Stürzelberg: Unterschied zwischen den Versionen

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== Geographie ==
== Geographie ==
Stürzelberg liegt etwa zwei Kilometer nördlich des Zonser Stadtkerns auf einer nacheiszeitlichen Binnenlanddüne (dem sogenannten Kapellenberg), die eine hochwasserfreie Besiedlung in der Rheinniederung ermöglichte. Der Ort grenzt im Osten an den Rhein und an das [[Grind|Naturschutzgebiet Grind]], westlich befindet sich der kleine [[St. Peter (Ort)|Ort St. Peter]] sowie die Bundesstraße 9. Nördlich schließt sich ein Gewerbegebiet an, südlich umgeben Felder den Ort, bevor Zons folgt. Zur Gemarkung gehört auch der historisch bedeutende Rittersitz [[Heckhof]].
Stürzelberg liegt etwa zwei Kilometer nördlich des Zonser Stadtkerns auf einer endeiszeitlichen Binnenlanddüne (dem sogenannten Kapellenberg), die eine hochwasserfreie Besiedlung in der Rheinniederung ermöglichte. Der Ort grenzt im Osten an den Rhein und an das [[Grind|Naturschutzgebiet Grind]], westlich befindet sich der kleine [[St. Peter (Ort)|Ort St. Peter]] sowie die Bundesstraße 9. Nördlich schließt sich ein Gewerbegebiet an, südlich umgeben Felder den Ort, bevor Zons folgt. Zur Gemarkung gehört auch der historisch bedeutende Rittersitz [[Heckhof]].


=== Etymologie ===
== Etymologie ==
Der Name "Stürzelberg" wird als "steil abfallendes Gelände" oder "abfallender Ort" gedeutet. Solche Namensbildungen werden in der siedlungsgeschichtlichen Forschung zumeist als jüngeren Ursprungs eingeordnet.
Der Name "Stürzelberg" wird als "steil abfallendes Gelände" oder "abfallender Ort" gedeutet. Solche Namensbildungen werden in der siedlungsgeschichtlichen Forschung zumeist als jüngeren Ursprungs eingeordnet.


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=== Evangelische Kirche ===
=== Evangelische Kirche ===
In Stürzelberg besteht eine evangelische Gemeinde. Ihr sichtbares Zentrum ist die Lukaskirche von 1967.
In Stürzelberg besteht eine evangelische Gemeinde. Ihr sichtbares Zentrum ist die 1967 errichtete Lukaskirche.


== Wirtschaft und Industrialisierung ==
== Wirtschaft und Industrialisierung ==
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== Archäologie und Landschaftsgeschichte ==
== Archäologie und Landschaftsgeschichte ==
Die Siedlungsspuren im Raum Stürzelberg reichen bis in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Jungsteinzeit Jungsteinzeit] zurück, was durch Funde von Silexartefakten (u.a. der [https://de.wikipedia.org/wiki/Michelsberger_Kultur Michelsberger Kultur]) in der [[Hannepützheide]] belegt ist. Am [[Wahlerberg]] wurden Fundstellen aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Späte_Bronzezeit späten Bronze-] und frühen [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenzeit Eisenzeit] entdeckt. Römische Überreste, darunter Scherben und Ziegel, wurden auf der Flur [[Taubenacker]] geborgen, was auf die Existenz einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_rustica Villa rustica] hindeutet.
Die Siedlungsspuren im Raum Stürzelberg reichen bis in die [https://de.wikipedia.org/wiki/Jungsteinzeit Jungsteinzeit] zurück, was durch Funde von Silexartefakten (u.a. der [https://de.wikipedia.org/wiki/Michelsberger_Kultur Michelsberger Kultur]) in der [[Hannepützheide]] belegt ist. Am [[Wahlerberg]] wurden Fundstellen aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Späte_Bronzezeit späten Bronze-] und frühen [https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenzeit Eisenzeit] entdeckt. Römische Überreste, darunter Scherben und Ziegel, wurden auf der Flur [[Taubenacker (Flurname)|Taubenacker]] geborgen, was auf die Existenz einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_rustica Villa rustica] hindeutet.


