Kapelle "Maria von den Engeln"

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Die Rheintorkapelle "Maria von den Engeln" ist eine neuromanische Kapelle vor dem Rheintor an der Nordseite der Stadtbefestigung von Zons. Sie wurde im Jahr 1860 erbaut und diente nacheinander den dort ansässigen Franziskanerinnen und Vinzentinerinnen als Hauskapelle. In der Kapelle befindet sich seit den 1980er Jahren die Zonser "Wundermadonna", die 1822 eine besondere Bedeutung für den Ort erlangte.

Baugeschichte und Architektur

Am 11. August 1860 erteilte der Zonser Gemeinderat auf Antrag der Vorsteherin des damaligen Franziskanerinnenklosters die Genehmigung zum Bau einer Kapelle auf dem klösterlichen Grundstück am Rheintor. Der Bau wurde noch im selben Jahr fertiggestellt. Der Entwurf stammte von dem Franziskanerbruder Paschalis (bürgerlich Theodor Wilhelm Gratze) aus Linz am Rhein.

Für den Bau der Kapelle mussten Teile der historischen äußeren Doppeltoranlage des Rheintores abgetragen werden. Um der Klausur der Nonnen Rechnung zu tragen, wurde ein überdachter Übergang vom ersten Obergeschoss des ehemaligen Zollhauses (Klostergebäude) über die Rheintor-Einfahrt hinweg direkt zur Empore der Kapelle errichtet. Zugleich wurde an der Außenseite eine Schutzengelfigur angebracht. Die Weihe erfolgte am Schutzengelfest, dem 2. Oktober 1860, unter dem Titel "Maria von den Engeln".

Architektonisch handelt es sich bei der Kapelle um einen einfachen, einschiffigen Backsteinbau mit drei querrechteckigen Jochen und einer halbrunden, fensterlosen Chorapsis im Süden. Der Außenbau ist durch Lisenen und Rundbogenfriese gegliedert. Auf dem Schieferdach befindet sich ein diagonal gestellter, verschieferter Dachreiter mit Spitzhelm und einer kleinen Glocke. Der Innenraum wird von kreuzgitterartigen Gratverstärkungen und Gurtrippen überspannt.

Ein "Gottesurteil"

Ein düsteres Kapitel der Kapellengeschichte bildet ein angebliches Gottesurteil zur Grundsteinlegung, das sich tief in das kollektive Gedächtnis der Zonser Bevölkerung einprägte und Einzug in die Pfarrchronik fand. Im Sommer 1860 legte der Zonser Pfarrer Sebastian Schmitz feierlich den ersten Grundstein für den Neubau der Kapelle und segnete ihn kirchlich ein. Am darauffolgenden Morgen bot sich den Zonsern ein Bild des Entsetzens, denn ein Unbekannter hatte den frisch geweihten Grundstein auf das Schändlichste mit menschlichen Fäkalien besudelt. Die Tat erregte in der streng gläubigen Gemeinde tiefe Bestürzung, doch der Täter blieb zunächst unentdeckt.

Die vermeintliche Wende ereignete sich zur traditionellen Zonser Kirmes im Oktober 1860. Am Kirmesdienstag, dem 9. Oktober, wurde in der Gaststätte "St. Peter" des Wirtes Ferdinand Haller zum Tanz aufgespielt. Unter den Gästen befand sich auch der 44-jährige Johann Hubert Schmitz, der wohlhabende Besitzer des in der Zehntgasse gelegenen Buschhofs. Zeugen berichteten später, Schmitz habe auf dem Tanzboden plötzlich eine ungeheure Unruhe und Aufregung gezeigt, sich nervös den Schweiß von der Stirn gewischt und sich Luft zugefächelt, ehe ihn ein plötzliches und heftiges Unwohlsein überkam. Auf dem Tanzboden habe er eine massive und unkontrollierbare Leibesentleerung erlitten. Sein Zustand habe sich dann so rapide verschlechtert, dass er nicht einmal mehr nach Hause transportiert werden konnte, sondern im Gasthaus Haller ins Bett gebracht werden musste. In den folgenden Tagen litt Schmitz unter unaufhörlichen, grauenhaften Darmkrämpfen, bis er am 13. Oktober 1860 schließlich verstarb, nachdem er zuvor noch die Sterbesakramente empfangen hatte.

