Schloss Friedestrom

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Das Schloss Friedestrom ist eine ehemalige kurkölnische Landesburg und Zollfeste in der Südostecke der Altstadt von Zons. Sie wurde ab 1373 von Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden errichtet, nachdem dieser 1372 den erzstiftischen Rheinzoll von Neuss nach Zons verlegt hatte, und ersetzte ein 1288 nach der Schlacht bei Worringen geschleiftes Vorgängercastrum. Von 1463 bis zur Säkularisation 1802 war sie als Pfand an das Kölner Domkapitel verschrieben und bildete den Verwaltungssitz des Amtes Zons. Sie überstand mehrere Belagerungen, wurde jedoch 1646 im Dreißigjährigen Krieg durch hessische Truppen schwer beschädigt.

Nach der Säkularisation diente die Burg von 1803 bis 1962 als privater landwirtschaftlicher Gutshof (Familien Aldenhoven, Diergardt, Meller), bevor sie in den Besitz der Stadt Zons überging und zum Kreiskulturzentrum ausgebaut wurde. Seit 1972 beherbergt sie das KreisMuseum Zons, seit 1990 zudem das Internationale Mundartarchiv "Ludwig Soumagne". Archäologische Grabungen in den 1980er Jahren legten im Burghof die Fundamente von fünf aufeinanderfolgenden Kirchenbauten sowie ein Gräberfeld mit über 200 Bestattungen frei.

Einleitung

Lage und historische Bedeutung Die Burg Friedestrom liegt in der Südostecke der mauerumwehrten Altstadt von Zons. Als ehemalige kurkölnische Landesburg und strategisch bedeutende Zollfeste repräsentiert die Anlage eines der wichtigsten historischen Zentren im Rhein-Kreis Neuss. Ihre Errichtung steht in direktem Zusammenhang mit der folgenschweren Verlegung des erzbischöflichen Rheinzolls von Neuss nach Zons im Jahr 1372. Um diese äußerst einträgliche Geldquelle des Erzstifts militärisch zu sichern und gleichzeitig einen wirksamen Riegel gegen die expansionsbestrebten Herzöge von Jülich vorzuschieben, ließ der Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden ab 1373 die wehrhafte Burganlage und die planmäßige, rechtwinklige Stadtbefestigung errichten. Die Burg bildete fortan den administrativen Kern der Festung, den Sitz des Schultheißen sowie den Mittelpunkt des neu geschaffenen Amtes Zons.

Namensgebung und Ursprung

Der Name "Friedestrom" (historisch auch Vredestrom oder Fredestroym genannt) ist eine bewusste und kunstvolle Wortschöpfung des Stadtgründers Friedrich von Saarwerden. Der Name verbindet harmonisch die Bestandteile seines eigenen Vornamens "Friedrich" und das Wort "(Rhein-)Strom". Zugleich schwingt in dieser Bezeichnung die programmatische Bedeutung "Friede am Strom" beziehungsweise "Friede dem Strom" mit. Obwohl der ambitionierte Landesherr nach der Stadterhebung im Jahr 1373 versuchte, diesen repräsentativen Namen auf die gesamte neu gegründete Siedlung zu übertragen, konnte sich die Bezeichnung auf Dauer nicht gegen den historisch verwurzelten Namen Zons durchsetzen und blieb letztlich auf das eigentliche Burgareal beschränkt.

Die Namensdebatte: "Burg" versus "Schloss"

Um die korrekte Bezeichnung der Anlage gab es in Zons in den Jahren um 1990 eine mitunter leidenschaftlich geführte Debatte zwischen der wissenschaftlich-behördlichen Sichtweise und der lokalen Tradition. Die offizielle Sprachregelung des Rhein-Kreises Neuss und moderner Historiker favorisiert strikt den Begriff "Burg" (bzw. Landesburg oder Zollburg), da dieser den primär wehrhaften, fortifikatorischen Charakter sowie die mittelalterliche Verteidigungsfunktion der Anlage zur Sicherung des Rheinzolls zutreffend unterstreicht. Demgegenüber ist im Zonser Volksmund und in der bürgerschaftlichen Tradition die Bezeichnung "Schloss" tief verankert, was sich nicht zuletzt in lokalen Straßennamen wie der Schloßstraße oder dem Schloßplatz widerspiegelt. Diese Sichtweise betont die historische Bedeutung der Anlage als zeitweilige repräsentative Residenz der Kölner Erzbischöfe. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive sind jedoch beide Begriffe legitim, da sie bereits seit dem Spätmittelalter parallel und synonym verwendet wurden. Während Friedrich von Saarwerden selbst in einer Belehnungsurkunde von 1381 von "unser burg" schrieb, bezeichnete eine Chronik den markanten Juddeturm bereits im Jahr 1469 als Zufluchtsort für "statt und schloß", und auch spätere Landesherren sowie der Dormagener Chronist Delhoven nutzten im 17. und 18. Jahrhundert ganz selbstverständlich das Wort "Schloss". Als pragmatischen Kompromiss führt die Kreisverwaltung die Anlage heute offiziell unter dem neutralen Namen "Kulturzentrum des Rhein-Kreises Neuss in Zons".

Vorgeschichte und frühe Besiedlung (8. Jahrhundert – 1288)

Archäologische Befunde im Schlosshof

Die Ursprünge einer kontinuierlichen Besiedlung und sakralen Nutzung des heutigen Schlossgeländes reichen weit vor die eigentliche Stadtgründung zurück. Durch systematische archäologische Ausgrabungen im inneren Burghof in den 1980er Jahren konnten die Fundamente von insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Kirchenbauten freigelegt werden. Den Beginn dieser Kette bildet eine kleine, pfostenbasierte Holzkirche aus dem späten 8. Jahrhundert mit einer Länge von etwa 6,3 Metern und einer Breite von 4,7 Metern im Innenmaß. Ein bemerkenswerter Befund im Inneren dieser ersten Holzkapelle war ein unter dem Altar deponiertes Waffendepot aus dem 7. Jahrhundert, bestehend aus einem fränkischen Schwert, einem Sax und einer Gürtelgarnitur. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um aus einem älteren fränkischen Grab entnommene Objekte handelt, die möglicherweise als Martinus-Reliquien (dem Kirchenpatron) niedergelegt wurden, um die Bedeutung der Eigenkirche zu heben. Nach der Zerstörung dieser Holzkirche durch einen Brand zu Beginn des 10. Jahrhunderts entstand an gleicher Stelle eine kurzlebige Schwellbalkenkirche. Noch in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde diese durch eine steinerne Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor ersetzt, die im Innenraum nachweislich farbig ausgemalt war. Um 1200 wurde dieses Gebäude ebenfalls durch ein Feuer zerstört, woraufhin eine deutlich größere, dreischiffige spätromanische Basilika mit einem im frühen 14. Jahrhundert angefügten Westturm errichtet wurde. Diese letzte Steinkirche wurde schließlich zwischen 1373 und 1408 sorgfältig abgetragen, um Platz für den Bau der erzbischöflichen Zollburg zu machen.