Die Landschaft wurde maßgeblich durch den [[Rhein]] geprägt, der seinen Lauf im Mittelalter mehrfach veränderte. Der Durchbruch der [[Bürgeler Rheinschlinge]] (wahrscheinlich 1374) trennte Stürzelberg und Zons vom ehemals linksrheinischen [[Haus Bürgel]]. Ein bedeutendes forstwirtschaftliches Relikt war der [[Stüttger Busch]], ein ausgedehntes Waldgebiet im Norden, das im 19. Jahrhundert vollständig gerodet wurde.
Die Landschaft wurde maßgeblich durch den [[Rhein]] geprägt, der seinen Lauf im Mittelalter mehrfach veränderte. Der Durchbruch der [[Bürgeler Rheinschlinge]] (wahrscheinlich 1374) trennte Stürzelberg und Zons vom ehemals linksrheinischen [[Haus Bürgel]]. Ein bedeutendes forstwirtschaftliches Relikt war der [[Stüttger Busch]], ein ausgedehntes Waldgebiet im Norden, das im 19. Jahrhundert vollständig gerodet wurde.

Aktuelle Version vom 26. Mai 2026, 10:19 Uhr

Der Ort Stürzelberg gehörte historisch über Jahrhunderte als Teil des Amtes Zons zur kurkölnischen Zollfeste Zons und entwickelte sich im 20. Jahrhundert von einem landwirtschaftlich geprägten Fischerdorf zu einem bedeutenden Industriestandort.

Geographie

Stürzelberg liegt etwa zwei Kilometer nördlich des Zonser Stadtkerns auf einer endeiszeitlichen Binnenlanddüne (dem sogenannten Kapellenberg), die eine hochwasserfreie Besiedlung in der Rheinniederung ermöglichte. Der Ort grenzt im Osten an den Rhein und an das Naturschutzgebiet Grind, westlich befindet sich der kleine Ort St. Peter sowie die Bundesstraße 9. Nördlich schließt sich ein Gewerbegebiet an, südlich umgeben Felder den Ort, bevor Zons folgt. Zur Gemarkung gehört auch der historisch bedeutende Rittersitz Heckhof.

Etymologie

Der Name "Stürzelberg" wird als "steil abfallendes Gelände" oder "abfallender Ort" gedeutet. Solche Namensbildungen werden in der siedlungsgeschichtlichen Forschung zumeist als jüngeren Ursprungs eingeordnet.

Geschichte

Ursprünge und Zugehörigkeit zu Zons

Erstmals urkundlich erwähnt ist Stürzelberg im Jahr 1345 als Namenszusatz eines Gerichtsschöffen. Seit dem Mittelalter gehörte der Ort zum kurkölnischen Amt Zons. Die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft und insbesondere vom Fischfang.

Seit der Verleihung der Stadtrechte an Zons im Jahr 1373 gehörte das Dorf zum Gerichtsbezirk und zum Stadtgebiet der Zollfeste. Die Einwohner besaßen das volle Zonser Bürgerrecht und wurden als "Mitbürger" bezeichnet. Trotz dieser rechtlichen Gleichstellung bestanden soziale und administrative Unterschiede: Die Stürzelberger waren zu Wachtdiensten an den Zonser Stadtmauern verpflichtet, genossen aber für ihre eigenen Häuser keinen Schutz einer Befestigung. Ihr politischer Einfluss blieb gering; sie stellten lediglich zwei von sieben Gemeinsmännern bei der Bürgermeisterwahl und entsandten keine Vertreter in den Rat oder das Schöffenkollegium.

Der östlich von Stürzelberg gelegene Heckhof wurde 1389 als Manngut der Abtei Deutz erstmals urkundlich genannt. Die noch vorhandenen Gebäude dieses Rittergutes stammen aus dem Jahr 1694, wie eine Torbogeninschrift belegt.

Im Jahr 1788 war der Rhein bei Stürzelberg zugefroren. Am 5. Oktober 1794 – einen Tag vor der Besetzung Kölns – besetzten französische Soldaten den Ort. Stürzelberg kam zunächst zum Kanton Zons und gehörte später zur Mairie Zons im Kanton Dormagen im Arrondissement de Cologne, Département de la Roer.

Preußische Zeit und Bestrebungen zur Selbstständigkeit

Im Jahr 1815 kam Stürzelberg zur Bürgermeisterei Zons im Kreis Neuß im Königreich Preußen. Ab 1816 bildete der Ort einen Gemeindeverband mit Zons. Im Laufe des 19. Jahrhunderts unternahmen die Bürger mehrfach Versuche, die Trennung von Zons und die Einrichtung eines eigenen Gemeindehaushalts zu erwirken – u.a. in den 1830er Jahren, 1848 und zuletzt 1867. Diese Gesuche wurden von der preußischen Regierung in Düsseldorf und Berlin regelmäßig abgelehnt.

