Karl Emsbach

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Karl Emsbach (* 8. Oktober 1946 in Tauberbischofsheim) ist ein Historiker und Archivar, der von 1982 bis 2011 als Leiter das Archivs im Rhein-Kreis Neuss (bis 2007: "Kreisarchiv Neuss") aufbaute und prägte. Er gilt als einer der profundesten Kenner der Regionalgeschichte des Rhein-Kreises Neuss und insbesondere der Stadtgeschichte von Zons.

Leben und Ausbildung

Karl Emsbach wuchs in Koblenz auf. Nach dem Ableisten des Wehrdienstes studierte er Geschichte, Latein, Philosophie und Geografie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Im Jahr 1980 wurde er dort mit einer Arbeit über die soziale Betriebsverfassung der rheinischen Baumwollindustrie im 19. Jahrhundert zum Dr. phil. promoviert. Im Anschluss absolvierte er die Ausbildung für den höheren Archivdienst an der Archivschule Marburg. Seit 1993 lebt Emsbach in Dormagen.

Berufliches Wirken

Am 1. Mai 1982 trat Emsbach seinen Dienst als erster Archivar des damaligen Kreises Neuss an. Zu diesem Zeitpunkt existierten weder eingerichtete Archivräume noch systematische Sammlungen, sondern lediglich ungeordnete Altregistraturen. Zunächst war die Dienststelle in einem kleinen Büro im Alten Ständehaus in Grevenbroich untergebracht, bevor sie über ein Provisorium in einer Dienstvilla im Jahr 1990 dauerhaft in die Räumlichkeiten von Burg Friedestrom nach Zons verlegt wurde.

Unter Emsbachs Leitung entwickelte sich das Archiv zu einer zentralen Dokumentationsstelle mit rund 1,4 Kilometern laufenden Akten und umfangreichen Bildbeständen. Ein bedeutender Meilenstein war die Vereinigung des Kreisarchivs mit dem Stadtarchiv Dormagen zum 1. Januar 2007 unter der neuen Bezeichnung "Archiv im Rhein-Kreis Neuss". Emsbach leitete die Institution fast drei Jahrzehnte lang bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 31. Oktober 2011. Sein Nachfolger wurde am 1. Januar 2012 Stephen Schröder.

Über seine archivarische Tätigkeit hinaus engagierte sich Emsbach als Geschäftsführer des Kreisheimatbund Neuss und als Schriftleiter des "Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss".

Historische Forschung und Engagement

Emsbach trat durch zahlreiche Publikationen zur rheinischen Landesgeschichte hervor. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören das Mühlenwesen, die Kirchengeschichte sowie die architektonische Entwicklung von Zons. Im Jahr 2000 veröffentlichte er einen Stadtführer, der die baulichen Veränderungen der Zollfeste dokumentiert.

In seiner Funktion als Archivleiter und Landeshistoriker schaltete er sich regelmäßig in öffentliche Debatten ein, etwa zur historisch korrekten Benennung von Plätzen oder zur Denkmalpflege in der Altstadt. Im Jahr 2010 äußerte er fachliche Bedenken gegen die Verlegung eines Stolpersteines für den KPD-Politiker Ernst Junghans, da die damalige Quellenlage eine eindeutige Einstufung als Widerstandskämpfer nicht zuließ, was eine kontroverse öffentliche Diskussion auslöste.

Quellen und Literatur

  • Stephen Schröder/ Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023
  • Karl Emsbach: Zons – Portrait einer alten Stadt. Dormagen 2000
  • Simon Hopf: Ein Forscher und Bewahrer. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 6. März 2010
  • Heiko Schmitz: Sherlock Holmes des Archivs. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 15. Mai 2010
  • Carina Wernig: Der Schatzgräber geht in Rente. In: Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 22. Oktober 2011
  • Franziska Gräfe: Dr. Karl Emsbach in den Ruhestand verabschiedet. In: Rheinischer Anzeiger, 26. Oktober 2011