Martin Schmitz

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Martin Schmitz in der Mühle Ende der 1920er Jahre.

Martin Heribert Hubert Schmitz (* 16. März 1853 in Zons; † 23. Januar 1933 in Zons), im Volksmund "Schmitze Määte", war mindestens ab 1873 bis zur Einstellung des Betriebes 1907 Müller der Zonser Windmühle, in den 1890er Jahren auch Kaufmann und Kleinhändler und ab 1907 Betreiber der örtlichen Gaststätte "Zur historischen Mühle" (spätere Gaststätte "Zur Post"). 1913 bis 1916 hatte er einen Sitz im Stadtrat.

Elternhaus

Martin Schmitz kam am 16. März 1853 in Zons als jüngstes Kind des Ehepaars Müller Gottfried Schmitz (* 11. Januar 1802 in Zons; † 10. Dezember 1872 in Zons) und der Maria Magdalene geborene Fuchs zur Welt. Er hatte sieben Geschwister[1]:

  • Johann Baptist Mathias Hubert (* 16. Januar 1839 in Zons; † 14. April 1869 in Zons), der ledig starb
  • Ursula Theodora Hubertine (* 26. September 1840 in Zons; † 18. August 1842 in Zons)
  • Mathias Carl Hubert (* 6. August 1842 in Zons)
  • Josef Anton Hubert (* 13. Juni 1844 in Zons)
  • Franz Josef Hubert (* 16. Mai 1846 in Zons)
  • Ursula Genoveva Hubertine (* 3. Januar 1849 in Zons; † 15. Juni 1877 in Zons), die ledig starb
  • Caspar Rudolf Hubert (* 18. April 1851 in Zons)

Das elterliche Haus war das heutige Haus Rheinstraße 5 bzw. ab 1852/53 der in dieser Zeit neu errichtete Hof vor dem Feldtor, die spätere Gaststätte "Zur Post".[2]

Berufliche Tätigkeit und weiteres Engagement

Martin Schmitz hat wahrscheinlich bereits seit seiner Jugend im elterlichen Mühlenbetrieb gearbeitet. Sicher belegt ist dies erst ab 1873. Er soll den Betrieb nach dem Tod des Vaters Gottfried Schmitz zusammen mit seinem Bruder Franz geführt haben und nach dessen frühem Tod (Datum unbekannt) allein.[3] Die Mutter, Maria Magdalene Schmitz, war Eigentümerin und Betreiberin der Mühle bis zu ihrem Tod am 25. Oktober 1895. Mit ihrem Tod ging die Mühle in das Eigentum des Martin Schmitz über, der in den 1890er Jahren auch als Kaufmann und Kleinhändler tätig war.

Im November 1907 stellte Martin Schmitz den Gewerbebetrieb endgültig ein.[4] Es ist davon auszugehen, dass der Betrieb aufgrund der Konkurrenz durch Dampfmühlen nicht mehr rentabel arbeiten konnte. Martin Schmitz richtete sein Augenmerk auf den sich in dieser Zeit stark entwickelnden örtlichen Fremdenverkehr und baute im Herbst/Winter 1907 den von den Eltern geerbten Hof vor dem Feldtor zur Gaststätte (Gaststätte "Zur historischen Mühle"). An der Galerie der Mühle ließ er ein entsprechendes Schild anbringen. Sicher bereits zu Zeiten des Windmühlenbetriebes hat Schmitz gegen ein bestimmtes Eintrittsgeld Touristen durch die Mühle geführt, um deren Technik zu erläutern, und er setzte dies auch bis zu seinem Tod fort.

