ZonsWiki:Allgemeiner Geschichte-Überblick

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Es folgt ein allgemeiner Überblick über die Geschichte von Zons: zuerst als tabellarische Chronologie wichtiger Ereignisse, anschließend in Textform.

Chronologie wichtiger Ereignisse

Zeit Ereignisse
1. Hälfte 1. Jahrhundert Für zwei Generationen besteht eine römische (militärische) Niederlassung nördlich der späteren Stadt. Dies belegt ein Urnengräberfeld an der heutigen Deichstraße, der früheren römischen Steinstraße. Die genaue Lage des Lagers bzw. der Siedlung ist nicht bekannt.
Um 300 Die Römer legen in Bürgel, zu diesem Zeitpunkt noch linksrheinisch, ein Kastell (Hilfslager) an.
5. Jahrhundert Römer werden von Franken abgelöst. Die dem hl. Maternus geweihte Kapelle in Bürgel wird errichtet.
Um 650 Im sogenannten Testament des Kölner Bischofs Kunibert, das um 650 datiert, aber erst in einer Abschrift aus dem späten 11. Jh. überliefert ist, wird das bischöfliche Hofgut in "Zuonizo" bzw. "Zuonice" erwähnt.
Ca. 775/800 Im späteren Burgareal wird eine erste kleine Holzkapelle errichtet. Bis zum 14. Jh. gibt es vier Nachfolgebauten.
1020 Das von Erzbischof Heribert gestiftete Kloster Deutz erhält von ihm das Patronatsrecht über die Pfarrkirche in Bürgel und damit auch die von dieser abhängige Kapelle in Zons geschenkt.
1057 Die polnischen Königin Richeza erhält von Bischof Anno in einem Tauschvertrag das Hofgut Zons („villa dominicatus nostri Zuonozo“) auf Lebenszeit.
Um 1164 Im Dienstrecht der Kölner Ministerialen wird der Hof in Zons als eines der 12 Tafelgüter der Erzbischöfe genannt.
1251 Das Neusser Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal erhält von Erzbischof Konrad von Hochstaden den Zonser Zehnten als Geschenk.
1288 Nach der Schlacht bei Worringen wird das "castrum Zunce" geschleift. Es ist mangels Kenntnissen über dessen Lage bzw. archäologischer Belege unklar, ob dies ein festes Haus oder eine Burg war.
1368 Durch Tausch erhält die Abtei Brauweiler vom Kloster Deutz den Hof in Bürgel mit allem Zubehör und das Patronatsrecht über die dortige Pfarrkirche und die davon abhängige Kapelle in Zons.
1372 Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden verlegt den Rheinzoll von Neuss nach Zons. Es wird mit dem Bau der planmäßig befestigten Stadtanlage begonnen, die wahrscheinlich im 15. Jh. abgeschlossen wird.
1373 Erzbischof Friedrich III. verleiht Zons Stadtrechte und diverse Privilegien.
1374 Sehr wahrscheinlicher Zeitpunkt des Rheindurchbruchs zwischen Zons und Bürgel infolge eines schweren Hochwassers. Die Mutterkirche St. Maternus lag nun rechtsrheinisch.
1388 Vollendung des Rhein-, Peters- oder Zollturmes.
Um 1408 Bau der Zonser Kirche St. Martinus. Mutterkirche bleibt St. Maternus in Bürgel.
1460 Ersterwähnung der Zonser St. Sebastianus-Schützenbruderschaft. Sie besteht bis kurz nach 1800.
