Windmühle

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Die Zonser Windmühle von Westen 1904.
Die Mühle aus nordwestlicher Richtung.
Die Mühle aus östlicher Richtung.

Die Zonser Windmühle, ein siebengeschossiger Bau vom Typ einer Bärwindmühle, ist der südwestliche Eck-Wehrturm der Stadtbefestigung. Sie wurde seit dem Spätmittelalter mehrfach umgebaut und war bis 1907 in Betrieb. Heute ist sie ein Baudenkmal.

Baubeschreibung und Bauentwicklung

Allgemeine Beschreibung

Ein Gutachten von Dick Zweers aus dem Jahr 2011 (s.u.) gibt den aktuellen Forschungsstand zur Baugeschichte wieder. Aufgrund dieser Untersuchung wird im Folgenden der Baukörper und seine Entwicklung dargestellt.

Die 23,65 m hohe Zonser Mühle befindet sich in der südwestlichen Ecke der Stadtmauer - wie für feudale Mühlen üblich, in der Nähe der Schlossanlage. Durch die südwestliche Lage konnte man die Hauptwindrichtung ausnutzen. Da keine Quellen zur Erbauung der Mühle existieren, ist eine exakte Altersbestimmung nicht möglich. Wahrscheinlich wurde die Mühle zusammen mit der sie umgebenden Stadtmauer bereits zwischen 1380 und 1400 errichtet, und zwar als Mühle und gleichzeitig als Wehrturm. Erste sichere urkundliche Quellen zur Mühle datieren in die Mitte des 15. Jahrhunderts[1], aber bereits 1388 ist Henneken Molnere van Valkenburg belegt, der für einen Erbzins von 5 schweren Goldgulden ein Haus des Erzbischofs in Zons pachtete.[2] Letzteres ist ein starkes Indiz dafür, dass die Mühle bereits 1388 in Betrieb war, und der genannte Henneken Molnere van Valkenburg war dementsprechend vermutlich der erste Mühlen-Pächter.

Bei der Zonser Mühle handelt es sich um eine ursprüngliche Turmmühle, die später mehrfach umgebaut und dem Stand der Technik angepasst wurde. Die Turmmühle ist von der Holländerwindmühle zu unterscheiden. Letztere geht sehr wahrscheinlich auf die Turmmühle zurück, wobei beide Mühlentypen eine drehbare Haube auf Rollenlager besitzen. Die Turmmühle war eine Zwischenstufe in der Entwicklung von der Bockwindmühle zur Mühle mit drehbarer Haube. Die ursprüngliche Form und Aufteilung der Zonser Mühle weist auffällige Parallelen zu anderen Turmmühlen (z.B. zur gräflichen Mühle in Zeddam, Niederlande) auf. Turmmühlen lassen sich vom Niederrhein bis zur Nordsee nachweisen.

Die Turmmühle ist eine vollständig oder nahezu vollständig zylindrisch gemauerte steinerne Mühle mit drehbarer Haube und innerem Krühwerk mit Zahnrädern und einem Mauerkranz. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatten die Turmmühlen ihren Ursprung in der Gegend von Calais (Frankreich) und Dover (Großbritannien). Im niederrheinischen Gebiet, zwischen Kleve und Köln, hat sich bereits früh eine besonderer Variante dieses Mühlentyps als Nachfolger herausgebildet: Im 15. Jahrhundert lassen sich hier vielfach Turmmühlen nachweisen, bei denen die drehbare Haube von hölzernen Rädern oder Rollen auf einem an der Mauerkrone fixierten Ring getragen wird.

Im Vergleich zu anderen Mühlentypen (v.a. Bockwindmühlen) kommt der Typ der Zonser Windmühle relativ selten vor, da die Errichtung besonders kostenintensiv war. So besaßen reiche Städte wie Köln oder Kleve nur zwei bzw. drei Mühlen dieses Typs. Ihre Verbreitung wurde durch territoriale bzw. kriegerische Auseinandersetzungen im 14./15. Jahrhundert begünstigt. Von den ca. 60 nachgewiesenen Turmmühlen am Niederrhein sind lediglich vier weitgehend erhalten geblieben: am besten die Mühle in Zeddam, Niederlande, gefolgt von der in Werth, Isselburg, an dritter Stelle die Zonser Mühle und schließlich die in Walbeck. Daneben existieren nur noch erheblich umgebaute Mühlen dieses Typs.

Äußeres Mauerwerk der Mühle aus nordwestlicher Richtung.
Blick in den Schacht des Sackaufzugs.
Zugang zur Wehrgang-Treppe.
Der Zugang zum Wehrgang bzw. zur Mühle.

Die Zonser Mühle ist mit Basalt, Tuffsteinen und (nach oben zunehmend) Ziegelsteinen gemauert. Dies entspricht dem Aufbau der südlichen Stadtmauer. Die Form ist überwiegend zylindrisch, wobei eine offensichtlich jüngere Aufstockung mit Mauerziegeln erfolgte. Entsprechend der Funktion als Wehrturm, weist das Mauerwerk an der stadtabgewandten Seite mehrere Schlitz-Schießscharten auf. Reste von Putz neben dem Eingang des Erdgeschosses (Verlies) könnten darauf hindeuten, dass die Mühle ehemals außen verputzt war. Die steinerne Treppe an der südlichen Stadtmauer, die zur Mühle führt (32 Stufen), wird teils von einem Gewölbe überspannt, wie es bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts üblich war. An der Nordostseite der Mühle ist relativ spät, 1691, ein Schacht gemauert worden, der vom Straßenniveau bis zum Kappboden reicht. Für diesen musste das Mauerwerk ausgebrochen werden. Die Galerie war ursprünglich deutlich breiter. Sie ist im Zuge der Restaurierungsarbeiten 1965/66 (s.u.) schmaler wiederhergestellt worden. Da Spuren einer Tragevorrichtung (Konsolen) für die Galerie im Mauerwerk fehlen, muss sie früher durch vertikal gestellte Stützen getragen worden sein. Die Flügel des Kreuzes sind etwa 24 m lang. Diese Länge ist typisch für ältere Mühlen. Die Ruten sind aus Stahl, die Holzteile aus Lärchenholz und die Windbretter aus Kiefer. Die Flügellänge betrug bis 1909 72 Fuß (ca. 22,60 m), die Breite 7 Fuß (2,13 m).[3]

Innerer Aufbau und Spuren der Bauentwicklung

Erdgeschoss (Verlies)

Zugang zum Sackaufzug bzw. ehemaligen Mehllager.
Deckengewölbe mit ursprünglichem Zugang zum Verlies.

Das Erdgeschoss mit dem Verlies ist aus Basalt, Tuff und Feldbrandsteinen gemauert. Die nordöstliche Tür ist in Trachyt umrahmt, wobei die obere Schwelle und der krönende Bogen fehlen. Der linke Türrahmenstein weist Wetzrillen auf, wie man sie von vielen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bauwerken kennt. Ganz sicher sind diese Rahmenteile hier 1873 im Zuge der Schaffung des neuen Zugangs (Durchbruch des 2,35 m mächtigen Mauerwerks) eingemauert worden. Der obere Türrahmen ist aus Holz ausgeführt. An diesem Balken sind deutlich Schleifspuren der Seile zu sehen, an denen seit 1691 die Säcke gezogen wurden. An beiden Seiten der Tür finden sich kleine Nischen, die für den Sackaufzug dienten. Ein in Feldbrandsteinen gemauertes Kuppelgewölbe mit einem rechteckigen, mit Trachytsteinen umrahmten Loch bildet den oberen Abschluss des Raumes. Dieses Loch war ursprünglich der einzige Zugang. Ein Lichtschacht verläuft von innen gesehen rechts der Tür schräg nach oben durch das Mauerwerk. Er ist außen mit einem Gitter versehen. Der Boden des Raumes war ursprünglich deutlich niedriger, wie ein Vergleich mit dem Verlies und Lichtschacht des Juddeturms zeigt. Der Müller Martin Schmitz hat den Boden 1873 nach Durchbruch des neuen Zugangs mit Kies angefüllt, um den Raum als Mehllagerraum nutzen zu können.[4]

Zweites Geschoss

Eingang zur Mühle im zweiten Geschoss. Der Trachytrahmen deutet auf eine Erbauung noch im 14. Jahrhundert hin.