Die systematischen archäologischen Grabungen der 1980er Jahre im Innenhof der Burg erbrachten eine Vielzahl menschlicher Skelettreste aus den ehemaligen Kirchbaufriedhöfen, die insgesamt 261 Individuen zugeordnet werden konnten. In ihrer anthropologischen Auswertung teilten Barbara Hollack und Manfred Kunter (1940–2025) das Fundgut in zwei chronologische Belegungsphasen: die Saalkirchenperiode (9. bis 13. Jahrhundert) und die spätromanische Kirchenperiode (13. bis 14. Jahrhundert). Trotz eines deutlichen Männerüberschusses (85 Männer gegenüber 57 Frauen) wiesen die Skelette Merkmale einer sozial herausgehobenen, wirtschaftlich privilegierten Oberschicht auf – vermutlich der Bewohner des erzbischöflichen Fronhofs. Die Bestatteten zeigten eine beachtliche durchschnittliche Körpergröße von ca. 1,71 Metern bei Männern und 1,61 Metern bei Frauen, eine grazile Konstitution sowie ein für das Mittelalter ungewöhnlich hohes Sterbealter – die Hälfte der Männer überlebte das 60. Lebensjahr. Schwere, arbeitsbedingte Skelettdeformationen oder Knochenbrüche waren selten, und Anzeichen von tödlicher Gewaltanwendung fehlten fast völlig. Zudem konnten eng begrenzte Familienbestattungen nachgewiesen werden, die durch seltene, vererbbare Skelettmerkmale wie das Os lambdae eine generationenübergreifende biologische Kontinuität und eine direkte Abstammung von frühmittelalterlichen fränkischen Gruppen nahelegen.

Ergänzt und vertieft wurden diese Befunde durch die zahnmedizinische Dissertation von Peter Conrad Schneider (1994), der die Zähne und Kiefer der Zonser Skelettserie detailliert untersuchte. Schneider stellte fest, dass sich die Lebensweise, Ernährungsart und Nahrungszubereitung über den gesamten Zeitraum vom 8. bis zum 14. Jahrhundert hinweg kaum verändert hatten. Rund 20 Prozent der untersuchten Individuen besaßen ein vollständig kariesfreies Gebiss. Die Kariesfrequenz der Gesamtpopulation lag bei 80 Prozent, wobei der Anteil erkrankter Zähne in der jüngeren Phase (Gruppe 2: 19,4 Prozent) höher ausfiel als in der älteren Phase (Gruppe 1: 11,3 Prozent), was primär auf die unterschiedliche Altersstruktur der Gruppe zurückzuführen sein dürfte.

Charakteristisch für die Zonser Population war ein starker, mit dem Alter zunehmender Abrieb der Kauflächen. Dieser entstand vermutlich durch faserreiche Nahrung oder Verunreinigungen im Essen (etwa Mühlsteinabrieb im Mehl). Dieser starke Abrieb hatte zwei Seiten: Einerseits schliff er die anfälligen Vertiefungen der Kauflächen ab und wirkte so wie ein natürlicher Schutz vor Karies auf der Beißfläche; andererseits führte er im höheren Alter dazu, dass das Zahninnere freigelegt wurde, was oft zu Entzündungen an den Zahnwurzeln führte. Weil die Kauflächen durch den Abrieb tiefer lagen, traten Karieslöcher vor allem in den Zahnzwischenräumen auf. Begünstigt wurde dies durch einen altersbedingten Rückgang des Kieferknochens und des Zahnfleischs, der an fast 80 Prozent der untersuchten Zahnfächer nachgewiesen werden konnte. Bestimmte angeborene Zahnmerkmale – wie kleine zusätzliche Grübchen oder Höcker auf den Backen- und Schneidezähnen – stützten zudem die Annahme einer genetisch homogenen und eng verwandten Gemeinschaft.

Ein spektakulärer archäologischer Befund im westlichen Hauptburgbereich war die Entdeckung einer monumentalen, kreisrunden Latrinenanlage aus der frühen Festungszeit. Diese wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts zeitgleich mit dem Wohnpalas (Westflügel) errichtet, indem man das ältere quadratische Schatz- beziehungsweise Zollhaus der Gründungsphase zu einer rund gemauerten, etwa 6 Meter tiefen Fäkaliengrube umfunktionierte. Die Latrine besaß ursprünglich einen Auslass in den westlichen Zwingergraben, wurde jedoch um die Mitte des 16. Jahrhunderts aufgegeben und durch einen hölzernen Abtritterker ersetzt, als der Bereich durch eine Trennmauer östlich davon überbaut wurde. Die naturwissenschaftliche Untersuchung der Latrinenfüllung durch den Botaniker Dr. Karl-Heinz Knörzer (1920–2009) lieferte anhand zahlreicher pflanzlicher Großreste (darunter Feigen und andere importierte Früchte) faszinierende Einblicke in den herrschaftlichen Speiseplan und die anspruchsvolle Tafelkultur des erzbischöflichen Hofes. Beim Neubau des Westtraktes im Jahr 1990, der heute das Internationale Mundartarchiv beherbergt, wurde die historische Latrinenanlage denkmalgerecht saniert und im Originalzustand in den Keller integriert.

Der erzbischöfliche Fronhof

Die Existenz dieser wiederholt erneuerten und erweiterten Kirchenbauten lässt sich nur dadurch erklären, dass das Areal der späteren Burg Friedestrom die Keimzelle des erzbischöflichen Besitzes in Zons bildete. Es handelte sich dabei um den herrschaftlichen Fronhof (Herrenhof) des Kölner Erzbischofs, der in den schriftlichen Quellen mindestens seit dem 11. Jahrhundert sicher belegt ist. Das sogenannte Testament des Kölner Bischofs Kunibert, welches in einer Fassung aus dem späten 11. Jahrhundert überliefert ist, bezeugt bereits für diese frühe Zeit eine dem Hof zugehörige erzbischöfliche Fischerei, aus der jährlich 13 Lachse für die Armenpflege der Kölner Lupusbruderschaft geliefert werden mussten. Im Jahre 1057 überließ Erzbischof Anno II. die villa dominicatus nostri Zuonozo, also dieses bedeutende Herrengut, der polnischen Königin Richeza auf Lebenszeit. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts (um 1164) entwickelte sich der Zonser Hof zu einem der zwölf erzbischöflichen Tafelgüter, die direkt der Versorgung der erzbischöflichen Hofhaltung mit Lebensmitteln, wie etwa den begehrten Rheinfischen, dienten. Dem Hof stand ein Schultheiß vor, dessen Hofesgericht als Ausgangspunkt für die spätere Gerichtsbarkeit und das Landgericht in Zons fungierte.

