Peter Wilhelm Sticker

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Peter Wilhelm Sticker (* 8. Juli 1804 in Holzbüttgen; † 25. Dezember 1881 in Zons) war 1828-1848 Lehrer an der Elementarschule in Zons, zunächst als Hilfslehrer, ab 1829 als Oberlehrer. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Odaniel. Nach Beendigung seiner Lehrtätigkeit war er Landwirt, Mitglied des Gemeinderats (mindestens 1851-1863) und Zonser Postagent (1867-1881).

Herkunft

Peter Wilhelm Sticker kam am 8. Juli 1804 in Holzbüttgen als erstes von 9 Kindern des Ehepaars Johann Peter Sticker, Hufschmied, und der Catharina Margarethe geborene Pannebecker zur Welt.[1] Seine Geschwister waren[2]:

  • Christian Johann Sticker, der als lediger Schmiedemeister 1866 in Holzbüttgen starb
  • Johann Adam Sticker, der als lediger Landwirt 1891 in Holzbüttgen starb
  • Johann Anton Sticker (* 1810)
  • Maria Agnes (* 1812), die 1839 den Landwirt Mathias Louven in Holzbüttgen heiratete
  • Johann Arnold Sticker (* 1814), ein Landwirt, der 1840 in Holzbüttgen Maria Catharina Höfges heiratete
  • Anna Sticker (* 1816), die als Säugling starb
  • Maria Margarethe Sticker (* 1819), die 1859 den Landwirt Engelbert Joseph Brockers heiratete
  • Peter Joseph Sticker (* 1824), der als Säugling starb

Ausbildung und Lehrtätigkeit

Peter Wilhelm Sticker hatte 2 1/2 Jahre das Lehrerseminar in Brühl besucht, bevor er sich am 29. April 1828 beim Neusser Landrat um die neu einzurichtende Hilfslehrerstelle an der Zonser Elementarschule bewarb. Die steigende Schülerzahl war durch einen Lehrer allein nicht mehr zu bewältigen. Mit seiner Bestätigung wurde das Jahresgehalt von Sticker auf 40 Reichstaler festgesetzt. Gleichzeitig hatte Lehrer Johann Josef Nasheuer ihm freie Kost und Unterkunft zu gewähren.

Der gemietete Schulsaal wurde durch eine Bretterwand für die zwei Klassen unterteilt. Kurz später musste man die Bretterwand durch eine Steinmauer ersetzen, da sich beide Klassen gegenseitig störten. Unterrichtet wurde in Religion, Deutsch, Zeichnen, Rechnen, Gesang, Lesen, Schönschreiben, Leibesübungen und Handarbeit.

Nachdem Lehrer Johann Josef Nasheuer am 2. Oktober 1828 37-jährig an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung gestorben war (offenbar als Folge der ungenügenden Raumsituation in der Schule), wurde Sticker am 20. Januar 1829 von der Regierung zum Elementarschullehrer (Lehrer der Oberklasse) ernannt. Bereits während der Krankheit von Johann Josef Nasheuer hatte er den Unterricht in beiden Klassen erteilt.

Bis 1837 unterrichtete Lehrer Sticker die Elementarschulkinder alleine, seit diesem Jahr half ihm ein Sohn des verstorbenen Lehrers Johann Josef Nasheuer, der selbst noch im schulpflichtigen Alter war, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Zudem übernahm Nasheuer jun. an den Urlaubstagen sogar die Lehrervertretung. Nachdem sich der Landrat hierüber bei der Regierung ausgelassen hatte, begann man mit der Suche nach einer qualifizierteren Kraft. Diese gestaltete sich sehr schwierig, so dass man erst 1844 mit der Anstellung des Unterlehrers Hermann Heller eine längerfristige Lösung fand.