Das zweite Geschoss, auf dessen Niveau sich ursprünglich die Galerie befand, diente stets als Eingangsraum der Mühle und seit der Aufstockung als Lagerraum. Die Wände sind überwiegend aus Tuff und Basalt gemauert. Jeweils südöstlich und südwestlich findet sich eine Fensternische. Deren Stürze sind aus Trachyt gemauert und liegen in so großer Höhe, dass die sie überspannenden Backsteinbögen über das heutige Deckennieveau hinaus ragen. Die Decke ist demnach später auf das heutige Niveau abgesenkt worden. Beide Fensternischen weisen in den unteren Ecken Fugen auf, deren Funktion unklar ist. An zahlreichen Stellen des Raumes finden sich Reste von Kalkputz. Der Eingang befindet sich an der Ostseite, erreichbar über den Wehrgang der südlichen Stadtmauer, der über eine westwärts ansteigende Treppe mit Rundbogen-Gewölbe zu erreichen ist. An der Innenseite der Tür (diese ist relativ jung) sind vier Haken angebracht, die zum Versperren gedient haben. Eine schmalere Tür an der Nordwestseite ist nicht mehr vorhanden, jedoch der Rahmen, der hier wohl sekundär angebracht worden ist. Beiderseits finden sich im unteren Bereich Konsolen aus Trachyt. Bauspuren deuten darauf hin, dass sich hier urprünglich ein Naturstein-Rahmen befunden hat. Möglicherweise war dort ursprünglich ein Wehrerker. Jedenfalls befand sich hier vor der Aufstockung der Mühle ein zweiter Durchgang zur Galerie.

An der Nordostseite des Geschosses ist gut erkennbar, dass der Schacht für den Sackaufzug ausgebrochen und wieder zugemauert worden ist. Der Fußboden wurde um 35 cm abgesenkt und das Gewölbe ausgebrochen. Das ursprüngliche Bodenniveau lässt sich an den Mauern ablesen. Über dem Gewölbe war wohl ursprünglich ein hölzerner Boden eingelassen (da die Säcke auf Steinböden leichter verschleißen und reißen konnten). Mit der Aufstockung der Mühle hat man auch das Gewölbe über der Eingangstür ausgebrochen. Die Decke besteht aus sechs beschlagenen Nadelholzbalken in Ost-West-Richtung. Oberhalb des Treppenaufgangs zum dritten Geschosses ist ein Teil eines früheren Flügelkreuzes (Rute) eingearbeitet.

In diesem Geschoss wird in Analogie zu anderen Turmmühlen eine frühere Herdstelle vermutet.

Mühlenmodell im zweiten Geschoss.

In dem Raum steht ein Modell der Mühle im Maßstab 1:20, das 1981 von Auszubildenden der Lehrwerkstatt der Bayer AG Dormagen hergestellt und der Stadt geschenkt worden ist.

Drittes Geschoss

Auch im dritten Geschoss sind die Wände überwiegend aus Basalt und Tuff gemauert. Kalkputzreste finden sich im gesamten Raum. Die Backsteinbögen der Fensternischen aus dem unteren Geschoss ragen in den Raum. Genau über der Eingangstür des zweiten Geschosses befindet sich die Tür zur Galerie, deren Trachytumrahmung spätmittelalterlich ist, vermutlich hier jedoch sekundär eingemauert worden ist. Das umgebende Tuffmauerwerk (große Blöcke) mit dem Backsteingewölbe (in das vierte Geschoss ragend) lassen ein höheres Alter vermuten. Da das Decken- bzw. Bodenniveau ursprünglich ein anderes war, kann sich hier ursprünglich keine Tür zur Galerie befunden haben. Vier Haken an der Tür dienten zum Versperren. Der nordöstlich gemauerte Sackaufzug besteht hier hauptsächlich aus Tuff. Noch vorhandene Balkenlöcher lassen darauf schließen, dass die ursprünglichen Bodenbalken, etwa 60 cm über dem heutigen Niveau, nord-südlich ausgerichtet waren. Die fünf Deckenbalken aus Nadelholz verlaufen etwas schräg in Ost-West-Richtung. Die Treppe zum vierten Geschoss datiert wahrscheinlich wie die Decke in die Zeit der Mühlen-Aufstockung (1832/33).

Viertes Geschoss (Mehlboden, Beutelwerkkammer)

Das vierte Geschoss war der Mehlboden, wo das im Geschoss darüber mittels Mahlsteinen gemahlene Mehl in die Säcke eingelassen wurde. Die Wände des fensterlosen Raumes sind aus Basalt mit jeweils zwei Backsteinlagen dazwischen gemauert. Tuff findet sich hier nur sehr wenig. Auch die Wände in diesem Geschoss weisen Reste von Kalkputz auf. Das Backsteingewölbe der Galerietür des dritten Geschosses ragt in den Raum. Auch die Bögen der Fenster aus dem dritten Geschoss liegen über dem Bodenniveau (der westliche Bogen ist in jüngerer Zeit bei Ausbesserungen am Mauerwerk entfernt worden). Das ursprüngliche Bodenniveau lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Der Sackaufzug ist im vierten Geschoss ganz offen, da hier die gefüllten Mehlsäcke eingelassen wurden. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle eine Türnische. Deren Seitenwände dienten seit 1691 als Wände für den neu ausgebrochenen Schacht, der aus Backsteinen gemauert ist. Der Schacht war notwendig geworden, da man das Innengetriebe infolge des gestiegenen Umsatzes vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert erweitert hatte (Erhöhung der Zahl der Mahlsteine). Aufgrund der beweglichen Haube war es nicht möglich, die Säcke mittels Windkraft hochzuziehen. So mussten die Säcke ursprünglich von Hand über Rollen hochgezogen werden. Mit dem Ausbrechen des Schachtes hatte man die Möglichkeit, die Säcke mittels Windkraft hochzuziehen.

Teilweise sind noch Mechanikteile erhalten geblieben, mit denen der Müller die oberen zwei Mahlsteine minimal senken und heben konnte (Hebestock), wie auch die Pfeifen, über die das Mehl in die angehängten Säcke fiel. An der Ostseite findet sich eine nicht mehr vollständige Mehlpfeife. Der Passbalken (Balken, auf dem sich der Mahlstein drehte) des südlichen Mahlsteinpaares ist ein krummer Balken, der ursprünglich eine Dachkonstruktion trug, hier also ebenfalls sekundär eingebaut worden ist. Er muss nicht zwangsläufig von der Mühle stammen. Ein sehr ähnlicher Balken findet sich über der Nische zum Sackaufzug in der Decke. Beide Balken hat man 1691 im Zuge der Erweiterung des Innengetriebes eingebaut. Die Treppe zum fünften Geschoss ist relativ jung.

Der Mehlboden ist durch eine Fachwerkmauer vom Lagerraum getrennt. An dieser Mauer findet sich die Inschrift bzw. Datierung "1816". Wahrscheinlich ist diese Trennmauer erst im Zuge der Wiederherstellung der Mühle 1965/66 entstanden, wobei man ältere Teile anderer Bauwerke wiederverwendete. Rechts der Wand ist eine der Form nach spätmittelalterliche Trachytkonsole eingemauert. Ihr Pendant findet sich an der Südwand. Der Mauerverband lässt erkennen, dass diese Konsolen hier sekundär vermauert worden sind. Die Oberseite der Konsolen liegt ca. 160 cm über dem gegenwärtigen Bodenniveau, die Decke 290 cm. Auf beide Konsolen hat man sechs Backsteinschichten aufgemauert, die den Querbalken zur Stützung der Deckenbalken tragen.

Wenn der Mittelbalken, wie zu vermuten ist, ursprünglich direkt auf den Konsolen geruht hat, dann war der Zwischenraum zwischen Balken und Decke ausreichend, hier ein Stirnrad anzubringen, wie es sich heute im fünften Geschoss befindet. Den Boden des fünften Geschosses muss man sich dazu etwas höher liegend vorstellen. Wenn man an Stelle des Mittelbalkens das untere Lager der Königsspindel annimmt und dafür die Länge der heutigen Königsspindel nimmt, dann kommt das obere Lager genau auf dem Niveau zu liegen, auf dem sich der obere Lagerbalken in der drehbaren Kappe befunden hat. Hiermit stimmt auch das Niveau des kreisförmigen Bodenrings überein, auf dem sich das Rollenlager der Kappe bewegte. Die Königsspindel reichte ca. 40 cm darüber, und dies entspricht auch dem heutigen Abstand. Somit lässt sich die Situation der Mühle vor der Aufstockung rekonstruieren.

Fünftes Geschoss (Steinboden)

Die beiden Mahlgänge im fünften Geschoss.

Das fünfte Geschoss ist der sogenannte Steinboden, da sich hier die Mahlsteine befinden. Die Mauern sind hauptsächlich aus Backstein, und an einigen Stellen finden sich Reste von Kalkputz. Mit Ausnahme der Konsolen unter dem ehemaligen Krühwerk fehlen hier Trachytelemente. Die Fensternischen weisen im Gegensatz zu den anderen Geschossen keine Stürze auf. Es besteht auch in diesem Geschoss eine offene Verbindung zum Sackaufzug, der hier endet. Auch ursprünglich befand sich hier der Steinboden, der allerdings nur ein Mahlsteinpaar in der Mitte hatte, das mittels Zwischenantrieb durch das Achsenrad angetrieben wurde. Mit der Vergrößerung des Innengetriebes um 1695 auf zwei Mahlsteinpaare hat man das Bodenniveau etwas abgesenkt, wahrscheinlich, weil das Stirnrad zwischen Stuhlbalken und Decke etwas mehr Platz beanspruchte. Mit der Aufstockung 1832/33 wurde das teils erneuerte Innengetriebe komplett wieder etwas höher gelegt. Das zwischenzeitliche Bodenniveau lag maximal 35 cm unter dem heutigen, da die Unterseiten der Fensternischen 45 cm über dem gegenwärtigen Bodenniveau liegen. Somit liegt das heutige Bodenniveau nur wenige Zentimer über dem ursprünglichen.

