Saarwerden-Denkmal

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Das Saarwerden-Denkmal von vorn.

Vorgeschichte und Einweihung

Die 1993 gegründeten Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V. behandelten bereits in ihrer zweiten Sitzung den Antrag des Zonser Heimatdichters Hans Sürtenich, ein Denkmal zu errichten, das an den Zonser Stadtgründer Erzbischof und Kurfürst Friedrich von Saarwerden erinnert. Es schlossen sich langwierige Verhandlungen mit Anträgen und langen Diskussionen zu Person, Standort und Plastik an, die innerhalb des Vereins, in den Fachausschüssen der Stadt Dormagen, des Rhein-Kreises Neuss und der Bürgerschaft geführt wurden. Alternativ wurde die Errichtung einer Zöllner-Skulptur diskutiert, die an die Erhebung des Rheinzolls in Zons erinnern sollte. Dieser Alternativvorschlag setzte sich jedoch nicht durch. Schließlich haben die Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V. das 56.000,- € teure Projekt einer Bronzeskulptur vor dem Rheintor aus eigenen Mitteln und Zustiftungen ohne öffentliche Gelder im Frühjahr 2010 verwirklicht. Das Denkmal wurde am 19. April 2010 errichtet und am 22. April ab 14:30 Uhr von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner im Beisein von mehr als hundert Personen eingeweiht und der Stadt Dormagen als Schenkung übertragen. Unter den Gästen waren der Schöpfer des Werks, der Düsseldorfer Bildhauer Bert Gerresheim, der Neusser Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Dormagens Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann.[1][2]

Das Saarwerden-Denkmal von hinten. An der Bodenplatte ist ein Metallring befestigt, der an die Schifffahrt erinnert.

Erstellung der Statue durch den Künstler Bert Gerresheim

Der Bildhauer Bert Gerresheim hat die Skulptur mit seinem Mitarbeiter Francisco Ces Hernandez nach zahlreichen Ortsbegehungen und Gesprächen in einem mehrjährigen Entstehungsprozess geschaffen. Dabei haben die Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V. dem Künstler weitestgehende Freiheiten eingeräumt. Entstanden ist eine 2,20 m hohe und 300 kg schwere Skulptur, die nicht auf einem Sockel thront, sondern dem Betrachter als ausdrucksvolle Plastik etwa auf Augenhöhe gegenübertritt.

Seine ersten Ideen hat Bert Gerresheim in Büchern, Flyern und Broschüren skizziert, die sich mit der historischen Persönlichkeit Friedrichs von Saarwerden befassen. Es entstanden Zeichnungen und Kollagen, schließlich ein Wachsmodell, bei dem sich der Künstler vom Inneren an das Äußere heranarbeitete, indem er die Figur Schicht für Schicht entstehen ließ. Um den Körper herum bildete er das Gewand von Wachs. Dieses Wachsmodell diente als Vorlage für den Bronzeguss. Die nach dem Guss golden glänzende Figur wurde patiniert und erhielt dadurch ihre grüne Farbe, die deren Plastizität sehr betont.[3]

Details der Statue

Detail Kopf mit Mitra.

Friedrich von Saarwerden war zugleich kirchlicher Amtsträger (Erzbischof) und Landesherr (Kurfürst). Dies spiegelt sich auch in der Gewandgestaltung wider: Das prachtvolle bischöfliche Ornat, das die Darstellung Saarwerdens auf der Grabtumba im Kölner Dom, unter anderem mit Mitra und Manipel, wiedergibt, ist mit teils sehr filigran gestalteten Elementen eindrücklich herausgearbeitet. Unter dem Ornat erkennt man eine schwere, detailliert herausgearbeitete Metallrüstung.

Das Gesicht Saarwerdens ist an die bronzene Figur der Grabtumba im Kölner Dom angelehnt. Diese Figur mit porträthaften Zügen ist noch zu seinen Lebzeiten oder kurz danach entstanden und dürfte daher mit relativ großer Wahrscheinlichkeit dem tatsächlichen Aussehen in den letzten Lebensjahren entsprechen. Bei genauerer Betrachtung fällt ein feiner Riss auf, der sich durch das Gesicht der Statue zieht. Er verleiht der Figur den Eindruck der Verletzlichkeit und verdeutlicht zugleich den Charakter als künstlerisches Werk und nicht als Abbild der Wirklichkeit.

Die Krümme des Bischofsstabs stellt eine Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart her: Auf der Vorderseite ist das Wappen des Hauses Saarwerden mit dem Doppeladler zu sehen, auf der Rückseite das Motiv der Krümme des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner. Die beiden Schlüssel (Himmels- und Erdenschlüssel) in der Rechten des Kurfürsten erinnern an den heiligen Petrus als ersten Bischof von Rom. Die beiden Schlüssel verdeutlichen wieder die Ambivalenz der Kombination von geistlichem und weltlichem Amt.

Ebenfalls an der rechten Hand hält Saarwerden zwei Teile der Stadterhebungsurkunde in deutscher Übersetzung (das Original der Urkunde ist nicht erhalten geblieben, sondern es ist nur eine Abschrift in einem Amtsbuch überliefert). Ein an der Bodenplatte angebrachter Ring als Nachbildung der an der Ostmauer noch vorhandenen schweren Metallringe zum Festbinden der Schiffe erinnert an die Verlegung des Rheinzolls von Neuss nach Zons durch Friedrich von Saarwerden. An der Bodenplatte sind zwei vergrößerte Goldgulden-Nachbildungen angebracht: Die Goldgulden wurden unter Saarwerden geprägt und zeigen dementsprechend auch das Saarwerdensche Wappen. Die Bodenplatte gibt das umgebende Pflaster wieder, so dass die Figur gleichsam mit der Umgebung verschmilzt.[4]

Belege

  1. Prospekt der Kultur- und Heimatfreunde der Stadt Zons e.V. "Zur Einweihung des Denkmals Friedrich von Saarwerden am 22. April 2010".
  2. Artikel "Das Denkmal steht", in: SF 20. April 2010; Artikel "Kardinal: Ich bin ein Zonser", in: NGZ 23. April 2010.
  3. Prospekt des Kreismuseums zur Studioausstellung "Annäherungen - Das Denkmal Friedrich von Saarwerden von Bert Gerresheim" (Ausstellung 10.09.-24.10.2010).
  4. Prospekt des Kreismuseums zur Studioausstellung "Annäherungen - Das Denkmal Friedrich von Saarwerden von Bert Gerresheim" (Ausstellung 10.09.-24.10.2010).