1463 Verpfändung von Stadt, Zoll und Amt Zons durch Erzbischof Dietrich II. von Moers an das Kölner Domkapitel, das bis zum Ende des Alten Reiches in dessen Besitz bleibt.
1464 Erster großer Stadtbrand.
1475 Im "Neusser Krieg" (1474/75) lagert ein Reichsheer unter Kaiser Friedrich III. zur Befreiung der belagerten Stadt Neuss bei Zons.
1502 Errichtung einer Münzstätte in Zons durch Erzbischof Hermann. Sie besteht nur wenige Jahre (mindestens bis 1505).
1547 Zweiter großer Stadtbrand.
1593 Die Zonser Kirche St. Martinus erhält Pfarrrechte. Bindungen zur Maternus-Kapelle in Bürgel bleiben bestehen.
1620 Dritter schwerer Stadtbrand.
1623 Pestepidemie in Zons.
1635 Pestepidemie in Zons.
1646 In der Endphase des Dreißigjährigen Krieges belagern Hessische Truppen unter Oberst Rabenhaupt erfolglos die Stadt. Die Zonser Besatzung unter Oberst Goldstein leistet tapferen Widerstand. Zahlreiche Gebäude werden durch heftigen Kanonenbeschuss schwer beschädigt. Ein kaiserliches Entsatzheer zwingt die Belagerer nach zwei Wochen zum Rückzug.
1654-1658 Bau des Franziskanerklosters auf dem Platz neben dem Juddeturm.
1666 Pestepidemie. In dem Jahr sterben 255 Personen in der Pfarrgemeinde. Die 1661 begonnene Klosterkirche wird geweiht.
1739 Kurfürst Clemens August wird Schützenkönig der Zonser St. Sebastianus-Schützenbruderschaft.
1741 Kurfürst Clemens August nimmt unrechtmäßig Zons in Besitz. Erst 1743 erfolgt die Rückgabe an das Domkapitel.
1744 Kurfürst Clemens August wird zum zweiten und letzten Mal Schützenkönig der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft.
1761 Für den Bau einer neuen Wachtstube am Rheintor lässt das Domkapitel das dortige Falltor entfernen.
1770 Abbruch des alten und Bau des neuen, heutigen Pfarrhauses.
1784 Extremes Rheinhochwasser. Teile der Stadtmauer stürzen ein. Dabei wird auch das mittlere der ehemals drei Wachtürmchen an der Rheinstraße zerstört.
1794 Mit der Herrschaft der Franzosen bis 1814 endet die Zeit des Kurfürstentums Köln.
1802 Die Dominialgüter (Schloss, Zollturm und Mühle) werden beschlagnahmt (Versteigerung 1803) und das Franziskanerkloster aufgehoben.
1805 Der Ersteigerer des Franziskanerklosters, Notar Josef Steinberger aus Dormagen, lässt die Klosterkirche abbrechen.
1815 Das Rheinland wird preußisch, die Bürgermeisterei Zons Teil des Landkreises Neuss.
1822 Aufgrund wundersamer Lichterscheinungen an einer Madonna in der Pfarrkirche strömen zunehmend Gläubige aus dem Umland nach Zons. Nachdem die Madonna noch im selben Jahr auf Anordnung des Generalvikars entfernt wird, endet die Bewegung.
1829 Die Gemeinde erwirbt das ehemalige Klostergebäude und richtet darin nach mehrjährigem Um- bzw. Erweiterungsbau bis 1832 Rathaus und Schule ein. Die Schule befindet sich bis 1951 in dem Gebäude.
1833/1841 Das Feldtor wird abgerissen.
1840 Der neue Begräbnisplatz außerhalb der Stadtmauern wird geweiht.
