartier zu machen, die doch heut, am 22ten, noch nicht eingetrofen ist. Nur kame der Feldpater und die Oberlieutnants Richter und Mascheck vom Regiment Callenberg hieher, um diejenige Freunde noch einmal zu besuchen, die sie ehmals mit soviel Liebe aufgenommen hatten.
Am 25ten – Etwas Regen. Das Korn ist noch lange nicht alle eingescheuert und noch wenig Rübweiden gebauet. Die Dienstpferde bleiben aus, und so häufet sich die Arbeit mehr und mehr, da auch bey der großen Hitze der Haaber bereits reif geworden ist. Traurig sind der Zukunft Aussichten. Die Kayserlichen werden wahrscheinlich über den Rhein gehn, und ihr Abschied von den hiesigen Landen dörfte nicht so friedlich seyn als ihr Kommen war. Vielleicht wird alles verheeret, um den Franzosen nichts zu lassen. – Das neue Korn gillt 9 Reichstahler 15 Stüber, 100 Pfund Heu 1 Reichstahler.
Am 26ten – Dunkel. Von den am 18. dieses auf den Dienst gefahrenen Karren haben sich einige durch die Flucht diesseits Koblenz gerettet, die übrige schickten einen Expressen von Bonn und begehrten Zehrgeld. Der Schefen Steinberger gienge noch diese Nacht auf Bergheim, dann auf Bonn, wo er alle Karren dieses Amts befreiete, welche gegenwärtig waren. Nur der eigene Knecht des Schefen Steinbergs mit Herman Hammelrath waren schon fort zur Armee auf Aachen, denen Steinberger gleich nachgesetzet. Die übrige Karren kamen
am 27ten abends zurück. Ein schönes junges Pferd des Steinberger steth krank zu Lechnich, welches der dasige Bürgermeister hieher meldete.

[146]

[Gedruckter Erlass des Kölner Generalvikars J. P. Horn-Goldschmidt vom 23. Juli 1794: Dispens vom Fleischverbot]

[147]

1794
Julius
Am 29ten – Das Kriegsgewitter zieht sich immehrmehr über uns zusammen. Koburg hat sein Hauptquartier von Mastricht zurückgezogen. Die Spuren seiner Retirade über den Rhein werden in allem sichtbahr. Alle Augenblicke ziehn hier Proviant-Wägen, Ofiziere und Gemeine auf und ab. Emigrirte warten auf Postpferd, und die Straße ist immer von Fremden besähet. Ausser 6 Ofizieren haben wir keine Einquartierung. Nur gestern Abend kamen meinetwegen 40 Wägen von der Reserv-Artillerie von Neus hieher. Die Constabler wurden im Dorf umgelegt. Die Wägen wurden aber vor dem Dorf köllenwarts aufgestellt. Die Knechte fouragierten etwas weniges. Heut in der Früh kame ein Both von Neus mit dem Auftrag, Dormagen soll diesen Nachmittag 14 4-spännige Wäge oder 28 doppeltgespannene Karren zum Wegschaffen der Artillerie bereit haben: Rheinfeld 2, Horm 3 und Worringen 9 vierspännige Wägen. Diese alle sollen den Nachmittag hier zu Dormagen bereitstehn, bey Tag und bey Nacht. – Gestern Abend 9 Uhr kame der Schefen Steinberger zurück. Er hatte die 2 übrige Karren zu Eschweiler angetrofen, welche gleich zur Armee fahren sollten. Die Knechte hatten vor Freude geweint, als sie Steinberger sahn, der aber auch seit seiner Abfahrt von hier keinen Augenblick geschlafen hat, sondern Nacht und Tag beschäftigt war, seinen Plan auszuführen. – Weil nun Dormagen die 56 Pferde nicht hergeben konnte, so daß diesen Morgen der Schefen Sturm zeitig zu Pferd, um dem Kayserlichen Commandanten in Neus diesertwegen Vorstellungen zu machen. Der dasige Bürgermeister Aldenhoven, aus Zons gebürtig, hatte es so eingerichtet, daß seine Vaterstadt von diesen Diensten freyblieben. Schefen Sturm brachte es doch dahin, daß Zons 36 und Roggendorf mit Thienhoven 24 Pferde hergeben musten. Um 6 Uhr am Abend kamen die Karren von Neus mit den Artilleristen beladen hier an, welche gleich auf die hiesigen aufsassen und über Kölln auf Luxemburg abfuhren. 12 Doppeltkarren fehlten aus der Herrlichkeit Worringen. Gleich wurde ein Commando dahingeschickt, und sie brachten auch diese hieher. Der Schefen Steinberger fuhr wieder mit auf Kölln. – Die Wagen-Knechte, welche gestern Nacht hier waren, haben im Schwanen 4 Schafe gestohlen. Kornpreis 9 Reichstahler 18 Stüber.
Am 30ten – Um die Mittagszeit kame der Schefen Steinberger mit allen Karren von Kölln zurück. Es hatte Müh gekostet, dieselbe loszubringen, doch Spitzfünde und Klugheit des Schefen Steinberger sezten durch. – Die Franzosen stehn jenseits der Maas, und die Kayserlichen halten noch das diesseitige Ufer besezt. Das Bagage-Laager ist von der Fühlinger Heyde in die Nehler Benden verlegt worden.

[148]

1794
Julius
Am 30ten – Gestern kamen beynah 100 Kayserliche von Neus hier an. Sie wurden meistens auf die auswärtigen Höfe blettirt. Jene von Rheinfeld badeten sich im Rhein, und einer ertrank. Der komandierende Ofizier, welcher zu Walhoven lag, muste vom Wirthe des Ertrunkenen hierüber ein Zeugnis haben, und dieser war der Rheinfelderhalfen. Zu dreyenmalen ward hingeschickt und der Rheinfelderhalfen nach Walhof entbothen, allein, er wollte nicht kommen. – Der Tag fieng an, sich zu neigen, als drey commandirte Soldaten auf Rheinfeld abgiengen, um den Rheinfelderhalfen hinzubringen, es koste was es wolle. Die Nacht brach ein, fürchterlich rollten Donner und Regen, da trafen die Söldner mit dem Halbwinner von Rheinfeld auf Walhoven ein, der in den ersten Augenblicken für Angst nicht schreiben konnte, das doch nur in seinem Namen bestand. Als er endlich wieder zu sich kam und das Attest unterzeichnet hatte, ward er in Gnaden entlassen und kehrte wohldurchnäßt zu den Seinigen zurück.
Am 31ten – Heis[147]. Erst jetz fängt man mit Ernst an, Rübweiden zu bauen. Kornpreis 8 Reichstahler 15 Stüber.
August
Am 1sten[148] – Heut rückten hier 150 Anspacher Jäger hier ein. Sie betragen sich sehr gut.
Am 4ten – Die heutige Zeitungen verbreiten Angst und Verwirrung, hier wie in der ganzen Gegend. Der Kayserliche General Prinz Koburg schreibt eine Auffoderung aus seinem Hauptquartier bey Mastricht an die teutsche Rheinbewohner, daß sie die Armee unterstützen sollen. So heißt es darin: "Leeret eure Scheunen und führet die Früchte zur Armee, theilet euer Erspartes mit uns, bringet euer Silber und Gold aus den Kirchen, um unsere Soldaten dafür zu lohnen, daß sie drey Jahre hindurch für euch gefochten haben. Wo nicht, so werde ich mit meiner Armee über den Rhein gehen und euch alles nehmen, damit der Feind nichts fände." Dann sollen wir auch noch zu Gewehr greifen und vereint auf die Franzosen losgehn, wofür uns aber Gott bewahren wolle. – Naß und kühle Tage.
Am 5ten – Zu Düsseldorf wird Landtag gehalten, und zu Kölln ist eine Kommission niedergesezt, welche bestimmen soll, was und wieviel die hiesigen Landen zur Armee liefern sollen. Die Zeiten der Trübsal nähern sich uns mit jedem Tage. Zwar ist izt das Dorf von Soldaten leer, aber ununterbrochen dauert die Passage Kayserlicher Rüstwägen hiedurch auf und ab, welche selten und schlecht aus den Magasinen Fourage bekommen, und deswegen gezwungen sind, zu nehmen, wo etwas ist; umsomehr, da viele Brabänter dabey sind, welche gewaltsam mitgenohmen wurden, und nichts bekommen. Vor dem Mittag fütterten 20 dieser Wägen hier auf der Straße, welche so viel Haaber mit dem Stroh in den Feldern aufgeladen hatten, als auf einem Morgen wächst. Diesen Abend schlaft deren wieder eine Transport in den Kühbenden.

[149]

1794
August[149]
So erzählt man sich izt die Sagen der Vorzeit und die Geschichten des grauen Alterthums: wie auch damals Krieg gewesen und gebrandschatzt worden ist, wie die Bewohner unseres Dormagen ihr Vaterland verlassen, so daß an sechszehn Wochen hier kein Schornstein geraucht hat, und Graß auf der Straße gewachsen ist, wie man mehrere Jahre geackert und nicht gemähet, Freund und Feind gesengt und gebrent hat, wie mehrere hundert Ackerleuthe vom Pflug zur Schanzarbeit weggeführt und todt geblieben sind, wie alles öd und wüste wurde und Land und Leuthe verdorben sind. – Ähnliche Schicksale weissaget uns die Lage der Dinge, so daß Muth und Entschlossenheit zu allen Geschäften darnieder sinkt, weil alle Aussichten zum Frieden zu verschwinden scheinen und die Hofnung zu allem verlischt, was uns noch retten kann.
Am 7ten – Platzregen. – Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler 15 Stüber, 1 Pfund Butter 15 Stüber. – Es ist eine Unruh im Dorf, die unbeschreiblich ist. So verbreitet sich das Gerücht, als wenn der fünfte Mann oder Jung ausgehoben und eine Menge Geld und Frucht geliefert werden soll. Unverheyrathete wollen entfliehn, Männer hingegen werden durch immer neue und schreckhaftere Sagen lebenssatt.
Am 8ten kamen wieder 63 Kayserlich-Königliche Rüstwägen von Mastricht hiedurch auf Neus. Verschiedene hatten Gewehr, Seil und Zelter geladen. Am Abend kame auch eine große Transport-Wagen mit Korn beladen von Neus hieher. Sie lagerten in den Kühbenden. Deswegen wachten diejenige, welche noch Sommerfrücht in der Gegend haben, die Nacht hindurch. Die Wagenknechte aber giengen in die Mähbenden und luden 9 Hausten Heu auf, welches den Zonser zugehörte. – Der Erzbischof von Kölln hat hiesigem Erzstift an Freytäg und Samstägen das Fleischessen erlaubt, welches am lezten Sonntag auf der Kanzel verkündiget ward. Noch will sich keiner hier im Ort dazu entschliessen, obschon es doch einerley ist, ob ich mich in Fleisch oder Fisch satt esse.
Am 11ten – Regen hällt noch an, und der gehauene Haaber ist am wachsen.
Am 12ten – Gutes Wetter. Am 13ten heiß. Es wird viel Haaber eingescheuert.
Am 13ten, mitwochs[150], am 13ten – Diesen Nachmittag um 3 Uhr brach in der Scheune des Wilhelm Henrich Braun zu Horm Feuer aus. Hier ward mit der alten Klocke Sturm geschlagen, und als wir mit den Brandeymern dahinkamen, lage Scheuer und Stallung mit noch einem Nebenhäuschen in der Asche. Von dem Hause des Wilhelm Henrich Braun aber wurde das untere Stockwerk durch die zwey Zonser Brandspritzen gerettet. Es ware viel Volks da, welche aber zu späth kamen, um die Hausmobilien zu retten. Nur alles Vieh ward mit Mühe geborgen. Man spricht von Bettlersleuthen, welche Lunten gelegt sollen haben. – Das sagt man immer. Donnerstag[151]: Heut muste jeder Einwohner die Zahl seiner Familien bey Schefen Steinberger angeben, und zugleich, wie viel Früchten jeder zu verkaufen oder zu kaufen hat – Korn, Weitzen, Haaber, Gerst oder Buchweitzen.

[150]

1794
August[152]
Am 16ten – Die Bönnische Prozession, welche sonst mehrmalen aus 2.600 Köpfen bestand, war heute kaum 150 stark. Der Krieg verursacht diese Schwäche. – Die Franzosen haben am 9ten Trier eingenohmen. Die große Armee steht nahe der Maaß von Lüttich bis Rürmond. – Kornpreis 4 Kronthaler.
Am 20ten – Dunkel warmes Wetter. – Gestern Morgen hörten wir eine starke Kanonade in der Gegend von Mastricht. Kornpreis 4 Kronthaler, Haaber 4 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 11 Reichstahler.
Am 22ten – Das Laboratorium und die Kanonen der Reserv, welche zu Neus standen, gehn diese Tage hiedurch auf Kölln, wo eine stehende Brücke gemacht wird. Die Kanonade am 19ten ware zwischen Mastricht und Tongern. – Die Prozessionen sind dieses Jahr sehr schwach. Lommersum, Zündorf und Siegburg sind gar nicht kommen. Kornpreis 8 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler. – Schön Wetter.
Am 24ten – Die Bagage-Wagen ziehn noch täglich zu Hunderten beladen hinauf und ledig hinab, um von Neus vollends alles nach Kölln zu bringen. Auch sind bey jeder Transport mehrere Kanonen. Gestern Abend hielt deren eine große Menge in den Kühbenden und auf dem Mühlenberg. Rings umher loderten die Wachtfeuer, wobey sich die Knechte ein Nachtessen abkochten.
Am 25ten – Unablässig dauern die Züge von Wägen, Kanonen und ledigen Pferden, zu Hunderten auf und ab. Gestern Abend wurde ein Ofizier bey dem Pastor bilettirt. Der Pfarrer wollte, weil es schon finster war, nicht aufmachen. Als aber der Ofizier Gewalt brauchen wollte, da bedachte sich der Pastor eines Besseren und nahm ihn auf in sein Haus, pflegte seiner mit Kost und Trank und lies ihn diesen Morgen im Frieden ziehn.
Am 31ten, Sontag[153] – Heut ward wieder 13-stündiges Gebeth gehalten, um die Kriegs-Drangsale abzuwenden. Dann soll auch mit der Sonntags-Andacht nach der Vesper fortgefahren werden bis Neujahr. – Kornpreis 8 Reichstahler. – Regenwetter. – Diese Woche hatten wir alle Nacht einige hundert Keyserliche Constabler zur Einquartierung. Diese betragen sich sehr gut, aber die Wagen-Knechte, deren jedesmal an hundert mit Kanonen und Munition dabey sind und in den Kühbenden lagern, stehlen Gemüß, Holz und Geflügel, so sie nur können. Wenn aber ein Einwohner sich zeigt, so gehen sie laufen. Das alles geht von Neus hiedurch auf Kölln und Zündorf oder Neuwied. Die stehende Brücke zu Kölln ist noch nicht fertig.
September
Bis 5ten – Sehr feine Tage. – Es ist mit der Lieferung, welche man gemäß dem Aufruf vom 4ten August vor unvermeidlich[154] hielt, noch alles still. Indessen ist Prinz Koburg von da ab und nach Hause gegangen. Clairfeit hat das Oberkommando, worüber wunderlich gesprochen wird. Die Kayserliche stehen noch diesseits der Maaß und die Franzosen in Trier und Lüttich. Die voriges Jahr von den Kayserlichen eingenohmene Festung Quesnoi ist so wie Landrezi wieder von den Franzosen besezt, Valenciennes und Conde eingeschlossen.

[151]

1794
September
Unser Kuhrfürst hat in hiesigen Herzogthümeren Kopfsteuer ausgeschrieben, um die Reichs- und Kreiß-Obliegenheiten und die Lieferungen an Fourrage und Früchten zu bestreiten, welche bey Anrückung der Armeen und Durchmarsch fremder Truppen erfodert werden. Es sollen demnach so gehalten seyn, daß
1tens[155]: Nur das Haupt einer jeden Familie gehöre zur Kopfsteuer.
2tens[156] sind die unter keiner väterlichen Gewalt mehr stehende ledige Personen, so für sich Nahrung oder Handel treiben, mit angeschlagen, doch bleiben hievon
3tens[157] Militär-Personen frey. Und wenn auch schon die Geistliche nicht zu dieser Kapitation gezogen, so versichen wir uns doch und wollen gnädigst, daß derselben gemeinsames Interesse, Haab und Güter, fort eigene Person hierunter betheiligt, und ihrer vielen Besitzungen halber mehr dan andre beytragen können, selbe ein Subsidium ecclesiasticum, welches 10 pro Cento ihrer im Lande beziehenden Einkünfte ertragen solle, in 3 Wochen Zeit an den besonders verordneten Empfänger Ramcky baar einliefern, wo wir sonst vermüssigt seyn werden, auf sämtliche Grundstücke die Matekular-Umlage zu verfügen. Wirkliche Seelsorger und Vicarien sollen frey bleiben.
4tens: Zur ersten Klasse von 20 Reichstahlern ohne Unterschied alle unsere Geheim-, Hof- und Hofkammerräthe, wirkliche oder Titualrräthe, Amtleuthe, Docktoren der Rechte und Medizin, Advokaten, Sekretarien, Registratoren, Amtsverwalter, Landschreiber, Vögte, Schultheiße, Richtere, Burggrafen, Forstmeistere, Verwalter, vornehme Handelsleuthe, wohlhabende Rentenierer, Zoll-, Früchten- und andere Admodiatoren, Schefen und Rathsverwandten in Hauptstädten, auf Rittersitzen wohnende und zum Landtag qualifizirt und unqualifizirte Eigenthümer.
5tens: Zur 2ten Klasse von 12 Reichstahlern gehören Kellner, Rhentmeistere, geringere Landbedienstete bis auf einen Gerichts- oder Stadtschreiber in den Hauptstadten, Prokuratoren, Notarien, Meistbeerbte und in mittler Nahrung stehende Wirthe, geringere Commercianten, Fruchthändler, Pompen-, Kupfer- und Rentmeistere, geringere Renteniere in Städten und Dorfschaften, die Pächter deren Rittersitzen und alle an Geist-, Aldich- und freien Gütern wohnende, derselben Eygenthümer.
6tens: Zur 3ten Klasse von 8 Reichstahlern gehören die in Besoldung stehende Kanzley-Verwandten, Ober- und Amts-Jäger, Wundärzt, Amts-Phisizi, Landmesser und die auf Geist-, Adlich und freyen Gütern wohnende Pächter.
7tens: Zur 4ten Klasse von 4 Reichstahlern gehören Bürgermeister, Schefen, Vorstehere in Dorfschaften, Schatzhebere, in guter Nahrung stehende Handwerksleuth, mittelmässig Beerbte, auf dem platten Lande, in Livree stehende Bediente, wofür die Herrschaft zu zahlen hat, alle übrige Dienstleute werden frei belassen.
8tens: Zu 2 Reichstahler gehören: Landbothen, Schif- und Fuhrleute, welche selbst fahren.
9tens: Zu 1 Reichstahler – nach Ermessen der Beamten alle wenig und mit bloßen steuerbaren Gütern Beerbte und Beywohnere. Taglöhner und Kötter werden freybelassen.

[152]

1794
September
10tens: Witwen zahlen die Halbscheid jener Klasse, wozu ihre Ehemänner gehörten. Wenn selbe aber für sich Kommerz treiben, so wird hiernach der Anschlag bestimmt.
11tens: Sämtliche verglaidete Judenschaft zahlt 4.000 Reichstahler.
12tens: Diejenige, bey welchen sich verschiedene Ämter, Eygenschaften oder Handwerker in einer Person befinden, führen den höchsten Anschlag ab.
Düsseldorf, den 2ten September 1794 – von Hompesch[158]
September
Am 13ten – Angenehmes Wetter. – Kornpreis 8 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 10 Gülden. – Gestern kamen 140 Reiter des Kayserlichen Regiments Latour hier in Quartier. Sie kommen als beurlaubte französische Kriegsgefangene aus Valenciennes, welche Vestung mit Conde sich am 26ten August wieder an die Franzosen ergeben hat. Die ganze Gegend wird mit selbigen belegt. Sie haben ihre Pferd und Gewehr zurücklassen müssen. Auf dem Kölnischen ist statt des Kopfgeldes auf jeden Morgen ohn Unterschied 15 Stüber ausgeschlagen, welches Dormagen auf die überschlägige köllnische Ländereyen nach Worringen hat zahlen müssen. – Wegen dem Absterben unserer Kuhrfürstin ist das Spielhalten so wie alle öfentliche Lustbarkeiten verbothen. – Kornpreis 8 Reichstahler 15 Stüber, Sahmen 11 Reichstahler.
Bisher standen die Kayserliche Armeen noch ruhig an der Maaß und diesseits Trier. Am 17ten, 18. und 19ten hörten wir stark Kanonieren aus Westen. Nun meldet die heutige Zeitung, daß die Franzosen an gedachten Tagen die Kayserliche angegrifen und geschlagen haben, so daß das Hauptquartier in Aachen und die Feldpost in Gülich ist. Die stehende Schifbrücke am Beyenthurme zu Kölln wurde heut noch fertig, so daß es nun Gewißheit scheint, daß die Franzosen an den Rhein kommen werden.
Am 21ten – Die 140 Reiter von Latour, welche seit dem 12ten hier lagen, sind heut von hier nach Bilk marschiert. – Die Gebeth und Gesänge, welche in der Fasten anfiengen und seit dem alle Sontag nach der Vesper gehalten wurden, hören nun auf, weil der Pastor vermutlich einsieht, daß es nicht helfen wird. – Es befinden sich 3 französische Emigranten einige Tage hier, welche ein Korps errichten, so blos aus Emigrirten bestehn und in englischen Sold kommen sollen. Die 3 benennte Werbofizier logiren beym Becker Henrich Meuser neben dem Anker, 10 Rekruten bey Mathias Schmitz im Stern und noch andere bey Joan Zorn und Joann Karris. – Schönes Wetter. – Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber.
Am 22ten – Heut wird angefangen, für unsere verstorbene Fürstin zum Toden zu läuten, morgens von 7 bis 8, mittags von 11 bis 12 und abends von 6 bis 7. Im Pflug ward damit angefangen.
Am 24ten – Die Franzosen nähern sich immermehr dem Rhein. Das Flüchten aus Kölln geht übermässig stark. – Die hiesige Emigranten müssen alle fort.

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1794
September
Am 25ten – Die Franzosen sind in Aachen und patrolliren auf Eschweiler und Aldenhoven zu. Die Kayserlichen stehn auf Düren, Gülich und Erkelenz zu. Zu Köln sind zwey stehende Brücken über den Rhein fertig.[159] – Am 26ten: Diese Nacht sind 300 fette Ochsen, welche zur Kayserlichen Armee gehn, auf dem Walhover Hof logirt gewesen. – Regen.
Am 29ten – Wegen dem anhaltenden Gerassel von Karren, Wägen und entfliehenden Herrschaften, auch durch das Regenwetter enstandene Morast im Dorf wurde die seit 3 Jahren gewöhnliche Prozession nicht umgegangen, doch waren viele Beichtende, worunter auch Auswärtige sich befanden.
Am 30ten – Gestern Abend kame die Ordre, daß diesen Morgen 7 Uhr 16 zweyspännige Karren zu Kölln auf den Dienst seyn sollen. Dieses machte die Nacht sehr unruhig. Johann Steinberger gieng als Commissarius mit. Das ganze Jülich-, Köllnisch- und Bergischeland hat seit dem August alle Fourage nach der Armee dienstweis fahren müssen, jedoch kommen sie gleich wieder loß. Alle Tag kommen dieser Karren zu 50 und mehrere hiedurch, von Ratingen etz. und aus dem niederen Köllnischen. Die Armee der Kayserlichen steht noch zwischen Düren, Gülich, Hambach etz. Die Franzosen jenseits der Roer. Unten Kölln am Mühlheimer Vehr ist eine stehende Brücke aufgeschlagen worden, welche erst an der Stadt lage. In den Neeler Benden werden Batterien gemacht, woran heute zwölftausend Mann arbeiten. Das Amt Hülchrath muste deren 300 dienstweis stellen, welche nach dreytägiger Arbeit abgelöset werden, ohne Zahlung. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber.
October
Am 3ten – Gestern Nachmittag sprengte der Gülicher Posthalter hier ein. Er sagt aus, daß die Franzosen vormittags auf allen Punkten angegrifen und die Kayserlichen wahrscheinlich zum Rückzuge nöthigen werden. Bey seiner Abreise hätte die Stadt schon an vier Orten in Flammen gestanden. Die Franken kanonieren vom Aldenhover Berg bis über Gülich herüber. Das sezte alle Bewohner in Schrecken. Zum Glück kamen abends 6 Uhr die Dienstkarren wieder. Mit großer Mühe brachte Johann Steinberger es so weit, daß sie zu Orrbell abluden.
Abends 11 Uhr kame auch eine Stafette von Bergheim, welche die Bestattigung jenes Angrifs auf Düsseldorff bringen muste. Heut giengen mehrere hundert Schanzarbeiter aus dem Karsch, Linn und dem dortigen Köllnischen hiedurch auf Neel, doch hörte man nichts weiter von Kanonieren oder Soldaten bis nachmittags 4 Uhr. Da kreuzten sich schreckhafte Nachrichten durcheinander. Es hies, die Armen-Lagere auf der Bethlemer Heyde, im Rommerskircher Feld, Grevenbroich, Wevelinghoven etz. wimmern von Soldaten, und alle diese Sagen waren wahr.

[154]

1794
October[160]
Am 3ten, Fortsetzung[161] – Stafetten kamen eine nach der anderen. Mit dem dämmernden Abend hieß es, Stüttchen, Nivenheim, Dielrath etz. seyn voll Kayserliche Soldaten. Die Verwirrung stieg daher aufs Höchste. Als aber die Nacht anbrach, da kame ein Kutscher von Grimmlinghausen, welcher uns durch die Nachricht beruhigte, daß alle Truppen von Roermond über Grevenbroich auf Grimmlinghausen über den Rhein gehn.
Am 4ten, samstags[162] – Diesen Morgen um 3 Uhr wekte mich der Kaufmann Koch aus Wevelinghoven, der mein guter Freund ist. Gestern den ganzen Tag waren Truppen und Wägen da vorbey zum Rhein gefahren. Um 9 Uhr abends, bey seiner Abreise, waren alle Kayserlichen Soldaten über die Erft, und die Brücken abgebrochen. Die Franzosen waren damals schon zu Fürth. Die Kayserliche hatten in Wevelinghoven an vielen Häusern geplündert, Schweine geschlachtet und mancherley Unfug getrieben. Bey der Abfahrt des Koch hatten noch viele Einwohner Hülf gerufen, und in die Gegend gen Bergheim hinauf hatte es an 5 Orten gebrennt. Bis um die Mittagszeit sahe man hier keinen Soldaten. 600 Kayserliche Scharfschützen waren von Grevenbroich irrgegangen, kamen auf Zons und von da auf die Piwitt, wo sie übergeschiffet wurden. Die Knechsteiner Herren, welche mit noch einer Rotte Nonnen und vieler Bagage auch da über den Rhein wollten, musten auf Kölln fahren, wo sie auch schwerlich werden überkommen, weil die Armee am marschieren ist. Um 12 Uhr sah man auf der Heyde gegen Zons eine große Menge Wägen halten. Man sagte, die Franzosen wären zu Stommel und Pulheim, welche Orthe von den Kayserlichen geplündert, die Beute aber ihnen von den Franzosen wieder abgenohmen worden. – Das war gelogen. – Um 2 Uhr kamen die Gefähr von der Heyd hier an. Die ersten waren schon hier im Dorf, als man die lezten noch erst am Stüttchen heraus kommen sah. Es waren meistens einspännige Bauern-Karren, welche aus der Gegend von Roermund und Venlo dienstweis mitgenohmen wurden. Es waren einige und zwanzig Kayserliche Husaren dabey. Einer von diesen foderte bey Joann Krahn, Mathias Hack, Peter Lorbag und beym Bürgermeister Haaber. Jeder gabe ihm ein wenig, und er genügte sich damit. Nun begehrte ein anderer 13 Dienstpferde. Der Bürgermeister zeigte ihm selbige an. Joann Derichsweiler, Henrich Bochem und Peter Fix musten vorspannen. Die übrige Pferd aber waren alle geflüchtet in den Kolk und ins Pilgerbüschchen. Theils ackerte man damit im Feld. Von diesen nahmen die Husaren des Mathias Hack und

[155]

1794
October
Fortsetzung am 4ten[163] – des Gerichtsbothen Jakob Cremers Pferde mit Gewalt vom Pfluge weg. Nun kame wieder ein Husar, hiebe an des Bürgermeisters und des Mathias Hecks Hause Fenstern entzwey, aus Rache, daß sie keinen Vorspann bekommen hatten. Der Schefen Steinberger riefe "Nachbarn heraus"[164]. Da kamen eine Menge Menschen mit Hölzer und Gabeln bewafnet, worauf der Husar fortritte. Der Zug dauerte bis halber 6 zum Abend. Gleich zuvor hörte man heftig Kanonieren, welches, wie man nun vernimmt, in der Gegend von Neus ware, wo noch die Arriergarde der Kayserlichen mit den Franzosen im lezten Gefecht war, worauf die Kayserliche sich bis zum lezten Mann über den Rhein gaben und alle Schife jenseits mitnahmen. Dieses sagte uns ein Postilion; auch, daß schon die Franzosen Neus besezt hätten. Gülich ist in den Händen der Franzosen. – Acht Uhr abends wurde der Feldschütz umgeschickt, daß jeder die Nacht hindurch wachen und Licht brennen lasse. Es ist izt Mitternacht, da ich diese Begebenheiten niederschreibe. Auf der Strasse und überall herscht stille Ruhe und einsames Schweigen. Der Mond scheint so hell. Alles ist dennoch wach, obschon alle Thüren verschlossen sind. – Also sind wir jetz schon Republikaner, unser Oberhaupt der Nationalconvent in Paris. Deswegen ward auch heut Morgen mit dem Todtenläuten für unsere ehemalige Fürstinn aufgehört. – Die große Kayserliche Armee lagert noch bey Merrem und dehnt sich um Kölln über Ossendorf hinaus. Diesen Abend sahe man ganz klar das Heumagasin zu Neus brennen, welches die Kayserliche vor ihrem Abzug anzündeten.
Am 5ten, sontags[165] – Bis Mittag blieb alles ruhig, da erscholl die Nachricht, die Franzosen wären in Ramrath, Rommerskirchen etz. Nach der Vesper gienge ich auf Zons. Kaum war ich da, so kamen 4 Franzosen hereingesprengt. Man gabe ihnen Wein. Darüber kamen noch 30 rothe Husaren und grüne Dragoner am Feldthor herein. Sie nahmen Uhren, Geld und Leinwand von den Einwohnern und ritten zurück auf die Heide, wo ihrer noch beynahe 200 standen. – Um 6 Uhr kamen auch hier vier grüne Husaren zum Bürgermeister. Sie begehrten im Namen des Generals 25 Karolin Brandschatzung. Die Schefen accordirten bis auf 16 Kronthaler. Damit ritten sie dankbahrlich fort. Eine Stunde nach diesen kamen wieder viere, welche Quartier begehrten. Der Schefen Steinberger nahm sie auf. Es waren sehr artige Leuthe, und wir waren froh, dasß wir sie die Nacht über hier behielten. Nachdem, um 9 Uhr abends, kamen wieder 5 neue, welche auch Geld haben wollten. Weil die vier, welche bey Steinberger waren, aber mit ihnen darüber sprachen, so liessen sie sich mit Quartier beruhigen.

[156]

1794
October
Am 5ten – Sie stellten ihre Pferde im Schwanen in den Stall. 3 schliefen im Hauss und die andern bey den Pferden. Diese giengen, als die Leuth im Hause schliefen, wieder hinaus. Eben bließ der Nachtwächter am Pflug die eilfte Stunde. Die Franzosen glaubten, es wäre ein Zeichen zum Lärm, und wolten den Nachtwächter tödten. Der Wirth im Pflug nahme selbigen ins Haus und rettete sein Leben. Die Dragoner forderten 10 Kronthaler. Die Frau öfnete eine Kiste, wo ein Körbchen mit Geld stande. Als sie dieses geleeret hatten (es mochten wohl 100 Reichstahler seyn), da giengen sie ans Lämbchen, brachen sich an einer Fenster hinein, und der Langel muste ihnen Kist und Kasten öfnen, woraus sie alles, was von Werth ware, wegnahmen und wieder zu ihren Pferden giengen.
Am 6ten, montags – Morgens ritten sie fort auf Hackenbroich. Gestern Nachmittag waren 3.000 Mann französische Kavallerie über Stommeln bis gen Hittorf an den Rhein recognosciren geritten. Von diesen hatten sich diese Streifparthien abgesöndert und waren hinabgewichen bis in diese Gegend. In Zons sollen sie für viertausend Reichstahler an Werth geplündert haben. Der Jussenhoverhalfen wurde von diesen Unholden dreymal besucht in dieser Nacht. Sie zündeten auf der Miste ein Bausch Stroh an. Als aber die Funken aufsprüheten und Gefahr droheten, da löschten sie's wieder aus. – Bis 3 Uhr nachmittags blieb wieder alles ruhig. Da sprengten 3 Husaren auf den Jussenhover Hof, nahmen dem Halfen eines seiner besten Pferde mit un ritten auf Nivenheim. Gleich hernach gewahrte man die Vorposten von Dielrath über die Heerstraße auf Sasserhof. Allenthalben zündeten sie Wachtfeuer an, welche die ganze Nacht über hell brannten. – Abends 8 Uhr wurden alle Nachbaren vom Pflug bis auf die Nettergasse zum Bürgermeister auf die Wacht zitirt, ebenso bis Joann Brandt in den Adler und die untersten bey die Wittib Schefen Küpper. Stets giengen Patrollen auf und ab, die, wenn geplündert würde, in Massa sich dahin begeben sollten. Es blieb aber ruhig. Um 9 Uhr begann eine fürchterliche Kanonade auf Düsseldorf. Ich stieg auf den Kirchenthurm und sahe die Stadt in lichterlohen Flammen stehen, das noch
7ten – bis heut um die Mittagszeit nicht gelöscht war, weil der Wind gar heftig saußte. Um 1 Uhr nach Mittag sahe man einige hundert Reiter von Nivenheim hinab ziehn, welche sich gegen Zons auf der Heyde lagerten. Eine Division kame in unsre Kühbenden. Auch wurde gleich Fourage und Holz dahingefahren. Die Soldaten wandelten hier durchs Dorf, drängten sich an allen Häusern hinein und foderten ohne Frechheit etwas Essen. In den Wirtshäusern gab's etwas Unfug. Mit dem Abend versammelten sich die Nachbarn wieder in den Wachtstuben. Beym Pannes wollten einige 20 Soldaten plündern. Die Nachbarn eilten hinzu, und sie nahmen die Flucht. Auf Düsseldorf wurde wieder kanoniert, und die Stadt brannte wieder die Nacht hindurch. Wir waren abends 8 Uhr bereit, unser Hauß zu verlassen.

[157]

1794
October
Am 8ten, mitwochs[166] – Gleich vor Mittag rückten hier 400 Jäger ein. Obschon dieses nun keine regulirte Truppen waren, so betrugen sie sich vorzüglich gut, und wir schliefen die Nacht wieder einmal ruhig.
Am 9ten marschierten die Jäger wieder fort auf Stürzelberg und Uedesheim. Wir hätten sie gerne den ganzen Winter durch hier behalten. – Die Lieferungen an Heu und Haaber sind über allen Ausdruck hart. Alle Tage 1.000 Rationen Heu und 20 bis 25 Malder Haaber nach Nivenheim, Karsch, Pulheim etz. Dazu kömmt noch die Beschwerniß, daß die ledige Säcke niemal wiederkommen.
Am 10ten – Gestern Nacht muste wieder die gesamte Bürgerschaft patrollieren. Und diesen Tag giengen 16 Mann auf und ab, um das Dorf vor Plünderungen zu sichern. Es geht doch alles gut.
Am 11ten – Der Schefen Steinberger und Sturm sind gestern auf Bergheim gefahren und kamen heute mit 5 Salviarden wieder. Einer logierte bey Sturm, einer beym Steinberger, beym Posthalter, zu Walhoven und einer zu Rheinfeld.
Am 12ten, Sontag[167] – Heut muste jeder angeben, wie viel Ackerland er in Besitz hat, wie stark die Familie, wie viel Hornvieh, Pferde, Heu, Haber, Korn und Weitzen jeder hat und endlich, wie viel er an Korn, Heu etz. zum Bedürfnis braucht. – Gestern hörte man abwärts wohl 100 Kanonenschüße. Die Franzosen schossen von dieser Seyte die jenseits liegende Grimmlinghauser Schifbrücke in den Grund. – Alle Gewehre, Pistolen, Säbel etz. musten heut zusammengebracht werden. Nachdem werden sie auf Aachen gebracht. – Sie bleiben aber einstweilen hier.
Am 13ten, montags[168] – Nachmittags kamen einige hundert Soldaten von Worringen herab. Eine Kolonne lagert auf dem Steinbüchel und die andere unter den Perschen. Gegen Rheinfeld werden Kanonen auf den Damm gepflanzt. Am Abend rückten einige hundert Dragoner Kavallerie hier ein. Sie betragen sich so gut, als wir noch keine Soldaten gehabt, und wir wünschen sie uns in die Winterquartiere.
Am 14ten – Die Infanteristen, welche am Damm campiren, haben heut die Weidenbäume, so unter dem Steinbüchel standen, niedergehauen. Sie haben sich Hütten von Stroh gebauet und trommelten heut auf dem Damm, so wie die Kayserliche zu Monheim. Dormagen muß 38 Küh und 19 Schaafe liefern.
Am 15ten – Die am 13ten hier einquartierte 103 Dragoner sind allerliebste Leute. Jederman ist mit ihnen zufrieden. Es ist auf jeden Morgen 60 Pfund Heu und 1 Faß Haaber, das Heu in die Scheuer des Theodor Bilk und in das vom Cremerius an Herman Delhoven verkaufte Haus der Haaber geliefert worden.
Am 16ten wurden alle Kühe aufgeschrieben, weil deren 38 geliefert werden musten. Nachmittag 3 Uhr waren alle Einwohner auf dem Kirchhofe. 8 Kühe waren 1 Loos. Aus diesen achten wurd eine ausgezogen. Jedoch musten diejenige 7, welche frey blieben, dem Liefernden auf jede Kuhe 2 Reichstahler 30 Stüber herausgeben. Viele Parthien kauften sich eine Kuhe vor ihr Loos. Auch müssen zugleich 19 Schaafe morgen Früh mit den Kühen auf Bergheim abgeliefert werden.

[158]

1794
October
Am 17ten – Gegen Rheinfeld ist der Damm zu einer Schanze umgeändert worden. Es stehen vorerst 2 Kanonen da aufgepflanzt. Auch ist ein kleines Laager Fußvolk dabey, welche in Strohhütten, mit Rasen gedeckt, campiren. Deren stehn einige 20 neben der Piwitte, am Platthals und auf dem Steinbüchel diesseit des Dammes. Alle junge Weidenbäume liegen darnieder. Sogar die Eschen um die Gärten werden abgehauen und ins Laager geschlept. Weil die Soldaten alles mit Papier bezahlen, so liegt Handel und Wandel still. Ein Pfund Kafe gilt in Kölln 1 Reichstahler gegen Assignaten. Die Kayserliche stehn zu Monheim und Baumberg am Rheine Schildwacht.
Am 18ten – Es lieget noch viel gemistet Brachland im Feld, das noch nicht gesähet ist, und vieles, das nicht wird gesähet werden. Die Erdäpfel unten im Feld werden fast alle von dem am Rhein kantonierenden Fußvolk aufgehoben. Die Kavalleristen im Dorf betragen sich vortreflich gut.
Am 21ten – Auf der Fühlinger Heyde steht die große Armee des Generals Jordan, dessen Hauptquartier in Kölln ist. Heut wurden von den hiesigen Einwohnern 13 Karren Büchenholz im Knechsteiner Busch geholt und den Vorposten am Rhein zugeführt. Alle Morgen müssen 6 Karren ins Lager bey Fühlingen fahren, um Brodt und Fleisch zu hohlen. Heut muste aller ausgedroschene Weitzen ins Magazin geliefert werden, und den Taglöhnern wurde zugleich gebothen, auf die große Höf und Plätze gegen Bezahlung dreschen zu gehen.
Am 22ten – Bisher ware eine Kompagnie Soldaten mit 4 Husaren in der Abdey Knechstein, um nachzusehen, daß nichts verkomme. Die Kompagnie marschierte heut fort, und die 4 Husaren gaben alle nicht geflüchtete Meublen den Einwohnern von Delven, Straberg und Dormagen preis. Kostbahre Schränke, Tisch etz. wurden hieher geführet von geringen Leuthen, welche in dem Wald Holz hohlen wollten. Um 12 Uhr zu Mittag kame eine neue Compagnie dahin, und das Plündern hörte auf. Ich gieng nach dem Mittag mit 2 Dragonern und meinem Bruder auf die Jagd und kamen in die Gegend hinab, wo das Kloster war. Der Durst nöthigte uns, hinein zu gehen. Da sassen die Soldaten um einen Tisch, der mit Eymern und großen Krügen voll Weins beladen war, und sofen einig und verbrudert miteinander. Im Kloster waren alle Thüren aufgeschlagen, die Bibliothek zerstreut durch das ganze Kloster und alles zerstöhret.
Am 23ten – Heut kam der Befehl, 2.000 Kamißbrodt zu 3 Pfund, halb Weitz und Roggen, zu backen. Es wurde von den Bäckern damit der Anfang gemacht.
Am 25ten muste alles ausgedreschen Korn ins Magasin geliefert werden.
Am 26ten, Sonntag[169] – Alle Tag werden einige Karren Holz vom Knechsteiner Busch in die Lager am Rhein gefahren. Dann fahren auch die Leuthe vor sich selbst. Dadurch ware also Mangel bey den Soldaten. Deswegen wurden heut 25 Karren und Wägen zitirt. Das Hochamt wurde in eine Leesmeß umgeschafen, und so

[159]

1794
October
fuhren sie um die Mittagszeit dahin. Bisher ward der Gottesdienst ungestöhrt gehalten. Nur wegen dem Angeben der Ländereyen am Sontag, den 12ten dieses wurde anstatt des Hochamtes eine Leßmeß gehalten und mit der großen Klocke nicht mehr seitdem Hierseyn der Franken geläutet. Dieses deswegen, damit die Franken durch den Schall nicht aufgemuntert würden, unsere schwerste Klocke wegzunehmen. Kornpreis 8 Reichstahler.
Am 27ten musten aus unserm Dorf 50 Dienstleuthe auf Neel bey Kölln, um dort Batterien zu machen. Sie kamen vor und nach bis am 28ten lezten wieder. – Bisher bestand die ganze Lieferung von Heu pro Morgen, frey und unfrei, in 4 Rationen zu 15 Pfund und 1 Faß Haaber, dann 20 Pfund Stroh.
November
Am 1ten – Heute wie alle Tag muß Holz aus dem Knechsteiner Busch gefahren werden, theils vor die Truppen, theils vor die Nachbahrn, denn auch der gringste Mann im Dorf bekömbt eine Kahr Buchenholz. Zudem müssen alle Morgen 6 Karren im Lager auf der Fühlinger Heyde Fleisch und Brodt holen.
Am 2ten, Sonntag[170] – Abends 8 Uhr kame die Ordre, daß alle hiesige Truppen aufbrechen sollten.
Am 3ten – Um 2 Uhr fieng die auf der Fühlinger Heyd stehende Armee an zu marschieren. Der Zug gieng durch und um das Dorf, Kavallerie und reitende Artillerie mit Fußvolk untermischt. Das dauerte bis 10 Uhr. Da wurde erst das kurze Seelenamt für die Verstorbenen gehalten. Auch wurden wieder 2 Compagnien Reiter und 500 Füsilier hier einquartiert. Alle Pferd sind auf dem Dienst. Auch ist eine starke Kolonne über Hackenbroich hinab gezogen. Die Veranlassung zum Aufbruch soll seyn, weil die Kayserlichen sich jenseits über Düsseldorf hinabgeben, um in der Gegend von Wesel über den Rhein zu gehen und das eingeschlossene Mastricht zu entsetzen.
Am 4ten – Das Batallion Fußvolk, so hier einlogirt ware, ist heut auf Worringen aufgebrochen. Nach dem Mittag zohen wieder 700 Infanteristen in die Baracken am Rhein. Sie strömeten durch die Gärten und hohlten sich Gemüß und hieben Bäume ab. Auch fiengen sie an, gegen dem Platthals Kanonen in den Damm zu setzen. Auf der Kevelarer Heyde sollen die Engländer stehen. Der Klevische Wagen geht von Kölln bis Hochstraß. Kornpreis 6 Reichstahler.
Am 6ten – Es muß von jedem Morgen Lands 5 Bauschen Stroh in die Magasinsscheuer des Theodor Bilk geliefert werden. Davon wird den Dragonern und dem am Rhein kampierenden Fußvolk gegeben. Seitdem Hiersein der Franzosen ist kein Bier noch Brandwein zu haben. Jetz fangen die Wirthe wieder an zu brauen und wollen in der Stille den Nachbahrn gegen baares Geld etwas abgeben. Die Soldaten haben nichts als Assignaten, welche man nur zu 2 Drittheile Verlust ausgeben kann, als 30 Stüber Papier gelten nur 10 in Geld, doch nicht öfentlich.

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1794
November
Am 8ten – Die Delver müssen für die hiesige Infanteristen Holz aus dem Knechsteiner Busch beyfahren. Obschon dessen nun immer genug vorräthig ist, so strömen doch die Soldaten durch die Gärten und hauen alle Eschenbäume ab. Hier sind noch viele Pferde auf dem Dienst, welchen heut Geld auf Neus nachgeschickt ward. Der Schefen Steinberger ist immer auf Reisen zwischen den Beamten und Commissairen, um den Auszug zu bekommen, wie viel Dormagen an Früchten zu liefern hat. – Alle Tage werden durch einen Trompetter viele Personen aus dem Bergischen herübergeschift. Es sind mehrere hundert Knechte darunter, welche Pferde und Karrig im Stich lassen und heimkehren. Aus Dormagen sind auch noch der Henrich Bochem (alt 50), Theodor Schüllgen (alt 16 Jahr) und Joan Fix (alt 20 Jahr), jenseits des Rheins mit ihren Pferd und Karren. Man sagt, sie wären zu Monheim.
Am 11ten – Diesen Morgen 4 Uhr musten die hier liegenden Truppen aufbrechen. Gleich darauf fieng die aus dreissigtausend Mann bestehende Armee an, hierdurchzudefiliren: erst schwere Kavallerie, dann reitende Artillerie, dann folgten Infanterie-Trupp de Linie und eine große Zahl Munitionswägen. Das dauerte ohn Unterlaß bis 1 Uhr nach Mittag, so daß nicht Meß gelesen werden konnte. Die Halbscheit marschirte neben Jussenhoven über Horm, andere theilten sich vor dem Dorf und giengen am Pflug über den Kayser durch die Gärten rheinwärts. Um 3 Uhr kame auch der General-en-chef Jourdan zu Pferd mit einigen Ofizieren und Reiter. Der ganze Zug geht über Neus auf Creyfeld. Die Nachbahrn hielten Thür und Fenster zu, doch schlichen sich manche hie und da herein und foderten Butter und Brodt. An den vornehmsten Häusern waren Savoyarden zurückgeblieben. Diesen Nachmittag waren die Posten am Rhein wie izt unbesezt. Da wagten sich 5 Kayserliche Scharfschützen mit einem Kahn an der Piwitte herüber, erkundigten sich nach der hiesigen Lage und schifeten gleich wieder zurück. Vieles Fuhrwesen und einige Dragoner sind vor dieser Nacht hier im Dorf blettirt.
Am 12ten – Um 8 Uhr diesen Morgen eröfnete das erste Reiterregiment den Zug. Infanterie und Kavallerie untermischt, durch und umb das Dorf, dauerte das Marschieren bis 5 Uhr am Abend. Die Savoyarden musten auch mit fort. Jederman hat Thüren und Fenster zu wie gestern, und es geschahe niemand etwas zu leide. Schwerer Artillerie, mit 12 Pferden bespannt, kame auch eine Menge hierdurch. Diesen Abend sind 700 Mann Infanterie hier einquartiert. Das Dorf ist sehr morastig durch die starke Passagen. Auch die Fußwege sind von der Reiterei übel zugericht.

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1794
November
Am 13ten – Diese Nacht um 2 Uhr kamen 300 Chasseur hieher, welche gleich umgelegt wurden. Die Leuthe im Dorf wurden aufgeweckt durch ein paar Dienstmänner. Und als die Reiter mit den Billeter kamen, stiessen sie einige Häuser auf, und die Einwohner musten mit, die Logis zu weisen. Auch kamen noch einige Fußgänger, welche dem Bürgermeister ein Glaßfenster entzwey schlugen, weil er sie nicht bilettiren wollte. Die gestern hier bequartirte Infanterie muste heut in die Baracken am Rhein, und die Chasseur zohen um 9 Uhr morgens wieder auf Worringen. Die ganze hier durchmarschierte Armee soll über hundertfünfzigtausend Mann stark seyn und auf Wesel über den Rhein wollen. Die Armee, welche Mastricht eingenohmen hat, wird den Rhein in der hiesigen Gegend besetzen. Am Abend tröpfelten wieder mehrere hundert Infanteristen hier ins Dorf, so daß in geringen Häusern 3 Mann kamen. Sie sind aber sehr gut zu beköstigen: essen, was man hat, und gehn gern früh zu Bett. Ofiziere essen und schlafen bey den Gemeinen.
Am 14ten – Die große Armee lagert auf der Kevelarer Heyde. Die Soldaten am Rhein strömten wieder durch die Gärten und hohlen sich etwas in die Suppe. Wo Bienen sind, da nehmen sie den Hönig, wenn niemand zugegen ist. Auch brechen sie alte Bienenschöpfe oder Aschenhäuser für Brennholz ab. Das war sonderbar in der Plünderungszeit, als die ersten Franzosen hieherkamen: Jeder wohnte lieber in einem armen Häuschen, truge lieber einen zerlumpten Rock als einen prächtigen. Sogar bis auf den heutigen Tag ist keiner im Dorf, der silberne Schuhschnallen trägt. Lederne Riemen ersetzen diese. – Heute war's ruhig. Die 2 verflossene Täg hat der Wallhover Hof viel gelitten durch das sich selbst einquartierende Fußvolk. Es blieb kein Bissen Brodt übrig. – Die Einwohner von Delven und Strahberg musten heut alle Holz ins hiesige Magasin fahren.
Am 16ten – Im Tage sind die Häuser von Soldaten leer. Wenn's dan Abend wird, so kommen der Auf- und Abziehenden so viel, daß jederman etwas ins Quartier bekömt. Die 38 Kühe, welche Dormagen jüngst an die Nation hat liefern müssen, wurden geschätzt auf 11.500 Pfund. Jedes Pfund ist zu 9 Stüber in Assignaten an die hiesigen Schefen ausgezahlt worden.
Am 17ten zohen in der Früh die in den Baracken campierende Truppen auf Rommerskirchen in die Winterquartier. Späther wurden hier für neunzehnhundert Füsser gleichfals Biletter gemacht. Abends 7 Uhr kamen 2 Batallionen hieher. Sie machten nur, daß sie unterkamen, und betragen sich sehr gut.

[162]

1794
November
Am 18ten – Des Morgens kame noch ein Batallion hieher. Sie sind alle von der Armee, welche Mastricht eingenohmen hat. Bey Leuthen, welche Pferd haben, liegen Soldaten, und auf dem Wallhoverhof bey zweyhundert Mann. Es sind immer viele Deutsche darunter. Indessen geht die Zeit flügelschnell dahin. Eine Woche ist vorüber, ehe man sich's versieht. – Die Kayserliche Armee steht zu Emmerich und Wesel, doch ist der Rhein noch überall besezt, und ihre Schildwachen riefen gestern herüber, ob viele Franzosen hier wären. Nymwegen ist auch von den Republikanern eingenohmen.
Am 20ten – Heut giengen 4 Compagnien von hier auf Zons. Es ware so voll Soldaten im Dorf, daß selbst der Bürgermeister 18 in seinem Hause hatte. Sie kochen sich selbsten, und man gibt ihnen nichts als etwas in die Suppe. Brodt haben sie selbst genug. Im Kloster Brauweiler sind jetz wieder 2 Geistliche. Der Praelat ist mit den übrigen ausgewandert über den Rhein.
Am 23ten – Als gestern der französische General die hiesige Gegend rekognoszirte, befahl er, daß alle von den Soldaten abgehauene Weidenbäume ausgegraben werden müssen, weil in den 2 Fuß hohen annoch stehenden Stämpfen die Kavallerie nicht agiren kann. So wurden deshalben 25 Dienstleute von Nivenheim hiehin beordert, welche heut damit den Anfang machen, doch will der Schefen Steinberger seine geräumige Perschen selbst der Erde gleich hauen lassen, damit die Wurzeln wieder ausschlagen. Der Rhein schwillt an. Das könnte leicht die Soldaten aus Rheinfeld hieherziehen. In den Baracken ist kein Mann mehr. Nur werden am Platthals 2 große Wachthütten erbauet, wozu aus Knechstein Stroh und Holz hiehergeführt wird.
Am 25., als am Katharinentag, starb die hiesige verwittibte Kayserliche Posthalterin Katharina Sturm, gebohrne Dederich, im 74ten Jahre ihres Lebens. Sie wurde am 26ten am Abend zu Grabe getragen. Die Schuhlkinder, Geistliche und Kohrsänger hohlten die Leich am Hause ab. Es wurde gesungen und gebethen in schönster Ordnung, und die Soldaten hielten sich sehr ruhig, so wie bey allen gottesdienstlichen Verrichtungen. Der Sarg wurde vor dem hohen Kohr in die Mitte des großen Ganges versenkt – ein Gebrauch, der höchstnothwendig abzustellen wäre, dem man aber in unseren finsteren Zeiten ruhig zusehen muß, wenn die französische Zauberlaterne uns nicht Licht verschafet. – Wegen den unruhigen Zeiten wird der Posthalter kein Gastmal halten, doch wird er den Nachbarn, Trägern und Verwandten bey guter Gelegenheit eine Rekreation geben. – Gestern und heute hat der Schefen Steinberger aus der Abdey Knechstein 12 Karren Stroh ins Magasin dahier und für sich die dasige Bibliothek hierherführen lassen. In besagter Abdey logiren izt 500 Soldaten, welche sich in allen Zimmern Kamine errichtet haben.

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1794
December
Am 2ten – Die Soldaten vertragen sich recht gut mit ihren Wirthen. Es sind ihrer nur allzuviel, doch sollen heut 4 Compagnien von hier fortgelegt werden. Alsdann bleiben dennoch 14 Compagnien hier, welche etwas mehr als tausend Mann ausmachen werden. Am lezten November ware der kleine Theodor Schüllgen, der mit des Joan Derichsweilers Pferd mit den Kayserlichen ins Bergische muste, zu Monheim am Rhein. Er riefe hinüber, daß er nichts mehr für sich und sein Pferd zu leben habe und daß zu Monheim alle Stallung besezt sey.
Am 3ten – Heut marschierten einige Compagnien von hier fort. Andere zohen wieder hieher auf ihre Platz. Man schäzt die hier kantonierenden 2 Batallionen auf 1.200 Mann. Indessen spricht man viel vom Frieden, der noch nie so wünschenswerth war, als in diesen Tagen, denn das immer Wechseln der Quartieren hat seine Unbequemlichkeiten für Soldat und Bürger. – Wegen den Assignaten, welche jeder zu nehmen verbunden ist, liegt Handel und jedes Gewerb still. In Wirthshäusern trinken vertraute Nachbarn in abgelegenen Zimmern Bier und Brandwein. Kafe verkauft man verstohlener weis, Schustere arbeiten in verborgenen Kammern nur für ihre Kunden. Die Soldaten kaufen von ihren Vivandiers gegen Assignaten das Pfund Seife um 4 Liver, 1 Pfund Kafe um 7 Liver, eine Boutelle Wein um 100 Sous und so weiter.
Am 4ten waren 2 französische Reuter mit einem Schefen aus Torr hier, um die Scheuren und Söller zu besehen. Die Hauptabsicht ist, die Assignaten in Gang zu bringen. Nun soll jeder Haushaltung ihre Provision Korn und Weizen bis zur Erndte belassen werden. Das Übrige soll alle nach den Nationalmagazinen geführt und mit Assignaten bezahlt werden. – Lezten Sonntag, am 30ten November, ist hier von der Kanzel die Verordnung abgelesen worden, daß die Emigrirte in Zeit von 14 Tagen zurückkehren sollen. Hier aus dem Dorf ist niemand ausgewandert. Ich glaube schwerlich, daß auch die Knechsteiner zurückkommen werden.
Am 6ten – Morgens 4 Uhr brachen die hier logierte Füsser alle auf. Nachdem kamen 100 Chasseur, welche auf die auswärtige Höfe, und 1 Bataillon zu Fuß, welches hier ins Dorf logirt wurden. Die von hier Abmarschierte besetzen bey Kölln den Rhein, weil die dasige Brigaden auf Maynz ziehn, um selbiges zu belagern. Die große Nordarmee zieht auf Holand, die Kayserlichen stehn von Wesel bis Emmerich.
Am 8ten – Alle Tage ziehn einige Bataillone auf und ab. Hier ist nicht so stark besezt wie vorhin. Auf dem Walhover Hofe aber gehts wüst zu. Viermahl brannte es auf dem Speicher, wo einige der daselbst quartierten 120 Mann Sapeurs ihre Suppe kochen. Doch wurde es jedesmal noch gelöscht. Gemüß ist keins mehr da vorhanden, als die Rüben im Feld.

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1794
December
Am 9ten – Es hat einige Zeit etwas weniges gefroren. Alle Tage wird Büchenholz aus dem Knechsteiner Busch gehohlt und den Köttern ausgetheilt, welche Soldaten haben. Auf dem Werth und neben Zons werden Batterien gemacht. Auch in dem Wallhover Garten soll eine grosse Redoute errichtet werden, woran hier aus dem Dorf täglich 30 Mann arbeiten.
Am 13ten – Jeder General macht neue Anordnungen und zerstöhret, was der vorige aufgebauet hat. Die große Baracken am Rhein, welche von Zimmerleuthen und Maurern mit vieler Müh errichtet waren und die ein halbes Jahrhundert stehen konnten, werden nun nicht gebraucht, und die arme Leuth brechen solche allmählig wieder ab. Auch die beyden Laager auf dem Steinbüchel und gegen Rheinfeld haben gleiches Schicksal. Nun müssen noch alle Tage 60 Mann von hier auf dem Werth neben Wallhoven an der großen Batterie arbeiten, welches bey den jetzigen Zeiten dem Taglöhner sehr hart geht. – Der vorige General ließ alle abgehauene Weiden der Erde gleich hauen, damit die Kavallerie agiren kann. Der Jetzige befiehlt hingegen, alle noch stehende schwere Bäume bis in den Kolk zwey Füß über der Erde abzuhauen, damit die Kavallerie nicht agiren kann. – Die Assignaten verderben mit jedem Tag den Handel mehr und mehr. Hier im Dorf wird fast kein Kafe mehr verkauft, der in Kölln das Pfund zu 1 Reichstahler in klingender Münz und zu 12 Liver in fliegenden Assignaten bezahlt wird. Das Viertel Salz gillt in baarem Geld 3 Reichstahler und ist doch nicht zu haben. Das Malder Korn verkauft man gegen Geld um 6 Reichstahler, kleine Bohnen ebenso theuer, Haaber um 20 Schilling, Brandwein zu 30 und 36 Stüber incognito.
National-Edickten[171]
1. Die Steuern sollen wie gewöhnlich bezahlt werden, und daß in Zeit von 10 Tagen. Jedoch können anstatt baarem Geld auch Assignaten gegeben werden. Die freye Güther sollen auch in Anschlag genommen und den Ertrag den steuerbahren abgenohmen werden.
2. Die Herrschaften Hemmersbach, Sindorf, Tönig, Frechem, Bachum, Vogsbell, Müthrath, Lommersheim, Hürdt, Sinnersdorf, Ohr und die Dörfer Rodenkirchen und Wesling sind dem Amt Bergheim einverleibt, sodann der bisherige Vogt Franz W. Garzen als Friedensrichter, der Amtsverwalter Schweren und Advocat Currens als Assessoren ernannt, und wird künftigen so wie alle Mitwoche das Friedensgericht gehalten.
3. Die Assignaten sollen durchaus dem baaren Gelde gleich gelten und 8 Stund im Bezirk der Stadt Kölln ausgedreschen und in das städtische Magazin gebracht werden, wo eine Hungersnoth zu befürchten ist. Die Bewohner auf dem Land sollen ihre Consumption alsdann aus gemeldten Magazin zurück hohlen und die Zahlung in Assignaten geschehen. Auch ist der Tax wie folgt vestgestellt worden

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1794
December
Weitzen das Aachener Faß zu 6 Livre
Gersten " " " " 3 "
Bohnen " " " " 6 "
Erbsen " " " " 6 "
Brodt das Pfund zu 3 Stüber
Salz das Pfund zu 5 Stüber
Seif " " " 12 "
Limburger Butter 18 "
Gülicher ditto 16 "
Ochsenfleisch Pfund 12 "
Kuhfleisch " 10 "
Kalbfleisch " 12 "
Hammelfleisch " 12 "
frisch Speck " 14 "
geräucht ditto " 18 "
Erdäpfel 25 Pfund " " 1 "
Oel die Maaß " " 2 "
Weil aber diese durch die Noth erzwungenen Preise sehr drückend sind, so wird der Taglohn eines Arbeiters, der sonst 10 Stüber Klevisch verdiente, auf 15 Stüber in Assignaten festgestellt. – Zugleich ist verordnet, daß keine Waaren aus der Stadt Köln geführt werden, ohne vorherige Erlaubniß. – Denen nicht ausgewanderten Eigenthümern soll ihr Pfacht in Assignaten bezahlt werden.
Am 19ten – Manheim wird bombardiert und zur Belagerung Maynz alle Anstalten gemacht. Wer den französischen Generälen sagen kann, wo der Kayserliche General Clairfait mit seiner Armee steht, der bekömmt 200 Kronthaler Belohnung. Der ausgeschickte französische Spion ist von den Kayserlichen aufgefangen worden. – Es friert stark. Wenn der Rhein zufrieren sollte, das wäre nicht gut für uns, weil dann die Uferbesatzungen verdoppelt werden müsten. Es darf jetz keiner am Rheine mit den Monheimer sprechen. Am Sontag waren viele Kinder aus Dormagen, welche in Düsseldorf wohnen, zu Monheim am Rhein. Sie durften aber keinen Laut von sich geben. – Alle Tag müssen von hier, Hackenbroich, Worringen und Nivenheim Dienstleuth an der großen Batterie auf dem Werth arbeiten. Auch werden schwere Eichen aus dem Knechsteiner Busch hiehin gebracht.
Am 24ten – Vorgestern wurde zu Bergheim der Freyheitsbaum errichtet, wozu alle Schefen und Vorstehere des Amts eingeladen wurden. Es wird daselbst große Tafel gehalten, wozu 50 Hämmel und mehrere Kühe gemetzelt worden sind. Bier und Wein sind gleichfals angeschaft, und diese große Feyerlichkeit soll mit einem Ball geschlossen werden. – Der Molter soll nicht gegeben, sondern selbiger mit Assignaten dem Müller bezahlt werden, vom Malter 26 Stüber. – Es macht bitter kalt. Der Rhein treibt stark mit Eis. Zu Monheim und im ganzen Bergischenland sind wenig Kayserliche. Die Hauptmacht ist in der Gegend von Maynz.
25ten – Bey Menschengedenk ware noch nicht ein so kalter Kristtag wie der heutige. Es wurd keine Metten gesungen, und das erste Hoheamt fieng um 5 Uhr an. Der Pastor ist krank. Schwerlich wird er den Frieden erleben. Es ward heut wieder, seit Michaeli zum erstenmal, gepredigt. Viele Soldaten wohnen ruhig dem Gottesdienst bey.

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1794
December
Am 26ten – Allem Anschein nach wird der Rhein bald zufrieren. Die Franzosen machen viele Anstalten deswegen. Im Kolk und den Kempen werden alle Bäume zwey Fuß über der Erde abgehauen und bleiben verworren durcheinander liegen, um einen Verhau vorzustellen. Gegen dem Bothen-Kreutz werden in den Damm Batterien gemacht und die Patroullen verdoppelt. 6 Soldaten sind gestern Nacht auf den Vorposten zwischen Kölln erfroren. Die Kayserliche Scharfschützen schiessen über den Rhein auf die diesseitige Schildwachen im Kolk. Der hiesige Commendant wollte aber nicht erlauben, auf jene wiederzuschiessen. – Auch ward eine Verordnung abgelesen: Das Brandweinbrennen wird verbothen, und die Bäcker dörfen kein Weitzenbrodt mehr an Soldaten verkaufen. Imgleichen dörfen keine Früchten aus dem Gülich-Ächner Districkt verführet werden. Der Kornpreis ist 6 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 2 Reichstahler 45 Stüber.
Am 31ten – Die Vorsicht der Franzosen übersteigt alle Vorstellung. Heut kame sogar der Befehl, nicht mehr mit den Klocken zu läuten. Kein Einwohner soll ohne Paß vor's Dorf gehn, und gar nicht an den Rhein. Alle 3 Tagen sollen alle Bewohner des Dorfs abgelesen werden etz. – Nochmal kame Ordre, alle Früchten auszudreschen. Auf jeden Kopf bleibt ein Malder Korn hier im Dorf. Der Überschuß soll an die Nation abgeliefert werden. Alle Lebensmittel steigen ungeheuer im Preise. Das Pfund Butter gilt 24 Stüber, 1 Loth Kafe 2 Stüber 8 Heller, das Pfund Salz 15 Stüber in baarem Geld. – Indessen betragen sich die Soldaten vorzüglich gut. Wenn man ihnen etwas in die Suppe gibt, ein paar Mohren, Rüben, Erdäpfel oder Kappes, so sind sie recht zufrieden. Und es würde uns ungewohnt seyn, wenn wir wieder Kayserliche bekommen sollten. Traurig schliesset sich das Jahr mit noch trübern Aussichten in die Zukunft. Vielleicht wird es uns übel gehn. – Wer weis? Es mag auch Friede werden.

1795

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1795[172]
Januar
Am 1ten, Donnerstag[173] – Der kolossische Revolutionsball wälzte sich hin und her, bis endlich auch zu uns an den Rhein, und hat uns alle frey gemacht. – Sind wir glücklicher geworden? – Noch nicht. Freyer? – Ebensowenig. Das waren zwar nothwendige Folgen, die man hätte vorhersehen können, aber so hatte man sich auch die Göttin Freyheit nicht vorgestellt. Die grausame Requisitionen und das Papiergeld, womit dem Landmann alles bezahlt wird und wofür er in Städten nichts haben kann, sind der Knoten, da er doch nicht allein vom Brodt leben kann. Jetz erscheint der lezte Befehl, alle Früchten auszudreschen. Vor jeden Kopf bleibt bis zur Erndte ein Malder Korn hier. Das Übrige muß alle nach den Magazinen gebracht werden, wo es in Nationalmünze bezahlt wird. So wird es im Lande der Freyheit auf immer gehalten seyn. Es fragt sich also: Wird der Landman dabey glücklicher seyn? – Schwerlich oder gar nicht. – Erfreuend ist hingegen die Vorstellung, daß der geistliche Tyrannenzepter zerbrochen ist. Wenn's so fortgeht, so werden wir keinen Zehenden mehr geben und nicht, wie ehmal bey den Knechsteiner Mönchen, zu unserm Geld um Holz betteln, denn jezt fährt und trägt alles, was nur kann, von dem Knechsteiner Busch. – Die im October gelieferte Kühe sind pro Pfund mit 9 Stüber bezahlt worden. Jede Kuhe war besonders taxirt, einige zu 600, andere zu 300 und einige zu 200 Pfund. Diese Assignaten werden nun an die Einwohner abgegeben, womit nun jeder das lezte Quartal der Steuren bezahlen kann. Auch hat der Commendant erlaubt, in die Messen einmal mit der kleinen Klocke zu läuten, so wie morgens, mittags und abends.
Am 2ten und 3ten ist es ausserordentlich kalt, daß auch an den wärmsten Stuben die gefrorne Fenster nicht aufthauen. Der Rhein treibt dicht mit Eiß.
Am 4ten – Die Patroullen am Rhein werden zur Nachtzeit sehr zahlreich verstärkt. Auch haben die Soldaten kein Vertrauen zu den hiesigen Einwohnern. Sie besorgen, die Landleute möchten Komplott gegen sie machen und sie auf eine bestimmte Zeit alle ermorden. Daher die Verordnung, daß keiner ohne Paß von einem Orth zum andern wandeln darf. Das Verboth, mit den Klocken zu läuten, um dadurch den Kayserlichen ein Signal zu geben, daß sie herüber kommen und mit den hiesigen Einwohnern gemeinsame Sache machen sollten. Diese Vorsicht ist gut, aber für Dormagen überflüssig, denn hier wird keiner sich in Kriegssachen mischen.
Am 6ten – Der Rhein will sich vestsetzen. Deswegen verordnete der hiesige Commendant, daß 40 hiesiger Einwohner mit Achsen und Hacken die Eisborden entzwei schlagen sollen. Als sie dahin kamen, ware das Wasser so hoch angeschwollen, daß die Leuthe nicht an das Eis kommen konnten. – An der Piwitt wurden zwey Kayserliche Spionen erwischt und nach dem Hauptquartier geführt.

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1795[174]
Januar
Am 7ten – Gestern fienge es etwas an zu regnen, daß sich doch heut in Frost verwandelte. Es wär zu wünschen, daß der Rhein sich nicht vestsezte, der doch schon am Stürzelberg steht. – Der Handel liegt still. Man könnte Korn genug nach Kölln verkaufen, aber da ist zu befürchten, daß die Bürger mit Assignaten bezahlen, die man jetz den Liver zu 3 Stüber umwechseln kann. Indessen wird doch hier und da etwas aufgeladen und an bekannte, aufrichtige Bürger zur Stadt geführt. Hier gibt und nimmt keiner mehr Assignaten, weil weder Bier noch sonstige Waaren öfentlich verkauft wird. Die Maas Brandwein kostet in Geld 36 Stüber.
Am 10ten – Der Frost hällt an, doch ist der Rhein noch am treiben. Es sterben viele alte Leuthe. Vermuthlich beschleunigte der Schrecken in den ersten Tagen, als die Chasseurs rollirten, ihr Ende. Das Fleckenfieber wirft viele aufs Krankenbet. Allein der Geschicklichkeit unserer Chyrurgen haben wir es zu verdanken, daß niemand daran stirbt. Unser alter Pastor leidet auch an der Lungensucht. Wahrscheinlich wird er bald sterben. Heut Abend empfienge er das Nachtmahl, als gleich zuvor ein junger Geistlicher von Kölln ankommen war, der einstweilen als Kaplan die Pfarre versieht. – Die Franzosen foderten von der Stadt Düsseldorf einige 100 Säck Salz. Im Weigerungsfall würden sie von neuem die Stadt bombardieren.
Am 11ten – Die Batterien waren fertig, und heut ritten einige und 30 Kanonier hiedurch auf Oberkassel, worauf die Düsseldorfer 500 Säck Salz hinüberschickten. – Die französische Nordarmee rückt immer tiefer ins Herz von Holand. Pichegrü ist Commendant und hat Worcum, Graf und Bommelwaert eingenohmen. Die Hochmogenden hatte zwar diese Plätze unter Wasser gesezt. Allein, sie dachten nicht, daß beym jetzigen Zufrieren die Franzosen übers Eis gehen.
Am 15ten – Heut morgen hat sich hier der Rhein gesezt. Man sieht die Kayserliche Posten noch am Nöthstein auf den Posten stehn. Vorgestern ware unten Zons ein Kayserlicher Scharfschütz hieher desertiert. Er sagt aus, daß von Mühlheim bis Düsseldorf nur in jedem großen Dorf 4 Compagnien Scharfschützen und in Düsseldorf 2 Kavallerie-Regimenter liegen. Der General fragte, warum er desertiert und was er sich von ihnen Gutes versprochen? Drauf antwortete er, einer von seinen Kameraden wäre mishandelt worden, und er wollte als Schneider in Frankreich sein Metier treiben. Der General erwiederte: "Er ist ein schlechter Kerl. Was denkt er, daß wir von dem Manne halten, der Eyd und Pflicht vergessen, seinem Herren untreu wird und dem wir immerhin mit Verachtung begegnen." Er wurde entwafnet und nach dem Quartir-General geführt.

[169]

1795
Januar[175]
Am 19ten – Zu Kölln ist der Rhein noch am treiben. Da es aber bey wenigem Schnee noch herzlich frieret, so wird er sich bald allenthalben setzen. Maynz wird noch belagert und die wichtige Vestung Luxembourg blockirt. – Diesen Abend bekamen die Soldaten Befehl, sich des Nachts nicht auszukleiden, um auf jeden Wink bereit zu seyn.
Am 20ten sollten 12 hiesiger Dienstleuthe das Eiß an den Vorposten auf dem Rhein in Stücken zu hauen. Auch waren einige Pferde bestellt, welche die in der Gegend um die Piwitt jüngst abgehauene Bäume auf das Eiß schleppen sollten, um sich dadurch vor einem Ueberfall der Kayserlichen zu sichern. Als die Arbeiter aber hinkamen, ließ der Commandire-Ofizier sie wieder heim gehn.
Am 21ten – Morgens 4 Uhr verstarb unser Pfarrer Godefridus Bürg im 71. Jahre seines Lebens und 34ter seines Pastoralamtes. Er ware von bürgerlichen Eltern in Neus gebohren, studierte und ward Professor im Montanergimnasium zu Kölln. Das Kapitul St. Andeas begabte ihn im Jahre 1761 mit der hiesigen Pastorat. Um die Pfingsten nahme er hier Possession, und am folgenden Joannis-Tag hielte er das erste Amt und Predigt. Schwer ist es, seinen Karackter zu schildern, wenigstens von einer gefälligen Seythe in dem lezten Jahrzehend. Ich habe das vielmahl bemerkt, wie oft mancher Mann nicht auf dem Posten steht, wo er hin[176] gehört. Demgemäß hätte unser Pastor in der Stadt Canonicus seyn müssen. Im Anfang seines Hierseyns, bis ums Jahr 1775, hielt er exemplarisch seinen Gottesdienst mit Predigten, Beichthören und am Krankenbett. Von da an vernachlässigte er allmälig seine Pflichten. Alles wurde ihm mit jedem Jahre mehr und mehr zur Last. Predigen that er wenig und immer weniger. Der Vicarius hielt alle Sontage das Hochamt, dem er nie beywohnte, und wenn er an Gottestrachten mitzugehn genöthiget war, so konnte das Hochamt nicht kurz genug abgemacht werden. Und da in der Gemeinde ihn niemand aufs alte Herkommen zurückwies, so zerfiel der äusserliche Gottesdienst immermehr. – Der ehemalige Pastor Küpper kann in allem als wahres Gegenstück betrachtet werden: Er verlängerte immer den Gottesdienst bis zum Ärger der Anwesenden, eben so sehr, als dieser die Kürze liebte. Auch hielt jener ein großes Stück auf einen schönen Garten, der mit schönen Bäumen von den seltensten Obstarten versehen war. Und wer schöne Blumen liebte, der fand solche bey ihm, womit den ganzen Sommer hindurch die Kirche gezieret wurde.

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1795
Januar
Am 21ten – Der folgende Pastor Braun vernachlässigte all die schönen Einrichtungen seines Vorfahren. Es blühete keine Blume mehr auf den Rabatten, und die Obstbäume ließ er unbeschnitten. Er hiebe zwar keine um, aber er pflanzte auch keine die sieben Jahre seines Hirtenamtes hindurch. Als der nunmehr Verstorbene hinkam, machte er zwar ohne Geschmack verschiedene Einrichtungen: Er bauete noch ein Stockwerk auf die Pastoralwohnung, pflanzte zwey Reihen Haselnüß mit einem Lusthause von der Scheure bis zum Garten, das er in den lezten Jahren wieder umhauen ließ. Gleiches Looß traf manchen schönen Obstbaum im Baumgarten, denn wenn ihm an Brennholz gebrach, so musten jene herhalten, weil, wie er sagte, die Buben ihm das Obst stehlen. Kaum den halben Theil vom Garten pflanzte er mit Gemüß. Das Übrige muste Rabsahmen tragen, daß also izt der ehmals so schöne Garten ganz verodet ist. – Ich wünschte, den Mann so schildern zu können, daß die Nachwelt sein Andenken segnen möchte. Da ich aber nur Wahrheit zu schreiben mir zur Pflicht gemacht, so wird mir's niemand verargen, daß der Hauptkarackter sich so sehr nach der entgegengesezten Seythe senkt. – Unpartheilichkeit ist eines Pfarrers erste Pflicht. Und doch fieng er des Sonntags die Frühmesse nicht ehender an, bis die vornehmste Weiber zugegen waren. Dieses beobachtete er mit Seelenämtern für die Reichen, worauf er immer bis 9 und 10 Uhr wartete, da hingegen die Geringern früh bereit seyn musten. Oder er hielt die Meß, wenn auch kein Anverwandter zugegen war. Ebensosehr kamen seine häusliche Umstände in Verfall. Ein paar Köchinnen, die mit der Zeit alles über ihn vermochten, thaten sich gütlich mit Speise und Trank, wovon sie immer das Kostbahrste wählten. Sie zohen noch einige nicht allzukeusche Jungfrauen aus dem Dorf in ihren Zirkel, zu denen sich an manchen Abenden luftige Junggesellen schlugen. Und dann wurde auf des Pfarrers Wohl mancher Krug Bier und Wein geleeret und, was das Hauss vermochte, zum Nachtessen getafelt. Diesen Köchinnen gab er Männer: eine hier im Dorf, die andere in Zons. Erstere besuchte er täglich, und auf Zons hielt er wochentliche Wahlfahrten, nicht ohne Ärger des dasigen Pastoren und mancher gute Sitten liebender Einwohner hieselbst. – Bey solcher Bewandniß der Sachen muste nothwendigerweise ein Uebel das andere nach sich ziehen. Es wurde viel geborgt und nichts bezahlt. Und da der Pfarrer sich selbst fast täglich betrank, so wurden die besten Mobilien nach und nach entwendet.

[171]

[Eingebundener gedruckter Totenzettel von Pfarrer Godefridus Josephus Bürich:]
JESUS, MARIA, Joseph
Anno ab Incarnatione D. n. J. Christi millesimo septingentesimo 95to, die 21ma Januarii, mane hora 4ta, S. Ecclesiae catholicae sacramentis munitus, ex lenta virium defectione & phtisi, placida & piissima morte, ex vita mortali ad immortalem decessit
PLURIMUM REVERENDUS & DOCTISSIMUS DOMINUS
D. GODEFRIDUS JOSEPHUS BÜRICH
Novesinus, Pastor Zelosissimus in Dormagen;
Anno aetatis 71mo, Curae pastoralis 34to.
Cujus anima sacris Pastorum Christianitatis novesiensis & Sacerdotum omnium Missae sacrificiis, & Parochianorum & fidelium omnium orationibus commendatur, ut in sancta pace beata quiescat.