Das "Castrum Zunce"

Die fortschreitenden territorialen Auseinandersetzungen im 13. Jahrhundert zwischen den Kölner Erzbischöfen und den nach Unabhängigkeit strebenden rheinischen Dynastien sowie den Grafen von Jülich, welche die Vogteirechte in Zons beanspruchten, zwangen die Erzbischöfe zur militärischen Sicherung ihrer Rechte. Vermutlich unter Erzbischof Konrad von Hochstaden erfolgte um die Mitte des 13. Jahrhunderts der wehrhafte Ausbau des Fronhofes zu einer ersten Burg, dem "Castrum Zunce". Da von dieser ersten Befestigung bislang keine eindeutigen baulichen Überreste archäologisch nachgewiesen werden konnten, ist davon auszugehen, dass es sich um eine im Vergleich zur späteren Festung bescheidenere Anlage, möglicherweise eine verstärkte Umwehrung des Hofareals, handelte. Dieses erste Castrum wurde jedoch bald Opfer der großen Machtkämpfe im Rheinland: Nach der verheerenden Niederlage des Erzbischofs Siegfried von Westerburg in der Schlacht bei Worringen im Juni 1288 nutzten die siegreichen Kölner Bürger die Gunst der Stunde. Sie schleiften die verhasste Zwingfeste in Zons vollständig, machten sie dem Erdboden gleich und transportierten die Steine nach Köln, um sie dort zur Verstärkung ihrer eigenen Stadtmauer zu verbauen. Zudem musste sich der geschlagene Erzbischof vertraglich dazu verpflichten, linksrheinisch im weiten Umkreis von Dormagen keine neuen Befestigungen mehr zu errichten. Erst fast ein Jahrhundert später sollte dieser herbe Rückschlag durch die großangelegte Neuplanung Friedrichs von Saarwerden überwunden werden.

Die Neugründung unter Friedrich von Saarwerden (1372–1414)

Zollverlegung und Baubeginn (1372)

Die tiefgreifende Umgestaltung von Zons von einem ehemals landwirtschaftlich geprägten Fronhof zu einer wehrhaften Festungs- und Zollstadt wurde durch einen einschneidenden finanz- und territorialpolitischen Akt initiiert: Im August 1372 verlegte der junge Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden den erzstiftischen Rheinzoll von Neuss stromaufwärts nach Zons. Dieser Verlegung gingen langjährige machtpolitische Spannungen mit der nach Unabhängigkeit strebenden Neusser Bürgerschaft voraus, welche die erzbischöfliche Gerichtsherrschaft bestritt und die Zollerhebung zunehmend blockierte. Zudem hatte sich das Bett des Rheins im Laufe der Zeit von der Neusser Stadtmauer entfernt, was das Anlanden der Schiffe erheblich erschwerte. Als herber Reizpunkt kam hinzu, dass die Neusser ein städtisches "Bestättergeld" auf den Warentransport erhoben, was der Erzbischof als illegalen Eingriff in seine herrschaftlichen Zollrechte ansah.

Da der Rhein just in dieser Epoche seinen Lauf veränderte und sich bei Zons ein gerades, stabiles Bett suchte, bot das dortige Ufer einen idealen, hochwassersicheren Sporn mit tragfähigem Kiesuntergrund für eine neue Zollstelle. Um Platz für den Bau der geplanten Wehranlage zu schaffen, wurde noch im Jahr 1372 die alte, dem hl. Martin geweihte spätromanische Kirche auf dem Gelände des bischöflichen Fronhofs bis auf ihren Westturm sorgfältig abgetragen. Die Steinquader des Sakralbaus wurden beim Bau der Festung als Spolien wiederverwendet. Auf dem einplanierten ehemaligen Friedhof wurde im Herbst 1372 zunächst ein provisorisches Holzhaus mit einem Estrich aus Kalkmörtel auf Schwellbalken als erste Bauhütte und sichere Sammelstelle für die Zollgelder errichtet. Sehr kurz darauf entstand nördlich davon ein festes Steinhaus auf einem Basaltfundament mit Schieferdach, das als neue, winterfeste Bauhütte und Werkstatt diente, in der Steinmetze Trachytblöcke für architektonische Details zurichteten, wie dichte Lagen von Trachytkleinschlag im Boden belegen.

Bauphasen der Festung (1372–1377)

Die architektonische Konzeption der Zonser Wehranlagen folgte dem bewährten kurkölnischen Schema einer befestigten Stadt, in deren Ecke die landesherrliche Kernburg als stark gesicherte Zitadelle integriert und durch eine eigene innere Wehrmauer sowie einen Graben von der Bürgerstadt getrennt war. Der eigentliche Burgbau vollzog sich ab 1373 in mehreren, rasch aufeinanderfolgenden Schritten. Zunächst wurde der erhaltene romanische Kirchturm durch den Anbau eines neuen Ostabschlusses zu einem Wohn- und Wehrturm umgerüstet. Zeitgleich wurden die innere Wehrmauer errichtet und das Hochschloss (Kernburg) durch einen massiven, dreigeschossigen Torturm aus Basalt, Tuff und Trachytquadern mit einer gewölbten Durchfahrt über einer quadratischen Grundfläche von etwa 10 Metern Seitenlänge gesichert.

In einer unmittelbar anschließenden zweiten Burgbauphase wurde die Anlage fortifikatorisch massiv verstärkt und modernisiert. Dem Torturm wurde eine äußere Wehrmauer vorgelegt, für die der Turm selbst nach Norden um 0,95 Meter erweitert wurde. Die südliche Wehrmauer wurde im Fundamentbereich zu einem 3,80 Meter starken Bollwerk ausgebaut, auf dessen Krone ein breiter Wehrgang verlief. Dieser war über einen Treppenturm an der Westseite mit einer sorgfältig ausgeführten Wendeltreppe aus Trachytblöcken zugänglich. Als innovatives und wehrhaftes Element wurde ein runder Verteidigungsturm (der Südturm, im Volksmund auch "stumpe Toon" genannt) in die äußere Wehrmauer integriert. Um die Kernburg zog sich zur Vorburg hin ein tiefer, beiderseits ausgemauerter Burggraben. Im Burghof entstanden der Nordflügel sowie der repräsentative Westflügel, der als eigentlicher Wohnpalas (Hofhaltung) des Erzbischofs diente und mit Kaminanlagen, glasierten Kachelöfen und einer Latrine im Kellerbereich komfortabel ausgestattet war. Mit dem Abschluss dieser Arbeiten im Jahr 1377 war die Kernburg vollständig wehrfähig.

