Franziskanerinnen

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Die Niederlassung der Franziskanerinnen in Zons bestand von 1855 bis 1882 und stellte nach der Säkularisation des alten Franziskanerklosters im Jahr 1802 die erste neue Ordensgemeinschaft in der ehemaligen Zollfeste dar. Das Kloster, das den Namen "Zur heiligen Dreifaltigkeit" trug, war im Rheinturm und dem angrenzenden ehemaligen Zollhaus von 1760 an der Nordseite der Stadtbefestigung untergebracht. Die Schwestern widmeten sich der Erziehung, der Elementarschulbildung für Mädchen und der Pflege von Waisenkindern.

Die Klostergründung und Elisabeth Kierwald

Die Ansiedlung des Ordens ging maßgeblich auf das finanzielle und persönliche Engagement der Zonser Bürgerin Elisabeth Kierwald (auch Kirwald geschrieben) zurück. Sie war am 9. November 1805 in Königswinter geboren und lebte ohne Gewerbe in Zons.

Am 7. Dezember 1854 erwarb sie von den Erben des 1843 verstorbenen Zonser Arztes Dr. Lambert Josef Kauhlen den gesamten Komplex aus Rheinturm und dem ehemaligen Zollhaus für einen Kaufpreis von 2.000 Talern. Die Kirchengemeinde Zons beteiligte sich daran mit einer Hypothek von 500 Talern, während Kierwald die verbleibenden 1.500 Taler aus ihrem Privatvermögen bezahlte.

Bereits im Februar 1855 richtete Kierwald ein Gesuch an den Zonser Gemeinderat, um die Erlaubnis zur Eröffnung einer Schule zu erhalten. Die Genehmigung wurde rasch erteilt. Ende März beziehungsweise Anfang April 1855 warben die Franziskanerinnen des Dritten Ordens aus dem Mutterhaus Heythuysen in den Niederlanden im Neusser Intelligenzblatt für eineTöchterschule für das bürgerliche Leben. Für eine jährliche Gebühr von 100 Talern erhielten Mädchen dort Unterricht in Handarbeiten, Elementarwissen und Religion.

Elisabeth Kierwald trat bald selbst der von ihr gestifteten Gemeinschaft bei. Nach ihrem Noviziat legte sie am 8. September 1857 unter dem Ordensnamen "Angelina" ihr Gelübde ab. Mit Schenkungsverträgen vom 1. Oktober 1855 und 25. Oktober 1859 übertrug sie den gesamten Zonser Klosterkomplex, ein weiteres Haus in Königswinter im Wert von 2.000 Talern, ihr Mobiliar sowie erhebliche Stiftungsgelder der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus Zons, um den dauerhaften Erhalt der Schule und des Ordenslebens zu sichern. Schwester Angelina verließ Zons bald darauf aus gesundheitlichen Gründen und verstarb am 16. Dezember 1859 im Kloster auf der Insel Nonnenwerth.

Bau der Kapelle "Maria von den Engeln" 1860

Im Jahr 1860 wurde neben dem Rheintor auf Initiative der damaligen Klostervorsteherin die neuromanische Kapelle "Maria von den Engeln" als Hauskapelle für die Franziskanerinnen errichtet. Den Entwurf für den einschiffigen Backsteinbau steuerte der Franziskanerbruder Paschalis (Theodor Wilhelm Gratze) bei; die Weihe erfolgte am Schutzengelfest, dem 2. Oktober 1860. Um der Klausur der Nonnen Rechnung zu tragen, entstand ein überdachter Übergang vom Klostergebäude über die Rheintor-Einfahrt direkt zur Empore der Kapelle.

