Pfefferbüchsen
Die Pfefferbüchsen sind zwei erhaltene, achteckige Wachttürme der Stadtbefestigung von Zons, die der rheinseitigen Ostmauer aufsitzen. Sie gelten als architektonische Besonderheit, da sie die einzigen erhalten gebliebenen Bauwerke dieser Art im Rheinland sind.
Architektur
Die Türme weisen einen achteckigen Grundriss auf und sind zweigeschossig ausgeführt. Sie ruhen auf einem pfeilerartigen Unterbau mit kreuzförmigem Querschnitt, der über die Mauer nach außen vorkragt. Das Mauerwerk beider Türme besteht im unteren Bereich aus Natursteinquadern, während der obere Teil aus Backstein gefertigt wurde. Den oberen Abschluss bildet ein achtseitiges Pyramidendach, das auch als Kegeldach bezeichnet wird.
In der historischen Gestaltung wiesen die Türme funktionale Details auf:
- Die nördliche Pfefferbüchse besaß ursprünglich einen Schornstein, wie Studien aus dem frühen 19. Jahrhundert belegen.
- Die südliche Pfefferbüchse verfügte über einen Treppenabgang, der durch ein Podest unterbrochen war, unter dem sich in der Zeit um 1890 ein kleiner Verschlag oder Brettervorbau befand.
Geschichte
Die Türme entstanden im Zuge der Errichtung der befestigten Stadtanlage unter Erzbischof Friedrich von Saarwerden zwischen 1372 und 1388. Ursprünglich befanden sich an der rheinseitigen Mauer drei dieser Wachttürme.
Die verbreitete Behauptung, das mittlere Türmchen wäre beim schweren Extrem-Hochwasser 1784 mit einem Teil der Stadtmauer eingestürzt und nicht wieder errichtet worden, ist eine Legende. Tatsächlich ist dieses bereits 1744 mit Erlaubnis des Domkapitels von dem Erbauer des in dem Jahr gegenüber fertiggestellten Hauses Rheinstraße 16, dem Beseher Cornelius Le Bruin, abgebrochen worden. Das Kapitel hatte ihm zur Auflage gemacht, mit dem Abbruch-Material die nördliche, bereits arg verfallene Pfefferbüchse wiederherzustellen. Von diesem mittleren Türmchen ist heute lediglich der rheinseitige Fundamentpfeiler erhalten.
Die verbliebenen zwei Türme wurden im Rahmen umfassender Instandsetzungsmaßnahmen 1906 bis 1908 restauriert.
Nutzung und Namensgebung
In ihrer ursprünglichen Funktion dienten die Türme der seitlichen Bewachung und Verteidigung der Stadtmauer gegenüber Angreifern, die sich im toten Winkel der Hauptbefestigungen befanden. Später erfuhren die Türme unterschiedliche Nutzungen:
Die südliche Pfefferbüchse wurde als städtisches Arresthaus genutzt und im späten 19. Jahrhundert als das "fidelste Gefängnis des Niederrheins" bezeichnet. An ihrem Sockel sind Hochwassermarken angebracht, die die historischen Flutkatastrophen des Rheins dokumentieren.
Die nördliche Pfefferbüchse wurde zeitweise zu Wohnzwecken genutzt; so bewohnte sie um 1895 die Dachdeckerfamilie Seburschenich.
Der im Volksmund geläufige Name "Pfefferbüchsen" für die beiden spätgotischen Wachthäuschen ist kein zonsspezifisches Original, sondern ein historischer Fachbegriff aus dem überregionalen Festungsbau. In der Architektur bezeichnete man damit traditionell sogenannte Scharwachttürme – also kleine, meist runde oder polygonale Schilderhäuschen, die auf Konsolen auskragend direkt an die Wehrmauer oder eine Turmecke gesetzt wurden. [1] Der Name entstand als zeitgenössischer Spottname (Metapher) durch die auffällige Ähnlichkeit der Baukörper mit den damals gebräuchlichen, oft aus Zinn oder Silber gefertigten Gewürzbüchsen. Deren geschwungener Fuß, der spitze Deckel und die feinen Streulöcher erinnerten im Profil stark an die auskragende Konsole, das kegelförmige Zeltdach und die schmalen Schießscharten der Wachttürmchen.
Quellen und Literatur
- Karl Emsbach: Zons – Portrait einer alten Stadt. Dormagen 2000.
- Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuss. Düsseldorf 1895.
- Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973.
- Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023.
- Aenne Hansmann / Margret Wensky: Rheinischer Städteatlas Zons. 2. Aufl. Köln 1990.
Belege
- ↑ Heinrich Otte, Archäologisches Wörterbuch, 2. Aufl. Leipzig 1877, S. 180.