Integration in die Stadt (bis 1388)

Parallel zum Festungsbau wurde ab 1373 das Stadtgebiet nördlich der Burg nach einem regelmäßigen, schachbrettartigen Straßenraster mit einem konsequenten Parzellensystem angelegt. Am 20. Dezember 1373 stellte Erzbischof Friedrich III. auf der Burg die Stadterhebungsurkunde aus, die den Bürgern die weitreichenden Rechte und Privilegien der Stadt Brühl gewahrte. Die Stadtfläche (ca. 250 m x 310 m) wurde von einer rund 1100 Meter langen, basaltverstärkten Stadtmauer umschlossen, in welche die Burg in der Südostecke als integraler Eckpfeiler der Gesamtbefestigung einbezogen wurde.

Beim Bau der Stadtmauer spiegelte das Baumaterial den technologischen und ökonomischen Wandel der Epoche wider: Während anfangs nach Kölner Vorbild schwerer Säulenbasalt, Tuffeinschübe und Trachytquader für repräsentative Kanten dominierten, wurde im weiteren Verlauf zunehmend der pragmatischere und billigere, vor Ort gebrannte Backstein (Feldbrandstein) für das Aufgehende der Mauern eingesetzt, was die Baugeschwindigkeit erheblich steigerte. Als Schlusspunkt und weithin sichtbares Wahrzeichen der Zollfeste wurde im Jahr 1388 an der Nordostecke der Stadt der monumentale, sechsstöckige Peters-, Zoll- oder Rheinturm vollendet, der fortan als sichere Hebestelle des Rheinzolls diente. Seine lateinische Bauinschrift an der Südseite nennt stolz das Fertigstellungsjahr und den Erbauer Friedrich von Saarwerden.

Im selben Jahr (1388) gelang dem Erzbischof ein entscheidender territorialpolitischer Durchbruch: Er bewegte Herzog Wilhelm von Jülich-Geldern dazu, in einem Tauschgeschäft auf seine historisch verbliebenen Vogteirechte über Zons zu verzichten, wodurch Stadt, Burg und der einträgliche Zoll endgültig und uneingeschränkt der kurkölnischen Landesherrschaft eingegliedert wurden.

Residenzfunktion und Hofhaltung

Die neu errichtete Burg Friedestrom diente ihrem Erbauer Friedrich von Saarwerden als einer seiner bevorzugten zeitweiligen Aufenthaltsorte. Seit seinem ersten dokumentierten Aufenthalt im Juni 1373, während dessen er drei Urkunden in der Burg ausstellte, hielt er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1414 nachweislich über 70 Mal in Zons auf. Die Burg war so ausgestattet, dass sie dem Erzbischof und seinem Gefolge bei seinen Reisen im nördlichen Erzstift eine standesgemäße Unterkunft bot. Auch Friedrichs Neffe und Nachfolger im Amt, Erzbischof Dietrich von Moers (1414–1463), nutzte die Feste ausgiebig als Residenz für feierliche Hofhaltungen und verstarb schließlich im Jahr 1463 auf der Burg Friedestrom.

Die Ära des Domkapitels (1463–1794)

Die dauerhafte Verpfändung

Mit dem Tod von Erzbischof Dietrich von Moers im Jahre 1463 endete die Phase der direkten landesherrlichen Verwaltung unter erzbischöflicher Aufsicht. Dietrich von Moers, ein Neffe des Stadtgründers, hatte das Erzstift durch seine prunkvolle Hofhaltung und kostspielige Fehden in den finanziellen Ruin getrieben. Da das Kölner Domkapitel als größter Gläubiger für die immensen Schulden bürgte, ließ es sich im Jahr 1463 Stadt, Burg und den erträglichen Rheinzoll von Zons dauerhaft als Pfand verschreiben. Da die hohen Schulden der Erzbischöfe in den darauffolgenden Jahrhunderten nie zurückgezahlt werden konnten, verblieb Zons bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1794 faktisch als eine Unterherrschaft des Domkapitels. Dieses übte fortan die uneingeschränkte Grund-, Pfand- und Gerichtsherrschaft über das kleine Amt Zons aus, das neben der befestigten Stadt auch das Dorf Stürzelberg, einen Teil von Horrem, den Heckhof und das rechtsrheinische Haus Bürgel umfasste.

Der Verwaltungssitz auf der Burg

Unter der Herrschaft des Domkapitels entwickelte sich die Burg Friedestrom zum zentralen administrativen und gerichtlichen Mittelpunkt des kleinen Amtes. Da sich die Amtmänner ab der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nicht mehr ständig in Zons aufhalten mussten, residierten stattdessen meist vom Amtmann eingesetzte Amtsverwalter auf der Burg, um die kurkölnischen und domkapitularischen Interessen vor Ort zu vertreten. Der Amtmann war für die militärische Sicherung der Feste und das lokale Wehrwesen verantwortlich. Zugleich war die Burg der Sitz des Schultheißen, der das Schöffengericht leitete, sowie des Gerichtsschreibers. Auch der Kellner, dem die Verwaltung und der Empfang der domanialen Einkünfte aus dem Amt oblagen, hatte hier seine Amtsräume. Obwohl die eigentliche Zollerhebung ab 1388 in den nordöstlichen Rheinturm verlegt worden war, blieb die Burg eng mit dem Zöllner und den Zollschreibern verbunden, die das lukrative Zollwesen organisierten. Auf dem Burgareal wurde zudem regelmäßig das Herrengeding abgehalten, eine gerichtliche Versammlung aller Bürger zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.