Auch im 20. Jahrhundert kam es im Zuge kommunaler Neugliederungen (1928/29) zu neuen Initiativen für eine politische Eigenständigkeit, die jedoch ebenfalls scheiterten.

Eingemeindung nach Dormagen

Die administrative Verbindung zu Zons blieb bis zur kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 bestehen. Am 1. Januar 1975 wurde Zons mit den Ortsteilen Stürzelberg, St. Peter und Nachtigall nach Dormagen eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
13. Juli 1816 524
10. Oktober 1929 1.443
1. Mai 1939 1.573
2. Mai 1946 1.588
1. Januar 1959 1.898
1. Januar 1960 2.608
1. Juli 1966 3.620
31. Dezember 1974 4.240
31. Dezember 1983 3.671
31. Dezember 1986 4.026
31. Dezember 1990 4.728
31. Dezember 2003 4.685
31. Dezember 2006 4.654
31. Dezember 2015 4.168
31. Dezember 2021 4.620

Kirchengeschichte

Katholische Kirche

Die überwiegend katholische Bevölkerung Stürzelbergs gehörte seit dem Mittelalter zur Pfarrei Zons. Seit 1774 lässt sich auf dem Kapellenberg eine katholische Kapelle nachweisen, die bis 1838 als Gotteshaus diente. Eine erste Kapelle auf dem Kapellenberg, die dem heiligen Aloysius geweiht war, ist für die Zeit um 1665/86 belegt. Sie wurde 1770 erweitert und während der französischen Zeit als "Hilfskapelle mit eigenem Vermögen" geführt.

1838 wurde ein Kapellenneubau an der Oberstraße eingeweiht – die spätere St. Aloysius-Pfarrkirche. Einen entscheidenden Schritt zur kirchlichen Unabhängigkeit bedeutete die Ernennung von Peter Groven zum ersten eigenen Rektor im Jahr 1851. 1888 wurde neben der Kirche ein Pfarrhaus errichtet. Die heutige Kreuzkirche entstand durch eine umfassende Erweiterung des Baus von 1838 in den Jahren 1910/11. Die endgültige Erhebung zur selbstständigen Pfarrei erfolgte am 1. Oktober 1919.

Evangelische Kirche

In Stürzelberg besteht eine evangelische Gemeinde. Ihr sichtbares Zentrum ist die 1967 errichtete Lukaskirche.

Wirtschaft und Industrialisierung

Bis weit in das 19. Jahrhundert war Stürzelberg ein rein landwirtschaftlich orientiertes Dorf, dessen Bewohner überwiegend als Fischer, Tagelöhner oder Kleinbauern tätig waren. Im Vergleich zu den Bewohnern des Zonser Stadtkerns galt die Bevölkerung als durchschnittlich deutlich ärmer.

Der Strukturwandel zum Industriestandort begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Entscheidend war die Gründung der Industriebahn Zons-Nievenheim G.m.b.H. im Jahr 1911, die das Gelände am Rheinufer erschloss. 1926 erhielt der Ort die erste Kanalisation. Zu den bedeutendsten Ansiedlungen zählten:

  • Das Imprägnierwerk der Rüttgerswerke AG (ab 1911 in St. Peter)
  • Die Anlagen der Sachtleben AG für Bergbau und chemische Industrie (ab 1916/17)
  • Die Stürzelberger Hütte GmbH (Tochter der Sachtleben AG), die von 1934 bis 1964 das "Stürzelberger Roheisen" aus Schwefelkiesabbränden produzierte

Durch diese Industrieansiedlungen stieg die Einwohnerzahl stark an: von 319 Personen im Jahr 1799 auf über 2.500 im Jahr 1959. Das Gelände der ehemaligen Stürzelberger Hütte wird heute als Containerhafen und Gewerbegebiet genutzt.

Archäologie und Landschaftsgeschichte

Die Siedlungsspuren im Raum Stürzelberg reichen bis in die Jungsteinzeit zurück, was durch Funde von Silexartefakten (u.a. der Michelsberger Kultur) in der Hannepützheide belegt ist. Am Wahlerberg wurden Fundstellen aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit entdeckt. Römische Überreste, darunter Scherben und Ziegel, wurden auf der Flur Taubenacker geborgen, was auf die Existenz einer Villa rustica hindeutet.