[172]

1795
Januar
Am 21ten – In vielen Fällen handelte er als Philosoph: Er achtete nicht viel auf Geld und Kostbarkeiten. Er truge nur einen Rock und Hut. Wenn diese Theile gar ihre Dienste versagten, so kaufte er wieder neu. In Gemeindssachen und Kupplereien mischte er sich nie. Auch wuste er anfangs in Gesellschaften sehr wohl zu leben, wo er oft den Ton angab und gut gelitten war. Ebensosehr ward er auf die lezt allenthalben zur Last. Nur der Pastor von Worringen blieb sein Freund bis im Todt, der auch Executor des Testaments ist. Er hinterläst viele Schulden, worunter mein Vater nicht der Geringste ist. Die Kirchen- und Armenrechnungen liegen, seit er Pastor ist, noch unberichtiget. Und da man vorsehet, daß die Schulden das Vermögen übersteigen werden, so ziehe ich den Vorhang über die Geschichte, obschon noch mancher Bogen darob zu schreiben wär.
Am 22ten – Nachmittags 4 Uhr ward mit Bewilligung des Commendanten mit der kleinen Klocke geläutet und die Leiche vom Schefen und Vorstehern zu Grabe getragen. Die hiesige Nachbahrschaft begleitete den Zug. Der Pastor von Hackenbroich war Zeremoniar, und auf dem hohen Kohr, unter den grossen Grabstein in die Mitte versenkte man die Leiche. – Gestern morgens 10 Uhr wurden zu Worringen, Rheincassel, Kölln, Neus und überall die Kanonen gelöst, zum freudigen Andenken der Hinrichtung von Frankreichs lezten Tyrannen.
Am 23., 24. und 25ten – Es ist entsetzlich kalt diese 3 Tage. Kein Keller ist vor dem Frost sicher, und in den wärmsten Stuben sind die Gläser mit Blumen gefroren. Man glaubt, die Kälte werde jene von 1784 und [17]88 übertrefen. Es ist ein Glück, daß die Knechsteder Mönche ausgewandert sind, denn es wird noch alle Tage Holz für gringe Leuthe gefahren. Das Eichenhohlen aber ist gar verbothen. – Die Frankenarmee zieht immer tiefer in Holland. Die Städte Arnheim und Utrecht wurden am 17ten von ihnen besezt. Nun rückt auch die Armee Samber et Meuss wieder an den Rhein. Das Hauptquartier ist schon in Creveld, und man glaubt, sie werde über den Rhein setzen.
Am 24ten – Nachmittags brachten 2 französische Chasseur vier Kayserliche Soldaten hiedurch nach dem Hauptquartier Crefeld. Ich sprach mit ihnen. Sie waren unten Mülheim desertirt und sagten, in Mülheim lägen 4.000 Kayserliche. Es wäre alles sehr thuer, und das Ausreissen unter den Kayserlichen nähme immer mehr zu.
Am 26ten hob sich ein schneidend kalter Wind aus Süden. Am 27ten fienge es an zu regnen. Auch kame gestern Abend der Sohn vom Merzenhauser Hof, im Gülicherland gelegen, von Monheim herüber, der sich zu seinen Anverwandten aus Forcht vor den Franzosen dahin geflüchtet hatte.

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1795[177]
Januar
Weder die Kayserliche noch hiesige Schildwachen hatten ihn bemerkt. Man hat in Monheim Nachrichten von übertriebenem Elend auf dieser Seithe verbreitet. Alle junge Leuthe müsten Soldat werden, und sie hatten schon einige von uns schildwachen gesehen. – In Monheim liegen 120 Husaren und 5 Compagnien Füsser. Das Malder Korn gillt daselbst 17 Reichstahler, Haaber 4 Kronthaler. – Weil der Rhein sich, wie anno 1784, sehr hoch gesezt hat, so fehlt uns kein hohes Wasser. Und da an verschiedenen Orten der Damm zu Batterien abgestochen wurde, so könnte selbiger leicht durchbrechen.
Am 27ten wurden die Seelmessen für unsern Pastor gehalten. Der Ofizial-Pastor von Gohr hielte das Amt ohne Leichenrede. Alle Kosten wurden erspart, zum Wohlsein der Schuldner. Der Pastor starb just zur rechten Zeit: Kaum ware er todt, so kame der Befehl, daß er 150 Reichstahler Contribution zu zahlen habe. Und heut wehete der Wind seine Scheuer an der Strasse übern Haufen. Die Contribution für das Gülicher Landt beträgt 5 Milionen in baarem Geld. Davon zahlt die Geistlichkeit 3, der Adel 1 ½ und der bemittelte Bürger und Bauer eine halbe Milion. Der Geistlichkeit kömts pro Morgen 4 Kronthaler, und uns Steuerbarn 20 Stüber, wovon schon die Halbscheid entrichtet ist. Doch hat man nicht, wie sonst, ein Capital aufgenohmen, sondern eine Umblag gemacht.
Am 28ten regnete es noch. Am Abend ward es heiter. Um 9 Uhr zu Abend triebe schon das Eis im Rhein, was doch keiner glauben wollte. Der Chef legte die am Steinbüchel befindlichen Posten auf den Walhover Hof. Das Wasser wuchs.
Am 29ten ware es morgens gefroren und weis geschneet. Schon um 2 Uhr früh rollirten die Soldaten mit vielem Lärm über die Straßen. Um 6 hörte ich unten in der Aue erbärmlich Hülfrufen: "Veni issi mon camerad!" Es ware der Posten, welcher auf Walhof beordert war, der aber beym anschwellenden Wasser die Flucht ergrif. Und da nicht mehr ans Dorf zu kommen war, so kletterten die Soldaten auf die Bäume diesseit der Leimkaul. Der General mit allen Ofizieren und Soldaten waren gegenwärtig. Man wollte die Soldaten mit Pferden retten, und davor ware es zu tief. Es wurde eine Wagenleiter mit Brettern benagelt und Stroh hinaufgelegt, aber die zwey daruf befindliche Soldaten fuhren sich vest auf eine Heck. Ein Soldat brachte eine Mulde, worin man Brodt-Teich mengt. Er stieg ein, schluge um und fiel ins Wasser. Schon früh wollten die hiesige Einwohner eine kleine Flotz errichten, und dieses fiel den Commandanten zu langwierig. Als sie aber sahen, daß nichts helfen konnte, da befahlen sie, daß keiner die hiesige Einwohner stöhren sollte.

[174]

1795
Januar
Am 29ten – Mein Bruder Thomas Delhoven und Jacob Steinberger nahmen fünf Stücke Bauholz von 10 Fuß, benagelten solche dicht mit Borden, legten noch eine Thür darauf und hohlten in zwey Fahrten die sechs jammernde Soldaten. Einer hatte seine Händ um einen Ast von einer Weide geklammert und hieng in solcher Stellung mit den Füssen im Wasser, von 2 Uhr nachts bis halb 9. Der General nahm die beyden Retter mit den Geretteten ins Posthaus, überhäufte sie mit Danksagungen und schenkte tapfer ein. Er ließ gleich den Bericht nach dem National-Convent machen, wo dan diese edle That in die französische Zeitung gesezt und allen Armeen mitgetheilt wird. Bis halb 10 bliebe der Rhein am treiben. Das Wasser schwoll so stark an, daß auf einigen Orten das Eiß auf die Krone des Dammes schob. Noch 1 Fuß höher, so gienge es drüber. Das Eiß im Strome sezte sich von neuem. Von Zons flüchteten Menschen und Vieh hieher. Rheinfeld und Walhoven hatten vorige Nacht ihr Vieh hiehergebracht. Zons steht rundum im Wasser. Die Soldaten hatten sich von da nach Hülchrath geflüchtet. Auch jene von Worringen sind ausgezogen. – Am Abend fiel das Wasser zusehends. Es stellte sich Frost ein, und um 8 Uhr trieb das Eiß wieder im Rhein.
Am 30ten – Morgens war der Rhein noch am treiben. Das Wasser war 5 Fuß gefallen, fienge aber besonders diesseit des Dammes[178] so stark an zu wachsen, daß es jetz, am Abend, hier in den Gärten noch höher ist als gestern und als anno 1788. Unten im Feld ist keine Handbreit trocken, und ein von Neus über Erbrath kommender Kurier sagt, daß ganz Neus im Wasser stehe. Deswegen kehrte der Klevische Wagen sich von hier wieder um auf Kölln. Am Abend sezte sich der Rhein wieder.
Am 31ten – Morgens ware es kernicht gefroren. Der Rhein triebe wieder, sezte sich aber am Abend vest. Es hies, die Sandhalfersche von Rheinfeld wäre gestorben. Man betete schon in der Kirche für sie als todt, und wie man nun vernimmt, so lebt sie noch. Auf Rheinfeld durfte keiner kommen, weil das Eis nicht überträgt und mit Nachen nicht durchzukommen ist, deren auch nur ein einziger da ist.
Februar[179]
Am 1ten, Sonntag[180] – Das Eiß truge heut über. Dies veranlaßte eine allgemeine Schlittenfahrt. Am Abend fiel Schnee. Der Rhein steht noch mauervest.
Am 2ten – Am Morgen regnete es wieder. Die Gefahr vor Durchbrechung unseres Dammes ist mehr als jemals groß. Deswegen flüchtete sich alles vom Walhoverhof, so daß diese Nacht keine Seele mehr da schläft. Das Eiß truge noch über, und die Eisdecke steht noch vest.

[175]

1795
Februar
Am 5ten – Einen Tag thauet es, und den andern friert es wieder. Wenn man die ungeheuren Eisberge sieht, so sollte man glauben, von Wallhoven und Rheinfeld könnte kein Stein auf dem andern bleiben. Gestern wurde der Damm, wo die Köllnische Straaß hinüber geht, mit Sand und Mist erhöhet. Diesen Mittag sahe man vom Kirchenthurm herab das Worringer Espel bis ins Bruch vom Rhein überschwemmt. Am Abend ware das Woringer Bixem bis an den Worringer Damm und die Mühle alles Wasser. Es wuchs alle Minuten ein Zoll, so daß jetz, um 6 Uhr abends, der Rhein über den Worringer Damm laufen muß. Oben Worringen gieng das Wasser über die Dämme schon gestern. Der Zug gieng also auf Westen, neben Woringen vorbey. Es ist kein Nachen zu haben, und da das Eiß noch überträgt, so schickte der Walhoverhalfen einen Mann nach seinem Hofe, um die Küh zu melken und die Schwein auf dem Speicher zu füttern. Die Rheinfelder Hausleuthe sind meist alle hier, auf dem Hof aber sind die Bewohner noch. Das Wasser steht über dem Scheurenfalter. Auch kame heut der Sohn des Petern Fix aus dem Bergischen zurück, der mit der lezten Transport Kayserliche hinüber muste. Sein Pferd und Karrig steht noch bey seiner Schwester zu Bilk, wo er auch die ganze Zeit hindurch sich aufhielte. Am Rhein sind fast keine Kayserliche mehr, weil die Ueberschwemmungen allgemein sind. – Zu Kölln ist kein Eiß im Rhein. Die Decke hört zu Mülheim auf. Zu Zons sind die beiden Kirchen überschwemmt.
Am 6ten – Das Rheinwasser läuft über den Worringer Damm und ist auch hier so groß, daß es beinah an die Pforte im Pflug stehet. Es hatte die Nacht ein wenig gefroren.
Am 7ten – Gestern Abend, als der Wind in Süden gegangen war, hörte man beym Mondlicht starkes Rauschen. Da erscholl die Nachricht, der Rhein überstiege unsern Damm. Sogleich strömten Soldaten und Einwohner über den Höhenberg, fanden sich aber getäuscht, denn das Wasser rauschte so stark über den Worringer Damm, welches der Wind hiehertrug. Jedoch musten die Soldaten die ganze Nacht patroullieren, weil, wenn das Wasser über unsern Damm geht, dann marschieren die Soldaten fort.
Am 8ten – Das Sterben läßt noch nicht nach. Alle Tag werden mehrere Kranke versehen und viele werden zu Grabe gebracht. Das Looß trafe auch heute den Johann Derichsweiler, im 41ten seines Lebens, der, von vielen beweint und fast von allen betrauret, auch in der Blüthe dahin muste. Er gab ein Beweiß, wie weit ein Mensch durch Thätigkeit und Fleiß es bringen kann. Als verwaister, sich selbst überlassener Knabe legt er den Grund zur Handlung. Da ihm von aller Hülf entblöst und ohn einige Selbstmitteln allenthalben nicht durchzukommen möglich war, so steckte er in der Herbstzeit auf den Feldern das von Bäumen abgefallene Laub in Brand und truge die Asche feil ins Bergische Land.

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Februar
Allgemach handelte er mit Speck, fort mit Haaber und endlich mit allen Gattungen von Frucht, dieses oft in Summen mit mehrern tausend Maldern. Er erwarb sich vor ein Pferd eigenes Land, kaufte sich ein Hauß, und seine hinterlassene Wittib hat hier im Dorf und in der Gegend mehr dann tausend Reichstahler Schulden einzufodern. Er half allen Menschen. Da aber kein Mensch ohne Fehler ist, so ware ihm dieser eigen, daß er nur allzusehr auf sein Interesse bedacht war.
Am 9ten – Morgens 9 Uhr stand der Rhein noch vest. Ungeachtet alles Regens ware das Wasser doch nicht stark gewachsen. Um halb 10 brach das Eis vom Nöthstein ab, so daß in Zeit eines viertel Stundes auf dem Platthals bis an die Piwitte hinab im Strom klares Wasser war. Vom Nöthstein auf Worringen zu blieb die Eißdecke stehen. Um 2 Uhr brach ein klein Stück ab. Das Wasser schwoll an. Um halb 3 pletschte es am Steinbüchel über unsern Damm. Es brach noch ein Stück, und es liefe fast überall drüber. Abends 8 Uhr wuchs das Wasser so hoch, daß es im Pflug in die Stub liefe. Der Rheinfelder Halfen hatte den Knechtsteder Nachen hohlen lassen. Damit fuhren sie
11. – heut, am 11ten auf Rheinfeld. Unser Damm ist am Steinbüchel, wo die Kanonen standen, beynahe 40 Schritt lang gebrochen. Am Monheimer und am Bodenkreutzer Weg und noch etwas weiter hinab sind in allem 4 Öfnungen in unserm Damm. Das Eiß ist aber meisten dem Strohme nach getrieben.
Am 12ten – Das Wasser fällt, aber sehr wenig. Der Damm spühlt noch immer mehr aus, wo die Öfnungen sind. – Heut starb auch der Joan Schmitz, alters 36 Jahr, der unter dem Scherznamen "Kastenman" bekant war. Er trieb das Zimmerhandwerk und hatte nebst verschiedenen Gebäuden auch die große Scheuer auf dem ehmaligen Cremerius-, nunmehr Hermann Delhoven et Steinbergers Erb, gebauet. Er ware eigentlich ein Original-Genie und zum Künstler gebohren. Armuth versagte ihm die nöthige Ausbildung seines Geistes, sonst würde er ein großer Mann geworden seyn. Er trieb sein Metier pracktisch, und wo oft alle an der Ausführung verzweifelten, das brachte er zu stande. Er hatte von allem Kentniß, was auch nicht in sein Fach einschlug: Mauren, Plistern, Pfannendecken etz. Aber sein Parol gallt nicht viel: Wem er heut zu arbeiten versprach, der wartete doch oft noch 2 Monath auf ihn. Er starb als privelegirter Kaminfeger des Dorfs.
13. – Der meiste Strom geht noch über den Steinbüchel, vest neben dem Dorf vorbey. Gestern Abend hatten sich einige und zwanzig Kayserliche Soldaten von Hittorff mit einem Nachen auf Worringen geschift. Es waren keine Franzosen mehr da, als im Pilgrims-Hof fünf Schneider und ein Ofizier, der aus Verbrüderung die Halbwinnerin noch einmal besuchte, denn die Truppen waren wegen dem hohen Wasser anderswo verlegt worden. Der Sohn des dasigen Schefen Trimborn,

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1795
Februar
Am 13ten – der mit den ersten hervortrat, ward von den Kayserliche vor einen Franzosen gehalten und bekam einen Hieb ins Backen, welches die Kayserliche recht sehr bereueten und nachher der Wunde pflegten mit Salben und Verband. Die 5 französische Schneider fielen auf die Knie und bathen um Gnade, die ihnen auch ward, so wie dem Ofizieren. Es ward Essen gebracht, und die Krieger tafelten miteinander und kredenzten den Wein bis in die Nacht. Da sezten sie sich zu Schife und ruderten mit den 6 Gefangenen hinüber. Sie nahmen alle vorräthige französische Monturen mit sich, sonsten aber niemanden nichts. – Regen.
Am 14ten – Es treibt viel Eiß durch den Damm hier neben dem Dorf vorbey, mit Tannenhölzern, Bord und dergleichen untermischt. – Etwas Frost.
Am 15ten, Karneval[181] – Es friert, und doch ware das Wasser noch gewachsen. Die hiesige Ofiziere vereinbahrten sich, zur Dankbarkeit für gute Pflege ihren Wirthen ein Gastmahl zu veranstalten. Es wurde bey Peter Pannes für 40 Personen gedeckt. Die Schefen Sturm und Steinberger, die beyden Joann und Hermann Hambloch, der Chyrurg Eller, meine zwey Brüder und ich musten aus Complesanz mit tafeln. Nach diesem wurden die beyden Agnes und Margaretha Küpper vom General zum Ball gehohlt, wie auch die Tochter des Joan Langel, Anna Maria Sturm und die beyden Frauen Hambloch. Bürger und Ofiziere tanzten in traulicher Vereinigung bis späth in die Nacht. Es herschte Zuchtig- und Sittlichkeit in allen Theilen. Der Wein floß allgemein, Kafe und Zuckerwerk erfrischten die Tänzerinnen.
Am 16ten – In Zons sind die Verwüstungen größer als man dachte: Die Mauer an der Mühle ist, wie im Jahr 1784, wieder eingestürzt, so wie die Mauer gegen der Rheinstraße. Dem Beseher hob das Wasser die Thüre aus den Angeln und schwemmte solche mit fort. Der Strom gieng durch die Straßen am Feldthor hinaus. Die Einwohner gewärtigten augenblicklich den vollen Einsturz des Städtchens. Wer sich von der Rheinstraße retten konnte, der rettete sich. Das Wasser ware ein Fuß niedriger also anno 1784. – Die Zollherrengärten am Rhein sind ganz verwüstet, die Mauren gestürzt und die schöne Obstbäum verdorben. Auch bey der ersten Überschwemmung, als sich die dasige Ofizier auf dem Ball befanden, war des Jammers nicht minder: Auf dem Greend saßen 3 starke Posten auf Weidenbäumen. 7 Verunglückte und die meisten, welche gerettet wurden, sind zu Straberg gestorben. – Die 5 Schneidern, welche zu Worringen von den Kayserlichen aufgehoben wurden, sind schon wieder da, weil sonst die Franzosen Hittorf bombardieren wollten. – Es friert etwas, und das Wasser fällt langsam.

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1795
Februar
Am 17ten – Gestern gieng ein Soldat über den Damm auf den Steinbüchel, wo vieles Eis zusammen getrieben war. Er ware in der Nacht vom 28ten Januar mit auf dem dasigen Posten und wollte nun seine Pfeife hohlen. Als er nun bald an der Baracke war, zerbrach daß Eiß, und er ertrank, so daß man seitdem nichts mehr von ihm sah. – Auch kame gestern der kleine Theodor Schüllgen von Monheim herüber. Er hat sein Pferd alda zurückgelassen. – Hier war das Wasser heuer 4 Fuß niedriger als 1784, zu Rheinfeld 2 Fuß, zu Neus ½ Fuß höher als damalen.
Am 21ten – Es friert so stark, daß der Rhein dicht mit Eiß treibt. Am Nöthstein jenseits steht die Kayserliche Schildwache wieder. Auch der Posten an der Piwitte ist hier besezt. Man kann noch nichts vorsehen, welchen Ausschlag der Krieg nehmen wird. Bisher weheten noch immer Friedensgerüchte, nun aber scheinen alle Mächte für den Krieg gestimmt zu seyn. Ganz Holland ist in französischen Händen, Maynz wird bombardiert und Luxembourg eingeschlossen gehalten. Wenn wir an irgend etwas Mangel leiden, so ist es an Stroh und Gemüse. Das hier liegende Batalion wurde befehlicht, morgen auf Kölln aufzubrechen. Ofizier und Soldaten sind darüber so mißvergnügt, mehr als noch jemalen. Die Division, welche in Kölln lag, kömmt hieher und diese dahin. Nachmittags 4 Uhr kamen wirklich 4 Compagnien neue Truppen hier an, welche zu den andern gelegt werden.
’’Am 22ten – Morgens 9 Uhr kamen 4 Compagnien, welche in Zons liegen sollten, hieher. Weil im Städtchen das Wasser viele Häuser unwohnbar gemacht, so wollten sie hier seyn. Man beredete sie aber, fürter zu ziehn, und sie schlugen den Weg auf Nivenheim ein. Im hohen Amt wurden sechs Verordnungen verlesen, deren verschiedene zwey Foliobogen groß waren. Sie enthielten meistens Vertröstungen, daß unser Schicksal gelindert werden soll. Aus Holland sollen Früchten und alles Nothwendige gebracht werden. – 70 Paar Schuhe, welche Dormagen liefern sollte, sind nachgelassen. Die Brandschatzung von 25 Milionen ist auf 8 heruntergesezt. Folglich haben wir schon zuviel bezahlt. – In jeder Gemeinde soll ein Magazin angelegt werden und Korn, Weitzen, Erdepfel, Erbsen etz. geliefert und dann auf jeden Kopf ausgetheilt werden. – Von den 4 Compagnien, so hier liegen, gehen morgen 3 auf Hackenbroich. Dann kommen 5 andere hieher mit 36 Pferden.

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1795
Februar
Am 22ten, Fortsetzung[182] – Die Biletter zu machen verursachte, daß die gewöhnliche Bürgermeisterwahl unterblieb. Man hatte zugleich den Gedanken, den jetzigen Kapellan Schüller durch die meiste Stimmen zu erwählen, der bey den jetzigen vielen Kranken, deren noch mehr als 50 sind, sehr fleissig ist und sich bey der Pfarr verdient gemacht. – Diesen Morgen 7 Uhr marschierte das hier 11 Wochen einquartirte 2te Batallion der 21ten Dimibrigade Jäger von hier auf Kölln. Die Ofiziere weinten mit ihren Bürgern. Ein Ofizier drückte sich so aus: "Ich habe Schwarzen und Weisse gesehen, bin in Constantinopel und Surinam gewesen, habe aber so edle Menschen nicht gefunden, wie hier zu Dormagen." Von 11 bis 12 Uhr marschierten einige Mann mit dem Divisionsgeneral Bernardo hiedurch, denen 15 Wegweiser auf Uedesheim und die darum liegenden Ortschaften mitgegeben wurden. Abends 7 Uhr kamen noch 3 Compagnien vom Stürzelberg hieher in Quartier, die
am 23ten auf Kölln giengen. Um 8 Uhr morgens giengen 3 Compagnien von hier auf Hackenbroich, und es rückten vier neue Compagnien von Worringen hier ein, welche einige Zeit hier liegen bleiben sollen. In Zons ist das Hauptquartier des Divisionsgeneral. Weil gestern der Chef fortgienge, der uns das Läuthen mit den Klocken verbothen hatte, so läuten wir nun wieder mit den zwey kleinsten. – Es regnet.
Am 25ten giengen wieder alle hiesige Truppen fort auf Pulheim. Am Mittage kamen 5 Compagnien von Nettesheim hieher. Die ganze Armee wird in Schlachtordnung gestellt. Deswegen ist dieses Herumziehen, und man glaubt, daß sie über den Rhein setzen werden. Zu Kölln stehn schon 200 zweyspännige Dienstkarren auf dem Thumhof, welche vor 10 Tage Fourage haben müssen, und stündlich fahren noch mehrere aus dem Kemperland dahin. – Diesen Nachmittag wurde nach eingehohlter Erlaubniß des Commendanten mit der großen Klocke geläutet und der Schefen Bremer zum Bürgermeister erwöhlt. Hinfort wird wieder geläutet wie in Friedenszeiten. Regen.
Am 28ten – Heut gienge eine von den hiesigen Compagnien auf Zons, und eine von da kame hieher. Die schwere Kayserliche Armee steht in der Gegend von Maynz. Da wird es derbe Schläge geben. Die Franzosen sezten zu Arnheim über den Rhein und haben Emmerich und Rees besezt, und es wird nun auf Wesel losgehn.
Merz
Am 1ten – Regen, Schnee und Sturmwind. Am 3ten musten alle hier in der Gegend cantonirende Truppen sich bey Nivenheim versammeln, wo Revue über sie gehalten wurde. Wenn es gut Wetter gibt, so gehts drauf los über den Rhein.

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1795
Merz
Am 8ten – Es ist noch immer wüstes Wetter, sonst würden die Franzosen schon den Feldzug eröfnet haben. – Die Abdey Knechtsteden wird ganz verwüstet. Diese Woche brachen die Soldaten die Bord aus den Zimmern und verkauften solche. Es gesellten sich mehr dan tausend Bauern von der Gillbach und der hiesigen Gegend dazu, und nun wurden die Altäre, die Orgel, die Kanzel, kurz alles, was nur von Holz ware, umgeworfen und fortgeführt. Zwey Beichtstühl wurden hierhin gebracht, ohne das viele andere Holzwerk.
Am 12ten – Es sterben noch anhaltend viele an dem faulen Fieber, vorgestern 3 Taglöhner und die alte Frau Baumans von der Piwitte. Sie hatte Männerverstand und auch – Männerdurst, den in ihren lezten Jahren ware sie fast immer betrunken, lebte demungeachtet 76 Jahre. – Frost, Schnee und Regen wechseln noch immer ab, so daß wir noch keine einzige Frühlingsstunde hatten bisheran.
Am 15ten – Das viele Stürmen hat den Rhein aus seinen Ufern getrieben. Gestern liefe das Wasser schon durch den zerbrochenen Damm auf Walhoven und Zons. Alle Posten, die unten im Feld standen, kamen hieher. Die Kavaleristen von Rheinfeld ritten über Zons und kamen um Mitternacht hier an. Die Einwohner von Walhoven und Rheinfeld konnten heut nicht einmal Meß hören, da es doch Sonntag war.
Am 17ten – Heut ware der erste Frühlingstag, doch hat niemand Lust, in den Gärten zu arbeiten, weil die Soldaten die Hecken durchstreifen. Auch ist die Schlachterey des Viehes hier angekommen. Erst wollten sie zu Jussenhoven schlachten. Die dort bequartirten Chasseurs verhinderten dieses. Nun sind die 17 Metzger hier logirt. Sie schlachteten heut im Bongart des Pastoren 7 Stück Vieh. – Gestern kame der Gerhard Schwidden, von Delven gebürtig, über den Rhein hieher. Er hat sich die ganze Zeit zu Monheim aufgehalten. Das Korn gillt da 12 Reichstahler, und es rollirt Geld in Überfluß. Übrigens werden die Wälder ruinirt, und das auf den Dienst Fahren ist sehr hart, Stehlen und Schlagen allgemein.
Am 20ten – Das Wasser fällt sehr langsam, so daß man noch nicht auf Walhoven und Rheinfeld kommen kann. Dabey friert es noch alle Nächte. Deswegen ist noch in keinem Garten etwas gegraben. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler.
Am 22ten – Der Rhein fällt noch sehr schlecht. Noch ist die Gemeinschaft mit Rheinfeld und Wallhoven nicht offen. Vorgestern kame der Heinrich Bochem herüber, den die Kayserliche beym Rückzug mit hingenommen hatten. Er lage die Zeit drey Monath krang beym Wiedauer Halfen, der ihn sehr menschenfreundlich bewirthete. Weil sein Pferd sehr elend war, so ließ er selbiges todtstechen. – Heut wurde verkündigt, daß kein Weitzenbrodt mehr gebacken werden soll und daß die Geistliche vom weltlichen Gericht gerichtet werden.

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1795
Merz
Am 27ten – Es sind nun etliche angenehme Frühlingstage gewesen. – Die Truppen, welche seit dem 25ten Februar hier lagen, sind heut von hier auf Pulheim und von da auf Andernach gezogen. Am Mittag rückte wieder ein neues Bataillon hier ein. Einige Divisionen werden höher hinan gen Maynz verlegt, und die 3 Divisionen, welche jenseit des Rheins über Rees gen Wesel vorgerückt waren, sind nun wieder auf dieser Seythe. General Jourdan gieng gestern hiedurch und nahm sein Hauptquartier in Kölln. 40 tausend Kayserliche stehn in und um Maynz, und eine ungeheure Menge Franzosen beobachten sie. – Heut morgens 10 Uhr kame der Scholaster Dahmen aus Andreas in Kölln mit dem Dechant von Neus, Pastore in Gohr, hier in die Kirche. Er ließ zuvor den Schefen ansagen, es würde ein Zeichen gegeben werden, um dem Scholaster nahmens seines Bruders, der im Bergischen ist, Possession über die hiesige Pastorat zu geben. Der Schefen Sturm sagte, weil noch Billetter für die Soldaten gemacht werden müsten[183], so könnte er nicht kommen. Der Schefen Steinberger sagte, vor einigen Tägen war die Verordnung abgelesen worden, daß die geistliche Gerichtbarkeiten aufhörten. Er müste also erst unser Friedensgericht fragen, ob der Dechant befugt wäre, jene Operation auszuführen. Überdem läutete schon die große Klocke. Der Dechant hatte das Placidum von Düsseldorff in die Handt und sagte den anwesenden Kindern und Soldaten, daß er dem Herrn Scholaster für seinen Bruder Possession geben wollte. Drauf nahme er ihn mit vor die Kirche, schloß die Thüre ab, und ein Knabe reichte den Kirchenschlüßel. Der Scholaster schloß auf, während daß der Dechant sagte: "Ich gebe dir Gewalt, namens deines Bruders die Kirche zu öfnen und zu schließen. Mit den nähmlichen Formuln führte er ihn zum Altar, zum Taufstein, auf die Kanzel, ins Kohr und Sakristey. Dann stimmte er das "Te Deum" an, wobey die Klocken gezogen wurden. Überdem schickten die Schefen den Feldschütz in die Kirch, mit dem Befehl, nicht länger zu läuten, und es ward aufgehört. – Nun gienge der Zug in die Pastorat. Die Köchin reichte den Schlüssel, und der Scholaster grub mit einer Grabschüppe ein paar Stich im Garten. Nach diesem aßen sie bey der Wittib Küpper zu Mittag. Es ward niemand von der Gemeinde zugeladen, und sie aßen und wurden satt und giengen auf Kölln. – Der Bruder des Scholastern ist wirklich Pastor zu Waldbroel im Bergischen, wo aber die Einkünften sehr mager sind. Er ware vor 3 Tagen noch zu Deutz und konnte nicht herüber kommen.

[182]

1795
Merz
Am 29ten, Palmtag[184] – Weil die Soldaten nicht so gesittet waren wie die vorige, so verwandelten wir die gewöhnliche Prozeßion am Nachmittag in eine Kirchenandacht, doch ware es schön Wetter. Die neue Viehschlachterey ist auf dem Wallhover Hof. Gestern marschierten die hiesige Truppen fort, und es kame ein neues Bataillon hieher. Weil das Hauptquartier in Kölln ist, so kamen noch so viele Soldaten mit Karren und Wagen am Abend hieher, daß die Anzahl bey zweytausend war, die auf die lezt zu zwanzig in Scheuern billettirt wurden. – Eine Verordnung verbiethet, in Städt und Flecken die Todten auf die gewöhnliche Kirchhöfe zu begraben. Dazu soll auf dem Feld ein Acker angewiesen werden. Dann sollen auch die Contributionen entrichtet und hiezu den Emigrirten ihre bewegliche Güther verkauft werden.
Am 30ten – Morgens 4 Uhr marschierte das hiesige Bataillon auf Kölln. Am Mittag rückten ein neues ein. Drauf kame die Schlachterey, Magazine von Haber und Heu, die Administration, Kanonen und Bagage – in allem so viel, daß im ganzen Dorf bey zweytausend Mann und 300 Pferde einquartirt wurden. Es ware überall voll, welches unten im Dorf, wo keine Ofiziere waren, kleine Händel absezte. Es wurden einige Hemder, Fleisch und Brodt bey der Wittib Peter Fix und bey Joan Adam Jussenhoven genommen. Auch zohe diesen Morgen viel Volks über die Heerstraße hinauf. Die Sturms-Knechte, welche daselbst baueten und vorspannen sollten, entflohen hieher. Die Soldaten folgten und sahn die Knechte am Schwanen-Hof hereinjagen. Der Kommendant war so sehr aufgebracht, daß der Sohn Joseph sich bey den Juden und die Tochter bey den Eller flüchten musten.
Am 31ten – Heut waren die gestern angekommene Soldaten kaum fort, so zohn wieder neue von Neus ein, welche überhaupt sehr frech sind. – Schön Wetter.
April
Am 1ten – Die heutige Römerfarth ward wieder in ein Kirchenandacht verwandelt. Es ward nähmlich das "Miserere" gesungen. Heut morgens 10 Uhr kame eine Schrift von Hülchrath, daß Dormagen zu dem Canton Zons gehöre, so wie Grimlinghausen. Dagegen soll das Amt Zülpich gülisch seyn. Um die Mittagszeit kamen schon die Visitatores von Hülchrath, welche die Speicher und Scheuern visitirten. Am Abend musten auch 15 Küh geliefert werden. Wallhoven und Rheinfeld thun jeder zwey, die übrigen die Meistbeerbte. Hernach soll der ganze Werth auf die Länderey ausgeschlagen werden.
Am 2ten – Die Truppen, welche am 27ten Merz von hier zohn, nahmen 8 Pferde als Vorspann für die Kanonen zu Hackenbroich mit. Diese stehn nun zu Poppelsdorf. Die Knechte ließen sagen, wenn sie nicht bald loß kämen, so würden sie ohne Pferde heimkehren.

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1795
April
Am 3ten – Pest, Hunger und Krieg scheinen sich zu vereinigen. Es ist viel Elends in diesen Tagen. Gestern starben drey Erwachsene, und heut sind wieder verschiedene rüstige Männer bethlägerig. Kaum ist unser Kaplan genesen, so ist der anwesende Franciscaner todt-krank. Der Wind liegt still. Soldaten und Bürger haben kein Brodt, und das macht erstere wild, weil leztere nichts haben, was sie geben können. Heut gienge eine starke Kolonne Kavallerie und Kanonen hiedurch auf Kölln. Weil dann immer Vorspann nothwendig ist, so verstecken die Leuth ihre Pferde, und das Land im Feld bleibt öd liegen, da auch das ganze unterste Feld verdorben ist und billig mit Sommerfrucht besähet werden müste. Gott weis, was noch aus uns werden wird.
Am 4ten, Osterabend[185] – Unruhiger ware nie die Kahrwoche seit Menschengedenk. Gestern Abend kamen noch 100 Kanonier mit vielen Pferden. In der Grafschaft Moers und in der ganzen Gegend wurden die Pferd dienstweis mitgenohmen. Deren sind nun eine Menge in Posthalters Bungart gegen dem Schwanen. Sie bekommen Brodt, Fleisch und Holz zum Brennen. Überhaupt gehn die Pferd vor und nach alle mit fort. Worringen that zu den Kanonen zu Hackenbroich 44, von denen noch keines wiedergekommen ist. Diejenige aber, welche von hier mit musten, sind bis auf 2 heut alle wiedergekommen. Sie waren zu Kentenich in einem Bauernhof eingespert, brachen eine Wand entzwey und entflohn. Nur der Sohn des Henrich Cremerius mit seinem und des Peter Schwidden Pferd wurden wieder arrettirt.
Am 5ten, Ostertag[186] – Diesen Morgen 4 Uhr hielten wir doch die Prozeßion. Um 7 Uhr giengen die gestrige Truppen fort, um 8 kamen wieder 4 Compagnien her. Alles zieht sich hinauf gen Maynz. Auch jenseits geht alles dahin. Zu Emmerich waren 30 tausend Franzosen über den Rhein gesezt, und diese sind auf diese Seythe zurück gekommen. Die Zeitungen schreiben indessen noch immer vom Waffenstillstand mit Preußen. – Schön Wetter mit etwas Regen.
Am 6ten, Ostermontag[187] – Um 7 Uhr diesen Morgen brachen die Truppen wieder auf. Deswegen ward die Emaus-Prozession nicht gehalten. Dieses ist das erstemal seit Menschengedenk. Viele Truppen zohn wieder hinauf. Gestern Morgen musten 4 Pferde des Walhoferhalfen, 1 des Joan Hambloch, 1 des Reinerus Zander und 1 des Christian Bochem mit auf den Dienst. Oben Kölln schickten die Soldaten die Knechte mit Prügel heim und nahmen die Pferde mit. Auch wurden diese Nacht den Sturms im Schwanen 10 Schafe gestohlen. Die Soldaten werden sehr frech.
Am 7ten – Heut giengen die gestern gekommene 700 Mann wieder fort, und es kame ein neues Bataillon hieher. Den Sturms im Schwanen wurde mehr den 2000 Pfund Heu mit Gewalt genommen.

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1795[188]
Am 8ten – Diese Tage sind beynahe so ängstlich als die erste, da die Chasseurs plünderten. Alle Menschen sind niedergeschlagen und traurig, weil es heißt, es würde uns alles genommen werden. Diesen Morgen giengen die Truppen fort. Um 10 Uhr kamen einige Dragoner von Zons mit 3 ledigen Karren hieher. Sie wollten 110 Rationen Heu und Haber haben und suchten hier oben im Dorf alle Scheuren und Ställe durch, ohne doch etwas mit Gewalt zu nehmen. Die ganze Sambre- und Maas-Armee ist hiedurch auf Kölln und Bonn gezogen und wird zu Maynz auftreten. Nur die einzige Division Lefevre ist noch in und unten Neus. Es heißt allgemein, mit den Preussen wäre Frieden. Diesen Tag hatten wir keine Einquartirung, außer einigen Dragonern und Kranken, welche ihren Bataillons nachgehen.
Am 9ten – Es ist unvergleichlich schönes Wetter, und man darf mit keinem Pferd noch Ochsen zu Acker fahren. Dies ist das Traurigste von allem. Es sind keine Bohnen gesähet, das Haaberland liegt noch wüst, und die Höfe sind voller Mist. Jeder versteckt seine Pferde so gut er kann, in Kammern oder in Scheuren zwischen das Stroh. Die 7 Pferd, welche am Ostertag mit auf den Dienst musten, sind wahrscheinlich verlohren. Die Knechte, welche noch bis Bonn nachgefolgt waren, sind heute zurückgekommen. – Wir haben noch keine Einquartirung. Worringen, Zons und alle Orte sind besezt. Nur Dormagen scheint vergessen zu seyn. Heut Morgen kamen wieder von Zons 60 Husaren, welche hier Fourage hohlten. Während daß selbige zusammengebracht wurden, schlichen sich die Husaren in die Häuser und foderten etwas Essen. Wer aber die Thüren verschlossen hatte, da giengs gut. – Man verkauft das Malder Korn um 8 Reichstahler.
Am 11ten – Heut kamen 5 Compagnien von Worringen hieher, um an dem Rhein die Wachen zu halten. Es sind viele Deutsche dabey und alle sehr brav.
Am 13ten – "Pax vobis" schrieb die heutige Zeitung, und dieses hat viel frohe Herzen gemacht. Die Nachrichten kommen aus Basel, und es soll allgemein Friede seyn, wozu der Kuhrfürst von Kölln das meiste beygetragen hat. – Man arbeitet wieder mit den Pferden im Feld. Schön Wetter.
Am 16ten – Es ist herrliches Wetter, und alles ackert und sähet kleine Bohnen und Haber. In Zons liegen 100 Chasseurs zu Pferd, welche viel Unfug treiben. Sie schwärmten einige Tage hier durchs Ort und beunruhigten verschiedene Häuser. Der hiesige Commendant aber ließ sie festsetzen und nach Zons führen. Seitdem geht immer eine Patroulle durchs Dorf, und wenn sie einen von den Chasseurs ohne Paß finden, so wird er vestgesezt. – Mit dem König von Preußen ist Friede. Dies bestättigt noch die heutige Zeitung. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.

[185]

1795
Aprill
Am 17ten – Die am 5. dieses auf den Dienst gefahrene 7 Pferde, wovon die Knechte zurückgekommen waren, hat der Schefen Steinberger und Sturm oben Bonn biß auf eines loßranzionirt. Sie waren beym Volksrepresentanten und General, der ihnen sogleich Gerechtigkeit widerfahren ließ. Überhaupt kann die Gemeinde dem Schefen Steinberger seine vielen Dienste nie vergelten. Rastlos und unermüdet ist er für das allgemeine Wohl beschäftigt, und was er unternimmt, das sezt er durch. Nebst seinem vorzüglich guten Verstande besizt er die Gabe, seine Bitten bey den Generälen und Commendanten so vorzutragen, daß keiner ihm etwas abschlagen kann. Wenig Männer sind zwischen Maaß und Rhein, welche das thaten, was er that. Dormagen ist unter allen benachbahrten Orten am meisten verschont, da es doch ohne so thätige Stütze wegen seiner Lage am meisten gelitten haben würde. – Auf dem Werth hinten Wallhoven arbeitet ein Compagnie Sapeurs an der großen Batterie. Auf dem Wallhover Acker und des Gerichtsbotten Land, auch gegen dem Kremps-Kampf wird eine schwere Batterie auf den Damm gemacht.
Am 19ten – Es ist schön Wetter. Man arbeitet bis in die Nacht, um mit der Sommersath fertig zu werden. Die Soldaten, welche izt hier sind, betragen sich ausserordentlich gut. Der Commendant weiset alles ab, was hier Fourage fassen will.
Am 20ten – Heut Mittag bekamen die hiesige Soldaten Befehl, auf Kölln zu gehn. Als sie aber zum Marschieren bereit standen, da kam Contreordre. Sie bleiben die Nacht über hier. Die Division Lefever ist noch zurück. Dies sind diejenige, welche zuerst hier waren. In Zons liegen die 100 Chasseur, welche damals das Städtchen so sehr plünderten.
Am 21ten – Diesen Morgen waren die Chasseurs von Zons wieder hier und wollten Fourage haben. Der Commendant aber schickte sie leer zurück. Nachmittags 3 Uhr musten die hiesige brave Soldaten auf Kölln. Es kamen keine neue hieher. Es war drauf ein schöner Frühlingsabend und eine ruhige Nacht.
Am 22ten – Es hatte warm geregnet, und auch heute ist das Dorf von Soldaten leer. Die Schutzengeln von Zons kamen doch diesen Morgen wieder, und man muste ihnen Haber und Heu geben. Es sind außer den Wachten am Rhein noch 6 Salve-Garden und 5 Gensdarmes hier, welche Ordnung im Dorf halten.
Am 23ten – Auch heut waren wir ohne Soldaten. Die Wachen am Rhein werden von Worringen versehen. Die dasige Fischer dörfen am Ufer des Rheins mit Nachen fahren.

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1795
Aprill
Am 25ten – Es ist einige Tage Regenwetter. Obschon keine Soldaten im Dorf sind, so leben wir doch in steter Besorgniß für Visitationen der Zonser Chasseur. Alle Morgen hohlen sie hier Haaber und Heu. Und wenn man endlich nicht mehr geben kann, so suchen sie und plündern vielleicht. Kornpreis 9 Reichstahler.
Am 27ten – Herrlich Wetter. Diese Nacht musten von Zons 50 Chasseur auf Worringen aufbrechen, wo auch wirklich ein Bataillon Infanterie ist, und Dormagen hat keine Einquartirung. – Sonderbahr!
Am 29ten kamen 3 Compagnien von der Division Lefever hieher. Am 30ten giengen sie auf Niel, und es kamen 2 Compagnien Chasseur zu Pferd hieher. Diese 2 Täg zohe auch viel Fußvolk hinauf. Es heißt allgemein, auch mit dem Kayser wär Waffenstillstandt. Zu Venlo werden eine Menge Schife mit Fourage ausgeladen. Das wird nun alle durch Dienstkarren hiedurch zur Armee geführt. Dormagen thut deren 2, und kein eintziges Ort von den Gränzen Frankreichs ist davor frey, so daß alle Tage mehrere 100 Karren hiedurch gehen. Zwischen Duisburg und Wesell ist freye Ueberfahrt über den Rhein. Täglich kommen Leuthe von Düsseldorff und aus dem Bergischen hiedurch. Jenseit gillt das Malder Korn 20 Reichstahler, in Frankfurth das Malder Haaber 28 Gulden und der Zentner Heu eine Karolin. – Diesen Abend 7 Uhr brach zu Straberg Feuer aus. Es wurde mit der kleinen Klocke Sturm geschlagen und die Brandeymer durch eine Dienstkarrig dahingeschickt, doch giengen nur einige dahin, welche Anverwandte dort wohnen haben. Es brennten 7 Häuser und 3 Scheuren ab.
Mey
Am 1ten – Gestern Abend wurde von 7 bis 8 und heute morgens von 4 bis 5 mit allen Klocken in den Mey geläutet. Es ist unvergleichlich schön Wetter.
Am 3ten – Die Chasseur müssen am Rhein Schildwach stehen, weil kein Fußvolk hier ist. Sie betragen sich bisher noch gut. Die hiesige so wie alle Gottestrachten sind bis auf ruhigere Zeiten verschoben worden, auch sogar in der Stadt Kölln.
Am 4ten – Gestern Abend hatten die Kayserliche auf der Ordenbach an einem Nachen etwas geklopft und anderwärts, zum Spaß vielleicht, ein Getöß gemacht. Sogleich wurden noch die Kanonen aufgeführt. Die Besatzung von Zons muste ausrücken, und hier wurden die Wachen verdoppelt, das nun alle Nächte so gehalten wird. – Man spricht und denkt noch immer ganz verschieden über unsere Lage. Viele wollen versichern, daß auch mit dem Kayser und Reich der Friede geschlossen seye, und andere, ebenso glaubhafte Berichte wollen in einigen Tagen ein entscheidendes Trefen weissagen. Indessen weis man nicht, wem man glauben soll. Kornpreis 11 Reichstahler, Haaber ein Ducaten.

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1795
Mey
Am 7ten – Jetz wird der Gedanke sehr wahrscheinlich, daß der Krieg noch ein Jahr und vielleicht noch länger dauern kann. Kayserliche und Franzosen verschanzen sich in diesen Gegenden überall. Obschon Preußen Friede hat, so lindert das unser Schicksal nicht ganz. Die hier befindliche 130 Chasseur hohlen ihre Fourage auf der Gillbach und essen gern etwas Gutes. Dabey sind sie so unordentlich vertheilt, daß Einspännere 9 Mann und auf dem Wallhoverhof nur vier Mann sind. Bey Coblenz und Maynz ist die Hauptmacht von Kayser und Franzosen versammelt. Beyde sehen sich ruhig an, ohne etwas Friedseliges zu beginnen, während daß Land und Leuth durch diese Unthätigkeit verdirbt. Zu Venlo liegen einige hundert mit Lebensmitteln beladene Schife, welche alle hiedurch dienstweis zu den Armeen abgeführt werden. Das Malder Korn gillt 11 Reichstahler.
Am 9ten – Es regnet nach einigen warmen Tagen. Heut gieng ein schwerer Zug reitender Artillerie und viele Karren Mehl hinauf zur Armee. Die Haaber ist noch lang nicht alle gesähet, und das Brachland ist so rau und wüst als Graßbenden. Die Diensten sind dabey sehr hart. Alle Tage 12 und 15 Karren zu Fleisch, Brodt, Haaber, Heu und Stroh. Wir leiden eigentlich durch die Chasseur nicht viel, weil sie alle Fourage zu Neus und auf der Gillbach hohlen. Drunten im Preußischen fährt alles frey über den Rhein.
Am 14ten, als am Himmelfahrtstage[189] – Der Gottesdienst wird sehr ruhig gehalten, doch unterbleiben alle Prozessionen. Auch betragen sich die Chasseur sehr gut, und im Feld darf nichts gekränket werden. Es ist einige Tage kalt, dennoch gut Wetter für die Feldfrüchten. Das Malder Korn gillt 10 Reichstahler und Weitzen 15 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler. – Gestern fiengen 12 Sapeur mit 25 Dienstleuthen hier aus dem Ort eine neue Batterie an, oben der Piwitte auf dem Balchemer Land, wo die Stücker Damm sind. Die Arbeiter sollen Fleisch und Brodt haben.
Am 15ten musten alle Mineur und Sapeur aus der hiesigen Gegend aufbrechen, um gegen Düsseldorf Verschanzungen anzulegen. Zu diesem Behuf sind viele hundert Bauern aus Gohr, Hackenbroich etz. dahin aufgebothen worden. Mitunter spricht man wieder allgemein vom Frieden mit dem Kayser.
Am 19ten – Es ist unvergleichlich schönes Wetter. Die Haaber ist noch nicht alle gesähet, und das Brachland ist so wüst, daß man mit der Sichel das Graß schneidet. Gestern wurde vom hiesigen Chasseur-Commendanten in der Kirch der Befehl abgelesen, daß nicht allein die Soldaten verbotene Wege meiden und Feld- und Gartengewächse mit Frieden laßen sollen, sondern auch die Bürger sind dem nähmlichen Befehle unterworfen.

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1795
Mey
Am 22ten – Diese Woche sind die Küh in die Benden getrieben worden, welche von dem diesjährigen Eisgange nichts gelitten haben. Die vorig Jahr neben dem Mühlenberg an den Benden gepflanzte Bilweiden sind bis auf 3 alle abgehauen, doch meistens von den Kayserlichen im Späthsommer. Die Kempen sind durch die heurige Ueberschwemmung stark mit Lett gebessert worden, doch kömmt das Graß wieder durch. Überhaupt ist der Wasserschade nicht sehr beträchtlich. In der Aue ist das Korn ganz verdorben, auf einigen Plätzen ausgetrieben, andere mit Sand und auch mit Lett beschossen. Auf dem Werth und Kranenorth stehet recht gutes Korn. Das oberste Feld sieht sich vortreflich an.
Am 25ten – Kühles Wetter, des Nachts reift es. – Die Assignaten verliehren mit jedem Tag an Werth. Man gibt izt für den Liver einen Stüber. Die Soldaten leiden das meiste darunter. Sie sind aber doch zufrieden dabey. Hingegen bekommen sie schönes Fleisch und gar weisses Brodt. Das alles beziehen sie jetz aus Holland, wo täglich mehre hundert Stück Hornvieh und viele Karren Fourage hiedurch geführt werden.
Am 30ten – Es wird wieder schönes Wetter, und wir leben mit den Soldaten sehr ruhig. Mit Preussen ist Friede, doch behaupten die Franken noch das diesseitige Rheinufer. So sagt man sich auch izt für gewiß, Kuhrpfalz habe gleichfals mit der Republick Friede.
Junius
Am 1ten wurde mit dem Mobilien-Verkauf des verstorbenen Pastoren Bürich angefangen. Die erste Bedingniß war, daß keiner von den Creditoren[190] etwas kaufen darf, um solches von seinen Foderungen abzuziehn – ein wahres Zeichen, daß Vieles nicht wird bezahlt werden. Auch kame der neue Pastor Lambert Dahmen mit seinem Bruder, dem Scholaster, hieher. Sie logiren einstweilen bey der Wittib Küpper und machte Visit bey den Schefen und Vorstehern des Orts. Am 3ten gieng der Kaplan wieder auf Kölln.
Am 4ten, Frohnleichnamstag[191] Um 5 Uhr war die Frühmeß, und um 7 Uhr hielt der Pastor das Hochamt mit einer sehr bündigen Rede, welche von seinen helldenkenden Grundsätzen zeugt. Er stellte vor die Pflichten, welche ihn gegen seine Pfarrkinder und diese gegen ihn verbinden. Wenn er das leistet, was er versprochen hat, so sind wir zufrieden. Nach geendigtem Hochamte giengen wir die Prozeßion in schönster Ordnung und kamen vor ein Uhr wieder zurück. Nun hatte der Pastor ein festliches Gastmahl veranstaltet, bey der Wittib Küppers, dem alle Schefen und Vorstehere beywohnten. Es war besonders schönes Wetter diesen Tag.

[189]

1795
Junius
Am 8ten – Eben war in die Fronleichnams-Abendsandacht zum erstenmal geläutet, als der Befehl ankam, nicht mehr mit den Klocken zu läuten, sogar bey einem entstehenden Brande nicht. Keiner soll mehr vors Orth ohne Paß gehen, am Rhein keiner den Jenseitigen zurufen. Alle Tage sollen alle Einwohner männlichen Geschlechts abgelesen werden, und die Wirthe sollen keinem Fremden logiren, ohne daß er sich zuvor beym Commendanten gemeldet hat. Nun haben wir doch die Erlaubniß, vor dem Gottesdienst einen Buben mit einer Schelle durchs Dorf zu schicken, worauf die Leuthe sogleich zur Kirche folgen. Kornpreis 10, auch 11 Reichstahler, Weitzen 18 ditto.
Am 10ten – Mittags 1 Uhr musten alle Einwohner in drey Sextionen auf der Appell erscheinen. Unter der Leufen laße der Schefen Sturm ab, am Posthaus der Schefen Steinberger und auf dem Hellbüchel die Vorstehere Langel, Heck mit dem Schullmeister. Doch soll nicht alle Tage diese Appell statt haben, sondern wenn der Commendant es fodert. Der Rhein im Preussischen ist wieder gesperrt. Unser Posthalter, der mit seiner Frau am Essenberg war und auf Monheim wollte, ist unverrichtet zurückgekommen. – Die wichtige Festung Luxembourg ist am 4ten dieses wegen Mangel der Lebensmittel an die Franzosen übergegangen. Die 12.000 Mann starke Besatzung zieht kriegsgefangen über den Rhein. Indessen schweigt alles vom Frieden. Kayser, Reich, Spanien, England und die Italiener stehen noch gegen die Franken zu Feld. Preußen, Holand, Toskana und Wirtemberg haben Friede. Vielleicht möchte izt wohl alles ausgeglichen seyn, wenn nicht vor 14 Tagen in Paris und andern ersten Städten Frankreichs eine Gegenrevolt ausgebrochen wäre. Man wollte nämlich den ganzen Nationalkonvent ermorden und den Dauphin zum König machen. Bey diesem Aufstande ist viel Bürgerbluth geflossen, doch haben die Patrioten gesiegt. Man sagt, sobald der Kayser diese Nachricht vernommen, hätte er Befehl gegeben, alle Unterhandlungen abzubrechen. Friede wird dennoch das Ende vom Liede seyn. Die Franzosen sind einmal unüberwindlich, und das Zögern des Kaysers macht die Bedingniße des Friedens für ihn desto schändlicher. Was er erstens thun wollte, dazu sieht er sich dann gezwungen. – Wir leben indessen einig und verbrüdert mit den Soldaten. Die Requisitionen hören auf, und die Assignaten werden pro Liver zu 1 Stüber ausgegeben. Es wird wieder Bier und Wein geschenkt, und die Kramläden sind offen. Man spricht allgemein, die Franken werden zwischen Neus und Bonn über den Rhein setzen, und weil die Nordarmee da unten nichts mehr zu schaffen hat, so zieht diese sich allmälich hinauf, einige Kavallerie hiedurch, die meisten aber von Neus über die Gillbach in die Gegend von Maynz.

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1795
Junius
14ten – Krank werden und sterben ist noch etwas Gemeines. Seit dem Winter werden noch täglich einige versehn und wöchentlich welche begraben. Viele junge Leuthe in der besten Blüh, Mann und Weib, hinterlaßen arme Waysen. Das Loos traf auch am 3ten dieses den Schefen Fix. Er war 35 Jahre hindurch Gerichtsschefen, um, was die andern beschlossen, zu bejahen. Übrigens hat er sich ein großes Vermögen erworben, das er auch noch bey seiner Lebzeit unter seine Verwandten theilte, und im Schwanen von seinen Interessen lebte. Er hielt viel auf Wahlfarten und alle Kirchenandachten, schenkte einen silbernen Bruderstab und Fahnen der Bruderschaft und stiftete eine monatliche Leesmes für die verstorbene Einverleibte. Seine Lebensjahre waren 75.
Am 20ten – Es kommen alle Tag noch ungeheure Transporte von Lebensmitteln für die französische Armee hiedurch, welche jetz nicht mehr dienstweise, sondern für baares Geld von Venlo gehohlt werden. Für den Centner wird jede Stunde 5 Stüber gezahlt.
Am 23ten – Heut musten die seit dem 29ten Aprill hier gelegene Compagnien Chasseur von hier aufbrechen. Die ganze Division Lefever zieht sich hinab auf Moers, und die Division Morlo wird die Gegend von hier bis Neus besetzen. Es zohen wieder 4 Compagnien Infanteristen hier ein, welche ebenfals morgen hinabgehn. Mit Kayser und Reich ist noch kein Friede. Hingegen wird auch nicht geschlagen. So sagt man izt, 4 Divisionen von den Franzosen würden im Preussischen über den Rhein setzen, um von der andern Seythe auf Maynz zu gehen. – Heut starb die Anna Sophia Malsburg, ein Mädchen von 22 Jahren. Sie hatte etwas zu frey mit den Soldaten gelebt, bekam das faule Fieber, gebahr ein Kind von 6 Monath und entschlief.
Am 24ten – Heut wurde wieder zuerst mit den Klocken geläutet, weil die Division Morlo hier einrückte. Viel Volks zieht sich hinab. Man sagt, die Kayserliche werden den Rhein bis Kölln räumen müssen; wo nicht, so soll Düsseldorff bombardirt werden.
27. – Es regnete einige Tage. Auch sind die Mönche von Knechstein aus dem Bergischen wiedergekommen und laßen das Dachwerk wieder wasserdicht machen. Kein Stück Bley ist mehr auf den Dächern, und ausser dem Reisenden- oder Handwerkerbau kein Gebünn mehr im ganzen Kloster, wohl aber Gestank und Unrath im Überflus in allen Ecken. Die Mönche wohnen einstweilen bey ihren Verwandten. Vorgestern kamen 6 Compagnien von der Division Morlo hieher.
28. – Und heut, am 28ten, hielten wir unsere Gottestracht, giengen doch nur den am Kristi Himmelfahrtstag gewöhnlichen Weg. Weil aber die Hellbüchelsgaße voll Waßer stund, nur’s Dorf unten herein, auf dem Hellbüchel ward Station gehalten, und demnach kehrten wir über Bohdenkreutz am Lämbchen herein.

[191]

Junius
Am 29ten – Heute, als am Peter- und Paulus-Tage, hielten wir den Hagelfeyer. Am Lamges-Heiligen-Häuschen, am Hagelkreutz, zu Horm und unten vor dem Dorf wurde Station gehalten, mit Umtragung des Hochwürdigen.
Am 30ten – Weil es noch anhaltend regnet, so befürchten wir eine Überschwemmung. Es liegen auch 30 Husaren hier im Dorf, um die Ordonanzen zu reiten. Deren muß alle Tage 12 Bürden Klee gegeben werden.
Julius
Am 2ten – Wir haben Korn verkauft zu 15 Reichstahler und Weitzen zu 18 pro Malder, an der Thür abzuholen, doch wenn wir 8 Tage Sonnenschein haben, so ist das Korn reif. – Der Amtsverwalter von Bergheim ware heut hier, um das, was wir durch den Krieg gelitten haben, zu verzeichnen und auf Düsseldorf zu schicken. Wahrscheinlich wird stark am Frieden gearbeitet, und Kurpfalz hat Hofnung, sein Güliches Land wieder zu bekommen. – In all unsern Feldern liegen viele Äcker noch unbebauet. Die Dienste sind noch allzuhart, um für all die Truppen Brodt, Fleisch und Holz beyzufahren. Dazu kame noch ein Schreiben vom Friedensrichter, daß wir die hiesige Landstraß mit Sand befahren sollen. Auch soll jeder das auf dem Knechsteder Busch gehohlte Holz, Mobilien etz. wieder dahin bringen, aber keyns von beyden wird geschehen.
Am 3ten – Es regnet ohne Unterlas. Der Rhein will austreten und die schöne Sommersath unten im Feld verderben. Dazu kame heut der Befehl vom Bezirks-Verwalter Neesen in Hülchrath, daß wir den Dreck aus dem Dorf führen und mit Sand die Straße machen sollen. Es waren auch heut, am 4ten, fast alle Einwohner mit Aufschlagen beschäftigt, obschon es sehr morastig ist.
Am 5ten – Am 28ten vorigen Monaths ließen die Franzosen zu Kölln einen Luftballen steigen, um das Bergische Land einmal zu beschauen. Darüber schreibt man aus dem Bergischen: "Obschon dieses immer eine Anzeige eines nahen Angrifs war, so beunruhigt es uns dermalen nicht, indem die allgemeine Sage uns den Frieden zwischen Kuhrpfalz und den Franken verbürgt, und in einigen Tagen werden die Kayserlichen abziehn." – Es soll wieder Zehenden gegeben werden. Jederman ist unwillig darüber. Der Schefen Steinberger und Sturm bekamen Befehl, alle vorräthige Eichen-Blöcher auf eigne Kosten auf Kölln zu führen, weil Dormagen verschreit ist, als hätten wir ungeheure Magazine davon. Was sie auch dagegen einwendeten, so konnten sie’s doch nicht hintertreiben.
Am 8ten kamen Commissairs hiehin, welche auf den 9ten vier Mann mit Misthacken foderten, um eine allgemeine Holzvisitation zu unternehmen.

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1795
Julius
Am 9ten – Das alte Sprichwort wird bald wahr werden: "Wenn der Bauer ein gebraten Huhn auf dem Tisch stehen hat, so soll er's stehen lassen, um einen vorübergehenden Pfafen todzuschlagen." – Die Holzvisitatoren giengen von Haus zu Haus, untersuchten mit langen Eisern alle Misten, und wo sie Holz fanden, da wurde es aufgezeichnet und geschäzt. Die Leuthe kauften selbiges dann wieder von ihnen, doch nur um ein gringes Geld. Als sie bald damit fertig waren, kame ein Knechsteder Mönch mit einem Beschluß von Aachen, worin die Abdey als Eygenthümer aller vorfindlichen Hölzer anerkannt wird. Die Commissarien liessen sich doch in ihrer Arbeit nicht stöhren, und man bezahlte ihnen, wie man einig ward, doch nicht theuer, und den gringen Leuthen ward es geschenkt. – Am Peter- und Paulus-Tage hielten die Knechsteiner Mönche ihren ersten Gottesdienst unter den Ruinen. Da in der Kirche kein Stückchen Holz von Altar oder sonsten übrig geblieben war, so ward auf einem Tisch Meß gelesen. Und der Pastor von Gohr, ehmaliger Missionarius, hielt eine lermende Rede, schallt seine Zuhörer und alle Nachbarn Räuber und Diebe, schloß dann mit den Worten: Wer die gestohlne Sachen nicht wiedergeben wollte, der könnte damit zum Teufel fahren. Die Leuthcher in der Revier halten sich am alten Sprichwort: "Halt, was du hast, Pfaf-Guth, raf gut", und bringen nur Sachen wieder, was sich nicht verbergen läßt, als Bettstätte, Tische, Schränke etz. Von Zinn, Kupfer und Leinwand kömmt nichts zurück. Die Mönche haben ihren Holzschaden auf hundert tausend und den Ruin an den Gebäuden ebenfals auf gleiche Sümme taxiren lassen.
Am 13ten – Es ist kaltes Wetter. Einige Leuthe haben etwas Korn vor Brodt geschnitten. Es ist aber noch nicht reif. Das Malder gillt 13 Reichstahler. – Das ansteckende faule Fieber läst jetz nach.
Am 17ten – Die seit dem 23ten Junius hier cantonierende Truppen bekamen heut Ordre, auf Maestricht zu gehn. Man sagt, sie wären bestimmt, in der Vendée zu agiren, wo die Engländer gelandet sollen seyn. Gleich kamen auch wieder 4 Compagnien hiehin, deren einige auf Horm verlegt wurden. – Einige Tage war's etwas trocken, und izt regnet es wieder ganze Tage, so daß man mit dem Kornhauen noch einhällt. – In der Zeitung steht die Verordnung, daß, weil von den Volksvertretern noch keine andere Verfügungen getrofen wären, so sollte der Zehente von den Früchten wieder genohmen werden. Der Wallhover Halfen aber weigert sich hierin und will den Zehenten nicht nehmen, weil er viel Unkosten hat und dan doch die Frucht liefern muß.

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1795
Julius
Am 21ten – Am lezten Dienstag, den 15ten, musten von hier 5 doppeltspännige Karren auf Maestricht, um Montour für die hiesige Truppen zu holen. Da nun diese selbst dahin abgezogen sind, so bleiben die Karren aus. Nur zwey fanden Gelegenheit, zu entkommen. – Die Ordonnanzen gehn ausserordentlich stark. Man glaubt daher, die Franzosen werden über den Rhein setzen. Diesen Abend kame der Befehl, daß alle Karren und Pferde noch in dieser Nacht auf Neus aufbrechen sollen. Es ward aber mit dem Commendanten accordirt, daß einstweilen nur 24 Einspännige um Mitternacht auf Neus abgiengen. – Es ware ein paar Tage schön Wetter, da ward fleissig Korn gemähet, und nun regnet es wieder, welches viel am Heu verdirbt.
Am 23ten kame der Bezirksverwalter Neesen von Hülchrad hiehin, um das Holz, welches lezthin, am 9ten Julius, der Commissair Gambold uns verkauft hat, auf Knechstein zu führen, weil die Bezirksverwaltung von Bonn den Mönchen solches zugesagt hatte. Der Schefen Steinberger aber hatte seit der Abreise der Commissarien inständig mit selbigen Brief gewechselt. Gambold gieng auf Aachen und bewirkte vom Volksvertreter, daß die Mönche keinen Anspruch auf das Holz haben sollten. Mit dieser Order kamen die Commissarien heut Abend an.
Am 24ten – Der Schefen Bremer hatte jüngst einiges Holz von den Commissarien gekauft. Ein schweres Bloch aber zu bezahlen, hatte er kein Geld und Credit. Dieses sollte so wie das schon geschnittene Bauholz der Wittib Schefen Küppers auf Kölln geführt werden, weil auch diese sich mit den Commissarien sich nicht abfinden wollte. Lezteres wurde aufgeladen und verführt. Indessen kame der Provisor von Knechstein hieher, berathschlagte sich mit den Beamten und konnte doch nichts ausrichten.
Am 25ten – Die am 21ten auf Neus gefahrene Karren sollen Mehl am Essenberg hohlen, wo izt noch immer mit französischen Pässen freye Ueberfahrt ist. Das schwere Eichen-Bloch des Schefen Bremers ist auch heute mit 7 Pferd nach Kölln gebracht worden, und den Administrator Neesen der Befehl vom Volksvertreter zugegangen, daß alles verkaufte Holz für die Abdey Knechstein verlohren seye. Man glaubt, die Franzosen werden bald über den Rhein setzen. Diese Nacht kamen viele Wägen mit Bauholz und schweren Brettern hiedurch, welche in der Gegend von Oerdingen zu einer stehenden Brücke gebracht werden sollen.

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1795
Julius
Am 26ten – Die falsche Propheten in Schaafskleidern haben nicht Rast noch Ruh, bis sie das Holz aus hiesigem Dorf, wo nicht weggenommen, doch wenigstens aufgezeichnet haben. Ich verstehe hierunter die Mönche von Knechstein, welche immer von Verzeihen und Vergeben predigen und selbst jetz bitterste Rache ausüben. Der hier noch anwesende Amtsverwalter schrieb gestern ein Decret an die hiesigen Vorstehern und Bürgermeister, daß sie am Montag, den 27ten morgens 8 Uhr der unter allerhand Ausflüchten abgelehnten Holzvisitation beywohnen sollen. Sogleich eilten der Schefen Steinberger und Sturm mit dieser Nachricht auf Kölln und Bonn. – Gestern, diese Nacht und heute regnet es ohne Unterlaß, so daß man das Austreten des Rheins und das Wachsen des gemäheten Korns befürchtet. Es giengen heut viele Wägen, mit 8 und 10 Pferde bespannt, hinab. Sie hatten geschnittene Bretter und Tannenbauholz, Seil, Erdwinden, Hebmaschinen und Ankern geladen. Dieses alles wird in der Gegend von Oerdingen niedergelegt.
Am 29ten – Es regnet anhaltend. Der Rhein würde schon Vieles verdorben haben, wenn wir nicht am Platthalse durch einen Damm gekehret hätten. Das Korn ist allenthalben am wachsen.
Am 31ten – Man sagt, die Franzosen wollen in der Gegend von Oerdingen über den Rhein. Wenigstens lassen die Anstalten solches vermuthen.
August
Am 1ten – Weder der Neesen, noch die Knechsteder Mönche laßen etwas von sich blicken. Leztere hatten verschiedene Eichenblöcher von Nivenheim durch Zwang auf die Abdey bringen laßen. Die Commissarien aber schaften solche wieder auf Nivenheim und verkauften sie dort. Und hier ist Befehl, wenn ein Mönch sich zeiget, um eine Holzvisitation zu unternehmen, denselbigen gefänglich auf Aachen zu führen. – Es regnet noch immerfort, und der Rhein will noch nicht still stehen. Gestern wurden alle Nachbarn aufgebothen, an dem Sommerdamm auf dem Platthalse mit zu arbeiten. – Der Zehende soll wieder gegeben werden, womit jederman unzufrieden ist. Der heutige war ein sehr unruhiger Tag: Diesen Morgen 9 Uhr kame der Befehl, daß alle Pferde auf Neus musten. Augenblicklich wurde eine Compagnie Grenadier beordert, das Feld zu durchstreifen und alle Pferde zu arettiren. Diejenige, welche unten ins Feld flüchteten, wurden erwischt, auch verschiedene oben im Feld. Der Caspar Schmitz, Bruder des Vicarius, muste ins Prison, weil er einige Knechte zur Flucht gewarnet hatte. Heinrich Coenen, die Walhover Halbwinnerin, der Herpetzhalfen von Horm so wie seines Sohns Wilhelm Heinrichs Frau und der Wilhelm Weiler von da hatten gleiches Schicksal. Doch als die Karren fort waren, da wurden auch sie aus dem Gefängnis entlassen. Ihr Verbrechen war, daß sie die Pferde versteckt hatten.

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1795
August
Am 2ten – Ein Übel kömmt selten allein: Die Pferde sind uns genommen, und die, so noch hier in den Wäldern versteckt sind, darf man nicht ans Licht bringen. Das Korn wächst auf dem Halm und auf den Gästen. Der Rhein will augenblicklich den Sommerdam übersteigen. Das Brachland liegt entsetzlich wüst, und nun ist auch eine Krankheit unter dem Hornvieh, woran schon 10 krepirt sind. Die Viehseuche ist's indessen doch nicht. – Gestern musten 6 Pferde vom Walhoverhalfen mit auf Neus, 4 vom Vorsteher Joan Langel, 2 vom Rheinfelderhalfen und noch 2 Einspänner. Noch 40 aus hiesigem Dorf sind hier. – Regen.
Am 3ten – Obschon es heut gutes Wetter war, so durfte man doch nicht mit den Pferden arbeiten. Nur mit Ochsen wurde etwas Korn eingescheuert. In den Kempen steht nur Grundwasser, weil die Zonser durch einen Sommerdam den Strom aufhalten. Das meiste Korn steht noch auf dem Halme vest. – Nicht allein hier, sondern aus dem ganzen Land zwischen Maaß und Rhein müssen die Pferde in den Park zu Neus, um Mehl zur Armee oder die Pontons herbeyzuführen. Das ist noch ungewiß. – Der Schefen Steinberger fuhr heut mit dem Schefen Sturm auf Neus, um die Pferde, derer er noch einige vom 21ten Julius auf der Reise waren mit denen vom 1ten August, in allem 27, loß zu bringen. Sie gaben an, es wären 57 Pferde im Dienst der Nation, und der General gabe die Halbscheid loß.
Am 5ten – Also brachten sie heut, am 5ten, die 27 Pferde mit. Diese ware gewiß eine herkulische Arbeit zu nennen, da alle Ortschaften noch so viele Pferde auf dem Dienst haben.
Am 6ten – Es regnet noch alle Tage ein wenig, und man fährt die Früchten naß herein. Vom Frieden mit dem Reich wird auch noch immer geschrieben, aber leider nur Muthmassungen. Spanien hat doch nun sicher mit den Franzosen Friede.
Sontag, den 9ten – Weil dem Wetter nicht zu trauen ist und uns vielleicht nochmalen die Pferde genommen werden könnten, so erlaubte der Pastor, daß diesen Nachmittag gearbeitet werden durfte. Es ward eingescheuert und am Heu gearbeitet. – Man will versichern, in 8 Tagen sollen die Franzosen in der Gegend von Oerdingen über den Rhein setzen. In jener Gegend hat sich viel Volks zusammengezogen, so daß ein armer Mann 10 Soldaten hat. Auch kommen anhaltend schwere Transporte Brückenhölzer herab und mehrere hundert Kanonen gehn von Gülich über Fürth hinab. – Am Essenberg wird alle französische Magazinfrucht ausgeladen und dienstweis alle Tag mit vielen hundert Karren hindurchgebracht.

[196]

1795
August
Am 11ten – Mehr als die Halbschied von Korn steht noch im Feld, und heute regnet es wieder. Die Sommerfrucht ist unvergleichlich schön gerathen. Das Korn ist so ergiebig, als es seit dem Jahr 1757 nicht gewesen ist. Jeder Gast hat ein Sümber geladen. – Gestern wurde hier in den Kühbenden, zu Worringen und überall, wo nur Truppen cantoniren, mit Kanonen und kleinem Gewehr gefeuert. Diese Victorie ware zum Jahrgedächtnis der Revolution in Frankreich.
Am 13ten und 14ten war es sehr heis, und man fuhre fleissig ein. Am Abend regnete es wieder. Am 12ten dieses musten wieder 16 Pferd auf den Dienst nach Neus in den Park. Am 15ten bekamen die seit dem 17ten Julius hier cantonirte Truppen Befehl, von hier auf Zons zu gehn. Sogleich rückten auch wieder 3 Compagnien Chasseur zu Fuß hier ein. Die nun abgezogene Truppen haben sich sehr gut gehalten: Sie arbeiteten fleissig für ein paar Stüber und waren sehr geschickt mit Kornschneiden, Graßmähen und aller Bauern Arbeit. Gestern Abend wurden hier 160 Kanonierpferde einlogirt. Sie verzohn heut Morgen, und nachmittags ware schon wieder ein gleiche Anzahl hier. – In der Gegend von Oerdingen ist die Brücke zum Ueberschifen bereit. Viele hundert Kanonen stehn da, und die Einwohner von Oerdingen flüchten ihre besten Sachen aus der Stadt, weil die Keyserliche gegenüber fürchterliche Batterien errichtet haben, von wo aus leicht das blühende Oerdingen in den Grund geschossen werden könnte.
Am 16ten giengen die Kanonierpferde von hier fort. Nachmittags ritte General Jourdan hinab, und den ganzen Tag ware es sehr unruhig. Man sagt, es soll viel Volk die Nacht hier durchziehn und einlogirt werden. Die hier seit gestern quartirte Jäger bekamen diesen Abend Befehl, um 9 Uhr aufzubrechen und die Nacht hindurch noch 2 Stund unten Neus zu marschieren. Sie sollten alle Pferde mit Stroh beladen mitnehmen. Man bedeutete ihnen aber, daß unsere Pferde, ausser einigen Krüppeln, schon alle auf dem Dienst wären, und daß noch kein Korn gedroschen seye. Es ist immerhin sehr verdrieslich, wenn bey Nacht Truppen einlogirt werden. Deswegen hat sich Angst unter alle Bewohner des Dorfs verbreitet. Man hällt nun für sicher, die Franzosen werden über den Rhein setzen, und zwar längstens in 3 Tagen Zeit.
Am 17ten – Als gestern Abend 11 Uhr unsere Truppen abgezogen waren, defilirte die Division Championet hiedurch. Es mochten ihrer wohl 15.000 seyn. Die Soldaten klopften sehr stark auf die Thüren, aber niemand machte auf, obschon alle Nachbarn die Nacht nicht schliefen. Morgens 4 Uhr ware der Zug vorbey. Alles geht auf Oerdingen.

[Es fehlen die Seiten 197-198!!!]

[199]

1795
September
Am 6ten – sich hinüberzohen, auf einer weniger besezten Platze. Und als die ersten Kayserlichen Wachen überfallen waren, lösete der General Lefever den Signalschuß zu Oerdingen, worauf sogleich alle Batterien von Essenberg bis Neus fürchterlich zu spielen begannen, während daß die Truppen mit dem Bajonett herkulische Arbeiten verrichteten, so daß diesen Morgen um halb 5 schon die Besatzung zu Düsseldorf die Stadt übergeben hatte. Heut ist noch keine stehende Brücke fertig.
Am 7ten – Heut ware es auf der Landstraße sehr ruhig. Schon vor Tagsanbruch waren die Posten jenseits bis Wisdorf eingezogen. Nachmittags 4 Uhr sahe man schon von der Piwitte jenseits 5 Dragoner auf Monheim reiten. Einer schoß ein Fenster der Kapelle entzwey, und der Peter Lotten muste 5 Kronthaler zahlen. Dies sagte uns ein Worringer Schifer, der mit seinen Nachen da gewesen war. Zwey andere von Worringen waren auf Hittorf mit 10 Soldaten gefahren. Da aber noch Kayserliche daselbst plänkelten, so machten sie sich eilends wieder auf diese Seythe. Es ist die Tage unvergleichlich heiß. Der Wind spielt von oben herab. Deswegen habe ich noch keinen Schuß gehört.
Am 8ten – Diesen Nachmittag wanderten viele hiesige Einwohner an den Rhein. Die noch da stehende Schildwachen auf dieser Seythe erlaubten, daß wir mit den Jenseitigen reden durften. Man fragte: "Sind noch Soldaten da?" – "Keine. Nur bey Nacht kommen Kayserliche Patroullen dahin." – "Wo stehn die Kayserlichen?" – "Zu Garrath" etz. Man sahe auch keinen eintzigen Soldaten in der ganzen Gegend.
Am 9ten – Heute morgens 8 Uhr gewahrte man eine starke Kanonade über der Monheimer Windmühl. Man sahe auf der Landstraße höher im Gebirg starken Staub aufsteigen, der immer höher hinauf sich zeigte. Wahrscheinlich zohe die Armee dahin, welche natürlich avansirte. Um 1 Uhr nach Mittag rollten die Kanonen wieder fürchterlich, und um 2 Uhr marschierte die Armee wirklich zu Monheim herein. Der Zug gienge von Baumberg hinab, und des Volks ware entsetzlich viel. Vormittags ware in Baumberg geplündert worden. Man vernahm, daß schon um 5 Uhr die Chasseur in der Gegend von Stammel plänkelten. Eine Kolonne lagerte sich hinter Monheim und Baumberg. Und da die Soldaten ihre Ranzeln ablegen musten, ehe sie über den Rhein gingen, so wurde ihnen erlaubt, wenn sie einen Tag gearbeitet hatten, daß sie auch alsdann in den benachbarten Ortschaften sich etwas Essen suchen. So wanderten alle Soldaten aus dem Laager in Monheim und Baumberg. Und unter dem Vorwand, etwas Essen zu suchen, drangen sie in die Häuser, schlugen Thüren und Fenster ein und plünderten, was nicht nagelfest war. Viele Einwohner flohen halbnackt zum Rhein und schiften auf diese Seythe. – Diesen Morgen verliessen die hiesige Wachen den Rhein und giengen auf Düsseldorff. Auch passirten nebst dem 14ten Dragoner-Regiment noch viel Fußvolk hinab. Wenn nun zu Kölln eine stehende Brücke ist, so wird hier die Passage gehoben.