In der älteren Pfarrchronik von Pfarrer Adam Otten wird der gesamte Vorfall irrtümlich auf das Jahr 1862 datiert. Für die Zonser Bevölkerung war der Täter damit entlarvt und das göttliche Urteil gesprochen. Die grausame Art seines Todes wurde als direktes Eingreifen Gottes gewertet, getreu dem biblischen Spruch aus dem Buch der Weisheit: "Worin der Mensch sündigt, darin wird er bestraft werden." In späteren Jahren entstand in Zons zudem die populäre Sage, dass die über dem Rheintor angebrachte Schutzengelfigur mit ihrem erhobenen, abwehrenden Arm als direkte Reaktion auf diese Schandtat und zur Sühne geschaffen worden sei, um künftigen Frevel von der Kapelle abzuwehren. Aus baugeschichtlicher Sicht ist diese Verknüpfung jedoch eine Legende, da die Engelsfigur von Anfang an im Entwurf des Franziskanerbruders Paschalis vorgesehen war und bereits zur Einweihung am Schutzengelfest im Oktober 1860 fertiggestellt war.

Nutzung als Pfarrkirchen-Ersatz (1876–1878)

Während des Abbruchs der alten gotischen Pfarrkirche St. Martinus und des anschließenden neugotischen Neubaus durch den Architekten Vincenz Statz in den Jahren 1876 bis 1878 diente die Rheintorkapelle der Zonser Pfarrgemeinde als temporäre Gottesdienststätte. Zu diesem Zweck wurde an die Kapelle ein hölzerner Erweiterungsvorbau angefügt. Für die Nutzung erhielt die Klosterleitung eine Entschädigung von 180,– Mark aus der Kirchenkasse.

Nach Fertigstellung der neuen Pfarrkirche fand der alte klassizistische Hochaltar der Vorgängerkirche (hergestellt 1813 in Neuss) entgegen ursprünglichen Plänen Aufstellung in der Rheintorkapelle und verblieb dort für mehrere Jahrzehnte.

Die Wundermadonna

Das bedeutendste Ausstattungsstück der Kapelle ist die historische Zonser "Wundermadonna" (auch "Blaue Madonna" genannt). Die 106 cm hohe wachsene Statue mit Jesuskind wurde der Pfarrkirche im Jahr 1813 von Kaplan Adam Ankenbrand geschenkt.

Im Juli 1822 kam es während einer achttägigen Andacht zur Abwendung einer Mäuseplage angeblich zu wunderbaren Lichterscheinungen in der Krone der Madonna. Dies löste eine riesige Wallfahrtsbewegung aus dem gesamten rheinisch-westfälischen Raum nach Zons aus. Um dem "Aberglauben" ein Ende zu setzen, ließ das Generalvikariat in Aachen das Gnadenbild im Oktober 1822 beschlagnahmen und im Pfarrhaus wegschließen.

Erst im Zuge einer großen Volksmission im Juni 1857 unter Pfarrer Sebastian Schmitz wurde die Madonna in einer feierlichen Prozession wieder in die Pfarrkirche überführt. Nach dem Neubau der Kirche stand sie auf einem Seitenaltar, bis sie Anfang der 1980er Jahre aus Sicherheitsgründen in die Kapelle Maria von den Engeln überführt wurde, wo sie noch heute besichtigt werden kann.

Renovierungen und heutige Nutzung

Im Jahr 1891 wurde die Kapelle neu gedeckt und das baufällige, von Insektenfraß beschädigte Holztürmchen durch den Zimmermeister C. Kollenbroich aus Nievenheim erneuert. Im Jahr 1905 wurde der Altarraum der Kapelle durch die Zonser Malermeister Johann Bedbur und Josef Lessenich kunstvoll ausgemalt. 1897 erhielt das Kloster zudem Kreuzwegbilder aus Himmelgeist geschenkt, die jedoch heute nicht mehr in der Kapelle vorhanden sind.

Nach dem Weggang der letzten Ordensschwestern im Januar 1960 stand die Kapelle weitgehend ungenutzt und war zeitweise Vandalismus ausgesetzt. In den Jahren 1978 bis 1981 erfolgte eine umfassende Außen- und Innenrenovierung der Kapelle. Seit dem Abschluss der Arbeiten wurde sie wieder regelmäßig für Andachten, Taufen und traditionelle Gottesdienste (wie die Mittwochmorgenschule) genutzt.

Literatur

  • Emsbach, Karl / Tauch, Max: Kirchen, Klöster und Kapellen im Kreis Neuss (= Schriftenreihe des Kreises Neuss, Nr. 13). Köln 1986 (bzw. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, Köln 1992, S. 32–35).
  • Kienle, Hermann: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg 2 (1984), S. 18–24.
  • Kienle, Hermann: Geschichte der Schwesternschaft der Vinzentinerinnen in Zons 1895–1960. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg 7 (1989), S. 4–9.
  • Schwabach, Thomas: Zonser Gottesurteile im 19. Jahrhundert – Erster Teil: Die Kapelle und die Engelsfigur am Rheintor. In: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 48/1995, S. 5–6.