Weißer Turm: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Weiße Turm''' (auch '''Torturm''' oder '''Schlossturm''' genannt) ist der zentrale Eingangsturm der inneren Hauptburg von [[Burg Friedestrom]]. Er wurde im Zuge der Errichtung der landesherrlichen Festung ab dem Jahr 1373 unter dem Kölner Erzbischof [[Friedrich von Saarwerden]] erbaut. Als wehrhafter Fortifikationsbau sicherte er den einzigen Zugang zum Hochschloss und diente dem Erzbischof während der Bauphase zeitweise als Wohnung.


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== Architektur ==
Der Turm erhebt sich über einem annähernd quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von etwa 8,40 bis 10 Metern. Das Mauerwerk besteht in den unteren Partien aus schwerem Säulenbasalt, geht im mittleren Teil in Tuff über und ist im oberen Bereich aus Backstein gefertigt. Die Kanten des Bauwerks sind durch eine Eckverklammerung aus hellen Trachytquadern vom Drachenfels verstärkt. Die tonnenüberwölbte Tordurchfahrt im Erdgeschoss besaß ursprünglich eine Zugbrücke, deren Kettenlöcher und Blendnischen an der Außenseite noch heute erkennbar sind. Über der Durchfahrt befinden sich zwei Stockwerke, die als Wachtkammern dienten und jeweils mit einem großen Kamin an der Südwand ausgestattet sind. Der Zugang zu den Obergeschossen erfolgt von der Hofseite über eine steinerne Treppe innerhalb der nördlichen Mauerstärke. Den oberen Abschluss bildete ursprünglich ein vorkragender Wehrgang mit einem Zinnenkranz und Gusslöchern (Maschikulis), der auf einem spätgotischen Spitzbogenfries ruht. An den Ecken des obersten Geschosses befanden sich polygonale Erker mit spitzen Helmen, die jedoch bei der Restaurierung in den 1970er Jahren nicht vollständig in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt wurden.
 
== Bezeichnung, Besitz und Nutzung ==
In historischen Akten des [[Domkapitel]]s aus dem 17. und 18. Jahrhundert wird das Bauwerk als "Weißer Turm" bezeichnet. Neben seiner militärischen Funktion beherbergte der Turm ein Gefängnis mit zwei Zellen, das im Volksmund als "Beckers-Kämmerchen" bekannt war. Während der Belagerung der Stadt durch hessische Truppen im Jahr 1646 wurde die Burganlage schwer beschädigt, wobei insbesondere der Westflügel am Turm in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach der Säkularisation im Jahr 1802 gelangte der Komplex in Privatbesitz der [[Aldenhoven (Familie)|Familie Aldenhoven]] und wurde anschließend über 150 Jahre lang als landwirtschaftlicher Gutshof genutzt, was zu baulichen Veränderungen und partiellem Verfall führte. In den Jahren 1989/90 erfolgte eine umfassende Restaurierung des Hochschlosses durch den heutigen Rhein-Kreis Neuss, wobei der Turm gesichert und das Dach in veränderter Form erneuert wurde. Heute ist der Torturm Bestandteil des Kreiskulturzentrums und beherbergte zeitweise Wohnungen sowie Räumlichkeiten des [[Archiv im Rhein-Kreis Neuss|Archivs im Rhein-Kreis Neuss]] und des [[Internationales Mundartarchiv "Ludwig Soumagne"|Internationalen Mundartarchivs "Ludwig Soumagne"]].
 
== Quellen und Literatur ==
[[Stephen Schröder]] / [[Thomas Schwabach]] (Red.): ''Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt''. Sankt Augustin 2023
 
[[Karl Emsbach]]: ''Zons – Portrait einer alten Stadt''. Dormagen 2000
 
[[Marion Roehmer]]: ''Burg Friedestrom in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung''. Köln 1998
 
[[Aenne Hansmann]]: ''Geschichte von Stadt und Amt Zons''. Düsseldorf 1973
 
[[Paul Clemen]] (Hrsg.): ''Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 3'': Kreis Neuss. Düsseldorf 1895
 
 
[[Kategorie:Denkmalpflege]]
[[Kategorie:Denkmäler]]
[[Kategorie:Türme]]
[[Kategorie:Stadtbefestigung]]

Aktuelle Version vom 23. Mai 2026, 22:01 Uhr

Der Weiße Turm (auch Torturm oder Schlossturm genannt) ist der zentrale Eingangsturm der inneren Hauptburg von Burg Friedestrom. Er wurde im Zuge der Errichtung der landesherrlichen Festung ab dem Jahr 1373 unter dem Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden erbaut. Als wehrhafter Fortifikationsbau sicherte er den einzigen Zugang zum Hochschloss und diente dem Erzbischof während der Bauphase zeitweise als Wohnung.

Architektur

Der Turm erhebt sich über einem annähernd quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von etwa 8,40 bis 10 Metern. Das Mauerwerk besteht in den unteren Partien aus schwerem Säulenbasalt, geht im mittleren Teil in Tuff über und ist im oberen Bereich aus Backstein gefertigt. Die Kanten des Bauwerks sind durch eine Eckverklammerung aus hellen Trachytquadern vom Drachenfels verstärkt. Die tonnenüberwölbte Tordurchfahrt im Erdgeschoss besaß ursprünglich eine Zugbrücke, deren Kettenlöcher und Blendnischen an der Außenseite noch heute erkennbar sind. Über der Durchfahrt befinden sich zwei Stockwerke, die als Wachtkammern dienten und jeweils mit einem großen Kamin an der Südwand ausgestattet sind. Der Zugang zu den Obergeschossen erfolgt von der Hofseite über eine steinerne Treppe innerhalb der nördlichen Mauerstärke. Den oberen Abschluss bildete ursprünglich ein vorkragender Wehrgang mit einem Zinnenkranz und Gusslöchern (Maschikulis), der auf einem spätgotischen Spitzbogenfries ruht. An den Ecken des obersten Geschosses befanden sich polygonale Erker mit spitzen Helmen, die jedoch bei der Restaurierung in den 1970er Jahren nicht vollständig in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt wurden.

Bezeichnung, Besitz und Nutzung

In historischen Akten des Domkapitels aus dem 17. und 18. Jahrhundert wird das Bauwerk als "Weißer Turm" bezeichnet. Neben seiner militärischen Funktion beherbergte der Turm ein Gefängnis mit zwei Zellen, das im Volksmund als "Beckers-Kämmerchen" bekannt war. Während der Belagerung der Stadt durch hessische Truppen im Jahr 1646 wurde die Burganlage schwer beschädigt, wobei insbesondere der Westflügel am Turm in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach der Säkularisation im Jahr 1802 gelangte der Komplex in Privatbesitz der Familie Aldenhoven und wurde anschließend über 150 Jahre lang als landwirtschaftlicher Gutshof genutzt, was zu baulichen Veränderungen und partiellem Verfall führte. In den Jahren 1989/90 erfolgte eine umfassende Restaurierung des Hochschlosses durch den heutigen Rhein-Kreis Neuss, wobei der Turm gesichert und das Dach in veränderter Form erneuert wurde. Heute ist der Torturm Bestandteil des Kreiskulturzentrums und beherbergte zeitweise Wohnungen sowie Räumlichkeiten des Archivs im Rhein-Kreis Neuss und des Internationalen Mundartarchivs "Ludwig Soumagne".

Quellen und Literatur

Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023

Karl Emsbach: Zons – Portrait einer alten Stadt. Dormagen 2000

Marion Roehmer: Burg Friedestrom in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung. Köln 1998

Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973

Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 3: Kreis Neuss. Düsseldorf 1895