St. Peter (Ort)
St. Peter ist eine Ortschaft der Stadt Dormagen im Rhein-Kreis Neuss. Der Ort liegt nördlich des Zonser Stadtkerns an der Bundesstraße 9 und entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden industriellen Standort im Zons-Nievenheimer Raum. Östlich von St. Peter liegt die Ortschaft Stürzelberg, südlich der kleine Weiler Nachtigall. Westlich befindet sich die Ortschaft Delrath, im Norden grenzt der Ort an den Rhein sowie an die Stadt Neuss.
Archäologie und Frühgeschichte
Im Vorfeld großflächiger Baumaßnahmen im Gewerbegebiet südwestlich von St. Peter wurden im Jahr 2001 umfangreiche archäologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei konnte eine Hofstelle aus der frühen vorrömischen Eisenzeit (Hallstattzeit) nachgewiesen werden. Der zentrale Befund war eine etwa zehn Quadratmeter große Grube, die ursprünglich zur Entnahme von Lehm als Baumaterial diente und später zur Entsorgung von Küchenabfällen genutzt wurde.
Archäobotanische Analysen verkohlter Pflanzenreste belegten den Anbau von Rispenhirse und Kolbenhirse, Dinkel, Emmer und Gerste. Zudem wurden Knochen von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen gefunden, was auf eine vielseitige Landwirtschaft der damaligen Bewohner hindeutet.
Geschichte und Verwaltung
St. Peter gehörte seit 1815 zur Bürgermeisterei und zur Stadt Zons im Kreis Neuß. Historisch war der Ort Teil des Amtes Zons und bildete zusammen mit Stürzelberg, dem Grind und dem Heckhof den nördlichen Teil des Zonser Gemeindegebiets.
Im Jahr 1848 war der Ort noch sehr klein und bestand lediglich aus einem Wohnhaus mit acht Einwohnern. Für das Jahr 1861 wird St. Peter statistisch gemeinsam mit Stürzelberg und dem Heckhof erfasst; die Gesamteinwohnerzahl dieser Gemeindeteile betrug damals 978 Personen.
Administrativ war St. Peter bis zur kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 Teil der Stadt Zons und wurde anschließend Teil der neugebildeten Stadt Dormagen. Kirchlich gehörte St. Peter zur Pfarrei St. Martinus in Zons.
Wirtschaft und Industrie
Die industrielle Entwicklung von St. Peter wurde maßgeblich durch die Gründung der Industriebahn Zons-Nievenheim G.m.b.H. im Jahr 1911 forciert, die das Areal an das überregionale Schienennetz anschloss. 1914 entstand westlich von St. Peter die spätere Stürzelberger Hütte, wo zunächst Erze gelagert wurden.
In der Folgezeit siedelten sich zahlreiche Betriebe an der Bundesstraße 9 und im weiteren Ortsgebiet an:
- Das Hobel- und Imprägnierwerk der Firma Höttger-Waldthausen (später Rütgerswerke AG) wurde ab 1911 errichtet und verfügte über eine eigene Krahnanlage am Rhein.
- Die Firma Winkels & Co. GmbH produzierte vor Ort Holz, Kohlen und Baumaterialien.
- Zwischen Nachtigall und St. Peter befand sich von 1925 bis 1963 die Rußfabrik Gottfried Wegelin.
- Im Jahr 1954 errichtete die Beton- und Monierbau AG (Düsseldorf) einen Bauhof mit Fabrikationsanlagen an der Bundesstraße 9.
- Ab 1962 siedelten sich die Deutschen Pentosin-Werke in St. Peter an.
- 1979 wurde der Grundstein für AEG Telefunken in St. Peter gelegt.
Weitere ansässige Unternehmen waren die Kalksandsteinfabrik Schnüge, die Firma Yokogawa Electrofact GmbH sowie das Betonwerk Rhebau. Die verkehrsgünstige Lage an der Bundesstraße 9 führte zudem zur Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben wie der Tankstelle Rheinpreußen und der Fernfahrerraststätte Kalli's Truck Stop.
Im August 1985 kam es auf dem nördlich von St. Peter gelegenen ehemaligen Gelände einer Zinkhütte nahe dem Silbersee zu einem Giftskandal.
Verkehr
Durch St. Peter verläuft die Bundesstraße 9. Im Westen grenzt der Ort an die Bundesautobahn 57.
Einwohner
| Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 1848 | 8 |
| 2015 | 413 |
Quellen und Literatur
- Stephen Schröder/Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt. Sankt Augustin 2023
- Aenne Hansmann/Margret Wensky: Rheinischer Städteatlas Zons. 2. Aufl. Köln 1990
- Karl Emsbach: Zons – Portrait einer alten Stadt. Dormagen 2000
- Jost Auler: Stürzelberg. Ein Lesebuch von Rheinfischern, Getreideschmugglern und Galgenvögeln. Dormagen 2005
- Werner Lisken (Bearb.): Die Familien der historischen Stadt Zons und der katholischen Pfarre St. Martin von 1664 bis 1900. Köln 2014
- Herbert Milz: St. Aloysius Stürzelberg. 150 Jahre Kapelle und Kirche an der Oberstraße. Dormagen 1988