Militärische Ereignisse und Bewährungsproben

Ihre strategische Konzeption als uneingeschränkt wehrhafte Festung musste die Anlage in den folgenden Jahrhunderten in mehreren großen kriegerischen Konflikten unter Beweis stellen. Die erste große Bewährungsprobe ergab sich während der Kölner Stiftsfehde (auch Burgundischer Krieg genannt, 1474–1475), als Erzbischof Ruprecht von der Pfalz mit Unterstützung des burgundischen Herzogs Karl des Kühnen Neuss belagerte, um seine Herrschaftsrechte gewaltsam durchzusetzen. Während des Krieges diente Zons als wichtiger Stützpunkt für die Verteidiger und als Operationsbasis zur Kaperung feindlicher Transportschiffe auf dem Rhein. Im Mai 1475 bezog das kaiserliche Entsatzheer unter Friedrich III. ein befestigtes Lager vor den Toren der Feste. Der Kaiser selbst nahm für 14 Tage Quartier auf Burg Friedestrom, um von dort aus die entscheidenden Verhandlungen zur Aufhebung der Belagerung von Neuss zu führen.

Ein Jahrhundert später geriet Zons im Truchsessischen oder Kölnischen Krieg (1582–1589) erneut in den Fokus der Religionskriege. Nachdem der Kölner Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg zum Protestantismus konvertiert war, aber sich weigerte, seine Ämter niederzulegen, wurde die Stadt zum stärksten Bollwerk des altgläubigen Domkapitels im Niederstift. Unter dem entschlossenen Kommando des dortigen Amtmanns, des Chorbischofs Friedrich von Sachsen-Lauenburg, trotzte die Burg Friedestrom allen militärischen Anschlägen und Belagerungsversuchen der truchsessischen Truppen und sicherte damit dauerhaft die altgläubige Position am Niederrhein.

Ihre härteste militärische Prüfung erlitt die Zollfeste jedoch in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges. Im Herbst 1646 schloss der auf französisch-protestantischer Seite kämpfende hessische Oberst Carl von Rabenhaupt einen festen Belagerungsring um die Stadt. Trotz eines verheerenden Bombardements – bei dem an einem einzigen Tag 671 Kanonenschüsse auf die Stadt gefeuert und 300 Feuerballen hineingeworfen wurden – verweigerte die tapfere Besatzung unter dem kaiserlichen Oberst Johann Wilhelm von Goltstein die Übergabe. Unterstützt durch die Zonser Bürgerinnen und Bürger, die glühendes Material von den Zinnen schleuderten und Breschen in den Mauern schlossen, hielt die Feste stand, bis ein kaiserliches Entsatzheer unter General Melander die Hessen zum Rückzug zwang.

Die heftige Beschießung hinterließ gravierende Spuren an der Hauptburg: Vor allem der im direkten Visier der hessischen Kanonen liegende Westflügel der Kernburg wurde so schwer zerstört, dass er praktisch zur Ruine wurde.

Niedergang, Instandhaltung und Umwidmung (17. Jahrhundert – 1802)

Militärischer Verfall und die Verlagerung in die Vorburg

Der fortifikatorische Niedergang der Burg Friedestrom setzte in den unruhigen Zeiten des 17. Jahrhunderts ein. Zwar trotzte die Festung unter dem kaiserlichen Obersten Goltstein 1646 der heftigen Belagerung durch Rabenhaupt, doch nahmen die Gebäude der Hauptburg durch den massiven Kanonenbeschuss schweren Schaden. Insbesondere der mittelalterliche Westflügel (Palas) der Kernburg wurde derart zerstört, dass er dauerhaft unbewohnbar blieb. In der Folgezeit wurde das tägliche administrative Leben aus den Ruinen des Hochschlosses in den Bereich der Vorburg verlegt. Zur größeren Bequemlichkeit der herrschaftlichen Verwaltung errichtete man an der nördlichen Vorburgmauer ein neues, zur Stadt hin geöffnetes Wohngebäude. Dieses heute als "Herrenhaus" bekannte Gebäude (der heutige Sitz des Kreismuseums) wurde 1658/59 errichtet und diente fortan dem kurkölnischen Amtmann als Wohn- und Amtssitz. Mehrere nicht mehr benötigte, baufällige Gebäude des Oberschlosses, darunter der alte, zum Wohnturm umgerüstete Kirchturm der einstigen Vorgängerkapelle sowie dessen östlicher Anbau, wurden zwischen 1650 und der Mitte des 18. Jahrhunderts abgebrochen.

Kontinuierliche Instandhaltung im 18. Jahrhundert

Entgegen der älteren Annahme, das Kölner Domkapitel habe die gesamte Anlage nach dem 17. Jahrhundert mehr und mehr verfallen lassen, belegen die Domkapitelsprotokolle kontinuierliche und erhebliche Investitionen in den Erhalt und die Modernisierung der gesamten Burganlage. Da das Domkapitel seit der Pfandverschreibung von 1463 als Grund- und Pfandherr über das Amt Zons waltete, finanzierte es diese Arbeiten pragmatisch aus den laufenden Zonser Zollgeldern (Zollgefälle). So investierte das Kapitel im Winter 1730/31 massiv in das Unterschloss, indem der Zimmermeister Joan Schmitz für 70 Reichstaler (bzw. 10 Louisdor) einen komplett neuen, großen Dachstuhl aufrichtete und die Speicher neu mit Bretterböden versah. Die Dächer des Ober- und Unterschlosses wurden auch in der Folgezeit (belegt für 1744, 1774 und 1781) regelmäßig durch Schieferdecker begangen und ausgebessert. Auch die Wehrtürme blieben im Fokus der Baupflege: Der als Gefängnis für "malefiz Personen" genutzte Juddeturm, der nach dem schweren Stadtbrand 1620 bis 1625 ein neues Dach im vorherigen Stil erhalten hatte, wurde mehrfach instand gesetzt; unter anderem kaufte das Kapitel 1717 Kalk für Ausbesserungen, ließ 1777 seinen verfaulten hölzernen Dachstuhl für 95 Reichstaler komplett erneuern und das Schieferdach 1783 flicken. Die Wasserinfrastruktur wurde ebenfalls gepflegt: Unter dem Amtmann Graf von Fugger wurden 1733 die Schlossgräben aufwendig mit Ziegelsteinen neu ausgemauert und Entwässerungskanäle angelegt. Im Jahr 1749 wurden zudem die vier Schleusen hinter dem Schloss durch den Bürgermeister Lambert Braun komplett neu aufgebaut, wofür man Steine von abgebrochenen, baufälligen Schlossflügelmauern wiederverwendete. Die hölzernen Schlossbrücken über den Gräben wurden in den Jahren 1717, 1726 und 1754 repariert oder neu errichtet.