[200]

[Beilage, Auszug aus: Christoph Brouwer, Antiquitatum et annalium Trevirensium libri XXV. Zwei Bände. Köln 1629, in (mangelhafter) deutscher Übersetzung]

Browerus in denen Trierischen Annalen schreibt von Worringen Folgendes:
Burungum oder Burumcum, dermalen Worringen genannt, ein Ort zwischen Kölln und Neuss, welcher das Stand-Laager eines Flügels der fünften römischen Legion ware. – Hieselbst hat man eine Grabschrift entdeckt, welche einem Trierischen Bürger gewidmet ware, und welche der Nachwelt zum Beweiß dienet, daß sich die Trierischen Gränzen bis dorthin ehedem erstrecket haben. Der gefundene Stein ist pyramidal und besteht aus zusammen gefügten Tafeln. Auf der oberen Fläche des Monumentes sieht man einen halb nackten Jüngling, welcher an einem drei-füssigen Tisch sitzend mit dem linken Arme auf einem Kissen ruhet, auf dem Tische stehend zwei mit Speise und Tranck gefüllte Gefäße. Zu seinen Füssen sizt ein Knabe mit übereinander geschlungenen Armen. Ein dritter, an eine Säule gelehnet, hat seinen Zeigefinger auf den Leser oder Besichtiger des Monumentes gerichtet, selbigen gleichsam stillschweigend errinnerend: "Du wirst folgen!"[192], welch lezteres uns auf die heidnische Philosophie vorzüglich aufmercksam macht, nemlich: die Betrachtung der Sterblichkeit. – Auf der mittleren Tafel ließt man folgende Innschrift:
Albanio vitali
Eq. alae indianae
turbarbi civi
trevero an: XXX.S
... P.X.
H. Ex. T.E.C.
Dem Trierischen Bürger und Ritter Alban Vitalis... gewidmet, im 30ten Jahre des Römischen Senats ... Diese Stelle ist verwittert ... Dem Trierischen Bürgermeister errichtet ... Hier zeigt sich auch eine Lücke.

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Auf der üntersten Tafel sieht man ein muthiges Roß, mit verschiedenen sinnreichen Kriegs- und Ehren-Trophäen geschmückt, welches vor einem Knaben, so die Fasces trägt[193], weit hinter der langen, ihm anhängenden Trauer-Schleppe, geleitet wird.
1247[194] ward Wilhelm Graf von Holland von Arnold dem Trierer und Sigifrid dem Mainzer Erzbischofen in Beyseyn eines päbstlichen Lebato zu Worringen als Römischer König ausgerufen.
1288 ward zwischen Johan Grafen von Brabant und Reginald Grafen von Geldern in der Ebene bei Worringen ein seit Menschen-Gedenken beiderseits so heroisch als blutiges Treffen geliefert. In dieser Schlacht ware von Seiten des Reginald, Sigifrid Erzbischof zu Kölln, Henrich Graf zu Luxemburg mit seinen Brüdern Wallram und Balduino Graf von Westerburg, Adolph von Nassau und Moers und Wallram von Falckenburg, zur Seiten des Johan von Brabant, Adolph von dem Berg, Wallram von Jülich, Heinrich von der Wind, Everhard von der Marck und das Bißthumb Lüttich. Die Anführer beiderseitigen Herrn bestanden aus dem edelsten und vornehmsten Familien Deutschlandes. – Die Reiterei ware ausnehmend und vorzüglich prächtig.

[202]

Joan von Brabant belagerte Worringen, und dies ware gleichsam das Signal zu einem der blutigsten Schauspiele. Denn während diesem Unternehmen stürzten beide Heere wie das Gerassel todtschwangerer Gewitterwolken aufeinander. Die Heerstraße, das Feld halbweegs Neuß ware gleichsam von Leichen übersäet, der Rhein röthete von dem in ihn triefenden Blute, und noch lechzten die Kämpfer nach ihm. Bis nach Sonnen-Untergang tobte das würgende Eisen. Die Schlacht ward aber für Joan von Brabant entschieden. Reginald von Geldern fiele mit dem Erzbischofen von Kölln und mehrern Edelen des Volckes in seine Hände, und mehr als 10.000 Menschen blieben auf der Wahlstätte. Die Ursache dieses blutigen Treffens legte das Absterben des Henrichen Herzogs von Limburg zum Grunde. Adolph von dem Berg, als anmaßlicher Erbe dessen, wollte Limburg dem Brabänter verkaufen, aber Reginald von Geldern, welcher die Irmingard, Tochter des verstorbenen Herzogs, zur Gemahlin hatte, betrachtete Limburg als ein Brautgeschenck, und daher der Apfel des Zwietrachts, der schwärzesten Fehde!!

[203]

1795
September
Am 10ten – Schon vor Tagesanbruch ware das französische Lager oben Monheim aufgebrochen, und um 8 Uhr Vormittag besezten die Franzosen schon Deutz und werden diesen Abend an der Sich bey Siegburg lagern. Die Kayserliche sind sehr geschickt im laufen gehn. Bey Frankfurt am Mayn wollen sie sich setzen. – Viele Monheimer Familien flüchten sich hieher, weil die Franzosen greulich plündern. Monheim hat viel gelitten, Baumberg noch mehr, und die arme Leuthe höher ins Gebirg haben nichts behalten, wenn es auch reiche Halbwinner waren. Übrigens sind die Requisitionen an Korn, Heu etz. eben so stark wie hier, als die Truppen ankamen.
Am 11ten – Es ist sehr heisses Wetter, welches für das entsetzlich wüste Brachfeld wohl zu statten kömmt. – Heut rückten zu den hiesigen 30 Dragonern, welche die Correspondenz bestellen, noch 50 andere ein. Das Hauptquartier ist in Düsseldorf. – Die Contribution für dieses Jahr ist heut hier ankommen und in 5 gleiche Theile getheilt. Das erste beträgt für Dormagen 9 Centner Weitzen, 20 Centner Korn und 30 Centner Heu.
Am 12ten – Heut wollten 500 Reiter von der schweren Kavallerie hier logieren. Man brachte es aber dahin, daß nur der General hier blieb und die übrigen auf die benachbarte Dörfer einquartirt wurden.
Am 13ten brachen die hiesige Dragoner auf. Nur blieben deren 9 für die Correspondenz hier. Auch passierte ein Curassier-Regiment hiedurch, um zu Düsseldorf über den Rhein zu gehen. Die Armeen stehn in der Gegend von Siegburg.
Am 14ten – Dieses heisse Wetter macht wieder Vieles gut, was der langwierige Regen verdorben hatte. Das Brachland wird izt noch ordentlich von dem übermässigen Unkraut gereiniget. Dessen ist izt alle Tage mehr dann 30 Karren auf dem Feld verbrennet wird. Auch fährt man jetz häufig Haaber ein, deren eine entsetzliche Menge gesähet und alle vortreflich gerathen ist. – Seit vier Tägen ist die Schifarth auf dem Rheine wieder offen. Gestern kamen 53 große Pontons von Schifpferden heraufgezogen. Sie blieben die Nacht auf dem Platthals und die Pferd hier im Dorf. Aus diesen soll zu Kölln eine stehende Brücke formirt werden.
Am 17ten – Die Kayserliche retiriren noch immer, und schon sind die Franzosen in Neuwied. Hier im Dorf sind nur noch 9 Dragoner für die Correspondenz, und dann kommen auch noch viele Einzelne, welche Nachtlogis nehmen. – Kornpreis 8 Reichstahler, Haber 3 Reichstahler.
Am 24ten – Das gute Wetter hällt immer noch an und versezt das Brachland in den Stand, um solches zu besähen, das sonst unmöglich gewesen wär. Dennoch bleiben mehr dan 100 Morgen liegen, welche gar zu wüst sind. – Die Contribution von zehn Milionen Liver, welche auf das Land zwischen Maas und Rhein ist gelegt worden und in Naturalien abgegeben wird, ist schwer zu vertheilen, weil noch kein Status von der Morgenzahl des Ganzen angegeben ist. Einstweilen schlägt man den Morgen Land auf 2 ½ Pfund Korn, 1 ½ Pfund Weitzen, 1 ½ Pfund Haber und 4 Pfund Heu an.

[204]

1795
September
Am 25ten – Die Dragoner für die Correspondenz sind noch hier, und dann kömmt auch alle Abend ein Trüppchen mit Bagage von Creyfeld herauf zur Armee, welche an der Lahn lagert. Der Rhein beunruhigt uns nicht viel mehr. Hingegen wird die rothe Ruhr jetzt giftig und hat schon einige Alte und verschiedene Kinder zu Grabe gebracht. Dies Loos trafe auch den Rheinfelderhalfen, welcher diese Nacht verschied. Er war ein guter Mann, nur allzusehr dem Brandwein ergeben, der auch sein Ende beschleunigt hat.
Am 29ten – Das schöne Wetter hällt noch an. Die heutige Prozession ware sehr zahlreich und der Gottesdienst besonders feierlich. – Die Armeen befinden sich in der Gegend von Maynz und Frankfurth. – Noch viele Haber steht auf dem Halme. Kleine Bohnen und Buchweitz ist noch fast alle draussen.
October[195]
Am 3ten – Noch wird Haber gemähet, und der kleinen Bohnen stehn viele ungehauen. Das Land wird bey der anhaltenden Trockenheit sehr gut zugericht und Vieles besähet, was man vor unmöglich hielt. Das Malder Korn gillt 12 Reichstahler. Es ist nun auch Friede mit Kurpfalz. Wenigstens schreibt das die heutige Zeitung, doch weis ich nicht, ob dieses und viel nutzen kann. – Die Einquartierungen sind noch wie am 25. September gemeldet ist.
Am 11ten – Es hat ein wenig geregnet. Das wird die gesähete Frucht an das Wachsen bringen, die sonst in der so sehr ausgetrockneten Erde nicht gedeihen konnte. – Heut ist’s Kirmes. Man wollte anfangs dieses Fest nicht feyern. Da mietheten zwey Becker, Meuser und Adolph Schmitz, sich Spielleuthe und schenkten Wein, welche vielen Zulauf haben.
Am 12ten – Die Nacht ware durch kleine Schlägereyen sehr unruhig. Es wurde gelärmt und getanzt, bis der Tag anbrach. Die 19 hier anwesende Dragoner betragen sich sehr gut und sind behülflich, die sich ereignende Unordnungen in Güte zu stöhren. Noch sterben viele Menschen an der rothen Ruhr, und überhaupt ist dieses Jahr reich an Todten. Denn seit dem 12ten October vorigen Jahrs bis heute sind in hiesiger Pfarr 89 Seelen weniger. Kornpreis 6 Kronthaler. – Schön Wetter.
Am 16ten – Die Kirmes ware sehr lustig. Musick und Tanz währte bis diesen Morgen. – Es ist strenge verbothen, Früchten ins Bergische zu führen. Seit dem 4ten dieses wird der Rheinzoll wieder empfangen und gestern zuerst der Landzoll dahier.
Am 17ten – Die Sath ist noch lange nicht bestellt. Viele kleine Bohnen und Meyheu noch ungehauen, und Haaber liegt ebenfals im Feld. Die Taglöhner lassen sich vom Morgen Graß zu hauen 100 Stüber zahlen, und ein Pferd verdient alle Tage 3 Reichstahler an Lohn. – Die Franzosen hatten Maynz blockirt, sind nun aber bis hinder die Lahn zurückgeschlagen. Die hiesige Dragoner musten diese Nacht fort.

[205]

1795
October
Am 18ten – Gestern Abend kamen die Dragoner wieder, und heut Morgen musten sie wieder auf Neus. Die Zeitung schrieb, die Franzosen hätten die Kayserlichen bis über den Mayn wieder zurück geschlagen. Wir glaubten also, die Armee stünde noch bey Maynz. Allein, nach dem Mittag erfuhren wir, daß der General Jourdan wirklich sein Hauptquartier in Bonn habe, und daß die Franken-Armee sich über Hals und Kopf auf diese Seythe des Rheins ziehe. Düsseldorf ist gesperrt, bis die Contribution bezahlt ist. Und im Bergischen musten eiligst die Requisitionspferde geliefert werden, deren Monheim und Baumberg 11 hergeben muste. Am Abend kamen 9 Dragoner hieher, welche um 11 Uhr wieder fort musten. Gleich kamen neue hier an. Um 8 Uhr rückte hier ein Bataillon Infanterie ein, welches gleich nach Mitternacht gleichfals auf Kölln aufbrach.
Am 19ten – Gestern gienge alles hinauf und heute alles hinunter, auch ein schwerer Transport reitender Artillerie. Man weis aber die Bestimmung noch nicht. Auch kamen heut viele Brückenschife wieder den Rhein hinunter, und viele Commissairs giengen auf Neus. Das ware also ein Zeichen, daß die Armee sich wieder diesseits dem Rhein setzen will.
Am 22ten – Heut Morgen sahe man eine Feuersbrunst über Monheim. Gleich hörten wir, es wären die Kneppeder Meyerhöfe. Um Mittag ward zu Baumberg und Monheim auf die Klock geschlagen, wo die retirirende Franzosen allgemein plündern. Man sah die Jäger zu Pferd aus- und einmarschieren und die Leuthe mit ihrem Vieh flüchten. Hinten Baumberg und etwas höher im Gebirg brannten Gebäude lichterloh in Flammen. Nachmittags hörte man eine lebhafte Kanonade in der Gegend von Mühlheim. Zwey Divisionen mit sehr vielem Gepäck giengen hiedurch auf Düsseldorf, wo sich die Franzosen noch einmal zu schlagen denken.
Am 23ten – Am Mittag kame ein Bataillon hier ins Logis, und um halb 1 nach Mittag wurden die Wachen am Rhein wieder besezt, obschon jenseits weder Kayserliche noch Franzosen sind. Erstere stehn am Küppers-Steeg bey Opladen, und Leztere lassen sich noch zu Baumberg sehen, welche das Bergische beym Rückzug rein ausplündern, wo sie beym Heraufziehen noch etwas gelassen haben. Zu Grimmlinghausen sind 2 stehende Schifbrücken.
Am 25ten – Düsseldorf wird von mehr als tausend Bauern sehr bevestiget. Auch zieht sich da viel Volks beysammen, um eine Schlacht zu liefern. Wir sind wieder mitten im Krieg. Die Passage geht sehr stark hiedurch und die Einquartierungen vielfach.
Am 28ten kame noch ein Bataillon hier ins Quartier. Natürlich ware es sehr voll, doch vertragen sich die Soldaten sehr gut. Hingegen sind die Nachrichten aus dem Bergischen sehr kläglich. Die Soldaten verfahren dort mit Plündern und Sengen wie Tyrannen, weil viele Bauern Complott gegen sie gemacht hatten.

[206]

1795
October
Am 29ten – Heut brach ein Bataillon von hier nach Düsseldorf auf. Bey Grimmlinghausen steht ein Laager, und um Düsseldorf werden starke Schanzen gemacht. Die französische Vorposten streifen bis oben Monheim und die Kayserliche bis Deutz. Ihre Armee steht bey Frankfurth. Indessen sind die Wachen hier noch am Rhein, und wir hofen bald, daß die Republikaner vorrücken, weil die starke Passage uns sehr hart fällt.
Am 31ten – Es kommen noch Donnerwetter, welche Regen und warmes Wetter bringen. Meyheu, Grummet, kleine Bohnen und Wicken liegen noch viel im Feld. Kornpreis 10 Reichstahler.
November
Am 1ten – Die Ordonanzen giengen ein paar Tage sehr stark. Zu Grimmlinghausen sind zwey stehende Brücken. Die machen uns viel Last. Abends 7 Uhr kamen aus dem dasigen Laager 4 Regimenter Kavallerie hiedurch, doch ohne die mindeste Unordnung. Das lezte Dragoner-Regiment kame um 9 Uhr und sollte hier logieren. Man brachte es aber halb auf Zons und halb auf die umliegende Örter. Nur der General blieb hier. Wo sie nur Licht sahen, da musten die Leuth mit Laternen den Weg weisen, doch ward die Nacht ruhig. Diese Kavallerie soll auf Andernach und über die dasige stehende Brücke auf die andere Seythe gehen. Die Franzosen wollen Maynz haben – es koste, was es wolle. Die Maaß Rüboel gilt 48 Stüber.
Am 2ten brach morgens alle Kavallerie aus der Gegend auf. Auch von dem hier liegenden Bataillon giengen 2 Compagnien auf Worringen. Um die Mittagszeit marschierte das rothe Husarenregiment hier ein. 3 Compagnien blieben hier, eine wurde in die Abdey Knechstein rekommandirt und die übrige auf die umliegende Ortschaften verlegt. Alles zieht sich herauf gen Andernach, wo die Kayserlichen über den Rhein seyn sollen.
Am 3ten – Diesen Morgen giengen die rothe Husaren wieder fort, und auch viel Fußvolk folgte ihnen. Nach dem Mittag giengen auch das seit dem 28ten October hier gelegene Bataillon auf Worringen. Nur 2 Compagnien blieben hier. 2 Generäle speisten beym Pfarrer, und die Nacht sollten noch 2 Bataillone hier logiren. Sie kamen abends 7 Uhr und hatten wirklich Ordre erhalten, auf Kölln durchzugehn. Da sie aber ohne zu essen von Oerdingen gegangen waren, so waren viele entkräftet, welche mit 3 Compagnien Grenadier und den Kanonen hier einlogirt wurden. Natürlich ward das Dorf hier sehr voll auf die Nacht.
Am 4ten – General Pichegrü ist bey Manheim geschlagen worden, und weil die Österreicher ihre ganze Macht in der Gegend haben, so ist es nothwendig, daß die Franzosen sich auch dahinziehn.
Am 5ten – Die Kayserliche sind unter Maynz über den Rhein und ziehn sich gen Trier. General Fever steht noch in und um Düsseldorff, und die Division Tilli besezt den Rhein von Zons bis Bonn.

[207]

1795
November
Am 6ten – Es regnete die Nacht und fast den ganzen Tag. Der Wind war so stark, daß viele große Bäume umgeworfen wurden. – Auch General Jourdan ist geschlagen worden, und man glaubt, die Zeit unserer Erlösung werde sich nahen und die Franzosen den Rhein verlassen. Die Stadt Neus muste heut tausend Kronthaler zahlen, oder man wollte vier der angesehendsten Bürger als Geißel fortführen. Ein General-Adjutand brachte aber heut schon um 4 Uhr nach dem Mittag gemelte Kronthaler hierdurch. Die Soldaten bekommen jetz 2 Stüber Löhnungen Geld. Man verkauft izt alle Waaren wieder öfentlich, und das Papier hat beynahe ganz seinen Werth verlohren. – Weil wir keine Kühe liefern wollten, so muste Dormagen vor ein paar Tagen 52 Reichstahler Fleischergeld bezahlen. Man dringt auch sehr stark auf die ausgeschriebene Lieferungen an Früchten. Da wir aber wegen der starken Passage mehr Heu und Haber abliefern, als unser Quantum ist, so hofen wir, dieses werde uns an den Früchten zu gut kommen.
Am 8ten – Die Nachricht ist in Umlauf, daß die Kayserlichen geschlagen sind. Der General Le Fever rückt deswegen mit 18 tausend Mann durch das Bergische und steht wirklich an der Sieg bey Siegburg. Doch haben sie bey diesem Vordringen den Bauern nichts zu leide gethan, das man doch vermuthete, weil die Landleuthe allgemein zu den Waffen gegrifen, als die Armee jüngst retiriren muste, welche manchen Republikaner niedergestreckt haben. Diesen Nachmittag musten die zwey hier einlogirte Compagnien auf Kölln.
Am 9ten – Wir waren alle sehr ruhig schlafen gegangen. Ausser den Ordonanzen waren keine Soldaten im Dorf. Allein, um halbe Nacht kündigten zwey Dienstleuthe allen Nachbaren an, daß um 2 Uhr zwey Bataillons ins Dorf einlogiert würden. Auftritte dieser Art sind immerhin bey der Nacht schröckbar, umsomehr, da es pechschwarz finster und ungemein morastig im Dorfe war. Um 2 Uhr kamen die Soldaten an, 1.400 an der Zahl. Auf den Wallhoverhof wurden 50 Mann gelegt. Sowie die Billetter ausgetheilt waren, liefe alles durcheinander. Die Soldaten klopften abscheulich auf die Thüren, und wer ihnen ein Billet gelesen hatte, der muste auch mit gehen, das Haus zu weisen. Doch ware um 3 Uhr alles ruhig. Um 10 Uhr brach diesen Morgen alles auf nach Kölln. 2 Compagnien kamen hieher, um die Wachen am Rhein zu besetzen.
Am 10ten – Wir hören täglich Kanonieren und wissen nichts Neues. Man sagt, Le Fever steht mit seiner Division bey Bensberg und die Kayserlichen seyen in Trier. Viele glauben, die Franzosen werden den Rhein verlassen, um so mehr, da auch in Braband sich ein Korps königlich Gesinnter zusammenrottet. – Wir haben kleine Bohnen verkauft das Malder zu 11 Reichstahler, auf der Platzen abzuholen, Haaber 4 Reichstahler.

[208]

1795
November
Am 12ten – Heut giengen die seit dem 9ten hier gelegene 2 Compagnien auf Neus. Abends kamen 3 andere her, um morgen auf Kölln zu gehn. Es sind keine Wachen mehr am Rhein, und wir sollen keine Soldaten mehr als Bsatzung erhalten, weil die Armeen oben agiren. Die Kayserlichen stehen 15 Stund von Trier und nicht in Coblentz, die französische Colonne jenseits steht an der Sieg. Beyde Theile scheinen sich einander nichts abgewinnen zu können, und es scheint, als werde sich die Kriegsschaubühne am Oberrheine zeigen.
Am 14ten – Heut gienge das zweite Dragoner-Regiment hierdurch auf Kölln. Eine Compagnie blieb hier für die folgende Nacht. Auch marschierten 2 Bataillons Fußvolk still hierdurch. Alles zieht hinauf. Man sagt, die Franken seyn dort geschlagen.
Am 16ten – Es fror die Nacht etwas. Es ist noch viel Land, welches noch besähet werden soll. Der Walhoverhalfen gedenkt, noch 30 Morgen Korn und Weitzen zu sähen. Die Knechsteiner Mönche hatten durch Liegen und Bestechung es so weit gebracht, daß alles verkaufte und unverkaufte Holz ihnen zurückgegeben werden sollte. Vor einiger Zeit, als sie dieses erwirkt hatten, giengen die Schefen Steinberger und Sturm auf Aachen und legten dem Volksvertreter die Wahrheit der Sachen vor, worauf dieser den Mönchen alle Ansprüche auf das verkaufte Holz versagte. Nun bliebe den Knechsteiner noch eine Untersuchung ihrer entwendeten Mobilien frey. Sie unternahmen diese mit Commissairen von Bonn in Zons, Worringen und Roggendorf. Sie hatten vier Chasseur bey sich, welche mit langen Eisen die Scheuren und Misten durchsuchten, und wo jeder alle Kisten und Kästen zum Durchsuchen öfnen muste. In gemelten Ortschaften gieng dieses ruhig hin. Sie fanden wenig oder gar nichts. Endlich kamen sie auch nach Delven. Die Einwohnet versammelten sich und erklärten, daß sie sich nicht anders als von Bürgern und nicht vom Militär wollten visitiren lassen. Tages darauf kame eine Exekution von 34 Chasseur in Delven. Jedem muste nebst Kost und Trank täglich ein Gulden zahlt werden, bis die Straaf der Wiedersetzung mit 64 Reichstahlern in Knechstein abgetragen wäre. Die Delver zahlten dieses auf der Stelle und schickten 2 Deputirte auf Kölln zum General-Einnehmer der Domainen, Brengruben. So kamen heut schon dessen 2 Secretairs hier an, welche
Am 17ten – heut, den 17ten mit 2 Zeugen von hier auf Knechstein giengen, um die Sachen zu untersuchen. Diese nun haben sich mit den Mönchen so weit verstanden, daß das dort anwesende Visitations-Tribunal auseinander gehn soll. Indessen macht der Secretair Gombold sich anheischig, eine Einladung an alle Ortschaften drucken zu lassen, daß alle, welche entwendete Effecten besitzen, solche in die Abdey bringen sollen; zugleich die Schefen Sturm und Steinberger zu bitten, die hier befindliche Brandspritze obrück zu schicken.

[209]

1795
November
Die Delver haben viel Länderey von den Knechsteder im Pfacht. Da es nun zu befahren steht, daß die Mönche den Leuthen diese Nahrung abnehmen, so haben sich die Delver versammelt und einen Bund geschlossen, daß demjenigen, welcher sich unterstehen würde, von den Knechsteiner Länderey zu pfachten, die einem andern abgenohmen seye, dessen Hauß soll in Brand gesteckt, oder, wenn es in einer Reihe läge, in der Nacht niedergerissen werden. – Kornpreis 11 Reichstahler und Weitzen 16 pro Malder. Regen.
Am 19ten – Die Kayserliche ziehn mit ihrer schwersten Macht auf Elsas und Lothringen. Deswegen folgen auch die Franzosen. Jenseits stehn 4 Divisionen von ihnen bis an den Siegfluß und jenseits die Oesterreicher. Der Rhein ist bis Kölln wieder schifbar, doch kömmt noch wenig schwarzen Brandt. In Kölln wird das Malder zu 100 Stüber verkauft. Hier im Ort wird viel Torf gebrennt. Noch krepirt viel Vieh an der schleichenden Krankheit, doch bleiben Rinder und Kälber davon frey. Es ist sonderbar: eine Kuh liegt oft acht Wochen krank, scheint dann zu bessern, frißt und krepirt doch.
Am 22ten – Viele Familien von Monheim flüchten hieher, weil es heißt, die Franzosen würden jenseits retiriren. Heut Abend 11 Uhr kamen noch 2 Bataillons hier ins Logis. Die Nacht war unruhig, doch verhielten die Soldaten sich sehr gut.
Am 23ten – Sie giengen heut auf Kölln. Es kamen 7 Ordonanzen von der Nordarmee hieher. Düsseldorf wird sehr bevestigt. Sogar werden zu Uedesheim auf dieser Seythe Batterien gemacht, woran viele Bauern aus dieser Gegend arbeiten.
Am 24ten – Heut war's so dumpf stille. Wenig Soldaten passierten hierdurch. Die 7 Ordonanzen wurden noch durch 7 vermehret. Daraus schließt man, daß es noch gleich nicht ruhig werden wird.
Am 25ten – Schon mit Tagesanbruch kame die Division Lefevre von Düsseldorff hiedurch. Da es aber beständig regnete, so gieng der March sehr unordentlich und langsam. Nach dem Mittag um 2 Uhr wurden 2 Bataillons hier einlogirt. Nun kamen aber noch so viel Zurückgebliebene von verschiedenen Regimenter zu Pferd und zu Fuß, daß das Dorf mehr als jemals voll von Soldaten war. Indessen gieng alles in bester Ordnung hin, und
Am 26ten – heut gienge alles fort auf Kölln. Und am Mittag marschierten wieder viele Truppen herauf. Ein Bataillon blieb hier. Es kamen noch 50 Kanonen-Pferde von Zons hier an, der[e]n Park in Zons liegt, welche noch einige Zeit hier bleiben. Abends 9 Uhr kamen auch noch bey 40 Bauern-Karren mit Frucht und einigen Soldaten, welche auch alle einquartirt wurden.
Am 27ten gienge das hier liegende Bataillon fort, und es kame auch nichts Neues hieher. In Zons liegen 800 Grenadier. Frost und Schnee.
Am 29ten – Heut nach dem Mittag kamen 2 Compagnien Chasseur zu Pferd hier ins Quartier. Es sind alle, welche Pferd haben, die unbrauchbar sind. Auch kame wieder eine Compagnie reitender Artillerie von Kölln auf Zons.

[210]

1795
November
Am 30ten – Die Kayserliche Armee steht nun in der Gegend von Kehl über Worms auf dem Hundsrücken bis Kreutznach. Manheim ist blokirt, aber noch von 10 tausend Franzosen besezt. Es scheint doch nun zu bestättigen, daß das Kriegs-Theater am Oberrhein aufgeschlagen ist. Düsseldorf wird noch immer bevestigt und bleibt von 3.000 Franzosen besezt, welche daselbst 2 stehende Brücken haben. Ihre Vorposten gehen jenseits nur bis Benrath. Und die Kayserliche streifen von Siegburg herab bis Mühlheim. Monheim und die Gegend ist also von keinen Truppen besezt, und die Einwohner sind in steter Furcht, von der einen oder der andern Parthie geplündert zu werden. – Regen.
December
Am 4ten – Diese Tage ists sehr ruhig im Dorf. Die hier bequartierte Chasseur betragen sich vortreflich. Sie haben viel kostbarer Sachen aus dem Bergischen geplündert. Das biethen sie izt zum Verkauf aus. Die Stadt Manheim hat sich am 21ten November an die Kayserlichen mit Capitulation ergeben.
Am 5ten – Noch am 18ten November sähete der Walhover Halfen 7 Morgen Korn oben Merteskirchen. Ausserdem ist noch viele Winterfrucht, die erst aus der Erde kömmt. Dafür ist dieses Herbstwetter erwünscht. – Es darf keine Frucht von dieser auf die andere Seythe gebracht werden. Die Chasseur müssen desfals bey der Nacht patrollieren längs dem Rheine. Doch wird alle Nacht viele Frucht mit halben Maldern an den Rhein getragen ünd übergefahren.
Am 8ten – Die Ordonanzen gehn sehr stark; nur in dieser Nacht kamen deren zwölf. Und da wirklich auf dem Hundsrück bey Coblenz die große Batalie gehalten wird, so könnte es leicht folgen, wenn die Franzosen solche verlieren, daß wir auch hier von ihnen befreyet würden. – Die unglückliche Stadt Manheim ward vor der Übergab zwey Nächte bombardirt und durch glühende Kugeln fast eingeäschert. Die Kayserlichen liessen beym Einmarsch verschiedene Personen der Regierung arretiren, weil sie bey dem Übergang der Franzosen über den Rhein die Stadt übergeben haben. – Kornpreis 11 Reichstahler, Buchweitz 4 Kronthaler.
Am 14ten – Heut musten die Chasseur, welche am 29ten hieher kamen, auf Kölln, weil Landau eingeschlossen und oben die Hülf am nöthigsten ist. Der Rhein war im Tage so sehr bewacht, daß man nur des Nachts mit großer Müh etwas Frucht mit Säcken an den Rhein trägt und überschift.
Am 15ten – Um 12 Uhr diesen Mittag kamen die Chasseur, welche gestern fortritten, wieder. Sie waren schon eine Stunde oben Kölln, als die Contreorder ankam.
Am 16ten – Heut kame auch eine Compagnie Chasseur zu Fuß hieher, um die Wachen am Rhein zu versehen. Es ist also nun vorbey, daß man etwas Frucht überschifen kann. – Die kayserliche Vorposten gehen von Siegburg herab bis Mühlheim und die französische von Benrath bis Monheim.

[211]

1795
December
Am 19ten – Gestern Abend kamen 3 Kompagnien Grenadier hier ins Quartier. Sie giengen heut auf Kölln. – Regen.
Am 20ten – Heut musten die Chasseur von hier alle fort, weil oben bey Creutznach die rothe Husaren und das 7te Dragoner-Regiment theils gefangen oder niedergehauen wurden. Regenwetter.
Am 21ten kamen 2 Escadrons Chasseur vom 1ten Regiment. Eine Escadron gienge auf Worringen und 2 blieben die Nacht hier.
Am 22ten gienge eine Escadron von hier auf Zons. Diesen Morgen gieng ein französischer General-Adjutant hierdurch auf Düsseldorff. Er versicherte, daß er die Ordre eines Waffenstillstandes mit dem Kayser in der Tasche hätte. Am Mittag bestättigte der Herr v. Westen gleichfals diese Nachricht. Am Abend bekame der Schefen Steinberger, der Posthalter und ich mehrere Briefe mit der nämlichen Neuigkeit, und um 10 Uhr zu Nacht folgte schon ein in Kölln gedrucktes Blättchen, daß der Waffenstillstand geschlossen, der Friede hofentlich vor Neujahr folgen und von nun an alle Feindseligkeiten aufhören sollen. Keine Bedingniße sind noch bekannt. – Regen.
Am 23ten – Die Geistlichkeit in Kölln soll heut vor Sonnenuntergang noch siebzigtausend Liver Contribution bezahlen, welche der Adel schuldig ist. Einige, wo noch an den Waffenstillstand zweifeln, weil die Nachricht einzig von dem General Le Fever herkömmt, der auch jüngst in die Zeitung setzen lies, das Manheim noch in französischen Händen seye, als diese Vestung schon 8 Tage von den Kayserlichen besezt war.
Am 24ten – Heut ware die Stadt Kölln gesperret, so daß niemand herausgelassen wurde, weil die Geistlichkeit ihre Contribution noch nicht zahlet und deswegen von Neuem Geißeln ausgehoben werden sollen. Fast kein Mensch will mehr an den Waffenstillstand glauben, doch halte ich selbigen für richtig.
Am 31ten – Das Jahr schließet sich mit freudigen Aussichten zum Frieden, da man izt überzeugt ist, daß der Waffenstillstand sich bestättigt, der wahrscheinlich den Frieden nach sich ziehen wird. Noch hatten wir keinen bedeutenden Frost, welches der späthen Sath nützlich ist. Sonst wurde das alte Jahr am lezten Sontage mit dem "Te Deum" beschlossen. Der jetzige Pastor wählte dafür den heutigen Abend. Es wurde Complet gehalten, nach diesem eine sehr rührende Anrede, die sich mit dem Ausdruck schloß, der liebe Gott werde uns im kommenden Jahre den Frieden schenken, und dan singen wir ein ewiges "Te Deum laudamus", welches die Andacht schloß. Die Kirche war ungemein mit Menschen angefüllt. Auf dem hohen Altar brannten 100 Lichter, und der Gottesdienst war ausserordentlich rührend und feyerlich. Jedermann gefiel diese Art, dem Himmel für die erhaltene Wohlthaten zu danken.

1796

[212]

1796
Januarius"
Am 1ten – Reitzend waren die Bilder der Zukunft bey des alten Jahres Scheiden, indem man die Freuden dachte, die der Waffenstillstand und der darauf folgende Friede uns bringen würde. Indessen hat General Le Fever in die heutige Zeitung einrücken laßen, daß die Nachricht des Waffenstillstands eine Lüge wär, und nur hätten die Generäle Abred getroffen, um ruhig Winterquartiere zu machen. Also schwindet der süße Traum baldiger Ruhe.
Am 3ten, sontags[196] – Heut nach der Vesper wurde die Gemeinde-Klock gezogen, und es wurde statt des Mathias Häck nunmehr Thomas Delhoven als Vorsteher angesezt, weil Ersterer in voller Unthätigkeit der Gemeinde keine Dienste seit dem ganzen Krieg geleistet hat. Ferner wurden der Peter Pannes, Jacob Cremer, Joan Krahn und Herman Hambloch als Gemeindsmänner oder Geschworne angesezt. Der Waffenstillstand ist sicher.
Am 5ten – Heut Mittag marschierte ein Bataillon Voluntair hiedurch auf Neus, und abends 5 Uhr rückte gleichfals ein Bataillon Grenadier hier ein, welche
Am 6ten – heut gleichfals auf Neus giengen. Auch gieng die Compagnie Jäger zu Fuß, welche seit dem 16ten December hier waren, um die Wachen am Rhein zu versehen, auf Neus. Und um 9 Uhr verzohen auch die Chasseur zu Pferd, welche am 21ten December vorigen Jahres hieherkamen. Zwey Pferde der Chasseur, welche bey Jacob Cremer im Pflug logirten, wurden diese Nacht gestohlen. Es wurde stark untersucht, und als man nichts fand, da wurde der Jacob Cremer mit seinem Knecht von 4 Chasseur auf Neus geführt. Der Schefen Steinberger fuhr gleich nachher auf Neus, um, wie allzeit, der Bedrängten Helfer und der Gefangenen Retter zu seyn. – Mittags kame wieder ein Bataillon hieher, welche
Am 7ten – heut wieder fortgiengen. Auch kame um 2 Uhr wieder ein Bataillon hier ins Logis. Von diesen wird dann jedesmal 1 Compagnie nach Horm gelegt, obschon die Municipalitaet zu Zons schon zweymal ein Decret dagegen an unsere Schefen geschickt hat. – Der Schefen Steinberger trafe gestern den Commendanten auf dem Fellederhof, stellte selbigem vor, daß der angelegte Arrest des Jacob Cremers ein Eingrif in die Civil-Rechte wäre, worauf der Commendant den Befehl ausfertigte, daß der Cremer der Municipalitaet ausgeliefert werden sollte. Als der Steinberger ins Dorf Büttchen kam, wo die Truppen logirten, da trafe er schon den Cremer in Freyheit, weil der Capitein ihn losgegeben hatte.
Am 8ten – Heut gieng das gestrige Bataillon wieder auf Neus. Die Nachricht vom Waffenstillstand erhällt sich noch. Deswegen sollen die Truppen auseinander verlegt werden. Seit 3 Tagen sind keine Wachen am Rhein, doch wird nur bey Nachtzeit Frucht übergefahren. Kornpreis 9 Reichstahler 15 Stüber.

[213]

1796
Januar[197][198]
Am 8ten – Um Mittag kamen 4 Compagnien hier ins Dorf, welche lange Zeit hier liegen bleiben werden.
Am 9ten – Weil die Truppen kein Fleisch in Kölln bekommen hatten, so muste die hiesige Gemeinde solches hergeben. Es ward ein Ochs gekauft und solches Fleisch ausgetheilt. Es sind keine Wachen am Rhein.
Am 10ten – Weil die Truppen auch kein Brodt bekommen hatten, so muß jeder Einwohner auch seine Soldaten damit versehen.
Am 16ten – Die Witterung ist wie im Mey: Bäum und Kraut beginnen zu keimen und zu wachsen. Die kleinen Bohnen grünen ebenfals, welche sich selbst gesähet haben, weil es noch fast nichts gefroren hat. Kornpreis 10 Reichstahler. – Vor ein paar Tagen bekamen die Soldaten Ordre, am Rhein Posten zu stellen, damit keine Frucht ins Bergische geht. Die Linie, welche gemäß dem Waffenstillstand für die Truppen gezogen ist, besteht auf folgende Art: Die Franzosen besetzen von Sohlingen die Wupper bis oben Rheindorf, dann auf dieser Seythe das Rheinufer hinauf, über Koblenz, Trier auf Landau hin. – Es ist keine Zeit bestimmt, wann der Waffenstillstand aufhören soll. Nur wenn einer von beyden selbigen brechen will, so muß solches 10 Tag zuvor angesagt werden. Die Truppen werden ins Jülicher-Land, auf Geldern hin und rund umher ins Land auseinander gelegt.
Am 22ten – Heut gienge das seit dem 8ten hier und in Horm, Delven etz. gelegene 2te Bataillon von hier auf Zons, und 4 Compagnien vom 3ten Bataillon, so in Worringen etz. lag, rückte hier ein. Es ist schon das drittemal, daß diese Truppen hier logiren. Die Nordarmee, welche in Düsseldorf und dem Bergischen waren, sind nach Brabant aufgebrochen. Deswegen ist diese Bewegung. – Das Wetter ist noch anhaltend schön. Wenn nur nicht endlich der Frost kömmt, wenn's Frühling ist. Man arbeitet eifrig an dem Lande, welches nun schon 2 Jahr brach gelegen hat. – In der Runde von Düsseldorff werden noch immer Batterien gemacht und verschiedene Häuser und Meyerhöfe abgebrochen.
Am 27ten – Es sind nur noch 3 Compagnien Füsser hier, die sich recht ordentlich betragen. Der General Jacobin, so im Frohnhof zu Worringen lag, ist auf Neus gegangen. Er gab den strengsten Befehl, daß der Dreck hier im Dorf aufgeschlagen und weggeschaft werde. Die Schefen supplizirten, daß sie hiesige Leuthe frey von Batterienarbeiten und die Pferde vom Park sind. Nun ist der Dreck alle aufgeschlagen, und man kann bey dem schönen Frühlingswetter gemach durch den Fuhrweg gehen.
Am 29ten – Das Korn schlägt ab, und man kauft das Malder schon um 8 Reichstahler. Und das Malder Haber, das man noch vor Kurzem um einen Decaten gab, bezahlt man izt mit 3 Reichstahler. – Die Soldaten betragen sich gut. Deswegen wird seit 8 Tägen wieder Bier, Wein und Brandwein geschenkt.

[214]

1796
Februar[199]
Am 6ten – Kein Mensch erinnert sich, je einen so linden Winter erlebt zu haben. Auf den Wiesen blühn schon Schlüsselblumen, der Kohl in den Gärten ist bis zu hohen Knospen aufgeschossen, und alles ist am wachsen. Sonderbar ist es, daß im abgewichenen Jahr vieles Heu nicht einmal gemähet wurde – hauptsächlich, weil die Arbeitsleuth zu theuer und nicht zu haben waren. So hat der Peter Porten, in Rheinfeld wohnhaft, im Monath Januarius mehr dann fünftausend Pfund Heu im Kolk unter den Perschen gehauen, getrocknet und zu 48 Stüber der Centner verkauft. Der hiesige Commendant will absolut den im Dorf aufgeschlagenen Dreck fortgeschaft wissen. Die Leuthe, welche keine Pferde haben, fahren solche mit Schupkarren in die Höfe und Gärten. Auch wird dienstweise Grind ins Dorf gefahren. – Von den am 22ten vorigen Monats hier eingerückten Truppen sind izt nur 3 Compagnien noch hier. Sie betragen sich sehr gut und machten sich diese Fastnacht mit den Dorfjungen recht lustig. Bey dem Bäcker Heinrich Meuser gegen der Pastorat war Musik. – Die Fasten-Verordnung erlaubt, an allen Tägen der Fasten Fleisch zu essen. Nur ist der Aschermittwoch und der Kahrfrey- und Samstag davon ausgenohmen. Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler.
Am 15ten – Schon kommen die Merzerstürme, und man glaubt auch nun, es wird kein Frost mehr geben. Heut wurde die Tochter der Margaretha Flok, Wittib des Joannes Hackenbroich, namens Gertrud, mit einem französischen Sergeanten, namens Fridrich Baur, aus dem Pfälzischen bey Speyer gebürtig, von unserm Pfarrer getraut. Zuvor muste der Soldat noch einen Eid ausschwören, daß er nicht getrauet, noch mit einer andern ehelich versprochen sey. – Vorige Nacht um 2 Uhr kame der Müller Gerhard Weber von der Worringer Mühle mit dem Jungen hiehingelaufen, weil er das hiesige Dorf in Flammen gesehen hatte, ohne daß wir etwas vom Brand wüsten. Da ich nicht an Vorgeschäfte glaube, so beunruhigt mich das nicht. Indessen hat diese Sage doch viel Unruh und Aufruhr hervorgebracht, da der allgemeine Glaube noch an Vorgeschichten hängt.
Am 24ten – Bisher hatten wir noch keinen Frost. Nur diese Nacht machte es ein wenig Eiß, drauf folgte ein schöner Frühlingstag. Man hört nichts Neues, und die Gerüchte vom Frieden sind gänzlich ins Stocken gerathen. Hier, in Rheinfeld und Horm sind nur 2 Compagnien Fußvolk und 15 Dragoner vom 14ten Regiment für die Correspondenz. – Am Petri-Stuhlfeyer-Tag wollte der Scheffen Bremer sein Bürgermeisteramt niederlegen. Man bath ihn aber, selbiges noch ein viertel Jahr zu verwalten. – Der Dreck ist beynah alle aus dem Dorf geschaft, und die Löcher werden mit Sand gefüllt. Die Straaß sieht dermalen einem Pflaster ähnlich. Das Malder Korn wird izt um 8 Reichstahler gegeben. So streng auch die Ausfuhr ins Bergische verbothen ist, so wird doch bey Nacht Vieles auf Monheim hinübergebracht, wozu die Soldaten gegen ein Trinkgeld sich bereitwillig finden lassen.

[213][200]

1796
Februar[201]
Am 28ten – Gestern Nacht ward einem bey der Wittib Küpper im Löwen logirten Dragoner ein Pferd gestohlen. Es ist eine sehr elende Sache in solchen Fällen. Der General Collo kame eben ans Posthaus. Der Schefen Steinberg und Vorsteher Thomas Delhoven kündigte ihm solches an, und der General entschied, daß die Wittib Küpper entweder das Pferd bezahlen solle, oder man würde ihren Sohn nach Neus ins Prison führen. In Ermangelung des Ersteren ist wirklich heute der Sohn Joan Joseph Küpper durch zwey Dragoner auf Neus geführet worden, doch durfte er sich einer Chaise bedienen. Es ist eine Bande Pferds- und Kuhdiebe, die sich in der Gegend von Neus aufhalten. Der Wirth Prosch an der Neusserfurth wird hart bezeihet. Vor 14 Tagen wurden hier im Dorf 2 Kühe gestohlen. Man fand sie in dem kleinen Häuschen, wo die Schifbruck zu Grimmlinghausen anfährt. Die Frau mit ihrem Buben und noch einem Unbekannten sitzen zu Hülchrath im Gefängniß, und die Kühe sind wieder hier. – Nun muste diesen Nachmittag die Gemeinde-Klock gezogen werden, und es wurde vom Commendanten verordnet, daß keiner ohne Paß vor dem Dorf schlafen darf, daß die Wirthe niemand logiren, der nicht beym Commendanten sich angegeben hat etz. Ferner ward eine Prison-Strafe auf die Feld- und Gartendiebereyen den Einwohnern bestimmt. Und abends nach 10 Uhr soll sich keiner weder in Wirthshäusern noch auf der Straße sehen laßen.
Am 29ten – Der Frost ist alle Nacht stärker, und heute war es gräslich kallt. – Gestern Morgen schrieb die Zeitung, daß (nach Privatbriefen) der Friede wirklich geschlossen wäre. Und gestern Abend erhielt ich eine Extra-Beylage, welche Ersteres bestättigte. Am 5ten Merz soll zu Aachen ein allgemeiner Congress gehalten werden, wo alles berichtiget werden soll. Viele zweifeln noch am Frieden. – Heut ware ich zuerst in Düsseldorf, wo ich die Verwüstung sahe, welche das erste Bombardement am 2ten October 1794 verursachte. Der nördliche Flügel des Schlosses ist ganz niedergebrannt. Nur das Mauerwerk ist stehn geblieben. Die Franzosen hatten die Kanonen doch meisterlich gerichtet, denn gegenüber und neben dem Schloß wurde nichts an den Häusern beschädigt. Von einer andern Batterie wurde der Kurfürstliche Marstall beschossen, der auch ganz verbrannte, und noch einige Häuser mit in Asche legte. Viele Kayserliche und Pfälzer plünderten die Bürger-Häuser, indem sie die Bewohner zum Löschen forttrieben. Die meisten entflohn während dem Brand aus der Stadt. Die Verwirrung war aufs Höchste gestiegen, und nach einigen Tagen befahl der Kayserliche General, daß alle Einwohner wieder in ihre Häuser zurück kehren sollten. – Izt werden rund um die Stadt fürchterliche Batterien errichtet, die kurz hinten dem neuen Hofe neben dem Rhein anfangen und rund um Düsseldorf gehen. Schon sind deren 38 fertig, und einige hundert Bauern sind noch thätig daran beschäftigt. Nicht allein aus dem ganzen Bergischen, sondern auch aus der hiesigen Gegend bis Bollrath neben Kölln müssen alle Dorfschaften Arbeiter dahin schicken. Dormagen ist frey davon, weil wir die Landstraß machen.

[214]

1796
Merz[202]
Am 4ten – Noch bestättigt die Zeitung die Nachrichten des Friedens. Indessen zweifeln noch sehr viele. Dennoch glaube ich mit Zuversicht, daß es Friede ist. – Es macht greulich kalt. Der Rhein treibt dicht mit Eiß, und die schwersten Lastwägen rollen über den steinharten Boden. Vor 14 Tagen kamen 2 Flotzen den Rhein hinab. Als sie in der Gegend von Düsseldorf kamen, fiel der Frost ein. Es war zu kalt für die Ruderer, und nun liegen sie gegen Düsseldorf und erwarten günstiges Wetter.
Am 6ten – Mit dem Frieden ists nichts. Ein Jud zu London hatte eine französische Zeitung mit der Nachricht drucken lassen, um durch das Steigen und Fallen der Actien zu profitiren. Die heutige Zeitungen wiedersprechen allen friedlichen Sagen. – Der am 28ten Februar auf Neus geführte Joseph Küpper sizt noch vest auf dem Rathaus zu Neus. Seine Familie hat bereits bey den Generälen und Verwaltungen um Hülf angefleht, aber es will nicht gehen. Die Schefen lassen der Sache geruhig ihren Lauf, weil die Küppers, auf ihre eigne Hülf oder Kräfte vertrauend, sich geäussert hatten, daß sie auch ohne Zuthun der Scheffen im Stande wären, ihren Sohn und Bruder zu erlösen.
Am 7ten – Gestern ist der General-en-Chef der Sambre- und Maas-Armee von Paris in Kölln angekommen. Die Kanonen wurden gelöset, und nach einem köstlichen[203] Soupe folgte ein prächtiger Ball. – Die Ordonanzen gehn sehr stark. Man sollte glauben, es müste bald Bewegung unter den Truppen geben. – Die Kälte hält noch stark an. Es friert in Häuser und Ställe, die auch noch so warm sind. Man zahlt von der einzelnen Person 9 Stüber Fahrgeld über den Rhein. Kornpreis 9 Reichstahler.
Am 10ten – Heut gienge der General Jourdan hierdurch auf Düsseldorff. Der Zug ware sehr prächtig und bestand wohl in 40 Personen, alle Wohlberittene. Der General saß auf einem Fuchs, dessen Geschier alle reich mit gediegenem Gold ausstafirt war. – Vergangene Nacht wurden an der Piwitte 30 Malder Korn von einem Soldaten arrettirt, welche hinüber geschaft werden sollten. Sie gehörten dem Kaufman Gerhard Schwidden von Delven. Er hatte dem Corporal von der Wache 8 Kronthaler gegeben. Dieser ließ ihn dann auch frey schaffen und schickten einen andern Soldaten, der die Frucht in Arrest legte. Der Schefen Steinberger sprach desfals mit dem General Jourdan, welcher erklärte, das gienge den General Collo an. Der Schwidden gienge zu diesem und ward mit Prügeln abgewiesen.
Am 11ten – Es friert noch alle Nacht, und es ist Eiß im Rhein. Kornpreis 9 Reichstahler.
Am 12ten – Es hat die Nacht nichts gefroren, und dauet so ganz trocken ohne Regen auf.
Am 14ten, Montag[204] – Diesen Morgen 7 Uhr brach in den Ställen der Erben Sturm im Schwanen Feuer aus. Der Wind kam vom Nöthsteine, doch nicht stark. Alles Vieh und Geschier wurde gerettet. Nur ein Geisbock fand in den Flammen seinen Todt. Da es sehr trocken war und die Funken weit umher sprüheten, so muste auch auf den nahen Strohdächern gelöschet werden. Auch von den Ställen im Schwanen wurde noch Vieles gerettet. Nur der Knechten Kleidung verbrennten alle. Es ist heute just 4 Wochen geworden, daß die Worringer Müller das Vorgeschäft gesehen hatten. – Von Worringen waren zeitig zwey gute Brandspritzen mit vielen thätigen Einwohnern hier. Auch die Zonser Brandspritze wurd hieher geführt. Jene Ställe waren auch im Jahr 1740 abgebrennt.

[215]

1796
Merz
Am 15ten – Nachts friert es zwar noch etwas, doch arbeitet man fleißig in den Gärten. Der lezte Frost auf die nackte Erde hat die Winterfrucht vom Unkraut gereinigt. – Auch brennten gestern Abend in Nivenheim 2 Häuser ab. Seit 14 Tägen brennte es fast täglich in der Gegend umher – vielleicht, weil alles so trocken ist und leicht Feuer fängt.
Am 17ten – Gestern Abend brennten im Hamm 3 Häuser ab, und diesen Abend brach auf dem Stürzelberg Feuer aus, wo 8 Häuser und einige Scheuern ein Raub der Flammen wurden. Man weis nicht, woher diese öftere Unglücke entstehen; wahrscheinlich durch das Tabackrauchen oder sonst durch Verwahrlosung des Feuers, wie man auch anders hier im Schwanen nicht weis.
Am 18ten – Einen Tag sind die Nachrichten friedlich und den andern wieder Krieg. Die Ordonanzen gehen doch so stark, daß man eine Bewegung vermuthet.
Am 20ten – Es ist noch immer trocken, und nachts friert es etwas. Bey diesem guten Wetter haben die Leuthe allen Mist ausgefahren. Kornpreis 8 Reichstahler 30 Stüber. – Heute, als am Palmsontage, war die Prozession sehr zahlreich.
Am 22ten – Gestern Abend starb der Kayserliche Posthalter Adolf Sturm im 42ten Jahr seines Lebens. Er war ein sehr reicher Mann und von vorzüglicher Herzensgüte. Man kan wohl sagen, der braveste im Dorf. Vor 2 Jahren heyrathete er die Frohntochter von Monheim, Agnes Peters. Sie führten eine englische Ehe, und das machte ihm den Todt schwer und sie untröstlich. Jederman wünschte ihm ein langes Leben, allein, es war im Rath der Götter beschlossen, daß er sterben sollte. Gestern Mittag giengen die Knechte noch zur guten lezt hinein, um ihren Herren zu sehen. Die Gattin, welche man nicht mehr hinzulies, drängte sich durch und fiel über den Kranken her. Man brachte sie weg, und sie sank ohnmächtig zur Erde nieder. Seitdem liegt auch sie von Schmerz und Betrübniß krank. Er hatte durch starkes Trinken in seinen jungen Jahren sich den frühen Todt bereitet. Wenig Freudiges ward ihm in seinem Leben, denn seine geitzige Mutter vergällte ihm die schönsten Vergnügungen. Und als sie gestorben war, da drückte ihn die Last des Krieges. Es blieb ihm vorenthalten, das Süße des Friedens zu kosten. – Heute verliessen uns die seit dem 22ten Januar hier gelegene 2 Compagnien Infanterie von der 10ten Halb-Brigade. Sie giengen auf Zons, und wir bekamen 2 Compagnien von der Division Bonnar.
Am 23ten – Heut Abend 7 Uhr ward der Posthalter in die Kirche begraben. Alle Kinder der Pfarr giengen mit. Der Zug war sehr groß. Zwanzig Buben mit Fackeln giengen in einiger Entfernung zwischen den Trauernden.
Am 25ten, als am Karfreytag, giengen wir nachmittags 5 Uhr mit der Prozession aus. Weil aber der Wind mit Schnee und Hagel sehr unfreundlich that, so kehrten wir durch die Nettergasse wieder zur Kirche um. Wir sangen daselbst noch das "Miserere" und beschlossen die Andacht.
Am 26ten – Es friert noch alle Nachts, und im Tage kommen die Merzenstürme. Der jüngste Frost hat das Korn von der ausgelofenen Haber und vom Unkraut gereinigt.

[216]

1796
Merz
Am 27ten, Ostertag[205] – Die hiesige Truppen musten heut auf Neus aufbrechen, weil die Divisionen vollzählig gemacht werden, wodurch deren einige eingehen. Um 7 Uhr versammelten sich schon viele Truppen hier. Dies dauerte bis 10 Uhr. Deswegen fieng da erst das Hochamt an, ohne Predig. Nun sind wir diesen Abend von Soldaten frey. Nur liegen einige und 20 Chasseur für die Correspondenz hier.
Am 29ten – Diese Tage haben wir keine Soldaten hier, obschon in den übrigen Ortschaften alles besezt ist. Am 30ten kamen doch wieder 3 Compagnien hieher. – Der Sohn der Wittwe Küpper (siehe am 6ten Merz) ist vor den Ostertagen aus dem Prison von Neus zurückgekommen, ohne das Pferd zu bezahlen.
Aprill[206]
Am 3ten wurden 2 Compagnien von hier auf Straberg und Gohr verlegt. Die Abgaben überhäuften sich dieser Tage sehr: Es sollte von Alters pro Morgen 8 Stüber Fleischgeld bezahlt werden, noch 6 Centner Fleisch, noch die fünfte Kuh geliefert, wieder in dem auf das Land gelegten gezwungenen Anlehn 50 Reichstahler bezahlt werden. Joann Steinberger, Joseph Sturm und Thomas Delhoven haben durch anhaltende Reisen zwischen dem Kriegskommissair und Administrator alles einsweilen in Stillstand gebracht. Geld kostet dieses freylich, aber das Dorf gewinnt doch ungemein dabey.
Am 8ten – Es friert nachts noch immer etwas. Im Tage ist's dann trocken und schön. Indessen nimmt das Korn im Feld stark ab, dadurch, weil der Wind so schraf ist. – Man kan nicht klug daraus werden, ob's Krieg oder Friede ist. Die Gerüchte des lezten waren dieser Tage sehr lebhaft, und doch zweifelt man noch stark an Wahrheit. Unterdessen vertragen sich die Soldaten sehr gut, besonders mit dem Frauenvolk. Die Klage darüber ist allgemein in den Landen zwischen Maas und Rhein. Auch hier ist's schon so weit gekommen, daß die Dorfjungen ein Lied darauf gedichtet, worin mehr dann 20 Mädchen wegen allzugroßer Anhänglichkeit an die Franken beschudiget werden.
Am 12ten – Bey diesem trockenen Wetter sieht man fast täglich einen Brand. So gienge auch vorgestern der Gillerhof im Rauch auf. 2 die besten Pferde mit mehreren Kühen konnten nicht gerettet werden. In Zons schluge man auf die Klocke, weil man glaubte, es wär in Horm. Der Schade ist sehr groß, weil viele Früchten mit verbrennten. Die 2 Pferde waren bey den jetzigen Preisen mehr dan 200 Kronen werth, da man eine gute Kuhe schon mit 100 Reichstahler bezahlt. – Dieses schrafe Wetter ist sehr nachtheilig für das Feld. Das Korn schießt spitzig auf und verspricht eine schlechte Erndte. Wir haben in Dormagen, Rheinfeld und Horm nur 2 Compagnien Soldaten und 10 Dragoner für die Correspondenz. Das Hauptquartier des General Jourdan ist noch in Kölln, und der Brigade-General Pastul logirt beym Controleur in Zons.

[217]

1796
Aprill
Am 17ten, Gottestracht[207] – Nie wurde dieser Tag so feyerlich gehalten wie heute. Um 5 Uhr war die erste Meß und um 7 das Amt, wobey 34 Kinder zum ersten Mal kommunizierten. Vor der Meß hielt der Pastor eine Anrede an die Kinder. Die Meß ward gelesen, während daß der Küster den Kindern vorbethete, welches mit Gesängen abgesezt wurde. Bey der lezten Communion des Priesters theilte er auch den Kindern das Nachtmahl mit, hielt dann eine bündige Anrede an die Elteren und vollendete die Meß. – Wie wir mit der Prozession an der Kirchthüre austraten, begleiteten 5 Soldaten mit einem Corporal das Hochwürdigste, und der Chef hatte den hier cantonierenden Soldaten Ordre gegeben, wo die Procession vorüber gienge, den Huth abzuziehen und sich auf die Knie zu setzen. – Die Kinder, welche zur ersten Kommunion gegangen waren, kamen jedes mit einer Wachskerze und mit einem rothen Band auf der Brust unten auf der Landstraße zu der Procession. Vor ihnen wurde das Venerabel-Fähnchen getragen, und sie begleiteten die Procession bis in die Kirche. – Zwischen Horm und Zons begegneten uns 3 Soldaten, und als diese sich nicht knien wollten, trat der Corporal hervor, und sie gehorchten.
Am 18ten war das Wetter so schön wie gestern. Seit dem Jahr 1770 ware es verbothen, am Hagelfeyerstag das Hochwürdigste mitzutragen. Heute hat der Pastor zu erst wieder selbiges umgetragen. Die 5 Soldaten begleiteten wieder die sehr zahlreiche Procession.
Am 21ten – Das Wetter ist noch anhaltend trocken. Vor die Wintersath müsten wir zwar Regen haben, hingegen wird viel (durch den Krieg vernachlässigt und verwüstetes) Land zur Habersath herrlich zubereitet. Täglich werden ungeheure Haufen Quichen in Brand gesteckt.
Am 23ten – Die Soldaten, welche seit dem Ostermitwoch hier waren, musten heut auf Neus aufbrechen. – Noch stehen die Wachen am Rhein, um Acht zu haben, daß keine Frucht und keiner ohne Paß hinüber geht. – Das Malder Korn gillt 8 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 3 Reichstahler 15 Stüber. – Man hat es so weit gebracht, daß von der vom Rhein verdorbenen Länderey an Contributionen und Fleischgeldern nichts mehr bezahlt wird. Dormagen hat izt also nur 15 bis achtzehnhundert Morgen im Anschlag. Gestern muste man vom Morgen 8 Stüber 4 Heller Fleischgeld bezahlen, weil wir unsere Kühe nicht hergeben wollten. – Jenseits stehen die Franzosen noch ruhig an der Wupper und die Kayserlichen an der Sich.
Am 24ten – Gestern kamen 2 Compagnien hier an, welche diese Nacht um 2 Uhr auf Neus giengen. Um 10 Uhr kame ein Bataillon hieher, welches so vertheilt wurde, daß wir nur eine Compagnie mit dem Chef hier behielten.

[218]

1796[208]
Aprilis[209]
Am 25ten – Man findet schon Kornähren und verlanget auf Regen. Die Soldaten verhalten sich recht gut. Übrigens heißt es wieder "Krieg, Krieg".
Am 28ten – Die Requisitionen sind übertrieben stark. In voriger Woche muste vom Morgen Land 8 Stüber 4 Heller Fleischgeld bezahlt werden. Davon ist doch nun das vom Rhein 1784 verdorbene Rheinfeld ganz frey. Nun fodern die Franzosen wieder Heu, Haber, Korn und Weitzen. Deswegen ist Vorsteher Thomas Delhoven schon 8 Tage fast beständig auf Reisen, zu den Commissairs, Administrator und Mayer. Auch ist's nun entschieden, daß es kein Friede gibt, denn in Italien ist schon der fünfte Feldzug eröfnet, und die Kayserlichen sind schon geschlagen worden.
Mey
Am 5ten, Kristi Himmelfahrt[210] – Heut wurde die gewöhnliche Prozession mit vieler Feyerlichkeit begangen. 5 Soldaten begleiteten wieder das Hochwürdigste, und die hier logirte 10 Personen starke französische Musickbande gieng ebenfals mit und spielten zwischen jedem Vers ein Stück. Sie bekamen eine Karolin, welche gute Freunde beysammen legten.
Am 9ten – Bisher ware es trocken und unfreundlich. Diese Nacht erst fiel ein heilsamer Regen, der doch für die Winterfrucht zu späth kömmt. Indessen ware das anhaltende trockene Wetter für das rauhe Land, welches vorigen Herbst mit Winterfrucht hätte besähet werden müssen, se[h]r gut. Vom Krieg und Frieden ist izt keine Rede mehr. Die Soldaten betragen sich sehr gut. Hier im Dorf liegt nur eine Compagnie Füsser, 20 Dragoner, der Chef mit dem Etat-Major und die Musicanten, welche am Abend vor dem Schwanen Musick machen.
Am 12ten – Die Kayserliche haben in Italien derbe Schläge bekommen. Die Franzosen waren schon bis Turin vorgedrungen, als der König von Sardinien für gut befand, Waffenstillstand zu machen. Jedoch muste er verschiedene Vestungen und besonders Alessandria den Franzosen einräumen, so daß diese nun auf der Gränze des Österreichischen Mayland stehen.
Am 20ten – Noch ist hier alles still. Die Soldaten vertragen sich sehr gut mit den Einwohnern, und die Lieferungen bestehen für uns nur in Heu und Haber.
Am 26ten, Fronleichnam[211] – Die ganze Division Collo, welche hier und rund umher kantonirt, soll sich über den Rhein ziehen und an der Wupper lagern. Der Waffenstillstand ist aufgekündigt, und am 31ten Mey fangen die Feindseligkeiten an. Nach dem hohen Amt giengen wir die Prozession. Am Lämbchen ware die erste Station. Wir giengen um die Gärten. An der Linde hinter dem Kirchhof war die zwote, an der Nettergasse die dritte. Da giengen wir herein, und auf dem Kirchhof war die vierte Station. Wir machten den Weg so kurz, weil das ganze Bataillon hier zusammen kommen sollte, welches auch zum Theil hier einlogirt ward.

[219]

1796
Mey
Am 27ten – Heute Früh um 4 Uhr versammelten sich hier 2 Bataillons, welche ihren Marsch auf Düsseldorff antraten. Sie waren seit dem 24ten Aprill hier und hatten sich vorzüglich gut aufgeführt. Die zwey Divisionen Le Fevre und Collo sind nun ganz über dem Rhein. In der Gegend von Düsseldorff ist es so voll Soldaten, daß die Häuser ganz angefüllt sind. – Der Administrator Neesen ist jetz unserm Dorf sehr gewogen. Da wir an Fourage so viel übergeliefert haben, so hat die Municipalitaet zu Zons Befehl, uns nichts mehr an sonstigen Abgaben zu fodern. Es heißt, auf der Stürzelberger Heyde soll ein Laager bezogen werden. Deswegen muß der ganze Canton hieher Stroh liefern. Es wird in unsere Scheuer oben der Kirche niedergelegt. Jakob Steinberger und ich haben die Aufsicht darüber.
Am 29ten – Noch 6 Dragoner sind hier für die Correspondenz. Sonst ist kein Soldat mehr im Dorf. Ich trafe heut beym Controleur in Zons den General Bastull, welcher von Hittorff noch einmal zurück kam, um seinen Wirth zu besuchen. Die 2 Divisionen lagern schon an der Wupper, und in Monheim ist kein Mann mehr. Es sind izt keine Wachen mehr am Rhein.
Junius[212]
Am 2ten – Die Franzosen sind schon über die Sieg vorgedrungen. 42 Husaren von den Kayserlichen waren nur als Vorposten an jenem Flusse, welche einen General-Adjutanten der Franzosen stark blessirten. Wir haben keine Soldaten mehr im Dorf, ausser den Ordonanzen und was so auf- und abzieht, als gestern Abend 60 Piconiere etz.
Am 3ten – Heute wurden wieder einige und 20 Karrigen Stroh hieher ins Magazin geliefert. Es kömmt meistens von der Gillbach und aus dem Griesberg. – Das Wetter ist trocken und kalt. Deswegen will das Korn noch nicht recht blühen.
Am 7ten – Man hört sehr wenig von der Armee. Der linke Flügel jenseit des Rheins geht noch immer vorwärts und ist schon Neuwied vorbey. Es wurden viele Kayserliche zu Gefangenen gemacht. Hier geht es izt sehr ruhig zu. Wenig Ordonanzen gehn hindurch, doch kamen gestern einige schwer verwundete Chasseur und Pferde auf Neus. – Am 4ten hörten wir von morgens früh bis 1 Uhr eine starke Kanonade, und nun vernimmt man, daß es die Bataillie zu Altenkirchen obig Siegburg war, wo die Kayserlichen ein verschanztes Lager von 6.000 Mann hatten. General Collo attackirte. Die Kayserlichen hatten Ordre, sich bis auf den lezten Mann zu wehren. Endlich schickte Prinz Wirtenberg eine Stafette, daß sie retiriren sollten, welche von den Franzosen aufgefangen wurde, und diese nahmen das ganze Kayserliche Korps gefangen.
Am 16ten – Allenthalben werden die Kayserlichen geschlagen. Dieses bringt uns vorerst Ruhe und endlich Frieden. Das Malder Weitzen gillt 6 Kronthaler.

[220]

1796
Junius
Am 14ten – Heut hatten wir das erste Donnerwetter mit Regen. – Die Franzosen haben eine strenge Verordnung ergehen lassen, daß keiner zu Gunsten der Kayserlichen sprechen darf.[213]
Am 20ten – Die Franzosen waren durch das Bergische bis an die Lahn glücklich fortgegangen. Daselbst aber empfiengen sie die Kayserliche, so daß die Franzosen schon gestern an der Sieg standen. Wahrscheinlich geht ihre Retirade auf Düsseldorff, und wir kommen wieder mitten in den Krieg. Die Franzosen haben ausserordentlich gelitten. Gestern und heute kamen viele Blessirte hiedurch, so daß auf den Abend in jedem Hause etwas einlogirt war. Der Vicarius bekame diesen Mittag mit 8 Chasseur Streit wegen dem Essen. Es kame zu Schlägerey, und die Chasseur nahmen den Vicarius gefänglich mit auf Neus. Der Scheffen Steinberg und mein Bruder Thomas Delhoven brachten ihn aber durch gute Worte noch vor dem Dorfe los.
Am 21ten – Heut morgens 8 Uhr kamen die ersten Rüstwägen, Marquetenter und Kavalleristen, welche leztere theils ihre Regimenter verloren hatten, theils blessirt waren. Der Zug dauerte bis nachmittags 4 Uhr. Alles gienge auf Neus, und die Armee zieht sich durch das Bergische in die Verschanzungen zu Düsseldorff. – Als die Franzosen an der Lahn geschlagen waren, da zohen sie sich zurück auf diesseit der Sieg, wo vorgestern noch ein gräsliches Treffen geliefert wurde, das auch ganz zum Nachtheil der Franken ausfiel. Es war eine Schlacht, so blutig, als noch jemal eine gehalten wurde. Nun flohe alles, was fliehen konnte. Die Kanonen wurden zu Düsseldorff in die Verschanzungen gefahren, und die Häuser ausser den Werkern abgebrochen. – Diesen ganzen Tag herschte Ruh und gute Ordnung im Dorf. Es wurde kein einziges Pferd zum Vorspann gegeben, und so groß auch noch der Durchzug war, so wurde doch nichts fouragirt. Auf den Abend wurden verschiedene einzelne Soldaten einlogirt, und man vernimt von der andern Seythe, daß die Franzosen im Monheimer Feld, auf Reusrath zu, lagert.
Am 22ten – Schon vor Tagesanbruch waren die Franzosen auf der andern Seithe aufgebrochen und wichen hinab auf Düsseldorf. In Baumberg und auf den einzelnen Höfen ward wieder stark geplündert. Die Kayserlichen sollen, wie es heißt, sich wieder hinten die Sieg zurückgezogen haben. – Hier passirten eine Menge Bagage und Brodtwagen hinab auf Düsseldorff. Es sind hier noch keine Wachen am Rhein, noch Soldaten einlogirt.

[221]

1796
Junius
Am 23ten – Heut wurde hier eine Compagnie Fußvolk von der Nordarmee einlogirt. Sie bezohen am Abend die Wachen am Rhein, welche seit dem 27. Mey nicht besezt waren. Dormagen muß nun auch täglich 4 Mann nach Düsseldorff auf die Batterien schicken. Die Gemeinde gibt jedem täglich 10 Stüber Zulage. Doch wird seit gestern nicht mehr an Batterien gearbeitet, sondern alle Arbeiter müssen um die Stadt Häuser abbrechen.
Am 28ten – Wir hatten eine zeitlang abwechselnd trocken-kalt, naß und warmes Wetter, doch ware noch kein Regen an die Wurzel gekommen. Bis gestern Morgen erhielten wir mit einem vorüberziehendem Donnerwetter einen starken Regen, der schon 24 Stunden gedauert hat. – Diesen Morgen früh schickte der Scheffen Schmitz ein Pferd zum Beschlagen in die Schmidt. Eben kame ein Commendant, welcher eine Ordre auf Kölln ritt. Sein Pferdt ware ermüdet, und er wollte das Pferd des Schefen Schmitz an statt des seinigen bis Kölln mitnehmen. Die anwesende Söhne des Schefen Schmitz wiedersezten sich, und es kame zur Schlägerey. Man gabe dem Ofizier ein anderes Pferd, und er ritt auf Kölln. Der Commendant von dem Fußvolk wollte gleich die Söhne des Schefen Schmitz oder den Vicarius in Verhaft nehmen. Eben passirte ein Commissair-Ordonateur-en-Chef. Man meldete es ihm, und er gab dem Commendanten Befehl, die Gemeinde in Ruh zu lassen. Sogleich kame auch die Ordre, daß die Truppen nach Zons aufbrechen musten. Nun blieben noch 8 Dragoner für die Correspondenz hier, welche gleich den Vicarius oder dessen Bruder in Verhaft nehmen wollten. Diese hatten sich entfernet. Es ward dunkel, da giengen sie zur Wohnung des Schefen Schmitz, wo sie keine Mannspersonen fanden. Sie foderten 2 Pfund Speck, 25 Eyer und 1 Maas Brandwein, blieben dann die Nacht in dem Hause des Schefen Schmitz. Auch kame diesen Nachmittag ein Grenadier mit einem Biliet für zu Erfrischen bey dem Jacob Fitgen auf der Gasse. Die Söhne bekamen Streit mit selbigem und schlugen den Soldaten zur Thür hinaus. Die Dragoner gesellten sich dazu und schlugen dem Jacob Fitgen alle Fenster und Schüsseln entzwey. Sie durchsuchten noch des Abends um 11 Uhr die Wohnung des Pastoren, ob der Vicarius da wäre, fanden ihn aber nicht, weil er sich auf Hackenbroich geflüchtet hatte.
Am 29ten – Diesen Morgen waren die Dragoner schon bey Zeiten am Saufen. In dem Hause des Schefen Schmitz durfte sich keine Mannspersohn sehen laßen. Das ganze Dorf war in Unruh und Ängsten. Da kamen 3 Compagnien Fußvolk von der Nordarmee hieher, und es wurde ein Bericht an den General in Kölln abgeschickt. – Täglich kommen mehr dan 100 holländische Kühe hiedurch zur Armee. Sie logiren für Geld alle Nacht hier im Dorf. Die Fleischrequisitionen hören nun auf. – Man glaubte, die Kayserliche würden bald die Franzosen vom Rheine schlagen. Jetz aber zweifelt man sehr daran. – Wir sind durch Bestechung von den Batteriearbeiten frey zu Düsseldorff, und man spricht wieder viel vom Frieden.

[222]

1796
Juny
Am 30ten – Diesen Morgen musten die gestern angekommene Soldaten fort auf Kölln. Die Armee zieht sich wieder hinauf und ist schon Mühlheim und Deutz passirt. – Die Geschichte des Scheffen Schmitz ist noch nicht beendigt. Gestern Abend wurde beym Pannes viel Wein getrunken von den Ofizieren und dem Ortsvorstand. Bey Steinberger zechten die Dragoner und Chasseur, welche sich zulezt die Nacht ins Haus des Schefen Schmitz bey 10 Maas Wein holen liessen. Dieses geschieht alles auf Rechnung des Beklagten.
Julius
Am 1ten – Gestern wurde der hiesige Bürgermeister Bremer nebst dem Dollmetscher Schmitz mit 2 Dragoner auf Kölln zum General geführt, um den Vorgang des Scheffen Schmitz vorzutragen. Man wollte anfangs den Bürgermeister gefänglich zu Kölln behalten, bis die Thäter gegen ihn ausgeliefert würden. Endlich schrieb der General eine Execution auf die hiesige Gemeinde. Es sollte nämlich 8 Dragonern jedem so lange täglich ein Kronthaler bezahlt werden, bis die Söhne des Scheffen Schmitz nach Kölln gebracht würden. Es wurde aber mit Geld abgemacht, und nun hat die Geschichte ein End. Indessen fodern 8 Dragoner die zuerst vom General bestimmte Executionsgelder, welche 20 Kronthaler für dritthalben Tag ausmachen. Im Weigerungsfall wollen sie den Vorgang zum Hauptquartier berichten, und man wird auch sich mit ihnen abfinden müssen. – Gestern kamen 3 Compagnien wieder von Kölln zurück, welche heut auf Düsseldorff abgiengen. Am Mittag folgten 2 neue Compagnien, welche einstweilen hier bleiben werden. Auch sind nebst den Dragonern auch 12 Chasseur hier. Diese so wie alle seit einigen Tagen passirte Truppen sind von der Nordarmee. Da sie von den Holländern gut besoldet werden, so gewinnt das Land immerhin. Sie sind prächtig gekleidet und vertragen sich vorzüglich gut. Kornpreis 10 Reichstahler, 100 Pfund Heu 50 Stüber. – Täglich kommen wenigsten 100 Stück holländisches Vieh, welche zur Armee gehen. Sie werden in die Kühbenden getrieben, und der Kaufman zahlt täglich für jedes Stück 5 Stüber Weidgeld an die Gemeinde.
Am 2ten – Der Vicarius ist heute mit seinen Brüdern wiedergekommen, da den Dragoner und Chasseur 8 Kronthaler zur Befriedigung gegeben wurden. Alle Zehrungskosten und sonstige Ausgaben geschahen auf Kosten des Scheffen Schmitz. Das Ganze erträgt wenigstens 60 Kronthaler.
Am 4ten – Abends 7 Uhr kamen 4 Compagnien von der Nordarmee hier an. Die hier logirte Jäger zu Fuß musten um 10 Uhr noch auf Kölln.
Am 5ten giengen die gestern Abend angekommene Truppen gleichfals auf Kölln. Die französische Rhein- und Moselarmee ist auch nun in der Gegend von Strasburg über den Rhein gesezt und zieht sich ins Würtembergische, während die Sambre- und Maas-Armee schon bis über Neuwied vorgerückt ist.
Am 6ten – Wir bekommen nun Regen in Überflus. Ausser 22 Chasseur und Dragoner haben wir keine Soldaten im Dorf. Am Abend kamen 40 Mann Fußvolk hieher, um den Rhein zu bewachen.