Die nordöstliche Tür ist wahrscheinlich 1965/66 erneuert worden. Jeweils nordwestlich und südwestlich befindet sich eine Fensternische mit Backsteinbogen, aber ohne Schwelle. Diese Nischen sind sicher bereits vor dem Umbau 1691 vorhanden gewesen. Die rechte der Nischen, am Schacht gelegen, weist Ausbesserungen auf, die wahrscheinlich im Zuge der Aufstockung entstanden sind. Der Schacht ist hier in das Mauerwerk ausgebrochen worden. Vorher hatte hier eine Nische mit Außentür bestanden, die oben mit einem Backsteinbogen abgeschlossen war. An dieser Stelle wurden ursprünglich die Mehlsäcke hinausbefördert. Unterhalb hat sich das Krühwerk befunden. Dass man das Gewölbe mit dem Herausbrechen des Schachtes abgebrochen hat, belegt ein quergestellter Balken, der dendrochronologisch auf das Jahr 1695 datiert werden konnte. Die linke Ecke des Balkens ruht auf einem schweren Ständer aus Eichenholz. Letzterer verjüngt sich nach oben. Es handelt sich um die obere Hälfte eines Brustkreuzes, also des Mittelteils einer der beiden früheren Flügelkreuz-Ruten. Die Oberseite der nordwestlichen Fensternische liegt 140 cm über Bodenniveau. Auf halber Höhe links über der Fensternische liegt ein Eichenbalken auf einer spätmittelalterlichen, hier sekundär eingemauerten Konsole. Von Nordost auf Südwest durch den Raum gehend, liegt die Oberkante des Balkens 225 cm über dem Bodenniveau bzw. fast 100 cm unter der Decke. Die südöstliche Stützvorrichtung macht einen primitiven Eindruck; links darunter befinden sich ein Holzrahmen und dahinter eine Nische. Auffälligerweise verläuft der Balken nicht durch die Raummitte, sondern etwas südwestlich versetzt. Mittig verläuft ein zweiter, wohl jüngerer Eichenbalken rechtwinklig auf selber Höhe auf diesen zu. Genau mittig zu diesen Balken ruht das Unterlager der Königsspindel. Die hintere Nische mit Umrahmung ist zwar eindeutig später entstanden, aber sie hat sicher bereits bestanden, als der Mittelbalken angebracht wurde. Die ursprüngliche Funktion ist unklar. Offensichtlich war die Mauer aufgrund der Nische zu schwach, um den Balken tragen zu können, weshalb man einen Eichenbalken in sekundärer Verwendung über die Nische legte und direkt darüber die Trachytkonsole anbrachte, um den Mittelbalken zu stützen. Die leicht versetzte Lage des Balkens lässt sich mit der ursprünglichen Lage der Königsspindel mit den Mahlsteinen im unteren Geschoss erklären.

Östlich, neben dem Treppenaufgang vom vierten zum fünften Geschoss, ist eine kuppelförmige Nische von ca. 130 cm Höhe ausgebrochen. Auf dem Boden des Raumes findet sich eine kreisrunde, mehrteilige Eisenplatte, deren Mitte recht weit von der Mitte des Raumes entfernt liegt. Um diese Platte auf den Boden setzen zu können, hat man eigens einen größeren Teil der Mauer ausgebrochen. Offenbar wurden in diesem Bereich die schweren Mahlsteine bearbeitet, und die Metallplatten dienten zum Schutz des Holzbodens.

Im fünften Geschoss besteht die Decke aus Nadelholzbalken, die ost-westlich ausgerichtet sind. An ihr sind die oberen Lagerbalken für die Mahlsteine befestigt. Da die ursprüngliche Mauerkrone mit dem Holzring, auf dem sich die Haube drehte, ca. 60 cm unterhalb der heutigen Decke lag, war diese Decke ursprünglich nicht vorhanden. Bauspuren lassen die ursprüngliche Konstruktion des Innenkrühwerks erkennen, auch wenn der ursprüngliche Konsolen-Zahnkranz im Zuge der Aufstockung fast vollständig entfernt worden ist; nur noch eine Konsole befindet sich an der ursprünglichen Stelle, eine weitere ist auf derselben Ebene schräg neu eingesetzt worden. Die verbliebenen Konsolen wird man für die Befestigung des Baugerüstes zur Aufstockung 1832/33 verwendet haben. Der Zahnkranz bestand ursprünglich aus 15 Konsolen: Auf zwei Eichenkonsolen folgte jeweils im Wechsel eine Steinkonsole. Sieben Eichenkonsolen hat man an der Oberseite des Mauerwerks (Kappboden, sechstes Geschoss) wiederverwendet. An der Ostseite befinden sich zwei vertikale Fugen im Abstand von 80 cm, deren Funktion unklar ist. Die heutige Treppe zum Kappboden entstand wahrscheinlich zum Zeitpunkt der Aufstockung.

Sechstes Geschoss (Leuboden)

Das sechste Geschoss ist der Leuboden. Das sich konisch nach oben verjüngende Backsteinmauerwerk mit abwechselnden Läufer- und Binderlagen ist weniger mächtig als in den unteren Geschossen ausgeführt. Minimal versetzt findet sich in jeder Himmelsrichtung je eine Fensternische. Deren krönende Backsteinbögen sind jeweils einen Stein hoch gemauert.

Das Rollenlager der Mühle. Mittig ist die Schleuse zum Auswechseln defekter Rollen zu sehen.

15 Ulmenholzblöcke tragen einen unteren Holzring, der mit dem Mauerwerk fest verbunden ist und auf dem das Rollenlager aufliegt. Ein hoher stehender Holzring außen umgibt das eigentliche Rollenlager, das sich zwischen zwei schmaleren Ringen ("Rollenwagen") befindet. Auf dem oberen dieser inneren Ringe liegt die Haube auf. An der Südostseite findet sich eine sogenannte Rollenschleuse: eine Aussparung im Mauerwerk, durch die kaputte Rollen ausgetauscht werden konnten. Sieben der fünfzehn stützenden Holzblöcke weisen eine Fuge auf, was auf ihre sekundär Verwendung hinweist. Ursprünglich drehte sich die Haube auf 39 Ulmenholzkugeln in einem Führungs-Lager aus Ulmenholz. Aufgrund der starken Abnutzung wurden die Kugeln 1886 durch Ulmenholz-Walzen ersetzt, die durch den bestehenden Führungsring auf Abstand gehalten wurden.[5]

Siebtes Geschoss (Kappboden)

Die Gestalt der Haube ist typisch für Holländermühlen, wobei die Zonser Mühle mit horizontalen Balken zwischen den stehenden Sparren eine regionale Besonderheit aufweist, die auch im Süden der Niederlande vorkommt: Die Seiten sind fast flach, der First parallel zur Flügelachse. Wie die dendrochonologischen Untersuchen belegten, ist die Haube mit dem Oberring bei der Aufstockung weitestgehend komplett übernommen worden. Zwei Stützbalken befinden sich unter dem Träger des Flügelachsenkopfes, und ein besonderer Querbalken liegt zwischen den Fußbalken am Ende der Flügelachse. Beides ist charakteristisch für Turmmühlen, und Letzteres für Holländermühlen ungewöhnlich. Besonders auffällig ist, dass alle Holzverbindungen zwischen den Fuß- und den Radialbalken durch große Belastungen beim Krühen gebrochen sind. So große Belastungen sind typische Erscheinungen bei Innenkrühwerken. Dementsprechend hat man bei der Aufstockung der Mühle um 1833 das ursprüngliche Kugel- bzw. Rollenlager mit allen noch brauchbaren Teilen der Haube höher gelegt, wobei der Durchmesser bestehen blieb. Dies machte es möglich, verschlissene Teile unterhalb des Flügelachsenkopfes (ein häufiger Schaden) zu kürzen, da die Breite des Baukörpers durch die konische Aufstockung geringer war. Die Haube konnte damit erheblich kleiner und leichter ausgeführt werden. Mittels des angebrachten Steerts konnte der [[Müller] die Haube nun einfacher drehen.

Inschrift im Kammrad aus dem Jahr 1694.

Um die Flügelachse herum befindet sich ein hölzernes Kammrad, das zugleich als "Bremsrad" diente. Bauspuren lassen erkennen, dass dieses einmal ausgebessert bzw. verändert worden ist. Es trägt die Inschrift "AN(N)O.1694.D(EN) 01. SEbTEMbER M(EISTER).PETRVS.ECKEN.MOLR" (Müller Peter Esken, s.u.). Auffälligerweise sind sämtliche Räder, mit Ausnahme des Stockrads des nordwestlichen Mühlsteinpaares, ähnlich konstruiert. Daher muss das gesamte Innengetriebe 1691 erneuert worden sein. Ursprünglich gingen zwei Kreuzarme durch die Flügelachse. Später hat man diese aus Stabilitätsgründen durch vier neue Arme ersetzt, die um die Flügelachse herum angebracht wurden.

