Zonser Schweinefehde
Die Zonser Schweinefehde war ein Konflikt zwischen dem Kölner Erzbischof Salentin von Isenburg (1532–1610) und dem Kölner Domkapitel in den Jahren 1575 bis 1577. Dieser drehte sich vordergründig um den Besitz der Zollfeste Zons und die damit verbundenen Einnahmen aus dem Rheinzoll, gipfelte jedoch in einem diplomatischen Kleinkrieg und dem Raub einer Schweineherde.
Ursachen und Hintergrund
Zons war seit dem Jahr 1463 ein Pfandbesitz des Kölner Domkapitels, nachdem Erzbischof Dietrich II. von Moers (um 1385–1463) den Ort zur Absicherung von Schulden verschrieben hatte. Unter der Regierung 1567–1577 von Salentin von Isenburg (1532–1610) flammte der Streit um die rechtmäßige Verfügungsgewalt erneut auf. Der Erzbischof beschuldigte das Domkapitel einer ungenauen Abrechnung der Zolleinkünfte und forderte eine Überprüfung der alten Belege sowie eine Neufestsetzung des Abrechnungsmodus.
Da das Domkapitel diese Forderungen ablehnte und auch ein im Jahr 1573 einberufener Landtag keine Einigung erzielte, entschloss sich Salentin zu einem direkten Vorgehen.
Verlauf der Fehde
Im November 1573 besetzte Salentin von Isenburg im Rahmen eines Handstreichs die Stadt Zons. Zu diesem Zeitpunkt war der Zonser Amtmann 1567–1573 Domdekan Heinrich IV. von Sayn (1539–1606) ortsabwesend, wodurch die Stadt dem Übergriff schutzlos ausgeliefert war. Das Domkapitel reagierte auf diese Provokation, indem es den Chorbischof Herzog Friedrich von Sachsen-Lauenburg (1554–1586) als neuen Amtmann in Zons einsetzte, um seine Rechte vor Ort zu wahren.
Der Konflikt entwickelte sich in der Folge zu einem Kleinkrieg. Der namensgebende Vorfall ereignete sich, als erzbischöfliche Soldaten auf Befehl Salentins eine Herde von 50 Schweinen, die dem Amtmann Herzog Friedrich von Sachsen-Lauenburg gehörte, von ihren angestammten Weiden im Mühlenbusch (Amt Hülchrath) raubten. Die Tiere wurden nach Kaiserswerth und [Linn weggetrieben. Der Amtmann forderte daraufhin vom Domkapitel Ersatz für den entstandenen Schaden und drohte mit privater Selbsthilfe, falls der Kurfürst keine Entschädigung leiste.
Beilegung des Konflikts
Die Auseinandersetzung fand ein Ende, als Salentin von Isenburg im September 1577 auf sein erzbischöfliches Amt verzichtete, um zu heiraten und die Nachfolge in seiner heimischen Grafschaft anzutreten. Im Zuge der anschließenden Verhandlungen wurde vereinbart, dass den Zonsern bzw. dem Amtmann der Geldwert der 50 geraubten Schweine als Entschädigung erstattet werde. Damit war der Streit für das Domkapitel und die Stadt Zons siegreich beigelegt.
Rezeption und Gedenken
An die historischen Ereignisse der Schweinefehde erinnert heute der Schweinebrunnen (1959/1987) in Zons, der sich vor dem ehemaligen Feldtor befindet. Das Thema wurde zudem literarisch und bühnenwirksam aufgearbeitet: Im Jahr 1939 wurde das Stück "Die Schweinefehde von Zons" von Martin Schaefer auf der Zonser Freilichtbühne uraufgeführt.
Quellen und Literatur
- Karl Emsbach: Zons – Portrait einer alten Stadt. Dormagen 2000
- Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973