1848 bat Sticker um seine Entlassung aus dem Schuldienst. Dieser Bitte wurde entsprochen. Nachdem zunächst ein Schulamtsaspirant provisorisch ausgeholfen hatte, wurde 1849 mit Wilhelm Odaniel ein regulärer Nachfolger als Lehrer der Oberklasse angestellt.[3]

Nach seiner Lehrtätigkeit: Landwirt, Gemeinderat, Versicherungs- und Postagent

Seit seiner Entlassung aus dem Schuldienst 1848 war Sticker hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig. Dementsprechend wird er in den Zivilstandsregister seit um 1850 als "Ackerer" bezeichnet. Er besaß zahlreiche Ländereien um Zons, wobei ein großer Teil davon vermutlich noch von den Eltern seiner Braut, die ebenfalls in der Landwirtschaft tätig gewesen waren, stammte.

Mindestens seit 1851 war er Mitglied des Zonser Gemeinderats.[4] Diesem gehörte er bis mindestens 1863 an. Er zählte somit eindeutig zu den sozial herausgehobenen Einwohnern.

Im April 1858 erhielt er die Konzession als Agent der Versicherungsanstalt "Thuringia" in Erfurt.[5] Bereits nach wenigen Monaten, im September 1858, legte er dieses Amt wieder nieder. Über die näheren Umstände ist nichts bekannt.[6]

Am 20. Oktober 1867 wurde Peter Wilhelm Sticker der erste Zonser Postagent. Die Postanstalt wurde im Wohnhaus der Familie, heute Rheinstraße 20, eingerichtet.[7] Mit dem Tod Peter Wilhelm Stickers 1881 übernahm der Sohn Theodor Otto (* 1850) die Führung der Postanstalt.[8]

Das Wohnhaus der Familie Sticker in der Rheinstraße (heute Nr. 20), in dem sich ab 1867 die Postanstalt befand.

Familie

Peter Wilhelm Sticker heiratete am 13. August 1829 (kirchlich zwei Tage später) in Zons die aus einer alteingesessenen Zonser Familie stammende Christine Boes (* 14. November 1802 in Zons; † 15. Januar 1839 in Zons), Tochter von Heinrich Boes (~ 29. September 1767 in Zons; † 21. Februar 1834 in Zons) und Anna Catharina geborene Schmitz (~ 5. Juni 1771 in Zons; † 27. August 1837 in Zons). Das Paar hatte insgesamt 7 Kinder[9]:

  • Catharina Wilhelmine (* 13. Mai 1830 in Zons; † 1908), die am 19. September 1856 in Benrath den Landwirt Peter Gottfried Hubert Trosdorff heiratete
  • Mathias Maria August (* 3. August 1831 in Zons). Er wurde Landwirt und heiratete in Erkelenz Maria Antonetta Wilhelmine Catharina Hover.
  • Heinrich (* 24. März 1833), gestorben am Tag der Geburt
  • Christine Catharina Pauline (* 29. Juni 1834 in Zons; † 19. November 1837 in Zons)
  • Peter Hubert Eugen (* 18. November 1835 in Zons; † 26. Mai 1839 in Zons)
  • Maximilian Caspar Hubert (* 10. September 1837 in Zons; † 12. September 1837 in Zons)
  • Totgeburt (weiblich) am 6. Juli 1838 in Zons

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau im Januar 1839 heiratete Sticker am 21. August des Jahres in Monheim Gertrud Schäfer (* 4. November 1817 auf dem Schleiderhof in Monheim; † 30. April 1881 in Zons), Tochter von Theodor Schäfer, Ackerer, und Maria Gertrud geborene Rüttgers. Mit ihr hatte er 13 Kinder[10]:

  • Theodor Gustav Adolf (* 18. Juni 1840 in Zons; † 16. Juli 1865 in Zons), der ledig blieb
  • Josef Victor Hubert (* 20. April 1842 in Zons; † 30. April 1842 in Zons)
  • Friedrich Maximilian Martin (* 30. August 1843 in Zons, † 1930), der am 1. Oktober 1867 in Krefeld Helene Augustine Dahmann heiratete (nach ihrem Tod die Schwester Elisabeth Dahmann) und Gesellschafter der Firma Sticker & Coenen in Krefeld wurde
  • Maria Elisabeth (* 22. September 1845 in Zons; † 28. Juli 1881 in Zons), die ledig blieb
  • Mathias Conrad Christian (* 26. November 1847 in Zons; † 1889), der Anna Westermann aus Hamm heiratete
  • Theodor Otto (* 24. März 1850 in Zons, † 2. Juli 1936 in Zons), der am 7. Mai 1880 in Zons Margarethe Hubertine Bellen (* 20. Oktober 1849 in Zons; † 5. April 1928 in Zons) heiratete. Er betrieb in seinem Haus am Marktplatz einen Kolonialwarenladen und übernahm 1881 die Postanstalt von seinem verstorbenen Vater.
  • Maria Gertrud Margarethe (* 24. März 1850 in Zons; † 1920), die ledig blieb
  • Johannes Peter (* 4. Mai 1852 in Zons; † 12. Juli 1937 in Pleasant Hills, Australien), der mit Agnes Wolter (* 29. Dezember 1851 in Zons; † 4. November 1942 in Zons) in Zons vier uneheliche Kinder hatte. Er wanderte ohne sie nach Australien aus, wo er Anna Pumpa heiratete, mit ihr mehrere Kinder zeugte und es zu einigem Wohlstand brachte.
  • Felix (* 14. Januar 1854 in Zons; † am selben Tag), Zwillingsbruder
  • Felizitas (* 14. Januar 1854 in Zons; † am selben Tag), Zwillingsschwester
  • Christine (* 1. März 1855 in Zons)
  • Gertrud Cyrilla Catharina (* 18. März 1857 in Zons). Sie ging als Franziskanerin nach São Paulo in Brasilien.
  • Peter Wilhelm (* 10. März 1859 in Zons). Er wanderte in die Vereinigten Staaten aus, wo er es als Bierbrauer zu einigem Wohlstand brachte.

Anfang Mai 1831 besprach der Gemeinderat ein Gesuch des Peter Wilhelm Sticker, wonach er seine bisherige Wohnung räumen müsse und noch keine neue Unterkunft habe. Der Zonser Wirt Heinrich Boes versprach ihm eine "anständige Wohnung" für zwei Berliner Taler monatlich. Der Rat beauftragte Sticker, den Vertrag abzuschließen, und genehmigte die Kostenübernahme.[11] Sticker erwarb durch einen Kaufakt vom 9. August 1845 das heutige Haus Rheinstraße 20 von Johann Hubert Busch, und es ist davon auszugehen, dass die Familie spätestens ab diesem Zeitpunkt das Haus bewohnte.[12]

Tod und Beisetzung (1881)

Peter Wilhelm Sticker starb am ersten Weihnachtstag 1881 in Zons. Die Zonser Schulchronik berichtet, dass an seiner Beisetzung eine große Zahl Ortsangehöriger und alle Schulkinder teilgenommen haben. Schüler der oberen Klassen sangen ein mehrstimmiges Grablied für den ehemaligen Volksschullehrer.[13]

Belege

  1. Lisken-FBZ, S. 768; Johannes Sticker, Lieb Vaterland - Dear Fatherland. Eine Zonser Familiengeschichte, Selbstverlag (Dormagen) o.J. (1995), S. 1.
  2. Johannes Sticker, Lieb Vaterland - Dear Fatherland. Eine Zonser Familiengeschichte, Selbstverlag (Dormagen) o.J. (1995), S. 3-4.
  3. Christa Gladden, ’’Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit Beginn des 19. Jahrhunderts’’, in: BlGZSt, Bd. V (1987), S. 16-40; hier: S. 23-24.
  4. GStAZ, S. 194.
  5. Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 24 vom 29. April 1858, Mitteilung Nr. 541.
  6. Amtsblatt der Regierung Düsseldorf, Nr. 55 vom 22. September 1858, Mitteilung Nr. 1254.
  7. GStAZ, S. 200.
  8. GStAZ, S. 203.
  9. Lisken-FBZ, S. 91, S. 768; Johannes Sticker, Lieb Vaterland - Dear Fatherland. Eine Zonser Familiengeschichte, Selbstverlag (Dormagen) o.J. (1995), S. 7, S. 11-12, S. 39-40.
  10. Lisken-FBZ, S. 91, S. 768;
  11. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 79, fol. 76v-77v.
  12. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Kataster B 5738.
  13. AiRKN, DO 08, Schulchroniken Dormagen, Nr. 15, p. 10.