Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle''' (*1893 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuchelheim-Klingen Klingen] in der Pfalz; † 13. Juni 1975 ebendort) war von 1916-1928 Lehrerin der Mittelklasse an der Zonser [[Schulwesen|Volksschule]]. Aufgrund ihrer Hochzeit mit dem kommissarischen Zonser [[Bürgermeister]] [[Emil Kirchhoff]] musste sie ihre Lehrtätigkeit aufgeben. Sie hat zahlreiche heimatgeschichtliche Erzählungen, Novellen und auch Romane verfasst, darunter auch einige Veröffentlichungen zu Zons.
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'''Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle''' (* 1893 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuchelheim-Klingen Klingen] in der Pfalz; † 13. Juni 1975 ebendort) war von 1916-1928 Lehrerin der Mittelklasse an der Zonser [[Schulwesen|Volksschule]]. Aufgrund ihrer Hochzeit mit dem kommissarischen Zonser [[Bürgermeister]] [[Emil Kirchhoff]] musste sie ihre Lehrtätigkeit aufgeben. Sie hat zahlreiche heimatgeschichtliche Erzählungen, Novellen und auch Romane verfasst, darunter auch einige Veröffentlichungen zu Zons.
  
 
== Kindheit, Jugend und Ausbildung ==
 
== Kindheit, Jugend und Ausbildung ==

Aktuelle Version vom 16. Juni 2020, 18:02 Uhr

Maria Elisabeth Werle im Jahr 1920.

Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle (* 1893 in Klingen in der Pfalz; † 13. Juni 1975 ebendort) war von 1916-1928 Lehrerin der Mittelklasse an der Zonser Volksschule. Aufgrund ihrer Hochzeit mit dem kommissarischen Zonser Bürgermeister Emil Kirchhoff musste sie ihre Lehrtätigkeit aufgeben. Sie hat zahlreiche heimatgeschichtliche Erzählungen, Novellen und auch Romane verfasst, darunter auch einige Veröffentlichungen zu Zons.

Kindheit, Jugend und Ausbildung

Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle wurde 1893 im pfälzischen Klingen bei Landau als zweites von insgesamt acht Kindern geboren. Die Eltern waren Winzer und Betreiber einer Handstrichziegelei. Die Mutter starb im Alter von 40 Jahren bei der Geburt ihres neunten Kindes, das hierbei ebenfalls ums Leben kam. Der Tod der Mutter traf die Familie auch wirtschaftlich hart: Aufgrund des mangelnden Geschäftssinns des Vaters und der Konkurrenzsituation zu einer nahe gelegenen modernen "Dampfziegelei" brach der Gewerbebetrieb zusammen. Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle hat diese Erlebnisse später in dem Roman "Im Schatten der Ziegelhütte" (1947) verarbeitet.

Nach ihrer Entlassung aus der Dorfschule im Alter von 13 Jahren ging sie als Dienstmädchen arbeiten. Hierbei fand sie u.a. Anstellung im Haushalt der Pianistin Elly Ney. Ein Freund der Künstlerin erkannte ihre Begabung und besorgte ihr ein privates Stipendium zum Besuch eines Lyzeums in Stadtlohn (Westfalen). Dort erwarb sie nach einem Jahr das Zeugnis, das ihr die Möglichkeit eröffnete, das Lehrerinnenseminar im ehemaligen Karthäuserseminar in Xanten zu besuchen. Dort herrschte eine strenge Zucht, so dass sie später wenig positiv an die zwei Ausbildungsjahre dort zurückdachte.[1]

Lehrtätigkeit

Maria Elisabeth Werle fand ihre erste Anstellung als Lehrerin 1915 in Meerbusch-Lank. Bereits zum Juli 1916 wechselte sie an die Zonser Volksschule, wo sie als Mittelschullehrerin tätig war. 1960 schilderte sie ihren Wechsel nach Zons mit den folgenden Worten:

"Als ich am 1. Juli 1916 das Städtchen Zons zum erstenmal betrat, war ich voller Ablehnung und hatte kaum einen Blick für die romantischen Winkel und das uralte Mauerwerk. Denn meine Versetzung hierhin geschah – obwohl sie für die junge Schulamtsbewerberin eine Auszeichnung bedeutete – wider meinen Willen. Der Kreisschulrat Dr. Sondermann hatte jedoch seine Maßnahme mit dem Hinweis begründet: 'Erstens ist Zons der schönste Fleck in meinem Kreis, vielleicht am ganzen Niederrhein, und zweitens schreit es geradezu nach seinem Erzähler. Darum schicke ich Sie dahin.'"[2]

Vom 15. April bis zum 1. September 1921 wurde Maria Elisabeth Werle von der Regierung für eine Weiterbildung beurlaubt. Ihre Stellvertretung besorgte die auswärtige Schulkamtsbewerberin Maria Henel.[3]

Ab dem 23. September 1925 war sie für drei Monate krankgeschrieben. Ihre Stellvertretung erledigten die Lehrer Peter Breuer, Jakob Steves und Hanns Dederichs. Im Dezember erfolgte ein weiteres Attest für 2-3 Monate, so dass sich für die Lehrerschaft, die keine Vertretung erhielt, die drückende Situation fortsetzte.[4]

Zum 1. Januar 1929 schied sie zwecks Heirat aus dem Schuldienst aus. Für sie kam die Schulamtsbewerberin Klara Bergmann.[5]

Familie

Während ihrer Tätigkeit in Zons lernte sie den kommissarischen Zonser Bürgermeister Emil Kirchhoff (1895-1977) kennen. Mit der Eheschließung musste sie ihre Lehrtätigkeit aufgeben, und das Paar zog in das nahe gelegene Rommerskirchen, wo Emil Kirchhoff eine dauerhafte Anstellung als Bürgermeister gefunden hatte. Seit der Hochzeit führte Maria Elisabeth Werle den Doppelnamen "Kirchhoff-Werle". Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, ein drittes starb bereits im Säuglingsalter. Das besondere Interesse an der regionalen und der Zonser Geschichte ging auch auf den Sohn Hans Georg Kirchhoff (* 7. Juni 1930 in Rommerskirchen) über, der auch eine Reihe von Veröffentlichungen zur Zonser Geschichte vorgelegt hat.