1849-1861 Im ehemaligen Franziskanerkloster besteht eine höhere Knabenschule unter kirchlicher Leitung.
1855 Franziskanerinnen gründen eine Niederlassung (Kloster "Zur heiligen Dreifaltigkeit") in Zons, die bis 1882 am Rheintor besteht.
1860 Bau der Kapelle "Maria von den Engeln" der Franziskanerinnen am Rheintor. Hierzu wird ein Teil des Tores abgerissen.
1867 Einrichtung einer "Postanstalt" in der Rheinstraße.
1874-1893 Im ehemaligen Franziskanerkloster bzw. dessen 1875 entstandenen Erweiterungsbau besteht eine höhere Knabenschule.
1876-1878 Abriss der alten und Neubau der heutigen Pfarrkirche St. Martinus nach den Plänen von Vincenz Statz.
1896 Vinzentinerinnen gründen eine Niederlassung in Zons. Sie nutzen das Rheintorkloster. 1959/60 verlassen sie den Ort.
1898 Die St. Hubertus-Schützengesellschaft wird gegründet.
1904 Zons erhält die Genehmigung zur Führung eines Stadtwappens. Es wird ein Stadtfest gefeiert und der Heimat- und Verkehrsverein gegründet.
1907 Einstellung des Windmühlenbetriebes.
1909 Bei einem schweren Sturm verliert die Windmühle ihr Flügelkreuz. Erst 1965/66 wird die Mühle wieder instand gesetzt.
1910 In den Monaten September und Oktober wird in Zons die elektrische Beleuchtung angelegt.
1918 Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wird Zons abwechselnd von britischen, französischen und belgischen Soldaten besetzt.
1920 Ein schweres Hochwasser überflutet die Stadt.
1926 Ein noch größeres Hochwasser überflutet Zons.
1928-1930/31 Der Rheindeich wird gebaut.
1929 Zons feiert mit einem großen Stadtfest 25 Jahre Stadtwappen und (um ein Jahr verspätet) 555 Jahre Stadterhebung.
1931 Einrichtung eines Heimatmuseums im Rheinturm. Es besteht bis 1959.
1935 Die Freilichtbühne wird eröffnet.
1945 Am 6. März besetzen Amerikaner Zons.
1959 Der Schweinebrunnen vor dem ehemaligen Feldtor wird errichtet, später (1987) durch mehrere Bronzeschweine ergänzt.
1962 Die Stadt erwirbt das Burggelände.
1967 Rathaus und Schule (das ehemalige Franziskanerkloster) neben dem Juddeturm werden abgebrochen.
1972 Eröffnung des Kreismuseums im ehemaligen "Herrenhaus", dem Vorburggebäude.
1973 Großes Stadtfest anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Stadterhebung.
1974 Fertigstellung des Bürgerhauses. 2015 wird es abgerissen (s.u.).
1975 Zons verliert seine Selbstständigkeit und wird Stadtteil von Dormagen.
1990 Das Kreisarchiv und das Internationale Mundartarchiv "Ludwig Soumagne" ziehen in das Burggelände.
1992 Zons erhält aufgrund seiner Geschichte wieder den Namen "Stadt", jedoch rechtlich weiterhin als Stadtteil von Dormagen.
2009 Die katholische Kirchengemeinde St. Martinus Zons wird zum 31. Dezember 2008 aufgelöst. Rechtsnachfolgerin ab dem 1. Januar 2009 ist die Kirchengemeinde St. Michael Dormagen (Urkunde durch Erzbischof Joachim Kardinal Meisner vom 16.01.2009).
2015 Das Bürgerhaus wird für einen Neubau des Archivs im Rhein-Kreis Neuss abgerissen.