Um das Kammrad verlaufen Bremsbacken aus Weidenholz. Die Bremse konnte von außen wie von innen betätigt werden: Von außen zog der Müller nach dem Prinzip der Turmmühle von der Galerie aus an einem Seil, das, über eine Zwischenrolle an der Seite der Haube geführt, zu einer zylindrischen Trommel lief, die auf dem rechten Fußbalken befestigt war. Ein umgekehrt gewundenes Seil, das am Bremsbalken aufgehängt war, lief um die Achse der Trommel. Dank dieser Konstruktion konnte der Müller die Bremse auch von innen betätigen. Bei der Holländermühle war ein anderer Bremsmechanismus mittels Bremsstange, die aus der Haube ragte, üblich.

Zusammenfassende Darstellung der Bauentwicklung

Bauphasen der Zonser Mühle in einer Übersicht von Dick Zweers: um 1390, um 1694 und um 1835.

Zusammenfassend lassen sich für die Zonser Mühle drei Bauphasen rekonstruieren:

  • Erste Phase (1380/1400-1691): Die Mühle ist mit dem Bau der Stadtmauer zwischen 1380 und 1400 als viergeschossige (inkl. Verlies im Erdgeschoss) Turmmühle mit drehbarer, zipfelförmiger Haube und Innenkrühwerk errichtet worden. Sie diente gleichzeitig als Wehrturm, mit Verlies im Erdgeschoss, das nur über eine Öffnung in der Decke zugänglich war. Der Sackaufzug erfolgte manuell durch zwei Außentüren an der Nordostseite oberhalb der Galerie: Durch die obere wurden die Getreidesäcke hineingezogen, durch die untere die Mehlsäcke hinab befördert. Es gab nur ein Mahlsteinpaar im obersten Geschoss. Der Zugang zur Mühle erfolgte vom Wehrgang aus über das zweite Geschoss, auf dessen Höhe sich die Galerie (auf vertikalen Balken ruhend) befand, darüber war der Mehlboden und darüber der Steinboden.
  • Zweite Phase (1691-1832/33): 1691 erfolgte ein größerer Umbau zwecks Erhöhung des Umsatzes. Das Innengetriebe wurde auf zwei Mahlsteinpaare ausgeweitet, und es wurde unter Nutzung der bestehenden Türnischen ein Sackaufzug ausgebrochen bzw. angebaut, über den die Säcke fortan mechanisch (mittels Windantrieb) befördert werden konnten.
  • Dritte Phase (1832/33-heute): 1832/33 wurde die Mühle zur sogenannten Holländerwindmühle umgebaut. Hierbei erfolgte eine Aufstockung, bei der auch die Böden zwecks neuer Raumaufteilung versetzt und die Kappe mit dem Innengetriebe in den konisch aufgemauerten Leu- bzw. den darüber befindlichen Kappboden höher gelegt wurden. Die Haube, die nun wesentlich kleiner und leichter war, konnte mittels des angebrachten Außenkrühwerks in den Wind gedreht werden. Im Erdgeschoss erfolgte später (1873) ein Durchbruch der Mauer zum ehemaligen Verlies (235 cm Mauerstärke), wo eine Tür eingebaut wurde, um diesen Raum fortan als Mehllagerraum nutzen zu können.

Bei den Umbauarbeiten hat man jeweils Teile der früheren Konstruktion wiederverwendet.

Funktionsweise (letzte Bauphase)

Schematische Darstellung der Windmühle (letzte Bauphase).

Das Flügelkreuz, das im Achskopf an der Flügelwelle verkeilt ist, drehte sich von außen betrachtet gegen den Uhrzeigersinn. Die Flügel sind Segelgatterflügel, bestehend aus zwei Ruten mit angebrachten Gattern und Leisten, auf die der Müller die Segeltücher aus Leinen spannte, die mit rohem Leinöl, vermischt mit einer rotbraunen Ockerfarbe, bestrichen waren. Zum Bespannen der Segel musste der [Müller]] die Flügel besteigen. Je nach Windstärke, musste das Segeltuch aus- bzw. eingerollt werden. Das Drehen der Haube geschah über den Steertbalken, der durch vier Verstrebungen abgestützt wird. Links und rechts von zwei Querbalken, die waagerecht durch die Haube gehen, befinden sich Balken, die unten am Steert befestigt sind. Am unteren Ende des großen Steertbalkens, kurz über der Galerie, befand sich der "Krühstuhl" mit der Haspel (Winde), die mit einer Feststellkette und einem Zugseil versehen war. Durch das Aufwinden der Kette konnte der Steert zu fixen Feststellpflöcken auf der Galerie gezogen und so die Haube bewegt werden.

In der Mitte der Haube ist die 7 m lange und 80 cm dicke Flügelwelle aus grob behauenem Eichenholz, die zum Flügelkopf ca. 15 Grad ansteigt. Die Neigung sollte ein Herausreißen bei plötzlich umschlagendem Sturm verhindern. Zudem wurde so ein Verschleißen der Segeltücher durch zu geringen Abstand zum Mauerwerk verhindert werden. Aufgrund des großen Eigengewichts der Flügelwelle war es nicht notwendig, diese eigens zu befestigen. Die vier Flügelruten sind mit dem Flügelkopf verkeilt, und am hinteren Ende der Welle findet sich ein zylindrischer Eisenbolzen, der in einer Gleitlagerhalbschale aus Blaustein eingelassen ist. Dieses Gleitlager, das in einem Trägerbalken der Dachkonstruktion ruht, musste mindestens einmal täglich mit reinem Pferdefett oder Schweineschmalz geschmiert werden, damit es nicht heißlief oder korrodierte.

Kammrad und Bunkel.

Die unterschiedlichen Teile des Innengetriebes sind je nach Beanspruchung aus unterschiedlichen Holzarten hergestellt: Die Räder des Rollenlagers sind aus Ulmenholz, das nicht spleißt, die Zähne der Zahnräder (Kämme), die besonders stark beansprucht wurden, sind aus Hainbuchenholz. Räder und Getriebe wurden zur Verminderung der Reibung regelmäßig mit Bienen- oder Kerzenwachs geschmiert. Das ca. 3 m im Durchmesser messende Kammrad auf der Flügelwelle hat 65 etwa 50 cm lange Zähne oder Kämme, die in rechteckigen Löchern stecken und von der Rückseite verkeilt sind. Sie mussten alle drei bis vier Wochen mit Bienenwachs eingeschmiert werden und wurden bei Verschleiß ausgewechselt. Vor ihrem Einsetzen hat man die gut getrockneten Zähne eine Stunde in reinem Brunnenwasser gekocht, um sie dauerhafter zu machen.[6] Die zweiteiligen Bremsbacken am Kammrad (oberhalb und unterhalb) sind aus Weidenholz. Indem die obere Bremsbacke bei der Betätigung etwas früher anzog, war gewährleistet, dass die Flügelwelle stabil in den Lagern blieb. Der Müller konnte die Bremse von innen und außen betätigen: Von außen zog er an einem Seil von der Galerie aus, von innen stand ihm ein separates Bremsseil zur Verfügung.

Das Kammrad greift mit seinen Zähnen in die Zähne des Bunkels. Dieser besteht aus zwei Scheiben, zwischen denen die Zähne senkrecht eingesetzt sind. Die Zähne des Stirnrads sind außen. Das Zahnrad des Bunkels sitzt auf der senkrechten Königsspindel. Die Drehbewegung der Flügelwelle wurde über den Bunkel auf die Königsspindel übertragen. Hierdurch konnten in den Geschossen darunter weitere Räder angetrieben werden. Die Könisspindel ist oben im Querbalken unter der Flügelwelle sowie unten im Querbalken unter dem Stirnrad gelagert.

Königsspindel und eines der beiden Spindelräder.
Teil des Leuwerks mit der Welle für den Sackaufzug.

Im Kappboden ist der Sackaufzug mit dem Leuwerk. Dieses besteht aus einer horizontalen Welle, die bis über den Sackaufzug-Schacht reicht, einem Scheibenrad an der Königsspindel (Antriebsscheibe für den Sackaufzug), einem Leurad auf der horizontalen Welle sowie einem Gaffelrad. Das Leurad konnte in das Scheibenrad auf der Königswelle eingekuppelt werden, so dass sich die Kornsäcke mittels Seilzug bis zum Steinboden hochziehen ließen. Auf dem Gaffelrad liegt ein Endlosseil in Einhakösen, mit dem die Welle von Hand gedreht werden konnte, um die Mehlsäcke vom Mehlboden durch den Sackaufzug nach unten zu befördern. Das Stirnrad am Ende der Königsspindel trieb die beiderseits der Königsspindel stehenden Stockräder an, die fest mit der den Mahlgang antreibenden eisernen Spindel verbunden sind.