[223]

1796
Julius
Am 10ten – Heut musten die seit einiger Zeit logirte 22 Chasseur und Dragoner aufbrechen. Es kamen schon gestern 5 holländische Dragoner hieher, für die Correspondenz. – Diejenige, welche heut fortgiengen, haben sich sehr übel betragen. Fleisch und Brodt verkauften sie zu Neus, die ganze Zeit hindurch, daß sie hier waren, und wo sie dem Dorf nur etwas schaden konnten, das thaten sie. – Auch die 40 Füsser giengen heut fort, und es kamen 40 andere her. Die Rhein- und Mosel-Armee ist zu Strasbourg über den Rhein gesezt, und die Samber- und Maas-Armee gehet auf Frankfurth. – Regenwetter.
Am 13ten – Man fängt allmählig an, Korn zu mähen. Das Malder vom alten gillt 10 Reichstahler. – Die Früchten überhaubt sehen sich gut an, nur Haber ist schlecht.
Am 20ten – Am 16ten dieses sind die Franzosen in Frankfurth eingerückt, und wir haben nun so leicht keine Noth, daß sie zurückgeschlagen werden, und wir können ruhig die Erndte halten, wozu das schöne Wetter erwünscht eintrift.
Am 25ten – Heut gienge ein Bataillon Infanterie von Kölln auf Düsseldorf, und ein anderes gienge von Düsseldorf auf Kölln. Beyde ruheten hier ein wenig aus. In den Wirthshäusern konnte man nicht Geschirr genug beyschafen, doch giengen einige ohne zu bezahlen fort. Ein paar besofene Kanonier wurden mit einer Wache vors Dorf geführt. – Weil es schön Wetter war, so wurde viel eingescheuert.
Am 27ten – Regen. Die Franzosen gehn mit starken Schritten auf die Österreichische Staaten los, die Mosell- und Rheinarmee kame von Strasbourg über Kehl auf Stuttgard, die Samber- und Maasarmee hingegen gienge über Frankfurth, Würzburg durch Hessen und hat sich mit der Rheinarmee vereinigt, so daß die Kayserliche sich auf die Donau zurückziehen.
August
Am 4ten – Wir leben izt so ruhig, als wenn es nicht Krieg wäre. Vor 3 Tagen musten die hier seit dem 9ten Julius logirte Holländer wieder fort, und es kamen von Düsseldorff 6 Chasseur vom 23ten Regiment hieher für die Correspondenz. Die halbe Compagnie Füsser, so hier sind, haben auf der Piwitte noch die Wache, doch kann jeder frey hinüber kommen. – Seit einiger Zeit sahe man unter der Geldscheidemünze eine ungeheure Menge preußische 3 Stüber-Stücke, sogenannte Kalmuken oder halbe Kassemäncher, und unter diesen mehr dann die Halbscheid falsche. Nun brachten die Franzosen heut einen jungen Menschen von Elberfeld gefänglich hiedurch auf Kölln, der dieses falsche Geld geprägt soll haben. Es waren Gensdarmes und Chasseur zur Bedeckung dabey, und eine Dienst-Karrig muste ihn von hier auf Köln bringen.
Am 9ten – Die Erndte ist bey dem guten Wetter schon vollendet. Das Korn ist nicht sehr ergiebig. Ein Drescher trägt täglich höchstens 6 Faß auf. Der Sahm-Weitzen, so nicht in Kalkwasser eingeweicht ward, bringt fast die Halbscheid Brandähren.

[224]

1796
August[214]
Am 10ten – Die Franzosen sind in Bamberg und Ulm, und hier ist es izt sehr ruhig. Die halbe hier logirte Compagnie versieht noch an der Piwitt die Wache. – Das Malder neu Korn wird zu 6 Reichstahler verkauft, der Centner Heu aber zu 30 Stüber. – Vor 3 Tagen muste der Gerichtsbott mit einer großen Schelle durchs Dorf gehen und ausrufen, daß jeder die Hunde vesthalten und im Übertrettungsfall 2 Kronthaler Strafgelder erlegen soll. Dieser Befehl ware vom Cantonsverwalter.
Am 14ten – Heut Morgen muste die hier seit dem 6ten July hier logirte Soldaten auf Kölln.
Am 15ten, Mariä Himmelfahrt[215] – Heut, als eben das Hoheamt anfienge, passirten hier zwey Bataillons; eins hinauf und das andere hinunter. Es ware nur eine Umwechslung. Sie machen dann hier eine Stunde Halt, um etwas auszurasten. Wo sie können, da schleichen sie in die Häuser, und man muß ihnen etwas zu Essen geben. Deswegen hörten heut viele kein Meß. Und da auch schon einige Soldaten in der Pastorat waren, so ward an statt dem hohen Amt nur eine Leßmesse gehalten.
Am 16ten kamen von Kölln 2 Compagnien Jäger zu Fuß hieher. Es sind die nähmliche, welche am 29ten Junius hier logirten. Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber, Heu der Centner 30 Stüber, Saamen 6 Kronthaler, das Pfund Butter 15 Stüber.
Am 17ten – Diese Nacht wurde dem Herman Hammelrath sein Pferd gestohlen.
Am 18ten kamen noch 60 Soldaten, welche als Depot zu Wevelinghoven lagen, vor eine Nacht hier ins Logis, um zu der Armee zu gehen, welche in Nürnberg und Ulm eingedrungen ist.
Am 20ten – Es ist noch sehr heis und trocken, so daß man mit Schmerzen auf Regen hoft. Die Sommerfrüchte werden mitein reif.
Am 24ten – Die Hitze ist unbeschreiblich, und alles fängt dürr zu werden an. Deswegen kann man schon das 100 Pfund Heu nicht mehr zu 30 Stüber kaufen. – Die Processionen sind dieses Jahr nur von Kölln, Deutz und Bonn nacher Kevelaer gewahlfahrtet. Am 21ten musten die am 16. hier einlogirte Truppen auf Kölln. Es kamen 30 Infanteristen von Neus hieher. – Es darf ohne Paß keine Frucht von dieser Seythe ins Bergische gehen. Deswegen ist ein französischer Aufsichter hier, welcher zu Nachtszeit mit 3 Soldaten am Rhein Patrull macht.
Am 25ten – Der Gerhard Schwidden von Delven hatte von uns Korn zu 7 Reichstahler auf dem Süller gekauft und lies diesen Nachmittag 3 Malder mit Stroh zugedeckt nach der Piwitte fahren. Kaum ware die Karr vor dem Dorf, als zwey Soldaten von Worringen selbige arettirten, erst hier bey den Capitein und dann nach Neus führten.
Am 26ten – Früh morgens gieng der hiesige Dollmetscher Schmitz mit dem Wirthen von der Piwitte auf Neus, brachten beym Commendanten ihre Klage vor, wie die Soldaten sich erdreistet, 3 Malder Korn wegzunehmen, welche gemelter Piwitten-Wirth zu seiner Nothdurft gekauft etz. Und gleich wurde die arrettirte Frucht losgegeben. Am 22ten regnete es wieder einmal, da der Klee durch die lange Trockenheit so wie alles Grüne verbrennt ist.
Am 29ten wechselte die hiesige halbe Kompagnie mit einer andern ab. Am 2ten September gienge auch diese fort, und wir hatten die Nacht nichts hier, ausser die 8 Chasseur von der Correspondenz. In Zons logirte die Nacht ein starkes Bataillon, welches von der Nordarmee ist, wovon ein Theil sich hinaufzieht, um die blockirte Festungen Maynz, Manheim und Ehrenbreitstein zu belagern.

[225]

1796
September
Am 3ten kame wieder ein Bataillon nach Zons, und die Municipalitaet schickte uns 4 Compagnien hieher. Sie verzohen am 4ten, und des Nachmittags kamen wieder 4 Compagnien, welche am 5ten auf Bonn aufbrachen, um Ehrenbreitstein und Maynz zu belagern. – General Jourdan ware schon bis bey Regensburg vorgerückt und Moreau mit der Rhein- und Moselarmee bis über Augsburg. Nach einem blutigen Trefen wurde Jourdan bis Bamberg zurückgeschlagen. Auch that die Besatzung von Maynz einen Ausfall und rückte bis Frankfurth vor.
Am 10ten – Die Samber- und Maasarmee unter General Jourdan ist so zerschlagen, daß sie sich bis diesseits der Lahn zurückgezogen hat. Ausser vielen Blessirten kame auch heut der General Collo hiedurch. Er sagte selbst, dass von seiner Division fast nichts übrig blieben ist. Diese Nachrichten setzen uns in Angst, daß wir wieder die Armee auf den Winter in hiesige Gegend halten werden.
Am 12ten – Gestern und heute kamen in kleinen Trüpchen wohl 150 Chasseur vom 6ten Regiment, welche alle auf Nivenheim giengen, wo es eben Kirchweihe ist. Auch kommen sehr viele Soldaten verschiedener Regimenter, welche von der Armee entflohen, und gehen hieher auf die Dörfer, wo sie ehemals logirt hatten. In Wevelinghoven kamen 200 Mann von der 5ten Halb-Brigade der Division Collo.
Am 15. kame die Equipage des General Le Febre nach Zons und hieher. Sie bestand aus einigen und 30 Wagen und Marquetenters-Karren. Hier waren 67 Pferd und eben so viel Mann. Sie lagerten auf dem Feld an der mittelsten Drenk. Doch wurden die Soldaten in die Häuser blettirt, damit man ihnen kein Holz aufs Feld liefern muste. Sie streiften umher und wollten Gemüse hohlen. Die Einwohner aber, welche selbige bewachten, trieben sie ab.
Am 16ten – Es ist izt wohl so heis, als es noch in diesem Sommer war. Die Sommerfrüchten werden fort eingescheuert, und man fängt Korn zu sähen an. – Die Franzosen stehen noch an der Lahn. – Als die Armee so gänzlich geschlagen war, da entlief alles und suchte ihre alte Quartiere diesseit Rheins. Um nun die streitbahre Mannschaft wieder zur Armee zu ziehen, erlies der General Jourdan eine Ordre an alle Munizipalitäten, daß in jedem Dorf der Vorstand ein Verzeichniß aller logirten Soldaten einschicken sollte. Deswegen gienge ich heute mit Adolph Steinberger und Thomas Delhoven durch die Gemeinde um und notirten alle Nämen und Bataillons der Soldaten. Viele wollten ihren Namen nicht sagen, so schrieben wir doch eine Menge erdichteter Nämen auf, um der Munizipalität zu zeigen, wie stark daß Dormagen belästigt ist.
Am 17ten – Täglich ziehen kleine Trüppchen Franzosen hinauf, welche von der Sambre- und Maasarmee in der Verwirrung entflohen waren. So wurden auch heute 200 Grenadiere einlogirt, welch[e] am 18ten auf Kölln giengen. Wir haben izt 10 Holländische Reuter für die Correspondenz hier.
Am 18ten gienge der General-en-Chef der Nordarmee Bournonville hiedurch auf Bonn, welcher, wie es heißt, die Sambre- und Maaßarmee an statt des General Jourdan commandiren soll. – Es ist noch sehr heis und trockenes Wetter.

[226]

1796
September
Am 22ten – Die Französische Armee hat sich bis diesseits Siegburg zurückgezogen. Es kam bey der diesmaligen Retirade nicht so viel Bagage hiedurch wie bey den zwey andern. Der Platz-Commendant von Kölln, welcher daselbst des Kaufman Hamm Tochter geheyrathet, wies alle Marodeurs zurück auf die andere Rheinseithe. Vor einigen Tagen glaubte man, die Kayserlichen würden bald die Franzosen von hier verdrängen. Indessen sammeln sich die Franken wieder, und es kommen 8 tausend Mann von der Nordarmee in Neus an, um die sehr hart geschlagene Sambre- und Maasarmee zu verstärken. – Regen.
Am 23ten – Gestern Abend 11 Uhr, als der beym Schefen Steinberger logirte holländische Reiter sein Pferd satteln wollte, um eine Ordonanz zu reiten, war dessen Pferd gestohlen. Diebe hatten in ein Fenster ein Loch geschnitten und dadurch die Thür geöfnet. Der Wachtmeister beratschlagte lange über die Vorkehrungen, welche dabey zu trefen wären, und es ward beschlossen, die Männer in jedem Hause zu wecken, ob solche auch abwesend wären. Dies geschahe gleich nach Mitternacht. Es wurde stark angeklopft, weil jederman im ersten Schlaf war. Und als die Reiter riefen: "Kommt einmal heraus!", so vermuthete jederman, es müste Brand oder so etwas seyn, und der Vorgang sezte alles in Schrecken, der auch sobald wieder verschwand, als man den Beweggrund vernahm. Es wurde kein Mann vermißt, auf den nur einiger Verdacht fiel, und das Pferd ist fort.
Am 24ten – Die französische Armee hat retirirt bis oben Deutz. Da steht solche in Schlachtordnung. 9 tausend Mann von der Nordarmee giengen heut zu Düsseldorff über den Rhein durchs Bergische zur Armee, und es wird nun zum viertenmal auf Maynz gehen. Die Sambre- und Maas-Armee war beym lezten Hinaufziehn bis ins Bayrische, anderthalb Stunde von Regensburg, vorgerückt. Als die Kayserliche selbige zurückschlugen, hatten sich mehrere hundert Bauern versammelt, welche selbige im Rücken angrifen. Kriegskassen, Generäl- und Oficiers-Bagage erbeuteten und selbst das Hauptquartier zerstreuten. Und dies beschleunigte den Rückzug um so mehr. Jetz commandirt General Bornonville die Armee.
Am 26ten – Von der Equipage des General Le Fevre, welche am 15ten September hieher kamen, ist noch eine Halbschied hier. Sonst haben wir nichts Stetes einlogirt. Indessen kommen alle Abend so viel Einzelne zu Fuß und zu Pferd, daß meistens in jedes Haus etwas logirt wird.
Am 30ten – An dem gestrigen Michaelstag war’s hier in der Kirche sehr gedrängt von Fremden. Mehr dan 900 Menschen ward die Communion gereicht. Und weil das Wetter besonders schön und das Dorf trocken war, so hatten wir eine zahlreiche Prozession. Das Malder Korn gillt 4 Kronthaler. – Die Franzosen stehn von Sohlingen bis 1 Stund oben Deutz zum Rhein. Dann zieht die Armee einen Kordon über den Hundsrück um Maynz.

[227]

October
Am 1ten – Die Franzosen haben die Justizstellen zwischen Maas und Rhein neu organisirt: An statt der Central-Verwaltung zu Aachen ist nur daselbst ein einziger General-Directeur, und zu Bonn ist die Bezirksverwaltung gänzlich aufgehoben. Die Cantonsverwalter und Municipalen bleiben. Nun ist ein Arette hinausgekommen, vermög welchem alle geistliche und Commeadeurs-Güter der Republik gehören. Die Geistliche sollen Pension genießen, und in Zeit von 10 Tagen muß schon ein Drittel vom Pfacht dieser Güter und Zehenden in die Magazine abgeliefert werden. Der Befehl zur schleunigen Ablieferung ist so dringend, daß sogar jeder Orts-Vorstand aufgefodert wird, so viel Drescher in Requisition zu setzen, als auf den Tenner der Pächter dreschen können. Wirklich sind die hiesigen Pachter und Zehendheber am Abliefern nacher Kölln ins National-Magazin.
Am 8ten – Das Wetter ware die ganze Saath hindurch trocken, so daß alles wüste Land sehr gut gereinigt werden konnte. Und da wir von Diensten fast gänzlich frey blieben, so ist die Saath vortreflich untergebracht worden. – Gestern steckte der Gerichtsboth den Kirchweihfahnen am Thurme heraus. Weil wir fast keine Franzosen einlogirt haben, so kann die Kirmes ruhig werden. Kornpreis 4 Kronthaler.
Am 9ten, Kirmes[216] – Es regnete vom Morgen bis in den Abend. Deswegen waren fast keine Fremde gekommen. Seit dem Krieg ist keine Accise bezahlt worden. Nun haben sich verschiedene Einwohner auf Wirthschaft begeben, die sonst nichts damit zu thun hatten. Unter diesen ist der Wolter Schüllgen, der Becker Heinrich Meuser und der Adolph Schmitz, welche auch alle drey Musikanten haben. In den ehemaligen Wirthshäusern ware nichts zu thun.
Am 10ten – Das Wetter klärte sich etwas auf. Am 11ten und 12ten ward's schön, und es fanden sich viele Fremde ein. Die Spielleute erhielten die jungen Leuthe beym Tanz bis an den Morgen. Vom Krieg ist izt alles still, und sehr wenig ward diese Tage einquartirt. 10 Holländer sind hier für die Correspondenz, welche ihre Pferde in zwey Ställe beysammen setzen und dabey schlafen müssen, damit keins gestohlen wird.
Am 16ten – Die ganze Woche seit dem 10ten regnete es unabläßig. Es ware ein Glück, daß wir bis die Kirmes gut Wetter hielten, weil fast jederman vor diesem Fest die Saath in die Erde gebracht hat. Die Franzosen scheinen nicht glücklich mehr in ihren Kriegsoperationen zu seyn. Die Rhein- und Mosel-Armee retirirt noch immer aus Bayern und Schwaben. Weil aber die Kayserliche schon bis Kehl vorgetrungen sind, so ist der Rückzug auf Strasburg unsicher. Die Sammber- und Maas-Armee steht noch auf dem Hundsrück, und die Nordarmee lagert in der Gegend von Mühlheim.
Am 20ten – Der Kellner von Bergheim schickte 2 Reuter auf Execution hieher, weil wir von 2 Jahren den Schatz noch nicht zahlt haben. Da wir aber jetz unter das Köllnische versezt sind, so glauben wir, unter Bergheim nichts mehr bezahlen zu müssen.

[228]

1796
October
Am 21ten – Vorsteher Thomas Delhoven fuhr heut auf Kölln zum Oberinspekteur und brachte die Klage gegen den Kellner Frenz von Bergheim vor. Jener erschien sehr aufgebracht über diesen zu seyn, entlies meinen Bruder mit der Versicherung, daß der Kellner alle Unkosten zahlen soll. – Auch sind 2 Grenadiere auf Execution hier, weil die Pächter ihren Pfacht noch nicht geliefert haben. Diese sind auf dem Rheinfelderhof logirt. – Kornpreis 8 Reichstahler.
Am 27ten – Der Kellner von Bergheim hat doch gesiegt: Obschon wir als Köllnische Einverleibte nur die gewöhnliche Simpeln zahlen, so schüzt jener vor, seine Empfangsbücher wären noch nicht abgeändert und Dormagen stünde noch zahlschuldig. Um der Execution also loß zu werden, müste man zahlen. – Die Passage geht noch stark. Alle Abende wird in die nur etwas bemittelte Häuser etwas einlogirt. Zwar haben die Franzosen ein Decret erlassen, Kraft welchem allen untersagt ist, Contributionen und Requisitionen zu erheben, so müssen wir doch an die meiste Passanten Fourage abgeben, welches oft Wortstreite gibt.
November
Am 2ten – Heut Mittag kamen 90 Chasseur vom 23ten Regiment von Düsseldorff. Sie wurden eine Nacht logirt. – Die Franzosen scheinen wieder Muth zu bekommen. General Moreau, der mit seiner Armee im Frankenland eingeschlossen war, hat seinen Rückzug glücklich vollbracht. Die Sambre- und Maas-Armee steht noch auf dem Hundsrück und die Nordarmee hinter Mühlheim. Beurnonville kommandirt die leztgenente Armeen. Kornpreis 8 Reichstahler, Haber 12 Gülden.
Am 8ten – Die Franzosen haben nun alle Dienstparke aufgehoben. Die Gebrüder Mülhens von Kölln und der Wirth Spickenagel von Caster haben alle Dienstfuhren für die Nord-, Sambre- und Maasarmee übernommen. Das Land weis, wie viel Karren an die Enteprenneurs geliefert werden müssen. Jede mit 2 Pferden bespannt wird der Gemeinde mit[217] bezahlt. Dormagen that hiezu 1 Karr mit einem Pferd, Worringen 1 Pferd und den Knecht, welche vorgestern abgeliefert wurden.
Am 11ten – Vorsteher Thomas Delhoven ist schon 8 Tage mit dem Administrator in Kölln, um die Karren für den Canton zu überliefern. Da die Pferde nicht älter als 10 Jahr alt seyn dürfen und es doch nicht sind und die Karren nicht alle akkordgemäs sich befinden, so muste wegen den mangelhaften Pferd und Karren mit Spickenagel akkordirt werden, und jene Gemeinden musten verhältnismässig von den[218] Livres missen, welche für die Karren bezahlt werden. Die Gemeinheiten sind ferner gehalten, die Knechte zu stellen. Und wenn einer desertirt, so müssen die Gemeinheiten wieder einen neuen stellen. Die Enteprenneurs zahlen jeden Knecht täglich 22 Stüber samt Fleisch und Brodt. Da aber keine Knechte für diesen Gehalt zu haben sind, so müssen die meisten Gemeinden selbigen noch täglich 12 bis 18 Stüber zulegen. Nun ist aber für unseren Canton mit dem Spickenagel die Uebereinkunft getrofen, dass die Knechte

[229]

1796
November
noch 14 Tage bey den Karren bleiben. Nach diesen stellt Spickenagel selbst die Knechte und gibt jedem täglich 40 Stüber. Dafür muß jede Gemeinde pro Knecht 50 Liver an Spickenagel zahlen. – Gestern Abend kame mit den Dienstkarren von Rheinberg das am 17ten August dem hiesigen Herman Hammelrath gestohlene Pferd. Ein Kerl mit einem blauen Kittel hatte selbiges damals um 9 Kronthaler verkauft. Man wollte solches hier loshaben. Allein, die Knechte weigerten sich, und nun wurde ein Expressen vorauf an Vorsteher Delhoven nach Kölln geschickt, der das Pferd, so bald es in der Stadt ankame, gleich ohne die mindeste Unkosten loßbekame. – Kornpreis 4 Kronthaler, Haber 25 Schilling.
Am 12ten – Heut Mittag bekamen 2 von den hier liegenden holländischen Correspondenz- Reitern Streit und foderten sich auf den Säbel. Unten im Scheffen-Steinbergs-Garten kamen sie ans Hauen. Die Säbel waren nicht scharf, sonst würden dem einen oder andern der Kopf gespalten worden seyn, denn mehrere Hiebe trafen die Hüte. Das Degen-Geklirr ware recht gräßlich, und alle Augenblicke gewahrte man, daß einer von ihnen tod zur Erde niederfalle. Als sie beynahe ein Viertel-Stund sich geschlagen hatten, rief einer: "Ich bin blessirt", und sogleich warfen sie die Degen ins Graß und besahen die Wunde, welche am rechten Daumen eingefahren und doch nicht tief ware. Der andere war gar nicht blessirt. Sie giengen nun zusammen ins Wirthshaus und tranken von Neuem, als wenn nichts vorgefallen wäre. Ich sahe mit noch einigen dem Spektackel zu.
Am 13ten – Heut gienge die Division des General Le Fevre von Mühlheim zu Kölln auf diese Seythe, um auf dem Hundsrücken zu agiren. Diesen Abend kamen die Pulverwagen, 100 an der Zahl, jeder mit 4 Pferden, dann 240 Füssern nebst noch verschiedenen Offiziers und Conducteurs hier ins Logis. Sie giengen
Am 14ten auf Kölln. – Trocken Wetter mit etwas Reif und Frost.
Am 17ten – Es darf noch keine Frucht ins Bergische gehen. Indessen wird doch viel hinübergeschaft, weil keine Wachen am Rhein sind. – Heut gienge auch noch ein bey 200 Wägen starker Park hiedurch auf Kölln. Diese Bagage der Sambre- und Maasarmee hatte lange Zeit in der Gegend von Norf gelegen. Auch ware das Pulvermagasin dabey, welches zu Hosten in der Kirche war, wo seit mehr als einem Jahr kein Gottesdienst innen gehalten wurde. Dem Jud Jordan von Zons, welcher eben über die Strasse gieng, nahm ein Kanonier den Stock ab. Und als jener sagte, daß er sich beym Ofizier beklagen wollte, bekam er mit seinem eigenen Stock noch einen derben Schlag.
Am 21ten – Alle hier in der Gegend seit lange kantonirte Soldaten müssen zur Armee. Wir hatten seit lange einige Sapeur mit Charetjes hier. Auch diese verzohen heut. Es sind izt nur 12 holländische Reiter für die Correspondenz hier. In Düsseldorff liegen 600 Mann national-holländischer Infanterie. – Bey den Armeen ist alles ruhig. Auf der andern Rheinseite haben die Franzosen noch Düsseldorff bis Mühlheim, den Neuwieder Brückenkopf und Kehl besezt.

[230]

1796
November[219]
Am 24ten – Schon vor 14 Tagen bekamen wir von der Munizipalität zu Zons den Befehl, daß alle Nächte zwey Nachbarn ohne Unterschied alle Häuser des Dorfs visitiren, ob Fremde logirt sind. Und fals sie deren antrefen, welche ohne Pässe und verdächtig sind, so sollen sie solche arrettiren. Und wenn sie sich wiedersetzen würden, so solle die Sturmklock geläutet werden, damit alle Nachbarn sich bewafnet versammeln. Die Verordnung sagt, jene Anstalten wären nothwendig, weil sich in der Gegend zwey sehr starke Bande Spitzbuben aufhielten. – Wir hatten doch die Verordnung pünktlich befolgt, und die Wache geht alle Nacht. Weder Pferdsmann noch jemand anders ist ausgenommen, obschon wir einen Nachtwächter haben. Die Nothwendigkeit derselben hat sich schon diese Nacht gezeigt zu Hackenbroich, wo um 12 Uhr eine Rotte Dieb an der Pastorat einbrachen: Die Mägde waren am Zinn-Schauren und noch in der Küche an arbeiten, als schon die Spitzbuben im Saal über einen Kessel strauchelten. Die Köchin nimmt ein Licht, um nachzusehen, was den Lärm verursacht, und indem sie die Thür öfnet, steht schon der Saal dicht voll Menschen, welche sie gleich zu Boden schlagen. Ein Knecht, der oben schlief, trat vor sein Zimmer, als er, schon von Spitzbuben umrungen, einen harten Schlag an den Kopf mit einem Eisen bekam und die Treppe hinabfiel. Einige wollten ihn binden; einer aber sagte: "Er hat schon genug". Nun wurden die Zimmer durchsucht, und in dieser Zeit machte der verwundete Knecht sich an einem Fenster hinaus und rief im Dorf um Hilf. Sogleich geschah von aussen ein harter Schlag auf ein Fenster und die Diebe entfernten sich alle. Der Pastor schlief oben und ware wachend auf seinem Zimmer mit einer Pistole und zitterte augenblicklich, daß die Diebe auch ihn finden würden. Auf einem andern Zimmer schliefen des Küsters und Jägers Sohn, welche der Pastor, um sein Haus zu bewachen, zu sich genohmen hatten. Sie wurden nicht wachend, und die Spitzbuben, die bey ihnen auf dem Zimmer waren, nahmen ihnen noch ein Gewehr mit. Den Pastor aber haben sie nicht gefunden. Viele hatten sich schwarz gemacht, hatten ein Messer im Mund und eine Pistole in der Hand. Alle hatten blaue Kitteln an. Von Hackenbroich giengen sie zum Blechhofe und foderten Essen. Da dieser Hof aber vest ist und, mit viel Geschütz versehen, sich gut vertheidigen läßt, so giengen sie auch von da, wie zu Hackenbroich, leer ab. Einstimmig, nach Aussag der Mägde, des Pastors und des Blechhalfens, war die Rott bey 50 Mann stark. Die Wunde des Knechten ist tief, doch nicht gefährlich. – Das Wetter ist noch anhaltend regenrich, trocken und zuweilen kleine Nachtfröste. Unten im Feld sind ganz ungewöhnlich die Mäuse sehr zahlreich und fressen ganze Stücke kahl ab. Oben sind sie noch nicht sehr stark. Sonst ware es immer das Gegentheil.

[231]

1796[220]
November[221]
Am 25ten – Vor 14 Tägen ward dem Hemmerden in Nivenheim ein Pferd gestohlen. Zugleich hatten die Diebe auch des Knechten blauen Kittel und Pfeifenrohr mitgenohmen. Nun hatten vor einem Jahr bey gemeltem Hemmerden ein Knecht gewohnt, der mit Streit fortkame und nun in der Nixhütte bey Neus dienet. Ein Nivenheimer Pursche, der jenen Knecht durch ein Ungefehr in Neus trafe, bemerkte und erkannte an ihm das Pfeifenrohr und Kittel. Als er zurück nach Nivenheim kam, berichtete er dies, und vier Männer des Orts suchten den Knecht auf, nahmen ihn besonders, hielten ihm ein Messer auf die Brust, und er bekannte: Andere unbekennte Spizbuben hatten ihm 4 Reichstahler gegeben, wofür er das Pferd aus dem Stalle gehohlt, welches jetzt im Karsch unten Neus stehe. Die Nivenheimer haben das Pferd ohnentgeldlich wiedergehohlt, zeigten den Vorgang bey der Municipalität an, und der Knecht, welcher den Diebstahl begieng, wurde durch 14 Schützen auf Bonn geführt.
Am 26ten – Gestern Abend 8 Uhr, als eine Magd auf dem Sasserhof in der Scheune Stroh hohlte, hörte sie draussen ein Gemürmel von Männerstimmen. Es waren Spitzbuben, welche den Hof überfallen wollten, weilen die Knechte zu Hackenbroich beym Tanz waren auf dem Kathrinenfest. Es wurde aber eiligst eine Magd dahingeschickt, welcher alle Jungen, so beym Spiel waren, folgten und die Spitzbuben verjagten.
Am 27ten – Beym Schefen Steinberger, wo 2 Dragoner von der holländischen Correspondenz ihre Pferde in dem hintersten Stalle zum Garten stehen haben und wobey die Reiter schlafen, versuchten Diebe diese Nacht, die hinterste Thür mit einem Holz aufzulaufen. Da aber die Thür allzu vest war, so gelang ihr Unternehmen nicht. Die 2 Holländer liefen im bloßen Hemde aus dem Stall und retirirten sich ins Haus. – Bey den Armeen ist alles ruhig. Die Nordarmee lagert noch oben Mühlheim und jene von Samber und Maas auf dem Hundsrück. – Das frische Schweinefleisch, das bisher um 12 und 14 Stüber verkauft wurde, bekommt man izt um 7 ad 6 Stüber. Geräuchertes Schinkenfleisch kostete 24 Stüber, und auch dieses schlägt, so wie alles Rindvieh, merklich ab. Kornpreis 7 Reichstahler.
Am 29ten – Gestern Abend um 6 Uhr versuchten es die Spitzbuben beym Joan Hambloch, wo 3 holländische Reiterpferde stehen, die hintere Scheurenthür zu öfnen. Sie hatten schon mit einem Messer ein Loch geschnitten, ein Bord zerbrochen und mit einem Brecheisen den Stein gelöset, worin sich die Angel dreht, aber der Gang ware mit Holz verrammelt, und das Hundebellen lockte die Bewohner herbey, so daß auch hier die Spitzbuben leer abzohen.
Am 30ten – Das Überführen der Früchten auf die andere Rheinseite ist noch verbothen. Weil aber keine starke Aufsicht am Rheine ist, so wird des Abends an die Piwitt geliefert und die Frucht in den Kühestall verborgen. Das ware auch gestern Abend geschehn. Drauf fiengen diese Nacht die Diebe an, in den Piwitten-Kühstall zu brechen, wurden aber wieder verjagt. – Heut kamen von Kölln 36 blessirte Dragoner vor eine Nacht hier ins Logis. – Es fängt an zu frieren.

[232]

1796
December
Am 1ten – Vorgestern kame hier der Befehl, daß 18 Mann nach Düsseldorff auf die Batterien sollten. Sie giengen auch wirklich hin, nahmen aber einen Brief an den Notarius Hager mit, der sie wieder losbrachte. Und so kamen sie gestern alle zurück. – Etwas Frost mit Schnee.
4ten – Der Verwalter Neesen fuhre heute mit hiesigem Vorsteher Thomas Delhoven auf Düsseldorff, um mit dem dasigen Genie-Commendanten über die Batterie- Arbeiten zu unterhandeln. Sie brachten es auch wirklich so weit, daß an Statt der 300 Arbeiter, welche izt der Canton zu stellen hat, in die Zukunft nur 150 gestellet werden sollen. Dafür muß den gemeldten Commendanten für jeden nicht zu stellenden Mann 3 Kronthaler zahlt werden. Die übrige brauchen wir zwar auch nicht zu stellen, wenn wir für jeden Mann pro Tag 20 Stüber zahlen wollen.
Am 8ten – Einige Einsassen hatten mit dem Pfarrer überlegt, daß, weil die Viehseuche in der Gegend in und um Kölln so stark einreist, alle Wochen eine sakramentalische Messe, und zwar dienstags um 8 Uhr, gehalten werde. Das Geld hierzu soll durch eine Kollekte beygetrieben werden. Nun hatte der Pastor noch hinzugesezt, daß heute bey der Frühmeß das Hochwürdige ausgesezt und zur öffentlichen Verehrung bis nach der halbjährigen Versammlungs-Bruderschaft ausgesezt bliebe. Morgens ward keine Predigt gehalten. Diese begann um 2 Uhr, nach selbiger die Bruderschaft und nach dieser das "Te Deum".
Am 9ten – Es ist eine Verordnung erschienen, daß hinfort alle geistliche Güter als Domainen betrachtet, mithin in den öfentlichen Auflagen zur Halbscheid angeschlagen werden sollen. – Im Gohrbusch und in allen geistlichen Holzungen wird sehr viel Holz verkauft, und alle geistliche Pachtungen müssen an die Franzosen geliefert werden.
Am 11ten – Seit einigen Tagen ware der Frost so stark, daß schon am 9ten der Rhein sehr stark mit Eis gienge, welches die stehende Brücken zu Düsseldorff und gleich unten Grimmlinghausen hinwegtriebe. Die Franzosen hatten aus Grimmlinghausen viele Leuthe aufgebothen, welche daß Eiß von den Schifen abwähren sollten, allein, das halfe nichts.
Am 12ten stellte sich Thauwetter ein. Die Mäuse thun im Feld noch vielen Schaden.
Am 13ten – Gestern und heute zohe viel Volks von der französischen Nordarmee jenseits durch Monheim und Baumberg hinab auf Düsseldorff. Das allgemeine Gerücht sagt, daß zwischen den Armeen ein Waffenstillstand geschlossen seye. Wir hätten es hier gerne gesehen, wenn kein Waffenstillstand erfolgt wäre, weil wir dann wieder Truppen in die Winterquartiere bekommen. Heute friert es wieder. – Die Kayserliche belagern seit einiger Zeit das Fort Kehl. Die Franzosen thun zuweilen heftige Ausfälle auf jene.

[232a-g: Gedruckte Serie "Eis und Wassernot am Rhein im Jahre 1784" (Niederrheinischer Geschichts- und Altertumsfreund, Jahrgang 1903)]

[233: Gedruckte Karikatur: "Zum Andenken. Die schwere Zeit im kriegerischen Jahr 1796."]

[234]

1796
December
Am 21ten – Heut fienge es wieder an zu regnen. Sonst würde das Eis im Rhein sich bald gesezt haben. Die Generäle auf der andern Rheinseite haben einstweilen die Übereinkunft getrofen, einander nicht anzugreifen. Demzufolge sind die Franzosen diesseits der Wupper hinabgezohen, doch ist noch eine Compagnie in Mühlheim. Die Kayserlichen sind hingegen jenseit der Sieg in Kantonirung. Förmlicher Waffenstillstand ist es also noch nicht, bis die Ratifikation eingegangen ist. In Italien belagern die Franzosen noch Mantua, und die Kayserlichen stehn in der Gegend von Trient und Verona. Die Kayserliche Armee am Oberrhein, welche des Kaysers Bruder anführt, belagert Kehl und den Brückenkopf zu Hünningen. – Zu Kölln ist der hohe Dohm zum Magazin gemacht. Das Malder Korn gillt 4 Kronthaler, Haaber 26 Schilling, Heu der Centner 50 Stüber.
Am 22ten – Gestern kamen zu den hier liegenden 10 Holländern noch 4, welche die Correspondenz besorgen.
Am 23ten – Die Nacht ware ein Schuh tief Schnee gefallen, und mit dem Abend fienge es wieder an zu frieren. Der hohe Dohm zu Kölln ist zum National-Magazin gemacht. Die Dohmherren halten ihren Gottesdienst im Pesch.
Am 24ten – Zu Knechstein wurde Holz verkauft, unter andern die Alle, welche vom Delver Blech zum Kloster führt. Es wurde parzellenweis an Private zugeschlagen und zulezt noch einmal in massa ausgestellt, wo die Mönche es selbsten kauften. – Frost mit Schnee.
Am 25ten, Kristtag[222] – Gestern Abend fienge der Rhein so stark zu wachsen an, daß heute schon früh Walhoven und Rheinfeld abgeschnitten waren. Von beyden Orten kame niemand zur Kirche, weil die Nachen unbrauchbar waren. Es friert noch anhaltend, doch ist das Obereis fort.
26ten – Die Pfarrer sollen nun ein Verzeichniß einsenden, wie viel sie an Jura-Stola im verflossenen Jahr eingenohmen haben. 14 Tag nachher soll ihr Gehalt richtig ausgezahlt werden. Auch muß izt eine Tabell eingeschickt werden, wie viel Einwohner, Wirthschaft, Handel, Brandweinbrenner, Handwerker ezt. sich in jeder Gemeinheit befinden. Und da eine neue Contribution von 3 Milionen ausgeschrieben ist, so soll jedes Gewerb mit in Anschlag gebracht werden.
Am 27ten – Das Wasser ist so stark weggefallen, daß man heut wieder nach Wallhoven gehen kann. Unser Damm ist noch nicht gemacht. Mithin, wenn das Wasser nur austritt, so geht der Strom durch die Aue.
28. – Man kann noch nicht bestimmen, ob der Waffenstillstand richtig ist. Im Bergischen und auf dem Hundsrück ist alles ruhig, am Oberrhein hingegen belagern die Kayserlichen noch anhaltend das Fort Kehl. Heut stellte sich wieder Thauwetter ein.

[235]

1796
December
Am 30ten – Es sind sehr artige Frühlingstage. Man fährt schon wieder zu Aker. Auf die Lande zwischen Maas und Rhein ist eine Contribution von 3 Milionen gelegt. Das beträgt für Dormagen bey 800 Liver zum Drittel, weil das Ganze in drey Terminen bezahlt werden muß. Da auch noch die Batterie-Gelder rückstehen, so wurde hier auch dafür und in allem für das erste Drittel pro Morgen 18 Stüber heut ausgeschlagen und zahlt. Die Kötter zahlen 20 Stüber. – Am 17ten December starb Katharina die Große, Kayserin in Rußland.

1797

[236]

1797
Januar
Am 1ten – Schon wieder ein Jahr älter und noch immer Krieg wie vor einem Jahr. Die Zukunft ist in undurchdringliche Nebel gehüllt, wo selbst der tiefeste Politiker vergebens grübelt, was im Werden ist. Der Kayser und England sind beynahe die einzigen, die mit den Franken Fehde führen. Preussen, Spanien, Holland und mehrere deutsche Fürsten haben sich vom Kayserbunde getrennt. Dem unerachtet, ist noch sehr wenig Schein zum Frieden. In Italien haben die Franken unter General Bonnaparte die Kayserliche bis auf die Tyroler Gränze zurückgeschlagen. Wurmser, der noch mit einem starken Heer in Mantua eingeschlossen ist, wird belagert, und Prinz Karl, der die Österreichische Rheinarmee kommandirt, belagert noch anhaltend die Verschanzungen zu Kehl und Hünningen. Indessen ist am Niederrhein eine Art von Waffenstillstand. In Mühlheim gegen Kölln sind 12 Kayserliche und 12 Franzosen logirt. – Angenehm Wetter. – Hier sind ausser der holländischen Correspondenz und noch einigen Franzosen keine Truppen logirt, und der am Schluß des vorigen Jahrs ausgetretene Rhein hat an den Früchten nur wenig Schaden gethan.
Am 6ten fienge es wieder ein wenig an zu frieren.
Am 8ten – Die Pächter der Domainen, ehmals geistlichen Güter, haben schon um Martini ein Drittel von ihrem Pfacht an den Domainen-Empfänger Prengruber in Kölln abgeliefert und schickten Suppliken um Nachlaß auf Aachen. Nun ist darauf noch nichts resolvirt, und schon sind 2 Dragoner auf Execution hier, welchen alle Tage 40 Stüber pro Mann bezahlt werden muß. Starker Frost.
Am 15ten zeigte sich Thauwetter. – Seit 3 Tagen ist der Cantonsverwalter mit dem Schultheiß Correns hier auf dem Welferhof. Es muß nun alles aufs neu angegeben werden, wie viel Menschen, Küh, Pferd, Morgenzahl, Häuser, Gärten, Wirthe, Krämer, Becker, kurz: Jedes Gewerb muss angeschlagen und specifirt werden, weil zur Erleichterung des Ackermans auch jedes Gewerb mit bezahlen muß. Die Bürgermeistere von Zons, Delven, Hackenbroich und die Ortschaften umher musten deswegen hieher kommen, um ihre Tabellen zu übergeben. Die Untersuchungen sind sehr genau: Die Zonser wurden schon zweymal mit ihrer Tabelle zurückgewiesen, und die Roggendorfer wollten schon zufrieden seyn, wenn der Verwalter ihre angegebene Morgenzahl noch um 100 Morgen höher anschlüge. Da aber die unrichtige Angabe gar zu augenfällig war, so müssen sie die alte Hebzettuln der Simpeln beybringen.
Am 16ten – Schnee und etwas Frost. Kornpreis 4 Kronthaler.

[237]

1797
Januar[223]
Am 20ten[224] – Die Vieseuche hat auch unsere Heymath ergrifen. Im Schwanen sind schon 5 Kühe todt. Hiesiger Chirurg Eller gab Praeservative dagegen und behandelt die kranken Kühe auf die Art, wie bey Menschen das faule Fieber behandelt wird. Nichtsdestoweniger fallen die Kühe dahin. – Heut Nachmittag 4 ½ Uhr hielt der Pfarrer eine Abendsandacht. Nach der Benediction wurde der Rosenkranz und die Litanie von allen Heiligen gebethen. – Frost. Am 21ten Regen. – Am 9ten Januar ist das Fort Kehl mit Capitulation an die Kayserlichen übergegangen. – Verwichenen Sommer wurden die französische Kühe, welche zur Armee aus Holland kamen, hier des Nachts in die Kuhbenden getrieben und dafür auf jede Kuh 5 Stüber pro Nacht bezahlt. Dieses ist heute ausgetheilt worden, und derjenige, der selbsten eingetrieben, bekömmt auf die Kuh 1 Reichstahler. Da aber mehr Benden als Kühe waren, so wurde ein Theil von den Benden zum Heumachen abgemessen und denjenigen angewiesen, welche nicht Eintrieben konnten. Da die fraglichen Kühe erst im Späth-Sommer kamen, so wurde es folglich nur an diejenige bezahlt, welche eintrieben.
Am 26ten – Gestern kame ein Chef-Demibrigad, welcher uns die General-Ordre brachte, daß 4 Tage nacheinander 4 Bataillone von Düsseldorff lier logiren werden. Da man aber seinen Zech im Weinhaus zum Löwen zahlte, so beorderte er die Halbscheid auf Worringen. Als heut der Quartiermeister hier ankam, so wurden 5 Compagnien auf Worringen, eine auf Horm und 3 in hiesige Gemeinde gelegt. Die Compagnie aber, welche auf Horm gehen sollte, gieng auf Walhof und Rheinfeld. Da diese aber schon von hier aus belegt waren, so ward es daselbst sehr voll, daß noch um so beschwerlicher war, weil die Soldaten weder Fleisch noch Brodt hatten. Auf dem Welfer Hof muste für 23 Mann Fleisch und Milchsup zugericht werden. Hier im Dorf aber betrugen sie sich recht gut.
Am 27ten brachen die hier logirte Truppen auf Kölln auf, und nach dem Mittag rückten wieder so viel wie gestern hier ein. Frühlingswetter.
Am 28ten giengen die Truppen auf Kölln. – Gestern Abend kamen Quartiermeister von Kölln, welche für ein Bataillon Biletter machen sollten. Da sie Ordre für hieher hatten, so gienge Vorsteher Thomas Delhoven mit Joann Steinberger noch in der Nacht auf Zons zur Municipalitaet und brachte Ordre mit, daß das von Kölln kommende Bataillon auf Hackenbroich bis Nivenheim verlegt werden sollte. Mit dieser Ordre gieng diesen Morgen Vorsteher Delhoven auf Worringen, und das Battaillon kame nicht hieher. – Nach dem Mittag kame das dritte Bataillon von unten an. Der Stab mit den Grenadieren giengen auf Zons, 3 Compagnien blieben hier und in Horm,

[238]

1797
Januar
28ten – die übrige kamen nach Worringen. Diesen Abend kamen wieder Quartiermeister von unten auf, welche für ein Bataillon halb hieher und halb nach Worringen Bletter machten, welche aber am
29ten nicht kamen, sondern von Neus auf Mastricht gehen musten. Heut gienge eine von den gestern angekommenen Compagnien auf Niel. Die zwey übrige sollen liegen bleiben. Auch kame wieder Order, daß morgen ein Bataillon von Kölln kommen sollte. Vorsteher Delhoven hohlte wieder Ordre von Zons, daß nur eine Compagnie sammt dem Stab hier logieren soll, welche auch gleich
am 30ten nach dem Mittag eintrafen. Es waren die Grenadiere, welche sich immer etwas höher dünken und nicht so leicht zu befriedigen sind. Sie soffen bis 9 Uhr in die Nacht, und als sie nun ihre Logementer nicht finden konnten, so wurden viele Nachbaren aufgeklopft. – Der reiche Jud Jordan in Zons hat einen Ofiziers-Bedienten bey sich logirt. Der karge Jud wollte dem Domestiken nichts als etwas Kafe geben. Da aber eben in des Jordans Hause vorgestern eine Hochzeit gehalten wurde, so kaufte der Franzos sich 2 Pfund Speck, steckte solches heimlich zu des Juden Rindfleisch in die Suppe. Als die geladenen Gäste zu Tisch sassen und die Köchin das Speck gewahrte, rief sie den Juden hinzu. Dieser nahm das Speck hinaus und schüttete das Rindfleisch mit der Suppe in die Mist. Der Franzos, der mit noch einigen Kameraden den Ausgang abwartete, nahm das Speck und beschmierte Stühl, Tisch, Bänke, kurz: alles, was im Hause vorfindlich war.
Am 31ten giengen die gestern angekommene Soldaten auf Neus, und die hier kantonierende 2 Compagnien haben eine Wache an der Piwitt, damit keine Früchten ins Bergische gehen. Regen[225]. Zu Mühlheim sind noch 12 Kayserliche und Franzosen beysammen.
Februar
Am 1ten – Die Franzosen haben nun auch eine Baracke am Steinbüchel in den ausgetriebenen Damm gemacht. An der Worringer Drenke steht deren auch eine; wahrscheinlich, um das Früchten-Überfahren zu hinderen. Das Malder Korn gillt 7 Reichstahler 30 Stüber.
Am 5ten – Die Franzosen haben seit geraumer Zeit in Italien die Vestung Mantua blockirt. Die Kayserliche rückten um halben January zum fünften mal mit einer Armee auf Mantua loß, und sie waren nicht glücklicher als die vorigenmale. Nach den französischen Berichten sind 25 tausend Mann Kayserliche zu Gefangenen gemacht worden.

[239]

1797
Februar[226]
Am 8ten – Schon am 5ten hatte ein Sergeant von der hier logirten Compagnie Füßer mit einem holländischen Reiter Streit bekommen. Sie wechselten anfangs in Kurzweil mit den Hüten. Und da der Franzos dem Holländer den Seinigen nicht gleich wiedergeben wollte, so gab der Holländer dem Sergeanten einen Schlag auf die Nase, daß das Blut dahin floß. Die übrigen Franzosen sammelten sich und begehrte[n], der Holländer sollte sich mit dem Sergeanten fechten. Der Reiter hatte entsetzlich Bang, weil er im Fechten ungeübt war. Seine Kameraden aber bestanden darauf, daß er auf den Degen gehen sollte. Gestern Abends 6 Uhr giengen 2 Holländer und 2 französische Sergeanten hinter dem Kirchhof in den Kamp. Der Holländer muste einen französischen Degen nehmen, weil der holländische zu lang war. Sie zohen Rock und Weste aus, und im ersten Hieb ware der Holländer schon leicht am Bein blessirt. Nun ware dies geschehen, aber der andere Sergeant foderte den einen Holländer nun auf den Degen. Sie hieben mehrere Minuten lang. Es war Mondlicht. Ich und mehrere sahen zu. Feuerfunken sprüheten aus den Degenklingen. Endlich bekam der Holländer einen Hieb über die Hand. Und nun giengen sie und sofen miteinander bey Schefen Steinberger bis 9 Uhr. Etwas Frost.
Am 12ten – Die Viehseuche reißt hier stark ein. Im Schwanen sind 8 Kühe krepirt, bey Wolter Schüllgen 3 und heute noch 2 des, ein des Chirurg Eller, bey Joann Langel und eine des Joann Görgens. Noch viele sind krank. An Sontag-Nachmittagen, wenn Kristliche Lehre ist, wird vor und nach dem Rosenkranz die Benediction gegeben und die Litanie von allen Heiligen gebethen.
Am 16ten – Der im vorigen Herbst getrofene Contract, dass Mühlhens, Spikenagel und Compagnie alle Dienste für die französische Armee übernommen haben, ist nun aufgehoben, und die Gemeinheiten müssen nun wieder Pferde in die Parken stellen. Gestern verkaufte Spickenagel in Caster 130 jener Pferde, welche alle sehr elendig waren und doch theuer verkauft wurden. – Merzerwitter.
Am 20ten – Die Viehseuche wüthet noch schrecklich. Alle Tage sind 4-5, auch 6 Kühe im Dorf todt. Man brauchet viele Mittel, und keins hilft. Des Abends versammeln sich viele Menschen auf dem Kirchhofe, die an dem Missions-Kreutz bis in die Nacht bethen. Auch gehen Einige die Stationen ums Dorf. – Die Franzosen haben die Kayserliche Armee in Italien fast aufgerieben. Die Vestung Mantua ist seit dem 2ten Februar in französischen Händen, vermittels Capitulation.

[240]

1797
Februar
Am 22ten – Am heutigen Peter-Stuhlfeyertag ward der alten Gewohnheit nach zur Wahl eines neuen Bürgermeisters geschritten. Die Schefen und Vorsteher wählten den Jacob Clemenz, der auch vor 2 Jahren Bürgermeister war. Der Wirth Mathias Schmitz, J. W. Verhagen und noch einige wählten den Heinrich Bochem. Hierüber entstand ein Wortwechsel, der bis an den Abend dauerte, und es ward beschlossen, daß der alte Bürgermeister Theodor Bremer solang die Biletter machen soll, biß eine Entscheidung vom Verwalter hierüber eingegangen ist. – Frost.
Am 23ten – Die Schefen und Vorstehere ließen heut Nachmittag wieder die große Klocke ziehn und schlugen den J. W. Verhagen als Bürgermeister vor, der sich wegen seiner kranken Frau entschuldigte. Die kleine Gemeinde bestand darauf, daß der Bochem bleiben sollte. Hierauf dankten die beyden Vorstehere Thomas Delhoven und Joan Langel ab, und die kleine Gemeinde brachte dem Henrich Bochem den Straus, ohne daß die Schefen es bestättigten. – Kornpreis 6 Reichstahler 3 Schilling.
Am 24ten – Heut versammelten sich die Schefen und Vorsteher, um einen Bericht an den Verwalter zu machen, wie daß sie den Jacob Clemenz nach alter Sitte in gehöriger Form zum Bürgermeiser erwählt und ein Haufe Aufrührer den nicht angesessenen Henrich Bochem angesezt. Sie bitten daher um Bestättigung des ersten und ordneten, daß der Vorsteher Mathias Heck einstweilen die Biletter schreibt, die der Bochem nun seit vorgestern geschrieben hatte. Die kleine Gemeinde wollte diesen Nachmittag die Klocke ziehen lassen. Da sie aber unter sich uneins waren, so unterblieb dieses.
Am 26ten – Heut, als Jacob Steinberger mit einigen Bons auf die Munizipalität zu Zons kam, fand er dort den Verhagen, Mathias Schmitz, Nix, Sandhalfen Dick, Rheinfelder Sohn Peter Josef Dahmen und Schefen Bremer, welche sich im Namen der kleinen Gemeinde ad Protocollum vernehmen ließen und gegen die Bürgermeisterwahl des Jacob Clemenz protestirten. Vorsteher Thomas Delhoven, der schon seit vorgestern zu Bedburg beym Administrator war, schrieb heut, daß in dieser Geschichte die kleine Gemeinde sehr wenig zu sagen hätte.
27ten – Es ritte heut Früh mit dieser Entdeckung der Protestation der Joan Steinberger auf Bedburg. Das Spielhalten und Zapfen jeder Art Getränk abends nach 9 Uhr ist diese Fastnachts-Täge hier verbothen. Die Viehseuche greift so stark um sich, daß nur wenige Ställe davon frey sind, und mehr dan 40 Kühe sind schon todt.

[241]

1797
Merz[227]
Am 1ten – Vom Verwalter ist der Beschluß erfolgt, daß die Schefen, Vorstehere und Meistbeerbte 3 Subjecte zur Bürgermeisterwahl vorschlagen und zugleich denjenigen anmerken, der hiezu am schicklichsten ist. Dies wird dann zur Municipalitaet geschickt, welche aus diesen dreyen einen wählt.
Am 2ten – Die Viehseuche ist dermalen stärker als je. Die Nacht und heute sind deren 14 und in allem 72 gefallen. In Zons, Delven, Hackenbroich und allen niederen Dörfern ist’s noch nicht. Worringen hat schon 82 todte Kühe, Stommeln und der Griesberg sind gleichfals alle angesteckt. Diese Fastnachtstage ward alle Abend um halb 5 eine Andacht zur Abwendung der Viehseuche gehalten.
Am 4ten – Die Municipalitaet verordnete, daß Schefen und Vorsteher diejenigen, so über 20 Morgen beerbt sind, zitiren sollen, um 3 Subjecte auszuwählen, welche zum Bürgermeisteramt fähig sind. Nebst dem sollen aus dem nichtbeerbten Stande 3 Männer, aus der 6-Morgen-Beerbten 3 und aus denjenigen, welche 3 Morgen beerbt sind, 3 zitirt werden, welche gleichfals ihre Stimmen zur Bürgermeisterwahl zu geben haben. Weil aber die kleine Gemeinde vorzüglich gegen den Jacob Clemenz aufgebracht war, so wurde dieser nicht zur Wahl vorgeschlagen, sondern J. W. Verhagen, Joan Hambloch und Mathias Heck; welchen lezteren die Scheffen am dienstlichsten fanden und welcher auch bisher die Biletter schreibt. – Frühlingswetter.
Am 6ten – Die Vieseuche läst noch nicht nach. Es sind deren bis heute 104 gefallen. Rheinfeld, Horm, Jussenhoven und Welfen sind noch frey. – Der Krieg scheint mit aller Thätigkeit in Italien fortgesezt zu werden. Die Kayserliche schicken Verstärkung dahin und schwächen ihre Wacht am Rhein. Die Franzosen hingegen machen Anstalt, durchs Bergische noch einmal hinauf gen Maynz zu gehen.
Am 12ten – Es friert noch alle Nächte, und das schlechte Korn leidet viel. Das Sterben unter dem Viehe ist noch eben stark. Die Krankheit zeiget sich durch ein trübes Aussehen der Augen, Nachlassen mit der Milch und mit dem Fressen, dann fangen sie an zu zittern, laxiren und hohlen auf die Lezt schwer Athem. Die meisten sterben den fünften Tag. Rinder und Ochsen kommen viele durch, tragende Kühe aber fast keine. Man hat alle nur mögliche Mittel versucht, mit Räuchern, Bäder, China, Rhabarbar und Cremor Tartaria, Tränke von Schießpulver, Essig, saure Milch, und hundert andere Sachen, aber kein einziges hat geholfen.

[242]

Merz
Am 14ten[228]
Am 16ten – Die Zahl des gefallenen Rindviehes beträgt sich bis heute hundert sechsunddreißig. Nur noch 7 bis 8 Häuser sind gänzlich davon frey. – Es fängt sich an, unter den Truppen zu bewegen, doch stehn noch die 12 Kayserliche und Franzosen in Mühlheim beysammen – ein Beweis, daß der Waffenstillstand noch besteht. Am Oberrhein ist auch noch alles ruhig, und die Franzosen bleiben in Italien ruhig an der Piave und in Trient stehen, wo sich eine starke Kayserliche Armee unter Prinz Karl, Bruder des Kaysers, zusammenzieht.
Am 17ten – General Hoch, der izt die Sambre- und Maas-Armee kommandirt, erlies eine Verordnung, daß zwischen Maas und Rhein alle französischen Administrationen und Regierungen jeder Art aufgehoben seyn sollen und daß die alte Regierungen wieder in ihre Amtsverrichtungen gesezt werden sollen. Die alte Steuren sollen wie vorhin, nebst einem Drittel mehr als Kriegssteuer, bezahlt werden. Alle Requisitionen sollen ohne Unterschied aufhören. Wo selbe aber unumgänglich nothwendig sind, da sollen die Bons als Zahlung angenohmen werden. Der Centner Heu zu 50 Stüber, der Centner Weitz 10 Liver, Roggen oder Gerst 7 Liver, Fleisch an lebendem Vieh 5 Stüber. – Heut kamen 56 Kanonier zu Pferd hier ins Logis. Es wurden 20 davon nach Horm blettirt. Sie giengen am 18ten auf Kölln.

[243][229]

aber werden erst morgen weggehen, und als die eben Angekommene kaum einlogirt waren, da bekamen sie Ordre, wieder zurück auf Merkenich zu gehen. Und gleich darauf kamen 40 Mann, welche hier cantoniren sollen. Der Commendant gabe dem Bürgermeister den Befehl, abends vor 4 Uhr keinen und nach 6 Uhr keinen ohne seinen Befehl einzuquartiren. – Auch kame heut das erste Anschreiben von Bergheim, daß alle alte Obrigkeiten wieder eingesezt, und daß die Magistraten den Bericht einschicken sollen, welche Stellen nicht mehr besezt sind, damit solche mit neuen Subjecten wieder besezt werden. Da also hier der Schefen Fix abgegangen ist, so wird dessen Stelle auch nun vergeben werden. – Es ist noch immer kalt, und des Nachts friert es für diese Zeit sehr hart. – Der Pfarrer hällt an den Fastensonntagen keine Predigt. An dessen Statt ward freytags Abends zu dem Seegen von 2 Choralen das "O Crux" gesungen, eine kurze Oration gebethen, der Vers "Jesus ruft dir etz." gesungen, und dann gienge die Predigt an, die sich mit dem Miserere schloß.
Am 24ten – Heut begann das 40-stündige Gebeth. Gleich nach dem Mittag kame der Befehl, daß morgen das Hauptquartier des General Championnet hieher kommen soll. Es ward eine Menge Schlachter, Prepose und eine Compagnie Sapeur einlogirt.

[244]

1797
Merz
Am 25ten – Heut ware es wieder sehr unruhig in unserer Gemeinde. Vormittag kamen die Quartiermeister, um Biletter fürs Hauptquartier und noch für ein Bataillon Infanterie zu machen. Von den Leztern wurden 5 Compagnien nach Zons[230] geschickt und 96 Pferde nach Horm. Indessen waren doch hier alle Häuser und Scheuren voll Pferd und Soldaten. Bey Schefen Steinberger logirte ein General, im Schwanen, im Posthaus, an Küppers und auf dem Rheinfelderhof waren gleichfals Generäls logirt. Zu Rheinfeld waren seit dem 22ten Merz 15 Grenadiere vom Commendant zu Zons zu logiren beordert. Diese quäleten die Leuthe entsetzlich. Als aber heut der General auf den Rheinfelder Hof kam, da musten sie sich auf Zons begeben. – Mit dem Abend fiel ein Frühlingsregen.
Am 26ten, Sontag[231] – Weil der Durchzug der Division Championnet das Dorf sehr belästigt, so beschloß der Pastor gestern Abend das vorgestern erst angefangene 40-stündige Gebet. Und weil es nur zwey Tag dauerte, so wird der dritte Tag erst nach Ostern gehalten werden. – Voriges Jahr hatten die Schefen und Vorsteher den Joseph Schmitz von Kölln als Dollmetscher angenommen. Der Bürgermeister Bremer, der sich mit ihm nicht vertragen konnte, bewirkte seinen Abschied. Da aber die starke Passage das Bürgermeisteramt sehr verdieslich machte, so nahm Bremer einen Düsseldorfer Vagabunden namens Jansen als Dollmetscher an. Dieser Mensch, der beständig besofen war, diente dem Dorf mehr zur Last, als daß er irgend etwas hätte helfen können. Er ware 9 Wochen hier, bekam wie der Schmitz wochentlich ein Kronthaler nebst frey Logis. Und weil die Passage noch stark geht, so ward der Schmitz wieder angenohmen, und der Jansen verlies weinend und besofen das Dorf. – Diesen Morgen gienge alles fort, sowohl das Hauptquartier, als auch das gestern gekommene Bataillon. Gleich kamen neue Quartiermeister, welche für ein anderes Bataillon hier und in Zons Billetter machten. Als das Hochamt zu Ende war, da kame die Ordre, daß das kommende Volk noch über den Rhein muste. Es kamen 2 Bataillone vom Sasserhof hinab und eins von Delven, welche im Kirchfeld und in der Nettergasse etwas ausruheten und dann ruhig auf Grimmlinghausen giengen, wo eine stehende Brücke ist, deren auch dieser Tage noch eine zu Düsseldorf an der Stadt aufgeschlagen wurde. – Von der am 22ten dieses hier logirten Comgagnie sind noch 21 Mann hier mit einem Capitein. Sie haben kein Fleisch noch Brodt und ließen dem Bürger kein Ruh, bis sie in den besten Häusern einlogirt waren. In Zons liegen die Grenadiere, wovon 10 ohne Biletter zu Rheinfeld sind, welche den Bürgern viel Unruh und Kosten machen. Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 25 Schilling. Die Vieseuche läst noch nicht nach.

[245]

1797
Aprill
Am 1ten – Die Nächte sind noch immer kalt, mit Frost und Reif begleitet, und das Feld sieht schlecht aus. – Die Franzosen stehn im Bergischen noch an der Wupper, und die 12 Kayserliche sind noch in Mühlheim. Der König von Preußen rüstet sich zum Krieg und hat die Demarcations-Linie aus dem Westpfälischen bis Nürnberg stark besezt. – Die französische Armee in Italien hat die Kayserliche unter Prinz Karl von Neuem geschlagen. Die Franzosen, welche an der Piave standen, sind nun den Fluß Tagliamento passirt, und da sie nun vollends sich den Kayserlichen Erbstaaten nähern, so könnte es leicht Friede werden.
Am 2ten kame etwas von dem langgewünschten Regen. Die Ordonanzen gehn sehr stark. Es muß bald Bewegung unter die Truppen kommen.
Am 4ten – Morgens 8 Uhr kamen Quartiermeistere von Neus herauf, welche für ein Bataillon Billetter hier im Dorf foderten. Für ein anderes Bataillon sollten zu Walhoven und Rheinfeld Biletter gemacht werden. Als man damit beschäftigt war, kame ein Adjutant-Major an, welcher für das Hauptquartier des General Dejardin Biletter machte. Dieser detaschirte von den 2 Bataillons 5 Compagnien auf Horm und 4 auf Worringen. Der General logirte im Schwanen und sein General-Adjutant im Posthaus. Es waren so viele Oficiere und so starke prächtig gekleidete Compagnien, daß ein Einspänner 12 Mann bekam. Sie stehn in holländischem Sold und zahlten richtig, waren strenge in Ordnung und vertrugen sich gut. Der General foderte Wein, ein Schaaf und ein Spaanverkel. Lezteres gab man ihm, und er war zufrieden. Und da zur Fortschafung der Equipage beynah 30 Pferd erfoderlich waren, so schrieb der General eine Requisition nach Nivenheim und Hackenbroich, so daß Dormagen nur 7 Pferd zu stellen hatte. Am Abend kamen Ordre, daß morgen hier im Dorf 600 Chasseur a cheval und zu Walhoven und Rheinfeld ein Bataillon, wie auch zu Horm 168 Kanonier zu Pferd logieren sollten. – Die seit dem 21ten Merz hier logirte Correspondenz-Chasseur vom 23ten Regiment wurden durch 11 andere vom nämlichen Regiment abgelöst. – Nun muste Rath geschaft werden, und der General Degardin schrieb auf Verlangen der Schefen und Vorstehere eine Ordre, daß die 600 Chasseur zu Gohr und die 168 Kanonier zu Pferd in der Abdey Knechsteden logiren sollten. Ein Bataillon Infanterie sollte hier im Dorf, zu Nivenheim, Delven, Hackenbroich und Straberg logiren.

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1797
Aprill
Am 5ten – Morgens 3 Uhr gienge Joann Steinberger auf Neus, zeigte dem dasigen General die Ordre, und es wurden Ordonnanzen an die kommenden Truppen abgeschickt. Die Division marschirte in 2 Kolonnen und hatte Ordre, auf der Landstraße zu bleiben. Deswegen ware die Eintheilung so vielfach für Dormagen gemacht. Um 11 Uhr waren die Quartiermeister von 3 Bataillons hier, und wir gaben Wegweisere mit auf Esch, Worringen etz. Um die nähmliche Zeit kame der General de Brigade im Posthaus an, zugleich trafen auf dem Gussenhover Hof 300 Mann Kavallerie und 200 Artilleristen ein, die die lezte Nacht alle auf dem Birkhof logirt hatten und nun beordert waren, auf dem Gussenhover Hof die Nacht zu bleiben. Sogleich gab der General Befehl, daß sie auf Sinnersdorf gehen musten. – Nun kamen die Bataillons an, welcher eins hier blieb. Zu gleicher Zeit trafen in Horm doch die 168 Kanonier zu Pferd ein. Auch diesen gab der General die Weisung, nach Knechstein zu gehn, wo sie auch bleiben musten, weil die umliegende Ortschaften stark mit Infanterie besezt waren. – Um 12 Uhr kamen Quartiermeistere von 150 Chasseur. Auch diese wurden vom General abgewiesen. Um 2 Uhr kamen 96 Chartje-Pferd, gleichfals mit Ordre, hier zu logiren. Da sie aber zu der Sambre- und Maas-Armee gehörten, so konnten die Generäle Salm und Gouvion nichts darin thun. Um auch also dieser ohne zu werden, so schrieb Vorsteher Thomas Delhoven eine Ordre, daß wir sie nicht logiren könnten. Mit dieser ritten sie auf Üdesheim, wo ebenfals ein Bataillon logirt war. Nach diesen kame noch ein Trupp Karren mit Conducteurs, ebenfalls beordert, hier zu logiren. Und da dies unmöglich war, so begehrten sie vom Bürgermeister eine Ordre, daß sie auf der Route logirt werden müssen. Der Bürgermeister schrieb ohne Benennung seines Namens und Ortes: "weil keine Platz ist von hier auf Üdesheim"[232]. Um 5 Uhr kamen 43 Chartje-Pferd. Die wurden nun auf die Höfe gelegt, weil jeder des Laufens und Plauderns müde war, doch gab man ihnen nichts als Stroh. Man rechnete zusammen, daß 12.100 Mann und 1.100 Pferd Befehl hatten, hier zu logiren. Von diesen wurden doch nur 800 Mann und etwas mehr als 100 Pferd hier und zu Walhoven und Rheinfeld logirt. Wallhoven und Rheinfelderhof bekamen jeder 45 Gemeine. Die gestern angekommene Chasseur wurden heut wieder von 12 andern vom nähmlichen Regiment abgelöst. – Zons hatt die Nacht 2 Bataillons logirt.

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1797
Aprill[233]
Am 6ten blieb es ganz ruhig. Weil das gestern angekommene Volk alle früh auf Kölln zohe, so ware die Stille auf 2 solche rastlose Tage uns gleichfals ungewohnt, aber doch sehr willkommen. Auf den Abend wurden nebst vielen einzelnen Soldaten auch mehrere Chartje nebst einem Transport von 25 Bauern-Karren mit Heu und etlichen Chasseur vom 13ten Regiment logirt.
Am 7ten fienge es zeitig an, unruhig zu werden. Um 9 Uhr kamen Quartiermeister von einem Kanonenpark mit 207 Pferden. Diese wurden vertheilt: 30 nach Knechstein, einige nach Delven, Hackenbroich, Worringen und Stürzelberg. Als aber die Ordre allenthalben hingeschickt waren und hier nur 20 Pferd bleiben sollten, da kame der Befehl, daß sie auf Grevenbroich gehn und nicht einmal hieher kamen. Nach dem Mittag kame ein Bataillon von Neus auf Zons. Als selbiges da eine Stunde bilettirt ware und abgespeiset hatten, da bekamen sie Befehl, halb auf Dormagen und halb auf Rheincassel zu gehn. Von diesen wurden hier um 5 Uhr 5 Compagnien einlogirt. Mit dem Abend wurde ein anderes Bataillon in Zons einlogirt.
Am 8ten musten die gestern hier angekommene 5 Compagnien auf Worringen. Sogleich kamen 4 Compagnien von Zons hieher, weil dort ein anderes Bataillon eingerückt war. Von den am 22ten Merz hier logirten 40 Mann sind seit der Zeit noch 18 auf Hackenbroich und Hakkes verlegt worden. Der Lieutnant-Commandant logirt im Schwanen. Obschon er uns versprach, alle Passanten vom Ort wegzuweisen, so thut er's doch in keinem Fall. Vielmehr sucht er uns auf alle mögliche Art zu belästigen. Nur will er sein Logis (das Posthaus) und den Walhover Hof nicht belegt haben. Der Bürgermeister war schon zweymal deshalben im Prison, und die Post ist wieder frey. Frühlingswetter mit Regen.
Am 9ten, Palmsontag[234] – Heut waren wir ein Bataillon zu gewarten. Es gieng aber nach Zons, wo es die Nacht bleiben muste, obschon es dort ungeheuer voll war. Wir hielten also die Römerfahrt sehr zahlreich und ungestöhrt. Überhaupt hat die Nordarmee nebst schöner Montour und Bezahlung auch vortrefliche Disciplin. Indessen sezt die Ordre, daß heut 9 Mann nach Düsseldorff auf die Batterien müssen, und die starke Durchmärsche, nebst der harten Vieseuche, die izt schon über 200 Stück bloß im Dorfe wegrafte, dem Landmann hart zu. Obschon die Soldaten leicht zufrieden sind, so gebricht es doch an Gemüß, welches einzig herhalten muß, weil Milch, Butter und Käß mangeln. Der Rhein ist sehr klein. Man schreibt aus Basel, daß dort im Rhein ein Fels trocken ward, worauf die Jahrzahl 1692 ausgehauen war.

[248-251: Ausgabe der "Postamts-Zeitung zu Köln", Nr. 44, 1797]

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1797
Aprill
Am 10ten – Heut Mittag kamen 6 Compagnien der Nordarmee von Neus hier ins Quartier, doch wurden selbige so auf Hakenbroich, Delhoven und Worringen vertheilt, daß wir nur eine Compagnie mit dem Chef hier behielten. Um 5 Uhr gienge ein Bataillon sogenannter Schwarzen hiedurch auf Worringen. Sie kommen aus der Vendee und haben dunkel braune Jacken an und sind, weil sie lange auf der See waren, von der Sonne braun gebrennt. – Abends 8 Uhr kame auch das zweite Bataillon von jenen hier mit Ordre zu logiren an. Man überlegte mit dem Quartiermeister, und es wurden gleich Ordres auf die umliegende Orte geschickt, also daß nur eine Compagnie hier blieb. Allein, weil es Nacht zu werden begann und der Wind sehr kalt war, so schluge der Commendant den Gesuch ab, und die Truppen musten alle hier bleiben, ins Posthaus kamen 24 Gemeine. Sie betrugen sich gut und giengen heut, den
11ten auf Kölln. Als sie aber kaum halbweg Worringen waren, da bekamen sie Contre-Ordre und trafen wieder gleich darauf hier ein.
Am 12ten – Morgens 8 Uhr bekamen die hiesige Grenadiere von der Nordarmee auch das Bataillon Schwarzer Ordre, auf Kölln zu marchieren. Es ward Mittag, ehe sie fort waren. Um 4 Uhr kame eine Bataillon, gleichfalls aus der Vendée, welches auf Zons gienge. Um 5 Uhr kame ein anderes von eben denselben, welches hier bleiben sollte. Man überlegte aber mit dem Quartiermeister, daß eine Compagnie auf Knechsteden gienge, eine auf Hackenbroich und Delven, eine auf Theinhoven, eine auf Roggendorf und eine mit dem Stab auf Worringen. Es blieben also nur 184 Mann hier. Sie hatten rothe Uniform.
Am 13ten, am grünen Donnerstag, musten diese wieder auf Kölln. Auch giengen die am 22ten Merz hieher gekommene Füßer fort, samt ihrem in der Runde gelegenen Bataillon, wovon die Grenadiere in Zons und Rheinfeld die Zeit hindurch viel Unfug getrieben. Gleich folgten auch die 2 andere Bataillons auf Düsseldorff. Vormittags kamen 12 Dragoner vom 1ten Regiment, die Chasseur vom 23ten abzulösen. Kaum waren diese einlogirt, als auch 12 Dragoner vom 12ten Regiment gleichfals für die Correspondenz ankamen. Auch diese logirten, biß ein parierender Oficier ihnen Ordre gab, nach Düsseldorff zurückzukehren. Um 3 Uhr kamen 118 Mann von den Vendèer-Truppen von Neus hier ins Logis. Um 4 Uhr kamen Quartiermeistere vom 23ten Regiment, um Biletter für 500 Chasseur zu machen. Man

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1797
Aprill
Am 13ten – brachte es dahin, daß nach Knechstein eine Compagnie und die übrige in die Ründe auf Worringen und Esch verlegt und nur der Stab hier bleiben sollte. Allein, von allem dem ist nichts gekommen. Der Adjutant-Major blieb nur im Posthaus logiren.
Am 14ten, Kahrfreytag[235] – Diesen Morgen ließ mich der Adjutant-Major zu sich ins Posthaus rufen, um ihm auf meinen Landkarten die Orte anzuzeigen, wo ihr Regiment die folgende Nacht schlafen soll. Das ware Efferen, Vochem, Brühl, Fischenich etz. Um 10 Uhr passirte das Regiment hierdurch. Die Chasseur bey der Bagage foderten Pferde zum Vorspann. Es wurden aber doch keine gegeben. Es passirten noch einzelne Trüppcher Soldaten. Sonst bliebe es ruhig. – Am Mittwoch hatten wir keine Prozession. Als es aber heut so schönes Wetter und ruhig war, so giengen wir doch um halb 5 die Römerfahrt. Eben waren wir wieder unten ins Dorf zurück kommen, da ritten die 16 Dragoner vom 16ten Regiment herein, welche die Correspondenz schon wieder ablösen.
Am 15ten – Vorgestern sind die 12 Kayserliche und Franzosen, welche zu Mühlheim zur Sicherheit des Waffenstillstandes beysammen waren, auseinander gegangen. Seitdem gehn alle Dragoner zu Düsseldorf ins Bergische herüber, welche in der Gegend von Crefeld, Venlo, Geldren bis Gülich hinauf kantonirten. Diesen Abend wurden hier 84 Sapeur einlogirt.
Am 16ten, Ostertag[236] – Auch heute ward eine Compagnie Sapeur halb hier und halb in Worringen logirt. Sonst blieb es ruhig.
Am 17ten – Das am 26ten Merz abgebrochene 40-stündige Gebeth wurde heut gehalten und die Emaus-Prozession bis am Sontag verschoben.
Am 20ten – Die Division Championet gieng mit einer Division Dragoner über Mühlheim durchs Bergische über die Sieg. Am 18ten sezten 20 Regimenter französische Kavallerie bey Neuwied über die dasige Brücke ins Bergische. Die Kayserlichen hatten gegen den Neuwieder Brückenkopf drey starke Schanzen. Diese wurden nun von den Franzosen erstürmt, wobey zweytausend Kayserliche zu Gefangenen gemacht und 15 Kanonen erobert wurden. – Der französische General Bonnapart macht noch anhaltende Fortschritte in den Kayserlichen Erblanden. Sein Hauptquartier ist in Klagenfurth, und in Wien ist man am Einpacken. Man macht sich Hofnung zu einem baldigen Frieden. Kornpreis 6 Reichstahler 15 Stüber.
Am 23ten – Die Sambre-, Maas- und Nord-Armee zieht schon auf Frankfurth. Indessen ist es hier sehr ruhig. Vom 16ten Dragoner-Regiment sind 12 Ordonanzen hier, welche sich gut halten. Nur schade, daß sie keine Fourage im Magazin bekommen. – Schön Wetter.

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1797
Aprill
Am 26ten, Mitwoch – Des Mittags sprache man zuerst vom Frieden. Um 5 Uhr ware schon ein gedrucktes Blatt der französischen Köllnischen Zeitung hier, welches einen Brief von Neuwied enthielt, worin es heißt, die Generalin Grenier habe einen Kourier erhalten, daß die Friedenspräliminarien unterzeichnet sind. General Bonnaparte hat mit Prinz Karl einen Waffenstillstand getrofen auf sechs Täge. Die Franzosen besetzen Triest, Grätz, Bruck die Murr, Leoben, Rastad, S. Michel bis Lienz.
Am 27ten versicherten Reisende, daß die Armeen am Rheine Waffenstillstand haben.
Am 28ten – Morgens früh kame ein Herr von Neus directe aus Frankfurth, wo am 22ten dieses ein französischer Kourier von Leoben, aus dem Hauptquartier des General Bonnaparte, blasend einritt. Er hatte Briefe an den Kayserlichen General Wernek und an den französischen General Hoche. So wie er in Frankfurth kame, rief er: "Es ist Friede, Friede!" Während daß man in der Stadt voller Jubel war, retirirten die Kayserlichen schon zu den Thoren hinein, und man sahe dicht vor der Stadt die Franzosen noch mit jenen lebhaft scharmützeln. Sogleich ritt der Kayserliche Stadtkommendant mit dem Kourier ins französische Lager, und die Soldaten umarmten sich wechselseitig. Der Herr Camper von Neus, der selbst Augenzeuge war, hatte zugleich das diese frohe Nachricht verkündigende Frankfurter Extrazeitungsblatt bey sich, welches ich laß und mit seiner Aussage vollkommen übereinstimmend fande. Die Kayserliche Post brachte auch diesen Abend schon die morgige Samstags-Zeitung, welche auch von verschiedenen Orten die glückliche Nachricht bestättigte.
Am 30ten – Es ist nun ausser allem Zweifel, daß der liebe Frieden geschlossen ist. Alle Nachrichten bestättigen diese frohe Botschaft, und man erfährt, daß schon ganze Schaaren Franzosen nach Hause gehn. Es ist gut für uns, daß zu Neuwied eine stehende Brücke ist, und daß die Armee schon bis Frankfurth vorgerückt war. Hier ist's izt ruhig, und wenig Soldaten passiren. Stehende Einquartirung ist dermalen: 10 Dragoner für die Correspondenz vom 16ten Regiment, einige Sapeur für die Briefe des Ingenie-Corps zu tragen und 4 Holländer, um die Zeitung von Kölln an den holländischen General Daendels zu reiten. Diese sind seit einigen Tagen wieder hier. – Gestern fiel noch eine Kuhe, sonst hat sich die Vieseuche gänzlich gestillt. Im Pflug und noch in einigen Häusern ist sie nit gewesen. Bey 180 Stück sind gefallen und viele Leuthe kaufen schon ungebesserte Kühe an.