Im September 1939, wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde Emil Kirchhoff einberufen. Es begann nun eine schwere Zeit für Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle mit ihren zwei Kindern: Die Wohnung wurde zerstört, die Familie nach Mitteldeutschland evakuiert, sie flüchtete vor der drohenden russischen Besetzung. Im Januar 1950 kehrte Emil Kirchhoff aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Er ließ sich nur wenig später pensionieren, und das Ehepaar zog in die pfälzische Heimat der Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle. 1955 konnte sich das Paar dort mit der Errichtung eines Wohnhauses einen Lebenstraum erfüllen. Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle starb in ihrem 83. Lebensjahr am späten Abend des 13. Juni 1975 einen plötzlichen und schmerzfreien Tod.[6]

Schriftstellerische Tätigkeit und Zons-Interesse

Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle hat zahlreiche literarische Werke verfasst, insbesondere geschichtliche Berichte, Sagen und Legenden zu kunstvollen Klein-Novellen umgeformt, aber auch mehrere Romane geschrieben. Zahlreiche Aufsätze, die als Zeitungsartikel in der Reihe "Geschichten einer alten Stadt" in den "Düsseldorfer Nachrichten" erschienen, befassen sich auch mit der Zonser Geschichte. Mit ihrem Wegzug aus Zons riss die Verbindung mit der Zonser Geschichte ab. Als sie nach dem Zweiten Weltkrieg um die Mitarbeit an einer Heimatzeitung gebeten wurde, begann sie wieder mit ortsgeschichtlichen Ausarbeitungen. Der Wunsch, die Aufsätze zusammenhängend zu veröffentlichen, konnte 1960 mit dem Buch "Zons. Werden und Schicksal einer alten Stadt"[7], die erste umfangreichere ortsgeschichtliche Monografie seit den Werken von Adam Otten[8] und Nicolaus Kohl[9], verwirklicht werden. Das Buch verfasste sie zusammen mit ihrem Sohn Hans Georg Kirchhoff, der eine Darstellung der Stadtgeschichte und einen Rundgang (Stadtbeschreibung) beisteuerte. Das Buch wurde 1993 von Prof. Dr. Hans Georg Kirchhoff in überarbeiteter Form nochmals veröffentlicht.[10]

Von Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle sind die folgenden Monografien erschienen:

  • Im Schatten der Ziegelhütte (Roman), Bonn 1947
  • Das Lichtkreuz (Roman), Ratingen 1950
  • Bergföhre (Roman), Donauwörth o.J. (1954)
  • (mit Hans Georg Kirchhoff) Zons. Werden und Schicksal einer alten Stadt, Düsseldorf o.J. (1960); eine stark überarbeitete Neuauflage erschien 1993 unter dem Titel Zons – Geschichte und Geschichten (= HSStD, Bd. 11), Dormagen.
  • (mit Hans Georg Kirchhoff) Sagen und Legenden des Kreises Grevenbroich, Grevenbroich 1965
  • Der Stein der Weisen: Sagen und Erzählungen aus dem Land an Erft, Niers und Niederrhein, Duisburg 1969

Sonstiges

Im Juli 1994 stellte der "Geschichtsverein für Dormagen, Nievenheim und Zons e.V." unter dem damaligen Vorsitzenden, dem Dormagener Stadtarchivar Heinz Pankalla, erfolglos beim Rat der Stadt Dormagen den Bürgerantrag, man möge eine Straße in Zons, idealerweise in der Altstadt, nach Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle benennen. Der Verein begründete den Antrag damit, dass die Pädagogin ein "außergewöhnliches publizistisches und pädagogisches Engagement" gezeigt und wesentlich dazu beigetragen habe, dass Zons einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht habe.[11]

Belege

  1. Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle, Hans Georg Kirchhoff: Zons – Geschichte und Geschichten (= HSStD, Bd. 11), Dormagen 1993, S. 126-127.
  2. Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle, Hans Georg Kirchhoff: Zons – Geschichte und Geschichten (= HSStD, Bd. 11), Dormagen 1993, S. 6.
  3. AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 66-67.
  4. AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 81.
  5. AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 16, p. 93.
  6. Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle, Hans Georg Kirchhoff: Zons – Geschichte und Geschichten (= HSStD, Bd. 11), Dormagen 1993, S. 127-128.
  7. Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle, Hans Georg Kirchhoff, Zons. Werden und Schicksal einen alten Stadt, Düsseldorf o.J. (1960).
  8. Adam Otten, Zons am Rhein, Düsseldorf 1903.
  9. Claus Kohl, Zons am Rhein – Beiträge zur Geschichte der Stadt Zons, Zons 1904.
  10. Maria Elisabeth Kirchhoff-Werle, Hans Georg Kirchhoff: Zons – Geschichte und Geschichten (= HSStD, Bd. 11), Dormagen 1993.
  11. Artikel Erinnerung an die Lehrerin, in: NGZ vom 23. Juli 1994.