Im Geschoss darunter (Steinboden) befinden sich die beiden Mahlgänge, jeweils bestehend aus einem runden Basaltlava-Steinpaar: dem fest installierten Bodenstein und dem sich darauf drehenden Läuferstein. Der Läuferstein für das Mahlen von Weizen war mit etwa 45 Zentnern leichter als der für den Roggengang (60 Zentner). Die Mahlgänge umgibt jeweils eine Holzverkleidung (Bütte), die oben eine runde Öffnung aufweist. Über diesen Öffnungen befindet sich jeweils ein hölzerner Aufsatz mit Trichter und Rüttelschuh. Das Korn wurde in die Trichter geschüttet, von wo es durch ein rundes Loch im Läuferstein (Steinauge) zwischen die Steine gelangte. Zwischen Läufer- und Bodenstein war ein geringer Abstand. Das zwischen die Steine rutschende Mahlgut wurde über bogen- und strahlenförmige Furchen in den Steinen, bei Boden- und Läuferstein entgegengesetzt verlaufend, nach außen befördert. Durch die unterschiedliche Ausrichtung der Furchen wurden die Kanten der Getreidekörner aufgeschnitten. Gleichzeitig gelangte über die Furchen Luft zwischen die Steine, wodurch ein Überhitzen des Mehls verhindert wurde. Je nach Mehlsorte hat der Müller die Steine mit einer speziellen Hebevorrichtung (Hebestock, Hebelwerk) minimal gehoben oder gesenkt, was viel Feingefühl, ein gutes Gehör und Erfahrung voraussetzte. Das Hebelwerk, das mit einer vierfachen Übersetzung arbeitete, gestattete es, den Abstand auf bis zu 1/20 mm zu verändern. Bei zu viel Abstand wurde das Mehl zu grob, bei zu geringem konnte es erhitzen, wodurch wertvolle Bestandteile wie Weizenkleber zerstört wurden.

Die je nach Windverhältnissen variierende Umdrehung der Mahlgänge machte es erforderlich, das Mahlgut jeweils der Geschwindigkeit entsprechend zuzuführen. Hierfür gab es an der Spindel zwei Klappspähne, die das Schüttelsieb entsprechend mehr oder weniger rasch in Bewegung setzten, wodurch der Körnerzustrom automatisch reguliert wurde. Das typische Klappergeräusch konnte man in der Umgebung gut hören.[7]

Der schwenkbare Kran zum Heben der Mahlsteine.

Durch plötzliche Windstöße konnten sich die Mahlgänge verlagern. Dann musste der Betrieb stillgelegt werden, um die Steine mit Hilfe von Keilen wieder auszurichten.[8] Es war wichtig, die Steine regelmäßig nachzuschärfen. Hierzu musste der Läuferstein mit einem schwenkbaren Steinkran angehoben, gedreht und seitlich abgelegt werden. Anschließend erfolgte das Nachschärfen mit speziellen Werkzeugen (Pick- und Kraushämmer sowie Steinlehren).

Schütten und Mehlsäcke.

Das Mehl gelangte durch die Mehlrutsche über die Schütte in den angehängten Mehlsack. Hier wurde es gesichtet und gesiebt. Der fertige Mehlsack wurde schließlich über den Sackaufzug nach unten befördert.[9]

Geschichte

Rechtliche Entwicklung, Eigentums- und Besitzverhältnisse

Die Stadtmühle war eine landesherrliche Mühle, also des Kurfürsten und Erzischofs von Köln. Mit der Verpfändung 1463 ging sie in den Besitz des Domkapitels, das auch die Verpachtungen und Instandsetzungen durchführte. Es handelte sich um eine Bannmühle, d.h. die Untertanen des Landesherrn waren innerhalb eines bestimmten Gebiets verpflichtet, ihr Getreide ausschließlich in dieser Mühle mahlen zu lassen (Mühlenzwang). Gleichzeitig war es innerhalb des Gebiets verboten, weitere Mühen zu errichten. Der Bannbezirk der Mühle war identisch mit dem Gerichtsbezirk, also dem Gebiet des Amtes Zons. Es ist nicht auszuschließen, dass der Bannbezirk erst im Laufe des 16. Jahrhunderts festgelegt worden ist, denn der Zonser Zöllner berichtet 1563, die Mühle könne nicht mehr als 30 Malter Jahrespacht einbringen, da sie keinen Zwangbann habe. 1748 argumentierten die Dormagener anhand einer Urkunde aus dem Jahr 1574, dass Horrem zum Dormagener Mühlenbann gehörte. Vor diesem Hintergrund war es nicht immer einfach, den Mühlenbann für Stürzelberg und Horrem durchzusetzen. 1630-1634 holte sich der Müller hierzu Hilfe beim Gericht.[10] Aber auch Einwohner benachbarter Gemeinden außerhalb des Amtes Zons ließen mit Einwilligung des Domkapitels in Zons mahlen: So untersagte es 1766 den Stürzelbergern, Wegegeld für Fuhren von Uedesheim zur Zonser Mühle zu nehmen.[11] Nach einer Urkunde aus dem 17. Jahrhundert war die Mühle von der Simpelsteuer befreit.[12]

Das Domkapitel nahm jährlich zwischen 30 und 40 Malter Korn aus der Verpachtung der Mühle ein. Nach einer Pachturkunde von 1528 musste der Müller das Getreide, das zur Haushaltung auf der Burg notwendig war, kostenlos mahlen. Im Gegenzug musste das Kapitel die Mühle instand halten. Als im Juni 1625 die Mühle zerstört war, beschloss das Domkapitel, dass die Müllerin von Worringen das Korn in Zons mit dem Wagen abholen müsse. Dadurch sollten die Rechte des Kapitels gewahrt bleiben.[13] Im Allgemeinen wurde der Transport von Bauholz zum Unterhalt bzw. zur Reparatur der Mühle den Bürgern dienstweise auferlegt. Im Juni 1662 mussten sie dazu förmlich gezwungen werden.[14] Und im März 1687 wollten die Zonser Bürger beweisen, dass nicht sie, sondern die Nachbarn (Stürzelberg und Horrem) bisher dafür zuständig waren.[15]

1692, also kurz nach dem umfangreichen Umbau der Mühle durch die Pächterin (1691), wurde ihr der bisherige Pachtvertrag über die Mühle in einen Erbpachtvertrag umgewandelt. Damit erhöhte sich die Pachtabgabe auf 40 Malter Korn jährlich, und das Domkapitel musste fortan nicht mehr für den Bauunterhalt sorgen. 1767 wurde die Mühle wegen rückständiger Pachtzahlungen für heimgefallen erklärt und wieder in Zeitpacht vergeben.[16]

Der Müller mahlte auch das Korn des Zehnten, der dem Kloster Brauweiler zustand. Hierfür erhielt er Mitte des 16. Jahrhunderts von diesem neben 12 Gulden Lohn jährlich auch die Kleidung.[17]

Der Müller durfte von jedem Mahlgut ein Viertel des Mehls für sich einbehalten, was ihm ein sehr gutes Einkommen sicherte. Falls jemand auswärts mahlen lassen wollte, musste er ihm ein halbes "Zwangsmalter" übergeben.[18]

Im 16. Jahrhunderts existierte in Zons für kurze Zeit auch eine Wassermühle auf dem Rhein am Spich oder Speicher (erwähnt 1551). Ein Antrag eines Zonser Bürgers zur Errichtung einer Ölmühle 1723 blieb erfolglos.[19]

Am 30. November 1751 beschloss der Zonser Stadtrat, dass der Müller eine neue Waage für die Mühle anschaffen soll.[20] Dieser Forderung schloss sich auch das Domkapitel am 7. Juni 1752 an: Anstelle der vorhandenen Knipp- oder Schnellwaage mit einarmigem Hebel solle der Müller eine Balken- oder zweibrettrige Waage anschaffen. Gleichzeitig wurde er aufgrund einer Klage der Horremer angewiesen, ständig Mehl vorrätig zu halten. Er hatte die Kunden nämlich in der Vergangenheit teils aufgrund ungünstiger Windverhältnisse unverrichteter Dinge wieder weggeschickt. Eine weitere Forderung der Horremer, dort auch ständig ein Pferd und einen Karren für den Transport der Mehlsäcke bereit zu halten, wies das Kapitel hingegen ab, da dies nicht der Tradition entsprach.[21]