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1797
Mey
Am 1ten – Hier wird wieder in den Mey geläutet, und da diese alte Frühlingsfeyer allgemein gefällt, so entschlossen sich die Bewohner von Zons und Worringen gleichfals dazu. Lezteren widersezte sich zwar der Pfarrer, allein, man läutet noch anhaltend fort.
Am 2ten – Die Zonser hingegen fragten beym Pfarrer um Erlaubniß, der aber anstatt dem Meyläuten eine Abendsandacht den ganzen Monath hindurch hallten wollte. Dies geschahe gestern, und während der Abendsandacht ward geläutet. Die Bürger aber wollten läuthen ohne die Andacht. Der Pastor ließ die Klockenseil auf den Thurm ziehen. Die Bürger erbrachen die Thurmthür und läuteten doch.
Am 5ten – Indessen ist nun dieses vom Schultheis verbothen worden.
Am 7ten – Heut hielten wir unsere Gottestracht. Als wir von Horm weggiengen, fienge es zu regnen an, der zwar nicht stark, aber doch anhielte bis Abend. Die zwey neue Wirthe Adolf Schmitz und Wolter Schüllgen hielten heut Musikanten. Die Schefen Steinberger und Sturm ließen ihnen dieses verbiethen. Demungeachtet spielten sie fort. Vielleicht haben die Scheffen Schmitz und Bremer die Erlaubniß ertheilt, weil diese beyde eine Gegenparthie seit der lezten Bürgermeisterwahl gestiftet. Unter dem Vorwand, daß der Posthalter auf sein Ackerland Soldaten halten soll, erwählten sie 3 Deputirte: den Schefen Bremer, den Rheinfelder Sohn Peter Joseph Dahmen und den J. Wilhelm Verhagen. Der Beschluß, den sie auswirkten, war dieser: Der Posthalter ist dann erst verpflichtet, Einquartirung zu halten, wenn 300 Mann im Dorfe logirt sind, und dann sollen ihm doch nur Ofiziere dahingelegt werden. Er muß alle Grundlasten abtragen. Nur von Heu und Haber ist er frey.
Am 8ten – Die Schefen hatten an die geistliche Obrigkeit zu Kölln supplizirt, bey dem heutigen Hagelfeyer das Venerabel umzutragen und die Dienstags-Messe zur Abwendung der Viehseuche noch ferner zu halten. Lezteres ward bewilligt und Ersteres abgeschlagen. Nun regnete es diesen Morgen, und der Hagelfeyer ward bis Sontag verschoben. Um 5 Uhr ware die erste und um halber 8 die hohe Meß. – Es sind gestern noch 4 Dragoner von hier abberufen worden. Folglich bleiben izt nur 8 hier. Die haben aber keine Fourage, sondern nur Brodt. Übrigens geht die Passage dermalen nicht stark. – Im Bergischen ist neuerdings eine sehr starke Contribution ausgeschrieben worden. Diese wird nun eiligst mit Force eingetrieben.

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1797
Am 13ten – Heut wurden die Kühe in die Benden getrieben, und die Rechnung, anstatt auf dem Berge an der Drenke, in der Behausung des Scheffen Steinbergers gehalten. Wegen der Viehseuche wurden nur 60 Kühe eingetrieben und 71 Morgen zu Heu gemacht. Das Graß muß aber vor Joannis schon gemähet seyn. Deswegen bekömmt jeder, der nicht betreibt, den vollen Morgen dargemessen, doch sollen sie allein das Mesgeld zahlen. Weil der Welferhalfen aber die Krankheit noch nicht auf dem Hof hatte, so stund er an, man möchte ihm anweisen, wo er mit seinem Vieh allein in den Benden hüten sollte. Dieses wurde abgeschlagen.
Am 14ten, Sontag[237] – Heut hielten wir unseren Hagelfeyer mit Umtragung des Hochwürdigsten. – Es ist eine Contribution auf die Lande zwischen Maas und Rhein ausgeschlagen, gemäß welcher die Summe von 3 Milionen zahlt werden muß. Da nun die geistliche Güter als Domainen angenommen sind, so zahlen diese nur vom 4ten Morgen Gewinnsteuer, und die Haupt-Last fällt auf die Eygenthümer. Für Dormagen beträgt diese Contribution etwas über 1.000 Liver. Da wir aber sehr viele Bons haben und diese als Zahlung angenommen werden sollen, so gieng am 17ten dieses der Sohn des Schefen Steinberger auf Düsseldorff, um die Bons visiren zu laßen. So wie er bey den Kriegs-Commissair kam, vernahme er, daß morgen 300 Canonier hier übernachten sollten. Steinberger stellte dem Commissair vor, daß wir hier wegen der Correspondenz gegen Worringen so fort belastet wären, und der Commissair schrieb für die Canonier eine Ordre auf Worringen und gab zugleich eine Authorisation an unsern Bürgermeister, alle Passanten abzuweisen.
Am 19ten – Dem Welferhalfen ist ein Stück von den Benden köllenwarts abgemessen worden, welches er alleine betreibt, doch muß er den Kühhirt zahlen.
Am 20ten – So heiß erinnert man sich nicht, daß es je im Mey war, und die Früchten stehn ausserordentlich prächtig im Feld.
Am 23ten – Die Vieseuche stellt sich wieder ein. Und heute ist schon dem Wolter Schüllgen eine neu angekaufte Kuh verreckt. Die Zahl der Todten beläuft sich dermalen über 250, blos hier im Dorf. In Delven sind nur einige gefallen. Dermahlen ist's dorten wie rund umher still. Nur in Neuss grassirt die Krankheit noch stark, so daß täglich 15 bis 18 Stück dahinfallen.
Am 25ten, als am Kristihimmelfahrtstage, ware es sehr heiß und die Prozession zahlreich. Das Korn steht in voller Blüthe. Das schöne Wetter ist dazu sehr einträglich. Hingegen verlangen die kleine Bohnen, das Graß und die Gartengemüse sehr auf Regen. – Das Malder Korn gillt ungefehr 6 Reichstahler 30 Stüber, das Malder Haber 25 Schilling, 1.000 Pfund Heu 14 Reichstahler, 100 Bauschen Stroh 8 Kronthaler, das Pfund Butter 12 Stüber und eine Mittelkuhe 50 Reichstahler.

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1797
Mey
Am 27ten hörten wir, daß die Nordarmee hierdurch ziehen soll. Vorsteher Delhoven ritte deswegen auf Kölln, um mit dem General zu sprechen, daß die 5 halbe Brigaden, welche 5 Täg nacheinander kommen und alle Ordre, in Dormagen zu logiren, haben, auseinander verlegt werden. Er brachte am 28ten die schriftliche Weisung mit, daß die Chefs sich hierüber mit dem Orts-Vorstand benehmen sollen. Es ward daher beschlossen, daß ein Bataillon von der 66ten 6 ½-Brigade auf Worringen, eins auf Nivenheim und eins in Dormagen, Hakenbroich, Delven, Zons etz. logiren soll. Der Etat-Major und die Grenadier-Compagnie blieben nur hier.
Am 29ten – Morgens 10 Uhr kamen die Truppen an, doch hatten wir Ordonanzen oben Worringen auf die Landstraße gestellt, um ein Bataillon auf Nivenheim über die Heerstraße gehn zu lassen. Am Abend kame auch schon ein Adjutant-Major mit einem Quartiermeister von der 22ten Halbbrigade hier an, welche absolut hier ein ganzes Bataillon logiren wollten. Man brachte es aber dahin, daß nur 2 Compagnien hier blieben.
Am 30ten – Morgens 4 Uhr giengen die gestern angekommene Truppen auf Neus. Um 7 Uhr folgte das 23te Chasseur-Regiment, und um 9 waren die neue Truppen schon logirt.
Am 31ten – Als um 9 Uhr morgens die 45te ½-Brigade angekommen war, da trafen auch gleich die Quartiermeistern von derjenigen, welche morgen kommen sollen, hier an. Die Nivenheimer beklagten sich, daß sie mit Straberg und Dielrath ein ganzes Bataillon logiren müssen, und wollten gerne Rosellen mit belegen. Der Quartiermeister schluge solches ab und sezte Knechstein hinzu. – Noch will es nicht ernstlich regnen. Die Erbsen und kleine Bohnen verderben gänzlich. Indessen sieht die Korn-Erndte sich vortreflich an. Man verkauft das Malder zu 5 Reichstahler.
Junius[238]
Am 1ten – Morgens 8 Uhr ware schon wieder eine neue Halbbrigade hier. Man verlegte sie also, daß nur eine Compagnie mit dem Etat-Major hier blieb. Sie zohen des Nachts 2 Uhr am 2ten Junius[239] auf Neus, und es kamen des Tags keine neue.
Am 3ten, Pfingstabend[240] – Morgens 7 Uhr kamen Quartiermeister von der 1ten Halbbrigade Infanterie Leger mit der Ordre, dem folgenden Bataillon 772 Rationen Brandwein zu geben. Man brachte einige und 40 Maas Brandwein in die Kühbenden, und um 8 Uhr kamen die Truppen und lagerten sich dort. Auch brachte man 12 Maas Bier für die Offiziers dorthin. Und als sie das genossen hatten, da zohen sie auf Neus. – Mittags wurden noch 7 Husaren mit 23 Grenadieren einlogirt.

[258]

1797
Junius
Am 4ten, Pfingstag[241] – Diesen Morgen 7 Uhr kamen schon die Quartiermacher vom 2ten Bataillon Chasseur-a-pie und wollten absolut 4 Compagnien hier logiren. Man brachte aber eine nach Nivenheim und eine nach Horm. Das hohe Amt wurde zum Theil gelesen, und nach dessen Endigung kamen die Truppen an. Nach dem Mittag kamen auch noch viele Bagage-Wägen mit Soldaten. Der hiesige Commendant schrieb eine Ordre nach Straberg und Knechstein. Abends 9 Uhr kamen noch 45 Pferd mit Wägen und 27 Mann mit 3 Offizieren. Diese 27 Man wurden in die ärmsten Häuser und die Ofizier bey Wilhelm Dedi, Johann Haas und Adam Ludwig logirt, wo sie kaum Stroh für ein Lager fanden.
Am 5ten – Um 11 Uhr kame wieder ein Bataillon an. Es kamen 2 Compagnien nach Nivenheim, 2 nach Zons, 3 nach Worringen und 2 hier und in Horm. – Abends 6 Uhr kame der Quartiermeister vom 5ten Chasseur-Regiment, um selbiges hier zu logiren. Es wurden Briefe abgeschickt, um auf den benachbarten Orten Biletter zu machen. Es kömmt 1 Compagnie nach Zons, das Hospital nach Stürzelberg, 1 Compagnie nach Nivenheim, 1 nach Rosellen, 1 nach Straberg et Knechstein, und 1 bleibt mit dem Stab allhier. Nach Zons wurde gleichfals berichtet, daß Horm von hier aus belegt würde.
Am 6ten – Morgens 10 Uhr kame das Regiment an. Es wurden noch von der hiesigen Compagnie 30 Chasseur auf Delven verlegt. So bekame Horm diesmal nichts. Die Soldaten betrugen sich sehr gut, so wie überhaupt die ganze Nordarmee.
Am 7ten – Morgens 6 Uhr giengen die Chasseur auf Neus. Sie brauchten 8 Pferde zur Fortbringung ihrer Equipage. Deren wurden vier von der Abdey Knechstein und vier vom Dorf Straberg requirirt. Um 10 Uhr kame der Quartiermeister vom 5ten Husaren-Regiment und lies zwey Fouriere hier mit der Ordre, für 180 Mann und Pferd Biletter zu machen. Der Quartiermeister gienge auf Zons, und die Fouriere konnten nichts weiter thun. Man schrieb eine deutsche Ordre auf Nivenheim, daß sie für eine Compagnie Biletter machen sollten, und der Secretair des Bürgermeisters ritte den Truppen entgegen, um mit den Oficieren eine Compagnie zu detaschiren. Indessen kame der Adjutand an, und um 12 Uhr zohe 1 Compagnie auf Nivenheim und eine blieb hier.
Am 8ten – Morgens 8 Uhr verzohen die deutsche Husaren auf Neus, und die gestern Abend angekommene Quartiermacher von einem Bataillon der Nordarmee, welches von Düsseldorf nach Kölln als Be-

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1797
Juny
Am 8ten – Besatzung geht, liessen sich bereden, daß die Compagnie auf Nivenheim, Straberg, Hackenbroich, Zons, Worringen und nur der Etat-Major hieher verlegt wurden. Deswegen schickten wir schon früh Wegweiser ins Stüttchen, um die Fourier und Truppen zu avertiren.
Am 9ten – Diese Nacht um 12 Uhr kame ein Ofizier von Köln mit der Ordre, daß das hier und in der Gegend logirte Bataillon wieder zurück auf Düsseldorff gehen soll. Deswegen brachen sie erst diesen Morgen 7 Uhr auf. Es sind noch 6 Dragoner vom 16ten Regiment hier für die Ordonanzen zu reiten. Sie haben schon seit dem Karfreitag keine Fourage, welche ihnen stets von der Gemeinde gegeben wurde.
Am 14ten – Diese Tage regnete es anhaltend, und weil der Rhein stark anschwoll und bey der Lage des zerbrochenen Dammes unser ganzes ünterste Feld dem Verderben ausgesezt war, so wurde heut mit 3 Karren und der halben Mannschaft des Dorfs der Sommerdamm am Platthalse ausgebessert. Vor ein paar Tagen wurde noch eine von Düsseldorf nach Bitsch gehende Compagnie Kanonier hier logirt, sonst ist's von Soldaten leer. Auch die 4 Holländer, welche hier auf der Correspondenz waren, sind fort. Nur noch 6 Dragoner mit einem Wachtmeister vom 16ten Regiment bleiben hier.
Am 15ten, als am Fronleichnamstage, ward die Prozession sehr feyerlich gehalten. Der Welferhalfen hatte vor 12 Jahren sein Kreutz, das sonst im Garten-Eck stand, unter die Bilsen zum Hof gesezt. Die Franzosen warfen es, wie alle Kreutzer, um, und nun steht es wieder auf der alten Platz. Bey der Benediction wurde daselbst mit kleinem Gewehr gefeuert. Das Wetter blieb schön. Am 16ten aber regnete es wieder anhaltend.
Am 17ten kame ein Bataillon der Sambre- und Meus-Armee von Kölln, wovon der Stab zu Neus, die Compagnie auf Nivenheim, Erprath, Zons etz. und hieher 25 Mann in Cantonirung kamen. Schön Wetter.
Am 20ten – Die hiesige 7 Dragoner hatten Verstärkung begehrt, weil ihre Pferde auf der Correspondenz zu viel leiden. Deswegen kamen gestern Abend noch 7 Husaren vom 10ten Regiment, die sehr frech waren. Nun sollten auch noch 80 Mann von Worringen hieher verlegt werden, wovon der Fourier schon hier ware. Da kame eben, wie gerufen, der General Watrin hiedurch. Unser Secretair gieng zu ihm; und gleich musten die Husaren fort, und die 80 Mann sollen einstweilen in Worringen bleiben. Das Malder Korn gillt 5 Reichstahler. – Die Vieseuche läst noch nicht nach. Die Ställe, welche bisher verschont blieben, kommen nun daran, und die neu angekaufte Kühe fallen gleichfals dahin. Der Henrich Coenen, dem jüngst alles krepirt war, verlohr in 8 Tagen zwey Kühe und ein Rind.

[260]

1797
Juny
Am 21ten – Heut Morgen kamen 134 Sapeur mit Ordre, hier zu logiren. Der hiesige Commendant schickte solche auf Nivenheim. Um den Mittag kamen auch 75 Husaren vom 10ten Regiment, und auch diese musten fort. Am Abend kamen 7 Husaren vom nähmlichen Regiment zur Verstärkung der Correspondenz, welche umbilettirt wurden.
Am 25ten – Heut, als am lezten Sonntag der Nivenheimer Andacht, führte der Pastor die Prozession von hier nach Nivenheim. Gestern ward eine Collect gehalten, welche bis 8 Reichstahler betrug und zu einer Kerze geschenkt wurde. Um 5 Uhr war die erste Meß, um 6 giengen wir aus, und die Prozeßion mochte wohl 500 Seelen stark seyn. Wir blieben da, bis das Hochamt geendigt war, und kamen um halb zwey wieder hier an, doch waren ungefehr 100 Pilgerinnen bey der Rückkehr weniger. Eine Zeither hat es anhaltend geregnet, so daß wir mit dem heut sich einstellenden guten Wetter sehr zufrieden sind.
Am 27ten musten die seit dem 14. Aprill, zulezt auf 7 verminderte Dragoner vom 16ten Regiment, hier für die Correspondenz gewesene Dragoner, auf Düsseldorf. Zu den 7 Husaren kamen am 30ten noch 4 vom 10ten Regiment, welche sich aller Orten sehr übel aufführen. Hier aber werden sie von dem bey Hermann Hambloch logirten Commendanten in Zucht gehalten. – Regen.
Julius
Am 1ten – Abends 8 bekamen die hiesige Correspondenz-Husaren Befehl, sogleich auf Neus aufzubrechen. Sie giengen nachts um 11 Uhr fort, und wir haben heut, den 2ten[242], keine Kavallerie für die Correspondenz hier. Heut hatten wir mehrere Donnerwetter mit Regen. 100 Pfund Heu 1 Reichstahler.
Am 5ten – Heut wurde hier eine Compagnie Sapeur logirt, welche von Düsseldorf kamen. Die Correspondenz ist aufgehoben. Jeder Bewohner ist sehr erfreut darüber. Wir haben izt nur 33 Mann mit einem sehr braven Commendanten hier. Da wir 23 Centner Korn nach Düsseldorf ins Magazin liefern müssen, so ist zu dessen Bestreitung wie auch für Visirung der Bons pro Morgen frey und unfreie und verdorbene Länderey 3 Stüber ausgeschlagen worden. – Allem Anscheine nach geht der Krieg zu Ende, und wir kommen wieder unter unsern alten Fürsten. Das Regenwetter hällt noch an. In den Kühbenden wird der Morgen fertig Heu zu 8 Reichstahler verkauft. – Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.
Am 8ten – Am 17ten Juny, als die izt bis auf 39 Mann vermehrte Infanteristen hiehin kamen, hatte der Commendant von Zons 17 Mann nach Rheinfeld gelegt. Nun gienge der Rheinfelder Sohn Peter Joseph Dahmen zu dem Commendanten nach Zons und erwirkte eine Ordre, daß der hiesige Bürgermeister von den Passanten keine nach Rheinfeld bilettiren darf. Johann Steinberger gienge heut auf Zons und brachte Gegenbefehl. Demzufolge müssen die Rheinfelder vor wie nach ihre Lasten tragen.

[261]

1797
Julius
Am 10ten kame ein Bataillon Kanonier von Düsseldorff, um hier zu logiren. Der hiesige Commendant detachirte die Compagnien auf Nivenheim, Delven und Hackenbroich, so daß nur 42 Mann mit dem Stab hier blieben. Die 3 doppeltspännige Karren, welche zum Transportieren der Bagage erfodert wurden, musten auf oben benennte Ortschaften stellen. Das Hauptquartier der Sambre- und Maas-Armee ist izt in Bonn, doch stehn noch einige französische Divisionen zu Giessen, Friedberg, Wetzlar und längs der Demarcations-Linie bis über Elberfeld auf Düisburg. Man spricht izt stark davon, daß die Armee über die Maas ziehen soll. Das Wetter ist prächtig, und man mähet Korn.
Am 13ten – Ganz wieder Vermuthen kamen heut 5 Dragoner vom 16ten Regiment wieder hieher auf die Correspondenz. – Vorgestern Abend kame die ganze Division Lemoine von Bonn auf Kölln. Sie giengen heut in einer Kolonne auf Aachen.
Am 14ten – Es ist entsetzlich heis, welches dem Haaber sehr gut thut, deren man ein schöner im Felde sah. Hingegen taugt der Buchweitz nichts. Heut kamen 225 Kanonier von Kölln hieher, um morgen als Garnison nach Düsseldorff zu gehen. Sie blieben alle hier und in Horm.
Am 16ten, Sontag[243] – Heut morgens 2 Uhr musten die seit dem 17ten Juny hier logirten Infanteristen aufbrechen, um in der Gegend von Crefeld zu kantoniren, weil sich dortherum eine sehr zahlreiche Bande Spitzbuben aufhällt. Vorgestern Nacht musten auch die hiesige, Worringer, Zonser und Nivenheimer Truppen des Nachts ohne ihre Säcke ausrücken. Sie versammelten sich am Stüttchens Busch, umsezten selbigen, und einige musten das Gehölz durchstreifen. Sie fanden aber keine Spitzbuben darin. – Diesen Nachmittag 3 Uhr, nach abgehaltener Bauerbank, giengen die Dorfjungen und Männer in die Aue, um auf dem Stück des Schefen Sturm am Rheinfelder Schuhlpättchen in die Brach zu kegeln. Es wurden zuvor die Männer und Jungen aufgeschrieben, welche beytragen wollten. Das betruge 6 Reichstahler für eine Ahme 6-Stübers-Bier, und jeder muste 10 Stüber zahlen. Nun maße der Schreiner 100 Fuß ab, und die Klötze wogen 1 ½ Pfund. Von den Männern kegelte der Joann Cremer neben dem Pflug und der Heinrich Bilk, Schuster. Von den Jungen aber warfen Conrad Sand und Caspar Esser von Rheinfeld. Das erste Spiel gewannen die Männer, die zwey lezten aber die Jungen, welche unter lautem Jubel und mit klingendem Spiel beym Mathias Schmitz im Sternen ein[kehrten]. Und als die Gelder, welche die Männer zahlen musten und die so die Jungen beygelegt hatten, verzehrt waren, da legten sie noch auf den Kopf 4 Stüber um, wofür noch eine Ahm Bier aufgezogen wurde. Und der Tanz und Lerm dauerte bis tief in die Nacht. Zwar hatten die Männer von Neuem einen Kegel an Steinbergers aufgehenkt, aber die Jungen wollten nicht ehender bis um Michaeli zum zweitenmale kegeln.
Am 17ten – Das Kornhauen ist izt recht im Gange. Man verkauft noch das Malder alt Korn zu 5 Reichstahler 30 Stüber.

[262]

1797
July
Am 24ten – Verflossene Nacht haben, wahrscheinlich Bösewichter, dem Schefen Steinberger einen Heubarm von 30 tausend Pfund in den untersten Kempen in Brand gesteckt. Da man schon um Mitternacht die Flamme lodern sahe, so war um 6 Uhr diesen Morgen schon alles verbrennt. Man kann zwar nicht sagen, wer der Thäter ist, allein, ich vermuthe, daß es von der Rebellionsparthie hier im Dorf geschehen ist, welche den Joseph Küpper zum Schefen ernennt wissen wollen, da hingegen den Scheffen Steinberger und Sturm sich für den Thomas Delhoven verwenden.
Am 16ten wurden des Mittags 42 Pferde mit Wägen zum Erfrischen logirt. Sie kamen von Düsseldorff und hohlen zu Gleuel im Busch schwere Eichen.
Am 17ten – Man ist frischauf am Einscheuren, doch steht noch eine Menge Korn auf dem Halme. Der einzige Welferhalfen hat dessen noch über 125 Morgen stehen.
Am 30ten, sontags – Nachmittags 2 Uhr ward vom Amtsverwalter die Gemeinderechnung im Schwanen gehalten. Zuerst ward die des Scheffen Steinberger vorgenohmen, der Peter Pannes, J. W. Verhagen und Joseph Küpper etz. waren die Wiedersprecher. Sie hielten sich vorzüglich dabey auf, daß alles zu einseitig ohne die Meistbeerbte geschehen wäre, auch daß man den Vorsteher Delhoven erwählt, der doch nicht von der Gemeinde geliebt seye. So viel auch für die Gemeinde geschehen ist, so ward das doch alle in Abred gestellt, bloß um die Scheffen Steinberger, Sturm und Vorsteher Delhoven des Eigennutzes zu beschuldigen, damit Lezterer nicht Scheffen werde. – Auch wurden diesen Morgen 29 Mann zu Fuß einlogirt, für ein Nacht.
Am 31ten kame 1 Compagnie Dragoner vom 16ten Regiment. Man schickte sie halb auf Worringen, und die übrigen verzohn am 1ten August[244] mit den 5, welche hier auf der Correspondenz waren, so daß wir bis heut, am 3ten[245], keine Ordonanzen, sondern nur 3 Sapeur hier haben. – Das Malder neue Korn wird zu 5 Reichstahler 15 Stüber verkauft. Es ist izt eine große Trockenheit.
Am 7ten – Es scheint, als wenn von Neuem Hinderniße dem Friedensgeschäft mit dem Kayser und den Franzosen aufgestoßen wären, denn es gehn wieder viele Truppen nach dem Rhein.
Am 8ten kamen 5 schwere Reiter hieher auf die Correspondenz.
Am 10ten – Gestern Abend ist in Kölln ein Kourier mit der frölichen Nachricht angekommen, daß der Endfriede mit dem Kayser zu Udine in Italien unterzeichnet worden ist. Die ganze Nacht giengen Kouriere und Stafetten hiedurch, und heute wurden zu den Köllnischen Zeitungen Extrablätter gedruckt. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.
Am 12ten musten wir auf die 12 Milionen Contribution pro Morgen Unverdorben 12 Stüber und pro Morgen im Rheinfeld 6 Stüber zahlen. – Bisher ware es immer sehr trocken. Heut stellte sich Regen ein.
Am 14ten – Heut wurde vom Ofizial das Testament des seehligen Pastoren untersucht. Der neue Pfarrer bekömt für den vernachlässigten Bau 115 Kronthaler.

[263]

1797
August
Am 15ten passirte ein Bataillon hiedurch auf Neus.
Am 19ten auf den 20ten – Um Mitternacht kame ein Ingenieur mit der Ordre, daß wir oben am Klockenthurm hinaus eine Leucht hangen sollten, welche man zu Worringen, Longerich und Kölln sehen konnte, auf welchen Orten man Gleiches that, um eine neue Karte von dem hiesigen Lande zu machen. Zugleich musten 2 Ordonanzen mit einigen Gebund Stroh den Ingenieur begleiten, welches sie auf dem Feld anzündeten.
Am 21ten – Seit 8 Tagen haben wir Regen in Überfluß bekommen, und der Haber ist zum Einscheuren bereit. – Die Vieseuche läst nach, und man kauft wieder neue an, welche in Herden von der Maaskante in zivilen Preisen hieherkommen. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler.
Am 23ten – Mittags kamen 150 Sapeur hier ins Logis. Sie gehn auf Düsseldorff. Die Prozessionen sind dieses Jahr, ausser den Mühlheimer und Siburger, alle wie vor alters auf Kevelaer gewahlfahrtet. Seit 10 Tagen sind 30 Wagenpferde mit 18 Chartje hier logirt. Sie beziehen ihre Fourage, so wie die 5 schwere Correspondenz-Reiter, von Neus.
Am 29ten kame das lezthin am 15ten dieses auf Neus gegangene Bataillon hieher. 3 Compagnien blieben hier und giengen am 30ten auf Kölln. Nebstdem logiren seit 14 Tägen 30 Chartje-Pferde hier.
Am 31ten – Die Ingenieur, welche das Land aufnehmen und eine neue Karte verfertigen sollen, waren heut wieder hier auf dem Kirchthurme. Nachdem sezten sie Stangen mit Stroh ins Feld, um in grader Linie die Weite von einem Ort zum andern zu messen. Auch muß jeder Bürgermeister ihnen die Anzahl Menschen, Häuser, Vieh und Morgenzahl angeben.
September
Am 5ten kamen von Worringen 34 Mann Infanteristen hieher, um zu cantonieren. So wird izt die ganze Sambre- und Meuse-Armee ins Land umgelegt, und es bleibt bis zur Maas kein Ort leer. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Haaber 18 Schilling, Saamen 8 Reichstahler.
Am 8ten – Heut und die beyden Tage wird das 40-stündige Gebeth gehalten. So zuversichtlich man auch glaubte, der Friede mit dem Kayser würde nun berichtiget seyn, eben so sehr verkündigen izt alle Anstalten von neuem Krieg. Heut kömmt das 6te Husaren-Regiment, das schon ins Innere von Frankreich zurückgekehrt war, über Bergheim auf Kölln an den Rhein. Mantua soll der Zankapfel seyn, das der Kayser nicht abtretten und die Franzosen nicht missen wollen.
Am 10ten musten die am 5ten von Worringen hieher verlegte 34 Mann auf Horm, weil es hier wegen der Passage zu unruhig war, doch ist es auch eigentlich hart für Horm. Indessen sind alle Ortschaften zwischen Maas und Rhein mit Truppen belegt, und man ist zu Udine über Krieg und Friede noch nicht einig.

[264]

September
Am 11ten – Verflossene Nacht musten die Truppen von Horm aufbrechen, weil diese ganze Division auf Paris marschirt, wo man eine Verschwörung entdeckt hat, welche auf die Trümmer der Republick den Königstrohn errichten und Ludwig den 18ten zum souvereinen Regenten von Frankreich ausrufen wollten. Von den 5 Directoren waren zwey mit an der Spitze der Verschwörung, so wie General Pichegru und mehrere der ersten aus dem Rath der 500 und der alten. Kurz vor dem Ausbruche dieser Verschwörung wurden benennte 2 Directoren, Carnot und Barthelemy, so wie Pichegru und Bossi Danglas mit noch mehreren, in allem 66, arettirt, ein Aufruf an das Volk erlassen und in allem gute Ordnung gehalten. 13 der Gefangenen, worunter Pichegru, sind unter Bedeckung von 300 Cavalleristen und 2 Kanonen weggebracht worden. Sie werden auf die Insel Madagascar ins Elend verwiesen.
Am 18ten – Die Vieseuche war hier gestillt, da lies der Posthalter diese Woche 5 Kühe von Monheim herüberhohlen, wo selbige Seuche izt stark einreißt. Von diesen sind schon viere krepirt, doch ist sonst im Dorf noch alles Viehe gesund. In Horm hingegen fallen täglich noch einige Kühe.
Am 28ten – Die bey dem heurigen Meygeläute herabgefallene alte Klocke ward heute wieder aufgehangen und diesen Nachmittag anhaltend gebeiert. Am 29ten morgens 5 Uhr war die erste Meß, das Hochwürdigste blieb ausgesezt. ¼ auf 9 begann das hohe Amt, wobey der Herr Subprior von Knechstein eine sehr passende Rede hielt. Erst um halb zwey kehrten wir mit der Procession herein. Um halb 4 begann die Vesper.
Am 30ten – Es scheint nun ausgemacht zu seyn, daß der Krieg von Neuem beginnen soll. Heut Mittag kamen schon Quartiermeister von einem Bataillon, welches in und um Neus cantonirte. Man vertheilte solche so, daß wir nur 1 Compagnie hier behalten sollten. Allein, als das Volk um 7 Uhr abends ankame, musten Biletter für 625 Mann gemacht werden. 2 Compagnien wurden schon früh bey ihrer Ankunft auf Worringen und Hackenbroich geschickt. Der brutale Chef, der gemäß seiner Ordre das ganze Bataillon in Dormagen logirt haben wollte, berief die beyden Compagnien noch herein. Es wurden Ordonanzen umgeschickt, daß die Nachbarn aufbleiben und die Soldaten erwarten sollten. Um Mitternacht kame die Compagnie von Worringen, jene von Hackenbroich aber blieb aus.
October
Am 1ten – Morgens 8 Uhr brach das Bataillon auf Kölln auf.

[265]

1797
October
Am 2ten – Es regnet seit einiger Zeit alle Tage. Kaum ein Drittel von der neuen Saath ist bestellt, und selbst zum Mistfahren ist es zu naß. Weil Remigiustag dieses Jahr auf den Sonntag fällt, so kömmt die Zonser Kirmes mit der unsrigen zugleich. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.
Am 3ten kamen 25 Husaren mit 6 Ofizieren vom 3ten Regiment hieher. Man legte deren 18 auf Worringen, und die übrige blieben hier. Drauf giengen die Worringer auf Kölln zum General Trigni und wirkten eine Ordre aus, worin der General den hiesigen Bürgermeister einladet, die hieher beorderte Truppen nicht auf benachbarte Dörfer, am wenigsten nach Worringen, zu verlegen. Mein Bruder Thomas war aber schon vorgestern zu Kölln, um eine Ordre vom General Trigni zu erhalten, daß der hiesige Bürgermeister authorisirt würde, bey dem bevorstehenden Marsch zum Oberrhein der Nordarmee die Truppen auf die benachbarte Ortschaften zu verlegen. Der General sagte, die Nordarmee habe Gegenbefehl erhalten, doch gab er eine Ordre, daß die übrigen Ortschaften mit uns gemeinschaftlich die Einquartirung tragen sollen.
Am 4ten kamen 2 Compagnien Jäger zu Fuß hieher ins Logis. Sie gehen morgen auf Neus in die Garnison. Heut war's gut Wetter. – Seit 14 Tagen ist zu Kölln der alte Rath abgesezt und ein neuer aus Patrioten erwählt worden. Man hatte schon lange in Kölln gegen die ungerechte Vertheilung der Contributionen und gegen den Rath gemurrt, bis auf einmal von dem französischen Substikat-Commissair die 2 regierende Bürgermeistere nach Bonn ins Zuchthaus gesezt wurden. Man lies sie 24 Stund darin und hielt sie noch einige Tage in einem Privathause gefangen, dann lies man sie wieder auf Kölln gehn. Nun wurden 13 neue Rathsglieder erwählt, welche die zukünftige Regierung organisiren sollen. Diese pflanzten (vor 14 Tägen) einen Freyheitsbaum vors Rathhaus, nahmen den messingen Kopf des ehemaligen Rädelsführers Nikolaus Gülich von der Schandsäule weg, trugen selbigen im Triumpf durch die Stadt, errichteten vor dem Dorfe Melaten einen Altar, worauf die Göttin der Vernunft thronte und wollten das Land zwischen Maas und Rhein zu einer unter französischem Schutz stehenden Republick umschafen. Der Doctor Everts, der Gastwirth Rodius, beyde von Kölln, Jurist Sommer bey Gülich, und der Docktor Wasserfall durchstreifen das Land, um die Leuthe zu bereden, daß sie eine Supplik an das französische Directorium unterschreiben, daß wir als Freystaat erklärt werden. Indessen werden von Neuem die Nachrichten des Friedens lauter, und hier will sich noch keiner zum Unterschreiben anschicken.

[266]

1797
October
Am 7ten, Kirmesabend[246] – Diesen Nachmittag kamen die am 4ten auf Neus gegangene 2 Compagnien wieder zurück, weil dort schon 1 Bataillon von der Nordarmee einlogirt war. Wir legten eine Compagnie auf Worringen. Sie betrugen sich sehr ordentlich und giengen am
8ten auf Kölln – Musikanten spielen zum Tanz. Weil gar keine Soldaten ziehen und ausser 5 Reitern keine Einquartirung hier ist, so machen sich die Leuthe recht lustig, und man sieht in keinem Theil, daß es Krieg ist. – Über Frieden ist man noch im Zweifel. Man spricht indessen von einem neuen Waffenstillstande. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.
Am 13ten – Bis gestern, Donnerstag, und noch tief in die Nacht hinein dauerten Tanz und Spiel, als auf einmal heute die Fourier ankamen, um für ein Bataillon der Nordarmee Biletter zu machen. Man vertheilte selbige so, daß wir nur 2 Compagnien hier behielten. Nivenheim bekame auch etwas davon. Abends kame ein Brief an unsern Bürgermeister, worin der Kriegskommissär von Cleve ausmeldet, daß am 16ten für 450 Mann Husaren und am 17ten-18. für 2 Bataillons Biletter fertig seyn sollen.
Am 14ten – Hier am Posthause sind für den General Macdonald 12 Pferde bestellt. Diese Gelegenheit wird der Vorstand benutzen, um eine Ordre zu erbitten, daß die Husaren über Gohr und Stommeln gehn. Heute kame wieder ein Bataillon, wovon 3 Compagnien hier blieben.
Am 15ten – Der General Macdonald ist durchs Bergische auf Kölln gegangen. Deswegen fuhre der Posthalter heut Morgen auf Kölln, um den Marsch der Husaren zu ändern. Heut kamen keine Truppen. Der Posthalter brachte eine Ordre, daß der hiesige Bürgermeister authorisirt ist, die Husaren auf die umliegende Orte zu verlegen. – Am 16ten[247] kamen die Quartiermeister vom 5ten Husarenregiment. Wir legten den Stab nach Zons, eine Compagnie nach Worringen, Esch, Rheinkassel, Langel, Nivenheim etz., so daß nur 1 Compagnie hier blieb.
Am 17ten kame 1 Bataillon, wovon wir nebst der Halbschied des Hauptquartiers die Grenadier-Compagnie hier behielten. Auch kamen nach Zons das 5te Chasseur-Regiment. Die Zonser konnten nichts davon fortlegen. Als aber der hiesige Vorsteher Thomas Delhoven mit der Ordre von Macdonald dahin kam, da wurde dessen Vorschlag angenommen. Sie kamen nach Nivenheim, Esch et Langel.
Am 18ten kamen wieder ein Bataillon, wovon die Grenadier mit dem Stab hier blieben.
Am 19ten – Alle von der Nordarmee ankommende Truppen werden zur Seythe von Kölln und Brauweiler in Kantonirung gelegt. Heute kame wieder ein Bataillon hieher und auf die benachbarte Orte.
Am 20ten – Auch heut kame ein Bataillon um den Mittag an. Man vertheilte sie, und nach Zons kamen 2 Compagnien. Abends 7 Uhr kamen noch 400 Mann Sapeur, 1 Compagnie gieng nach Worringen und 2 nach Zons. Die Zonser

[267]

1797
October
Am 20ten – schicken selbige wieder zurück, und man muste auch diese noch um 9 Uhr hier logiren. Deswegen ward es sehr voll. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.
Am 21ten gienge alles fort. Das Bataillon muß in Worringen, Langel etz. cantoniren. Es kamen bey 100 Husaren, welche anfangs hier logiren wollten, welche man aber noch bis Fühlingen fortschickte, und wir blieben frey.
Am 22ten – 2 Compagnien von den vorgestrigen Sapeur kamen heute von Kölln zurück. Dagegen kamen 2 andere von Düsseldorf herauf. Erstere hatten Ordre, in Zons zu logiren und Leztere in Dormagen. Weil aber in Zons 5 Compagnien von der Nordarmee liegen, so musten wir solche hier für eine Nacht logiren. Es wurde aber den von unten Kommenden eine Ordonanz geschickt, welche in Nivenheim blieben. – Noch ist man nicht fertig mit der Saath. Wenn es einen Tag gutes Wetter ist, so regnet es wieder die 2 folgende.
Am 26ten kame eine noch in Holland zurückgebliebene Compagnie hier für eine Nacht und Logis. Weil aber ihr Bataillon in Worringen lag, so giengen sie am 27ten auf Hackenbroich cantoniren.
Am 28ten wurden 10 Chasseur hier logirt, welche einen Wagen Geld auf Kölln transportieren.
Am 29ten – Es sind izt noch neben den 5 schweren Reitern auch noch 5 Chasseur vom 5. Regiment zur Correspondenz hier. Sie bekommen Fourage zu Neus. – Diese Nacht kamen 3 Kouriere von Kölln, welche die frohe Nachricht brachten, daß der Friede am 17ten zu Udine in Italien geschlossen ist. Und die um 9 Uhr ankommende Zeitung hatte gleichfals diese Neuigkeit bestättigt. Am 30ten bestättigte es sich noch mehr, und am 31ten kamen demungeachtet 2 Bataillons von unten auf hieher ins Logis. Man hatte selbige aber so detaschirt, daß nur 3 Compagnien mit den Chefs hier blieben.
November
Am 1ten – Um die Mittagszeit kame wieder 1 Bataillon von der Nordarmee hieher. Es blieben 2 Compagnien hier. – Auch waren heut die hier folgende Friedensartikel im Staatsboth:
Endfriedens-Vertrag
zwischen seiner Kayserlich Königlichen Majestät und der französischen Republick[248]
Da seine Kayserlich Königliche Majestät und die französische Republik den Frieden, dessen Grundlagen durch die auf dem Schlosse Eckenwald bey Leoben in Steyermark am 18ten Aprill 1797 unterzeichnete vorläufige Artikel bestimmt worden, befestigen wollen, so haben sie zu ihren Bevollmächtigten ernannt: seine Königliche Majestät, den neapolitanischen Patrizier, Martius Mastrilly, Marquis Gallo; Graf Cobenzel, am russischen Hofe Bothschafter; General Merfeld; und den Baron Degelmann; und die französische Republick den Oberfeldherren der französischen Armeen in Italien Bonapart, als welche nach Auswechslung ihrer gegenseitigen Vollmachten beschlossen haben:
Artikel[249] 1: In die Zukunft und für immer soll ein dauerhafter Friede zwischen dem Kayser und der französischen Republick herschen.

[268]

1797
Artikel 2: Gleich nach Auswechslung des gegenwärtigen Vertrags sollen alle Einziehungen der Güter, Gebühren und Einkünfte der Privatpersonen, welche auf dem wechselseitigen Gebiethe oder in den damit vereinigten Landen wohnen, wie auch der darin gelegenen öfentlichen Stiftungen aufhören. Sie verbinden sich, alles das abzuführen, was sie für die ihnen von gesagten Stiftungen geliehenen Kapitalien schuldig sind.
Artikel 3: Der Kayser entsagt für immer allen seinen Rechten auf die vormalige Österreichische Niederlande. Die Französische Republik wird selbige auf ewig eigen beherschen.
Artikel 4: Alle vor dem Krieg auf den Boden gemelter Niederlande verpfändete Schulden fallen der französischen Republik zur Last.
Artikel 5: Der Kayser willigt darin ein, daß die Französische Republik völliger Oberherschaft, die ehmals venezianischen Inseln in der Levante: Corfou, Zante, Cephalonie, Sainte Maure, Cerigo und andere davon abhängige Inseln, wie auch Batrinto, Carta, Venizza und alle venezianischen Anlagen in Albanien, welche mehr abwärts als der Merbusen Lodrino liegen, besitzen.
Artikel 6: Die französische Republik willigt darin ein, daß der Kayser in volliger Oberherrschaft die hier angezeigten Länder besitze: Istrien, Dalmatien, die vormals venetianischen Inseln im adriatischen Meere, die Mündungen von Cattaro, die Stadt Venedig, die Lagunen und die zwischen den Erbstaaten des Kaysers einbegrifene Länder, das Adriatische Meer und eine Linie, welche von Tyrol ausgeht, dem Strome vorwärts Gardola folgt, den Gardasee bis Lacise durchschneidet, von da eine militärische Linie bis Sangiacomo, die beyden Theilen gleiche Vortheile gewährt. Die Gränzlinie wird darauf die Etsch vorbey bis Sangiacomo gehen, dem linken Ufer dieses Flusses bis zur Mündung des Canal Blanc, mit Einschluß des auf dem rechten Ufer dieses Flusses befindlichen Theiles von Portolegnant nebst der Erweiterung eines Halbkreises von dreytausend Klaftern folgen. Die Linie wird über das linke Ufer des Kanalblanc, das Ufer des Tartaro, das linke Ufer des Kanal La Polisella bis zu dessen Ausflusse in den Po und über das linke Ufer des großen Po bis in das Meer fortlaufen.
Artikel 7: Der Kayser entsagt für ewig zu Gunsten des Cisalpinischen Republick allen Rechten, welche seine Kayserliche Majestät auf die Länder fodern könnte, die sie vor dem Kriege besaß.
Artikel 8: Der Kayser erkennt die Cisalpinische Republick als unabhängige Macht an. Diese Republick begreift die ehemalige österreichische Lombardie, die Länder von Bergamo, Brescia, Crema, die Stadt und Vestung Mantua, das Land Mantua, Peschiera, den Theil der ehemals venezianischen Staaten westwärts und südwärts jenseits der im 6ten Artikel zur Gränze des Kaysers in Italien bezeichneten Linie, das Land Modena, das Fürstenthum Massa und Carrare und die drey Legazionen Bologna, Ferrera und Romagna.
Artikel 9: In allen durch den Krieg abgetretenen oder ausgewechselten Ländern wird allen Einwohnern Aufhebung des Beschlags ihrer Güter zugesagt. Jene, die in Zukunft in diesen Ländern zu wohnen aufhören wollen, sollen sich binnen 3 Monathen darüber erklären. Sie sollen 3 Jahre Zeit haben, ihre Güter zu verkaufen.
Artikel 10: Jene, welche die in diesem Vertrag abgetretene oder ausgewechselte Länder übernehmen, werden auch die auf den Boden haftende Schulden abtragen.

[269]

1797
November
Artikel 11: Die Schiffart auf jenem Theile der Flüsse und Kanäle, welche zu Gränzen zwischen dem Kayser und der Cisalpinischen Republik dienen, sollen zollfrey seyn. Auch soll keine Macht ein bewafnetes Schiff darauf halten.
Artikel 12: Alle und jede in den venezianischen Landen zum Unterhalt der deutschen und französischen Armeen geschehene Verkäufe und Verbindlichkeiten sind gültig.
Artikel 13: Die Domainen-Urkunden und -Archive der ausgewechselten Lande und die den Generalstäben abgenommene Briefschaften, samt den Planen und Karten der Festungen und Lande, sollen getreu überreicht werden.
Artikel 14: Die beyden Mächte verbinden sich zur Handhabung der inneren Ruhe.
Artikel 15: Ungesäumt soll ein Handelsvertrag zu beyderseitigem Vortheil geschlossen werden.
Artikel 16: Kein Bewohner soll wegen seiner politischen Meinungen verfolgt werden.
Artikel 17: Der Kayser wird in diesem Kriege in jedem seiner Häfen nicht mehr als sechs bewafnete Kriegsschife jeder kriegführenden Macht aufnehmen.
Artikel 18: Der Kayser verbindet sich, dem Herzog von Modena zur Entschädigung das Breisgau abzutreten.
Artikel 19: Die Grundgüter, welche der Erzherzog Karl und die Erzherzogin Christine in Belgien hatten, sollen ihnen wiedergegeben werden, sie in 3 Jahren Zeit zu veräussern, so wie Prinz Ferdinand in der Cisalpinischen Republik.
Artikel 20: Zu Rastat wird ein einzig aus Bevollmächtigten des Deutschen Reichs und der Französischen Republik bestehender Kongreß gehalten werden.
Artikel 21: Alle während dem Krieg gemachte Gefangene und Geißeln sollen in 40 Tagen Zeit ausgewechselt werden.
Artikel 22: Alle Kontributionen, Lieferungen etz. sollen von nun an aufhören.
Artikel 23: Der Kayser und die Französische Republik werden das Zeremoniel und Hofgebräuche wie vor dem Kriege beobachten. Die Cisalpinische Republik wird den Rang der Republick einnehmen.
Artikel 24: Gegenwärtiger Vertrag gillt auch für die Batavische Republick.
Artikel 25: Gegenwärtiger Vertrag wird binnen 30 Tagen bestättigt und ausgewechselt. Geschehen zu Campoformio bey Udine am 17ten October 1797. Unterzeichnet Bonnaparte, Marquis Gallo, Graf Coblenzel, Graf Merfeld, Degelmann
November
Am 2ten – Heut gienge das gestern angekommene Bataillon auf Kölln, und es kame nichts Neues.
Am 5ten kame gemeltes Bataillon wieder vor eine Nacht hieher.
Am 6ten kamen 2 Bataillons hieher. Wir schickten Ordre entgegen, daß 4 Compagnien in Worringen blieben, und wir hielten nur die zwey Grenadier-Compagnien mit den Stäben hier. Auch bekamen die Worringer noch nebstdem 1 Bataillon, welche einstweilen liegen dort bleiben.
Am 7ten giengen die 2 Bataillons fort, und es kame nichts Neues.

[270]

1797
November
Am 8ten kame von einem Bataillon der Stab und die Grenadiere hieher. Zons bekame nur eine Compagnie. Und weil die Abdey Knechstein vorgestern die gefoderte zwey Dienstkarren nicht hieher gestellt, so gieng auch eine Compagnie ganz ins Kloster. Neben dem kame noch das Hauptquartier des Generals Macdonald mit einigen und 60 Pferden hieher.
Am 9ten logirte hier 1 Batallion Jäger zu Fuß, 1 ins Worringen und 1 Batallion Infanterie in Zons. Wir hielten den Stab mit den Grenadieren hier, die übrigen wurden von Delven bis Nivenheim verlegt. – Die Samber- und Maaßarmee heißt izt die deutsche Armee.
Am 10ten kame noch 1 Bataillon Jäger zu Fuß. – Die Nordarmee zieht ganz in Holland.
Am 11ten – Kaum waren die Soldaten fort, als auch gleich wieder Quartiermacher von 2 Batailon von der deutschen Armee ankamen. Nach dem Mittag waren die Truppen bald hier, und sie betrugen sich ziemlich schlecht.
Am 12ten – Die gestern angekommene Truppen werden compagnienweis in die Dörfer gelegt. So blieben hier und in Rheinfeld 2 Compagnien, die sich schlecht aufführen. Und weil sie kein Fleisch und Brodt haben, so fodern sie alles von den durch die starken Märsche beynah erschöpften Bürgern.
Am 13ten – Abends halb 7 kamen die Fourier, denen um 8 Uhr 260 Sapeur folgten. Die Biletter wurden unten am Dorf ausgetheilt. Sie gehn von Düsseldorf bis Andernach. In jeden Ort auf der Rout bleiben einige, um die Wege zu machen. Um den Unordnungen in den Häusern vorzubeugen, ließ der hiesige Commendant 20 Mann mit 2 Ordonanzen, welche leuchteten, die ganze Nacht auf und ab patrolliren. – Kornpreis 5 Reichstahler.
Am 19ten – Gemäß einer neuen Verordnung muß nun der Bürger seine bey ihm logirte Truppen verpflegen. Dies macht die Soldaten frech; umsomehr, da die Ofiziere keine Subordination halten. Indessen beginnt doch Bauer und Soldat sich allmählich zu vertragen.
Am 22ten – Von den am 11ten hier einlogirten 2 Compagnien gienge heute eine mit dem in Worringen und daherum liegenden 3ten Bataillon auf Lechnich. Eine Compagnie vom 2ten Bataillon blieb hier. 5 Compagnien samt dem Stab kamen von Neus. Man brachte sie aber fort auf Esch etz. – Die Franzosen lassen jetz dienstweis die Landstraßen machen. So wurde auch hier das Dorf bis an die Limitten gemessen, wozu das Gülicher Land die Karren und Dienstleuthe hergeben muß.
Am 23ten gienge die noch hier kantonirte Kompagnie fort. Es kame 1 Bataillon an, wovon der Stab sammt den Grenadieren hier blieb. Sie giengen
am 24ten, wie die vorige Bataillon, über Lechnich auf Metz. Heut kamen 70 Kanonier von Düsseldorff. Der Bürgermeister schickte davon 40 nach Worringen. Auch kamen noch gestern Abend 40 Voluntair, welche hier cantonniren sollen. Kornpreis 5 Reichstahler.
Am 25ten – Schnee und Regen. – Seit einigen Tagen waren 2 Kommissarien von der Regierung zu Düren hier, um zu überlegen, wie die hiesige Landstraß am besten in Stand zu setzen ist.

[271]

1797[250]
November[251]
Am 26ten – Den in Kölln logirten 3 Bataillonen hatte man seit 3 Monathen keine Löhnung gegeben. Vorgestern Abend auf der Appell erklärten die 3 Grenadier-Compagnien, sie wollten nicht vom Platz gehen, bis sie bezahlt wären. Der General lies die Grenadier ins Prison führen. Heut Abend aber versammelten sich die Voluntair und foderten gleichfals Geld. Der General ließ den General March schlagen, und noch um 6 Uhr musten die 3 Bataillons die Stadt verlassen. Eins bekam Ordre auf Brühl, eins auf Düren und eins nach Dormagen. Um halb 11 war dieses schon vor den Quartiermachern hier. Der Chef befahl, keinem ein Billet zu geben. Es wurden 3 Compagnien in die Welfer, 2 in die Rheinfelder und 2 in die Sandhofs-Scheuer gewiesen. Viele Soldaten schlichen sich hier im Dorf in die Häuser und waren mit Erdäpfeln sehr zufrieden. Auf den Höfen muste man gleichfals Erdäpfel abkochen und sie im Hause logiren. Beym Scheffen Steinberger logirte der Chef mit 5 Offizieren, welche sich da recht auftischen liessen und viel Wein tranken, wofür sie nichts bezahlten. Um Mitternacht kame ein Chasseur von Kölln mit der Ordre, daß sie morgen auf Gohr und Höningen gehen sollen. Zu Wallhoven assen sie 9 Faß Erdäpfel und 12 Brodt.
Am 27ten – Morgens giengen sie in ihre Cantonirungen. Am Abend kame die Bagage von dem Bataillon mit 130 Soldaten. 70 wurden davon auf Nivenheim geschickt, die übrigen kamen hier in die ärmsten Häuser. – Seit einiger Zeit muste man vom Malder Korn ins Bergische überzufahren 10 Stüber zahlen. Nun ist dieser Tax auf 20 Stüber erhöhet, ohne das Fährgeld.
December[252]
Am 2ten – Von den hier cantonirenden Truppen sind nur noch 14 Gemeine mit einem Ofizier hier. Sie foderten anfangs Montuer. Der Vorstandt begehrte darüber eine schriftliche Order. Diese erfolgte, und es war im wesentlichen nur eine Einladung, aus gutem Willen etwas zu geben. Der Vorstand erklärte das für unmöglich, weil die hiesige Gemeinde zu viel gelitten hat. Der Ofizier bath für jeden Soldaten ein Viertel Pfund Taback. Das hat man ihnen gegeben.
Am 5ten kamen 90 Kanonier von Düsseldorf hier an. Sie gehn morgen auf Trier. Noch sind 6 Regimenter schwere Cavallerie im Bergischen, welche dem Bürger hart zu Last fallen. Sie essen nichts als Weisbrodt. Bier und Brandwein darf gar nicht fehlen. – Zu Düsseldorff ist noch eine stehende Brücke. – Seit einem Monath ist die Regierung zu Düsseldorf für das Gülicher Land abgesezt und uns eine neue Regierung zu Düren niedergesezt worden.

[272]

1797[253]
December[254]
Am 7ten – Obschon allgemein die Nachricht angenohmen wird, daß dieses Land wieder an die deutschen Fürsten kömmt, so arbeiten die deutsche Republikaner doch noch unausgesezt an dem Plane, die Freyheit zu stiften. In Bonn ist die Universität abgesezt, weil sie den französischen Eyd nicht schwören wollten. Und gestern musten die in öfentlichen Ämtern stehende Personen gleichfals den Eyd leisten. Von den Hauptleuten haben nur 8 geschworen, das Syndicat und Gewaltgericht hat ganz gegen den Eyd protestirt, und ihre Bureaux sind geschlossen.
Am 8ten – Vor 14 Tagen kamen 6 Chasseur vom 23ten Regiment hieher auf die Correspondenz. Darauf giengen die seit dem Sommer hier gelegene 5 Cavalleristen vom 25ten Regiment fort. Heut wurden die Chasseur umgewechselt. Die Gemeinen wollten zu 2 in Wirthshäusern beysammen blettirt seyn, der Brigadier wiedersezte sich. Sie schlugen sich untereinander und foderten sich auf den Sabel. Sie hieben von oben herab, und in 2 Minuten hatte der Brigadier dem gemeinen Chasseur den Daumen ganz ab- und die übrigen Finger durchgehauen.
Am 9ten – Die Ordonanzen gehen sehr stark, die ganze Nacht hindurch.
Am 10ten – Heut um den Mittag kamen 2 Bataillons hieher, um die Revue zu passiren. Weil der General aber noch nicht angekommen war, so giengen die Soldaten in die Häuser, hatten aber selbst Essen bey sich. Zwey Grenadier bekamen Streit und schlugen sich mit ihren Flinten. Überdem kame der General mit 4 Chasseur. Ersterer befahl, sie auseinander zu treiben, und da ein Grenadier nicht aufhörte zu schlagen, so rief der General: "Hauet ihn zu Stücken". Ein Chasseur verwundete den Grenadier am Kopfe, und noch wollte er nicht ruhig seyn, da sprang der Commendant hinzu, schluge ihn mit dem Degengefäß in die Zähne, das Blut strömte. Ein Ofizier muste den Grenadier greifen, und der Commendant schluge ihn so lange mit dem Degen, biß er vor Müdigkeit nicht mehr konnte. Nun wurde er zum Bataillon geführt, welches am Gussenhover Kirchweg manoverirte. Dann risse man ihm die Epuletten ab und schickte ihn ins Prison. Um 4 Uhr war die Revue vorbey, und die Soldaten musten in ihre Cantonementer, einige auf Niel bey Kölln, andere noch 2 Stund unten Neus. – Die Chasseur auf der Correspondenz wurden heut durch 5 Dragoner vom 16ten Regiment abgelöst.
Am 18ten – Vorgestern und gestern kamen schon verschiedene Karren aus dem Amt Caster und Bergheim hieher, um die hiesige Landstraß zu machen. Das hiesige Dorf muß gleichfals 4 Karren stellen. Das Amt Grevenbroich, welches gleichfals aufgebothen war, ist noch nicht erschienen. Der Posthalter ist Inspecteur-General und Vorsteher Delhoven Aufsichter über die Karren des Amt Bergheim. – Heut kamen 2 Compagnien Chasseur vom 23ten Regiment mit Ordre, hier zu logiren. Man brachte sie nach Üdesheim und Rosellen.

[273]

1797[255]
December
Am 19ten – Zu jeder der 50 aufgebothenen Dienstkarren sind auch 2 Dienstleute mit Schüppen bestellt. Sie bringen den Morast bey Seythe, damit der Sand auf harten Boden geschüttet wird. Man fährt noch aus der öbersten Grundkaule am Damm, theils oben an der Dreckgaß, theils hinten den Damm an die Limitte. Etwas Frost.
Am 27ten – Die Passage ist izt so zimlich von Soldaten leer. 5 Dragoner vom 16ten Regiment und 3 Sapeur für die Correspondenz, sodann 12 Volontair-Cantonnement – dies ist die ganze Einquartirung. – Jetz ist ein neuer Regierungs-Commissair von Paris zu Bonn, namens Rudeler, angekommen, um das ganze linke Rheinufer zur Französischen Republik einzuverleiben und zu organisiren. Auf dem Köllnischen müssen alle Beamte, Scheffen und Vorsteher der Französischen Republik den Eyd der Treue schwören. Das ganze Amt Hülchrad hat geschworen, ausser Nivenheim, Delven, Straberg und Hackenbroich.
Am 29ten – Die 5 Correspondenz-Dragoner vom 16ten Regiment wurden heut durch 5 rothe Husaren vom 4ten Regiment abgelöst. Nebstdem sind izt 20 gemeine Soldaten hier. Die Landstraßenarbeit geht noch thätig fort. Von den Ortschaften, welche die Karren und Arbeiter zu stellen unterlassen, werden solche durch Militär-Execution gehohlt. Einige Dörfer haben sich hier accordirt, und sie zahlen für eine Karrig pro Tag 1 Reichstahler und für ein Arbeiter 16 Stüber.
Am 30ten und 31ten – Das Jahr schliesset sich mit Sturm und Regen, wovon wir in der lezten Hälfte einen so großen Überfluß hatten, dessen man sich seit langen Jahren nicht erinnerte. Denn seit der Erndte ware es selten 3 Tage ohne Regen, der oft 14 und mehrere Tage anhielt. Übrigens sind die Früchten treflich gerathen: An Gemüsen ist überall Überfluß, und durch die Arbeit auf der Landstraße gewinnt das Dorf ein Merkliches. Nur durch die anhaltende Viehseuche, die doch izt aufhört, wurde Dormagen hart mitgenohmen. Vor 8 Tagen musten wir vom öbersten Feld pro Morgen 12 Stüber und vom untersten pro Morgen 6 Stüber Verwaltungskosten für unsere Beamte zahlen. Die neue Contribution von 8 Milionen ist gleichfals ausgeschrieben und bis zur Zahlung die Execution schon hier. Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber.

1798

[274]

1798[256]
Januar[257]
Am 1ten – Obschon der Friede unter zwey der ersten Mächte im Reinen ist und des Kaysers Heere nach den Erbstaaten zurückkehrt, so wie sich Frankreichs Kolonnen an des Meeres Ufern sammeln, so bleibt unsere Laage dennoch immer die nämliche. Die Gesandte der deutschen Fürsten sind zwar zu Rastad versammelt, um Friede zu stiften. Allein, in dem nämlichen Augenblick verlassen die Kayserliche Maynz, um den Franzosen in dieser Veste Platz zu machen, und man ist Tag und Nacht beschäftigt, das linke Rheinufer in Departemente zu theilen. Keiner kann sagen, wie unser Loos seyn wird, aber aller Anschein ist da, daß wir Republikaner bleiben werden. – Regenwetter.
Am 3ten – An der Landstraße wird noch fleissig gearbeitet. Noch blieben die Sonntage gefeyert, die hintere Gegenden aber haben sich dagegen beschweret.
Am 6ten – Der Chef von der im Amt Bergheim cantonirenden Halb-Brigade hatte schon vor 14 Tägen 1.800 Liver für Federbüsche und Epuletten der Soldaten gefodert. Da aber keine Requisition vorgezeigt ward, so weigerten sich die Beamte und die Regierung zu Düren in der Zahlung. Der Chef schickte also vorgestern 10 Voluntair hieher, mit der Weisung, wofern man nicht bezahlte, so würde eine ganze Dimibrigade hieherkommen. Sogleich wurde eine Ordonanz nach Kölln an den dort anwesenden Schefen Steinberger geschickt, daß er unser Contingent zahlen sollte. Die Executions-Truppen musten gestern, am 5ten, nach Brauweiler zur Revue. Diesen Mittag kamen sie zu 27 Mann verstärkt zurück. Und am Abend kame der Scheffen Steinberger mit der Quittung an, welche durch den Adolph Coenen um Mitternacht nach Bergheim geritten wird, um die Ordre vom dasigen Chef zur Abreise zu erhalten. Die Soldaten sind sehr frech, und der commandirende Lieutnant fodert auch noch 28 Paar Schuhe und Hemder.
Am 27ten – Gestern Abend kame der Scheffen Steinberger mit der Quittung und einer Order zurück an den Commendanten zu Bergheim, die Truppen gleich zurück zu nehmen. Der Adolph Coenen ritte um Mitternacht auf Bergheim und kame um 2 Uhr nach Mittag zurück, mit einem Paket Brief vom Schultheis Meyer. Die Ordre zum Abmarsch sollte darin eingeschlossen seyn. Sie war aber unglücklicherweise vergessen. Der Commendant foderte eine Ordonanz, welche diesen Abend 9 Uhr auf Auenheim zum Capitain gehen sollte. Man schickte dahin. Weil es aber gar düster war, so hielt der Bürgermeister den Brief die Nacht hier, erbrach ihn, und der Inhalt war, daß der hiesige Commendant von den gar zu politischen Bauern die gefoderte Schuhe nicht erhalten könne. Es wäre also kein anderer Weg übrig, als daß man die ganze Compagnie hiehinschicke.
Am 8ten – Morgens 5 Uhr war schon eine Ordre vom Bergheimer Commendanten hier, und um 9 Uhr musten die Truppen fort. Jedoch blieben 5 Mann unter dem Namen Souve-Guarde hier aus Ordre des abziehenden Commendanten.

[275]

1798[258]
Januar[259]
Am 10ten – Der seit 14 Tägen hier mit 20 Volontairs catonnirende Lieutnant hatte zum General Espital nach Neus berichtet, und heut kame die Ordre, daß die gleichfals als Execution auf die Schuhe zurückgebliebene 5 Mann fort musten. – Am der Landstraß wird fleissig gearbeitet.
Am 13ten – Vorgestern logirten hier 50 Artillerie-Pferde mit 20 Kanonieren und dem Pulvermagazin von Düsseldorff. Sie kamen heut von Kölln wieder zurück und haben morgen Rasttag. – Von der Köllnischen Landesregierung kame heut ein Befehl, gemäß welchem die Bürgermeistere von Dormagen und Bergheim hinfort keine Soldaten mehr auf das Köllnische verlegen sollen. – Seit dem 6ten hat es anhaltend gefroren.
Am 18ten – Vorgestern stellte sich Thauwetter ein. Es regnet nun wieder alle Nächte, im Tag ist's dann doch erträglich Wetter. An der Landstraße wird mit vielem Fleiß gearbeithet. Der Grind wird theils oben am Damm in des Pastoren Stück, theils auf dem Steinbüchel gehohlt. Die Passage der Truppen ist izt nicht sehr stark mehr.
Heute Morgen hielt der Pfarrer um halbe 10 Uhr das Hochamt mit einer Predigt, und diesen Nachmittag wurde um 3 Uhr nach der Benediction der Rosenkranz und die Alleheiligen-Litanie gebeten. Angenehm Wetter.
Am 23ten – Diesen Morgen, als ich Morgens-Klock läuten wollte, da stand die Kirchenthür offen. Weil die Knechten-Kerzen noch da standen und die Sacristey geschlossen war, so glaubte ich, die Magd des Pfarrers würde Licht gehohlt haben. Als die Messen anfiengen, da sahe man erst, daß Diebe am Beinhaus durch ein Fenster mit der ausgehobenen Gartenthür des Peter Pannes eingestiegen waren. Man vermißte nur die Agatha-, Michaels-, Josepfhs-, Oster- und Kreutzbergerkerz nebst 2 Altartüchern. Das Pflug-Kolter des Heinrich Tröster lage noch dabey.
Am 24ten stellte sich Frost ein. – Alle vier Tage kömmt ein Transport von 4 Wägen mit dem Pulvermagazin von Düsseldorfd auf Kölln. Wir gaben dem Conducteur eine Carolin, und seitdem fahren sie stets nach Worringen.
Am 25ten – Die Arbeit auf der Landstraße geht sehr gut von statten. Wirklich ist der Weg von der Limitte hinterm Damm vom Unrath gereinigt und bis an die Nettergaß mit Sand überfahren. Regen und Schnee.
Am 31ten – Die französischen Gesandten Treilhard und Bonnier thaten zu Rastadt den Vortrag, der Rhein sollte die französische Gränze seyn. Schon zu Anfang dieses Jahrs nahmen die Franzosen Maynz in Besitz, und die heutige Zeitung meldet, daß die Republikaner die diesseits gelegene Manheimer Rheinschanze in Besitz genommen haben. Aus allem dem läßt sich vermuthen, daß es den Franzosen Ernst ist, das linke Rheinufer zu behalten. Indessen haben die Reichsgesandte einstimmig erklärt, daß sie in die französische Foderung nicht willigen könnten. – Die französische Truppen diesseit des Rheines sind auf Friedensfuß gesetzt. Sie bekommen Geld und Brodt, und für das Fleisch müssen sie dem Bauer 3 Stüber zahlen. Man schenkt ihnen dieses, um Ruhe zu haben.

[276]

1798[260]
Februar[261]
Am 2ten – Diesen Nachmittag ließ der Scheffen Bremer, Vorsteher Heck und Joseph Küpper die große Klocke ziehen, und man hielte den Nachbaren vor, daß es nothwendig seye, daß der Scheffen Bremer bevollmächtiget würde, die Geschäften der Gemeinde zu betreiben. Auch ward ihm zum Gehülfen der Joann Sand beygeordnet. Es gab etwas Zänkerey, und Einige von des Bremers Parthie unterschrieben die Vollmacht des Bremers. Kornpreis 4 Reichstahler 18 Stüber.
Am 10ten – Wir haben noch anhaltend stilles Wetter ohne Frost. – Seitdem die Soldaten Ordre haben, daß sie täglich 3 Stüber Fleischgeld bezahlen müssen, hört man nirgend mehr von Streitigkeiten über schlechte Kost. Wir haben izt 10 Sapeur, 9 Husaren und den Commendanten mit zwey Volontairs im Dorf logirt.
Am 19ten kamen 3 Bataillone von Kölln auf Worringen, wo selbe vertheilt wurden. Es wurden 3 Compagnien hieher geschickt, eine vierte nach Rheinfeld und eine nach Horm. Da man von beyden lezten nichts wuste, so schickte der hiesige Bürgermeister auch, wie gewöhnlich, Soldaten dahin. Der Rheinfelder Sohn schrieb von der ganzen Compagnie 30 Mann nach Welfen, wo es so wie zu Rheinfeld sehr voll war. – Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber.
Am 16ten – Heut kamen vom 3ten Regiment Husaren 4 Compagnien hieher. Wir schickten eine nach Straberg und Knechstein, 1 nach Nivenheim, 1 nach Rosellen und eine nach Norf. Der Stab bliebe hier. Sie gehn nach Holland, wo sich eine zahlreiche Armee versammelt, um eine Landung in England zu bewirken. – Frühlingswetter.
Am 18ten, Fastnacht[262] – Diesen Mittag kame 1 Bataillon von Kölln hieher. Wir hielten die Grenadier, den Stab und noch 1 Compagnie hier und verlegten die übrigen auf Nivenheim und Straberg. Sie gehn morgen zu der Armee gegen England.
Am 22ten, am Petristuhlfeyer-Tag[263] – Diesen Nachmittag kamen 6 Compagnien von der 66ten halben Brigade hier an. Es giengen 3 Compagnien auf Nivenheim, 1 auf Zons und 1 auf Hackenbroich. Sie gehn morgen nach Neus in die Garnison. – Um 3 Uhr ward die Klock gezogen, um einen neuen Bürgermeister zu wählen. Um allem Unfrieden vorzubeugen, ward der Mathias Heck bestättigt und der Joan Steinberger, Wilhelm Verhagen und Jacob Cremer als Beysitzer erwählt.
Am 27ten – Der Brigadier von der 9 Mann starken Correspondenz des 23ten Chasseur-Regiments hatte sich im Schwanen unartig betragen. Deswegen machte der Posthalter eine Supplic, um die seit dem ganzen Krieg hier logirte Correspondenz auf Worringen zu verlegen. Der Secretair Schmitz wurde damit auf Kölln geschickt, um solche durch den Joseph Steinberger übergeben zu lassen. Der General Olivier bewilligte unsere Bitte, und heut kame die Ablösung der Correspondenz, welche nach Worringen gienge.
Am 28ten – Die Landstraße wird in Gräben gesezt, und die Arbeit geht sehr gut von statten. – Das Malder Korn ist auf 4 Reichstahler gekommen.
Merz
Am 1ten – Die Soldaten betragen sich ganz anders wie vorhin, da sie itzt vom Bauer nichts mehr fodern dörfen als Feuer und Licht. Fourage darf nur in den Magasinen gefaßt werden. Und weil die Correspondenz fort ist, so sind wir in Ansehung der Einquartirung um Vieles erleichtert.

[277]

1798[264]
Merz
Am 11ten – Heute musten sich hier 300 Mann von der 66ten Halb-Brigade versammeln, um die Revüe vor dem General Olivier zu passiren. Es musten Biletter für die Truppen gemacht werden, welche um 3 Uhr, bis auf 50, alle wieder in ihre Cantonnirungen giengen.
Am 13ten kame das 16te Chasseur-Regiment hieher, wovon der Stab hier blieb, die Compagnien aber nach Gohr, Zons, Üdesheim, Norf etz. vertheilt wurden. Sie kamen von Maynz und gehen nach Nimegen. – Die Gesandten zu Rastadt sind noch am Unterhandeln.
Am 27ten – Zu Worringen liegen 5 Gensdarmes für die Polizey. Nun gienge der commandirende General Olivier von Cölln weg, und General Jacobe Trigni kam dahin. Bey diesem brachten die Worringer es zu Wegen, daß die Correspondenz vom 23ten Regiment Chasseur zu 9 Mann heut hieher verlegt wurde. Sie hohlen gleich Fourage zu Neus. Kornpreis 2 Kronthaler.
Am 31ten wurden die Chasseur vom 23ten durch das erste Regiment ditto abgelöset.
Aprill[265]
Am 1ten, Palmsontag[266] – Weil das Wetter kalt und stürmisch war, so ward anstatt der Prozeßion eine Kirchenandacht gehalten. Den Mitwoch und Karfreytag aber ware die Prozession sehr zahlreich. – Alle Beamte und Gerichter werden nun abgesezt und das Land in Municipalitäten eingetheilt. Deswegen bleiben die Gemeinden Stommel und Pulheim so wie das ganze Ammt Caster von der hiesigen Landstraße zurück. Es sind diese Woche nur fünf Karren aus dem Ammt Grevenbroich und eine von Gless hier.
Am 8ten – Schönern Ostertag hatten wir seit langen Jahren nicht wie heute. Auch war's ausserordentlich ruhig, da izt fast keine Soldaten marschiren.
Am 9ten – Heut kegelten die Knaben von 12 ad 16 Jahren in die Brach, die untersten gegen die obersten, um 24 Maaß Bier. Die Obersten haben gewonnen. Am 10ten wurde die Correspondenz von hier nach Zons verlegt.
Am 13ten kame der Commissair-Puvouar-Executiv, Bürger Herter von Kölln, mit dem Friedensrichter Neesen hier an. Am 14ten wurden die Bürgermeister des Cantons auf den 15ten hieher bestellt. Obschon die Municipalität zu Zons ihren Sitz haben soll, so wird der Commissair alles mögliche anwenden, um solche hiehin zu verlegen.
Am 15ten wurde morgens 9 Uhr eine dreyfarbigte Fahne am Kirchturm ausgesteckt, und um 11 waren schon in die 40 Bürgermeister und Vorsteher aus der Gegend hier, welche insgesammt, aus jedem Dorf ein Mitglied, als Beysitzer bey der Munizipalität zu wählen hatten. – Zu Rastadt ist endlich beschlossen worden, daß das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten bleibt. Die Organisation wird nun mit Ernst betrieben. – Es ist ein Arette erschienen, vermög welchem alle Prozessionen verbothen und die ausser der Kirch stehende Kreutzer und Bilder weggeschaft werden müssen.

[278]

1798
Aprill
Am 22ten, Sontag[267] – Weil das Decret zur Einstellung der Prozessionen schon hier, aber noch nicht publizirt ist, so hielten wir heut unsere Gottestracht und am 23ten die Hagelfeyer. – Weil nur sehr wenige Karren zur Landstraßenarbeit kamen, so ist solche am 21ten eingestellt worden.
Am 30ten kamen 2 Compagnien Soldaten von Neus hieher ins Logis. Sie gehn auf Kölln ins Garnison. – Es ist ein neues Decret erschienen, Kraft welchem die Einstellung der religiösen Bildniße und die Abschafung der Prozessionen bis auf weitere Ordre wiederrufen wird, doch sollen die schon abgetragene Bildniße und Kreutzer nicht wieder aufgerichtet werden. – Es ist sehr trocken, und man wünschet Regen.
Mey
Am 1ten wurde in der Behausung des Scheffen Steinberger das Friedensgericht eröfnet. Der ehemalige Administrator Neesen ist Friedensrichter, die Scheffen Steinberger, Sturm, Schmitz von Nivenheim und Hügo von Zons sind Assessoren.
Am 7ten – Gemäß einer neuen Ordre muß izt der Bürger dem Soldaten von heute an wieder täglich ½ Pfund Fleisch und 1 ½ Pfund Brodt geben. Dafür wird ihm in den Steuern 6 Stüber pro Tag gut geschrieben.
Am 13ten – Bey dem dermalig zum zweitenmal gehaltenen Friedensgericht war der Zulauf sehr stark. Obschon der Richter unentgeltlich Recht sprechen muß, so kostet doch ein einzelner Bescheid 90 Stüber. – Seit vier Tagen haben wir Regen in Ueberfluß.
Am 27ten, Pfingsten – Das Korn im Feld sieht sich treflich an. Vieles hat sich schon gelegt. – Heut kame die Correspondenz wieder von Worringen hieher. Die Errichtung des Freyheitsbaumes und die Installation der Municipalität ware auf morgen vestgesezt. Mein Bruder Thomas ist Präsident, Herman Hambloch Agent und der Vicarius Schmitz Adjoint. Nun wuste man noch nicht bestimmt, welche Ortschaften zu unserem Canton gehören. Deswegen ist mein Bruder gestern mit dem Friedensrichter auf Aachen gewesen und brachten die Liste mit, welche den hiesigen Canton Dormagen ausmachen: Dormagen (chef-lieu), Worringen, Merkenich, Fühlingen, Weiler, Esch, Roggendorf, Stommeln, Nettesheim, Hakenbroich, Delven, Gohr, Rommerskirchen, Nivenheim, Straberg, Rosellen, Hosten, Helfenstein, Stürzelberg, Dielrath, Zons. – Weil nun die Zeit zu kurz war, so muste man das Fest bis auf Donnerstag, den 31ten, verschieben. Desfals wurde ein Circulair erlaßen, vermög welchem am bestimten 31ten im ganzen Canton gefeyert und den 30ten mittags und abends, fort am 31ten morgens, mittags und abends jedesmal eine Stunde mit allen Klocken geläutet werden muste. Aus jeder Gemeinde sind ebenfals 4 Deputirte zu Pferd eingeladen, welche den Zug mitmachen müssen.

[279]

1798
Mey
Am 31ten, Donnerstag[268] – Schon gestern Abend ward durch Abfeurung einiger und 30 Böller die Feyer des heutigen Tages verkündiget. Diesen Morgen 6 Uhr ward die Frühmeß und um 9 das solemne Hochamt abgehalten. Von Zeit zu Zeit wurden die Böller gelöset. Es kame eine ungeheure Anzahl Fremde aus den Städten und vom Lande hieher. Erst um 1 Uhr versammelte sich der Zug am Pflug: zuerst ein Gensdarmes, dann die große Bürgerfahne, demnach die Schule, die Junggesellen mit einer Fahne, 12 Mädcher, welche die Costümen[269] trugen (als Huth und Scherpe des Präsidenten etz.), dann 10 Musikanten, das Friedensgericht, das Militair, die Municipalität, die Zollbeamten von Zons, aus jeder Gemeinde 4 Deputirte zu Pferd und die Männer aus dem Dorf. Der Zug gienge das Dorf hinunter auf Walhoven, wo der Freyheitsbaum auf einem prächtig geschmückten Wagen lage. Von da wurde der Zug das Dorf hinauf an die Kirche geführt, wo Stutten unter die Kinder und Brodt und Geld den Armen gegeben wurde. Hier hielt der Commissair Herter eine Rede, nahm dem Präsidenten und den Agento den Eyd ab und zierte selbige mit ihren Costümen. Die Männer und Jungen bekamen Bier, und bey Pannes und im Schwanen wurde an Tafeln von 80 Gedecken gespeiset. Bey Sturm ward ein sehr glänzender Ball gegeben, der erst morgens 6 Uhr zu Ende gieng. – Schön Wetter.
Junius
Am 1ten – Es passiren sehr wenig Soldaten; und die, welche kommen, denen wird hier auf der Municipalität eine Ordre gegeben, womit sie auf die benachbarte Orte gehn. 6 schwere Reiter für die Correspondenz sind hier und 5 Voluntair, welche Acht haben, daß keine Früchten über den Rhein gehen, doch lassen die Soldaten gegen ein Trinckgeld sich dazu willig finden. – Kornpreis 4 Reichstahler.
Am 7ten, Fronleichnam[270] – Alles ware eingerichtet, daß wir heut die Prozeßion halten wollten, da kame unser ehmalige Voigt, der uns riethe, solches nicht zu thun, weil der Commissair Rick den Bergheimer schon aus dieser Ursach 25 Kanonier zu Pferd als Züchtigungs-Truppen hingelegt, da der Ober-Commissair Rudler von Neuem die Prozeßionen verbothen hat. Wir hielten also um 9 Uhr das hohe Ammt und nach demselben eine von der geistlichen Obrigkeit auf 8 Täg zur Vollendung des Friedens verordnete Andacht, welche diese Octave hindurch abends 8 Uhr gehalten wird.
Am 17ten – Diese Täge war es sehr heiß, drauf erhielten wir heut einen köstlichen Regen. Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber, Rabsamen 7 Reichstahler 18 Stüber, Haaber 17 Schilling.