Mit der Herrichtung des Hofes vor dem Feldtor zur Gaststätte ließ Martin Schmitz vor dem Hauptgebäude auch Bäume und Sträucher anpflanzen sowie eine Rinne anlegen. Hierauf erging am 6. November 1907 die polizeiliche Aufforderung zur Beseitigung, da es sich um Gemeindeeigentum handele. Fest vom Gegenteil überzeugt, reichte Schmitz am 16. November fristgerecht Klage beim Kreisausschuss ein. Der Gemeinderat beauftragte daraufhin am 4. Dezember zwei Mitglieder des Gremiums, den Bürgermeister bei der Richtigstellung zu unterstützen.[5] Es entwickelte sich eine längere Auseinandersetzung, und am 13. Oktober 1909 beauftragte der Gemeinderat den Bürgermeister Josef Trapet, gegen Schmitz wegen der unberechtigten Benutzung zu klagen.[6] Einen Vorstoß zur Einigung machte das Gremium am 4. Februar 1910, als es den Bürgermeister ermächtigte, mit Schmitz über eine jährliche Anerkennungsgebühr für die Nutzung und die Erstattung sämtlicher Verfahrenskosten zu verhandeln.[7] Überzeugt, im Recht zu sein, ging Schmitz hierauf nicht ein, und so zog sich der Zivilprozess noch weitere Jahre fort. Aufgrund der hohen Verfahrenskosten musste Schmitz den Hof 1917 verkaufen. Käufer war der Dormagener Fuhrunternehmer Hubert Schick, der hier fortan eine Posthalterei, Spedition und Gastwirtschaft (Gaststätte "Zur Post") betrieb. Am 9. Juni 1918 fasste der Gemeinderat den Beschluss, den Zivilprozess zu beenden und Hubert Schick den Platz vor dem Haus zum Kauf anzubieten.[8] Mehr als ein halbes Jahr später, am 17. Januar 1919, ermächtigte der Gemeinderat den Bürgermeister, Martin Schmitz die Mühle für 3.000,- Mark abzukaufen. Bedingung sei, dass der Prozess beendet werde, indem Schmitz und sein Rechtsanwalt Dr. Nolden in Neuss als Konkursverwalter das Gemeinderecht anerkennen und die gesamten Prozesskosten aus der Konkursmasse gedeckt werden.[9] Der Kauf der Mühle kam nicht zustande, aber der Prozess wird sehr wahrscheinlich im Laufe des Jahres beendet worden sein, da Schmitz nicht mehr die nötigen Mittel zur Fortsetzung aufbringen konnte (die Mühle hatte er mit einer Hypothek von 1.000,- Reichsmark belastet). Das vor Prozessbeginn noch recht vermögende Ehepaar Schmitz wohnte seit dem Verkauf des Hofes vor dem Feldtor in einer Wohnung in der Grünwaldstraße (heute Nr. 6) zur Miete.

Im Dezember 1913 wurde Martin Schmitz für drei Jahre zum Mitglied des Stadtrats (erste Klasse) gewählt.[10]

Nach dem Tod von Martin Schmitz (23. Januar 1933) nahm die Gemeinde mit dessen Erben Kontakt auf, um über den Kauf der Mühle zu verhandeln. Dieser kam nach langjährigen Verhandlungen am 11. Dezember 1940 zustande.[11]

Familie

Martin Schmitz mit Familie um 1910.

Martin Schmitz heiratete am 8. Januar 1886 (kirchlich einen Tag später) in Zons Maria Elisabeth Hahn (* 27. August 1859 in Zons; † 15. Oktober 1932 in Zons), Tochter des Ehepaars Schiffer Johann Hahn (* 22. Oktober 1824 in Zons; † 18. Februar 1868 in Zons) und Haushälterin Margarethe geborene Bollig (* 7. Oktober 1823 in Niederaußem/Paffendorf; † 6. September 1864 in Zons). Das Paar hatte insgesamt 8 Kinder[12]:

  • Johannes Martin Hubert (* 22. März 1886 in Zons; † 18. August 1941 in Stolberg), genannt "Jean"
  • Catharina Maria Hubertine (* 23. September 1887 in Zons; † 24. Mai 1960 in Dormagen).
  • Maria Hubertine Josefine (* 13. Juli 1889 in Zons; † 6. Februar 1962 in Zons), die am 10. November 1910 in Zons den Anstreicher Josef Lessenich heiratete
  • Maria Magdalene Josefine (* 24. Mai 1891 in Zons; † 21. Januar 1967 in Zons), verheiratete Wingerath
  • Rudolf Eugen Hubert (* 18. November 1892 in Zons; gefallen am 16. Juli 1918 bei Sailly)
  • Jacobine Josefine Maria (* 7. Dezember 1894 in Zons; † 1935 in Wuppertal-Barmen), verheiratete Leven
  • Carl Martin Hubert (* 19. August 1897 in Zons; † 1975 in Dormagen), der 1937 in Zons heiratete
  • Georg Mathias Martin (* 21. September 1899 in Zons; † 10. April 1977 in Neuss), der 1926 in Zons heiratete
  • Elisabeth Maria (* 12. April 1902 in Zons), verheiratete Stehling, die nach Bonn verzogen ist

Die Familie wohnte im elterlichen Hof des Martin Schmitz vor der Feldtor. Der Volksgarten-Wirt Johann Hahn war ein Schwager des Martin Schmitz.

Belege

  1. Lisken-FBZ, S. 668.
  2. Dementsprechend nennt ein Adressbuch von 1861 für Gottfried Schmitz die Adresse Zons, Nr. 22 2/4: Friedrich Sprengepiel, Adreß-Buch vom Regierungs-Bezirk Düsseldorf, Elberfeld 1861, S. 451.
  3. Sürtenich, Hans: Ein ganzes Jahrhundert im Besitz der Familie Schmitz. Erst Festungsturm, dann Windmühle in Zons, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 15/1990, S. 5-8; hier: S. 5.
  4. AiRKN, Bestand Stadt Zons, Nr. 1359.
  5. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, unpagin.
  6. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 42-43.
  7. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 58.
  8. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 247-248.
  9. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 257-258.
  10. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 178.
  11. AiRKN, Bestand Akten Stadt Zons, augias 155 (U-R.Nr.533 für 1940 vom 11.12.1940.
  12. Lisken-FBZ, S. 686.