Der Mühlenzwang wurde im Juni 1798 aufgehoben.[22] Für die These, dass die Mühle im Zuge der Säkularisation 1803 als Dominialgut eingezogen und in der Folge wie andere Zonser Bauten und Anlagen (Rheinturm, Schloss Friedestrom, Franziskanerkloster und -kirche, Zehnthof) versteigert und privatisiert worden ist, findet sich auffälligerweise kein Quellenbeleg. Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass die Mühle als Festungsbauwerk, wie die anderen Teile der Festungsanlage auch (Stadtmauer, Stadttore, Wachtürme mit Ausnahme des Rheinturms), Eigentum der Stadt und folglich von dieser auch weiter bewirtschaftet bzw. verpachtet wurde. Bestätigt wird diese Vermutung zum einen durch den Grundriss nach der Urkarte von 1818/19, der die Mühle als öffentliches Gebäude ausweist.[23] Zum anderen erfolgte 1841 die Umschreibung des Eigentums im Grundbuch von der Gemeinde auf den Müller Gottfried Schmitz, und zwar aufgrund einer Entscheidung der Regierung Düsseldorf vom 2. Juni 1840.[24] Offensichtlich waren die Eigentumsverhältnisse noch in den 1830er Jahren nicht ganz klar, denn die Mühle (inklusive aller Gerätschaften und des Pferdestalls, dessen Lage unklar ist) wurde am 18. Dezember 1837, also kurz nach dem Tod des Müllers Mathias Schmitz, auf Betreiben seiner Witwe und der beiden Söhne Tillmann und Gottfried notariell zwangsversteigert, wobei Tillmann Schmitz den Zuschlag für das Höchstgebot von 7620 Talern erhielt. In einem separaten Akt noch am selben Tag erklärte Tillmann Schmitz, dass er die Mühle für seinen Bruder Gottfried ersteigert habe. Mit dem Kauf übernahm Letzterer auch die Verpflichtung, den Mühlenknecht Johann Ditgen auf Grundlage einer bestehenden Vereinbarung für den Lohn von 52 Talern inklusive "Mietgeld" bis zum 1. Dezember 1838 zu übernehmen oder sich mit diesem anders gütlich zu einigen.[25] Es ist also anzunehmen, dass erst die Entscheidung der Regierung Düsseldorf 1840 eindeutige Rechtssicherheit hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse geschaffen hat, indem sie dem Müller Gottfried Schmitz nachträglich das Eigentumsrecht zusprach. Dabei wird neben der notariellen Versteigerung 1837 der aufwändige Umbau der Mühle zur Holländerwindmühle wenige Jahre zuvor (1832/33), noch unter dem Vater Mathias Schmitz, einen wichtigen Beweggrund geliefert haben, denn die Familie hat damit in den Erhalt und die Zukunftsfähigkeit der Mühle investiert.

Anhand von gewerbestatistischen Erhebungen des 19. Jahrhunderts lassen sich erstmals belastbare Aussagen zur Betriebsgröße machen. So arbeiteten 1849 in der Mühle neben dem Meister (Gottfried Schmitz) zwei Gesellen oder Lehrlinge. Konkurrenz hatte die Mühle in der Zeit im Ort durch eine Rossmühle mit vier Mahlgängen, die der aus Urdenbach stammende Jacob Rosendahl seit 1847 zusammen mit einer Malzdarre hinter dem heutigen Haus Rheinstraße 8 betrieb.[26] 1861 wurde die Rossmühle, die zuletzt zwei Arbeiter beschäftigte, durch eine Dampfmühle ersetzt, die mindestens bis 1879, zuletzt unter Peter Rosendahl, in Betrieb war.[27] 1861 beschäftigte Gottfried Schmitz in der Windmüle noch einen Gesellen.[28]

Die Mühle aus südwestlicher Richtung um 1906.
Die Windmühle mit Wohnhaus unter den Wehrgangbögen nach 1909 (aufgemalte Flügel). Ein Schild an der Galerie weist auf das Restaurant "Zur Historischen Mühle" von Martin Schmitz vor dem Feldtor hin.

Nach dem Tod von Gottfried Schmitz 1872 führte seine Witwe den Mühlenbetrieb fort, wobei die Söhne Franz und Martin Schmitz das operative Geschäft weiterführten. Nach dem Tod des Bruders war Martin allein weiter als Müller tätig, und mit dem Tod der Mutter 1895 ging auch das Eigentum der Mühle auf ihn über. Im November 1907 stellte er den Gewerbebetrieb endgültig ein.[29] Es ist davon auszugehen, dass der Betreib aufgrund der Konkurrenz durch Dampfmühlen nicht mehr rentabel arbeiten konnte. Martin Schmitz richtete sein Augenmerk auf den sich in dieser Zeit stark entwickelnden örtlichen Fremdenverkehr und richtete im Herbst/Winter 1907 in seinem vor dem Feldtor gelegenen Hof eine Gaststätte (Restauration "Zur Historischen Mühle") ein. An der Galerie der Mühle ließ er ein entsprechendes Schild anbringen. Sicher bereits zu Zeiten des Windmühlenbetriebes hat Schmitz gegen ein bestimmtes Eintrittsgeld Touristen durch die Mühle geführt, um deren Technik zu erläutern, und er setzte dies auch bis zu seinem Tod fort.

Mit der Herrichtung des Hofes vor dem Feldtor zur Gaststätte ließ Martin Schmitz vor dem Hauptgebäude auch Bäume und Sträucher anpflanzen sowie eine Rinne anlegen. Hierauf erging am 6. November 1907 die polizeiliche Aufforderung zur Beseitigung, da es sich um Gemeindeeigentum handele. Vom Gegenteil fest überzeugt, reichte Schmitz am 16. November fristgerecht Klage beim Kreisausschuss ein. Der Gemeinderat beauftragte daraufhin am 4. Dezember zwei Mitglieder des Gremiums, den Bürgermeister bei der Richtigstellung zu unterstützen.[30] Es entwickelte sich eine längere Auseinandersetzung, und am 13. Oktober 1909 beauftragte der Gemeinderat den Bürgermeister Josef Trapet, gegen Schmitz wegen der unberechtigten Benutzung zu klagen.[31] Einen Vorstoß zur Einigung machte das Gremium am 4. Februar 1910, als es den Bürgermeister ermächtigte, mit Schmitz über eine jährliche Anerkennungsgebühr für die Nutzung und die Erstattung sämtlicher Verfahrenskosten zu verhandeln.[32] Überzeugt, im Recht zu sein, ging Schmitz hierauf nicht ein, und so zog sich der Zivilprozess noch weitere Jahre fort. Aufgrund der hohen Verfahrenskosten musste Schmitz den Hof 1917 verkaufen. Käufer war der Dormagener Fuhrunternehmer Hubert Schick, der hier fortan eine Posthalterei, Spedition und Gastwirtschaft (Gaststätte "Zur Post") betrieb. Am 9. Juni 1918 fasste der Gemeinderat den Beschluss, den Zivilprozess zu beenden und Hubert Schick den Platz vor dem Haus zum Kauf anzubieten.[33] Mehr als ein halbes Jahr später, am 17. Januar 1919, ermächtigte der Gemeinderat den Bürgermeister, Martin Schmitz die Mühle für 3.000,- Mark abzukaufen. Bedingung sei, dass der Prozess beendet werde, indem Schmitz und sein Rechtsanwalt Dr. Nolden in Neuss als Konkursverwalter das Gemeinderecht anerkennen und die gesamten Prozesskosten aus der Konkursmasse gedeckt werden.[34] Der Kauf der Mühle kam nicht zustande, aber der Prozess wird sehr wahrscheinlich im Laufe des Jahres beendet worden sein, da Schmitz nicht mehr die nötigen Mittel zur Fortsetzung aufbringen konnte (die Mühle hatte er mit einer höheren Hypothek belastet; s.u.). Das vor Prozessbeginn noch recht vermögende Ehepaar Schmitz wohnte seit dem Verkauf des Hofes vor dem Feldtor in einer Wohnung in der Grünwaldstraße (heute Nr. 6) zur Miete.

Die Windmühle als Torso um 1928.

Nach dem Tod von Martin Schmitz (23. Januar 1933; seine Frau ist bereits im Jahr zuvor gestorben) nahm die Gemeinde mit dessen Erben Kontakt auf, um über den Kauf der Mühle zu verhandeln. Am 20. Dezember 1935 gab der Gemeinerat sein Einverständnis, die Mühle für 250,- Reichsmark von Hans Schmitz in Vicht bei Stolberg abzukaufen. Auf dem Gebäude lag eine Hypothek von 1000,- Reichsmark bei der Spar- und Darlehnskasse Zons.[35] Im Zuge der weiteren Verhandlungen genehmigte der Rat am 4. Mai 1936 einen Ankaufpreis von 2000-4000,- Reichsmark. Für die Dauer der Verhandlungen müssten die Erben Schmitz für die Sicherheit der Mühle sorgen.[36] Im Juni 1939 boten die Erben Schmitz an, die Mühle für 6000,- Reichsmark abzutreten. Der Gemeinderat stimmte einem Ankauf zu, hielt jedoch 5000,- Reichsmark für ausreichend.[37] Die Stadt plante in dieser Zeit den technischen Wiederaufbau des Mühlenbetriebes in enger Abstimmung mit dem Provinzialkonservator. Hierzu hat sie auch Kontakt zum ehemaligen Gesellen der Mühle, Baeser, aufgenommen, der mittlerweile selbst Mühlenbesitzer war und beratend half. Bürgermeister Flücken besichtigte die Mühle in Waldfeucht und holte Angebote für die fehlenden Mühlengewerke ein. Der Ausbruch des Weltkriegs beendete das Vorhaben.[38] Im September 1940 sprach sich der Gemeinderat dahin aus, das Ziel des Mühlenankaufs weiter zu verfolgen.[39] Schließlich wurde die Mühle durch Kaufvertrag vom 11. Dezember 1940 für 5500,- Reichsmark gekauft.[40] Seitdem blieb die Mühle städtisches Eigentum (seit 1975 Rechtsnachfolge Stadt Dormagen).