[280]

1798
Junius
Am 20ten – Bey Errichtung des Freyheitsbaumes hatten verschiedene Agenten sich geweigert, den Eyd der Republick zu schwören. Aus jenen Gemeinden wurden nun neue Agenten vorgeschlagen. Indessen hatten Erstere sich vereinigt und eine Petition zu Aachen eingegeben, vermög welcher sie den Präsidenten abgesezt wissen wollten; theils, weil er kein Französisch verstehe, theils, weil er, nach ihrem Vorgeben, das Zutrauen des Volks nicht besitze. Sie wurden aber zu Aachen abgewiesen. – Regenwetter.
Am 29ten – Die Correspondenz zu Pferde besteht izt aus 11 schweren Cavalleristen. Alle Zehenden und Lehnrechten sind abgeschaft, jeder darf auch alles Wild auf seinem Eigenthum tödten, wenn die Felder leer sind. Zugleich ist der Mühlenzwang aufgehoben. Dagegen ist auf die Länder zwischen Maas und Rhein eine Contribution von 12 Milionen gelegt worden.
Julius
Am 2ten – Es regnet schon so lang und viel, daß wohl 60 Morgen Kleeheu verdorben ist. Übrigens ist das Heu sehr niedrig im Preise. Das 100 Pfund neues Heu gillt 20 Stüber, und man kauft einen Morgen um 5 Reichstahler. – Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber, Haaber 18 Schilling. – Heut kamen die Commisen hier an den Rhein, um das Aus- und Einführen von Waaren und Früchten zu hindern. Deswegen sind alle holländische Waaren im Aufschlag.
Am 6ten – Indessen kömmt es dem Landman sehr hart an, daß die Regierung izt darüber her ist, alle äußerliche Zeichen der Religion abzuschafen. Schon vor 8 Tagen ward die Joanna Kollenbroich mit den Sacramenten versehen, wo der Pfarrer zuerst ohne Kirchenornat hingienge. Dieselbe starb heute und wird gleichfals nach der neuen Art begraben werden.
Am 15ten – Man kann wegen dem anhaltenden Regen noch nicht einscheuren, doch steht schon vieles Korn auf Gästen. – Noch dauren die Unterhandlungen zu Rastad, und die Engländer halten alle französische und niederländische Seehäven blokkirt. Seit 8 Tägen sind die Commisen hier am Rhein. Dies macht die Kaffebohnen steigen, bis zu 50 Stüber das Pfund.
Am 26ten – Beynahe 6 Wochen regnet es täglich. Nur die fleißigste Ackersleuthe haben etwas Korn eingescheuert. Das Übrige ist auf den Gästen grün am wachsen. Das Malder altes Korn gilt 4 Reichstahler 15 Stüber, Weitz 8 Reichstahler. Die 12 Millionen sind izt hier vertheilt. Es beträgt für den Morgen oben im Feld 51 und unten im Feld 25 ½ Stüber.
Am 28ten – Gestern und heut sollte das Fest der Freyheit und der Sturz Robespierres gefeyret werden. Es wurde in allen Gemeinden 3 mal des Tages mit den Klocken geläutet und hier gebeyert. – Nach einer strengen Verordnung müssen Kreutzer und alle Zeichen einer öffentlichen Religion weggeräumet werden, doch ist hier damit noch nicht angefangen worden.

[281]

1798[271]
Julius
Am 29ten, Sontag[272] – Gestern ließ es ab mit Regnen, und weil es heute gut Wetter war, so verkündigte der Pfarrer, daß jedem das Arbeiten an Früchten und Heu erlaubt seye.
August[273]
Am 5ten – Vor 2 Tagen kame ein Pakket an den Commissair, daß am 5ten in Gegenwart das Presidenten und Platz-Commandanten erbrochen werden soll. Alle Agenten musten um 7 Uhr auf der Municipalität seyn. 20 Cavalleristen waren vor dem Municipal-Hause aufgestellt, eine Wache am Saal und eine an der Hausthür. So sehr man auch befürchtete, es möchte die Geistlichkeit oder das Abbrechen der Kreutzer betreffen, so ware es doch anders nichts, als daß jedem Agenten zwey Reuter mitgegeben wurden, welche die Läden durchsuchen musten, ob englische Waaren vorfindlich wären. – Noch dauern die Unterhandlungen zu Rastadt fort, ohne daß man sagen kann, was sie gemacht haben.
Am 17ten – Heute kamen zwey von den zu Worringen cantonirenden Infanteristen hieher bey Steinberger und tranken. Sie hatten schon im Dorf verschiedene Einwohner beleidigt. Endlich am Abend kamen einige von den Correspondenz-Reitern vom 4ten Regiment hinzu. Einer von den Infanteristen, ein Corporal, fuhr der Reiter einen hart an, schimpfte auf ihn und forderte ihn auf den Sabel. Der Reiter grif die eiserne Blaßröhre am Herd und wolte damit Friede stiften. Die Infanteristen bestunden darauf, daß sie auf den Sabel gehen sollten. Alsofort giengen sie hinten die Kirchhofmauer in des Pfarrers Bungart. Erst fochten sie mit Reitersäbeln. In den ersten Minuten hieb der Reiter des Corporals Sabel in zwey Stücke. Nun nahmen sie Infanteristen-Degen. Der Reiter bekame einen leichten Hieb in die Schulter. Er riefe: "Ich bin blessirt." Und in dem Augenblick erwiederte der Corporal: "Ich auch." Und der Corporal sank zur Erde und gab kein Zeichen des Lebens mehr von sich. Er war ins Herz getroffen. Sogleich fertigten die Reiter einen Rapport an den General, den der Thäter selbst auf Kölln ritte. Erst wollte der commandirende Sergeant selben arettiren. Er erklärte aber, daß er im Dienst wäre und solches nicht stattfinde.
Am 18ten – Der Corporal wurde heut durch unsern Chyrurg Eller eröfnet. Der Stich ware durch das Herz gegangen. Deswegen ware der Todt so schnell. Diesen Abend wurde die Correspondenz durch das 10te Regiment abgelöset.
Am 19ten, Sontag[274] – Schon gestern hatte man den Soldaten in das ehemalige Cremerius-Haus gebracht. Heut um halb 10 wurde er begraben. 4 Soldaten trugen die Leiche, und 8 mit einem Sergeanten begleiteten dieselbe. Er wurde in die Kirche aufs Kohr getragen, und nach vollbrachter Einsegnung blieb die Leiche dort stehen. 2 Degen lagen über der Bahre. Zwischen der Elevation machten die Soldaten Manövres und rührten die Trauertrommel. Nach dem hohen Amt ward die Leiche versenkt, und die Soldaten schossen ins Grab.

[282]

1798
August[275]
Am 21ten – Seit dem 29ten Julius hatten wir gräßliche Hitze. Die Sommerfrüchten werden jählings reif, und man harret auf Regen. – Gestern und vorgestern giengen 2 Regimenter schwerer Reiter hinab auf Neus. Sie waren vor Kurzem ins Bergische gezogen. Weil nun aber die Rußen und Engländer zur See auf Dünkirchen und Ostende eine Landung drohen, so muß sich viel Volks dahin ziehen. Auch scheint das gute Einverständniß zwischen Kayser und Frankreich zu wanken, und die Kayserliche Armee steht zum Schlagen bereit in Italien.
Am 25ten – Die französischen Minister zu Rastad fodern schleunige Antwort auf ihre vorgeschlagene Bedingniße. Hierunter gehöret vorzüglich die Abtr[e]tung des linken Rheinufers, die Schleifung Ehrenbreitsteins, die freye Schifart auf allen Flüssen des Deutschen Reichs für die Franzosen und die Anlegung zweyer Handlungsbrücken zu Kehl und Hünningen. Da aber der Kayserliche Minister selbst nicht einzuwilligen scheint, so steht ein neuer Krieg zu befürchten. Alle Franzosen musten seit zwey Tägen aus dem Dorf und ganzen Lande aufbrechen, um über den Rhein auf Frankfurth zu gehn, so daß wir nicht einmal seit dem 23ten die Correspondenz hier haben. Es dörfen nur Früchten mit Pässen zu Düsseldorff und Mülheim ins Bergische gehn. Deswegen liegt hier der Handel still.
September[276]
Am 3ten – Am 29ten August gienge ein hier vom Düsseldorfer Wagen absteigender Franzos auf die Jagd. Der Commissair Herter ließ ihm das Gewehr abnehmen, und er muste schriftlich hinterlaßen, daß man ihn in der Jagd arrettirt habe. Drauf kame gestern der Adjudant des General Jacobe mit gemeltem Secretair wieder, foderte das Gewehr, oder er wollte uns eine Escadron Cavallerie in den Ort legen. Man gabe ihm das Gewehr. Demungeachtet kamen doch heute 2 Compagnien vom 25ten Reiter-Regiment hieher und in den Canton. Sie betragen sich aber sehr ordentlich und beziehen ihre Lebensmittel aus den Magazinen.
Am 12ten – Weil die Reichsfürsten noch nicht in die von den französischen Ministern zu Rastadt gemachten Foderungen einwilligen wollen, so zieht sich die französische Armee in der Gegend von Wetzlar und Frankfurth auf die Gränzen des noch nicht besezten Deutschen Reiches. Deswegen kamen auch heute 2 Bataillons von der Nordarmee hieher, denen am 14ten das 3te Bataillon folgte. Sie wurden in die Gegend vertheilt und ziehn auf Strasburg. – General Bonnapart ist mit der Touloner Flotte und 25.000 Mann Landungs-Truppen nach Egypten gesegelt. Man sagt von einer Seythe, er wäre glücklich gelandet. Andere hingegen behaupten, er sey vom englischen Admiral Nelson geschlagen und gefangen worden.

[283]

1798
September
Am 16ten kamen wieder 3 Bataillons von der Nordarmee. Diese wurden in die Gegend so vertheilt, daß nur 34 Gemeine mit 1 Ofizier hier blieben. Kornpreis 30 Schilling, Haber 2 Reichstahler 7 ½ Stüber.
29ten – Das heutige Michaelifest wurde in der Kirche mit möglichster Pracht vollzogen, doch wurde wegen dem Verboth keine Prozession gehalten.
October
Am 1ten – Die seit dem 3ten Sept. hier logirte Reiter will der General nur gegen eine Erkentlichkeit von 60 Kronthalern aus dem Kanton verlegen. Einige Ortschaften zeigen sich willig zur Erlegung ihrer Quote, andere nicht. Jetz hat jederman einen Zettel bekommen, worauf er anzeigen muß, wie viel an Morgenzahl und Hausplatz er besizt und wie viel dieses im Jahr 1790 und wie viel es izt werth ist. Diesemnach soll der neue Steuerfuß eingerichtet werden.
Am 9ten – Die Reichsfürsten sitzen noch in Rastad mit den französischen Ministern und unterhandeln über Krieg und Frieden. Leztere haben sich izt dazu verstanden, daß Cassel und Kehl geschleift und der Boden an die deutschen Fürsten abgetreten werden soll. – Es ist das schönste Wetter, das man je zur Saath wünschen kann.
Am 12ten – Izt versichern uns die Zeitungen, daß die Russen in vollem Anmarsch gegen die Franzosen sind. Auch ist eine rußische Flos aus der Krimm durch den Kanal von Constantinopel gesegelt, um den General Bonnapart, der in Egypten gelandet und in Alexandrien eingezogen, anzugreifen.
Am 14ten, Kirmes[277] – Das schöne, doch etwas kalte Wetter hatte viel Fremden hiehergezogen. Die Kavalleristen befolgten die ihnen vom Commendanten ertheilte sehr strenge Ordre, und der Tag wurde lustig zugebracht.
Am 15ten – Diesen Nachmittag bekamen die Jungen beym Rey in der Behausung des Franz Engels Streit, und ein Reiter bekam derbe Schläge. Sogleich wollten die Reiter den Thäter oder Wirthen ins Prison führen. Der President der Munizipal-Verwaltung aber lies dieses nicht zu und schickte den Agenten hin, der aber den Thäter nicht ausfindig machen konnte. Man gabe vor, es wäre ein Fremder aus dem Bergischen gewesen, und es blieb dabey. Der Commendant gienge selbst die ganze Nacht Patrullien, doch ward dem Wirthen Franz Engels verbothen, heute nicht mehr zu zapfen.
Am 16ten musten die Reiter fort. Auch ohne dies würden wir ihrer loß worden sein, weil Dormagen, Stommel und mehrere Gemeinden dem Adjudant Le Febre ein Geschenk von 4 Carolin gemacht hatten, wofür er uns Erleichterung in die Zukunft verspricht.

[284]

1798
October
Am 22ten – Jetzt haben wir keinen einzigen Soldaten im Dorf. Die Correspondenz ist in Zons, und die Truppen aus der Gegend ziehen sich nach der Schweitz und Italien. Verschiedene Schweitzer Cantone wollen die ihnen von den Franzosen vorgelegte Constitution nicht annehmen, und der Keyser, Rusland, die Türken und England werden von Neuem den Krieg gegen Frankreich beginnen. Kornpreis 4 Reichstahler.
Am 28ten – Noch gibt es sehr angenehme Tage, und die Saath sieht sich treflich an. Seit dem 16ten war kein Soldat im Dorfe logirt. Die Correspondenz ist izt in Zons. Die Franzosen wollten der Schweitz eine neue Constitution geben und haben verschiedene Cantone schon besezt. Graubünden aber wiedersezte sich und suchte Schutz beym Kayser, dessen Truppen nun daselbst eingezogen sind.
Am 29ten – Ganz unvermuthet kame heut ein Bataillon von Düsseldorf hieher. Es bliebe eine Compagnie hier, die übrigen giengen vorwärts. Es ist eine allgemeine Truppenbewegung. 20 tausend Mann ziehn auf Brabant, wo eine Contrerevolution ausgebrochen ist. Gemäß einem Beschluße des Directoriums müssen alle junge Leute in der Republik von 20 bis 25 Jahren Soldat werden. Dieses hat die Brabänter aufgebracht, und zu Antwerpen, Mecheln etz. ist alles im Aufstande.
November[278]
Am 3ten verbreiteten sich von allen Seythen die Nachrichten, daß die brabäntigen Rebellen auf den Rhein im Anzuge wären. Venlo, Roermund etz. wären schon von ihnen eingenohmen, und sie könnten höchstens noch 3 Stunden von Creyfeld entfernt seyn. Auch in Aachen bis durch die Eifel wäre alles im Aufstande. Der hiesige Commissair Herter und die Vornehmsten der Gemeinde beschlossen, daß ich alsofort jene Gegenden bereisen und mich von der wahren Lage der Dinge überzeugen sollte. Inzwischen vernahme man, daß diese Sorge übertrieben und in Venlo noch alles ruhig wäre. Mithin unterblieb meine Reise.
Am 5ten – Abends 6 Uhr kamen Quartiermacher von einem Bataillon, wovon 4 Compagnien mit dem Stab hier und 5 Compagnien in Worringen einlogirt wurden. Um 9 Uhr kamen die Truppen an. Es stürmte bey hartem Regen abscheulich. Demungeachtet musten die 5 Compagnien noch auf Worringen. Sie kamen von Düsseldorf und gehn nach Kölln in Garnison. – Die Correspondenz ist izt in Zons.
Am 13ten – Gestern fienge es etwas zu winteren an. Obschon seit Kurzem viele Truppen von der andern Rheinseite nach Brabant aufgebrochen sind, so fällt doch noch nichts Entscheidendes vor. Die Insurgenten sind am stärksten in der Gegend von Gent. Auch hörten wir gestern Abend eine anhaltende Kanonade über Horm. Es mochte wohl 30 Stunde entfernt seyn. – Kornpreis 4 Reichstahler, Weitz 6 Reichstahler 30 Stüber, Haber 19 Schilling.

[285]

1798[279]
November
Am 14ten – In der Nacht vom 11ten auf den 12ten dieses wurde hier der Freyheitsbaum abgesäget. Da dieses leicht Anlaß geben konnte, daß zur Strafe ein Bataillon Soldaten ins Dorf verlegt würden, so wurde auf der Stell am 12ten des Nachmittags ein neuer wachsender Baum hingepflanzt. Es ist eine Italienische Pappel, welche man zu Hackenbroich auf der Burg gehohlt hat. Es wurden sofort alle Wirthe aus dem Dorf vor das Friedensgericht zitirt und vernommen, wer und wie lange man bey ihnen getrunken hat, doch kame nichts heraus, was Argwohn verursachen konnte. – Etwas Frost.
Am 16ten – Bonnapart ist in Egypten, und man erfährt nicht das Mindeste von ihm. Seine Flotte, welche nach Europa zurück wollte, ist von den Engländern genommen worden. – Zu Rastad dauern die Unterhandlungen noch fort. Hingegen rüstet sich der Keyser in Italien wieder zum Krieg. Wir haben izt seit der Kirmes keinen Soldaten im Dorf logirt.
Am 22ten – Heut Nachmittag brachte eine Ordonanz einen Brief vom General Jacobe, daß die Municipalität auf den Abend für 7 Compagnien Billetter machen sollte, welche von Düsseldorf ankommen würden. Da aber wahrscheinlich die Ordre zu späth nach Düsseldorf ankommen ist, so blieben die Truppen aus. Diese Nacht hat es stark gefroren. Kornpreis 4 Reichstahler, Haber 19 Schilling.
Am 25ten – Am 23ten kame das gestern erwartete Batailion und gieng durch auf Kölln. – Lezthin ward von der Municipalität verbothen, daß keiner den Mistpfuhl aus seinem Hofe auf die Straß laufen laßen soll. Als dieses dem Peter Pannes angesagt wurde, erwiederte er, daß keiner ihm etwas hierin vorzuschreiben habe. Darauf erlies die Verwaltung den Beschluß, daß der Peter Pannes beym Friedensrichter denunciirt werden soll. Als dieser Beschluß diesen Morgen im Hohenamte abgelesen wurde, sagte der Pannes laut in der Kirche: "Deren sind noch mehr, welche den Mistpfuhl in die Straße laufen lassen"[280]. Der Pfarrer erwiederte, daß er sich desfals an die Municipalität zu wenden habe. Der Pannes antwortete, weil der Pfarrer seinen Namen genennt habe, so fände er sich verpflichtet, darauf zu antworten.
Am 27ten – Gestern Nacht starb in Rheinfeld die 78-jährige Wittib Catharina Bükendorf. Und als man diesen Morgen bis 10 Uhr auf die Todtenlade gewartet hat und desfals nach dem Schreiner schickte, antwortete derselbe, daß die Todtenlade auf morgen erst fertig und bestellt seye. Die Leichenbegleiter kamen also in das Seelenamt, und morgen wird erst die Leiche begraben. – Regenwetter.
December
Am 4ten – Das stürmische Wetter hat den Rhein bereits an mehreren Orten aus seinen Fugen getrieben. Wir haben aber heute mit mehr denn 100 Arbeitern den Sommerdamm am Platthalse verstärkt und hiedurch das Austreten verhindert. Kornpreis 30 Schilling.

[286]

1798
December[281]
Am 8ten fienge es stark an zu frieren. Dieses krönte unsre Arbeiten am Rheine, daß unsere Felder nun nicht überschwemmt worden sind.
Am 10ten – Seit 14 Tägen arbeiteten 6 Karren und 6 Arbeiter hier im Dorf, um die Landstraße unten am Hellbüchel zu vollenden. Jeder Gemeinde ist eine Strecke angewiesen, welche sie auszubessern hat. – Heute hat man mit 12 Karren angefangen, die Nettergaße zu machen. – Im Bergischen liegen allenthalben längs dem Rheine in den Dörfern französische Cantonirungen, um das Ueberfahren der Früchten zu verhindern. – Kornpreis 30 Schilling, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.
Am 13ten – Gestern Abend 8 Uhr wurden alle Einwohner hier oben im Dorf in Schrecken gesezt: Im Pflug fienge der Schornstein im Brauhaus Feuer. Die Funken flohen in die benachbarte Höfe, und man schrie jämmerlich um Hilfe. Die häufig herbeigeeilte Menschen dämpften zeitig das Feuer, sonst würde bey dem strengen Frost und der Trockenheit so wie dem über das Dorf die Länge wehendem Winde das Elend unbegränzt gewesen seyn. – Es ist heute viel Eis im Rhein.
Am 15ten – Gemäß einem Beschluß des Br. Rudler muß in jeder Gemeinde ein Freyheitsbaum errichtet werden. Hiermit ward heute zu Zons der Anfang gemacht. Die ganze Munizipal-Verwaltung und das Friedensgericht so wie die Schulen des Städtchens begleiteten den Zug, der doch sonst einem Leichen-Begängniß sehr ähnlich war.
Am 18ten – Es hat wieder ein paar Tage geregnet, und der Rhein schwillt an.
Am 20ten – Der Frost beginnt wieder. – Am 22ten fiel ein Fuß tief Schnee.
Am 24ten war der Frost erstaunlich stark. In den wärmsten Stuben thauen die Gläser den ganzen Tag nicht auf. Am 25ten ware der Frost stärker, und der heftige Wind erhöhete die Källte fast zu zum Unausstehlichen. Eine heut von Kölln eingetroffene Canonier-Compagnie ware vom Froste erstarrt, daß man sie augenblicklich einlogieren muste, ohne einen einzigen davon zu detaxhiren. Verschiedene Leuthe fiengen in ihren Häusern Vögel mit den Händen, und man will allgemein behaupten, die Källte habe jene vom Jahr 1783 im [17]84 sowie vom Jahr 1788 und 1794 in 1795 übertroffen. Kornpreis 30 Schilling.
Am 26ten fror es noch stärker als die beyde Täge. Nur ware der Wind still, und um die Mittagszeit ware es etwas milder. – Haaberpreis 2 Reichstahler 30 Stüber.
Am 27ten – Der Frost hällt noch mit eben der Heftigkeit an, wie die vorige Täge. Eine Bettlerin von Hackenbroich starb in dem nähmlichen Augenblick, als sie zur warmen Stube in Straberg eintrat, um die erstarrte Glieder aufzudauen. Diese und die vorige Nacht sind dem Welfer Halfen und dem Joan Cremer 13 junge Schwein, 1 Jahr alt, erfroren und mehrere Hüner im Dorf erstarrt.

[287]

1798[282]
December
Am 30ten – Die Kälte ist etwas gemildert, dennoch immer sehr hart und bitter. Zum Glück hat der Scheffen Steinberger noch Geriß und Kohl, von Ersterem das Malder zu 1 Reichstahler 12 Stüber, so daß die arme Leuthe nicht vor Kälte sterben, da sonst jede Gelegenheit durch den Schnee abgeschnitten ist, Holz zu sammeln. Obschon man die Kälte so genau nicht bestimmen kann ohne ein richtiges Thermometer, so glaubt man doch allgemein, daß am Kristlag, am 25ten, die Källte am stärksten ware und jene von 1784, [17]88 und 1795 übertroffen hat. Der Rhein treibt dicht mit Eis.
Am 31ten – Alle Tage passiren Truppen in einzelnen Compagnien. Diese werden dann von der Munizipalität auf die benachbarte Dörfer geschickt. Zuweilen, wenn's schon späth oder gar zu kalt ist, so müßen sie hier bleiben. – Der König von Neapel hat mit der Französischen Republick von Neuem den Krieg angefangen. Der erste Angrif ware für die Franzosen nicht günstig. Der General Championnet wurde zurückgedruckt, und die Neapolitaner zohen in Rom ein. Auch spricht man von einem neuen Bündniße zwischen Wien, London, Petersburg und Constantinopel. Demungeachtet sind die Gesandten in Rastadt noch stets beysammen, wo man izt nur noch über die Säcularisationen und die Aufhebung der Blokade von Ehrenbreitstein debattirt. Preußen hällt sich still, und von den Insurgenten in Brabant hört man wenig. – Die Källte war gemäß der Köllnischen Zeitung folgender Grade: am 24ten stand das Thermometer auf 16 Grad unter 0 nach Reaumur, am 25ten auf 16 ½, am 26ten auf 21, am 27ten auf 18. Im Jahr 1784 war der höchste Grad der Källte 20 Grad unter 0, im Jahr 1788 = 17 ½.

1799

[288]

1799[283]
Januar
Am 1ten – Die Källte will noch nicht nachlaßen. Ein dicker Raureif bestäubt Haare und Gesicht, sobald man nur vor die Thüre tritt. Zu Düsseldorf giengen schon gestern schwere Lastwägen über den zugefrorenen Rhein, und hier treibt derselbe dicht mit Eiß. Heut Nachmittag kame 1 Escadron mit dem Staab des 23ten Regiments schwere Cavallerie von Creveld hieher. Eine Compagnie gieng auf Nivenheim und die andre auf Worringen.
Am 2ten – Schon in der Früh sezte sich der Rhein zu Zons, am Abend that er's im Kolk.
Am 3ten – Morgens 9 Uhr sezte sich der Rhein hier am Platthals. Das Wasser lief wohl 5 Fuß auf. Als der Rhein 2 Stund gestanden hatte, da fienge er wieder an zu treiben und sezte sich erst des Abends um 9 Uhr vest. – Heut kamen 4 Compagnien mit dem Staab vom 6ten Regiment, wovon der Staab hier blieb. Sie gehn auf Creveld. Es bleibt noch kalt.
Am 4ten ware es wieder sehr kalt. Der Rhein steht mauervest.
Am 5ten – Die Källte ist ganz gemildert, doch friert es noch etwas. Kornpreis 30 Schilling.
Am 15ten – Diese Täge ist's gar nicht kalt. Es stiebt zwischen Regen und Schnee. Der Rhein stunde gestern erst bis Niel. Zu Kölln fuhre man noch mit Nachen. – Gestern kame eine Kanonier-Compagnie von Neus hier ins Logis und heute ein Bataillon von der 108ten Halbbrigade. Die Grenadier und der Staab blieben hier, und 3 Compagnien musten nach Esch.
Am 19ten – Heut ware es wieder etwas kälter, sonst war's bisher gelind. Man fährt auch zu Monheim mit Karren über den Rhein. Zu Kölln hat selbiger sich erst gestern gesezt. Von oben, bis Unkel herab steht derselbe schon seit dem 26ten December. – Man hat verschiedene Wölfe gespührt, unter andern zu Esch und im Stüttgen. Deswegen wurde heut von der Municipalität und den Förstern im Worringer Bruch Klopfjagd gehalten, doch nur 3 Füchs und einige Hasen geschossen. Kornpreis 2 Kronthaler, Gerst ditto.
Am 20ten war es kälter. Der Welferhof und das Städtchen Zons haben bey dem Aufbruch des Rheines viel Ungemach zu befürchten, weil unser Damm zerbrochen ist.
Am 22ten war es etwas milder. Die Nacht auf den 23ten fror es gar nicht, und mit Tagesanbruch fienge es an zu regnen. Der Rhein hat sich zu Kölln gegen der Stadt 9 mahl gesezt und schob jedesmal unterhalb der Stadt zusammen. Bey dieser Gelegenheit ward das Bönnische Marktschif zertrümmert.
Am 24ten regnete es zuweilen. Der Welfer Halfen macht schon Anstalten, sein Vieh im Dorf unterzubringen. Am 25ten thauet es still ohne Regen.
Am 26ten konnte man am Rhein keine Bewegung sehen. Auch ist das Wasser noch nichts gewachsen. Am Abend kame der ehemalige Friedensrichter Neesen, jetz Notair in Kölln, mit der Nachricht, daß zu Kölln der Rhein diesen Nachmittag zu treiben angefangen. Sogleich wurden

[289]

1799[284]
Januar
Am 26ten – die Zonser durch eine Ordonanz zu Pferd davon benachrichtet, welche dieses alsofort auf Stürzelberg und Uedesheim Kund machen musten. Die ganze Nacht musten 2 Dienstleute zu Pferd beym Agenten bereit stehen, welches von Merkenich an bis Uedesheim verordnet ist. Auch musten 4 Mann mit der großen Kirchenleuchte den Rhein beobachten. Mit der großen Klocke wird nicht einzeln geläutet. Nur wenn der anschwellende Rhein den Sommerdam am Platthalse übersteigt, dann wird selbige gezogen. Die Walhover und Rheinfelder flüchteten heut schon ihr Vieh hieher.
27ten, Sontag[285] – Das Wasser ware um 9 Uhr vier Fuß gewachsen. Die Eißdecke hatte sich aufgehoben. Um 1 Uhr nachmittags fiele der Rhein wieder, 3 Fuß. Der Präsident hatte den Huissier Bochern zum Rielerhauß bey Kölln geschickt, um da jede Bewegung des Rheines zu beobachten und alle 3 Stund Rapport einzuschicken. Um 5 Uhr abends berichtete der Bochern, daß der Rhein noch 2 Fuß wachsen muß, ehe er den Rieler Damm übersteige. Um 6 berichtete der Agent Cremerius von Worringen, daß er den Rhein bis Neel recognoscirt und gefunden habe, daß die Gefahr größer seye als 1784. Um 8 Uhr abends berichtete Bochem, daß der Rhein noch ein Fuß wachsen muß, ehe er den Neeler Dam übersteige, und er werde sich noch eine Stunde am Rieler Hauß aufhalten und alsdann sich auf Merkenich in Sicherheit begeben. Um 10 Uhr abends kame eine Ordonanz von Merkenich mit der Nachricht, daß der Rhein dort 3 Fuß gefallen. – Diesen ganzen Tag regnete es. Viele Bürger von Zons und Worringen flüchteten mit ihrem Vieh hieher. – Am 25ten hat sich die Vestung Ehrenbreitstein an die Franzosen ergeben. Sie ziehen aus Mangel an Lebensmittel vermög Capitulation ab.
28ten, montags[286] – Das Wasser ware 2 Fuß gefallen. Um die Mittagszeit ware es wieder auf der vorigen Höhe. Der Posthalter ritt aufwärts, den Rhein zu recognosciren. Inzwischen brachten verschiedene Ordonanzen die Nachricht, daß der Rhein den Rieler Damm überstiegen und durchbrochen, daß das Wasser am Nippes den Thal überschwemmt und auf die Laacher Höfe über die Fühlinger Heyde läuft u.s.w. – Nachmittags 4 Uhr hatte der Rhein noch ¾ Fuss zu wachsen, wo er alsdann den Sommer-Damm am Platthalse übersteigen werde. Sogleich wurde eine halbe Stunde lang mit der großen Klocke geläutet, welches den Rheinfelder und Zonser zum Signal diente, daß der Rhein dem Dorfe bald vorbey treiben werde. – Abends 9 Uhr ware die Wache noch an dem Sommerdamm. Kaum waren sie wieder hier, als auch schon das Wasser 3 Fuß hoch dem Dorfe vorbey trieb.

[290]

1799[287]
Januar
Sogleich wurde wieder mit der großen Klocke geläutet. Wir giengen mit mehrern Leuchten über den Höhenberg auf unsern Damm. Da fanden wir, daß das Wasser um 10 Uhr schon 4 Fuß gefallen war. Ungeheure Eisklumpen lagen dies- und jenseits des Damms. Das Eis im Rhein hatte sich geschoben, stand aber wieder vest. Da sahe man auf allen Rheinorten viele Lichter, und von Zons aus vernahme man um Mitternacht, daß auch dort der Rhein noch stehe.
Am 29ten – Morgens ware das Wasser 4 Fuß gefallen. Der Rhein trieb das Eiß dem gewöhnlichen Stroome nach und viel Wasser durch die Aue. Um die Mittagszeit kame die Nachricht, daß der Rhein sich zu Zons wieder gesezt und der Damm zwischen Zons auf die Landstraß hin durchgebrochen, mithin alle Gemeinschaft mit Zons abgeschnitten seye. Unser Rheinfeld liegt bis in den Bixem und in die Gärten voll Eiß. Der Rhein trieb hier noch fort, bis es dunkel ward. Da setzte sich am Platthalse von Neuem das Eiß. – Um 8 Uhr abends war das Wasser so hoch wie im Jahr 1740, denn es triebe am Pflug am Spühlloch hinein. – Schon gestern Nachmittag ward der Himmel heiter, und diesen Morgen war es 3 Finger dickes Eiss gefroren. Die Correspondenz ist noch hier. Sonst hat der General Jacobe Befehl gegeben, daß alle Truppen über Nettesheim, Stommel oder Gohr gehen. Nun kame diesen Abend eine 150 Mann starke Transport Recruten. Sie musten, alles Weigerns ungeachtet, noch auf Straberg.
Am 30ten – Das Wasser ware so hoch angeschwollen, daß der Pflug samt den zwey nebenan schiessenden Häusern unter Wasser gesezt waren. Und wenn es noch 3 und ein halben Fuß wächst, so wird es der Höhe von 1784 beykommen. Der Strom ist heute rein von Eiß, nur hat sich dessen eine ungeheure Menge unter die Perschen, das Kolk, Werth, Kranenorth, Aue, die Benden und rund um Zons beyseits hinter dem Pfannenschopf bis Stürzelberg und so weit das Auge reicht vestgesezt. Gestern Abend hörte man um 11 Uhr zu Worringen die große Klocke läuten. Dies ware das Signal, daß der Damm durchbrochen und Worringen überschwemmet werde. – Das blanke Wasser treibt in zwey Strömen durch die Aue auf den Walhover Garten und neben Rheinfeld über die Zonser Pfannenkaulen durch den daselbst durchbrochenen Rhein auf die Stürzelberger Heide.
Am 31ten – Der Rhein fienge diesen Morgen wieder stärker an, mit Eis zu treiben. Das Wasser steht noch auf der nämlichen Höhe von gestern. Die Nacht hörte man in Rheinfeld um Hülfe rufen, und weil es so hart fror, so kann man nicht dahin kommen. Auch vernimmt man, daß der Rhein zu Zons noch vest stehet, welches sehr betrübend ist. – Diesen Nachmittag 5 Uhr kame der Besehr Fischer und Mathias Aldenhoven von Zons hieher. Sie hatten sich mit einem Nachen neben der Feldpforte durch eine Tiefe auf die Heyde hin durch das Eiß gearbeitet.

[291]

1799[288]
Januar[289]
Nach ihrer Aussage ist die im Jahr 1798 halb zertrümmerte Stadtmauer an der Rheinstraße vollends eingestürzt. Die dort wohnende Einwohner haben sich ins Zollhaus und auf den Rheinthurm geflüchtet. Am Schlosse ist die Mauer inwendig um den Weier mit 6 Kastanien eingestürzt, und das Rheineis steht bis wieder die Stadt in gleicher Höhe wie im Strome bis auf Monheim hinauf. – Das Brodt fängt schon an, rar zu werden, indem alle Backöfen unter Wasser sind, und nur ein einziges Häuschen samt dem bürgerlichen Gefängniß, der Kreutsch, sind noch vom Wasser frey. – Vom Bergerhof abwärts liegt alles unter Wasser, welches über unsern und den Worringer Damm geht. Aufwärts ist gleichfals die Üeberschwemmung bis ins Broich. Demungeachtet und obschon das Wasser bis Dielrath sich ausgedehnt hat, so kommen doch diese Täge alle Abend oft um 8 Uhr noch 100 und mehrere Recruten an, die sich wegen dem häufig fallenden Schnee nicht gut fortweisen laßen, obschon fast jeder Einwohner Flüchtlinge aus Rheinfeld, Zons oder Worringen aufgenohmen hat. Schon vor vier Tagen wurde an den General Jacobe geschrieben, welcher auch desfals antwortet, daß er keine Truppen mehr hieher schicken würde. Und er hat Wort gehalten: Allein, jene Recruten kamen per Ordre des Kriegs-Commissair Marée in Kölln. – Abends 11 Uhr fienge der Rhein schnell 2 Zoll zu wachsen an. In Zeit von zwey Stunden ware er schon zwey Fuß gefallen.
Februar
Am 1ten – Diesen Morgen ware der Rhein 6 Fuß gefallen. Das ganze Feld liegt voll ungeheurer Eisklumpen. Man sah die Rheinfelder um das Dörfchen wandeln. Allein, zu ihnen zu kommen, ware ganz unmöglich. – Diesen Nachmittag ward eine Collecte von Holz und Brodt für die Zonser gehalten. Der Rhein fällt noch anhaltend weg.
Am 2ten – Das Wasser ware so stark weggefallen, daß man bis Rheinfeld zu Fuß kommen kann, doch erschweren dieses die ungeheuren Eisberge ausserordentlich. Gleich vor dem Hochamt kamen einige Rheinfelder hieher. Der Rheinfelder Halbwinnerin ist ein Pferd und dem Sandhalfen 7 Schweine verunglückt. Der Peter Reil hatte um Hülfe gerufen, daß sie ihn mit dem Nachen auf den Sandhof hohlen sollten. Es regnete den Tag hindurch ein wenig, und man konte durch das Eiß gehen, indem der Rhein in seine Ufer schon zurückgetreten war. So viel man sehen konnte, so ist das Feld stark durch Lett gebessert worden.
Am 3ten – Diese Nacht ware es geschneet und stark gefroren. Der Rhein ware bey 6 Fuß gewachsen und triebe heut wieder stark durch die Aue. Der President hatt die hintere Gegenden des Cantons eingeladen, den armen Rheinbewohnern mit Holz und Brodt beyzustehen. Desfals lieferte Nivenheim schon 700 Pfund nach Stürzelberg.

[292]

Folgenden Bericht ließ ich in den Köllnischen Zeitungen einrücken:
Schrecklich sind die Verwüstungen, die der Rhein hier angerichtet hat. In der Nacht vom 28ten auf den 29ten Januar brach die Eißdecke des Rheines. Da das Eiß sich gegen Zons von neuem sezte und unser Damm 1794 durch die darin angelegte Batterien geschwächet, auch der damal bekannten Eißfahrt auf 3 Orten durchgerissen und bis dahin nicht hergestellt worden war, so stürzten Stroom und Eiß durch unsere Felder, zerbrachen den Zonser Damm und triebe durch zwey Thäler über die Landstraße aus Diehlrath bey Nivenheim. Weil nun das Eiß keinen Durchzug mehr hatte, so setzte sich selbiges in unsere Felder häuserhoch. Es zernichtete die darin mit vielen Kosten zum zweitenmale angelegte Holzpflanzungen, und wahrscheinlich wird die ganze Sath, wie im Jahre 1784, mit Sand und Kieß überschüttet worden seyn.
Das Wasser hatte auf 2 ½ Fuß nach die Höhe von 1784 erreicht. Dormagen ward an drey Orten unter Wasser gesezt, ein Hauß vom Eise fortgerissen und viele Früchten und Heu in den Scheuren überschwemmt. Das nahe hiebey gelegene Dörfchen Rheinfeld stand bis an die Dächer im Wasser. Man hörte die dasige Einwohner um Hülfe schreyen. Der ungeheuren Eißmassen wegen ist die Gemeinschaft noch nicht hergestellt. Nur so viel weiß man, daß Pferde und Schwein verunglückt und ein Pfächter vom Schreck krank geworden ist.
Am 31ten sahen wir 3 um Hülf schreyende Menschen auf einer Eißscholle hier vorbey treiben. Dem Anscheine nach fanden sie Gelegenheit, am bergischen Ufer zu landen.
Die Bewohner des Städtchen Zons hatten sich nur auf zwey Tage mit Brodt versehen. Die hiesige Munizipalität schickte Brodt, Holz und Fleisch dahin. Der Rest der noch stehenden Stadtmauer am Rheinthor ist eingestürzt.
Zwischen den in hiesigem Felde liegenden Eißbergen finden sich Fahrzeuge, Tannenhölzer etz. Die Munizipal-Verwaltung hat sogleich die Grundeigenthümer eingeladen, diese Gegenstände in sichern Verwahr zu bringen, um selbige den sich meldenden Eygenthümern wieder zuzustellen.

[293]

1799[290]
Februar[291]
Am 4ten – Diese Nacht ware es wieder gefroren. Der Rhein hat auf 5 Fuß nah die Höhe vom lezten Januar erreicht. Um 10 Uhr käme das Obereiß. Erst triebe es dem Strome nach, um 12 Uhr aber trieb die noch vom Eiß leere Schlenke in der Aue voll. Hakenbroich schickte 2 Karren Holz für die Dürftigen in Zons.
Am 5ten – An der Zonser Schindskaul fährt man jezt mit einem Nachen über. Das ganze ünterste Feld ist izt dicht mit Eiß belegt, sogar die Lücken im Damm sind voll getrieben. Auf den Welfer Scheuren-Tennen stand 5 ½ Fuß Wasser.
Am 6ten – Der Frost wird alle Nächte stärker. Alles Eiß unten im Feld trägt über, und heute treibt der Rhein dicht mit neu gefrorenem Eiß.
Am 7ten – Das Wasser ist diese Nacht 1 Fuß gefallen, doch ist es noch so groß, daß es zu Zons noch in verschiedenen Häusern steht.
Am 9ten – Der Frost hält noch an. Allen Nachrichten von unten zufolg steht der Rhein von Oerdingen noch bis Rees, doch kommen gar keine Passagier, und die Postwägen gehen über Hakenbroich. Auch marschieren noch alle Tage Truppen über die Gillbach. – Im Feld sind schon verschiedene Nachen zerschlagen und nach Hause gehohlt worden, welche mit Eiß dahingetrieben waren. Die Municipal-Verwaltung hatte solches sehr strenge verbothen; allein, bei Nachtzeit wird das Holz weggehohlt. In den Mehebenden liegt noch ein grosses Bönnisches Schiff unbeschädigt.
Am 10ten – Diesen Nachmittag fienge es mit feinem Regen an aufzudauen. Man hört von unten her, daß der Rhein sich bis Kayserswerth gesetzet hat. In Zons haben die Häuser viel Schaden durch den Frost erlitten, indem die leimene Wände alle abfallen.
Am 11ten – Diesen Tag regnete es sehr stürmisch. – Die Zeit des Eißganges hindurch kamen mehrere Expressen von der Kaufmanschaft zu Kölln hieher, um Nachrichten zu vernehmen. Nachher lase man all die Briefe in den Zeitungen, die mein Bruder, Präsident, desfals geschrieben hatte. Auch lieferte die französische und Staatsboths-Zeitung die Berichte, welche ich privative an sie geschrieben hatte. Kornpreis 2 Kronthaler.
Am 12ten – Mittags fienge es an, mit dem fallenden Schnee kalt zu werden. Drauf fror es die Nacht wieder. Der Rhein ist binnenbord und rein von Eis. Am 27ten Januar hat sich die Vestung Ehrenbreitstein aus Mangel an Lebensmittel mit Capitulation an die Franzosen ergeben. – Seit zwey Monathen führen die Franzosen Krieg mit dem König von Neapel, dessen Armee der Kayserliche General Mac commandirte. Nun ist die Armee von Neapel zernichtet, Mac gefangen und der König mit der englischen Flotte entflohn. Auch haben die Franzosen den König von sardinien verjagt und sein Königreich in Besitz genommen.

[294]

1799[292]
Februar
Am 13ten – Frost. Am 14ten Schnee und Regen. – Die Rheinfelder und Walhover können noch wegen dem Eiß ihr Vieh nicht hiehin bringen. – Die Gemeinde Rommerskirchen schickte vor 8 Tagen mehrere Karren Brodt und Korn hiehin. Lezteres wird hier gebacken und den Bewohnern von Zons und Rheinfeld ausgetheilt.
Am 15ten – Angenehmes Thauwetter. – Heute habe ich mit Joan Steinberger das untere Feld besehen. Vom Plathalse herab durch die Aue bis an Rheinfeld, auf Walhoven, bis an die Mehebenden rund um Walhoven liegt noch alles voll Rheineiß, welches viele Obstbäume und Hecken in den Gärten verdorben hat. Das Werth und Kranenorth so wie die Kempen liegen voll ein Schuh dick gefrorenes glatt Eiß. Das Speich ist wieder häuserhoch mit Rheineiß bedekt. Man kann noch nicht unterscheiden, ob das Feld verdorben ist.
Am 16ten – Regen. Am 17ten abends fienge es mit Schnee zu frieren an. Es wird schon wieder Korn durch Menschen gezogen (ins Kolk geschlittet und dann auf Baumberg geschift). – Am 18ten Frost. – Ein Maynzer Schiffer hat seinen Eigenthum an dem unter den Kühbenden liegendem Oberländischen Schif erwiesen und selbiges an den Präsidenten und Assessor Friedrich Steinberger um 14 Kronthaler verkauft. Mit dem Abend fienge es an zu regnen, und der Rhein läuft dem Dorfe vorbey.
Am 17ten – Regen bis den 21ten. – Das Wasser wächst und hat die ungeheure Eißberge unten aus dem Felde weggeschwemmt, so daß izt keine Scholle mehr da ist. Der Strom geht unglaublich strenge durch die Aue.
Am 22ten – Die verflossene Nacht war eine der stürmischten seit Menschengedenken. Als 12 Uhr geschlagen war, da hob sich ein Gewitter aus Westen, das mit fürchterlichem Donner und flammenden Blitzen herauzoh. Gräßlich heulte der wüthendste Sturmwind, und lichterloh erhellten die Blitze die pechschwarze Nacht. Hagel und Regen stürzten zügellos darein, und es schien, als wenn sich alles von unten zu oben kehren wollte. Tausende der Dachziegel wurden abgedekt, und mehrere Scheuren neigten sich dem Einsturz. Allgemein wie der Schrecken ist die Meinung, daß es ein Erdbeben gewesen seye.
Am 23ten – Ein wahrer Frühlingstag. Lerchen wirbelten ihre Lieder, und die Spatzen fangen an, Nester zu bauen. Das Wasser wächst noch stets, und nur auf des Pastors Land, an der Köllnischen Landstraß, ist etwas trockener Grund. Tag und Nacht werden von hier Früchten nach der andern Rheinseite unten in den Gärten eingeladen und übergeschift. Meistens sind die Commisen gegen eine billige Abgabe mit einverstanden.

[295]

1799
Februar
Am 25ten – Der Rhein steht noch so hoch, daß das ganze Feld überschwemmt ist. Am 16ten dieses starb unser ehmalige Kuhrfürst Carl Theodor. Er war gebohren am 10ten December 1724 und regierte als Kuhrfürst in der Pfalz 57 Jahr und in Bayern 21 Jahr. – Kornpreis 4 Reichstahler. – Schön Wetter.
Am 18ten – Das Wasser fällt langsam fort, alle Nächte kaum ½ Fuß, und man kann noch mit einem Nachen aus den Gärten bis nach Monheim fahren. Es ist treflich Frühlingswetter. – Gemäß einem Arettè muste der heutige Decadi-Tag gefeyert werden. Man enthielt sich der öfentlichen Arbeiten, wie auch des Dreschens.
Merz
Am 2ten – Der Rhein treibt noch durch den Damm neben dem Dorfe vorbey. Das schöne Frühlingswetter lockte heute, weil es auch Sonntag war, eine Menge Einwohner heraus. Der Rhein ware die Nacht so viel gefallen, daß man gegen der Kirche mit Stiefeln durch die Schlenke gehen konnte. Die ganze Aue ist etwas mit scharfem Sande beschossen, und nächst der Ofnung diesseit des Dammes ist ein tiefes Loch ausgetrieben.
Am 4ten – Der Rhein ist wieder in sein voriges Bett eingeschränkt. Kornpreis 4 Reichstahler 15 Stüber.
Am 9ten – Seit 3 Tagen hat es des Nachts gefroren, und heut fällt etwas Schnee.
Am 17ten, Palmsontag[293] – Weil das Prozessionen-Gehen verbothen ist, so ward heute Nachmittag Miserere mit einer Predigt gehalten. Gestern feyerten wir das Josephsfest. Man konnte, aus besonderer Erlaubniß für die Pfarr Dormagen, das Osterfest halten. – Es friert und reift noch alle Nächte. Das Wasser im Rheinfeld fällt langsam weg. Die Passage mit den Soldaten geht noch immer über Stommeln.
Am 24ten, Ostertag[294] – Seit 3 Tagen ist es angenehm Wetter mit Regen. Der Krieg mit dem Kayser ist wirklich ausgebrochen. Der Schauplatz ist in Schwaben und in Italien.
Am 28ten – Es ist wieder kalt. Alle Nächte friert es stark.
Aprilis[295]
Am 3ten – Es friert so stark, daß des Morgens die Karren über den Dreck rollen. Der Sand wird vom Wind unten im Feld fortgewirbelt. Die Nordarmee zieht wieder hinauf. Die Passage geht über Nettesheim und Stommel. Wir sehen hier keinen Soldaten. der Präsident und Agent Hambloch haben dieses beym General Jacobe in Kölln bewirkt. Am 4ten Frost, am 5ten Regen.
Am 7ten – Ich war heute in Kölln am Tribunal-Criminel als Jury, wo die beyden Bürger Michel Hilden, Kühhirt von Stommeln, und Henrich Braun, Schneider von Gohr, auf 14 Jahr in Ketten verurtheilt wurden. Sie hatten von dem Jacob Hövel von Ückerath, welcher flüchtig worden, Tuch angenohmen, daß er gestohlen hatte. Den Braun, welcher sonst ein ehrlicher Mann war, hätte ich gerne befreyet. Ich wendete auch alle Kräften an, um die Jurys zu überreden, aber daß Gesätz war allzuklar, alle Mühe war vergebens.

[296]

1799[296]
Aprilis[297]
Am 10ten – Die Merzerstürme kommen izt. – Das Korn ward noch vor 14 Tägen zu 2 Kronthaler verkauft und ist izt bis auf 5 Reichstahler 15 Stüber gestiegen. Die Franzosen haben eine große Schlacht in Schwaben verlohren. Das Hauptquartier ist bis Offenburg retirirt und General Jourdan auf Paris gegangen. – Die Unterhandlungen über den Reichsfrieden zu Rastad dauren noch fort.
Am 16ten Aprilis – Donner und Regen. Das Malder Haber wird um ein Ducaten verkauft. Am 24ten hatten wir unsere Gottestracht. Morgens 6 Uhr ward das Venerabel ausgesezt, welches bis nach der Complet stehen bliebe. Um 9 Uhr wurden an den 3 Altären und an einem eigenst unter den Klocken dazu errichteten vierten die Stationen, so wie sonst bey der Gottestracht, gehalten, wozu noch eine neue Kohrkappe verfertigt worden war. Die Leuthe blieben in den Bänken, nur das Kohr und 4 Männer mit Fakeln begleiteten den Pastor. Die Stationen wurden so wie sonst die Gottestracht gehalten. Das Hochwürdige blieb zur öffentlichen Verehrung bis nach der um 3 Uhr mit dem "Te Deum" beschlossenen Complet ausgestelt.
Am 15ten, Hagelfeyer[298] – Heut war die Andacht in der Kirch wie gestern.
Am 29ten – Es ist noch anhaltend kalt und naß. Das Korn im Feld ist noch ganz wenig aufgeschossen, und weil durch den harten Winter die Fourage aufgezehrt wurde, so leidet das Vieh Mangel, weil auch im Feld noch nichts gewachsen ist. Das Malder Korn steigt schon auf 6 Reichstahler, und Haber ist fast nicht mehr um 4 Reichstahler zu haben. Rabsamen 16 Reichstahler.
Mey
Am 4ten – Das Feld und die Bäume haben noch das Ansehen, als wenn's Anfang Merz wäre. Weil das Futter so rar ist, so steigt der Preiß der Butter mit jedem Tage und ist schon nicht mehr um 12 Stüber zu haben. Das Korn schlägt enorm auf. Eigentlich ist der Preiß nicht zu bestimmen. Die Gillbacher aber wollen nicht mehr unter 8 Reichstahler verkaufen. Das Wetter ist noch eben naß und kalt, der Wind stets im Norden. Die Armeen am Rhein sind noch ruhig. Die Franzosen stehen gegen Strasburg bis Offenburg jenseit des Rheines. In Italien aber gibts täglich Gefechte, wobey die Franzosen wenig gewinnen. Die Kayserliche belagern Mantua und Peschiera.
Am 6ten – Die verwichene Nacht sind schon wieder Diebe in unsere Kirche durch das Fenster neben der Kirchenthür zwischen dem Thurm gegen Norden eingestiegen und haben die 3 Altar-Tücher, die Bänder von den Jungesellen-Kerzen, von der Michaels- und Katharinen-Kerz, wie auch das silberne Kreutz und die Hülle von der Muttergottes mitgenohmen. Auch hatten sie das Tabernakel-Häuschen mit einem Eisen offen gezwängt. Allein, da nichts als Zinn und Kupfer darin war, so hatten sie wohl das Venerabel mit der heiligen Hostie herausgenohmen, aber auch solches wieder hineingesezt, welches man an dem zurückgeschobenen Corporal

[297]

Mey
erkennen konnte. An der Sacristey hatten sie nichts versucht, und der eigentliche Werth des Diebstahls ist höchstens auf 2 Reichstahler zu schätzen. – Erst gestern fienge es an, warm zu werden. Heute aber ist es gar lieblich und schön. – Die Gesandte sind von Rastadt auseinander, und zwey von den französischen Ministern sind dort durch Kayserliche Husaren getödtet worden. 40 tausend Russen stehn bey Mantua in Italien, um gegen die Franzosen zu agiren.
Am 12ten – Da der Kayser gemäß einer Allianz mit Rußland, England und den Türken schon den Feldzug in Italien und bey Schafhausen eröfnet und die Franzosen auf allen Punkten geschlagen worden sind, so daß Mantua blokkirt und Mayland von den Rußen eingenommen worden, so ließ der kayserliche Prinz Karl den noch anwesenden Gesandten zu Rastadt andeuten, daß die Friedensunterhandlungen mit dem Deutschen Reiche abgebrochen und sie in Rastad länger keine Sicherheit hätten. Die französischen Minister begehrten eine kayserliche Escorte, der Oberste von den Seckler-Husaren erwiederte, daß solches nicht nothwendig seye, und als sie des Abends von Rastad abfuhren und eine Strecke weiter gekommen waren, da wurden sie von mehreren Seckler-Husaren angehalten, ausgeplündert und die beyden französischen Minister Bonnier und Roberjet ermordet, Jean Debry aber stark verwundet. Man sagt, es seyen Emigranten gewesen, welche sich in die Uniform der Kayserlichen Husaren verkleidet hätten.
Am 17ten – Diese Nacht ware es gereift und gefroren.
Am 26ten – Es ist noch anhaltend kalt und naß, und kein Mensch erinnert sich, jemahlen eine so langwährende Källte erlebt zu haben. – Wir sind noch von Soldaten frey. Die Armeen stehn bey Strasburg und in Italien. Die vereinigte russisch und Kayserliche Armee häuft Sieg auf Sieg. Sie sind über Luciensteig in die Schweitz und über Turin ins Piemontesische eingedrungen. Mantua ist blokkirt und bey Maynz noch alles ruhig. Am 31ten: Die lezte 3 Meytage waren angenehm.
Junius[299]
Am 4ten – Nach einem Regen ist's wieder stürmisch und kalt. Kornpreis 10 Reichstahler.
Am 11ten ware es unausstehlich heiß. Am 12ten, Nachmittag, verdunkelte sich die Sonne, und es verbreitete sich ein stinkender Heerrauch, so, wie wir im Jahre 1783 hatten. Am 13ten nordwindig und kalt. Alles, was auf Erden wächst, lechzet nach Regen. Das Korn steht in voller Blüthe. Die Kayserliche sind in Zürich.
Am 14ten – Vor drey Wochen hatten die hiesige Gensdarmes von hiesigen Einwohnern zum Rhein getragene 8 Malder Korn arrettirt und bey den Anton Bilk ins Bureau des Receveurs niedergelegt. Dieses Korn ist verwichene Nacht gestohlen worden, ohne daß man die Thäter entdecken kann.
Am 20ten – Es ist des Nachts noch immer kallt und im Tage nordwindig-trocken. Haaber und kleine Bohnen stehn auf dem Punkt, zu verderben. Kornpreis 10 Reichstahler diesseits und zu Monheim 13 Reichstahler.

[298]

1799[300]
Junius
Am 30ten – Wegen der anhaltenden Trockenheit wurde heut von morgens 6 bis nachmittags halber vier Gebeth gehalten. Die Sommerfrüchte verdorren, und es ist schon viel Haaber umgebauet. Das Korn gillt noch 10 Reichstahler. – Zu Paris ist eine große Veränderung im Directorio vorgegangen. Es sind 4 neue Directoren angestellt, und man sucht alle Personen von den Ämtern zu entfernen, welche Schuld sind, daß kein Friede gemacht worden ist.
Julius
Am 3ten – Diesen Mittag erhielten wir eine treflichen Regen, der alles neu belebt. Nur schade, daß derselbe für die Sommerfrucht zu späth kömmt!
Am 7ten, sontags[301] – Es war entsetzlich heiß. Dies veranlaßte, daß viele junge Leuthe in der ersten Stunde nach Mittag zum Rheine baden giengen. Auch ich war da, und als ich aus dem Wasser zurückkame, sahe ich vom Damme, wie sich die zu Monheim logirte französische Recruten im Rheine balgten. Überdem kamen einige hiesige Jungen nackend und sehr ängstlich vom Rheine geloffen, woraus ich schloß, daß etwas nicht recht seyn müsse. Ich sprang mit dem Joan Lützenrath dahin und fande in einem dieses Jahr ausgetriebenen Loch einen sich ankleidenden und hier auf Execution liegenden französischen Soldaten, und die Kleidung des Adolph Fix lage beyseythe, welcher sich mit dem Joan Görges, dem Theodor Schüllgen, Christian Bochern, dem Gerhard Giehr und dem französischen Soldaten gebadet hatte. Besagter Adolph Fix hatte sich zu weit in die Tiefe gewagt und ist ertrunken. Das Loch ist am Platthals, dicht am Rhein. Der Soldat konnte schwimmen, und als der Adolph riefe: "Ich werde flott" und drauf unten sank, doch gleich wieder oben kame und die Hände über dem Kopf zusammenschlug, dann wieder versank, schwamm der Soldat hinzu, tauchte sich unter Wasser und wollte den Adolph retten. Unglücklicherweise faßte der Adolph den Soldaten bey der Gurgel, worauf dieser ihn versinken muste lassen. Die Bewohner des Dorfes wusten von dem noch nichts, als ich zurückkame. Keiner wollte es der Mutter zuerst ankündigen. Da gienge ich mit Joan Steinberger zu ihr und fragten nach ihrem Sohne, erklärten dann zugleich, daß ein Dormager Junge am Rheine ertrunken und daß man ihren Sohn um halb 1 dahin gehen gesehen. Das Unglück wäre um 1 Uhr geschehen. Folglich könnte es sehr leicht seyn, daß es ihren Sohn getroffen. – Und endlich, man hätte auch die Kleider des Ertrunkenen für die ihres Sohnes angesehen. Um 3 Uhr ward der Leichnam mit langen Hacken aus der Tiefe gezogen und mit einer Leiter hieher getragen. Das Malder Haber gillt 6 Reichstahler.
Am 9ten – Diesen Morgen wurde der Adolph Fix begraben. Eine große Menge Menschen hatten sich an den Zug angeschlossen, und da der Selige ein Muster von Tugend und von jederman geliebt ward in seinem Leben, so erinnert auch kein Mensch, daß jemalen einer so allgemein betrauret und beweinet wurde. Er ist erst in seinem 18ten Jahr und hat sehr früh seinen Vater verlohren, dessen Stelle er schon in Besorgung der Ackerschaften meisterlich ersetzte. Für

[299]

1799[302]
Julius[303]
ihn wurden die neue schwarze Levittenkleider zuerst bey der Meß gebraucht, welche die Junggesellen bey der lezten Dormager Kirmes zusammen collectirt hatten. Ringsum ware das Grab mit Rosen bestreut. Jung und Alt benezten sie mit Thränen. – Kornpreis 8 Reichstahler.
Am 10ten – Es ist wieder sehr heiß, und der lezte wenige Regen ist alle wieder fort. General Morreau und Macdonald stehen bey Genua. Die Kayserliche und Russen fanden in der Citadelle zu Turin 400 Kanonen. Vierzigtausend Flinten und 20 tausend Centner Pulver. Prinz Karl ist in der Schweitz zu Zürich.
Am 14ten brachte ein Gewitter starken Regen, der doch für die meiste Sommerfrüchten zu spath gekommen ist. Im Rheinfeld steht nur auf der Höhe vor Rheinfeld auf dem Werth hinter Welfen und auf der Leimkaul noch etwas Korn, das doch im Ganzen keine 25 Morgen beträgt. – Bis 18ten Regen.
Am 19ten – Man fängt schon an, Korn zu hauen. Das Malder gilt auf der Gillbach 8 Reichstahler 30 Stüber.
Am 28ten – Es regnet noch anhaltend, doch haben einige Einwohner etwas Korn für Brodt eingescheuert, um solches im Backofen zu trocknen. Die Haaber bessert sich bey dem anhaltenden Regen. Kleine Bohnen und Erbsen aber sind theils durch die Trockenheit und durch die Milben verdorben. Zu Monheim gillt das Malder Korn 13 Reichstahler, hier wird es zu 8 verkauft.
August
Am 1ten – Heute wollte man eigentlich den Anfang mit dem Einscheuren machen, aber um 4 Uhr nach Mittag regnete es wieder. Kornpreis 8 Reichstahler.
Am 2ten ware es sehr schönes Wetter, und man hat stark eingescheuert, doch steht die Halbscheid Korn noch auf dem Halme vest. Kornpreis (altes) 7 Reichstahler.
Am 8ten – Alle Morgen ist's schön Wetter, und gemeinlich fängt es im halben Nachmittag an zu regnen. Am 10ten: Man hat fleissig eingescheuert, doch steht noch einiges Korn vest und vieles auf Gästen. Die Vestungen Mantua und Alexandria haben sich den Kayserlichen und Russen ergeben.
Am 15ten – Alle Winterfrüchten sind eingescheuert. Das Korn gibt sehr gut: jeder Gast 1 Sümber. Die Vestungen Mantua und Alessandria haben sich den Österreichern und Russen ergeben. Bonnapart ist in Egypten geschlagen worden. Massena steht noch mit 80 tausend Franzosen in der Schweitz, Moreau retirirt aus dem Genuesischen auf Frankreich.
Am 20ten und 21ten – Regen. Gestern kame ein Bataillon von Düsseldorf hieher. Sie wurden auf Esch und in die Gegend vertheilt, daß nichts hier blieb.
Am 30ten – Anhaltend schönes Wetter mit etwas Regen. Das Korn gibt vortreflich. Ein Drescher bringt 7 bis 8 Faß auf den Süller. Haber ist wenig Stroh, aber die kleinste Garbe hat ein Viertel geladen. – Die Engländer sind in Holland in der Gegend von Tescel gelandet. Moreau ist noch in Genua. Massena steht bey Zürich, und die französische Rheinarmee ist den Rhein passirt und rückt auf Schwaben. – Kornpreis 6 Reichstahler, Rüboel die Maas 36 Stüber, Kaffebohnen pro Pfund 50 Stüber.
September[304]
Am 15ten – Ein paar Tage geregnet. Die Rübweiden und der Sahmen stehn sehr schlecht. Die Haber ist noch nicht alle gemähet.
Am 22ten – Die Engländer in Holland machen noch keine Fortschritte. Es ziehen viele Franzosen dahin, um ihnen ein Treffen zu liefern. Da die Franzosen nicht aus der Schweitz zu zwingen sind, so rückt Prinz Karl mit einer Kayserlichen Armee auf Maynz. Er hat Manheim mit Sturm eingenommen, und man sagt, die kayserlichen Vorposten seyen zu Siegburg. Kornpreis 7 Reichstahler.

[300]

1799
Am 24ten September – Es hat eine zeither beständig geregnet. Es steht noch viele Haber und Sommerfrucht im Feld, und an der Sath ist noch wenig gethan. Erst heute klärte sich der Himmel. Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler 30 Stüber.
October[305]
Am 8ten – Es regnet anhaltend. Man kann den Buchweitzen noch nicht einfahren, dessen so viel gesähet war und der treflich gerathen ist. Haber und kleine Bohnen stehen auch noch sehr viele im Feld, und mit der Saath ist's noch lange nicht gethan. Der Rhein schwillt an und droht allgemeines Verderben. Der französische General Massena hat in der Schweitz die Russen und Kayserliche geschlagen, deren Verlust auf 20 tausend Mann geschätzt wird. Zürch ist wieder erobert, und der Kayserliche General Hotze blieb todt. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber. Seit 4 Tagen marschierten täglich ein und 2 Bataillons hiedurch auf Holland. Sie giengen in einem Tag von Kölln bis Neus, ohne hier zu logiren.
Am 10ten – Heut fienge es an, gutes Wetter zu werden. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber.
13ten, Kirmes[306] – Heute und am 14ten regnete es bis Mittag, drauf ward es anhaltend schönes Wetter. – Freytag, den 18ten bis diesen Morgen dauerte die Kirmes. – Es steht noch viel Buchweitz, kleine Bohnen, Sommergerst und ungemähete Haber im Feld.
Am 18ten – Diesen Abend 6 Uhr brach in der Scheuer des Henrich Coenen gegen dem Adler Feuer aus. Zum Glück ware der Wind still aus Süden. Dennoch waren augenblicklich die Scheuren des Henrich Fabels und Jacob Görges aufwärts und unten jene des Joan Wilhelm Fitgen sammt allen Ställen in vollen Flammen. Anfangs ware man beschäftigt, das Haus und Scheuer des Joan Hambloch zu retten. Demnach ergriff die Flamme die Häuser des Joan Deuster und des Joan Wilhelm Fitgen, und in dem Augenblick langte die Zonser Brandspritze da an, und dem Uebel ward Einhalt gethan. Die Dormager zeigten sich während der Noth sehr thätig. Nach Mitternacht aber war es fast unmöglich, die Leuthe in den Reihen zu halten.
Am 20ten – Heut nach der Vesper wurde die Gemeinde versammelt und beschloßen, daß auf jedes Hauß 30 Stüber und auf jeden Morgen Land 3 Stüber umgelegt werden soll, um zwey neue Brandspritzen zu verfertigen.
Am 21ten wurde mit 24 Karrigen am Damm angefangen, welche der Canton nebst 24 Arbeiter stellet.
Am 30ten – Es ist izt eine zeither schönes Herbstwetter. Die Engländer, welche mit den Russen in Holland gelandet waren, sind wieder am Einschiffen. In der Schweitz sind die Russen und Kayserliche geschlagen, und Bonnaparte ist in Paris angekommen. Er hat seine Armee in Egypten unter dem General Kleber zurückgelassen.
November
Am 8ten – Es ist noch anhaltendes Herbstwetter mit Regen. An hiesigem Damm wird stets unter meiner Aufsicht mit 18 Karren und 24 Mann aus dem Canton gearbeitet, und erst heute ward das tiefe Loch in der Erde im Damm der Erde gleich gefüllt, da doch täglich über 500 Karren darein gefahren wurden, gegen dem Steinbüchel.

[301]

1799[307]
November[308]
Am 10ten – Man hört jetz nur von Waffenstillstand und vom Frieden sprechen. Sawarow zieht sich mit den Russen zurück auf Augsburg und Ulm. Die Kayserlichen haben die ganze Schweitz verlassen. Nur die Stadt Schafhausen haben sie noch besezt. Auch zieht eine französische Armee über Manheim. Auf Schwaben und Holland wird in ersten Tagen ganz von den Engländern geräumet seyn. – Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 26 Schilling, das tausend Pfund Heu 12 Reichstahler. Am 11ten, 12ten und 13ten Regen. Heute schon drohete der Rhein seine Ufer zu überschreiten. Am 14ten wurde mit allen Karren und Arbeiter, welche aus dem Canton zur Herstellung des Dammes hier sind, am Rheine gearbeitet, um den kleinen Sommerdamm zu verstärken. Die Nacht auf den 15ten wurden die Arbeiten bey stillem Wetter im Mondschein fortgesezt. Allein, das Wasser schwoll so sehr an, daß schon um 3 Uhr alle Mühe vergebens war. Um 6 Uhr triebe der Rhein schon durch den großen Damm von Zons herauf, ware es aber noch nicht weiter bis an die Kühbenden gekommen.
Am 15ten – Weil nun die Dienstkarren nicht mehr am hiesigen Damm arbeiten konnten, so wurde heut am Zonser Dam an der Schindskaule gearbeitet.
Am 16ten ware das Wasser längs dem Dorf mit dem von unten heraufkommenden vereinigt, doch fiel es so stark wieder weg, daß man allenthalben wieder in das ünterste Feld gehen kan.
Am 17ten – Am 13ten starb die Sandhalfersche, für die man schon im Jahr 1795 am 8ten November im hohen Wasser als Todte gebethen hatte. In Paris ist wieder eine neue Umwälzung der Regierung vorgegangen. Das Directorium ist abgesezt und an dessen Stelle Bonnaparte, Syes und Royer Ducos als Consulen angestellt, welchen alle Macht des Directoriums übertragen worden ist. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.
Am 25ten – Heut kamen die 3 erste Bataillons der Nordarmee hieher. Weil die Engländer Holland verlassen und also diese Landung mißlungen, so geht die Nordarmee wieder hinauf. Wir hatten aber gestern dem General Jacobè in Kölln etwas Haber und Heu geschickt. Deswegen fertigte derselbe sogleich eine Ordonanz mit einem Brief an den hiesigen Präsidenten und einen an den Kriegskommissair der Nordarmee, mit der Weisung, daß alle Truppen über Rommerskirchen und Nettesheim gehen sollen. Von der heutigen Halbbrigade blieb nur der Stab mit den Grenadieren hier, ein Bataillon muste auf Esch. Die Correspondenz liegt auch zu Rommerskirchen.
December
Am 8ten – Es ist noch immer artiges Wetter. Einige Nächte hat es etwas gefroren. Man glaubt allgemein, die neue französische Consulen werden uns einen allgemeinen Frieden verschaffen. – Die Russen und Engländer, welche im August in Holland landeten, haben sich wieder eingeschift, und diese Expedition ist also mißlungen. Kornpreis 6 Reichstahler.
Am 12ten fienge es stärker an zu frieren. Es wird noch täglich mit 9 Karren und 12 Mann am Damm gearbeitet.
Am 13ten kame ein Bataillon von Kölln hieher. Es blieb nur eine Compagnie hier. Sie giengen am 14ten auf Neus. Um 12 Uhr kame die Ordre, daß dieses Bataillon halb in Zons und halb in Dormagen cantoniren solle. – Es friert entsetzlich stark.

[302]

1799
December
Am 15ten kame das angesagte Bataillon. Der Stab gieng nach Zons. Eine Compagnie blieb hier, die übrigen wurden in die Ortschaften längs dem Rhein in die Winterquartiere gelegt. Es friert stark.
Am 18ten – Der Winter fängt so strenge an wie vorig Jahr. Der Rhein ist schon halb mit Eiß bedeckt. Kornpreis 6 Reichstahler, Haber 27 Schilling, Stroh 8 Reichstahler das 100 Bauschen.
Am 20ten – Heute Abend 5 Uhr bekame das in hiesigem Canton liegende Bataillon Befehl, noch in der Nacht aufzubrechen. Zugleich kamen die Quartiermacher vom 2ten und 3ten Bataillon an. Eines wurde auf Esch geschickt. Selbiges gienge um 7 Uhr hierdurch. Das lezte Bataillon blieb aus, doch blieben fast alle Nachbarn wach, und die ganze Nacht marschierten Soldaten, die sich verspäthet hatten.
Am 21ten – Am 21ten um 10 Uhr kame das gestern erwartete Bataillon an. Sie hielten sich eine Stunde auf, ohne billettirt zu werden. Diesen Nachmittag kamen schon Leuthe von Düsseldorf, welche gegen der Stadt über den Rhein gegangen waren. Man hatte Bord über das Eiß gelegt.
Am 22ten sezte sich das Eiß schon am Stürzelberg. Der Frost hällt an.
Am 23ten sezte sich der Rhein an der Piwitte, stand einige Stunden und triebe wieder.
Am 24ten – Um die Mittagszeit sezte sich der Rhein am Platthalse. Um 4 Uhr fienge er an der Piwitte wieder zu treiben an, sezte sich doch um 5 Uhr wieder und bliebe so unverückt stehen. Schnee.
Am 25ten, Kristtag[309], fiel den ganzen Tag Schnee, doch scheint es Thauwetter zu werden.
Am 26ten kamen 3 Bataillons aus Holland. Der Stab mit der Grenadier-Compagnie blieben hier. Den ganzen Tag hielt der Schnee an, ohne zu frieren.
Am 27ten – Weilen noch 9.000 Mann aus Holland hinauf kommen sollen, so gienge heut der Agent Hambloch mit dem Secretair Schmitz hinab auf Neus, um mit dem dasigen Kriegs-Commissair zu überlegen, daß die Truppen hinfort über Rommerskirchen gehen sollen. Sie brachten es dahin, daß die 3 Bataillons, welche zu Neus wirklich angekommen waren, heut, den
28ten schon über die Gillbach giengen. Heut ware es sehr kalt.
Am 31ten – Täglich ziehen Truppen über die Gillbach, und die Källte ist sehr bitter. An der Piwitte ist ein Weg über den Rhein gehauen. Was man nie erlebte, ist in diesem Jahre erfolgt; nämlich, daß sich der Rhein zweimal in einem Jahr sezte: den 3. Januar und den 24ten December. An Fruchtbarkeit übertrift dieses die vorlezten Jahre. Alle Früchten sind sehr ergiebig, besonders Haber. Indessen hat Dormagen vorzüglich durch die Ueberschwemmung gelitten, da auch die Haber auf den leichten Gründen so wie alle Sommerfrüchten vertrockneten.

[303-307: Handschriftliches Register zu den Einträgen bis 1799]

[308]

In einem im Jahr 1749 in Kölln von einem Jesuiten namens Augustinus Aldenbrück in Druck herausgegebenen Buch finde ich Folgendes:
:Der Titel des Buches ist: "De Religione antiquorum ubiorum"

[Es folgte eine Abschrift aus dem genannten Buch über Dormagen, S. 93-94]

1800

[309]

1800[310]
Januar[311]
Am 1ten – Noch tobt der Krieg, und den fürchterlichen Anstalten nach wird der künftige Feldzug mörderisch werden. Zwar steht Bonnapart als erster Consul, mit Königsmacht versehen, an der Spitze der Franken. Er will ganz Europa Friede geben oder im Frühjahr mit einer zahllosen Macht den Frieden im Herzen von Deutschland unterzeichnen. Täglich ziehen noch Truppen über die Gillbach auf Strasburg, wo eine fürchterliche Armee sich zusammenzieht.
Am 2ten – Es fiel den ganzen Tag viel Schnee. Am Abend ward es mild.
Am 3ten stellte sich Thauwetter ein, am 4ten Regen, am 5ten Thauwetter. Daß Wasser im Rhein fängt an aufzuschwellen. Die Eißdecke hat sich schon gehoben. Obschon der Rhein sich mit kleinem Wasser gesezt hat, so befürchtet man doch wieder großes Verderben, weil die Dämme allenthalben zerrissen sind. Der Welferhalfen führt schon seine ungedroschen Früchten hier ins Dorf. Angenehm Wetter.
Am 5ten, Sontag[312] – Das Wasser ware bis an den Abend bey 2 Fuß im Rhein gewachsen. Abends acht Uhr rückte der Rhein bis an den Platthals. Von da bis an die Landstraß schob sich ein Damm von Eiß auf das Ufer, welcher biß zwanzig Fuß hoch war. Dann sezte sich das Eiß wieder. Um nähmliche Zeit hörte man einige Kanonenschüß zu Kölln. Der Mond schien so hell, der Wind war Süd und sehr angenehm. Mehrere hundert Bewohner des Dorfs waren auf dem Ufer des Rheines versammelt und erwarteten den Aufbruch. Um halb 11 gienge ich mit Joan Steinberger nochmal zum Rhein. Da fienge das Wasser jähling an aufzuschwellen, welches in der verflossenen Stunde 1 Fuß gefallen war. Man hörte von hoch oben her entferntes Rauschen, welches sich allmählich näherte. Als es in die Gegend von Worringen kam, schickte ich einen Mann zum Dorf, welcher eine halbe Stunde mit der großen Klocke läuten muste, damit die Rheinbewohner hier und zu Zons erfuhren, daß die Eißdecke sich in Bewegung gesezt habe. Der Nachtwächter zu Sinnersdorf bließ 11 Uhr, als der Rhein gänzlich am treiben war. Sogleich läutete es auch zu Zons. Das Wasser blieb allenthalben im Ufer, es konnte auch noch 1 Fuß wachsen. Um 12 Uhr verließ ich den Rhein.
Am 6ten – Morgens ware der Rhein wohl 4 Fuß gefallen und triebe ganz dicht mit Eiß. Am Platthalse liegen ungeheure Eißberge auf dem Land, und an der Worringer Drenke kann deswegen kein Fuhrwerk passiren. Diesen Nachmittag wurde zur Danksagung des glücklichen Aufbruch des Rheines nach der Vesper das "Te Deum" gesungen.
Am 8ten – Angenehm Wetter mit Regen. Der Rhein ist ganz klein. Die Ufer sind noch überall mit Eißbergen bedeckt. Kornpreis 6 Reichstahler [...][313] Stüber.

[310]

1800[314]
Januar
Am 12ten – Es ist izt angenehm Wetter, zuweilen Regen. – Die Russen, welche Ordre hatten, nach ihren Staaten zurück zu kehren, gehen nun wieder mit Verstärkung an den Rhein. Sie sollen Maynz und Ehrenbreitstein nehmen, und dann kommen wir mit ins Gedränge. Dennoch kann es auch vor dem Frühling zum Frieden kommen.
Am 22ten – Gemäß einem Brief, den ich heut aus dem Klevischen erhielt, steht der Rhein von Xanten bis ins Holländische. Die Eißdecke hatte zwar vom 6ten auf den 7ten 24 Stund getrieben, sezte sich aber nachher wieder. Gestern am Abend kame hier das Obereiß. Das Wasser war so hoch angeschwollen, daß es die Ufer zu übersteigen drohte. Diesen Morgen aber war es zwey Fuß gefallen. Auch fienge es diese Nacht wieder etwas zu frieren an. Die Damm-Arbeiten hören nun seit drey Wochen wieder auf, weil die Central-Verwaltung nach Paris berichtet hat, daß die Dämme gar zu sehr beträchtlich verdorben sind, als daß sie dienstweise gemacht werden können.
Am 28ten – Das Wetter wechselt noch stets ab. Zuweilen friert es eine Nacht, dann regnet es und wird angenehm. – Man kann noch nicht klug draus werden, ob es Krieg oder Friede werden wird. Der Erste Konsul Bonnapart hat zwar den Franzosen Friede versprochen, allein, England, Kayser und Rußland scheinen der neuen französischen Regierung nicht zu trauen, weil sie demselben nicht Dauerhaftigkeit genug zutrauen. Indessen steht die französische Armee bereit von Maynz bis in Italien. Genua haben die Franken noch besezt, und die Russen sollen wieder zurück an den Rhein kommen. Kornpreis 6 Reichstahler, zu Monheim aber 6 Reichstahler 45 Stüber, Haber 3 Reichstahler 15 Stüber.
Februar
Am 1ten – Abwechselnd Wetter. – Die hiesige Commisen hatten zu verschiedenmahlen 26 Säcke mit Früchten den Leuthen abgenommen, welche solches nach dem Rheine tragen. Diese Früchten sollten heute verkauft werden. Gestern Abend zwischen sieben und acht Uhr, als der Receveur bey Pannes, wo er logirt, am essen war, haben sich wahrscheinlich die Kaufleuthe mit den Sackträgern in Panneshof oben am Fenster hereingebrochen und alle Früchten fortgetragen. Der Agent Hambloch gienge noch in der Nacht mit den Gensdarmen durch das Dorf die Häuser visitiren. Sie funden aber nichts.
Am 5ten – Der Receveur von den Douanen hatte 25 Mann Soldaten begehrt, um die Commisen zu unterstützen. Es kamen doch nur 12 Mann, deren 2 bey den Receveur und in jedes Hauß, wo ein Commis logirt, gelegt wurden. Man ist aber bedacht, beym General Jacobe nachzusuchen, daß sie fortkommen. Kornpreis 6 Reichstahler 9 Stüber, Haber 3 Reichstahler 15 Stüber.