Überblicksdarstellung zur Zonser Geschichte

Ursprünge und erste urkundliche Erwähnung

In der ersten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts hat in der Umgebung des späteren Zons für etwa zwei Generationen eine militärische Niederlassung der Römer bestanden, von deren Existenz ein in großen Teilen ergrabenes Gräberfeld an der heutigen Deichstraße, der früheren römischen Steinstraße (nördlich der heutigen Festung gelegen) zeugt. Unbekannt sind bis heute der genaue Standort der Siedlung bzw. des Lagers und der Grund der Aufgabe nach wenigen Jahrzehnten. Die militärische Vorortfunktion ging zunächst auf das Reiterlager Dormagen (Durnomagus)] über, das im 4. Jahrhundert durch ein Hilfslager in Bürgel abgelöst wurde. Die dem hl. Maternus geweihte Kirche in Bürgel, die als eines der frühesten christlichen Bauwerke des Raumes bereits seit der Spätantike bestand, war bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert die Zonser Pfarrkirche.

Zons ist erstmals urkundlich belegt über das sogenannte Testament des Kölner Bischofs Kunibert, das um die Mitte des 7. Jahrhunderts niedergeschrieben wurde, aber erst in einer Fassung des späten 11. Jahrhunderts überliefert ist. Der Bischof bestimmt hierin, dass der Kölner Lupusbruderschaft jährlich 13 Lachse und eine bestimmte Geldsumme zugunsten der Armen aus dem bischöflichen Hof in Zons (Ausgangspunkt der Landesherrschaft der Kölner Erzbischöfe über Zons) zugehen sollten. In dieser Urkunde ist die älteste Namensform "Zuonizo" bzw. "Zuonice" überliefert, deren Herkunft nicht geklärt ist. Die Forschung geht heute von einem vorrömischen Ursprung aus. Archäologische Funde deuten auf eine merowingerzeitliche Siedlung in Zons hin, über deren Lage derzeit noch keine Aussagen möglich sind. In den 1980er Jahren deckten archäologische Untersuchungen im Zonser Burgbereich Baufundamente auf, die als Überreste der Eigenkirche des Grundherrn und damit als Teil des Fronhofkomplexes interpretiert werden. Über die genaue Lage und Ausdehnung dieses Komplexes ist nichts bekannt.

Rechtliche Verhältnisse im Hoch- bis Spätmittelalter

1020 geriet Zons kirchlich in den Einflussbereich des Klosters Deutz, indem Bischof Heribert diesem Kloster die Burg in Bürgel und das Präsentationsrecht über die Bürgeler Kirche übertrug. Unmittelbar betroffen von dieser Maßnahme war die von Bürgel abhängige Kapelle in Zons. 37 Jahre später, 1057, überließ Bischof Anno in einem Tauschvertrag der polnischen Königin Richeza die "villa dominicatus nostri Zuonizo", also das große Herrengut in Zons, auf Lebenszeit. Nachweislich war der Hof in Zons in der Mitte des 12. Jahrhunderts einer der Hauptversorger des Bischofs und seines Gefolges, denn er taucht in dieser Zeit im Dienstrecht der Kölner Ministerialen unter den 12 Tafelgütern der Kölner Bischöfe auf. Ein hier existierendes Hofgericht unter Vorsitz eines Schultheißen war Ausgangspunkt für das spätere allgemeine Landgericht. Das Kollegium urteilte auch in Fällen der Blutgerichtsbarkeit, wie zwei für die Frühneuzeit belegte Hochgerichte (Galgen) auf Zonser Amtsgebiet belegen.

Das "castrum Zunce"

Nach der Schlacht bei Worringen 1288, in der Erzbischof Siegfried von Westerburg mit seinen Verbündeten vernichtend unterlegen war, wurden verschiedene seiner Befestigungen niedergelegt, so auch das "castrum Zunce". Leider lässt der uneindeutige Begriff "castrum" nicht erkennen, ob hiermit eine Burg oder ein festes Haus gemeint sein könnte. Auffälligerweise konnten bislang keine Überreste dieser Anlage archäologisch nachgewiesen werden, so dass wohl eher von einem bescheideneren Bau auszugehen ist. Auch über die Lage der älteren dörflichen Zonser Siedlung sind derzeit nur Mutmaßungen aufgrund von Flurnamen und der Geländesituation möglich. Der Flurname "Im Hofstädtchen" an der heutigen Aldenhovenstraße westlich der Altstadt könnte sich auf diese Siedlung beziehen, wobei auch die sich an dieser Stelle kreuzenden Wege als mögliches Indiz anzusehen sind.

Zoll, Stadtrecht und Bau der Festung

1372 verlegte der Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden den Rheinzoll von Neuss nach Zons, zu dessen Schutz eine Befestigung durch Mauern und Gräben erfolgte sowie die Stadterhebung durch Urkunde vom 20. Dezember 1373. Der Zollverlegung vorausgegangen waren Auseinandersetzungen mit der Stadt Neuss, die eine Ausweitung ihrer Rechte anstrebte. Zudem war dort die Zollerhebung zunehmend schwieriger geworden, da sich der Rhein dort immer mehr von der Stadt entfernte. Mit der Stadterhebungsurkunde räumte Friedrich von Saarwerden den Bürgern verschiedene Privilegien ein wie die freie Bürgermeisterwahl, die Abhaltung eines siebentägigen Marktes um den 11. September (Matthäus) sowie eines Marktes am Mittwoch jeder Woche.