Müller, Mühlenpächter und -eigentümer bis in das 20. Jahrhundert

In Klammern ist jeweils das Jahr des frühesten bzw. spätesten Belegs wiedergegeben. Jahreszahlen ohne Klammern sind definitive Angaben.

  • (1388): Henneken Molnere van Valkenburg (?)[41]
  • (1530/31): Wilhelmus ventimolarius (Windmüller)[42]
  • 1605-: Johann Fischel[44]
  • (1619)-1626: Johann Mawer (Mauren) († 1626)[45]
  • (1621): Johann Becker[46]
  • 1625-: Johann Becker (derselbe)[47]
  • 1626-1628: Catharina Arendts, Witwe des Müllers Johann Mawer[48]
  • 1628: Anton Köpgen, verheiratet mit der Müller-Witwe Catharina Arendts[49]
  • (1630): Peter Becker[51]
  • (1688)-(1690): Adam Hold[54]
  • (1691)-(1694): Agnes Worringen, wahrscheinlich die Witwe des Adam Holt[55]
  • 1872-1895: Witwe Gottfried Schmitz, Maria Magdalene geborene Fuchs (* 23. Juni 1813 in Zons; † 25. Oktober 1895 in Zons)

Mühlenknechte, -gesellen und -lehrlinge

  • (1806): Josef Mohr (~ 21. Oktober 1780 in Zons; † 30. April 1843 in Zons) ("Müllergeselle")[68]
  • (1804)-(1813): Albert (Hubert) Dresen (* 26. Februar 1776 in Glesch) (1806: "Hausdiener in der Mühle"; 1813: "Müllermeister")[69]
  • (1806): Werner (Reiner) Hardenberg (~ 21. Januar 1782 in Bürvenich (1806: "Müllergeselle"; 1807: "Architekt"; 1808/10: "Tischler")[70]
  • (1837)-(1838): Johann Ditgen ("Mühlenknecht").[71]
  • (1897): Johannes Eichhorn (* 11. Juli 1865 in Gohr) ("Müllergeselle")[72]
  • (?)-(1907): Baeser ("Müllergeselle")[73]

Bemerkenswertes, Anekdoten

  • Die Zonser Mühle war mit ihrer fortschrittlichen Technik im 15. Jahrhundert Vorbild für andere Mühlen: 1466 reisten die Schöffen Johann Goitzwin und Johann Dechgent mit dem Maurermeister Hentken Voegell von Ratingen nach Zons und Neuss, um die Windmühlen zu besichtigen. Für die Führung und Demonstration erhielten die Müller ein Trinkgeld. Die wenige Jahre später, 1471, in Ratingen fertiggestellte Mühle war der Zonser Mühle sehr ähnlich.[74]
  • Am 19. Dezember 1770 ist die Mühlenachse durch einen schweren Sturm fast einen Meter herausgerissen worden, so dass man sich fürchtete, die Mühle zu betreten.[75]
  • Die Stürzelberger trugen die schweren Getreide- und Mehlsäcke teilweise zu Fuß über die kürzeste Verbindung, den Leichweg. Um etwas Erleichterung zu schaffen, hat man am Wegesrand auf halber Strecke einen achteckigen Trachytstein in den Boden eingelassen, der 130 cm aus dem Boden ragt, um ein leichtes Absetzen und Wiederaufnahmen des Sackes zu ermöglichen. Dementsprechend trägt der noch heute existierende Stein die Bezeichnung "Mülleposs".
Eine fotografische Aufnahme der Ecke Feldstraße/Mühlenstraße von 1902/03 zeigt die Fehlstelle im Mauerwerk des Eckhauses.
  • Das Eckhaus Mühlenstraße/Schloßstraße wies bis in das 20. Jahrhundert ein Kuriosum auf: Es fehlte ein größeres Stück des Mauerwerks an der Hauskante. Nach mündlicher Überlieferung soll man dieses Stück im 19. Jahrhundert herausgebrochen haben, um neu beschaffte Flügel für die Mühle in die enge Gasse bewegen zu können. Die Lücke hat man erst nach vielen Jahrzehnten wieder zugemauert.[76]
  • Die Mühle war traditionell der Ort, wo Neuigkeiten ausgetauscht wurden. So war der Müller immer gut informiert und wurde als "Nachrichtenvermittler" geschätzt.[77]
  • Das Flügelkreuz diente im Ruhezustand zur Mitteilung von Nachrichten, die aus größerer Distanz wahrgenommen werden konnten: So warnte der Müller die Bevölkerung bei nahendem Sturm, indem er das Flügelkreuz in die X-Stellung brachte. Die gewöhnliche Feierabendstellung war die Kreuzform.[78]

Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen ab 1965/66

Die Stadt Zons ließ 1965/66 aus Gründen des Fremdenverkehrs die Mühle durch die Anbringung neuer Flügel, der Galerie und des Außenkrühwerks wiederherstellen. Hierbei ist die Galerie etwa ein Meter schmaler ausgeführt und zugleich die Flügelwelle niedriger gelegt worden. Die Flügel lassen sich seitdem gegen Münzeinwurf durch einen Elektromotor für mehrere Minuten in Gang setzen.

In den Jahren 1983, 1992 und 1995 brach jeweils ein Flügel der Mühle und fiel in den Mühlengraben. Die Schäden wurden jeweils relativ zeitnah wieder behoben. In den Jahren 1980 und 2000 fanden Restaurierungen im Inneren und Sanierungen am Außenkrühwerk statt.

2008 bis 2011 erfolgte auf Initiative des Fördervereins Denkmalschutz Stadt Zons e.V. eine umfassende Sanierung des Außenturmes mit Flügelreparatur und kompletter Erneuerung des Außenkrühwerks (Steertbalken, Schwerter und Querbalken) aus Bilingaholz, einem afrikanischen Hartholz. Im Zuge der Sanierung wurden erhebliche Schäden am Mauerwerk festgestellt, im oberen Drittel vor allem durch Pflanzenbewuchs: Durch Wurzelsprengungen hatte sich das äußere Mauerwerk etwa 20 cm breit und 4 m hoch vom Kernmauerwerk gelöst. Das übrige Mauerwerk war ebenfalls erheblich beschädigt: Die Zwickelausmauerungen aus Tuffstein zwischen den Basaltblöcken waren durch Witterungseinflüsse und pflanzlichen Bewuchs so stark beschädigt, dass sie fast komplett erneuert werden mussten. Die betroffenen Tuffsteine wurden durch Römertuff ersetzt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 260.000,- €, die teils von der Stadt, teils vom Land Nordrhein-Westfalen aufgebracht wurden. Weitere 82.000,- € wurden für die Innensanierung fällig, die durch Mittel aus dem Sonderprogramm Denkmalschutz der Bundesregierung, der NRW-Stiftung, der Stadt Dormagen und des Fördervereins gedeckt wurden. Und schließlich wurden im September/Oktober 2010 auch die tragende Holzkonstruktion und die Flügel erneuert, wofür die Stadt Dormagen und das Land Nordrhein-Westfalen nochmals 73.000,- € aufbrachten.

Ausstellungsraum im ehemaligen Mehllager (Verlies).

Im Zuge der Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten wurde 2010 im ehemaligen Verlies des Turmes ein Informationsraum mit historischen Bildern zur Geschichte der Mühle sowie einigen Gegenständen des Müllerberufes eingerichtet.

Bauuntersuchung durch Dick Zweers 2009-2011

Im Zuge der Sanierung der Mühle 2008-2010 (s.u.) beauftragte der Vorsitzende des Fördervereins Denkmalschutz Stadt Zons e.V. Hermann Kienle im März 2009 das "Bureau voor Bouwhistorisch Onderzoek & Restauratie-Adviezen" in Bergeijk (Niederlande), vertreten durch Dick Zweers, mit einer Untersuchung des Bauwerks. Im Oktober 2009 übernahm die Untere Denkmalbehörde der Stadt Dormagen (Jürgen Waldeck) die Betreuung.

Der Auftrag umfasste zum einen die Dokumentation des Bauzustands (Inneres und Äußeres) und der Spuren der Bauentwicklung, zum anderen die Rekonstruktion der baugeschichtlichen Veränderungen. Zu diesem Zweck sollten auch Veröffentlichungen und teils Archivquellen zur Geschichte der Mühle herangezogen werden. Unterstützend führte das Labor für Dendroarchäologie des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln Holzuntersuchungen durch.

Aufgrund der begrenzt zur Verfügung stehenden Mittel konnte nur ein verkürztes Gutachten erstellt werden. So musste beispielsweise auf die exakte Vermessung der Mühle verzichtet werden. Auch konnte kein eingehenderer Vergleich der Mühlentechnik mit der anderer Mühlen stattfinden. Und schließlich musste auch eine genauere Untersuchung des Mauerwerks (der verwendeten Mauersteine und der Steinformate) unterbleiben. Da die Mühle wegen der parallel laufenden Sanierungsarbeiten eingerüstet war, konnte das Äußere der Mühle lediglich aufgrund fotografischer Aufnahmen untersucht werden.

