Vinzentinerinnen: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom heiligen Vinzenz von Paul''' wirkte von 1896 bis Januar 1960 in Zons. Die Schwestern nutzten das Rheintorkloster der 1882 ausgezogenen [[Franziskanerinnen]], bestehend aus dem [[Rheinturm]], dem ehemaligen [[Zollhaus]] aus dem Jahr 1760 (später auch "Vinzentinerinnenhaus" genannt) und der [[Kapelle "Maria von den Engeln"]]. Mit ihrer Arbeit in der ambulanten Krankenpflege, der Leitung der Kleinkinderbewahrschule ([[Kindergarten]]) und der Mütter- und Jugendarbeit prägten die Vinzentinerinnen das kirchliche und soziale Leben in Zons über mehr als sechs Jahrzehnte.


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== Die Gründung der Niederlassung (1895/96) ==
Nachdem das Zonser Rheintorkloster nach dem Wegzug der Franziskanerinnen im Jahr 1882 meist unbewohnt geblieben war, bemühte sich der Zonser [[Kirchenvorstand]] unter [[Pfarrer]] [[Adam Otten]] im Jahr 1895 um die Ansiedlung einer neuen Ordensgemeinschaft. Da die ursprüngliche Stifterin [[Elisabeth Kierwald]] ihr Vermögen speziell den [https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskanerinnen_von_der_Bu%C3%9Fe_und_der_christlichen_Liebe Franziskanerinnen von Heythuysen] vermacht hatte, musste deren Generaloberin formell auf diese Rechte verzichten, was am 4. Oktober 1895 geschah.
 
Nach Erteilung der kirchlichen Genehmigung und der preußischen ministeriellen Erlaubnis vom 8. Juni 1896 wurde die Niederlassung am 4. September 1896 feierlich eingeweiht. Erste Schwestern vor Ort waren die Oberin Lamberta Hilgers sowie die Schwestern Angela, Euselia und Camilla. Die Gemeinde unterstützte die Arbeit mit einem jährlichen Zuschuss von 300,– Reichsmark, während die Schwestern mietfrei im Gebäude wohnten.
 
== Aufgaben und soziales Wirken ==
Die staatliche Genehmigung umschrieb das Arbeitsfeld der Schwestern, das sich im Laufe der Jahre kontinuierlich erweiterte, präzise:
* Ambulante Krankenpflege: Die Schwestern übernahmen die häusliche Krankenpflege in Zons und [[Stürzelberg]]. Sie genossen in der Bevölkerung hohes Ansehen; oft war die Ordensschwester bei Krankheitsfällen die erste Anlaufstelle noch vor dem Arzt.
* Kleinkinder-Bewahrschule ([[Kindergarten]]): Der Kindergarten lag in einem Gebäude direkt an der nördlichen Stadtmauer. Schwester Camilla leitete diese Einrichtung über 23 Jahre von 1896 bis 1919. Nach dem Ersten Weltkrieg folgten weitere Schwestern, darunter Schwester Galliopa, Schwester Gemma und schließlich von 1945 bis 1959 Schwester Misaela.
* Haushaltungsschule: Nicht mehr schulpflichtige Mädchen erhielten im Kloster hauswirtschaftliche Unterweisung und Kochunterricht.
* Pflege von Waisenkindern: Das im Haus untergebrachte Waisenhaus betreute um die Jahrhundertwende etwa 30 bis 35 Kinder.
* Gemeindearbeit und Vereine: Die Schwestern leiteten den [[Schutzengelverein]] für schulpflichtige Mädchen sowie den 1897 gegründeten [[Marienverein]] für schulentlassene Mädchen, pflegten die liturgischen Gewänder im [[Paramentenverein]] und unterstützten die Arbeit der [[Borromäus-Pfarrbücherei]].
 