Den Kern der neu erbauten Festung bildete die durch Tore, Türme, Grabenanlagen und einen daneben befindlichen Zwinger stark umwehrte Burg in der südöstlichen Ecke, deren Fläche etwa 20% des Gesamtareals ausmacht und die der Verwaltung und Sicherung des Zolls und der Verwaltung des neu geschaffenen Amtes Zons diente. Hier waren jeden Abend die Schlüssel der Tore abzugeben. Friedrich von Saarwerden nannte diese neue Burg "Friedestrom", ein Wortgebilde aus "Friedrich" und "(Rhein-)Strom". Friedrich versuchte in der Folge vergeblich, den Namen auch für die gesamte Siedlung einzuführen.

Der offensichtlich planmäßige Bau der Zollfestung mit Stadtmauer wurde möglicherweise noch im 14. Jahrhundert vollendet. Die rechteckig bis trapezförmig angelegte Stadt umgibt eine basaltverstärkte Mauer von rund 1.100 m Länge, die sich ca. 300 m in Nord-Süd-Richtung und 250 m in West-Ost-Richtung erstreckt. An den Eckpunkten befinden sich verschieden ausgeführte Türme: nordöstlich der rechteckige Rhein-, Zoll- oder Petersturm (nach der erhalten gebliebenen Inschrift 1388 vollendet), nordwestlich der runde Krötschenturm, südwestlich der runde Mühlenturm (vermutlich bereits als Mühlenturm konzipiert), südöstlich der rechteckige Schlossturm sowie innerstädtisch an der Burgmauer der runde Juddeturm. Zwei öffentliche Tore führten in die Stadt: im Norden das Rheintor, im Westen das Feldtor. Ersteres wurde im 19. Jahrhundert zum Teil, Letzteres nahezu vollständig abgetragen. Ein drittes Außentor ("Schlosstor"), das am besten erhalten ist, bildete den Zugang vom Zwinger in die Vorburg. Den Schnittpunkt der beiden großen Toreinfallsstraßen Feldstraße (heute Schloßstraße) und Rheinstraße bildet der Marktplatz (heute Schlossplatz) mit dem Rathaus (bis um 1830).

Stadt und Amt Zons, kirchliche Verhältnisse

Die kleine Stadt umfasste nur 124 Hausplätze. Zum Amt Zons gehörten auch das Dorf Stürzelberg, ein Teil des Dorfes Horrem und das heute rechtsrheinische Haus Bürgel. Haus Bürgel und Zons waren ursprünglich kirchlich und gerichtlich verbunden. Bürgel gelangte wahrscheinlich bereits 1374 durch eine Rheinverlagerung infolge eines schweren Hochwassers von der linken auf die rechte Rheinseite. Dennoch blieb die Kirche in Bürgel noch bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert Zonser Pfarrkirche, die nun, seit 1368 durch einen Gütertausch mit der zugehörigen Kapelle in Zons dem Kloster Brauweiler inkorporiert, für die Bevölkerung unter deutlich erschwerten Bedingungen zu erreichen war. Seit dieser Zeit bis zu den Umbrüchen der Franzosenzeit wurden ausschließlich Kanoniker aus Brauweiler als Pfarrer in Zons eingesetzt. 1408 wurde ein neues, dem hl. Martin (Nebenpatron Hubertus) geweihtes Gotteshaus auf dem Standort der heutigen Kirche geweiht. Aufgrund der ungünstigen Lage der Pfarrkirche in Bürgel fanden in diesem Neubau seit 1423 Taufen statt. 1593 erfolgte die Erhebung zur Pfarrkirche.