Die Landschaft wurde maßgeblich durch den Rhein geprägt, der seinen Lauf im Mittelalter mehrfach veränderte. Der Durchbruch der Bürgeler Rheinschlinge (wahrscheinlich 1374) trennte Stürzelberg und Zons vom ehemals linksrheinischen Haus Bürgel. Ein bedeutendes forstwirtschaftliches Relikt war der Stüttger Busch, ein ausgedehntes Waldgebiet im Norden, das im 19. Jahrhundert vollständig gerodet wurde.

Politik

Bürgermeister

  • 1945–1946: Franz Bebber

Wappen

Das Ortswappen zeigt mehrere historisch bedeutsame Symbole:

  • Das Kreuz deutet darauf hin, dass Stürzelberg früher zu Kurköln gehörte.
  • Der Fluss stellt den Rhein dar.
  • Der Anker symbolisiert den Hafenbetrieb von Stürzelberg.
  • Die grünen Wiesen im oberen Teil stellen die Wiesen des Naturschutzgebiets und Campingplatzes Grind dar.
  • Der Schwan erinnert an das ehemalige Gasthaus "Schwanenburg", das 1945 zerstört wurde.
  • Die Mauer im Hintergrund steht für den Hochwasserschutzwall, der seit 1998 den Ort vor Überschwemmungen durch den Rhein schützt.

Infrastruktur und Verkehr

Einrichtungen

  • Kath. Grundschule St. Nikolaus
  • Freiwillige Feuerwehr

Rheinfähren

Rheinfähre Stürzelberg/Mickeln

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts bestand zwischen Stürzelberg und Mickeln (Düsseldorf) eine Fährverbindung. Im Jahr 1910 pachtete Heinrich Richrath dieses Fährrecht und beförderte mit seinem Motorboot "Heinrich" bis zu 59 Personen über den Rhein. Mit dem Tod des letzten Fährmanns Heinrich Richrath jun. im Jahr 1965 wurde der Fährbetrieb eingestellt.

Rheinfähre Pitt Jupp/Benrath

Im Jahr 1863 errichtete der Fischer Peter Josef Schimmelpfennig das Restaurant und Fährhaus Pitt Jupp im Grind. Seit dem 1. August 1884 betrieb er eine Fährverbindung nach Benrath. Um 1925 verfügte die Familie Schimmelpfennig über zwei Motorschiffe; noch 1988 bestand der Fährbetrieb. Seit 1924 betrieb die Familie zudem ein Strandbad mit Liegewiese und Umkleidekabinen sowie bis 1930 einen Aalschocker zum Fischfang auf dem Rhein.

Rheinfähre Haus Jussenhoven/Urdenbach

Seit 1828 bestand eine weitere Fährverbindung auf dem Grind, einige hundert Meter rheinaufwärts von der Pitt-Jupp-Fähre. Diese Verbindung verlief vom Grind nach Urdenbach und wurde 1896 wieder eingestellt.

Ehemaliger Treidelpfad

An das bis in die 1860er Jahre am Rhein verbreitete Treideln von Lastkähnen erinnert seit 1999 das Treideldenkmal am Stürzelberger Rheinufer. Die bronzene Skulptur wurde 2001 eingeweiht.

Literatur

  • Jost Auler (Hrsg.): Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg. Band 1 (1983) bis 10 (2005)
  • Jost Auler: Der Heckhof – Die Geschichte eines Niederrheinischen Rittergutes im Wandel der Zeiten. Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg 1, 1983, S. 3–35
  • Jost Auler: Stürzelberg. Ein Lesebuch von Rheinfischern, Getreideschmugglern und Galgenvögeln. Dormagen 2005
  • Jost Auler: Stürzelberg. Plaudereien von Gestern, Bilder von Heute. Dormagen 2005
  • Jost Auler: 175 Bilder aus dem alten Stürzelberg 1900–1970. Dormagen 2006
  • Jost Auler: Stürzelberg. Von Mammutknochen, Landsknechten und Zuckerrüben. Dormagen 2007
  • Jost Auler: Stürzelberg. 16 Dorfgeschichten aus der Neuzeit. Dormagen 2020
  • Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973
  • Herbert Milz: St. Aloysius Stürzelberg. 150 Jahre Kapelle und Kirche an der Oberstraße. Dormagen 1988
  • Thomas Schwabach (Hrsg.): Die Schwieren-Chroniken (1733–1823). Neuss 2005