Trotz dieser Einschränkungen bietet das Gutachten, das im März 2011 abgeschlossen wurde[79], wesentliche neue Erkenntnisse zur Mühlenbaugeschichte. Es gibt den aktuellen Forschungsstand wieder und ergänzt oder korrigiert frühere Untersuchungen zur Zonser Mühle in wesentlichen Teilen.[80]

Veröffentlichungen zur Mühle

  • Riffel, Heinz: Historische Windmühle in Zons am Rhein, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160-161.
  • Schmidt, Hans-Willi: Die Zonser Windmühle. Kurzführer, Köln 1983.
  • Sürtenich, Hans: Ein ganzes Jahrhundert im Besitz der Familie Schmitz. Erst Festungsturm, dann Windmühle in Zons, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 15/1990, S. 5-8.
  • Schmidt, Hans-Willi: Die Zonser Mühle, in: Stadtgeschichte und Heimat Museum Zons, o.O., o.J. [1999], S. 17-20.
  • Zweers, Dick: De torenmolen van Zons. Een stenen molen op een stadsmuur; bouwhistorisch en typologisch beschouwd, in: Molinologie, Nr. 51 (2019), S. 1-13 (Teil 1) und ebd., Nr. 52 (2019), S. 1-12.

Belege

  1. 1458 ist die Mühle erstmals erwähnt, 1466 ist vom "wyndemoelen torne" die Rede: RhStAZ, S. 4, 14.
  2. RhStAZ, S. 14.
  3. Heinz Riffel: Historische Windmühle in Zons am Rhein, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160-161; hier: S. 161.
  4. Heinz Riffel: Historische Windmühle in Zons am Rhein, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160-161; hier: S. 161.
  5. Heinz Riffel: Historische Windmühle in Zons am Rhein, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160-161; hier: S. 160.
  6. Heinz Riffel: Historische Windmühle in Zons am Rhein, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160-161; hier: S. 161.
  7. Heinz Riffel: Historische Windmühle in Zons am Rhein, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160-161; hier: S. 161.
  8. Heinz Riffel: Historische Windmühle in Zons am Rhein, in: Beiträge zur Geschichte und Technik der Industrie 20 (1930), S. 160-161; hier: S. 161.
  9. Die Beschreibung der Arbeitsweise der Mühle basiert, wenn nicht anders angegeben, auf der Ausarbeitung von Hermann Kienle: Die Windmühle in der Stadt Zons, o.O. 2011, S. 7-12.
  10. RhStAZ, S. 14.
  11. RhStAZ, S. 7.
  12. GStAZ, S. 286.
  13. RhStAZ, S. 14.
  14. GStAZ, S. 294.
  15. GStAZ, S. 289.
  16. GStAZ, S. 92.
  17. 1530/31 belegt: RhStAZ, S. 14.
  18. GStAZ, S. 92.
  19. GStAZ, S. 92.
  20. Schwieren-Chr., <591>.
  21. HAStK, Domstift, Akten 272a, fol. 125v-126r.
  22. GStAZ, S. 175.
  23. RhStAZ, Tafel 1.
  24. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Kataster B 5737.
  25. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Notare, Rep. 341, Urk. 2489 und 2490.
  26. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf 2090, p. 12; RhStAZ, S. 15. Der Gewerbebetrieb war Nachfolger der Rübenzuckerfabrik Schwengers/Füsgen am selben Standort (1837-1842), die auch eine Dampfkesselanlage besaß (Schwabach, Thomas: Die Entwicklung des Zieglergewerbes in Zons, Stadt Dormagen, Rhein-Kreis Neuss (15.-20. Jahrhundert) – mit ausführlicher Darstellung der allgemeinen Entwicklung des Gewerbezweiges (= Zeitsprünge – Dormagen von der Steinzeit bis zur Gegenwart 3/04), Dormagen 2004, S. 53).
  27. Schwabach, Thomas: Die Entwicklung des Zieglergewerbes in Zons, Stadt Dormagen, Rhein-Kreis Neuss (15.-20. Jahrhundert) – mit ausführlicher Darstellung der allgemeinen Entwicklung des Gewerbezweiges (= Zeitsprünge – Dormagen von der Steinzeit bis zur Gegenwart 3/04), Dormagen 2004, S. 53.
  28. RhStAZ, S. 15.
  29. AiRKN, Bestand Stadt Zons, Nr. 1359.
  30. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 82, unpagin.
  31. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 42-43.
  32. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 58.
  33. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 247-248.
  34. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 84, p. 257-258.
  35. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 393.
  36. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 421.
  37. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 463.
  38. Hermann Kienle: Die Windmühle in der Stadt Zons, o.O. 2011, S. 6.
  39. AiRKN, DO 07, Ratsprotokolle Dormagen, Nr. 85, p. 472-473.
  40. AiRKN, Bestand Akten Stadt Zons, augias 155 (U-R.Nr.533 für 1940 vom 11.12.1940).
  41. RhStAZ, S. 14.
  42. RhStAZ, S. 14.
  43. GStAZ, S. 146.
  44. HAStK, Best. 210 (Domstift), A 169, p. 98.
  45. PfAZ, Nr. 574, p. 25; HAStK, Best. 210 (Domstift), A 177, p. 121.
  46. HAStK, Best. 210 (Domstift), A 175, p. 27.
  47. HAStK, Best. 210 (Domstift), A 177, p. 96.
  48. HAStK, Best. 210 (Domstift), A 177, p. 312; A 178, p. 195
  49. HAStK, Best. 210 (Domstift), A 178, p. 195
  50. HAStK, Best. 210 (Domstift), A 178, p. 236
  51. HAStK, Best. 210 (Domstift), A 179, p. 76
  52. Lisken-FBZ, S. 169, 170, 381.
  53. Lisken-FBZ, S. 433, 515, 805.
  54. Lisken-FBZ, S. 304, 540.
  55. HAStK, Best. 210 (Domstift), A 213, p. 21.
  56. Lisken-FBZ, S. 870.
  57. Lisken-FBZ, S. 870.
  58. Lisken-FBZ, S. 115.
  59. Lisken-FBZ, S. 547.
  60. Lisken-FBZ, S. 115; Schwieren-Chr., <588>, <591>, <594>, <702>.
  61. >Lisken-FBZ, S. 314; PfAZ, Nr. 577, fol. 21r. Nach dem Kirchregister war er 1757 Eigentümer eines Hauses in der Mühlenstraße. Es ist jedoch möglich, dass er nicht in Zons dem Gewerbe nachging, oder zumindest nur kurzfristig, zumal kein Kind des Paares (geheiratet in Zons 1731) in Zons zur Welt kam, und das Paar auch nicht in Zons verstarb.
  62. Lisken-FBZ, S. 194; Schwieren-Chr., <791>.
  63. Lisken-FBZ, S. 785.
  64. Lisken-FBZ, S. 687.
  65. Lisken-FBZ, S. 668, 687.
  66. Lisken-FBZ, S. 668.
  67. Lisken-FBZ, S. 447, 686.
  68. Lisken-FBZ, S. 154, 478.
  69. Lisken-FBZ, S. 154.
  70. Lisken-FBZ, S. 267.
  71. LAV_NRW_R, Regierung Düsseldorf, Notare, Rep. 341, Urk. 2489 und 2490.
  72. Lisken-FBZ, S. 164.
  73. Hermann Kienle: Die Windmühle in der Stadt Zons, o.O. 2011, S. 6.
  74. Hans-Willi Schmidt: Die Zonser Windmühle im Mittelalter als Vorbild für andere Stadtmühlen, in: Blätter zur Geschichte von Zons und Stürzelberg, Bd. III (1985), S. 67-72, hier: S. 67; Untersuchungsbericht Dick Zweers. Original 1466: LAV_NRW_R, Dep. Ratingen, Stadtrechnungen, fol. 19r.
  75. Schwieren-Chr., <1006>.
  76. Sürtenich, Hans: Ein ganzes Jahrhundert im Besitz der Familie Schmitz. Erst Festungsturm, dann Windmühle in Zons, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 15/1990, S. 5-8; hier: S. 6.
  77. Sürtenich, Hans: Ein ganzes Jahrhundert im Besitz der Familie Schmitz. Erst Festungsturm, dann Windmühle in Zons, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 15/1990, S. 5-8; hier: S. 6.
  78. Sürtenich, Hans: Ein ganzes Jahrhundert im Besitz der Familie Schmitz. Erst Festungsturm, dann Windmühle in Zons, in: Heimatland, Beilage zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung, Nr. 15/1990, S. 5-8; hier: S. 7; Kienle, Hermann: Die Windmühle in der Stadt Zons, o.O. 2011, S. 8.
  79. D.J.K. Zweers: Stadtmühle Zons, Bauforschungsgutachten im Auftrag der Stadt Dormagen, März 2011.
  80. Die Publikation von Hermann Kienle: Die Windmühle in der Stadt Zons, o.O. 2011, ist die erste Veröffentlichung, in die die Erkenntnisse der Bauuntersuchung eingeflossen sind. Das Gutachten selbst ist nicht veröffentlicht.