Repräsentative Umbauten und Umnutzung der Kernburg

Ein besonderer Impuls für bauliche Veränderungen ging von den Besuchen des Kölner Kurfürsten Clemens August aus, der Zons und das Umland ab 1732 regelmäßig zur Falkenjagd (Reiherbeize) aufsuchte. Um den herrschaftlichen Gast standesgemäß unterzubringen, wurden 1732 die Küchen im Ober- und Unterschloss erweitert, Kamine versetzt und im Oberschloss neue Glasfenster sowie große Brettertüren eingebaut. In den Jahren 1737 und 1738 wurden zudem die ehemals kleinen, mittelalterlichen Fenster des Schlosses großzügig ausgebrochen und durch moderne, große Glasfenster mit neuen Rahmen ersetzt. Doch auch abseits kurfürstlicher Prachtentfaltung behielt die Kernburg eine elementare wirtschaftliche Funktion: Sie diente dem Domkapitel als zentraler Lehns- und Fruchtspeicher zur Einlagerung der domanialen Getreidepachten. Um tonnenweise Getreide aufschütten zu können, wurden die Speicherböden kontinuierlich ertüchtigt; im Jahr 1772 wurde der Speicher über dem Brauhaus des Oberschlosses für 65 Reichstaler vollständig mit Platten belegt, um Platz für 600 bis 700 Malter Korn zu schaffen. Noch im Jahr 1791, kurz vor dem Ende der kurkölnischen Herrschaft, ließ das Kapitel einen baufälligen Anbau neben der großen Küche des Oberschlosses abreißen und die betroffene Giebelwand in solider Ziegelbauweise neu aufmauern.

Das Ende der kurkölnischen Ära und Säkularisation

Dieses über Jahrhunderte gewachsene System der domkapitularischen Verwaltung fand mit dem Übergang in die französische Zeit ein jähes Ende. Im Zuge der Revolutionskriege stießen die französischen Truppen im Herbst 1794 bis an den Rhein vor. Am 5. Oktober 1794 erreichte eine Vorhut der französischen Revolutionstruppen die Zonser Heide und ritt plündernd in das Rheinstädtchen ein. Mit dieser Besetzung endete die Zeit der kurkölnischen Landesherrlichkeit sowie die autonome Unterherrschaft des Kölner Domkapitels über das Amt Zons endgültig.

Gemäß den französischen Gesetzen folgte im Jahr 1802 die Säkularisation, in deren Zuge die zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend verfallene Hauptburg Friedestrom durch ein Konsulardekret als staatliches Domänengut eingezogen wurde. Bis zu dieser Enteignung war das Anwesen von Johann Esser vom Kölner Domkapitel gepachtet gewesen.

Die Burg als Gutshof (1803–1962)

Säkularisation und Privatisierung

Am 3. Oktober 1803 (dem 10. Vendémiaire XII nach dem französischen Revolutionskalender) erwarb der Zonser Gutsbesitzer und spätere Bürgermeister Matthias Melchior Aldenhoven (1758–1821) die Burganlage für 4.275 Francs bei einer öffentlichen Versteigerung. Der damalige Kaufvertrag beschrieb das inmitten der Stadtbefestigung gelegene Schlossareal als Wohngebäude mit fünf Räumen im Erdgeschoss und einem Keller, im ersten Stock sechs Räume, Kornspeicher, Pferdeställen, Hühnerstall, Schweineställen, Remisen, zwei Höfen – darunter einem mit den sichtbaren Überresten der mittelalterlichen Kernburg – sowie einem kleinen Obstgarten.

Zeitgleich erwarb Aldenhoven auch den ehemals der Abtei Brauweiler gehörigen Zehnthof, womit die lange Epoche der landwirtschaftlichen Nutzung der Burg als privater Gutshof begann und sich die Familie eine bedeutende wirtschaftliche Vormachtstellung im Ort sicherte.

Landwirtschaftliche Nutzung und Gutsbetrieb

Unter der Ägide der Familie Aldenhoven wurde das einstige militärische Bollwerk umfassend umgestaltet und in einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb umgewandelt. Nach dem Tod des Vaters übernahm dessen Sohn, der liberale Abgeordnete Franz Aldenhoven (1803–1872), den Betrieb und baute ihn zu einem weithin bekannten Mustergut aus. Ab dem Jahr 1837 experimentierte Franz Aldenhoven als einer der Pioniere im Rheinland mit dem Zuckerrübenanbau und richtete auf dem Schlossgelände eine Rübenzucker- und Rübenkrautproduktion im landwirtschaftlichen Nebenbetrieb ein. Die Verarbeitung zu Rübenzucker wurde jedoch wegen mangelnder Rentabilität im Jahr 1844 wieder eingestellt, während die Rüberkrautfabrikation noch bis 1906 fortbestand.

Im Jahr 1875 verkaufte die Familie Aldenhoven die ehemalige Landesburg mitsamt den zugehörigen, rund 190 Hektar umfassenden Ländereien, Gärten und Wäldern an den Freiherrn von Diergardt. Während Franz’ Sohn August Aldenhoven den Betrieb zunächst noch als Pächter weiterführte, wurde das Schlossgut nach dessen Tod im Jahr 1899 an die Pächterfamilie Meller übergeben. Heinrich Meller und seine Familie bezogen das im Bereich der Vorburg liegende Herrenhaus (das heutige Kreismuseum) als Wohnsitz. Unter seinem Sohn Wilhelm Meller entwickelte sich das Gut zu einem der größten landwirtschaftlichen Betriebe der Region, der in Spitzenzeiten während der Ernte bis zu 50 Arbeitskräfte beschäftigte und für seine erfolgreiche Kaltblutpferdezucht bekannt war. Nach Wilhelms Tod im Jahr 1951 übernahm Hans-Heinrich Meller die Führung und leitete die tiefgreifende Modernisierung und den Übergang zum Traktorenbetrieb ein. Im Jahr 1962 erwarb die Stadt Zons das Schlossgelände von der Familie von Diergardt, woraufhin die Familie Meller im Jahr 1964 den traditionsreichen Betrieb auf den neu errichteten Diergardthof vor den Toren der Stadt verlagerte.

Erhaltungsbemühungen um 1900

Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung und die jahrzehntelange Vernachlässigung der wehrhaften Strukturen befand sich die historische Bausubstanz am Ende des 19. Jahrhunderts in einem besorgniserregenden, stark verfallenen Zustand. Den entscheidenden Impuls für die Rettung der Feste gab der 1893 berufene erste Landeskonservator der Rheinprovinz, Professor Dr. Paul Clemen. Nach einer Besichtigung adelte er Zons 1895 in einer vielbeachteten Publikation als "rheinisches Rothenburg" und forderte nachdrücklich den dauerhaften Erhalt dieses unschätzbaren Denkmals. Clemen gelang es, erhebliche staatliche, provinzielle und kreisbezogene Finanzmittel für die Rettung der Stadtbefestigung zu mobilisieren.