[311]

1800
Februar
Am 6ten – Es scheint doch, als wenn sich die alliirte deutsche, russische und englische Mächte zum Frieden neigen wollen. Die Russen werden nach den jüngsten Nachrichten nach Norden zurückkehren. Indessen rüsten sich Kayser und Frankreich unablässig zum neuen Feldzug. – Heute fienge es wieder an zu frieren. – Am 10ten anhaltender Frost.
Am 13ten – Der Frost hällt ununterbrochen an. Der Rhein tritt zur Halbscheid voller Eiß. – Kornpreis 6 Reichstahler 9 Stüber, Haaber 3 Reichstahler.
20ten – Frost. – Es kommen noch anhaltend Truppen in kleinen Abtheilungen, die von der Munizipalität auf die benachbarte Dörfer gelegt werden.
24ten – Heut starb dem Joan Dick, Sandhalfen in Rheinfeld, seine Frau, Gertrud Burbach, womit er seit sechs Wochen verheyrathet ist. Sie ist seiner ersten Frauen Schwester Kinds-Kind, in Baumberg gebohren. Sie wohnte vor 2 Jahren bey ihm als Köchin. Die am 13. November vorigen Jahr verstorbene Frau des Joan Dik ware wohl zehn Jahre bettlägerig. Die Köchin Gertrud Burbach diente ihm getreu und theilte die Beschwerlichkeiten des Kriegs mit ihm. Das gegenseitige Vertrauen hatte die gehörige Schranken überschritten. Die Köchin kame mit einem Sohne nieder, ohne jedoch die allgemeine Sage zu bewahrheiten, daß der Dik Vater seye. Sobald nun die erste Frau gestorben war, so supplicirte er, um in Betref der Verwandschaft mit der nunmehr Todten verbunden zu werden. Er ward es und erklärte den unehlich gebohrenen Sohn für den seinigen. Sie war im 26. Jahre ihrer blühenden Schönheit. Kornpreis 6 Reichstahler, Haaber 23 Schilling.
Am 26ten – Der Winter hällt noch an, und der Rhein ist grundklein.
Merz
Am 6ten – Die Källte ist eben stark. Das Eiß trägt die schwersten Lastwägen. – Noch ist in Krieg und Friede nichts entschieden. Zwar gehn die Russen nach Hause, aber der Kayser verstärkt seine Armeen fürchterlich. Demungeachtet schreiben die Zeitungen vom Frieden.
Am 11ten – Es fror noch alle Nächte Eiß in den Rhein. Heut Mittag fienge es an zu regnen. Bisher durften die Früchten mit einem Pasavant vom Receveur der Commisen von einem Ort auf den andern geführet werden, wozu noch eine Bescheinigung des Agenten erfodert wurde. Auf diese Art wurden viele Früchten in die Rheinorte transportirt, von wo sie dann meistens bey Nacht durch Taglöhner an den Rhein getragen wurden, welche vom Malder von hier bis an die Piwitt 24 Stüber Traggeld bekamen. Nun aber muß die Municipalität ein Certificat ausstellen, wie stark die Familie dessen ist, der den Pas-avant begehrt, und dann wird ihm vor 15 Täg Korn zu hohlen verstattet. Der Preiß ist hier noch 6 Reichstahler.
Am 13ten – Gestern kame ein Battaillon von Düsseldorff. Es blieb nur eine Compagnie hier.
Am 24ten – Der Frost hällt noch an. In den Gärten ist keine Schüppe gegraben. Zwar regnete es gestern, allein, drauf folget wieder Reif und Frost. Kornpreis steht noch auf 6 Reichstahler, Haber 23 Schilling. Der Rhein ist so klein, als er bey Menschengedenk gewesen ist.

[312]

1800
Merz
Am 29ten – Heute hört erst der Frost auf, ohne dabey zu regnen. – Die consularische Regierung in Frankreich stellt nun die Municipalitäten ab, und das Land wird durch Prefecten und Maiers regiert. Zu Aachen wird eine Commission gehalten, wo die Ländereyen von Neuem geschäzt und die Contributionen von 8 und 12 Milionen berechnet werden. Aus jedem Canton gehn Deputirte dahin – aus dem hiesigen der Friedensrichter Meyer und der Präsident Delhoven.
Aprill
Am 10ten – Vorgestern Abend waren zwey von den Soldaten, welche seit dem 5ten Februar hier liegen, besoffen. Sie hatten mit den Frucht-Lieferanten sich vereinbahret, daß sie ihnen, den Soldaten, 40 Stüber geben sollten, wogegen die Transportirung zum Rhein gesichert seyn sollte. Der Becker Wilhelm Nusbaum hatte im Namen der übrigen den Accord getrofen. Indessen weigerte sich der Wolter Schüllgen im Bezahlen. Die Soldaten hielten sich am Nusbaum, und da dieser nicht zahlte, so schlugen sie in des Nusbaums Hause Thüren, Fenstern, Stühle und alles voneinander. Das Volk lief zusammen und schluge die Soldaten bis auf den Todt. Der Gensdarmen-Brigadier kame dazu und führte die Soldaten ins Prison und gestern ins Hospital. – Schön Wetter mit etwas Regen. Kornpreis 3 Kronthaler.
Am 13ten, Ostertag[315] – Die Prozession heute Morgen ward in der Kirche gehalten. – Der Nachbahrbrunnen oberhalb der Nettergaß war so sehr eingefallen, daß selbiger nicht mehr renovirt werden konnte. Deswegen ward 4 Fuß daneben, auf die Kirche hin, ein neuer gemacht, welcher gestern fertig wurde. Die Steine sind durch die Pferdsleute der Pfarr freywillig von Worringen zugefahren worden. Den Brunnen bis der Erde gleich zu verfertigen übernahm der Engel Kranz. Er bekam von jedem bewohnbahren Hause 22 Schilling, und deren waren 27. Das Übrige accordirte er, Kranz, auch um 18 Reichstahler, welche diejenige zahlen musten, welche Wasser daran hohlen. Die Wind und Kette waren noch gut. Der alte Brunnen ist bis zur Hälfte von oben ausgebrochen worden. Diese Steine bekam auch der Kranz. Sie waren aber sehr verdorben. – Regen.
Am 16ten – Der Tag war sehr schwüll und heiß. Am Abend zohe ein Gewitter über Nivenheim herauf, mit mehr als gewöhnlich fürchterlichem Blitzen. Es donnerte lange über uns, als auf einmal ein starker Hagel in Größe von Taubeneyer niederfiel. Die Gläser an den Mistbetten im Posthauß und auf dem Welferhof zerschmetterten, ohne der Saath und dem Sahmen zu schaden.
Am 22ten – Als ich diesen Morgen um 5 Uhr auf Kölln gienge, sahe ich an Worringen einen Brand, der bis 8 Uhr anhielte. Es war das Dorf Rommerskirchen, das mit der Kirche und Thurm, bis auf 15 Häuser nah, ganz abbrennte. Bey dem abgedankten Agent Leven brach das Feuer aus, und es fielen 39 Häuser in die Asche. Ich sahe den Thurm,

[313]

1800
wie er anfinge, in der Spitze zu brennen. Es war, als wenn man eine Leuchte gesehen hätte. Die 4 Klocken sind geschmolzen, und das Dach und Holzwerk im Thurm ist alles zu Asch und Kohlen gebrennt, welcher Schutt auf dem Gewölb im Thurm liegen geblieben ist. Das Dachwerk über der ganzen Kirche ist niedergebrennt, auch das Schiff, welches gebünnt war. Nur das Kohr war gewölbt, und der hohe Altar ist unversehrt geblieben. Sonsten sind die Bänk alle verbrannt. Die Pastorat ist auch dem Dach gleich abgebrennt. Die viele Früchten, welche auf dem Speicher lagen, haben den ersten Stock conservirt. Das Sonderbarste war, daß, wie die Orgel anfienge zu brennen, so fienge sie auch von selbsten disharmonisch an zu spielen.
Am 27ten – Es ist im Tage sehr warm. Des Nachts folgt gemeinlich Regen. Oft ziehen fürchterliche Gewitter hier vorüber, die bisher noch alle mit Hagel begleitet sind, doch that derselbe keinen Schaden. Doch besorgt man dieses für die Zukunft. Kornpreis 3 Kronthaler.
Am 28ten – Heut kame die 17te Halbbrigade hieher. Sie ward in Italien zu Kriegsgefangenen gemacht und geht nun nach Holland. Eine Compagnie mit dem Stab blieb hier. 800 Mann und 45 Offizier giengen in die Pfarr Nivenheim, weil es auf den übrigen Ortschaften Gottestracht war.
Mey
Am 3ten – Es ist alle Tage ausserordentlich heiß, doch ziehn die Gewitter noch meistens vorüber. Kornpreiß 3 Kronthaler, Haber 25 Schilling.
Am 4ten – An Statt der Feldprozession wurden heut die Stationen an den Altären und an der hintern Kirchthür gehalten. Der Pastor wollte den Hagelfeyr absetzen. Allein, da der Präsident Delhoven sich wiedersezte, so ward derselbe wie die Gottestracht am 5ten gehalten. Das Venerabel blieb bis Mittag ausgesezt, und des Nachmittags war in der Kirche nichts zu thuen.
Am 8ten – Heut sahe ich die erste Kornblüh. Es ist anhaltend sehr heiß. Donnerwetter ziehn vorüber und bringen uns heilsamen Regen. – So sehr der erste fränkische Consul Bonnapart sich bemühete, Frieden zu stiften, so will doch Kayser und England sich nicht fügen. Die Franzosen haben eine Schlacht bey Genua verlohren, welche diese wichtige Vestung zum Falle bringen wird. Auch sind die Franzosen unter Commando des General Moreau bey Kehl über den Rhein gegangen, ohne bisher eine Schlacht zu liefern. Kornpreis 5 Reichstahler 15 Stüber.
Am 12ten wurden die Kühe eingetrieben. Die Rheinfelder Halbwinnerinn hatte ihre Benden bis auf 2 Morgen verpfachtet. Da nun keiner selbige von ihr pfachten mehr wollte, so nahmen die Benderben dieselbe pro Morgen vor 4 Reichstahler an sich und stellten solche auf den Meistbiethenden, für Heu zu machen, aus. Auch wurden 10 Morgen annoch meistbiethend für Heu ausgesteigert, welche meistens pro Morgen zu 6 Reichstahler 30 Stüber zugeschlagen wurden. Aus diesem Gelde wurde dem Welfer Halfen 55 Reichstahler zahlt für den Stier zu halten, wofür er sonst 10 Kühe eintrieb, ehe der Zehende aufgehoben war.

[314]

1800
Mey
Am 16ten – Das Korn steht in voller Blüthe. Dieser Tage war es trocken, sonst würde sich Korn und Weitzen unten im Feld schon gelegt haben, denn unter den Perschen so wie im ganzen Rheinfeld stehen so prächtig die Früchten, desgleichen sich kein Mensch erinnert. – Die Franzosen haben die Kayserliche in Schwaben geschlagen, so daß Leztere ihr Hauptquartier in Ulm haben. Der französische General Massena wehrt sich noch wie ein Löwe in Genua. Nun ist Bonnapart mit der Reserv-Armee von Dijon aufgebrochen, um Genua zu entsetzen.
Am 28ten – Heiße Tage mit wohlthätigem Regen verschaften dem Korn eine vortrefliche Blüthe. Vieles, das sich legen wollte, hat sich wieder aufgerichtet. – Das Malder Korn wird zu 2 Kronthaler hier verkauft und die Haaber um 2 Reichstahler. Tausende Malder sind von Speculanten, das Korn zu 6 Reichstahler und die Haaber zu 4 Reichstahler, aufgekauft worden und liegen noch. – Der Krieg zieht sich ganz nach Italien.
Am 31ten – Das Korn hat sich bis heute meistens alle aufrecht gehalten. Der dichte Regen scheint es auf den Abend nieder zu drucken. Es ist schon halb ausgesezt.
Junius
Am 3ten – Pfingstdienstag[316] – Diesen Morgen 6 Uhr gieng die Scheure des Heinrich Braun in Horm in Flammen auf. Die Kühställe waren gleichfals in die Scheur gebaut, und zwey Melkkühe mit einem Rind verbrennten ebenfals. Es mochten wohl 25 Bauschen Stroh in der Scheuer seyn, sonst war sie leer. Wahrscheinlich ist's durch die Tabakspfeifen der Knechte angezündet worden, welche erst um 4 Uhr aus dem Wirthshause gekommen waren. Es ist die nähmliche Scheuer, welche 1788 auch abbrennte, links die erste nähmlich, das Pachtguth vom Capitul Andreas binnen Kölln.
Am 13ten – Bisher hatten wir in diesem Monath kalte Täge mit Regen, diese Nacht aber hat es Eiß gefroren und weis gereift, wodurch alle Strauchbohnen und viele Erdäpfel verdorben sind. Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber.
Am 16ten – Es ist noch immer naß und kalt. – Das Prozessionen-Gehen ist von Neuem durch die Central-Verwaltung verbothen. Demungeachtet kamen schon 5 Prozessionen mit Kreutz und Fahnen nach Nivenheim, wo man auch schon angefangen hat, ein Kreutz aufzurichten.
Am 18ten – In den mehristen Häusern werden die Stubenöfen eingeheizt. Die weisse Bohnen stehn verzweifelt da. Man weis nicht, ob man sie umgraben oder stehen lassen soll. Aus Nordwesten ziehn immer Regen und Hagelschauren herauf. Es ist grade ein Wetter wie im Merz. Der Buchweitz, welcher früh gesähet wurde, ist erfroren, und der späthe sieht verzweifelt aus. Das Malder Korn gillt zu Monheim 5 Reichstahler 5 Schilling.

[315]

1800
Junius
Am 10ten – Es regnet noch immerfort, doch beginnt es wärmer zu werden, und die Bohnen schlagen aus, welche vom Frost gelitten hatten. – Am 4ten dieses hat Genua capitulirt. Der französische General Massena zieht mit allem Geschütz, was in der Vestung ist, ab und kann gleich wieder gegen die Kayserliche agiren.
Am 14ten – Erst heute hat sich das Wetter geändert. Es war heiter und warm.
Julius[317] – Bonnaparte hat in Italien einen unbeschreiblichen Sieg erfochten, wie aus beyfolgender Copie der Hanauer Zeitung zu ersehen:
Hanau, am 27ten Juni[318] Diesen Krieg und das sterbende Jahrhundert scheinen dazu geeignet zu seyn, große Dinge zu gebähren, und das sonderbahrste, merkwürdigste und unglaublichste dem Griffel der Geschichte zu überliefern. Wo ist der deutsche Mann, der bey dem Angedenken an die Kraft seiner Urväter, an ihre Liebe zum Vaterlande und an ihre herzvolle Großthaten nicht staunt ob der Ereignisse, die ihm als Nachkömmling derselben zu erleben vorbehalten war? Und doch ist es so: Italien ist nach einer einzigen unglücklichen Schlacht beynahe wieder ganz verlohren. In einem Zeitraum vom 14ten Mey, wo General Berthier mit einem Theil der Reserv-Armee im Thale Aosta über die Alpen angekommen war, bis zum 14ten Junius, wo Melas und Bonnaparte zu Marengo zwischen Alexandrien und Tortone ihre Kräfte massen, ist alles wieder verlohren gegangen, was der Muth der Österreicher und Russen im vorigen Jahr erkämpfte. Die wankende Laune des Glücks und der unternehmende Geist eines einzigen Mannes, der Unmöglichkeiten ebnete, haben diese große Wendung erzeugt. Am 14ten war die große Schlacht, wo Bonnaparte dem kayserlichen General Melas 6.000 Mann tödtete, 8.000 Gefangene machte und 40 Kanonen nahm. General Melas hat capitulirt. Folgende sind die Artikel:
Artikel 1:[319] Es soll ein Waffenstillstand zwischen den kayserlichen und französischen Armeen in Italien bestehen, bis eine Antwort vom Wienerhofe erfolgt.
Artikel 2: Das österreichische Kriegsheer besezt die Länder zwischen dem Mincio der Fossa Maestra und dem Po, das heißt, Peschiera, Mantua, Borgoforte und von da das linke Ufer des Po, auf dessen rechten Ufer nur die Vestung Ferrara.
Artikel 3: Auch besezt die kayserliche Armee Toscana und Ancona.
Artikel 4: Das französische Heer besezt das Land zwischen der Chiusa, dem Oglio und Po.
Artikel 5: Das Land zwischen der Chiusa und dem Mincio bleibt von beyden Theilen unbesezt.
Artikel 6: Die Vestungen und Citadellen von Alessandria, Tortona, Mailand, Turin, Pizzighetone, Arona und Piacenza sollen den Franzosen innerhalb des 16ten bis 20ten Juny übergeben werden.
Artikel 7-8: Ebenso sollen die Vestungen Coni, Ceva, Savonna und Genua zwischen dem 20ten und 23ten und die Vestung Urbino bis 25ten übergeben werden.
Artikel 9: Das schwere Geschütz von österreichischem Guß gehört den Österreichern, das vom italienischen und französischem den Franzosen.
Artikel 10: Die verschiedene Besatzungen ziehen sämmtlich mit Gepäck und allen Kriegsehren aus und begeben sich in 3 Kolonnen vom 19ten bis 24ten Juni nach Mantua. Lezter Artikel:[320] Die von Wien zu erwartende Antwort mag ausfallen, wie sie will, so mag keines der beyden Heere angreifen, ohne das andere 10 Täg zuvor zu benachrichtigen. Alessandria, den 16ten Juni 1800. Berthier, französischer General, Melas, General der Österreicher.

[316]

1800
Julius
Am 4ten – Heut wurde das erste Korn gehauen. Das Wetter ist bis zum 8ten sehr heiß. – Kornpreis hier 4 Reichstahler 15 Stüber.
Am 6ten – Von der hier stationirten Gensdarmen-Brigade logirte seit einem Jahr ein Gemeiner namens Bennois im Lämbchen bey Joan Langel. Er ist sehr brav und hat sich mit der jüngsten Tochter Agnes Langel so gut gehalten, daß selbige solches längerhin nicht mehr verbergen konnte. Sie wurden also heut Morgen 4 Uhr in der Kirch getrauet und werden einsweilen beym Schwiegervater wohnen bleiben. Er spricht kein Deutsch, und sie ist mit einem Fuße lahm. – Die Armeen in Italien haben Waffenstillstand, die aber an der Donau schlagen sich noch immer. Die siegende Franzosen sind schon in München. Das Malder Korn gillt hier 30 Schilling.
Am 29ten – Man hoft sehnlich auf Regen. Buchweitzen und alle Gemüser haben dessen so nöthig. Es wird fleissig Korn gehauen. Alle Franzosen, die in Holland sind, haben Ordre erhalten, über Maynz zur französischen Rheinarmee zu ziehn. Sie gehn zu Grimmlinghausen über die eben fertig gewordene stehende Brücke per Düsseldorf durchs Bergische. Noch ist in Italien Waffenstillstand. Die Franzosen in Bayern gehn indessen noch immer vorwärts und haben Ingolstad besezt. – Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber hier in Dormagen, Weitzen 6 Reichstahler 30 Stüber. – Diesen Morgen 8 Uhr kame mein Freund Adolph Steinberger von Kölln. Er sagte aus, daß gestern Abend 10 Uhr der Kourier da angekommen seye, mit der Nachricht, daß auch zwischen der kayserlichen und französischen Armee in Bayern und Tyrol ein Waffenstillstand geschlossen worden seye. Diese frohe Nachricht wurde hier durch das Läuten der Klocken und Beyeren mittags und abends verkündiget. Ein Gleiches geschieht, durch ein vom Präsidenten erlassenes Ciculaire, im ganzen Kanton.
Am 21ten – Regen, doch nur so viel, daß man Weiden bauen kann.
Am 22ten – Der Joseph Sturm im Schwanen hatte seit dem 14ten Julius stark mit Weitzen gehandelt, so daß er auf die dritte Nacht 100 Malder auf Monheim führte. Wahrscheinlich haben die Händler im Kleinen davon dem Directeur der Commisen in Kölln die Anzeig gemacht, weil heut Nachmittag 20 köllnische Commisen hier den Schwanen umsezten und dann mit dem Agenten das Hauß visitirten. Sie fanden im Keller und auf den Pferdsställen 41 Malder Weitzen. Die Tochter Anna Maria hatte von ihrem Kindtheil auch noch 20 Malder Gerst und eben soviel Buchweitzen im Schwanen liegen. Diese Früchten wurden nun sequestrirt (saisirt), weil es verbothen ist, daß in der ersten Linie auf den Gränzen Früchten in Menge liegen dörfen. Der Weitzen wird in Monheim zu 9 Reichstahler 15 Stüber bezahlt, und in Straberg gillt das Malder 6 Reichstahler 30 Stüber. Nun wird Vieles durch Pasavants mit Karren hiehingeführt. Das Meiste aber wird mit Stoßkarren halbmalderweis transportirt. Das wird pro Malder mit 20 Stüber zahlt. Meistens Weiber von Delven, Straberg und hier geben sich mit dem Transport dieser Art ab. Von hier wird's meistens in der Nacht an den Rhein getragen. Davon wird pro Malder 22 Stüber zahlt.

[317]

Julius
Auf diese Art werden wochentlich mehrere hundert Reichstahler, meistens durch Taglöhner-Weiber und –Kinder, verdient. – Heute kamen 9 holländische Husaren hier auf Correspondenz, weil 30 tausend Franzosen und Holländer herauf kamen, um sich bey Maynz zu sammeln, daß, wenn der Kayser die angebothene Friedensvorschläge nicht annimmt, so sollen diese zu der französischen Rheinarmee stossen, um in die kayserliche Erbstaaten einzufallen.
Am 24ten – Heut Abend kamen Quartiermacher von einem Bataillon Holländer, welche Ordre hatten, hier und in Worringen zu cantoniren.
Am 25ten – Diese Nacht bekamen die holländische Quartiermacher Befehl, auf Düsseldorf zurück zu gehn. Um 8 Uhr waren schon die Fourier von 2 Bataillons Franzosen. Eins gienge auf Worringen, und von einem blieben die Grenadier und der Stab hier. Auch gienge ein holländisches und das 4te französische Dragoner-Regiment durch auf Kölln. – Kornpreis 4 Reichstahler 24 Stüber.
Am 26ten – Schon gestern giengen die 9 Correspondenz-Husaren fort, und es kamen keine neue. Heut kame wieder ein Bataillon Franzosen.
Am 27ten – Diese Nacht starb die Frau des Scheffen Steinbergers, Cäcilia Otto. Sie war eine der bravesten Frauen ihrer Generation. Die Armen verlieren an ihr viel.
Am 30ten – Es bleibt noch immer sehr trocken und heiß. Die Gemüse leiden viel, und an Fourage wird's allgemeiner Mangel. – Wir haben neu Korn verkauft, das Malder zu 5 Reichstahler, auf dem Söller abzuhohlen.
August
Am 6ten – Die Hitze vertrocknet alle Gemüse, Weitzen und Haber sind zugleich reif geworden.
Am 11ten – Der neue Weitzen gillt hier 4 Brabänter Kronenthaler, Korn gilt 4 Reichstahler 35 Stüber. Die Brabänter Kronthaler gibt man jetz zu 114 Stüber aus. Bis vor dem Krieg, anfangs in den 1790ger Jahren, kursirten selbige zu 110 Stüber. – Die Trockenheit ist noch anhaltend. So schädlich solche für die Gemüse ist, so ersprieslich ist sie für die Weitzenerndte, die bey Menschengedenk nicht so ergiebig und so beträchtlich war. Es ist ausserordentlich viel Weitzen in unserm Feld gerathen, und aller, auch in schlechten Gründen, ist gut. – Das Arresthauß für die Prissonniers, welche von Neus auf Kölln durch die Gensdarmen geführt werden, ist jetz bey dem Henrich Cremerius im Grünenwalde accordirt. Vom 8ten auf den 9ten giengen 2 Arrestanten laufen. Sie waren nicht vest genug geschlossen. Der Anton Schmitz (Pletschanton) und Peter Bilk wachteten für die Gemeinden aus dem Canton, Henrich Müller und Joan Langel für Dormagen. Diese vier Wächter wurden heut auf Kölln zum Correctionel-Gericht geführt.
Am 20ten – Seit dem 24. Juni hatten wir eine Hitze, die seit dem Jahre 1679 nicht so anhaltend und trocknend gewesen ist. Der Rhein ist sehr klein, und an vielen Orten ist gar kein Wasser mehr in den Brunnen. Zu Elberfeld darf keiner die Zimmer auswaschen, und nur auf jeden Kopf ist es erlaubt, wochentlich ein Hemd zu waschen. Die Gemüse sind fast alle vertrocknet und die Erdäpfel reif. Heut 9 Uhr Vormittag fienge es mit hellem Donner etwas zu regnen an. – Die Wächter, so am 11ten auf Kölln geführt wurden, sind von den Jury freygesprochen worden.

[318]

1800
August
Am 20ten – Der Sturm hat den Prozeß wegen den am 22ten Juli saisirten Früchten gegen Zahlung von 100 Karolin unterdrückt. – Vorgestern Abend, als wieder bey Sturm im Schwanen Früchten zum Rhein getragen wurden, hatte die Margaretha Schmitz das Unglück, mit einem halben Malder Weitz hinter der Scheuer des Joan Langel in eine Erdäpfelkaule zu fallen. Man truge sie hinab. Allein, das Blut kochte ihr so stark zum Munde heraus, daß sie das Nachtmahl nicht empfangen konnte. Diesen Morgen ist sie gestorben. Sie war die Tochter des seeligen Adam Schmitz, gegen der Leimkaul wohnhaft, wo der Kanal abläuft. Sie ware erst 20 Jahre alt und hatte voriges Jahr ein eheloses Kind gebohren, welches noch lebt.
Am 24ten – Biß heute Morgen vier Uhr regnete es ohne Unterlaß, drauf ward es warm und heiter. Unerachtet des Verboths, daß aller öffentliche Gottesdienst untersagt ist, ware dieses Jahr die Köllnische Prozession doch bey 300 Personen.
Am 28ten – Heut hielt die hiesige Munizipal-Verwaltung ihre lezte Sitzung, drauf wurden vom Friedensrichter ihre Papiere versiegelt. Die Agenten speiseten friedlich miteinander und schwuren sich ewige Bruderliebe für und für. Rührend war ihr Scheiden und traurig dadurch, daß sie nun alle ins Privatleben zurücktreten, die diese zwey Jahr hindurch gebiethende Herren waren. Einsweilen versehen die Agenten die Stelle als Maier. Der Weitzen gillt hier 4 Kronthaler, zu Monheim aber 9 Reichstahler 30 Stüber, Korn hier 5 Reichstahler.
September
Am 9ten – Unser Posthalter bestellte heut beym Ueberfahren über den Rhein, daß der Schiffer um 12 Uhr nachts in dem Nachen seiner warten solle. Der Mathias Langel, der auch eben um Mitternacht von der Kirmes zu Monheim kam, fand den Fährman im Nachen, der ihn aber nicht überfahren wollte, bis der Posthalter käme. Der Mathias Langel sagte: "Der Posthalter wartet Euer, geht nur und ruft ihn". Währenddem stiege der Mathias Langel in den Nachen und fuhre allein über. Wie er an die Piwitte kam, hielt da die Chaise, welche die Jungfer Margaretha Küpper abhohlen sollte. Er sezte sich still hinein und fuhre hieher, wo um 2 Uhr die Jungfer Küpper bey starkem Regen zu Fuß heim kehren muste. – Eine acht Täge her war es schön Wetter, seit gestern aber regnet es mit Schauren.
Am 13ten – Heute kamen die zwey neue Brandspritzen, so wir zu Mühlheim an der Ruhr durch den Meister Pottman haben machen lassen. Da diese schwere Eingangsgebühren an die Commisen zahlen, so ward mit den hiesigen die Absprache genommen, daß sie dieselbe von Monheim frey passiren liessen. – Sontags, den 14ten wurden selbige hier auf dem Kirchhof probirt. Sie spritzen bis an die zweyte Sternen am Kirchenthurm, eine Höhe von 80 bis 90 Fuß. Sie kosten mit den Unkosten bey vierhundert Reichstahler. Man hatte vorerst eine Umlage auf die Morgenzahl gemacht, und weil das Perschenland hinter

[319]

1800
September
dem Damm seit zwey Jahren nicht in der Contribution mit in Anschlag genommen, folglich frey war, so sollte selbiges pro Morgen 30 Stüber zahlen. Indessen weigerten sich einige, welche viel unter den Perschen hatten. Um nun eine angemessene Basis zu treffen, so machte ich mit Joan Steinberger einen Anschlag, worin wir jeden darnach imponirten, wie viel ihm an Gereide verbrennen könte. Jacob Cremer muß 7 Reichstahler zahlen, Joseph Sturm im Schwanen 15, Wittib Derichsweiler 5, Wittib Fix 5, Fridrich Steinberger 12, Herman Delhoven 8, Vicarius 6, Peter Pannes 8, Thomas Delhoven 7, Posthalter 12, der Welfer und Rheinfelder Halfen jeder 18, jeden Taglöhner 30 Stüber. Auf diesen Fuß kommen bey 400 Reichstahler zusammen. Die Leuthe zahlen alle freywillig, nur der Theodor[321] Bremer will nicht. Man wird ihn aber durch das Friedensgericht dazu vermögen. – Es ist bis 20ten sehr heiß.
Am 30ten – Gestern kame die zuverlässige Nachricht, daß der Kayser mit Frankreich eine neue Konvention getroffen, gemäß welcher ein neuer Waffenstillstand von 45 Tägen geschlossen, die Franzosen zu überzeugen, daß es des Kaysers ernster Wille ist, Friede zu schliessen. So räumet dieser den französischen Truppen die drey Vestungen Ulm, Ingolstadt und Philipsburg ein. – Seit 8 Tagen hat es anhaltend geregnet. Kornpreis hier 5 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Rabsahmen 18 Reichstahler. – Noch sind die Mairen nicht ernennt. Die Agenten verrichten provisorisch die Function als Maire.
October
Am 4ten – Es regnet noch anhaltend. In den schweren Gründen ist die Saath viel durchs Ungeziefer abgefressen worden.
Am 11ten, Kirmesabend[322] – Es stürmt noch in zügelloser Wildheit. Da aber der Barometer steigt, so könnt die Kirmes erträglich werden. – Kornpreis 5 Reichstahler, Weitz 4 Kronthaler hier zu Dormagen.
Am 13ten – Heute, als am Kirmesmontag, liessen die Junggesellen von Horm ein feyerliches Levitten-Seelenamt halten. Am 14ten thaten dieses mit eben dem Prunk die hiesige Männer. Am 15ten war ein Jahrgedächtniß für Privat-Familien, und donnerstags, den 16ten ließe Joseph Sturm im Schwanen eine Levitten-Meß halten für alle Dormager Junggesellen. – Es ware diese Kirmes sehr unangenehm Wetter, und der Zulauf von Fremden nicht groß. – Am 20ten schön Wetter.
Am 31ten – Nach der am 20ten September zwischen dem Kayser und Frankreich geschlossenen Uebereinkunft wird dermahlen ein Congress zu Lüneville gehalten. Die wechselseitige Gesandten reisen schon dahin. – Am 14ten dieses trat der ehemalige Carl Neesen, Municipalitäts-Secretair dahier, die Stelle als Maire an. Er logirt im Posthaus. Doch macht der ehemalige Agent Hambloch noch die Biletter. Schönes Wetter. – Kornpreis 4 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 7 Reichstahler 30 Stüber hier. – Seit 14 Tagen hatten wir 13 Soldaten von der Nordfranken-Legion hier, welche aufpassen sollen, daß keine Früchten über den Rhein gehen. Derjenige aber, so den Soldaten etwas gab, konnte sich ihres völligen Beystandes freuen.

[320]

1800
November
3ten bis 9ten – Sehr stürmisch Wetter mit Regen. – Das Malder Korn wird hier zu 5 Reichstahler und Weitzen zu 4 Kronthaler verkauft. Wir haben einige Zeit 10 Soldaten hier, welche verhindern sollen, daß keine Frucht über den Rhein geht. Allein, da diese sich bestechen lassen und selbst den Schleichhandel schützen, so geht izt sehr viele Frucht über den Rhein. – Es soll nun ein Congress zu Paris gehalten werden, wo der preussische Minister Lachesini und der kayserliche Graf Kobenzel wirklich angekommen sind.
Am 9ten, Sontag[323] – Diesen Morgen ware es angenehm Wetter. Um den Mittag hob sich der Wind aus Westen, und schon im Anfang der Bruderschaft ward derselbe so heftig, daß die Gläser an der Kirche zu brechen anfiengen. Wie wir aus der Kirche kamen, heulte es so stark, daß allenthalben die Dachziegel herunterstürzten und die Strohdächer sich löseten. Es ware unmöglich, dem Einreissen Einhalt zu thun, weil man besorgte, daß entweder die Dächer einstürzten, oder daß derjenige, so sich hinauf wagte, vom Wind fortgeweht würde. Mit dem Sonnenuntergang ware der Sturm am stärkesten, weil in dieser Zeit die meisten Gebäude einstürzten. Unter diese gehören die Häuser des Henrich Borrekoth, des Conrad Fuhs und des Fridrich Nix, dann die Scheuren des Joan Cremer, Joan Sand, Joan Langel junior und der Wittib Mansteden, sodann mehrere Ställe, und kein einziges Gebäude blieb unbeschädigt. Auf vielen blieb kein einzige Pfanne oder Stroh. In vielen Häusern wurden die Stubenöfen ausgelöscht, damit beym zu besorgenden Einsturz keine Feuersbrunst entstehe. Um zehn Uhr abends ließ der Sturm etwas nach, und um Mitternacht ware es einsam und still. Einen so heftigen und anhaltenden Wind erinnert sich kein Mensch, je erlebt zu haben.
Am 30ten – Das Wetter ist noch offen. Nur ein paar Nächte hat es etwas gefroren. Das Malder Korn wird hier zu 5 Reichstahler 30 Stüber verkauft, und der Weitzen zu 8 Reichstahler 15 Stüber. Haaber wird gesucht. – Die Ansichten zu Krieg und Frieden sind noch unentschieden, alle französische Truppen ziehn auf die Waffenstillstands-Linie, der schon bey allen Armeen aufgekündigt ist. Hingegen sitzen die Gesandte zu Lüneville beysammen, um Frieden zu stiften. Auch Preußen und Rußland sind in Bewegung, um England zum Frieden zu zwingen.
December[324]
Am 6ten December – Zu Roggendorf halten sich seit einem halben Jahr 16 Franzosen auf, welche Contreband-Waaren über den Rhein ins Land schmukelen. Sie bestechen die benachbarte Commisen und bringen jeder auf seinem Pferd zwey Päcke Waaren über die Linien. Auch die verflossene Nacht trieben sie’s so. Allein, als sie beym Scheurerhof bey Stommeln kamen, da lauerten ihrer 30 Commisen von Köln und Bonn. Die Contrebandiers

[321]

1800
December
führten keine Waffen bey sich. Jeder hat nur einen dicken Prügel. Die Commisen thaten 40 Schüsse, verwundeten einen Contrebandier im Schenkel, erbeuteten 6 Pferde und für 10 tausend Liver Waaren. Sie führten den Contrebandier auf Sinnersdorf, hohlten erst diesen Nachmittag den hiesigen Feldscherer, der beym ersten Untersuchen fand, daß der Blessirte sich verblutet, weil er so lange unverbunden gelegen, und daß er sterben müsse. Als der Commis, welcher den Schuß gethan, den Sterbenden betrachtete, da fand er, daß sie aus einem Dorfe zu Hause und Nachbars-Kinder waren. – Den 7ten morgens war der Contrebandier schon todt. Der Friedensrichter muste dahin, um mit dem Chyrurgus Eller ein Visum-Repertum und Procees-Verbal zu dressiren. Die uebrige Contrebandiers hielten sich zurück, worunter auch ein Bruder des Todten ist.
Am 9ten – Es hat ein paar Nächte wieder gefroren, doch ist es izt wie immerhin offen Wetter. – Rußland scheint feindselig gegen England zu agiren.
Am 12ten – Diese Nacht fienge es an zu frieren. – Der französische General Moreau hat am 3ten December die Kayserlichen am Inn in der Gegend von Wassenberg geschlagen und 10 tausend Gefangene gemacht.
Am 20ten – Der Rhein geht dicht mit Eiß. – Seit 14 Tagen ist es verbothen, die Früchten von jenseits den Rhein hinunter zu führen. Preußen, Rußland und die französische Regierung suchen England die Zufuhr von Früchten abzuschneiden. Durch diese Gelegenheit sind die Preise hier gesunken.
Am 21ten – Es fienge diesen Morgen mit einem Eißregen an, sehr glatt zu werden, drauf folgte Thauwetter. – Das gegenwärtige Jahr war eins der ergiebigsten seit Menschen-Gedenk. Besonders hat Dormagen wegen dem verschont gebliebenen Rheinfeld eine ungewöhnlich trefliche Erndte gehabt. Das Malder Korn gillt in Monheim 6 Reichstahler Stüber[325], der Weitz 8 Reichstahler 50 Stüber pro Köllnisch Malder.
Am 31ten – Ausser dem kleinen Frost vom 12ten hat es dies Jahr nicht gewintert. Auch ist noch kein Schnee gefallen. – Dies Jahr hatten wir harten Frost, einen warmen, schnell treibenden Frühling, anhaltend große Hitze und den nie erlebten Sturmwind. Die Erndte war prächtig, trocken und reich. Viel Stroh und viel Frucht, besonders der Weitzen, war auch auf schlechtem Boden treflich gerathen. Viel Geld wird in diesem Dorf mit Frucht und sonstigem Speditions-Handel verdient. Die Taglöhner erwerben sich Capitalien durch das Sacktragen zum Rhein. Sie gehn sontags ungleich besser gekleidet als in vorigen Zeiten. Selbst Kinder tragen schon ein oder zwey Faß Korn zum Rhein. Dieses ganze Jahr haben wir keine Contribution bezahlt, doch wahrscheinlich wird der Rückstand im folgenden beygetrieben werden.

1801-1810

1801

[322]

1801
Januarius
Am 2ten – Das neue Jahr bringt uns friedliche Nachrichten. Gemäß der lezten Frankfurter Zeitung ist's Waffenruhe, bis ein von Wien nach Paris geeilter Kourier zurückkömmt, der das Ultimatum des Wiener Hofes überbringt. Die Franzosen stehn zu Linz an der Donau, beynahe 40 Stund von Wien. In Italien ist noch nicht hauptsächlich geschlagen worden.
Am 10ten – Vor 6 Tagen war der Rhein ausgetreten, doch nur so weit, daß man vom Welferhof durch die Benden mit Stiefel durchkommen konnte. Hier oben am Steinbüchel, wo wir vorigen Herbst in den zerbrochenen Damm einen Sommerdeich gemacht hatten, kame kein Wasser durch. Am Monheimer Weeg und auf Rheinfeld zu triebe das Wasser an Welfen hin. Es ist nun wieder am fallen.
Am 13ten – Wir hatten ausser dem achttägigen neulichen Frösten noch keinen Frost. Zwar wehet seit einiger Zeit beständig der Wind vom Nöthstein, dennoch friert es sehr wenig. – Der Kayser hat nun mit den Franzosen einen neuen Waffenstillstand getroffen. Die Franzosen stehn auf 15 Stund nach vor Wien. Man hat die gegründeste Hofnung, daß es nun Friede wird. Tirol wird von den Kayserlichen geräumt und von keinen Truppen besezt. Die Vestungen Würzburg, Braunau, Kufstein und alle Zugänge und Verschanzungen zu Tirol werden den Franzosen eingeräumt.
Am 24ten – Heut fienge es etwas an zu frieren. – Es werden wieder Früchte zu Wasser nach Holland geführt. Deswegen gillt das Korn pro Malder 3 Kronthaler französisch hier zu Dormagen, und das Weitz 8 Reichstahler 30 Stüber. Am 26ten Regen.
Februar
Am 1ten – Seit einigen Tagen hatten wir solch ungestümes Wetter, daß der Rhein wieder heute Morgen den Welferhof abgeschnitten hat. – Gestern um den Mittag ward die Frau des Caspar Odendahl von Straberg auf dem Anxeler Broich durch einen Messerstich am Halse getödtet. Ihr Mann hatte sich schon seit einiger Zeit von ihr getrennet. Er ließ ein falsches Attestat mit der Unterschrift des Pastoren von Nivenheim verfertigen und gienge damit ins Preussische, wo er sich mit einem jungen Mädchen, ebenfals von Straberg, trauen ließ. Er kame zurück, der Friedensrichter beredete ihn, daß er die erste, rechtmässige Frau wieder zu sich nehmen sollte. Er nahm sie wieder zu sich und schlief einige Nächte zwischen den zwey Frauen. Dann juge er die eine wieder fort, welche sich zu Vanicum aufhielt und in der Abdey Knechsteden Brodt bettelte. Gestern schliche er, Odendahl, sich um den Mittag in die Gesträuche, und als seine erste Frau von Knechsteden kam, ergriff und warf er sie in

[323]

1801
eine nahe Torfgrube. Sie arbeitete sich zweymahl wieder heraus, und da sie groß und stark war, wehrete sie sich lange, biß endlich ein Messerstich durch den Hals ihr Leben endigte. Eine Frau von Anxel stand mit einem Mägdchen in der Nähe und sahe der Geschichte zu. Und als der Mörder sich entfernte, eilte die Anxeler Frau dahin, der Unglücklichen beyzustehn. Sie zohe sie aus dem Wasser, aber es ware schon alles Leben von ihr gewichen. Da kame der Mörder nochmahl aus dem Gebüsch hervor und drohete mit dem Messer in der Hand der Frau, daß er sie gleichfals ermorden werde, wofern sie nicht fortgienge oder etwas sagte. Sogleich ward die Geschichte in der Nachbarschaft kund. Der Maire von Nettesheim fertigte heute Früh den Bericht an den Friedensrichter, welcher sogleich Verdacht auf den Odendahl hatte und die Gensdarmen nach Straberg beorderten, um den Odendahl einzuladen, mit zum Friedensrichter zu gehn, oder, dafern sie nur vernähmen, daß er, Odendahl, um die Zeit des Factums abwesend gewesen seye, so sollten sie ihn gleich arettiren. Dies geschah, und er blieb in Gewahrsam von 10 Bauern die Nacht in Straberg.
Am 2ten – Zwischen der Predigt bracht ein Gensdarm den Odendahl wohl geschlossen an einer Kette herein. Der Friedensrichter ließ ihn im Verhör einen blauen Kittel anlegen, und sogleich erklärten die Frau und das Mädchen, daß er der Mörder sey. Dennoch läugnete der Mörder immerfort, obschon er auf die Fragen sehr zweydeutig antwortete. Den 3ten und 4ten dauerte das Verhör fort, am 5ten ward er nach Kölln ins Correctionel gebracht. Kornpreis 5 Reichstahler 45 Stüber, Weitz 9 Reichstahler hier.
Am 8ten – Heute fienge es stark zu frieren an. – Auch kame der Director des Jury den Commissair vom Zuchtgericht mit einem Friedensrichter und Huissier von Kölln hieher, um die Odendahlische Geschichte näher in Straberg selbst zu untersuchen.
Am 12ten wurde die Kapelle zu Straberg vom Pastor (Dechant) in Gohr eingeweiht und die erste Messe darin gehalten. Die Gemeinde hat Erlaubniß, auf 3 Jahr an Werktagen darin Meß zu haben.
Am 21ten – Vom 11ten bis hieher hatten wir ein artiges Frostbähnchen. Es thauet nun aber wieder auf. Der Weitzen gillt hier 10 Reichstahler, Korn 6 pro Malder.
Am 28ten – Der Frühling rückt an. Lerchen und Buchfinken trillern ihre Lieder. Friede lachet unsern Fluren, und wir bleiben Republikaner. Es wird hier am Rhein so viel Geld verdient, daß unsere künftige Verfassung immer mehr Anhänger findet. Die Früchten stehn noch im hohen Preise. Das Paar Korn und Weitzen wird hier im Dorf zu 16 Reichstahler bezahlt.

[324]

1801[326]
Merz
Am 11ten – Es ist schon alles am Wachsen. Wenn nur späthe kalte Nächte es nicht verderben! – Gestern Abend 9 Uhr fuhren 3 Mann vom Sturzelberg mit einem Nachen Haber und Gerst auf die andere Seythe. Als sie in der Mitte des Rheines waren, bekame der Nachen von hinten ein Loch. Der Eigenthümer ertrank gleich, der sogenannte Kart-Gerard[327] rief noch lange um Hilf. Derjenige, so ruderte, 20 Jahr alt, ergrif einen Sack mit 3 Faß Haber, worauf er mit dem Kinn ruhte. Auch war der Ruderriemen von hinten unter seinem Kopf. Unter entsetzlichem Hülfrufen triebe er von Stürzelberg bis gegen die Kirch von Himmelgeist, wo vier Nachen, dies und jenseits, ihn retteten. Es ware stockfinster. Die Leuthe waren mit bloßen Hemden aus den Betten in die Nachen gefallen. Die zwey andern aber sind ertrunken.
Am 14ten – Gemäß dem 6ten Articel des Friedens von Lüneville werden die darin benannte Vestungen auf dem rechten Rheinufer geschleift den deutschen Fürsten zurückgegeben. Es sind deshalben zu Düsseldorf 3.000 Mann aus dem Bergischen beschäftigt, die Batterien und Werken zu zerstöhren. Die Mauren der Citadelle werden gesprengt durch Pulver.
Am 19ten – Täglich fällt etwas Regen, ohne daß es warm dabey ist. – Das Paar Korn und Weitzen gillt dermahlen in Monheim 16 Reichstahler. Vor drey Wochen ward das Paar noch dafür hier in Dormagen verkauft.
Am 25ten – Einige Tage war es wüst und windiges Wetter. Gestern wuchs der Rhein so sehr, daß schon heut Morgen die Gemeinschaft mit Welfen und Rheinfeld abgeschnitten war. Es schwoll so hoch an, daß man es mit Mühe durch ein aufgeworfenes Dämmchen wehrete, daß es nicht über die Landstraße ins Bixem kam. Am 26. und 27ten waren es sehr feine Frühlingstage. Am 28ten konnte man noch nicht anders als mit einem Nachen nach Welven kommen. Das Malder Korn gilt zu Monheim 6 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 11 ½ Reichstahler Kölnisches Maas.
Am 31ten – Angenehme Frühlingstage. – Die Franzosen verlassen allmählich die Kayserliche Staaten. Hingegen rüsten sich die Russen, Schweden, Dänen und Franzosen gemeinschaftlich gegen England, um auch diese zum Frieden geneigt zu machen.
April
Am 9ten – Die Schweden, Dänen und Russen sind ein Bündniß eingegangen, um die Herrschaft der Engländer zu Wasser zu beschränken. Deshalb sind die Engländer mit einer Flotte den Sund passirt, um friedlich gegen jene Mächte zu agiren. – Die Engländer haben während diesem Krieg folgende Insulen weggenommen: 1793 Tabago, Miquelon, Pondycheri, einen Theil von St. Domingo und die Touloner Flotte; 1794 Martinique, Guadalupe, St. Lucie, Maria Galante und Corsica; 1795 Trinquemale und das Cap der guten Hofnung; 1796 Amboina, Berbice und Demerara; 1797 Trinidad; 1798 Minorca; 1799 Surinam; 1800 Gorea, Maltha und Curaçao.

[325]

1801
April
Bisher trocken-kalt.
Am 11ten – Heute kame die Reserv-Artillerie der holländischen Armee. Es blieben 40 Pferd und 160 Mann hier, die übrige wurden auf Nivenheim, Zons, Worringen, Hakenbroich und Delven verlegt. – Die Früchten sinken wieder. Man verkauft hier das Paar zu 15 Reichstahler.
Am 12ten kame die holländische reitende Artillerie, der Stab mit 40 Pferden blieb hier.
Am 13ten folgte ein Regiment batavische Husaren, wovon nur der Stab hier logirte.
Am 18ten – Es ist seit anfangs Aprill sehr trocken und nordwindig kalt mit Frost und Reif. Der Commendant von Kölln foderte 18 Carolin von den Maierien Dormagen, Worringen, Zons und Nivenheim. Es kame für Dormagen und Horm 10 Kronthaler, Nivenheim wollte nichts zahlen. Dagegen verbindet sich gemellter Commendant, die noch folgende holländische Armee über die Gillbach zu schicken. Es sind auch wirklich mehrere Züge über die Gillbach passirt. – Der König von Preussen ist der Nord-Coalition (siehe 9ten April) beygetreten. Dagegen ist Kayser Paul von Rusland den 26ten Merz plötzlich gestorben, wahrscheinlich durch eine Vergiftung.
Am 20ten – Heute musten in hiesigem Canton die öffentliche Beamten das Fest des Friedens und der Vereinigung der vier Departemente mit der Französischen Republick feyern. Diesen Morgen ward gebeyert, um den Mittag die Gemeinde-Klocke gezogen, und vom Mayer Neesen die Friedensartikel und zwey Proclamationen von Bonnaparte und dem Präfect vorgelesen, wobey zwey Gensdarmes mit blanken Säbeln paradirten. Die Commisen machten verschiedene Salven aus kleinem Gewehr, und der hiesige Barrier-Empfänger bliese vermittels einer Trompette Tusch dazu. Am 21ten abends 7 Uhr ward in der Kirche die Complet mit einem "Te Deum" abgesungen, wobey der Pfarrer eine kurze Rede hielt, zur Danksagung des wohlthätigen Friedens. Nachdem hielten die öffentliche Beamten eine Zeche bey Steinberger.
Am 22ten kame ein Escadron Chasseur vom 23ten Regiment. Sie giengen heute von Kölln bis Neus hierdurch. Bey der Bagage hatten sich viele Chasseur zugesellt. Diese stürmten zu Fühlingen ein Haus und beuteten eine Schunke. Die Inhaberin kame hieher, und der Friedensrichter ließ die Wägen visitiren, worauf man die Schunke fand und selbe der Frau wiedergab. Der Friedensrichter berichtete sogleich den Vorfall an den General nach Kölln. – Es ziehn anhaltend Truppen hinab. Die stärksten Züge gehn über die Gillbach. Hingegen kömmt doch alle zwey bis drey Tage ein Zug gallo-batavischer Auxiliar-Truppen hierdurch, wovon dann jedesmahl etwas hier behalten wird.
Am 26ten, Jubilate[328] – Gestern, heut und morgen wird das 40-stündige Gebeth gehalten. Vor dem Hochamt hielten wir die Stationen: die erste vor der hinteren Kirchenthür an der Mauer und die 3 andern an den Altären. Abends nach der Complet fängt der Tanz an, bey Pannes, Heinrich Meuser, Arnold Nusbaum und bey Cremerius im Grünenwalde. – Es friert und reift noch alle Nächte. Im Tage ist's trocken und warm.

[326]

1801
Mey
Am 1ten – Heute fiel der so sehnlichst erwartete Regen. Inzwischen ist das Bitzkorn mager aufgeschossen. Weitzen 10 Reichstahler, Korn 5 Reichstahler 30 Stüber.
Am 3ten – Verflossene Nacht wurden verschiedene Meyen aufgesezt. Gegen der Nettergaß errichtete man deren einen auf ein sechster Tannenstrich. Es sind oben Kronen von Palm gewunden, mit Eyerschahlen vergoldet, angebracht, und nebst verschiedenen kleineren paradirt auch an jedem Meybaume eine 3-farbigte große Nationalfahne. Oben am Lämbchen steht der schönste. Eine Parthie Dorfjungen hielten Musick im Pflug, wo sie diesen Nachmittag tanzend um den Mey spielten, während die Gensdarmen Salve schossen.
Am 11ten – Der Wind hällt wieder im Norden. Diese Nacht war es gereift und gefroren. Heut kame das 4te Dragoner-Regiment und 3 Bataillon Holländer, welche auf der Gillbach logirt wurden, so daß wir hier nichts bekamen.
Am 23ten – Vorige Woche hatten wir verschiedene Donner mit Regen. – Seit dem Tode des Kaysers Paul von Rußland hat dessen Sohn, der Kayser Alexander der Erste, sich wieder sehr freundschaftlich gegen England gezeigt. Die Franzosen sind zwar aus Düsseldorf, doch sind noch 30 Mann als Sauvegarde da in einem Wirthshause logirt, bis die Pfälzer ankommen.
Am 30ten – Es regnet zu viel. Der Rhein ist am Anschwellen. – Diesen Morgen, als die hiesige Händler um 4 Uhr anfiengen Früchten zum Rheine tragen zu lassen und schon 25 Malder in einem Nachen waren, sprangen die Soldaten von Zons am Steinbüchel aus dem Korne hervor. Der Eygenthum Peter Schüllgen riefe dem Fährman zu, er sollte mit dem Nachen abfahren, die Soldaten hätten die Gewehre nicht geladen. In dem schoß ein Soldat den Schiffman durch den Kopf, daß das Hirn heraustriebe. Gleich ware er todt. Die Monheimer hohlten den Verunglückten auf Monheim, und die Soldaten fuhren mit der Frucht nach Zons. Der Gebliebene nennt sich Fitgen und ist verheyrathet. – Kornpreis hier 5 Reichstahler 15 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler 30 Stüber.
Juni
Am 15ten – Diese 14 Täge war es meistens kalt und naß, verschiedenmahl fiel Hagel, ohne zu schaden. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber.
Am 27ten – Seit 3 Tagen ist es heisses Wetter. Man hoffet auf Regen. Kornpreis[329] 6 Reichstahler.
Julius
Am 4ten – Seit dem 1ten haben wir stets Donner mit viel Regen, so daß wir nun wieder gut Wetter bedürfen. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber hier.
Am 6ten starb allhier die Elisabeth Cremerius, unverheyrathet zwar, dennoch hatte sie 3 Kinder zur Welt gebohren, wovon eins noch lebt. Ihr ausschweifender Lebenswandel machte sie ganz gichtrisch und elend, so daß sie einige Jahre von den Almosen lebte. Da nun ihr Schwager Henrich Nusbaum sich durch den Früchtenhandel einiges Vermögen erworben hat, so gab der den Todtenläuten einen Zech, worauf diese ein Stück aus der alten Klocke läuteten.

[327]

1801
Julius
Am 18ten – Erst heute fieng das Wetter an, sich aufzuhellen, nachdem es bisher alle Tage geregnet hat. Viel Heu hat darunter gelitten. Auch hat man seit 6 Tagen fleissig Korn gemähet. Der Preiß vom alten ist hier 6 Reichstahler, Weitzen in Monheim 12 Reichstahler 30 Stüber. Am 20ten Regen.
Am 26ten – Der hiesige Bürger Anton Schmitz, ehmals Schweinhirt, hatte sich vor geraumer Zeit durch verschiedene kleine Diebstähle in Wäsche etz. berühmt gemacht. Die vormalige Scheffenregierung sahe ihm dieses jedesmahl durch. Vor beyläufig 6 Wochen entwendete er von Neuem der Witwe Küpper einige Hemder von der Bleiche, worüber man ihn erwischte. Er warf die Hemde dahin und floh. Die Gensdarmen suchten ihn auf, allein, er entkam ins Bergische. So, wie der Vogel da am liebsten ist, wo er geheckt wurde, so schliche er sich vor 14 Tägen des sontags Nachmittags zwischen der Piwitte an mir vorüber, und heute brachten ihn die Gensdarmen gefänglich ein, um ihn morgen auf Kölln zu führen. – Bis 28ten anhaltender Regen. Kornpreiß 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 12 Reichstahler 30 Stüber.
Am 29ten – Schön Wetter. Man fährt fleissig Korn ein.
August
Am 1ten – Donner mit Regen. Das Korn gibt sehr schlecht, doch ist viel Stroh.
Am 14ten – Seit sechs Tagen hatten wir große Hitze. Der meiste Weitzen ist eingescheuert, doch steht dessen und Korn noch ein Theil draussen. Es gibt viel Stroh, aber der beste Drescher trägt nur ein halb Malder Korn auf. Sommerfrucht geräth auch die Menge, und man findet allenthalben Fruchtbäume gesezt. – Gestern brachte uns ein Gewitter starken Regen. – Vor 8 Tägen ward der Weitzen vor 13 Reichstahler hier verkauft, jetz ist er bis auf 10 herunter gekommen. Korn 6 Reichstahler.
Am 24ten – Der August ist sehr heiß, doch gibt es alle 8 Täge einen heilsamen Regen. Die Sommerfrüchten sind treflich gerathen und Gemüse ohne gleichen. Alle Scheuren sind voll und viele Bärme gesezt. Obschon die Frucht nur sehr mittelmässig aufs Denn gibt, so thut doch das viele Stroh und die hohe Preisen viel dazu, daß dieses dem vorigen guten Jahre gleich kommen wird. Das neue Korn gillt beynahe 6 Reichstahler, und der Weitzen 10 und ein halben.
September
Am 16ten – Diese Zeit hindurch hatten wir immer heiße Tage mit nothdürftigem Regen. – Die Schifarth auf dem Rhein ist auch im Preußischen seit 3 Wochen gesperrt. Deswegen ist jetz keine Nachfrage und kein Preiß von Korn und Weitzen. Auch sind unser Commisen alle suspendirt und durch neue ersezt, so daß seit 18 Tagen fast keine Frucht über den Rhein gegangen ist. Der Odendahl von Straberg ist zu Trier guillottinirt worden (siehe am 1ten Februar 1801).

[328]

1801
September
Am 29ten, Michaelis[330] – Da durch den starken Handel viel Geld unter alle Stände geflossen ist, so sieht man vorher, daß die Kirmes sehr lustig seyn wird, so wie das heutige Patronsfest stattlich. – Allein, mit Tagesanbruch ward der Jacob Steinberger, Peter Pannes und Jacob Küpper theils durch Köllnische, theils hiesige Gensdarmen mit ihren Briefschaften arrettirt, und zwar auf Befehl des französischen Gouvernements, weil sie beschuldigt sind, Früchten und englische Waaren aus- und eingeführt zu haben. Die Ordre waren grade gegen die französischen Gesetze, denn die Gensdarmen nahmen sie in Arrest ohne Maier, vor Sonnenaufgang etz. Sie wurden einsweilen in das Wirthshaus "Zum weissen Pferd" (vormals Cremerius-Haus) gesezt. Bis gen 8 Uhr brachten die Gensdarmen von Üdesheim den Sohn aus dem Hof-Besitz Baaden, den Röttgen, Esser, Witges und Kucks von Grimlinghausen und den Mattheisen vom Illkhauser Hof. Um 11 Uhr wurden sie alle auf Kölln ins allgemeine Arresthaus gesezt. Joseph Küpper sollte auch mit fort geführet werden, allein, der ware im Bergischen.
October
Am 1ten – Der öfentliche Ankläger Keihl in Kölln untersuchte die Papiere der Staatsgefangenen. Diejenige, so schuldig befunden und aus deren Briefschaften sich ergiebt, daß sie geschmuckelt haben, werden nach dem Schloß Hamm in der Picardie geführet. Dies trafe schon den Röttgen von Grimmlinghausen.
Am 7ten – Heut erhielte ich die ganz unvermuthete, sehr willkomme Nachricht, daß der Friede zwischen Frankreich und England unterzeichnet ist. Die Engländer geben alle Eroberungen ausser die Insel Zeylan und St. Trinitas zurück. Dagegen behält Frankreich den Rhein zur Gränze. Dieser Friede kann bald das Schicksal der Staatsgefangenen beendigen.
Am 24ten – Jacob Steinberger und Witges sind auch nach Hamm abgeführt. Unter des ersten seinen Papieren befindet sich ein Brief von seinem Schwager Colpin von Oberaussem an Steinberger, wo derselbe anfrägt, ob der gesendete Weitzen alle über dem Rheine ist. – Der Früchtenhandel liegt ganz darnieder. Jeder Schmuckler ist bang, daß auch er solle gehohlt werden. Desfals zirkulieren oft Gerüchte, welche die Veranlassung sind, daß fast alle Händler die Nacht ins Bergische schlafen gehn. – Zu Kölln bezahlen die Staatsgefangene täglich 1 Reichstahler für Kost und Bettung. Dan haben sie auch die Freyheit, in dem Köllnischen Hof frey umher zu gehen. Die diesjährige Kirmes ware wegen der Geschichte sehr einfach.

[329]

1801
November
Am 1ten – Das Wetter ist noch immer naß, zuweilen sehr stürmisch, und Würmer verderben viel von der früh gesäheten Frucht, doch hat das zum zweytenmal Gesähete gut gehalten. – Als der Pannes auf Kölln geführet war, da ware des Stehlens von seinen Erdäpfel und Mohrenäckern kein gleichen. Er hatte einen Ziegelofen fertig, wo noch die Geräthschaften umher lagen. Des Hilger Gärtners Frau und die Sophie Bükendorf machten sich auf und trugen des Abends einige Bord nach Hause. Des andern Morgens hielt der hiesige Mayer Haus-Visite und fand die Bord. Sogleich wurden die beyden Menscher zum Friedensrichter und von da auf Kölln geführt. Dem Pannes begegneten sie im Arresthaus, wo er zum grösten Erstaunen ihr Dahinkommen vernahm. Sie sind auf ein Monath Gefängnißstraf verurtheilt. – Im Schloß Hamm, schreibt Jacob Steinberger, ist es nicht so schlimm, als das Gerücht ausgestreuet hatte. Der Commendant ist ein gefälliger Mann. Sie dürfen frey herum gehen, auch mit einer Schildwache durch die Stadt sich alles Nöthige kaufen gehen. Essen und Trinken wird ihnen für Geld auf die Vestung gebracht.
Am 6ten – Der Küster in Nivenheim, Wimmar Schneider, welcher seit der Municipalitäts-Zeit Agent und izt Maier ist, hat sich dadurch, weil er etwas zu stark von der republikanischen Parthie war, mit dem Pastor und dessen Familie verfeindet. Unter diesen befindet sich der Witgenshalfen Schmitz, der sonst die Gemeinde verwaltet und nun seit lange nur dahin trachtete, den Schneider zu stürzen. Als nun die französische Regierung gegen die Fruchtschmuckler so ausserordentlich strenge verfuhr, so ergrif Schmitz die Gelegenheit, um den Schneider darein zu ziehen. Schneider hatte nicht gehandelt, aber er hatte Certificate gegeben, Früchten von Kölln auf Nivenheim zu führen, ohne mit den Leuthen zu sprechen, für welche die Früchten gefodert wurden. Schmitz lies sich von diesen bescheinigen, daß sie kein Certificat genommen hatten, und nun war Schneider überzeugt. Es erfolgte also vorerst die Absetzung als Maier, mit dem Zusatz, das er, Schneider, gerichtlich verfolgt werden soll. – Unglücklicherweise hatte Schneider, in einer Nacht, als er von unser Kirmes nach Hause gieng, einen Arm zerbrochen und einen Fuß verrenkt, so daß er seit dieser Zeit das Bett hüten muste. Demungeachtet kame der Befehl an ihn auf Kölln und von da nach Schloß Hamm in die Picardie zu transportiren. Allein, als man ihn nach Kölln brachte, fand es sich, daß dieses unmöglich war. Seitdem sitzt er noch bey Pannes, Küpper, Matheisen, Baaden und Kucks im Arresthause zu Kölln. – Das Malder Korn gilt hier [...][331].

[330]

1801
November[332]
Am 18ten – Unser Damm ist durch den Präfecten zu Aachen vergantet worden. Einer von Achen, ein Köllner und Durener haben selbigen zu machen angenohmen, womit sie heute den Anfang machten. Sie zahlen an Taglohn für ein Pferd und Karrig ein Reichstahler, für einen Schüppenman 15 Stüber. Morgens 7 Uhr bis 11, dann von 1 bis Sonnenuntergang wird gearbeitet. Sie wollen in zwey Monath damit fertig seyn.
Am 21ten – Gestern und heut wüthete ein solcher Sturm, Regen, Schnee, Frost und wieder Regen, daß am Damm gar nicht gearbeithet werden konnte.
Am 29ten – Diesen ganzen Monath ware es sehr naß mit immerwährendem Sturm begleitet, so daß der Rhein schon wieder unseren Damm ausgetreten war. Wir machten doch gestern einen Damm von dem unsrigen quer auf den Rhein. Da dieses aber über des Gerhard Strack sein Stück Land gienge, so wollte dieser solches nicht zulassen. Die Arbeit unterblieb also. Die Arbeit am Damm wird mit 17 Karren im lezten Loch am Bodenkreutzer Weg fortgesezt.
Am 30ten – Der Rhein brach durch den Monheimer Weg und dehnte sich diesseits dem Damme aus, doch fällt es im Strome wieder.
December
Am 3ten – Das stürmische Wetter hat den Rhein so stark an das Wachsen gebracht, daß Walhoven und Rheinfeld abgeschnitten sind. Die Arbeit am Damme hört seit heute auf. Kornpreis hier 6 Reichstahler, Weitzen 9 Reichstahler. Zu Amiens werden sich dieser Tage die Gesandten der wechselseitigen Höfe versammeln, um den allgemeinen Frieden zu schliessen. Wahrscheinlich werden erst nachher die hiesige Staatsgefangene in Freyheit gesezt werden.
Am 8ten – Seit gestern erst scheint der Sturm sich zu legen, doch wächst der Rhein so sehr, daß der Bixem schon voll stehet. Auch liefe es gestern Abend durch das erste Loch im Damm neben der Landstraße, worin vor 2 Jahren und jüngst durch die Damm-Enteprenneurs ein Sommerdämmchen gemacht worden war, welches sehr stark rauschte. Auch schrieb mir gestern mein Freund Jacob Steinberger aus dem Schloß Hamm, daß ihr Schicksal sehr erträglich seye, daß sie in die Stadt gehen dürften.
Am 9ten – Das Wetter ist wieder so unbändig, als es seit zwey Monathen ohne Unterlaß gewesen ist. Der Rhein ist so hoch angeschwollen, daß unten im Feld nur zwey kleine Fleckchen trocken sind. Inzwischen werden die Früchten aus unserm Ort fleissig fortgeschift. Man gibt vom Malder 40 Stüber, dann übernehmen es die Schmuckler auf ihre Gefahr frey nach Monheim zu transportiren. Korn wird noch hier verkauft zu 6 Reichstahler 15 Stüber und der Weitzen zu 9 Reichstahler 15 Stüber, kleine Bohnen zu 5 Reichstahler.
Am 11ten – Heute kame Peter Pannes, Jacob Küpper und der Baaden von Uedesheim von Kölln zurück, wo sie frey gesprochen worden sind.

[331]

1801
December
Am 12ten – Sturmwind mit Schnee, am 13ten Schnee, etwas Frost und Sturm.
Am 14ten – Frost mit Schnee. – Der Rhein ist noch sehr hoch. Am 17ten starker Frost.
Am 24ten – Regen, Schnee und Frost wechseln auf den andern Tag. Der Rhein ist wieder in seine Ufer zurückgetreten. Am 26ten: Der Rhein ist wieder so hoch, daß man mit Nachen unten in die Gärten fahren kan.
Bis 31ten – Abwechselnd mit Regen. Diesen Abend fängt es an zu frieren. – Dieses abgeflossene Jahr ware nicht unter die fruchtbahrsten, aber auch nicht zur Klasse der Mißwachsenen zu rechnen. Stroh gab es sehr viel, aber nach Verhältniß weniger Frucht. Von der Sath im Rheinfelde werden wir uns nicht viel versprechen können, da der Rhein so oft wächst und fällt. Er ist jetz wieder in seinen Ufern eingeschlossen. Allein, die aus der Schweitz eingegangene Nachrichten von übervielem Schnee lassen eine abermalige Ueberschwemmung vorhersehen.

1802

1802[333]
Januar
Am 1ten – Starker Frost, am 2ten Frost und Schnee. Heut fienge der Rhein wieder stark zu wachsen an, ohnerachtet des Frostes, so daß man am 3ten schon wieder mit Nachen in die Gärten anfahren konnte.
Am 5ten – Frost. Der Rhein ist wieder so viel weggefallen, daß man mit Stiefel nach der Piwitt gehen konnte. – Die englische und französische Gesandte sind izt zu Amiens, um den Definitiv-Frieden zu schließen.
Am 10ten – Anhaltender Frost und Schnee. – Ich ware am 7ten und 8ten Jury am Tribunal-Criminel in Kölln, wo der berüchtigte Joan Albert Platt, ehmals Gerichtscheffen zu Gohr und nachher wegen der Goldmacher-Geschichte zu Delven bekannte Mörder des Leonard Martio (siehe das Registers zwey lezten Decaden vorigen Jahrhunderts), zu achtjähriger Kettenstrafe verurtheilt wurde. Diesesmahl hatte er eine falsche Obligation gemacht und beym Kaufmann Herstadt in Kölln wirklich 1.000 Reichstahler aufgenommen. Kornpreis 5 Reichstahler 30 Stüber, Weitz 8 Reichstahler 15, Haber 18 Schilling.
Am 17ten fienge es an zu isselen, am 18ten und 19ten Thauwetter. Der Rhein würde sich bey länger anhaltenem Frost in zwey Tägen gesezt haben.
Am 24ten – Diese Nacht fienge es wieder etwas zu frieren an. Wir glaubten zuverlässig bey diesem Aufthanen, daß der Rhein unsere Felder nochmal überschwemmen würde, aber schon ist das Obereis fort.
Am 31ten – Es wintert noch sehr leidlich. Im Tage ist es angenehm. Die Früchten schlagen auf. Alles wird nach Frankreich geführt, wo im Inneren Mangel ist. Deswegen sind die Preisen diesseits am niedrigsten in der Nähe vom Rhein. In Nivenheim wird der Weitz mit 9 Reichstahler und das Korn zu 6 Reichstahler 50 Stüber verkauft.
Februar
Vom 1ten bis 9ten abwechselnd bald Regen, bald angenehm.
Am 12ten – Es friert ein paar Tage. – Die Gefangenen in Hamm haben nun gute Hofnung, bald erlöset zu werden. Wirklich ist der Kaufman Basellar in Maynz in Freyheit gesezt. Der Illkhauser Halfen Matheisen ist in Ham aus Melankolie gestorben.

[332]

1802
Februar
Am 14ten – Anhaltender Frost. – Voriges Jahr hatte der hiesige Müller Pannes bey dem Domeinen-Empfänger supplicirt, daß die Scheffenlehner verpfachtet werden sollten. Der Maier nahm dieses Geschäft in Beyseyn der Munizipalräthe vor, und die Besitzer sowie Herman Hambloch, der das Lehn des Schefen Fix unter dem Pflug hatte, pfachteten den Morgen zu 3 Faß Korn. Nun wurde vor 14 Tagen dieser Pfacht auf den Meistbiethenden versteigert, und das Malder wurde zu 7 Reichstahler 18 Stüber zugeschlagen. Nun hatten wieder Einige angestanden, daß die Schefenlehnen öffentlich auf den Meistbiethenden ausgestellt wurden. Dies geschahe am 6ten dieses. Engel Kranz pfachtete das Lehn vom seehligen Scheffen Schmitz, Jacob Küpper eins vom Scheffen Steinberger, so er bisher nebst seinem Lehn von der Gemeinde in Pfacht hatte. Die Übrige behielten zwar ihre Lehner, aber der Pfacht wurde greulich aufgetrieben, so daß Theodor Bremer 17 Reichsthaler pro Morgen jährlichs zahlen muß. Mithin beträügt der Pfacht in toto ungefähr 800 Reichstahler, die Pfachtzeit dauret 9 Jahre.
19ten – Der Frost hält noch sehr schwach an, im Tage ist's dann schönes Wetter. Das Korn schlägt so sehr auf, daß man schon auf dieser Seythe 8 Reichstahler für das Malder bezahlt. Der Weitzen wird zu 10 Reichstahler verkauft.
20ten – Regen. – Auch des Gerichtsbothen Länderey 5 Morgen werden dem Meistboethenden ausverpfachtet. – Der hiesige Früchtenschmukler Engel Kranz, der die Tochter des Theodor Schüllgen geheyrathet hatte und von seiner Seythe ohne Vermögen war, hat so viel durch den Fruchtenhandel gewonnen, daß er die Leuf neben der Kirche, wo ehmals der Scheffen Fix und nachher der Jud Mendel wohnte, um 1.300 Reichstahler an sich gekauft, von den Erben Sturm.
Merz
Am 9ten – Seit einigen Tagen haben wir Frühlingswetter. Der Rhein fängt wieder an zu fallen, da seit 8 Tagen das ganze Feld überschwemmet war.
13ten – Heut kamen die ersten Merzerstürme, da man bey dem schönen Wetter diese Woche dicke Bohnen und Salat unter die Erde gebracht hat. Vor 3 Tagen wurde auch die Länderey unseres Gerichtsbothen 5 ½ Morgen auf den Meistbiethenden verpfachtet. Der Sohn des Gerichtsbothen both zu lezt auf das Ganze 31 Liver pro Jahr. – Da bey der neulichen Verpfachtung auf das Lehn des Jacob Sturm nach dem Zuschlage noch geothen wurde, so supplicirte der Maire, daß diese Länderey von Neuem ausgestellt wurde. Diese 11 ½ Morgen wurden nun dem Posthalter 50 Reichstahler gringer zugeschlagen als jüngst.
Am 16ten – Heut wurde hier die Domainen-Länderey des Cantons ausgepfachtet. Es waren meistens kleine Pfachtungen, welche fast alle für den Tax zugeschlagen wurden. Da der Fremden sehr viele waren und kein Zimmer im Ort großgenug war, so geschahe es in der Kirche.

[333]

1802
Merz
23ten – Angenehme Frühlingstage, mitunter Merzerstürme. Die Staatsgefangene auf dem Schloß Ham sehen mit jedem Tage ihrer Befreyung entgegen. Wirklich schrieben sie an ihre Familien, daß sie ihnen keine Beriefe mehr nach Ham schicken sollen, weil sie glauben, daß selbige sie nicht mehr dort finden werden. Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber.
30ten – Die Nächte sind noch kalt mit Frost und Reif. – Kornpreis 8 Reichstahler, Weitzen 10 Reichstahler. Heute 11 Uhr kündigte das Geläute aller Klocken der Stadt Kölln die Nachricht an, daß der Definitiv-Friede mit England geschlossen ist.
April
Vom 1ten bis 8ten – Schöne Tage und kalte Nächte. Am 9ten etwas Regen. Die Damm-Enteprenneurs haben das lezte Loch auf Rheinfeld zu bereits fertig. Sie fahren mit Pferdskarren und zahlen pro Tag für jedes Pferd und Karrig 1 Reichstahler. Indessen muß der Knecht mit laden. Jeder Arbeitsmann bekömmt 15 Reichstahler. Sie haben bisher noch nichts als Sand in den Damm gefahren. Deswegen werden die Meistbeerbte sich beschweren.
15ten – Seit einigen Tagen gab es anhaltende Merzerstürme, heut aber fienge es warm zu regnen an. – So sehr man sich geschmeichelt hatte, daß die Gefangene vom Schloß Ham in den ersten Tagen ihre Freyheit erhalten würden, so still ist jetz wieder diese Geschichte geworden.
20ten – Das Concordat zwischen dem Pabst und der französischen Regierung wird uns merkliche Veränderungen in der Religion hervorbringen. Der öffentliche Gottesdienst ist erlaubt. Weil aber das Gesetz noch nicht an die Beamten geschickt worden ist, so haben wir diese Ostern noch keine Prozession um die Kirch gehalten, obschon die benachbarte Ortschaften alle dies gethan haben. – Kornpreis 8 Reichstahler hier.
Mey
Am 9ten – Weil das Concordat noch nicht officiel publiziert ist, so hielten wir die Gottestracht in der Kirche. Das Hochwürdige wurde um 6 Uhr ausgesezt und bliebe bis nach dem Hochamt stehen. Nach der Elevation wurde das "Te Deum" gesungen, und diesen Nachmittag ware Bruderschaft.
Am 10ten wurde der Hagelfeyer wie gestern gehalten, nur war diesen Nachmittag keine Andacht in der Kirche. – Da wir seit lange keinen durchtringenden Regen hatten, so ist es entsetzlich trocken und hart. Die späthe Haber liegt unverwesen in der Erde.
12ten – Heut kame Jacob Steinberger und alle Gefangene vom Schloß Hamm zurück. Des Ersteren Aussehen ist sehr gut. Das Hinführen ware für sie sehr unangenehm, indem sie die Gendarmen durch Geld und kostspielige Gelage dahin bringen musten, daß sie nicht geschlossen wurden. Übrigens durften sie im Schloß frey herum gehen und konnten für ihr Geld alles haben, was sie begehrten. Dem Staatsrath Rigal von Crefeld und dem Expresidenten Pape von Kölln, welche beyde in Paris sind, haben sie vorzüglich ihre Freylaßung zu verdanken.
18ten – Es ist noch immer der Wind aus Norden, Merzerstürme im Tage und des Nachts Reif und Frost, welcher alle Erdäpfel und Bohnen sind alle über der Erd erfroren, Kirschen und Trauben sind ebenfalls dahin. Das Korn hat viel gelitten. Deswegen steigt solches im Preise und wird schon hier im Dorf zu 8 Reichstahler 30 Stüber bezahlt.