Territoriale Verhältnisse, Demografie und Wirtschaft

Bis zum Einmarsch der Franzosen 1794 gehörte das Amt Zons zu Kurköln. Seit der Verpfändung 1463 durch den Erzbischof Dietrich von Moers an das Kölner Domkapitel bis 1796 waren Stadt und Amt Zons eine Art Unterherrschaft des Kapitels. Räumlich und demografisch entwickelte sich Zons seit dem 14. Jahrhundert nur wenig, was wohl in erster Linie an der recht ungünstigen Lage im Straßenverkehr lag. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Stadt dreimal von schweren Stadtbränden heimgesucht, die jeweils nahezu die gesamte Wohnbebauung vernichteten: 1464, 1547 und 1620. Während vor dem letzten Stadtbrand von einer gewissen wirtschaftlichen Blüte vor allem durch Handel berichtet wird, erlebte die Stadt im 17. Jahrhundert aufgrund dieses Brandes, einer (erfolglosen) Belagerung und eines schweren Beschusses gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges durch den auf hessisch-französischer Seite kämpfenden Oberst Rabenhaupt, mehrerer verheerender Pestepidemien (1623, 1635 und 1666) und häufiger Besatzungen durch kölnische und französische Truppen einen wirtschaftlichen und demografischen Niedergang. 1648 lebten in Zons nur noch 172 Personen. Große Teile der Burg waren seit der Mitte des 17. Jahrhunderts dauerhaft ruinös und dienten seit dieser Zeit zusammen mit Teilen der Stadtmauer auch als Abbruch- und Baumaterial, wie Schriftquellen und neu errichtete Bauwerke ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert belegen. Doch es kam in diesem Zeitraum auch zu wichtigen Neubauten: 1646 wurde ein Franziskanerkonvent gestiftet, der nach einer provisorischen Niederlassung nach 12 Jahren (1658) einen Klosterneubau neben dem Juddeturm beziehen konnte. Die Weihe der zugehörigen Kirche daneben fand 1666 statt. 1803 wurden Kloster und Kirche im Zuge der französischen Säkularisation versteigert. Der neue Eigentümer, ein Notar aus Dormagen namens Steinberger, ließ bereits zwei Jahre später die Kirche abbrechen. Das ebenfalls versteigerte Burgareal ging an den Zonser Bürgermeister (Maire) Matthias Aldenhoven, der hier einen landwirtschaftlichen Betrieb eröffnete. Die ehemalige Vorburg diente der Familie als Herrenhaus.

Die Zonser Bevölkerung war im 18. Jahrhundert fast rein katholisch. In diesem Zeitraum lebten hier nur einzelne jüdische Familien, deren Zahl bis 1806 auf fast 50 Personen anwuchs. Die Haupterwerbszweige der Bevölkerung waren bis in das 20. Jahrhundert die Land- und die Viehwirtschaft. Daneben hatten der Bier- und Weinhandel und verschiedene Handwerke wie das Zieglergewerbe teilweise überlokale Bedeutung. Eine besonders herausgehobene Bevölkerungsgruppe nach Vermögen und sozialer Herkunft waren bis um 1800 die Zollbeamten, die nicht das Bürgerrecht besaßen und dementsprechend keine bürgerlichen Pflichten zu leisten hatten.

Die Wohnbebauung der eigentlichen Stadt Zons wuchs erst relativ spät über ihre Stadtmauern hinaus. Erste Wohnhäuser "extra muros" entstanden erst in preußischer Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts, geschlossenere Siedlungszonen sind erst für das ausgehende 19. Jahrhundert festzustellen. Zunächst konzentrierte sich die Bebauung auf die Wege in unmittelbarer Nähe der Festung und dehnte sich später, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, in nördlicher und westlicher Richtung aus. Im 19. Jahrhundert wurden bedeutende Teile der Festungsanlage abgebrochen, so 1833/41 das Feldtor und 1860 ein Teil des Rheintores für den Bau der Rheintorkapelle für die seit 1855 in Zons tätigen Franziskanerinnen (sie blieben bis 1882 und wurden 1896 durch Vinzentinerinnen abgelöst, die bis 1959/60 blieben). Wenig früher war sogar der gesamte Abbruch von Rheinturm und -tor geplant gewesen, jedoch an Geldmangel gescheitert. 1876 wurde die alte Pfarrkirche abgerissen und an ihrer Stelle der heutige größere neugotische Neubau nach den Plänen von August Carl Lange (nach Vorplanungen von Vincenz Statz) bis 1878 errichtet.