Unter seiner fachlichen Aufsicht und der tatkräftigen Initiative des Zonser Bürgermeisters Claus Kohl begannen ab dem Herbst 1901 die ersten großangelegten Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten an den verwitterten Mauern und Türmen. Im Zuge dieser umfassenden Erneuerungen wurde auch die Bebauung des Schlossgeländes nachhaltig verändert: Im Jahr 1904 ließ der Gutsbetrieb im westlichen Burgbereich eine große neue Scheune errichten, welche die Fundamente des mittelalterlichen Westflügels und des alten Kirchturms überlagerte. Während diese landwirtschaftlichen Zweckbauten das Areal bis zur Übergabe an die Stadt prägten, bildete die durch Paul Clemen initiierte Rettungskampagne den Grundstein für die heutige Erhaltung der gesamten Burganlage.

Entwicklung zum Kreiskulturzentrum (seit 1962)

Im Jahr 1962 erwarb die Stadt Zons das ehemalige Schlossgelände Friedestrom von der Familie von Diergardt, nachdem der dort seit Beginn des 19. Jahrhunderts über 150 Jahre lang betriebene landwirtschaftliche Gutsbetrieb ausgelagert worden war. Das geschichtsträchtige Areal wurde daraufhin im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags an den damaligen Kreis Grevenbroich (heute Rhein-Kreis Neuss) übertragen, welcher in der Folgezeit eine systematische Restaurierung und den schrittweisen Ausbau zum Kreiskulturzentrum betrieb.

Als erster Meilenstein dieser kulturellen Neuausrichtung wurde am 24. Mai 1972 das KreisMuseum Zons im gründlich restaurierten Herrenhaus der ehemaligen Vorburg feierlich eröffnet. Unter der jahrzehntelangen Leitung von Helene Blum-Spicker entwickelte sich das Museum durch wechselnde Ausstellungen zur Kunst und Kulturgeschichte sowie durch die Etablierung bedeutender Spezialsammlungen – wie der europaweit einzigartigen Jugendstil-Zinnsammlung – rasch zu einem weit überregionalen Anziehungspunkt. Die bauliche und funktionale Erweiterung der Anlage setzte sich in den Folgejahren kontinuierlich fort: Im Jahr 1990 bezogen schließlich das Kreisarchiv sowie das Internationale Mundartarchiv "Ludwig Soumagne" neue Räumlichkeiten im wiederaufgebauten und modern ergänzten Hochschlossbereich. Während das Kreisarchiv als Gedächtnis der Region fungiert, widmet sich das nach dem Norfer Mundartdichter Ludwig Soumagne (1927–2003) benannte Mundartarchiv der wissenschaftlichen Dokumentation und Pflege deutschsprachiger Dialektliteratur. Ergänzt wird dieses Ensemble durch eine zentrale Veranstaltungshalle im ehemaligen Nordflügel der Kernburg. Das Kreisarchiv, heute Archiv im Rhein-Kreis Neuss, bezog 2022 einen Neubau an der Schloßstraße neben dem Juddeturm.

Der umfassenden Sanierung der Anlage ging eine intensive wissenschaftliche Erforschung des Areals voraus. In drei großen Grabungskampagnen des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege – durchgeführt in den Jahren 1980/81, 1986/87 sowie 1988 unter der Leitung der Archäologen Dr. Gustav Müller (1921–1988), Dr. Jürgen Kunow (* 1953) und Dr. Jeanne-Nora Andrikopoulou-Strack – wurde der Schlossinnenhof systematisch untersucht. Diese Forschungen brachten bahnbrechende Ergebnisse zur bis dahin weitgehend unbekannten Frühgeschichte des Platzes zutage: Neben dem fränkischen Waffendepot des 7. Jahrhunderts wurden die Fundamente der insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Kirchen und ein weitläufiges Gräberfeld mit Skelettresten von über 200 Individuen freigelegt. Die mühsame, zehnjährige wissenschaftliche Auswertung von rund 70.000 Keramikscherben durch die Archäologin Dr. Marion Roehmer ermöglichte eine präzise zeitliche Einordnung der einzelnen Bauphasen und legte die Grundlagen für das heutige Verständnis der Zonser Bau- und Kirchengeschichte.

Architektur und Baubeschreibung

Die Hauptburg (Hochschloss)

Den baulichen Kern der Anlage Friedestrom bildet das dreiflügelige Hochschloss in der südöstlichen Ecke des Burgareals, welches einen gepflasterten Innenhof umschließt. Im Pflaster dieses Innenhofs machen farbige Pflasterungen die Grundrisse der bei Ausgrabungen in den 1980er Jahren entdeckten romanischen Vorgängerkirchen sichtbar – eine rötliche Pflasterung markiert eine kleine Saalkirche um das Jahr 1000, während graue Pflastersteine eine spätere, um 1200 errichtete dreischiffige Steinkirche kennzeichnen. Beherrscht wird die Kernburg von dem massiven, viergeschossigen Torturm an der Westseite, der sich über einer quadratischen Grundfläche mit einer Seitenlänge von rund 8,40 bis 8,50 Metern erhebt. Seine unteren Partien bestehen aus schwerem Säulenbasalt, der mittlere Teil des bis zu 1,70 Meter starken Wehrmauerwerks ist aus Tuff gefügt, und das Obergeschoss besteht aus Ziegelmauerwerk. An der feldseitigen Außenfront zeigt der Turm das spitzbogige Tor, umrahmt von der Blendnische der einstigen Zugbrücke samt den noch sichtbaren Kettenlöchern im Trachytmauerwerk. Über der tonnenüberwölbten Durchfahrt befinden sich zwei übereinanderliegende Wachtkammern mit Kaminresten, während das oberste Stockwerk aus einem vorkragenden Wehrgang mit kleinen achtseitigen Eckwarten besteht, der auf einem umlaufenden spätgotischen Spitzbogenfries aus Tuff mit Gussöffnungen an der Außenseite ruht. Vom Torturm aus erstreckte sich an der Westseite der innere Palas (Wohnpalas) des Erzbischofs mit einer ursprünglichen Länge von knapp 18 Metern und einer Tiefe von 6 Metern. Dieser Hauptwohnbau wurde jedoch während der hessischen Belagerungen im Dreißigjährigen Krieg (1646) durch Geschütze so schwer beschädigt, dass er verfiel und zur Ruine wurde. An seiner Stelle wurde im Jahr 1990 ein moderner Bau in zeitgenössischer Formensprache über den freigelegten mittelalterlichen Fundamenten errichtet. Der weitgehend im spätmittelalterlichen Bestand erhaltene Südflügel der Hauptburg beherbergt heute unter anderem Atelierräume, während der nördliche, am besten erhaltene Flügel über einem spätmittelalterlichen Gewölbekeller eine durchgehende, heute für kulturelle Veranstaltungen genutzte Halle besitzt.