== Nutzung der Räumlichkeiten ==
Ab etwa 1930 war die räumliche Aufteilung des Klosters fest etabliert:
* Ehemaliges [[Zollhaus]]: Im Erdgeschoss befanden sich die hauswirtschaftlichen Räume (Küche, Waschküche). Das erste Obergeschoss beherbergte Versammlungszimmer sowie Schlafzimmer für die Schwestern. Im zweiten Obergeschoss lagen weitere Schlafräume.
* [[Rheinturm]]: Das Erdgeschoss (Gewölbekeller) diente als Vorratsraum. Das erste Obergeschoss des Turms hatte eine direkte Verbindung zum Wohnhaus und wurde als Schlafsicherungsraum für kranke Frauen aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/LVR-Klinikum_D%C3%BCsseldorf Landeskrankenhaus Düsseldorf-Grafenberg] genutzt. Im zweiten Obergeschoss befand sich das Nähzimmer. Das dritte Obergeschoss beherbergte von 1931 bis 1959 das Zonser [[Heimatmuseum]]. Im vierten Obergeschoss war Material der [[Feuerwehr|Freiwilligen Feuerwehr]] untergebracht.
 
== Einsatz im Zweiten Weltkrieg ==
Während des schweren Beschusses von Zons im Frühjahr 1945 zeigten die Vinzentinerinnen unerschrockenen Einsatz. Trotz akuter Lebensgefahr durch Granateinschläge versorgten sie ununterbrochen Verwundete und legten Notverbände an. Das Allerheiligste war während dieser Zeit aus Sicherheitsgründen aus der [[Kapelle "Maria von den Engeln"|Kapelle]] in das Erdgeschoss des [[Rheinturm]]s überführt worden. Amerikanische Soldaten begleiteten die Schwestern nach ihren Hilfseinsätzen regelmäßig schützend in das Kloster zurück.
 
== Der Abschied aus Zons (1959/1960) ==
Ende der 1950er Jahre zwang der akute Nachwuchsmangel die [https://de.wikipedia.org/wiki/Genossenschaft_der_T%C3%B6chter_der_christlichen_Liebe_vom_heiligen_Vinzenz_von_Paul deutsche Ordensprovinz der Vinzentinerinnen] zu Sparmaßnahmen und zur Schließung kleinerer Filialen. Am 24. September 1959 unterrichtete [[Pfarrer]] [[Franz Freistedt]] den [[Kirchenvorstand]] über den Beschluss des Provinzrates, die Zonser Niederlassung aufzulösen.
 
Trotz heftiger Proteste der Zonser Bevölkerung, schriftlicher Bittgesuche und persönlicher Besuche von Kirchenvorstandsmitgliedern im Kölner Provinzialathaus in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nippes_(K%C3%B6ln) Köln-Nippes] ließ sich die Schließung nicht abwenden. Die Räumung wurde lediglich um einen Monat verzögert. In der ersten Januarwoche des Jahres 1960 verließen die letzten Schwestern, unter ihnen die langjährige Oberin Sophia Löhrer und die Kindergartenleiterin Schwester Misaela, Zons. Damit endete die Ära der Vinzentinerinnen nach 64 Jahren segensreichen Wirkens.
 
== Literatur ==
* [[Karl Emsbach|Emsbach, Karl]] / Tauch, Max: Kirchen, Klöster und Kapellen im Kreis Neuss (= Schriftenreihe des Kreises Neuss, Nr. 13). 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, Köln 1992, S. 32–35.
* Gasten, Elmar / Haas, Reimund / Kolewa, Herbert: Kirchengeschichte und Pfarrarchiv St. Martinus in Zons (Findbuch) (= Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band VIII). Dormagen 1996, S. 33 (Abschnitt "Vinzentinerinnen in Zons").
* [[Aenne Hansmann|Hansmann, Aenne]]: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Mit einem Beitrag von [[Artur Elicker]], [[Jakob Justenhoven]] und [[Herbert Milz]]. Düsseldorf 1973.
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band II (1984), S. 18–24.
* [[Hermann Kienle|Kienle, Hermann]]: Geschichte der Schwesternschaft der Vinzentinerinnen in Zons 1895–1960. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band VII (1989), S. 4–9.
* Leitterstorf, Hans: Dormagen Gestern: Vincentinerinnen lösen Zonser Kloster auf. In: Dormagazin, Heft 3/1990, S. 11.
 