Entwicklung des Fremdenverkehrs seit dem 19. Jahrhundert

Eine stärkere Beachtung erfuhren die historischen Bauwerke durch die Tätigkeit von Künstlern der Düsseldorfer Malerschule etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, die sie in zahlreichen Werken festhielten, und insbesondere auch durch den sehr engagierten Einsatz des ersten rheinischen Provinzialkonservators Paul Clemen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, der auch den Beinamen "rheinisches Rothenburg" prägte. Seit um 1900 ist Zons ein beliebter Ausflugsort. In dieser Zeit lassen sich auch verstärkt Bemühungen zur historischen Aufarbeitung und Erhaltung feststellen: 1903 und 1904 erschienen die ersten stadtgeschichtlichen Monografien, seit 1904 führt Zons ein eigenes Stadtwappen und nannte sich fortan auch wieder "Stadt", wenn es auch verwaltungsrechtlich weiterhin eine Landgemeinde war. In diesem Jahr wurde auch der heutige Heimat- und Verkehrsverein gegründet. Erste bedeutende Instandsetzungsarbeiten an den Festungswerken setzten kurz vor 1910 ein.

Der Fremdenverkehr seit um 1900 wurde sehr bedeutend für die Zonser Wirtschaft. Die örtliche Gastronomie entwickelte sich seitdem rapide. 1904, 1929 und 1973 organisierte man große Stadtfeste: 1904 anlässlich der Verleihung des Stadtwappens und der Wiedererlangung des Stadttitels (zuvor hatte Zons die Bezeichnung "Flecken" geführt), 1929 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums dieser Ereignisse sowie der (um ein Jahr verspäteten) 555-Jahrfeier der Stadterhebung im Jahr 1373 und schließlich 1973 das entsprechende 600-jährige Jubiläum. Von historischem Bewusstsein zeugen auch die Eröffnung eines Heimatmuseums im Rheinturm 1931 (es bestand bis zum Jahr 1959) und die Eröffnung der Freilichtbühne im Zwinger der Burg Friedestrom 1935, auf der in den ersten Jahren ausschließlich historische Stücke zur Orts- und Lokalgeschichte aufgeführt wurden.

Die Entwicklung ab dem Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg hinterließ an der Zonser Bausubstanz keine bedeutenden Schäden. 1962 erwarb die Stadt Zons die ehemalige Landesburg Friedestrom, die in Erbpacht an den Kreis Grevenbroich (heutiger Rhein-Kreis Neuss) ging. Dieser baute in der folgenden Zeit das Gelände nach und nach zum Kreiskulturzentrum aus und ließ die Gebäude wieder herrichten. 1972 fand die Eröffnung des Kreismuseums im Herrenhaus statt, 1990 die Eröffnung des Kreisarchivs, des Internationalen Mundartarchivs "Ludwig Soumagne" sowie einer Veranstaltungshalle im ehemaligen Hochschloss.

Seit 1832 befanden sich im ehemaligen Franziskanerkloster am Juddeturm Rathaus und Schule des Ortes. 1967 beschloss der Stadtrat den Abriss des historischen Gebäudekomplexes und den Bau des neuen Rathauses (seit 1975: Bürgerhaus) mit Tiefgarage an seiner Stelle, das leider in Farbe und Form einen äußerst unglücklichen Kontrast zum historischen Umfeld bildet. Die Kommunale Neugliederung 1975 brachte den Verlust der Selbstständigkeit mit der Eingliederung zur Stadt Dormagen. Seitdem trug Zons die Bezeichnung "Feste", die 17 Jahre später (1992) aufgrund der Ortsgeschichte wieder durch den Namen "Stadt" ersetzt wurde, wobei dieser Name jedoch ein bloßer Titel ohne rechtliche Bedeutung ist.

Literatur-Empfehlungen