Eisbrecher
Der Eisbrecher ist ein wehrhafter Turm der Stadtbefestigung von Zons. Er bildet den südöstlichen Eckpunkt des der Burg Friedestrom vorgelagerten Zwingers und gilt als markantes Element der rheinseitigen Befestigungsanlagen.
Architektur und Baugeschichte
Der Eisbrecher wurde als starker Sicherungsturm in der äußersten Südostecke der Burganlage errichtet. Als erstes Bauelement eines tieferen, zweiten Zwingers vor der Südmauer diente er der Flankierung und dem Schutz des dortigen Tores.
Baulich ist der Eisbrecher als zweigeschossiger Dreiviertelturm ausgeführt. Sein nach innen offenes Viertel folgt dem architektonischen Vorbild der Kölner Flankentürme an den Stadttoren. Ein baugleiches Pendant in Zons ist der diagonal gegenüberliegende Krötschenturm in der Nordwestecke der Stadtbefestigung. Die rund 1,30 Meter starke Turmmauer besteht in ihrer Grundsubstanz vollständig aus Basalt; vereinzelte Tuffsteine sind das Ergebnis späterer Rekonstruktionen. Zum alten, originalen Bestand gehören hingegen die schlüssellochartigen Schießscharten, die in Trachyt gefasst sind.
Eine bauliche Besonderheit zeigt sich an der Ostseite des Turms: Im untersten Geschoss weicht das Mauerwerk von der Rundung ab und ist zum Rhein hin abgeflacht und mit repräsentativen Trachytblöcken aufwendig gestaltet.
Historisch wies der Eisbrecher wohl keinen spitzen Dachabschluss auf. Der Kupferstich von Braun und Hogenberg aus dem Jahr 1575 zeigt stattdessen eine offene Plattform mit einem Zinnenkranz. Im Zuge späterer Restaurierungen wurde der obere Mauerteil mehrfach abgetragen, sodass der Turm heute flach abschließt.
Vom Südturm aus verläuft eine rund 29 Meter lange Verbindungsmauer im spitzen Winkel nach Südosten auf den Eisbrecher zu. Sie wurde in einer späteren Bauphase – möglicherweise als Ersatz für eine erste, provisorische Mauer – errichtet und besteht im unteren Teil aus Basalt mit Backsteinlagen, während der obere Bereich rein aus Backstein aufgeführt ist.
Funktion
Die primäre Aufgabe des Turms bestand darin, die im Winter flussabwärts treibenden Eisschollen des Rheins zu brechen. Dadurch sollten die weniger widerstandsfähigen Abschnitte der Stadtmauer vor mechanischen Beschädigungen durch den Eisgang geschützt werden.
Darüber hinaus hatte der Turm eine strategische Bedeutung für den ehemaligen Hafen. Da der Rhein früher unmittelbar an der Süd- und Ostseite der Stadt vorbeifloss, bot der Bereich hinter dem Eisbrecher eine geschützte Rinne, die als Anlandestelle für Schiffe genutzt werden konnte. Die auffällige Abflachung der Turmmauer an der Ostseite erfüllte zudem eine wichtige Schutz- und Kontrollfunktion für den landseitigen Verkehr: Unmittelbar vor dem Turm verlief der Treidelpfad. Obwohl die flache Mauerform dem Rheineis und Treibgut prinzipiell eine größere Angriffsfläche bot als eine Rundung, wurde sie bewusst gewählt, um den Pfad an dieser Stelle militärisch zu sichern. Mehrere Bohrungen in den Trachytblöcken weisen darauf hin, dass hier bei Bedarf ein eisernes Gitter angebracht werden konnte, um den Treidelpfad komplett zu sperren.
Spuren der Treidelschifffahrt
Ein besonderes historisches Merkmal des Eisbrechers sind die deutlichen waagerechten Einkerbungen im Trachytgestein seines Sockels. Diese Rillen entstanden über Jahrhunderte hinweg durch die schleifende Wirkung schwerer Treidelseile. Mit diesen Seilen wurden Schiffe mittels menschlicher oder tierischer Kraft den Rhein aufwärts gezogen und dabei um die Ecke der Befestigungsanlage in den Schlosshafen manövriert. Die Spuren belegen die einstige Bedeutung von Zons als zentrale Zollstätte, an der jedes rheinaufwärts fahrende Schiff anlegen und Abgaben entrichten musste.
Erhaltungszustand und Instandsetzung
Der Turm wurde im 20. Jahrhundert mehrfach restauriert, um seine Substanz zu sichern. Im Jahr 1966 wurde der obere Abschluss des Turms im Zuge von Instandsetzungsarbeiten vereinheitlicht. Eine weitere Maßnahme erfolgte im Jahr 1980, bei der das Mauerwerk auf eine "kernige Höhe" abgebrochen und anschließend um etwa 0,30 m neu aufgemauert wurde.
Quellen und Literatur
- Marion Roehmer: Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung, in: Stephen Schröder / Thomas Schwabach (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 70–123
- Karl Emsbach: Zons – Portrait einer alten Stadt. Dormagen 2000
- Aenne Hansmann: Geschichte von Stadt und Amt Zons. Düsseldorf 1973
- Marion Roehmer: Burg Friedestrom in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung. Köln 1998
- Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuss. Düsseldorf 1895