 
[[Kategorie:Klöster]]
[[Kategorie:Religion]]
[[Kategorie:Orden]]
[[Kategorie:Schulwesen]]
[[Kategorie:Bildungswesen]]

Aktuelle Version vom 16. August 2026, 11:08 Uhr

Die Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom heiligen Vinzenz von Paul wirkte von 1896 bis Januar 1960 in Zons. Die Schwestern nutzten das Rheintorkloster der 1882 ausgezogenen Franziskanerinnen, bestehend aus dem Rheinturm, dem ehemaligen Zollhaus aus dem Jahr 1760 (später auch "Vinzentinerinnenhaus" genannt) und der Kapelle "Maria von den Engeln". Mit ihrer Arbeit in der ambulanten Krankenpflege, der Leitung der Kleinkinderbewahrschule (Kindergarten) und der Mütter- und Jugendarbeit prägten die Vinzentinerinnen das kirchliche und soziale Leben in Zons über mehr als sechs Jahrzehnte.

Die Gründung der Niederlassung (1895/96)

Nachdem das Zonser Rheintorkloster nach dem Wegzug der Franziskanerinnen im Jahr 1882 meist unbewohnt geblieben war, bemühte sich der Zonser Kirchenvorstand unter Pfarrer Adam Otten im Jahr 1895 um die Ansiedlung einer neuen Ordensgemeinschaft. Da die ursprüngliche Stifterin Elisabeth Kierwald ihr Vermögen speziell den Franziskanerinnen von Heythuysen vermacht hatte, musste deren Generaloberin formell auf diese Rechte verzichten, was am 4. Oktober 1895 geschah.

Nach Erteilung der kirchlichen Genehmigung und der preußischen ministeriellen Erlaubnis vom 8. Juni 1896 wurde die Niederlassung am 4. September 1896 feierlich eingeweiht. Erste Schwestern vor Ort waren die Oberin Lamberta Hilgers sowie die Schwestern Angela, Euselia und Camilla. Die Gemeinde unterstützte die Arbeit mit einem jährlichen Zuschuss von 300,– Reichsmark, während die Schwestern mietfrei im Gebäude wohnten.

Aufgaben und soziales Wirken

Die staatliche Genehmigung umschrieb das Arbeitsfeld der Schwestern, das sich im Laufe der Jahre kontinuierlich erweiterte, präzise:

  • Ambulante Krankenpflege: Die Schwestern übernahmen die häusliche Krankenpflege in Zons und Stürzelberg. Sie genossen in der Bevölkerung hohes Ansehen; oft war die Ordensschwester bei Krankheitsfällen die erste Anlaufstelle noch vor dem Arzt.
  • Kleinkinder-Bewahrschule (Kindergarten): Der Kindergarten lag in einem Gebäude direkt an der nördlichen Stadtmauer. Schwester Camilla leitete diese Einrichtung über 23 Jahre von 1896 bis 1919. Nach dem Ersten Weltkrieg folgten weitere Schwestern, darunter Schwester Galliopa, Schwester Gemma und schließlich von 1945 bis 1959 Schwester Misaela.
  • Haushaltungsschule: Nicht mehr schulpflichtige Mädchen erhielten im Kloster hauswirtschaftliche Unterweisung und Kochunterricht.
  • Pflege von Waisenkindern: Das im Haus untergebrachte Waisenhaus betreute um die Jahrhundertwende etwa 30 bis 35 Kinder.
  • Gemeindearbeit und Vereine: Die Schwestern leiteten den Schutzengelverein für schulpflichtige Mädchen sowie den 1897 gegründeten Marienverein für schulentlassene Mädchen, pflegten die liturgischen Gewänder im Paramentenverein und unterstützten die Arbeit der Borromäus-Pfarrbücherei.