Die Vorburg

Die Kernburg wird im Norden und Westen von einem hakenförmigen, ca. 11.000 Quadratmeter großen Vorburgbereich umschlossen, der sich wie ein Schutzring zwischen die Hauptburg und die eigentliche Bürgerstadt legt. Da die Kernburg infolge der Kriegszerstörungen des 17. Jahrhunderts unbewohnbar geworden war, verlegte der kurkölnische Amtmann seinen Wohn- und Amtssitz in das an der nördlichen Vorburgmauer 1658/59 auf dem Standort eines Vorgängergebäudes errichtete Herrenhaus. Dieses Gebäude präsentiert sich als ein langgestreckter, zweigeschossiger und neunachsiger Bau mit einem Satteldach, gelbem Putz und rot-weißen Fensterläden. In seinem historischen Gewölbekeller haben sich zwei gemauerte Hausbrunnen erhalten. Westlich schließt sich an das Herrenhaus der ehemalige Pferdestall (Marstall) an, bei dem es sich weitgehend um einen Backstein-Neubau aus dem Jahr 1974 handelt, sowie eine moderne Glashalle aus dem Jahr 1994. Der stadtseitige Zugang zur Vorburg erfolgte historisch durch ein heute vermauertes Tor in der Nähe des Juddeturms. An der Nahtstelle von West- und Nordmauer der Vorburg erhebt sich als markanter stadtseitiger Eckpfeiler der schlanke, ca. 35,95 Meter hohe Juddeturm. Der Rundturm besitzt im Erdgeschoss eine enorme Wandstärke von 2,10 bis 2,50 Metern, die nach oben hin abnimmt, und weist bis zum Wehrgang einen wehrhaften Verbund aus Basaltquadern und Backsteinschichten auf. Eine barocke, geschweifte Schieferhaube mit einer achtseitigen Laterne krönt das Gebäude seit der Zeit um 1600 und ersetzte ein stumpfes Kegeldach. Im Inneren des Turms befindet sich im Erdgeschoss ein achteckiges, gewölbtes Gefängnis, von dem aus Gefangene durch eine Bodenluke in ein bis zu 7 bis 11 Meter tiefes, fensterloses Verlies hinabgelassen werden konnten. Die darüber liegenden, zu Wohnzwecken genutzten Obergeschosse weisen Kamine auf und sind über eine enge Wendeltreppe in einem fünfseitigen Treppentürmchen auf der Ostseite erschlossen.

Befestigungselemente

Zum Schutz gegen Angriffe war die Kernburg von der Vorburg durch eine gewaltige, heute trockengelegte Grabenanlage von 14 Metern Breite und ca. 6,5 Metern Tiefe abgeriegelt. Während die äußere Grabenmauer ausschließlich aus Basalt besteht, ist die innere Grabenfangmauer der Kernburg repräsentativ aus 18 Lagen Trachytquadern aufgemauert. Ein weiteres wesentliches Wehrelement ist der im Mittel 28 Meter breite Zwinger, der der gesamten Südseite der Stadt- und Burganlage vorgelagert ist. Dieser Zwinger, in den ehemals der ca. 12 bis 15 Meter breite, wasserführende Stadtgraben integriert war, bot eine zusätzliche wehrhafte Barriere und umschließt heute im östlichen Teil die seit 1935 etablierte Zonser Freilichtbühne. An der südöstlichen Ecke des Zwingers steht der markante, zweigeschossige Eisbrecher-Turm. Dieser als wehrhafter Dreiviertelturm aus Basalt errichtete Eckturm besitzt an seinem Trachytsockel deutliche waagerechte Einkerbungen. Diese Rillen entstanden im Laufe der Jahrhunderte durch die Treidelseile, mit denen herannahende Schiffe um die Ecke in den ehemals südlich des Zwingers gelegenen Schloss- und Zollhafen gezogen wurden. Zugleich diente das massiv gefügte Bauwerk als Eisbrecher, um die weniger widerstandsfähigen Stadt- und Burgmauern vor den im Winter rheinabwärts treibenden Eisschollen zu schützen.

Quellen und Literatur

  • Roehmer, Marion: Burg Friedestrom in Zons. Archäologische Untersuchungen in einer mittelalterlichen Festung, in: Fund und Deutung – Neuere archäologische Forschungen im Kreis Neuss (= Veröffentlichungen des Kreisheimatbundes, Nr. 5), Neuss 1994, S. 100–107.
  • Roehmer, Marion: Die Kirchenbauten im Bereich der späteren Zollfestung Burg Friedestrom, in: Archäologie im Rheinland 1993 (1994), S. 149–151.
  • Roehmer, Marion: Burg Friedestrom in Zons. Mittelalterliche Keramik und Baubefunde einer rheinischen Zollfestung. Mit Beitr. v. Barbara Hollack, Manfred Kunter und Frank Siegmund (= Rheinische Ausgrabungen, Bd. 42), Köln 1998.
  • Schneider, Peter Conrad: Zahn- und Kieferbefunde an menschlichen Skelettresten aus der mittelalterlichen Burg Friedestrom in Dormagen-Zons (Kreis Neuss). Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Zahnheilkunde des Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Gießen 1994.
  • Roehmer, Marion: Burg und Stadtbefestigung von Zons. Eine bauhistorische Charakterisierung, in: Schröder, Stephen/ Schwabach, Thomas (Red.): Zons. Neue Erkenntnisse zur Geschichte einer alten Stadt (= Veröffentlichungen des Archivs im Rhein-Kreis Neuss Bd. 3), Sankt Augustin 2023, S. 70–123.
  • Andrikopoulou-Strack, Nora/ Kunow, Jürgen/ Lichtenthal, Leo/ Wentscher, Jürgen: Archäologische Untersuchungen im Burggelände Friedestrom in Zons, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 135–138.
  • Kunow, Jürgen/ Wentscher, Jürgen: Die Kirchengrabung in Zons. Dokumentation, Dormagen 1982.
  • Knörzer, Karl-Heinz: Pflanzenfunde in einer spätmittelalterlichen Latrine in Zons, in: Archäologie im Rheinland 1987 (1988), S. 138–140.