[334]

1802[334]
Mey[335]
Am 24ten – Das Wetter bleibt noch immer trocken, nur sind die Nächte nicht mehr so kalt. Viel Korn ist erfroren. Im Bergischen an den Wäldern wird solches schon vor das Vieh abgemähet. Deswegen steigen die Früchtenpreise enorm. Man gibt schon gern hier im Dorf 10 Reichstahler für das Malder Korn. Heu stieg auch seit 8 Tagen von 40 Stüber auf ein Reichstahler das 100 Pfund.
30ten – Alles vertrocknet. Menschen und Vieh stehn in Gefahr, Mangel zu leiden. In Zons werden 14 Pfund Brodt zu 40 Stüber verkauft. Im Bergischen ist der Mangel noch größer. Man verkaufte schon in Monheim das Malder Korn zu 16 Reichstahler. In den Bergen hat auch der Frost ungeheuren Schaden angerichtet. Der einzige Frohnhalfen in Monheim muß 40 Morgen Korn desfals abmähen.
31ten – Die Nacht und heut hatten wir etwas Regen. Auch fiengen wir heute an, um 5 Uhr eine Benedictions-Messe in der Kirch zu halten.
Juny
Am 5ten – Diese Täge waren heiß mit Regen. – Das Malder Korn wird hier zu 10 ad 11 Reichstahler verkauft, Gerst 8 ad 9 Reichstahler, Buchweitz 10, auch 12 Reichstahler. In Monheim gillt das Kölnische Malder Korn 16 Reichstahler, Buchweitz 18 Reichstahler. Der Weitzen ist dies- und jenseits beynah ein Reichstahler wohlfeiler als das Korn.
6ten, Pfingsten[336] – Heut giengen wir zuerst mit dem Hochwürdigen um die Kirche. Es giengen so viele Leuthe mit, daß sich der Zirkel an der hintersten Kirchthüre schloß.
13ten – 13ten: Es trocknet wieder sehr stark, und wir hoffen Regen. Die Früchten stehn noch im nähmlichen Preiß. Hier werden 14 Pfund Brodt um 36 Stüber verkauft, in Zons aber zu 40. – Kaffebohnen das Pfund 26 Stüber. Es wird jetz mit 16 Pferdskarren am Damm gearbeithet.
24ten – Aller Regen, der seit dem Frühjahr gefallen ist, drang nicht über 2 Zoll in die Erde. Nun ist wieder der Wind so falsch aus Norden, daß alles vertrocknen muß. Das Malder Korn gillt noch 10 Reichstahler, der Weitzen aber 11 hier in Dormagen. Jenseit des Rheins wird das Malder Korn zu 14 Reichstahler verkauft. Es ist izt nicht mehr möglich, etwas hinüber zu schmuckeln, da izt Tag und Nacht zwey Commisen an der Piwitte sind, welche jeden hinüberkommenden Nachen visitiren.
25. – Diese Nacht hat es weis gereift, so daß viele Strauchbohnen, Erdäpfel und Buchweitz entweder ganz verdorben oder doch sehr viel gelitten haben.
27ten – Diese Nacht halb zwölf starb mein geliebter Vater an den Folgen der Entkräftung im 77ten Jahre seines Alters. Er war 56 Jahre Küster und Organist allhier: Herman Delhoven.
Am 28ten – Zu der erledigten Küsterstelle hatte die gesammte Gemeinde mich ausersehen; theils, weil ich meinem Vater in seinem Alter beygestanden, theils auch, weil ich seit zwanzig Jahren die Küsterey wohl versehen hatte. Weil ich aber noch ungeheyrathet bin und das Zutrauen der ersten Kaufleuthe der Gegend habe, womit ich in solcher Verbindung stehe, daß ich auf verschiedene Art mein Brodt gewinnen kann, mein Bruder hingegen schon 7 Kinder hat, so entschloß ich mich aus Liebe zu ihm, meine Ansprüche auf den Dienst an ihn abzutreten. Wir giengen also heut

[335]

1802
Junius
durch die Pfarr von Haus zu Haus um die Stimmen um. Alle ohne Unterschied unterzeichneten, so daß keiner eine unwillige Miene machte.
29ten – Heut ward hier von verschiedenen mit dem Kornhauen angefangen.
Julius, Sontag, den 4ten[337] – Gestern Abend kame ein Commissair extraordinair von Kölln hier an, der den Auftrag hatte, alIe Effecten der Klöster und Kirchen zu versiegeln. Er ritte mit dem Mair Neesen und 3 Gensdarmen auf Knechstein. Der Friedensrichter gienge desfals auf Zons und der hiesige Secretair Adolf Verhagen ward für Hackenbroich und unsere Kirche beauftraget. Gemäß dem Aretté müssen alle Klostergeistliche in Zeit von zehn Tagen die Klöster räumen und weltgeistliche Kleidung anziehen. Was sie eigenthümlich auf ihren Zellen haben, das dörfen sie mitnehmen. Auch ward in den Pfarrkirchen nur das nöthige Meßgewand, so alle Tage gebraucht wird, nicht versiegelt. Alle Canonici und Geistliche, wes Ordens sie sind, müssen ihre von einer Fundation herrührende Wohnungen räumen. Sie, die Bischöfe, Nonnen und Bettelmönche sollen von der Nation ohne Unterschied salarisirt werden; das ist: Alle, so 60 Jahre alt sind, bekommen 600 Frank jährlich, alle anderen 500 Frank. In zehn Tagen Zeit nach der nun bald erfolgenden Publication müssen sie alle weltgeistliche Kleider anziehen und ihre Klöster verlassen. – Kornpreis 10 Reichstahler, Haaber 4 Reichstahler 15 Stüber. Es ist noch anhaltend nordwindig kalt. Sogar hat es in der Nacht auf den 26ten dieses, Juni, noch gereift. Dabey ist es so trocken und dürr seit dem Frühjahr, als es wahrscheinlich bey Menschen Gedenken nicht gewesen ist. Der Weitzen ist alle nur zwey Fuß hoch geworden, doch hat er vom Frost nichts gelitten. Der Kappus ist so voller Milben, daß auch davon nicht viel zu hoffen ist.
July
19ten – Erst gestern Abend fienge es kräftig zu regnen an, das den Erdäpfeln vorzüglich gut zu statten kömmt. Es ist nur weniges Korn eingefahren.
29ten – Vermischtes Regenwetter, doch sähet man das Korn in trockenen Stunden ein. Auch wird fleissig am Weitzen gemähet.
7ten August – Dieser Tage ware es grausam heiß. Die Milben, die den Kappus beynahe ganz verdorben haben, lassen darin nun nach und sind so stark in den Buchweitzen gefallen, daß derselbe nur ein Drittel von der zu erwartenden Saath beybringen wird. Das neue Korn wird dermahlen hier zu 8 Reichstahler verkauft.
8ten, Sontag[338] – Heute nach dem Hohenamte geschah die Wahl eines neuen Küsters. Der Maier, Pastor und Vicarius saßen auf dem Kohr an einem Tisch, und die Nachbarn erklärten einer nach dem andern, so wie sie um den hohen Altar giengen, daß sie dem Thomas Delhoven ihre Stimme gäben. Keiner bliebe zurück oder erinnerte etwas, obschon Einige Einwendung machen wollten, daß 14 Pfund Brodt zu viel seye. Demnach erklärte der Maier, daß Thomas Delhoven einstimmig zum Küster erwählt seye, fragte dann diesen, ob er bereit wäre, den Eid zu schwören, worauf derselbe schwur, den Dienst nach altem Herkommen oder nach den vom Bischof neu zu erwartenden Statuten zu verrichten und die ihm anvertraute Güter so wie seine eigene zu bewahren. Dann gienge der Maier mit ihm an der hinteren Kirchenthür heraus, gab ihm den Kirchenschlüssel, worauf

[336]

1802
August
er die vordere Kirchenthür öfnete, demnächst die Sacristey, läutete dann mit einer Klocke, gienge ins Kohr, stimmte das "Te Deum" an und begleitete selbiges mit der Orgel, worauf dann der Maier, Friedensrichter, Pastor und Vicarius beym neu erwählten Küster speiseten.
12ten – Gleich nach 11 Uhr fuhre ein Gewitter aus Westen herauf. Es schien abwärts zu ziehn. Man hörte ein Rauschen in der Luft, desgleichen sich kein Mensch erinnert, und in einem Nun brach unter entsetzlichem Wind und Regen ein dichter Hagel aus. Die Steine waren von ausserordentlicher Dicke, alle Glaßfenster wurden zerschmettert. Der Buchweitzen, Haber und alles Gemüse sind total zusammengeschlagen. Der Strich ist grade so breit als das Dorf. Es gieng von hier über Monheim. Unter dem Dorf und auf dem Höhenberg ist alles verschont geblieben. Das Laub an den Erdäpfeln ist auch sehr zerhackt. Man hoft aber noch, daß es ihnen nicht viel schadet.
24ten – Anhaltend heisse Tage. Obschon bey dem neulichen Gewitter ein entsetzlicher Regen fiel, so ist doch das Erdreich durch diese äusserst heisse Tage so trocken geworden, daß wir sehr nach Regen hoffen. Das Malder Korn gillt hier 7 Reichstahler, in Monheim 11 Reichstahler 30 Stüber. Die Commisen sind in Betref der Frucht so strenge, daß selbst der Wirth auf der Piwitte seine Frucht nicht nach Monheim bringen kann.
September
8ten – Das Wetter ist noch vortreflich. Seit einigen Tägen hatten wir Donner mit heilsamen Regen. – Die Regierung läst in den aufgehobenen Klöstern alles, was frist und gefressen kann werden, verpfachten und verkaufen. Einige Knechsteder haben das Kloster mit der Länderey um 2.100 Franc für 3 Jahre verpfachtet. Auch die Zonser gehn jetz in weltgeistlicher Tracht.
29ten – Bisher waren zwar die Nächte kalt mit Reif, doch ware es im Tage warm und trocken, so daß die gesähete Frucht nicht alle heraus kommen kann, bis es regnet. Wegen dem schönen Wetter haben sich die Bitzen vortreflich gerüstet, und die Saath ist beynahe vollends bestellt. Das Malder Korn und Weitzen wird hier zu 9 Reichstahler verkauft.
October
Dieser Monath ware hell, warm und trocken. Am Ende bekamen wir etwas Regen, und die Saath steht vortreflich. Der Rhein ist kleiner als jemalen. Man geht trockenes Fußes auf das Worringer Werth. Auch ist die Mauer dort im Rheine von Weitem sichtbar. Sie kann 40 Fuß lang und 24 Fuß in der Breite haben. Die Worringer brechen viele Steine dort aus. Es sind meistens Unkelsteine. Auch ist anno 1795 auf dem Werth zu Worringen ein Oberländisch Schif gelandet, welches zu der Zeit nicht konnte gelandet werden, wegen den jenseits stehenden Kayserlichen Schildwachen. Nun ist besagtes Schif so sehr mit Sand beschossen, daß man nur die oberste Bord herausbringen konnte.
November
Am 1ten – Heut wurde des Morgens und Nachmittags die gewöhnliche Prozession um die Kirche gehalten. – Unser Damm ist schon ein Monath fertig. Die Republik läst nun die Landstraße von Kölln bis Neus per Enteprise prächtig herstellen. Auch wird die hiesige Nettergaß dienstweis durch die Nachbahren vorsichtig gemacht.

[337]

[Eingeklebter Totenzettel von Friedrich Steinberger:]

Betet für die Seele des Wohlachtbaren Friedrich Steinberger in Dormagen
Welcher nach einer, mit ausgezeichneter Geduld ausgestandenen Abnehmungs-Krankheit, vorab mit den Sakramenten der krist-katholischen Kirche versehen, den 26ten Frimär J. II, (17ten Dezember 1802) Nachts ein Viertel vor zwölf Uhr, verschieden ist.
Es ward geboren 1736 den 8ten April, vereheligte sich 1761 den 29ten Junius, ward Wittwer den 17ten Julius 1800.
Seine Seele ruhe im Frieden.

[338]

[Rückseite des Totenzettels mit Abbildung und religiösem Text]

[339]

1802
November
Am 20ten – Das Wetter ist noch immer angenehm und trocken. Nur ein paar Nächte hat es etwas gefroren. Der Rhein bleibt noch immer klein, so daß keine holländischen Waaren heraufkommen, als mit kleinen Schiffen. Der schwarze Brand wird rar, indem die Kohlnachen nicht aus der Ruhr gehen können. – Korn und Weitzen wird noch immer hier um 9 Reichstahler verkauft, das Malder Haaber 3 Reichstahler.
29ten – Es regnet zuweilen, doch ist es mitunter angenehm Wetter. Der Rhein bleibt noch immer sehr klein.
December
11ten – Gestern wurden in Kölln 6 vom Specialgericht zum Todt verurtheilte Diebe durch die Guilottine hingerichtet. Ein Frauenzimmer wurde zuerst, nach ihm 3 Juden und dann Mommeskamp und Jungbluth hingerichtet. Der eine Jude, Nathan Hirz, wollte sich nicht bekehren, unerachtet ein Rabiner ihm herzlich zusprach. Er begehrte, seine junge Frau von 21 Jahren zu sprechen. Als die Henkersknechten ihn an das Brett schnallten, schrie er mit lauter Stimme: "O mein". Nichtsdestowenigeer schoben sie ihn auf das Brett. Und als er schon den Kopf durch die Guilottine hatte, schrie er nochmal sehr laut und sahe aufwärts. Da fiel das Messer.
19ten – Heut fienge es zuerst an, kalt zu werden. In einzelnen Nächten hat es zwar etwas gefroren, dann änderte sich's aber auch gleich wieder. Nunmehr aber scheint es weiter zu wollen.
20ten – Gemäß dem Gesetz müssen nun auch aus den hiesigen neu vereinigten Departementen Recruten ausgehoben werden. Das Roer-Departement stellt deren 150 für die Armee und 150 für die Reserve. Die Maierien Dormagen und Worringen stellen 2 Mann für die Armée und 2 für die Reserve. Die erste gehen gleich auf Maynz, die 2 lezten bleiben hier und müssen alle Sonntage im Exerciren hier zu Dormagen sich üben, wohin auch alle gezogene Conscribirten sich einfinden müssen, um von einem hier schon anwesenden Sergeanten das Exerciren zu lernen. Hier wurden die 4 Recruten für Geld gekauft: Mathias Schmitz, Deuster, einer von Delven und einer von Thienhoven gehen für die zwey hiesige Meyerien und bekommen jeder 134 Reichstahler. Weil die Ziehung hier zu Dormagen war, so kamen die Worringer Jungen mit Musick hieher.
24ten – Der Frost hällt noch an. – Der Sandhalfen Joan Dick, der vor einigen Jahren seiner ersten Frauen Schwester Kind geheyrathet, hat nun der lezteren Schwester heut zur Frau bekommen. Es muste deswegen eine Dispens vom Legaten Caprara und vom Bischof zu Aachen nachgesucht werden. Die ganze Geschichte mit Copulationsgebühren etz. beträgt an Unkosten beynahe 50 Reichstahler. – Korn und Weitzen hier 9 Reichstahler [...][339]
30ten – Der Frost hört wieder auf, und der Rhein fällt stark. – Das scheidende Jahre war eins mit der schlechtesten für den Ackersman. Der Rhein hat das untere Feld hart verdorben. Demnach kame der Frost und verheerte das blühende Korn, die Dürre die Sommerfrucht, der noch zulezt der Hagel so wie den Gemüsen den lezten Stoß gabe. Nur einzig der Weitzen war, häufig gesähet, sehr ergiebig und, so wie das Korn, im Preise zu 8 Reichstahler das Malder.

1803

[340]

1803
Januar
1ten – Es ist noch nicht Winter gewesen. Auch zeigt es sich noch nicht zum Werden. Die Früchtenpreisen erhalten sich noch wie jüngst. Das Korn und der Weitzen hier 9 Reichstahler, Haaber 3 Reichstahler das Malder.
10ten – Diese Nacht fienge es etwas zu frieren an, den 11ten stärker, und am 12ten ware schon ein Viertheil vom Rhein mit Eiß bedeckt. Am 12. und 13ten starker Frost.
30ten – Der Frost hällt immerfort an. Einige 14 Täge ware es zwar sehr leidlich, dafür waren die lezte fünf auch desto bitterer. Der Rhein sezt sich schon bis diesseits Grimlinghausen.
Februar
Am 1ten fiel etwas Schnee, am 2ten etwas Regen mit Thauwetter, am 3ten wenig Frost. Der Rhein steht bis an Uedesheim, von unten auf, von Stürzelberg bis Zons steht er wieder. Hieher ist ausser den Säumen kein Eiß im Rhein.
Am 4ten fror es die Nacht wieder hart. – Am 5ten morgens 2 Uhr sezte sich der Rhein bis an das Werthhaus zu Monheim. Um 6 ½ Uhr schob er sich wieder und sezte sich um 9 Uhr an der Piwitte vest. Vom Plathalse bis auf Worringen zu ware nur wenig Eiß im Rhein, das sich allgemein an die stehende Eißdecke anschloß. Es ware diese Nacht stärker gefroren als noch diesen Winter.
6ten – Gestern am Abend schob sich der Rhein wieder bis unten Monheim, und heute kamen schon diesseits Baumberg ein paar Bergische herüber.
7ten – Heut Nachmittag gienge ich, von einem Knecht mit einem langen Hacken begleitet, zuerst über den Rhein an der Piwitte. Demnach folgten mehrere den nähmlichen Weg ein. Der Rhein hat sich mit schifbahrem Wasser gesetzt. Deswegen befürchtet man den Aufbruch. Unser frisch fertig gewordene Damm ist noch nicht stark genug und auch etwas zu niedrig.
9ten und 10ten ware es entsetzlich kalt. Die Commisen haben viel aufzupassen. Deswegen ist die ganze zweite Linie an den Rhein verlegt. Sontag[340] zeigte sich ein Meerschif, am 14ten fienge es an zu thauen. Heut Nachmittag ward der Peter Reil, Leinweber von Rheinfeld, zwischen der Piwit und Rheinfeld todt gefunden. Als ich gestern Abend von Monheim zurückkame, saß er noch auf der Piwitt berauscht am Kartentisch und sang bis 10 Uhr lustige Lieder. Er liebte Zeit seines Lebens das Trinken und machte in der Gesellschaft den Hanswurst. Er gieng allein von der Piwitt, und da viel Schnee fiel, so hat er wahrscheinlich den Weg verlohren.
15ten – Es regnet fast anhaltend. Dennoch kamen heute viele Bergische herüber und hohlten hier Brodt, wovon in Dormagen das 14 Pfund zu 30 Stüber und jenseits 12 Pfund 36 Stüber verkauft werden. Die Commisen lassen die Bergische mit Brodt passiren, Frucht aber geht izt keine hinüber.
16ten – Es ist entsetzlich stürmisches Wetter, doch ware heut noch ein Monheimer über den Rhein gekommen. Peter Reil ward heute begraben. Wie der Zug in der Au war, da donnerte es unter gräßlichem Schaan und Hagel.

[341]

[1803]

Februar
Am 18ten – Morgens mit Tagesanbruch ware der Rhein ungefehr zwey Fuß gewachsen. Zwischen 8 und 9 Uhr triebe schon das Eiß schnell fort. Der Aufbruch ward von keinem bemerkt, weil eben die Meß in der Kirche gelesen wurde. Dann stremmte sich das Eiß an der Piwitte, und das Wasser schwoll augenscheinlich. Am Abend war das Wasser bey 4 Schuh gefallen und nur wenig Eiß im Rhein. Um 10 Uhr in der Nacht hörte man zu Düsseldorf sieben Kanonenschüsse.
Am 19ten, samstags[341], triebe von morgens bis in die Nacht der Rhein dicht mit Eiß. Das Wasser schwoll an, stand am Abend jenseits wieder dem Dam und von Zons herauf bis an das Herren-Bendchen. Zu Grimlinghausen steht der Rhein noch vest. Die Brücke über die Erft ist fortgerissen und die Neusser Weide mit Eiß bedeckt. Hier geht indessen das Eiß noch alle dem Strome nach.
21ten – Der Rhein geht noch anhaltend mit Eiß. In der Gegend von Ürdingen steht derselbe noch maurenvest. Das Wasser ist hier wieder alles im Stroom. – Am 24ten ware noch viel Eiß im Rhein. – Schön Wetter.
27ten, 1ter Sonntag in der Fasten[342] – Heut wurde hier eine in Kölln gedruckte Fastenverordnung verkündigt, vermög welcher alle Mitwoch, Frey- und Samstäge in der Fasten, dann auch ausser dem Palmsontag die ganze Kahrwoche das Fleischessen verbothen ist. Auch sind alle Feyertäge, ausser den Sontägen, Kristmeß, Kristihimmelfarth, Mariä-Himmelfahrth und Alerheiligen abgesetzt. Drey Königen, Fronleichnam und der Kirchenpatronstag sind auf den Sontag, der darauf folgt, gestellt, und die Kirchweihe wird den Sontag nach Allerheiligen gehalten.
Merz
1ten bis 4ten – Sehr stürmische Tage mit viel Regen, am 5ten Frost. Der Rhein war so hoch angeschwollen, daß er jenseits neben dem Damm über den Monheimer Weg und diesseits von Zons her in die Kühbenden lief. Die Früchten fangen an, etwas aufzuschlagen. Korn und Weitzen gillt hier das Malder 9 Reichstahler 15 Stüber, zu Monheim aber 13 Reichstahler 30 bis 40 Stüber.
11ten – Verflossene Nacht starb hiesiger Posthalter Jacob Sturm, der im Jahr 1796 die Frau seines Vettern Adolf Sturm heyrathete. Am 6ten dieses kame er abends von Kölln, legte sich schlafen und ward um 10 Uhr vom Schlage gerührt, der ihm die rechte Seythe lähmte und den gänzlichen Gebrauch der Sinnen versagte. Er schlief anhaltend, nur durch halbstündiges Schütteln konnte man ihn nur soviel munter machen, daß er Brechmittel einnahm, um ihn dadurch wach zu erhalten. Vorgestern ware er so weit, daß ihm die heiligen Sacramenten gereicht wurden. Drauf überfiel ihn wieder die Schlafsucht so sehr, die ihn beinahe bis ans Ende seines Lebens nicht verließ. – Er war der wohlgebildeste Mann im Dorf und besaß geschärften Verstand. Vor dem Kriege ware er mit Beystimmung des seehligen Scheffen Steinberger Dictator der Gemeinde und Gerichtsscheffen, und da bis jetz der Mayer Neesen bey ihm ißt, so geschahe auch da alles unter seiner Leitung. Seine Frau scheint untröstlich und liegt vor Schmerz darnieder. Sie hat von ihm vier Kinder und vom Adolf einen Sohn. – Der Frost hält mit Schnee an. Die Fourage ist nie so rar gewesen.

[342]

1803[343]
Merz[344]
Sontags, am 13ten um 5 Uhr nach Mittag wurde die Leiche des Posthalters von 6 Nachbarn zu Grabe getragen. Vorauf giengen die Schuhl- und andere Kinder, dann die Kohrsänger und nach diesen die Geistlichen ohne Ornat (doch hatte der Pastor einen schwarzen Talar an), welcher über die Straße einen lateinischen Psalmen bethete. Die Leiche ward auf dem Kirchhof niedergesezt, dan gienge die begleitende Menge Trauerleuthe in die Kirch, wo die Todtenvesper gesungen wurde. Demnach wurde der Sarg auf dem Kirchhof begraben, weil der Friedensrichter es nicht zugeben wollte, dieselbe in die Kirche zu begraben. – Frost.
17ten – Heute erst fienge es an aufzuthauen. – Frühlingstage.
19ten, Josephi[345] – Da von der Regierung alle Feyertäge ausser den benennten vieren abgesezt sind, so wollte der Pastor heute kein Hochamt halten, auch sogar nicht einmal für Geld, auf Begehren meines Bruders Jacob Delhoven. Da er aber vernahm, daß die benachbarte Pastoren alle den Gottesdienst wie vorher halten wollten, so verkündigte er gestern Abend in der Miserere, daß heute der Gottesdienst wie am Sontage gehalten werde. Deswegen konnte man den heutigen Feyertag unter die erste zählen, und[346] niemand arbeitete.
25ten, Freytag[347] – Diese 3 Tage wird das 40-stündige Gebeth gehalten.
Aprill
Am 2ten – Seit dem 13ten ist es anhaltend warm und trocken. Korn und Weitzen wird hier um 9 Reichstahler 30 Stüber verkauft. Die Fourage ist rarer als jemahlen.
17ten, Sontag in albis[348] – Diese Woche war unser Pfarrer mit dem Maier Neesen in Aachen, um eine Petition einzugeben, daß zu Dormagen die Hauptkirche vom Canton etablirt werde. Sie brachten auch zugleich die Erlaubniß mit, daß wir durch das Dorf Procession und öfentlich zum Krancken-Gehn dürfen. Deswegen giengen wir heute mit dem Venerabel um die Kirche. – Es ist noch anhaltend trocken. Das Korn schießt mager auf, und der Weitzen sieht schlecht sich an. Der Sahmen wird so sehr von kleinen schwarzen Thierchen zerfressen, daß man in Betrachtung zieht, ob man selbigen auskrauten soll. Korn- und Weitzenpreis hier 8 Reichstahler 30 Stüber.
19ten – Endlich fällt etwas Regen, der doch vielem Korne oben im Feld zu späth kömt. Käfern und Raupen, die in Menge auf den Bäumen hausen, hofet man, werden durch den Regen in den Ruhestand versezt.
30ten – Diese Täge hat es stark geregnet, so daß man wieder gutes Wetter hoft. Korn wird schon von Stommeln das Malder hieher geliefert zu 7 Reichstahler 3 Schilling.
Mey
Am 1ten, Gottestracht[349] – Das Wetter ware nicht sehr angenehm. Schon früh drohte es zu regnen, und es war kalt. Zwischen dem hohen Amt machten 5 Musikanten mit der Orgel Musick, demnächst gienge die Prozession aus. 5 Soldaten begleiteten das Venerabel, und 5 Commisen giengen mit ihren Gewehren vor dem Kohr. Diese machten Feuer an jeder Station.

[343]

Mey
Auch ward beym Ein- und Ausgehen und zwischen dem hohen Amt aus schweren Böllern geschossen, die wir von der Burg zu Hakenbroich hatten kommen lassen. Weil wir nicht ausser unserer Gemeinheitsbahn mit der Procession gehen dürfen, so giengen wir von Horm dem Dielrather Wege nach bis gegen die alte Mühle, von da über eine Brach durch die Benden, dem Zehendwege nach bis auf den Zonser Damm und dann über Rheinfeld nach Hauß.
Am 2ten ward der Hagelfeyer mit Umtragung des Hochwürdigsten gehalten. Am Sasser Hof ward mehr dann 30mal vom Halfen geschossen. Von da gienge der Zug auf Horm. An Statt bey der Linde diesseit des Dorfes war die Station an dem Theisen-Kreutz gehalten, weil wir dem Dielrather Wege nach unten auf das Dorf zugiengen. Da nunmehr der Mühlenpfad zu der alten Mühle ganz vergänglich ist, so nahmen wir jenen Weg, um die Früchten nicht zu verderben. Die beyden Nächte ward unten an Küppers getanzt.
Am 8ten – Die drey verflossene Tage war es schön Wetter. Heute aber Regnen. Die Früchten fangen an, hier wieder etwas aufzuschlagen, Korn und Weitzen das Malder 8 Reichstahler 30 Stüber.
20ten – Der Mey ist noch immer kühl und naß. Die Saath im Felde sieht sich so vortreflich an, als noch nicht an langen Jahren. Weitzenpreis 8 ½. Vom Bischof ist der Befehl gekommen, daß man an allen Freytägen kein Fleisch essen darf. Heut war der erste. Kornpreiß 8 ½. – Der Krieg mit England ist von Neuem beschlossen. Die Engländer können es nicht leiden, daß Bonnaparte in Europa über die andere Potentaten so Herrscher ist. Deswegen wollen sie jetz Krieg, obschon Bonnapart sich alle Mühe gab, Frieden zu haben. Nun ziehen die Franzosen auf Hanover durch das Holländische, weswegen wir dieser Tage ein paar Durchmärsche hatten. – Anhaltend kühl und naß. Indessen sehn die Winterfrüchten sich so treflich an, als sie's bey Menschengedenken noch nie thaten. Auf schlechten Gründen stehn gesegnete Korn- und Weitzenäcker.
Junius
6ten – Diesen Morgen arretirte ein hiesiger Gendarm einen jungen Menschen ohne Paß. Er ward dem Friedensrichter vorgeführt und erklärte, daß er ein Schweitzer von Geburt und Faßbinder von Profession, daß er in einem Wahnsinn seine Heymath verlassen, in holländische Dienste getreten, krank geworden, desertirt seye und, glücklich durch die französische Armee in Holland durchgegangen, hier endlich arrettirt worden. Er bath, der Richter möchte ihn doch loslassen, weil er todtgeschossen würde, wenn er wieder in Holland käme. Jener versprach ihm ein Empfehlungsschreiben an den General in Kölln mitzugeben, der ihm einen Paß ertheilen würde, womit er ungehindert nach seiner Heymath zurückkehren könne. Er bezeigte, einen Anfall von Melankolie zu haben. Man führte ihn ins Arresthaus zurück. Der Concierg Gerhard Rauschen fragte ihn nach Mittag, ob ihm das Essen nicht geschmeckt. Er klagte, daß er krank wäre. Nach einer Stunde besuchte er ihn wieder. Da hatte er sich an sein Halstuch an den Thürn der Thüre aufgehenkt. Er saß beynah auf den Knien, weil der Thürn nur 3 ½ Fuß von der Erde war. Man begrub ihn diesen Abend heimlich in die oberste Ecke des Kirchhofs. Er war 19 Jahre alt.

[344]

1803
Junius
Am 9ten – Da von der Regierung der heutige Fronleichnamstag auf den folgenden Sontag versezt ist, so ward heute um 6 Uhr die Frühmeß und um 9 Uhr ein hohes Amt gehalten, welches mein Bruder Jacob bezahlte. Keiner arbeitete anheut. Um halb 7 ward eine Abendsandacht gehalten. – Korn und Weitzen 9 Reichstahler pro Malder hier.
18ten – Das Regenwetter hällt noch immer mit Wärme an, welches man für das frisch ausgeblühte Korn nicht zuträglich hällt. Die Franzosen haben Hanover besezt, doch ziehn zuweilen Truppen hiedurch, ohne hier zu logiren.
30ten – Am Johannistag, den 24ten dieses, klärte sich das Wetter auf. Seitdem haben wir heisse Tage.
Julius
3ten, Sontag[350] – Da das Petri- und Paulifest den Sontag, der darauf folgt, gehalten wird, so ward selbiges heute gefeyert. Und weil es seit dem Fronleichnamstag nicht schicklich wegen der Nivenheimer Andacht war, die wegen dem Regenwetter zurückgestellte Procession zu halten, so hielten wir selbige heut. Vom Prefecten ist zwar verbothen, Processionen ausser dem Dorf zu halten. Da unser Pastor als Pfarrer der Hauptkirche dieses Cantons vor einigen Tagen zu Aachen den Eyd schwören muste, so befragte er sich beym Bischof, welcher ihm rieth, mit den Processionen so viel wie möglich die Hauptlandstraße zu meiden. Deswegen giengen wir heute am Lämchen hinaus, dem Dorfe vorbey, hielten an der Nettergaß die Hormer Station, am Welverhof die zweyte, giengen dann dem Welfer Kirchweg hinauf, bis wo der Weg auf das Boden-Kreutz geht. An diesem Kreutz hielten wir Station.
17ten – Heiß mit Donner und Regen. Man hat ein wenig angefangen, Korn zu hauen; morgen aber wird allgemein damit fortgefahren. Sommer- und Winterfrüchten stehn so schön, als man sie noch nie sah. Auch die Gemüse sehn sich vortreflich an. – Korn und Weitzen 8 Reichstahler.
August
Sontag, den 7ten – Heut wurde hier die Cantonal-Versammlung gehalten, wo die Meirie Worringen und Dormagen ihre Stimmen abgeben musten, als 2 Candidaten für den Friedensrichter. Hiezu wurden die Bürger Meyer, bisheriger Friedensrichter, und Schmitz, Witgeshalfen von Nivenheim, hier einstimmig gewählt. Die Maierie Zons stimmte mit Nivenheim und Straberg zu Zons. Einige 50 stimmten auf den Aldenhoven. Der Notaire Steinberger ist General-President des Cantons. Es waren hier viele Fremde von Langel, Merkenich und der Gegend.
13ten – Wir verlangten sehnlich auf Regen. Da zohe heut ein Gewitter vorüber, welches sehr ersprieslich den Gemüsen und dem Buchweitzen war.
14ten – Da die Mairen der Dörfer Rommerskirchen, Nettesheim, Gohr etz. es abgelehnt hatten, bey den Sextionsversammlungen zu presidieren, so kamen heute auch bey 700 Bürger aus jener Gegend hieher, um auf ihre Stimmen abzugeben. Die Frühmes wurde wie heut 8 Täg um 5 Uhr, das Hoheamt um 8 Uhr und keine Nachmittagsandacht gehalten, weil die Versammlung in der Kirche statt hatte. – Die Kornpreise sind verschieden, zwischen 5 ad 6 Reichstahler das Malder, Weitzen beynahe 7 Reichstahler hier.

[345]

August
Am 18ten – Gestern Nachmittag verkündigten das Beyern auf dem Kirchenthurm und des Abends das Geläute der Klocken, das Losbrennen der Böller die heutige Installation unseres Pfarrers Lambert Josef Dahmen als Cantons-Pastor. Diesen Morgen 4 Uhr wurden wieder bey dem Klockengeläute und um 9 bey der Ankunft des Dechanten aus dem Dom zu Aachen die Böller gelöset. Demnach hohlten die eingeladene Pastores aus der Conferenz den Dechant an der Pastorat ab, deren Eingang mit Blumenkränzen gezieret war. Die Kohrsänger sangen abwechselnd "Veni Creator" etz. Kreutz und Fahnen wurden vorgetragen. Nun begann ein feyerliches Hochamt, wobey der Pastor von Hakenbroich nebst Diacon und Subdiacon mit der Kohrkappe Ceremoniarius war. Beym Hochamt und zum Gesundheit-Trinken an der Taffel wurden die Böller gelöset, und abends acht Uhr ward die Pastorat illuminiret. Bis in die oberen Fenster brannten Lichter, colorirte Glaßkugeln strahlten in hier nie gesehener Pracht. Der Abend war heiß und windstill. Bis Mitternacht wanderten die Einwohner auf der hellen Straße. In Monheim und Hakenbroich konnte man die Illumination an der Luft sehen. – Thomas Delhoven, Expresident, ist zum Maire für die hiesige Maierie ernannt.
September
8ten – Es ist eine zeither immer heiß und trocken gewesen, so daß alles anfängt zu verdorren. – Man kann die Früchtenpreise nicht bestimmen. Es ist gar keine Nachfrage. In Kölln wird das Malder Korn zu 2 Kronthaler verkauft.
14ten – Diese Nacht ware es weis gereift und gefroren. Erdäpfellaub und Bohnen sind verdorben.
November
3ten – Einige Täge fror es so stark, daß die Erdäpfel denjenigen verdorben sind, welche selbige noch nicht ausgemacht haben. Auch werden bey diesem sehr kleinen Wasser oben neben der Landstraße drey Krippen gelegt. – Kornpreis 4 Reichstahler 20 Stüber.
15ten – Ein vor einiger Zeit hier angekommener Gensdarm logirt bey dem hiesigen Düppenbecker Anton Loeven. Der Gensdarm ist noch unverheirathet und amusirte sich mit der jungen Frau des Loeven. Dieser merkte das und ließ sich gestern Abend früh Essen geben, um nachher im Wirthshause zu gehen. Er ließ eine hintere Fenster offen und schloß die Thüre ab, riefe drey Nachbar-Männer und stieg mit ihnen zu dem Fenster hinein, wo er schon den Gensdarm mit seiner Frau in einer höchst verbothenen Lage fand. Sie drangen in die Stube und prügelten Gensdarm und Frau tüchtig. Heut ist die Geschichte rund umher kund. Der Gensdarm hat sich ein anderes Logis gesucht.
Bis 20ten – Stürmisch mit Regen. Der Rhein fängt an zu wachsen, der einige Zeit so klein war, daß die meiste Brunnen im Dorf kein Wasser hatten. Kornpreis 4 Reichstahler 30 Stüber, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber. Das Pfund Caffé in Düsseldorf 44 Stüber, in Kölln 52 Stüber.

[346]

1803[351]
December
22ten – Das Wetter hält noch immer mit Regen und Wind und zuweilen mit einem nächtlichen Frost und etwas Schnee an, doch so, daß wir bis jetz nur Herbstwetter hatten. – Da jetz in Kölln und auf dem Lande die Klostergebäude, Kirchen, Orgeln, Altäre und sonstige Effecten verkauft werden, so supplicirte der hiesige Maier, daß wir für 600 Franc die Orgel aus Sanct Margrethen und aus St. Laurenz binnen Kölln einen Altar, Communion-Bank und Kantzel bekommen haben. Diese Gegenstände haben die hiesige Meistbeerbte mit Karren und Wagen unentgeldlich hierher gefahren. Nun wird projectirt, eine neue Kirche zu bauen oder die alte zu vergrößern. – Das Franziskanerkloster in Zons hat hiesige Notair Steinberger für die Summe von 5.000 Frank und die 3 Altäre für 60 Frank gekauft. Das ehmalige Antonius-Bild und die Muttergottes mit den übrigen Bildern wurden auch verkauft. Bevor sie ausgestellt wurden, vereinigten wir Dormager uns mit den Zonser, daß wir das Antonius-Bild nach Dormagen und die Zonser die übrige Bilder haben sollten. Nun werden wir sorgen, daß eine Dienstags-Messe hier fundirt wird, und daß wir den Ablaß hieher bekommen, der sonst so viele zum Wahlfarten an Dienstägen nach Zons bewog. – Die Früchtenpreise stehn hier das Malder Korn 4 Reichstahler 30 Stüber, in Monheim 6 Reichstahler 30 Stüber. Unerachtet die Commisen zum Theil alle hier sehr scharf bey Tag und Nacht wachen, so gehn doch von Zeit zu Zeit schwere Transporte bey Nacht über den Rhein.
Am 31ten – Die abgesezte Feyertage, als Conceptionis- und Stephanus-Tag, werden allgemein gefeyert. Am ersten Tage wurde des Nachmittags um 3 Uhr Complet gehalten und am Stephanus-Tag die halbjährige Versammlung von der Jesus-Maria-Josef-Bruderschaft. – So neigt sich das Jahr seinem Ende, ohne daß die gedrohte Landung der Franzosen in England ausgeführt wurde. Alle Anstalten werden mit gröster Thätigkeit betrieben. Auch scheint ein matter Friedensstrahl die Kriegsvorkehrungen zu vereiteln. – Die Arbeiten am Rhein hören seit einem Monath auf, weil seit dieser Zeit immer das Wasser zu hoch war. Auch heute fängt der Rhein an, die Ufer zu übersteigen und sich von Zons herauf in die Kühebenden zu ergiessen.

1804

[347]

1804
Januar[352]
Am 4ten – Der Rhein schwillt so hoch an, daß man nicht mehr mit Stiefel über die Landstraße gehen kann. Indessen stellt sich Frost ein. Die Früchten werden nicht gesucht. Hier verkauft man das Malder Korn zu 4 Reichstahler 15 Stüber und den Weitzen zu 6 Reichstahler 15 Stüber.
10ten – Da wir das Antonius-Bild von Zons gekauft haben, so erhielten wir auch vom päbstlichen Legaten die Abläße für die Hauptkirche zu Dormagen, welche sonst den Patres Franciscanern in Zons verliehen waren. Der Pastor ließ Zetteln drucken und solche durch den ganzen Canton verkündigen. Gestern wurde zur Mittagszeit mit allen Klocken geläutet und den Nachmittag gebeyert. Am Abend wurde von drey Geistlichen Beicht gehöret, wo sich eine Menge Einwohner einstellten. Diesen Morgen wurde Beicht gesessen. Der Communicanten waren bey 400. Weil es aber sehr kalt war, so wurde die Kirche nur von wenig Auswendigen besucht. Der Pastor von Worringen hielt zwischen dem Leviten-Hochamt eine passende Rede, wobey verschiedenmahl die Böller gelöset wurden. Auch wurde vor dem Hohenamt das Hochwürdige um die Kirche getragen. Nachmittags ware Vesper mit "Te Deum". Dieser Tag wurde von allen Einwohnern so gefeyert, als wenn es Ostertag oder eins der höchsten Festen wäre.
13ten – Seit 4ten fror es stark. Heut stellte sich Thauwetter ein.
Februar
Am 2ten – Seit 14 Tagen hat es nicht gefroren, noch gereift. Alles fängt an zu Grünen. Einen so gelinden Winter haben wir seit lange nicht erlebt. Korn gillt hier 4 Reichstahler und der Weitzen 6 Reichstahler. Jenseits ist es um 2 Reichstahler 30 Stüber theurer. Es geht nicht viel Frucht über den Rhein.
12ten – Bisher hatten wir immer angenehmes Wetter, nur erst heute stellte sich Frost ein. – Die Antonius-Andacht an allen Dienstägen des Jahres wird fleissig von Auswendigen besucht. Auch viele Einwohner beichten, und es ist allzeit ein dritter Geistlicher hier, entweder der Deservent Streiter von Straberg oder der Excapuciner Trimborn von Worringen[353]. Meine Schwester Anna Margaretha Delhoven hat ein Capital von 800 bis 1.000 Reichstahler vermacht, wofür an Dienstägen Frühmeß, Hochamt und Complet gehalten werden soll. – Am 17ten ware schon viel Eiß im Rhein.
26ten – Abwechselnd mit Sturmwind, Schnee und Frost.
Merz
10ten – Bisher hielte der Frost an. In diesen Tägen ware viel Schnee gefallen, der doch beym hellen Sonnenschein sich alle verlohren hat. Der Rhein ist sehr klein.
17ten – 17ten angenehme Frühlingstage. Erst gestern und heute hat man in den Gärten angefangen zu graben. Kornpreis hier 4 Reichstahler 30 Stüber, Malder Weitzen 6 Reichstahler.

[348]

1804
Merz
Am 30ten, Karfreytag[354] – Die vorige Woche ware der Maier Thomas Delhoven mit dem Pastor und Notair Steinberger von Haus zu Haus durch die Pfarre umgegangen, wo ein jeder sich unterschrieb, wie viel er zum Bau einer neuen oder halb neuen Kirche beytrage wollte. Ich werde zur Zeit die Liste davon nachtragen. Nun waren gestern die Nachbarn wieder in der Kirche versammelt, um ihre Meinung zu sagen, was sie an dem Plane auszusetzen hätten. Pannes glaubte, man sollte auf Kosten der Gemeinde erst einen Ziegelofen bauen, die meisten aber stimmen für eine ganz neue Kirche. – Diese Woche wurden die gewöhnliche Römerfahrten mit der grösten Feyerlichkeit und sehr zahlreich gehalten. Das Wetter ist angenehm.
Aprill
Am 20ten – Nordwindig-kalt, Hagel und noch Merzerschauren. Da noch immer sehr wenig Früchten über den Rhein gehen, so steht hier der Kornpreis auf 4 Reichstahler 15 bis 30 Stüber, Weitzen 6 Reichstahler.
22., Jubilate[355] – Wegen dem anhaltenden Regen konnte die Prozession heute nicht ausgeführt werden, obschon wir 5 Musikanten von Düsseldorf mit Paucken hier hatten, welche ein musikalisches Hochamt hielten.
23., Hagelfeyer[356] – Der Wind wehete stark, so daß wir mit der Prozession nicht vor das Dorf gehen konnten. Deswegen zohen wir nach dem Hohenammt das Dorf hinauf, hielten am Schwanen die erste Station, giengen dann das Dorf hinunter, hielten unten vor dem Dorf die zwote und an meinem Haus die dritte Station, die vierte in der Kirch. Die beyden Nächte ward im Posthaus getanzt. – Bis Ende Aprill kalt.
Mey
1ten bis 6ten – Sehr heisse Tage. Früchten und Klee sind in diesen Tagen sehr gewachsen. Heut musten alle Succursal-Pfarrer dieses Cantons hier in der Kirche dem Maier von Dormagen den Eyd der Treue schwören. Schon morgens 3 Uhr ward gebeyert, um 10 Uhr kamen die Municipalräthe, Gensdarmen und Secretair mit dem Adjuncten, Maier und Friedensrichter vom Hause des Maiers zur Kirche. Maier und Adjunct waren im Costüm gekleidet. Wie der Zug an den Kirchhof kam, da wurden die Böller gelöset, und die 14 Pastores schlossen sich dem Zuge an. Vor dem hohen Amt gieng die Procession um die Kirche, alle Geistliche in Röckleinen, die Beamten und Räthe trugen Fackeln. Zwischen der Meß, nach dem Credo ward vor den hohen Altar ein Tisch mit 2 Kerzen, Crucifix und Evangelien-Buch gesezt. Der Maier hielt eine Rede an die Pastores, nach diesem unser Cantonal-Pastor eine lateinische. Demnach überreichten die Pastores dem Maier den Eyd, auf Stempelpapier geschrieben. Zwischen dem Amt und "Te Deum" ward verschiedenemahle mit den Böllern geschossen und bey Steinberger von allen Pastoren und Beamten zu Mittag gegessen.

[349]

Junius
Am 8ten, Sontag[357] – Heut wurde das Antoniusfest mit vollkommenem Ablaß gefeyert. Es waren viele Fremde hier. Der Pastor von Worringen hielt eine passende Rede. Nach dem Hochamt giengen wir Procession: oben am Lämbchen hinaus, um die Gärten an der Hellbüchelsgasse hinein. Beym Wilhelm Fitgen ware die erste Station, die zweyte war beym Maier Thomas Delhoven, die dritte hier an meinem Hause, die vierte beym Nicolaus Eller, wo die Procession um die Leufe wieder zur Kirche gieng. Abwechselnd wurden die Böller gelöset.
27ten – Seit dem 23ten Aprill hatten wir anhaltend trockenes Wetter, zuweilen sehr heisse Tage, so daß schon alle Gartengemüse leiden. Auch wird seit einigen Tagen an den Krippen im Rhein oben an der Landstraße gearbeitet. – Vorgestern hohlte der Pastor und Maier die Kirchenparamenten in Kölln ab, die der Bischof aus den aufgehobenen Klöstern und Kirchen unter die Pfarreyen vertheilet. Wir bekamen eine vollständige mit Gold und Silber besezte schwarz-sammetene Kapelle sammt Vorhang, ein weisse Kapelle mit Gold besezt, eine grüne Kohrkappe, zwey Missalen und 2 Antiphonalen, Weyrauchfaß, Weihkessel und Pollen, sammt zwey Gestühlen vors Kohr. – Auch ist Bonapart zum Kayser der Franzosen erwählt. Deswegen musten vorige Woche alle Commisen, Receveurs, Munizipalräthe, Adjuncten, Wohlthätigkeitsbeamten und Forstbeamten des Cantons hier den Eyd der Treue schwören. Die erste wohlthätige Verordnung des neuen Kaysers ist die Erlaubniß, daß die Früchten ins Ausland geführt werden dürfen. Vom Köllnischen Malder Korn wird ungefähr 20 Stüber und vom Malder Weitzen 40 Stüber zahlt, doch darf die Frucht nur durch die Häfen von Maynz, Coblenz und Kölln ausgeführt werden.
Julius
10ten – Seit einiger Zeit hatten wir entsetzlich heisse Tage. Heut am Abend erhielten wir einen Platzregen, desgleichen an langen Jahren auf einmahl nicht soviel gefallen ist. – Kornpreiß 2 Brabäntische Kronthaler, Weitzen 3 Brabäntische Kronthaler.
22ten – Der Julius ware vorzüglich heiß. Vorgestern und gestern zohn heftige Gewitter aus Norden herauf. Gestern am Abend regnete es stark. Der Rhein, der ohnedem ziemlich hoch war, schwoll die Nacht 3 Fuß an. Diesen Morgen ware die Oberfläche des Rheins mit Bäumen, Bauholz, Fenstern, Kesseln und allmöglichem Hausgeräth bedeckt. Das Wasser ware im Rheine so stark gemühlt, daß die Fische wie toll umhersprangen. Nach dem Mittag bis an den Abend ware der Rhein 3 Fuß gefallen. Und am 23ten morgens ware solcher wieder 5 Fuß gewachsen. Alle Einwohner wurden aufgebothen theils oben am Leinufer, theils unten an Zons, Dämme zu machen. – Korn ist noch wenig eingefahren und nur die Halbschied gemähet.
24ten – Der Regen hällt an. Da alle Gemeinschaft durch einen Wolkenbruch abgeschnitten ist, so kann man noch nicht wissen, wo eigentlich der Schade geschehen ist; nur hört man, daß es an der Aar gewesen ist.

[350]

1804
August
Am 1ten, donnerstags[358] wurde das Portiuncula-Fest hier mit vollkommenem Ablaß gefeyert, den der hiesige Pastor für heute sowohl als für das Franziskusfest hat erhalten. Beyern, Klockengeläute mit Böllern-Schiessen wechselten ab, unerachtet wegen dem Regenwetter noch sehr wenig Korn eingefahren und heute Morgen schön Wetter war, so feyerten doch die meisten Einwohner. 5 Geistliche saßen in der Kirche und auf dem Kirchhofe Beicht. Der Poenitenten waren über 500. Auch waren viele Fremden aus dem Grießberg und der Worringer Pfarre hier. Die Pastores von Nivenheim, Gohr, Sinnersdorf und Monheim, in allem 9 Geistliche, waren gegenwärtig. Bey End der Meß regnete es so stark, daß wir die Procession um die Kirche nicht halten konnten. Abends 7 Uhr war Complet, der alle Geistliche noch beywohnten.
Am 5ten – Alle Tage regnet es mit Donner, so daß man das Korn nicht anhaltend hereinbringen kann.
September
Bis Ends August hielt das Regenwetter an, so daß wenig Korn und Weitzen trocken eingebracht wurde. Vor einigen Tagen ist die Ausfuhr der Früchten wieder aufgehoben worden. Man konnte annehmen, daß alle Tage tausend Malder zu Kölln über den Rhein giengen.
9ten – Der Kayser Napoleon ist zu Aachen. Er wird über Neus auf Crefeld und von da an den Eugenianischen Kanal bey Rheinberg und dann über Dormagen nach Kölln gehn. Deswegen fuhr ich diese Nacht auf Kölln, um Tapetenpapier zu kaufen, für zwey Triumpfbögen zu verziehren. Und wurde vom Mayer befohlen, daß alle Pföste von der Straße gemacht und die Straßen gekehrt, besprengt und bey der Ankunft des Kaysers mit Blumen bestreuet werden.
13ten, Donnerstag – Morgens 6 Uhr kame der Kurier, welcher die Nachricht brachte, daß der Kayser um den Mittag eintreffen würde. Es folgten viele Abtheilungen der Garde und Gensdarmen, Generäle in Wägen mit 6 Pferden. Die 2 Triumpfbögen waren gestern errichtet, auch von den Hakenbroichern viele Karren mit grünen Meyen aus dem Knechsteder Busch dienstweise hieher gebracht, welche sogleich vertheilt und an alle Häuser aufgesteckt wurden, wodurch die Straße eine Allee bildete. Oben gegen der Kirche stand ein 36 Fuß hoher Triumpfbogen, der andere stand unten, auf diesseit des Hellbüchels. Zahllose Schaaren von Auswendigen und aus dem Bergischen strömmten herbey. Couriere folgten schnell aufeinander. Und da noch wenige Postpferde angekommen waren, so ließ der hiesige Meier aus dem Canton 150 Pferde hieher beorderen, welche auch gleich ankamen. Um 4 Uhr kame eine Bande Musikanten von Düsseldorf, welche vor dem Posthaus auf einem erhabenen Gestell jedesmahl bey Ankunft eines Generals sowohl als des Prefecten ein Stück machten. Von dem Herzog von Bayern, welcher zu Benrath residirt, hatten wir 5 kleine Kanonen und 3 Mörser gelehnt, welche unten vor dem Dorf aufgestellt waren.

[351]

1804
September
Die Tochter des Maier, Anna Margaretha Delhoven, die Tochter des Welfer Halfen, Maria Sibilla Coenen, die Christina Pannes und Anna Margaretha Eller waren weis gekleidet und überreichten dem um 6 Uhr ankommenden Kayser einen Blumenstraus, präsentirten den Ehrenwein und übergaben eine Bittschrift, welche vom Maier, Pastor und den Kirchenmeistern unterschrieben war und worin um eine Beysteuer zur Erbauung einer neuen Kirche angestanden wurde. Der Kayser durchlaß die Petition bis zu Ende, neigte sich dann lächelnd gegen die Kinder, während ein unzähliges „Vivat der Kayser“ erschallte. Maier, Adjunct, Munizipalräthe in Begleitung der Vornehmsten des Orts ritten dem Kayser bis auf die Gränze der Maierie entgegen und begleiteten Seine Kayserliche Majestät bis auf Worringen hin. Als der Kayser am Rhein die Krippen-Arbeit sahen, stieg er aus dem Wagen, schickte einen Mameluk, der den Maier von Dormagen, der schon vorauf war, zurück rief, mit dem der Kayser sich lange unterhielt. Er fragte, wo das Holz hergenohmen würde, ob die Enteprenneurs ihre Schuldigkeit thäten, ob die Arbeit gut wäre und lange dauren könnte, welche Arten von Frucht hier gezogen würden etz. – Auch stand beym Vorbeifahren der Pfarrer mit 2 Vicarien am Eingange des Kirchhofes und reichten unter dem Geläute der Klocken und Lösung der Böller dem Kayser das Weihwasser. – Des Abends und die folgende Nacht ware Ball im Posthause. Das Wetter ware heiß und sehr schön.
30ten – Gestern, als am Samstage, ward morgens Hochamt und nachmittags Vesper gehalten. Heute, Sontag, aber eigentlich das Michaelsfest gefeyert. Das Wetter ware sehr schön. 800 beichteten, und eine solche Anzahl Fremden ware nie hier versammelt. Die Prozession zohe erst nach dem hohen Amte aus, und erst um 2 Uhr zohe selbe herein. Der berühmte Prediger Asterius, Excapuciner, jetz Succursal-Pfarrer in Sinnersdorf, hielt eine sehr rührende Rede. Kornpreis 2 Kronthaler.
October
Am 8ten – Bisher hatten wir trefliches Wetter. Nun, da es bald Kirmes wird, fängt es an zu regnen.
Am 24ten – Die ganze Kirmes hindurch war es unangenehm Wetter. Die Jungen im Dorf hatten eine Herrschaft zu Pferd eingerichtet, welche durch Kampf-Streiche die Zuschauer erlustigten. Im Posthauß und im Schwanen ware Musick. Montags und dienstags ward von 22 Musikanten das Hoheamt gespielt, worunter die vorzüglichste Liebhaber von Kölln und Düsseldorf waren. Seit einigen Tagen ist die Ausfuhr des Korns und der Sommerfrucht ins Ausland erlaubt.

[352]

1804[359]
November[360]
25ten – Bisher hatten wir abwechselnd Frost mit Sturm und Regen, so daß der Rhein auszutreten drohte, doch jedesmahl durch ein sich einstellendes Fröstchen sich wieder in sein Ufer zurückzog. Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber hiesige Maaß, nach Worringen zu liefern.
December[361]
1ten – Auf die am 13ten September dem Kayser übergebene Supplik zur Beysteuer unserer Kirche erhielt der hiesige Maier von Staats-Secretair Hugo Maret aus Maynz einen Brief, worin ihm angezeigt wird, daß die übergebene Supplik an den Minister Portalis abgeschickt seye. Dieser foderte durch den Unterprefecten einen Rapport, worauf der Unterprefeckt dem Maier hieselbst ersuchte, ihm eine Abschrift des Nachlasses einzuschicken, den unser ehmaliger Souverein uns anno 1784 in Betref des verursachten Wasserschadens verlieh. Weil wir in der Supplic sagten, daß wir durch die erlittene Kriegslasten erschöpft, außerstand wäre, unsere Kirche selbst zu bauen, welche jetz um eine Halbscheid zu klein seye, da unsere Gemeinde so sehr an Seelenzahl zugenommen. Uns wäre auch von unserem ehemaligen Souverein im Jahr 1784 ein Nachlaß von 25 Jahren verliehen worden, der ungefähr jährlich 2.000 Reichstahler betrüge, davon wir aber seit 1794 nichts genossen hätten. – Wir haben also jetz gegründete Hofnung, daß wir eine Beysteuer erhalten werden. – Der Frost und Schnee halten seit dem 25ten November an.
2ten, Sontag[362] – Heut wird zu Paris der Kayser Napoleon vom Pabste selbst gekrönet. Zu dieser Feyerlichkeit sind aus allen Departementen Deputirte dahin berufen. Es werden dort Feste gehalten, wie solche noch nie gehalten wurden. Auch hier wurde "Te Deum" gesungen. Die öfentlichen Beamte, Gensdarmen und Commisen hohlten den Maier unter Abfeurung der Böller zur Kirche ab. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber. Seit einigen Tagen friert es mit etwas Schnee.
23ten – Der Frost hällt an. Gestern Abend halb 9 verkündigte das kleine Klockenschlagen, daß es zu Zons brenne. Die Brandspritzen wurden herausgeführt, und als die Leuthe unter die Gärten kamen, sahe man nur das Lämpchen vor dem Muttergottesbild am Schloß und links etwas Lichtschimmern. Ich gienge doch mit Johan Steinberger dahin, wo nur die Scheuer und Stallung des Küsters an der Kirche niedergebrannt war. Die Brandspritzen und die meisten Einwohner aber kehrten um, ehe sie dahin kamen. – Der Rhein geht dicht mit Eis. Kornpreis 6 Reichstahler, Weitzen 7 Reichstahler. In Kölln, Neus und Clev geht noch täglich Korn und Gersten ins Bergische gegen Abgabe von 20 Stüber pro Malder. Weitz darf nicht hinaus gehn.

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Januar[364]
Am 2ten – Abends 6 Uhr brach in der Scheure des Heinrich Cremer Feuer aus. Der Wind ware nicht stark aus Osten. Gleich wurde auf die Klocke geschlagen, die Brandspritze hier oben aus dem Dorf wurde im Hof des Adolf Schmitz gestellt, wodurch dessen Haus und die Scheuer des Henrich Bochem gerettet wurden. Die unterste Brandspritze wurde in den Hof des Maier Delhoven gesezt. Da aber die kupferne Pfeife sehr lange blieb, so musten wir die Scheuer meines Bruders, des Maier, den Flammen Preis geben, wodurch die Scheuer des Herman Hambloch, dessen Ställe und die Ställe meines Bruders, das Haus des Henrich Cremer und die Scheuer des Adolf Schmitz ein Raub der Flammen wurden. Zwey Brandspritzen von Worringen und eine von Zons verhinderten, daß die dicht angebauete Ställe und Scheuer des Johann Hambloch sich nicht entzündeten. Die Bewohner von Worringen und Zons thaten viel Arbeit. Um 11 Uhr ware der Brand gelöscht.
Februar
Am 4ten – Heute fieng es an aufzuthauen, da es seit dem 25ten November gefroren hat. Zwar thauete es oft ein paar Tage, da fror es doch gleich wieder. Der Rhein trieb die meiste Zeit hindurch mit Eiß. Oben Maynz hat das Eiß sich gesezt, und von Rees hinabwärts ebenfals. – Das Malder Weitz Neusmaas gillt 8 Reichstahler 20 Stüber. Korn idem 7 Reichstahler.
20ten – Das Eiß vom Oberrhein ist passirt, doch hat es dieser Tage noch anhaltend gefroren, so daß noch kein Pferd zu Acker hat gehen können.
21ten – Heut versammelte der Maier die Nachbarn in der Kirche, wo jeder eine Leuchte vorzeigen muste, worauf ihm das Nummero seines Hauses mit Oelfarb gezeichnet wurde. Dann ward die Ernennung des Caspar Esch als Policei-Sergeant und Nachtwächter bekannt gemacht, dessen Gehalt aus der Gemeinde-Cassa bestritten wird. Und der Engel Ferver verrichtet die Feldschütz-Diensten. Dafür erhällt er von jedem Pferdsmann pro Pferd ein Viertel Korn, und von den übrigen, welche Länderey haben, eine Garbe. Auch ward der Vorschlag des Maier genehmigt, daß jedesmahl, wenn jemand krank ist und mit den heiligen Sacramenten versehen werden soll, die zwey nächste Nachbarn den Pastor und Küster bestellen und 2 Stangenleuchten mit zum Kranken hintragen sollen.
Merz
Am 3ten – Vom Pabste ist ein Jubiläum ausgeschrieben worden, welches am 1sten Merz anfängt und sich mit dem 30ten schliesset. Am ersten Merz soll in allen Pfarr- und Succursalkirchen eine heilige Geist-Messe gesungen werden. Es kann eine Procession gehalten werden. Ein jeder muß zweymahl die Pfarr-Kirche besuchen. – Wir giengen heut Nachmittags 2 Uhr mit einer 700 Seelen starken Procession nach Worringen. Der Pfarrer von Worringen empfienge uns mit Kreutz und

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1805
Merz
Fahne vor Worringen. Der Polizei-Sergeant stand an der Kirchthüre, und es durfte kein Einwohner von Worringen in die Kirche gehen. Es ware kalt, doch ohne Regen.
5ten, Dienstag[365] – Heute, morgens 10 Uhr kame die Procession von Worringen hieher. Die Kirche war beynahe voll von Worringer. Nach dem hohen Amt kehrten sie auf Worringen zurück. Es hatte stark geregnet.
9ten, Samstag – Morgens 8 Uhr giengen wir auf Worringen mit der Procession. Es ware die Nacht etwas gefroren und sehr kalt. Der Rhein hat unsere Felder überschwemmt. Deswegen musten wir über den Höhenberg gehen, so wie am vorigen Sontag, wo wir dann über den Worringer Damm und die Lieverchesberg giengen.
10ten, Sonntag[366] – Diesen Nachmittag ward die Bruderschaft um halberzwey gehen. Nach dieser kamen die Worringer mit einer sehr zahlreichen Procession hieher. Als sie fortgiengen, regnete es.
12ten, Dienstag[367] – Gestern Abend sassen der Pastor von Sinnersdorf, der Excapuziner von Worringen und unser Pastor bis in die Nacht Beicht. Diesen Morgen früh kamen schon Auswärtige von Worringen, Langel, Hakenbroich schaarenweise hieher. Ich war um 7 Uhr im Garten. Bey dem schönen Frühlingswetter hörte man das laute Bethen weit und nahe. Obschon noch ein Knechsteder Geistlicher zu den oben genannten 3 Beichtvätern gekommen war, so hatten sie doch bis 10 Uhr im Beichtstuhl zu thun. Da fienge das solemne hohe Amt an, zwischen welchem der Pastor von Sinnersdorf (Excapuziner Pater Asterius) eine imposante rührende Predigt hielt. Die Kirche war geproft voll, mehr dann 300 Fremde waren hier. Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler 30 Stüber hier.
17ten, Sontag[368] – Heute Nachmittag ware die Procession von Hakenbroich hier, und vorgestren, als am Freytag, waren wir mit einer 600 Seelen starken Procession vormittags in Nivenheim. Wir hatten Frühlingswetter.
19ten, Dienstag, Josefstag[369] – Schon vor 6 Uhr diesen Morgen waren Fremde hier, die ihre Andacht halten wollen. Obschon 3 Beichtväter sassen, so ware es doch ein Gedränge, so, als es noch nie hier in der Kirche war. Späther saßen 2 Beichtväter auf dem Kirchhofe, um der um 10 Uhr ankommenden Procession von Hakenbroich in der Kirche Platz zu machen. Nach 12 Uhr ward noch die Communion ausgetheilt. Nachmittags 3 Uhr kamen die Nivenheimer mit einer sehr großen Procession hieher. 2 Knechsteiner Geistliche in Levitten begleiteten den Nivenheimer Pastor im Pluviale. Von hieraus giengen 4 Geistliche mit Kohrkappen und 5 Choral-Jungen den Nivenheimer bis auf den Hellbüchel entgegen. In der Kirche ward nach gegebenem Seegen der Ablaß

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1805
Merz
gebethen, worauf der Pfarrer verkündigte, daß die Procession eine halbe Stunde aufhalte. Während dem hielt der Excapuziner Trimborn eine Predigt, welcher doch sehr wenige beywohnten.
20ten – Heute wurden die Conscribirte in Posthalters großem Zimmer gemessen und gemustert. Der Sousprefect ware da. Von 151 wurden soviele wegen körperlichen Gebrechen verworfen. Unter diesen befand sich der hiesige Sohn des Thomas Delhoven, namens Hermann Josef, ferner der Sohn des Isak namens Josef.
21ten – Diesen Morgen geschahe die Ziehung in der Kirche. Von 109 Jungen musten 10 zur activen Armee und 9 zur Reserve. Von Dormagen fiel des Johann Brand Sohn an die active Armee und des seeligen Pletsch-Johann Steingass sein Sohn an die Reserve. Mein Bruder, der Maier, hatte einen jungen Menschen von Thienhoven gekauft, der für seinen Sohn Herman Josef marschieren wollte. Er bekam 1 Kronthaler und 25 Reichstahler gleich, wenn er nicht daran fiel. Muste er aber für ihn marschieren, so bekame er 25 Reichstahler Reißgeld und 200 Reichstahler, welche auf Intressen gethan wurden, wovon er die Intressen bekam, das Kapital aber erst nach erhaltenem Abschied. Er sowohl als meines Bruders Sohn zohen sich frey.
26ten – Es ist noch immer nordwindig, und des Nachts friert es anhaltend.
30ten, Samstag[370] – Heut Nachmittag hielten wir zum Beschluß des Jubiläums eine Prozession um das Dorf. Vornehmlich waren die Kinder eingeladen, welche auch zwey Fähncher trugen, doch ware die Procession sehr stark.
Aprill
8ten – Heut Abend 9 Uhr brach zu Delven im oberen End des Dorfs Feuer aus. Es wurde hier auf die kleine Klocke geschlagen. Sogleich eilte der Maier zu Pferde mit 2 Brandspritzen dahin, denen viele Einwohner folgten. Wie wir hinkamen, standen schon 7 Häuser in Flammen. Da wegen dem trockenen Wetter das Wasser im Broich gehohlt werden muste, so ware Geschier zum Schöpfen zu wenig. Um 10 Uhr ware der Brand gelöscht.
15ten April, Ostermontag[371] – Heut wurde die Emaus-Prozession gehalten.
16ten – Gestern und heute fienge es an zu regnen, nachdem es seit dem 10ten Merz nicht geregnet hatte. Kornpreis 7 Reichstahler 3 Schilling, Weitzen 8 Reichstahler 30 Stüber hier.
Mey
1ten – Es gab noch anhaltend kalte Nächte, zuweilen fror es Eiß auf's Wasser.
5ten – 6ten – Gestern und heute hielten wir unsere Gottestracht. 8 Musikanten mit Paucken und Trompeten begleiteten den Zug. Vorzüglich spielten sie gestern an Zons, wo wir dem alten Wege nach dicht an den Mauern vorbey zohen. Das Wetter war prächtig. Die beyden Nächte ward im Posthause getanzt.
8ten – Der Notar Steinberger läst die Franciskaner-Kirche in Zons abbrechen. Der dortige Leydecker Schüller fiel heut vom Kirchendach herunter und blieb auf der Stelle tod. Der Kramp des Dachstuhls riß ein Stück aus dem Bord, worin er eingekrämpft war. – Kornpreis 8 Reichstahler, Weitz 5 französische Kronthaler.

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1805
Junius
1ten – Nur höchstens drey angenehme Tage hatten wir im Mey. Man hat nur noch selten Kornblühe gesehen. Viele Nächte waren von Reif und Frost begleitet, fast alle Täge der Wind aus Norden. Es ist so kalt und trocken, daß der zweite Schnitt vom Klee nicht gedeihen kann. Weil von Stommeln bis hinten Gülich, von Erkelenz bis ins Vorgebirg die Mäuse alle Winterfrucht und Klee aufgefressen haben, so ist das 1.000 Pfund Heu zu 10 Reichstahler 30 Stüber gestiegen. Korn gillt in Neus 8 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 10 Reichstahler 30 Stüber und Sommergerste 6 Reichstahler 30 Stüber.
24ten – Noch immer ist es trocken und nordwindig-kalt, daß sogar in den Köllnischen Zeitungen darüber raisonnirt wird, daß wir dieses Jahr keinen Frühling haben, sondern aus dem Winter in den Sommer treten. Dennoch sieht die Winterfrucht sich treflich an. – Die nun beendigte Nivenheimer Andacht ward zahlreich von Fremden besucht. Das Antoniusfest, das auf den Fronleichnams-Donnerstag fiel, ward hier sehr festlich gehalten. Die Fronleichnams-Procession hielten wir des Sontags drauf, wie das Gesetz befiehlt. – Kornpreis hier 9 Reichstahler 45 Stüber, Weitzen 6 Kronthaler, Haaber 5 Reichstahler.
Julius
20ten – Der Wind war die ganze Zeit hindurch aus Norden und kalt. Nur in einzelen Nachmittagsstunden hatten wir Hitze. Hier und da hat man etwas noch unreifes Korn gehauen, aus Mangel an Brodt, da man das Korn eine Zeither zu 10 Reichstahler und den Weitzen zu 11 Reichstahler 30 Stüber verkauft hat. Der meiste Mangel besteht in Gemüß und Fourage. Der zweite Schnitt vom Klee kann wegen Trockenheit nicht gedeihen. Die dicke Bohnen sind von den Milben verdorben, und die Sommerfrüchten verdienen allgemein umgebauet zu werden.
21ten fienge es etwas zu regnen an. Am 23ten erst folgte eine durchtringende Schauer. Man fängt jetz allenthalben an, Korn zu hauen. – Der neue Sahmen gillt 12 Reichstahler, das 1.000 Pfund Heu 8 Reichstahler.
August
Vor dem Portiunculafeste lud der Pastor in der Sontags-kristlichen Lehre die Jungen und Mädcher ein, nach derselben zu ihm in die Pastorat zu kommen und eine Beysteuer zu Ehren des heiligen Franciscus zu bringen. Es kamen ungefähr 30 Reichstahler zusammen. Des folgenden Tages fuhr der Mayer Thomas Delhoven auf Kölln und kaufte ein paar silberne Pollen und Teller, 72 ¾ Loth schwer, für 72 Reichstahler 45 Stüber, ein Weyhrauchfaß mit Schifchen 3 Pfund 22 ½ Loth schwer, pro Loth 57 Stüber. Die übrige Gelder hat der Herr Pastor, theils auch mein Bruder Jacob Delhoven, vorgeschossen.
10ten – Anhaltend nasse Witterung. Das Korn fängt an zu wachsen.

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1805
August
24ten – Ein so späthes Jahr weis man sich nicht zu erinnern. Noch steht viel Korn und fast aller Weitzen im Feld. Alle Früchten sind feucht eingefahren worden. Das neue Korn wird zu 6 Reichstahler 30 Stüber verkauft, Weitzen 9 Reichstahler, Rabsahmen 11 Reichstahler, das 1.000 Pfund Heu 9 Reichstahler.
September
Am 8ten – Bisher hatten wir immer abwechselnd nasses Wetter. So wie die Winterfrucht muste auch die Sommerfrucht in seltenen guten Stunden halb trocken eingefahren werden, doch scheint die Witterung sich nun zur Trockenheit zu neigen.
13ten – Die Franzosen hatten durch platte Transportschiffe ihre Seemacht so vergrößert, daß sie bereit waren, eine Landung in England zu wagen. Die Engländer, bange für den guten Erfolg, suchten die Russen, Österreicher und Türken dahin zu vermögen, daß sie sich gegen Frankreich rüsten, um selbes zu einem annehmlichen Frieden mit England zu zwingen. Es stehn 200 tausend Kayserliche und eine starke Anzahl Russen im Felde, um gegen Frankreich zu kämpfen. Nun gehn die Kouriere noch immer, und die wechselseitige Gesandten sind noch immer zu Wien und Paris. Indessen läßt der französische Kayser beträchtliche Armeen von den Küsten gegen die Kayserliche Gränze ziehen. So kömmt nun auch die französich-holländische Armee herauf an den Oberrhein. Heut kame die erste Division nach Neus, 7.000 Mann stark. Die Neusser schickten ein Bataillon Infanterie hieher, wovon 2 Compagnien nach Worringen verlegt wurden.
Am 14ten – Am 14ten passirte morgens die Division hiedurch auf Kölln, und mittags kame wieder ein Bataillon hieher, wovon 1 Compagnie auf Horm und vier nach Delven und Hakenbroich detachirt wurden.
Am 15ten – Sontags Nachts am 15ten um 1 Uhr kame ein Ordonanz vom Colonell Hinüber aus Osteraths, welcher ankündigte, daß um den Mittag ein Regiment holländische Husaren hier logieren würde. Der Maier schickte den Conrad Sand zu Pferd nach Osteraths, um dem Commendanten anzudeuten, daß er besser mit seinem Regiment in Rommerskirchen, Nettesheim und Stommeln logirt wäre, weil auch hier ein Bataillon Infanterie angesagt wäre. Morgens 6 Uhr fienge die Division an, hiedurchzuziehen. Um halb acht ward die Frühmeß und um halb 10 eine Leßmeß an Statt des hohen Ammt gehalten. Da kamen die Quartiermacher von den Husaren an, und der Conrad Sand brachte die Ordre mit, daß das Regiment über die Gillbach ziehen werde. Wir bekamen also heute nichts.
24ten – Dieser Tage zohen täglich einige hundert Franzosen und Holländer mit Bagage hiedurch, ohne zu logiren. Die Maierie Dormagen muß einen Wagen mit vier Pferden zu der Armee stellen. Dieses wurde gekauft, und 2 Knechte von Monheim sind damit auf Maynz abgegangen. Die Kosten wurden auf den Steuerfuß repartirt und gleich bezahlt. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber, Weitzen 9 Reichstahler, 1.000 Pfund Heu 9 Reichstahler, 100 Bauschen Stroh 6 Reichstahler. Das Korn gibt vortreflich. – Es ist anhaltend trocken Wetter, etwas kalt.

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1805
September[372]
29ten, Sontag[373] – Das heutige Michaelsfest ware sehr glänzend. 10 Geistliche begleiteten die Prozession, welche bey dem schönen Wetter durch die vielen Fremde ausserordentlich zahlreich war.
October
12ten, Kirmesabend[374] – Diese Nacht hat es stark gereift und dickes Eis gefroren. Bisher ware es immer kalt.
8ten – Die zwey erste Kirmes-Tage war es des Nachts gefroren und im Tage schön Wetter, drauf fienge es anhaltend zu regnen an.
Vom 12ten bis 15ten November – Kalt mit Frost und Reif. Kornpreis 7 Reichstahler. – Die französische Armee unter Anführung des Kaysers Napoleon hat die österreichische Armee unter Anführung des General Mack vernichtet. 50 bis 60 tausend Mann sind als Gefangene in Frankreich gefangen, in Ulm capitulirte der General Mack, 24 Generäle und 33 tausend Man. Drauf ist der Kayser Napoleon am 13ten November in Wien eingezogen und verfolgt die Russen bis Olmütz.
Am 5ten December – Kornpreis 7 Reichstahler 45 Stüber.
11ten – Bisher ware es anhaltend offenes Wetter, doch ohne viel Regen.
12ten fienge es herzlich zu frieren an. Das Malder Geriß kostet 1 Reichstahler 24 Stüber.
19ten – Der Frost war diese Tage so stark, daß der Rhein dicht mit Eiß triebe, heut aber ist es Thauwetter. – Die Franzosen verfolgen ihre Siege gegen die österreichische und russische Armee von mehr als 100 tausend Mann, zohe der Kayser Napoleon zwischen Brünn und Olmütz mit seiner Armee. Am 2ten December ware die große Schlacht, welche die Schlacht von Austerlitz genannt wird: 45 tausend Österreicher und Russen wurden getödtet oder gefangen. Drauf ist mit dem deutschen Kayser ein Waffenstillstand geschlossen worden.
25ten – Angenehm Wetter. – Kornpreis 7 Reichstahler, Weitzen 8 Reichstahler, Haaber 2 Reichstahler 30 Stüber.
31ten – Am 26ten dieses ist der Friede zwischen Frankreich und Österreich geschlossen worden. Die Kuhrfürsten von Würtemberg und Bayern sind zu Königen erklärt worden und erhalten ansehnliche Vergrößerungen. Die Russen gehn nach Hause. – Durch das eine Zeither so starke Regenwetter schwillt der Rhein an. – Kornpreis 6 Reichstahler 30 Stüber. – Die Erndte des verflossenen Jahrs ware sehr ergiebig. – Der Jussenhover Hof ist an den ehmaligen Zollbeseher in Zons, Herrn Fischer, um 6.000 Reichstahler verkauft. – Der Welferhalfen hat ebenfals seinen Hof gegen 8 tausend Reichstahler gekauft.

1806

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1806[375]
Januar[376]
Am 25ten – Der Rhein, der zu Anfang dieses Jahres an die Landstraße ausgetreten und wieder etwas gewichen war, hat durch das seit vorigem Kristag ununterbrochene, durch heftigen Wind und Regen wüste Wetter wieder neuen Wuchs erhalten. Der meiste Theil vom untersten Feld ist unter Wasser. Der nun aufhörende starke Wind verdirbt am meisten die Frucht durch das Pletschen der Wellen. Und da die Früchten durch den gelinden Winter schon am Wachsen waren, so befürchtet man, daß die Überschwemmung selbigen sehr nachtheilig seyn wird.
Februar
1ten bis Anfangs Merz – Meist nasses Wetter ohne Frost. Alles wächst. Korn wird nach Kölln zu 6 Reichstahler 15 Stüber verkauft. Die Früchten haben dennoch durch die Rhein-Überschwemmung nicht so viel gelitten, als man glaubte. Nur in den Gründen, wo das Wasser versinken muste, und auf den Bergen, wo der Wind spühlte, ist's verdorben.
Merz
1ten bis 8ten – Frost. – Vom 10ten bis 20ten Regen mit Sturm. Deswegen ist seit ein paar Tagen der Rhein ausgetreten und sich fast durch das ganze Feld ausgedehnet hat. – Die holländische Truppen, welche den lezten Feldzug mitmachten, sind dieser Tage hiedurch gezogen.
Am 21ten logirte der Stab und die Grenadiere von einem Bataillon hier, sonst giengen sie alle in einem Tage auf Neus.
Am 22ten giengen 600 Franzosen hiedurch über Grimmlinghausen nach Düsseldorf, wo gestern ein Kourier ankame, mit der Ordre, daß alle pfälzische Regierungsglieder im Bergischen abgesezt und das Land dem Kayser von Frankreich abgetreten seye. Drauf zohen die pfälzische Soldaten aus nach Ratingen, von wo sie nach Bayern gehen. – Kornpreis 5 Reichstahler.
April
24ten – Seit einem Monath ist es anhaltend kalt-nordwindig-trocken. Der im Merz ausgetretene Rhein hat alles Korn verdorben, welches unten im Felde überschwemmt war. Auch das obere Feld sieht erbärmlich aus. Der Schwager des französischen Kaysers Napoleon, der Prinz Murat, hat Besitz von dem Bergischen und jenseitigen Klevischen Lande genommen.
27ten, Gottestracht, und am 28ten, Hagelfeyer[377] – Zwey nordwindig regnerische Tage. Die Dusseldorfer Musicanten, welche im Posthause zum Tanz spielen, machten im Hohenamte Musick. Gestern giengen wir mit der Prozession im Regen das Dorf hinab, hielten an einem Hause, bey meinem Bruder (Maier), bey Wilhelm Fitgen und am Posthause Station. Hagelfeyer ward erst den Sontag hernach bey schönem Wetter gehalten.
Mey[378]
10ten, Samstag[379] – Verflossene Nacht, als eine Parthie Jungen mit einem Mey aus dem Busch kamen, sahen sie um halber drey in Zons Feuer ausbrechen. Sie liefen hieher und machten Lärm. Sogleich eilte eine Brandspritze mit vielen Bewohnern dahin. Des Wilhelm Fleischhauers Haus und ein Theil eines Juden-Hauses giengen verlohren. Ersterer hatte Holzasche auf den Speicher getragen, die noch glühend ware.

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1806
Mey
15ten, Himmelfahrt[380] – Seit ein paar Tagen hatten wir Regen, so wie heute. Sonst ware es seit dem 1ten Mey trocken und warm.
30ten – Anhaltend trocken und heiße Tage. Man hoffet auf Regen.
Junius
Am 5ten, Fronleichnam[381] – Da dieses Jahr in Nivenheim das Jubelfest gefeyert wird und heute in den umliegenden Pfarren zwar gefeyert, aber kein öffentlicher Gottesdienst gehalten wird, so ware es in Nivenheim entsetzlich voller Menschen. Auf Horm zu, auf die Weye und am Witgenshof waren 3 Triumpfbögen errichtet, der ganze Ort mit Meyen bepflanzt und in der Kirche an allen Pilaren und auf dem Hohenaltar Tafeln mit Inschriften aufgehängt. Des Nachmittags wurde die Prozession gehalten und die Salvators-Bildniß von vier Geistlichen umgetragen. 36 Jungen trugen Gewehre und begleiteten die Bildniß und das Hochwürdigste. Die