Aufgaben und Tätigkeitsfelder

Die Zonser Franziskanerinnen übernahmen vielseitige Aufgaben im Ort:

  • Elementarunterricht: Die Schwestern leiteten den Unterricht in der Mädchenklasse der örtlichen Elementarschule sowie in der gemischten Unterklasse.
  • Pensionat und Externat: Bis zu ihrer Aufhebung im Jahr 1862 wurden ein privates Mädchenpensionat und ein Externat betrieben.
  • Kleinkinderbewahrschule: Ab 1864 betrieben die Schwestern auf Beschluss des Gemeinderats eine "Bewahrschule" (Kindergarten). Hierfür erhielten sie einen jährlichen Zuschuss von 15 Talern unter der Auflage, arme Kinder unentgeltlich aufzunehmen.
  • Waisenhaus: Anstelle des Pensionats und Externats wurde 1862 ein Waisenhaus eingerichtet, in dem zeitweise über 30 Waisenkinder versorgt, erzogen und unterrichtet wurden.

Der Kulturkampf und die Umwandlung zur Pflegeanstalt

Der preußische Kulturkampf in den 1870er Jahren traf die katholische Ordensgemeinschaft in Zons hart. Zum 1. April 1877 mussten die Franziskanerinnen ihre Lehrtätigkeit an der Elementarschule vollständig aufgeben und diese an weltliche Lehrerinnen übergeben. Im jahr zuvor (1876) war das Waisenhaus geschlossen worden.

Mangels Einnahmen aus dem Schulbetrieb beantragte die Vorsteherin Agnes Heyermann bei der preußischen Regierung die Genehmigung zur Einrichtung einer Krankenpflege. Während das Gebäude für eine allgemeine Krankenpflege als ungeeignet eingestuft wurde, erteilten die Behörden kurz darauf die Erlaubnis zur Aufnahme von geistig behinderten Frauen und Kindern. Im Adressbuch von 1879 wird die Zonser Niederlassung als Anstalt zur Aufbewahrung unheilbarer weiblicher Irren aufgeführt.

Auflösung der Niederlassung (1882)

Wegen Platzmangels in Rheinturm und Zollhaus und nachdem die Generaloberin in Heythuysen einen Erweiterungsbau abgelehnt hatte, wurde die Zonser Niederlassung 1882 in das größere Kloster St. Bernhardin in Kapellen verlegt. Am 28. Februar 1882 verließen die Franziskanerinnen Zons. St. Bernhardin bestand als klösterliche Einrichtung bis 1995.

Der Garten der Schwestern am Herrenweg samt dem Gartenpavillon wurde im August 1882 von der Pfarre St. Martinus für 1.800,– Reichsmark erworben. Dieses Gelände dient bis heute dem katholischen Kindergarten des Ortes.

Literatur

  • Emsbach, Karl / Tauch, Max: Kirchen, Klöster und Kapellen im Kreis Neuss (= Schriftenreihe des Kreises Neuss, Nr. 13). Köln 1986 (bzw. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, Köln 1992, S. 32–35).
  • Gasten, Elmar / Haas, Reimund / Kolewa, Herbert: Kirchengeschichte und Pfarrarchiv St. Martinus in Zons (Findbuch) (= Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band VIII). Dormagen 1996, S. 31–33 (Abschnitt "Franziskanerinnen in Zons").
  • Gladden, Christa: Die Entwicklung des Schulwesens in Zons seit Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band V (1987), S. 16–40 (behandelt u.a. ausführlich die schulische Lehrtätigkeit der Franziskanerinnen).
  • Hansmann, Aenne: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Mit einem Beitrag von Artur Elicker, Jakob Justenhoven und Herbert Milz. Düsseldorf 1973 (insb. S. 157–159).
  • Kienle, Hermann: Der Rheinturm in Zons mit Turmanlage, Kapelle, Vincentinerinnenhaus und Heimatmuseum. In: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Band II (1984), S. 18–24 (behandelt auch die Erwerbs- und Nutzungsgeschichte durch Elisabeth Kierwald und die Franziskanerinnen).
  • Kohl, Claus: Zons am Rhein – Beiträge zur Geschichte der Stadt Zons. Zons 1904 (insb. S. 98–101 zur Elisenstiftung und der klösterlichen Schule).
  • Otten, Adam: Zons am Rhein. Düsseldorf 1903 (insbes. S. 137–141 zur Schenkung Kierwald und der Niederlassung der Franziskanerinnen).