Nutzung der Räumlichkeiten

Ab etwa 1930 war die räumliche Aufteilung des Klosters fest etabliert:

  • Ehemaliges Zollhaus: Im Erdgeschoss befanden sich die hauswirtschaftlichen Räume (Küche, Waschküche). Das erste Obergeschoss beherbergte Versammlungszimmer sowie Schlafzimmer für die Schwestern. Im zweiten Obergeschoss lagen weitere Schlafräume.
  • Rheinturm: Das Erdgeschoss (Gewölbekeller) diente als Vorratsraum. Das erste Obergeschoss des Turms hatte eine direkte Verbindung zum Wohnhaus und wurde als Schlafsicherungsraum für kranke Frauen aus dem Landeskrankenhaus Düsseldorf-Grafenberg genutzt. Im zweiten Obergeschoss befand sich das Nähzimmer. Das dritte Obergeschoss beherbergte von 1931 bis 1959 das Zonser Heimatmuseum. Im vierten Obergeschoss war Material der Freiwilligen Feuerwehr untergebracht.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg

Während des schweren Beschusses von Zons im Frühjahr 1945 zeigten die Vinzentinerinnen unerschrockenen Einsatz. Trotz akuter Lebensgefahr durch Granateinschläge versorgten sie ununterbrochen Verwundete und legten Notverbände an. Das Allerheiligste war während dieser Zeit aus Sicherheitsgründen aus der Kapelle in das Erdgeschoss des Rheinturms überführt worden. Amerikanische Soldaten begleiteten die Schwestern nach ihren Hilfseinsätzen regelmäßig schützend in das Kloster zurück.

Der Abschied aus Zons (1959/1960)

Ende der 1950er Jahre zwang der akute Nachwuchsmangel die deutsche Ordensprovinz der Vinzentinerinnen zu Sparmaßnahmen und zur Schließung kleinerer Filialen. Am 24. September 1959 unterrichtete Pfarrer Franz Freistedt den Kirchenvorstand über den Beschluss des Provinzrates, die Zonser Niederlassung aufzulösen.

Trotz heftiger Proteste der Zonser Bevölkerung, schriftlicher Bittgesuche und persönlicher Besuche von Kirchenvorstandsmitgliedern im Kölner Provinzialathaus in Köln-Nippes ließ sich die Schließung nicht abwenden. Die Räumung wurde lediglich um einen Monat verzögert. In der ersten Januarwoche des Jahres 1960 verließen die letzten Schwestern, unter ihnen die langjährige Oberin Sophia Löhrer und die Kindergartenleiterin Schwester Misaela, Zons. Damit endete die Ära der Vinzentinerinnen nach 64 Jahren segensreichen Wirkens.

Literatur

  • Emsbach, Karl / Tauch, Max: Kirchen, Klöster und Kapellen im Kreis Neuss (= Schriftenreihe des Kreises Neuss, Nr. 13). 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, Köln 1992, S. 32–35.
  • Gasten, Elmar / Haas, Reimund / Kolewa, Herbert: Kirchengeschichte und Pfarrarchiv St. Martinus in Zons (Findbuch) (= Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band VIII). Dormagen 1996, S. 33 (Abschnitt "Vinzentinerinnen in Zons").
  • Hansmann, Aenne: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Mit einem Beitrag von Artur Elicker, Jakob Justenhoven und Herbert Milz. Düsseldorf 1973.
  • Kienle, Hermann: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band II (1984), S. 18–24.
  • Kienle, Hermann: Geschichte der Schwesternschaft der Vinzentinerinnen in Zons 1895–1960. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band VII (1989), S. 4–9.
  • Leitterstorf, Hans: Dormagen Gestern: Vincentinerinnen lösen Zonser Kloster auf. In: Dormagazin, Heft 3/1990, S. 11.